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An die Walser erinnern die von ihnen gegründeten Siedlungen Gimmel­ wald, Stechelberg sowie die Standorte Sichellauenen, Trachsellauenen und Ammerta. Ausserdem weisen auch Familiennamen und insbeson­ dere die zahlreichen Hügelchen namens Biel auf die damals wohl enge Beziehung zwischen den Leuten aus dem Lütschinental und dem Löt­ schental. Nach der Arbeit am Buch «Magisches Wallis» bin ich über­ zeugt, dass einige dieser Hügel ursprünglich ebenso kultische Bedeu­ tung hatten, wie dies im Wallis nachgewiesen werden konnte.

Von der Reformation zum Tourismus

Während der 1528 in der Republik Bern eingeführten Reformation rie­ fen die Klosterherren ihre Untertanen zum Aufstand gegen den neuen Glauben auf. Nach der verlorenen Schlacht und der Schliessung des Klosters entwickelte sich die Jungfrauregion im Sog der wirtschaftlich und politisch aufstrebenden Republik Bern. Die folgenden Jahrhun­ derte waren für die Leute mehr oder weniger erfreulich, aber alles ging seinen beschaulichen Gang. Dieser wurde durch den Einmarsch der Truppen Napoleons unterbrochen, der den Kanton Oberland gründete, um das mächtige Bern zu schwächen. Nach diesem Intermezzo begann für die Lütschinentäler die stark vom aufkommenden Fremdenverkehr geprägte Neuzeit. Heute zählt die Jungfrauregion zu den beliebtesten touristischen Attraktionen weltweit. Trotz der Abertausenden Gästen und vielen Zugezogenen hat der einheimische keltisch-alemannische Schlag der Oberländer überlebt. Dank einer – mehr oder minder einge­ haltenen – Beschränkung der Bauzonen konnte trotz der Besucher­ dichte noch relativ viel Kultur- und Naturraum erhalten werden. Kluge Oberländer haben nicht vergessen, dass die landschaftliche Vielfalt und die Ruhe der Bergwelt die Grundlage ihres Wohlstands sind, und setz­ ten sich entsprechend für ihre Erhaltung ein. Für weitere Informationen zur Geschichte der Region verweisen wir auf die im Anhang aufgeführten Talbücher von Lauterbrunnen und Grin­ delwald. Auch ein Besuch der Ortsmuseen der beiden Ortschaften sei

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hier empfohlen. Sie dokumentieren mit zahlreichen Exponaten vor allem die Volkskultur der Täler und geben Einblick in das einstige Leben ihrer Bewohner.

Kraftorte und Kultstätten

Im französischen Sprachraum werden Kraftorte lieux sacrés (heilige Orte) genannt. Damit ist klar gesagt, dass sich Kraft nicht allein auf phy­ sikalische Energien bezieht. Als die Indianer von ihren places of power sprachen und damit den Begriff Orte der Kraft in Europa einführten, meinten sie Orte, wo die kraftvolle Gegenwart des hinter der Natur wir­ kenden Grossen Geistes erfahren werden kann. Nach der modernen Physik sind Körper – d. h. Berge, Bäche oder Bäume – energetische Schwingungsfelder und nicht aus festem Stoff gemacht. Das Vorurteil gegenüber der Erfahrung unzähliger Menschen, nach der die Natur von Kraft erfüllt ist und bei gewissen Orten besonders starke Energiefelder zu spüren sind, entspricht längst nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. Auch wir Menschen sind Schwingungsfelder, die durch Resonanz auf die vielfältigen Schwingungen der Natur reagieren. Fast jedermann kennt Plätze und Landschaften, wo man sich wohl fühlt, inspiriert wird und sich gut erholen kann. Voraussetzung dafür ist eine gewisse Offen­ heit gegenüber all jenen Bereichen des Lebens, die sich nicht mit den Theorien der physikalischen Wirklichkeit erklären lassen. Aus Platzgrün­ den ist es nicht möglich, hier auf die vielen Landschaftselemente einzu­ gehen, die zu den klassischen Kraftorten zählen. Mehr dazu erfahren Sie in den folgenden Kapiteln sowie in meinem Handbuch «Wege zu Orten der Kraft».

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Kraftort Jungfrau – Leseprobe  

Wenn es um mystische Berge geht, gehört die Gipfelgruppe Eiger, Mönch und Jungfrau zu den eindrücklichsten. Das markante «Dreigestirn» der B...

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