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Von Naomi Fearn bei Zwerchfell: ZUCKERFISCH Band 2: »… mit Sahnemeerettich« ZUCKERFISCH Band 3: »… in Marinade« ZUCKERFISCH Band 4: »… im eigenen Saft« ZUCKERFISCH Band 5: »…auf die Hand« ZUCKERFISCH Band 6: »…mit Liebe gemacht« DIRT GIRL In Vorbereitung: ZUCKERFISCH Band 7: »…on the Rocks«

»Manchmal lohnt es sich, die Dinge, an die man sich gewöhnt hat, einmal genauer anzuschauen. Im Fall von Naomi Fearn kann man feststellen, dass es auch darum geht: den Atem anzuhalten in einem Moment prallen Lebens.« Petra v. Olschowski


Naomi Fearn KEHRWOCHE OF THE DEAD Ein Dramolett

Zwerchfell Verlag


Naomi Fearn KEHRWOCHE OF THE DEAD Zwerchfell GbR Dinter & Tauber, Reinsburgstr. 66, 70178 Stuttgart Redaktion: Stefan Dinter Grafik: Büro Z Herausgeber: Christian Heesch Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen und/oder Firmen, Parteien, Vereinen und öffentlichen Einrichtungen ausser zu satirischen Zwecken sind zufällig und nicht beabsichtigt. Creative Commons Lizenz: Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland (CC BY-NC-ND 3.0) Besuchen Sie Naomi Fearns Webpräsenz unter www.zuckerfisch.de Neuigkeiten, Interessantes und Informatives zu unseren Büchern finden Sie jederzeit unter www.zwerchfell-verlag.de ISBN 3-928387-92-8


KEHRWOCHE OF THE DEAD

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PERSONEN Frank, ein Überlebender Hannah, eine Überlebende Karl, Koch Stimme aus einem Funkgerät

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Das Aussichtscafé im Fernsehturm Stuttgart. Geräusche aus dem Treppenaufgang. Zwei Personen tauchen keuchend, ausser Atem, im Eingang auf. Abgerockte Klamotten, alte Turnschuhe. Hannah hat ein Gewehr, Frank einen Hockeyschläger. Frank trägt eine Tasche (DJ - oder Fahrradkuriertasche) mit etwas zu trinken, einer Steinschleuder und Munition drin. Frank: SCHEISSDRECK!!! (keucht) Wieviel Scheißstufen waren das denn???? Hannah: (keucht) 1092. Frank: (immer noch am Luftholen) Woher weisst‘n das jetz wieder? Hannah: (auch noch am Luftholen) Habbich...unten...anner.. Tafel gelesen... Frank: WIR WERDEN VON ZOMBIES VERFOLGT UND DU HAST ZEIT INFOTAFELN ZU LESEN!?! Hannah: (geht zu den Fenstern) Man weiß nie wann man‘s braucht... (schaut nach unten) Na, von hier oben sieht man ja garnix. Ham wir nich‘n Fernglas? Frank: Ham wir, aber da siehste jetz nix mit. Hannah: So eins mit Nachtsichtgerät wär cool Frank: (verliert langsam die Geduld) Oh ja, ich geh schnell zu Radio Dräger und kauf eins. (Dreht sich, will loslaufen) ... Nein, Moment, geht ja garnicht, weil DIE GANZE STADT VOLLER SCHEISS-ZOMBIES IST!!! Hannah: Ich sag ja nur. Und wenn wir eins basteln, mit ner Taschenlampe? Frank: Du bist so ein Idiot. Hannah: Sagt der Typ, der nur mit nem Hockeyschläger aus dem Haus wollte. Gibts hier nich vielleicht was waffenähnliches? Sie schauen sich um. Frank: Hier gibts höchstens die Absperrungsständer. Er löst das Band von einem und hebt ihn probehalber hoch. Hannah: Mann, ich hätt mal gern irgendwas, was auf Distanz

