top.tirol (Feber 2016)

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AUSBILDUNGSPFLICHT BIS 18 JAHRE FRAGEN UND ANTWORTEN Ausgabe # 1/März 2016

Das große

Gemeinde­ ranking Zahlen, Daten, Fakten zu Tirols 279 Gemeinden

ZIAL: STEUER-SPEER KLÄREN, WAS TIROLER EXPERTEN . WISSEN MÜSSEN UNTERNEHMER

EINE BEILAGE DER


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top.tirol

EDITORIAL

Inhalt

14 Liebe Leserin, lieber Leser!

A

us aktuellem Anlass haben wir in der neuen Ausgabe von top.tirol zwei Themenschwerpunkte gesetzt: Zum einen stehen in nahezu allen Tiroler Gemeinden Wahlen an – Zeit, einen genauen Blick auf sie zu werfen. In unserem zehnseitigen Gemeinderanking (ab S. 14) präsentieren wir Ihnen unter anderem die reichsten und ärmsten Gemeinden sowie die am längsten amtierenden Bürgermeister. Und im Interview beantwortet Gemeindelandesrat Johannes Tratter fünf Fragen zur aktuellen Gemeindepolitik. Im Steuer-Spezial hingegen widmen wir uns in Kooperation mit der Kammer der Wirtschaftstreuhänder den wichtigsten Neuerungen im Jahr 2016. Auf 20 Seiten erfahren Unternehmer aus erster Hand zum Beispiel was es bei der Registrierkassenpflicht zu beachten gilt, wie sie Verluste verwerten können oder welche Vorteile E-Autos als Firmenwagen bringen (ab S. 32). In weiteren Berichten erfahren Sie, wie es um die Zahlungsmoral in Tirol bestellt ist (S. 54) und wie die zur besten Unternehmerin Österreichs gekürte planlicht-Chefin Felicitas Kohler erfolgreich ausländische Märkte erobert (S. 10). Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre. Die Redaktion

TIROLS GEMEINDEN

10 INTERVIEW: FELICITAS KOHLER

28

58

WERKSTÄTTE WATTENS

AUTO-SPECIAL

54 ZAHLUNGSMORAL

5

Wenn Zahlungen ausbleiben

54

Interview: Felicitas Kohler

10

Großevents richtig versichern

56

Großes Gemeinderanking

14

Auto-Special

58

Die Ausbildungspflicht kommt

24

Zehn Prinzipien guter Werbung

66

Werkstätte Wattens

28

Klüger werden mit: Rolf Schmiel

70

Steuer-Spezial

32

Kurz gefragt: Johanna Penz

Impressum top.tirol – Die besten Seiten der Tiroler Wirtschaft, Beilage der Tiroler Tageszeitung, März 2016 Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 6020, office@target-group.at, www.target-group.at Mitarbeiter dieser Ausgabe: Thomas Bucher, Marco Lösch, BA, Eva-Maria Hotter, Eva Schwienbacher, BA, Klaus Erler, Daniel Feichtner, Ernst Spreng, Matthias Krapf, BA, Walter Mair, Julia Brandner · Anzeigenverkauf: Wolfgang Mayr, verkauf@target-group.at · Hersteller: Intergraphik, Innsbruck Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.

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3


Industrie

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Tourismus

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KURZ GEFRAGT

Johanna Penz Geschäftsführerin der ART Kunstmesse GmbH

Mein Lebensmotto: Das Leben ist schön! Möge es lange dauern Daher bekomme ich meine Motivation: Aus der positiven und begeisterten Resonanz meiner ART-Fans Der Standort Tirol ist für mich: Ein wichtiges Sprungbrett für nachhaltigen Erfolg, sowohl in der Heimat als auch auf internationaler Basis An meiner Arbeit mag ich: Dass sie sich seit vielen Jahren buchstäblich laufend neu erfindet, aufbauend auf den Erfahrungen der Vergangenheit Die beste Entscheidung meines Lebens: Die ART Innsbruck anstelle eines einträglichen Berufslebens an der Spitze eines österreichischen Unternehmens trotz Unkenrufen von allen Seiten ins Leben zu rufen In diesem Jahr freue ich mich auf: Einen schönen Sommer mit viel Sport, Spiel und Spaß und auf die spannende Vorbereitung der 21. ART Innsbruck erstmals im Dezember 2016

Für die Zukunft wünsche ich mir: Gesundheit und Stärke für meine weiteren Pläne Kunst bedeutet für mich: Mein Leben! Kunst verbindet – sie holt uns heraus aus dem Alltag und scheint uns unprätentiös auf eine von allem alltäglichen Trott losgelöste Ebene zu heben Das Besondere an der ART Innsbruck: Sie lässt Menschen mit hochkarätiger Kunst in einer überbordenden Fülle all ihrer Ausdrucksformen auf internationaler Basis in Berührung kommen Besonders stolz bin ich auf: Meinen 14-jährigen Sohn Marco und auf mein „zweites Kind“ ART Innsbruck, welche der Kunst einen unverrückbaren Stellenwert in unserer vor 20 Jahren bislang einzig von Sport geprägten Wahrnehmung beschert hat Als Frau in einer Führungsposition braucht man: Selbstbewusstsein, sich seiner Stärken sicher sein, Entscheidungsfreudigkeit Die ART 2016 war für mich: Die beste ART aller Zeiten!

© WWW.GUENTHEREGGER.AT

Funktion: Gründerin und Veranstalterin der ART Innsbruck – Internationale Messe für zeitgenössische Kunst & Antiquitäten

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Energiehungriges Tirol Tirol wächst. Das bezeugt nicht zuletzt der zunehmende Bedarf an Energie im Bundesland. Doch woher kommt sie und wer benötigt sie? top.tirol zeigt den Energiefluss durch Tirol.

Vergleichbar gemacht

Kraftprotz: Die TIWAG ist Tirols größter Stromerzeuger und produziert zu 100 % Ökostrom. 2014 lieferte sie 3.178,6 GWh Strom, das sind umgerechnet 11.442,96 TJ. **

Joule bzw. Terajoule sind eine generelle Einheit für Energie. Während spezifische Energieformen in anderen Maßeinheiten gemessen werden, wie zum Beispiel Elektrizität in Kilowattstunden, macht erst die Umrechnung in Joule verschiedene Energieträger miteinander vergleichbar. Dabei ist 1 Joule die Energie, die nötig ist, um ein Objekt mit einer Masse von 100 Gramm, z. B. eine Tafel Schokolade, auf Seehöhe um einen Meter zu heben. Ein Terajoule ist also (theoretisch) die Energie, die aufgewandt werden muss, um 10 Millionen Tafeln Schokolade auf 100 Kilometer Höhe und damit an die Grenze zum Weltraum zu befördern.

Rohenergie made in Tirol* (Angaben in TJ)

Tirol deckt rund 40 Prozent der im Bundesland verbrauchten Energie durch eigene Produktion ab, die fast vollständig auf erneuerbaren Energiequellen basiert.

Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht jährlich 3.500 kWh** oder 0,0126 Terajoule. Mit einem Terajoule können dementsprechend knapp 80 Haushalte für ein Jahr mit Energie versorgt werden.

Brennholz

4.423

Wasserkraft

23.345

Pellets + Holzbriketts

3.458

Netto-Importe* (Angaben in TJ) Einige Energieträger können in Tirol nicht gewonnen werden. Das sind vor allem fossile Brennstoffe und Produkte, die daraus gewonnen werden. Diese führten auch 2014 die Importliste an. Steinkohle:

14

Koks:

985

Holzkohle:

28

Petroleum:

1.221

Benzin:

7.070

Braunkohlen-Briketts:

32

Biodiesel:

1.927

Gasöl für Heizzwecke:

7.590

552

Sonstige Produktion der Erdölverarbeitung:

3.546

Naturgas:

11.842

Diesel:

29.355 Quellen: * Bundesländer-Energiebilanz 1988–2014, Tirol, Statistik Austria ** Tiwag

6

Braunkohle:

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1988

68.297

1994

73.128

1999

84.736

2004

105.499

2009

100.935

2014

106.816 Angaben in TJ


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„Kraftwerk Tirol“* In Tirol wurden 2014 gut 75 Prozent mehr Rohenergie produziert als 26 Jahre zuvor. (Angaben in TJ)

24.459 1988

26.276

33.051

1994

1999

37.813 38.331 2004

43.823

2009

2014

Netto-Exporte* (Angaben in TJ)

Deponiegas

95

Sonstige biogene Energieträger

140

Im Vergleich zu den Importen halten sich die Energie-Exporte Tirols in Grenzen.

Biogas

286

Klärgas

62

1.980

600 Geothermie

Ein Großteil der in Tirol genutzten Energie und Energieträger fließt an vier Verbrauchergruppen. Zudem konsumiert auch die Energieerzeugende Wirtschaft einen Teil ihrer eigenen Produktion. Ein kleiner Prozentsatz geht außerdem beim Transport verloren oder wird zu anderen Zwecken als zur Energiegewinnung genutzt. (Angaben in TJ)

Solarwärme Photovoltaik

157 Holzabfall

9.664

Verkehr:

40.268

37,7 %

Private Haushalte:

19.814

18,6 %

Produzierender Bereich:

19.336

18,1 %

Öffentliche und private Dienstleistungen:

12.882

12 %

3.574

3,4 %

Energiewirtschaft:

Steigender Bedarf* Tirols energetischer Bruttoinlandsverbrauch ist zwischen 1988 und 2014 um 56 Prozent gestiegen.

920

Energiekonsumenten*

8

771

Pellets+Holzbriketts: Elektrische Energie:

Umgebungswärme

Der Niedergang des Heizöls* In den letzten 26 Jahren sind die Heizöl-Netto-Importe um mehr als das 17-fache gesunken. Importzahlen in TJ

8.944

9.000 8.000

5.965

7.000

4.879

6.000 5.000 4.000

3.505 1.302

3.000 2.000

510

1.000 0

1988

1994

1999

2004

2009

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2014

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top.tirol

Menschen & Märkte Heimische Unternehmen und erfolgreiche Veranstaltungen machen Tirol zu einem höchst attraktiven Wirtschaftsstandort.

BIO vom BERG: Umsatz steigt weiter

Der Umsatz des Tiroler Bio-Erzeugerlabels lag 2015 bei sieben Millionen Euro. Beflügelt von diesem Erfolg präsentierte sich die Tiroler Marke Mitte Februar 2016 bereits zum 15. Mal auf der Biofach, der weltgrößten Fachmesse für Bio-Lebensmittel in Nürnberg. Der Hintergrund: Auch der Markt in Deutschland ist mit stark steigender Tendenz Abnehmer für Bioqualität aus Tirol: Rund 750 Bio-Läden und -Supermärkte sowie ca. 70 Wochenmärkte bieten BIO-vom-BERG-Produkte deutschlandweit zum Kauf an. Mehr als 600 Tiroler Biobauern liefern das 130 Produkte umfassende Sortiment, mit dem sich BIO vom BERG in Nürnberg präsentiert.

© ATP/BECKER LACOUR

2015 erwirtschaftete BIO vom BERG in Tirol ein Umsatzplus von zehn Prozent gegenüber 2014.

Der Hörtnagl-Standort in Hall in Tirol wurde 1996 eröffnet und in den Jahren 2004 und 2014 um neue hochmoderne Produktionsflächen erweitert.

© WAIQI (2)

Kabellose Ladestationen made in Tirol

D

ie heimischen Gründer Johannes Postler und Fabian Hochheimer produzieren mit ihrer Smart Wood GmbH kabellose „WAIQI”-Ladestationen aus Holz für Smartphones. Über die Crowdfunding Plattform „Kickstarter” konnte die Produktion vorfinanziert werden, die erste „WAIQI”Charge wurde noch vor Weihnachten in alle Welt ausgeliefert. Über den gerade fertiggestellten Online-Shop www.waiqi.at/shop lassen sich die Ladegeräte aus verschiedenen Hölzern jetzt einfach per Internet bestellen.

Erfolgreiches Startup: die „WAIQI”-Erfinder Fabian Hochheimer (li.) und Johannes Postler

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Erweiterung der App für das Smart Home Auch die intelligente „WAIQI”-App wurde in den letzten Monaten weiterentwickelt und um neue Funktionen erweitert. In Zusammenarbeit mit dem lokalen Elektrotechnik-Haus EAE Stöckl wurde die App für das Smart Home fit gemacht. Ab der neuesten Version kann die „WAIQI”-App nun in Smart Homes, die mit dem KNX-Standard ausgerüstet sind, sämtliche Haustechnik steuern. Es kann z. B ein Profil „TV“ angelegt werden: Sobald das Handy am „WAIQI” neben dem Fernseher liegt, werden dann z. B. die Jalousien niedergefahren oder das Licht gedimmt.


© HANSATON

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Andrä Hörtnagl feiert 20 Jahre Standort Hall Seit der Betriebs-Übersiedelung im Jahr 1996 von Innsbruck nach Hall konnte Hörtnagl die Produktion laufend erweitern und konsequent in die Qualitätssicherung investieren.

D

er 1996 im Gewerbegebiet Hall eröffnete Standort der Andrä Hörtnagl GmbH beherbergt Anlieferung, Zerlegung, Verarbeitung, Verpackung, Kommissionierung, Auslieferung sowie die Verwaltung und einen Abholmarkt. In den Standort in Hall mit einer Gesamtfläche von 5.700 Quadratmetern investierte das Unternehmen 10 Mio. Euro. Zehn Jahre später wurde eine 500 Quadratmeter große Halle mit Anlagen für den Verpackungs- und Kommissionierungsbereich errichtet. Damit flossen weitere zwei Millionen Euro in die regionale Standortsicherung. Im Jahr 2013 wurde das Tiroler Traditionsunternehmen 150 Jahre alt, im Frühjahr 2014 konnte die neue, 1.500 Quadratmeter große Produktionshalle fertiggestellt werden. Die Produktionsfläche vergrößert sich so auf insgesamt 7.200 Quadratmeter. Die Investitionssumme beträgt mehr als sechs Mio. Euro.

Hansaton-Geschäftsführer Oliver Lux lädt zur Eröffnung des ersten Hörkompetenz-Zentrum Österreichs.

Hörkompetenz-Zentrum im Herzen der Stadt Hansaton wird 55. Pünktlich zum Jubiläum eröffnet das heimische Unternehmen in der Innsbrucker Anichstraße 24 Österreichs erstes Hörkompetenz-Zentrum mit 360°-Rundum-Betreuung zum Thema „Hören und Verstehen”. Ab Anfang April beraten hier auf über 400 Quadratmetern Experten zu den Bereichen Hörgeräte, Kinderakustik und Gehörschutz. Das Ziel von Hansaton ist es dabei, die Lebensqualität von Menschen mit Hörminderung zu verbessern. Am 31. März 2016 findet die feierliche Shop-Eröffnung statt. Für das Rahmenprogramm konnte die junge Cellistin und Singer-Songwriterin Marie Spaemann verpflichtet werden. Ein weiterer Gast des Abends ist Peter Kollreider, Komponist am Landestheater. Um Anmeldung bis zum 18. März 2016 unter info@hansaton.at wird gebeten, die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Die Schwazer Innenstadt als Zentrum für Leben und Wohnen, für Freizeit, für Handel und Handwerk sowie für den Tourismus aufzuwerten: Das ist das Ziel des laufenden Stadtentwicklungsprozesses des Gemeinderates. Außerdem sollen Leerstandsflächen im Stadtzentrum minimiert und ein ausgewogener Branchenmix gefördert werden. In den Stadtentwicklungsprozess wurden über Vermittlung des Cluster Erneuerbare Energien der Standortagentur Tirol auch die Universität Innsbruck und die FH Kufstein eingebunden: Insgesamt 50 Studierende erarbeiteten Entwicklungsszenarien für die Schwazer Innenstadt.

© STANDORTAGENTUR TIROL

Entwicklung für Schwaz

Vizebürgermeister Mag. Martin Wex (2. v. re.) und Baureferent DI Christoph Prem (re.) bei der Projektpräsentation mit DI Ursula Faix, Prof. Markus Mailer (li.) und Johannes Steiger, MSc (Cluster Erneuerbare Energien, 2. v. li.).

© VILLA BLANKA

Umbau Villa Blanka abgeschlossen

B

eim aktuellen Ausbau der Tourismusschulen und des Fachhochschulstudiengangs Tourismus der Villa Blanka wurden 3,9 Mio. Euro in die neue Bausubstanz investiert. Das Ausbildungszentrum ist damit um über 840 Quadratmeter gewachsen. Dabei wurden auch neue Seminarräume (380 m2) geschaffen, die mit modernster technischer

Ausstattung und Panorama-Ausblick auf die Stadt punkten. Die Träger des Vereins Tourismusschulen Villa Blanka Innsbruck, bestehend aus den Mitgliedern der WK Tirol, Fachgruppe Gastronomie und Fachgruppe Hotellerie, haben seit 1959 ca. 20,6 Mio. Euro in diesen Ausbildungsstandort für Tourismus­berufe investiert.

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© DOMINIQUE HUTER

Firmenchefin Felicitas Kohler vor den planlicht-Leuchten „halo“, die in Kooperation mit der Innsbrucker Designerin Nina Mair entstanden ist. Mit diesen Leuchten wird unter anderem auch die First International Bank of Israel im Süden Tel Avivs ausgeleuchtet.

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Strahlender Erfolg Felicitas Kohler wurde gerade zu Österreichs bester Unternehmerin gewählt. Gewonnen hat die 34-Jährige Chefin des Tiroler Lichtsystem-Herstellers planlicht diesen Titel in der Kategorie „Export“. Ausländische Märkte will sie mit innovativen Produkten und Tiroler Unternehmerwerten erobern. Das Interview führte Klaus Erler.

S

ie haben planlicht 2013 von Ihrem Vater übernommen. Damals wurden 60 bis 70 Prozent des Geschäfts mit Leuchten und Lichtsysteme in Österreich gemacht. In nur drei Jahren gelang es Ihnen, den Umsatz zu verdoppeln und den Exportanteil auf zwei Drittel des Gesamtumsatzes zu erhöhen. Was waren die Hintergründe? Felicitas Kohler: Es ging mir nicht darum, den Heimatmarkt zu vernachlässigen: Der ist und bleibt wichtig. Allerdings fühle mich wohler, wenn ich für planlicht das unternehmerische Risiko und die Abhängigkeit von nur einem Markt verringere, indem wir weitere Märkte erschließen. Wie gelang es Ihnen, im Ausland eine stabile Marktpräsenz zu erlangen? Ein wichtiger Garant für den Export-Erfolg ist die persönliche Komponente: Wir haben in all unseren Märkten fähige Mitarbeiter als Ansprechpartner direkt vor Ort und leisten uns insgesamt 25 Mitarbeiter nur für den Vertriebsaußendienst. Natürlich ließen sich viele Dinge auch per Mail oder über das Internet erledigen: Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass Menschen mit Menschen sprechen wollen und Persönlichkeit honorieren. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass planlicht als mittelständisches Unternehmen zu 100

Prozent in Tirol produziert und damit ein Qualitätsversprechen abgibt, das auch im Ausland geschätzt wird: Wir sind groß genug, um als Partner von Lichtplanern und Architekten auch für größere Projekte in Frage zu kommen, aber klein genug, um flexibel und kurzfristig auf planerische Notwendigkeiten reagieren zu können. Das wichtigste bleibt: Wir stehen für traditionelle Tiroler Unternehmerwerte: Qualität der Produkte, Einhalten der vereinbarten Lieferzeit und das Führen von Geschäftsbeziehungen, bei denen gegenseitige Achtung und nicht das rein monetäre Interesse im Vordergrund steht. Eine Firmenübergabe kann zur Belastungsprobe für ein Unternehmen werden. Wie sind Sie mit dieser schwierigen Situation 2013 umgegangen, als Sie planlicht von Ihrem Vater übernahmen? Wichtig war dabei die gute Vorbereitung, die in unserem Fall drei Jahre dauerte. Während dieser Zeit war ich die Assistentin meines Vaters und konnte mich gut in die Materie einlernen. Ein berufsbegleitendes Wirtschaftsstudium am Management Center Innsbruck half mir, mein Wissen zu vertiefen. Ein ganz wichtiger Aspekt im Übergabe-Prozess war die Transparenz: Ich habe immer gesagt, dass ich das Unternehmen nur ganz oder gar nicht übernehmen würde.

