

![]()



von Mag.art. Bella Volen
Akademische Kunstmalerin & Galeristin BELLA VOLEN Galerie
Acryl auf Leinwand
140 × 180 cm
Wien, 2018
In der Alchemie bezeichnet Prima Materia (lateinisch für „erste Materie“) die ursprüngliche Substanz, aus der alle Materie hervorgeht. Sie gilt als das Ausgangsmaterial des alchemistischen Magnum Opus, des großen Werkes, das auf Transformation und die Erschaffung des Steins der Weisen abzielt.
Symbolisch steht die Prima Materia für das ursprüngliche Potenzial, aus dem Transformation beginnt – sowohl in der Natur als auch im menschlichen Geist.
Die Hände symbolisieren die Genesis der Urmaterie und verkörpern das Prinzip der Schöpfung selbst. Die Künstlerin setzt sich stark für die Praxis der inneren Alchemie ein – eine transformative Reise, bei der Menschen die Fähigkeit entwickeln, schwierige Umstände, negative Emotionen und destruktive Gedanken bewusst in positive Kräfte zu verwandeln.
Valerie-Sophie Schönberg Herausgeberin, Executive Director
Liebe Leserinnen und Leser Liebe Circular Community, Liebe Anpacker:innen und Umsetzer:innen,
Ressourcen sind längst mehr als eine Frage der Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe. Sie sind ein strategischer Hebel für wirtschaftliche Resilienz, Innovationsfähigkeit, regionale Wertschöpfung und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit. Genau deshalb haben wir den Schwerpunkt dieser Ausgabe des CIRCULAR INSIDER AUSTRIA bereits im Herbst 2025 auf das Thema „Ressourcen als Hebel“ gelegt.
Schon damals war aus unserer Perspektive klar: Die Art, wie wir Ressourcen verstehen, nutzen, sichern und in Kreisläufen führen, wird zu einer entscheidenden Zukunftsfrage. Die jüngsten Entwicklungen haben dieser Einschätzung zusätzliche Dringlichkeit verliehen. Spätestens jetzt ist offensichtlich, wie eng Ressourcenfragen mit Standortpolitik, Versorgungssicherheit und wirtschaftlicher Souveränität verknüpft sind.
Mehr als eine Rohstofffrage Dieses Magazin macht sichtbar, wie breit der Ressourcenbegriff heute gedacht werden muss. Es geht um agrarische und industrielle Reststoffe, um Materialien, Produkte und Infrastrukturen, aber ebenso um Daten, Kompetenzen, Kooperationen und neue Formen der Wertschöpfung.

Es geht um Transformation aus dem Vorhandenen: darum, Potenziale dort zu erkennen, wo lineare Systeme bislang vor allem Abfall, Verlust oder Abhängigkeit produziert haben. In diesem Sinne verweist auch das Kunstwerk „Prima Materia“ auf einen Gedanken, der weit über das Bild hinausweist: Transformation beginnt mit dem, was bereits da ist.
Dramaturgie dieser Ausgabe
Der Aufbau dieser Ausgabe folgt genau dieser Logik. Im ÖsterreichTeil versammeln wir ökonomische Grundlagen, Stimmen aus der Praxis und konkrete Beispiele aus Wirtschaft, Regionen, Beschaffung, Bau, Handel, Kultur, Tourismus oder Gesundheitswesen. Im Kapitel zu den Rahmenbedingungen wird deutlich, dass Ressourcenfragen nie nur technisch sind, sondern immer auch rechtlich, industriell und strategisch.
Die internationale Perspektive erweitert den Blick auf Handelsmacht, Stoffströme, geopolitische Abhängigkeiten und Lösungsansätze aus anderen Ländern.
Und im Abschnitt zu Aus- und Weiterbildung rückt schließlich in den Vordergrund, was all dies zusammenhält: die Fähigkeit, neue Kompetenzen aufzubauen und Kreislaufwirtschaft wirksam umzusetzen.
So versteht dieses Heft Ressourcen nicht nur als Materialfrage, sondern als Gestaltungsfrage. Es zeigt Österreich im Spannungsfeld von Standort und Verantwortung, von regionaler Stärke und globaler Verflechtung, von technischer Innovation und kulturellem Wandel. Ich lade Sie herzlich ein, diese Ausgabe als Überblick, Vertiefung und Anstoß zu lesen.
Ihre, Eure, Valerie-Sophie Schönberg
Executive Director Circular Economy Forum Austria
Norbert Totschnig
Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
Sehr geehrte
Leserinnen und Leser,
die Europäische Union setzt mit zentralen Leitprogrammen wie dem „Clean Industrial Deal“ und dem „Kompass für Wettbewerbsfähigkeit“ einen klaren strategischen Rahmen: Bis 2030 soll Europa weltweit eine führende Rolle in der Kreislaufwirtschaft einnehmen. Dieses Ziel steht für den Übergang zu einer klimafreundlichen und zukunftsfähigen, zirkulären Wirtschaft, in der wirtschaftlicher Fortschritt langfristig den Verbrauch natürlicher Ressourcen deutlich verringert.
Eine Kreislaufwirtschaft ist insbesondere für die Sicherung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen bedeutend und damit ein zentraler Hebel zur Verringerung von geopolitischen Abhängigkeiten. In der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie wurden daher wichtige strategische Ziele formuliert. Dazu zählen unter anderem die Steigerung der Ressourcenproduktivität um 50% bis 2030 gegenüber 2015, sowie eine Erhöhung der Zirkularitätsrate. Bis 2030 sollen 18 Prozent der in der Wirtschaft eingesetzten Materialressourcen aus der Wiederverwendung von Materialien gewonnen werden.

In einer zirkulären Wirtschaft steigern höhere Ressourceneffizienz, starke regionale Stoffkreisläufe und nachhaltige Geschäftsmodelle die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich entstehen innovative Produkte, neue Arbeitsplätze und eine Verbindung von ökologischer Verantwortung mit wirtschaftlicher Attraktivität.
Um diese Ziele zu erreichen müssen wir einen ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgen: von zirkulärem Produktdesign über Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendung bis hin zu hochwertigem Recycling.
Instrumente wie die EU-Ökodesignverordnung, EU-Richtlinie zum „Recht auf Reparatur“ und der digitale Produktpass fördern diese Prinzipien. Weiters soll 2026 der Entwurf für ein EU-Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgelegt werden.
Gerade in herausfordernden Zeiten gilt es, den Fokus auf die Kreislaufwirtschaft konsequent zu wahren –um Klima- und Umweltziele zu erreichen, Resilienz zu stärken, wirtschaftliche Chancen zu nutzen und zugleich gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen.
Ihr
Norbert Totschnig

Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.
Peter Hanke Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur
Sehr geehrte
Leserinnen und Leser,
die Transformation zur Kreislaufwirtschaft ist längst mehr als ein umweltpolitisches Ziel. Sie ist zu einer strategischen Voraussetzung für die wirtschaftliche Souveränität und Resilienz unseres Standorts geworden. In einer Zeit geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und wachsender Rohstoffabhängigkeiten entscheidet die Fähigkeit, Ressourcen im Kreislauf zu führen, zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Zukunftssicherheit unseres Landes.
Die österreichische Industriestrategie 2035 formuliert den Anspruch, wirtschaftliche Stärke, technologische Exzellenz und nachhaltige Transformation miteinander zu verbinden. Wettbewerbsfähigkeit entsteht heute dort, wo industrielle Wertschöpfung mit Innovation, Ressourceneffizienz und zirkulären Produktionsweisen zusammengedacht wird.
Kreislaufwirtschaft ist daher kein Randthema, sondern ein zentraler Baustein moderner Industriepolitik und ein Hebel für strategische Unabhängigkeit.

Gleichzeitig ist klar: Forschung, Technologie und Innovation sind entscheidend, um Wachstum, Resilienz und gesellschaftliche Transformation zu ermöglichen. Nur durch konsequente Investitionen in Wissen, Technologien und Talente können wir die großen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen und dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Vor diesem Hintergrund erfolgt eine klare Neuausrichtung unserer innovationspolitischen Instrumente. In strategischen Transformationsfeldern – vom zukunftsfähigen Bauen über leistungsfähige Energieund Mobilitätstechnologien bis hin zu einer international wettbewerbsfähigen Industrie – sowie in zentralen Schlüsseltechnologien werden
die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft durchgängig verankert. Maßgeblich ist dabei nicht ein punktueller Zugang, sondern die systematische Integration zirkulärer Logiken über alle Technologien, Sektoren und Wertschöpfungsstufen hinweg. Erst wenn Kreislaufwirtschaft zum Grundprinzip wird, kann sie ihre volle Wirkung entfalten.
Innovation schafft die Lösungen, Kreislaufwirtschaft sichert die Ressourcen, und beides gemeinsam stärkt die Resilienz unseres Wirtschaftsstandorts. Österreich hat die Chance, diese Transformation aktiv zu gestalten – technologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Nutzen wir sie.
Ihr
Peter Hanke

Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

01 Editorial – Valerie-Sophie Schönberg
04 Vorwort – Bundesminister Norbert Totschnig
05 Vorwort – Bundesminister Peter Hanke
07 Ökonomische Grundlagen für Österreich
08 Stimmen aus der Wirtschaft
10 Agrar- und Industrie-Reststoffe als Rohstoffbasis
12 CircularFood – Wertvolles aus Reststoffen
13 If you can’t beat them, eat them
14 Essen im Ausnahmefall
15 REset Resources bei Lidl
16 Malerhandwerk: Zwischen Pinsel, Planet und Profit
17 Kreislaufkultur für eine zukunftsfähige Theaterwelt
18 Schöner ohne Müll: So verlassen wir die Wegwerfspirale
19 Rethinking Regions im Team
20 Die Vitalisierung der Circular Economy
21 Repair Cafés: Mehr wäre weniger (Müll)
22 360 Grad Bergblick: Urlaub in Österreich
24 Ressourcendiät für das Gesundheitswesen
25 Stammtisch & Strategien für Städte, Regionen und Gemeinden
26 Circular Center – ein Pavillon mit Rückfahrkarte
27 Design Composite – Mit Mut zur Materialreinheit
29 Ressourcensouveränität statt Autarkie
30 Zirkuläre Ressourcen im globalen Handel: Regeln, Standards, Märkte
32 Stahl: Günstiger, sauberer und energieeffizienter
33 Ressourcensicherheit entscheidet über den Industriestandort
34 Beschaffung mit Weitblick: von BIM bis Urban Mining
35 KI und die Datenkaskade des zirkulären Bauens
36 Da ist Musik drin – 6 Akkorde des Remanufacturing
37 Mit R-Strategien Produktpotenziale ausschöpfen
38 Mit ISO-Standards zur Umsetzung
39 Resilienz strategisch stärken
40 EPR für Textilien: Rechtsfolgen für Hersteller
43 Geoökonomie der relativen Macht: Rohstoff-Roulette
44 Thriving in Global Turbulence
46 Innovation als Hebel der Kreislauftransformation
48 Neodym: strategische Ressource für Europas Zukunft
49 Metallschrott als Ressource
50 Plastikdiplomatie in der Sackgasse
51 Europa recycelt E-Waste nicht – es verschifft ihn
52 Frankreichs Textilwende mit System
54 Chinas Systemumbau rundum
55 Reverse Logistics in India: Millions Make a System
56 Brasilien entdeckt seine zirkuläre Zukunft
57 Waste Academy Ghana
59 Vom Schraubenschlüssel zur Systembrille
60 Raus aus der linearen Einbahnstraße
62 Hochschulallianz mit Weitblick für Europas Circular Society
63 Grundlagenwerk für die Wirtschaft von morgen
64 Jungbrunnen für alte Kulturtechniken
65 Kompetenzaufbau für Circular REDesign
66 Alles Steuerbord: zwischen Kennzahl und Kurskorrektur
68 Neuer Leuchtturm Circular Innovation Award
CIRCULAR INSIDER AUSTRIA Nr. 4 /2026 • Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: Circular Economy Forum Austria, Palais Eschenbach, 1010 Wien, Eschenbachgasse 11 • Unternehmensgegenstand: Gemeinnütziger Verein zur Förderung der Kreislaufwirtschaft, ZVRnr.1702109789 • Für den Inhalt verantwortlich: Valerie-Sophie Schönberg, Karin Huber-Heim, Christine Schäffer • Design & Art-Direktion: Paulina Wieser • Copyrights: Circular Change, www.circularchange.com • Fotos: beigestellt, Unsplash.com, Freepik.com • Druck: gugler* DruckSinn, 3390 Melk • Herstellungsort: Auf der Schön 2, 3390 Melk, Österreich • Satz- und Druckfehler vorbehalten • Information gemäß § 24 Mediengesetz und §§ 3 Z 2 und 5 E-Commerce-Gesetz





Kreislaufwirtschaft ist für Österreich nicht Kür, sondern Voraussetzung für Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Zukunft.
Von Valerie-Sophie Schönberg
Kreislaufwirtschaft ist in Österreich längst kein Randthema mehr, sondern ein wirtschaftlich relevantes Stärkefeld. Laut PwC waren ihr bereits 2024 rund 13.000 Unternehmen zuzurechnen: Sie erwirtschaften 15,6 Milliarden Euro Umsatz und 4,1 Milliarden Euro direkte Bruttowertschöpfung; inklusive indirekter und induzierter Effekte steigt diese auf rund 14 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst dieser Bereich mit durchschnittlich 3,2 % pro Jahr schneller als die Gesamtwirtschaft.
Auch in der Unternehmenspraxis ist Kreislaufwirtschaft angekommen. Laut ARA Circular Economy Barometer (2025) nutzen oder planen 91 % der Unternehmen entsprechende Aktivitäten, 83 % haben sie bereits strategisch integriert. 65 % wollen investieren, bei Großunternehmen liegt die Investitionsbereitschaft sogar bei 84 %. Kreislaufwirtschaft ist damit nicht nur ein Umwelt- oder Innovationsthema, sondern zunehmend Teil unternehmerischer Zukunftssicherung.
Warum das für Österreich besonders relevant ist, liegt in der Struktur des Standorts. Viele Unternehmen sind stark von importierten Rohstoffen abhängig; laut ARA betrifft das 44 %. Gleichzeitig lag die Zirkularitätsrate in Österreich laut PwC (2024) für das Bezugsjahr 2021 bei 12,8 %; aktueller weist Statistik Austria für 2023 einen vorläufigen Wert von 13,8 % aus. Die wirtschaftliche Nutzung zirkulärer Potenziale wächst also,
bleibt aber noch deutlich unter dem, was für mehr Unabhängigkeit und Krisenfestigkeit nötig wäre.
Österreich verfügt dabei bereits über eine starke Basis, vor allem bei den späteren R-Strategien wie Recycling, Reparatur, Refurbishment oder Remanufacturing. Die nächste große Chance liegt darin, diese industriellen Stärken mit den oberen R-Strategien zu verbinden, also mit intelligenterer Nutzung, Vermeidung, Wiederverwendung und neuen Geschäftsmodellen.
Gerade ein relativ kleiner, dicht vernetzter und stark vertrauensbasierter Markt wie Österreich kann hier Vorteile haben: wenn IoT, KI und datenbasierte Services mit zirkulären Wertschöpfungslogiken sinnvoll verbunden werden, entstehen neue industrielle Chancen weit über das klassische Recycling hinaus. Diese Verbindung aus technologischer Basis und strategischer Weiterentwicklung macht Kreislaufwirtschaft für Österreich zu einem echten Zukunftsfeld.

Strategische Ambitionen von Mitgliedern der Kreislaufwirtschaftsdelegation – einer von Reinhard Backhausen initiierten „Allianz für Rohstoffe und zirkuläre Wirtschaft“

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Wir leben in einer Zeit, in der Ressourcen kostbarer denn je sind. Entscheidend ist, wie klug wir mit ihnen umgehen – und was wir aus dem machen, was bereits vorhanden ist. Bei Infineon haben wir darauf eine klare Antwort: Wir machen mehr aus weniger. Das tun wir mit unseren Produkten. In unseren Prozessen. Und in der Art und Weise, wie wir mit Partnern zusammenarbeiten.
Kreislaufwirtschaft ist für uns ein Hebel, den wir ganz konkret angehen. In unseren Abläufen heißt das: Materialien konsequenter recyceln, wo möglich wiederverwenden und Abfallströme sauber trennen. Über 70 Prozent unserer Abfälle führen wir der stofflichen Verwertung zu. Wir nutzen die Abwärme, senken damit die Energiekosten. Und wir wenden modernste Technologien an, für mehr Effizienz und bessere Ressourcennutzung.
Wir denken Produkte neu, in dem wir neue Materialien anwenden, Designs und Ressourcen optimieren und die Recyclingfähigkeit berücksichtigen. Zwei Beispiele: Die SECORA™ Pay Green Card zeigt, wie wir mit umweltfreundlicheren und sicheren Bezahlkarten den Produktlebenszyklus verlängern und unseren gebrauchten IT-Geräten geben wir durch Wiederaufbereitung ein zweites Leben.
In Forschung und Entwicklung treiben wir Kreislaufansätze mit Kunden, Lieferanten und Partnern voran. Dazu gehören Themen wie digitaler Produktpass, Product Carbon Footprint Daten oder auch unser Engagement in der Kreislaufwirtschaftsdelegation mit österreichischen Leitbetrieben.
Kreislaufwirtschaft ist nicht nur Verantwortung. Sie ist auch ein Wirtschaftsfaktor.Sie eröffnet neue Pro-
zesse, Produkte, Angebote und Märkte. Besonders in der Wiederaufbereitung von Ressourcen kann sie zu einer echten Stärke Österreichs und Europas werden – und damit auch zu mehr strategischer Souveränität beitragen.
Unser Anspruch ist klar: Technologie, die Fortschritt ermöglicht –und Ressourcen respektiert. Wir arbeiten an und mit Technik, die mehr leistet, weniger verbraucht und für alle verfügbar ist. Eines zeigt sich: Dekarboniserung und Digitalisierung gehen Hand in Hand. Mehr aus weniger ist dabei unser Kompass. Jeden Tag. Sabine Herlitschka Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Seit 170 Jahren prägt meine Familie ein Unternehmen, das Verantwortung über Generationen weitergibt. Entscheidungen von heute wirken weit über unsere Zeit hinaus. Kreislaufwirtschaft ist für mich deshalb mehr als ein Modell – sie ist ein Versprechen an die Zukunft.
Drei Leitlinien geben die Richtung vor: Abfall vermeiden, Produkte und Materialien im Kreislauf halten, die Natur re-

