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NORDMETALL Standpunkte 03/2023

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Standpunkte Das DasMagazin Magazinvon von

Nr. 3 / Oktober 2023 / 41. Jahrgang

www.meinarbeitgeberverband.de

Tarifbindung

Mit mehr Mut zum Experiment die Attraktivität steigern Termin beim Chef: Martin M. Dassler von Turbo-Technik

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Die Hansestadt Rostock ist bald um eine Attraktion reicher: Der rund 30 Meter hohe Hellingkran auf dem früheren Gelände der NEPTUN-WERFT soll zu einer Hochzeitslocation umgebaut werden – inklusive einer Suite für die frischgetrauten Paare. Die Arbeit an dem 1976 aufgestellten Industriedenkmal hat bereits begonnen. Hinter dem Projekt steht der „Förderverein Tradition Ostseeschiffahrt e. V.“, der von Rostocks Ex-Oberbürgermeister Roland Methling geleitet wird. Insgesamt soll der Umbau mehr als eine Million Euro kosten; rund die Hälfte davon kommt vom Verein, der Rest von Sponsoren und aus Fördermitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. CvF

Foto: Margit Wild

Heiraten in luftiger Höhe


STANDPUNKT NR. EINS

Folkmar Ukena, Präsident NORDMETALL

ja, unsere Welt wird immer komplexer. Und deshalb ist es gut, wenn relevante gesellschaftliche Akteure sich Zeit und Raum nehmen, um ihre gemeinsamen Themen sinnvollen Lösungen zuzuführen. Wir norddeutschen Metall- und Elektroarbeitgeber tun dies erfolgreich im ständigen Gespräch mit der IG Metall Küste, wie Sie in diesem Heft ab Seite 6 ausführlich nachlesen können. Und nein, die Prozesse der Problemlösung dürfen nicht endlos dauern, sonst wachsen sich Konflikte zur Krise aus. So haben wir es in den vergangenen Monaten leider immer wieder in der Berliner Ampelkoalition erleben müssen. Die neueste Variante des Zögerns, Zauderns und Gezerres um ein umstrittenes Thema bietet die Debatte um den Strompreis. Der ist für die Industrie in Deutschland mit mehr als 26 Cent einer der höchsten in Europa, deutlich höher als in Frankreich – ein schweres Hemmnis für mehr Wachstum. Um das ist es in Deutschland als einzigem großen Industrieland der Welt ohnehin schlecht bestellt: Ein Minus von 0,3 Prozent prognostizieren Wirtschaftsforscher für 2023, in Spanien soll es dagegen ein Plus von 2,5 Prozent werden. Eine der Ursachen für Rezession und Strompreisexplosion ist die verfehlte Energiewendepolitik dieser Bundesregierung: Der überhastete Ausstieg aus der Kernkraft erweist sich als schwerer Fehler, solange die erneuerbaren Energien noch nicht grundlastfähig vorhanden sind. Deren Ausbau muss daher dringend vorangetrieben werden, flankiert durch rasant beschleunigte Genehmigungsverfahren und einen konsequenten Abbau von hemmenden Vorgaben. Bis diese Politik greift, leidet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Firmen massiv. Eine spürbare Entlastung bei den Energiekosten ist daher unumgänglich – für die gesamte Breite der Wirtschaft, denn auch Mittelstand und Handwerk ächzen unter dem hausgemachten Kostendruck. Fehlt dazu der politische Wille, müssen wir als Minimallösung zumindest einen befristeten und verantwortlich eingesetzten Brückenstrompreis im einstelligen Cent-Bereich sowie echte Planungssicherheit bekommen, die Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland halten. Und ja, wir Arbeitgeber und die Gewerkschaft sind uns in dieser Forderung einig – ganz ohne lange Debatte, als gesellschaftliche Akteure, die nicht die Polarisierung, sondern den Konsens suchen.

„Minimallösung Brückenstrompreis“

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3 2023 Titel

Stärkung der Tarifbindung

Plus

Jugendstudie 2023

Traditionell und werteorientiert Was Hamburgs Jugendliche vom Arbeitsleben erwarten und was Unternehmen vom Nachwuchs fordern, das zeigt die NORDMETALL-Jugendstudie, die erneut in Kooperation mit der NORDAKADEMIE entstanden ist. S. 22

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Illustration: shutterstock / Sell Vector, istock / jossnatu

Wie die Bindung an den Flächentarifvertrag für Unternehmen attraktiver gestaltet werden kann, darum ringen die Sozialpartner seit Jahren. NORDMETALL bringt unermüdlich neue Lösungsansätze in die Debatte ein. S. 6


Termin beim Chef

NORDMETALL-Stiftung

Innovativ und bodenständig

Schulleitungen erfinden sich neu

Martin M. Dassler führt den Schiffsausrüster Turbo-Technik von Wilhelmshaven aus in die Zukunft. S. 50

Lassen sich Schulen wie Unternehmen führen? Das LeadershipLab.SH bietet Raum zum Experimentieren. S. 28

Verband Beschäftigung von Rentnern Was M+E-Unternehmen tun können, um Fachkräfte zu halten

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Presseschau Jugendstudie und mehr

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Wir für Sie Folge 42: Unsere Frau für Schwerin – Kathrin Köhn

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Mehrwert Verband Folge 73: Entgeltbarometer online

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Tarif Update Sonntagsarbeit – was ist möglich und nötig

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Thema Face to Face Lena Ströbele und Daniel Friedrich

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Reportage Waldemar Link produziert international gefragte Endoprothesen

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Arbeitgeberbewertungsportale Wie Unternehmen auf Rachebewertungen reagieren sollten

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Nachhaltigkeit M+E-Unternehmen tun viel für Biodiversität und Energiemanagement

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Fotos: Christian Augustin, Camilla Hochmann

Rubriken Termine

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Grafik des Monats

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Cartoon / Wirtschaftszitat

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Panorama – Stapelhub auf der Hitzler Werft in Lauenburg

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Menschen und Meldungen

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INSM – Aus der Hauptstadt

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Made in Northern Germany – Tieftemperatur-Armaturen

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Treffpunkt Nord

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Kontakt zu NORDMETALL

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Mein Standpunkt – Kernkraftrenaissance

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Personenregister / Impressum

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Kurz vor Schluss / Podcast

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„Ich lese Standpunkte“ – Prof. Dr. Klaus Beckmann

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Sozialpartnerschaft

Zuckerbrot oder Peitsche – der Streit um die Tarifbindung In einem Punkt sind sich die meisten Politikerinnen und Politiker einig: Die Tarifbindung soll wieder steigen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verspricht ein Tarifstärkungspaket, noch bevor überhaupt ein Dialog mit den Sozialpartnern begonnen hat.

N

ach einer EU-Richtlinie für Mindestlohn und Tarifbindung sollen die nationalen Regierungen einen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen aufstellen, sofern die Tarifbindung unter einem Schwellenwert von 80 Prozent liegt. Diese Vorgaben aus Brüssel sind nicht nur unzulässig, da die Sozial- und Tarifpolitik in die Regelungshoheit der einzelnen Mitgliedstaaten fällt, sondern sie wären auch in unserem deutschen System verfassungsrechtlich überhaupt nicht umsetzbar. Denn unser Grundgesetz garantiert die Freiheit, einer Koalition beizutreten oder ihr fernzubleiben, setzt also auf Freiwilligkeit und nicht auf Zwang. Die M+E-Industrie Norddeutschlands beschäftigt rund 282.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen

13,6 % gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte

86,4 % nicht gewerkschaftlich organisierte abhängig erwerbstätige Beschäftigte

Brutto-Organisationsgrad des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

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56 % der M+E-Mitarbeiter ohne Flächentarifvertrag

44 % der M+E-Mitarbeiter werden nach Flächentarifvertrag bezahlt

Anteil der Mitarbeiter in der M+E-Industrie, die nach Flächentarifvertrag bezahlt werden.

44 Prozent nach Flächentarifvertrag bezahlt werden. Betrachtet man den bundesweiten Brutto-Organisationsgrad in den acht Mitgliedsgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes – also das Verhältnis zwischen der Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder, einschließlich Rentnern, Arbeitslosen, Studierenden etc., und der Zahl der abhängig erwerbstätigen Beschäftigten –, lag dieser 2022 nur noch bei 13,6 Prozent. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Politik mit Schlagworten wie Tariftreue durch Nutzung repräsentativer Flächentarifverträge, Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen oder gesetzlich


erhöhten Mindestlöhnen Druck aufbaut, um zumindest eine höhere Tarifgeltung zu erreichen. Die Attraktivität der Tarifbindung sinkt dadurch jedoch immer weiter. Denn mit jeder neuen staatlichen Vorgabe schwindet die Notwendigkeit, sich in Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbänden zu organisieren, um selbst die Arbeitswelt zu gestalten. NORDMETALL setzt deshalb von jeher auf das System der Freiwilligkeit. Durch flexible, wettbewerbsfähige und praxistaugliche Branchenregelungen versucht der Ver-

band die Attraktivität des Flächentarifvertrages so zu steigern, dass sich Unternehmen aus eigenem Antrieb diesem Modell anschließen. Folgerichtig bietet NORDMETALL – sehr zum Missfallen der Gewerkschaften – auch eine gleichberechtigte Mitgliedschaft ohne Tarifbindung an. Frei nach dem Motto „Der Kunde kann wählen, welches Paket für ihn das richtige ist“. Das reicht vom einheitlichen Flächentarif über den individuellen Haustarif bis hin zu gar keinem Tarif und der bloßen Orientierung an den Branchenstandards.

Zeitgemäße Rahmenregelungen durch das Modernisierungspaket 2022

Illustration: iStock / Vect0r0vich

Im Sommer 2022 haben die Tarifvertragsparteien im Norden ein größeres Modernisierungspaket geschnürt mit •

der Option zur Reduzierung der Arbeitszeit in Mecklenburg-Vorpommern unter Nutzung von vereinbarten Kompensationsmaßnahmen;

•

der Option für eine Entgeltumwandlung zum Zweck des Fahrrad-Leasings;

•

Neuregelungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit mit der Möglichkeit, unter Beachtung bestimmter Leitplanken auf betrieblicher Ebene die notwendigen Gestaltungsspielräume zu schaffen sowie

•

einer Erhöhung der Ausbildungsvergütung, um die Frage der Fahrkostenerstattung zu befrieden.

Dieses Paket hat bei den tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen von NORDMETALL erstmals seit langer Zeit dazu beigetragen, die Akzeptanz des Flächentarifvertrages zu erhöhen, weil es Möglichkeiten eröffnet, je nach betrieblicher Situation Anpassungen vorzunehmen und maßgeschneiderte Regelungen mit dem Betriebsrat zu vereinbaren. Der Verband stemmt sich gegen alle politischen Bestrebungen, das bewährte System, wonach die Arbeitsbedingungen durch die Tarifvertragsparteien ausgehandelt werden, durch weitere staatliche Eingriffe ad absurdum zu führen. Diese Grundüberzeugung führt auf beiden Seiten auch zu unangenehmen Fragen: Die Arbeitgeber werden sich zur IG-Metall-Forderung nach eventuellen Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder positionieren müssen. Die IG Metall wird sich umgekehrt fragen müssen, ob das übliche Proze-

dere zur Durchsetzung von Forderungen und das jahrzehntelange Festhalten an einmal erkämpften Tarifregelungen noch zeitgemäß sind. Denn seit Jahren ist ein gut eingeübtes Muster gewerkschaftlichen Vorgehens erkennbar: Veränderungen werden zunächst auf dem Forderungswege in Tarifverhandlungen, dann auch auf politischer Ebene über die Einleitung und Begleitung von Gesetzgebungsverfahren sowie – wenn auch das nicht hilft – flankierend über gerichtliche Auseinandersetzungen durchgesetzt. Vermeintliche tarifvertragliche Errungenschaften wie etwa Befristungsregelungen oder Schutzregelungen für ältere Beschäftigte werden, so lange es irgend geht, als unantastbar verteidigt, missliebige einst von beiden Parteien unterzeichnete Tarifregelungen in der Praxis schlicht nicht akzeptiert, so etwa bei der betrieblichen Durchsetzung der Aufstockung von Kurzarbeitergeld, oder gerichtlich angegriffen (siehe Kasten zu den Tarifregelungen zur Nachtarbeit).

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Neuordnung Nachtarbeitszuschläge 2020 In der Tarifrunde 2018 forderte die IG Metall Küste eine Erhöhung der Nachtarbeitszuschläge. Aufgrund der drohenden Kostensteigerung konnte darüber jedoch keine Einigung erzielt werden. Unter Bezugnahme auf eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes wurden sodann Hunderte von Klagen im Norden eingereicht, um rechtlich gegen die unterschiedlich hohen Zuschläge für regelmäßige und unregelmäßige Nachtarbeit vorzugehen und höhere Zuschläge zu erhalten. Aus Gründen der Rechtssicherheit vereinbarten die Tarifvertragsparteien im Norden am 1. April 2020 in einem bundesweit ersten Tarifvertrag einen einheitlichen Zuschlag von 25 Prozent für Arbeit zwischen 20:00 und 24:00 Uhr sowie zwischen 4:00 und 6:00 Uhr sowie in Höhe von 35 Prozent für die Zeit von 0:00 bis 4:00 Uhr. Zur Umsetzung dieser Neuregelung wurde eine Kostenkompensationsregelung mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren festgeschrieben. Zudem wurde festgelegt, dass zur Erhöhung der Flexibilität seit dem 1. Januar 2021 diese Zuschläge auch in Zeit statt in Geld ausgezahlt werden können.

Betrachtet man diese Mechanismen und Handlungsmuster, nach denen Gewerkschaften häufig vorgehen, verwundert es kaum, dass all jene Unternehmen, die noch nicht tarifgebunden sind, diesem System möglichst lange fernbleiben wollen. Während ihre tarifgebundenen Wettbewerber von der Gewerkschaft bestreikt werden, um noch höhere oder neue Ansprüche

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durchzusetzen, dürfen sie sich unbedrängt ihrer Freiheiten erfreuen. Dabei orientiert sich eine Vielzahl auch dieser Unternehmen an der Höhe der Tarifabschlüsse, allein um für Fachkräfte attraktiv zu bleiben, gestaltet diese jedoch oft entsprechend der unternehmensspezifischen Anforderungen anders aus.

Illustration: istock / jossnatu

Mit diesem Verhandlungsergebnis konnten für die Zukunft die Streitigkeiten beigelegt und der dringend notwendige betriebliche Frieden wiederhergestellt werden. Für die Vergangenheit sind jedoch immer noch zahlreiche Verfahren anhängig, die vielfach ruhend gestellt wurden. Klarstellende weitere Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts zur Rechtmäßigkeit einer Differenzierung zwischen regelmäßiger und unregelmäßiger Nachtarbeit zeigen, dass ganz überwiegend auch die alten Regelungen rechtmäßig gewesen sein dürften, sodass die Kläger vielfach derzeit von den Gerichten aufgefordert werden, anhängige Klagen zurückzunehmen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.


Tarifrunde 2022 Die Tarifrunde im Herbst 2022 war von besonderen Unsicherheiten geprägt, die Nachwehen der Pandemie, der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die Folgen unterbrochener Lieferketten führten zu einer besonderen Anspannung bei beiden Tarifvertragsparteien. Die hohe Inflation rief zudem die Politik auf den Plan, sodass vom 26. Oktober 2022 an steuer- und abgabenfrei eine Inflationsausgleichsprämie bis zu 3.000 Euro gewährt werden konnte. Das Ergebnis war ein teurer, aber in der konkreten Situation für die überwiegende Zahl der Mitglieder erträglicher Tarifabschluss zur Steigerung der Entgelte mit einer Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 2 × 1.500 Euro sowie eine zweistufige Tabellenerhöhung von 5,2 Prozent und 3,3 Prozent bis September 2024. Die besondere Situation zum Zeitpunkt des Abschlusses zeigt exemplarisch die vereinbarte Energie-Notfallklausel, die im Norden bislang nicht genutzt werden musste. Mit dem Abschluss konnten weitere Streikmaßnahmen verhindert werden; die tarifgebundenen Unternehmen im Norden waren im Jahr 2022 davon überproportional betroffen.

NORDMETALL sieht es als seine Aufgabe an, an der Attraktivität der tariflichen Rahmenbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie weiter zu arbeiten. Der Verband will den Weg, den die Sozialpartner mit dem Modernisierungspaket 2022 eingeschlagen haben, konsequent fortsetzen oder weitere neue Wege ausprobieren. Dies hat Priorität, um das oben beschriebene Ziel erreichen zu können: auf dem Weg der Freiwilligkeit weiteren Unternehmen den Weg in einen attraktiven Flächentarif zu ebnen. Was könnte das konkret heißen? „Besser statt billiger“ ist ein vielfach genutzter Slogan der IG Metall, der auch aus Arbeitgebersicht die anstehenden Herausforderungen treffend beschreiben könnte. Das Tarifwerk muss von Komplexität befreit werden, Module und Optionen sollten gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen anforderungsgerechte Lösungen anbieten. Bei diesem Gedanken geht es nicht vorrangig darum, Kosten zu minimieren, sondern Flexibilität zu erhöhen und betriebliche Spielräume zu erweitern. Die Tarifrunde 2024 – der Tarifvertrag über Entgelte und Ausbildungsvergütungen ist erstmals zu Ende September 2024 kündbar – wird weitere Herausforderungen mit sich bringen. So haben sich die Tarifvertragsparteien in Baden-Württemberg im Sommer auf ein Verhandlungsergebnis verständigt, durch das die Möglichkeit eröffnet wird, betriebliche Altersversorgung im Wege einer reinen Beitragszusage durchzuführen („Sozialpartnermodell“). Beitritt und Finanzierung des Modells unterliegen der Freiwilligkeit. Das Sozialpartnermodell ist eine seit 2018 vorgesehene

Form der betrieblichen Altersversorgung, die keine garantierten Auszahlungen kennt und demzufolge für die Arbeitgeber keine Haftung verursacht. Die Garantiefreiheit ermöglicht eine Kapitalanlage, die in der Regel zu sehr viel ertragreicheren Renditen führen dürfte. Derzeit wird ein Businessplan für dieses Modell erarbeitet. Sowohl auf Gewerkschafts- als auch auf Arbeitgeberseite wird intensiv diskutiert, welche Rolle ein solches Modell – eventuell auch bundesweit – künftig in der Tariflandschaft spielen kann. In der Stahlindustrie wird ein Modell zur 32-Stunden-Woche von der IG Metall gefordert. Für die Metallund Elektroindustrie ist dies kein gangbarer Weg. Zudem existieren hier bereits zahlreiche Ansätze zur individuellen und kollektiven Flexibilisierung der Arbeitszeit. Auch zur Absenkung der Arbeitszeit bei Beschäftigungsproblemen oder im Rahmen der Transformation gibt es verschiedene Modelle. Der Tarifvertrag „Zukunft gestalten – Beschäftigung sichern“ (TV ZB) eröffnet entsprechende Spielräume. Der Gewerkschaftstag der IG Metall wird sich Ende Oktober mit der Thematik beschäftigen. Unter dem Gesichtspunkt der Flexibilisierung der Arbeitszeit kann es sinnvoll erscheinen, weitere Ansätze mit Öffnungsklauseln, Modulen oder Experimentierräumen zu finden, die die Passgenauigkeit der Tarifverträge für das einzelne Mitglied und dessen Beschäftigte erhöhen. Und damit schließt sich der Kreis: Nicht weitere Regulierungen und Vorgaben sind der Weg der Zukunft, sondern passgenaue Lösungen, die die Attraktivität des Flächentarifvertrags weiter steigern. Dr. Peter Schlaffke

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Daniel Friedrich … wurde 1975 in Köln geboren. Seit 2019 ist er Bezirksleiter der IG Metall Küste. Der gelernte Industriemechaniker war zuvor Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar und ist seit mehr als 25 Jahren haupt- und ehrenamtlich für die IG Metall tätig.

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Standpunkte: Der letzte umfassende Tarifvertrag zwischen IG Metall und M+E-Arbeitgebern wurde vor knapp einem Jahr geschlossen, die Einigung zu den Nachtarbeitszuschlägen hier im Norden stammt von Anfang 2020, und ein Modernisierungspaket wurde vorigen Sommer vereinbart. Wenn Sie auf diese Kompromisse schauen, was hat sich bewährt? Was ist nach wie vor eher ein kritisches Thema? Ströbele: Mit der Vereinbarung zu den Nachtarbeitszuschlägen von vor fast drei Jahren ist uns gemeinsam ein gutes Stück Modernisierung gelungen. Der Auslöser war ja, dass wir sehr viele Klagen hatten zu dem Thema und uns dann gefragt haben: Woran

Foto: Michael Bahlo

Zwei Menschen, zwei Sichtweisen: Lena Ströbele (40), Tarifverhandlungsführerin von NORDMETALL sowie Personaldirektorin der Unternehmensgruppe Lürssen in Bremen, und Daniel Friedrich (47), Bezirksleiter der IG Metall Küste, ziehen eine Zwischenbilanz der letzten Tarifverträge und wagen einen Ausblick auf die nächste Tarifrunde.


Foto: sagmalspaghetti

liegt das eigentlich? Wir haben natürlich erstmal kritisch bewertet, dass eine bestehende ältere Vereinbarung zwischen uns Tarifparteien trotzdem oft mithilfe des DGB juristisch angegangen wurde. Davon abgesehen, haben wir aber auch selbstkritisch die Notwendigkeit gesehen und damit den Willen gehabt, diese Regelung zu modernisieren und ein Instrument zu schaffen, mit dem die Wandlung von Zuschlägen auch in Zeit möglich wurde. Das sehe ich auch jetzt noch als richtigen Schritt. Schade ist allerdings, dass wir bis heute dazu – trotz der neuen gemeinsamen Vereinbarung – noch einige Gerichtsverfahren führen müssen. Da stellt sich für mich die Frage: Wie kriegen wir gemeinsam durch eine bessere Kommunikation neuer Abschlüsse eine so hohe Verbindlichkeit hin, dass sich beide Seiten dann auch daran halten? Friedrich: Die Nachtschichtzuschläge sind ein gutes Beispiel für die Entwicklung des Miteinanders in der Tarifpolitik. Es haben sich damals die Rechtsgrundlagen für die Zuschläge radikal geändert und wir brauchten massenhafte Klagen, um eine gute Regelung für die Zukunft zu finden. Einige bestehende Rechtsverfahren hatten dann noch diesen Nachlauf, aber das sind bei derart einschneidenden Veränderungen die Geburtswehen. Mit dem Modernisierungspaket im Sommer 2022 haben wir gezeigt, dass wir auch Tarifverträge machen können, ohne massiven Druck durch die Rechtsprechung oder durch Arbeitskämpfe. Ich glaube, das ist der Weg, der uns in der Tarifpolitik im Moment erfolgreich nach vorn führt: proaktiv die Dinge regeln, bevor etwas anbrennt. Wenn wir dazu die Kraft haben, können wir eine neue Kultur des Miteinanders zwischen den Tarifpartnern aufbauen.

