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Kraftort Jungfrau Pi e r Hä n n i

h i s to r i s c h  ·   m ys t i s c h  ·  to u r i s t i s c h

z y t g l o g g e


Widmung Dieses Buch widme ich allen, die sich für den Naturschutz in der Jungfrauregion einsetzen.

Alle Rechte vorbehalten Copyright: Zytglogge Verlag, 2011 Lektorat: Hugo Ramseyer Korrektorat: Monika Künzi, Jakob Salzmann Umschlagfoto: Yvonne Hänni Gestaltung/Satz: Franziska Muster Schenk, Zytglogge Verlag Druck: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten

ISBN 978-3-7296-0823-8 Zytglogge Verlag · Schoren 7 · CH-3653 Oberhofen am Thunersee info@zytglogge.ch · www.zytglogge.ch


Inhalt Einleitung  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

   6

6 Trümmelbachfälle – Trimmleten-

11 Stechelberg – Trachsellauenen – 

schlucht – Wengernalp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   67

Obersteinberg – Stechelberg  . . . . . . . . . . .   117

Zu den Wanderungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   13

Von den Trümmelbachfällen durch

Rundweg Stechelberg, Trachsellauenen,

die Westflanke der Jungfrau und längs

Schwand, Oberhorn, Obersteinberg,

der Trimmletenschlucht nach Wengernalp

Stechelberg

1 Goldswil – Harderkulm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   15 Von Goldswil auf den Hardergrat und über den Wannichnubel nach Harderkulm

7 Wengen – Girmschbiel – 

12 Grindelwald-First – Bachsee – 

oder von Harderkulm über den Elfenweg

Schalenstein – Chilchenstein . . . . . . . . . . . . .   77

Bussalp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   127

zum Wannichnubel

Von Wengen durch den Bergwald auf das

Von Grindelwald-First über Bachsee,

Girmschbiel bei Wengernalp mit einem

Spitzen und Feld nach Bussalp

2 Saxeten – Wilderswil  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   25 Von Saxeten über den Abendberg nach

Abstecher zum Schalenstein auf Dirrenberg und zum Chilchenstein im Steinewald

8 Isenfluh/Sulwald – Soustal –  3 Breitlauenen – Schynige Platte – 

13 Alpiglen – Rinderegg –  Gletscherschlucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   137

Wilderswil zur romanischen Kirche Gsteig

Von Alpiglen über Rinderegg, Stollen,

Winteregg  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   87

Bonera/Lägerli und Gletscherschlucht

Oberberghorn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   35

Von Isenfluh/Sulwald über das Soustal

nach Grindelwald

Von der Alp Breitlauenen über Station

und die Marchegg nach Winteregg

14 Grindelwald/Pfingstegg  –

Schynige Platte, Oberberghorn und Daube nach Station Schynige Platte

4 Männlichen – Kleine Scheidegg – 

9 Grütschalp – Pletschenalp – 

Bäregg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   147

Allmendhubel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   97

Von Grindelwald/Pfingstegg oberhalb

Von der Grütschalp über Pletschenalp

der Schlucht des Unteren Grindelwald­

Brandegg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   45

und Alp Winteregg auf den Allmendhubel

gletschers zur Bäregg

Vom Männlichen zur Kleinen Scheidegg

von Mürren

Anhang  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   156

und über Alp Tschuggen nach Station Brandegg

10 Stechelberg – Trachsellauenen – 

Orte und Stichworte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   157

Schiirboden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   107

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   158

5 Sulwald – Sulsalp  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   57

Rundweg Stechelberg, Trachsellauenen,

Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   159

Von Sulwald auf die Sulsalp und zurück

Läger und durch das Tal und Schiirboden zurück nach Stechelberg


Einleitung

6

Die Jungfrauregion

Ein Teil der Jungfrauregion wurde als Natur-

Gesteine strahlen sie gewaltige Kräfte aus.

Unser Titel Kraftort Jungfrau bezieht sich auf

denkmal von internationaler Bedeutung

In diesem Sinn wirkt die Jungfraukette wie

das Einzugsgebiet der Lütschine, zwischen dem

zum UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau, Aletsch,

eine natürliche Steinsetzung, wie man sie zum

Bödeli von Interlaken und den Gletschern und

Bietschhorn erkoren.

Beispiel in der Bretagne oder in England in

Firnfeldern der Berner Hochalpen. Das «Herz-

Gemäss Kennerinnen und Kennern gehört

sehr verkleinerter Form findet. Obwohl viele

stück» ist die nach Norden vorstehende Triade

das Jungfraumassiv auch energetisch zu

Besucher deren Ausstrahlung nicht bewusst

von Eiger, Mönch und Jungfrau. Östlich recken

den eindrücklichsten Bergen weltweit. Aus

wahrnehmen, sprechen sie doch seit dem

Schreckhorn und Wetterhorn ihre Gipfel in den

geomantischer Sicht trägt seine Ausrichtung

Beginn des Tourismus von der einzigartigen

Himmel, westlich verläuft die Jungfraukette

von Nordosten nach Südwesten zu deren Kraft

Kraft dieser wohl schönsten Bergkette der

über Äbni Flue und Grosshorn zum Breithorn.

bei. Diese vom Sonnenaufgangspunkt der

Alpen. Sie bildet gewissermassen den Hochaltar

Die Region wird nach Osten von der zwischen

Sommer-Sonnenwende zum Untergangspunkt

des Naturwunders im Tal der Lütschinen.

