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landschaftsarchitekten

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Nutzwerken im bdla Voneinander wissen – miteinander profitieren: Zukunftswerkstatt Planungsbüro Vo n E d g a r H a u p t

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rfolgreiche Strategien für die Landschaftsarchitektur« – so einfach und doch ambitioniert lautet der Untertitel für einen Ar-

beitskreis der besonderen Art. Denn in der »Zukunftswerkstatt Pla-

gen. »Offenheit und gegenseitige Bestärkung sind für mich die Qualitäten für Weiterentwicklung«, so das Resümee von Harald Fugmann, Fugmann Janotta bdla.

nungsbüro« treffen sich regelmäßig Landschaftsarchitekten und

Im Jahr 2011 folgten dann vier Workshops, je einer pro Quar-

Landschaftsplaner, um gemeinsam ihre Unternehmen zu entwi-

tal. Und für 2012 sind auch wieder vier Termine in Berlin im sel-

ckeln. Vermittlung von bewährtem Know-how aus der Branche kom-

ben Kreis fest gebucht. Verbindlichkeit ist nämlich ein zentrales

biniert mit einem moderierten Erfahrungsaustausch lautet die Er-

Kriterium für den Erfolg. Nur über Kontinuität und immer besseres

folgsformel.

Kennenlernen lässt sich ein Rahmen schaffen, in dem jeder Teilnehmer ohne (falsche) Scheu über seine Anliegen sprechen und ver-

»Gemeinsam sind wir stark«

meintlich dumme Fragen stellen kann. Die

Der Slogan aus alten Zeiten ist nach wie

gibt es natürlich nicht! Im Gegenteil: »Die An-

vor treffende Leitlinie, wenn es etwa um

deren haben auch Probleme. Im kleinen Kreis

Fragen der Organisation, des Projektma-

kann man Dinge erörtern, von denen man ge-

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nagements, um die richtigen Kalkulationsgrundlagen oder um Teamentwick-

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lung und Personalmanagement geht.

nern. Doch er greift zu kurz. Landschaftsarchitekten haben sehr viele ähnliche Fragen zu ihrem Beruf. Im strategischen Erfahrungsaustausch las-

© Edgar Haupt

allerdings auch immer wieder von Pla-

ben«, Barbara Hutter, hutterreimann Landschaftsarchitektur. Ach ja: Alle kamen

»Ich mach doch nicht meine Konkurrenten schlau.« Diesen Spruch hört man

lesen hat und die andere schon probiert ha-

selbstverständlich immer – oder schickten

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ihren Büropartner!

Thema – Methode – Praxis

Jeder Mitarbeiter wie das Büro gesamt braucht eine klar definierte Aufteilung der Aufgaben von »Unternehmer/Manager/ Fachkraft«. Die Gewichtung ist individuell.

Jeder Workshop stand unter einem Thema, auf dass sich die Teilnehmer mit ihren Fragen und der Coach mit methodischen Bei-

sen sich Antworten finden, die das per-

trägen vorbereiten konnten. Ein im Kick-off

sönliche Wissen und Erleben übersteigen

bewährtes Element wurde im Berliner Kreis

und damit das Know-how des Einzelnen wesentlich erweitern. Nutz-

weiter gepflegt: der Impulsvortrag. Ein Teilnehmer referierte, was

werken ist das dafür treffende Wort. Die Sicht von außen – von Kol-

im eigenen Büro zu besagtem Thema geschah und welche Erfah-

legen und vom Coach – hilft, blinde Flecke zu entdecken und zu über-

rungen dazu gemacht wurden. Zusammen mit dem Beitrag vom Co-

winden. So ist denn auch die Initiative vom Coach ausgegangen.

ach war so der Einstieg zu einer zielgerichteten Diskussion ge-

In dessen täglicher Praxis mit unterschiedlichen Planungsbüros ist

schaffen.

nämlich eine wichtige Erkenntnis gewachsen: »Wenn Planer X und

Beim ersten Mal ging es um Personalplanung anhand von Pro-

Planer Y sich kennen und gezielt über ihre Fragen und Probleme

jekt- und Kapazitätsplänen. »Nicht jeder im Büro wollte sich damit

im Büro reden würden, könnten beide sich gegenseitig sehr nütz-

beschäftigen, doch in einem Coachingprozess mit allen Mitarbei-

liche Tipps geben.« Und genau das geschieht nun in einem exklusi-

tern haben wir die Akzeptanz für die systematische Arbeitsplanung

ven Rahmen.

geschaffen«, berichtet Dirk Sadtler, Partner bei der plancontext GmbH. Und: »Mit einem gemeinsam entwickelten Verfahren auf Ba-

Pilotprojekt Berlin-Brandenburg

sis einer Freeware sind das Verständnis für Regelungen und da-

Im Herbst 2010 ging es mit dem Kick-off-Workshop in einem Kreis

mit auch die Effektivität der Arbeit gewachsen«. Die Erfolge des Bü-

von elf Inhabern und Geschäftsführern aus Landschaftsarchitek-

ros basieren allerdings nicht nur auf der richtigen Handhabung

turbüros des bdla Berlin-Brandenburg los. Hier konnten alle mal

der Technik, sondern auch auf Klarheit in den Aufgaben und Zu-

»schnuppern«, wie so eine Zukunftswerkstatt wohl funktioniert. Ein

ständigkeiten. Das gelang durch eine parallel durchgeführte Or-

Impulsvortrag von Stephan Lenzen, RMP Bonn, überzeugte. Denn

ganisationsaufstellung. Im »Unternehmensschiff« wurden die per-

seine klaren Worte zu Gelungenem, aber auch noch nicht Gelös-

sönlichen Positionen und Aufgaben im Büro neu definiert.

