Page 1

[GUiDE A] ERSTE KONTAKTE MIT EINEM UNTERNEHMEN


IN HALT EINLEITUNG

3

WARUM SICH DER BLICK INS QUARTIER LOHNT

5

DEFINITION UND LEITLINIEN VON SOZIALRAUMORIENTIERUNG NACH HINTE

6

FALLBEISPIEL SCHÖNEBERGER NORDEN (BERLIN)

9

FUSSNOTEN

16

LITERATURLISTE

17


EINLEITUNG

In welchen Lebenskontexten können

SPIN.PRO Grundbildung und Beruf - Stra-

Menschen mit Grundbildungsdefiziten er-

tegien zur Personalentwicklung gewerbli-

reicht werden? Diese Frage stellt sich spä-

cher Mitarbeiter_innen in Unternehmen

testens seit Veröffentlichung der leo.Le-

(2012-2015) war eines dieser Projekte

vel-One Studie im Jahr 2011. Die Studie

und

der Universität Hamburg belegt, dass 7,5

für in Berlin und Brandenburg ansässige

Millionen Deutsch sprechende Erwach-

Klein- und Mittelständische Unterneh-

sene mitunter erhebliche Lese- und

men (KMU) in den Branchen Bau, Reini-

Schreibdefizite haben; dies sind rund 14%

gung und Logistik.

der

in

Flankierend dazu wurden im Vorhaben

Deutschland. Aus der Studie geht ebenso

SPIN.PRO Multiplikatorenworkshops für

hervor, dass es sich dabei um keine ho-

unterschiedliche Akteure in Berliner

mogene Gruppe handelt. Männer und

Quartieren durchgeführt. Unter dem Be-

Frauen sind betroffenen sowie unter-

griff Quartier wird das räumliche und so-

schiedliche Bildungsniveaus und Alters-

ziale Wohnumfeld verstanden. Dort fin-

gruppen. Eine große Überraschung war

den soziale Kontakte statt, entstehen

mit 57% der hohe Anteil von erwerbstäti-

Netzwerke und werden (soziale) Dienste

gen Menschen.

angeboten.

Dies wurde als Chance gesehen, in Koope-

Ziel der Multiplikatorenworkshops war es,

ration mit Arbeitgebern Betroffene an ih-

das Thema Alphabetisierung und Grund-

rem Arbeitsplatz zu qualifizieren und da-

bildung gesellschaftlich zu verankern so-

bei arbeitsplatzrelevante Grundbildungs-

wie mögliche Anknüpfungspunkte zu den

kenntnisse zu vermitteln. Hierfür wurden

bereits bestehenden Strukturen, insbe-

54 Projekte vom Bundesministerium für

sondere der sozialen- und Bildungsstruk-

Bildung

turen, im Quartier herzustellen. Dadurch

erwerbstätigen

und

Bevölkerung

Forschung

gefördert. -3-

entwickelte Fortbildungsangebote


sollte erhoben werden, ob sich die Quar-

Rahmen eines Elternfrühstücks oder einer

tiersebene als Ausgangspunkt eignet, um

Reparaturwerkstatt.

Menschen mit Grundbildungsdefiziten zu

Genau diese lokalen Anlaufstellen, nach-

erreichen.

barschaftliche und soziale Einrichtungen,

Die Ergebnisse des Projekts SPIN.PRO be-

wurden

legen, dass sich das Thema Alphabetisie-

SPIN.PRO in unterschiedlichen Berliner

rung und Grundbildung in die vorhande-

Quartieren zum Thema Grundbildung und

nen sozialen Strukturen der Quartiers-

Alphabetisierung sensibilisiert. Teilneh-

ebene erfolgreich integrieren lässt, da

mer_innen waren dabei sowohl die Lei-

sich Betroffene genau dort Hilfe suchen,

ter_innen und Mitarbeiter_innen der Ein-

jedoch ohne ihre Grundbildungsdefizite

richtungen, als auch die Nutzer_innen der

zu offenbaren. Insbesondere dann, wenn

Angebote, welche teilweise von eigenen

die eigenen Lese- und Schreibkenntnisse

Lese- und Schreibschwächen und von ih-

nicht ausreichen, um das alltägliche Le-

ren Erfahrungen bei der Suche nach pas-

ben zeit- und ressourcenschonend zu

senden Angeboten berichteten. Für die

meistern - wie beispielsweise Behörden-

Sensibilisierungsmaßnahmen wurde der

gänge, Mietangelegenheiten oder Eltern-

sozialraumorientierte Ansatz angewen-

sprechtage – greifen die Betroffenen auf

det. Dieser wird in folgenden näher erläu-

lokale Unterstützungsstrukturen im Quar-

tert.