Lena Ströbele … kam 1983 in Freiburg im Breisgau zur Welt. Seit Januar 2019 ist sie als Geschäftsführerin in der Unternehmensgruppe Lürssen tätig, 2015 begann sie als Personalleiterin ihren Werdegang im Unternehmen. Sie ist u. a. verantwortlich für die Bereiche Personal, Kommunikation und Marketing, Political Affairs sowie Qualitätsmanagement. Zudem fungiert sie seit 2018 als Personaldirektorin der Unternehmensgruppe. Lena Ströbele begann ihre Karriere nach erfolgreichem Abschluss zur Diplom-Betriebswirtin im international agierenden Pharmaunternehmen F. Hoffmann-La Roche. Ehrenamtlich ist Ströbele Tarifverhandlungsführerin der norddeutschen Metall- und Elektroarbeitgeber, Vorsitzende des Tarifpolitischen Ausschusses und Vizepräsidentin von NORDMETALL für Bremen.

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Standpunkte: Was sind im Modernisierungspaket die Punkte, die sich positiv bewähren? Ströbele: Zunächst möchte ich Daniel Friedrich zustimmen: Wir haben gelernt, dass wir in der Lage sind, gemeinsam konstruktiv und lösungsorientiert auf Themen zu schauen, selbst wenn es mal knirscht, wie bei den Nachtarbeitszuschlägen. Das Modernisierungspaket ist da ein gutes Beispiel mit mehreren großen Elementen: Zum einen die Option zur Reduzierung der Arbeitszeit in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 25 Prozent der Unternehmen nutzen das freiwillige Modell jetzt, das ist gerade bei dem schwergängigen Thema ein Erfolg – zum anderen haben wir die Themen Entgeltumwandlung in Freizeit, Arbeitszeitkonten, Entlohnung der Auszubildenden sowie FahrradLeasing lösen können. Ganz ohne Getöse und sehr konstruktiv in der Zeit zwischen den eigentlichen Tarifrunden. Das müssen wir fortsetzen und uns immer wieder fragen: Was sind die Themen von morgen, die wichtigen Schritte zur Modernisierung unserer Arbeitswelt, für die Unternehmen wie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Das gilt auch für die Regelungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Standpunkte: In der Definition des Miteinanders scheint es da ja große Übereinstimmung zu geben. Gleichwohl war die vorige Tarifrunde lang, durchaus konfrontativ und am Ende für die Arbeitgeber teuer. Wie ist Ihr Blick darauf ein Jahr später? Friedrich: Ich glaube, wir haben in der Situation von vor einem Jahr viel richtig gemacht. Die Inflationsausgleichsprämie war eine direkte Entlastung der Beschäftigten. Wir haben zumindest in der Metallindustrie eine Stabilisierung des Binnenkonsums hergestellt, trotz weiterhin hoher Inflation. Und die Zahlung wurde flexibel geregelt, was viele Unternehmer wichtig fanden. Allerdings hat es natürlich dort Unruhe gegeben, wo Unternehmen ohne Kommunikation die Differenzierungsregelung genutzt haben. Das ist zwar mit knapp 20 eine überschaubare Zahl von Betrieben, aber wir müssen schon dafür werben, dass dieses Instrument nicht nur mathematisch, sondern auch kommunikativ genutzt wird. Es darf nicht sein, dass ein Betrieb in Bayern beschließt, die Tariferhöhung zu verschieben, der Ableger im Norden davon aber nicht rechtzeitig erfährt. Insgesamt kann man sagen: Erste Halbzeit rund, der Tarifvertrag bringt das, was wir wollten: die Stabilisierung. Und nach dem Tarifvertrag ist wie immer vor dem Tarifvertrag. In zehn, zwölf Monaten sitzen wir ja schon wieder zusammen. Standpunkte: Wie schätzen Sie das als NORDMETALL-Tarifverhandlungsführerin ein? Ströbele: Sehr ähnlich. Es stimmt, der Abschluss war und ist teuer. Aber ich denke auch rückblickend schon,

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er war der konkreten Situation angemessen. Dass nur wenige Unternehmen die Abweichungselemente nutzen, belegt das aus meiner Sicht. Für die Differenzierung gilt, dass sich bei knapp 20 hier eingestiegenen Betrieben im Norden eine Nutzungsquote von unter zehn Prozent ergibt. Da haben wir also ein gutes Instrument für Unternehmen in schwieriger Lage geschaffen, das aber überschaubar und verantwortungsvoll genutzt wird. Also liegen wir mit den grundsätzlichen Einigungswerten im Tarifvertrag richtig. Ein guter Abschluss schafft gute und ausbalancierte Rahmenregelungen und wir müssen sie in den Betrieben gut umsetzen. Und auch da gehören beide Seiten dazu. Der Dialog über den Prozess und die Zielrichtung muss während der Laufzeit immer weitergehen, damit wir vorbereitet sind auf die nächste Runde. Standpunkte: Lassen Sie uns mal nach vorn schauen. Wir haben in den vergangenen Monaten vor allem in den Medien eine öffentliche Debatte über die Viertagewoche gehabt. Unter Viertagewoche werden ganz unterschiedliche Fallgestaltungen verstanden. Für die Stahlindustrie will die Gewerkschaft die Regeleinführung. In bestimmten Teilen der Industrie gibt es sie in ganz unterschiedlichen Ausprägungen schon, auch bei einigen wenigen M+E-Unternehmen. In den meisten wird sie als inakzeptabel abgelehnt. Wie geht die Diskussion weiter? Friedrich: Ich glaube, das muss man sehr differenziert betrachten. Die Debatte zeigt erst mal, dass es neue Bedürfnisse in der Gesellschaft gibt. Und die Stahlindustrie ist sehr homogen, mit einem klaren Bild, wie die Transformation zu gestalten ist. Die Arbeitszeitpolitik kann diesen Wandel vernünftig gestalten, gemeinsam mit den Arbeitgebern in der Viertagewoche. Jetzt wird verhandelt, wir werden sehen. Abseits der Stahlindustrie haben wir auch heute schon im Flächentarifvertrag Regelungen, die ein Vier-Tage-Konstrukt ermöglichen. Und es ist richtig, einige nutzen das bereits. Andere können oder wollen nicht. Das liegt an der radikalen Verschiedenheit unserer Unternehmen. Auch in der Fachkräftedebatte sagen die einen, dass vier Tage die Attraktivität der Industrie für Arbeitnehmer stark erhöht, während andere fürchten, dass der Mangel so eher gepusht wird. Unter unseren Kolleginnen und Kollegen gibt es welche, die Arbeitsverdichtung fürchten, andere befürworten den fünften freien Tag massiv. In diesem Spannungsfeld diskutieren wir das auch intensiv in der IG Metall. Ich glaube schon, dass die Tarifrunde 2024 bei dem Thema „Arbeitszeiten, die zum Leben passen“ einen Schwerpunkt bekommen wird. Welcher das dann genau sein wird, werden wir sehen. Standpunkte: Wie sehen das die M+E-Arbeitgeber im Norden?


Ströbele: Der Begriff der Viertagewoche ist mir zu platt. Die einen verstehen darunter 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich, was nicht gehen wird. Die anderen die ursprüngliche Arbeitszeit, nur von Montag bis Donnerstag verteilt, was auch zu simpel ist. Wir müssen uns stattdessen mit einem Spannungsbogen auseinandersetzen – auf der einen Seite ein Fachkräftemangel, der sich zur Arbeitskräftekrise verdichtet und gleichzeitig das vorhandene Arbeitsvolumen, das abgedeckt werden muss. Dieses Arbeitsvolumen wollen wir in unserer Industrie wo möglich sogar noch erhöhen, um Wertschöpfung und damit auch Wissen und Kompetenz im Land zu halten. Auf der anderen Seite begegnen wir steigenden Anforderungen an uns als Unternehmen durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir ohne eine Antwort hierauf nicht werden gewinnen und halten können. Ein wesentliches Stichwort ist hierbei die Stärkung von Autonomie und Flexibilität, am Ende auch auf allen Seiten. Also lautet eine der Kernfragen: Wie bekommen wir das Arbeitsvolumen X, das wir bedienen wollen und müssen, und die Bedürfnisse Y der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen? Und dafür wird es verschiedene Modelle geben müssen, für kleine und große Betriebe, für Struktur und Aufgabenspektrum A und B – keine einfache Aufgabe, die mir aber mit modularen Modellen lösbar scheint. Wir müssen hier auch den Mut zum Experiment haben, Dinge ganz neu denken. Standpunkte: Werden da die ohnehin von vielen als sehr komplex empfundenen Tarifverträge nicht noch undurchdringlicher? Friedrich: Nein, nicht unbedingt. Wir müssen Tarifpolitik für die ganze Bandbreite machen, auch für kleine Betriebe mit wenigen Personalern. Betriebsnahe Tarifpolitik bedeutet, dass die Tarifparteien in den Betrieben stärker die Dinge miteinander definieren und differenzieren, wir schaffen den Rahmen, der das zulässt. Ströbele: Nach unserem Verständnis setzen die Tarifparteien zwar einen verbindlichen Rahmen für die verschiedenen Modelle, den dann aber in den Unternehmen nicht die Tarifparteien, sondern die Betriebsparteien fair und verantwortlich ausfüllen müssen. Das sehen übrigens auch die anderen M+E-Arbeitgeberverbände so. Die IG Metall Küste fürchtet, dass die Betriebsräte erpressbar sein könnten – diese Sorge hören wir. Aber wir erleben die Betriebsräte in der Praxis anders. Und für die Randfälle, bei denen es vielleicht nicht so klappt, kann es ja Unterstützung zur Umsetzung geben. Beim Thema Transformation fordert die IG Metall ja selbst mehr Einfluss für ihre Ehrenamtlichen. Das ergibt für mich kein stimmiges Bild. Und was Ihre Frage nach der Komplexität unserer Verträge angeht: Da müssen wir neben den neuen Inhalten auf jeden Fall auch anfangen,

in einfacher Sprache verständlicher zu schreiben, trotz aller juristisch notwendigen Absicherungen. Das ist eine Herausforderung für eine neue Kommunikation. Standpunkte: Werfen wir noch einen Blick auf die Verhandlungen zum neuen Sozialpartnermodell in Sachen betrieblicher Altersvorsorge in Baden-Württemberg. Entwickelt sich da ein Modell für das ganze Land, auch den Norden? Friedrich: Die Baden-Württemberger haben Grundlagen für einen Rohbau gelegt, der jetzt ausgestaltet werden kann. Da gibt es innerhalb der IG Metall allerdings noch enormen Diskussionsbedarf. Das Thema Betriebsrentenstärkungsgesetz und die Haftung auf Arbeitgeberseite, die Frage der Beiträge und der Garantien, das Ausmaß des Engagements auf dem Finanzmarkt, all das muss debattiert werden. Angesichts der allgemeinen Einschätzung, dass sich an der gesetzlichen Rentenpolitik vorerst nichts ändert, haben wir allerdings Handlungsbedarf. Und auch deshalb, weil wir etwas für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kleineren und mittleren Betriebe tun müssen. Falls es da in Baden-Württemberg eine Einigung geben sollte, die die Zustimmung des IG-Metall-Bundesvorstandes findet, dann sollte es auch bundesweit umgesetzt werden. Ströbele: Wir kennen und sehen den Bedarf einer gestärkten betrieblichen Vorsorge und schauen mit Interesse auf das, was in Baden-Württemberg bisher diskutiert wird. Wichtig scheint mir, dass Beitritt und Finanzierung eines Modells der Freiwilligkeit unterliegen. Dass es eine bundesweite Regelung geben könnte, mit der sich dann auch Gesamtmetall zumindest befassen wird, scheint mir nicht ausgeschlossen und letztlich auch sinnvoll. Standpunkte: Wenn Sie auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung schauen, die manchen angesichts zunehmender Radikalisierungen ja Sorge macht, wo sehen Sie dann die Rolle der Tarifpartner? Friedrich: Ich denke, dass wir den Wert von Kompromissen in dieser Gesellschaft nach vorne stellen müssen. Und ein Tarifvertrag ist ein Kompromiss. Wir müssen deutlich machen, dass dieses System einen Wert hat, gerade in Zeiten von immer mehr Zuspitzung und wachsendem Populismus. Ströbele: Wir müssen noch klarer machen, dass wir nicht streiten um des Streitens willen, sondern streiten für eine ausgewogene Lösung, die dann auch eine gemeinsame Sache ist. Und dass wir quasi permanent in einem sinnvollen Prozess diskutieren, um dann am Ende einer Tarifrunde per Kompromiss zu einem Tarifvertrag zu kommen. Standpunkte: Wir danken für das Gespräch. Aufgezeichnet von Alexander Luckow

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Fachkräfte

„Silver Workers“

bereichern die Arbeitswelt

Immer mehr Deutsche arbeiten auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiter. Ein Trend, der sich seit einigen Jahren Bahn bricht. Der Bundesregierung zufolge waren 2022 rund 1,1 Millionen Beschäftigte in Deutschland älter als 67 Jahre. Mehr als 400.000 davon hatten sogar die 70 überschritten. Wer nun meint, dass es hauptsächlich finanzielle Gründe sind, die die „Silver Workers“ zur Arbeit treiben, hat sich getäuscht. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) geben die meisten Befragten nichtmonetäre Gründe für ihre Erwerbsarbeit an: Spaß an der Arbeit etwa oder das Bedürfnis nach einer sinnvollen Aufgabe und sozialen Kontakten. Demografischer Wandel und zunehmender Fachkräftemangel lassen erwarten, dass Erwerbstätigkeit jenseits der Regelaltersgrenze in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Viele Unternehmen zeigen sich offen

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dafür. „Wir stehen der Beschäftigung von Ruheständlern sehr positiv gegenüber“, sagt etwa Nina Römhild, Personalleiterin der VINCORION Gruppe mit Hauptsitz in Wedel. Das Technologieunternehmen produziert mit 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Wedel, 200 im bayrischen Altenstadt und 70 in Essen Produkte für den Sicherheits- und Verteidigungsbereich, die Luftfahrt sowie für die Bahn- und Transportindustrie. „Fachleute mit Erfahrung, Know-how und Motivation sind uns sehr willkommen, zumal dann, wenn sie früher schon bei uns gearbeitet haben“, fügt sie an. Zu diesen Fachleuten zählt der 68-jährige Elektrotechnikingenieur Jürgen Schulze. Seit den 1980er-Jahren ist er als Entwicklungs- und Projektingenieur in verschiedenen Einsatzgebieten und unterschiedlichen Vorgängerunternehmen von VINCORION aktiv gewesen. Er hat Mikroprozessoren und elektronische Schaltungen ent-

Fotos: Christian Augustin

Mehr als eine Million Menschen arbeiten in Deutschland, obwohl sie älter als 67 Jahre sind – und das keineswegs nur aus finanziellen Gründen.


Erwerbsarbeit im Ruhestand – nicht alle brauchen das Geld • Erwerbsarbeit im Ruhestand ist laut IAB noch immer die Ausnahme: 15 Prozent der 65- bis 69-jährigen, 13 Prozent der 70- bis 74-jährigen und nur zwei Prozent der noch älteren Rentner gehen einer bezahlten Arbeit nach. • Mehr als zwei Drittel der erwerbstätigen Rentenbezieher zwischen 65 und 74 Jahren üben eine geringfügige Beschäftigung aus. • Die Wahrscheinlichkeit, im Ruhestand einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ist laut IAB-Studie bei hohem Bildungsniveau am größten. • Die meisten Rentenbezieher geben nichtmonetäre Gründe für ihre Erwerbsarbeit an – Spaß an der Arbeit oder das Bedürfnis nach einer sinnvollen Aufgabe und sozialen Kontakten. Bei 43 Prozent spielen auch finanzielle Motive eine Rolle.

wickelt, Simulationsmodelle realisiert und war zeitweilig auch als Ausbildungsbetreuer tätig. „Als ich im Februar 2021 in Rente gegangen bin, habe ich mit meinem Teamleiter einen Deal abgeschlossen“, erinnert er sich. Falls Schulze Lust und Zeit hätte, weiter für den Betrieb tätig zu sein, würde sich der Teamleiter melden, wenn das Unternehmen Bedarf habe. „Das hat er getan und seitdem arbeite ich in meinem alten Job weiter“, sagt er. Derzeit ist Schulze sozialversicherungspflichtig an drei Tagen in der Woche beschäftigt, die er sich relativ selbstständig einteilen kann. „Wenn mal Not am Mann ist, kann ich auch länger arbeiten und eventuell einen vierten Tag einlegen“, sagt er. Nina Römhild findet die Flexibilität gut: „Wir profitieren als Unternehmen sehr davon, dass Herr Schulze sich auf unsere Bedürfnisse einstellt und wir auf sein profundes Fachwissen auch weiterhin zurückgreifen können.“ Schulze hofft, noch lange weiter arbeiten zu können. „Solange die Motivation stimmt und die Gesundheit mitmacht, bin ich gerne bereit auszuhelfen“, sagt er.

Mitarbeitern komplexe Schalt- und Steuerungsanlagen für Kunden in aller Welt. 35 Jahre lang hat Meyer bei HPS Schaltanlagen mit konstruiert und gebaut und sie nach den Wünschen und Vorgaben der Kunden konfiguriert. Als Projektleiter war er für unzählige große und auch mittlere Aufträge verantwortlich und hat stets den Kontakt zu Kunden in aller Welt gehalten.

Vom Erfahrungswissen lange profitieren

Aufgrund seines Fachwissens sowie seiner exzellenten Kundenbeziehungen ist Meyer nach wie vor ein begehrter Mitarbeiter. Deshalb kam die Anfrage seines Arbeitgebers für ihn nicht überraschend: „Als ich Anfang dieses Jahres in Rente gehen wollte, hat mich mein Chef gefragt, ob ich nicht noch weiterarbeiten will. Da ich gern arbeite und auch meine Rente noch etwas aufstocken möchte, habe ich zugestimmt.“ Weil er viele Jahre lang wegen der Kindererziehung nur in Teilzeit gearbeitet hat, fällt seine Rente nicht allzu üppig aus. Deswegen nahm er das Angebot, weiter zu arbeiten, gern an und arbeitet seit Juli 32 Stunden in der Woche. Doch finanzielle Gründe allein seien nicht ausschlaggebend gewesen, um weiterzumachen, sagt Meyer: „Die sozialen Kontakte und die Herausforderungen, die man täglich bei der Arbeit hat, sind ebenso wichtig für mich.“ HPS-Geschäftsführer Michael Grenz bezeichnet die Weiterbeschäftigung des Technikers als Win-win-Situation. „Wir sind froh, dass Herr Meyer noch weiter als Projektleiter bei uns arbeiten möchte. Er ist auch bei Weitem nicht der erste Rentner, den wir weiter beschäftigen. Gerade in unserem sehr speziellen Segment tragen die älteren Mitarbeiter einen wertvollen Schatz an Erfahrungswissen mit sich, von dem wir als Firma generell und die nachwachsenden Kolleginnen und Kollegen im Speziellen gern so lange wie möglich profitieren.“ Der bürokratische Aufwand bei der Beschäftigung von Rentern ist laut Grenz genauso groß wie bei jedem Elektrotechnikingenieur Jürgen Schulze überprüft bei VINCORION in Wedel nahe Hamburg eine Leiterplatte.

Kontakt zu Kunden in aller Welt

Gundolf Meyer, 65 Jahre alt und gelernter Elektromechaniker und Techniker, hat nahezu sein gesamtes Berufsleben bei Hanseatic Power Solutions (HPS) in Norderstedt gearbeitet. Das Unternehmen gehört zu den führenden deutschen Anbietern für Steuerungstechnik in der Energieerzeugung und -verteilung sowie in der Notstromversorgung. Es fertigt mit rund 80 Mitarbeiterinnen und

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anderen Arbeitnehmer. „Glücklicherweise gibt es kaum noch Hürden zu überwinden“, sagt der Geschäftsführer, „lediglich eine entsprechende Anmeldung muss erstattet werden.“ In der Sozialversicherung gebe es allerdings für das Unternehmen keine Ersparnisse, da alle Beiträge bis auf den Beitrag zur Krankenversicherung in voller Höhe weitergezahlt werden müssen (siehe Interview S. 13). Hier werde für den Arbeitnehmer der Gundolf Meyer (l.) mit Prüffeldmechaniker Lars Neelsen, der bei HPS seine Aufgaben übernehmen soll.

dass zumindest Teile davon auf Broetje-AutomationMaschinen gefertigt worden seien, so Unternehmenschef Lutz Neugebauer. Die Firma ist 1979 aus dem Rasteder Unternehmen August Brötje für Maschinenbau und Heiztechnik hervorgegangen. Zu dem Zeitpunkt war Hans-Joachim Hein, genannt Akki, schon mehr als anderthalb Jahrzehnte im Betrieb. Der heute 76-Jährige hat sein Leben lang bei Broetje-Automation und deren Vorgängerunternehmen gearbeitet. Seine Ausbildung zum Maschinenschlosser hat Hein beim Heiztechnikspezialisten Brötje absolviert und ist nach der Ausgründung mit zu Broetje-Automa­ tion gegangen. Hein war unter anderem Ausbilder für alle gewerblichen Azubis, Schichtleiter in der Produk­ tion, Sicherheitsfachkraft und Qualitätsmanager und – ganz nebenher – die „gute Seele“ des Betriebs.

ermäßigte Beitrag abgerechnet. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze werden zusätzlich die Arbeitgeberanteile weitergezahlt, der beschäftigte Rentner zahlt keine Beiträge mehr bis auf den ermäßigten Krankenversicherungssatz. Auch vom vertraglichen Unterbau, so Grenz, könne man die Beschäftigung recht einfach umsetzen, da man den Arbeitsvertrag mit dem Rentner problemlos mehrfach befristen könne.