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Weltweit steigen die Anforderungen an Ressourcen und Infrastruktur, während planetare Belastungsgrenzen zunehmend sichtbar werden. Für uns bei Siemens ist klar: Eine lebenswerte Zukunft und die notwendige Transformation basieren auf dem konsequenten Einsatz moderner Technologien und globalem Know-how. Unser Ziel ist es, wirtschaftliches Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln und sichere Technologien bereitzustellen, die ökonomische Entwicklung und planetare Belastbarkeit miteinander verbinden.
generieren. So entsteht ein Wirtschaftssystem, das Ressourcen schont, Wert erhält und unseren Lebensraum bewahrt.
Kreislaufwirtschaft besteht aus vielen verbundenen Teilsystemen, die nur gemeinsam ihre volle Wirkung entfalten. Vom bewussten Konsum über kreislauffähiges Design, bis zur Sammlung und Wiederverwertung – erst dieses Zusammenspiel ermöglicht echte Transformation.
Als integriertes Unternehmen – vom Recycling über die Papierproduktion bis zur Verpackung – leisten wir dazu unseren Beitrag. Unsere Materialien und Produkte sind fast gänzlich erneuerbaren Ursprungs, recycelt, recycelbar und weitestgehend biologisch abbaubar. Gleichzeitig sehen wir uns verpflichtet, über das Produkt hinaus zu denken und prüfen laufend den Einfluss unserer Prozesse auf Umwelt und Gesellschaft –und damit auch die Auswirkungen auf unsere unternehmerische Zukunft.
Als Mitglied der Kreislaufwirtschaftsdelegation (KWD) bin ich überzeugt: Damit Kreislaufwirtschaft als System wirkt, braucht es weitere verlässliche und visionäre politische Rahmenbedingungen für Unternehmen und gleichzeitig Orientierung für KonsumentInnen, um bewusste Entscheidungen entlang aller Phasen der Kreislaufwirtschaft zu treffen.
Kreislaufwirtschaft ist der stärkste Hebel, um Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz zu verbinden. Diese Ausgabe zeigt, wie viele Akteure bereits an dieser Zukunft arbeiten. Auch wir werden gemeinsam mit Ihnen unseren Beitrag leisten – heute und in den nächsten 170 Jahren.
Gerald
Prinzhorn
CEO Prinzhorn Holding
Dabei sehen wir die Digitalisierung – insbesondere die intelligente Verbindung der realen mit der digitalen Welt – als einen der entscheidenden Hebel. Sie ermöglicht es, Prozesse transparenter zu gestalten, Ressourcen präziser einzusetzen und nachhaltige Transformationen in großem Maßstab umzusetzen. Durch die Nutzung unseres globalen Wissensschatzes und innovativer Technologien schaffen wir Lösungen, die den Weg in eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft ebnen. Gerne bringen wir unsere Expertise auch in die österreichische Kreislaufwirtschaftsdelegation ein.
In unseren Produkten folgen wir klaren Product-Eco-Design-Prinzipien: der Reduktion von Einsatzmaterialien, hoher Reparierbarkeit, modularen Architekturen sowie dem konsequenten Einsatz recycelbarer und sekundärer Werkstoffe. Dieser Ansatz trägt dazu bei, Produkte langlebiger, effizienter
nutzbar und besser wertstofflich rückführbar zu gestalten.
Die Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Darum unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden, aber auch interessierte Stakeholder wie die Kreislaufwirtschaft, mit Lösungen, die Materialeffizienz, digitale Transparenz und Wertschöpfung entlang des gesamten Lebenszyklus verbinden. Mit digitalen Zwillingen, datengetriebenen Optimierungen und auf Langlebigkeit ausgelegten Services helfen wir Unternehmen, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen, Stoffkreisläufe zu schließen und die Resilienz ihrer Lieferketten zu steigern – und damit zugleich kosteneffizienter und wettbewerbsfähiger zu werden.
Christian Wölfel
Nachhaltigkeits- und HSE-Manager, Siemens AG Österreich
Wie die REPLOID Group AG organische Nebenströme in regionale Nährstoffkreisläufe integriert
Mit ihrer dezentralen und skalierbaren Lösung lässt die REPLOID Group AG aus Oberösterreich nicht nur die regionale EU-Proteinstrategie Wirklichkeit werden.
Vom Entsorgungsproblem zur Ressource
Entlang landwirtschaftlicher und industrieller Wertschöpfungsketten fallen große Mengen organischer Reststoffe an, die häufig entsorgt werden, während Europa nach neuen
Proteinquellen und resilienteren Versorgungssystemen sucht. Dieses Spannungsfeld rückt die Frage in den Fokus, wie bestehende Stoffströme effizienter genutzt und regional geschlossen werden können.
Brücke zwischen EU-Proteinstrategie und Praxis
Parallel dazu ringt die EU um eine tragfähige Proteinstrategie, die Importabhängigkeiten reduziert, Umweltwirkungen begrenzt und
Nährstoffe im Kreislauf hält. Regulatorische Entwicklungen wie CBAM, EUDR und erweiterte Berichtspflichten erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Stoffströme transparenter zu erfassen und Kreislaufkonzepte messbar zu verankern. Regionale Lösungen gewinnen damit nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Perspektive an Bedeutung.

ReFarmUnit der REPLOID AG: Infrastruktur für die Verwertung organischer Nebenströme

Progressiver Nährstoff-Turbo
REPLOID setzt bei der Verwertung biogener Reststoffe an, die kontinuierlich in der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie anfallen. Verarbeitet werden u. a. Nebenströme aus Brauereien, Molkereien sowie aus der Obst- und Gemüseverarbeitung, die bislang häufig kostenintensiv entsorgt wurden.
Dezentrale Kreisläufe statt zentraler Entsorgung
Das Besondere ist nicht nur die Insektenbiologie. Es ist die Kombination aus dezentralem Anlagenkonzept, digitalisiertem Betrieb und marktfähigen Produktströmen. Die sogenannten „ReFarmUnits“ werden dort betrieben, wo die Reststoffe anfallen, wodurch Transportwege, Entsorgungskosten und Scope-3-Emissionen reduziert werden, während die regionale Wertschöpfung profitiert. Gleichzeitig lassen sich unterschiedliche Betriebsgrößen und Reststoffmengen abbilden, was eine schrittweise Integration in bestehende Strukturen erlaubt.

„Wir verstehen Nebenströme nicht als Belastung, sonders als wertvolles Nährstofflager und führen sie systematisch in regionale Kreisläufe zurück“, sagt Dr. Philipp Zimmermann, Head of International Business Development
REPLOID steht exemplarisch für Ansätze, die Kreislaufwirtschaft nicht als Zielbild, sondern als operativ umsetzbares Modell verstehen.
Durch die Verbindung aus biologischer Effizienz, industrieller Standardisierung und regionaler Verankerung adressiert das Unternehmen mehrere aktuelle Herausforderungen zugleich: den Umgang mit organischen Reststoffen, die Suche nach alternativen Proteinquellen und die Stärkung regionaler Nährstoffsysteme. In welchem Umfang solche Modelle künftig skaliert werden, hängt wesentlich von regulatorischen Rahmenbedingungen, Marktakzeptanz und der Verfügbarkeit geeigneter Nebenströme ab.
An Ihrem Standort fallen kontinuierlich organische Reststoffe an –und Sie wollen diese in einen messbaren Wertbeitrag ummünzen? Dann lassen Sie uns sprechen: Gemeinsam prüfen wir Ihr Reststoffpotenzial und skizzieren ein konkretes Projekt, das Entsorgungskosten senkt und neue Erlöse schafft.
Mehr auf

Die Verarbeitung von Lebensmitteln birgt Chancen für wertvolle Produkte aus Reststoffen.
Von Bettina Muster & Christian Platzer
In Österreich fallen jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen organische Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung an.
Was heute meist als Tierfutter oder für Biogas genutzt wird, birgt deutlich mehr Potenzial. Genau hier setzt das Projekt CircularFood an: Es entwickelt neue Wege, um Reststoffe hochwertig zu verwerten –ganz im Sinne der „R-Strategien“ der Kreislaufwirtschaft: Reduce, Reuse, Recycle vor Recover
Im Zentrum steht der Ansatz einer kaskadischen Nutzung. Zunächst werden aus Nebenprodukten wie Biertreber oder Kürbiskernpresskuchen hochwertige pflanzliche Proteine gewonnen. Diese könnten künftig als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Proteinquellen dienen. An der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) werden dafür besonders schonende Verfahren ent-wickelt. Erste gewonnene Proteinhydrolysate wurden bereits zu Extrudaten – darunter auch Proteinriegel – verarbeitet und im Projektkonsortium verkostet.

Das zeigt: Aus Reststoffen können genussfähige Produkte mit Zukunft entstehen.
Die verbleibenden Reststoffe werden anschließend vergoren, um Biogas zu erzeugen. Durch die vorgelagerte Proteinextraktion läuft dieser Prozess effizient und mit hohen Methanerträgen ab. Die Gärreste enthalten wertvolle Pflanzennährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium (NPK). Nach der Trennung in feste und flüssige Phase entstehen daraus ein biozertifizierter Flüssigdünger sowie Torfersatzstoffe und Bio-Kultursubstrate.
Der Flüssigdünger wird bereits in Feldversuchen der Landwirtschaftskammer Steiermark sowie im geschützten Anbau getestet. Die enthaltenen Nährstoffe werden pflanzenverfügbar gemacht und ersetzen Mineraldünger. Die festen Gärreste dienen als nachhaltige Alternative zu Torf. Das schützt Moore, reduziert CO₂-Emissionen und fördert Humusaufbau sowie Bodengesundheit.
Begleitet werden alle Schritte von ökologischen und ökonomischen Bewertungen, um sicherzustellen, dass die neuen Wertschöpfungsketten langfristig tragfähig sind. Getragen wird das Projekt von einem breiten Konsortium unter Leitung von AEE INTEC. CircularFood zeigt praxisnah, wie aus Nebenprodukten hochwertige Lebensmittelzutaten, erneuerbare Energie und nachhaltige Düngemittel entstehen können.
Nutzungskaskaden im Projekt auf einem Bild

Invasive Art als Ressource sehen
Der nordamerikanische Signalkrebs gefährdet als Überträger der Krebspest heimische Ökosysteme. Trotz seiner kulinarischen Eignung wird der Beifang mangels etablierter Marktstrukturen nach der Entnahme häufig kostenintensiv entsorgt. Dieses lineare Vorgehen vernichtet wertvolle Biomasse und lässt regenerative Ressourcen ungenutzt.
Nutzung ganzheitlich gedacht
Ein Kooperationsprojekt unter der wissenschaftlichen Leitung von Christine Bertl (FH Technikum Wien) und Armin Winter (BOKU) mit dem Restaurant Cucina Alchimia etabliert nun ein dezentrales Verwertungsverfahren im Gastronomie-Maßstab.
Aufbauend auf einem interdisziplinären Pilotprojekt werden invasive Krebse ganzheitlich genutzt: Die Krebse werden zu Garum fermentiert, einer lagerfähigen Würzsauce, die als strategischer Puffer zur kontinuierlichen Verarbeitung saisonaler Fangmengen dient.
Von Christine Bertl & Armin Winter
Krebsschalen als Rohstoffquelle
Die stoffliche Verwertung konzentriert sich auf die Krebsschalen, die nach der Fermentation als Rohstoffquelle für Chitin dienen. Die Gastronomie fungiert als dezentrale Bioraffinerie, die ökologischen Entnahmedruck in kaskadische Wertschöpfung überführt.
Schonende Prozesse mit Mehrfachnutzen
Da Krebspanzer eine komplexe Matrix aus Proteinen und Mineralien bilden, ist ihre Extraktion konventionell chemisch belastend. Die Fermentation zu Garum übernimmt eine biotechnologische Schlüsselfunktion: Enzyme (Proteasen) und
organische Säuren bewirken eine schonende Deproteinierung und Demineralisierung des Panzers.
Die resultierenden Chitin-Derivate ermöglichen vielfältige Anwendungen: Als dünne Filme dienen sie als Barriereschichten für Verpackungen oder als schützende Coatings für Lebensmittel. Als biologisch abbaubare Anzuchttöpfe fördern sie das Pflanzenwachstum und wirken nach dem Auspflanzen als Stickstoffdünger.
Das Projekt sichert den Wissenstransfer durch Masterarbeiten und demonstriert praxisnahe Forschung an der Schnittstelle von Grüner Chemie und zirkulärem Design.
von links nach rechts: Armin Winter (BOKU), Christine Bertl (FH Technikum), Sendi Gbinia (Cucina Alchimia), Dan Bauchinger (Masterarbeit FH Technikum)


In Krisensituationen ist die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ein wesentliches Resilienz-Kriterium.
Von Hermann Katz
Gesetzliche Basis in Österreich ist das Bundesgesetz über Lenkungsmaßnahmen zur Sicherung der Produktion und der Versorgung mit Lebensmitteln (Lebensmittelbewirtschaftungsgesetz 1997). Dieser Artikel gibt einen Überblick über die aktuelle Versorgungssituation bei wesentlichen Unternehmen und privaten Haushalten auf Basis zahlreicher Studien.
Mit Krise – insbesondere mit dem Szenario eines Blackouts – hat sich die Mehrheit der Unternehmen der Lebensmittelversorgungskette auseinandergesetzt, jedoch verfügt nur etwa ein Viertel über eine auf den Normalbetrieb ausgelegte Notstromversorgung. Da Transport und Verteilung von Lebensmitteln nahezu ausschließlich mittels LKW erfolgen, sind diese Logistikprozesse in hohem Maß von fossilen Treibstoffen abhängig und damit strukturell verwundbar.
Diese Abhängigkeit ist den Unternehmen bewusst, Lösungsansätze zur Reduktion werden jedoch kaum gesehen. Rund zwei Drittel der Unternehmen wünschen sich als staatliche Maßnahme eine Bevorzugung von Lebensmitteltransporten bei Treibstoffknappheit. Zudem zeigen Befragungsergebnisse deutlich, dass eine stärkere Einbindung in staatliche Krisen- und Maßnahmenpläne gewünscht wird, da die Funktionsfähigkeit von Unternehmern entlang der Lebensmittelversorgungskette im Krisenfall wesentlich ist.
Die Bevorratungssituation privater Haushalte ist insbesondere im urbanen Raum unzureichend.
Für eine längerfristige Versorgung ohne Einkaufsmöglichkeit sind nur wenige Haushalte gerüstet; im Fall eines Blackouts gehen die Vorräte in
vielen Haushalten bereits nach wenigen Tagen zur Neige. Zusätzlich ist die Wasserbevorratung unzureichend, da die Pro-Kopf-Lagermengen deutlich unter der vom Zivilschutzverband empfohlenen Menge von 14 Litern liegen. Stromunabhängige Kochmöglichkeiten sind nur in gut der Hälfte der Haushalte vorhanden und im urbanen Bereich deutlich weniger verbreitet als in ländlichen Gebieten.
Ernährungsvorsorge ist auch Kreislaufwirtschaft und damit ein Resilienzthema: Schwachstellen wie die Treibstoffabhängigkeit der Logistik und die geringe Bevorratung in Städten sind Symptome linearer und störanfälliger Versorgungssysteme.
Je regionaler, energieärmer und kreislauffähiger Produktion, Verarbeitung und Verteilung organisiert sind, desto robuster ist die Lebensmittelversorgung im Krisenfall.
Wie der Diskonter zum Systemakteur der Kreislaufwirtschaft werden will.
Lidl zählt zu den größten Lebensmittelhändlern Europas und ist Teil der Schwarz Gruppe. Damit erreicht das Unternehmen täglich Millionen Kund:innen, bewegt enorme Warenströme und prägt Standards in Logistik, Verpackung und Entsorgung.
Der Handlungsdruck ist hoch: In der EU fallen pro Kopf rund 180 Kilogramm Verpackungsabfall pro Jahr an, dazu kommen jährlich mehrere zehn Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel entscheidet sich, wie wirksam Kreislaufwirtschaft wird, weil hier Produktgestaltung, Einkauf und Nutzung ebenso zusammenlaufen wie Rücknahme, Sortierung und Verwertung.
Für Lidl ist das mehr als eine Frage der Verantwortung. Es ist eine Chance, an den Stellschrauben zu drehen,


die im Handel besonders wirksam sind: Sortimente, Eigenmarken, Verpackungslösungen und logistische Abläufe. Wer diese Hebel im großen Maßstab bewegt, kann entlang der gesamten Wertschöpfungskette Wirkung entfalten, von der Designentscheidung bis zur Wiederverwertung.
Ressourcen schonen, Kreislaufwirtschaft leben Genau darauf zielt der ÖkosystemAnsatz von Lidl. Kreislaufwirtschaft wird nicht als einzelnes Nachhaltigkeitsprojekt geführt, sondern als Leitprinzip, das Einkauf, Betrieb, Partnernetzwerke und Kund:innenverhalten zusammen denkt. Mit der Strategie „REset Resources” positioniert Lidl Kreislaufwirtschaft als Führungsprinzip und erweitert die frühere „REset-Plastic-Initiative” deutlich.


Entlang der fünf Handlungsfelder „REdesign”, „REduce”, „REuse”, „REcollect” und „REcycle” reicht der Ansatz von Verpackungen und Produkten über Textilien, Mehrweg- und Pfandsysteme, Bauwesen und Immobilien bis zu Food Waste und Wertstoffmanagement.
Damit aus Ambition Umsetzung wird, leistet Lidl Österreich einen wesentlichen Beitrag zu den messbaren Zielen der Schwarz Gruppe: recyclingfähige Eigenmarkenverpackungen bis 2030, weniger Primärmaterial, höhere Rezyklatanteile, nahezu vollständige Mehrwegpaletten in der Logistik sowie die Halbierung von Lebensmittelabfällen bis 2030. Das konzernweite Ziel „Road to Zero Waste” geht weiter über gesetzliche Anforderungen hinaus.
Mit „REset Resources” macht Lidl Kreislaufwirtschaft zur operativen Kernaufgabe und den Handel selbst zum Hebel für wirksamen Ressourcenschutz.




Kreislaufwirtschaft steckt im Handwerk: Sanieren statt entsorgen, schützen statt ersetzen
Von Christine Schäffer
Vor 100 Jahren war ressourcenschonendes Arbeiten im Malerhandwerk selbstverständlich:
Pinsel wurden so lange gehegt und gepflegt, bis sie unbrauchbar waren; Leinöl wurde von Oberflächen abgekratzt, aufbereitet und wiederverwendet; Möbel mussten dank guter Techniken nicht mit meterlangen Plastikplanen vor Farbe geschützt werden.
Mit modernen Erfindungen, billigen Einkaufsmöglichkeiten und steigendem Produktivitätsdruck hielt ein Wegwerf-Gedanke Einzug. Dabei ist der Kern des Malerhandwerks untrennbar mit Kreislaufwirtschaft verbunden: Oberflächen werden geschützt, um ihre Lebensdauer zu verlängern, und das Know-how für Sanierungen hält vorhandenes Baumaterial in Gebrauch, statt es der Deponie zuzuführen.
Es gilt, das Handwerk wieder an seine Wurzeln zu erinnern und gute Ideen zur Ressourcenschonung in den Vordergrund zu rücken.
Niederschwellige Ansätze aus der Praxis:
• Ein ordentliches Lagersystem, um vorhandene Materialien im Blick zu behalten.
• Offene Farben durchsieben, um Unreinheiten zu entfernen und ihre Lebensdauer zu erhöhen.
• Farbresten als erste Grundierungsschicht verwenden, bevor die gewünschte Farbe aufgetragen wird.
• WhatsApp-Gruppen, um Materialien zu tauschen.
• Die gemeinschaftliche Verwendung von teuren Maschinen.
• Kooperationen mit anderen Betrieben, um deren abfallende Materialien weiterzuverwenden, zum Beispiel die Eimer aus einer Molkerei.
• Rücksende-Möglichkeiten von Leergebinden an die Hersteller wahrnehmen.
• Die Rückbesinnung auf alte Methoden und Materialien.
Zu fortgeschritteneren Maßnahmen zählen hauseigene Solaranlagen, die E-Autos oder Lackieranlagen mit Strom versorgen, oder spezialisierte Wasseraufbereitungsanlagen, dank denen dasselbe Grauwasser bis zu sechs Monate lang zum Auswaschen von Pinseln verwendet werden kann.
Kleinst- und Kleinbetrieben im Gewerbe und Handwerk machen laut WKO in Österreich über 90 % der Betriebe aus. Es ist deshalb unabdingbar, diesen Akteuren bewusst zu machen, dass sie wichtige Treiber der Kreislaufwirtschaft sind und es leicht und vor allem kosteneffizient für sie ist, neue Wege zu beschreiten und sich an alte zu erinnern.
NÖTIG stärkt die Zusammenarbeit österreichischer Bühnen, um zirkuläre Praxis nachhaltig zu verankern
Von Alexander Matthias Kosnopfl
Das Netzwerk NÖTIG – Nachhaltige Österreichische Theater- und Opernschaffende in Gemeinschaft – bündelt die Kräfte eines Sektors, der weit mehr ist als ein kulturelles Aushängeschild: Theater und Opernhäuser beschäftigen tausende Menschen, erreichen Millionen Besucher:innen und wirken als gesellschaftliche und wirtschaftliche Systeme mit großer Sichtbarkeit und Innovationskraft für eine Kultur der Kreislauffähigkeit.
Während in Österreich ambitionierte Ziele zur Steigerung der Ressourceneffizienz und zur Reduktion des Materialverbrauchs verfolgt werden, besteht im Kulturbereich weiterhin Bedarf an klaren Rahmenbedingungen, verlässlichen Anreizen und langfristigen Investitionsmöglichkeiten. NÖTIG verbindet Häuser aus allen Bundesländern, um vorhandenes Wissen systematisch zugänglich zu machen, praxistaugliche Ansätze gemeinsam zu entwickeln und laufend zu verbessern.
Im Mittelpunkt steht der Austausch über funktionierende Lösungen: Wiederverwendung von Materialien, intelligente Produktionsprozesse, ressourcenschonende Logistik, zirkuläre Beschaffung sowie Methoden, die ökonomische und ökologische Ziele vereinen. Durch die gemeinsame Erprobung und Weitergabe von Werkzeugen, Standards und Erfahrungen entstehen Syn-
ergien, die Kosten und Zeit sparen und zugleich die ökologische Wirkung deutlich erhöhen. Kooperation ersetzt dabei Konkurrenz und ermöglicht ein sektorweites Vorankommen.
Gleichzeitig benötigen Theater und Opernhäuser Orientierung, um auf neue regulatorische Entwicklungen angemessen reagieren zu können –etwa dort, wo Beschaffungsrichtlinien, Materialstandards oder Berichtspflichten komplexer werden. Hilfreich wäre, wenn kultur- und wirtschaftspolitische Programme diese Besonderheiten stärker berücksichtigen und einen verlässlichen Rahmen bieten, um zirkuläre Maßnahmen planbar und nachhaltig
umzusetzen. Dazu zählen Anreizmodelle, klare Leitfäden und regelmäßiger Dialog zwischen Kulturinstitutionen, Verwaltung und Politik.
NÖTIG wurde von Vertreter:innen der Bühnen Graz, des Volkstheaters Wien, der Bundestheater-Holding, der Österreichischen Theatertechnischen Gesellschaft und der Salzburger Festspiele gegründet. Das Netzwerk schafft Strukturen, die personenunabhängig langfristig bestehen. Es stärkt die Fähigkeit der österreichischen Theaterlandschaft, aktiv an der Transformation mitzuwirken – und zeigt, wie kulturelle Kreativität und zirkuläre Innovation einander ergänzen.

