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IN HALT BASISBILDUNG AM ARBEITSPLATZ

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DER BILDUNGSANBIETER UND SEINE MITARBEITER UND MITARBEITERINNEN

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BASISBILDUNG AM ARBEITSPLATZ Basisbildungsangebote für gering qualifi-

Letztere haben mitunter auch einen allge-

zierte Beschäftigte unterscheiden sich in Pla-

meinen Bezug zur Arbeitswelt, richten sich

nung, Durchführung und Zielgruppe erheb-

aber vornehmlich an arbeitssuchende Perso-

lich von allgemeinen Angeboten zur nachho-

nen, denen im Rahmen von geförderter Be-

lenden Basisbildung.

schäftigung Basisbildungsangebote gemacht werden.

Arbeitsplatzbezogene Basisbildung für Mitar-

Arbeitsplänen und Übergabenotizen, die Er-

beiter und Mitarbeiterinnen in Unternehmen

stellung und Verwendung von Tabellen und

orientiert sich hingegen an realen Aufgaben,

Diagrammen oder die Umsetzung von Ar-

welchen man in Arbeitssituationen begegnet,

beitsanweisungen und die Dokumentation

z.B. die Anwendung und Beachtung von Ge-

von erledigten Aufgaben bzw. Aufträgen.

sundheits- und Sicherheitshinweisen oder

Arbeitsplatzbezogene Basisbildung ist im Ge-

Bedienungsanleitungen, die Anfertigung von

gensatz zum Deutschunterricht nicht nur die -3-


Vermittlung von Leseverstehen und schriftli-

- unterschiedliche Mengen, Maße und Grö-

cher Ausdrucksfähigkeit, sie vermittelt alle

ßen, Temperaturen und Materialeigen-

Kompetenzen, die für die selbstständige Be-

schaften beurteilen,

wältigung einer Aufgabe oder Arbeitssitua-

- geeignete Messgeräte auswählen und able-

tion benötigt werden.

sen und die Ergebnisse in schriftlicher (nu-

Lese-, Schreib-, Rechenkompetenzen sowie

merischer) Form festhalten.

Kommunikationskompetenz (Zuhören und

Arbeitsplatzbezogene Basisbildung setzt vo-

mündliche Ausdrucksfähigkeit) sind z. B.

raus, eine Aufgabe oder Arbeitssituation bzw.

„gleichzeitig“ erforderlich, wenn Sie

einen Arbeitsplatz zunächst daraufhin zu „un-

- dem Teamleiter zuhören, der über eine ver-

tersuchen“, welche einzelnen Kompetenzen

änderte Reihenfolge in der Bearbeitung

(mündliche Kommunikation, Lesen und Text-

verschiedener Aufträge informiert,

verstehen, Schreiben, Mathematik, Techno-

- eine Arbeitsplatzbeschreibung lesen, die

logie und IKT) tatsächlich gefordert sind.

auch Zahlen und Grafiken enthält,

Diese Kompetenzen werden auch getrennt

- mit einem Kollegen die Übergabe von Auf-

dokumentiert und beschrieben, müssen aber

gaben besprechen und dabei gleichzeitig

in der Weiterbildung kombiniert vermittelt

mündliche und schriftliche Informationen

und geschult werden.

erhalten oder weitergeben,

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WAS BEDEUTET DIES NUN FÜR DIE ARBEIT DES WEITERBILDUNGANBIETERS? Wir gehen davon aus, dass viele Bildungsan-

trifft. Und wir wissen, dass es nur vereinzelt

bieter und deren Projektmanager/innen so-

Bildungsanbieter gibt, die sowohl über Exper-

wie Lehrpersonal sehr unterschiedliche - mit-

tise in der Basisbildung Erwachsener, als auch

unter auch wenige - Erfahrungen haben, was

in der Konzeption und Durchführung solcher

die Zusammenarbeit mit Unternehmen be-

Angebote in Unternehmen verfügen.