Geringer bürokratischer Aufwand

Auch Norbert Steinkemper, Sprecher des Spezialmaschinenbauunternehmens Broetje-Automation aus Rastede bei Oldenburg, findet, dass die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer für die Unternehmen inzwischen deutlich einfacher geworden sei. Neben den grundsätzlich anfallenden Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung sei lediglich die arbeitsvertragliche Situation für die Unternehmen zu prüfen. Da die Rentnerinnen und Rentner aber in den allermeisten Fällen keine Vollzeitbeschäftigung anstrebten und es sich auch um keine dauerhafte Beschäftigung handele, müssten Arbeitsverträge nur entsprechend angepasst werden. Broetje-Automation liefert Anlagen und Produktionssysteme für nahezu alle Flugzeugbauer der Welt, beschäftigt an 23 Standorten in sieben Ländern mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist ein echter „Hidden Champion“. Gleichgültig, wo auch immer auf dieser Welt ein Flugzeug starte, man könne sicher sein,

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„Die Firma ist für mich wie eine Familie“, sagt er. „Ich habe noch den alten Seniorchef gekannt und bin mit dem Unternehmen groß geworden. Deswegen ist sie mir so sehr ans Herz gewachsen.“ Wie die Menschen, die hier arbeiten. Viele der heutigen Führungskräfte sind durch seine Schule gegangen, etwa der aktuelle Produktionsleiter Robert Wawrzynowski. Das erklärt, warum Akki Hein nicht schon vor Jahren in Rente gegangen ist. Er sagt: „Ich hatte hier noch so viel zu tun und außerdem habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden.“ Noch heute organisiert er Rentnertreffen und Firmenevents, hat sein 60-jähriges Jubiläum gefeiert, steht aber nicht mehr auf der Payroll. In „seine Firma“ zieht es ihn dennoch mindestens zweimal die Woche. Sein Chef Lutz Neugebauer begrüßt die Aktivitäten ausdrücklich. „Wir pflegen hier ein sehr persönliches Miteinander und setzen auf die Erfahrung und das Wissen unserer älteren Kolleginnen und Kollegen. Für Akki Hein steht unsere Tür immer offen.“ Lothar Steckel

Arbeiten seit vielen Jahren bei Broetje-Automation zusammen: Hans-Joachim Hein (M.) mit Mechatroniker Dennis Tjardes (l.) und Produktionsleiter Robert Wawrzynowski – „seinen“ früheren Azubis.

Fotos: Christian Augustin

Gebraucht und geschätzt


Rechtliche Hinweise zur Beschäftigung von Rentner­innen und Rentnern Worauf müssen Unternehmen achten, wenn sie Rentner beschäftigen möchten? Dr. Manuela Mühlmann: Sofern keine Befristung ge­ wünscht wird, gibt es keine arbeitsrechtlichen Besonderheiten. Das ist jedoch nur selten der Fall. Ist eine befristete Beschäftigung von Arbeitnehmern gewünscht, die bereits das Rentenalter erreicht haben, erlaubt die gegenwärtige Rechtslage dies nur sehr begrenzt. Ist zumindest unstreitig im Arbeitsvertrag geregelt, dass das bestehende Arbeitsverhältnis mit Erreichen der Regelaltersgrenze automatisch endet, kann es über das Rentenalter hinaus befristet verlängert werden. Dafür bietet § 41 S. 3 SGB VI eine rechtssichere Möglichkeit zur Befristung. Ist jedoch keine reine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses gewünscht, sondern die Fortsetzung im Rahmen eines Teilzeitarbeitsverhältnisses, muss darüber eine gesonderte Änderungsvereinbarung geschlossen werden. Hier ist der Zeitpunkt kritisch, da aktuell vermieden werden sollte, eine Verlängerung des befristeten Arbeitsverhältnisses mit einer Änderung der Arbeitsbedingungen zu verbinden. Ist hingegen nicht geregelt, dass das Arbeitsverhältnis mit Erreichen der Regelaltersgrenze automatisch endet und die Befristung unmittelbar im Anschluss an das bislang bestehende Arbeitsverhältnis erfolgen soll, muss für die Befristung ein Sachgrund bestehen. Insbesondere folgende Gründe könnten hier in Betracht gezogen werden: • vorübergehender Bedarf an der Arbeitsleistung, • Vertretung eines anderen Arbeitnehmers, • die Eigenart der Arbeitsleistung, • in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe. Was ist daran problematisch? Dr. Mühlmann: Die Anforderungen der nationalen Rechtsprechung an diese Gründe sind so hoch, dass sie in der Praxis kaum darstellbar sind. Wenn etwa die Befristung auf Wunsch des Rentners erfolgen soll, müsste der Arbeitgeber danach dem Beschäftigten eigentlich zwei Arbeitsverträge zur Auswahl stellen, einen befristeten und einen unbefristeten. Um die Altersbefristung zu erleichtern, wäre es sinnvoll, dass der Gesetzgeber als Sachgrund auch das Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze ergänzend mit aufnimmt.

Verbandsjuristin Dr. Manuela Mühlmann beantwortet die wichtigsten Fragen zur Rentnerbeschäftigung. Gibt es bestimmte Fristen zu beachten? Dr. Mühlmann: Die Verlängerungsvereinbarung nach § 41 S. 3 SGB VI muss unbedingt schriftlich vor Beenden des Arbeitsverhältnisses vorgenommen werden. In Bezug auf eine neue Befristung des Arbeitsverhältnisses ist ebenfalls stets zu beachten, dass die Befristungsvereinbarung unbedingt vor dem Beginn schriftlich abgeschlossen wird und jedem Vertragspartner das unterschriebene Exemplar vorliegt. In welchem Umfang dürfen Rentner beschäftigt werden? Dr. Mühlmann: Hier gibt es keine Besonderheiten gegenüber anderen Beschäftigten. Welche sozialversicherungsrechtlichen Folgen hat eine Rentnerbeschäftigung? Dr. Mühlmann: Nach Ablauf des Monats, in dem der beschäftigte Rentner die Regelaltersgrenze erreicht und eine Vollrente wegen Alters tatsächlich bezieht, ist er rentenversicherungsfrei. Der Arbeitgeber bleibt für seinen Beitragsteil jedoch weiterhin beitragspflichtig. Gleiches gilt für die Arbeitslosenversicherung, allerdings unabhängig davon, ob der beschäftigte Rentner tatsächlich eine Altersrente bezieht. In Bezug auf die Beitragspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung besteht kein Unterschied zu Beschäftigten, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben. Bei der Höhe der Beitragssätze kann es Unterschiede geben.

Kontakt: Weitere Informationen erhalten Mitgliedsunternehmen bei dem für sie zuständigen juristischen Ansprechpartner. Die Kontaktdaten finden Sie auf www.meinarbeitgeberverband.de/kontakt

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Reportage

Damit es wieder läuft … Das Hamburger Unternehmen Waldemar Link hat sich seit seiner Gründung vor 75 Jahren zu einem führenden Spezialisten für Endoprothesen entwickelt.

Pioniere haben es nicht immer leicht, vor allem dann, wenn sie außergewöhnliche Ideen umsetzen wollen. Der Berliner Arzt Themistokles Gluck ist ein gutes Beispiel dafür. Im Jahr 1885 operierte er das Kniegelenk einer jungen Patientin, das durch eine Knochentuberkulose zerstört worden war, und ersetzte es durch eine Prothese aus Elfenbein und Nickelstahl. Aber das Glück der Berlinerin währte nicht lange, es kam zu Komplikationen, und Gluck war blamiert. Sein Hamburger Kollege Hans-Wilhelm Buchholz vom Krankenhaus St. Georg hatte mehr Glück, als er rund 80 Jahre später einen ähnlichen Eingriff wagte; er ersetzte 1963 erstmals in Deutschland ein defektes Hüftgelenk durch eine Totalendoprothese und revolutionierte damit die Medizintechnik.

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Gründer-Sohn in der Geschäftsleitung

Heute, 75 Jahre nach der Gründung, ist das Familienunternehmen ein international führender Hersteller von Implantaten für die Gelenkersatzchirurgie und gilt in diesem Segment als Spezialist für individuelle Lösungen und Sonderanfertigungen. Die Waldemar Link GmbH & Co. KG entwickelt, forscht und produziert vorrangig in Deutschland, wo etwa 900 der weltweit 1.200 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz haben. 1973 begann die Erschließung des US-Marktes, und vor 15 Jahren wurde in China ein Produktionswerk eröffnet. Der frühe Einstieg in Asien hat sich ausgezahlt, mittlerweile ist Link mit seinen Implantaten Marktführer in

Fotos: Christian Augustin

Qualitätskontrolle: Sorgfältig überprüft Thomas Säger ein Teil aus dem 3-D-Drucker unter der Lichtlupe. Säger ist einer von insgesamt 100 Beschäftigten in der Qualitätssicherung.

Maßgeblichen Anteil daran hatte der Hamburger Unternehmer Waldemar Link, der 1948 eine Firma für allgemeinen Krankenhausbedarf gegründet hatte. Er war Instrumentenbauer und stellte regelmäßig Sonderinstrumente für Chirurgen her. Damit war er der optimale Partner für den begnadeten Chirurgen Buchholz, der von Mitte der 1960er-Jahre an unermüdlich neue Ideen für Prothesen für Knie- und Hüftgelenke entwickelte. Geschäftsführer Peter Willenborg berichtet: „Unser Gründer, geboren 1901, war ein echter Unternehmer mit Mut, Weitblick und Sachverstand. Als er sein Fachgeschäft für Arzt- und Krankenhausbedarf am 1. Januar 1948 eintragen ließ, war der Zweite Weltkrieg gerade zweieinhalb Jahre vorbei, und die Aufräumarbeiten in seiner Heimatstadt Hamburg dauerten immer noch an. Aber das schreckte ihn nicht, er baute seinen Betrieb kontinuierlich aus und nutzte die Möglichkeiten, die sich im medizinischen Bereich boten.“


Fotos: Christian Augustin / Waldemar Link

China. Insgesamt hat das Auslandsgeschäft heute einen Umsatzanteil von rund 80 Prozent. Geleitet wird das Unternehmen von einem Geschäftsführer-Quartett, zu dem außer Peter Willenborg, Jörg Stüker und Norbert Ostwald auch Helmut D. Link gehört. Der Nachname verrät es, es handelt sich um den Sohn des 1989 verstorbenen Firmengründers. Sein Credo: „Wir entwickeln, produzieren und vermarkten nur Implantate, die wir uns auch selbst einsetzen lassen würden.“ Das alles entscheidende Kriterium ist die Qualität der Produkte, wie man auch an der personellen Verteilung sehen kann: Rund 450 Beschäftigte am Standort Norderstedt arbeiten in der Produktion und mehr als 100 in der Qualitätssicherung. „Bei uns wird jedes Teil vor dem Versand mehrfach kontrolliert“, sagt Geschäftsführer Willenborg, der seit 2009 für Waldemar Link tätig ist. „Schließlich bauen wir keine Ersatzteile für Maschinen, sondern Endoprothesen für Menschen, die zu Recht erwarten, dass unsere Produkte keine Komplikationen verursachen und möglichst lange halten.“ Gewährleistet wird die hohe Qualität unter anderem durch den Einsatz modernster Prüftechnik, durch laborüberwachte Reinigungs- und Desinfektionsstraßen und individuelle Kontrollnummern auf jedem einzelnen Implantat. Außerdem läuft ein Teil der Produktion und der Verpackung in Reinräumen ab, die nur durch spezielle Schleusen und nach einem Kleidungswechsel betreten werden dürfen. Willenborg: „Die Zuverlässigkeit unserer Produkte ist durch die statistischen Daten in diesem Bereich sehr

gut belegt. Es gibt in vielen Ländern Endoprothesen-Register, die jedes implantierte Produkt erfassen. Das beste Register haben nach allgemeiner Einschätzung die Schweden, und dort zählen wir mit unserer Hüft-Totalprothese SPII Modell Lubinus seit Jahren zu den Spitzenreitern.“ In Zahlen: Die „Überlebensrate“ von „SPII Modell Lubinus“ lag in einem Zeitraum von 18 Jahren bei stattlichen 99,1 Prozent. Diese Berechnung basiert auf der Auswertung von mehr als 75.000 Fällen.

Demografie bedingt Nachfrage-Boom

Das Datenmaterial der Register ist auch deshalb so umfangreich, weil die Zahl der implantierten Prothesen in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen ist. Beispiel Knie: 2005 weist die bundesdeutsche Statistik noch knapp 130.000 Implantationen von künstlichen Kniegelenken aus. Zehn Jahre später wurden bereits 173.000 Implantate eingesetzt. Ähnlich sieht es bei Hüftprothesen aus. 2005 gab es in Deutschland rund 195.000 Implantationen, 2021 waren es fast 235.000. Und auch künstliche Schultergelenke werden immer häufiger eingesetzt, hier gab es 2021 mehr als 24.000 Operationen. Der hohe Bedarf ist vor allem auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko degenerativer Gelenkerkrankungen wie Arthrose, die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auslösen können. Auch Hüftfrakturen kommen bei älteren Menschen häufiger vor.

Letzter Schliff: Mitarbeiter Andreas Bein bearbeitet den Schaft einer Endoprothese an der Schleifbandmaschine wie z. B. die Lubinus Classic Plus (rechts abgebildet).

Künstliche Gelenke: Der Bedarf für Endoprothetik im Bereich der Hüfte ist seit jeher größer als für Schultern oder Knie. Bundesweit wurden allein 2021 mehr als 230.000 Hüftimplantate eingesetzt.

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Eigene Feingießerei

Auch die Produktion der Firma Waldemar Link wurde in den vergangenen Jahrzehnten stetig modernisiert und ausgebaut. Seit 1997 betreibt das Unternehmen mit Vacucast eine eigene Feingießerei in Berlin, die mit einer prozessgesteuerten Vakuum-Induktions-Schmelz- und Gießanlage arbeitet. Die vertikale Dreikammeranlage ermöglicht vollautomatisches Schmelzen und Gießen im Hochvakuumbereich oder unter Schutzgasatmosphäre. Hier entstehen die hochwertigen Titan- und KobaltBasis-Legierungen, die Waldemar Link für seine Prothesen braucht. Sie haben nicht nur exzellente physikalische Eigenschaften, sondern auch eine maximale Bio-

In der Produktion: Die Firma Waldemar Link arbeitet in vielen Bereichen der Fertigung mit hochmodernen CNCAnlagen und Roboter-Unterstützung.

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Es geht um Mikrometer: Melanie Maire an der Messvorrichtung, die auch kleinste Ungenauigkeiten exakt erkennen kann.

kompatibilität, Materialreinheit und Korrosionsbeständigkeit – für Endoprothesen unerlässlich. Darüber hinaus hat Waldemar Link innovative Materialien und Oberflächenbeschichtungen entwickelt, denn die Anforderungen an Implantate sind außerordentlich hoch. Willenborg: „Je genauer und glatter die Oberfläche ist, desto weniger Abrieb haben die Gleitflächen der Endoprothese. Das ist ein wichtiges Kriterium für die Lebensdauer.“ So soll etwa der Kopf einer Hüftprothese eine Rautiefe von maximal 0,02 Mikrometern (μm) haben. Zur Verdeutlichung: Ein μm ist ein tausendstel Millimeter. Ein Frauenhaar hat einen Durchmesser von 40 bis 100 μm. In anderen Bereichen der Prothesenfertigung ist eine leichte Rauigkeit durchaus erwünscht, um einen stabilen Sitz im Knochen zu gewährleisten. Willenborg greift nach dem Schaft einer Knieprothese, die auf einem Tisch in der Qualitätskontrolle liegt. Das Teil hat eine leicht körnige Oberfläche, die an feines Schleifpapier erinnert.

Fotos: Christian Augustin

Geschäftsführer Willenborg zeigt auf einen Rollwagen mit Hüftimplantat-Schäften, die neben einer Schleifbandmaschine stehen und auf ihre Weiterbearbeitung warten. „Früher waren solche Endoprothesen wegen der aufwendigen Produktion ziemlich teuer“, sagt er. „So teuer, dass ein deutscher Politiker vor 20 Jahren laut darüber nachdachte, ob der Eingriff bei älteren Patienten noch von den Krankenkassen erstattet werden sollte. Heute sind die Produkte deutlich günstiger geworden, weil die Fertigungsprozesse immer stärker optimiert wurden.“


„Mit der additiven Fertigung können wir innovative Oberflächen für Implantate erstellen“, sagt Geschäftsführer Willenborg. „Der Schaft kommt aus einem unserer 3-D-Drucker, mit denen wir maßgefertigte Prothesen in allen Varianten, Größen und Formen herstellen können. Mittlerweile entsteht ein großer Teil der rund 170.000 Prothesen, die wir pro Jahr ausliefern, auf diesen Maschinen.“ Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens ist die kurze Lieferzeit für Individualanfertigungen durch die große Inhouse-Fertigungstiefe. Meist liefert die Firma Waldemar Link die bestellten Sonderanfertigungen schon vier Wochen nach der digitalen Aufbereitung der Daten und der Zusage des Arztes aus. Die marktübliche Lieferzeit beträgt sechs bis neun Wochen.

Optische Prüfung: Talat Arslan kontrolliert die Oberfläche einer Endoprothese für das Kniegelenk.

Schichtsystem neu entwickelt

Innovativ ist Waldemar Link auch bei der Organisation seiner Arbeitsabläufe, beispielsweise im Bereich Reinigung und Verpackung. Hier gab es früher regelmäßig Debatten über das Schichtsystem, da die Schichten oft mit dem Privatleben der 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kollidierten. Begleitet durch einen Experten von NORDMETALL wurde das Problem schließlich angegangen und gelöst. Helge Dewenter, der die Abteilung seit Anfang 2020 leitet, erzählt: „Wir sind die Sache strukturiert angegangen und haben alle Beteiligten ins Boot geholt, auch den Betriebsrat und die Personalabteilung. Dann wurde eine Online-Befragung durchgeführt, um zu klären, wo die Probleme im Detail liegen.“ Dabei zeigte sich: Viele Beschäftigte hatten klare Präferenzen. Die „Morgenmenschen“ wollten lieber in der Frühschicht arbeiten und die „Nachteulen“ eher in der Spätschicht. Also wurde ein „Wünsch dir was“-System entwickelt, bei dem die Beschäftigten jeweils im Herbst eintragen können, welche Schicht sie im darauffolgenden Jahr bevorzugen. Auf dieser Basis wird dann jedes Jahr ein verbindlicher Plan erstellt. Und siehe da: Das neue System kam prima an. Abteilungsleiter Dewenter fasst seine Erfahrungen zusammen: „Wir waren offen gestanden selbst überrascht, wie gut das Modell funktioniert. Natürlich gibt es auch mal kurzfristigen Änderungsbedarf, aber im Großen und Ganzen hat sich die Änderung bewährt. Und die Zufriedenheit der Mitarbeiter hat erheblich zugenommen. Ein großartiges Ergebnis.“ Clemens von Frentz

75 Jahre Waldemar Link Anfang 1948 gründet Waldemar Link das Unternehmen als Fachgeschäft für Krankenhausbedarf an der Steilshooper Straße in Barmbek. In Zusammenarbeit mit Ärzten werden chirurgische Instrumente entwickelt. Premiere im Jahr 1963: Die Firma präsentiert die erste deutsche totale Hüftgelenkprothese, die mit dem Hamburger Professor Hans Wilhelm Buchholz, dem Chefarzt im Krankenhaus St. Georg, konzipiert wurde. In den 1970er-Jahren beginnt die Firma Waldemar Link mit der Erschließung des amerikanischen Marktes und eröffnet das Werk in Norderstedt. Seit 1997 betreibt das Unternehmen die Vacucast Feingießerei in Berlin und hat damit die gesamte Produktionskette in eigener Hand. Im Jahr 2008 eröffnet Waldemar Link ein Werk unter deutscher Leitung in China, um den steigenden Bedarf in Asien zu decken. Seit 1973 liegt der Firmensitz am Barkhausenweg im Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel. Hier arbeiten etwa 100 Beschäftigte. 2023 wird Waldemar Link 75 Jahre alt. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 1.200 Mitarbeiter weltweit, etwa 900 davon Deutschland. Im Schnitt werden mehr als 170.000 Endoprothesen pro Jahr ausgeliefert, viele davon entstehen im 3-D-Druckverfahren. Der Jahresumsatz liegt bei 200 Millionen Euro.

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Jugendstudie

t n i e e r i t r u o nd e t r e W industriefreundlich Mit der Jugendstudie dokumentiert NORDMETALL in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE erneut die Erwartungen junger Menschen an Arbeit und Zukunft. Diese stellt die Umfrage den Anforderungen von Unternehmerinnen und Unternehmern an potenzielle neue Beschäftigte gegenüber – diesmal für Hamburg.

N

ach der Premiere im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein jetzt die Neuauflage: Für Hamburg legt NORDMETALL 2023 in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE eine umfassende Jugendstudie vor. Die Umfrage dokumentiert die Erwartungen junger Menschen kurz vor dem Abitur an Arbeit und Zukunft und stellt diese den Anforderungen von Unternehmerinnen und Unternehmern an potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber. In Hamburg wurden von NORDMETALL nach Zustimmung der Behörde für Schule und Berufsbildung mehr als 1.100 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen zehn bis 13 befragt, die an neun Gymnasien, sechs Stadtteilschulen und drei Beruflichen Gymnasien unterrichtet werden. Ebenso beantworteten bis zum Sommer

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Geschäftsführungen, Personal- und Ausbildungsleitungen aus 61 Hamburger Betrieben mit rund 104.000 Beschäftigten und Schwerpunkt in der Metallund Elektroindustrie verschiedene Fragestellungen. Die befragten Jugendlichen ticken traditionell, was klassische Werte der Arbeitswelt angeht: Sorgfalt und Zuverlässigkeit (83 Prozent), Disziplin und Pünktlichkeit (74 Prozent), aber auch Kommunikationsfähigkeit (71 Prozent) halten sie für „sehr wichtige“ Eigenschaften


Bedeutung der Schulfächer für Betriebe und Jugendliche 33 %

Mathematik 21 %

Deutsch

80 % 35 %

Englisch Informatik

11 %

andere Fremdsprachen

Kunst/Musik Biologie Theater

31 %

Lieblingsfächer der Jugendlichen

15 %

„sehr wichtig“ und „wichtig“ für Betriebe

9% 9% 50 %

7% 5%

17 % 22 %

3%

27 %

3% 2%

0% 0%

Illustration: shutterstock / Pita Studio / Pita Design

48 % 27 %

Chemie

Geschichte

59 %

10 %

Politik/ Gesellschaft/ Wirtschaft

Geografie

77 %

6%

Physik

Sport

93 %

30 %

n = 877 (ABI) bzw. 61 (Betriebe)

12 % 20 %

von Angestellten. Demgegenüber halten Hamburger Arbeitgeber die Arbeitsmotivation (93 Prozent), die Teamfähigkeit (65 Prozent) oder die Lernbereitschaft (60 Prozent) ihrer Beschäftigten für besonders wichtig. Hamburger Jugendliche schätzen Mathematik (33 Prozent), Englisch (35 Prozent) und Deutsch (21 Prozent) weit weniger, als die Betriebe, von denen 93, 77 und 80 Prozent diese Fächer wichtig oder sehr wichtig finden. Auffällig ist in Hamburg die höhere Wertschätzung für Englisch in den Stadtteilschulen (55 Prozent) gegenüber Gymnasien (32 Prozent) und Beruflichen Gymnasien (33 Prozent). Auch die betrieblich wichtigen Fächer Physik (zehn Prozent) und Informatik (sechs Prozent) konnten bei den Schülerinnen und Schülern weniger Interesse finden. Arbeitgeber messen ihnen mit 48 beziehungsweise 59 Prozent eine wesentlich größere Bedeutung bei.