tem, zeigten deutlich den Gewinn, den diese unter Kollegen brin22

»Mit diesem Wissen haben wir gemeinsam mit unseren Mit-


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© Edgar Haupt

Moderierter Erfahrungsaustausch potenziert das eigene Konw-How und vermittelt Wege für den eigenen »Anpack«.

arbeitern unsere eigenen Rollen und die der Mitarbeiter reflektiert.

be ich mehr Zeit für strategisches Handeln – und komme weg vom

Herausgekommen ist die Dreiteilung in eine Projektgruppe Planung,

ewigen Auf und Ab in der Auftragslage«, fasste Jens Henningsen,

eine Wettbewerbsgruppe und eine Design Research Gruppe. Die-

Hennigsen Landschaftsarchitekten, dieses für sich zusammen.

sen Gruppen ordnen wir uns selbst auch zu. Wir sind damit jetzt aufmerksamer für die Aufgaben und Rollen im Büro und die ent-

Eine gute Idee zieht Kreise

sprechenden Ressourcen«, schilderte Ulrike Böhm, bbzl böhm ben-

»Die Zukunftswerkstatt ist ein Zeitfenster, um aus dem Büroall-

fer zahiri landschaften städtebau, die Inspiration aus der Zu-

tag zu kommen und in Ruhe meine Gedanken zu sortieren«. Das Sta-

kunftswerkstatt für ihr unternehmerisches Wirken zwischen den

tement von Barbara Hutter dokumentiert, warum die unterneh-

Workshops. Und quasi nebenbei verschickte einer der Teilnehmer

merische Zusammenarbeit der Elf auch dieses Jahr im bewährten

einen bewährten Leitfaden für Mitarbeitergespräche per Mail an

Rahmen weitergeht. Erfolgreiche Büroführung und Entwicklung von

die anderen.

tragfähigen Strategien in der Landschaftsarchitektur brauchen im Büro festen Projektstatus. »Wenn die aktuellen Planungsaufträge

Dran bleiben – das ganze Spektrum einbeziehen

fertig sind, dann machen wir es«, hört man oft. In Stressphasen

Im zweiten Workshop waren Regelprozesse und Qualitätssiche-

durchaus verständlich, führt diese Haltung jedoch selten weiter.

rung Thema. Und damit das erste der beiden zentralen branchen-

Ein halber Tag im Quartal mit Kollegen und Coach, dazu inspirie-

typischen Strukturprobleme: die »gefühlte HOAI«. Jeder meint, in

rende »Hausaufgaben«, damit werden wichtige Impulse für nach-

deren Rahmen nach gemeinsamen Regelungen zu arbeiten, tut dies

haltiges unternehmerisches Wirken gesetzt.

aber tatsächlich nicht – mit allerlei Qualitätsproblemen intern und

Im Frühjahr 2012 ist eine weitere Zukunftswerkstatt im bdla

extern. Die Erkenntnis von Karsten Standke, Inhaber von Freiraum,

Nordrhein-Westfalen gestartet. Dazu fand auch hier ein Kick-off

Landschaft & Architektur, dazu: »Projektarbeit nach Bauchgefühl

statt. Im November 2011 machten zwölf Planer in Köln den er-

ist Vergangenheit. Dazu muss ich, als Inhaber und Chef, Struktu-

sten Schritt: »Schnuppern«, sich Kennenlernen und ein Impulsvor-

ren ändern, nicht die Mitarbeiter. Außerdem muss ich besser de-

trag. Dieses Mal mit Dirk Sadtler, der den Teilnehmern von den bei-

legieren und kommunizieren.«

den Standbeinen der plancontext GmbH berichtete, Titel: »Starkes

Die »persönliche Strategie« kam demgemäß in der dritten Zu-

Büro und kollegiales Netzwerk«. So profitieren schon jetzt Land-

kunftswerkstatt dran. Vorbereitet mit einem Fragebogen, disku-

schaftsarchitekten und Landschaftsplaner aus Berlin, Brandenburg

tierten die Teilnehmer über ihr ganz persönliches Berufsbild so-

und NRW regional und bundesweit voneinander. Kräftige Wurzeln,

wie die damit einhergehenden Strukturen und Arbeitsweisen im

aus denen hoffentlich auch in anderen Teilen Deutschlands Triebe

jeweiligen Büro.

wachsen. Denn es werden viele Erfahrungen und gemeinsames En-

Dahinter steht das zweite zentrale branchentypische Strukturproblem: »Jeder macht irgendwie alles – und daher oft nicht

gagement gebraucht, um langfristig erfolgreiche Strategien für die Landschaftsarchitektur für jeden Beteiligten zu entwickeln.

gut«. Lösungen bietet das branchenübergreifende Delegationsmodell: »Unternehmer / Manager / Fachkraft« (s. Abb. Seite 22) – und zwar in einer branchengerechten und zugleich individuellen Interpretation. »Wenn ich meine Chefrolle bewusst einnehme, ha-

Edgar Haupt, Dipl.-Ing. und Zertifizierter Coach, aufBau Marketing und Coaching, Köln, für Architekten, Ingenieure und Bauwirtschaft, Lehrbeauftragter an der Peter Behrens School of Architecture (PBSA), Düsseldorf, und Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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