Dahinter stand meine Überzeugung, dass sich neue Wege in einem Unternehmen dann gut verwirklichen lassen, wenn sich die alte Generation zurückzieht. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür, dass sie planlicht geschaffen haben. Dass sich mein Vater dann darauf eingelassen hat, mir per 1. 1. 2013 die Firmenleitung komplett zu übertragen, ist ein weiterer → Infos planlicht wurde 1986 von Johann Findl gegründet. Am 1. Jänner 2013 übergab er die Firma an seine Tochter Felicitas Kohler. Das Unternehmen hatte zum damaligen Zeitpunkt 90 Mitarbeitern und machte einen Umsatz von 16 Millionen Euro. 2015 hatte das Unternehmen 160 Mitarbeiter und einen Jahres-Umsatz von 27,5 Millionen Euro. planlicht bietet Produkte aus eigener Fertigung – von technisch-architektonischen Einzelleuchten bis zu maßgeschneiderten Leuchtenserien – und präsentiert im Firmensitz in Fiecht auch eine breite Palette ausgewählter Produkte internationaler Lieferanten. Im hauseigenen Lichtlabor werden alle Leuchten vermessen und neue Lichtlösungen entwickelt.

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planlicht-Flächenleuchte „slett“. Diese Leuchte wurde 2015 German Design Award Winner.

Profilleuchte mit 90° Gehrung in der Einbauvariante – hier wurde das Einbaugehäuse in Beton eingegossen.

Funktionstest einer LED-Flächenleuchte: Jede planlicht-Leuchte wird nach der Montage geprüft.

Grund zur Dankbarkeit. Seitdem treffe ich eigene unternehmerischen Entscheidungen, feiere eigene Erfolge und habe auch die Möglichkeit, meine eigenen Fehler zu machen. Warum sind Ihnen Fehler wichtig? Ich will aus Resultaten lernen und dafür sind auch Fehlentscheidungen von großer Bedeutung: um besser zu werden. In welche Richtung wird sich planlicht in den nächsten Jahren entwickeln? Wir werden den Weg, der bis jetzt steil nach oben ging, in die Breite ausbauen. Das bedeutet, dass wir uns im Produktbereich mehr und mehr vom Traditionsunternehmen zum hochwertigen Technologieanbieter entwickeln und neue Prozesse verstärkt im Unternehmen verankern. Im Zentrum neuer Entwicklungen steht das so genannte biodynamische Licht. Es ermöglicht die Nachbildung aller natürlicher Tageslichtsituationen im Inneren eines Gebäudes. Analog zum Sonnenlicht, das abhängig von der jeweiligen

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Stunde mal bläulicher, dann wieder gelblicher, mal intensiver, dann wieder schwächer scheint, erstrahlen Innenräume per LED. Die Steuerung erfolgt über eine ausgeklügelte Software samt Regelelektronik. Die Sinnhaftigkeit eines solchen Licht-Systems wurde längst wissenschaftlich bewiesen: Wohlbefinden, Konzentration und Leistungsfähigkeit der Menschen, die in biodynamisch beleuchteten Büros oder Wohnungen leben und arbeiten, steigern sich nachweisbar. Es wird allerdings noch zwei bis drei Jahre dauern, bis biodynamisches Licht am Markt ankommen wird. Mir ist es trotzdem wichtig, dass planlicht dieses zentrale Beleuchtungs-Thema der Zukunft schon jetzt mitentwickelt, damit wir dann eine am Markt deutlich sichtbare Position einnehmen können. Ist es für eine junge Frau an der Spitze eines Tiroler Unternehmens schwieriger als für einen Mann? Das Gefühl habe ich nicht, und ich bewege mich tagtäglich in einer männerdominierten Branche. Es würde mir aber


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Felicitas Kohler, Geschäftsführerin planlicht

© DOMINIQUE HUTER (4)

„Erfolg sollte auch nicht als was Dauerhaftes missverstanden werden. Er braucht täglich neue Entscheidungen, er ist nie selbstverständlich und er ist tagtägliche Arbeit.“ auch die Zeit fehlen, um mich um eventuelle Befindlichkeiten, die Geschlechterrolle betreffend, zu kümmern. Haben Sie ein wichtiges Erfolgsrezept, das Sie an andere Tiroler Unternehmerinnen weitergeben möchten? Mein Rat wäre: Noch mehr zu zeigen, was frau kann, dann erübrigt sich auch die leidige Diskussion um eine Quotenregelung den Frauenanteil in Führungspositionen betreffend. Als Unternehmerin hole ich eine Frau nicht deshalb in die Firma, weil ich eine Quote erfüllen will, ich habe dafür weit bessere Argumente: Ich erlebe Frauen in der Wirtschaftswelt als kompetent und durchsetzungsfähig, in schwierigen Situationen aber auch als ausgleichend und konfliktfähig: Mit derartigen Eigenschaften punktet man an der Spitze. Ein weiterer Rat wäre, unternehmerisch ins Handeln zu kommen und nicht in der Abwägungs- und Überlegungsphase stehenzubleiben. Wer nicht handelt, kann keinen Erfolg haben. Oft ist auch eine im Nachhinein als nicht optimal erkannte Entscheidung besser ist als gar keine, weil durch sie etwas in Bewegung kommt und sich der Erfahrungshorizont erweitert. Erfolg sollte auch nicht als was Dauerhaftes missverstanden werden. Er braucht täglich neue Entscheidungen, er ist nie selbstverständlich und er ist tagtägliche Arbeit. ¬ Vielen Dank für das Gespräch

O

ft reichen fundierte fachspezifische Kenntnisse und viele Jahre Berufserfahrung nicht aus, um den Schritt in die Managementebene zu schaffen. Die akademischen Lehrgänge am WIFI bieten Ihnen die Möglichkeit Ihre bisher erworbenen Kompetenzen mit einem Managementstudium zu veredeln.

Berufsbegleitend und praxisnahe

Die Vortragenden kommen aus Forschung und Lehre sowie direkt aus den Führungsetagen der Wirtschaft und überzeugen mit fachlich-didaktischen Qualitäten ebenso wie mit Erfahrungen aus der Praxis. Jeder Lehrgang steht unter wissenschaftlicher Leitung. Das WIFI Tirol führt diese Lehrgänge mit der Business School der Alpe Adria Universität, der M/O/T, durch.

Vom Meister zum Master

Auch für Interessenten ohne Matura steht der Zugang zum Lehrgang offen – eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. entsprechende Berufserfahrung befähigen zur Aufnahme ins Studium. Von der Lehre zum Master ist längst Realität. Immerhin sind fast 40 Prozent aller Leitungspositionen in der Wirtschaft mit ehemaligen Lehrlingen besetzt. ¬ WIFI Tirol Egger-Lienz-Straße 116 6020 Innsbruck Tel.: 05 90905-7000 E-Mail: info@wktirol.at www.tirol.wifi.at/akademisch

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Das groĂ&#x;e

Gemeinde­ ranking Zahlen, Daten, Fakten zu Tirols 279 Gemeinden Von Eva-Maria Hotter & Eva Schwienbacher

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Tirols Gemeinden 279 Gemeinden

Die drei „Jüngsten“3 (gereiht nach dem Durchschnittsalter der Einwohner)

davon 11 Stadtgemeinden und 20 Marktgemeinden Durchschnittlich wohnen pro Gemeinde

© ZILLERTAL ARENA

ca. 2.500 Bürger.

Die drei „Höchsten“1 (nach Seehöhe des Hauptortes) 1.

Spiss (Landeck)

1.780 hm

2.

Galtür (Landeck)

1.584 hm

3.

Kaisers (Reutte)

1.518 hm

1. Rohrberg (Schwaz) 35,4 Jahre

Die drei „Ältesten“3

Die drei „Niedrigsten“1

(gereiht nach dem Durchschnittsalter der Einwohner)

(nach Seehöhe des Hauptortes) 1.

Ebbs (Kufstein)

475 hm

2.

Erl (Kufstein)

476 hm

3.

Kufstein (Kufstein)

499 hm

Die drei „Größten“2 1.

Sölden (Imst)

466,8 km2

2.

Matrei/Osttirol (Lienz)

277,9 km2

3.

Neustift/Stubaital (Innsbruck-Land)

248,9 km2

Die drei „Kleinsten“2 1.

Rattenberg (Kufstein)

0,1 km2

2.

Matrei/Brenner (Innsbruck-Land)

0,4 km2

3.

Unterperfuss (Innsbruck-Land)

2,2 km2

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1. Unterperfuss (Innsbruck Land) 56 Jahre Das niedrige Durchschnittsalter in den jüngsten Gemeinden Tirols ist auf den vergleichsweise hohen Anteil der unter 20-Jährigen zurückzuführen. Die Gemeinde Unterperfuss hingegen ist Standort eines Alten- und Pflegeheims, weshalb der Altersdurchschnitt bei 56 Jahren liegt. Das Durchschnittsalter in Tirol liegt bei 41 Jahren.


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in Superlativen Hier lebt man am dichtesten3 © GEMEINDE FAGGEN

© STEFAN SCHWARZ

Die höchste Bevölkerungsdichte, gemessen an der Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer, gibt es in:

2. Kaunerberg (Landeck) 36,2 Jahre

2. Faggen (Landeck) 36,2 Jahre

Rattenberg (Kufstein)

2.

Matrei/Brenner (Innsbruck-Land) 2.603

3.

Hall in Tirol (Innsbruck-Land)

3.727 2.464

Die niedrigste Dichte, gemessen an der Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer: 1.

Kaisers (Reutte)

1

2.

Gramais (Reutte)

1,4

3.

St. Sigmund im Sellrain (Innsbruck-Land)

1,7

Wer hat die meisten Kinder?2

© ACHENSEE-TOURISMUS

Die Durchschnittsfamilie in Tirol hat 1,7 Kinder, doch in den folgenden Gemeinden sind es mehr:

2. Steinberg am Rofan (Schwaz) 46,9 Jahre

1.

Innervillgraten (Lienz)

2,5

2.

St. Johann im Walde (Lienz)

2,1

3.

Brandberg (Schwaz)

2

Die durchschnittlich „kleinsten“ Familien gibt es in:

© MEDIALOUNGE

© INNSBRUCK TOURISMUS

1.

3. Kitzbühel (Kitzbühel) 46,3 Jahre

1 2 3

1.

Namlos (Reutte)

1,4

2.

Zöblen (Reutte)

1,5

3.

Musau (Reutte)

1,5

Stand: 15. Mai 2001 Stand: 31. Oktober 2013 Stand: 1. Jänner 2015

Quelle: Land Tirol

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Tirols am längsten amtierende Bürgermeister 38 Jahre

Norbert Jordan

© NORBERT JORDAN

Bürgermeister von Sellrain, ist seit 38 Jahren im Amt für die Einheitsliste Wir für Sellrain (ÖVP). 2016 tritt er nicht mehr an. „Meine Motivation über all die Jahre war das Gefühl, dass meine Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger von Sellrain wichtig ist.“

30 Jahre

Heinrich Scherl

Bürgermeister von Fendels, ist seit 1986 im Amt für die Allgemeine Dorfliste Fendels (ÖVP) „Gerade bei so einer kleinen Gemeinde wie Fendels mit 250 Einwohnern spielt der Bürgermeister eine große Rolle und kann viel bewirken.“

30 Jahre

Josef Gatt © ANGELIKA SPINDELLER

Bürgermeister von Tulfes, ist seit 1986 im Amt für die Bauernbundliste. Heuer tritt er nicht mehr an. „Wie lange man als Bürgermeister im Amt sein kann, hängt sehr stark von den Mitstreitern und der Familie ab. Zudem muss man das Glück haben, dass nichts schiefgeht und ein gewisses Durchhaltevermögen und gute Nerven mitbringen.“

30 Jahre

29 Jahre

Ernst Georg Schöpf

© GEMEINDE RUM

Edgar Kopp

Bürgermeister von Sölden, ist seit 30 Jahren im Amt für die Liste mit Ernst Schöpf.

Bürgermeister von Rum, seit 1987 im Amt für die Liste Bürgermeister Edgar Kopp (SPÖ).

Zahlen zur Gemeinderatswahl 2016

277 18

Gemeinden (ohne Innsbruck und Gramais) wählen am 28. Feber ihre Vertretung.

874

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3.689

Listen gibt es für die Gemeinderatswahl.

Gemeinderatssitze insgesamt

18.436

Personen stellen sich der Wahl zum Gemeinderat.


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Bauern als Partner von Gemeinden

5 Fragen an LR Johannes Tratter

Maschinenring ist zentrale Drehscheibe

© LAND TIROL

© MASCHINENRING

top.tirol im Gespräch mit Landesrat Johannes Tratter, Gemeindereferent in der Tiroler Landesregierung, über Tirols Gemeinden und die bevorstehende Wahl.

Mag. Hannes Ziegler, Geschäftsführer Maschinenring

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elche Themen werden die neu gewählten Bürgermeister in Tirol am meisten beschäftigen? Johannes Tratter: Die Themen sind vielfältig und auch abhängig von den Schwerpunkten innerhalb der Gemeinden, aber grundsätzlich finanzielle Herausforderungen, die Bereiche Kinderbetreuung und Schule oder auch Straßenerhaltung. Die Pro-Kopf-Verschuldung in den Tiroler Gemeinden weist im Bundesländervergleich einen geringen Wert aus – wie lässt sich das erklären? Natürlich gibt es Ausreißer nach oben und nach unten, aber im Schnitt glaube ich, versucht man in Westösterreich generell mit dem Geld entsprechend hauszuhalten und gut zu wirtschaften. Aber man muss auch fairerweise sagen, dass es bei uns Sondersituationen wegen dem Getränkesteuerausgleich gibt. Tourismusstarken Gemeinden verschafft dies sicher einen großen Vorteil. Mit dem Gemeindeausgleichsfonds wird dabei versucht, einen gewissen Ausgleich zwischen den Gemeinden zu schaffen. Wie können sich auch finanzschwächere Gemeinden notwendige Anschaffungen leisten? Vereinfacht gesagt funktioniert das über die sogenannten Abgabenertragsanteile, die jede Gemeinde aus dem bundesweiten „Steuertopf“ bekommt und ein Teil davon geht in den Gemein-

deausgleichsfonds. Das ist sozusagen ein Ausgleichstopf innerhalb der Gemeinden, aus dem etwas wohlhabendere Gemeinden weniger finanzielle Mittel bekommen als die finanzschwächeren. Der am längsten amtierende Bürgermeister übte seine Funktion für 38 Jahre aus. Wie werten Sie diese Beständigkeit? Grundsätzlich lässt sich bei der Ausübung eines politischen Amts über Jahrzehnte nur sagen: „Hut ab!“. Aber in Zeiten, in denen es nicht mehr so lustig ist, Politiker zu sein, ist das für mich schon bewundernswert. Angesichts der Komplexität und Herausforderungen, die in den letzten Jahren gekommen sind und kommen werden, werden solche jahrzehntelangen Bürgermeister künftig eher die Ausnahme sein – ganz ohne Wertung. Was geben Sie jenen mit auf den Weg, die sich noch nicht sicher sind, ob Sie wählen gehen? Es ist für eine Demokratie essentiell, dass man zur Wahl geht. Oft höre ich „Was zählt schon meine Stimme?“, aber ich habe immer wieder Wahlen erlebt, die wegen ein, zwei Stimmen in die Stichwahl gingen. Die Gemeinde macht alles von der Wiege bis zum Grabe – im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist entscheidend, wer die nächsten sechs Jahre an der Spitze ist, denn dort fallen viele ¬ wichtige Entscheidungen. Vielen Dank für das Gespräch.

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ie Aufgaben der Gemeinden sind enorm. Deshalb erbringen die Tiroler Bauern mit ihrem Unternehmen, dem Maschinenring, seit Jahrzehnten auch kommunale Dienstleistungen und unterstützen so unsere Gemeinden – sei es im Winterdienst, in der Anlage und Betreuung von Grünflächen, bei Forstarbeiten oder in der Abfallverwertung. Besonders im Winterdienst ist diese Partnerschaft von Vorteil. Denn mit der Schneeräumung und Streuung sind viele Risiken verbunden, nicht zuletzt auch jenes der Haftung. Der Maschinenring übernimmt als Dienstleister nicht nur alle Aufgaben im Winterdienst, sondern auch das Risiko für damit zusammenhängende Schäden. Zudem kennen die Bauern, die in der eigenen Gemeinde unterwegs sind, die Gegebenheiten vor Ort und wissen, wo zuerst Gefahr droht oder schnell gearbeitet werden muss. Weil dieses System des Einsatzes eigener Landwirte in der Gemeinde gut funktioniert, gibt es nur wenige Tiroler Gemeinden, die darauf verzichten wollen. Für die Bauern selbst ist die Arbeit ebenso von Vorteil. Denn in einer Zeit, in der auf dem landwirtschaftlichen Betrieb weniger Arbeit anfällt, kann ein wichtiger Zuverdienst erworben werden. So ist diese Partnerschaft schließlich ein Gewinn für beide ¬ Seiten.

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Die Finanzen Die fünf „Reichsten“

1.

gemessen am Nettoüberschuss

€ 25.921.683

3. Kitzbühel

4.864.570

4. Kufstein

4.651.698

5. Wörgl

4.003.874

Der Nettoüberschuss im Gemeindehaushalt wird für weitere Investitionen herangezogen. Ist er negativ, kann er auf eine bereits getätigte Investition hinweisen. Die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden sind die Abgabenertragsanteile, also die Anteile an jenen Abgaben die der Bund einhebt, wie Umsatz-, Lohn-, Körperschaftsteuer usw. Diese werden vom Bund an die Länder überwiesen, die wiederum für die Weiterverteilung an die Gemeinden zuständig sind. Wichtige Einnahmen bilden außerdem die eigenen Gemeindesteuern, zum Beispiel die Kommunalund die Grundsteuer. In Tourismusgemeinden und Industriestandorten fallen vor allem die Kommunalsteuer und der Getränkeausgleich ins Gewicht.

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4.

© MARKTGEMEINDE ST JOHANN I. T.

2.

© FERIENLAND KUFSTEIN

5.046.776

5.

© HANNES DABERNIG

2. St. Johann in Tirol

© TOURISMUSVERBAND INNSBRUCK

1. Innsbruck


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im Überblick Die fünf „Ärmsten“

3.

gemessen am Nettoüberschuss

© MEDIALOUNGE

1. Steinberg am Rofan

-121.544

2. Spiss

-98.564

3. Vorderhornbach

-97.258

4. Obertilliach

-86.183

5.

Prägraten am Großvenediger

-84.834

Schuldenstand der Gemeinden Entwicklung der durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung der Tiroler Gemeinden 2005 bis 2014

€ 1.220

1.197

1.200

1.179

1.180 1.160

1.170

1.161

1.157

1.148

1.140

1.112

1.120

1.092

1.100

1.099

1.105

1.080 1.060

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Die höchsten Pro-Kopf-Schuldenstände werden in den Gemeinden Niederösterreichs (2.208 €), Vorarlbergs (1.847 €) und Oberösterreichs (1.844 €) festgestellt. Die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung haben Salzburg mit 1.086 Euro, Burgenland mit 1.092 Euro und Tirol mit 1.105 Euro. Quelle: Gemeindefinanzbericht 2014 des Landes Tirol, Gemeindefinanzbericht 2015 – Herausgeber: Kommunalkredit Austria in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Gemeindebund und dem Österreichischen Städtebund

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Blick auf die Branchen Wie verteilen sich die Erwerbstätigen in den Tiroler Gemeinden auf die jeweiligen Sektoren?1 In der Land- und Forstwirtschaft ist der Anteil der Erwerbstätigen ...

Der Anteil der Erwerbstätigen im Dienstleistungsektor ist ...

am höchsten in

am höchsten in

1.

Untertilliach (Lienz)

24,1

1.

Ischgl (Landeck)

89,1

2.

Innervillgraten (Lienz)

22,5

2.

Seefeld in Tirol (Innsbruck-Land)

88,8

3.

Pfafflar (Reutte)

22,2

3.

Sölden (Imst)

87,2

am niedrigsten in

am niedrigsten in

1.

Pfaffenhofen (Innsbruck-Land)

0,2

1.

Spiss (Landeck)

33,8

2.

Matrei/Brenner (Innsbruck-Land)

0,2

2.

Innervillgraten (Lienz)

39,1

3.

Innsbruck (Innsbruck-Stadt)

0,3

3.

Untertilliach (Lienz)

40,5

Tirol: 3,1 %

Tirol: 71,9 %

Welche Gemeinde sind bei Gästen besonders beliebt?