40 %

60 %

80 %

Bei den betrieblichen Berufsfeldern stehen unter Jugendlichen vor allem Projektmanagement und Marketing hoch im Kurs. Betriebe suchen hingegen besonders intensiv Personal für Reparatur und Instandsetzung, den Service und die Montage sowie das Führen oder Programmieren von Maschinen und Geräten. Die meisten Hamburger Jugendlichen wünschen sich vor allem eine gute Bezahlung (96 Prozent, deutlich mehr als in Schleswig-Holstein), eine interessante und sinnvolle Tätigkeit (95 Prozent) sowie Aufstiegsmöglichkeiten, Spaß bei der Arbeit und einen sicheren Arbeitsplatz (jeweils 93 Prozent). Zugleich unterschätzen sie den Einstiegsverdienst in der M+E-Industrie nach der Berufsausbildung ausgesprochen stark um mehr als ein Drittel. Bei Bewerbungen junger Menschen achten Betriebe vor allem auf die Noten in speziellen Fächern wie Mathe­ matik, Deutsch und Englisch, Betriebspraktika und

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Prof. Dr. Stefan Wiedmann Präsident und Vorstand NORDAKADEMIE IT-Kenntnisse. Die Gesamtnote des Abschlusses rangiert erst an vierter Stelle. Nach der Schule steht das Studium an einer Hochschule bei 44 Prozent der befragten Jugendlichen an erster Stelle. 18 Prozent wollen sich selbstständig machen. 16 Prozent bevorzugen ein duales Studium, 14 Prozent eine duale Berufsausbildung. Schulpraktika und die Familie prägen die Berufsorientierung der Hamburger Jugendlichen. Während 52 Prozent der Jugendlichen die Berufsorientierung an ihren Schulen in Hamburg als gut oder sehr gut bezeichnen und nur 17 Prozent als mangelhaft oder ausreichend, bewerten Hamburger Arbeitgeber diese Schulangebote zu null Prozent als sehr gut, zu 17 Prozent als gut und zu 36 Prozent als mangelhaft oder ausreichend. Hamburger Jugendliche sind flexibel und passen sich dem Bedarf der Betriebe an, wenn es um mobiles Arbei-

„Die Wirtschaft in Hamburg trifft auf eine gegenüber dem Arbeitsleben positiv gestimmte Nachwuchsgeneration. Die vom Arbeitsmarkt besonders nachgefragten IT- und Technik-Skills kann die NORDAKADEMIE in ganz besonderem Maße bedienen.“

ten oder bezahlte Überstunden geht. Mehr als die Hälfte der befragten Abiturientinnen und Abiturienten strebt eine Führungsposition an (61 Prozent der Jungs, 49 Prozent der Mädchen). Jungs zeigen sich insgesamt zuversichtlicher als Mädchen, ebenso Schülerinnen und Schüler, die in Zukunft Führungsverantwortung anstreben. MINT-Fans können sich zu 42 Prozent vorstellen, in der M+E-Industrie zu arbeiten, unter allen Jugendlichen sind es 17 Prozent. Alexander Luckow

Bewertung der Berufsorientierung an Schulen 12 %

90 %

5% 12 %

80 %

mangelhaft

24 %

70 %

31 %

60 %

ausreichend befriedigend

50 %

gut

47 %

40 %

43 %

30 %

sehr gut

20 %

17 %

10 %

0%

9%

Einschätzung der Betriebe

Einschätzung der Jugendlichen

0%

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n = 877 (ABI) bzw. 61 (Betriebe)

Illustration: shutterstock / OneLineStock / Yury Shchipakin, Foto: Martina van Kann

100 %


Betriebliche Rahmenbedingungen gute Bezahlung

36 %

Aufstiegsmöglichkeiten

23 %

63 %

63 %

Spaß bei der Arbeit

36 %

61 %

sicherer Arbeitsplatz

57 %

interessante, sinnvolle Tätigkeit gute Führungskraft

41 % 28 %

38 % 51 % 36 % 67 %

nette Kolleginnen und Kollegen Urlaubs-/Weihnachtsgeld

33 % 64 % 30 % 69 % 29 % 54 %

flexible Arbeitszeiten betriebliche Weiterbildung 29 % 15 %

internationale Tätigkeiten

27 % 49 % 27 % 38 %

Mitgestaltung von Arbeit gute Verkehrsanbindung

Betriebskantine Diensthandy

Jugendliche „sehr wichtig“

21 % 28 %

Betriebe „immer vorhanden“

13 % 2% 9% 48 % 9% 18 % 0%

10 %

n = 877 (ABI) bzw. 61 (Betriebe)

20 %

Peter Golinski Geschäftsführer Bildung, Arbeitsmarkt, Fachkräfte NORDMETALL Foto: Kirsten Haarmann

57 %

45 %

Betriebsrente

Programme für den Berufseinstieg Dienstwagen

60 %

„Die Rahmenbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie und die Vorstellungen der Hamburger Jugendlichen von ihrer beruflichen Zukunft passen offenbar gut zusammen – in Sachen Arbeitszeit, Bezahlung und bei den Karrierewegen. Aber es gibt auch noch

30 %

40 %

50 %

60 %

viel zu tun: Die Berufsorientierung muss gestärkt werden, in möglichst vielen Schulfächern. Die M+E-Industrie wird Praktika noch stärker als bisher bewerben. Auch das duale Studium muss noch stärker beworben werden, besonders in den Oberstufen der Schulen. Die Unternehmen sollten ihre Angebote noch intensiver an potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herantragen. Die Sprachförderung in Deutsch und Englisch sollte gestärkt werden. Und insbesondere Eltern an Stadtteilschulen sollten intensiver motiviert werden, ihre Kinder bei der Berufswahl zu unterstützen.“

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H

G& AMBUR

September

2023

Unternehmen

seite 26 · nr. 191 F r e i tAG , 1 8 . AU G U s t 2023

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Von Jonas Jansen

ur Faszination der Menschen an dem Discou nter hört seine Omnip Aldi geräsenz in der innenstadt im len Verschwiegen Kontrast zur totaberfamilien. Aldi heit seiner inhasüd und nord, in der F.A.Z.-Auflis tung der „100 ten deutschen größmen“ auf rang Familienunterneh4 mit einem Jahres umsatz von mehr als 110 Milliar euro und fast den 288.00 haben ihre eigent 0 Beschäftigten, ümerf amilie Milliardären gemac n zu ihrem Vermögen, ht. nicht nur zu len wie der rendit auch zu Kennzahe verrate n sie fast gar nichts – selbst Umsät doch ze müssen sich Markt mühsam zusam beobachter meist mensu ein Zeichen der chen. schwäche ist Zurückhaltung die eher der Famili gleichwohl nicht, entradition geschu det – und das lGeschäft läuft. wenn coronaAuch und energiekrise den erträgen geknabbert haben an gen, kannten mödie count zuletzt nur Umsätze im Diseine richtung: oben. Unterstützt nach inflation, Kunde wird das durch die n achten aufs im Wettbewerb Geld. hat Aldi zuletzt der die hohei wiet über schaft zurückerober die Preisführert, was sich durchaus zeigt, wenn die preisbewusst einkau Leute Vergleich zu klassis fen. nicht nur im chen superm ten, sondern auch zu andere ärkn Discountern soll Aldi zuletzt überpr portional gewac hsen sein. Das orückenwind. gibt Gestählt vom seit Jahren scharf Wettbewerb im en heimatmarkt mit anderen riesen wie rewe und gelock Lidl, edeka oder t auf Marktanteils von der hoffnung gewinne in wenige umkämpften Märkt r en baut Aldi seine Präsenz im Ausland nun immer weiter aus. Zwar sind Aldi süd Aldi nord mit eigenen Märkt und en und der Kette trader Joe’s schon seit 40 Jahren in den bald Vereinigten staate präsent, doch n baut Aldi süd einem Zukauf mit von seinen Fußabdruck 400 Geschäften in den Auslan deutlich aus. dsmärkten tritt Discounter freilich der nicht mit einem selbstb ewusstsein auf solch wie heimatmarkt, kann die etablie im lokalen spiele r aber ärgern. Zu rten hause hingegen wurde der in den vergangenen Druck durch Lidl Jahren eher stärker. Auch deshal b counter süd und haben sich die DisÄquator mitten nord, deren Aldidurchs ruhrg verläuft, stetig angenähert – etwaebiet gemeinsamen Marken und Projek mit Darüber schwe bt die ewige Phantaten. einer Wiederverein sie ist das aber auch igung. Vielleicht Faszination als mehr Ausdruck der der realität.

n Elmshor Feuer in ohner ew B – 15 Bleibe brauchen Bewoh-

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Da t der Lernen Hamburg Beschäftigten g, weil die ehich werbsfähigkeit sche Ver von gehört ausgerechnet der Famili zen der Zinsüberschuihr verdoppelte sich von 61 0 - und Wertschöpfung ein hoher Verlust von einen weiter suche man derzeit für so stark nachgWettbeder Bunde dersächsi e d 104.00 sechs Pro in Deutschland zur Metall zent en Forschungsst elassen den euro, sodass ss auf 1,04 MilliarDer nie ige Mitglieder Paus, die am sfamilienministerin Lisa habe. Zwar seien viele tausen Verlust von Arbeit und ein sagt er. Gerad samt run dieser Firmen das Berliner institu Mittwoch isständische Unter 38 Pro e sei er aus Korea andor t, d t ein Hannover. in München einen remchance t reinhard tweer splätzen.“ gekommen. 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Weser-Kurier Brem

MONTAG, 4. SEPTEMBER 2023 /

2,50 EURO

Autor: Seite:

Ressort: Ausgabe:

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Folkmar Ukena [tmt7e 2 POLITIK Hauptausgabe

t 04/2023 ¹ von PMG gewichte t 7/2022 ² von PMG gewichte

Tageszeitung ¹ Mediengattung: ¹ 51.030 (verkauft) 45.384 (gedruckt) ¹ Auflage: 52.906 (verbreitet) 0,158 (in Mio.) ² Reichweite:

3 Ein Titel der FUNKE Mediengrup

dem für Arbeitskräfte aus Geringere Hürden Christian Augustin

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Ausland - das soll gegen

den Fachkräftemangel

helfen.

UNABHÄNGIG, ÜBERPARTEILIC H

| HAMBURG

NR. 206 / 36. WOCHE / 75. JAHRGANG

Es geht um 45 Bäume: Bürger wehren sich gegen Veloroute

–

THORSTEN AHLF

Hamburg. Die teils rigoros durchgesetzten FachkräfBaumfällungen für den Fahrradstraßenein „beschleunigtes r- schon länger kann fen sie für baupro Bewe sorgen in Hamburg für erfahren“ ohne Qualifikation Unmut. Jetzt soll der - teeinwanderungsv die Arbeitsmarkt zahlen.Bau der Veloroute 14 Euronach Mogelpackung – von Migrationsabkom ber eine Gebühr von 411(Lurup) Protesten gestoppt werden. Meilenstein oder . e nun Bestandteil Verwergerad das Geplant n aaten war, 45 tert Bäume zu fällen. Berli nftsst schei in Herku das Seite 7 „Ein starkes Signal“ Verzögert sich oder men mit weiteren Reak tione n auf ickräfte rentw Fachk l: Weite weg. echse z zur Geld Spurw beschlossene Geset ) den. Stichwort die fahren, ist das Ausläninwanderung (FEG ildung oder Studium, Die kommunalen lung der Fachkräftee - mit Berufsausb in Kein Zweifel: Diabetes astet, bekämpfen überl – . Die Ampe l-Par dramatisch dem 29. März 2023 derbehörden sind sind unter schie dlich was ersac ge sich bereits vor Ernährungs hsen -Doc rät In Niedder halte n haben und Deutschland verfü Ja,ande- Deut schla nd aufge gerad e im Nord en. teien behaupten, z gibt es Besit im Einw mern e oder ernst im Asylverfahren Mecklenburg-Vorpom Und dem und noch nun über das „mod die Aufdamit eine n könne und löse keine Zentralen. einer Duldung sind, rungsrecht der Welt“ hli- immer noch nur an bremse in Deutscherhalten. Die tatsäc mang elt es nicht „größte Wirtschafts - enthaltserlaubnis den neuen FEG räftezuwandekräft eman gel. Aller che Entwicklung hängt jedoch von Öffnung der Fachk land“ , den Fach an diese m einer Es fehlt vor sich nicht von allzu für die Zeita rbeit. rden ab. Und genau rung Behö dings sollte man öalVerw lsverm n. in das Urtei leiten lasse Probleme an: allem Vertrauen – Punkt fangen die große r Euph orie liegen weiter im rung sscha tz der lt gute Ansätze, um tungszuständigkeiten cheid e lasse n gen und den ErfahHamburg. Ab Ja, das Gesetz enthä 60 Jahren r. Die hat fast jeder vierte Arbeitgebe te nach Deutschgsbes Diabetes – und auch bei Kintgeberinnen undDeutsche Arbei Fach- und Arbeitskräf Chancenkarte: Unkl aren, Antra zu t nunArbei guteeine um wird warten, Ableh starke Zunahme der Zuwort ist,dern wissen, was nötig ckerkrankheitneue monatelang auf sich land zu holen. Stich Mit- Im Abendzielle verzeichnet. auslä ndisc hen ründet. blatt sagt Ernährungs-Doc Dr. Matthias auch für poten – n leiste Mens chen mit einem abschluss wer- gen bleiben unbeg er dem gstell Riedl,beiter wie man aus schul die Krankheit bekämpft. en und Mitar : Ausländische Antra terinn Folge arbei Die Berufs- oder Hoch tntSeite 9 Die besten Chancen auf Heilung Arbei ihrer Sprac hken entmutigt. Und die Ausland. den künft ig dank und sind schnell helfen. Anders als rung, ihrem Alter geber können kaum nisse, Berufserfah Marabu fliegt im Winter nur nd leich ter zur n oder Kanada haben Bezu g zu Deut schla e n. in den Niederlande vier Ziele ab Hamburg an er kommen könne so gut wie keine Recht lande hierzu sie Arbeitssuche hierh Hamburg. Die junge Fluggesellschaf nrege lung: Die ess. Stattdessen dürt Marabu reduziert im Winter ihren im Verwaltungsproz Stich wort West balka Flugmit dem Zugang zum plan ab Hamburg drastisch. Nur noch vier guten Erfahrungen

Seite 15

Menschlich gesehen

Der Pauli-Stürmer

NORDMETALL Standpunkte

3 / 2023

Gibt man bei Google „Simon Zoller“ ein, ploppt schnell die Frage „Hat Simon Zoller eine neue Freundin?“ auf. Ja, hat er wohl, eine Rechtsanwältin aus Düsseldorf. Doch das Interesse in den sozialen Netzwerken rührt eher von der Ex-Frau des neuen Stürmers des FC St. Pauli her. Von 2016 bis 2022 war der 32-Jährige mit der TV-Moderatorin Laura Wontorra verheiratet. Mit all den Dingen, die dazugehören: Glamourpaar, roter Teppich, Fotojäger. Da wird dann ein Fußballprofi, der in 233 Spielen in der 1. und 2. Bundesliga 57 Tore geschossen hat, schnell zum Anhängsel seiner noch berühmteren Partne-

Ziele werden angeflogen: So soll der Flugbetrieb stabilisiert werden. S. 26 Viele Verspätungen und Ausfälle

Marc Hasse

Hamburg. Der Fachkräftemangel treibt viele Hamburger Unternehmen um – teils händeringend suchen insbesondere Firmen der Metall- und Elektroindustri e qualifizierten Nachwuchs. Helfen könnte ihnen womöglich ein finanzielles Lockmittel: Hamburger Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Abitur unterschätzen offenbar die Einstiegsgehälter in der Industrie um mehr als ein Drittel. Das ergab eine neue Umfrage des Arbeitgeberver bands Nordmetall. Demnach erwarten die befragten Jugendlichen bei einem Einstieg nach einer

Berufsausbildung ein Gehalt von 2086 Euro (brutto) im Durchschnitt pro Monat – die Betriebe geben jedoch 3168 Euro an. Bei einem Einstieg mit Bachelorabschluss rechnen die Jugendlichen im Durchschnitt mit 2887 Euro, die befragten Betriebe hingegen zahlen nach eigenen Angaben im Mittel 3882 Euro. Langzeitbeschäftigte verdienen Nordmetall zufolge 60.000 Euro im Durchschnitt pro Jahr – und das bei einem vergleichsweise sicheren Job, erklärt der Verband. Nordmetall werde die „Anstrengungen verstärken, um die sehr guten Verdienstmöglichkeiten in der Industrie“ deutlicher zu machen.

Urzeit-Klimawandel: Nur rund 1280 Menschen überlebten

Inwieweit die Gehaltsaussichten ausreichen, um mehr Nachwuchs zu gewinnen, muss sich zeigen, denn die Befragung zeigt auch weitere erhebliche Unterschiede zwischen den Erwartungen von Schülerinnen und Schülern an die Arbeit und den Anforderungen vieler Hamburger Unternehmen an potenzielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Demnach schätzen die befragten Mädchen und Jungen etwa die Fächer Mathematik, Englisch, Deutsch und vor allem Informatik weit weniger, als es die Betriebe tun. Lernbereitschaft halten 40 Prozent der Schüler für sehr wichtig – aber 60 Prozent der Betriebe legen darauf großen Wert. In-

teresse an neuen Technologien schätzen 19 Prozent der Jugendlichen als bedeutend ein, wohingegen 40 Prozent der Firmen dies für sehr wichtig halten. Für Peter Golinski, Geschäftsführe r Bildung, Arbeitsmarkt Fachkräfte bei Nordmetall, ergibt sich viel Handlungsbed arf: „Die Metall- und Elektroindustri e wird Praktika noch stärker als bisher bewerben. Auch das duale Studium muss noch stärker beworben werden“, sagte er. „Die Unternehmen sollten ihre Angebote noch intensiver an potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herantragen.“

experten bezweifelt. Die Hamburger Sparkasse sieht für eine weitere Leitzins-Erhöhung die Chancen bei 50:50. Dennoch gibt es für Anleger eine Reihe von Möglichkeiten, um die Folgen der Inflation – derzeit 6,1 Prozent – abzumildern. stp

Seite 26 Die Anlage-Ratschläge

Hamburg. Die Strafe soll „auf dem Fuße folgen“: Die Hamburger CDU-Fraktion fordert in einem Bürgerschaftsantrag ein schnelleres und härteres Vorgehen gegen sogenannte Klima-Kleber. Das Hamburgische Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung solle dahingehend geändert werden, dass etwa Aktivis-

Barkasse ging unter: Der Tag, der Hamburg entsetzte

Seite 14 Die überraschende Befragung

Richtig Geld anlegen – was CDU: Bis zu 30 Tage Gewahrsam Finanzexperten jetzt empfehlen für Hamb urger Klima-Kleber

Hamburg. Was sollten Sparer tun, um sich längerfristig gute Zinsen aufs Festgeld zu sichern? Innerhalb eines Jahres hat die Europäische Zentralbank in neun Schritten den Leitzins von null auf derzeit 4,25 Prozent angehoben. Doch ob es bei der nächsten EZB-Sitzung am 14. September so weitergeht, wird von vielen Finanz-

Shanghai. War die Menschheit fast ausgestorben? Nach komplizierten GenomAnalysen wollen chinesische Forscher herausgefunden haben, dass nach einem Klimawandel vor 900.000 Jahren nur rund 1280 menschliche Individuen überlebten. Seite 18 … und dann kam das Feuer

ten der Gruppe „Letzte Generation“ nach Blockadeaktionen wie im Juli auf einem Rollfeld des Flughafens für bis zu 30 Tage in Gewahrsam genommen werden können. Bisher beträgt die Höchstdauer dafür nur zehn Tage. mha Seite 2 Kommentar Seite 8 Bericht

DPA

München. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält an seinem Stellvertreter Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fest. „Eine Entlassung wäre nicht verhältnismäßig“, sagte er. Er habe ein langes Gespräch mit dem Wirtschaftsminister über das antisemitische Flugblatt aus dessen Schulzeit geführt. Dieser „hätte die Vorwürfe früher und umfassender aufklären müssen“, so Söder. Jetzt müsse er Vertrauen zurückgewinnen. Scharfe Kritik übten SPD und Grüne an Söders Entscheidung. Seite 2 Leitartikel Seite 4 Bericht

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MARCELO HERNANDEZ

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Hamburg. Es war eine Katastrophe, die 19 Menschen das Leben kostete und Hunderttausende Hamburger schockierte: der Untergang der Barkasse „Martina“ am Abend des 2. Oktober 1984. „Wie die ,Titanic‘ im Kleinen“, sagte eine Überlebende. Seite 11 Die neue Folge der 75-Jahre-Serie

Wer sollte sich jetzt gegen Corona impfen lassen? Hamburg. Mitte September sollen angepasste Impfstoffe gegen die neuen CoronaVarianten verfügbar sein. Wer braucht sie? Was Ä


TERMINE

Termine von NORDMETALL, NORDMETALL-Stiftung und AGV NORD

Mitgliederversammlung, Treffen zum Netzwerken, Informationsveranstaltungen zu Arbeitsrecht, Bildungsfragen oder der Stiftungsarbeit — die norddeutschen Industrieverbände NORDMETALL und AGV NORD sowie die NORDMETALL-Stiftung bieten ein reichhaltiges Angebot. Nähere Informationen zu Anmeldung, Ablauf, Referenten, kurzfristigen Änderungen sowie weitere Termine finden Sie auf unserer Homepage unter www.meinarbeitgeberverband.de/veranstaltungen.