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funktioniert. Ein Gewehr und endlos Munition. Ich will den Dingern wenn‘s geht nich mehr näher als zehn Meter kommen müssen. Und wenn‘s meine besten Freunde waren... (von hinten legt sich eine Hand auf ihre Schulter) KREISCH!!! Frank: (Hebt den Absperrständer hoch, holt aus) DUCK DICH!!! Hannah kreischt, springt weg, wir sehen Karl. Karl: (Hebt ein Küchenbeil hoch) Könnt ihr euch mal beruhigen? Frank: Du bist der Koch? Karl: … Frank: Wie lang bist Du schon hier oben? Karl: Sechs Tage. Ich hatte am Dienstag ne verkackte 30-Stunden Schicht und zwei Stunden vor Schluss rufen die ‘n Notstand aus. So ‘ne Scheiße. Bin ich grad mal hier oben geblieben. Essen gibt‘s hier ja schliesslich. Und die Klos funktionieren auch noch. Aber zum pissen geht ihr auf die Aussichtsplattform. Wollt ihr was essen? Hannah: Oh, echt? Gerne, was gibt‘s denn? Karl: Müsliriegel, Bohnen, Sauerkraut, Spätzle, Maultaschen auch, aber nur noch vegetarische. Hannah: Ah, die Kühlschränke warn ja aus. Karl: Das hat nix mit den Kühlschränken zu tun. Der Scheiß-Zulieferer ist am Graben vorbeigefahren. Hannah & Frank: ??? Karl: Der Lieferwagen, der die Maultaschen bringt is am Park vorbeigefahren. Komplette Länge der Baustelle, das war genug, daß die komplette Ladung was abgekriegt hat. Totes Gewebe wird wieder lebendig, kannste Dir ausmalen, wie die hier angekommen sind. Frank: Die... die Maultaschen waren lebendig? Karl: Zombifiziert. Hannah: Maultaschen des Todes? Karl: Du lachsch. Des isch net witzig. Die haben das komplette Küchenpersonal fertiggemacht bis ich aus der Zigarettenpause zurückkam, und ich musste alle vom Turm kriegen bevor sie wieder aufstehen. Hannah: Was hast Du mit ihnen gemacht? Karl: Runtergeworfen.

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Frank: Moment, da sind doch Gitterstäbe oben. Karl: Ja. Hannah: Aber da passt doch kein ganzer Mensch durch. Karl: Nein, kein ganzer. Hannah und Frank rücken etwas von ihm ab. Karl: Auf jeden Fall müsst ihr auf den Boden achten. Wenn ihr irgendwo ne Teigtasche seht, drauftreten. Wenn man sie komplett zerdrückt könn‘ sie einem nix mehr tun. Ich schwör, dieses Geräusch wie sie über den Boden robben krieg ich nie mehr aus‘m Kopf. *schmick, schmick, schmick*... Na auf jeden Fall hat die ganze Sache auch was gutes. (Steckt sich eine Zigarette an) Hannah: Oh, Mann, krieg ich auch eine? Karl: Bitte. (Sie rauchen.) Frank: Ich frag mich, ob die nicht einfach ne Bombe auf die Grube schmeissen können. Dann wär die Strahlung zumindest weg. Karl: (verächtlich) Was denn für‘ne Strahlung? Die »Zombiestrahlen« oder was? Frank: (Mit der Überheblichkeit dessen, der Bescheid weiß) Die Strahlung von der Opferstelle, die sie ausgegraben haben. Mitten im Stuttgart 21 Areal! Das is 3000 Jahre alte Totenenergie. Karl: Ihr Vollidioten. Ihr nehmt dagegen auch Globuli, oder? Hannah: Ich hab ein homöopathisches.... Karl: Vollidioten. Das ist Staub von einem ungeprüften Betonfüller, den die da verbaut haben. Kannste EU Richtlinien haben wiede willst, irgendein Subunternehmer findet irgendwo auf der Welt was billigeres als das was er nehmen soll, jemand in der Verwaltung macht mit und presto, ganz Cannstatt versucht Dein Gehirn zu fressen. Wirf da ne Bombe drauf und Du verwirbelst den Staub bis in die Stratosphäre und über kurz oder lang stehen bis zum Bodensee die Toten wieder auf. Hannah: Die ultimative dreckige Bombe... Frank: Und woher weisst Du das alles? Karl: Internet. Hatt‘ ich noch zwei volle Tage bis mein Handyakku leer war. Handy von nem Broker, der verreckt ist, jetzt geht ́s nur noch zum Bieraufmachen