In Industrie, Gewerbe, Bauwesen arbeiten anteilsmäßig ...

Die Top-Urlaubsdestinationen2

am meisten in 1.

Breitenbach am Inn (Kufstein)

44

2.

Weerberg (Schwaz)

42,2

3.

Weißenbach am Lech (Reutte)

41,6

Die meisten Ankünfte verzeichnete Innsbruck (852.697) gefolgt von Sölden (504.466) und Ischgl (299.046). Tirolweit gab es 10.294.339 Ankünfte. Die Gemeinden mit den meisten Nächtigungen sind Sölden (2.380.447), Innsbruck (1.473.769) und Mayrhofen (1.453.893). Insgesamt wurden in Tirol 44.329.950 Nächtigungen verzeichnet.

am wenigsten in 1.

Jungholz (Reutte)

2,6

2.

Serfaus (Landeck)

8,9

3.

Ischgl (Landeck)

9

Tirol: 24,3 %

1 2

Stand: 31. Oktober 2013 Tourismusjahr 2014

Quelle: Landesstatistik Tirol

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Die Pflicht zur Bildung kommt Mit 1. Juli 2016 soll in Ă–sterreich die Ausbildungspflicht bis 18 Jahren gesetzlich geregelt sein. Nach dem Ende der Schulpflicht gibt es dann die Verpflichtung, weiter zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu beginnen. Von Ernst Spreng

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S

eit 2008 gibt es die Ausbildungsgarantie der österreichischen Bundesregierung. Wer selbst keine Lehrstelle findet, bekommt eine Chance in der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung. Nach Ende der Schulpflicht gab es bisher keine Verpflichtung, sich weiterzubilden. Das ändert sich 2016 grundlegend: Derzeit noch in Begutachtung tritt ab 1. Juli das Ausbildungspflichtgesetz in Kraft. Wer unter 18 Jahren ist, muss nach der Pflichtschule eine weiterführende Ausbildung absolvieren. Dass zum Beispiel ein Jugendlicher mit 15 Jahren einen ungelernten Job annimmt, gehört damit der Vergangenheit an.

Übergang haben, aber auch diejenigen, die ihre Ausbildung abbrechen.“ Eine aktuelle Studie des IHS (Institut für höhere Studien) rechnet damit, dass in Österreich rund 16.000 Jugendliche betroffen sind. Das ist die ungefähre Anzahl, die erst gar nicht mit einer weiterführenden Ausbildung beginnen oder diese unter 18 Jahren abbrechen. In Tirol rechnet das Sozialministerium aktuell mit rund 1.600 Jugendlichen. Tirol ist grundsätzlich recht gut aufgestellt, wenn es um den Übergang von Pflichtschule zu weiterführenden Angeboten geht. Arbeitspakt Tirol, Jugendcoaching, die Angebote von AMS und die →

Berufschancen steigern. Die Reaktionen auf die neue Ausbildungspflicht sind in Tirol durchwegs positiv, auch wenn die Realität erst zeigen wird, wie man dieses Gesetz umsetzt. „Wir wissen, dass Menschen ohne weiterführende Ausbildungen nach der Pflichtschule viel öfter von Arbeitslosigkeit betroffen sind“, erklärt Sabine Platzer-Werlberger, stellvertretende Geschäftsführerin des AMS Tirol. „Ein Fünftel dieser Personen ist armutsgefährdet. Deshalb ist der Entschluss, hier tätig zu werden, für das AMS sehr wichtig. Der Großteil der Jugendlichen dieser Altersklasse befindet sich in Tirol ohnehin in weiterführenden Schulen oder der Lehre. Jetzt gilt es jene zu erreichen, die wirklich Probleme mit dem

Interessante Links Das Angebot an Unterstützung in Tirol für Jugend­ liche auf dem Weg von Pflichtschule zur Weiter­ bildung ist groß. Hier einige Links, wo man sich in Tirol informieren kann: Beschäftigungspakt Tirol: www.jugendchancen-tirol.at Jugendcoaching Tirol: www.jugendcoaching-tirol.at AMS Berufskompass (anonymer Test, der bei der beruflichen Orientierung helfen kann): www.berufskompass.at

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Rund 16.000 Betroffene Im Vorfeld der Ausbildungspflicht hat die österreichische Bundesregierung erheben lassen, wie viele Jugendliche in Österreich davon betroffen sind. Die Studie der IHS ergab, dass rund 16.000 Jugendliche in Österreich als Zielgruppe ausgemacht wurden. In Tirol sind es rund 1.600. Laut Studie schaffen 10 Prozent davon den Wiedereinstieg nach einem Abbruch aus eigenem Antrieb. 45 Prozent dieser Jugendlichen sollen laut Studie eine Kernproblemgruppe sein, die nur durch sehr niederschwellige Angebote an Ausbildung und Bildung herangeführt werden können.

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© AMS/PETRA SPIOLA

Mit der Ausbildungspflicht möchte man die beruflichen Perspektiven von Jugendlichen verbessern.

steigende Zahl von Produktionsschulen sind gut miteinander vernetzt und bieten inzwischen auch viele niederschwellige Einstiege an. Denn die IHS-Studie rechnet damit, dass rund 45 Prozent der genannten 16.000 Jugendlichen die Kernproblemgruppe sind, die sich auf dem Weg zum Berufsleben verloren haben und ein hohe Maß an Unterstützung brauchen, um ihren Weg zu finden. Angebote schaffen. Gerade für diese Gruppe sind niederschwellige Angebote, zum Beispiel Produktionsschulen, besonders wichtig. Das Prinzip einer Produktionsschule ist einfach: Wer zwischen 15 und 19 Jahren ist und Probleme hat, in den Arbeitsmarkt einzusteigen, wird unterstützt. Die Produktionsschule produziert Waren und Dienstleistungen für reale Kunden am Markt. Lernen findet also in erster Linie über Produktionsprozesse statt. Die jungen Menschen erfahren dadurch den Wert bzw. Nutzen der eigenen Arbeit. Das Konzept der Produktionsschule wurde in Dänemark entwickelt und verbreitete sich von dort aus in ganz Europa. „Einer unserer Grundsätze ist, dass es keine Hürden gibt, uns zu besuchen. Darauf legen auch unsere

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Auftraggeber, wie das Land Tirol, Wert. Nur manchmal kommt es zu Wartezeiten“, erklärt Reinhard Rausch, der die Produktionsschule LEA Wörgl koordiniert. Österreichweit wird in die Arbeitsmarktintegration junger Menschen sehr viel Geld investiert. Insgesamt beliefen sich die geschätzten Ausgaben für Jugendliche auf einen Betrag von rund 796 Mio. Euro für das Jahr 2015 – so das Sozial­ministerium. Pflicht zur Ausbildung. Die neue Ausbildungspflicht ist die Weiterführung der Ausbildungsgarantie. Sie ist eine Chance, hat natürlich aber auch mit Verpflichtung zu tun. Wie jedes Gesetz sind auch Strafen für die Erziehungsberechtigten vorgesehen, wenn Jugendliche dieser Pflicht nicht nachkommen. Vor allem aber soll in Zukunft vermieden werden, dass Jugendliche aus den verschiedensten Gründen ohne berufliche Perspektive dastehen. Sabine Platzer-Werlberger pocht daher auf eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung: „Wir müssen langfristig die Grundhaltung der Menschen dahingehend verändern, dass es normal ist, dass sich alle jungen Menschen bis 18 auf das Berufsleben durch Ausbildung vorbereiten.“ ¬


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Fragen und Antworten

© DIE FOTOGRAFEN

Wann tritt die „Ausbildung bis 18“ in Kraft? Das Gesetz dazu ist derzeit in Begutachtung. Die Ausbildungspflicht soll am 1. Juli 2016 beginnen, die Strafbestimmungen dann ein Jahr später. Das Gesetz braucht eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat.

Sabine Platzer-Werlberger AMS Tirol

„Es muss für uns normal werden, dass sich junge Menschen bis 18 durch Ausbildung aufs Berufsleben vorbereiten.“

Wer ist von der Ausbildungspflicht betroffen? Alle unter 18 Jahre, die ihre Schulpflicht erfüllt haben, sich dauerhaft in Österreich aufhalten und nicht ohnehin eine weiterführende Schule oder Ausbildung besuchen, sind verpflichtet, eine Bildung oder Ausbildung zu absolvieren. 2016 sind das alle Jugendliche, die in diesem Jahr ihre Pflichtschulzeit beenden. Gibt es eine Meldepflicht? Erziehungsberechtigte sind angehalten, wenn binnen vier Monaten nach Abgang oder Abbruch von Bildung oder Ausbildung kein Wiedereinstieg erfolgt, sich bei den Koordinationsstellen zu melden. Weiterführende Schulen, Arbeitsmarktservice usw. melden vierteljährlich an die Statistik Austria. Gibt es Strafen? Prinzipiell sind Strafen für Erziehungsberechtigte vorgesehen. Wenn Erziehungsberechtigte glaubhaft machen können, dass sie verantwortungsbewusst handeln und Bemühungen hinsichtlich der Bildungslaufbahn ihrer Kinder setzen, wird aber von einer Strafe abgesehen. Was tun, wenn ich vor 18 fertig bin? Wenn eine Jugendliche oder ein Jugendlicher eine weiterführende Ausbildung vor dem 18. Geburtstag abschließt, endet die Ausbildungspflicht, da der Zweck (nämlich ein höherer Abschluss als der Pflichtschulabschluss) erreicht ist.

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Werkstätte Wattens – Neues in alten Mauern Auf ehemaligen Flächen des Swarovski Werk 2 in Wattens ist ein Gründer- und Unternehmenszentrum entstanden. Hier finden Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen modern ausgestattete Arbeitsplätze und ein breites Serviceangebot.

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erkstätte Wattens nennt sich das neue Gründer- und Unternehmenszentrum, das sich über 2.200 Quadratmeter verteilt auf zwei adaptierte Industriegebäude erstreckt. Es handelt sich um eine Initiative der Destination Wattens Regionalentwicklung GmbH, eine öffentlich-private Partnerschaft der Marktgemeinde Wattens und der D. Swarovski KG. „Unser Ziel ist es, unternehmerisch tätigen Menschen Infrastruktur und ein Netzwerk zu bieten, und sie nachhaltig am Standort anzusiedeln“, erklärt Matthias Neeff, Geschäftsführer der Destination Wattens. Ansprechen möchte man in erster Linie technologieorientierte und innovative Unternehmen, die in der Produktherstellung tätig sind. So ist knapp die Hälfte der Fläche als Produktionsbereich konzipiert. Daneben stehen Jungunternehmern auch ein Co-Working-Space, Team-Offices und ein Fablab zur Umsetzung von Prototypen zur Verfügung. Diese Räumlichkeiten können auch von Interessierten anderer Branchen beansprucht werden. Durch ein spezielles mit dem Land vereinbartes Mietfördermodell und geringe Nutzungsbeiträge sollen Gründer in der Anfangsphase finanziell unterstützt werden (siehe Infokasten). Beratungsangebot für alle. Herzstück der Destination Wattens ist der CoWorking-Space – ein 550 Quadratmeter großes 28

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Büro mit bis zu 30 Arbeitsplätzen. Zur Ausstattung zählen Glasfaserinternet, ein Multifunktionsdrucker, Telefonboxen, zwei abgetrennte Bereiche als Rückzugsort bzw. Besprechungsraum sowie eine Gemeinschaftsküche. Drei Meetingräume können gegen eine zusätzliche Gebühr stundenweise gemietet werden. Das Gemeinschaftsbüro soll nicht nur als Arbeitsplatz dienen, sondern auch als Plattform zum Netzwerken. „Das Teilen des Arbeitsraumes mit Unternehmern verschiedener Branchen eröffnet neue Kooperationsmöglichkeiten. Teams können sich bilden, Ideen ausgetauscht werden“, erklärt Neeff. Gerade in der Gründungsphase ist man häufig mit denselben Fragen, beispielsweise zu Finanzierung, Rechtsthemen oder Vermarktung, konfrontiert. Der Wissensaustausch soll den Schritt ins Unternehmertum erleichtern. Von Selbstständigen, unter anderem aus der Tourismusbranche, wird der Co-Working-Space bereits genutzt. Künftig will man Jungunternehmern auch professionelle Unterstützung in der Werkstätte Wattens bieten. Geplant sind verschiedene Veranstaltungen, wie Finanzierungs- und Förderberatungen, die auch Externen zugänglich sind. Prototypen gestalten. Konkret umsetzen können Innovative ihre Ideen im Fablab oder „Fabrication Laboratory“. Diese offene digitale Werkstätte ist mit hochtechnischen Geräten wie 3D-Druckern oder einem Laser-Cutter →

© DESTINATION WATTENS REGIONALENTWICKLUNG GMBH

Von Eva Schwienbacher


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Die Werkstätte Wattens in Zahlen Gesamtfläche: derzeit 2.200 m2 Co-Working-Space: 550 m2, max. 30 Arbeits­ plätze, Kosten: Tagesticket 15 Euro, 10er-Block 130 Euro, Monatsticket 200 Euro für Flexdesk und 250 Euro für Fixdesk 6 Teamoffices: zwischen 45 und 80 m2; finanzielle Unterstützung seitens des Landes Tirol durch Mietfördermodell (3 Euro pro Quadratmeter für die Dauer von maximal vier Jahren) 3 Werkstatteinheiten: zwischen 150 und 370 m2 FabLab: 300 m2 mit fünf Labors, einem Werkstatt­ bereich, einem Fabstore sowie zwei Seminarräumen; Kosten pro Monat 40 Euro plus Stundensatz für die Benutzung der Maschinen Anzahl der derzeit angesiedelten Unternehmen: 9 Anzahl der in der Werkstätte arbeitenden Menschen: 30 Investitionsvolumen 2015/16 für die Adaptierung der Flächen seitens der D. Swarovski KG: 4,4 Millionen Euro www.destination-wattens.at/werkstaette

Der Co-Working-Space bietet Platz zum Arbeiten und Netzwerken.

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Die Gemeinschaftsküche kann mitbenutzt werden.

ausgestattet. Prototypen können hier entstehen und verbessert werden. Die technische Voraussetzung zur Nutzung ist digitales Datenmaterial. Auch hier werden Kurse angeboten, beispielsweise die digitale Konstruktion oder den Umgang mit unterschiedlichen Maschinen betreffend. Technisch qualifizierte Mitarbeiter sind als Ansprechpartner während der Öffnungszeiten vor Ort. Wer eigene Produktionsflächen benötigt, kann eine der drei Werkstatteinheiten mieten. Eine ist Neeff zufolge schon vergeben, für die anderen beiden laufen Gespräche mit Interessenten. Bereits vergeben sind auch die sechs individuell benutzbaren Team-Offices. Hier sind mit Eröffnung der Werkstätte im November 2015 Unternehmen ein-

© DOMINIQUE HUTER

© DESTINATION WATTENS REGIONALENTWICKLUNG GMBH

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Matthias Neeff

Geschäftsführer Destination Wattens Regionalentwicklung GmbH

„Unser Ziel ist es, dass Jungunternehmer, Kreative und andere aktive Gestalter ihre Ideen in der Werkstätte Wattens erfolgreich umsetzen können. Dabei setzen wir auf die Chancen eines kollaborativen Arbeitsumfelds.“

gezogen, darunter zwei, die auf Medizinrobotik bzw. Oberflächenbeschichtung spezialisiert sind. Kollaboratives Arbeitsumfeld. Die Umbauarbeiten der Swarovski-Werkstätten, in denen vor 120 Jahren das Tiroler Traditionsunternehmen entstand, dauerten sechs Monate. Mit Stahl-, Glas-, und Holzkonstruktionen hat man die ehemalige Produktionsstätte modernisiert. Der Industriecharakter blieb dabei erhalten. „Unser Ziel ist es, dass Jungunternehmer, Kreative und andere aktive Gestalter ihre Ideen in der Werkstätte Wattens erfolgreich umsetzen können“ beschreibt Neeff. „Dabei setzen wir auf die Chancen eines kollaborativen Arbeitsumfelds.“ ¬

Dienstag – Samstag 18.00 – 24.00 Uhr Reservierung unter: 0512 / 27 60 70, restaurant@nr8.at Weiherburggasse 8, 6020 Innsbruck – Kostenlose Tiefgarage 30

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Investieren und dabei sparen Um am Puls der Zeit zu bleiben und damit den Unternehmenserfolg nachhaltig zu sichern, braucht es Investitionen.

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o ein großes Vorhaben bringt neue Herausforderungen. Schließlich gestaltet man nicht jährlich die Büros neu, baut eine zusätzliche Produktionshalle oder erweitert und verbessert die Produkte oder Angebote. Jedes zukunftsweisende Projekt braucht eine sorgfältige und gute Planung, viel Weitblick sowie eine kalkulierbare und sichere Finanzierung.

Nicht nur Neugründern stehen die öffentlichen Fördertöpfe offen. Auch bereits bestehende Unternehmen können auf ein breites Angebot an Förderungen von Bund, dem Land Tirol, von Gemeinden sowie der EU zurückgreifen. Insbesondere Inves-

© FOTOLIA.COM

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Das große Steuer-Spezial Tiroler Steuerexperten erklären die wichtigsten Änderungen für Unternehmer.

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Zahlen zur Kammer der Wirtschaftstreuhänder in Tirol Mitglieder Tirol

männlich

weiblich

Steuerberater

439

291

148

Wirtschaftsprüfer

98

82

16

Gesamt

537

373

164

Angestellte Mitglieder

Endlich mehr Geld

Tirol: 110

Selbstständige Mitglieder Tirol: 384

Gesellschaften Tirol: 250

Wirtschaftstreuhänder-Vorbildung1 Tirol Rechtswissenschaft

96

Wirtschaft

340

Sonstige Studien

17

ohne akademischen Grad

124

Gesamt

577

1 physische Wirtschaftstreuhänder (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater), Mehrfachstudien wurden berücksichtigt

Berufsanwärter in Tirol Tirol weiblich

119

männlich

89

gesamt

208

Klaus Hilber, Präsident Kammer der Wirtschaftstreuhänder

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ochenlang rollte die Werbemaschinerie des Finanzministeriums zur aktuellen Steuerreform. Halbseitige Anzeigen in Tageszeitungen über längere Perioden hindurch geschaltet sind wir Steuerzahler fast schon gewohnt. Nun muss auch noch die Fernsehwerbung mit einem Fußballvergleich für die Steuerentlastung herhalten. Und außerdem flattern noch Türanhänger („Mehr Geld“) per Post ins Haus. Vielleicht kommen demnächst noch Werbeblätter in Form von Geldscheinen aus den Bankomaten, damit alle Steuerpflichtigen endlich merken, dass es eine Steuerreform gegeben hat? Noch nie in der Geschichte der unzähligen Steuerreformen wurde so viel Geld in Werbung gesteckt. Hat man im Ministerium Angst, dass die Steuerzahler die derzeitige Entlastung („Lohnsteuer runter“) ohne Werbung gar nicht bemerken würden? Es wäre besser gewesen, die Ausgaben nicht in eine so breit angelegte Werbeoffensive zu stecken, sondern dafür, wofür eine Steuerreform eigentlich gut sein soll: In die steuerliche Entlastung der Bürger. Von Dr. MMag. Klaus Hilber, Präsident Kammer der Wirtschaftstreuhänder

Mitglieder gesamt 787 (Physische Mitglieder und Gesellschaften)

QUELLE: KAMMER DER WIRTSCHAFTSTREUHÄNDER, STAND 1. FEBRUAR 2016

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Was ist eine Registrierkasse? Elektronisches Aufzeichnungssystem = Registrierkasse Der Begriff „Registrierkasse“ ist mit Vorsicht zu genießen. Der Gesetzgeber spricht ganz allgemein vom „elektronischen Aufzeichnungssystem“! von Klaus Hilber

E

ine Registrierkasse ist jedes elektro­ nische Aufzeichnungs­system, das zur Losungsermittlung bzw. Dokumentati­ on einzelner Bareinnahmen eingesetzt wird. Als Registrierkasse können auch server­ basierte Aufzeichnungssysteme, Waagen und Taxameter mit Kassenfunktionen dienen. Auch eine Fakturasoftware kann eine „Registrierkas­ se“ sein. Die Übertragung der Daten zwischen Eingabestation und Server kann auch cloudba­ siert erfolgen. Wir müssen hier wirklich an den modernsten Stand der Technik denken. Jede Registrierkasse muss über ein Daten­ erfassungsprotokoll (Kassenjournal) verfügen und einen Drucker oder eine Vorrichtung zur elektronischen Rechnungsübermittlung haben. Ab Jänner 2017 muss dieses elektronische Auf­ zeichnungssystem auf eine Signaturerstellungs­ einheit zugreifen, die ein dem Unternehmer zu­ geordnetes Zertifikat besitzt. Kassenwagen oder Taxameter zur Berech­ nung des Fahrpreises in Taxis können „Regis­ trierkassen“ sein, wenn sie die technischen Voraussetzungen der RKSV erfüllen und auch entsprechende Belege ausstellen können, um die Belegerteilungspflicht zu erfüllen. Mehrere Unternehmer können eine Regist­ rierkasse verwenden, zum Beispiel Ärzte in Ge­ meinschaftspraxen, wenn nachvollziehbar und klar erkennbar ist, welche Umsätze zu welchem Unternehmer gehören. ¬

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Betriebsaufgabe oder Betriebsumstellung 2016 Im Erlass des Finanzministeriums findet man auch verständnisvolle Erleichterungen für Spezialfälle. Betriebsaufgabe: Wenn ein Unternehmer die Absicht hat noch im Jahr 2016 die betriebliche Tätigkeit einzustellen, zum Beispiel bei Pensionsantritt 2016, dann benötigt dieser Unternehmer keine Registrierkasse mehr. Voraussetzung für dieses Entgegenkommen ist, dass der Unternehmer die ab 1. Jänner 2016 geltende Belegerteilungspflicht voll erfüllt. Wesentliche Änderungen im Betrieb Das Ministerium teilt im Erlass mit, dass im Falle einer Betriebseinschränkung im Jahr 2016 keine Registrierkasse in folgenden Fällen notwendig ist: • Der Betriebsumfang, sprich der Umsatz wird im Vergleich zu den Vorjahren so eingeschränkt, dass die Umsatzgrenzen nicht mehr überschritten werden. • Der Zahlungsverkehr wird von Barzahlung auf Erlagscheinzahlung umgestellt. Dadurch sinken die Barumsätze im Jahr 2016 im Vergleich zu den Vorjahren bereits unter die magische Grenze von 7.500 Euro.