Oktober 11.10.2023

Frauen in Führung: Führung im Tandem

online

NM / AGV Nord

12./13.10.2023

Chefseminar: Transformationsresilienz für die Führungskraft von morgen - eine Reisebegleitung durch unbeständige Zeiten Dozenten: Frank Ostoff und Jörn Hendrik Ast

Tagungshotel Schloss Hasenwinkel, Bibow

NM / AGV Nord

23.10.2023

nordbord MINT-Club, Workshop TikTok – kreativer Umgang mit Medien und Selbstausdruck

Technische Akademie Nord, Kiel

NM

25.10.2023

nordbord MINT-Club, MEiN Unternehmenstag bei Dräger

Drägerwerk, Lübeck

NM

26.10.2023

nordbord MINT-Club, MEiN Unternehmenstag bei Lürssen

Lürssen Werft, Lemwerder bei Bremen

NM

07.11.2023

Informationsveranstaltung zur Zeitarbeit

online

NM / AGV Nord

07.11.2023

nordbord MINT-Club, Online-Bewerbungstraining von Airbus

online

NM

08.11.2023

Frauen in Führung: Digitale Weiterbildung Female-Leadership-Programm

online

NM / AGV Nord

14.11.2023

Frauen in Führung: Cross-Mentoring für KMU in Mecklenburg-Vorpommern

online

NM / AGV Nord

16.11.2023

Workshop „For Men Only – Tools für inklusiveres Führen“

online

NM / AGV Nord

20.11.2023

Workshop „Gender Equality – Tools für inklusiveres Führen“

online

NM / AGV Nord

20./21.11.2023

Chefseminar: Auf den Punkt gebracht: Klare Botschaften verständlich und prägnant formulieren Dozentin: Susanne Westphal

Tagungshotel Schloss Hasenwinkel, Bibow

NM / AGV Nord

21./22.11.2023

Ausbildungskonferenz

NORDAKADEMIE Graduate School Dockland Hamburg

NM / AGV Nord

23.11.2023

46. Martinsgansessen

Hotel Atlantic, Hamburg

NM / AGV Nord

29.11.2023

Expertinnen-Netz. Mentoring für Frauen in Hamburg

online

NM / AGV Nord

November

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NORDMETALL Standpunkte

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Stiftung

Bildungsministerium und Zivilgesellschaft in Kooperation: Ministerin Karin Prien (CDU) zusammen mit Dr. Markus Warnke (Wübben Stiftung Bildung, l.) und Thomas Lambusch (NORDMETALL-Stiftung, r.) beim Auftakt des LeadershipLab.SH.

Welche innovativen Fortbildungssettings inspirieren Schulleitungen und -aufsichten für die Ausgestaltung eines zukunftsfähigen Bildungssystems? Das Pilotprojekt LeadershipLab.SH findet ab dem Schuljahr 2023/2024 Antworten auf diese Frage und wird dabei unter anderem von der NORDMETALL-Stiftung gefördert und begleitet. Organisation von Stundenplänen oder Verwaltung des Lehrpersonals, das war einmal. Heute müssen sich Schulleiterinnen und -leiter um weit mehr kümmern. Multifunktionale Alleskönner sind jetzt gefragt – Visionäre, Motivatoren, Organisatoren, Pädagogen, Budget-Strategen und oft auch Krisenmanager. Doch wie können Schulleitungen die nötigen Kompetenzen erwerben und kontinuierlich weiterentwickeln, um diesen komplexen Anforderungen gerecht zu werden? Als Experimentierraum für schulische Führungskräfte sucht das neue LeadershipLab.SH eine Antwort auf diese drängende Frage. Das agile Angebot soll Schulleitungen und -aufsichten fokussiert weiterbilden, miteinander ins Gespräch brin-

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NORDMETALL Standpunkte

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gen – und neue Blickwinkel eröffnen. Mit dem Schuljahr 2023/2024 ist die Pilotphase für das innovative Programm gestartet, zunächst ausgelegt auf drei Jahre und mit 1,13 Millionen Euro ausgestattet. Entwickelt wurde das LeadershipLab.SH mit Unterstützung der NORDMETALL-Stiftung, der Wübben Stiftung Bildung sowie vielen Beteiligten aus SchleswigHolstein. Es soll mit innovativen Formaten die Qualifizierungsangebote des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) ergänzen. „Wir befinden uns derzeit in einem intensiven Prozess der Weiterentwicklung von Schule und Unterricht. Dabei sind Schulleitungen und Schulaufsichten besonders gefordert“, betonte Karin Prien (CDU), Bildungsmi-

Illustration: shutterstock / Mr.Timoty, Sonya illustration, Foto: Camilla Hochmann

Führung in der Schule


nisterin des Landes Schleswig-Holstein und Kuratoriumsmitglied der NORDMETALLStiftung, bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. „Dank der Förderung der beiden Stiftungen können wir mit dem LeadershipLab.SH ein weiteres praxisnahes und hochwertiges Angebot unterbreiten, das auch als Experimentierraum genutzt werden kann“, freut sich die Ministerin.

Neue Wege gehen

Fotos: Kai-Ole Nissen, Camilla Hochmann

Ein wichtiges Ziel des LeadershipLabs ist es, Schulleitungen und -aufsichten in der pädagogischen Führung und dem Management von Schule zu professionalisieren. Dazu gehören die persönliche Weiterentwicklung sowie die Vernetzung mit anderen Führungskräften – zum Beispiel auch aus der Wirtschaft. „Wir glauben, dass die Beteiligung vielfältiger Perspektiven entscheidend ist für das Gelingen der dringend erforderlichen Weiterentwicklung von Schule in den kommenden Jahren", kommentiert Kirsten Wagner, Geschäftsführerin der NORDMETALL-Stiftung, den Ansatz. Man wolle mutiger werden und neue Wege gehen. Deshalb startete im September das „Wirtschaftsvolontariat“. Schulleitungen haben dadurch die Möglichkeit, bei regional ansässigen Unternehmerinnen und Unternehmern zu hospitieren. Für das Frühjahr ist ein Gegenbesuch in den Schulen geplant. Thomas Lambusch, Vorstandsvorsitzender der NORDMETALL-Stiftung und Ehrenpräsident von NORDMETALL, begrüßt die Verbindung von Schule und Wirtschaft: „Die Fähigkeiten und Qualitäten, die eine gute Führungskraft in einem Unternehmen oder einer Schule benötigt, können Parallelen haben. Die Betrachtung von Leadership aus unterschiedlichen

Termin im Büro der Bildungsministerin Karin Prien (CDU, 2. v. l.): Kirsten Wagner (NORDMETALL-Stiftung, l.) und Dr. Martin Warnke (Wübben Stiftung Bildung, r.) bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung des LeadershipLab.SH.

Experimente und Innovation in der Schule – wie gelingt das? Dieser Frage widmen sich Arbeitsgruppen bei der Kick-off-Veranstaltung im Kieler Landtag.

System-Perspektiven hat für alle Beteiligten einen Mehrwert.“ Im Pilotjahr 2023/2024 stehen außer den Hospitationen auch das Lernen in Netzwerken sowie digitale Kurzimpulse auf dem Programm.

Gemeinsam für eine bessere Bildung

Seinen Standpunkt vertrat Lambusch auch beim feierlichen Auftakt des LeadershipLabs am 13. September im Kieler Landtag: Gemeinsam mit Bildungsministerin Prien sowie Expertinnen und Experten aus dem Bildungssektor erörterte er vor rund 70 Gästen aus Schulleitung, Bildungsadministration und -politik, wie nachhaltige Innovation und Educational Leadership gelingen könnten. Das sei dringend notwendig, da in den kommenden Jahren durch neue Technologien und gesellschaftliche Entwicklungen große Veränderungen bevorstünden, so Lambusch. „Doch mit der richtigen Führungspraxis und einem starken Netzwerk können Schulleitungen diese Veränderungen nicht nur bewältigen, sondern auch als Chance begreifen, um Bildung besser und zugänglicher zu gestalten.“ Fakt ist, dass Schulleitungen und -aufsicht in immer komplexeren Zeiten eine Schlüsselrolle für die Schulqualität und den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern spielen. Folglich sind neue Formen der systematischen Qualifizierung von schulischen Führungskräften ein wichtiger Schritt in Richtung eines Bildungssystems, das sich kontinuierlich an die Bedürfnisse der kommenden Generationen anpasst. In SchleswigHolstein ist mit der Kooperation von Ministerium, Schulbehörde, Bildungsträgern und Zivilgesellschaft ein erster wichtiger Schritt getan. Und womöglich entwickelt diese zukunftsorientierte Initiative Strahlkraft auch auf andere Bundesländer. Jannick Leunert

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NORDMETALL Standpunkte

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Wie umgehen mit Rachebewertungen? Job-Plattformen wie Kununu, auf denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Urteile über ihren Arbeitgeber fällen können, werden beim Kampf um die besten Köpfe immer wichtiger. Doch dies lockt auch Beschäftigte an, die ihren Frust herauslassen. Aber gegen falsche Tatsachenbehauptungen gibt es Mittel und Wege.

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NORDMETALL Standpunkte

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Illustration: istock eduardrobert / shutterstock Shmer

Arbeitgeberbewertungsportale


in der Tat das simple Beispiel des angeblich verwehrten Homeoffice: „Der gesamte Außendienst arbeitet zum Beispiel im Homeoffice, wenn er nicht auf Reisen ist. Auch im Innendienst oder in der Entwicklung wurde im Homeoffice gearbeitet.“ Lischke ist überzeugt, dass es sich um Rachebewertungen handelt, verfasst von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Unfrieden das Unternehmen verlassen haben.

Foto: Christian Augustin

Bewertungen wichtig für die Jobsuche

Wer die Bewertungen der Norderstedter Firma Dinse auf dem Portal Kununu las, konnte das Schweißtechnikunternehmen für den Vorhof zur Hölle halten. „Ich war teils fassungslos, wie seitens der Geschäftsleitung Mitarbeiter vorgeführt und verhöhnt wurden“, heißt es in einem Kommentar. Homeoffice gebe es „0,0“. In einer anderen Bewertung ist zu lesen, dass „toxische Männlichkeit an der Tagesordnung“ sei: „Dessen sind sie sich auch bewusst und feiern sich dafür. Es war ein Graus, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.“ Aufstiegschancen gebe es nicht. Und die Firma sei eh ohne Perspektive: „Es ist ein altes Produktionsunternehmen, was es schwer haben wird, in 10 Jahren noch am Markt zu sein. Dafür müsste man eigentlich alles ändern.“ Inzwischen sind die Kommentare nicht mehr im Netz. Torsten Lischke, Geschäftsführender Gesellschafter bei Dinse, schaltete mit Erfolg einen Anwalt ein. „Die Bewertungen enthielten eine Fülle falscher Tatsachenbehauptungen, etwa bei den angeblich fehlenden Aufstiegschancen. Wir unterstützen unsere Mitarbeitenden bei Fortbildungen finanziell und zeitlich. Mehrere leitende Angestellte bzw. Vorgesetzte haben als Mitarbeiter in der Produktion oder in der Verwaltung bei uns begonnen und später Verantwortung als Führungskraft übernommen.“ Gegen das angeblich katastrophale Betriebsklima führt Lischke Weihnachtsfeiern und Sommerfeste sowie die jahrzehntelange Zugehörigkeit vieler Beschäftigter ins Feld. Lischke weiter: „Immer wieder bekomme ich positive Rückmeldungen von Kunden, Lieferanten und Besuchern, dass bei uns die gute Atmosphäre und Stimmung besonders auffällt.“ Dass die Verfasser es mit der Wahrheit nicht so genau nahmen, zeigt

Dinse hat dieses Problem keineswegs exklusiv. Alle Branchen werden zunehmend mit diesem Phänomen konfrontiert: Ehemalige oder frustrierte aktuelle Beschäftigte lassen im Schutz der Anonymität im Netz ihre Wut auf ein Unternehmen aus. Dies kann die Bewerberlage gerade im Zeichen des Fachkräftemangels weiter verschärfen. Nach einer aktuellen Studie eines interuniversitären österreichischen Forscherteams greifen knapp drei Viertel der Jobsuchenden in Deutschland (73,6 Prozent) auf Arbeitgeberbewertungsportale wie etwa Kununu zurück, um sich über infrage kommende Unternehmen zu informieren. Ein Fünftel (20,1 Prozent) nutzt diese Portale immer, rund ein Drittel (32,8 Prozent) häufig und drei von zehn Bewerberinnen und Bewerbern (29,8 Prozent) informieren sich dort gelegentlich. Kununu – der Begriff kommt aus der afrikanischen Sprache Suaheli und bedeutet „unbeschriebenes Blatt“ – gilt mit aktuell mehr als 5,2 Millionen Bewertungen zu über 565.000 Firmen im deutschsprachigen Sprachraum als klarer Marktführer bei den Job-Bewertungsportalen. Ähnlich wie beim Internetgiganten Amazon oder Reiseplattformen wie booking.com

Torsten Lischke Geschäftsführender Gesellschafter bei Dinse

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NORDMETALL Standpunkte

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können Nutzerinnen und Nutzer einen bis fünf Sterne für Kategorien wie Karriere und Gehalt, Unternehmenskultur und Arbeitsumgebung vergeben. Daraus errechnet Kununu einen Mittelwert, den sogenannten Score. Klar ist: Bei mittelständischen Unternehmen wie Dinse können schon wenige besonders schlechte Bewertungen diesen Wert nach unten ziehen.

Kununu verweist auf ein internes Regelwerk. Jede Bewertung werde automatisch kontrolliert und bei Verstoß gegen diese Regeln deaktiviert. Diskriminierende, beleidigende, rufschädigende, rassistische und vulgäre Aussagen seien nicht erlaubt. Doch zur Wahrheit gehört eben auch, dass Verfasser von Bewertungen nicht einmal nachweisen müssen, dass sie bei dieser Firma aktuell arbeiten oder gearbeitet haben – eine Kategorie analog zu Amazon („Verifizierter Kauf“) gibt es bei Kununu nicht. Theoretisch könnte also ein Beschäftigter seinen Freundeskreis bitten, schlechte Bewertungen zu platzieren. „Plattformen wie Kununu pressen Unternehmen in ein Vergleichsportal“, sagt Gunther Wolf, einer der renommiertesten deutschen Management-Trainer. Der Diplom-Ökonom und -Psychologe sieht zwar einen entscheidenden Unterschied zu Hotel- und Restaurantportalen: „Wer in einer fremden Stadt essen gehen möchte, orientiert sich oft an den Google-Bewertungen. Bei Kununu ist das anders. Wer einen Job sucht, informiert sich zunächst generell, bei welchen Unternehmen eine Bewerbung Sinn machen könnte. Erst im zweiten Schritt schaut er sich dann die Bewertungen an. Und wenn die eher negativ sind, bewirbt er sich lieber woan-

Gunther Wolf Management-Trainer

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NORDMETALL Standpunkte

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ders.“ Plattformen wie Kununu sind für Wolf daher „Bewerbungsverhinderungsportale“. Dies bestätigt die aktuelle Studie aus Österreich. Demnach verzichten 86,9 Prozent der Kununu-Nutzer bei einem Wert von unter 2,5 auf der Skala von eins bis fünf auf eine Bewerbung. „Bewertungsportale sind zum Ort der Wahrheit für Kandidatinnen und Kandidaten geworden“, sagt Professor Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien, Mitautor der Studie. Doch was können Unternehmen tun, um ihren Score zu verbessern? Und vor allem: Welche Mittel sind sinnvoll gegen Rachebewertungen? Wolf ist immer wieder überrascht, wie wenige Unternehmen sich mit der Suche nach Antworten beschäftigen: „Manche kennen diese Plattformen kaum.“ Dabei gehe es um die richtige Strategie. So hält es Wolf für einen Fehler, wenn die HR-Abteilungen nur negative Urteile bei Kununu kommentieren: „Wer sich entscheidet, auf Bewertungen zu reagieren, muss dies durchhalten können. Dazu gehört auch der Dank für eine positive

Foto: WOLF® Managementberatung

Unternehmen sollten mehr kommentieren


Bewertung.“ Fatal sei es, wenn man auf Rachebewertungen emotional reagiere. Kommentare wie „Wie wir ja beide wissen, waren Sie ja auch nicht ganz ohne“ würden alles noch schlimmer machen: „Das fällt aus Bewerbersicht auf das Unternehmen zurück.“ Stattdessen sollten die HR-Abteilungen ihre Führungskräfte sensibilisieren, alles zu versuchen, sich von Beschäftigten im Guten zu trennen: „Das mindert die Gefahr von Rachebewertungen.“ Um den Score bei Kununu anzuheben, empfiehlt Wolf Appelle an die Belegschaft, Bewertungen abzugeben: „Das darf aber nicht aufgesetzt wirken, so nach dem Motto, jetzt vergibt hier jeder mal fünf Punkte für den eigenen Laden.“ Viel besser seien passende Anlässe – etwa die Pause in einer Fortbildung. Oder wenn die Abteilung über zu große Belastung klagt: „Dann kann die Führungskraft sagen, dass ein besserer Score bei Kununu zu einer besseren Bewerberlage führt.“

Foto: Rechts­anwalt Thomas Feil

Individuelle rechtliche Beratung suchen

Den juristischen Weg sieht Wolf dann als richtig an, wenn das Renommee des Unternehmens durch falsche Tatsachenbehauptungen leide – oder ganze Abteilungen diskriminiert würden. So verstieg sich bei Dinse ein Verfasser zu der Behauptung, der Haustechniker mache nur noch das Nötigste, weil er sich nach der Rente sehne. „Diese Beleidigung eines geschätzten Mitarbeiters konnten wir nicht akzeptieren“, sagt Lischke. Der rechtliche Kampf gegen Rachebewertungen hat sich inzwischen zu einem Markt entwickelt. Über Google werben Kanzleien mit Slogans wie „Aufgepasst – für nur 79 Euro Kununu-Bewertungen löschen lassen“ für ihre Dienste. Der Jurist Thomas Feil, der sich mit seiner Hannoveraner Kanzlei „recht-freundlich“ seit Jahren intensiv mit dieser Materie beschäftigt, ist bei diesen DumpingAngeboten skeptisch: „Dahinter stecken auf Massenverfahren spezialisierte Kanzleien, die auf Standardanschreiben an Kununu setzen. Die haben oft fünf Seiten, sehen beeindruckend aus, aber bestehen aus vorgefertigten Textbausteinen. Kununu schaut sich solche Schreiben genau an. Und wenn sie feststellen, dass die Briefe sich gar nicht konkret mit den schlechten Bewertungen auseinandersetzen, lehnen sie die gewünschte Löschung ab.“ Wer den Schriftsatz der von Dinse beauftragten Kanzlei studiert, begreift schnell, wie intensiv sich Juristen mit der Materie auseinandergesetzt haben. Punkt für Punkt

Thomas Feil Rechtsanwalt

werden die Behauptungen in den Kommentaren widerlegt. Zwar schreibt Kununu, dass man die Negativbewertungen nur vorübergehend deaktiviert habe. Man werde die Verfasser nun per Mail kontaktieren und Nachweise für ihre Tatsachenbehauptungen anfordern. In aller Regel gibt es auf diese Mails keine Reaktion, sodass es bei der Löschung bleibt. Allerdings ist mitnichten jede aus Arbeitgebersicht unerfreuliche Bewertung anfechtbar. „Gegen reine Meinungsäußerungen gibt es kaum eine Chance“, sagt Feil. Eine Bewertung wie „Ich empfand die Arbeitsatmosphäre als sehr belastend“, bleibe unangreifbar. Anders sei es jedoch, wenn – wie im Fall Dinse – behauptet wird, im gesamten Unternehmen herrsche „toxische Männlichkeit“. Dann müsse der Verfasser nachweisen, dass männliche Führungskräfte etwa herumbrüllen: „Wenn das nicht vorkommt, handelt es sich um eine falsche Tatsachenbehauptung.“ Allerdings bleiben die Unternehmen auch in solch klaren Fällen auf den Anwaltshonoraren sitzen. Kununu löscht nur – und beteiligt sich an den Kosten mit keinem Cent. „Die einzige Chance wäre, dass die Unternehmen im Kampf gegen Rachebewertungen die Verfasserin oder den Verfasser ausfindig machen und dann zivilrechtlich angehen“, sagt Feil. Diese Möglichkeit sei allerdings eher theoretischer Natur: „Selbst wenn das Unternehmen einen konkreten Verdacht hat, wer das geschrieben haben könnte, müsste der Betroffene dies schon selbst zugeben. Kununu wird den Namen nicht preisgeben.“ Dennoch scheint eine Investition in juristische Expertise, um eine Rachebewertung löschen zu lassen, deutlich interessanter als das Buchen eines kostenpflichtigen Firmenprofils bei Kununu, wo Unternehmen PR in eigener Sache machen können. Management-Experte Wolf ist skeptisch, ob sich diese Ausgaben mit Blick auf den Kampf um die besten Köpfe auszahlen: „Wer auf Kununu geht, will Bewertungen lesen.“ Peter Wenig

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Nachhaltigkeit

Die echten Klimaaktivisten

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lima ist das Megathema unserer Zeit – für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie aber keineswegs neu. Zahlreiche Betriebe der Branche verbessern seit vielen Jahren ihre Produkte im Hinblick auf Energieverbrauch und Nachhaltigkeit, optimieren ihre Produktionsprozesse, minimieren den Verbrauch natürlicher Ressourcen und heben immer wieder neue Potenziale zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. So auch die Firma Grundfos in Wahlstedt. Der 530 Mitarbeiter zählende Betrieb im Landkreis Segeberg gehört zum dänischen Grundfos-Konzern. Mit 16 Millionen Pumpen pro Jahr ist er weltweiter Marktführer auf sei-

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nem Gebiet. Die Firma beschäftigt in rund 100 Niederlassungen etwa 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Wahlstedt fertigt das Unternehmen Umwälzpumpen für die Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik sowie Abwasserhebe- und Druckerhöhungsanlagen für die Wasserversorgung. Geschäftsführer Josef Horber sagt: „Unsere Unternehmensgruppe will bis 2050 klimaneutral wirtschaften.“ Dazu gehört, dass die Produkte so konzipiert sein müssen, dass sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Denn Pumpen, so Horber, verbrauchen zehn Prozent des Stroms weltweit. Mit der Pumpe MAGNA und der integrierten Mischkreislösung MIXIT habe man sehr effiziente Produkte gebaut,

Foto: EDUR

Energiemanagement, Nachhaltigkeit, Biodiversität – was M+E-Unternehmen für den Klimaschutz tun.


Die EDUR-Pumpenfabrik hat vor rund zehn Jahren neue Gebäude für Produktion und Verwaltung errichtet. Über die hohen baulichen Standards hinaus wurde eine Abluftanlage zur Wärme-Rückgewinnung installiert.

die nur 20 Prozent der Energie veralteter Umwälzsysteme verbrauchen.

Viele kleine Aktivitäten – große Wirkung

Im Betrieb in Wahlstedt hat Grundfos jede Menge Initiativen angeschoben, die den Energieverbrauch reduzieren. So wurde 2022 ein Ortungsgerät für Druckluftleckagen angeschafft. „Seitdem entdecken wir kontinuierlich Schwachstellen und beseitigen sie“, berichtet Horber. Allein 2022 hat das Unternehmen durch die Leckage-Ortung mehr als 11.000 Kilowattstunden Energie ein­gespart. Ebenfalls im vergangenen Jahr hat der Betrieb seine Hallenbeleuchtung auf energiearme LEDs umgestellt. Stromeinsparung: rund 230.000 Kilowattstunden. Darüber hinaus wurden Hallen- und Bürotemperaturen gesenkt und so fast 20.000 Kilowattstunden eingespart. Zudem engagieren sich Auszubildende im Rahmen des Energie-Scout-Programms der Industrie- und Handelskammern. Sie haben eine Produktionsmaschine unter die Lupe genommen und Einsparpotenziale gefunden. Damit nicht genug: Grundfos hat für mehr Biodiversität eine Bienen-AG mit Wildblumenwiese ins Leben gerufen und produziert seinen eigenen Honig. Die Konzernzentrale aus Dänemark unterstützt das ehrenamtliche und ausdrücklich außerhalb der Arbeitszeit ausgeübte Engagement der Wahlstedter Beschäftigten mit einem fünfstelligen Betrag.