Von Anna Leitner
Natürlich ist jeder Fortschritt im Umgang mit Rohstoffen und besserem Recycling wichtig. Aber glaubt wirklich jemand, dass wir so die Müllflut stoppen? Die entscheidenden Hebel sind Bedarfsreduktion, Wiederverwendung und Reparatur. Wenn wir die Ziele der Kreislaufwirtschaftsstrategie erreichen und unabhängiger werden wollen, muss die Politik die Bedarfsreduktion endlich in Form eines Kreislaufwirtschaftsgesetzes zur Priorität machen.
Auch eine Kreislaufwirtschaft kann nicht immer weiter wachsen
Mit der GLOBAL 2000 Kampagne „Schöner ohne Müll“ werden drei Mythen breitenwirksam adressiert, die uns am Weg aus der Wegwerfspirale aufhalten.
Die Recycling-Lüge Sie täuscht über eine unbequeme Wahrheit hinweg. An einem Weniger führt auch in der Kreislaufwirtschaft kein Weg vorbei. Beispiel Müllberge: giftige und nicht recycelbare Fast und Ultra Fast Fashion, PFAS-beschichtete Fast Food-Verpackungen und billige Fast Tech-Gadgets haben keinen Platz in der Kreislaufwirtschaft.
Die Bürokratie-Lüge Weniger Regulierung soll die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft stärken. Dabei wird außer Acht gelassen, dass strenge Vorgaben eine Kreislaufwirtschaft überhaupt erst
ermöglichen. Beispiel Plastik: Verschiedenste Zusätze verhindern ein Recycling – nur strenge Vorgaben würden helfen.
Die Bergbau-Lüge 2026 liegt der österreichische Welterschöpfungstag am 2. April. Wir überziehen unser Rohstoff-Konto gewaltig. Der Preis des RohstoffHungers ist hoch: Kaputte Natur, ausgebeutete Menschen und Beschleunigung der Klimakrise.
Statt die Unabhängigkeit von Importen aus China und anderen Weltregionen durch sinkenden Bedarf zu
stärken, treten wir ohne Rücksicht auf Verluste an Menschenrechten und Umweltgütern in den AbbauWettbewerb. Beispiel Lithium: Die größten Bedarfssprünge entstehen durch Elektro-SUVs. Eine gerechte und rohstoffsparende Mobilitätswende würde den Rohstoffhunger lindern.
Echte Kreislaufwirtschaft gelingt nur mit Mut. Mit strengeren Umwelt-Regeln und weniger Rohstoffverschwendung durchbrechen wir die Wegwerfspirale, machen uns unabhängiger und unsere Gesellschaft fairer.

Kreislaufwirtschaft entscheidet sich vor Ort –das Team Kreislaufwirtschaft unterstützt
Von Valerie-Sophie Schönberg & Andreas van-Hametner

Seit Oktober 2025 unterstützt das österreichweite Leitprojekt „Team Kreislaufwirtschaft“ Gemeinden und Regionen dabei, Kreislaufwirtschaft konkret umzusetzen.
Der Hebel liegt in der Gemeinde Gemeinden steuern Flächenwidmung und Bauvorhaben, verantworten Abfall- und Abwasserwirtschaft, beschaffen Güter und Dienstleistungen und betreiben zentrale Infrastrukturen. Gleichzeitig sind sie unmittelbare Ansprechpartnerinnen für Bürger:innen und lokale Betriebe. Damit sind sie nicht nur Verwaltungseinheiten, sondern aktive Gestalterinnen regionaler Stoffströme und Wertschöpfungsketten.
Wenn Gemeinden zirkulär beschaffen, Reuse- und Repair-Strukturen fördern oder Kooperationen zwischen Wirtschaft, Landwirtschaft und Zivilgesellschaft initiieren, entstehen konkrete ökologische und ökonomische Effekte: weniger Abfall, geringerer Ressourcenverbrauch, regionale Arbeitsplätze und höhere Resilienz.
Das Potenzial ist groß Erste Vorreiter zeigen bereits, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis gelingen kann.


• Salzburger Seenland: Seit 2015 zeigen regelmäßige Repair Cafés, wie Ressourcenschonung und sozialer Zusammenhalt zusammenwirken. Ergänzend reduziert das “Seenland-Geschirrmobil” mit über 1.000 Gedecken Veranstaltungsabfälle und macht Mehrweg regional praktikabel.
• Grenzraum Oberösterreich–Salzburg: Die Plattform „iverschwendnix“ schafft ein digitales Schaufenster für Re-Use-Initiativen. Sie macht bestehende Projekte sichtbar, vernetzt Akteur:innen und erleichtert Interessierten den Zugang zu Reparatur-, Tauschund Weitergabeangeboten.
• Melk-Scheibbs: Die Modellregion für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft arbeitet entlang zentraler Stoffströme – von Bodenschutz über regionale Lebensmittelproduktion bis zur Nutzung biogener Reststoffe. Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung kleinteiliger, lokaler Gemüseproduktion durch kooperative MarktgärtnereiModelle.
Die Beispiele zeigen die Bandbreite möglicher Ansätze, doch für die breite Umsetzung fehlen oft noch passende Werkzeuge und Unterstützung.
Vision: flächendeckende Kreislaufwirtschaft
Das „Team Kreislaufwirtschaft“, bestehend aus Circular Economy Forum Austria, Ressourcen Forum Austria, Klimabündnis Österreich und Klima-Modellregionen Österreich, begleitet Gemeinden und Regionen bei der Entwicklung und Umsetzung, und wird bis 2029 vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gefördert.
Gemeinden erhalten Instrumente für Analyse, Zielbild und Maßnahmenplanung sowie Zugriff auf erprobte Lernformate. In WorkshopReihen werden umsetzbare Maßnahmenpakete entwickelt, ausgewählte Pilotvorhaben fachlich begleitet und Entscheidungsträger:innen durch Trainings und Austauschformate gestärkt.
Kooperation ist dabei der Mechanismus, der Anschlussfähigkeit sichert, Doppelstrukturen vermeidet und Orientierung in einem komplexen Feld schafft.
Mehr auf www.teamkreislaufwirtschaft.at
Ein Plädoyer für kollaborative Wertschöpfung in regionalen zirkulären Ökosystemen
Von Florian Hofmann
In den vergangenen Jahren haben zirkuläre Pioniere wichtige Impulse gesetzt, die als Grundlage für die Ausweitung der Circular Economy (CE) dienen können. Gleichzeitig zeigt sich, dass die CE bislang vor allem in fragmentierten Nischen verankert ist und ihr Übergang in den Mainstream nicht an Dynamik gewinnen konnte.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Idee der CE vitalisiert und skaliert kann und welche Bedingungen hierfür erforderlich sind. Nachfolgend werden drei Ansatzpunkte skizziert:
1. Zirkuläre Ökosysteme
Die Komplexität der Transformation hin zu einer CE übersteigt die Grenzen individueller Organisationen. Nur durch die Bündelung unterschiedlicher Fähigkeiten heteroge-
ner Akteure können die notwendigen Ressourcen für eine Transformation freigesetzt werden. Kollaborative Wertschöpfung wird damit zum Kern der CE, die unter dem Konzept der zirkulären Ökosysteme diskutiert wird. Zirkuläre Ökosysteme sind Verbünde von Akteuren, die einen Teil ihrer Aktivitäten und Ressourcen so aufeinander abstimmen, dass sie einen gemeinsamen Beitrag zur Umsetzung zirkulärer Wertschöpfung leisten.
2. Orchestration
Eine Schlüsselrolle in zirkulären Ökosystemen übernimmt die „Orchestration“. Sie verantwortet die Steuerungs- und Integrationsfunktion, d.h. sie richtet relevante Akteure, Ressourcen und Kompetenzen so aufeinander aus, dass zirkuläre Wertschöpfung dauerhaft organisiert ist. Ob die Orchestration durch
eine unternehmerische Organisation (z.B. Start-up, Genossenschaft) oder durch nicht-profitorientierte Akteure (z.B. Kommune, Wirtschaftsförderung) erfolgt, ist maßgeblich von kontextuellen Bedingungen abhängig. Digitale Technologien, wie etwa geteilte Datenräume, können als wichtige Koordinationsinstrumente fungieren.
3. Anschlussfähigkeit
Die Adaption von zirkulären Ökosystemen an regionale Eigenarten, bestehende materielle Infrastrukturen und historische industrielle Entwicklungen in der Region ist entscheidend. Der ökonomische Nutzen zirkulärer Wertschöpfung muss vor Ort sichtbar, erfahrbar und messbar gemacht werden. Die Reduktion eine auf allein technische Innovationen ausgerichtete CE reicht nicht aus.




Österreichweit zeigen Initiativen Lücken in der Kreislaufwirtschaft und Möglichkeiten der Partizipation auf
Von Nina Birkner-Tröger & Maria Langsenlehner
Repair Cafés sind aus dem gesellschaftlichen Alltag kaum mehr wegzudenken. Sie ergänzen das Angebot professioneller Reparaturdienstleister:innen, bieten einen niederschwelligen Zugang zu nachhaltigem Konsum und fungieren als soziale Orte der Begegnung und des Empowerments.
Eine von der Arbeiterkammer Wien in Auftrag gegebene Studie - durchgeführt vom Umweltdachverband und Re-Use Austria - zeigt die Dynamik: Seit 2013 ist die Zahl der Repair-Café-Initiativen auf rund 100 gestiegen. Allein im Jahr 2024 fanden etwa 860 Veranstaltungen mit rund 17.000 Besucher:innen statt. Möglich wird das vor allem durch Freiwillige; zugleich sind knappe personelle und finanzielle Ressourcen eine häufige Herausforderung.
Entscheidend ist die Infrastruktur Repair Cafés brauchen geeignete Räume, Basisausstattung und organisatorische Unterstützung. Gemeinden spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie stellen oft Räumlichkeiten (z. B. Gemeindesaal, Schule) bereit und helfen bei Logistik und Bewerbung. Auffällig ist, dass Repair Cafés besonders dort verbreitet sind, wo es Service- und Koordinierungsstellen gibt, etwa das Tiroler Bildungsforum oder das Salzburger Bildungswerk. Sie dienen als zentrale Anlaufstellen und unterstützen mit Leitfäden und Freiwilligenmanagement.
Repair Cafés stehen exemplarisch für eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Konsuminitiativen – darunter Leihläden, Kost-nix-Läden oder Makerspaces. Sie sind ein wichtiger Eckpfeiler der Kreislaufwirtschaft
und verweisen zugleich auf bestehende Lücken, wie ein Symposium in der AK Wien im Herbst zeigte. Während es rund 100 Repair-Café-Initiativen gibt, existieren österreichweit weniger als 10 Leihläden.
Für die Transformation braucht es daher klare politische Rahmenbedingungen und Förderinstrumente: dauerhaft finanzierte landes- und bundesweite Unterstützungsstrukturen sowie die Verankerung solcher Initiativen in Umwelt-, Klima- Energie- und Kreislaufwirtschaftsförderprogrammen. Dadurch können die Angebote langfristig gesichert und flächendeckend ausgebaut werden und damit die Teilhabe für Bürger:innen erleichtert werden.
Mehr auf https://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/image/ AC17743616/

Die Tourismusbranche boomt: Millionen Menschen reisen jedes Jahr, um neue Orte zu entdecken, sich zu erholen und Inspiration zu finden. Gleichzeitig stellt Urlaub hohe Anforderungen an Ressourcen und Umwelt. Die Frage ist daher nicht mehr, ob, sondern wie Reisen verantwortungsvoll gestaltet werden kann.
Gibt es Alternativen zu „Kommen, konsumieren, gehen“?
Kreislaufwirtschaft sagt: Ja – auch im Tourismus. Wie ressourcenschonendes Reisen gelingen kann, zeigt die fiktive Urlauberin Julia. Die 28-jährige Hamburgerin plant einen Bergurlaub und möchte dabei bewusst zirkuläre Prinzipien berücksichtigen.
Für viele Reisende spielen nachhaltige Angebote und Erlebnisse in der Region bereits bei der Urlaubsplanung eine zentrale Rolle: Laut der Themenstudie Nachhaltigkeit der Tirol Werbung (Deutschland, 2025) sind sie für rund 33 % der alpenur-
laubsaffinen Deutschen buchungsentscheidend. Auch für Julia zählt bewusstes Reisen mehr als kurzfristige Trends oder touristische „Must-sees“. Sie fragt sich, was sie für echte Erholung braucht – und worauf sie verzichten kann, ohne an Erlebnisqualität zu verlieren.
Ein zirkulärer Urlaub beginnt vor der Buchung
Statt vieler Ortswechsel bevorzugt sie längere Aufenthalte, um den Reiseaufwand zu reduzieren und tiefer in Region und Kultur einzutauchen. Ihre Wahl fällt auf Tirol: eine Destination, die transparent über nachhaltige Konzepte informiert und zu ihrer Vorstellung eines regenerativen Urlaubs passt.
Mit dem Nachtzug in die Berge Für eine stressfreie Anreise wählt Julia den Nachtzug: Im Schlafabteil beginnt der Urlaub deutlich erholsamer als hinter dem Lenkrad im Stau. Die längere Reisezeit stört sie kaum – so wie rund 80 % der alpenurlaubsaffinen Deutschen, die laut
Tirol Werbung eine längere Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln akzeptieren. Die Zeit nutzt sie zum Abschalten und Lesen, weshalb sie auch bei der Hotelauswahl auf gute Öffi-Anbindung achtet.
Übernachten im Kreislauf
Über das Hotel und dessen Nachhaltigkeitsmaßnahmen hat Julia sich vorab online informiert. Vor Ort wird klar, dass es weit mehr zu Kreislaufwirtschaft beiträgt als erwartet: Es versteht sich als nachhaltiges „Ökosystem“. Beim Gebäude kommen möglichst wiederverwendbare Materialien und Baustoffe zum Einsatz, bei der Ausstattung wird auf Ressourcenschonung geachtet – von Möbeln aus regionalen Handwerksprojekten bis zur Vermietung hoteleigener Geräte an Einheimische. So geht Sharing Economy im Tourismus.

Regionaler Genuss
Am Abend genießt Julia ein 5-Gänge-Menü aus regionalen und saisonalen Zutaten. Kräuter und Gemüse stammen teilweise aus dem hoteleigenen Garten, der Küchenchef setzt auf kreative Interpretationen heimischer Produkte und einen konsequenten „Nose-to-Tail“-Ansatz. Laut Tirol Werbung legen rund 60 % der alpenurlaubsaffinen Deutschen im Urlaub Wert auf regionale und gesunde Küche. Lebensmittelüberschüsse werden über FoodsharingInitiativen weitergegeben.
Leihen statt schleppen
Durch den Hotel Verleihservice kann Julia Neues ausprobieren, ohne etwas kaufen zu müssen: Sie leiht sich ein Mountainbike samt Ausrüstung, erkundet mit einer kleinen Gruppe den Hausberg, besucht das Naturparkhaus und erfährt mehr über die lokale Biodiversität. Eine Stärkung in einem abgelegenen Dorfgasthaus rundet den Ausflug ab und lässt Julia die authentische Atmosphäre inmitten der Einheimischen erleben. So wird ihr Tag zu einem Erlebnis, das echte Verbindungen schafft.
Was bleibt
Auch nach der Rückkehr wirken die Urlaubserlebnisse nach: Julia nimmt nicht nur Erinnerungen, sondern neue Perspektiven mit. Ein zirkulärer Urlaub fühlt sich für sie nicht nach Verzicht an, sondern nach Gewinn – an Begegnungen, Tiefe und Verständnis für das Wesentliche. Und während sie erfrischt nach Hause zurückkehrt, bleiben auch positive Impulse und Wertschöpfung in der Region zurück.
Von Karin Huber-Heim
Der Gesundheitssektor ist in Österreich gesellschaftlich wie wirtschaftlich von zentraler Bedeutung. Während die laufenden Gesundheitsausgaben 2022 bereits 11 % des BIP ausmachten, steigt der Druck auf das System weiter durch steigende Patient:innenzahlen, Personalmangel, Klimawandel, Ressourcenknappheit und geopolitische Unsicherheiten. Hitzeperioden, neue Krankheiten und psychische Belastungen für Patient:innen wie Personal verschärfen die Lage.
Zugleich trägt das Gesundheitswesen selbst erheblich zur Umweltbelastung bei: Sein Anteil am österrei-
chischen CO₂-Fußabdruck wird auf 4,5 % bis 6,7 % geschätzt, rund ein Drittel davon entfällt auf Krankenhäuser. Innerhalb dieses Bereichs verursachen Medizinprodukte und Dienstleistungen mit 36 % den größten Anteil. Dazu kommen enorme Abfallmengen: 2021 fielen 50.260 Tonnen an, das sind rund 30 % mehr als 2015. Auch die Kosten steigen weiter und erreichten 2022 62,6 Milliarden Euro.
Besonders ausgeprägt ist im Gesundheitswesen noch immer ein lineares „Take-Make-Use-Waste“-Modell. Pandemie, Lieferengpässe und geopolitische Abhängigkeiten haben ge-

zeigt, wie verletzlich die Versorgung ist. Einwegprodukte dominieren vielerorts den Alltag, von OP-Kleidung über Instrumente bis zu Verpackungen. Hygieneanforderungen werden dabei häufig als Argument gegen Kreislauflösungen angeführt. Tatsächlich ist Hygiene aber kein Widerspruch zur Kreislaufwirtschaft, sondern definiert deren Qualitätsmaßstab. Entscheidend ist, Produkte so zu gestalten, dass sie sicher validiert, aufbereitet und erneut genutzt werden können.
Gerade darin liegt eine große Chance:
• Wirtschaftlich: Ressourceneffizienz senkt Betriebskosten und verlängert die Lebenszyklen teurer Geräte und Materialien.
• Ökologisch: Weniger Abfall, geringere Emissionen und reduzierte Abhängigkeit von Primärrohstoffen entlasten Umwelt und Klima.
• Sozial: Innovation, Sinnorientierung und regionale Wertschöpfung stärken die Attraktivität des Sektors als Arbeitgeber.
• Systemisch: Regionale Lieferketten, Wiederaufbereitung, Reparatur und modulare Lösungen erhöhen Versorgungssicherheit und Resilienz.
Kreislaufwirtschaft ist keine zusätzliche Belastung – sie ist die Grundlage für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen.