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ZWEI UMSATZGRENZEN

Schwellenwerte zur Registrierkassenpflicht Das Gesetz sieht zwei Umsatzgren­ zen vor – nur wenn beide überschrit­ ten werden, besteht die Registrier­ kassenpflicht.

1. Jahresumsatz je Betrieb muss höher als

15.000 Euro sein. Unter Umsatz ist der Nettoumsatz zu verstehen. Maßgebend ist daher der jeweilige Jahresnettoumsatz des Betriebes. Der Unternehmer kann einen oder mehrere Betriebe haben – jeweils betriebs­bezogene Betrachtungsweise.

2. Dabei muss der Barumsatz höher als 7.500 Euro sein. Auch hier sind die Nettoumsätze relevant. Jahr ist das Kalenderjahr.

Werden beide Schwellenwerte überschritten, dann tritt die Registrierkassenpflicht mit Beginn des viertfolgenden Monats nach Ablauf des UVA-Voranmeldungszeitraumes, in dem beide Grenzen erstmals überschritten werden, ein. Bei Umsatzsteuerbefreiten Kleinunternehmern (iSd UStG), gilt das Quartal als jeweiliger Voranmeldungszeitraum.

Was passiert bei Nichtbefolgung der neuen Pflichten? Im Rahmen der Steuerreform wurden neue Straf­ delikte eingeführt. Bei Nichtbefolgung drohen Strafen. Damit möchte die Finanzverwaltung dem Steuerbetrug ein Ende setzen. Für den Fall, dass eine der neuen Verpflichtungen nicht erfüllt werden, drohen folgende Strafen nach dem Finanzstrafgesetz und man gilt als Finanzstraftäter. Werden mehrere Delikte gleichzeitig begangen, dann werden die Strafen kumuliert. Geldstrafen und Delikte: • Bis zu 25.000 Euro Geldstrafe, wenn vorsätzlich Buchhaltungen oder Buchhaltungs- und Aufzeichnungsprogramme durch Einsatz einer Spezialsoftware verändert, gelöscht, verfälscht oder unterdrückt werden. • Bis zu 5.000 Euro Geldstrafe bei vorsätzlicher Nichtbeachtung der Registrierkassenpflicht. Dieses Delikt erfüllt, ohne dass es zu einer Steuerhinterziehung kommen muss. • Bis zu 5.000 Euro Geldstrafe ab 1. Jänner 2017 bei vorsätzlicher Nichtverwendung des Sicherheits-Chips (Sicherheitseinrichtung zur Manipulationssicherheit) • Bis zu 5.000 Euro Geldstrafe bei Verletzung der Belegausstellungspflicht. Die Frage „Brauchen Sie eine Rechnung?“ beim Inkasso kann daher ganz schön teuer werden. Was ist, wenn der Kunde den Beleg nicht mitnimmt? In einem solchen Fall besteht für den Verkäufer kein Grund zur Panik. Es besteht zwar für den Kunden eine Belegannahme- und eine Belegmitnahmepflicht. Verstößt der Kunde allerdings gegen diese Pflichten, hat dies keine strafrechtlichen Konsequenzen.

„Wo es an Beratung fehlt, scheitern die Pläne!“

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Diese bittere Erkenntnis steht zu oft am Ende eines nicht gelungenen Finanzierungsvorhabens. Und sie führt nicht selten in einen „Krisenmodus“ mit all den betrieblichen und persönlichen Ärgernissen und Enttäuschungen.

I

n absehbarer Zeit erwarten wir weder eine eigenkapitalstärkende Steuersenkung noch eine Lockerung der Regulierung der Banken. Die Klein- und Mittelbetriebe, als „Rückgrat unserer Volkswirtschaft“ gelobt, sind einmal mehr auf sich selbst gestellt. Eine professionelle Analyse des Unternehmens, der Investitionsprojekte und besonders der Liquidität des Unternehmens im Vorfeld hilft, dass man im Unternehmen zu besseren Entscheidungen kommt und mit klarer Darstellung entscheidungsrelevanter Daten und Planrechnungen die Banken bes-

ser überzeugen kann. Proaktive Information über die geplante Unternehmensentwicklung schafft Vertrauen und zudem Pluspunkte im Rating. Durch jahrzehntelange Erfahrung als Steuer- und Wirtschaftsberater einschließlich Krisenmanagement sowie ausgestattet durch moderne Planungsinstrumente wurden wir zu verlässlichen Begleitern von Veränderungsprozessen in Unternehmen. Unser Qualitätsbewußtsein und die Verbindlichkeit schätzen auch viele erfolgreiche Unternehmen. Darauf sind wir auch besonders stolz.

Wir verstehen uns als kritische, verlässliche aber besonders auch als kreative Gestalter an der Seite unserer Mandanten. Unsere Devise heißt Agieren und nicht Reagieren. ¬ Rainer Dorn, GF Dorn-Consult Stb.GmbH, Wirtschaftstreuhänder Unternehmensplanung & Krisenmanagement Mitterweg 60, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/295 292 E-Mail: rainer.dorn@dorn-consult.at www.dorn-consult.at

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Die Belegerteilungspflicht trifft jeden Unternehmer! Unabhängig davon, ob Unternehmen eine Registrierkasse benötigen, muss seit 1. Jänner 2016 Kunden ein Beleg ausgehändigt werden – doch es gibt Ausnahmen. Von Eva-Maria Hotter

© PRIVATARCHIV ALOIS PIRCHER

N Zur Person Univ.-Prof. Hon.-Prof. Dr. Alois Pircher, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei TreuhandUnion Innsbruck, Leiter des Instituts für Steuerlehre

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eben der Einführung der Registrierkassenpflicht sind seit Jahresbeginn laut Gesetzgeber auch alle Barzahlungseinzahlungen und -ausgänge einzeln und zeitnah zu erfassen. Das bedeutet, dass Rechnungen grundsätzlich nicht über den Tag gesammelt werden dürfen, um sie später nachzutragen. „Die Belegerteilungspflicht besteht schon länger. Neu sind die strafrechtlichen Konsequenzen“, erklärt Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Alois Pircher, Geschäftsführer bei Treuhand-Union Innsbruck. Wird die Registrierkassenoder Belegerteilungspflicht verletzt, so begeht man eine Finanzordnungswidrigkeit, die mit Strafen bis zu 5.000 Euro geahndet werden kann. „Die Belegausstellung ist verpflichtend, auch die Belegannahme durch den Kunden – aber nicht die Mitnahme des Belegs“, so Pircher und ergänzt: „Für den Fall, dass die Finanzpolizei vor dem Geschäft wartet, muss nur Auskunft gegeben werden, ob ein Beleg erteilt wurde.“ Zeitpunkt und Form. Die Belegerteilungspflicht trifft jeden Unternehmer (laut Umsatzsteuergesetz), wohingegen die Einzelaufzeichnungspflicht und Registrierkassenpflicht nur für betriebliche Unternehmer, wie Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetriebe und selbstständige Tätigkeit, gelten. Der Beleg muss ausgestellt werden, wenn der Kunde bar bezahlt – nicht bei Lieferung oder Leistung auf Ziel (auf Rechnung).


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„In der Praxis weicht der Belegempfänger vielfach vom Leistungsempfänger ab.“ Der Beleg kann als Papierbeleg oder elektronisch, zum Beispiel per E-Mail, erteilt werden, jedoch müssen mindestens folgende Bestandteile enthalten sein: Bezeichnung des Unternehmens, fortlaufende Nummer, Tag der Belegausstellung, Menge, Betrag der Barzahlung und handelsübliche Warenbezeichnung. Dabei gibt es genaue Vorgaben: „So darf ein Blumengeschäft die Produkte nicht als ‚Blumen’ bonieren, sondern muss die Ware genauer bezeichnen – zulässig sind etwa Schnittblume, Blumenstrauß oder Gesteck.“

Sie stehen bei uns im Mittelpunkt. Unsere Stärke ist die Teamarbeit. Im Team möchten wir Sie bei Ihren Aufgaben und Problemen unterstützen.

Erleichterungen. In der Gastronomie gibt es eine Sonderregelung bei der Tischabrechnung: Die Bedienung darf verschiedene Gäste am selben Tisch einzeln abrechnen und am Ende einer Person den Gesamtbeleg mitgeben. Eine weitere Erleichterung betrifft die sogenannten mobilen Gruppen, wie

„Die Belegerteilungspflicht besteht schon länger. Neu sind die strafrechtlichen Konsequenzen.“ (Tier-)Ärzte, Friseure oder Skilehrer, die Hausbesuche durchführen. Da diese Berufsgruppen Waren und Dienstleistungen außerhalb ihrer Betriebsstätte erbringen, stellen sie untertags Papierbelege aus, behalten die Durchschriften und dürfen diese bei Rückkehr in die Registrierkasse nachtragen. Kalte Händeregelung. Eine besondere Ausnahme besteht für Umsätze im Freien, wie bei einer Schirmbar auf der Skipiste, einem Eisverkaufsstand oder einem Maronibrater – ohne Verbindung zu geschlossenen Räumlichkeiten. „Begünstigung für Umsätze im Freien gab es bereits früher, aber die Jahresumsatzgrenze wurde von 150.000 auf 30.000 Euro reduziert“, so Pircher. Für den Unternehmer ergibt sich durch die Regelung keine Belegerteilung, keine Registrierkassenpflicht und keine Einzelaufzeichnungspflicht, zudem darf die Losung mittels Kassasturz berechnet werden. „Für Glaubwürdigkeit der korrekten Abrechnung sollte aber aufgeschlüsselt mitnotiert werden, wie viele Münzen und Scheine gezählt wurden“, empfiehlt Pircher. ¬

U

nser Leistungsangebot umfasst dabei die Wirtschaftsprüfung inklusive Sonderprüfungen, Erstellung von Jahresabschlüssen und Steuererklärungen, Umgründungsberatung, Merger and Acquisition, Unternehmensbewertung, betriebswirtschaftliche Beratung sowie Buchhaltung und Lohnverrechnung. Die individuelle und persönliche Beratung unserer Klienten ist uns besonders wichtig. Die maßgeschneiderte Lösung Ihres Problems ist uns ein Anliegen. Ihr Nutzen steht bei unserer Arbeit immer im Vordergrund. Davon möchten wir Sie überzeugen. Wir betreuen Klienten der verschiedensten Branchen und Größen – vom internationalen Konzern bis zum kleinen Einzelunternehmen. Dass uns alle Klienten wichtig sind, wird durch die teilweise jahrzehntelange Treue belegt. Für uns ist es auch Ansporn und Freude, dass die meisten Neuklienten auf Emp-

fehlung von bestehenden Klienten zu uns kommen. Das in all den Jahren aufgebaute Wissen stellen wir Ihnen zur Verfügung. Um für Sie am Laufenden zu sein, bildet sich das gesamte Team permanent fort. Das machen aber auch die meisten Mitbewerber – wir gehen daher einen Schritt weiter: Wir möchten die fachlichen Standards setzen und nicht nur nachvollziehen. Dokumentiert wird dies beispielsweise durch die zahlreichen Fachpublikationen und Vorträge unseres Partners Univ. Prof. Dr. Reinhold Beiser. Testen Sie uns einfach und vereinbaren Sie ein kostenloses Informationsgespräch. ¬ Marsoner + Partner GmbH Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung Andreas-Hofer-Straße 43 6020 Innsbruck Tel.: 0512/574 345 E-Mail: office@marsoner.at www.marsoner.at

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Firmenwagen:

Steuern sparen mit E-Autos

Mit 2016 richtet sich der steuerpflichtige Sachbezug von Pkw nach dem CO2-Ausstoß. Für elektrische Firmenautos entfällt der Pkw-Sachbezug hingegen komplett. Wie Dienstnehmer und -geber von dieser Änderung profitieren können, erläutert Steuerberater Daniel Nöbauer. Von Eva Schwienbacher

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erden Firmenautos privat genutzt, liegt ein steuerpflichtiger Sachbezug vor. Bisher wurden 1,5 Prozent der tatsächlichen Anschaffungskosten – maximal jedoch 720 Euro – besteuert. „Im Zuge der Steuerreform 2015/16 wurde dieser Wert auf 2 Prozent und maximal 960 Euro erhöht“, erklärt Nöbauer. Der frühere Wert von 1,5 Prozent kommt nur noch zum Tragen, wenn der CO2-Ausstoß unter dem Grenzwert von 130 Gramm pro Kilometer liegt. Dieser Grenzwert ist für alle Firmenwagen maßgeblich. Bei Anschaffungen ab 2017 sinkt der Grenzwert um jährlich drei

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Gramm. Mit der Steuerreform verteuern sich Dienstwagen mit höherem Emissionswert. E-Autos werden hingegen günstiger. Mit Elektroautos günstiger fahren. „Kraftfahrzeuge mit einem CO2-Emissionswert von Null sind ab 2016 völlig sachbezugsfrei“, weiß der Steuerexperte. Das gilt für Elektroautos mit Elektromotor und Pkw, die mit Wasserstoff betrieben werden, nicht aber für Hybridfahrzeuge. „Diese Neuregelung kann für Dienstgeber und Dienstnehmer Ersparnisse bringen“, sagt ¬ Nöbauer.


© AUGUSTIN+NÖBAUER+PARTNER GMBH

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Ein Beispiel Bei einem Firmenwagen im Wert von 30.000 Euro und einem Emissionswert von 130 Gramm pro Kilometer beträgt der Sachbezug 2 Prozent, sprich 600 Euro. Angenommen ein Dienstnehmer verwendet dieses Kfz privat in einem bestimmten Ausmaß, dann steigt sein monatliches Bruttogehalt aufgrund des Pkw-Sachbezugs von 2.600 auf 3.200 Euro. Gleichzeitig steigen die Abgaben, weshalb er Netto 1.535,89 anstatt 1.801,87 Euro erhält. Für den Dienstgeber steigen die Ausgaben aufgrund der höheren Lohnnebenkosten von 3.404,44 auf 3.617,92 Euro, im Jahr von 47.636,16 auf 51.763,20 Euro. Im Vergleich dazu würde bei EAutos die lohnsteuerliche Mehrbelastung entfallen. Der Dienstgeber könnte 4.127,04 Euro im Jahr an Steuern sparen, der Dienstnehmer 2.256,83 Euro. Zusätzlich sind E-Autos vorsteuerabzugsfähig. „Der komplette Vorsteuerabzug steht für Anschaffungskosten bis 40.000 Euro brutto zu, bis 80.000 Euro anteilsmäßig und darüber hinaus entfällt er“, erklärt Nöbauer. Ob ein Elektroauto für das jeweilige Unternehmen infrage kommt, ist individuell zu entscheiden. Auch Reichweite und laufende Kosten seien zu berücksichtigen, rät der Experte.

„Kraftfahrzeuge mit einem CO2-Emissionswert von Null sind ab 2016 völlig sachbezugsfrei.“

Zur Person Mag. (FH) Daniel Nöbauer ist Geschäftsführer und Steuerberater in der Steuerberatungskanzlei augustin+nöbauer+partner GmbH.

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Bankenpaket 2015 – Was ändert sich? Mit der Steuerreform wurde auch das Bankenpaket beschlossen: Dadurch ergeben sich für Banken und Kunden eine Reihe von Änderungen. Von Eva-Maria Hotter

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as Bankenpaket bringt für Kunden und Bankinstitute Neuerungen. „Die Steuerreform hat im Einkommensteuerbereich grundsätzlich zu einer Entlastung geführt“, erklärt Michael Kirchmair, Steuerberater und Partner bei Wirtschaftstreuhand Berger Kirchmair Kraisser. „Ein Großteil der Gegenfinanzierung soll durch Steuerbetrugsbekämpfung erfolgen. Banken werden dabei durch die neu auferlegten Meldepflichten besonders in die Pflicht genommen“, so Kirchmair. 40

Höhere Kapitalertragsteuer. „Die erhöhte Kapitalertragsteuer mit 27,5 Prozent betrifft im Grunde alle Finanzprodukte, ausgenommen sind die Sparbücher und Girokontoguthaben.“ Für den Einzelunternehmer oder Personengesellschafter habe sich durch die Tarifsenkung eine Verbesserung ergeben. „Wer sein Unternehmen in Form einer Kapitalgesellschaft geführt hat, wird jetzt jedoch hinsichtlich der Gewinnausschüttungen stärker besteuert. Aus steuerlicher Sicht hat die in Österreich beliebte

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Rechtsform der GmbH sicherlich an Attraktivität verloren“, sagt Kirchmair. Zentrales Kontoregister. 2016 müssen Banken rückwirkend ab 1. März 2015 die Kontendaten ihrer Kunden an die Finanzbehörde melden. „Dabei werden aber nur die sogenannten Kontostammdaten, die Bank und das Datum der Eröffnung, möglicherweise jenes der Schließung, übermittelt.“ Als Kontostammdaten werden dabei Kontound Depotnummer bezeichnet. „Zwar


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Kapitalfluss-Meldungen. Das Kapitalabfluss-Meldegesetz erfasst einerseits Kapitalabflüsse: Banken müssen Kapitalabflüsse über 50.000 Euro von Privatkonten melden – rückwirkend ab dem 1. März 2015. „Ausgenommen sind Geschäftskonten und Treuhandkonten von Anwälten, Notaren und Wirtschaftstreuhändern“, erklärt Kirchmair. „Wenn offensichtlich ist, dass mehrere kleinere Beträge zusammengehören, werden diese zusammengerechnet – so sollen Umgehungskonstruktionen vermieden werden.“ Andererseits sind auch vergangene Zuflüsse über 50.000 Euro auf Depots oder Konten aus der Schweiz (von 1. Juli

Zur Person

© WT BERGER KIRCHMAIR KRAISSER

wird kein genauer Kontostand mitgeteilt, doch das Bankgeheimnis wurde stark aufgeweicht.“ Durch das Kontoregister ist künftig ersichtlich, welche Bankverbindungen pro Person bestehen. Zugriff haben Staatsanwaltschaft, Strafgericht, Finanzstraf- und Abgabebehörde. Auch Steuerpflichtige können ihre gespeicherten Daten über FinanzOnline einsehen. „Im Zuge von Betriebsprüfungen können sich Situationen ergeben, die auf Unstimmigkeiten hinweisen. Kann der Steuerpflichtige diese nicht aufklären, kann die Finanzverwaltung bereits im normalen Abgabeverfahren mit Zustimmung des Bundesfinanzgerichts Konten öffnen.“

Univ.-Lekt. Mag. Michael Kirchmair, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungskanzlei WT Berger Kirchmair Kraisser

2011 bis 31. Dezember 2012) oder Liechtenstein (von 1. Jänner 2012 bis 31. Dezember 2013) gesetzlich erfasst: Bis Ende 2016 werden Privatkunden und liechtensteinische Stiftungen, die in diesen Zeiträumen die Zuflussgrenzen überschreiten, der Finanz mitgeteilt. Durch eine einmalige Abschlagszahlung in Höhe von 38 Prozent des Zuflusses kann der Steuerpflichtige jedoch anonym bleiben. „Wenn ein Kunde sich für diese Variante entscheidet, kann er dies seiner Bank bis 31. März 2016 mitteilen. Für die Bank besteht dann keine Meldeverpflichtung mehr, aber eine Abfuhrverpflichtung“, so Kirchmair. ¬

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Vermieten, verkaufen & erwerben Was unter anderem auf Immobilienbesitzer zukommt, hat der Innsbrucker Steuerexperte Helmut Schuchter für top.tirol zusammengefasst.