tier zurück.

im

Rahmen

des

Projekts

Aus den Ergebnissen der sozialraumbezo-

Diese können Nachbarschaftseinrichtun-

genen Vorgehensweise, bei der das Ge-

gen wie Stadtteiltreffs oder -zentren sein,

biet als Lebensraum aller Bewohner_in-

die anonyme Beratungen zu unterschied-

nen, Ausgangspunkt der Planung und

lichen Themenbereichen wie Behörden-

Durchführung von Sensibilisierungsmaß-

gänge oder Schuldnerberatung anbieten.

nahmen ist, lassen sich Handlungsemp-

Neben formellen Beratungsangeboten

fehlungen für zukünftige Vorhaben ablei-

unterstützen nachbarschaftliche Einrich-

ten. Diese werden anhand eines konkre-

tungen auch informelle Strukturen im

ten Fallbeispiels, der Sensibilisierung im

Quartier, wie die Selbstorganisation von

Quartier Schöneberger Norden, veran-

Bewohnergruppen,

schaulicht.

beispielsweise

im

-4-


WARUM SICH DER BLICK INS QUARTIER LOHNT Der sozialraumorientierte Blick richtet

In der Grundidee des sozialräumlichen

sich auf die Lebenswelt der Menschen.

Konzepts geht es nicht darum, dem ein-

Dabei wird unter dem Begriff Lebenswelt

zelnen Menschen zu helfen. Vielmehr sol-

der Raum verstanden, in dem soziales

len unter der Beteiligung möglichst aller

Handeln und Beziehungen stattfinden. In

Bewohner_innen Lebenswelten so gestal-

Großstädten ist das Quartier häufig de-

tet werden, dass Menschen in unter-

ckungsgleich mit der Lebenswelt der

schiedlichsten, auch prekären Lebenssitu-

Menschen. Das Quartier beeinflusst

ationen selbstständig leben können. Statt

durch die vorhandene (unterschiedlich

individuell oder zielgruppenspezifisch zu

qualifizierte) bzw. fehlende Bildungsinfra-

arbeiten, ermöglicht dieser Ansatz die ko-

struktur, die Bildungserfolge der Bewoh-

operative Gestaltung eines Sozialraums,

ner_innen entscheidend mit. Erreichbar-

in dem die Bewohner_innen zu unter-

keit und Qualität von Bildungsangeboten

schiedlichen Zielgruppen gehören und die

variieren

verschiedensten Problemlagen haben.

je

nach

Raum,

ebenso

die Erfahrungen der Bewohner_innen, die sich auch auf ihre Bildungsmotivation auswirken.

-5-


DEFINITION UND LEITLINIEN VON SOZIALRAUMORIENTIERUNG NACH HINTE Fünf Prinzipen stehen hinter dem zu

Bei der Frage nach dem Willen sollen

Grunde liegenden sozialräumlichen An-

keine allgemeinen Wünsche abgefragt

satz, welcher am „Institut für stadtteilbe-

werden, sondern der Wille eruiert wer-

zogene Soziale Arbeit und Beratung

den, durch eigene Kraftanstrengung ein

(ISAAB)“ an der Universität Duisburg-Es-

Ziel zu erreichen.

sen entwickelt wurde. Diese Prinzipien

Unterstützen von Selbsthilfe und Eigenini-

sind nicht als Regelwerk zu verstehen,

tiative

sondern dienen zur Orientierung insbesondere für die Jugendhilfe. In verschie-

Die Einschätzung des Willens gibt einen

denen Städten (Berlin und München) ist

Einblick darüber, an welcher Stelle eine

die Sozialraumorientierung auch kommu-

Aktivierung der Bewohner_innen sinnvoll

nalpolitische Strategie geworden. Hier ist

ist. Dabei sollten die vorhandenen profes-

sie eine Weiterentwicklung der Erfahrun-

sionellen Unterstützungsstrukturen im

gen aus dem Bund-Länder-Programm So-

Quartier hinzugezogen werden.