Schynige Platte und Schreckhornkette verlau-

der Winter-Sonnenwende ausgerichtete Linie

fenden Faulhornkette begrenzt, nach Westen

gilt als die eigentliche «Achse des Lebens».

von der Schilthornkette zwischen Tschingelhorn

Nach ihr wurden die Heiligtümer der Urge-

und dem Rugen bei Interlaken.

schichte ebenso aus­gerichtet wie im Mittelalter

Im oberen Teil sind die Täler der Weissen und

die Kirchen und Kapellen.

Schwarzen Lütschine vom Bergrücken zwischen

Berge bündeln wie riesige Menhire den

der Kleinen Scheidegg und Männlichen

energetischen Austausch zwischen Erde und

getrennt.

Weltraum. Zusammen mit der Schwingung der


Leuca, die Flussnymphe der Lütschine

Geschichte

Die Schwarze Lütschine beginnt bei den beiden Gletschern von Grindel­ wald, die Weisse Lütschine bei den Gletschern an der Wetterlücke. Ab Zweilütschinen fliesst die vereinigte Lütschine zwischen den Flanken der Schynige Platte und dem Schwarzhore nach Wilderswil, wo sie auf die Schwemmebene des Bödeli tritt und bei Bönigen in den Brienzersee mündet. Der Interlakner Hausberg Harder bildet denn auch das nördli­ che Ende der Jungfrauregion. Wer die Lütschine und insbesondere ihre oberen Seitenarme in Tro­ ckenphasen sieht, würde sie eher als Flüsschen oder gar als Bach bezeichnen. Bei Hochwasser wird sie allerdings zu einem gewaltigen Gebirgsfluss, der seit Menschengedenken immer wieder den Talboden überflutet und ganze Häuser zerstört hat. Er wird ausser von den ver­ schie­denen Gletschern auch von Dutzenden Bächen gespiesen. Die grösseren unter ihnen fliessen ihm aus dem Sefinental, Trümmelbach­ tal, Soustal, Sulstal, Saxettal, Wärgistal und dem Milibachtal zu. In den Mythen der Vouivre im Jura oder Vuivra im Wallis erscheinen die Flussnymphen als strahlend schöne Frauen, die sich bei Bedarf in geflü­ gelte Schlangen verwandeln können. Auch in der Oberländer Sage tritt ein solches Doppelwesen von Schlange und strahlend schöner Frau auf (vgl. S. 120). Von ihr hat die Lütschine ihren Namen, der im keltischen leuca wurzelt, was weiss, hell oder glänzend bedeutet und als Bezeich­ nung der Flussgöttin zu verstehen ist. Wasser ist ein idealer Energieleiter, was auch für die bisher nicht mess­ baren Schwingungen der Natur gilt. Der Talfluss mit seinen Seiten­ armen bildet so ein Kommunikationsnetz, das die Landschaften der Jungfrauregion über die Lütschine zu einem einzigartigen energeti­ schen Gewebe verbindet.

Nach Bodenfunden zu schliessen, entstanden die ersten kleinen Sied­ lungen am Thunersee bereits in der Jungsteinzeit (ab 3000 v. Chr.). Wie die zahlreichen Funde am Schnidejoch beweisen, wurde der Alpen­ kamm allerdings bereits Jahrtausende früher begangen. Ausser dem Schalenstein bei Dirrenberg oberhalb Wengen sind in der Region jedoch keine verlässlichen Spuren erhalten geblieben. Während der Bronzezeit (ab 1500 v. Chr.) verliessen viele Menschen die Seeufer und zogen in befestigte Höhensiedlungen. Möglicherweise gehen einige der ältesten Siedlungsstandorte wie etwa Heidbiel bei Grindelwald-First auf diese Epoche zurück. Fachleuten zufolge begann die eigentliche Besiedlung durch die so genannten Bergkelten, von denen Gräber bei Unterseen und Flurnamen wie Sulwald zeugen. Damals befand sich die Erde in einer Wärmephase, was den Anbau von Gemüse und Getreide bis auf Höhen von 2000 Metern ermöglichte. Nach dem Ende der römischen Besatzung und den Wirren der Völker­ wanderung liessen sich im Oberland die ersten Alemannen nieder, wie die Gräber bei Wilderswil belegen. Damals gehörte das Gebiet links der Aare – und damit auch die Jungfrauregion – zum Einflussbereich der Burgunder. Als das zähringische Bern seine Macht auf das Oberland ausdehnte, leisteten die burgundischen «Oberländer Barone» Wider­ stand und wurden 1191 bei Grindelwald geschlagen. Zehn Jahre zuvor war das Kloster Interlaken gegründet worden, das mit seiner Macht auch den Landbesitz in den Lütschinentälern stetig ausbaute. Etwa im zehnten Jahrhundert soll eine grössere Gruppe Alemannen ins Stammland der keltischen Uberer im oberen Rhonetal vorgestossen sein. Jene aus dem Lütschinental zogen über die Wetterlücke ins benachbarte Lötschental. Wegen der Klimaverschlechterung wander­ ten im 13. Jahrhundert Gruppen der hier auch Lötscher genannten Wal­ ser wieder zurück. Von allen Walsergemeinschaften im Oberland war die im Lauterbrunnental die grösste. Ihre Dörfer waren jedoch nicht isolierte Siedlungen, wie das sonst der Fall war, sondern Kolonien, die mit ihren Verwandten südlich des Alpenkamms weiterhin verkehrten. 7


An die Walser erinnern die von ihnen gegründeten Siedlungen Gimmel­ wald, Stechelberg sowie die Standorte Sichellauenen, Trachsellauenen und Ammerta. Ausserdem weisen auch Familiennamen und insbeson­ dere die zahlreichen Hügelchen namens Biel auf die damals wohl enge Beziehung zwischen den Leuten aus dem Lütschinental und dem Löt­ schental. Nach der Arbeit am Buch «Magisches Wallis» bin ich über­ zeugt, dass einige dieser Hügel ursprünglich ebenso kultische Bedeu­ tung hatten, wie dies im Wallis nachgewiesen werden konnte.