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Von Eva Schwienbacher

Änderungen Vermietung. Bei Gebäudeabschreibungen wurde der nicht abschreibbare Bodenanteil von 20 auf 40 Prozent erhöht. Nur mehr 60 Prozent der Anschaffungskosten von Gebäuden sind absetzbar. Eine sich in Begutachtung befindende Verordnung soll eine Abweichung von dieser Aufteilung ermöglichen. Instandsetzungskosten von Wohngebäuden (z. B. Großsanierungen) sind verteilt auf 15 statt bislang zehn Jahren abzuschreiben. „Das betrifft auch vor 1. Jänner 2016 getätigte Investitionen. Derzeitige Gebäudewertabschreibungen und offene Instandsetzungsaufwendungen sind neu zu berechnen“, erklärt Schuchter. Generell kommt es zu einer branchenunabhängigen Vereinheitlichung des Abschreibungssatzes von 2,5 Prozent. Bisherige Absetzungen sind anzupassen. „Speziell für 42

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GmbHs, die Betriebsgebäude zu Wohnzwecken vermieten, wurde ein Steuersatz von 1,5 Prozent eingeführt“, ergänzt der Experte. Neu bei Veräußerungen. Beim Verkauf von Grundstücken steigt die Immobilienertragssteuer von 25 auf 30 Prozent. Davon ausgenommen sind Körperschaften. Für sie gilt weiterhin der Steuersatz von 25 Prozent. „Darunter fallen neben GmbHs auch Körperschaften öffentlichen Interesses, wie Gemeinden oder Vereine“, erklärt Schuchter. „Prinzipiell gibt es bei Grundstücksveräußerungen wenig Spielraum, Steuern zu sparen. Es ist jedoch möglich, freiwillig auf den linearen Steuersatz von 30 Prozent zu verzichten und eine Regelbesteuerungsoption abzugeben. Die Erträge aus der Grundstücksveräußerung werden dann gemeinsam mit


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© DIE FOTOGRAFEN

„ Es gibt bei Grundstücksveräußerungen wenig Spielraum, Steuern zu sparen. Es ist jedoch möglich, freiwillig auf den linearen Steuersatz von 30 Prozent zu verzichten und eine Regel­besteuerungsoption abzugeben.“ Helmut Schuchter

den Einkünften zum Einkommenssteuertarif versteuert.“ Der Inflationsabschlag für Immobilien (die Berücksichtigung der Inflation bei der Steuerberechnung) entfällt. Stufentarif für Grunderwerbssteuer. Mehrere Änderungen gibt es bei der Grunderwerbssteuer, etwa bei der gewerblichen/ freiberuflichen Betriebsübergabe. Der Freibetrag wurde auf 900.000 Euro erhöht und die Grunderwerbssteuer alternativ zum Stufentarif mit 0,5 Prozent vom Grundstückswert gedeckelt. Unverändert bleibt die allgemeine Grunderwerbssteuer von 3,5 Prozent der Gegenleistung. Für unentgeltliche und

teilunentgeltliche Übertragungen* wurde hingegen ein Stufentarif eingeführt: Bei Liegenschaften bis zu 250.000 Euro gelten 0,5 Prozent, für weitere 150.000 Euro 2 Prozent und darüber hinaus 3,5 Prozent. „Das Besondere ist, dass das Tarifsystem unabhängig von persönlichen oder familiären Nahbeziehungen gilt. Es orientiert sich an der Unentgeltlichkeit“, erklärt Schuchter. Bisher galt bei Übertragungen innerhalb der Familie ein Steuersatz von zwei Prozent des dreifachen Einheitswerts. ¬

Zur Person Mag. Dr. Helmut Schuchter ist Steuerberater und Partner der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mbH & Co KG stauder schuchter kempf

*E in Erwerb gilt als unentgeltlich, wenn die Gegenleistung nicht mehr als 30 Prozent beträgt, als teilunentgeltlich bei Gegenleistungen unter 70 Prozent.

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Neues zur Lohnsteuer Neben den neuen Einkommensteuertarifen treten weitere Änderungen im Bereich der Lohnsteuer in Kraft. Steuerberater Michael Reimair erklärt die wichtigsten. Von Eva Schwienbacher

Geschenke:

Seit 1. Jänner 2016 sind Rabatte für Mitarbeiter im Ausmaß von bis zu 20 Prozent pro Arbeitnehmer steuerfrei. Die Befreiung betrifft alle Branchen und gilt für vergünstigte Waren sowie Dienstleistungen, die der Arbeitgeber selbst im Geschäftsverkehr anbietet. Übersteigt ein Mitarbeiterrabatt die Freigrenze von 20 Prozent, können die Vergünstigungen dennoch steuerfrei sein, sofern die jährliche Gesamtsumme 1.000 Euro nicht überschreitet. „Bei den Mitarbeiterrabatten gilt zu berücksichtigen, dass jeder Verkauf an den Mitarbeiter isoliert betrachtet werden muss. Daher lautet mein Rat: Jeden einzelnen Rabatt genau dokumentieren!“ so Reimair.

Barauszahlungsverbot in der Baubranche: Im Bau- und Baunebengewerbe kommt künftig eine Überweisungspflicht für Löhne zum Tragen. Somit ist auch die Barauszahlung von Vorschüssen nicht mehr möglich.

„ Bei den Mitarbeiterrabatten gilt zu berücksichtigen, dass jeder Verkauf an den Mitarbeiter isoliert betrachtet werden muss. Daher lautet mein Rat: Jeden einzelnen Rabatt genau dokumentieren!“ Michael Reimair

Zur Person Mag. Michael Reimair ist Geschäftsführer und Steuerberater in der Kanzlei zangerl, pardeller & reimair STEUERBERATUNGS OG.

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Gesundheitsförderung und Prävention: Verschiedene gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Impfungen, Raucherentwöhnung, Ernährungsberatung, Physiotherapie oder psychologische Beratung sind von den Lohnnebenkosten befreit. „Voraussetzung dafür ist, dass das Angebot allen Mitarbeitern oder einer bestimmten Mitarbeitergruppe zur Verfügung steht“, erklärt der Experte.

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Mitarbeiter­ beteiligungen: Der Freibetrag der Mitarbeiterbeteiligungen wird von 1.460 auf 3.000 Euro angehoben. Diese Änderung ist vor allem für größere Unternehmen relevant.

© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE JULIA TÜRTSCHER

Mitarbeiterrabatte:

Sachzuwendungen oder Gutscheine an Mitarbeiter aus Anlass eines Firmenoder Dienstjubiläums in Höhe von 186 Euro pro Jahr sind zusätzlich zu den bestehenden Freibeträgen steuerfrei.


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20 Jahre KPMG in Innsbruck

© KPMG

Höchstes Engagement, lokale Expertise und weitreichendes Know-how: Nach dem Zusammenschluss mit der SKP Schüßling, Kofler & Partner GmbH betreut KPMG seit zwei Jahrzehnten mit einem Standort im Herzen Innsbrucks seine Kunden. Unsere Experten sind in Tirol bestens vernetzt – zu unseren Kunden zählen regionale und internationale Unternehmen.

Ansprechpartner bei KPMG: Michael Ahammer, Gerhard Dablander, Ulrich Pawlowski und Hannes Fink (v. l.)

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ieles hat sich verändert in den letzten 20 Jahren. Die zunehmende Globalisierung und die sich rasant entwickelnde Informations- und Kommunikationstechnologie zwangen auch regionale Unternehmen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und neu auszurichten. Das Umfeld für Wirtschaftsbetriebe ist dynamischer und komplexer geworden. Es gilt, rasch auf neue Bedürfnisse des Marktes zu reagieren und dabei die aktuelle Gesetzgebung nicht aus den Augen zu verlieren. Unsere Aufgabe bei KPMG ist es, diesen Anforderungen vorausschauend zu begegnen und unsere Kunden durch exzellente Beratung zu unterstützen. 35 Personen am Standort Innsbruck haben sich auf Prüfung, Beratung oder Service

spezialisiert. Sie liefern unseren Kunden tiefgehendes Wissen – immer auf dem neuesten Stand. Kleine Betriebe nutzen vor allem unsere Dienstleistungen in Buchhaltung, Lohnverrechnung, Bilanzierung und Steuerberatung. Mittlere und große Unternehmen vertrauen auf KPMG als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Unternehmensberater. Zu unseren Kunden zählen Familiengesellschaften, nationale und internationale Unternehmen aller Branchen, von Handel, Bau und Industrie über Energieversorger bis hin zu Privatstiftungen, Banken und Versicherungen. Bestens vernetzt. Mit unserem Standort in Innsbruck haben wir die örtliche Nähe zu unseren Kunden. Wir sind da, wenn Sie uns brau-

„ Unsere Kunden schenken uns seit zwei Jahrzehnten ihr Vertrauen – das ist Ehre und Ansporn zugleich: Ehre, weil wir Tirols erfolgreiche Unternehmen schon so lange betreuen dürfen; Ansporn, weiterhin stets nach den besten Lösungen zu suchen, die unseren Kunden einen Vorsprung verschaffen.“ Mag. Michael Ahammer

chen – ohne wertvolle Zeit auf dem Weg zu verlieren. Durch die hervorragende Zusammenarbeit zwischen den KPMGStandorten in Österreich steht unseren Kunden ein umfangreiches Netzwerk von weiteren Spezialisten in den einzelnen Fachbereichen zur Verfügung. Als Mitglied im weltweiten KPMG-Verbund können wir jederzeit auf das globale Branchen- und Länderwissen zugreifen und grenzüberschreitende Lösungen entwickeln. ¬ Ansprechpartner Mag. Michael Ahammer, Partner Tel.: 0512/59996-5250 E-Mail: mahammer@kpmg.at Dr. Hannes Fink, Partner Tel.: 0512/59996-5308 E-Mail: hfink@kpmg.at Mag. Ulrich Pawlowski, Partner Tel.: 0512/59996-5402 E-Mail: upawlowski@kpmg.at Mag. Gerhard Dablander, Director Tel.: 0512/59996-5406 E-Mail: gdablander@kpmg.at

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Verluste abfedern

Nicht immer ist das wirtschaftliche Handeln auch mit Gewinnen verbunden. In bestimmten Fällen ist es möglich, Verluste mit positiven Einkünften zu verrechnen. Was dabei seit 2016 zu beachten ist, erklärt der Steuerexperte Simon Zangerl. Von Eva Schwienbacher

1. Verbesserte Verlustverwertung bei betrieblichen Einkünften „Neben den bilanzierenden Steuerpflichtigen haben nun auch Einnahmen-Ausgaben-Rechner die Möglichkeit, Verluste zeitlich uneingeschränkt vorzutragen und mit künftigen positiven Einkünften zu verrechnen“, erklärt Zangerl. Bisher galt dies nur für Verluste der vergangenen drei Jahre.

2. Verlustausgleich beim Verkauf von Grundstücken Kommt es beim Verkauf privater Liegenschaften zum Verlust, kann dieser im Ausmaß von 60 Prozent auf 15 Jahre verteilt mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ausgeglichen werden, bei hohen Einkünften auch innerhalb des Entstehungsjahres. Im betrieblichen Bereiche können Verluste aus Grundstücksveräußerungen ebenfalls im Ausmaß von 60 Prozent beim laufenden Ergebnis berücksichtigt werden. Nicht verwertbare Verluste können dann auch vorgetragen werden.

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Beispiel Eine Tirolerin kauft 2008 ein Grundstück. Gleichzeitig vermietet sie Wohnungen. Die Einkünfte aus der Vermietung betragen 10.000 Euro jährlich. 2016 veräußert sie das gekaufte Grundstück mit Verlust. Grundstück

Wohnungen

Kaufpreis inkl. Nebenkosten 1. Juni 2008: € 350.000

Laufende Einkünfte aus Vermietung

Verkaufspreis 1. Februar 2016: € 300.000

€ 10.000 im Jahr

Veräußerungsverlust: € -50.000 Veranlagung 2016: Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

€ 10.000

Verlust aus Grundstücksveräußerung (60 %)

€ -2.000 (Verteilung 15 Jahre)

Vereinfachtes Einkommen 2016

€ 8.000

„ Vier Prozent des Veräußerungsverlustes können somit jährlich verrechnet werden“, Simon Zangerl.


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3. Verluste bei Kapitalvermögen Im außerbetrieblichen Bereich können Veräußerungsverluste aus diversen Kapitalprodukten, zum Beispiel Aktien, nur mit Gewinnen aus vergleichbaren Kapitalprodukten ausgeglichen werden. Betriebe können allfällige Verluste aus diesen Kapitalprodukten zu 55 Prozent bei der steuerlichen Gewinnermittlung berücksichtigen und allenfalls auch vortragen.

„Neben den bilanzierenden Steuerpflichtigen haben nun auch Einnahmen-Ausgaben-Rechner die Möglichkeit, Verluste zeitlich uneingeschränkt vorzutragen und mit künftigen positiven Einkünften zu verrechnen.“

4. Wartetastenverluste bei kapitalistischen Mitunternehmern

Simon Zangerl

Zur Person

Für kapitalistische Mitunternehmer (Gesellschafter ohne tatsächlicher Mitarbeit im Unternehmen) sind Verluste ab 2016 auf die sogenannte Wartetaste zu legen. „Das bedeutet, dass negative Einkünfte aus dieser Art von Beteiligung erst mit künftigen Gewinnen in den Folgejahren verrechnet werden können“, erklärt Zangerl. © PRIVAT

Simon Zangerl MSc ist WirtschaftstreuhänderBerufsanwärter bei Barenth & Partner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mbH in Innsbruck

Entgeltliche Einschaltung

Einkommensteuervorauszahlungen 2016 reduzieren?

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ersonen, die steuerpflichtige Einkünfte erzielen, haben schon während des laufenden Jahres Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten. Durch die Steuerreform 2016 reduziert sich der Steuersatz und führt zu geringerer Einkommensteuer gegenüber dem Vorjahr bei gleichbleibendem Gewinn. Darüber hinaus kann im Falle eines Gewinnrückgangs beim Finanzamt ein Antrag auf Herabsetzung gestellt und somit ebenfalls Liquidität gespart werden. Die laufenden ESt-Vorauszahlungen werden vom Finanzamt per Bescheid vorgeschrieben und bemessen sich an der Einkommenschuld für das letzte, veranlagte Jahr, wobei dieser Betrag um 4 Prozent bzw.

9 Prozent erhöht wird. Der Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen muss begründet sein, das heißt, dem Finanzamt ist in der Regel eine schlüssige Ergebnisprognose beizulegen. Bei dieser Berechnung sind auch steuerliche Begünstigungen, wie etwa der Gewinnfreibetrag, zu berücksichtigen. Zu beachten ist, dass der Antrag auf Herabsetzung der Einkommenvorauszahlungen für das Kalenderjahr 2016 bis spätestens 30. September 2016 gestellt werden muss. ¬

Daniel Nöbauer, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Gerichtssachverständiger

Ulrike Engl Steuerberaterin

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EXPERTENTIPP

Steuerreform: Auswirkungen auf die Rechtsform Ihres Unternehmens Bei der Wahl der Unternehmensrechtsform sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen.

Sozialversicherung – Neuerungen für Unternehmer Im Bereich der Sozialversicherung haben sich für Betriebe seit 1. Jänner 2016 einige Änderungen ergeben.

© KPMG

Von Eva-Maria Hotter

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Mag. Gerhard Dablander Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Director, KPMG Alpen-Treuhand GmbH

in wesentlicher Faktor ist die Steuerbelastung. Aufgrund der geänderten Besteuerung ab 2016 ist die Frage nach der passenden Rechtsform neu zu beantworten. Es hängt von der persönlichen Situation ab, ob eine unternehmerische Tätigkeit als Einzelunternehmer, in Form einer Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft ausgeübt werden soll. Dabei sind Fragen zu Haftung, laufenden Kosten, Sozialversicherung, Finanzierung und Ausschüttungspolitik zu berücksichtigen.

Neuerungen durch die Steuerreform.

Durch die Steuerreform sinkt mit Wirkung ab 2016 einerseits die Steuerbelastung des Einkommens natürlicher Personen, die Körperschaftsteuer bleibt hingegen mit 25 % unverändert. Andererseits wird zur Gegenfinanzierung die KESt für Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften auf 27,5 % erhöht. Beide Maßnahmen steigern grundsätzlich den steuerlichen Vorteil der Tätigkeit als Einzelunternehmer und Personengesellschafter. Das Umgründungssteuerrecht ermöglicht steuerneutrale Wechsel der Rechtsform. Dies löst in der Regel keine Ertragsteuer aus. Ein persönliches Beratungsgespräch zur Analyse von Vor- und Nachteilen ist jeden¬ falls zu empfehlen. 48

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it dem Jahreswechsel hat sich im Bereich der Sozialversicherung einiges geändert. „Diese Änderungen beziehen sich unter anderem auf Vereinfachungen im Beitragsrecht, die außertourliche Erhöhung der Höchstbeitragsgrundlage und die Überarbeitung des Katalogs der nicht als Entgelt geltenden Bezüge“, erklärt Elisabeth Freisinger, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin. „Bei dieser Überarbeitung wurden einige Ausnahmen gestrichen, wie zum Beispiel die Prämien für Diensterfindungen und Jubiläumsgelder.“ Krankenversicherung. Bisher entfiel in den ersten zwei Lehrjahren für Lehrlinge der Krankenversicherungsbeitrag. „Für Lehrverhältnisse, die nach dem 1. Jänner 2016 beginnen, gibt es für die gesamte Laufzeit der Lehre einen Beitragssatz in Höhe von 3,35 Prozent, den der Lehrling mit 1,67 Prozent und der Arbeitgeber mit 1,68 Prozent trägt.“ Zusätzlich gab es eine weitere Änderung im Bereich der Krankenversicherung: „Die Dienstnehmeranteile von Arbeitern und Angestellten wurden in der Krankenversicherung erstmalig angeglichen“, so Freisinger. Sie betragen nun einheitlich für Arbeiter und Angestellte 3,87 Prozent, der Dienstgeber hat für 3,78 Prozent aufzukommen. „Insgesamt bleibt der Beitragssatz mit 7,65 Prozent, der von Dienstgeber und Dienstnehmer getragen wird, aber unverändert.“ Rabatte für Mitarbeiter. „Mitarbeiterrabatte bleiben nur dann beitragsfrei, wenn sie allen oder bestimmten Gruppen gewährt


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Zur Person

© WT PEDEVILLA

© KANZLEI FREISINGER

SV-Pflicht von Gewinnausschüttungen Dr. Elisabeth Freisinger, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin, Kanzlei Freisinger

werden. Es dürfen keine Ausnahmen gemacht werden.“ Im Einzelfall darf der Mitarbeiterrabatt nicht mehr als 20 Prozent betragen. Wird diese prozentuelle Grenze überschritten, dürfen die Rabatte 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr nicht übersteigen. „Der überschreitende Betrag ist abgabenpflichtig.“ Beträgt der Mitarbeiterrabatt jedoch nie mehr als 20 Prozent, entfällt die 1.000-Euro-Grenze. Dienst- und Jubiläumsgelder. Bei bestimmten Kollektivverträgen ist der Dienstgeber nach einer gewissen Anzahl an Dienstjahren dazu verpflichtet ein Jubiläumsgeld auszuzahlen. „Bisher waren diese beitragsfrei – seit diesem Jahr aber nicht mehr, was eine erhebliche Mehrbelastung darstellt.“ Ab 1. Jänner 2016 können nur mehr Sachzuwendungen wie Gutscheine oder Bekleidung bis zu 186 Euro pro Mitarbeiter und Jahr beitragsfrei bleiben. Monatliche GSVG-Beiträge. Die Beiträge nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG) werden quartalsmäßig vorgeschrieben. Neu ist ab 2016 aber, dass die Beiträge auf Wunsch monatlich gezahlt werden können, wodurch sich laut der Steuerexpertin eine bessere Planbarkeit ergibt. Bisher konnte man die GSVG-Beiträge immer nur heruntersetzen lassen. Seit diesem Jahr können diese auch selbst nach oben gesetzt werden, wenn absehbar ist, dass man mehr verdient. „Dadurch muss nicht erst auf hohe Vorschreibungen gewartet werden. Und es lässt sich vermeiden, dass in zwei, drei Jahren hohe Nachzahlungen überraschen“, so Freisinger. ¬

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Hannes Pedevilla Steuerberater

ie Sozialversicherungen drängen schon länger darauf, Gewinnausschüttungen bei Gesellschafter-Geschäftsführern nach § 25 Abs. 1 GSVG in die Bemessungsgrundlage zur Sozialversicherung einzubeziehen. Als praktisches Problem gestaltete sich dabei für die Sozialversicherungsträger die Informationsbeschaffung, da bislang keine automatische Meldung der in der Einkommensteuer endbesteuerten Gewinnausschüttungen erfolgt ist. Mittlerweile ist im Handbuch – Kapitalertragsteuer-Anmeldung (Ka 1) in FinanzOnline – die Erfassung von Ausschüttungen an Gesellschafter-Geschäftsführer von GmbHs, die GSVG-pflichtversichert sind, ab 1. Jänner 2016 vorgesehen. Ab 2016 erhält die Sozialversicherung somit die Daten zu den Gewinnausschüttungen, sodass diese künftig auch in die Bemessungsgrundlage aufgenommen werden können. Für alle, die schon mit ihren laufenden Bezügen die Höchstbeitragsgrundlage zur Sozialversicherung überschreiten, ergeben sich dadurch keine Änderungen. Bei vielen Gesellschafter-Geschäftsführern sollte daher die Einbeziehung von Gewinnausschüttungen in die Sozialversicherungspflicht zu keinen materiellen Konsequenzen führen. Für die Zeit ¬ vor 2016 laufen noch Verhandlungen. (alle Angaben ohne Gewähr!)