ziale Stadt sowie der Jugendhilfe und er-

Bei der Aktivierung der Bewohner_innen

möglicht raumbezogenes und ressort-

steht die langfristige Förderung der Eigen-

übergreifendes Planen und Handeln in

initiative im Vordergrund, statt kurzfristig

der Verwaltung.

stellvertretend für einzelne zu handeln. Beispielsweise Menschen mit Lese- und Schreibdefiziten für einen Kursbesuch zu

Orientierung am Willen und am Interesse

aktivieren, damit diese ein Formular zu-

der Menschen

künftig selber verstehen und ausfüllen

Für sozialraumorientiertes Arbeiten ist es

können, statt dies schnell stellvertretend

wichtig in Erfahrung zu bringen, welche

für sie zu tun.

Interessen die Menschen in Quartieren haben. Was stört oder bewegt sie? Zu welchen Themen können sie aktiviert werden. Dies kann allgemein oder unter einer bestimmten Themenstellung erfolgen.

-6-


Nutzen vorhandener (personaler und sozi-

Engagierte, formelle und informelle Netz-

alräumlicher) Ressourcen:

werke, Grünflächen, etc. Die vorhandenen Ressourcen sollten für alle erkennbar

Grundidee des Konzepts ist es, Schwä-

und nutzbar gemacht werden.

chen als Stärken zu betrachten und entsprechende Möglichkeiten herzustellen, um diese einzubinden. So können bei-

Zielgruppen- und bereichsübergreifende

spielsweise Menschen, die generell moti-

Orientierung durch übergeordnete The-

viert sind einen Weiterbildungskurs zu be-

menwahl:

suchen, aber den Kurs bisher immer wieder abgebrochen haben, als Expert_innen

Beim

sozialraumorientierten

bei der Frage eingebunden werden, wel-

steht nicht eine bestimmte Bewohner-

che Gründe es für einen Kursabbruch gibt

gruppe im Vordergrund, sondern der ein-

und wie ein Kurssetting besser gestaltet

zelne Mensch mit seinen Interessen. Ge-

werden könnte. Hierfür muss es von Sei-

bietsbezogene Aktivitäten müssen daher

ten der professionellen Akteure Interesse

alle Bewohner_innen mit ihren unter-

und Bereitschaft für die Zusammenarbeit

schiedlichen

mit Bewohner_innen geben. Dafür sollte

chen. Sozialraumbezogen ist somit ziel-

ein angemessener Rahmen der Mitwir-

gruppenübergreifend gedacht und bietet

kung hergestellt werden, in dem die Fä-

Formate der Beteiligung an, um möglichst

higkeiten der Bewohner_innen im Vor-

viele Bewohner_innen zu aktivieren und

dergrund stehen und die aktuelle Betrof-

einzubinden. Von typischen zielgruppen-

fenheit zurückgestellt wird.

spezifischen Aktivtäten ist zu Beginn ab-

Betroffenheiten

Konzept

anspre-

zuraten, um niemanden zu stigmatisie-

Neben den personalen Ressourcen soll-

ren. Aus der zielgruppenübergreifenden

ten die vorhandenen Ressourcen im Sozi-

Einbindung können sich jedoch bei Bedarf

alraum erfasst und genutzt werden. Diese

zielgruppenspezifische Maßnahmen oder

sind nicht immer auf den ersten Blick of-

Aktionen ergeben.

fensichtlich. Dazu gehören die Anzahl und Ausstattung der sozialen und nachbarschaftlichen Einrichtungen, ehrenamtlich

-7-


Kooperation und Koordination: Abspra-

möchte, sollten alle Nutzer_innen der

chen treffen und gemeinsame Aktionen

Bibliothek in die Konzepterstellung einge-

/Projekte planen

bunden werden, um eine mögliche Verdrängung von Nutzergruppen zu verhin-

Das Interesse und die Bereitschaft, mit al-

dern. Dementsprechend muss es auch

len Akteuren zu kooperieren und Koope-

von Seiten der Behörden und beteiligten

rationen anzuregen, ist grundlegend für

Einrichtungen die Bereitschaft geben, mit

diesen Ansatz. Lösungen für ein Quartier

allen Bewohner_innen zu kooperieren.