Tausend zirkuläre Chancen – offene Fragen und Neugierige willkommen
Von Valerie-Sophie Schönberg
Transformation passiert nicht im stillen Kämmerlein oder durch ein Dokument allein. Sie passiert dort, wo Menschen ihre Erfahrungen teilen, gute Beispiele offenlegen und auch einmal sagen dürfen, wo es hakt. Genau dafür wurde der „Circular Cities & Regions Roundtable” (CCRR) 2024 mit Unterstützung des BMLUK ins Leben gerufen.
Zirkuläre Stadtstrategie für Wien Während zu Beginn internationale Beispiele wie Amsterdam, die Region Katolanien oder die Prager Stadtstrategie der Inspiration dienten, rücken seither zunehmend österreichische Vorzeigebeispiele in den Fokus. So wurde etwa 2025 die Wiener Kreislaufwirtschaftsstrategie „Zirkuläres Wien – Eine runde Sache“ vorgestellt.
Zur Ressourcenschonung setzt Wien neben klassischen Handlungsfeldern wie gebaute Umwelt, Beschaffung und Mobilität – im Einklang mit der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie – auch auf die Gesellschaft selbst als zentralen Hebel. Lebensqualität, Gesundheitswesen und Konsum spielen dabei eine wichtige Rolle.
Auch in Österreichs Regionen geht es rund Nach einer Planungs- und Umbauphase eines alten Industriestandorts fungiert etwa das Creative Institute Vorarlberg „CampusVäre” in Dornbirn als Zentrum für Innovation, Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur. Im CCRR wurde daran anknüpfend diskutiert, welche alten Industriestandorte regional revitalisiert werden können und wie solche Entwicklungen gelingen.
Weitere Themen wie zirkuläre Bioökonomie, Bauwirtschaft, Beschaffungskriterien, Textilsammlung und -recycling oder regionale Wertschöpfung durch Reparatur sowie passende Aus- und Weiterbildungsangebote zeigen, wie breit das Feld inzwischen geworden ist.
Hier kommt auf den Tisch, was Regionen weiterbringt
Der CCRR lädt als Stammtisch für Städte, Gemeinden und Regionen quartalsweise zum Austausch ein, vorwiegend online und einmal jährlich auch vor Ort. Seit 2026 finden zeitlich direkt vorgelagert thematisch abgestimmte Webinare des „Team Kreislaufwirtschaft” statt, was vertiefte Diskussionen im Stammtisch ermöglicht.
Mehr auf www.circulareconomyforum.at/projekte
Von Jasmin Bermadinger & Nikolas Kichler
Mit dem Circular Center (C2) am Werksgelände der Sondermüllverbrennungsanlage Simmeringer Haide realisiert Wien Energie ein zirkuläres Vorzeige- und Demonstrationsprojekt.
In Zusammenarbeit mit den vivihouse-Architekten Nikolas Kichler und Mikka Fürst, Holzbau Groismaier und BauKarussell wurde ein kreisrunder, rückbaubarer Pavillon umgesetzt (Ø ca. 9 m), der den Anspruch der Zirkularität sowohl konstruktiv als auch gestalterisch erfüllt. Der Bau basiert auf Holzrahmen-Raumzellen mit Strohhäkseldämmung und ist mit wiederverwendeten sowie nachwachsenden Materialien ausgeführt.
Mit BauKarussell wurden Reuse-Materialien für den Innenraum und die
Fassade des Circular Centers gesichert. Die verwendeten Eichenpaneele, Kabeltrassen und Terrazzofliesen stammen aus der TechnischGewerblichen Abendschule des bfi Wien, die im Frühjahr 2025 von der Genossenschaft gemeinsam mit ihrem sozialwirtschaftlichen Partner DIE KÜMMEREI zurückgebaut wurde. Für den Bauherren des Spendergebäudes, die AK Wien, konnten damit Erlöse generiert werden.
Die Architekten planten zudem Teile aus dem Fundus der Wien Energie ein: Ascherohre aus der Sondermüllverbrennungsanlage wurden zu statisch genutzten Stahlrohren und am Dach sind wiederverwendete Module der ältesten, betriebseigenen PVAnlage im Einsatz. Nach einem Zwischenstopp bei Holzbau Groismaier,
wo die Materialien in die vorgefertigten Holzbaumodule wanderten, haben sie nun ihr Second Life in Simmering gefunden. Insgesamt wurden knapp 3,5 Tonnen Re-UseMaterial im Pavillon eingesetzt. Durch die Holzmodulbauweise betrug die reine Fertigungs- und Bauzeit lediglich 12,5 Wochen.
Das Circular Center veranschaulicht, wie zirkuläres Bauen durch Kooperation, Kreativität und Ausdauer erfolgreich realisiert werden kann.
Im März 2026 wurde der Pavillon feierlich eröffnet und dient als Veranstaltungs- und Meetingraum sowie als Startpunkt der Führungen am Werksgelände.


Vom Skiproduzenten zum Vorreiter für kreislauffähige Verbundlösungen in industrieller Anwendung
Eingebettet zwischen Bergen und Wiesen im Salzburger Pinzgau entwickelte sich das 1999 als Start-up des Skiproduzenten Blizzard GmbH gegründete Unternehmen zu einem Vorreiter nachhaltiger Verbundwerkstoffe.
Material als Ausgangspunkt
Ein ganzheitlicher Ansatz zur Kreislaufwirtschaft setzt bereits bei der Produktentwicklung an. Seit Jahren entstehen vollständig recycelbare Monoverbundplatten aus sortenreinen Materialien: glasfaserverstärkte PP (Polypropylen) Deckschichten, kombiniert mit PP Waben- oder Schaumkern.
Alle Komponenten sind thermisch verschweißt, optional mit rutschfesten oder UV-beständigen Oberflächen. Entscheidend ist die Materialreinheit, denn nur so lassen sich die Paneele am Ende ihres Lebenszyklus hochwertig recyceln.
Die bewusste Entscheidung für Monoverbunde markiert einen Para-
digmenwechsel. Während herkömmliche Verbundwerkstoffe aufgrund ihrer Materialkombinationen schwer zu trennen und zu recyceln sind, ermöglichen so rtenreine Platten eine einfache Rückführung in den Materialkreislauf.
Produktarchitektur für den Kreislauf
Langlebigkeit ersetzt geplante Obsoleszenz: Ein flexibles Modulsystem erlaubt die individuelle Kombination und Konfiguration von Standardkomponenten. Diese lassen sich effizienter produzieren, einfacher austauschen und besser wiederverwenden.
Die robusten Sandwichpaneele eignen sich für ein breites Anwendungsfeld – von LKW-Aufbauten und Containerlösungen über Anwendungen in der Caravanindustrie bis hin zu technischen Verbundlösungen sowie transluzenten Elementen für Architektur und Design. Die lange Lebensdauer verschiebt das Recycling zeitlich nach hinten,
steht jedoch für Qualität und Nachhaltigkeit: Weniger Ersatz- und Neukäufe reduzieren den Ressourcenverbrauch deutlich.
Nachhaltigkeit am Standort
Die Nachhaltigkeitsbemühungen enden nicht in der Produktarchitektur. Bereits beim Firmenneubau wurde auf moderne Techniken des ökologischen Bauens gesetzt. In der laufenden Produktion werden Verschnitte reduziert und Abfälle vermieden. Der Anteil erneuerbarer Energie (scope 1+2) am Standort liegt bei 95 %.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind hier keine Lippenbekenntnisse. Bewusste Materialauswahl, intelligente Standardisierung, Reparaturmaßnahmen und eine ressourcenschonende Produktion fügen sich zu einem schlüssigen Gesamtkonzept.
Mehr auf www.design-composite.com


Ressourcensouveränität ist nicht Autarkie. Europas Stärke liegt im Netzwerk.
Von Christian Richter-Schöller & Daniela Rotter-Stocker
Wir reduzieren strategische Abhängigkeiten, ohne die Türen zu schließen. Rechtlich entsteht dafür gerade ein neues InstrumentenSet.
1. Rohstoffpolitik mit klaren Zielen
Der „Critical Raw Materials Act“ schafft einen Rahmen für sichere und nachhaltige Versorgung, inklusive strategischer Projekte, Monitoring und Governance über ein europäisches Board.
Ergänzend setzt der „RESourceEU Action Plan“ von Dezember 2025 auf Derisking, Diversifizierung, gemeinsame Beschaffung und stärkere Nutzung von Sekundärrohstoffen. Das ist Souveränität durch Optionen, nicht durch Isolation.
2. Kreislaufrecht als Marktprojekt
Die Europäische Kommission kündigte für 2026 einen „Circular Economy Act“ an, der einen Binnenmarkt für Abfall und Sekundärrohstoffe voranbringen und Nachfrage nach zirkulären Produkten stärken soll. Der jüngste Pilot zur Plastikkreislaufführung zeigt die Richtung: weniger Materialverluste, mehr hochwertige Rezyklate, mehr Investitionssicherheit.
3. Industriepolitik mit Beihilfenrecht als Hebel
Mit dem „Clean Industrial Deal“ und dem neuen „Clean Industrial Deal State Aid Framework“ können Mitgliedstaaten Dekarbonisierung, saubere Technologien und industrielle Transformation einfacher fördern.
Richtig eingesetzt, schafft das europäische Leitmärkte für zirkuläre Materialien.
4. Lieferkettenrecht Frühwarnsystem
Die CSDDD verpflichtet große Unternehmen, Umwelt und Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette zu adressieren und treibt Transparenz in kritischen Materialströmen. Das ist Risikomanagement für Resilienz.
Europa kann zur Ressourcendrehscheibe werden: Primärrohstoffe dort, wo es verantwortbar ist; sekundäre Rohstoffe dort, wo es effizient ist, plus gemeinsame Standards, Daten und Finanzierung. Wer Kreislaufwirtschaft als Wertschöpfung begreift, sichert Europas zukünftige Souveränität.

Wie internationale Rahmenbedingungen darüber entscheiden, ob zirkuläre Geschäftsmodelle skalieren können.
Von Julika Dittrich
Globale Kreisläufe brauchen globale Regeln Kreislaufwirtschaft ist längst kein nationales Projekt mehr. Sekundärrohstoffe, gebrauchte Produkte, Komponenten sowie Reparatur- und Recyclingdienstleistungen werden zunehmend grenzüberschreitend gehandelt. Zirkuläre Wertschöpfung funktioniert aber nur dann effektiv, wenn Regeln international an-
schlussfähig sind. Ohne gemeinsame Definitionen – etwa was als Sekundärmaterial oder Abfall gilt –bleiben Märkte unsicher und Investitionen riskant.
Handel betrifft auch Technologien und Know-how
Der zirkuläre Handel umfasst nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen, digitale Systeme und
geistiges Eigentum. Patente, Designs und technisches Know-how sind zentrale Bausteine für Reparatur, Remanufacturing und Recycling. Gleichzeitig dürfen Schutzrechte Kreisläufe nicht blockieren. Produktrecht, Handelspolitik und Immaterialgüterrecht müssen zusammenwirken, damit Innovation gefördert und Marktzugang gesichert wird.
Globale Zusammenarbeit für zirkuläre Märkte
Die Verknüpfung von Handel und Kreislaufwirtschaft hat neue multilaterale, regionale und nationale Initiativen hervorgebracht. Auf globaler Ebene diskutiert die WTO Kreislaufwirtschaft im Rahmen der „Trade and Environmental Sustainability Structured Discussions“ (TESSD). Ergänzend fördert die „Global Alliance on Circular Economy and Resource Efficiency“ (GACERE) – ein Zusammenschluss von Regierungen – den Wissensaustausch, die Harmonisierung von Standards und die internationale Koordination für eine gerechte Kreislaufwirtschaft. Regionale Rahmenwerke wie das ASEAN Circular Economy Framework zielen auf gemeinsame Regeln, nachhaltige Investitionsbedingungen und zirkuläre Geschäftsmodelle in Asien.
Bilaterale, regionale oder plurilaterale Handelsabkommen können die Zusammenarbeit zusätzlich unterstützen, wobei bestehende Abkommen meist nur allgemeine Hinweise auf Kreislaufwirtschaft enthalten. Auf EU-Ebene dienen Green Deal und „Circular Economy Action Plan“ (CEAP) als Referenz für
Produktstandards, digitale Produktpässe, Herstellerverantwortung und Abfallverbringung – Vorgaben, die global wirken, weil Unternehmen ihre Produkte am größten Binnenmarkt der Welt ausrichten müssen.
Standards als Integrationsinstrument
Ein weiteres zentrales Integrationsinstrument sind Standards. Sie definieren Terminologien, Qualitätsanforderungen und Prüfverfahren, ermöglichen Vergleichbarkeit über Grenzen hinweg und reduzieren so Fragmentierung. Für Unternehmen ergibt sich daraus mehr Planungssicherheit entlang internationaler Lieferketten sowie bessere Skalierungsmöglichkeiten für zirkuläre Geschäftsmodelle.
Globale Einbindung als Erfolgsfaktor
Damit Kreislaufwirtschaft weltweit trägt, müssen Handels- und Regulierungsrahmen auch für Länder des globalen Südens praktikabel sein. Zu komplexe oder einseitige Anforderungen können Märkte abschotten. Kooperative Regelsetzung stärkt dagegen Handel, Investitionen und Resilienz.
Rahmenbedingungen
Fazit: Zirkularität braucht handelbare Märkte Kreislaufwirtschaft ist auch Handelspolitik: Produktanforderungen, Standards, Immaterialgüterrechte und Handelsregeln müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass zirkuläre Ströme stärker genutzt werden können. Wenn dies gelingt, kann der Kreislaufwirtschaftshandel entscheidend vorankommen – jüngere Initiativen und Studien zeigen bereits Wege auf.
Weiterführende Beiträge Vertiefende Beiträge im „Handbuch Kreislaufwirtschaft” (Linde Verlag, 2026) bieten weitere Einblicke –unter anderem zur EU-Kreislaufwirtschaftspolitik im internationalen Kontext (Dittrich), zu Handel und Kreislaufwirtschaft (Barrie), zu Normung und Governance (Weissinger) sowie auch zur ISO-Normenreihe mit Fokus auf Strategien zur Integration im europäischen Kontext (Gahleitner).


Kreislaufwirtschaft macht die Stahlproduktion vielfach effizienter, zeigt eine Studie des KONTEXT Instituts
Von Katharina Rogenhofer
Österreichs Metallindustrie setzt zunehmend auf Recycling, sowohl bei Aluminium, Kupfer als auch Stahl. Die Voestalpine erreicht laut eigenen Angaben einen Recyclinganteil von rund 27 %. In Zukunft soll der Anteil steigen und das ist gut so: Die Vorteile einer Umstellung auf Kreislaufwirtschaft im Metall- und vor allem im Stahlsektor sind überzeugend.
Eine aktuelle Studie des KONTEXT Instituts zu den Vorteilen der Kreislaufwirtschaft im Metall- und Bausektor zeigt, dass die Umstellung der Stahlerzeugung von kohleintensiven Hochöfen auf Elektrolichtbogenöfen mit Stahlschrott und Wasserstoffreduktion die CO₂-Emissionen der Stahlindustrie bis 2040 um 6,35 Millionen Tonnen senken kann (- 84 % gegenüber dem Vergleichsszenario).
Wird der erforderliche grüne Wasserstoff vollständig mit erneuerbaren Energien produziert, werden weitere 1,1 Millionen Tonnen an CO₂Emissionen vermieden.
Generell werden laut dem EUBranchendienst EuRIC durch den Einsatz von Schrott 72 % Energie gespart. Durch den Einsatz mit Stahlschrott kann zudem der Import von Metallerzen um rund 300 Millionen Euro (32 %) und der Kohlebedarf um 134 Millionen Euro (92 %) reduziert werden. Gleichzeitig steigt die Importmenge von Schrott um rund 15 % bzw. knapp 400 Millionen Euro. Der Preiseffekt ist insgesamt jedoch positiv: Der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom und von Primär- auf Sekundärrohstoffe führt zu einem Rückgang der Output-Preise
im Metallsektor um 1,3 % im Jahr 2040.
Um den Stahlsektor kreislauffähig zu machen, sind politische Maßnahmen in drei Bereichen erforderlich. Erstens braucht es ausreichend sauberen und leistbaren Strom für Elektrifizierung und Wasserstofferzeugung. Zweitens muss der Umstieg durch finanzielle Unterstützung, verlässliche Abnahmen über Leitmärkte sowie klare Standards unterstützt werden. Drittens ist die Verfügbarkeit von hochwertigem Schrott durch Demontageund Separationsvorgaben sowie moderne Rückgewinnungstechnologien sicherzustellen.
Auf diese Weise kann Stahl günstiger, sauberer und energieeffizienter produziert werden.


Lassen wir die Ideologie beiseite – sonst verpasst Österreich den Anschluss an die globale Transformation
Von Karin Huber-Heim
Die Industriestrategie 2035 und die Kreislaufwirtschaftsstrategie 2022 sind zwei mächtige politische Rahmenwerke. Beide zielen auf dieselben Ziele: weniger Materialverbrauch, mehr Ressourceneffizienz, weniger Emissionen, mehr Sekundärrohstoffe.
Doch während die Kreislaufwirtschaftsstrategie operational und gesellschaftlich ausgerichtet ist – mit Förderungen für Mehrwegsysteme, Sortieranlagen und Verbraucherpolitik – fokussiert die Industriestrategie auf Struktur, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Chance. Kreislaufwirtschaft ist keine Umweltpolitik, sondern Industriepolitik. Und 2026 ist der Moment, sie endlich als solche zu behandeln.
Die Industriestrategie sieht die politische und wirtschaftliche Steuerung
im Vordergrund und benennt „Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie und Transformation“ explizit als eines ihrer sieben Handlungsfelder. Jedoch fehlen konkrete Kennzahlen, wie Materialfluss, Recyclingquoten oder Abfallmengen. Diese sind in der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie sehr wohl genannt.
Die Industriestrategie braucht die Kreislaufwirtschaftsstrategie, um ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen – und die Kreislaufwirtschaft braucht die Industriestrategie zur Skalierung. Sie sind komplementär – aber nur, wenn sie zusammenarbeiten.
Der Circular Economy Act der EU steht vor der Tür und mit ihm kommen verbindliche Vorgaben für Sekundärrohstoffe, EPR-Systeme, Ökomodulation und die Abfall-
hierarchie. Österreich hat noch die Chance, nicht nur zu reagieren, sondern zu gestalten. Zahlreiche namhafte Unternehmen warten auf ein Signal der Regierung. Sie investieren – aber nur, wenn sie Planungssicherheit haben. Rechtssicherheit, marktnahe Anreize und eine klare Auslegung des Abfallrechts sind die entscheidenden Hebel.
Die Kreislaufwirtschaft ist kein „ideologisches“ Thema – sie ist ein wirtschaftlicher Hebel. Sie senkt Kosten, schafft Jobs, verringert Importabhängigkeiten und macht Österreich resilient. Wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur an Wettbewerbsfähigkeit – sondern auch an Souveränität. Österreich muss jetzt handeln – nicht morgen, nicht 2035, sondern 2026.
Ressourcen von morgen sichern: Mit den naBe-Kriterien Lebenszykluskosten statt nur Einstandspreis bewerten
Von Hanspeter Wirth
Die Bauwirtschaft steht vor einer zentralen Herausforderung: Ressourcenverbrauch und Abfallaufkommen sind enorm. Kreislaufwirtschaftsansätze bieten hier eine zukunftsweisende Lösung und gewinnen in Ausschreibungen zunehmend an Bedeutung.
Der österreichische Aktionsplan für nachhaltige öffentliche Beschaffung (naBe-Aktionsplan) definiert ökologische Mindeststandards für Hochbauprojekte und verankert Nachhaltigkeit entlang des gesamten Lebenszyklus: von der Planung über die Nutzung bis hin zum Rückbau und zur Verwertung.
Bereits in der Ausschreibungsphase gilt es, Materialien mit hohem Recyclinganteil und nachweisbarer Schadstoffarmut zu bevorzugen. Die naBe-Kriterien fordern Energie- und
Ressourceneffizienz sowie die Verlängerung der Nutzungsdauer.
Während der Betriebsphase rücken Wartungsfreundlichkeit und die Möglichkeit zur Wiederverwendung in den Fokus. Digitale Tools wie BIM dokumentieren relevante Materialdaten und schaffen die Basis für den späteren Rückbau. Lebenszykluskostenmodelle helfen schlussendlich, nicht nur den Anschaffungspreis, sondern auch Betrieb und Entsorgung zu bewerten – ein klarer Vorteil für nachhaltige Lösungen.
Am Ende des Lebenszyklus entscheidet sich, ob ein Gebäude zur Ressource wird. Beim Rückbau und der Sanierung ermöglichen kreislaufwirtschaftliche Prinzipien, Materialien sortenrein zu trennen und für Reuse oder Recycling vorzubereiten. Die Dokumentation zur Schad- und Störstoff-
erkundung informiert Eigentümer:innen und Planer:innen über Qualität und Zusammensetzung der Stoffe. Social Urban Mining fördert die Rückgewinnung wertvoller Ressourcen und stärkt regionale Kreisläufe.
Ausschreibungen sollten daher Anforderungen an sortenreine Demontage und Recyclingfähigkeit enthalten. So wird aus Abfall ein Wertstoff.
Wer heute Ausschreibungen im Hochbau gestaltet, muss Kreislaufwirtschaft als integralen Bestandteil denken. Diese verbinden innovative Planung, ressourcenschonenden Betrieb und ökologisch optimierten Rückbau. Der naBe-Aktionsplan liefert die Werkzeuge für eine Bauwirtschaft, die Ressourcen schont und Zukunft gestaltet.