Von der Reformation zum Tourismus

Während der 1528 in der Republik Bern eingeführten Reformation rie­ fen die Klosterherren ihre Untertanen zum Aufstand gegen den neuen Glauben auf. Nach der verlorenen Schlacht und der Schliessung des Klosters entwickelte sich die Jungfrauregion im Sog der wirtschaftlich und politisch aufstrebenden Republik Bern. Die folgenden Jahrhun­ derte waren für die Leute mehr oder weniger erfreulich, aber alles ging seinen beschaulichen Gang. Dieser wurde durch den Einmarsch der Truppen Napoleons unterbrochen, der den Kanton Oberland gründete, um das mächtige Bern zu schwächen. Nach diesem Intermezzo begann für die Lütschinentäler die stark vom aufkommenden Fremdenverkehr geprägte Neuzeit. Heute zählt die Jungfrauregion zu den beliebtesten touristischen Attraktionen weltweit. Trotz der Abertausenden Gästen und vielen Zugezogenen hat der einheimische keltisch-alemannische Schlag der Oberländer überlebt. Dank einer – mehr oder minder einge­ haltenen – Beschränkung der Bauzonen konnte trotz der Besucher­ dichte noch relativ viel Kultur- und Naturraum erhalten werden. Kluge Oberländer haben nicht vergessen, dass die landschaftliche Vielfalt und die Ruhe der Bergwelt die Grundlage ihres Wohlstands sind, und setz­ ten sich entsprechend für ihre Erhaltung ein. Für weitere Informationen zur Geschichte der Region verweisen wir auf die im Anhang aufgeführten Talbücher von Lauterbrunnen und Grin­ delwald. Auch ein Besuch der Ortsmuseen der beiden Ortschaften sei

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hier empfohlen. Sie dokumentieren mit zahlreichen Exponaten vor allem die Volkskultur der Täler und geben Einblick in das einstige Leben ihrer Bewohner.

Kraftorte und Kultstätten

Im französischen Sprachraum werden Kraftorte lieux sacrés (heilige Orte) genannt. Damit ist klar gesagt, dass sich Kraft nicht allein auf phy­ sikalische Energien bezieht. Als die Indianer von ihren places of power sprachen und damit den Begriff Orte der Kraft in Europa einführten, meinten sie Orte, wo die kraftvolle Gegenwart des hinter der Natur wir­ kenden Grossen Geistes erfahren werden kann. Nach der modernen Physik sind Körper – d. h. Berge, Bäche oder Bäume – energetische Schwingungsfelder und nicht aus festem Stoff gemacht. Das Vorurteil gegenüber der Erfahrung unzähliger Menschen, nach der die Natur von Kraft erfüllt ist und bei gewissen Orten besonders starke Energiefelder zu spüren sind, entspricht längst nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Auch wir Menschen sind Schwingungsfelder, die durch Resonanz auf die vielfältigen Schwingungen der Natur reagieren. Fast jedermann kennt Plätze und Landschaften, wo man sich wohl fühlt, inspiriert wird und sich gut erholen kann. Voraussetzung dafür ist eine gewisse Offen­ heit gegenüber all jenen Bereichen des Lebens, die sich nicht mit den Theorien der physikalischen Wirklichkeit erklären lassen. Aus Platzgrün­ den ist es nicht möglich, hier auf die vielen Landschaftselemente einzu­ gehen, die zu den klassischen Kraftorten zählen. Mehr dazu erfahren Sie in den folgenden Kapiteln sowie in meinem Handbuch «Wege zu Orten der Kraft».


Gute Luft

Naturgeister Wenn von der Gegenwart von Zwergen, Elfen, Feen und

In der Umgebungsluft der aussergewöhnlich vielen Bergbäche und Wasserfälle der Jungfrauregion ist der Anteil an negativ geladenen LuftIonen sehr hoch. Diese winzigen Teilchen regen nachweisbar den Orga­ nismus an, unterstützen die Regeneration, lindern Wetterfühligkeit (Föhnkopfschmerzen), stimulieren das Immunsystem oder verringern die Häufigkeit von Anfällen bei Allergikern und Asthmatikern. Abhängig vom Standort findet man in der Atemluft etwa 300 bis 3000 Ionen­ paare pro Kubikzentimeter. In unmittelbarer Nähe der verschiedenen Wasserfälle, wie den Trümmelbachfällen oder Holdrifällen, können die Werte bis 70 000 ansteigen. Menschen mit einer entwickelten Selbst­ wahrnehmung spüren dort die anregende Wirkung der «Guten Luft» bereits nach wenigen Minuten. Auch in den artenreichen Wäldern der Region und oberhalb hoher Felswände liegt der Anteil dieser leichten Luft-Teilchen stets über dem Durchschnitt. Der günstige Einfluss der ionisierten Luft ist seit langem bekannt und führte schon vor Jahrhun­ derten zur Gründung der ersten Luftkurhäuser in Wengen oder Mürren.