müssen breit aufgestellt und kooperativ

Die Beteiligung sollte an das Selbsthilfe-

entwickelt werden. Hierbei ist die frühzei-

potential und Engagement der Bewoh-

tige Einbindung von Ämtern und Behör-

ner_innen angepasst sein.

den wichtig, insbesondere bei ganzheitlich strukturellen Veränderungen. Wenn sich beispielsweise eine Stadtteilbibliothek

familienfreundlicher

aufstellen

-8-


FALLBEISPIEL SCHÖNEBERGER NORDEN (BERLIN)

Im

Rahmen

des

Verbundvorhabens

Gebietsbestimmung vornehmen

SPIN.PRO (2012-2015) wurden in unter-

 Was ist der Einzugsbereich

schiedlichen Berliner Quartieren Bewoh-

für mein Vorhaben?

ner_innen und lokale Akteure zum Thema

 Einzugsbereich festlegen

Alphabetisierung und Grundbildung sensibilisiert. Im Quartier Schöneberger Nor-

Planerische Grundlage für die Umsetzung

den konnten dadurch relevante Bildungs-

des sozialräumlichen Ansatzes ist die Ge-

akteure zum Thema sensibilisiert und zu

bietsbestimmung. Das Quartier ist kon-

Multiplikator_innen ausgebildet werden.

krete Bezugsgröße und Ausgangslage der

Diese

dauerte

Sensibilisierungsmaßnahmen. Dabei soll

mehr als sechs Monate und beinhaltete

der Raum nicht als reines geographisches

viele Besuche des Quartiers und persönli-

Gebilde betrachtet werden, sondern als

che Gespräche mit den Bewohner_innen.

soziale Wirklichkeit der Bewohner_innen.

Das Fallbeispiel Schöneberger Norden soll

Im Rahmen des SPIN.PRO Vorhabens

die Vorgehensweise eines sozialraumori-

wurde das Quartier Schöneberger Nor-

entierten Beratungs- und Sensibilisie-

den ausgewählt. Das Gebiet ist seit 1999

rungsansatzes zum Thema Alphabetisie-

Quartiersmanagement (QM) Gebiet, die-

rung und Grundbildung exemplarisch dar-

ser Gebietszuschnitt bildet die Lebens-

stellen und als Grundlage für allgemeine

welt der Bewohner_innen ab, die dort ei-

Handlungsempfehlungen (1) dienen.

nen Großteil ihres Alltags verbringen. Alle

Sensibilisierungsarbeit

relevanten Akteure (Bewohner_innen, soziale Träger, kommunale Verwaltung) sind mit dem Gebietszuschnitt vertraut.

-9-


Gebietsstrukturen recherchieren

zialraumorientierten Arbeitsgruppen aus-

 Welche Sozialstruktur gibt es im

tauschen, so dass eine Ansprache der einzelnen Träger nicht nötig war. Die ansäs-

Quartier?

sigen sozialen und nachbarschaftlichen

 Weiterführende Informationen über

Angebote wurden zielgruppenspezifisch

die Sozialstruktur im Gebiet auswer-

ausgewertet. Die Mehrzahl der Bildungs-

ten

angebote und Netzwerkaktivitäten be-

 Welche Informationen sind für mein

zieht sich auf jüngere Bewohner_innen,

Vorhaben relevant?

ein weiterer Fokus lag auf der Aktivierung

Für die Erhebung der Gebietsstrukturen

und Einbeziehung der Eltern in den Bil-

sind u.a. statistische Auswertungen sowie

dungsverlauf ihrer Kinder.

Berichte der kommunalen Fachplanung relevant. Da der Schöneberger Norden ein QM Gebiet ist, konnte auf das

Ziel des Vorhabens definieren

aktuelle „Integrierte Handlungs- und Ent-

 Was ist das Ziel der Intervention?

wicklungskonzept

 Wann sollen die Akteure sensibilisiert

2013/14“

(IHEK),

zurückgegriffen werden, in dem neben

werden?

statistischen Daten und einer Gebietsbe-

 Woran können sie mitwirken?

schreibung auch die vorhandene soziale Infrastruktur und Netzwerke beschrieben

Die Sensibilisierungsarbeit im Quartier

werden. Das IHEK des QMs Schöneberger

zielte darauf ab, bei den Bewohner_innen

Norden wurde auf Anknüpfungspunkte

das Interesse am Thema Erwachsenenbil-

zum Thema Alphabetisierung und Grund-

dung, speziell zum Thema Grundbildung,

bildung untersucht. Diese finden sich u.a.