Um arbeitsplatzorientierte Basiskompeten-

- Lernziele und Lerninhalte müssen sich auf

zen erfolgreich zu schulen, ist eine sehr spe-

den Arbeitsalltag beziehen (Kontextualisie-

zifische Ausrichtung der Weiterbildungsange-

rung) und

bote auf die Bedarfe des Betriebs und die Be-

- der Transfer des Gelernten zurück an den

dürfnisse der Mitarbeiter und Mitarbeiterin-

Arbeitsplatz muss sichergestellt werden

nen notwendig:

(d. h. das Gelernte muss am Arbeitsplatz anwendbar sein).

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Um betriebliche Bildungsmaßnahmen dieser

- Branchenkenntnissen,

Art anbieten und durchführen zu können, be-

- Kenntnissen aus PR- und Öffentlichkeitsar-

nötigen Bildungsanbieter Personal mit erwei-

beit (Akquisition, Pressearbeit und Wer-

terten Kompetenzen und neuen Qualifikati-

bung),

onsprofilen.

- hohen fachlichen und methodischen Kom-

Denn als Bildungsanbieter sind Sie nun be-

petenzen in der Erwachsenenbildung mit

trieblicher Dienstleister („Unternehmensbe-

dem Schwerpunkt Basisbildung.

rater“ für Basisbildung im Rahmen beruflicher Fortbildung) und benötigen Mitarbeite-

Eine Beratungsleistung muss während des

rinnen und Mitarbeiter mit

gesamten Bildungsprojektes gewährleistet

- entsprechender Beratungskompetenz,

sein (sie ist genauso wichtig wie die eigentli-

- Kenntnissen aus der beruflichen Bildung

che Bildungsleistung).

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DER BILDUNGSANBIETER UND SEINE MITARBEITER UND MITARBEITERINNEN

Bewusst stellen wir im Folgenden Funktionen

Schweizerischen Verbandes für Weiterbil-

und nicht Stellenprofile vor, da es auf Größe

dung (SVEB) und seines Projektes GO (Förde-

und/oder Personalstruktur des Bildungsan-

rung der Grundkompetenzen von Erwachse-

bieters ankommt, ob eine Funktion immer

nen) - sind 4 Funktionen (davon 3 beim Bil-

klar einer Person zugewiesen werden kann o-

dungsanbieter) für die erfolgreiche Durch-

der ob mehrere (Teil-)Funktionen von nur ei-

führung von Weiterbildungsangeboten mit

ner Person übernommen werden.

Basisbildung in Unternehmen erforderlich:

Erfahrungsgemäß - und hier beziehen wir uns im Besonderen auch auf die Expertise des

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Der/die betriebliche Mentor/in

Der/die Trainer/in

Er/sie unterstützt seitens des Betriebes, öff-

Er/sie ist in die Planung der Bildungsangebote

net Türen, fungiert als Multiplikator/in, An-

involviert, führt sie durch und entwickelt ge-

sprechpartner/in und Unterstützer/in des

eignete Unterrichtsmaterialien mit Bezug

Projektes.

zum Arbeitsplatz. Im Unterschied zu den “traditionellen” Auf-

Der/die Projektmanager/in

gaben und Rollen bei einem Anbieter der Er-

Er/sie ist Hauptansprechpartner/in des Be-

wachsenenbildung müssen alle am Bildungs-

triebes, plant, koordiniert und steuert das Bil-

prozess beteiligten Personen folgende Kom-

dungsprojekt und ist für weitere Aktivitäten

petenzen und Qualifikationen mitbringen:

wie PR, Sensibilisierung und Information von

- Dienstleister eines Unternehmens für des-

gesellschaftlichen und betrieblichen Stake-

sen Bedarf zu sein,

holdern verantwortlich.