Nymphen die Rede ist, soll grundsätzlich die energetische «Qualität» der jeweiligen Orte umschrieben werden. Dabei stütze ich mich auf lokale Sagen und eigene Erfahrungen mit diesen meist unsichtbaren Wesen. Bei solchen Orten steigen aus unbewussten Bereichen der Psyche Regungen auf, die der Verstand nicht zu fassen vermag und kaum in Worten ausgedrückt werden können. Wir glauben, mit den Hinweisen auf die Sagenwesen dem Geist der Orte gerechter zu werden. Zugleich wollen wir darauf aufmerksam machen, dass der Zugang zu dieser Dimension der Natur über die Gefühle führt und Offenheit gegenüber dem Unerklärlichen erfordert. Naturgeister treten seit Menschengedenken in den ­Über­lieferungen aller Völker und Kulturen auf und sind auch in manchen Sagen der Jungfrauregion zu finden. Sie erzählen von geheimnisvollen weisen Frauen, wie der Bergfee von Suls oder den Wassernymphen bei Stechelberg. Die grösste Gruppe bilden jedoch die Zwerge. Als Geister der

Alte Orte und Wege

Erde kennen sie deren Geheimnisse, die sie unter gewissen Umständen den Menschen weitergeben. Überhaupt werden

Orte, die über Jahrtausende von Menschen besiedelt oder als Kultstät­ ten benutzt wurden, ziehen viele von uns magisch an. Selbst die eher nüchternen Römer waren überzeugt, dass alte Orte von einem genius loci oder Ortsgeist erfüllt sind. Heute sprechen Naturwissenschaftler von morphischen Informationsfeldern. Diese sind vergleichbar mit dem Memory oder Gedächtnis der Computer. Im Ortsgeist sind dem­ nach gewisse «Informationen» gespeichert, die mittels Resonanz aus unbewussten Bereichen der Psyche Gedanken, Bilder oder Empfindun­ gen aufkommen lassen. Nun haben auch alte Wege einen Geist, ein Gedächtnis, was einer der Gründe ist, weshalb Menschen während Jahrausenden über dieselben Routen pilgerten und es vermehrt wieder tun. Deshalb wurden die meisten urgeschichtlichen Kultstätten, Sied­

sie vor allem als ausgesprochen hilfsbereit beschrieben, sei dies beim Hirten des Viehs oder Heilen der Kranken. Die Mehrheit der Geschichten erzählt, wie diese in Irland «Gute Nachbarn» genannten Wesen von den Menschen zunehmend missachtet, getäuscht und verjagt wurden, was als Gleichnis der zunehmenden Ausbeutung der Natur verstanden werden kann. Zwerg war ursprünglich ein Überbegriff für alle Naturwesen, wie dies in der französischen Schweiz für Fee gilt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass auch Pflanzenelfen bisweilen als Zwerge bezeichnet werden. Für weitere Informationen verweise ich im Anhang auf die Bücher von Evelyn Schweizer und Max Waibel/Arthur Loosli. 9


Vegetationsstufen Die Vegetations- oder Höhenstufen sind von unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften bewohnt und haben eine entsprechend andere Ausstrahlung. Übergänge zwischen den Vegetationsstufen sind ideal, um die Wahrnehmung für energetische Unterschiede zu verfeinern und damit Sensibilität für Kraftfelder an sich zu entwickeln.

Bis 600 Meter: Hügel- oder kolline Stufe Sie reicht vom Tiefland bis zur oberen Grenze des Weinbaus.

Von 1000 bis 1500 Meter: Berg- oder montane Stufe Wiesen, Weiden sowie aus Buchen, Linden, Eichen, Bergahorn bestandene Wälder im unteren Bereich; Voralpenweiden sowie Bergwald aus Buchen, Fichten, Tannen und Föhren.

lungsplätze und Verbindungswege in die Wanderungen aufgenom­ men. Über einige dieser Wege führten wohl uralte Pilgerrouten, gehör­ ten doch Fussmärsche zu heiligen Orten wahrscheinlich schon in der Jungsteinzeit zum religiösen Leben und waren in der Kulturphase der Kelten weit verbreitet. Nach dem grossen Naturkundigen und Mystiker Paracelsus ist alles in der Schöpfung heilig. In diesem Sinn empfiehlt es sich, die Wege wie Pilger unter die Füsse zu nehmen. Vor wenigen Generationen lebten die meisten Menschen nahe der Natur und verbrachten einen grossen Teil ihrer Lebenszeit draussen. Wir haben diese Natürlichkeit zu einem grossen Teil verloren. Dadurch entstand ein Ungleichgewicht, das sich in den vielen persönlichen und gesellschaftlichen Problemen ausdrückt. Doch wir können von der Ver­ gangenheit lernen und die Beziehung zur beseelten Natur wieder auf­ nehmen. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass es bei Kraftorten leichter fällt, sich zu öffnen und die Verbindung zum Ursprung unmit­ telbar zu erleben. Solche Einheitserfahrungen sind begleitet vom Gefühl, sich selbst und der Welt näher gekommen zu sein. Der Schlüssel dazu ist eine achtungsvolle Beziehung zur Natur und allen ihren Wesen.

Von 1850 bis 2000 Meter: subalpine Stufe Oberhalb der Waldgrenze breiten sich die artenreichen

Pflanzen und Tiere

Alpweiden aus, die teilweise mit üppigen Alpenrosen­ beständen bewachsen sind. Ausser den Arven wächst auf dieser Stufe nur noch sogenanntes Krummholz wie Erlen oder Weiden.

Bis 2850 Meter: alpine Stufe Grasheiden, durchsetzt von Zwergsträuchern, Strauch­ buchen und Straucherlen.