zu wecken und den Willen und Bedarf an

in dem im IHEK identifizierten Handlungs-

Multiplikatorenschulungen zu erheben.

bedarf zum Thema Bildung, Ausbildung,

Daran sollten möglichst alle relevanten

Jugend im Gebiet wieder. Handlungs-

Akteure, potenzielle Nutzer_innen, sozi-

schwerpunkte sind hier: „Vernetzung der

ale und nachbarschaftliche Einrichtungen

Regeleinrichtungen untereinander sowie

und die Bezirkliche Volkshochschule be-

deren Vernetzung mit Angeboten anderer

teiligt werden. Durch die Ausbildung von

Akteure (besonders der Jugendhilfe), die

Multiplikator_innen sollte die Ansprache

Elternaktivierung und die Verbesserung

der Zielgruppe sowie die Weiterleitung an

der Sprach- und Lesekompetenzen.“

die lokalen Weiterbildungseinrichtungen gewährleistet werden. Langfristiges Ziel

Im QM Gebiet gibt es bereits vorhandene

war die Anpassung der Weiterbildungsan-

Netzwerkstrukturen zum Thema Bildung,

gebote an den Bedarf der Bewohner_in-

bei denen sich Akteure regelmäßig in so-

nen.

- 10 -


Form der Ansprache und Mitwirkung

der Kinder- und Jugendhilfe sowie der be-

 Finden Sie lokale Multiplikatorinnen

zirklichen VHS Träger zusammen. Sie trifft sich alle sechs Wochen und hat zum Ziel,

und Multiplikatoren, die Sie bei der

durch eine bessere Vernetzung und Sy-

Ansprache der Bewohner_innen un-

nergieeffekte, wie die gemeinsame Nut-

terstützen

zung von Ressourcen, kooperativ die Le-

Zu Beginn der Sensibilisierungsarbeit wur-

benssituation für Familien im Gebiet zu

den die professionellen Bildungsakteure

verbessern und die Beteiligung von Eltern

angesprochen, da sie die Rahmenbedin-

an dem Bildungsweg ihrer Kinder zu ge-

gungen der Sensibilisierung der Bewoh-

währleisten.

ner_innen maßgeblich mitbestimmen. Sie

Über die AG Steinmetzstraße gab es die

sollten eine Einschätzung zum Thema ge-

Idee, die im Gebiet tätigen Bildungsbot-

ben, von Erfahrungen und durchgeführ-

schafter, eine Schnittstelle zwischen pro-

ten Projekten berichten. Der Zugang zu

fessionellen Bildungsakteuren und Be-

dem sozialraumorientierten Netzwerk im

wohner_innen, für das Thema zu sensibi-

Schöneberger Norden erfolgte über die Arbeitsgemeinschaft

(AG)

lisieren und als Multiplikatoren für die An-

Steinmetz-

sprache der Bewohner_innen zu gewin-

straße. Die Arbeitsgemeinschaft „AG

nen.

Steinmetzstraße“ setzt sich aus Trägern

- 11 -


Entscheidungsverantwortliche und Be-

gebunden. Gemeinsam wurde ein Work-

wohner_innen informieren und einbinden

shop mit den Schwerpunkten: Einführung

 Vorhaben mit den professionellen

in das Thema, Auswirkungen auf Einzelne, Relevanz im Stadtteil konzipiert und

Akteuren absprechen, genauen

durchgeführt.

Handlungsrahmen definieren  Gemeinsam festlegen, was mit

Die Teilnehmer_innen, die in Schulen,

den Ergebnissen geschieht

Volkshochschulen, Nachbarschafts- und Jugendzentrum arbeiten, hatten zum

Durch die Ansprache der Arbeitsgemein-

Großteil in ihrem Arbeitsalltag Erfahrun-

schaft Steinmetzstaße wurden die im Ge-

gen mit der Zielgruppe gesammelt und sa-

biet relevanten Akteure zum Thema Bil-

hen sich nach der Schulung in der Lage,

dung, insbesondere die bezirkliche VHS

die Zielgruppe zu erkennen und anzuspre-

als zentraler Weiterbildungsanbieter ein-

chen.