WT Pedevilla Steuerberatungs GesmbH Innsbrucker Straße 47 6130 Schwaz Tel.: 05242/62 184 E-Mail: office@wt-pedevilla.at www.wt-pedevilla.at

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EXPERTENTIPP

Bei Kontrollen der Finanzpolizei:

Ruhig und kontrolliert agieren Wie können sich Firmenchefs und Mitarbeiter auf unangekündigte Kontrollen der Behörde vorbereiten? Welche Rechte und Pflichten hat der Unternehmer? Markus und Stefan Erharter (Erharter Wirtschaftstreuhand) klären auf und geben wertvolle Tipps.

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Neu: die Kassenüberprüfung. Am Bau und in Branchen mit vielen ausländischen Beschäftigten, dazu zählen auch Skischulen, Taxiunternehmen, Hotellerie und Gastronomie, wird von der Finanzpolizei schon seit Langem kontrolliert. Die Beamten überprüfen unter anderem, ob Ausländer illegal beschäftigt werden, unbefugte Gewerbeausübungen vorliegen oder Verfehlungen im Rahmen des Sozialbetrugs getätigt werden. 2016 wurde das Betätigungsfeld der Finanzpolizei um einen Schwerpunkt erweitert: die Überprüfung von Registrierkassen und Kassensystemen. So kann etwa die Belegerteilungspflicht überprüft werden. Der Unternehmer ist gut beraten, Handbücher und die sogenannte E131-Beschreibung bereitzuhalten: Dies ist eine Stellungnahme der Kassenhersteller, die erklärt, durch welche Gegebenheiten die vollständige und richtige Erfassung und Wiedergabe der Daten im Kassensystem sichergestellt ist. Rechte und Pflichten. Vor jeder Amtshandlung müssen sich die Kontrollorgane der Finanzpolizei unaufgefordert ausweisen und dem Unterneh50

üblicherweise als Erste auf die Beamten treffen. Zu Beginn sollte nach dem Dienstausweis und Prüfgegenstand gefragt bzw. verlangt werden, seine Rechte und Pflichten zu erfahren.

Markus Erharter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer an den Standorten Innsbruck und Wörgl

Stefan Erharter „Wer bei Kontrollen der Finanzpolizei drei einfache Schritte befolgt, kann unnötigen Stress vermeiden.“

mer die Rechtsgrundlage der Kontrolle mitteilen. Den Beamten muss für die Kontrolle Zutritt zu den Betriebsräumen und Arbeitsstätten gewährt werden. Die Privaträume des Unternehmers dürfen aber nicht betreten werden – dafür ist ein Hausdurchsuchungsbefehl notwendig. Kann der Unternehmer, wie dies etwa in der Baubranche üblich ist, nicht persönlich vor Ort sein, sollte er einen Verantwortlichen bestimmen. Deshalb müssen auch Arbeitskräfte wissen, was im Falle einer Kontrolle zu tun ist. Darauf geschult sein sollten besonders Mitarbeiter am Empfang, an der Rezeption sowie am Ausschank – diejenigen, die

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Drei hilfreiche Tipps. Um bei einer Kontrolle zusätzlichen Stress zu vermeiden, haben Markus und Stefan Erharter drei nützliche Schritte parat: „Zu allererst – noch bevor die Kontrolle startet – empfehlen wir den Anruf beim Steuerberater oder Rechtsanwalt, um abzuklären was zu tun ist“, erklären die Geschäftsführer Stefan und Markus Erharter. Manche Amtshandlungen können jedoch unmittelbar erfolgen: Wird zum Beispiel die Ausländerbeschäftigung überprüft, dürfen die Beamten die Identität der Angestellten feststellen, Fahrzeuge aufhalten und sogar Personen festnehmen. Der zweite Schritt zur Vorbereitung auf eine Kontrolle sind Checklisten: Es ist hilfreich, einen Ablaufplan zu erstellen, der bereits im Vorfeld vieles regelt – von der Schulung und Vorbereitung der Mitarbeiter bis hin zu griffbereiten Unterlagen, wie Mitarbeiter- und Telefon­ listen. Und drittens sollte am Schluss der Amtshandlung unbedingt die Niederschrift über die durchgeführte Aktion verlangt werden. Um auf die Prüfungshandlung optimal reagieren zu können, empfiehlt es sich das Dokument im Beisein der steuerlichen Vertretung zu verfassen. ¬ Weitere Informationen unter: www.erharter.at

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teht die Finanzpolizei unangemeldet vor der Tür, geraten Chefs und Angestellte gerne schnell ins Schwitzen. Eine Ausnahmesituation, die nicht alle Tage ins Haus steht. „Unternehmer sollten aber gelassen bleiben und sich proaktiv auf eine solche Situation einstellen. Denn wer die Kontrolle der Finanzpolizei erschwert oder verhindert, riskiert eine Geldstrafe“, so Stefan Erharter, Steuerberater bei Erharter Wirtschaftstreuhand.


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© KAPELARI & TSCHIDERER (2)

Was ist Ihr Unternehmen wert?

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arren Buffet formulierte treffsicher: „Price is what you pay, value is what you get“. Eine Leistung, eine Ware ist dann attraktiv, wenn sie preiswert ist. Nichts anderes gilt für ein Unternehmen: Egal, ob ein Verkauf ansteht oder nicht. Ein Unternehmen sollte interessant, also „wertvoll“ sein für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Kapitalgeber. Insofern ist die Erhaltung und Steigerung des Unternehmenswertes, die „wertorientierte Unternehmensführung“, Triebfeder unternehmerischen Engagements.

Und was ist der „Unternehmenswert“? Das gesamte unternehmerische Schaffen bündelt sich im Endergebnis, dem Ertrag. Der Unternehmenswert ist die kumulierte Ertragskraft eines Unternehmens, mathematisch ausgedrückt die Summe der zukünftigen – seriös geplanten – abgezinsten Zuflüsse an den Unternehmer, und zwar nach allen Ausgaben wie Steuern, Investitionen und Schuldendienst. Und die Unternehmensbewertung macht genau das: Sie gießt die Unternehmensstrategie in Zahlen. Als

Gutachten wird sie gebraucht bei Verkaufsverhandlungen, bei Umstrukturierungen und Umgründungen oder bei der Neuaufnahme von Partnern und Gesellschaftern. Als internes Prüfdokument wertorientierter Unternehmensführung sollte sie zum Alltag gehören. Bereits der laufende Jahresabschluss bietet eine Gelegenheit „zu bewerten“: Hinter all den Absatz-, Umsatz- und Aufwandszahlen werden die „Werttreiber“ oder die strategischen Erfolgsfaktoren des Unternehmens – in Zahlen gegossen – identifiziert. (FT) ¬

Betriebsstätten und internationales Steuerrecht – nur ein Thema für Großkonzerne?

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ereits durch eine länger andauernde Arbeit auf einer Baustelle im Ausland kann eine Betriebsstätte begründet werden. Dienstleister (wie z. B. Unternehmensberater) haben u. U. durch eine längerfristige Mitbenutzung eines Büros des ausländischen Auftraggebers bei diesem eine Betriebsstätte. Und selbst ganz ohne eigene Anwesenheit im Ausland kann ein dort tätiger abhängiger Vertreter eine Betriebsstätte für das eigene Unternehmen begründen.

Was sind die Folgen? Nun, unter anderem die Verpflichtung, im Ausland Steuern zu bezahlen. Und für Mitarbeiter, die für die Betriebsstätte im Ausland tätig werden, die Steuerpflicht im Ausland vom ersten Tage an. Es gibt noch viele andere Bereiche – wie Umsatzsteuer, Meldepflichten, Sozialversicherung – die bei einer Tätigkeit im Ausland bedacht werden müssen. Eine rechtzeitige kompetente Beratung ist unbedingt zu empfehlen. (GK) ¬

Kapelari & Tschiderer GmbH & Co KG Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung www.kt.co.at Innsbruck Andreas-Hofer-Straße 43/II Tel.: 0512/573 126 E-Mail: office@kt.co.at Imst Dr.-Carl-Pfeiffenberger-Straße 16 Tel.: 05412/90 150 E-Mail: imst@kt.co.at

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Was ändert sich bei der Bilanzierung und Rechnungslegung? Für alle Geschäftsjahre, die ab 31. Dezember 2015 beginnen, gilt heuer erstmalig das neue Rechnungslegungsänderungsgesetz (RÄG) – mit umfassenden Neuerungen für nach dem Unternehmensgesetzbuch (UGB) rechnungslegungspflichtige Betriebe. Von Eva-Maria Hotter

Änderungen in Teilbereichen. Das neue Gesetz greift in viele kleine Teilbereiche ein – auch in den Strukturaufbau, beispielsweise bei den Bilanz-Anhangangaben. „Mit dem neuen Gesetz werden die Mindestangaben für kleine Gesellschaften bestimmt. Darauf aufbauend wird geregelt, was für mittlere und große Gesellschaften gilt. Bisher wurde mit Ausnahmen für kleine Gesellschaften, ausgehend von den von mittleren und großen Gesellschaften zu erfüllenden Anforderungen, gearbeitet“, so Farmer. „Will ein Unternehmer im 52

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as Rechnungslegungsänderungsgesetz hat das Ziel der EU-Bilanzrichtlinie gerecht zu werden, die unter anderem eine Entlastung kleinerer Betriebe, mehr Klarheit und Vergleichbarkeit verspricht. „Das Gesetz versucht viele verschiedene Zielsetzungen zu verknüpfen. Einerseits die Richtlinie umzusetzen und andererseits auch einen ersten Schritt in Richtung Einheitsbilanz zu gehen“, erklärt Peter Farmer, Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei ECA Treuhand Partner Steuerberatung. Unter Einheitsbilanz versteht man eine Bilanz, die unternehmensrechtliche und steuerrechtliche Ziele gleichermaßen vereinheitlicht. „Auch nach in Kraft treten des Rechnungslegungsänderungsgesetzes bleiben jedoch noch Unterschiede, die erst mit einer Änderung im Steuerrecht aufgelöst werden können.“

Zur Person Dr. Peter Farmer, Geschäftsführer bei ECA Treuhand Partner Steuerberatung, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater

nächsten Jahr bilanzieren, muss er prüfen, ob die einzelnen Änderungen zum Beispiel auch im Bereich der Ansatz-, Ausweis und Gliederungsvorschriften auf ihn zutreffen oder nicht.“ Geänderte Größenklassen. Im Bereich der Größenklassen gab es eine die Inflation berücksichtigende leichte Erhöhung der Kennzahlen zur Einordnung einer Gesellschaft als klein, mittel oder groß. Zusätzlich führt der Gesetzgeber eine neue Größenklasse ein: die Kleinstkapitalgesellschaft. In diese Kategorie fallen kleine Kapitalgesellschaften, die maximal 700.000 Euro Umsatzerlöse, zehn Dienstnehmer und 350.000 Euro Bilanzsumme haben, dabei dürfen zwei dieser drei Merkmale nicht

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überschritten werden. „Die Kleinstkapitalgesellschaften genießen eine wesentliche Erleichterung, denn sie müssen beispielsweise keinen Anhang aufstellen.“ Weiterreichend ist der im Unternehmensgesetzbuch neu definierte Begriff „Umsatzerlös“: „Die Definition ist jetzt umfassender als bisher, was zu einem höheren Ausweis an Umsatzerlösen führen wird. Dadurch können sich an daran anknüpfenden Normen Auswirkungen ergeben; dies schließt auch die Bestimmung der Größenklasse mit ein.“ Unversteuerte Rücklagen und Personalrückstellungen. Besonderes Augenmerk ist auf bisher in einer Bilanz ausgewiesene unversteuerte Rücklagen zu legen. Gerade bei schon lange bestehenden Gesellschaften mit Liegenschaften kann dies bedeutend sein, wenn sogenannte „Übertragungsrücklagen“ in der Vergangenheit gebildet wurden. „Denn die unversteuerten Rücklagen sind jetzt zwingend unter Berücksichtigung der steuerlichen Begleitregelung aufzulösen.“ Auch Pensionsrückstellungen sollten Unternehmer dem Steuerexperten zufolge genau unter die Lupe nehmen, denn der Wertansatz für langfristige Rückstellungen wurde gesetzlich geändert. „Dadurch kann es zu einer deutlichen Rückstellungserhöhung im nächsten Jahr kommen. Gutachten sollten frühzeitig eingeholt werden, um so Überraschungen zu vermeiden“, rät Farmer. ¬


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Wenn Zahlungen ausbleiben Gute Arbeit ist nur die halbe Miete. Erst, wenn die Rechnungen dafür beglichen werden, tritt wirtschaftlicher Erfolg ein. Doch wenn Zahlungen ausbleiben, kann das weitreichende finanzielle Folgen haben.

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Von Daniel Feichtner

„Regulärer Geldfluss ist ein essenzieller Faktor für die Existenz eines Unternehmens und sollte nicht unterschätzt werden.“

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o banal es klingt“, meint Klaus Schaller, Geschäftsführer des Kreditschutzverbands 1870 Tirol: „Regulärer Geldfluss ist ein essenzieller Faktor für die Existenz eines Unternehmens und sollte nicht unterschätzt werden. Nur weil ein Betrieb Leistungen erbringt, bedeutet das noch lange nicht, dass Zahlungen erfolgen.“ Denn schlussendlich entscheidet die Zahlungsmoral des Kunden, ob eine Leistung rechtmäßig entlohnt wird.

Viele Ursachen. Die Gründe, warum Forderungen nicht bezahlt werden, sind vielfältig. Wie die Inkasso Trendumfrage des KSV 1870 im September 2015 in Österreich gezeigt hat, ist mit 61,4 Prozent bei Firmenkunden ein momentaner Liquiditätsengpass schuld. Aber auch Rechnungen, die schlichtweg übersehen werden, sind mit 45,7 Prozent ein häufiger Grund, dicht 54

Klaus Schaller

gefolgt von vorsätzlichem Nicht-Bezahlen mit 43,4 Prozent. „Bei den Privatkunden verhält es sich ähnlich“, meint Schaller. „Allerdings steht hier das Vergessen bei gut der Hälfte der säumigen Zahler an erster Stelle und momentane finanzielle Probleme knapp dahinter. Vorsätzlich nicht bezahlt werden rund 37 Prozent aller Rechnungen bei denen sich Privatpersonen säumig erweisen.“ Finanzielles Nachbeben. Eine nicht beglichene Rechnung zieht Aufwendungen nach sich. Das beginnt schon bei der Bearbeitung der Ausstände. Mitarbeiter müssen Mahnungen schreiben oder telefonisch zur Zahlung auffordern. All diese Aktivitäten kosten

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Zeit und Geld – umso mehr, wenn eine zusätzliche Instanz, wie ein Rechtsanwalt, hinzugezogen werden muss. „Man darf auch nicht vergessen, dass eine verspätete Zahlung auch Zinsverluste mit sich bringt“, sagt Schaller. „Hätte der Lieferant das Geld rechtzeitig erhalten, hätte er damit arbeiten können. Dazu kommen noch die Kosten der Akquise eines Ersatzkunden.“ Kompensation ist teuer. Um den Zahlungsausfall im Jahresergebnis wettzumachen, muss der Lieferant den fehlenden Erlös durch zusätzlichen Umsatz ausgleichen. Wie groß der dadurch entstehende Aufwand sein kann, veranschaulicht Schaller anhand eines Beispiels: „Nehmen wir an, ein Rechnungsausfall im Handel beläuft sich auf 4.000 Euro. Die Umsatzrentabilität in der Branche liegt bei rund zwei Prozent oder darunter. Um den Verlust auszugleichen,


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EXPERTENTIPP

Schutz vor Zahlungsausfällen

Musterschüler. Verzögerungen oder Forderungsausfälle können im schlimmsten Fall weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen, bis hin zum Abbau von Arbeitsplätzen oder der Existenzbedrohung. Betrachtet man die allgemeine Zahlungsmoral in Tirol, zeigt sich aber, dass heimische Kunden sich durchwegs positiv hervortun. „Unsere Erhebungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Rechnungen in Tirol in sämtlichen Bereichen deutlich früher abgeglichen werden als im Österreich-Vergleich“, bestätigt Schaller. Bei Firmenkunden betrug der Zahlungsverzug 2015 im Schnitt vier Tage und bei der öffentlichen Hand fünf. „Damit ist die Tiroler Wirtschaft im absoluten Spitzenfeld. Und auch die Privatkunden stehen im Durchschnitt der letzten Jahre sehr gut da.“ Aber Tirol liegt nicht nur im eigenen Land ganz weit vorne: Der Atradius Zahlungsbarometer aus dem Frühjahr 2015 bescheinigt ganz Österreich die beste Zahlungsmoral in Westeuropa – womit sich Tirol auch eine europäische Spitzenposition sichert. ¬

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müsste der Lieferant einen zusätzlichen Umsatz von zumindest 200.000 Euro erwirtschaften. Und das ist mit einem entsprechenden Aufwand im Vertriebs- oder Marketingbereich verbunden.“ So belastet ein Zahlungsausfall die Liquiditätssituation eines Unternehmens weit mehr, als nur mit dem verlorenen Rechnungsbetrag.

Es gibt viele Möglichkeiten, Zahlungsausfällen vorzubeugen. Grundsätzlich sollten Unternehmer folgende Tipps beherzigen, rät Klaus Schaller vom KSV 1870 Tirol:

Klaus Schaller, Geschäftsführer des KSV 1870 Tirol

Information ist alles. Gerade zu Beginn einer neuen Geschäftsbeziehung ist es wichtig zu wissen, worauf man sich einlässt. Deswegen sollte eine Bonitätsprüfung, wie sie der KSV 1870 anbietet, eine Selbstverständlichkeit sein. Kennt man das bisherige Zahlungsverhalten des Kunden, hat man gute Argumente, Zahlungsmodalitäten entsprechend zu vereinbaren. Nicht unachtsam werden. Auch wenn sich ein Unternehmen vertrauenswürdig präsentiert, heißt das nicht, dass das so bleibt. Ein Bonitätsmonitoring

informiert Geschäftspartner regelmäßig über Veränderungen der wirtschaftlichen Lage eines Geschäftspartners. Auch hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Ist eine Veränderung im Zahlungsverhalten absehbar, gilt es, schnell zu reagieren. Oft kann frühzeitige Kontaktaufnahme oder eine Straffung der Zahlungsvereinbarungen für zukünftige Transaktionen Schlimmeres verhindern. Forderungen richtigstellen. Rechnungssteller müssen ihre Forderungen schnell und nachdrücklich geltend machen. Ebenso gilt es, rechtzeitig zu reagieren, wenn Forderungen nicht Folge geleistet wird. Je früher gemahnt oder ein Inkassospezialist hinzugezogen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass doch noch bezahlt wird.