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Die Ausstrahlung von Landschaften wird nicht zuletzt von ihren Bewoh­ nern aus der Welt der Pflanzen und Tiere mitgeprägt. Eigentlich sollte man von Pflanzenwesen und Tierleuten sprechen, wie dies Naturvölker wie die Indianer tun, denn sie sind beseelt und – auf ihre Weise – geist­ erfüllt wie wir. Mit ihrer jahrtausendelangen Anwesenheit haben sie die Ausstrahlung ihrer Lebensräume mitgeprägt. Indem wir unsere offene Aufmerksamkeit auf die Tiere und Pflanzen richten, was meistens mit der visuellen Wahrnehmung beginnt, vertieft sich unsere Beziehung zu ihnen und damit zu ihren Landschaften. In diesem Sinn können Begegnungen mit ihnen zu Schlüsselerlebnissen werden, die den Zugang zu einer weiteren Dimension der Bergwelt öff­ net. Wer sich über die Tier- und Pflanzenwelt der Region übersichtlich


und detailliert informieren will, findet im Anhang das umfassende Buch von Christoph Käsermann aufgeführt. Man sollte allerdings auch der Empfehlung von Paracelsus folgend im «Buch der Natur» lesen, denn nur so offenbaren Pflanzen und Tiere ihr «inneres» Wesen.

In der Welt der Alpenelfen

«In dunkler Vorzeit liegt ein Reich mit goldnen Pforten und wunderba­ ren Gärten, zauberhaften Hainen, raunenden Wäldern, belebten Grot­ ten und Höhlen und einem Himmel, an welchem gespenstige Heere dahinziehen: Es ist das Reich der Sage.» Hermann Hartmann Die Vegetation der Alpen ist von einer seltenen Artenvielfalt, was insbe­ sondere für die Jungfrauregion zutrifft. Allein dies trägt zur Intensität ihrer Ausstrahlung bei. Artenreiche Landschaften sind aus naheliegen­ den Gründen stets kraftreicher, erholsamer und inspirierender als Kul­ turlandschaften. Die Vielfalt im Gebiet der Wanderungen beruht auf den verschiedenen Höhenstufen sowie der Beschaffung der Land­ schaftstypen mit ihren unterschiedlichen Böden und Gesteinen. Die typischen Bergwälder der Region sind mit Fichten, Buchen, Bergahorn, Bergvogelbeere, Mehlbeerbaum, Föhren und gelegentlich Lärchen bestockt. Arven kommen an wenigen Standorten als kleine, lockere Gruppen oder Einzelbäume vor. Die schönsten und ältesten findet man bei Bustiglen längs der Wanderroute vom Männlichen über die Kleine Scheidegg nach Brandegg. Fast alle Wanderungen führen teilweise über Heuwiesen und Weiden der vielen Käsealpen. Der dort hergestellte Käse kann meistens vor Ort gekauft werden. Echter Alpkäse ist ein hochwertiges Lebensmittel und hat wegen der Omega-3-Fettsäure einen positiven Einfluss auf die all­ gemeine Gesundheit. Einige Routen verlaufen durch den Alpenrasen oberhalb der Baumgrenze. Dieser ist oft mit Zwergstrauchheiden aus Alpenrosen, Wacholder, Krähenbeere, Bärentraube und Heidekraut durchzogen. Durch eine isolierende Schneeschicht von der Winterkälte

geschützt, können sie zusammen mit kleinwüchsigen Gehölzen wie Weiden oder Erlen überleben. Weitere Routen verlaufen durch Bereiche mit Sturzblöcken, Felstrümmern, Quellen, Mooren, Riedflächen, Berg­ seen, Tümpeln und das Vorland des Breithorngletschers. Pflanzengeister sind ebenfalls weltweit Teil der Naturmythologie und auch im Alpenraum in Sagengeschichten überliefert. Die sogenannten Elfen wohnen nicht im Körper wie bei Mensch und Tier, sondern «haf­ ten» an Pflanzen und umgeben sie wie eine Aura. Dies gilt für mächtige Arven wie für die winzigen Augentrostblümchen. Wegen der Vielfalt der Alpenblumen hat der Schweizer «Elfenmaler» Ernst Kreidolf viele seiner meisterhaften Märchenbilder in der Jungfrauregion gemalt. Auf­ grund eigener Erfahrungen und vieler Berichte glaubwürdiger ­Menschen gehe ich davon aus, dass Kreidolf tatsächlich sah, was er malte. Dies hat nichts mit Esoterik zu tun, gehören doch Geschichten über Naturgeister seit Menschengedenken zur Volkskultur. Ausserdem sind die Menschen, die mir ihre Erlebnisse mit Elfen anvertrauten, sehr naturverbunden und bodenständig und kein bisschen abgehoben. Im Alpenraum, wo das vormaterialistische Weltbild in den Bräuchen und Geschichten bis in unsere Zeit weiterlebt, wurde lange nicht mehr über eigene Erfahrungen mit Naturwesen gesprochen. Wenn sich heute wieder mehr Leute darüber äussern, dann weil man deswegen nicht mehr ausgegrenzt wird. Mit der Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnis, nach der es neben der materiellen Dimension noch viele andere gibt, nimmt auch die Akzeptanz und Sensibilität für die Welt der Naturwesen wieder zu. Manchmal wird man von einer Pflanze «angesprochen», was zur Wahrnehmung ihres inneren Wesens führt. Dies geschieht vor allem bei Bäumen. Sie sind unter den Pflanzen das, was Menschen unter den Tieren sind, weshalb sie uns entsprechend nahe stehen. Wer genauer «hinspürt», ahnt das Wirken geheimnisvoller Wesen, die wir als Kinder möglicherweise sahen. Ausser den vier klassischen Gattungen der Naturgeister treten in den Sagen der Region auch andere mythologische Wesen auf, wie der Challi­ groosi bei Bäregg oder das Höll-Hoopi, von dem bei Trachsellauenen die Rede ist. 11