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Frank: Das würde erklären, warum der Friedhof am Stöckach betroffen war und der Pragfriedhof nicht. Karl: Yep. Windrichtung. Die einzige Möglichkeit die ich seh wäre die ganze Grube mit unverseuchtem Beton zu füllen. Hannah: Der schöne Park. Karl und Frank: … Frank: (tröstend) Man kann ja wieder Erde über den Beton legen. Wär doch hübsch. Ein Geräusch Frank: Scheiße! Was war das? (geht mit erhobenem Absperrungständer zum Treppenaufgang, schaut runter) Karl: (schaut sich um) Das kam nicht aus dem Treppenaufgang. Hannah: Da!!!! (Eine Maultasche schloddert über den Boden auf Frank zu, dazu ein ekliges Geräusch) Karl: TRITT DRAUF! TRITT DRAUF! Frank: (hüpft erst hysterisch hoch, versucht draufzutreten, tritt aber daneben) Aargh! (Die Maultasche verschwindet auf Rückseite einer Säule) Karl:Herrgottsack! Muß ich denn alles selber machen!?! (Hebt sein Küchenbeil und verschwindet auch um die Ecke. Eklige Geräusche.) Hannah: (Schnappt sich das Gewehr) Herrgottsbscheißerle AM ARSCH!! (Sie verschwindet auch um die Ecke) Frank: Halt, hey!!! (Fiese Geräusche – Karl schreit – Geräusche eines Handgemenges. Frank hebt den Absperrständer, presst sich panisch an die Wand, nähert sich langsam der Rückseite. Ein Schuß löst sich. Hannah schreit.) Frank: Hey!... Hey, alles ok? Hallo? (Schaut neben sich, von der anderen Seite kommt Hannah gehumpelt.)

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Hannah: Scheisse. Frank: AAAIGH! … Fack, alles ok? Hannah: (Deutet auf ihren Schuh, der jetzt ein Loch hat und blutverschmiert ist) Seh ich aus, als wär alles ok? Frank: Au, Mann, tut mir leid. Hast Du sie erwischt? Was is mit dem Koch? Hannah: Der Koch hat sie erwischt, als ich draufgetreten bin. (Der Koch kommt um die Ecke, das Gewehr in der Hand, er blutet aus dem Bauch durch sein T-Shirt) Karl: Wenn ich hier rauskomm mach ich‘ne Dönerbude auf. Frank: (deutet auf die Bauchwunde) Was...? Karl: Das Gewehr hat mich erwischt... Frank: Moment, Du hast ihr in den Fuß geschossen! Da war nur ein Schuß- wie kann die Kugel... Karl: Seh ich aus wie‘n Scheiß-Forensiker? (Setzt sich auf Tischkante, zündet sich eine Zigarette an.) Frank: Wie kann denn....Das Ding hat Dich gebissen, oder? Karl: … Hannah: Die Dreckstasche hat‘n komplettes Stück aus ihm rausgebissen. Ich hab sie runtergekickt und wollte drauftreten, da hat er mir ‘s Gewehr weggenommen... Karl: Wieso hast Du nicht gleich geschossen? Hannah: Das Ding hing an seinem Bauch!! Soll ich da drauf schießen, oder was? Frank: Es hat ihn gebissen. In zwei Stunden is er eh‘n Zombie. Karl: Schönen Dank. Hannah: Ich konnt nicht auf ihn schiessen, ok? (zu Karl) Zeig mal her. (Karl hebt das T-Shirt hoch, Hannah inspiziert) Ach Scheisse. (Karl und Hannah schauen sich an. [wär schön, wenn‘s jetzt ein bisschen zwischen Koch und Hannah bitzelt]) Frank: (der den letzten Moment über was nachgedacht hat) Moment... Der Typ aus Deiner alten Klasse war auch nicht zombifiziert. Wie hieß er gleich... Rumin?