Die KRAISBAU Datenkaskade: Vom Bestandbau zur zirkulären Ressource

32 Partner:innen, neun Arbeitspakete, ein emergentes Muster: die KRAISBAU-Datenkaskade für zirkuläres Bauen
Von Anna-Vera Deinhammer & Elena Stelzig
In Europas Gebäuden stecken nicht nur Bauteile, Bauelemente und Baumaterialien, in ihnen stecken tausende Stunden menschlicher Arbeitszeit. Wer diese Bestände ohne belastbare Daten über Zustand, Menge und Verbindungsart dem Abbruch zuführt, vernichtet kristallisierte Wertschöpfung.
Ilya Prigogine hat gezeigt: Offene Systeme erscheinen instabil, stabilisieren sich aber gerade durch ihre Offenheit. Genau das passiert bei KRAISBAU. Seit April 2024 arbeiten 32 Partner:innen entlang der Wertschöpfungskette und quer durch die Quadruple Helix – Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft –gleichzeitig statt nacheinander. Aus dieser Offenheit entsteht Struktur: eine Datenkaskade. Denn wer über Umnutzung, Rückbau oder Weiter-
nutzung entscheidet, braucht Optionen und Optionen fußen in Wissen.
Die Erfassung bildet das Fundament.
Materialflussmodelle sollen Sekundärpotenziale auf Bezirksebene sichtbar machen. KI überführt 3DPunktwolken in semantische BIMModelle – also digitale Gebäudemodelle der Bauwerksinformatik (Building Information Modeling); Bodenradar erfasst Leitungsverläufe und Schichtaufbauten hinter Wänden. Das Gebäude wird digital lesbar.
Darauf baut die Bewertung auf. Mengen allein reichen nicht – die Qualität entscheidet über den Wiedereinsatz. Spektroskopie wird gegen Druckprüfung validiert; KI soll die Zustandsermittlung automatisieren. Ziel ist eine zerstörungsarme Bewer-
tung, die Wiederverwendbarkeit von Bauteilen objektiv klassifiziert.
Die Einordnung schließt die Kaskade.
Ein Bewertungsrahmen entsteht, der Indikatoren wie MCI (Material Circularity Indicator), DPI (Demountability oder Disassembly Potential Index, je nach verwendeter Methodik) und ZiFa (Zirkularitätsfaktor) integriert. Parallel wird erprobt, ob KI messen kann, wie zirkuläre Maßnahmen auf EU-Taxonomie und SDGs einzahlen.
Das Ergebnis soll eine evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage für Umnutzung oder Rückbau sein. Kein sofort perfektes System, vielmehr ein KI-gestützter Lernprozess: Je mehr Wissen die Kaskade erzeugt, desto mehr Optionen entstehen.

Von Lars Klapper & Sven König
Remanufacturing hält Produkte und Komponenten länger im Kreislauf –und damit kritische Materialien dort, wo sie Wert stiften: im Bestand. Das entlastet den Primärrohstoffbedarf, erhöht Resilienz und schafft die Grundlage, Ressourcen strategisch zu steuern statt sie zu verbrauchen.
In der Praxis bleibt Remanufacturing jedoch oft Stückwerk: Jede:r optimiert seinen Part, das Zusammenspiel fehlt. Pop-Ikonen wie Elton John, die Beatles oder Adele zeigen das Gegenmodell: Viele Hits tragen wenige Akkorde, entscheidend sind Timing, Wiederholung und klare Übergänge.
Die „Remanufacturing Chords“ bündeln sechs Bausteine, mit denen Unternehmen Remanufacturing vom Piloten in die Serie bringen:
1. Modulares Produktdesign schnell demontieren, gezielt ersetzen, Upgrades über Generationen ermöglichen, ohne Variantenballast
2. Automatisierte Inspektion Zustand datenbasiert und standardisiert prüfen, klar klassifizieren, richtig routen, weniger Überraschungen im Prozess
3. Adaptive Arbeitsplätze flexible Zellen mit der passenden Mensch-Maschine-Interaktionen stabilisieren Taktzeiten und Qualität trotz verschiedener Varianten
4. Traceability und Konnektivität digitale Produktpässe und Produktakten sowie IT-Integration machen Daten verfügbar und ermöglichen Rückverfolgung und Planung ohne Medienbrüche
5. Orchestrierte Core-Beschaffung
Take-back, Anreize und Logistik sichern Menge, Timing und Qualität der Rückläufe, Auslastung wird steuerbar
6. Return-on-Value Geschäftsmodell Preis und Vertragslogik am erhaltenen Wert ausrichten, z.B. Trade-in, Garantien und Services; gute Rückgabequalität lohnt sich.
Entscheidend ist die Harmonie: Design erleichtert Demontage, Daten steuern Planung, Rücknahme stabilisiert Auslastung, das Geschäftsmodell finanziert den Kreislauf. Wer Remanufacturing skalieren will, muss diese sechs Akkorde systematisch prüfen – und dort agieren, wo heute die größten Dissonanzen entstehen.
Mehr auf https://epub.fir.de/home
Demontage, Daten und Business Case zeigen, welche Maßnahmen zirkulären Wert schaffen und skalierbar sind
Von Fabian Holly
Viele Industrieunternehmen sehen in der Kreislaufwirtschaft ein erhebliches Wertschöpfungspotenzial, doch der Weg von der Idee zur wirtschaftlich tragfähigen Umsetzung ist oft unklar. Die dargestellte Vorgehenslogik zeigt einen durchgängigen Ansatz, der strategische Zielsetzung, technische Machbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit verbindet.
1. Strategische Ausrichtung Zunächst werden die potenziellen geeigneten zirkulären Geschäftsmodelle definiert, indem relevante Potenziale entlang von Produkt und Wertschöpfungskette identifiziert werden. Eine interne und externe Analyse prüft die Umsetzbarkeit anhand von Benchmarks mit Mitbewerbern sowie organisatorischen Abhängigkeiten zwischen den zirkulären Geschäftsmodellen. Daraus
entsteht eine fundierte Empfehlung als Entscheidungsgrundlage für das Management.
2. Technische Produktanalyse Im nächsten Schritt steht das Produkt im Mittelpunkt: Komponenten, Materialien und Verbindungen werden untersucht, um zirkuläre Potenziale realistisch zu bewerten. Dazu wird das Produkt im Rahmen einer Demontagestudie systematisch zerlegt.
Erst diese Disassemblierung liefert belastbare Daten zur Rückgewinnung von Bauteilen und Materialien und ermöglicht die Auswahl geeigneter R-Strategien. Die Abläufe werden dokumentiert, die Komponenten und Maßnahmen priorisiert und die wirksamsten Hebel für zirkuläre Wertschöpfung identifiziert.
3. Wirtschaftliche Bewertung
Darauf aufbauend wird die wirtschaftliche Tragfähigkeit - der Business Case - analysiert. Datenerhebung und Business Case Berechnung quantifizieren Margen, Risiken und Investitionsbedarf, während Optimierungen die Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit verbessern.
4. Marktvalidierung
Abschließend erfolgt die Validierung im Markt durch ein Pilotprojekt. Aufbau, Durchführung und Evaluation liefern reale Leistungsdaten und bilden die Grundlage für Entscheidungen über Umsetzung und Investitionen.
Der Ansatz verdeutlicht, dass erfolgreiche Kreislaufwirtschaft ein durchgängiges Vorgehen von der Strategie bis zur praktischen Umsetzung erfordert.

Was können die Normen der ISO 59000er-Reihe?
Von Birgit Gahleitner
Seit Mai 2024 gibt es die drei ersten ISO-Standards zur Kreislaufwirtschaft: ISO 59004 definiert Begrifflichkeiten, Prinzipien und einen Umsetzungsrahmen für zirkuläres Wirtschaften, ISO 59010 leitet in drei Schritten den Übergang zu zirkulären Geschäftsmodellen und Wertenetzwerken an, und ISO 59020 schafft die Basis für die Messung und Bewertung von Zirkularität inklusive Kennzahlen.
Die Normen betreffen so gut wie alle Bereiche: Um Geschäftsmodelle neu auszurichten, sollten sich Strategieverantwortliche (C-Level, Nachhaltigkeitsmanagement) speziell mit ISO 59004 und 59010 auseinandersetzen. Controlling und ReportingTeams erheben und dokumentieren mit Hilfe der ISO 59020 Zirkularitätskennzahlen. Auch Einkauf und Lieferkettenmanagement sind durch
Fragestellungen zu Rückverfolgbarkeit und Sekundärmaterialien (ISO 59014, 59040) direkt betroffen. Produktentwicklung und R&D finden in der ISO 59000er-Serie konkrete Kriterien für kreislaufgerechtes Design.
Bereits heute fordern CSRD-pflichtige Unternehmen von ihren Lieferanten Zirkularitätsdaten – die ISO 59020 liefert dafür die Grundlage. Banken und Investoren nutzen die EU-Taxonomie als Investitionsfilter: die KreislaufwirtschaftsPrinzipien der ISO 59004 decken alle sechs Taxonomie-Umweltziele ab. Demnächst kommen u. a. die Green Claims Directive und die ÖkodesignVerordnung mit digitalem Produktpass hinzu. Anhand der ISO 59040 können entsprechende ProduktZirkularitätsdatenblätter erstellt werden.
Als sogenannte Guidance-Normen sind ISO 59004, 59010 und 59020 nicht zertifizierungsfähig – sie bieten Leitlinien, keine auditierbaren Anforderungen.
Ein eigener Standard für ein Kreislaufwirtschafts-Managementsystem, der wie die ISO 14001 aufgebaut ist und nach dem sich Organisationen zertifizieren lassen können, ist in Vorbereitung.
Die Publikation der ISO 59001 wird 2028 erwartet. Unternehmen können aber schon jetzt durch Berater:innen die strukturierte Umsetzung von Circular Economy-Prinzipien begleiten lassen und auch die Konformität mit den bereits publizierten ISO-Normen durch Dritte überprüfen lassen.

In einem volatilen Umfeld ist Kreislaufwirtschaft ein Hebel für Widerstandsfähigkeit
Ratzinger Consulting begleitet Unternehmen auf dem Weg Richtung Kreislaufwirtschaft an der Schnittstelle von Nachhaltigkeitsstrategie, Berichterstattung und regulatorischer Anschlussfähigkeit.
Kreislaufwirtschaft ist für Unternehmen, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit, regulatorische Anschlussfähigkeit und Resilienz in einem zunehmend volatilen sozioökologischen Umfeld anstreben, zu einer strategischen Grundlage geworden. Der Übergang von linearer zu regenerativer Wertschöpfung hilft, Ressourcenknappheit, Klimarisiken und wachsende Erwartungen von Stakeholdern zugleich zu adressieren.
Regulatorik gibt den Rahmen vor
• Die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) fordert quantifizierte Kennzahlen, darunter Materialkreislaufquoten und Abfallaufkommen, ebenso wie die EU-Taxnomie im Umweltziel Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
• „Global Reporting Initiative“ (GRI) verlangt Transparenz zu Materialflüssen, Ressourceneinsatz und Abfallwirkungen.
• Der Risikoberichtsrahmen der „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ (TCFD) erfordert auch die Bewertung von Ressourcenabhängigkeiten.
Wer Kreislaufwirtschaft nur als Umweltmaßnahme versteht, greift zu kurz: Sie wird zum Hebel für Resilienz.
Übergreifendes elftes „R”
Kreislaufwirtschaft basiert auf den bekannten “10-R-Strategien“, die eine Wertschöpfungshierarchie von der höchsten zur niedrigsten Wirkung bilden. Ihr strategischer Ertrag lässt sich knapp benennen: Resilienz.
Denn durch die Verringerung der Abhängigkeit von Primärrohstoffen sowie die Verkürzung und Diversifizierung der Wertschöpfung durch zirkuläre Geschäftsmodelle verbessern Unternehmen ihre Fähigkeit, Schocks abzufedern und sich an Krisen anzupassen – von klimabedingten Ereignissen bis hin zu geopolitischen Umbrüchen. Resilienz wird gestärkt durch:
• Lieferketten: geringere Abhängigkeit von Primärrohstoffen
• Finanzen: niedrigere Inputkosten, neue Erlösquellen - z.B. aus Sekundärrohstoffen und dienstleistungsbasierte Modelle
• Regulatorik: bessere Anschlussfähigkeit an Berichtspflichten
Organisationen, die Kreislaufwirtschaft als Instrument zur Stärkung der Resilienz und Innovationstreiber erkennen, werden sich in einer zunehmend ressourcenknappen Welt Wettbewerbsvorteile sichern. Ratzinger Consulting GmbH unterstützt Sie dabei.
Mehr auf www.ratzinger-consulting.com


EU-EPR-Regime für Textilerzeugnisse verlagert Kosten und Haftungsrisiken entlang der Wertschöpfungskette
Von Marie Sophie Reitinger
Seit Herbst 2025 wird die Kreislaufwirtschaft durch die erstmalige Einführung eines unionsweit harmonisierten Regimes der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Textilerzeugnisse und Schuhe ergänzt. Mit der Novelle der Abfallrahmenrichtlinie (EU) 2025/1892 etabliert der europäische Gesetzgeber erstmals unionsweit verbindliche Vorgaben für ein EPR-Regime, die zu einer erheblichen Ausweitung regulatorischer Pflichten entlang der Wertschöpfungskette führen.
Wesentliche Änderungen im Überblick
• Verpflichtende Teilnahme an EPR-Systemen mit spätestens 17. April 2028
• Hersteller tragen künftig Entsorgungs- und Recyclingkosten
• Informationspflichten (z.B. über nachhaltigen Konsum)
• Registrierungspflicht in nationalem Herstellregister
• Sicherstellung der Herstellerregistrierung und EPR-Konformität durch Online-Marktplätze
• Gleiches gilt für FulfillmentDienstleister
• Betrauung zugelassener
• Organisationen für Herstellerverantwortung
• Pflichten zur Bewirtschaftung von Textilabfällen

Neue Pflichten entlang des gesamten Produktlebenszyklus Künftig trifft die volle Verantwortung für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung, Recycling und Entsorgung jene Unternehmen, die Textilerzeugnisse oder Schuhe erstmals im EU-Binnenmarkt in Verkehr bringen. Ab 17. April 2028 ist die Teilnahme an einem EPR-System in allen Mitgliedstaaten verpflichtend.
Hersteller haben sämtliche damit verbundenen Kosten zu tragen und unterliegen erweiterten Informations-, Daten- und Berichtspflichten. Auch Online-Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister:innen geraten verstärkt in den Fokus, da sie sicherstellen müssen, dass angebundene Anbieter:innen ordnungsgemäß registriert und EPR-konform sind.
Registrierung, Governance und Ökomodulation
Von zentraler praktischer Bedeutung ist die neue Registrierungspflicht: Ohne Eintragung in ein nationales Herstellerregister ist das Inverkehrbringen künftig unzulässig. Bis 2027 soll ein EU-weit vernetztes Registersystem eingeführt werden, das den
Vollzug und die Marktaufsicht erheblich erleichtert. Die operative Umsetzung der Herstellerpflichten erfolgt regelmäßig über zugelassene, sogenannte „Organisationen für Herstellerverantwortung“. Deren Gebühren können nach ÖkodesignKriterien moduliert werden, etwa nach Haltbarkeit oder Recyclingfähigkeit der Produkte.
Mitgliedstaaten sind zudem ausdrücklich ermächtigt, kostensteigernde Zuschläge für kurzlebige und ressourcenintensive Geschäftsmodelle – insbesondere im Bereich der Fast Fashion – vorzusehen.
Rechtliche und strategische Implikationen für Unternehmen Parallel verschärft der Gesetzgeber die Anforderungen an die Bewirtschaftung von Textilabfällen. Vorgeschrieben sind eine getrennte Sammlung mit Fokus auf Qualitätsund Kontaminierungsvermeidung, verbindliche Sortierpflichten nach Wiederverwendungs- und Recyclingpotenzial sowie eine verstärkte Kontrolle des Exports gebrauchter Textilien zur Vermeidung illegaler Abfallverbringung.
Eigene Maßnahmen verhindern Wettbewerbsnachteile
Für betroffene Unternehmen bedeutet das neue EPR-Regime zusammengefasst nicht nur eine erhebliche Kostenverlagerung, sondern auch das Entstehen zusätzlicher Haftungs-, Vertrags- und Compliance-Risiken. Zugleich entwickelt sich EPR zu einem strategischen Steuerungsinstrument für Produktdesign, Lieferketten und ESG-Reporting.
Eine frühzeitige rechtliche Einordnung der eigenen Marktrolle und eine strukturierte Umsetzung der neuen Vorgaben sind entscheidend, um Sanktionen, Marktausschlüsse und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden.