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© DOMINIQUE HUTER

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Christian Steinmayr ist Geschäftsführer der Steinmayr & Co Insurance Broker GmbH in Innsbruck

Großevents richtig versichern Skirennen, Open-Airs, Bälle oder Umzüge – Tirol ist regelmäßig Austragungsort für Großveranstaltungen. Welche Risiken damit verbunden sind und warum die Suche nach Versicherern immer mehr zur Herausforderung wird, erklärt der Versicherungsmakler Christian Steinmayr. Das Interview führte Eva Schwienbacher.

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err Steinmayr, welche Risiken birgt eine Großveranstaltung für den Veranstalter? Christian Steinmayr: Das vielleicht größte Risiko ist die Absage. Großveranstaltungen verschlingen heutzutage hohe Kosten – seien es Saalmieten oder Tribünenaufbau, Catering und Security, Künstlergagen oder Hotels für Funktionäre und Sportler. All diese Kosten fallen meist unabhängig davon an, ob die Veranstaltung schlussendlich durchgeführt wird oder nicht. Wenn nun eine Veranstaltung aufgrund von Wetterbedingungen, Erkrankungen der Protagonisten oder anderen

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externen Faktoren abgesagt wird, können für Veranstalter verheerende finanzielle Schäden entstehen. Natürlich gibt es aber auch Risiken während der Veranstaltung, zum Beispiel, dass Besucher auf dem Veranstaltungsgelände zu Schaden kommen. Das ist speziell bei Veranstaltungen mit großen Teilnehmerzahlen ein Thema. Welche Fragen sollte man im Vorfeld klären? In erster Linie, welche Faktoren zu einer Absage führen könnten. Ebenso sollte man sich ein Szenario überlegen, mit dem man einen potenziellen Schaden minimieren kann. Es geht


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„Eine wichtige Versicherung ist die Veranstalterhaftpflichtversicherung. Sie schützt vor den finanziellen Risiken, wenn sich etwa Besucher verletzen und der Veranstalter für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden kann.“ Christian Steinmayr

darum, einen Plan B zu erarbeiten, zum Beispiel mit einem Ausweichdatum, einem Ersatzprogramm oder einem bunten Rahmenprogramm, um bei Absage eines Programmpunktes nicht gleich alle Eintritts-, Sponsoren- und Fernsehgelder zu verlieren. Wichtig ist auch, sich als Veranstalter Gedanken über die Sicherheit der Gäste zu machen. Es herrschen immer schärfere Sicherheitsauflagen. Zudem hat das Thema Terror leider an Bedeutung gewonnen. Bereits bei einer Androhung muss man oft eine Veranstaltung absagen. Dadurch sind Veranstalter mit einem kaum kalkulierbaren Risiko konfrontiert. In der Versicherungsbranche rechnet man damit, dass die Prämien entsprechend ansteigen werden. Welche Möglichkeiten der Absicherung gibt es für Veranstalter? Ein Veranstalter hat sich einerseits für Schäden das Publikum betreffend abzusichern, andererseits auch gegenüber Sponsoren, Künstlern, dem Cateringservice und so weiter. Eine Möglichkeit ist die Festlegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen. Dabei geht es um die Frage, ob man zum Beispiel den Eintrittspreis, das Sponsoring oder die Fernsehgelder rückerstatten muss. Eine wichtige Versicherung ist die Veranstalterhaftpflichtversicherung. Sie schützt vor den finanziellen Risiken, wenn sich etwa Besucher verletzen und der Veranstalter für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden kann. Hierfür findet man unter den allgemein bekannten Versicherungsgesellschaften sicherlich Anbieter. Deutlich schwieriger ist es, Versicherer zu finden, die das Thema Ausfall versichern wollen – und zwar weltweit. Womit hängt das zusammen? Speziell bei Outdoor-Veranstaltungen liegt

Steinmayr Historie • Gründung 1970 in Innsbruck als Steinmayr & Partner GmbH • Umgründung 2011 in die Steinmayr & Co Insurance Brokers GmbH – internationale Ausrichtung • 14 Mitarbeiter lokal Steinmayr & Co Insurance Brokers GmbH ist auf die Versicherung von vier Bereichen spezialisiert: Gewerbe- und Industriebetriebe, KMUs, Tourismus und Großveranstaltungen

die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ausfalls oft im zweistelligen Prozentbereich. Die Wetterlage ist einfach unberechenbar. Deshalb und aufgrund vieler Schäden in der Vergangenheit agieren die Versicherer immer restriktiver. Im Speziellen hängt es davon ab, welche Art der Veranstaltung versichert werden soll. Ein normales Konzert oder ein Ball zum Beispiel sind sicher nicht so problematisch wie ein Skispringen, wo ein paar Windböen zur falschen Zeit schon zum Abbruch führen können. Im Bereich der Haftpflicht ist sicher eine normale Veranstaltung unproblematischer als etwa ein Airrace oder Autorennen, bei dem Flieger oder Autos über oder neben hunderttausenden Menschen dahin rasen. Lokal ist erfahrungsgemäß auch die Versicherung eines Krampuslaufs oder Faschingsumzugs, wo ausgelassen gefeiert wird, eine größere Herausforderung, als noch vor ein paar Jahren. ¬ Vielen Dank für das Gespräch.

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top.tirol top.tirol AUTOtop.tirol AUTO 3-13 MARCH 2016

Schweizer Autolust

Der Internationale Autosalon Genf findet heuer zum 86. Mal statt. Vom 3. bis zum 13. März 2016 können sich Besucher über Trends und Höhepunkte des kommenden Autojahrs informieren. Viele Premieren machen diese Messe besonders spannend. Text: Klaus Erler

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nders als etwa bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt IAA, die nur alle zwei Jahre ihre Tore öffnet, ist der Internationale Autosalon Genf ein jährliches Event. 2015 kamen 682.000 Besucher, um sich umfassend über automobile Trends, 130 neue Modelle und Con-

cept Cars und 900 ausgestellte Fahrzeuge zu informieren: Zahlen, die sich 2016 wohl noch weiter steigern werden. Anders auch als in Frankfurt bleiben viele der Premieren bis zum Messebeginn geheim. top.tirol gibt eine Vorschau auf die schon bekannten und noch unentdeckten Highlights 2016. ¬

Opel GT Concept

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Dieser Opel feiert in Genf seine Weltpremi­ ere. Mit Frontmittelmo­ tor und Heckantrieb ausgestattet stammt er in direkter Linie vom Opel GT und dem Monza Concept ab. Die Serien­ version soll unter 1.000 Kilogramm wiegen und von einem 145 PS starken Turbo-Benziner angetrieben werden.

Hyundai Ioniq

Seat Ateca

Der spanische SUV wird in Genf erstmals enthüllt. Was Motoren und Ausstattung betrifft dürfte der Unterschied zum neuen VW Tiguan nicht allzu groß sein. In der Länge werden rund 15 cm auf den etwas stattlicheren VW Bruder fehlen. 58

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Europapremiere in Genf: Vom Hyundai Ioniq wird neben der Hybrid-Variante und einer rei­ nen Elektroversion (ab Herbst 2016 erhältlich) auch ein Plugin-Hybrid-Modell angeboten werden. Die Antriebseinheit besteht aus einem 1,6-LiterBenziner, einem Elektromotor mit einem Lithium-Polymer-Akku und einem 6-Gang-Doppel­ kupplungsgetriebe. Die System­ leistung des Hyundai Ioniq liegt bei 141 PS.


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LEXUS LC 500

Das 2+2-sitzige Coupé feierte auf der Detroit-Motor-Show-2016 Weltpremiere, jetzt soll es auch in Genf zu sehen sein: Der scharf designte Renner wird von einem 5-Liter-V8-Saugmotor mit 473 PS angetrieben. Die dazugehörige 10-Stufen-Automatik ist eine komplette Neuentwicklung.

Porsche 718 Boxster

20 Jahre nach dem Debüt des ersten Boxster präsentiert Porsche in Genf seine beiden Vierzylinder-Mittelmotor-Roadster 718 Boxster und 718 Boxster S. Ersterer leistet 300 PS aus zwei Liter Hubraum, der 718 Boxster S kommt auf 350 PS bei 2,5 Liter Hubraum. Erhältlich sind die Sportler aus Stuttgart ab 30. April 2016, der Einstiegspreis beträgt 62.537 Euro.

Fiat Tipo

Er wird den Bravo beerben. Nach der auf der Dubai International Motor Show 2015 vorgestellten Stufenheck-Limousine (Foto) soll nun in Genf die Steilheck-Variante folgen. Die Motorenplatte umfasst vorerst zwei Benziner und zwei Diesel von 95 PS bis 120 PS.

GERÜCHTEKÜCHE Diese Modelle dürften ebenfalls in Genf vorgestellt werden: Alpina A120 Alfa Romeo Giulietta Facelift Alpina B7 Aston Martin DB11 Audi A5 Audi SUV Q2 BMW 3er GT Facelift Borgward SUV Bugatti Chiron Ferrari California „Handling Speciale“ FIAT Abarth Spider Jaguar F-Type SVR KIA SUV Niro KIA Optima Sportswagon Kombi Lamborghini Centenario Maserati Levante Mercedes C-Klasse Cabrio Opel Mocca Facelift Renault Mégane Kombi Toyota C-HR Volvo Kombi V90

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Neues vom Tiroler Automarkt

Elektromobilität salonfähig machen Das Tiroler Unternehmen EcoDrive Austria GmbH hat sich mit seinem Partner Unterberger Automobile auf maßgeschneiderte „Unternehmer-Sorglos-Pakete“ mit Fokus auf Elektromobilität spezialisiert.

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Steuerreform als „Katalysator“. Gemeinsam will man die Elektromobilität salonfähig machen und Tiroler Firmen von den Vorteilen überzeugen. Seit 1. Jänner 2016 sind Elektrofahrzeuge für Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt, für Mitarbeiter entfällt der Sachbezug gänzlich, während er für konventio-

nell angetriebene Fahrzeuge angehoben wurde. Dazu gibt es je nach Erfüllung diverser Kriterien derzeit pro Fahrzeug eine staatliche Förderung von bis zu 4.000 Euro, die vom Land Tirol nochmals erhöht wird. Das Geschäftsmodell von EcoDrive Austria besteht im Schnüren

Erdgas als Treibstoff immer lohnender Die TIGAS fördert 2016 wieder die Anschaffung von Erdgasfahrzeugen. Auch der Erdgas-Treibstoffpreis wurde gesenkt.

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ie TIGAS bietet 2016 bei einer Anschaffung eines Erdgasfahrzeuges eine „Umweltprämie“ in Höhe von von 1.000 Euro an. Voraussetzungen sind die erstmalige Zulassung des Fahrzeuges nach dem 1. Jänner 2012, eine Anmeldung 2016 in Nordtirol und das Anbringen eines Aufklebers. Für Gewerbetreibende gewährt die Initiative „klimaaktiv“ zusätzlich einen 500-Euro-Zuschuss. Zudem senkt die TIGAS an den in ihrem Netzge60

Verkaufsleiter Robert Hofer (Unterberger St. Johann), GF Walter Steiger (EcoDrive Austria GmbH), Gerald Unterberger, Betriebs­ leiter Hannes Margreiter (Unterberger St. Johann) und AlphabetKeyAccount Manager Benjamin J. Roth. (v. l.)

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ie EcoDrive Austria GmbH mit Sitz in St. Ulrich bietet Fuhrparkmanagement mit Fokus auf Elektromobilität und besetzt damit in Tirol eine Nische. Mit dem Unternehmen Unterberger Automobile, das die BMW Elektromarke „BMW i“ exklusiv in Westösterreich vertreibt, hat EcoDrive Austria jetzt einen starken strategischen Partner gefunden.

biet betriebenen eigenen Erdgastankstellen ab 1. Februar 2016 den Preis für Erdgas als Kraftstoff (CNG) auf 79,9 Cent je Kilogramm, an den Autobahntankstellen auf 81,7 Cent. Weitere Infos unter: www.tigas.at ¬

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von individuellen „Rundum-Sorglos-Paketen“ für Kunden, der Ansatz ist „mieten statt kaufen“. Groß- und Kleinunternehmen müssen sich so nicht mehr um Fuhrpark-Details kümmern und haben über die gesamte Laufzeit kalkulierbare Kosten. ¬

Neuer Kia-Schauraum Die erfolgreiche koreanische Marke Kia übersiedelt von der Reichenauerstraße in den neuen Kia-Salon des „Autoland Innsbruck“ an der Hallerstraße 233.

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m 28. Jänner wurde der neue Kia-Autosalon im „Autoland Innsbruck“, Hallerstraße 233 eröffnet. Prominente Gäste des Abends waren unter anderem die Tiroler StarSängerinnen Nadine und Denise Beiler. Sie wurden von AutolandInhaber Patrick Pfurtscheller und Gilbert Haake, PR Manager Kia Motors Austria, begrüßt. Als weiterer Star des Abends entpuppte sich der brandneue Kia Sportage. Er war an diesem Abend erstmals live in Innsbruck zu sehen. Das „Autoland Innsbruck“ (ehemals Tschugg & Partner) wurde mit einem Investitionsvolumen von rund 3,7 Millionen Euro umgebaut und sichert

Ständchen für Kia: Star des Abends Nadine Beiler gemeinsam mit Gilbert Haake, PR Manager Kia Motors Austria (l.) und Autoland-Inhaber Patrick Pfurtscheller (r.).

30 Arbeitsplätze. Hier werden jetzt folgende Marken präsentiert: Peugeot, Citroën, Subaru und Kia. In Buch bei Jenbach sind die Marken Kia, Subaru und Chevrolet im „Autoland Jenbach“ vertreten. ¬


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Koreanisch für Fortgeschrittene Die dritte Generation des Hyundai Tucson präsentiert sich als schicker SUV mit viel Raum, perfektem Komfort und flotter Motorisierung.

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Test: Walter Mair

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Eyecatcher: Die dynamisch designte Stoßstange mit integriertem LED-Tagfahrlicht.

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as nach einer Western-Stadt in Arizona benannte Sport Utility Vehicle erschien erstmals im Frühjahr 2005 auf dem heimischen Markt. Vier Jahre später wurde der kompakte Koreaner durch seinen etwas bieder wirkenden Nachfolger ix35 abgelöst. Beim Genfer Automobilsalon 2015 wurde schließlich die dritte Generation präsentiert – dieses Mal wieder unter der ursprünglichen Bezeichnung Tucson, der sich auf die Fahnen geheftet hat, seinen Mitbewerbern im mittelgroßen SUV-Segment – vom VW Tiguan bis hin zum Mazda CX5 – Konkurrenz zu machen. Sympathischer Cruiser. Für den sportlich designten Koreaner spricht, dass er mit üppiger Basisausstattung und modernster Technik bereits ab 23.990 Euro erhältlich ist. 29.990 Euro kostet die günstigste Allradvariante, die mit einem Zweiliter-Selbstzünder mit 136 PS kombiniert ist. Wir fuhren den Tucson mit dem stärkeren der beiden 1,6-Liter-Turbobenziner mit 177 PS, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und 4x4-Antrieb in der Top-Ausstattung „Platin“, der zum Basispreis von 40.490 Euro aus dem Hyundai-Schauraum fährt. Und dieser Antrieb hat uns mehr als begeistert. Das extrem laufruhige Aggregat entpuppt sich mit Unterstützung

TECHNISCHE DATEN HYUNDAI TUCSON 1,6 T-GDi Platin 4WD DCT

von 265 Newtonmetern Drehmoment speziell im Sportmodus als quicklebendiges Triebwerk, welches seine Mindestfracht von knapp 1,8 Tonnen scheinbar mühelos von A nach B bewegen kann. Das Fahrwerk des exzellenten Gleiters ist genau zwischen straff und komfortabel abgestimmt und filtert Bodenunebenheiten gekonnt weg. Der Verwöhn-SUV. Innen offeriert der knapp 4,5 Meter lange Tucson seinen Passagieren ein opulentes Ambiente und ein Cockpit, das sich durch intuitive Handhabung auszeichnet. Klassische Rundinstrumente, ein großer Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts und ein beheizbares Lenkrad mit diversen Schaltfunktionen verwöhnen den Fahrer. Großzügig wirken auch die Platzverhältnisse im Fond, welche durch das riesige Panorama­dach

Das intuitiv bedien­bare Cockpit überzeugt.

Motor: Vierzylinder-Turbo-Benziner Hubraum: 1.591ccm Getriebe: 7-Stufen-Automatik (7DCT), Allradantrieb Leistung: 130 kW/177 PS Max. Drehmoment: 265 Nm bei 1.500 U/min – 4.500 U/min 0–100 km/h: 9,1 sec Spitze: 201 km/h Verbrauch: 7,5 l/100 km, Test: 9,6 l/100 km CO2-Emissionen: 175 g/km Maße (L/B/H): 4.475/1.850/1.645 mm Gewicht: 1.770 kg Kofferraum: 513 l – 1.503 l Preis: 40.490 Euro

noch luftiger erscheinen. Außerdem nimmt der Tucson hinter seinem elektrisch hochfahrenden Scheunentor ein beachtliches Volumen von mindestens 513 Liter auf – übrigens das Größte in seiner Klasse. Überzeugende Sicherheit. Neben einer umfassenden Sicherheitsausstattung fährt der Tucson mit einer Flut an Assistenzsystemen vor. Abgesehen vom Tempomaten mit Abstandsregelung und Verkehrszeichenerkennung, macht sich der schlaue Wüstenfuchs bei Kollisionsgefahr mit querenden Fahrzeugen beim Rückwärtsausparken mittels Warnton bemerkbar. Außerdem beherrscht der Tucson die Kür des automatischen Einparkens – sowohl parallel als auch im rechten Winkel. Während der Hochbeiner einen perfekten Ausblick über das Verkehrsgeschehen gewährleistet, ist die Übersichtlichkeit nach hinten aber nicht ganz optimal. Mit fünf Jahren Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung und einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis ist der sportlich designte Koreaner aller­dings weit mehr als eine Kaufoption wert. ¬

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TEST

Lords Lademeister

Mit dem neuen Clubman präsentiert Mini die zweite Auflage des Mini-Kombis Clubman: Alltagstauglichkeit und optische Unverwechselbarkeit zeichnen den gar nicht so kleinen Engländer aus. Test: Klaus Erler

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ie Marke Mini, trotz jetziger BMW-Zugehörigkeit vom Stammbaum her „very british“, bezeichnet die zweite, seit November 2015 erhältliche Generation des Mini-Kombis namens Clubman als „Shooting Brake“. Diese zutiefst englische Bezeichnung für ein Automobil beschrieb in den 1960er- und 1970er-Jahren ein elegantes und fein ausgestattetes Coupé mit Steilheck: Mit einer Heckklappe versehen sah der Shooting Brake dann auch eher einem Kombi denn einer sportlichen Limousine ähnlich. Der Vorteil für „His Lordship“ lag auf der Hand: Die umfangreiche Jagd- und Golfausrüstung war wesentlich kommoder zu transportieren. Größenmäßig auf Golf-Niveau. Auch wenn er vielleicht kein reinrassiger „Shooting Brake“ ist und das Jagen 62

inzwischen auch nicht mehr die große Rolle spielen dürfte: Für den Golfsport ist auch der neue Mini Clubman sehr gut geeignet. Bei einer Außenlänge, die fast auf den Millimeter genau der des aktuellen Golf 7 entspricht, bietet er ein maximal nutzbares Kofferraumvolumen, das sich mit 1.250 Litern ebenfalls auf GolfNiveau bewegt. Optisch ist der Clubman als sportlich gezeichneter, breiter und tiefliegender Kombi allerdings wesentlich auffälliger als sein deutscher Konkurrent. Sein Laderaum lässt sich über charakteristische, durch Federvorspannung leicht zu öffnende „Split-Doors“ erreichen. Wem das noch zu wenig Show ist, der kann den Clubman mittels verschiedener Individualisierungs- und „Excitement“-Pakete zum teuren Einzelstück upgraden. Das ist dann nicht nur in der Lage, das Mini-­

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TECHNISCHE DATEN Mini Cooper S Clubman Automatik Motor: 4-Zylinder-Turbo-Benzinmotor Antrieb: Vorderrad Hubraum: 1.998 ccm Getriebe: 8-Gang-Steptronic Leistung: 141 KW/192 PS Drehmoment: 280 Nm Beschleunigung 0–100 km/h: 7,1 sec Höchstgeschwindigkeit: 228 km/h Verbrauch kombiniert (Werk): 5,9 Liter Testverbrauch: 8,3 Liter CO2-Emissionen: 137 g/km Kofferauminhalt: 360–1.250 l Maße: (L/B/H): 4.253/1.800/1.441 mm Preis ab: 22.900 Euro brutto (Mini One Clubman 102 PS) Preis Testwagen: 42.886 Euro


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© DOMINIQUE HUTER (3)

Logo auf den Asphalt zu projizieren, sondern wird innen und außen farblich auf Käufergeschmack abgestimmt für jede Menge Aufmerksamkeit, vor allem bei jüngeren Autofans, sorgen. Wer Lust hat, kann sich dann sogar den Status der Alarmanlage per LED in der Dachfinne anzeigen lassen. Hochwertiges Fahrwerk. Ein Fashion-Showmobil ist der Clubman dennoch nicht. Mini spricht vom „höchsten jemals in einem Mini realisierten Maß an Fahrkomfort und GokartFeeling“. Um das zu erreichen wurde der kompakte englische Kombi nicht nur mit einer vollständig neu entwickelten Eingelenk-Federbein-Vorderachse ausgestattet, sondern auch mit einer Mehrlenker-Hinterachse. In Summe ergibt es dann eine satte Straßenlage samt deutlich spürbarer Sicherheits-Reserven. Das Fahrwerk ist dabei auf der härteren Seite, aber nie unangenehm sportlich. Um die Reserven des Fahrwerks auszunutzen braucht es aller-

Es kann geladen werden: Das Heck ist die Schokoladenseite de Mini Clubman.

dings die mit 192 PS stärkste Clubman-Variante „Cooper S“. Ein ganz wilder Racer wird der Mini auch damit nicht: Trotz der am Papier eindrucksvollen PS-Zahl bleibt er eher ein Power-Cruiser denn ein wilder Renner: Dafür sorgt schon das recht hohe Eigengewicht. Allerdings lässt sich die Fahrzeug-Charakteristik optional in den Stufen Mid, Sport und Green verändern. In letzterer beherrscht das Automatikgetriebe dann auch das treibstoffsparende Leerlaufsegeln mit abgekoppeltem Antriebsstrang, bei „Sport“ wird man den Golfplatz mit Sicherheit fünf Minuten früher erreicht haben. ¬

Macht außen und innen gleichermaßen eine gute Figur: der neue Clubman, die derzeit wohl beste Art, Mini zu fahren.