- 12 -


Persönliche

tungen beraten sie niedrigschwellig an-

Ansprache von Bewohner_innen

dere Eltern, zeigen ihnen Bildungsmög-

 Offene und informelle Kommunikati-

lichkeiten auf, um den Bildungsweg der Kinder bestmöglich zu unterstützen. Die

onswege sind oft vertrauter als for-

Beratung erfolgt in Deutsch, Türkisch o-

male und bürokratische Vorgehens-

der Arabisch.

weise  Dort hingehen, wo Menschen sich

Für die Bildungsbotschafter_innen fanden im kurzen Abstand nacheinander fol-

aufhalten  Formate sollten sich an den Bedürf-

genden Informationsveranstaltungen in

nissen und Lebensumständen der

Form einer gelenkten Diskussion statt. Es

Menschen im Quartier orientieren,

war jederzeit möglich, Fragen zu stellen.

themenoffen sein ohne die Ziel-

Der thematische Einstieg ins Thema er-

gruppe zu diskriminieren und sich am

folgte über die Kinder (Wie erkenne ich,

Alltag orientieren.

dass mein Kind den gelesenen Text wirklich versteht?) und schloss mit den per-

Eine wichtige Schnittstellenfunktion zwi-

sönlichen Erfahrungen der Bildungsbot-

schen Bildungseinrichtungen und Bewoh-

schafter_innen zum Thema Grundbildung

ner_innen übernahmen die Teilneh-

und Alphabetisierung ab. Durch die Sensi-

mer_innen des Projekts Bildungsbot-

bilisierung fühlten sich die Teilnehmer_in-

schafter. In dem Projekt werden Eltern als Bildungsbotschafter_innen

nen ermutigt, auch als Erwachsene an der

ausgebildet

eigenen Bildung weiterzuarbeiten und an-

und sind Multiplikator_innen zum Thema

dere Eltern dafür zu motivieren.

Bildung. In Schulen, nachbarschaftlichen Einrichtungen und auf Bildungsveranstal-

- 13 -


Eine Bildungsbotschafterin war aktiv in

Ähnlich wie bei den Bildungsbotschaf-

drei informellen Elternnetzwerken im Ge-

ter_innen war das Thema nicht unbe-

biet: Einer Frauenfrühstücksgruppe in ei-

kannt, es gibt Erfahrungen mit den Eltern

nem Stadtteilzentrum sowie zwei Eltern-

einiger Teilnehmerinnen, und zum Teil

frühstücksformate in einer Kindertages-

waren sie selbst betroffen. Grundbil-

stätte und einer Grundschule. Alle drei

dungsdefizite wurden in den Veranstal-

Formate werden durch Sozialarbeiterin-

tungen der Bildungsbotschafter und in

nen mitorganisiert und teilweise auch

den Frühstücksformaten offen angespro-

moderiert. Der informelle Teil des Früh-

chen. Alle Teilnehmerinnen hatten einen

stücks eignete sich zum Kennenlernen der

Migrationshintergrund und sahen Wissen

Teilnehmerinnen und Vorstellen des Pro-

als wichtige Ressource, die im Laufe eines

jekts (2), anschließend wurden die Teil-

Lebens ausgebaut wird.

nehmerinnen zum Thema sensibilisiert.

- 14 -


Umsetzung und Weiterbearbeitung der

gab den Wunsch, an der Auswahl der Dis-

Ergebnisse

kussionsthemen beteiligt zu werden. Le-

 Ergebnisse so aufbereiten, dass sie in

bensnahe Themen wie Verbraucherschutz oder Gesundheitsvorsagemaßnah-

Zukunft nachvollziehbar und ver-

men wurden während der Sensibilisie-

wendbar sind

rung thematisiert und boten Potenziale,

 Ergebnisse den verantwortlichen

daran zukünftig weiter zu arbeiten. Die Er-

Stellen zur Verfügung stellen

gebnisse der Sensibilisierung wurden den

 Benennen Sie eine Kontaktperson zur

Teilnehmer_innen der AG Steinmetz-

Ergebnissicherung

straße vorgestellt und mit ihnen disku-

Die Sensibilisierung der Bildungsbotschaf-

tiert. Zum Abschluss der Sensibilisierung

ter_innen und Teilnehmerinnen der

wurden eine Sozialarbeiterin sowie eine

niedrigschwelligen

Frühstücksformate

Bildungsbotschafterin als Kontaktperson

brachte ein Interesse an alltagsbezoge-

für das Thema benannt, die Betroffene

nen Themen und den Bedarf nach nied-

bei der Vermittlung von Weiterbildungs-

rigschwelligen Lernsettings zu tage. Es

möglichkeiten unterstützen.