- über Kenntnisse der beruflichen Fortbil-

Der/die Bedarfsermittler/in

dung (branchenbezogen) sowie

Er/sie analysiert den Arbeitsplatz, erstellt ein

- Expertise in der Erwachsenenbildung mit

Tätigkeitsprofil, strukturiert die entsprechen-

dem Schwerpunkt Basisbildung verfügen,

den Basisbildungsinhalte. Des Weiteren be-

- Erfahrung in der Planung und Durchführung

reitet er/sie die Interviews mit den Unterneh-

von Trainings mit dem Schwerpunkt Basis-

mensverantwortlichen zur Bedarfserhebung

bildung (in den Kompetenzdimensionen Le-

vor sowie die mündlichen und schriftlichen

sen und Schreiben, Mathematik, Medien

„Assessments“ für die Mitarbeiterinnen und

und Kritisches Denken/Handlungskompe-

Mitarbeiter.

tenz) haben.

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PROJEKTMANAGER/IN

Von ihm/ihr erwartet ein Unternehmen, dass

Der/die Projektmanager/in steuert von Be-

er/sie

ginn bis Abschluss die Bildungsmaßnahme im

- die Sprache des Unternehmens spricht (je

Unternehmen und leitet beim Bildungsanbie-

nach Branche unterschiedlich),

ter das Team. Er/sie

- schnell die Bedarfe erfasst und versteht,

- klärt, welche Personen aus dem Unterneh-

- diese Bedarfe in der Sprache des Unterneh-

men in welcher Funktion in die Bildungs-

mens zusammenfasst,

maßnahme involviert sind,

- den Mehrwert bzw. die Opportunitätskos-

- legt dar, inwieweit Zielgruppe, Umfang, Ba-

ten der Weiterbildung für das Unterneh-

siskompetenzbereich für die Bildungsmaß-

men aufzeigt,

nahme feststehen bzw. genauer definiert

- aus den erhaltenen Informationen ein pas-

werden müssen,

sendes Angebot konzipiert.

- trifft verbindliche Abmachungen und dokumentiert Resultate,

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- klärt, welche Personen im Betrieb kontak-

Im Rahmen seiner Tätigkeit übernimmt

tiert werden müssen,

der/die Projektmanager/in auch die Konzep-

- plant mit dem Unternehmen, wie ggf. das

tion und Durchführung von Veranstaltungen

Bildungsangebot betriebsintern beworben

zur Sensibilisierung und Information oder die

wird,

Beratung unterschiedlicher Stakeholder und

- koordiniert die Bedarfsanalyse und die

Multiplikatoren (Vertreter/innen aus Politik,

Durchführung des Bildungsangebotes,

Verwaltung und Unternehmen - Manage-

- stellt die regelmäßige Rückmeldung zu den

ment, Mitarbeitervertretung) und ist verant-

Lernzielen an die Verantwortlichen des Un-

wortlich für die Öffentlichkeitsarbeit und Ver-

ternehmens sicher und berichtet dem Un-

öffentlichungen in Print- und Onlinemedien.

ternehmen zu Abschluss der Fortbildung über die Resultate.

Werbung*

* Beispiele aus der Plakatkampagne 2013 der französischen Agence Nationale de Lutte Contre l'Illettrisme

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DER/DIE BEDARFSERMITTLER/IN

Von ihm/ihr wird erwartet, dass er/sie

- führt Arbeitsplatzbeobachtungen durch

- über Kenntnisse der Branche und Berufsfel-

und dokumentiert die Ergebnisse,

der verfügt,

- definiert die zu den beobachteten Tätigkei-

- mit Fachleuten des Unternehmens Tätig-

ten gehörenden Basisbildungskompeten-

keits- und Arbeitsplatzanalysen durchführt

zen,

und - Basisbildungskompetenzen

- konzipiert und plant Interviews und schriftbeschreiben

liche Tests mit Mitarbeiterinnen und Mitar-

kann, die für die Ausführung der beobach-

beitern zur Kompetenzfeststellung und Be-

teten Tätigkeiten notwendig sind.

darfserhebung,

Der/die Bedarfsermittler/in erhebt in Koope-

- gleicht die Ergebnisse mit dem Bedarf des

ration mit dem Unternehmen den Basisbil-

Unternehmens ab,

dungsbedarf am Arbeitsplatz und die Bil-

- entwirft zusammen mit Projektmanage-

dungsbedarfe der Mitarbeiterinnen und Mit-

ment und Trainer/in ein konkretes Bil-

arbeiter. Er/sie

dungsangebot.