Fotos: EDUR, Grundfos / www.olivermaier.com

Biodiversität und valide Datenlage

Ein ähnliches Projekt hat auch der Sondermaschinenbauer Broetje-Automation (BA) aus Rastede bei Oldenburg initiiert. Die Firma liefert Anlagen und Produktionssysteme für nahezu alle Flugzeugbauunternehmen der Welt und beschäftigt an 23 Standorten in sieben Ländern etwa 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir haben im Rahmen eines Biodiversitätsprojektes an unserem Rasteder Standort eine große Blühwiese mit 25 Obstbäumen angelegt und ein Bienenvolk angesiedelt“, berichtet Nachhaltigkeitsmanagerin Wiebke Blankemeyer. Das sei aber nur ein kleiner Baustein in der umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. So erfasst die Firma seit 2021 an ihren Standorten in Deutschland, Frankreich, USA, China, Japan und Großbritannien ihre Energieaufwendungen und Emissionen systematisch. „Wir neh-

Bei EDUR wird nicht eine Pumpe in Serie gebaut. Kern der Produktstrategie ist die optimale Auslegung jeder einzelnen Kreiselpumpe auf die jeweilige Anwendung.

men am Carbon Disclosure Project (CDP) teil, das weltweit anhand von standardisierten Fragebögen Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken sowie Reduktionszielen und -strategien von Unternehmen erhebt“, berichtet Blankemeyer. So schaffe man die Datengrundlage für künftige Einsparpotenziale und Verbräuche.

Langlebige Produkte und Ökostrom

Die EDUR-Pumpenfabrik in Kiel, ein familiengeführter Betrieb mit 120 Beschäftigten, setzt seit Jahrzehnten auf die Verbesserung von Produkten und Prozessen. Der Mittelständler baut Kreiselpumpen unter anderem für die Einsatzbereiche Flüssiggas, Kältetechnik, Energietechnik sowie Wasser- und Abwassertechnik. Die Pumpen finden nicht nur in nachhaltigkeitsrelevanten Anwendungen Einsatz, etwa bei der Gewinnung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff, sie sind auch auf Langlebigkeit hin konzipiert. So werden sie im Schadensfall nicht sofort gegen neue ausgetauscht, sondern oft repariert. „In einigen Anlagen sind unsere Kreiselpumpen aufgrund ihrer Langlebigkeit teils mehrere

Das neue Druckluftleckage-Suchgerät der Firma Grundfos. Es hat bereits erheblich zur Energieeinsparung beigetragen.

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Eigener Strom vom Hallendach

Als einen zentralen Baustein in der Dekarbonisierungsstrategie seines Unternehmens bezeichnet Bernhard Funke, Geschäftsführer von Märtens Transportbänder aus Flensburg, die Installation einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) auf dem Dach der Produktionshalle. Der Spezialmaschinenbauer fertigt mit rund 90 Beschäftigten Transportbänder aus Kunststoff und Metall und ist damit Auf dem Hallendach der UNITRON Schweißzusatzwerkstoffe wurden insgesamt 248 Solarmodule installiert.

einer der führenden Anbieter in Europa. Im Sommer 2022 startete der Bau der PV-Anlage auf einer Dachfläche von rund 1.800 Quadratmetern. Sie soll pro Jahr rund 240 Megawattstunden Strom liefern, damit könnte man 80 Einfamilienhäuser ein ganzes Jahr lang versorgen. Funke kann aber berichten, dass in den ersten vier Betriebsmonaten bereits 170 Megawattstunden Strom erzeugt wurden. „Erheblich mehr, als wir erwartet hatten.“ Rund 50 Prozent des gesamten Strombedarfs für Fertigung und Verwaltung wollte man ursprünglich mit der Anlage decken, nun geht er davon aus, dass dieser Wert übertroffen wird. Funke legt anderen Unternehmen nahe, dem Beispiel zu folgen. „Auch wenn die Anbindung einer solchen Anlage an das deutsche Stromnetz und die dafür notwendigen Zulassungen und Meldungen bei diversen Stellen eine sehr herausfordernde Aufgabe darstellen, kann ich die Investition nur empfehlen.“

Grüner Strom und innovative Produkte

Grünen Strom vom Dach erzeugt auch die MHG Heiztechnik aus Buchholz in der Nordheide. Dort und in Lage in Nordrhein-Westfalen produziert der innovative Mittelständler mit einer rund 120-köpfigen Belegschaft heiztechnische Systeme sowohl für fossile als auch für erneuerbare Energien. MHG-Chef Julian Bonato fühlt sich dem Klimaschutz verpflichtet. Das Credo des Unternehmers, der auch als AGV-NORD-Vorsitzender aktiv ist: „Das Ziel, den weltweiten Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, ist erreichbar. Wir müssen unseren CO2-Ausstoß erheblich senken, deshalb sollten die Heizungen in unseren Häusern kein Kohlendioxid mehr freisetzen.“ Dafür tut MHG einiges. So hat das Unternehmen den Kohlendioxid-Ausstoß seiner Produkte seit 1990 um Die Photovoltaikanlagen der MHG Heiztechnik erzeugen Strom in einer Größenordnung von mehr als 60.000 Kilowattstunden pro Jahr. Zudem hat das Unternehmen eine Ladesäule und zwei Wallboxen für insgesamt sechs Elektrofahrzeuge installiert, zwei zusätzliche Wallboxen sind in Planung.

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Fotos: UNITRON, MHG Heiztechnik

Jahrzehnte aktiv gewesen“, berichtet Marketingleiterin Jasmin Rosenberg. Als EDUR 2014 einen Neubau eröffnete, wurde das Gebäude mit der damals höchsten Energieeffizienzstufe errichtet. Zusätzlich zu baulichen Standards wie guter Isolierung oder der Dreifachverglasung der Fenster wurde auch eine Abluftanlage zur Wärmerückgewinnung installiert. Damit spart EDUR rund 240 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Zuletzt wurden die Leuchtmittel in der Produktion durch energiesparende LEDs ausgetauscht. Zudem bezieht die Firma Ökostrom der lokalen Stadtwerke, der zu 100 Prozent aus regenerativen Energien stammt.


Mehr Umweltschutz und Effizienz im Operationssaal. Dräger Anästhesiegeräte tragen dazu bei.

40 Prozent reduziert und entwickelt das Produktportfolio konsequent in Richtung Wasserstofftauglichkeit und Einsatz von Grünstrom weiter. Klar, dass auch an den eigenen Werksstandorten viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird. So hat MHG auf zwei Gebäuden in Buchholz in den Jahren 2017 und 2021 zwei PV-Anlagen installiert, die jährlich insgesamt 63.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Damit spare man rund 180.000 Kilogramm CO2 pro Jahr ein, sagt Bonato.

Photovoltaik, Ladesäulen, Infrastruktur

Eine PV-Anlage hat sich auch der Spezialbetrieb UNITRON Schweißzusatzwerkstoffe aufs Hallendach gesetzt. Das Unternehmen in Schortens bei Wilhelmshaven ist auf die technische Beratung und den Vertrieb von Produkten aus dem Bereich der Schweiß- und Schneidtechnik spezialisiert. 2022 hat UNITRON ein neues Logistikzentrum fertiggestellt, das als Effizienzgebäude 40 EE der ,,Erneuerbare Energien Klasse‘‘ gebaut wurde. Auf das Hallendach wurde eine PV-Anlage gesetzt, die jährlich knapp 965 Kilowattstunden Strom produziert und damit CO2-Emissionen in einer Größenordnung von etwa 45.000 Kilogramm reduziert. Zwei ebenfalls neu installierte Ladesäulen mit vier Ladepunkten versorgen E-Fahrzeuge mit grünem Strom vom eigenen Dach.

Foto: Dräger

Innovationen fürs „Green Hospital“

Konkrete Ziele in puncto Nachhaltigkeit verfolgt auch das Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Dräger mit Sitz in Lübeck. Der weltweit aktive Konzern mit mehr als 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern will

bis 2045 CO2-neutral sein. Im Jahr 2022 gelang es, die CO2-Emissionen um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu vermindern. Seit den 1990er-Jahren unternimmt Dräger große Anstrengungen im Bereich Kreislaufwirtschaft. Mitarbeiter demontieren jährlich mehr als 100 Tonnen Medizinund Messtechnik, Sensoren, Filter sowie andere Verbrauchsmaterialien aus Kundenrückgaben. Einzelteile, Tester, Sensoren, Leiterplatten und Gehäuse werden nach der Demontage in den Kreislauf zurückgeführt. Ein großes Thema in der Medizintechnik ist das „Green Hospital“, ein Trend, der Müllberge und Energiebilanzen im Fokus hat und ein nachhaltiges Gesundheitssystem aufbauen will. Auch Operationssäle können ihren Teil dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck zu verringern. Vor allem Narkosegase sind ins Visier gerückt, denn rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen eines Krankenhauses entfallen auf die Nutzung inhalativer Anästhetika. Sie sind hochpotente Treibhausgase, deren Reduzierung bereits im Kyoto-Protokoll von 1997 vereinbart wurde. Problem in der Vergangenheit: Für eine möglichst sichere Narkose brauchten die Mediziner sehr viel dieser wenig umweltschonenden Substanzen. Nun erfüllen moderne Dräger Anästhesiegeräte die Voraussetzungen, um eine sogenannte Low-Flow-Anästhesie durchzuführen. Sie reduziert den Verbrauch der Anästhetika sowie von Lachgas und Sauerstoff signifikant. Mit Minimal- und Low-Flow-Anästhesien können die Narkosegasemissionen um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Lothar Steckel

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WIR FÜR SIE

Unsere Frau in Schwerin Kathrin Köhn leitet seit Juli die Schweriner Geschäftsstelle von NORDMETALL und AGV NORD. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht ist Nachfolgerin von Edgar Wonneberger.

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leich zu Beginn des „Standpunkte“Gesprächs mit Kathrin Köhn klingelt das Telefon. „Sorry, aber ich muss mal kurz die Welt retten“, sagt sie lächelnd und nimmt den Hörer ab. Ganz so groß war das Problem des Anrufers zum Glück nicht, aber der fröhlichen Syndikusrechtsanwältin ist jedes Anliegen eines Mitgliedsunternehmens wichtig. Seit März 2023 ist die gebürtige Lübeckerin bei NORDMETALL und AGV NORD an Bord. Seit Juli leitet sie als Nachfolgerin von Edgar Wonneberger die Geschäftsstelle in Schwerin. Kathrin Köhn bringt unterschiedlichste Berufserfahrungen mit: Nach dem Abitur ging sie als Au Pair nach Madrid und als Jugendgruppenleiterin und Rettungsschwimmerin in die USA. Dem Jurastudium in Saarbrücken und Madrid und dem Referendariat, unter anderem beim DGB Rechtsschutz, folgten verschiedene berufliche Stationen. „Andere Länder faszinieren mich und ursprünglich wollte ich mich auf Europarecht spezialisieren“, sagt Köhn. Dann aber überwog doch die Begeisterung für das Arbeitsrecht. Die Verbändewelt hat Köhn beim Verband der M+E-Industrie Sachsen- Anhalt und dem Verband der Ernährungswirtschaft in Hannover kennengelernt. Ihrem Faible für Internationales frönt die 48-Jährige mittlerweile mit Urlauben von Europa bis Südamerika. 2019 wechselte die Volljuristin als Abteilungsleiterin Compliance und Recht zum DVZ Datenverarbei-

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Foto: Christian Augustin

Folge 42: Kathrin Köhn

tungszentrum Mecklenburg-Vorpommern nach Schwerin. „Das war eine interessante Stelle, aber ich wollte lieber wieder in einer kleineren Organisation sein und mich auf Arbeitsrecht konzentrieren“, erklärt Köhn ihre Motivation zur Rückkehr in einen Verband. Also bewarb sie sich als Nachfolgerin von Edgar Wonneberger. An der Leitung der Schweriner Geschäftsstelle fasziniert sie besonders die Verschiedenheit der Mitgliedsunternehmen. Das Spektrum reicht von kleineren Betrieben ohne Personalabteilung bis zu Standorten großer Konzerne. „Ich mag es sehr, mit den Unternehmen ganzheitliche Lösungen zu finden, also nicht nur den rechtlichen Blick zu haben, sondern auch den betriebswirtschaftlichen Hintergrund miteinzubeziehen“, sagt sie. Zusätzlich schätzt Köhn auch ihre Arbeit als Geschäftsführerin Arbeitsrecht und Soziale Sicherung in der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern. Als Ausgleich für die viele Kopfarbeit rudert die Sportbegeisterte seit mehr als 35 Jahren, tanzt, macht Yoga und pflegt ihren großen Freundeskreis. DJ

Kontakt für Mitglieder: Kathrin Köhn Tel.: 0385 6356-261 E-Mail: koehn@nordmetall.de


Preiskorrektur für energieintensive Werkstoffe

GRAFIK DES MONATS

Preise für M+E-Produkte steigen weiterhin 110 % 100 % Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen Aluminium und Halbzeuge aus Aluminium Kupfer und Halbzeuge aus Kupfer Vorleistungsgüter Platten, Folien und Profile aus Kunststoff Konsumgüter Produkte der M+E-Industrie Investitionsgüter

80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0%

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Preissteigerungen seit 2020

90 %

Jährliche Inflationsraten im Rückwärtsgang Kerninflation bleibt weiterhin hoch Veränderung der Produktpreise im Juli 2023 gegenüber Juli 2022: Außenhandelspreise

-3,2 % Export

Erzeugerpreise (gewerblich)

-6,0 % insgesamt

+2,0 % ohne Energie

Großhandelspreise

-2,8 % insgesamt

-19,3 % Energie

-18,3 % Erze und Metalle

-13,2 % Import -47,4 % Energieimport + 3,8 % insgesamt

Produktpreise der M+E-Industrie

+ 6,2 % insgesamt

+ 5,5 % Kerninflation

Verbraucherpreise Quelle: DESTATIS, Gesamtmetall

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MEHRWERT VERBAND

Egal ob über den Desktop oder das Smartphone: NORDMETALL hält entgeltbezogene Daten zu mehr als 60 M+E-Berufen nun auch online bereit.

Folge 73: Entgeltbarometer

Detaillierte Daten jetzt online abrufbar NORDMETALL bietet seinen Mitgliedsunternehmen seit 15 Jahren ein besonderes Analyseinstrument: Das Entgeltbarometer gibt klare Antworten darauf, wie bestimmte Arbeitsaufgaben in der M+E-Industrie aktuell vergütet werden. Seit August dieses Jahres ist eine detaillierte Übersicht dazu erstmals auch online abrufbar. „Wenn unsere Betriebe Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einstellen oder versetzen wollen, brauchen sie Sicherheit bezüglich der ,richtigen‘ Höhe des Entgelts“, sagt Dr.-Ing. Armin Bossemeyer, Experte für betriebliche Entgeltvergleiche und weitere statistische Erhebungen bei NORDMETALL, und fügt hinzu: „Die Höhe des Entgelts ist in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels ein entscheidender Faktor, um neues Personal zu gewinnen oder ungewünschte Personalwechsel zu vermeiden.“ Mit dem Entgeltbarometer online liefert NORDMETALL einen Überblick über die in Norddeutschland üblichen Entgelte von mehr als 60 Berufen der Metallund Elektroindustrie. Dazu zählen Monteure und Maschinenführer ebenso wie IT-Fachkräfte, Vertriebsund Konstruktionsingenieure. „Zurzeit gibt es keine Entgeltstatistik für Norddeutschland, die so gute und detaillierte Entgeltdaten zu typischen M+E-Berufen liefert wie das Entgeltbarometer. Jetzt können unsere Betriebe auch per Smartphone schnell auf wichtige Entgeltdaten zugreifen“, sagt Bossemeyer. „Am Entgeltbarometer nehmen auch viele kleine und mittelständische Betriebe ohne Tarifbindung teil, sodass wir mit unseren Entgeltwerten sehr dicht am realen Marktgeschehen sind. Dies interessiert oft auch tarifgebundene Betriebe“, so der NORDMETALL-Experte. Jedes Jahr nehmen rund 100 M+E-Unternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten aus dem ganzen Norden am

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Entgeltbarometer teil, um zu wissen, wie sie mit ihren Jobentgelten im Vergleich zu anderen Betrieben stehen. NORDMETALL und der AGV NORD arbeiten dabei eng mit Niedersachsenmetall zusammen. Um Ergebnisse des Entgeltbarometers online einsehen zu können, wird empfohlen, sich im Mitgliederbereich einzuloggen. Denn angemeldete Nutzerinnen und Nutzer erhalten weitaus mehr Informationen. Dazu zählen Vergleichsmöglichkeiten aufgeschlüsselt nach Branche, Betriebsgröße, Region und den drei Einstufungen Starter, Könner und Experte. Zudem sind Kennwerte zu Einstiegsverdiensten von Hochschulabsolventen sowie zur Altersstruktur und Betriebszugehörigkeit von Beschäftigten verfügbar. Die online bereitgestellten Daten sind Auszüge aus dem aktuellen Entgeltbarometer für ganz Norddeutschland. Mitglieder, die am Entgeltbarometer aktiv teilnehmen und dem Verband ihre eigenen Daten zur Verfügung stellen, erhalten eine betriebsindividuelle Auswertung mit weitaus mehr Entgeltinformationen zu jedem Jobprofil. Der Ergebnisbericht für die teilnehmenden Betriebe umfasst mehr als 80 Seiten. Die Teilnahmeunterlagen für das Entgeltbarometer 2024 werden voraussichtlich im Januar an alle Mitgliedsbetriebe verschickt – selbstverständlich online. BiB

Kontakt: Weitere Informationen bei Dr. Armin Bossemeyer Tel.: 040 6378-4262 E-Mail: bossemeyer@nordmetall.de


Foto: iStock / clu, Illustration: Dirk Meissner

WIRTSCHAFTSZITAT

Marie von EbnerEschenbach 1830-1916 Österreichische Schriftstellerin

„Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, an die Ausübung der einfachsten gewendet würde.“ 3 / 2023

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Stapelhub auf der Hitzler Werft in Lauenburg

Foto: Christian Augustin

Rund 150 Gäste und Mitarbeiter verfolgten mit Spannung, wie kürzlich auf der Lauenburger Hitzler Werft das Forschungsschiff „Coriolis“ erstmals zu Wasser gelassen wurde. Der Neubau des Geesthachter Helmholtz-Zentrums Hereon hat eine Länge von 30 Metern und einen Tiefgang von lediglich 1,6 Metern. Damit kann das Schiff nicht nur die Küstengewässer der Nordund Ostsee befahren, sondern auch Flüsse. Die „Coriolis“ kombiniert als weltweit erstes Schiff Küsten-, Werkstoff-, Wasserstoff- und Membranforschung an Bord. Sie fährt mit einer Brennstoffzelle, die ihren Wasserstoff aus einem speziellen Metallhydrid-Speicher erhält. Ein weiteres Novum: Ein Großteil der Forschungsdaten soll auf einem öffentlich einsehbaren Dashboard in Echtzeit abrufbar sein, das bereits auf dem Vorgängerschiff „Ludwig Prandtl“ genutzt wird und über http://shorturl.at/iyM36 erreichbar ist. CvF

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Menschen und Meldungen Jubiläumsfeier Die Peene-Werft aus Wolgast nahe Usedom hat ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Etwa 800 Gäste, darunter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft, begingen das Firmenjubiläum auf der Werft. Als Gratulantin erschien auch die Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (l.). Geschäftsführer Harald Jaekel (r.) blickt positiv in die Zukunft: „Die Innovationsbereitschaft hier am Standort und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beeindrucken mich auch noch im zehnten Jahr als Geschäftsführer. Mit Unterstützung des Mutterhauses und der Eigentümerfamilien haben wir auch Rückschläge erfolgreich weggesteckt und den Werftbetrieb am Leben halten können. Darauf sind wir stolz. Nun blicken wir nach vorne und konzentrieren uns auf die aktuellen Aufgaben.“ AS

Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung hat die Kieler Werft thyssenkrupp Marine Systems (tkMS) die weltweit modernste Schiffbauhalle für konventionelle U-Boote eingeweiht. Das Unternehmen lud die Werftbeschäftigten und deren Angehörige Anfang September zu einem Familientag im Neubau ein. „Nach über zehn Jahren war es mal wieder Zeit für einen Familientag“, sagte Vorstandsvorsitzender Oliver Burkhard (Mitte). Die Halle am Ostufer der Kieler Förde ist 170 Meter lang, 70 Meter breit und etwa 35 Meter hoch. Das Gebäude erlaubt es, ohne den traditionellen Gerüstbau zu arbeiten. Die tkMS-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen kommen stattdessen mithilfe von flexiblen Bühnenelementen an die verschiedenen Segmente der Bootskörper heran. Die ersten Neubauten, die hier realisiert werden, sind Einheiten für Norwegen und Deutschland. „Wir verwenden in U-Booten inzwischen auch glasfaserverstärkten Kunststoff. Besonders dann, wenn es aufs Gewicht ankommt, denn der Kunststoff ist leichter als Stahl“, erklärt Werft-Gruppenleiter Oliver Hanel (nicht auf dem Foto) die Ausrüstung der Neubauten. AS

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Foto oben: Hans-Christian Plambeck / Gesamtmetall

Modernste Schiffsbauhalle der Welt


Radeln Zweck für einen guten

Die Firma Reese Techware aus Itzehoe hat 2.000 Euro an den Verein Mahmoo gespendet, der mit dem Geld eine Berufsschule im westafrikanischen Sierra Leone unterstützt. Jedes Jahr im Juni zahlt das Unternehmen für jeden von den Angestellten mit dem Dienstfahrrad zurückgelegten Kilometer 50 Cent in eine Spendenkasse. „Einige radeln jeden Tag 25 Kilometer – pro Strecke“, sagt Geschäftsführer Stefan Lammert (2. v. r.). Das in diesem Jahr gesammelte Geld wird in den neuen Computerraum der Berufsschule investiert. Marion von Oppeln (4. v. l.) und Lars Bressel (2. v. l.) leiten den kleinen Verein mit Sitz in holsteinischen Nortorf und unterstützen Hilfsprojekte in Kamakwie, einer Kleinstadt im Norden Sierra Leones. AS