- 15 -


FUSSNOTEN (1) Handlungsempfehlungen in Anlehnung an die Checkliste aus dem Handbuch zur Partizipation Auftraggeberin: Senatsverwaltung fĂźr Stadtentwicklung und Umwelt Berlin Bearbeitung: L.I.S.T. Stadtentwicklungsgesellschaft mbH Berlin, Juni 2011, 2. Auflage Februar 2012 (2) An den drei Formaten nahmen zum Zeitpunkt der Sensibilisierung ausschlieĂ&#x;lich Frauen teil

- 16 -


LITERATURLISTE AG SPAS (2013): Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept 2013 (IHEK) Team Quartiersmanagement Schöneberger Norden. Becker, R., Schulze, A. (Hg.): Bildungskontexte: strukturelle Voraussetzungen und Ursachen ungleicher Bildungschancen, 145-171 (2013) Wiesbaden: Springer VS. Budde, Wolfgang/Früchtel, Frank (2005): Sozialraumorientierte Soziale Arbeit – ein Modell zwischen Lebenswelt und Steuerung. Teil 1 u. 2. In: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins (NDV), 7/2005, S. 238 – 242 und 8/2005, S. 287 – 292. Grotlüschen, Anke; Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Presseheft. Universität Hamburg, Hamburg. Hinte, Wolfgang (2013): Was ist Sozial-Raum-Orientierung? [online] abrufbar unter: http://www.lebenshilfe.de/de/leichte-sprache/mit-bestimmen/Downloads/Hinte-SozialRaum-Text.pdf. Hinte, Wolfgang/Fürst, Roland (Hg.) (2014): Sozialraumorientierung. Ein Studienbuch zu fachlichen, institutionellen und finanziellen Aspekten. Wien. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hg.) (2009): Handbuch zur Sozialraumorientierung. Grundlage der integrierten Stadt(teil)entwicklung Berlin. Ergebnisbericht 2009. Rahmenstrategie Soziale Stadtentwicklung. Auf dem Weg zu einer integrierten Stadt(teil)entwicklung (Teil B), Berlin. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hg.) (2011): Handbuch zur Partizipation, Berlin.

- 17 -


GESTALTUNG BILDNACHWEIS pro.fund GmbH www.profund-gmbh.de

Titel

time. / photocase.de

Seite 3

time. / photocase.de

Seite 5

jock+scott / photocase.de

Seite 8

ines89 / photocase.de

Seite 9

zach / photocase.de

Seite 11

jock+scott / photocase.de

Seite 12

sajola / photocase.de

Seite 13

docb.berlin

Seite 14

misterQM / photocase.de

Seite 15

Dot.ti / photocase.de

Seite 16

Fl端gelwesen / photocase.de

- 18 -


IM PRESSUM L.I.S.T. GMBH LIEBENWALDER STRASSE 2-3 13347 BERLIN INFO@LIST-GMBH.DE WWW.LIST-GMBH.DE

KONTAKT JULIA KUNZE JKUNZE@LIST-GMBH.DE

DIE VORHABENSPARTNER SIND: ZUKUNFTSBAU GMBH BERUFSFÖRDERUNGSWERK E.V. DES BAUINDUSTRIEVERBANDES BERLIN-BRANDENBURG E.V. TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, INSTITUT FÜR BERUFLICHE BILDUNG UND ARBEITSLEHRE L.I.S.T. LÖSUNGEN IM STADTTEIL STADTENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT MBH

Das Vorhaben „Strategien zur Personalentwicklung gewerblicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ ist Teil des Förderschwerpunktes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“. Dieses Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter den Förderkennzeichen 01AB12017A, 01AB12017B, 01AB12017C, 01AB12017D gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.

- 19 -

SPINPRO LEITFADEN BUCH # 5 SPEZIAL Im Quartier für Grundbildung sensibilisieren  
SPINPRO LEITFADEN BUCH # 5 SPEZIAL Im Quartier für Grundbildung sensibilisieren  
Advertisement