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KFZ-LEASING IN TIROL BOOMT 304 Mio. Euro

298 Mio. Euro

316

326

Mio. Euro

385 Mio. Euro

Mio. Euro

12.939

12.769

12.746

12.979

14.581

2011

2012

2013

2014

2015

Verträge

Verträge

Verträge

Verträge

Verträge

2015 gab es in Tirol einen Zuwachs von 18 Prozent beim Leasing-Neugeschäftsvolumen und 12 Prozent mehr Verträge.

In Österreich konnte das gesamte Kfz-Leasing-Neugeschäft um 10 Prozent auf 3,980 Mrd. Euro gesteigert werden (+ 363 Mio. Euro). Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge stieg im Vergleich zum Vorjahr um 13.313 ebenfalls auf Rekordhöhe. Insgesamt wurden 165.664 Verträge abgeschlossen (+ 8,7 Prozent). Die durchschnittliche Vertragssumme entwickelt sich konstant nach oben und liegt nun bei 24.022 Euro (+ 1,2 Prozent). Immer mehr Unternehmer setzen auf Leasing. Insgesamt wird bereits knapp jeder zweite in Österreich betrieblich benutzte Pkw geleast (48,5 Prozent).

Quelle: Leasingmarkt Österreich 2015, Auszug aus der Statistik des Verbandes Österreichischer Leasing-Gesellschaften

Driften mit Audi Ende Jänner lud Audi nach Seefeld, um die Qualität der Quattro-Modelle Audi A4 Avant und Audi A8 auf blankem Eis zu testen. Mit dabei waren die Nordische Kombinierer des ÖSV.

Gäste der „Audi Driving Experience” in Seefeld: die Nordischen Kombinierer des ÖSV Willi Denifl, David Pommer und Fabian Steindl (v. l.)

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as Audi-Winterfahrtrainingsgelände ist eine drei Hektar große, künstlich geschaffene Eisbahn in der Nähe von Seefeld. Dort konnten Ende Jänner die Nordischen Kombinierer des ÖSV gemeinsam mit eingeladenen Journalisten drei A4 Avant 2.0 TFSI quattro und drei A8 4.0 TFSI quattro auf ihre Wintertauglichkeit testen. Im Rahmen der „Audi Driving Experience“ wurden da64

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bei wiederholt Slalom-Parcours durchfahren und Drift-Runden absolviert. Der Clou: Die Schleuderschutzsysteme der Fahrzeuge blieben abgeschaltet, dafür wurden Spike-Reifen aufgezogen. Die AudiInstruktoren hatten wenig zu tun: Der permanente Allradantrieb quattro hielt die teilweise weit über 100.000 Euro teuren Fahrzeuge auch auf vereistem Terrain sicher auf der Spur. ¬

© PORSCHE AUSTRIA (2)

Von Klaus Erler


Entgeltliche Einschaltung top.tirol

Jetzt umsteigen auf ein Erdgasauto! Wer umwelt- und kostenbewusst Auto fahren will, tankt Erdgas! Über 20 PKW-Modelle, niedrige Kraftstoffkosten und attraktive Förderungen sorgen für steigende Zulassungszahlen bei Erdgasautos.

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ie TIGAS hat an den in ihrem Netzgebiet betriebenen eigenen Erdgastankstellen mit 1. Feber 2016 den Preis für Erdgas als Kraftstoff (CNG) um 12 Cent auf 79,9 Cent gesenkt, an den Autobahntankstellen auf 81,7 Cent je Kilogramm. Damit gibt die TIGAS die gesunkenen Beschaffungspreise an die Erdgasautofahrer weiter. Der Preisvorteil von CNG gegenüber den herkömmlichen Kraftstoffen bleibt weiterhin erhalten. Zudem fördert die TIGAS die Anschaffung eines Erdgasfahrzeugs im Jahr 2016 mit einer Umweltprämie in Höhe von 1.000 Euro. Das Tankstellennetz in Tirol ist mit 27 Erdgastankstellen flächendeckend ausgebaut und wird bedarfsorientiert erweitert. An der Tankstelle an der B169 in Schlitters können Erdgasautos mit dem im Zillertal aus biogenen Wertstoffen aus der Region und damit

Erdgasautofahrer tanken kostengünstiger und schonen dabei auch noch die Umwelt.

aus erneuerbaren Ressourcen produzierten Biogas betankt werden.

Große Auswahl an umwelt­ schonenden Modellen

Neben den niedrigen Kraftstoffkosten spricht auch die positive Umweltbilanz für CNG: Bei

der Verbrennung entstehen kein Feinstaub und keine Rußpartikel, die CO2-Emissionen sind im Vergleich zu Diesel- und Benzinfahrzeugen deutlich reduziert. Der Trend zu Erdgasautos wird auch durch ein immer größer werdendes Angebot an serienmäßigen Modellen namhafter Fahrzeughersteller unterstützt, das von Kleinwagen über attraktive Mittelklassewagen bis zu Nutzfahrzeugen aller Art reicht. In der Anschaffung kostet ein Erdgasfahrzeug in etwa so viel wie ein vergleichbares Dieselfahrzeug. ¬ TIGAS-Erdgas Tirol GmbH Salurner Straße 15, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/58 10 840 E-Mail: office@tigas.at www.tigas.at

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Sichern Sie ie sich jetzt d = mie Umweltprä € 1.000,– Förderung FAHREN MIT ERDGAS. Sie glauben, Ökologie und Fahrspaß passen nicht zusammen? Dann haben Sie noch nie in einem der neuen, leistungsstarken Erdgas-Autos so richtig Gas gegeben. Und dabei bis zu 80 % an Schadstoffen gespart. Noch mehr Freude kommt auf, wenn Sie Erdgas- und Benzinpreise vergleichen: An den vielen TIGAS Erdgastankstellen zahlen Sie nämlich deutlich weniger. Und im Übrigen erhalten Sie bis 31.12.2016 EUR 1.000,– Förderung bei Anschaffung eines Erdgasfahrzeugs. Weiter denken. Besser bleiben. TIGAS.

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Werben mit Erfolg Jörg Matthes leitet die Abteilung für Werbeforschung am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Uni Wien. Für top.tirol hat der Werbeforscher die zehn Prinzipien guter Werbung zusammengefasst. Von Eva Schwienbacher

Zielgruppe definieren und treffen

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Jörg Matthes ist Universitätsprofessor für Werbeforschung am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Vorstand des Instituts sowie Leiter der Abteilung Werbeforschung der Uni Wien

1.

„Wen will ich überhaupt ansprechen?“ lautet eine zentrale Frage, die man sich vor der Erstellung einer Werbekampagne beantworten sollte. Eine genaue Bestimmung und Analyse der Zielgruppe hilft, in einem weiteren Schritt das richtige Medium auszuwählen. „Möchte man beispielsweise Fußballfans ansprechen, macht eine Platzierung rund um eine Live-Übertragung mehr Sinn als eine Schaltung im Nachmittagsprogramm“, so Matthes.

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© BARBARA MAIR

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it rund 500 Werbebotschaften werden Verbraucher täglich konfrontiert. Für Unternehmen ist es eine große Herausforderung, mit ihrer Reklame für Produkte, Dienstleistungen oder einer Marke im Gedächtnis zu bleiben. „Im Idealfall begeistert eine Werbung so sehr, dass ein positiver viraler Effekt entsteht, sie also von Empfängern online geteilt wird oder sie in der Berichterstattung anderer Medien vorkommt“, sagt der Werbeexperte Jörg Matthes. Doch gibt es überhaupt ein allgemeingültiges Erfolgsrezept, um als Werbetreibender positiv in Erinnerung zu bleiben? „Natürlich hat jedes Medium seine Eigenheiten – eine Werbeanzeige funktioniert beispielsweise anders als ein TV- oder Radiospot. Auch muss man jeden Fall einzeln analysieren“, erklärt Matthes, „trotzdem gibt es Grundsätze, die für jede Art der Werbung von Bedeutung sind.“ Wer erfolgreich werben möchte, sollte daher diese zehn Punkte beachten: ¬

Kreativ sein

2.

Da laut Experten die Menschen Unterhaltung suchen, sollte Werbung immer über ein kreatives Element verfügen. Zur Bemessung der Kreativität werden Werbungen bei Prämierungen oft anhand der Kriterien Originalität, Machart, Verständlichkeit, Überzeugungskraft und Freude, die sie bereitet, analysiert.


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3. Aufmerksamkeit erregen „Aufgrund der zunehmenden Informationsflut müssen Werbetreibende um die Aufmerksamkeit der Rezipienten kämpfen“, sagt Matthes. Um diesen Wettbewerb zu gewinnen, können verschiedene Stilmittel eingesetzt werden, wie Humor, Ästhetik oder Erotik. Auch bekannte Persönlichkeiten können zum Erfolg einer Kampagne beitragen. Wichtig für die Glaubwürdigkeit der Testimonials und der Werbebotschaft ist die Übereinstimmung des Produkt- oder Unternehmensimages mit dem Ruf des Prominenten.

4. Klares Werbeziel festlegen Ratsam ist, sich als Unternehmer zunächst klar zu werden, was man überhaupt erreichen möchte. Die Werbeziele können unterschiedlich ausgerichtet sein. Beispiele sind die Erhaltung des Kundenstamms, die Einführung eines neuen Produkts oder die Vergrößerung des Marktanteils. Ein erfolgreich am Markt etabliertes Unternehmen verfolgt etwa andere Werbeziele als ein Start-up. Im ersten Fall kann es darum gehen, bestehende Kunden an ein Produkt oder eine Dienstleistung zu erinnern. Bei einer Markteinführung hingegen muss der Konsument erst davon überzeugt werden, dass das Angebot besser ist, als ein gleichwertiges der Konkurrenz.

5.

6.

Sich abgrenzen Eine klare Profilierung ist zentral, um eine Verwechslung mit der Konkurrenz, die dasselbe Segment bedient, zu vermeiden. Dabei kann man mit Farben, Musik und Bildern arbeiten, um sein Angebot hervorzuheben. Matthes: „In der Bewerbung von Bier wird beispielsweise gerne auf Naturbilder zurückgegriffen. Wenn aber alle Produzenten mit grünen Wäldern und einem klaren See werben, kann der Konsument nicht mehr unterscheiden, für welche Marke das Naturimage steht.“

Verständlich sein

Emotionen ansprechen Früher waren Werbebotschaften sachorientiert und zielten darauf ab, mit überzeugenden Argumenten in den Köpfen zu bleiben. Aufgrund der gesättigten Märkte und Austauschbarkeit der Produkte wird es heute jedoch immer wichtiger, die Gefühle der Zielgruppe zu berühren. Affektive Bindungen seien oft ausschlaggebend für Konsumentenentscheidungen, erklärt der Experte. „Es geht darum, dass Empfänger das Produkt, die Marke oder Dienstleistung mit einem positiven Grundgefühl in Verbindung bringen. Dadurch lassen sich Angebotspräferenzen aufbauen.“

7.

Werbung sollte in ihrem Wirkelement sofort funktionieren. TV-Spots dauern im Durchschnitt 30 Sekunden, Radiospots 20 Sekunden und zwischen null und zwei Sekunden beträgt die Betrachtungszeit von Plakaten oder Werbeanzeigen. Umso wichtiger ist es, dass Empfänger die Werbung sofort dekodieren. „Soll eine Reklame humoristisch sein, muss sie auf Anhieb zum Lachen bringen. Will sie auf eine Dienstleistung hinweisen, muss sofort klar sein, worin das Angebot besteht“, so Matthes.

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8.

9.

Nicht nerven Konsumenten sollten sich durch Werbung nicht belästigt fühlen. Das kann in Fällen passieren, in denen die Zielgruppe zu direkt angesprochen wird oder das verwendete Stilmittel unangemessen ist. Negative Kritik kann sich in Form von Shitstorms in sozialen Netzwerken, Blogs oder anderen Kommentarfunktionen rasant verbreiten und dem Werbetreibenden schaden.

Eine positive Anschluss­ kommunikation erzeugen Kommt eine Werbung gut an, wird sie im besten Fall weiterverbreitet, etwa von Medien über TV-Sendungen oder Zeitungsberichte oder den Konsumenten selbst über digitale Medien. Dadurch erreicht die Botschaft weitere Adressaten ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

Ethisch korrekt sein

10.

Werbung sollte sich an den allgemein gültigen ethischen Richtlinien orientieren. Zum Teil sind diese vom Österreichischen Werberat vorgeschrieben und betreffen Themen wie Geschlechterdiskriminierung, Gewalt, Falschaussagen oder den Schutz von Minderjährigen. „Da diese Thematik nur zum Teil vom Gesetz geregelt wird, sollte sich jedes Unternehmen selbst regulieren“, empfiehlt Matthes.

„ Gute Werbung fällt so auf, dass sie einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Werbung, die die Menschen bewegt, weil sie relevant ist. Werbung, die zum Lachen bringt oder bei der einem zumindest nicht zum Weinen ist, wenn man sie gesehen hat.“

© CORNELIA GSTETTNER

Stimmen aus der Werbebranche

„Gute Werbung löst in mir ein Gefühl der Freude aus. Freude, weil ich angenehm überrascht und intellektuell gefordert wurde. Gleichzeitig ist aber immer auch mit Neid verbunden. Den Neid, die Idee nicht selbst gehabt zu haben.“ Markus Mazuran, Geschäftsführender Gesellschafter der WIEN NORD Werbeagentur GmbH (Kunden: Opel, AMA – Agrarmarkt Austria, BTV, bellaflora u. a.)

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© WIEN NORD

Mariusz Jan Demner, Gesellschafter der Wiener Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann (Kunden: BMW Group Austria, Ja! Natürlich, Manner, Möbelix, ÖBB u. a.)


Frisch. Aus der Natur.

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KLÜGER WERDEN MIT …

Aus Niederlagen Erfolge ziehen! Das Interview führte Julia Brandner.

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analysieren. Verbündete suchen. Und er Titel Ihres Buches laues wieder versuchen. tet „Senkrechtstarter“. Was zeichnet für Sie einen Eine Ihrer Thesen lautet: „PositiSenkrechtstarter aus? Rolf ves Denken kann krank machen“ Schmiel: Senkrechtstarter starten unRolf Schmiel Diplom-Psychologe, Speaker – warum ist das so? Die Gefahr des ter schlechten Bedingungen, wie z. B. und Autor Positiv-Denkens besteht in dem Rosaein schwieriges Elternhaus oder keinen Schulabschluss und werden trotzdem überdurch- rote-Brille-Effekt. Wir reden uns Probleme einfach schnittlich erfolgreich. Sie bestechen durch eine be- schön und beruhigen uns selbst, statt die Realität zu sonders starke Motivation und geben alles, um ihre analysieren und es besser zu machen. Mein Credo lautet: Lieber positiv handeln, Ziele zu erreichen. statt nur positiv zu denken. Gibt es ein Patentrezept, Welchen Tipp können Sie um zum Senkrechtstarberufstätigen Menschen ter zu werden? Ich habe als geben, die in ihrem Job Motivationspsychologe die noch einmal so richtig Biografien vieler berühmter durchstarten wollen? DisSenkrechtstarter analysiert kutieren Sie Ihre Ideen mit und daraus eine Formel abgeVerbündeten – mit Förderern leitet, die aus fünf Elementen und Herausforderern. Fördebesteht: Willenskraft, Fokus, rer sind Menschen, die Ihnen Opferbereitschaft, Risiko, Mut zusprechen und Sie in Mentoren plus dem unterIhrem Vorhaben emotional schätzten Faktor „Glück“. unterstützen. Herausforderer Sie haben sich nach Ihrem Universitätsab- sind diejenigen, die den Finger in die Wunde legen schluss sehr schnell hochgearbeitet. Wie und Sie auf Fehleinschätzungen aufmerksam makann man sichergehen, dass man trotz des chen dürfen. Förderer geben uns Zuversicht und schnellen Erfolgs am Boden bleibt? Wenn man Herausforderer verschaffen uns Klarheit. Wir brauso wie ich aus sehr bescheidenen Verhältnissen chen beides, um erfolgreich sein zu können! kommt, sind die Versuchungen des Erfolgs besonders groß. Leider bin ich ihnen erlegen und habe Vielen Dank für das Gespräch. ¬ mit Anfang 30 mein Geld mit Hingabe verprasst. Mich hat dann meine Frau gerettet. Mein Tipp also: Umgeben Sie sich nicht mit Ja-Sagern, son- Rolf Schmiel ist Diplom-Psychologe, der zugleich als dern mit Menschen, die den Mut haben, Sie auf Speaker und Autor tätig ist. Zu den Unternehmen, die Ihre Schwächen hinzuweisen! Das verleiht Boden- mit ihm zusammenarbeiten, gehören unter anderem haftung. Audi, Coca-Cola, Lufthansa und L’Oréal. Außerdem

„Rückschläge sind Geschenke. Um diese bestmöglich zu nutzen, sind die drei wichtigsten Schritte: Ist-Situation analysieren, Verbündete suchen und es wieder versuchen.“

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ist er als Radio- und TV-Psychologe wöchentlich in den Medien zu erleben. Buchtipp: Rolf Schmiel, Senkrechtstarter: Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen, Campus Verlag, 228 Seiten

© ROLF SCHMIEL

Wie kann man eine Niederlage dazu nutzen, leistungsfähiger zu werden, anstatt zu resignieren? Rückschläge sind Geschenke! In meinem Buch beschreibe ich ausführlich, wie man diese am besten nutzt, damit daraus neue Erfolge werden. Die drei wichtigsten Schritte sind: Ist-Situation



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