Wer Ressourcen kreislauffähig macht, gewinnt Souveränität: echte Power liegt im Materialkreislauf
Von Valerie-Sophie Schönberg
International ist heute kein Fernweh-Thema, sondern Geo-Ökonomie: Politik mit den Mitteln von Handel, Technologie und Ressourcen. Macht entsteht dort, wo Materialströme verlässlich sind oder als Druckmittel verknappt und kontrolliert werden.
In einer Welt wachsender Krisenherde wird das zur Standortfrage: Wofür steht Europa, wenn es eng wird und wie verhindert es, dass Abhängigkeit zur Erpressbarkeit wird?
Der Wechsel von einer fossilbasierten Wirtschaft zu einer erneuerbaren verlagert diese Logik. Öl und Gas verlieren Gewicht; dafür rücken Lithium, Nickel, Kupfer und „Seltene Erden“ nach vorn. „Selten“ ist dabei nicht ihr geologisches Vorkommen, sondern vor allem ihre wirtschaftliche Hebbarkeit – energieintensiv, chemisch anspruchsvoll, mit hohen Umweltfolgekosten. Die neue Abhängigkeit ist daher nicht nur eine Frage der Lagerstätten, sondern der Wertschöpfungstiefe.
Entscheidend ist daher, wer Verarbeitungskapazitäten und Standards beherrscht. Die IEA schätzt Chinas Raffinationsanteile auf rund 50–70% bei Lithium und Kobalt und auf nahezu 90 % bei Seltenen Erden. Gleichzeitig stammten 2024 über 95 % der EU-Importe Seltener Erden aus China, Malaysia und Russland.
Wer jetzt nur „mehr Bergbau“ ruft, übersieht das Sicherheitsrisiko: Für eine <2-Grad-Zukunft werden laut Weltbank über 3 Milliarden Tonnen Mineralien und Metalle für Wind, Solar, Geothermie und Speicher benötigt. In dieser Größenordnung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Lieferketten instrumentalisiert werden und ökologische Belastungsgrenzen im Namen der Geschwindigkeit fallen.
Nicht länger abhängig sein von illiberalen Demokratien oder Autokratien – egal ob bei Erdöl und Erdgas oder künftig bei Batterien, Magneten und Elektronik – ist das sine qua non europäischer Handlungsfähigkeit. Wer nachkauft, was er weder selbst herstellen noch in den Kreislauf zurückführen kann, importiert Ver-
wundbarkeit. Europas Power liegt in der Kreislaufwirtschaft als Industrieund Souveränitätsstrategie: zirkuläre Geschäftsmodelle, Rückgewinnung aus Metallschrott und E-Waste, Urban Mining und eine eigene zirkuläre Industrie, getragen von regionalen Spezialisierungen.
Und Österreich? Nicht einzeln Stoffe jagen, sondern europäisch verbünden und Stoffströme gestalten: Nur EUweit lassen sich kritische Materialflüsse absichern, Kreislaufmärkte skalieren und wirksame Maßnahmen konsequent umsetzen.
Die Rubrik „International“ ist dafür unser Radar, wo Ressourcen zu Macht werden und wo zirkuläre Lösungen Europas Spielraum vergrößern.


Von Ladeja Godina Košir
Wir erleben keine vorübergehende Unsicherheit, sondern eine strukturell veränderte Weltordnung.
Geopolitische Spannungen, Materialabhängigkeiten, Klimarisiken und institutionelle Erosion prägen das wirtschaftliche Umfeld nachhaltig. Für C-Level-Entscheidungsträger:innen stellt sich daher nicht die Frage, ob Transformation notwendig ist, sondern wie sie strategisch gesteuert wird.
Von Rhetorik zu Steuerungslogik
Die europäische Antwort ist klar strukturiert. Der „European Green Deal“, der „Clean Industrial Deal“ und der kommende „Circular Economy Act“ (CEA) verankern Resilienz als wirtschaftlichen Steuerungsfaktor. Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um die Neuausrichtung von Wertschöpfungsmodellen, Materialflüssen und Governance-Strukturen.
Ressourcennutzung ist zentraler Treiber von Klima- und Biodiversitätsrisiken. Das ist keine ökologische Randfrage, sondern eine Frage der Wettbewerbs- und Standortsicherheit. Die Entkopplung von Wertschöpfung und Ressourcenverbrauch entwickelt sich zu einem industriepolitischen Leitprinzip.
Die „European Circular Economy Stakeholder Platform“ (ECESP) setzt im Arbeitsprogramm 2026–2028 diese Logik konkret um. ECESP fungiert als „Network of Networks“, das europäische Politik mit sektorübergreifender Umsetzung und entstehenden Wertnetzwerken verbindet.
Wertnetzwerke statt lineare Ketten Lineare Wertschöpfungsketten stoßen in einem volatilen Umfeld an ihre Grenzen. Optimierung allein reicht nicht mehr aus. Resilienz entsteht in koordinierten Wertnetzwerken – dort, wo Materialien, Kapital und Wissen systematisch zirkulieren.
Gut strukturierte Netzwerke reduzieren Abhängigkeiten, erhöhen Innovationsfähigkeit und stärken strategische Stabilität. Autonomie bedeutet heute nicht Abschottung, sondern professionell gestaltete Interdependenz.
„Circular Diplomacy“ als wirtschaftliche Praxis
Auf der Expo 2025 in Osaka wurde „Circular Diplomacy“ als Instrument wirtschaftlicher Kooperation diskutiert. Der Fokus verschiebt sich von kurzfristiger Ressourcenabsicherung hin zur gemeinsamen Gestaltung von Materialströmen und Standards.
Auch Australien verfolgt diesen Ansatz. Das nationale Circular Economy Framework definiert klare Zielsetzungen zur Reduktion des Materialverbrauchs und zur Steigerung der Produktivität. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung: sektorübergreifende Koordination, funktionierende Wertnetzwerke, klare Governance.
Gemeinsam mit Prof. Jacqueline Cramer betont ECESP die Rolle von Transition Brokers: — Akteuren, die Unternehmen, Finanzwelt, Politik und Zivilgesellschaft strategisch verbinden und Zielkonflikte moderieren.
Die strategische Entscheidung Komplexe Transformationen lassen sich nicht isoliert managen. Entscheidend ist die Qualität der Netzwerke.
Für Führungskräfte stellen sich daher zentrale Fragen:
• Wie transparent sind die materiellen Abhängigkeiten Ihres Unternehmens?
• Wie robust sind Ihre Wertnetzwerke?
• Wer gestaltet aktiv die Kooperationsarchitektur Ihrer Branche?
Drei Realitäten für 2026
1. Zirkularität wird strukturell verankert. Der CEA vertieft die Integration zirkulärer Prinzipien im Binnenmarkt.
2. Resilienz basiert auf Materialintelligenz. Die Analyse und strategische Gestaltung von Wertnetzwerken wird zum Stabilitätsfaktor.
3. Governance wird kooperativ. Netzwerkbasierte Steuerung und Transition Brokers werden zu zentralen Umsetzungsinstrumenten.
In globaler Turbulenz geht es nicht um mehr Kontrolle, sondern um strategisch gestaltete Kooperation. Die Leadership Groups der ECESP sind konkrete Umsetzungsplattformen.
Mehr auf www.circulareconomy. europa.eu/platform/en

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel von Innovation, systemischer Analyse und transdisziplinärer Kooperation. Forschungs- und Pilotprojekte bei alchemia-nova greifen diesen Anspruch auf, indem sie innovative Lösungen unter realen Bedingungen erproben und systemisch einordnen.
Ein Beispiel dafür entstand im Ökodorf Cambium in der Steiermark. Im Rahmen des EU-Projekts GEORGIA wird dort die vertECO®-Grünwand weiterentwickelt, die es ermöglicht, dezentral und naturbasiert häusliches Abwasser aufzubereiten und
vor Ort wiederzuverwenden. In diesem bepflanzten, vertikal angeordneten Filter wird Abwasser biologisch gereinigt, anschließend via Ozonierung hygienisiert und lokal für die Bewässerung des gemeinschaftlichen Market Gardens wiederverwendet.
Wasser und Nährstoffe bleiben damit im System, anstatt über zentralisierte Infrastrukturen verloren zu gehen. Solche dezentralen Lösungen gehen über technische Demonstrationen hinaus, indem sie Kreislaufwirtschaft sichtbar in unseren Alltag integrieren.

vertECO®-Grünwand für dezentrale Abwasseraufbereitung und Wiederverwendung im Ökodorf Cambium (Steiermark)

Sankey-Diagramm der Wasser- und Nährstoffflüsse bei Integration der dezentralen Abwasseraufbereitung vertECO® im urbanen Innovationsprojekt Zukunftshof, Wien (Vobrub et al., 2025)
Methodischer Ansatz von alchemia-nova zur Entwicklung zirkulärer Verwertungspfade - von der Erfassung regionaler Reststoffströme bis zur Bewertung und Priorisierung von Kreislaufszenarien.

Durch das Schließen von Kreisläufen werden Abhängigkeiten von externen Wasser- und Düngemittelquellen reduziert und die lokale Versorgungssicherheit gestärkt. Leuchtturmprojekte wie vertECO® zeigen, dass Abwasser als Ressource genutzt werden kann – ein Paradigmenwechsel mit hoher Relevanz für die Gestaltung klimaresilienter Regionen.
Um solche Kreislaufpotenziale systematisch zu erfassen, ist die Materialflussanalyse (MFA) ein zentrales Instrument. Mit ihr lassen sich Wasser-, Nährstoff- und Biomasseströme sowie Verlustpfade analysieren und grafisch darstellen (siehe links).
Ergänzt durch multikriterielle Entscheidungsanalysen (MCDA) können unterschiedliche Szenarien zur Schließung von Stoffkreisläufen entlang ökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien bewertet und diskutiert werden.
Diese methodische Kombination wird vom Forschungsinstitut alchemia-nova
in mehreren europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten angewandt.
• Im Projekt RURBANIVE werden beispielsweise urbane und ländliche Stoffströme gemeinsam betrachtet, um regionale kreislauffähige Lösungen zu entwickeln, unter anderem in der Region Wien & Niederösterreich, welche hier als Co-Creation Lab fungiert.
• FUTURAL analysiert Potenziale der Klärschlammverwertung im ländlichen Raum Pongau (Salzburg) und unterstützt Regionen bei der Priorisierung geeigneter Verwertungspfade.
• Im Projekt SYMBIO werden potenzielle biobasierte Geschäftsmodelle in mehreren europäischen Regionen ganzheitlich untersucht, unter Berücksichtigung von Ressourcenflüssen, Marktbedingungen sowie ökologischen und sozialen Auswirkungen.
Ihren Mehrwert entfalten Materialflussanalysen und multikriterielle Entscheidungsprozesse insbesondere dann, wenn sie partizipativ gestaltet sind und relevante Akteur:innen systematisch eingebunden werden. Die gemeinsame Analyse und Diskussion von Zielkonflikten und Handlungsoptionen unterstützt transparente Entscheidungen, stärkt das Verständnis unterschiedlicher Perspektiven und erhöht die Umsetzbarkeit.
In komplexen Transformationsprozessen kann dieser Ansatz zu einem demokratischen Entscheidungsverständnis beitragen und transdisziplinäre Kooperation fördern. So lassen sich tragfähige Lösungen entwickeln – von dezentraler Abwasseraufbereitung in der Steiermark bis hin zu biobasierten industriellen Symbiosen auf europäischer Ebene.
These projects have received funding from the European Union’s Horizon Europe research and innovation programme under grant agreement No 101181572, 101136597, 101083958 and 101135166. Mehr auf



Von Bastien Huber & Michaela Leber
Neodym ist mit einer geologischen Häufigkeit von rund 40 ppm in der Erdkruste nicht außergewöhnlich selten. Es kommt jedoch nur in gebundener Form vor und erfordert aufwendige Trenn- und Aufbereitungsverfahren. Als Hauptkomponente von NdFeB-Magneten, die in der Legierung auch weitere Seltene Erden enthalten, ist Neodym für die Nachhaltigkeitstransformation unverzichtbar.
Diese Magnete decken 90 % des weltweiten Neodymverbrauchs ab. Den Markt dominieren industrielle Motoren (34,4 %) und Festplatten (13,6%), während die Transformationssektoren E-Mobilität (10,9 %) und Windkraft (7,2 %) als massive Nachfragetreiber fungieren.
Die EU rechnet bis 2030 mit einer fünf- bis sechsfachen Steigerung des Bedarfs. Da China rund 60 % der Förderung und über 90 % der Verarbeitung kontrolliert, stuft der „Critical Raw Materials Act“ (CRMA) Neodym als „strategisch wichtig“ ein. Zur Reduktion der Abhängigkeit setzt der CRMA für 2030 klare Benchmarks: 10 % des EU-Verbrauchs sollen aus eigener Förderung und 40 % aus interner Verarbeitung stammen. Das verbindliche Recyclingziel wurde in der finalen Verordnung auf 25 % angehoben.
Strukturelle Barrieren wie fehlende B2B-Rücknahme, Exporte und designbedingte Hürden wie verklebte Magnete hemmen den Kreislauf. Technisch besitzt – neben der Instandhaltung – das Refurbishment höchste Priorität, da es Produkte effizient im Kreislauf hält. Werkstoff-
liche Verfahren wie die Hydrogen Decrepitation ermöglichen durch Wasserstoffversprödung die direkte, sortenreine Rückführung von Sintermagneten in die Produktion – das Projekt SUSMAGPRO zeigte Rückgewinnungsraten von über 90 %. Für gemischte Abfälle bietet das rohstoffliche Recycling (Hydro- oder Pyrometallurgie) die chemische Rückgewinnung reiner Elemente.
Der Handlungsbedarf ist groß, beispielsweise durch Design for Recycling, das die Entnehmbarkeit später erleichtert. Ab etwa 2027 soll zudem der Digitale Produktpass eine deutlich höhere Materialtransparenz entlang der Wertschöpfungskette sicherstellen.
Mehr auf www.thinkubator.earth/ forschung
Von Thomas Höpler
Sekundärmaterialien sind ein wesentlicher Hebel für eine wirtschaftliche Transformation und Dekarbonisierung.
Die hohen Energie- und Personalkosten in Europa sind ein Wettbewerbsnachteil und mit ein Grund, dass Metallschrotte in die Türkei, nach Indien, China und in die USA exportiert werden. Entsprechend mehr neu gewonnene Metalle müssen importiert werden.
Bedarfe an Stahl (90 %) und Kupfer (83 %) können noch zu einem großen Teil aus europäischen Werken abgedeckt werden, jene an Aluminium (45 %) und Nickel (25 %) werden nur noch zu einem dramatisch geringen Teil in Europa produziert.
Scheinbare Kosteneinsparung
Besonders das Sortieren und Aufbereiten von vermischten und verunreinigten Materialien verursacht Mehrkosten und setzt spezialisierte Anlagen voraus. Das führt dazu, dass zertifiziertes Recyclingaluminium aufgrund höherer Qualitäts- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen teurer sein kann als Standard-Primäraluminium. Die Umwandlung der Schrotte in Halbzeuge oder Produkte kann in Indien oder China zu geringeren Kosten und anderen Umweltstandards erfolgen.
Reale Wettbewerbsschwächung
Die Importabhängigkeit steigt weiter und die in der EU anfallenden Schrotte werden an die Bestbieter außerhalb von Europa verkauft. Diese Vorgehensweise löst Rufe nach Exportbeschränkungen aus, besonders die Verbände der Aluminiumindustrie weisen auf die ungenutzten Kapazitäten in den Werken zur Schrottver-
arbeitung hin und fordern Exportzölle in der Höhe von 25 % bis 30 %.
Versuche, den europäischen Markt zu unterstützen, werden durch kreative Schlupflöcher umgangen. So sieht etwa CBAM (Anm. Carbon Border Adjustment Mechanism) vor, importiertes, mit CO2-Emissionen belastetes Primäraluminium so verteuern, dass die europäischen Aluminiumhütten wettbewerbsfähig bleiben.
Allerdings mengen asiatischedie in Europa gekauften Schrotte den für die EU bestimmten Halbzeugen bei; so müssen beim Import entsprechend geringe CO2-Zölle bezahlen.
Wer Europas Dekarbonisierung ernst nimmt, muss Metallschrott als strategische Ressource behandeln: erst die Regeln schließen, dann Verarbeitungskapazitäten hier ausbauen und so Wertschöpfung wie CO₂Einsparung in Europa halten.
Gepresste Nummerntafeln sind ein wertvoller Rohstoff.

Ein globales Plastikabkommen scheiterte bislang, 2026 sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden
Von Stefan Grafenhorst
Die meisten Expert:innen sind sich einig: Ohne ein ambitioniertes globales Abkommen wird die Plastikkrise nicht zu bewältigen sein. Im August 2025 sollte Genf daher der Hauptschauplatz für ein globales Plastikabkommen werden. Nach Jahren der Vorverhandlungen endeten die Gespräche der UN-Staaten jedoch ohne Abschluss. Die Delegierten konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Text einigen.
Ein zentraler Streitpunkt waren verbindliche Zielvorgaben zur Reduktion der Plastikproduktion. Erdölexportierende Länder wie Saudi-Arabien, Russland, Iran oder Kuwait lehnten solche Vorgaben ab, da sie ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet sahen. Auch große Staaten wie China und Indien zeigten sich skeptisch gegenüber einem bindenden globalen Rahmen. Sie plädieren für flexiblere Ansätze, statt auf Produktionsobergrenzen, verpflich-

tende Reduktionsziele oder strenge Vorgaben für das Produktdesign.
2026 soll ein neuer Anlauf für ein Abkommen genommen werden. Der Ausgang der Verhandlungen bleibt jedoch ungewiss. Kaum vorstellbar ist, dass erdölexportierende Länder ihre wirtschaftlichen Interessen über Bord werfen. Was auch immer die Zukunft bringt. Die Ambitionslosigkeit weniger, aber mächtiger Staaten darf nicht als Ausrede für jene dienen, die sich ein starkes Regelwerk wünschen.
Was ist Europas Rolle?
Für Europa muss daher gelten: Wenn die Welt zögert, müssen Vorreiter handeln. Mit der EU-Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) hat die EU gezeigt, dass sie bereit ist, der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffverpackungen auf die Sprünge zu helfen.
Europas Blick darf sich jedoch nicht nur nach innen richten, sondern auch auf jene Länder, die mit der Bewältigung von Plastikabfällen strukturell überfordert sind. Was es braucht, ist eine stärkere europäische Rolle bei Entwicklungszusammenarbeit, Infrastrukturfinanzierung und Technologietransfer. Vor allem Investitionen in Sammel- und Recyclingsysteme sowie der Zugang zu geeigneten Technologien sind entscheidend, damit auch Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen die Entsorgung in den Griff kriegen, statt ungewollt Teil des Problems zu bleiben.

Europa sieht sich als Vorreiter beim Umgang mit Elektroschrott. Die Realität ist deutlich komplizierter
Von Kilian Kaminski
Europa produziert mehr Elektroschrott als jede andere Region, nämlich 16.2 kg pro Kopf im Jahr. Und tut trotzdem so, als sei das Problem im Griff. Solange wir Geräte zur Sammelstelle bringen, fühlt es sich nach Verantwortung an, ist aber nur Entlastung. Denn ein Teil dessen, was als „behandelt“ gilt, wird nicht in Europa verarbeitet, sondern häufig als Secondhand Ware oder repairable deklariert und exportiert. Dieses Schlupfloch macht aus Schrott vermeintlich reparierbare Ware.
Tracker-Analysen des „Basel Action Network“ zeigen deutlich, wie diese Grauzonen genutzt werden: Nur 42,8 % des europäischen E-Waste wird dokumentiert und recycelt. Gleichzeitig wurden 2025 in der EU elektronische Neuwaren im Ausmaß von 14,4 Mio. Tonnen verkauft (ein Plus von 89 % seit 2012) – in vielen Ländern sind das 33 bis 45 kg pro Kopf (!). Nur 5,2 Mio. Tonnen davon landeten im offiziellen Recycling.
Weltweit produzierten wir allein im Jahr 2022 62 Mio. Tonnen E-Waste. Damit wächst dieser Abfallstrom am schnellsten, dreimal schneller als Hausmüll.
Und die toxischen Kosten landen mehrheitlich im globalen Süden: Dort, wo Kabel verbrannt werden, um an Kupfer zu kommen. Elektroschrott-Halden wie Agbogbloshie in Ghana sind daher kein lokales Problem, sondern das Ergebnis von Produktzyklen und unserer europäischen „Exportpraxis“.
Was wir brauchen, sind:
• Flächendeckende Kontrollen und Sanktionen, wenn Abfall als Ware getarnt wird.
• Rechtliche Priorisierung für Reparatur und Wiederverwendung. Das EU-Recht auf Reparatur muss ambitioniert und ohne Hintertüren umgesetzt werden.
• Refurbishment strukturell stärken, anstatt Geräte als „Abfall“ zu klassifizieren.
Genau daran arbeitet EUREFAS (European Refurbishment Association) in der „Waste Shipment Regulation“: Produkte in Europa halten, Wertschöpfung sichern und Schäden nicht auslagern. Recycling ist wichtig – aber die letzte Stufe der so genannten Abfallhierarchie. Ohne Vermeidung von Neukauf, Verlängerung der Nutzung oder Refurbishment bleibt es ein Alibi. Europas Führungsanspruch beweist sich in Regeln, die wirken, und in Konsum, der Verantwortung nicht verschifft.