Tiere – unsere wilden Verwandten

Die Tiere der Jungfrauregion sind die ursprünglichen, einheimischen. Insbesondere frei lebende Wildtiere verkörpern ein harmonisch mit der Natur verbundenes Leben. Jene der Region wirken freundlich und lösen oft spontane Zuneigung aus. Falls sie uns nicht als bedrohlich empfin­ den, gehen sie ungestört ihrem Leben nach und lassen uns an diesem etwas teilhaben. Wenn sie als gleichwertige Mitbewohner der Erde geachtet werden, kann dies auf der Gefühlsebene zu einer ausgespro­ chen kraftvollen und heilsamen Erfahrung führen. Tiere haben ebenso einen Geist wie wir, auch wenn dieser nicht mit dem unsrigen vergleich­ bar ist. Aber unterhalb der relativ dünnen Kulturschicht der Menschen sind sie uns in vielem ähnlich. Es liegt im Wesen unserer Zeit, dass die­ ser unkultivierte, wilde Teil unseres Wesens kaum mehr gelebt werden kann. Menschen wie Druiden, Schamanen oder Medizinleute nehmen mittels ihrer Rituale und Opfergaben unter anderem Verbindung mit Tiergeistern auf, um sich mit ihnen zu beraten oder einfach an ihrer ungeteilten Wahrnehmung teilzuhaben. Wie viele andere Menschen konnte ich während den Jahrzehnten meiner Bergerfahrung erleben, dass sich solche Verbindungen auch durch aufrichtige Achtung öffnen können.

Das Wesenhafte in der Natur

Nach den Überlieferungen der alten Völker Europas über die Antike bis ins Mittelalter nahmen die Menschen die Natur als beseelt wahr. In den Steinen, Pflanzen und Tieren erkannten sie Wesen, in den vier klassi­ schen Grundelementen Feuer, Erde, Luft und Wasser gar Gottheiten. Die meisten Leute der westlichen Industrieländer befremdet die Idee, dass die Wesen der Natur Gefühle, Geist und Seele haben. Und doch erleben zahlreiche Menschen sie als beseelt und von unsichtbaren Wesen erfüllt. Man schreibt dies dem visuellen Eindruck zu, der solche Gefühle auslöst. Manchmal bewegen uns Erfahrungen mit der Natur

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jedoch derart, dass sie noch lange im Gedächtnis nachhallen. Als ich vor vielen Jahren einen prachtvollen alten Bergahornbaum bewusst als Wesen ansprach, öffnete sich mir eine neue, offenere Wahrnehmung der Mitwelt. Was ich damals erlebte, ist in der Überlieferung aller Völker zu finden und wird auch heute von unzähligen Menschen erfahren. Wo das Pendel am weitesten vom Zentrum entfernt ist, hat es den Punkt der Umkehr erreicht. Diese zurück-zur-Natur führende Bewegung ist heute in der Ernährung, Landwirtschaft, Heilkunst oder Lebensführung nicht mehr wegzudenken!

Gemächlich wandernd wird der Weg zum Ziel

Wenn bei den beschriebenen Landschaften und Orten auf intensive Schwingungen, Energiefelder oder Kraft hingewiesen wird, ist dies als Anregung zu eigenen Erfahrungen zu verstehen. Lassen Sie also Ihre Hände locker hängen und zu Antennen werden. Mit etwas Übung ­werden Sie Empfindungen vom Fingerkribbeln bis zu starken Reaktio­ nen in verschiedenen Körperteilen und Veränderungen in der Stim­ mung oder den Gefühlen wahrnehmen. Die energetischen Schwingun­ gen der Natur wirken auch, wenn man sie nicht spürt; aber je bewusster wir sie wahrnehmen, umso intensiver ist ihr rundum wohltuender Ein­ fluss auf uns. In kraftvollen Landschaften geht man langsamer, macht öfter Pausen und verweilt auch einmal länger als geplant an einem Ort. Gemäch­ liches Wandern führt zu einer achtsamen Gelassenheit, die es der Land­ schaft und ihren Wesen möglich macht, uns «anzusprechen». Dann wird die Natur zum magischen Ereignis und der Weg zum erlebten Ziel.


Wanderungen

Zu den Wanderungen

Wer jedoch keine Erfahrung auf Bergwegen

Für weitergehende Informationen empfehlen

Um dem Grundthema des Buches gerecht zu

hat, sollte mit leichten Routen beginnen.

wir die Landeskarte der Schweizer Wander ­wege

werden, wurden Wanderungen ausgewählt,

Zahlreiche Blumen der Region sind bedroht

im Massstab 1:25 000, Blatt Jungfrau-Region,

die durch naturnahe und naturbelassene

und stehen deshalb unter Naturschutz.

mit den rot hervorgehobenen Wanderwegen.

Landschaften führen. Dort sind die energeti-

Einige Wanderungen führen durch Naturschutz-

Weil diese das hintere Lauterbrunnental nicht

schen Felder der Kraftorte deutlich stärker

gebiete, wo keine Pflanzen gepflückt werden

wiedergibt, empfehlen wir dort die Landeskarte

wahrnehmbar. Nun sind im touristisch aus­

dürfen. Weil Wandernde oft nicht genau wissen,

der Landestopographie, Massstab 1:25 000,

gebauten Jungfraugebiet Wegstrecken durch

welche Pflanzen nun geschützt sind, empfehlen

Blatt Mürren.

stärker genutzte Zonen nicht zu vermeiden,

wir, alle dort stehen zu lassen, wo sie hinge­

aber auch dort lassen sich landschaftliche und

hören.

energetische Perlen finden. Viele der Routen

Die beschriebenen Wanderrouten führen aus

verlaufen teilweise oder ganz über Bergwege,

Rücksicht auf die Natur ausschliesslich

wo Schuhe mit rutschfesten Sohlen und etwas

entlang markierter Wander- und Bergwege.