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Hannah: Klar war der. Frank: Voll nich. Der war höchstens unausgeschlafen. Und den hast Du... Hannah: Na und, dafür hast Du Deine Ex mit der Schaufel... Frank: Ok! Hannah: ...und da bin ich mir auch nicht sicher ob die‘n Zombie war. Frank: OK! Ich sag, ich hätt ja auch geschossen. Karl: (Raucht, schaut beide an) Na geil. Hannah: Und jetzt? (Frank schaut bedeutungsvoll zu Karl, Karl stützt demonstrativ das Gewehr auf und fasst Küchenbeil fester. Alle denken kurz nach) Hannah: (Schaut aus dem Fenster Richtung Flughafen) Moment... (Schnappt sich Fernglas und geht zum Fenster, schaut raus, dreht sich um) Da draussen ist Licht. Gibts hier ein Funkgerät? Karl: Ja, aber der Antennenmast oben ist kaputtgegangen als mein Chef versucht hat, vor den Maultaschen zu flüchten. Sonst hätt ich längst um Hilfe rufen können, aber die einzige Möglichkeit das zu reparieren ist raufzuklettern ...und dann kommt man nicht wieder runter. Hannah: Mist. Wenn wir wüssten, daß da noch Leute sind, könnte man versuchen von dort aus wegzukommen. Frank: Du sagst, der Wind trägt diesen... Staub oder was auch immer es ist mit sich. Wenn er nach Norden weht könnten wir es sogar zu Fuß schaffen... Hannah: (deutet auf ihren Fuß) Könnten wir nicht. Karl: Mein Wagen unten könnte noch genug Benzin haben... Hannah: Wir könne nicht einfach so drauf los fahren. Im neuen Messegleände war letzte Woche die größte Haustierausstellung Baden-Württembergs. Wenn die jetzt alle zombifiziert sind schaffen wir‘s nie in den Flughafen rein... Karl: Ach, scheiss drauf (nimmt seinen Autoschlüssel aus der Tasche, wirft ihn Hannah zu). Ihr fahrt. Ich kletter hoch. Hannah und Frank: ... Karl: In zwei Stunden bin ich eh Toast. Und bevor ich mich von dem da erschiessen lasse, schau ich mir lieber den Sonnenaufgang von hier oben an.

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Hannah und Frank: ... Frank: Ok, ich hol das Funkgerät. (verschwindet die Treppe rauf) Karl: So‘ne Scheisse. Morgen war mein letzter Arbeitstag. Nächsten Dienstag sollt ich als Koch auf nem Kreuzfahrtschiff anfangen. Ich hätte meine Freundin wie geplant in zwei Monaten auf Fuerteventura getroffen und wir hätten gemeinsam ne Bar aufgemacht. Strand und Kathrin und Caiphirinhas forever. Scheisse. Hannah: Danke. Hannah gibt Karl einen Kuß. Frank kommt mit einem mittelgrossem Funkgerät und einem Stapel Papiere die Treppe runter, Hannah & Karl gehen auseinander. Frank: So, Kann das jemand bedienen? Karl: Ich hab das Handbuch gelesen. Du legst die Batterien hier rein, machst es hier an, hier drauf drücken, hier stellst Du die Frequenz ein.... ok. Ich geh dann mal hoch. Ich... bin nich sicher wieviel Saft noch auf den Batterien is. Hannah: Ok, ich bedien das Funkgerät. Geh du mit ihm hoch und sag mir wenn er oben ist, dann schalt ich‘s erst ein. Frank und Karl verschwinden nach oben. Hannah legt Batterien ein und bereitet sich vor. Blättert in den Papieren. Hannah:(halblaut) Polizeifrequenz...Ambulanzen...Flugsicherung! Frank: (von oben) Okay!!! Hannah: (schaltet Funkgerät ein, sucht Frequenz) Hallo? Hallo? Ist da wer? Flughafen Stuttgart? Funkgerät: Rausch...knarz....hallo? Bitte kommen... Hannah: Hallo, hier Fernsehturm, Sind Sie am Flughafen? bitte kommen. Ein kurzer Austausch, aus dem hervorgeht, daß sie zum Flughafen können. Während Hannah spricht, kommt Frank runter. Frank: Und? Hannah: Wir fahren hin, sie haben einen Flieger. Sie warten auf uns, aber

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nicht mehr lang. Frank: Ok, los. Frank greift sich den Absperrständer. Nimmt ihn mit der ‚falschen‘ Hand, versucht die andere zu verbergen. Hannah: Was ist mit Deiner Hand? Frank: (Zeigt Hand her)Das, das is nur‘n Kratzer. Hannah: (Inspiziert die Hand skeptisch) Komm, wir müssen los. Frank geht zur Treppe, Hannah hinterher. Frank geht bereits runter, da hält Hannah inne, dreht um, geht zurück, nimmt das Gewehr, geht hinter Frank hinunter. Ende. Musik.

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Kehrwoche Of The Dead  

»Wenn in Stuttgart21 kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück!«Das mussten Hannah und Frank am eigenen Leib erfahren. Ihre...

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