Von Arianna Olivero & Stephanie Benoit
Die Europäische Union erzeugt jährlich rund 12,6 Millionen Tonnen Textilabfälle, darunter Kleidung, Heimtextilien und Schuhe. Angesichts zunehmender Umweltprobleme stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar. Frankreich gehört zu den wenigen EU-Ländern, die früh begonnen haben, Textilabfälle nicht nur als Abfall, sondern als potenzielle Ressource für Wiederverwendung und Recycling zu betrachten.
Geregelt wird der Umgang mit gebrauchten Textilien in Frankreich über das System der Erweiterten Herstellerveranstaltung (EPR/REP TLC), das 2007 eingeführt und das AGEC AGEC-Gesetz gegen Verschwendung und für die Kreislaufwirtschaft von 2020 weiter gestärkt wurde.
Ziel ist es, Textilien über ihren gesamten Lebenszyklus kreislauforientiert zu steuern: durch Ökodesign, Abfallvermeidung, Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten sowie die Organisation ihres Lebensendes.
Dazu wurden für die Öko-Organisation Refashion für den Zeitraum 2023–2028 Ziele vorgesehen, die den Ausbau der Sammlung von Textilien, Schuhen und Haushaltswäsche im gesamten französischen Staatsgebiet umfassen. Im Jahr 2024 wurden in Frankreich 289.000 Tonnen gesammelt, was 33 % der in Verkehr gebrachten Textilien entspricht; das gesetzliche Ziel liegt bei 60 % bis 2028. Gleichzeitig soll die Wiederverwendung und Weiterverwendung in Frankreich in Zusammenarbeit mit Akteuren der Sozial- und Solidarwirtschaft gesteigert werden: 2024 wurden 118.000 Tonnen dafür vorbereitet, wobei der Großteil für den Export bestimmt war.


Weitere Ziele vom Refashion sind die Finanzierung und Verbesserung der Sortierung, die Förderung von Reparaturen durch Kostensenkungen für Verbraucher:innen, der Aufbau von Recyclingstrukturen für nicht wiederverwendbare Textilien sowie die Entwicklung langlebigerer Produkte mit einem höheren Anteil recycelter Fasern. Refashion unterstützt die Branche durch Finanzierung, Förderung von Ökodesign, Unterstützung der Wiederverwendungsakteure, Sensibilisierungsmaßnahmen, regulatorische Begleitung und Investitionen in Innovation.
Der starke Anstieg von Textilabfällen infolge von Fast und Ultra-Fast Fa-
shion setzt Sammel-, Sortier- und Recyclingkapazitäten unter Druck. Unter Federführung des Ministers für den ökologischen Wandel leitete die französische Regierung im Mai 2025 eine Neuausrichtung der Textil-EPR ein, um die Leistungsfähigkeit des Systems zu verbessern und die Akteure langfristig zu abzusichern. Ein neues Pflichtenheft soll ein ausgewogeneres Modell schaffen und wird voraussichtlich im Frühjahr 2026 veröffentlicht. Zudem erwägt die Regierung, die Umweltkosten der Ultra-Fast-Fashion-Industrie stärker dieser selbst anzulasten.
Frankreich verfolgt seine Strategie auch auf europäischer Ebene. Das Land spielte eine treibende Rolle bei
der Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie, die es den Mitgliedstaaten seit September 2025 ermöglicht, Fast und Ultra-Fast Fashion unter anderem über BonusMalus-Systeme gezielter zu regulieren. Zudem engagiert sich Frankreich intensiv in den Arbeiten zum delegierten Textilrechtsakt der ESPRVerordnung, der zentrale Vorgaben zum Ökodesign festlegen könnte –ein Schlüsselfaktor für eine zirkuläre Textilwirtschaft in Europa.
Im Kontext von Ökozirkularität setzt Frankreich auch auf Diplomatie und ist stets interessiert an Austausch oder Kooperation mit österreichischen Akteuren.
Von Reinhard Weissinger
Die Welt steht vor einem neuen Wettlauf – nicht um die billigsten Produkte, sondern um die intelligentesten Systeme. Und China ist dabei, sich eine führende Position zu sichern.
Kreislaufwirtschaft ist seit den 2000er Jahren in die Fünfjahrespläne integriert. 2008 wurde mit dem „Circular Economy Promotion Law“ ein rechtlicher Rahmen geschaffen, der Unternehmen verpflichtet, Abfall zu reduzieren, Materialien zurückzugewinnen und Ressourcen effizienter einzusetzen.
2021 wurde der Begriff „doppelte Zirkularität“ eingeführt: Kreislaufwirtschaft wird auf nationaler und globaler Ebene gedacht, um Rohstoffabhängigkeiten zu verringern.
Das Ziel: Bis 2035 soll die Ressourcenproduktivität um 40 % steigen,
der Abfall pro Kopf um 20 % sinken – und der Anteil recycelter Rohstoffe an der Gesamtversorgung auf 45 % anwachsen.
Ein zentrales Instrument ist die Producer Responsibility: Sie betrifft Elektronik, Fahrzeuge, Batterien und Verpackungen. Ein weiterer Hebel ist die staatliche Förderung von „Industrial Parks“ mit Kreislauflogik. Abfälle einer Fabrik werden als Rohstoff für die nächste genutzt. Die Regierung fördert solche Modelle mit Steuererleichterungen, Subventionen und Infrastrukturinvestitionen. Ziel ist es, ganze Branchen in geschlossene Stoffkreisläufe zu überführen.
Für die Bauwirtschaft gelten Richtlinien, die vorschreiben, dass bei Neubauten mindestens 30 % der Baustoffe aus Recyclingmaterialien
stammen müssen. Das reduziert nicht nur Abfall, sondern auch den CO₂-Fußabdruck – denn Betonproduktion ist einer der größten Emittenten.
Bis 2025 sollen 95 % aller LithiumIonen-Batterien recycelt werden. Dafür werden spezialisierte Aufbereitungsanlagen gebaut, die mit KI gesteuert werden, um den Wertstoffgehalt präzise zu analysieren und zu extrahieren. Wer recycelt, erhält staatliche Prämien – wer nicht, zahlt Strafen.
Chinas Kreislaufwandel ist kein lokales Projekt, – sondern ein globales Signal. Wer nicht mitzieht, riskiert nicht nur wirtschaftliche Nachteile, – sondern auch Abhängigkeiten. Denn wer Ressourcen kreislauforientiert nutzt, wird künftig die Zukunft gestalten.


Was wir heute als Kreislaufwirtschaft bezeichnen, war in Indien schon immer Realität
Von Nandini Kumar
Aufgrund von Ressourcenknappheit wurden Materialien seit jeher wiederverwendet, repariert und recycelt, oft durch informelle Akteure. Indien kann daher auf bestehenden lokalen Modellen aufbauen und sie skalieren. Bereits 2006 legte die „National Environment Policy“ den Fokus auf Nachhaltigkeit. 2016 wurde mit der Überarbeitung der Abfallverordnungen erstmals das Prinzip der Extended Producer Responsibility (EPR) eingeführt: Hersteller:innen sind für das Ende des Lebenszyklus ihrer Produkte verantwortlich.
Seit 2021 sind elf interministerielle Komitees für zentrale Abfallströme verantwortlich – von Elektroschrott über Lithium-Ionen-Batterien bis hin zu Altautos. Jedes Komitee wird von der jeweils zuständigen Ministerialbehörde geleitet. Im Jahr 2022 trat die EPR für Batterien, Elektro-
schrott, Reifen und Kunststoffverpackungen in Kraft. 2023 folgten Altöl, Altautos und Bauschutt, 2024 Schrottmetalle, Flüssigabfälle, Papier, Glas und Hygieneprodukte.
Indien verfügt über ein leistungsfähiges Reverse-Logistik-Netzwerk, das von Millionen informellen Sammler:innen und Händler:innen getragen wird.
Städte wie Delhi oder Mumbai sind bereits Hubs für gebrauchte Autoteile, Elektronik oder Textilien. Diese Märkte erhalten kaum staatliche Unterstützung, obwohl sie den Grundstein für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bilden.
Um Kreislaufwirtschaft zu systematisieren, sind nun klare Begriffe, Kennzahlen und Standards, Nach-
verfolgbarkeit, regulierte Handelsplattformen und vor allem Produkte, die für Kreislauffähigkeit konzipiert sind, notwendig. Finanzielle Anreize und entsprechende Beschaffungspolitik des Staates könnten diesen Übergang beschleunigen. Forschung, insbesondere im Bereich der Materialwissenschaft, bietet Potenzial für lokale Lösungen. Branchen wie der Automobilbau und die Stahlindustrie setzen bereits auf „Product-as-a-Service“ und systematisches Recycling.
Mit traditionellen Praktiken, politischem Willen und wirtschaftlichem Potenzial geht Indien seinen eigenen Weg. Der Erfolg hängt davon ab, wie gut informelle Strukturen integriert, Regulierungen vereinheitlicht und lokale Innovationen in Kooperation mit der globalen Wertschöpfungskette gefördert werden.

Von Beatriz Luz
Nach fast zehn Jahren systematischer Aufbauarbeit durch Organisationen wie „Exchange4Change Brasil“ und den Circular Economy Hub (HubEC) ziehen die Organisationen Bilanz im Bericht „Brazil – State of Circularity“. Er dokumentiert, wie das Land seine Wirtschaft schrittweise auf Kreislaufprinzipien umstellt mit dem Ziel, Wachstum, Umwelt und soziale Gerechtigkeit in Einklang zu bringen.
Drei zentrale Lektionen leiten die Industrie: Erstens, Führungskräfte und Mitarbeitende müssen sich auf eine Vision einigen. Zweitens, nur mit transparenten Kennzahlen und geschulten Teams entstehen nachhaltige Kreisläufe. Drittens, Lieferketten müssen zusammenarbeiten, statt voneinander getrennt zu agieren.
HubEC hat dafür praktische Werkzeuge entwickelt: das Circular Manifesto als gemeinsames Verständnisgrundlage, den Circular Engagement Badge als Motivationsinstrument und die 7 Elements of Circular Governance als Managementrahmen. Diese Instrumente helfen Unternehmen, ihre zirkuläre Reife zu messen und strategisch voranzukommen.
Politisch ist Brasilien mittlerweile gut aufgestellt: Mit der 2024 verabschiedeten Nationalen Kreislaufwirtschaftspolitik und ihrer Umsetzungsstrategie hat das Land klare Ziele definiert: Innovation, grüne Jobs, geringere Umweltbelastung, nachhaltiger Konsum und eine gerechte Transition. Ein 34-köpfiges Gremium, das Nationale Forum für Kreislaufwirtschaft, sorgt für Transparenz und Koordination.
Drei Hauptbarrieren hemmen derzeit noch den Fortschritt: Erstens, der Mangel an gemeinsamem Verständnis – Begriffe und Ziele variieren stark zwischen Akteuren. Zweitens, fehlende Kompetenz –Kreislaufdenken ist in Bildung und Führung noch kaum verankert. Drittens, die geringe Marktreife – Verbraucher, Finanzierung und Regulierung unterstützen zirkuläre Modelle noch zu wenig.
Doch die Chancen sind riesig: Brasilien kann durch Bildung, zirkuläre Finanzierung, Führungskräfte-Trainings, regionale Roadmaps und Aufklärungskampagnen den Sprung schaffen. Die Integration des informellen Sektors – etwa Müllsammler – ist dabei entscheidend.
Mehr auf www.e4cb.com.br
Von Elisabeth Smith
Ghana produziert jährlich knapp 5 Millionen Tonnen Müll. Bis zu 80 % davon können wiederverwertet werden.
Ein Großteil ist biogen, weshalb Kompostierung und biologische Behandlung besonders relevant sind. Mit der Dezentralisierung des Entsorgungssystems übernehmen lokale Behörden und private Unternehmen zunehmend Verantwortung, es fehlt jedoch entlang der gesamten Wertschöpfungskette an qualifizierten Fachkräften.
Seit 2023 setzt die „Waste Academy“ daher auf einen klaren Kompetenzpfad: Inhalte werden für Basic- und Advanced-Trainings sowie Präsenzund Fernlehre entwickelt, wissenschaftlich begleitet und in lokale Ausbildungsstrukturen überführt. Inhaltlich decken die Trainings die
Grundlagen integrierter Abfallwirtschaft ab, vertiefen die Verwertungspfade und vermitteln betriebliche Praxis wie Anlageneinsatz, Qualitätssicherung, Arbeitssicherheit sowie ausgewählte Waste-to-EnergyAnsätze.
Didaktisch ist der Ansatz entscheidend: Statt punktueller Workshops werden Trainer:innen und Multiplikator:innen aufgebaut, damit Knowhow im System bleibt und neue Standorte selbstständig skalieren können.
Die Waste Academy übersetzt diese Logik in messbare Reichweite: 330 geschulte Fach- und Führungskräfte und 15 qualifizierte Trainer:innen in zweieinhalb Jahren, bis Mitte 2027 zusätzlich 200 weitere Teilnehmende sowie 60 Jugendliche über Praktika. Mit dem geplanten Postgraduate-
Programm an der KNUST entsteht eine durchgängige Qualifizierungspipeline vom Einstieg bis zur Spezialisierung.
Warum der Zugang dabei wichtig ist: In integrierten Abfallsystemen treffen technische, ökonomische und soziale Realitäten aufeinander – die nur durch praxisnahe Qualifizierung zu sicheren Jobs, besserer Servicequalität und dauerhaft tragfähigem Betrieb führt.
Umgesetzt wird die Academy in interdisziplinärer Partnerschaft von TU Wien (wissenschaftliche Expertise), Komptech (technisches Knowhow), ICEP (Wirkungsfokus) und der Jospong Group (lokale Systemverankerung). Die Finanzierung erfolgt durch Komptech und die Austrian Development Agency.



„Circular Jobs“ von der spezialisierten Nische zum Querschnitt durch Handwerk, Industrie, IT, Beschaffung und Bildung
Von Valerie-Sophie Schönberg
Reparatur statt Neukauf, Rücknahme statt Wegwerfen, Design mit zweitem und drittem Leben: Hinter diesen scheinbar kleinen Alltagsverschiebungen steckt ein stiller Umbau der Arbeitswelt. Die OECD sieht darin die Chance auf 2,5 Millionen neue Jobs in der EU, die EU-Kommission allein 500.000 im Remanufacturing-Markt.
Ob Reparatur, Sortierung, modulares Design oder digitale Rücknahmesysteme: Neue Tätigkeitsfelder entstehen, bestehende Berufe bekommen ein Update. Tätigkeiten verschieben sich entlang von Wertschöpfungsketten, Regionen und Qualifikationsprofilen und damit entscheidet sich, ob aus Transformation Zukunftschancen werden.
Job-Klassifikation und Kompetenzprofil
Die Typologie der globalen Impact Organisation Circle Economy unterscheidet Circular Jobs danach, wie direkt sie zur Kreislaufwirtschaft beitragen. Entsprechend unterscheiden sich auch die Kompetenzprofile: von technischem Umsetzungswissen über Design-, Daten- und Beschaffungskompetenz bis hin zu Koordinationsund Governancefähigkeiten.
• Core-Jobs schließen Kreisläufe direkt, etwa in Reparatur, Wiederaufbereitung oder im Abfall- und Ressourcenmanagement.
• Enabling-Jobs schaffen die Voraussetzungen dafür, dass zirkuläre Lösungen umgesetzt und skaliert werden können, zum Beispiel in Design, Bildung, digitalen Technologien, Beschaffung oder neuen Geschäftsmodellen.
• Indirectly circular Jobs stützen den Wandel aus angrenzenden Bereichen, etwa in Logistik, öffentlichen Sektor, Kommunalplanung oder Unterricht.
Um in Zielkonflikten klug zu entscheiden, wachsen neben Fachwissen die Anforderungen an „Circular Literacy“: Orientierungswissen plus Können und Haltung. Kompetenzen wirken nur, wenn Organisationen sie auch abrufen können. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten, Daten und Kennzahlen, bereichsübergreifende Koordination und eine Lernkultur, sonst bleibt das Beste am Papier.
Quo vadis Austria?
In Österreich ist das Thema sichtbar, aber noch nicht flächendeckend verankert. Eine Studie der ÖGUT von
2024 zeigt deutliche Unterschiede im Kenntnisstand zwischen Kompetenzkategorien und Branchen auf. Zwar nehmen tertiäre Bildungsangebote zu, doch gerade in der mittleren Qualifikationsebene klaffen Lücken.
Entscheidend ist, ob wir den Wandel als „Just Transition“ (sozial gerechten Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft) gestalten mit Lernräumen, modularer Weiterbildung und regionalen Qualifizierungsnetzwerken. Bildungspolitische Maßnahmen entscheiden damit unmittelbar darüber, ob Beschäftigungseffekte positiv verteilt werden oder als schmerzhafte Umbrüche in Branchen und Regionen ankommen.
Wer die Gestaltung der eigenen Rolle in einer Kreislaufwirtschaft informiert vorantreiben will, findet im 2026 erschienenen „Handbuch Kreislaufwirtschaft“ auf knapp 700 Seiten Überblick, Einblicke und Vertiefung – von den theoretischen Grundlagen bis zur praktischen Umsetzung im Unternehmen.
Mehr auf https://shop.lindeverlag. at/buch/handbuch-kreislaufwirtschaft-20714

Wenn Know-how, Haltung und Wissen zusammenwirken, entsteht verantwortungsvolle Wirtschaft von morgen.
Kennen Sie das? Das Konzept der Kreislaufwirtschaft klingt logisch, doch in der täglichen Unternehmenspraxis tauchen oft Fragen auf: Wo fangen Sie konkret an? Wie berechnen Sie den Mehrwert? Und wie nehmen Sie Ihr Team auf die Reise mit? Ein solides Knowhow ist unerlässlich, um in der Praxis die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Das lineare „Wegwerfsystem“ hat ausgedient
Zirkuläre Geschäftsmodelle sind längst keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern Ihr Ticket zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Der klassische „Take, Make, Waste“-Ansatz wird umgedreht, stattdessen setzen Sie auf die Prinzipien „Make“, „Use“ und „Recycle“.
Konkret heißt das:
• Erneuerbare Energien nutzen
• Produkte & Materialien länger im Umlauf halten
• Abfall durch Wiederverwendung vermeiden.
Vom Wissen zur Umsetzung
Entscheidend ist es, die Hebel für echte Veränderung zu identifizieren – sei es im Produktdesign, in der Logistik oder in der Beschaffung. Wer versteht, wie Modelle von „Cradle to Cradle“ über „Doughnut Economy“ bis hin zu „Biomimicry“ konkret in Geschäftsmodelle übersetzt werden, wechselt vom bloßen Zuschauen in die aktive Umsetzung.
Die Roadmap zur Transformation Damit der Wandel gelingt, gibt es neben dem EU Green Deal als Rah-
men auch Normen für die methodische Grundlage. Die ISO 59004 hilft Ihnen, die wichtigsten Begriffe und Konzepte der Circular Economy zu verstehen und bietet praktische Anleitungen für die Umsetzung.
Die Wirtschaft braucht Macher:innen
Die Nachfrage nach echtem Knowhow ist groß. Um zirkuläre Wertschöpfung erfolgreich voranzutreiben, braucht es Köpfe, die Expertise signalisieren und Vertrauen schaffen. Die Austrian Standards Academy hat gemeinsam mit führenden Expert:innen den Lehrgang „Certified Circular Economy Officer acc. ISO 59004“ entwickelt –praxisnah, methodisch fundiert und mit Zertifikat.