Fotos: Jungheinrich, Verein Mahmoo / Reese Techware

Sonne tanken

Das Intralogistikunternehmen Jungheinrich in Hamburg-Wandsbek hat den bisher größten Solarparkplatz der Stadt eröffnet. Eingeweiht wurde die 1.100 Quadratmeter große Anlage Anfang September von Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard (r.), dem Jungheinrich-Vorstandsvorsitzenden Dr. Lars Brzoska (Mitte) sowie dem Vorstandsvorsitzenden des Industrieverbandes Hamburg Matthias Boxberger (l.). „Mit unserem Solarparkplatz produzieren wir saubere Energie genau dort, wo sie gebraucht wird – an den Ladestationen für die Elektroautos unserer Mitarbeitenden. Wir leisten damit unseren Beitrag zur Energieund Verkehrswende und kommen unserem Ziel, bis 2030 an allen Jungheinrich-Standorten einschließlich aller Werke CO2 -neutral zu werden, einen weiteren Schritt näher“, erklärte Lars Brzoska. Und Wirtschaftssenatorin Leonhard (r.) lobte: „Solche Maßnahmen sind ein wichtiger Beitrag, um unseren Planeten für kommende Generationen zu erhalten.“ Die Anlage verfügt über 630 Photovoltaikmodule, welche Strom für 52 E-Auto-Ladepunkte liefern. AS

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Menschen und Meldungen

Outdoor-Fitness Das Unternehmen Visiconsult aus Stockelsdorf bei Kiel hat in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung einen modernen Outdoor-Fitnesspark errichtet, gleich gegenüber der Firmenzentrale. Die Fitnessgeräte wurden von Visiconsult gesponsert und sind mit Übungsanleitungen für ein sicheres und effektives Training ausgestattet. Initiiert und koordiniert wurde das Projekt von Yvonne Richert (r.), Assistentin der Geschäftsführung bei Visiconsult. „Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen uns am Herzen. Daher war es uns ein Anliegen, einen Ort zu schaffen, an dem Bewegung, Fitness und Begegnung im Freien gefördert werden“, erklärt Richert. AS

Die Mubea hilft Stiftung aus Schwerin hat 2.500 Euro an den Kinderschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern gespendet. Die Stiftung wurde im Jahr 2010 gegründet und ist Teil des Unternehmens Mubea Aviation. Übergeben wurde der Spendencheck durch die Geschäftsführer Stefan Koch (Mitte) und Dr. Andreas Erber (2. v. l.) sowie Katja Meyer-Dupont (r.), Vorstand der Mubea hilft Stiftung, an Carsten Spieß (2. v. r.), Geschäftsführer des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern des Kinderschutzbundes. „Durch gemeinsame Spenden unserer Mitarbeiter und des Unternehmens im Rahmen der Mubea hilft Stiftung sind wir in der Lage, globale und lokale Hilfsprojekte langfristig zu unterstützen. Unser Ziel ist es dabei, Menschen unter die Arme zu greifen, die unverschuldet in Not geraten sind, erklärt Stefan Koch. Das Geld wird in ein neues Spielmobil investiert, das den verschiedenen Einrichtungen im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. AS

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Fotos: Mubea Aviation, Visiconsult

Großzügige Spende


AUS DER HAUPTSTADT Die im Einsatz für die Unternehmen Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) setzt sich seit mehr als 22 Jahren für ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ein, das auf Freiheit und Verantwortung fußt. Getragen wird das Engagement von den Arbeitgeber­ verbänden der Metall- und Elektroindustrie, darunter auch NORDMETALL. Hier berichten wir über die aktuelle Arbeit. Niedersachsen um einen Rang verbessert (7.), Schleswig-Holstein bleibt Neunter und Mecklenburg-Vorpommern rutscht einen Platz nach unten (11.). Insgesamt hat sich die Bildungsqualität in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert. Nur das Saarland und Hamburg verzeichnen größere Verbesserungen. Immerhin haben sich im Norden Schleswig-Holstein (+0,7) und Niedersachsen (+0,2) leicht verbessert, während in elf Bundesländern die Werte gesunken sind. Hauptgrund für die Probleme ist, dass viele Kinder vor dem Schuleintritt kein Deutsch sprechen oder in bildungsfernen Haushalten aufwachsen. Die Schulen sind dafür nicht gerüstet. Sie kämpfen mit Lehrkräftemangel und einer schleppenden Digitalisierung. Eine gezielte Sprach- und Leseförderung und ein gutes Bildungscontrolling sollten daher auf die To-doListe aller Bildungspolitiker in Deutschland.

Bildungsmonitor 2023: Hamburg bleibt Positivbeispiel Im INSM-Bildungsmonitor kann Hamburg die Ernte seiner Anstrengungen der vergangenen Jahre einfahren mit einem respektablen vierten Platz. Dank vermehrter Vergleichsarbeiten an den Schulen und einer gezielten Unterstützung dort, wo es nötig ist, hat sich Hamburg im Laufe der Jahre nach oben gearbeitet. „Wir müssen auf Qualität setzen, genau messen und gezielt fördern. Das ist der Weg“, so Studienautor Prof. Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft. Während im Gesamtranking die neuen die alten Sieger sind (Sachsen, Bayern und Thüringen auf Platz eins bis drei vor Hamburg), hat sich am unteren Ende auch nichts geändert: Bremen bleibt mit Abstand Schlusslicht. Im Mittelfeld hat sich 8 Hamburger Abendbla

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DONNERSTAG, 31. AUGUST 2023

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Donnerstag, 31.

10-Jahresvergleich im INSM-Bildungsmonitor August 2023

Familienstadt Hamburg! Was ist das eigentlich?

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SPD-Fraktion lobt – Grüne sehen aberPolitik Verbesserungspote noch nzial

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Großes Interesse in den norddeutschen Medien an den Ergebnissen des Bildungsmonitors 2023.

MICHAEL RAUHE

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No r th e rn

Made in Germany

Tieftemperatur-Armaturen 1873

HEROSE – Bad Oldesloe

Fotos: Christian Augustin

Der Mittelständler aus Bad Oldesloe ist Weltmarktführer in der Herstellung von Armaturen für die Tieftemperaturtechnik. Gase wie Sauer- oder Wasserstoff erreichen im flüssigen Zustand extrem niedrige Temperaturen. Die Armaturen, die sich außerhalb der Lagertanks für solche tiefkalten Flüssigkeiten befinden, sind den Umgebungstemperaturen ausgesetzt. So haben sie bei Befüllung und Entnahme massive Schrumpfungs- und Ausdehnungsmomente und müssen erhebliche Temperaturunterschiede bewältigen. HEROSE aus Bad Oldesloe entwickelt Armaturen, die sowohl bei extremen Minus- als auch bei Plusgraden funktionieren. „Unsere Ventile haben sehr unterschiedliche Temperaturbereiche. Diese reichen von - 270 °C bis + 400 °C“, sagt Marketingleiter Mario Esche. Gegründet im Jahr 1873 von Theodor Rose in Hamburg-Altona, spezialisierte sich das Unternehmen zunächst auf Armaturen für den Schiffbau, die vorwiegend die Absicherung und Steuerung des Dampfkreislaufes übernommen haben. Im Jahr 1980 nahm HEROSE erstmals Ventile für tiefkalte Medien in sein Lieferprogramm auf. In den folgenden Jahren wandelte sich das Angebot des Unternehmens: Spezialanfertigungen gewannen an Bedeutung, während die Nachfrage nach Massenware abnahm. Nach einem Management-Buy-out im Jahr 1996 durch Wilfried W. Zschalich trennte sich HEROSE schließlich von den Schiffsarmaturen. Fortan konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf Armaturen und Lösungen für Transport, Lagerung und Prozessanlagen von tiefkalt verflüssigten Medien. Dazu gehören außer den Luftgasen wie Stickstoff oder Sauerstoff auch Erdgas und Wasserstoff. Insgesamt umfasst das Produktprogramm heute 13 unterschiedliche Armaturenarten mit unzähligen Ausprägungen, darunter Absperr-, Sicherheits- und Regelventile.

Mario Esche fasst die Funktion der Ventile zusammen: „Absperrventile werden vor allem zum Absperren von Rohrleitungen eingesetzt. Mithilfe einer drehbaren Spindel lässt sich das Ventil öffnen und wieder schließen. Ähnlich wie die Funktion eines Wasserventils. Sicherheitsventile haben die Aufgabe, in einem System den unzulässigen Überdruck abzuführen, der durch unterschiedliche Faktoren entstehen kann. Mithilfe einer Feder wird ein Kegel auf die Öffnung zum System gedrückt und geschlossen gehalten. Sobald der Druck im abzusichernden System die Federkraft übersteigt, öffnet das Sicherheitsventil. Bei den Regelventilen werden zum Beispiel Absperrventile mit zusätzlichen Bauteilen ausgerüstet, die es erlauben, den Durchfluss entsprechend der Anlagenanforderung zu regeln. Dies können ein besonderer Regelkegel oder auch eine elektrische Steuereinheit sein.“ Das Unternehmen beschäftigt am Standort Bad Oldesloe etwa 400 und weltweit 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. HEROSES Industriearmaturen finden unter anderem Verwendung in Krankenhäusern, Tanklastern sowie in Nahrungsmittel-, Pharma- und Chemiebetrieben. Der Fokus des Armaturenherstellers liegt jedoch nicht allein auf den herkömmlichen Industriegasen „Der LNG-Sektor ist seit Anfang der 2000er-Jahre ein Wachstumsmarkt für uns. Eine wesentliche Anwendung ist hier die Verwendung von Erdgas als Treibstoff für Schiffe, um die Abgasemissionen zu senken. Auf den Schiffen wird das Erdgas tiefkalt verflüssigt gelagert und dann nach Aufbereitung dem Motor zugeführt“, so Esche. Mit dem LNG-Geschäft kehrt HEROSE zu seinen Ursprüngen im Schiffbau zurück – back to the roots. Albina Stelle

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Martin M. Dassler, Geschäftsführender Gesellschafter der Turbo-Technik GmbH & Co. KG

TERMIN BEIM CHEF

Martin M. Dassler TURBO-TECHNIK

„Wenn ich in die Werkshalle komme und da sind mehr als 30 Mitarbeiter unterwegs, dann macht mich das nervös.“ Ein ungewöhnlicher Satz für einen M+EChef. Aber Martin M. Dassler sagt ihn mit voller Überzeugung. Und er hat allen Grund dazu: Seine Turbo-Technik GmbH & Co. KG ist die vielleicht internationalste Firma im beschaulichen Wilhelmshaven. Der Großteil der 130 festangestellten und noch mal gut 200 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schwärmt mit einem Auftrag aus der Zentrale an der Kaikante des Nordhafens regelmäßig in die weite Welt aus, um Pannenund Wartungsdienste für Seeschiffe und die Industrie zu leisten.

Foto: Christian Augustin

„Höchste Qualität, höchste Kundenzufriedenheit“

Das hat hier Tradition: „Mein Vater übernahm als gelernter Schiffsmaschinenschlosser in den 1960er-Jahren für internationale Schiffsmaschinenhersteller Wartungs- und Garantierarbeiten. 1967 gründete er hier in Wilhelmshaven schließlich sein eigenes Unternehmen“, berichtet Martin M. Dassler, den seine schwedische Mutter 1965 in Göteborg zur Welt brachte. Der Firmenname Turbo-­

Technik leitet sich von der früher in Schiffen üblichen Dampfturbinentechnik ab. In den Folgejahren half der Firmengrundsatz „höchste Qualität bei höchster Kundenzufriedenheit“, um sowohl Kundenstamm als auch Leistungsspektrum sukzessive wachsen zu lassen. So entwickelte sich Turbo-Technik seit Mitte der 1970er-Jahre auch zum regelmäßigen Partner für den Bau und die Wartung von LNG-Tanks und LNG-­ Equipment an Bord von Schiffen. Kooperationen und Serviceverträge mit namhaften Motorenherstellern wie beispielsweise Kawasaki und Mitsubishi kamen dazu. Aber auch in der Nachbarschaft wurde man auf das aufstrebende Unternehmen aufmerksam: Die Bundesmarine, mit acht Marineanlagen in der Stadt bestens vertreten, erteilte Aufträge zu Wartung oder Umbau militärischer Spezialschiffe. Martin M. Dassler lernte das Geschäft mit den „großen Pötten“ von fast allen Seiten kennen: Während des Studiums der Betriebswirtschaftslehre nahm er Ende der 1980er-Jahre das Angebot einer Schiffsmaklerei an und ging nach Paris. Fünf Jahre lang machte er so von der Seine aus Erfahrungen im An- und Verkauf

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Foto: Christian Augustin

„Der Fachkräftemangel hat sich längst zur Arbeitskräftekrise ausgewachsen.“

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Hundertausender schwimmender Tonnen Stahl, im Anschluss dann noch ein Jahr lang von London aus. Nach der Rückkehr an die Nordsee und dem Einstieg in den väterlichen Betrieb übernahm er gemeinsam mit seiner Frau 2006 die Familienfirma. „Wir haben dann bald neben den beiden maritimen Schwerpunkten auch das dritte Standbein ausgebaut: Bau wie auch Wartung und Umbau industrieller Anlagen diverser Branchen, mit Kunden aus der Energie-, Wärme- und Stahlerzeugung sowie der Lebensmittel- und Chemieindustrie“, berichtet der Firmenchef. Mittlerweile haben Turbo-TechnikExperten in mehr als 100 Kreuzfahrtschiffen weltweit Abgasreinigungsanlagen eingebaut, sogenannte Scrubber – meist während laufender Fahrten und ohne, dass die Gäste davon etwas merkten. „Im ‚Mein Schiff 6‘ haben wir die riesige Kurbelwelle erneuert, ein so imposantes Unterfangen, dass die Reederei davon einen ausführlichen Film gemacht hat“, berichtet Martin M. Dassler nicht ohne Stolz (siehe Video-QR-Code).

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Für den neuen LNG-Terminal in Stade haben sie in Wilhelmshaven gerade die Gasrohre zusammengeschweißt, die -163 Grad Celsius aushalten müssen. „Das stellt ganz besondere Anforderungen an das Material, das verwendete Schweißverfahren sowie die Schweißer, weil man keinen normalen Karbonstahl nehmen kann, sondern nur einen mit sehr niedrigem Kohlenstoffanteil“, weiß der Turbo-Technik-Chef. Für das Stader Projekt wurde daher ein Edelstahl gewählt, der im Sprachgebrauch unter S316L bekannt ist und weniger als 0,03 Prozent Kohlenstoff enthält.

Transformation als große Chance und Herausforderung

In den Herausforderungen der Transformation für Schiffbau und Industrie sieht Dassler eine große Chance für sein Unternehmen: „Die Schiffbauer zum Beispiel setzen verstärkt auf Dual Fuel, das kann Methanol und Diesel, aber auch LNG und Diesel sein.“ Da bringe sein Unternehmen die jahrzehntelange Kompetenz mit, um bei Installation, Wartung


oder Umbau zu unterstützen. Und die notwendige Flexibilität sowieso: In Hamburg unterhält Turbo-Technik nicht nur ein Ingenieurbüro, in dem die Kolleginnen und Kollegen arbeiten, die Dassler im Umfeld der Elbmetropole für sein Unternehmen gewinnen konnte, ohne dass ein Umzug nach Wilhelmshaven infrage kam. „Wir unterhalten an der Alster auch ein eigenes Reisebüro mit 24-Stunden-Erreichbarkeit“, berichtet Martin M. Dassler. Der sonst kaum irgendwo gebotene Rund-um-die-UhrService sei unverzichtbar, damit die Turbo-Techniker inklusive Equipment auch an entlegeneren Plätzen der Welt „in time“ ankommen: „Die Kreuzfahrtschiffe warten auf den Bermudas nicht auf uns, weshalb wir zwingend pünktlich da sein und an Bord gehen müssen.“

Ausbildungsanerkennung durch die Politik fehlt

Um die anspruchsvollen Aufträge inklusive weltweiter Reisetätigkeit erfolgreich abwickeln zu können, braucht Martin M. Dassler immer wieder neue Schweißer, Ingenieure, Schlosser oder Mechatroniker, von denen der Betrieb allein derzeit mehr als ein Dutzend über seine Website sucht. „Der Fachkräftemangel hat sich längst zur Arbeitskräftekrise ausgewachsen“, moniert der Familienunternehmer und sieht die Politik in der Verantwortung, dagegen wesentlich agiler vorzugehen. Noch dazu habe sich die Haltung potenzieller Auszubildender so verändert, dass es extrem schwierig geworden sei, fähige Kandidatinnen und Kandidaten zu finden: „Früher kamen hier schlaue Mofa-Tüftler vorbei, die hatten ihre Maschine auf 45 km/h getunt, da wusste ich, das wird ein guter Schlosser.“ Solche Typen gäbe es heute leider nicht mehr. Die Anstrengungen, die nun gemacht werden müssten, um wenigstens zehn Azubis für das Unternehmen zu gewinnen, seien derart groß, dass er sich dringend mehr Anerkennung aus dem politischen Raum dafür wünschen würde:

„Statt über Ausbildungsabgaben wie in Bremen sollte über Ausbildungsanerkennung zugunsten der Wirtschaft diskutiert werden“, sagt Dassler mit Nachdruck. Auch könne dies etwa im Rahmen von öffentlichen Vergaben in die Bewertung der Bewerber einfließen. Der Wilhelmshavener Selfmademan ist generell nicht sonderlich zufrieden mit der Politik, die den Unternehmen im internationalen Vergleich zu hohe Abgaben, zu viel Bürokratie und zu wenig Freiraum einräume. „Ich habe gegen Mitbewerber aus Europa oder auch den USA und Asien angesichts unserer Hochlohnpolitik kaum noch eine Chance auf dem Weltmarkt, wenn sich der Auftrag rechnen soll“, kritisiert er. Auch der deutsche Regelungswildwuchs und die Langsamkeit der Behörden seien echte Wachstumshemmnisse. „Nach vielen Jahren scheinen wir es jetzt endlich zu schaffen, mit Unterstützung unseres umtriebigen Wirtschaftsministers in Hannover einen Fortschritt in der angestrebten Flächenerweiterung zu erreichen, die Baugenehmigung für eine weitere Werkshalle liegt bereits vor“, berichtet Dassler. Privat ist der 1,90-Meter-Mann dagegen gelassener Familienmensch: Martin M. Dassler kocht gern, am liebsten, wenn die gesamte Familie, darunter seine vier Kinder, im Haus sind und man nicht mit den Arbeiten auf dem Familienhof nahe Wilhelmshaven beschäftigt ist. „Dennoch hat mir meine Frau erst neulich wieder gesagt, ich sei rastlos“, lacht Martin M. Dassler. Eben ein echter Turbo-Techniker. Alexander Luckow

„Statt über Ausbildungsabgaben sollte über Ausbildungsanerkennung zugunsten der Wirtschaft diskutiert werden.“

Rund 40 Millionen Euro Jahresumsatz macht das Unternehmen mit seinen Dienstleistungen für zivile wie militärische Seeschiffe und die Industrie. Zusätzlich zum Stammsitz in Wilhelmshaven unterhält Turbo-Technik Büros in Hamburg und Rostock.

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TREFFPUNKT NORD Ein Gruß ins Publikum: Claude Frochaux, Cellist und künstlerischer Leiter des Kammermusikfestes Sylt.

Unter dem Titel „Nordlichter“ erkundete das Sylter Kammermusikfest musikalisch die große nordische Region.

Musikfestivals im Norden Musikliebhaberinnen und -liebhaber konnten in diesem Sommer erneut im gesamten Norden unvergessliche klassische Festivalmomente erleben: Von Weltstars in beeindruckenden Konzertsälen bis zum charmanten, kleinen Format unter freiem Himmel bot die Region eine Vielzahl an musikalischen Veranstaltungen. Als langjährige Förderin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und des Musikfestes Bremen arbeitet die NORDMETALL-Stiftung eng mit diesen Festivals zusammen. Zudem unterhält die Stiftung seit einigen Jahren das Netzwerk Norddeutscher Musikfestivals – stets mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen, mehr Menschen für klassische Musik zu begeistern. JL Zwei Räder, zwölf Beine: das beliebte Fahrradorchester „Brabants Fietsorkest“.

Fotos: 54°/Felix Koenig, Christian Augustin, Nicole Benewaah, Matthew Johnson, Geert Maciejewski

Begrüßung in Hasenwinkel: Moderator Willi Weizel zwischen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (l.), Intendantin Ursula Haselböck und NORDMETALL-Stiftungsvorstand Thomas Lambusch.

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Nordisch: Auf Sylt stand Musik von Komponisten aus ganz Skandinavien auf dem Programm.

Bühne frei für den musikalischen Nachwuchs: Auf zwölf Bühnen spielten in Hasenwinkel Newcomer neben Profis.

Viel Spaß auf der Bühne: Für junge Musikfans gab es beim Kinderund Familienfest in Hasenwinkel ein großes Mitmach-Angebot.


Freiluft: besondere Momente beim Sea Sounds Festival.

Meer im Blick: Das Orchester im Treppenhaus ist jedes Jahr im Spätsommer zu Gast auf Norderney.

Prall gefüllte Turnhalle bei JazzBaltica@School: Der weltbekannte Posaunist Nils Landgren (r.) zeigte Jazz auf höchstem Niveau.

Vielfältig: Sea Sounds richtet sich an ein Publikum jeden Alters.

NORDMETALL-Ensemblepreisträger 2022: das Barockensemble Le Consort aus Paris.

Ausgezeichneter Nachwuchs: Preise bekamen auch Joséphine Olech (Flöte) und Agnès Clément (Harfe).

Ein Galakonzert zur Preisübergabe: die Intendantin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Ursula Haselböck (l.), und Stiftungsvorstand Thomas Lambusch (r.) zusammen mit den neuen Preisträgern von Le Consort.

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Dr.-Ing. Uwe Boeke, Ehrenmitglied des NORDMETALL-Vorstands, mit Begleitung.

Musikbegeistert: Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) mit Ehefrau Brigitte Wohner-Mäurer.

Kulturkenner: Dr. Dorothee Hansen und Prof. Dr. Christoph Grunenberg (beide Kunsthalle Bremen).

Gut gelaunt (v. l.): Marcel Christmann (NORDMETALL) mit Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer mit Begleitung.

Ein Sommernachtstraum Zauberhafter Empfang, phänomenales Konzert: Rund 70 Gäste haben auf Einladung von NORDMETALL und den Unternehmensverbänden im Lande Bremen (UVHB) am 8. September bei sommerlichen Temperaturen das Abschlusskonzert des Musikfestes Bremen genossen. Gegeben wurde unter anderem die Schauspielmusik „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. BiB

Freuen sich auf die Musik: NORDMETALL-Präsident Folkmar Ukena mit seiner Gattin Ruth.

Fotos: Björn Hake

Angeregtes Gespräch (v. l.): Bürgermeister und Bremens Finanzsenator Björn Fecker (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Nico Fickinger (NORDMETALL).