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DER/DIE TRAINER/IN

An den/die Trainer/in sind umfangreiche An-

kann (Arbeitsorganisation, Fachwortschatz,

forderungen gestellt, seitens seines Teams

Arbeitsabläufe …),

und seitens des Unternehmens sowie der

- Fortbildungseinheiten mit der Vermittlung

Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der

unterschiedlicher Kompetenzdimensionen

Weiterbildung. Von ihm/ihr wird erwartet,

in der Basisbildung (Lesen und Schreiben,

dass er/sie

Mathematik, Medien und Kritisches Den-

- zeitlich örtlich flexibel ist (ungünstige Kurs-

ken/Handlungskompetenz)

zeiten: morgens, abends, Kurse vor Ort im

planen

und

durchführen kann,

Unternehmen und am Arbeitsplatz),

- in der Lage ist, erwachsenengerechte Un-

- über Expertise in der Erwachsenenbildung

terrichtsmaterialien mit Bezug zum Arbeits-

mit dem Schwerpunkt Basisbildung verfügt,

platz zu entwerfen,

- über Kenntnisse in den jeweiligen Berufsfel-

- im Rahmen einer Lernbegleitung Lernfort-

dern verfügt bzw. sich schnell Kenntnisse in

schritte und Bedarfe dokumentiert und ggf.

den jeweiligen Berufsfeldern aneignen

Teilnehmende individuell fördert. - 12 -


Der/die Trainer/in ist ebenfalls aktiv invol-

Der/die Trainer/in

viert in die

- plant und dokumentiert Lehr- und Lernein-

- Definition der Lernziele, und die Entwick-

heiten,

lung eines methodisch-didaktischen Rah-

- führt unter Beachtung geeigneter Lehr- und

mens (mit striktem Bezug zu den Arbeits-

Lernstrategien Lerneinheiten durch,

platzanforderungen),

- entwickelt mit Teilnehmern und Teilneh-

- Entwicklung von Tests, um Lernfortschritte

merinnen individuelle Lernstrategien,

zu dokumentieren und die Erreichung der

- überprüft den Lernfortschritt und achtet

Lernziele zu kontrollieren.

darauf, dass die individuell festgelegten Lernziele bezüglich der benötigten Basiskompetenzen für den Arbeitsplatz erreicht werden.

Und … … Trainer und Trainerinnen müssen geschult werden: zu Schulungskonzepten und Schwerpunkten siehe die Publikation:

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IM PRESSUM ZUKUNFTSBAU GMBH CHARLOTTENBURGER STR. 33 A 13086 BERLIN INFO@ZUKUNFTSBAU.DE WWW.GRUNDBILDUNG-UND-BERUF.INFO

KONTAKT DR. KLAUS J. BUNKE KJBUNKE@ZUKUNFTSBAU.DE

DIE VORHABENSPARTNER SIND: ZUKUNFTSBAU GMBH BERUFSFÖRDERUNGSWERK E.V. DES BAUINDUSTRIEVERBANDES BERLIN-BRANDENBURG E.V. TECHNISCHE UNIVERSITÄT BERLIN, INSTITUT FÜR BERUFLICHE BILDUNG UND ARBEITSLEHRE L.I.S.T. LÖSUNGEN IM STADTTEIL STADTENTWICKLUNGSGESELLSCHAFT MBH

Das Vorhaben „Strategien zur Personalentwicklung gewerblicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“ ist Teil des Förderschwerpunktes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“. Dieses Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter den Förderkennzeichen 01AB12017A, 01AB12017B, 01AB12017C, 01AB12017D gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.


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Beispiel aus der Plakatkampagne 2013 der franzรถsischen Agence Nationale de Lutte Contre l'Illettrisme

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Beispiel aus der Plakatkampagne 2013 der franzรถsischen Agence Nationale de Lutte Contre l'Illettrisme

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