Ihre Toolbox für die Praxis
Der Lehrgang gibt Ihnen die Werkzeuge an die Hand, um Ihr Unternehmen auf nachhaltige Geschäftspraxis auszurichten:
• Regulatorik sicher meistern: Sie lernen, wie Sie Vorgaben, z.B. die ISO 59000er-Serie, richtig einordnen und im Betrieb verankern.
• Methoden präzise anwenden: Sie erfahren, wie Sie die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft effektiv für Ihre Produkte oder Dienstleistungen nutzen.
• Business-Logik neu denken: Sie erarbeiten Strategien, um Nachhaltigkeit in einen echten Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.
Sicherheit durch Expertise
Fundierte Kompetenz verschafft Ihnen Sicherheit und Souveränität –in Meetings, bei Investor:innen oder Kund:innen. Der Lehrgang schließt mit der Zertifizierung nach ISO 59004 ab. Als ausgebildete:r Circular Economy Officer erhalten Sie damit einen objektiven Nachweis Ihrer erworbenen Kompetenzen und einen echten Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt.

„Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung gehen heute Hand in Hand. Unser Lehrgang bietet Ihnen genau die Qualifikation, die Sie benötigen, um den Wandel der Wirtschaft aktiv und wirksam mitzugestalten.“
Florian Hirner
Head of Austrian Standards Academy
Lernen vom Original
Die Austrian Standards Academy ist Ihre erste Adresse für praxisnahe Weiterbildung. Sie vereint Fachwissen und Erfahrung mit echter Innovationskraft. Mit Bildungsangeboten von und mit Expert:innen, die die Standards für eine zirkuläre Zukunft prägen, sind Sie bestens auf kommende Herausforderungen vorbereitet.
Event-Tipp: Expert Talks Circular Economy
Seien Sie wieder dabei, wenn wir uns im Rahmen der Expert Talks 2026 über aktuelle Entwicklungen und die Rolle von Standards in der Kreislaufwirtschaft austauschen
Save the date: Expert Talks Circular Economy @ Austrian Standards 17. November 2026 – mit Fokus auf „Waste to Value: Standards für die zirkuläre Ressourcenwirtschaft“

Mehr erfahren


U!REKA bündelt Kompetenzen aus Forschung, Lehre und Praxis für die Städte und Systeme von morgen wiederbeleben
Von Lyudmila Lyubenova
U!REKA European University ist eine Allianz von elf europäischen Hochschulen und 19 Partnerstädten, die bis Ende 2027 EU-gefördert gemeinsame Governance-, Lehr- und Forschungsstrukturen aufbauen. Die Allianz wird von Metropolia UAS (Helsinki) koordiniert. Zu den Partnerhochschulen zählen u. a. Amsterdam UAS, Fachhochschule des BFI Wien, Frankfurt UAS, HOGENT, Politécnico de Lisboa, VSB–TU Ostrava, Edinburgh Napier University, New Bulgarian University, Odessa National University of Economics und University of Bari.
Ein zentraler Baustein der Allianz ist das Center of Expertise (CoE) „Transition to Circular Society“, eines von drei thematischen Kompetenzzentren von U!REKA, die angewandte Forschung und Innovation für klima-
neutrale und intelligente Städte stärken. Die Gesamtkoordination des Centers liegt bei der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).
Das CoE bündelt die ZirkularitätsExpertise der Partnerhochschulen und initiiert gemeinsame europäische Forschungs- und Entwicklungsprojekte.
Damit trägt es zur Profilbildung innerhalb der Allianz bei und positioniert U!REKA im europäischen Forschungsraum.
Das im Juni 2025 gegründete Center versteht sich als strategische Plattform für Forschung, Lehre, Innovation und gesellschaftliche Zusammenarbeit. Es unterstützt lokale
und europäische Partner mit wissenschaftlich fundierter Expertise für nachhaltige Strategien. Studierende werden frühzeitig in internationale Projekte eingebunden und arbeiten in problemorientierten Lernformaten an Lösungen für die Städte von morgen.
Die Forschungsagenda ist inter- und transdisziplinär ausgerichtet und verbindet technische Innovationen, nachhaltige Geschäftsmodelle, Governance-Ansätze und soziale Innovationen. Im Fokus stehen praxisnahe Lösungen für Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Produktion und Konsum sowie resiliente urbane Systeme. Wissenschaft, Kommunen, Unternehmen und Zivilgesellschaft arbeiten dabei eng zusammen.
Mehr auf www.ureka.eu
Das Handbuch Kreislaufwirtschaft bündelt Strategien und Expertise für die zirkuläre Transformation
Mit dem Handbuch Kreislaufwirtschaft legen Karin Huber-Heim, Julika Dittrich und Valerie-Sophie Schönberg ein umfassendes Werk vor, das die zentralen Themen der Circular Economy systematisch zusammenführt.
Zu einem Zeitpunkt, an dem Kreislaufwirtschaft zunehmend in der wirtschaftlichen und politischen Praxis ankommt, bietet das Buch fundierte Orientierung für Unternehmen, Politik und Wissenschaft.
Strategien für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit
Kreislaufwirtschaft wird hier nicht als isoliertes Umweltinstrument verstanden, sondern als strategischer Ansatz für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Angesichts geopolitischer Spannungen, volatiler Lieferketten und steigender Rohstoffpreise gewinnen zirkuläre Wertschöpfungsmodelle deutlich an Bedeutung. Wer Materialkreisläufe schließt, reduziert Abhängigkeiten, stabilisiert Kostenstrukturen und stärkt Innovationsfähigkeit. Das Handbuch beleuchtet diese Chancen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Führende Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis analysieren Geschäftsmodelle, regulatorische Rahmenbedingungen, technologische Entwicklungen sowie Fragen der Finanzierung und Umsetzung. Neben ökologischen Effekten wie Ressourcvenschonung

und Emissionsreduktion werden auch ökonomische Potenziale sichtbar: Kosteneinsparungen, die Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen sowie Impulse für Employer Branding.
Fundierte Entscheidungsgrundlagen
Instrumente wie Rohstoffbilanz, Materialflussanalyse und Life Cycle Assessment liefern die methodische Grundlage für fundierte Entscheidungen. Gleichzeitig zeigt das Werk, wie politische Steuerung, Normung und europäische Regulierung den Transformationsprozess strukturieren.
Das Handbuch ist für 139 € sowie für 179 € als Kombi Print & Digital im Linde Verlag und im Buchhandel erhältlich.
Damit positioniert sich das Handbuch Kreislaufwirtschaft als interdisziplinäres Grundlagenwerk für eine Wirtschaft im Wandel – praxisnah, wissenschaftlich fundiert und strategisch ausgerichtet.
Mehr auf

Neue Bildungsansätze können Reparaturwissen und Reparaturpraktiken wiederbeleben
Von Markus Piringer und Elmar Schwarzlmüller
Reparaturpraktiken existieren seit Anbeginn der menschlichen Kulturgeschichte. Heute erwarten jedoch insbesondere junge Menschen oft nicht mehr, dass kaputte Produkte repariert werden. Sie können aber durchaus für Reparatur gewonnen werden, zeigt die Praxis.
Lernen in Werkstatt, Schule & Alltag Im Projekt „Jugend-Reparatur-Kultur“ wurden Workshops zur Wartung und Reparatur von Fahrrädern, Handys, Computern und Controllern speziell für die offene Jugendarbeit
entwickelt. Innerhalb von zwei Jahren wurden diese Formate 72-mal in sechs Jugendzentren in Wien durchgeführt - in Kooperation mit DIE UMWELTBERATUNG und Betriebe des Reparaturnetzwerks. Insgesamt haben dabei rund 700 Jugendliche ca. 500 Geräte gewartet bzw. repariert. Die Workshopformate erwiesen sich als geeignet, um Reparaturkenntnisse an Jugendliche zu vermitteln und auch darüber hinaus in die Familien auszustrahlen.

Auch in der Schule kann ReparaturKnow-how gut vermittelt werden. Im Projekt „Repair for Future“ gingen Mitgliedsbetriebe des Reparaturnetzwerks in den Jahren 2024/25 in Schulklassen und vermittelten Wissen zur Reparatur von Kleidung, Elektronik und Fahrrädern. Lehrer:innen können zudem selbst in Sachen Reparatur aktiv werden, unterstützt durch die Unterrichtsmaterialien „Let‘sFIXit“. Diese umfassen Module zu den Themen Elektro(nik)geräte, Textilien und Fahrräder und Tipps für passendes Werkzeug. Sie sind für 10- bis 14-Jährige geeignet.
Vom Projekt zur Breite
Auch in der Lehrlingsausbildung sollte Reparatur wieder stärker verankert werden. Eine zentrale Maßnahme wäre etwa die Verkürzung von Ausbildungszeiten durch Teilqualifizierungsmöglichkeiten im Bereich Reparatur. Dazu gibt es derzeit ein Pilotprojekt als Kooperation aus Happylab, DRZ Wien, DIE UMWELTBERATUNG und dem Reparaturnetzwerk Wien. Ermöglicht wird es durch die Abfallvermeidungsförderungen der VKS und EAK sowie durch die Unterstützung der AK Wien.
Aufbauend auf den Erfahrungen aus diesen Projekten sollte Reparatur in reguläre Bildungswege übernommen und breit ausgerollt werden. Dise wäre ein wichtiger Schritt zur Erreichung der in KreislaufwirtschaftsStrategien gesteckten Ziele.
Mehr auf www.reparaturnetzwerk.at
Wege in eine kreislauforientierte Zukunft für JAEGGI Hybridtechnologie AG mit CIRCULAR REPUBLIC und endlich
Wie lassen sich zukunftsfähige Kühllösungen konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln? Das Schweizer Unternehmen JAEGGI arbeitet gemeinsam mit Circular Republic und endlich. an neuen Ansätzen für Produkte, Services und Geschäftsmodelle.
JAEGGI (Teil der Güntner Gruppe) ist führender Anbieter von HybridKühl- und Kondensationslösungen. Gemeinsam mit den Innovationspartnern Circular Republic aus München und endlich. aus Innsbruck, richten sie ihren Blick verstärkt auf zirkuläre Wertschöpfung und untersuchen im Projekt „Circular Re-Design“, wie bestehende Anlagen und Geschäftsmodelle systematisch in Richtung Kreislaufwirtschaft weiterentwickelt werden können.
Gestartet wurde das Projekt im Herbst 2025 mit einer intensiven Analysephase. Das Projektteam untersuchte zunächst zentrale Herausforderungen und Potenziale für zirkuläre Innovationen im Unternehmen. Dabei kamen etablierte Workshopformate wie das Circular Strategy- und Design-Spiel zum Einsatz.
Höhepunkt des Projekts war eine einwöchige Arbeitsphase im MakerSpace der UnternehmerTUM in München. Mehr als 20 Mitarbeitende der Güntner Group, darunter JAEGGI CEO Marco Baumann, arbeiteten dort in Teams an konkreten Konzepten mit Fokus auf Modularität der Anlagen, datenbasierte Predictive Maintenance sowie neue Ansätze für Betrieb und Service.
Mithilfe von Rapid Prototyping und Design-Thinking-Methoden entstanden innerhalb weniger Tage mehrere Minimum-Viable-Products (MVPs) sowie erste Geschäftsmodellskizzen.
Parallel zum Projekt wurde einer Reihe von Mitarbeitenden durch das Online Bildungsangebot der endlich. academy Kernwissen und Tools zur Circular Economy vermittelt. Ausgebildet als „Circular Ambassadors“ sollen diese nun zirkuläres Denken langfristig in der Gruppe verankern.
„Durch die Verknüpfung von Hands On Workshops und gezieltem Wissensaufbau schafft das Projekt ein nachhaltiges Kompetenz Ökosystem, von dem wir noch lange profitieren werden“, so JAEGGI-Projektleiter Daniel Stölzle.


Kennzahlen entscheiden, ob Kreislaufstrategien Wirkung entfalten oder bloße Absicht bleiben
Von Fabian Holly
Kreislaufwirtschaft wird erst dann strategisch wirksam, wenn sie messbar ist. Ohne belastbare Kennzahlen bleiben zirkuläre Initiativen Einzelmaßnahmen: sichtbar im Nachhaltigkeitsbericht, aber kaum verankert in Investitions- und Beschaffungsentscheidungen. Für das Management stellt sich daher weniger die Frage, ob gemessen wird, sondern was gemessen werden sollte.
Stoffströme, Zirkularität, Wertschöpfung
Im Zentrum steht die Transparenz über Materialströme. Materialflussanalysen schaffen Klarheit darüber,
welche Rohstoffe in ein Unternehmen hineinfließen, wie sie verarbeitet werden und wo Wertverluste entstehen. Ausschuss, Nebenprodukte oder nicht rückgeführte Materialien werden quantifizierbar. Diese Transparenz bildet Grundlage strategischer Steuerung.
Doch Stoffströme allein erklären noch keine Kreislauffähigkeit. Entscheidend ist, ob Materialwert im System erhalten bleibt. Hier setzen zentrale Indikatoren an. Der „Material Circularity Indicator“ (MCI) misst, in welchem Umfang Sekundärmaterial eingesetzt und nach der
Nutzung erneut zurückgeführt wird. Er verbindet Materialeinsatz, Nutzungsdauer und End-of-LifeSzenarien zu einer integrierten Kennzahl. Die Ressourcenproduktivität wiederum zeigt, wie viel wirtschaftlicher Output pro eingesetzter Materialmenge generiert wird. Sie macht sichtbar, ob Wertschöpfung vom Ressourceneinsatz entkoppelt wird.
Qualität und Lebensdauer als Werterhalt-Hebel
Reine Recyclingquoten greifen häufig zu kurz: Sie erfassen Mengen, aber nicht die Qualität der Rück-
führung. Strategisch relevant ist, ob Sekundärmaterial Primärrohstoffe tatsächlich substituieren kann. Sinkt die stoffliche Qualität, sinkt der wirtschaftliche Wert im Kreislauf. Die Leitfrage lautet daher nicht nur, wie viel zurückgeführt wird, sondern auf welchem Qualitätsniveau.
Neben der Materialqualität gewinnt die Lebensdauer von Produkten und Komponenten an Bedeutung. Wartungsfähigkeit, Reparierbarkeit und Modularität bestimmen, wie lange Ressourcen im Nutzungssystem verbleiben. Indikatoren zur Nutzungsdauer oder Wiederverwendung ergänzen klassische Materialkennzahlen und verschieben den Fokus vom Recycling hin zum Werterhalt.
In vielen Industrien liegt im Werterhalt der größere Hebel, da Herstellung und Primärmaterialeinsatz den größten Ressourcenaufwand verursachen.
Kennzahlen im Management verankern
Ein weiterer strategischer Aspekt ist die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen. Importquoten, Preisvolatilitäten und geopolitische Risiken beeinflussen die Stabilität industrieller Wertschöpfung. Kennzahlen zur Materialherkunft, Substitutionsfähigkeit oder Rückgewinnungsquote strategischer Materialien erweitern das Ressourcenmanagement um eine Risikodimension. Kreislaufwirtschaft wird damit Teil der Resilienzstrategie.
Damit Kennzahlen Wirkung entfalten, müssen sie in bestehende Steuerungssysteme integriert werden. Die internationale Norm ISO 59020 bietet dafür Orientierung und unterscheidet zwischen Indikatoren zu Ressourcenzuflüssen und -verlusten sowie ergänzenden Kennzahlen zur Bewertung strategischer Maßnahmen.
Zentral bleibt zudem die Definition der Systemgrenzen: Ob auf Produkt-, Standort- oder Lieferkettenebene gemessen wird, prägt Aussagekraft, Datentiefe und Koordinationsaufwand. Digitale Technologien eröffnen hier neue Möglichkeiten der Datenerfassung und Rückverfolgbarkeit.
Strategisch verstandene Kreislaufwirtschaft ist damit kein reines Nachhaltigkeitsthema, sondern ein Steuerungsansatz für Materialeffizienz, Werterhalt und Versorgungssicherheit. Erst die Kombination aus Stoffstromtransparenz, Qualitätsbewertung, Lebensdauerindikatoren und Risikokennzahlen macht Kreislaufwirtschaft vergleichbar und entscheidungsfähig.
Eine vertiefte Darstellung der Indikatoren, methodischen Ansätze und normativen Grundlagen findet sich im entsprechenden Kapitel des „Handbuch Kreislaufwirtschaft” im Linde Verlag.
Materialströme verstehen

o Materialflussanalyse als Ausgangspunkt
o Erfassung von Inputs, Outputs, Verlusten und Nebenströmen
o Schaffung eines systemischen Verständnisses über die Wertschöpfung
o Grundlage jeder weiteren Bewertung

Datenbasis
Werterhalt messbar machen
o Übersetzung von Materialflüssen in Kennzahlen
o Zentrale Indikatoren:
• Material Circularity Indicator (MCI)
• Ressourcenproduktivität
• Lebensdauer- und Nutzungsindikatoren
o Ergänzung durch qualitative Aspekte (Reparierbarkeit, Modularität)
Management wirksam ausrichten

o Integration der Kennzahlen in Managementsysteme
o Verknüpfung mit:
• Investitionsentscheidungen
• Beschaffung
• Produktentwicklung
o Steuerung von Zielkonflikten (z. B. Kosten vs. Zirkularität)
o Übergang von Analyse zu operativer Umsetzung
Wertbeitrag & Resilienz realisieren
o Wirtschaftliche Effekte:
• Kostenreduktion
• Effizienzsteigerung
o Strategische Effekte:
• Reduktion von Abhängigkeiten
• Erhöhung der Versorgungssicherheit
o Langfristige Effekte:
• Wettbewerbsfähigkeit
• Resilienz
Systemverständnis Managementhebel Unternehmenserfolg
Kreislaufwirtschaft wird erst durch Messbarkeit zum strategischen Steuerungsansatz
Die systematische Verknüpfung von Transparenz, Bewertung & Steuerung ermöglicht die gezielte Steigerung von Ressourceneffizienz, Werterhalt & Resilienz.
© EFS

Preis für zirkuläre Innovationen als Treiber der Transformation
Von Karin Huber-Heim
Österreich bekommt seinen ersten nationalen Innovationspreis für die Kreislaufwirtschaft: Der Circular Innovation Award Austria (CIAA) richtet sich an Unternehmen, die mit zirkulärer Innovation messbare Wirkung erzielen.
Initiiert von drei führenden Akteuren – Circular Economy Forum Austria, Raiffeisen Landesbank Steiermark und Schiefer Rechtsanwälte – steht der Award unter der offiziellen Patronanz des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klimaund Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).
Die staatliche Begleitung unterstreicht den politischen Willen, zirkuläre Innovationen zu fördern – und macht den CIAA zur ersten nationalen Auszeichnung, die Kreislaufwirtschaft auf höchster Ebene würdigt.
Preise werden anhand zentraler Bewertungekriterien vergeben:
1. Circular Industry Innovation für Großunternehmen, die Kreislaufprinzipien im industriellen Maßstab umsetzen.
2. Circular Business Model Innovation für innovative Geschäftsmodelle wie zB. Product-as-a-Service, Refurbishment oder Upcycling.
3. Technological Circularity Breakthrough für bahnbrechende Technologien, die Materialeffizienz oder Recycling revolutionieren.
4. Circular Startup of the Year für junge Unternehmen mit disruptivem, zirkulärem Kernmodell und ersten Markterfolgen.
5. Circular Collaboration Award für sektorübergreifende Partnerschaften, die systemische Lösungen schaffen.
Die international besetzte, unabhängige Fachjury entscheidet auch über die Vergabe von Recognition Awards: die Sonderpreise „Circular Pioneer“ oder „Social Circular Impact“ werden für außergewöhnliche Leistungen vergeben.
Der Preis richtet sich ausschließlich an österreichische Unternehmen oder an Unternehmen, deren zirkuläre Wertschöpfung im Wesentlichen in Österreich realisiert oder von Österreich aus gesteuert wird – mit nachweisbarer, messbarer Wirkung auf österreichische Wertschöpfungsketten.
Unternehmen können für den Preis vorgeschlagen werden oder sich selbst bewerben.
Bewerbungsphase: 1. April – 1. Juli 2026
Finalistenverkündung: Mitte September 2026
Preisverleihung: Oktober 2026
Mehr auf www.circulareconomyforum.at/CIAA