Trittsicherheit erfordert sind. Die wenigen

Die detaillierten Wegbeschreibungen und

heiklen Bereiche sind in der Beschreibung

Über­sichtskärtchen sollten zusammen mit

angegeben und im Gelände gut gesichert.

den Wegweisern zur Orientierung genügen.

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1 Goldswil – Harderkulm Von Goldswil auf den Hardergrat und über den Wannichnubel nach Harderkulm oder von Harderkulm über den Elfenweg zum Wannichnubel

Goldswil

Das Dorf am unteren Ende des Brienzersees gehört zur Gemeinde Ring­ genberg, benannt nach dem gleichnamigen Rittergeschlecht. Johann von Ringgenberg (1291 bis 1350) gehört zu dem Dutzend bekannter Minnesänger aus dem Gebiet der heutigen Schweiz, deren Lieder in die Manessische Liedersammlung aufgenommen wurden. Der Name Goldswil wurzelt wohl im alten Begriff Oldswil, was wie im Fall von Wiler­oltigen, Oltingen im Jura oder der Stadt Olten auf einen Alten Ort ­(alemannisch Oldingen) hinweist. Der als «Burg» bezeichnete Hügel am östlichen Dorfrand, der das Burgseelein vom Brienzersee trennt, spricht ebenfalls dafür, meint doch das indoeuropäische pur einen alten oder ursprünglichen (heiligen) Ort, wie etwa im Fall des urgeschichtlichen Siedlungshügels «Bürg» bei Spiez.

Schynige Platte mit Eiger, Mönch und Jungfrau

Auf dem Hügel südlich des Burgseeleins steht die Ruine der im 11. Jahr­ hundert erbauten gotischen und wahrscheinlich ersten Kirche der Umgebung. Obwohl sie am Brienzersee liegt, zählt sie zu den zwölf «Tausendjährigen Kirchen um den Thunersee», deren Stiftung oder Aus­ bau um das zehnte Jahrhundert von der Burgunderkönigin Bertha ermöglicht worden sei.

Der Harder . . .

Am Harder, oberhalb des tiefen Einschnitts des Habkerntals, endet der vom Brünigpass längs des Brienzersees nach Südwesten verlaufende gleichnamige Grat, dessen höchster Gipfel, das Brienzerrothorn, zu den bekanntesten Aussichtsbergen des Berner Oberlands zählt. Der als ­Hardergrat bezeichnete westliche Teil des Brienzergrats heisst seit Menschengedenken Harde, was früher für den ganzen Harder galt. Das Wort ist, analog den zahlreichen Flurnamen Hard, wie zum Beispiel die Hard bei der Stadt Zürich, durchwegs weiblich und auch im Namen des Gotthard-Gebirges (Hort oder Sitz einer Berggottheit) enthalten. Es 15


 Anreise: Bahn bis Interlaken-Ost, dann Postauto bis Goldswil/Dorf  Rückreise: Standseilbahn ab Harderkulm nach Bahnhof Interlaken-Ost

Baumgartisegg

 Goldswil (623 m ü. M.) – Ried (1048 m ü. M.) – Hardergrat/Baumgartisegg (1578 m ü. M.) –

Wannichnubel (1585 m ü. M.) – Harderkulm (1322 m ü. M.): 3¼ Std.  Harderkulm – Elfenweg – Harderkulm: 1 Std.

Wannichnubel

Harderkulm

Ried

Goldswil

(mit Abstecher auf den Wannichnubel: plus ½ Std.)

Goldswil – Harderkulm

vorerst zur Baumgartisegg auf dem Harder-

Einige Schritte nach der Haltestelle Goldswil/

grat. Richtung Wannichnubel/Harderkulm

Dorf weist am linken Strassenrand ein Weg­

wandernd erreichen wir nach etwa zehn

weiser auf den Wanderweg Richtung Rote Fluh.

Minuten die Abzweigung auf den (ca. fünf

Unser Weg führt nach einigen Minuten über

Minuten ent­fernten) Aussichtsgipfel des

die Weide in den Wald hinein. Beim nächsten

Wannichnubel. Danach führt der Gratweg

Wegweiser verläuft er Richtung Ried/Harder-

durch den Wald zum Harderkulm und

grat durch den Wald und oberhalb einer Weide

der Bergstation der Harderbahn.

bis zur nächsten Verzweigung, wo der Bergweg

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nach rechts Richtung Rote Fluh/Augstmatthorn

Elfenweg respektive Wannichnubel-

aufsteigt. Auf der nächsten Weidefläche

Rundweg

gehen wir wieder nach rechts Richtung Ried/

Der ausgeschilderte Elfenweg beginnt beim

Hardergrat bis zum Wegweiser Ried und

Wegweiser Harderkulm und führt nach rechts

biegen dort auf den Pfad zum Hardergrat ein.

Richtung Wanniwald. Ab der Wegverzweigung

Vom Wegweiser Geissmäder (hier besteht die

folgt er dem oben beschriebenen, nach links

Möglichkeit, die starke Steigung und den

führenden Pfad zurück nach Harderkulm.

teilweise steilen Gratweg nach Harderkulm zu

Wer den Abstecher auf den Wannichnubel

vermeiden und in ¾ Std. direkt zum Wanniwald

unternehmen will, geht nach rechts bis

zu wandern) führt unser Pfad in knapp ¾ Std.

zur Abzweigung auf den Aussichtspunkt.


wurzelt wahrscheinlich in einer Ursilbe, auf welche Begriffe wie Herd zurückgehen, der ursprünglich das heilige Zentrum des Hauses war, oder Hort im Sinne eines geschützten Ortes. Der nach allen Seiten von Steilhängen und Felswänden umgebene Harder war im frühen Alter­ tum wohl eine der zahlreichen Höhenfestungen, auf die sich die ­Bevölkerung vor Räubern oder Kriegszügen flüchten konnte. Aus nahe­ liegenden Gründen dienten diese geschützten Hügel ebenfalls als natürliche Heiligtümer, wo die Menschen – dem Himmel nah – ihre reli­ giösen Jahresfeste feierten.