Im Garten der Glocke (v. r.): NORDMETALL-Vorstand Dr. Michael Winkler (Hella Fahrzeugkomponenten) nebst Gattin, Detlef Pauls (DEHOGA), ebenfalls mit Gattin.

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Verband verbindet (v. l.): die Ehrenmitglieder des NORDMETALL-Vorstands Wolfgang Würst und Dr.-Ing. Uwe Boeke mit Johann Doden (AGV Ostfriesland).

Freude am gemeinsamen Austausch (v. l.): Ralf Stapp (Bremer Aufbau-Bank) mit Gattin und Markus Mainka (Mercedes-Benz).


Wissbegierig: Einen halben Tag lang drehte sich alles um Arbeitsbeziehungen.

Wirtschaftsinteressiert: Der aktuelle Jahrgang der sdw-Stipendiatinnen und -Stipendiaten mit Dr. Peter Schlaffke von NORDMETALL (2. Reihe von vorn, 4. v. l.).

sdw-Stipendiatentreffen Wozu braucht man Arbeitgeberverbände? Welche Vor- und Nachteile bieten Tarifverträge? Zu diesen und weiteren Fragen diskutierten rund 50 Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) Mitte August im Haus der Wirtschaft in Hamburg mit Dr. Peter Schlaffke, stellvertretender Hauptgeschäftsührer von NORDMETALL, und weiteren Verbandskolleginnen und -kollegen. BiB

Diskussionsfreudig: Der Umgang mit benachteiligten Gruppen in der Arbeitswelt wurde Thema.

Debattentreiber: Lars Kläschen (Siemens) berichtet von oftmals mühsamen Prozessen zwischen Industrie und Politik.

Fotos: Leon Grabowski

Interessenvertreter in Berlin: Henning Radtke (Vincorion) setzt sich für angemessene gesetzliche Regelungen ein.

Kritischer Blick von außen: Dr. Hauke Friederichs (ZEIT ONLINE) gehört zu den wenigen Medienexperten auf dem Gebiet der Wehrtechnik.

Kommunikation im Fokus Anfang Juli haben sich Kommunikations-, PR- und Marketingfachleute aus rund zehn norddeutschen M+E-Betrieben in Wedel nahe Hamburg getroffen. Zu Gast waren sie beim Technologieunternehmen Vincorion, um über Herausforderungen und Chancen der Wehrindustrie zu diskutieren. Mit dabei: der ZEIT-ONLINE-Redakteur Dr. Hauke Friedrichs. NORDMETALL lädt seine und die Mitglieder des AGV NORD regelmäßig zum Netzwerk Kommunikation ein. BiB Fotos: Christian Augustin

Entspannte Gesprächsatmosphäre (v. l.): Phillip Veldten (DESIGNA Verkehrsleittechnik), Andreas Holstein (HellermanTyton) und Florian Hanauer (Vincorion).

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Sonntag TARIF UPDATE Ob es um Tarifverträge, die geplante Einführung eines Schichtsystems oder die Eingruppierung von Beschäftigten geht – die NORDMETALLAbteilung „Tarifrecht und Arbeitsorganisation“ unterstützt kompetent und schnell. An dieser Stelle antworten die erfahrenen Juristen und Arbeitswissenschaftler auf aktuelle Fragen, die aus dem Kreis der NORDMETALL-Mitgliedschaft gestellt werden.

Sonntagsarbeit – was ist möglich und nötig Um Produktivitätskapazitäten auszubauen, dem Wettbewerbsdruck und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, spielt Sonntags- und Wochenendarbeit wieder eine größere Rolle. Bei der Einführung dieser Arbeitszeitmodelle sind sowohl gesetzliche als auch tarifliche Regelungen zu berücksichtigen. Sonntagsarbeit ist gemäß § 9 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) grundsätzlich untersagt. Gemäß § 10 ArbZG sind für bestimmte Arbeiten – etwa für bestimmte Instandhaltungsarbeiten, die wegen des Produktionsprozesses nicht an Werktagen stattfinden können – Ausnahmen geregelt – vorausgesetzt, mindestens 15 Sonntage im Jahr bleiben beschäftigungsfrei (§ 11 ArbZG). Darüber hinaus ist es möglich, von der jeweiligen Aufsichtsbehörde eine Genehmigung gemäß § 13 Abs. 5 ArbZG für Arbeiten an Sonntagen oder gemäß § 15 Abs. 1 ArbZG für längere tägliche Arbeitszeiten bis zu zwölf Stunden zu erlangen. So werden auch reine Wochenendschichtmodelle (z. B. Samstag und Sonntag jeweils 11 Arbeitsstunden) möglich. Entscheidend für die Erteilung der entsprechenden Ausnahmebewilligung ist insbesondere das Vorliegen einer besonderen Konkurrenz- oder Wettbewerbssituation. Sie muss im Antrag an die Arbeitsschutzbehörde begründet werden. Hinzu kommen konkrete Angaben zu den betroffenen Bereichen im Unternehmen, zu besonderen Gegebenheiten bestehender Lieferketten oder Lieferverpflichtungen. Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben ist zu berücksichtigen, dass für Arbeitszeitmodelle mit Einbindung des Sonntags eine Zustimmung der Tarifvertragsparteien gemäß Manteltarifvertrag (§ 3 MTV) einzuholen ist. Wie lassen sich also Sonntags- oder Wochenendmodelle einführen? Zunächst gilt es, mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung über die Lage und Verteilung der Arbeitszeit zu treffen (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG). Eine offene und transparente Kommunikation gegenüber den Mitarbei-

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terinnen und Mitarbeitern und deren Einbindung kann für das gesamte Vorhaben von Vorteil sein. Nur Arbeitszeitmodelle, die von der Belegschaft und dem Betriebsrat unterstützt werden, haben Chancen, eine Zustimmung seitens der Gewerkschaft zu erhalten. Denn die Gewerkschaft befragt vor einer Zustimmung wiederum ihre Mitglieder. Es hat sich bewährt, von Beginn an die IG Metall und NORDMETALL einzubinden und frühzeitig auf die zuständige Arbeitsschutzbehörde zuzugehen, um bereits im Vorfeld die Chance auf Erteilung einer Ausnahmebewilligung auszuloten. Dies ist vor allem deshalb wichtig, da sich die jeweiligen Zustimmungen gegenseitig bedingen. Die Arbeitsschutzbehörde stimmt einer Ausnahmebewilligung im Regelfall nur unter Kenntnis der Zustimmung durch den Betriebsrat und die Tarifvertragsparteien zu, während wiederum der Betriebsrat und die IG Metall naturgemäß ihre Zustimmung nur erteilen, wenn die Arbeitsschutzbehörde „grünes Licht“ gibt und damit eine gesetzliche Grundlage schafft. Exkurs – zuständige Aufsichtsbehörde: • für Hamburg das Amt für Arbeitsschutz • für Schleswig-Holstein die staatliche Arbeitsschutzbehörde (Unfallkasse Nord) • für Mecklenburg-Vorpommern das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Abteilung Arbeitsschutz) • für Niedersachsen die jeweils zuständigen staatlichen Gewerbeaufsichtsämter • für Bremen die Gewerbeaufsicht Das Team Tarifrecht und Arbeitsorganisation von NORDMETALL steht Ihnen sowohl bei der Gestaltung entsprechender Arbeitszeitmodelle als auch bei der Verhandlung von Betriebsvereinbarungen und Tarifverträgen sowie unterstützend beim Antragsverfahren gegenüber den Aufsichtsbehörden zur Seite. Janine Rudolph


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MEIN STANDPUNKT

Kernkraftrenaissance Das harte Ringen um umweltverträgliche, versorgungssichere und bezahlbare Energie beherrscht die politische Debatte seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Und immer noch gibt es für die energieintensiv produzierende Industrie in Deutschland kurz- und mittelfristig keine akzeptable Lösung, wie der NORDMETALLPräsident in diesem Heft zu recht kritisiert (s. S. 3). Eine langfristige Lösung allerdings läge auf der Hand: die Renaissance der Kernkraft. Schon der deutsche Ausstiegsbeschluss nach dem Seebeben und der Kraftwerkshavarie bei Fukushima 2011 war überhastet. Das endgültige Aus in diesem Frühjahr ist – mit und ohne Kanzlermachtwort für eine dreimonatige Laufzeitverlängerung – die Fortschreibung dieses historischen Fehlers. Andere Länder wie Frankreich oder Finnland schaffen es bereits heute, mit sicheren herkömmlichen Kernkraftwerken den Industriestrompreis weit niedriger zu halten, als Deutschland. Für die nächsten Dekaden bis zur Jahrhundertmitte wird Klimaneutralität ohne Kernkraft nicht zu erreichen sein, prophezeit der neue EU-Klimakommissar, der Slowake Maroš Šefčovič, und beruft sich auf die relevantesten wissenschaftlichen Prognosen. Längst dämmert diese Einsicht auch Klimaaktivisten, etwa in Schweden, wo Schülerinnen und Schüler eine Pro-Kernkraft-Kampagne lanciert haben, die sich unter anderem gegen die Atom-Phobie von Greenpeace wendet. Für deren althergebrachte „Nein Danke“-Haltung gibt es mit Blick auf die Zukunft aus wissenschaftlichen Gründen immer weniger Anlass: In Ruanda bauen deutsche Physiker einen völlig neuen Test-Kernreaktor, der absolut unfallsicher sein soll und überdies keinen Atommüll anfallen lässt. Das Duel-Fluid-Konzept wurde in Berlin erdacht, im kanadischen Vancouver angesichts aussichtloser deutscher Akzeptanz weiterentwickelt und soll nun in Kigali in den kommenden Jahren getestet werden. Sogar vorhandener Atommüll könnte in dieser neuen Anlagenart verbrannt werden – eine Revolution, die uns dringend überdenken lassen sollte, warum wir den dahinterstehenden ‚brain drain‘ zulassen. Und wieso wir nicht umgehend anfangen, eine Renaissance der Kernkraft einzuleiten.

Alexander Luckow, „Standpunkte“Chefredakteur

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NORDMETALL Standpunkte

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PERSONENREGISTER Talat Arslan, S. 21, Waldemar Link GmbH & Co. KG Prof. Dr. Klaus Beckmann, S. 5, 63, Helmut-Schmidt-Universität Andreas Bein, S. 19, Waldemar Link GmbH & Co. KG Wiebke Blankemeyer, S. 35, Broetje-Automation GmbH Dr.-Ing. Uwe Boeke, S. 56, Ehrenmitglied NORDMETALL-Vorstand Julian Bonato, S. 36, Vorsitzender AGV NORD e. V., MHG Heiztechnik GmbH Matthias Boxberger, S. 45, IVH Industrieverband Hamburg e. V. Lars Bressel, S. 45, Verein Mahmoo Dr. Lars Brzoska, S. 45, Jungheinrich AG Oliver Burkhard, S. 44, thyssenkrupp Marine Systems GmbH Marcel Christmann, S. 56, NORDMETALL e. V. Agnès Clément, S. 55, Musikerin Gitta Connemann MdB, S. 62, Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, CDU Martin M. Dassler, Geschäftsführer, S. 5, 50 ff., Turbo-Technik GmbH & Co. KG Helge Dewenter, S. 21, Waldemar Link GmbH & Co. KG Johann Doden, S. 56, Arbeitgeberverband für Ostfriesland und Papenburg e. V. Dr. Andreas Erber, S. 46, Mubea Aviation GmbH Mario Esche, S. 49, Herose GmbH Björn Fecker, S. 56, Senator für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen, Bündnis 90/Die Grünen Thomas Feil, S. 33, Kanzlei recht-freundlich Dr. Nico Fickinger, S. 56, 62, NORDMETALL e. V. Daniel Friedrich, S. 5, 10 ff., IG Metall Bezirksleitung Küste Dr. Hauke Friederichs, S. 57, ZEIT-ONLINE Claude Frochaux, S. 54, Leiter Kammermusikfest Sylt Bernhard Funke, S. 36, Märtens Transportbänder GmbH Peter Golinski, S. 25, NORDMETALL e. V. Michael Grenz, S. 15, Hanseatic Power Solutions GmbH Antje Grotheer MdBB, S. 56, SPD Prof. Dr. Christoph Grunenberg, S. 56, Kunsthalle Bremen Florian Hanauer, S. 57, Vincorion Advanced Systems GmbH Oliver Hanel, S. 44, thyssenkrupp Marine Systems GmbH Dr. Dorothee Hansen, S. 56, Kunsthalle Bremen Ursula Haselböck, S. 54 f., Festspiele MV Hans-Joachim Hein, S. 16, Broetje-Automation GmbH Andreas Holstein, S. 57, HellermannTyton GmbH Josef Horber, S. 34 f., Grundfos Pumpenfabrik GmbH Michael Kellner MdB, S. 62, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Bündnis 90/Die Grünen Harald Jaekel, S. 44, Peene-Werft GmbH & Co. KG Lars Kläschen, S. 57, Siemens AG Stefan Koch, S. 46, Mubea Aviation GmbH Kathrin Köhn, S. 38, NORDMETALL e. V. Thomas Lambusch, S. 29, S. 54 f., NORDMETALL-Ehrenpräsident, Vorstandsvorsitzender NORDMETALL-Stiftung Stefan Lammert, S. 45, Reese Techware GmbH Nils Landgren, S. 55, Posaunist Dr. Melanie Leonhard, S. 45, Senatorin für Wirtschaft und Innovation in Hamburg, SPD Christian Lindner MdB, S. 62, Bundesminister der Finanzen, FDP

Helmut D. Link, S. 19, Waldemar Link GmbH & Co. KG Dr. Carsten Linnemann MdB, S. 62, Generalsekretär der CDU Thorsten Lischke, S. 31, 33, Dinse GmbH Melanie Maire, S. 20, Waldemar Link GmbH & Co. KG Ulrich Mäurer, S. 56, Senator für Inneres der Freien Hansestadt Bremen, SPD Prof. Dr. Wolfgang Mayrhofer, S. 32, Wirtschaftsuniversität Wien Gundolf Meyer, S. 15, Hanseatic Power Solutions GmbH Katja Meyer-Dupont, S. 46, Mubea hilft Stiftung Dr. Manuela Mühlmann, S. 17, NORDMETALL e. V. Lutz Neugebauer, S. 16, Broetje-Automation GmbH Joséphine Olech, S. 55, Musikerin Norbert Ostwald, S. 19, Waldemar Link GmbH & Co. KG Detlef Pauls, S. 56, Dehoga MV e. V. Prof. Dr. Axel Plünnecke, S. 47, Institut der deutschen Wirtschaft Karin Prien, S. 28 f., Ministerin Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur SH, CDU Henning Radtke, S. 57, Vincorion Advanced Systems GmbH Yvonne Richert, S. 46, VisiConsult X-ray Systems & Solutions GmbH Nina Römhild, S. 14 f., Vincorion Advanced Systems GmbH Jasmin Rosenberg, S. 36, Edur-Pumpenfabrik Eduard Redlien GmbH & Co. KG Thomas Säger, S. 18, Waldemar Link GmbH & Co. KG Dr. Peter Schlaffke, S. 57, NORDMETALL e. V. Wolfgang Schmidt, S. 62, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Kanzleramtes, SPD Jürgen Schulze, 14 f., Vincorion Advanced Systems GmbH Manuela Schwesig MdL, S. 44, 54, Ministerpräsidentin MV, SPD Maroš Šefčovič, S. 60, Vizepräsident der EU-Kommission Carsten Spieß, S. 46, Kinderschutzbund MV Norbert Steinkemper, S. 16, Broetje-Automation GmbH Lena Ströbele, S. 5, 10 ff., 62 Verhandlungsführerin NORDMETALL e. V. / NVL B.V. & Co. KG Jörg Stüker, S. 19, Waldemar Link GmbH & Co. KG Dennis Tjardes, S. 16, Broetje-Automation GmbH Folkmar Ukena, S. 3, 26, 56, 62, NORDMETALL-Präsident, LEDA Werk GmbH & Co. KG Phillip Veldten, S. 57, Designa Verkehrsleittechnik GmbH Marion von Oppeln, S. 45, Verein Mahmoo Kirsten Wagner, S. 29, NORDMETALL-Stiftung Dr. Markus Warnke, S. 28 f., Wübben Stiftung Bildung Robert Wawrzynowski, S. 16, Broetje-Automation GmbH Willi Weizel, S. 54, Moderator Prof. Dr. Stefan Wiedmann, S. 24, NORDAKADEMIE Peter Willenborg, S. 18 ff., Waldemar Link GmbH & Co. KG Dr. Michael Winkler, S. 56, Hella Fahrzeugkomponenten GmbH Gunther Wolf, S. 32 f., Management-Trainer Edgar Wonneberger, S. 38, ehemals NORDMETALL e. V. Wolfgang Würst, S. 56, Ehrenmitglied NORDMETALL-Vorstand

IMPRESSUM

Standpunkte Das Magazin von NORDMETALL e. V., dem M+E-Arbeitgeberverband für Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, das nordwestliche Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Herausgeber:

Haus der Wirtschaft Kapstadtring 10 22297 Hamburg www.meinarbeitgeberverband.de E-Mail: standpunkte@nordmetall.de Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer Chefredakteur: Alexander Luckow (Luc) Tel.: 040 6378-4231 E-Mail: luckow@nordmetall.de Redaktion: Birte Bühnen (BiB) Tel.: 040 6378-4235 E-Mail: buehnen@nordmetall.de Daniel Jakubowski (DJ) Tel.: 040 6378-4258 E-Mail: jakubowski@nordmetall.de Autoren: Jannick Leunert (JL), Janine Rudolph, Dr. Peter Schlaffke (PS), Lothar Steckel (LS), Albina Stelle (AS), Folkmar Ukena, Clemens von Frentz (CvF), Peter Wenig Art-Direktion: Birthe Burhenne Tel.: 040 6378-4822 Birgit Hochleitner Tel.: 040 6378-4823 E-Mail: grafik@nordwirtschaftsmedien.de Produktion:

Druck: CaHo Druckereibetriebsges. mbH Gedruckt auf Recyclingpapier NAUTILUS® SuperWhite 41. Jahrgang Erscheinungsweise: viermal im Jahr Bezug: Kostenfrei für Mitgliedsunternehmen von NORDMETALL und Sonderempfänger in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Medien. Das Magazin und alle in ihm veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen. Nachdruck und Verbreitung des Inhalts nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Chefredaktion, mit Quellenangabe und Zusendung eines Beleges an die Redaktion. Vervielfältigungen von Teilen dieses Magazins sind für den innerbetrieblichen Gebrauch der Mitgliedsunternehmen gestattet. Die mit dem Namen oder den Initialen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge geben die Meinung des Verfassers, aber nicht unbedingt die Ansicht des Herausgebers oder der gesamten Redaktion wieder. Titelillustration: iStock / Vect0r0vich/ jossnatu / Fayethequeen

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KURZ VOR SCHLUSS

Spitzentreffen Premiere in Berlin: Am 21. September lud Gesamtmetall zum ersten Tag der Metall- und Elektroindustrie in die Bolle Festsäle nahe des Reichstags. Unter den rund 300 Gästen nahm auch eine Spitzendelegation von NORDMETALL teil: Präsident Folkmar Ukena (l., LEDA Werk), Vizepräsidentin Lena Ströbele (Lürssen Gruppe) und Hauptgeschäftsführer Dr. Nico Fickinger (r.) wurden von Gesamtmetall-Präsident Dr. Stefan Wolf begrüßt. Dieser betonte in seiner Eröffnungsrede: „Nur wenn wir zu den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft zurückkehren, können wir die Wachstumsschwäche dauerhaft überwinden und nachhaltig wachsen. Wir müssen dringend über Leistungsbereitschaft,

freies Unternehmertum und Sozialpartnerschaft diskutieren." Das taten unter anderem Wolfgang Schmidt (SPD), Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Kanzleramtes, Bundesfinanzminister Christian Lindner MdB (FDP), Michael Kellner MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Gitta Connemann MdB (CDU), Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion und Dr. Carsten Linnemann MdB, CDU-Generalsekretär. Schützenhilfe erhielt Wolf durch Studien des Walter Eucken Instituts und des Instituts für Demoskopie Allensbach zur Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft. BiB

Standpunkte-Podcast Der Politik-Podcast des Hauptgeschäftsführers der norddeutschen Metall- und Elektro­industrie Dr. Nico Fickinger. Thema: Lage der M+E-Industrie im Rezessionsjahr 2023

„Wenn wir immer nur die alten Wege weitergehen, kommen wir an kein neues Ziel“, appelliert Dr. Nico Fickinger an Gewerkschaften und Politik. In der jüngsten Ausgabe seines Standpunkte-Podcasts vermisst der NORDMETALL-Hauptgeschäftsführer einen mutigen Reformkanzler wie Gerhard Schröder (SPD), der das Land grundlegend umgestaltet habe. Stattdessen würden den Unternehmen ständig bürokratische Hürden in den Weg gestellt, die Belastungen durch Steuern und Abgaben hochgehalten und Sozialleistungen stetig ausgeweitet. Fickinger sorgt sich um den Wirtschaftsstandort Deutschland und

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befürchtet bei einem politischen „Weiter so“ Abwanderung von Unternehmen und den Verlust von Arbeitsplätzen. Mit Blick auf die kommende Tarifrunde fordert der Arbeitgebervertreter den Sozialpartner auf, mehr Mut zum Experimentieren zu zeigen: „Tarifverträge müssen mittelstandsfreundlicher, verständlicher und praxistauglicher werden.“ BiB

Hier finden Sie alle PodcastFolgen zum Nachhören

Foto oben: Hans-Christian Plambeck / Gesamtmetall

Mut zum Experimentieren


Foto: Christian Augustin

Ich lese „Standpunkte“, weil ... ... sich Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne eines nutzbringenden Wissens­ transfers ständig miteinander austauschen sollten.“ Prof. Dr. Klaus Beckmann, Präsident der Helmut-Schmidt-Universität


Ausbildungskonferenz #NetzwerkAusbildung

Ausbildung in einer sich verändernden Lern- und Arbeitswelt Die Ausbildungskonferenz 2023 findet am 21. November im Pauli Spirit Klubhaus / Panik City und am 22. November im Dockland Hamburg statt. Die Themen: Arbeiten und Lernen in einer sich verändernden Arbeitswelt

„Liberating Structures” – ein Ansatz für die Zusammenarbeit in Gruppen

Bewerbung über SocialMedia

Peer-Learning: Lernen in Netzwerken – die selbstgesteuerte Variante des Lernens

Konfliktmanagement in der Ausbildung

Künstliche Intelligenz in der Ausbildung: Mit KI-Chatbots in die Lerngalaxie?

Virtual Reality und Augmented Reality in der Ausbildung

Anmeldung unter meinarbeitgeberverband.de/ veranstaltung


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NORDMETALL Standpunkte 03/2023 by NORDMETALL & AGV Nord - Issuu