. . . und sein Manndli

In der markanten Felswand unterhalb des Harderkulms ist im Spiel von Fels, Licht und Schatten deutlich eine gekrümmte Gestalt mit einem

Burgseeli mit Brienzersee

fratzenhaften Gesicht zu erkennen. Es blickt mit einer derart intensiven Ausdruckskraft auf das «Bödeli», den Talboden zwischen den Seen, dass noch heute manche Betrachter an einen Berggeist denken. Ein solcher Riese soll der Sage nach lange zusammen mit einer Schar Zwerge im wilden und unzugänglichen Harder gelebt haben. Will man gewissen eigenwilligen Einheimischen glauben, sei dies heute noch so. Wie dem auch sei, unter dem Namen Hardermanndli kennt man das Felsbild weit über die Region hinaus als den eigentlichen Ortsgeist des Bödeli. Geister bestimmter Hügel und Berge treten in den Mythologien oft als Beschützer der umliegenden Landschaften und ihrer Bewohner auf. Möglicherweise war dies auch beim Geist des Harders der Fall, dessen «Abbild» aussieht, als würde es tatsächlich aufmerksam über der Land­ schaft am Fuss seines Berges wachen. Nach der gängigen Darstellung soll die Figur einen lüsternen Mönch darstellen, der einem Kräuter sammelnden Mädchen von Unterseen

Der wachsame Blick des Hardermanndli

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Malerischer Beginn des Aufstiegs zum Hardergrat

nachgestellt und es schliesslich in den Tod getrieben habe. Es trifft lei­ der zu, dass selbst Priester und Mönche sich nicht immer an die Gebote ihrer Religion hielten. Auch unter denen des Klosters Interlaken soll es schwarze Schafe gegeben haben, aber möglicherweise diente diese Geschichte nach der gewaltsam durchgesetzten Reformation dazu, die Mönche des einst mächtigen Klosters als Wüstlinge darzustellen. Ebenso schauerlich ist die Sage über den Riesen vom Harder, der Kälber und Ziegen geraubt und mit seinem gewaltigen Knüppel manchen unschuldigen Menschen erschlagen haben soll. Mit solchen «Sagen» sollten die in die Zeit der Kelten zurückreichenden mystischen Wesen wohl verteufelt werden. Paradoxerweise geben sie uns heute wichtige Hinweise auf die Kultur unserer Vorfahren, die offensichtlich nicht auf die materielle Welt beschränkt war und Naturgeister als Teil der Wirk­ lichkeit anerkannte.

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Durch Wald, Wiesen und Weiden zur Quelle von Ried

Nach den letzten Häusern von Goldswil führt der Weg einige Minuten durch eine kleinräumige, romantische Weidelandschaft am Fuss des bewaldeten Berghangs, deren Zauber ein unerwartetes Wohlbefinden auslöst. Sie endet an einem durch beidseitig wachsende Hecken gebil­ deten Gang, der sich als eigentliches Tor zur Wanderung auf den Har­ dergrat erweist. Ab hier führt unser Weg vor allem durch den sinnlich energetisch anregenden Mischwald der nach Süden ausgerichteten Bergflanke. Erst säumen vor allem Buchen den Weg, aber bald gesellen sich Fichten, Kiefern, Bergahorne und zu unserer Überraschung die im Berner Oberland eher seltenen Lärchen dazu. Der Waldboden ist teil­ weise mit üppigen und im einfallenden Sonnenlicht glänzenden Stech­ palmen bedeckt. Bald verläuft der Wanderweg oberhalb einer saftigen Wiese mit Sicht auf das untere Ende des Brienzersees, das malerische Burgseeli und die Kirchenruine von Goldswil. Vis-à-vis von uns, zwi­ schen dem Grat der Schynigen Platte und dem Lütschinental, sind bereits die Eis- und Schneefelder der Jungfrau zu erkennen.


Nach einem weiteren Waldstück mündet der zum Pfad gewordene Weg auf eine kleine Lichtung mit einer vielfältigen Blumen- und Kräuter­ wiese. An ihrem oberen Ende sickert eine Quelle aus dem Hang. Der Platz lädt zu einer Rast, um die friedliche Ausstrahlung der Lichtung und das frisch aus dem Brunnenrohr sprudelnde Quellwasser zu geniessen. Quellen, so klein sie auch sein mögen, erzeugen stets eine belebende Atmosphäre, welche das alltägliche Denken zur Ruhe kom­ men und den Geist in eine andere Welt eintauchen lässt. Nach der Rast, gestärkt und der Quelle inspiriert, erscheint die mäch­ tige Buche neben der Hütte über dem Weg wie ein uraltes weises

Wegtor bei Ried

Wesen. Sie hat einen guten Teil ihres knorrigen Geästs durch Wind und Wet­ ter verloren, strahlt jedoch eine derart intensive Lebenskraft aus, dass man ihr nur bewundernd ein langes Leben wünschen kann.

Durch ein Baumtor zum Hardergrat hinan

Wenige Minuten nach dem Wegweiser «Ried» führt unser Pfad zwischen einem kräftigen Bergahorn und einer ebensolchen Buche hindurch. Dieses natürliche Tor bildet den Eingang in den obersten und damit steilsten Teil

Heuwiesen von Hohmeder mit Brienzersee

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