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TECHNIK

01 Küche statt Labor: Espelmann (l.) und Ma (r.) bei der Zubereitung ihrer selbst kreierten Handcreme. 02 Sheabutter, Jojobaöl und Co. werden miteinander vermengt. 03 Der ölhaltige Ansatz wird über dem Wasserbad geschmolzen. 04 Fertig ist die Handcreme.

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kam auch der Gedanke an eine gesunde und nachhaltige Nahrung für die Haut“, schildert Ma. Erste Versuche Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den Kriterien des Ernährungsstils machten sich Ma und Espelmann ans Werk, um zunächst Kosmetik für den Eigenbedarf herzustellen. Sie verwendeten

menten haben die beiden Tüftler schließlich die perfekte Rezeptur für ihre Handcreme gefunden. Dabei profitierten sie vor allem von ihrem pharmazeutischen Know-how und den vielen Praxisstunden im Labor. Die Vollendung Während Espelmann in der Küche mit einer Spatel Kaliumsorbat (zum Konservieren), Xanthan (zum Verdicken) und Zitronensäure (zum Einstellen des pH-Werts), in das destillierte Wasser gibt, kümmert sich Ma um die ölhaltigen Inhaltstoffe. In kleinen Mengen werden nach und nach Bienenwachsstücke, Mangobutter, Jojoba-, Mandel- und Sesamöl, Sheabutter und Kokosfett vereint. Sorgfältig wiegen sie die Zutaten auf einer Feinwaage ab. Dann kommt der Ansatz auf die Hitze eines Wasserbads und sie rühren, rühren, rühren. Sobald eine klare Schmelze vorliegt, fügen die beiden sämtliche Inhaltstoffe in der Rührschale über dem Wasserbad zusammen. Nach rund zehn Minuten bildet sich eine weiße Mischung in cremiger Konsistenz. Ma zerstößt letzte Klümpchen mit dem Stößel. Zufrieden nimmt er eine Probe und verteilt sie auf seinen Händen. „Fühlt sich gut an“, lautet sein Fazit. Um dem Ganzen

Carl-Philipp Espelmann

„Biokosmetik darf keine Mineralölkomponenten enthalten und ist darüber hinaus definiert über einen Anteil von mindestens 90 Prozent biologischer Inhaltstoffe. Wir setzen noch einen drauf, indem wir auf chemisch synthetisierte Bioemulgatoren sowie auf Palmöl und Derivate daraus verzichten.“ Inhaltsstoffe, die, wo es möglich war, den Paleo-Kriterien entsprachen – Rohstoffe aus Pflanzen tropischer Regionen. „Die ersten Versuche waren etwas abenteuerlich, da wir einen beschränkten Zugang zu Rohmaterialien hatten. Die Cremes sind teilweise gebrochen oder hatten eine sehr körnige Konsistenz“, erzählt Espelmann. Nach vielen Nächten mit Fehlversuchen und Experi-

noch eine feine Note zu verleihen, ergänzt er einige Tropfen Orangenblütenhydrolat und einen Tropfen Rosenöl für den Duft. Fertig ist das Testprodukt. Zukunftspläne Beratung sowie moralische und fachliche Unterstützung fanden die beiden während der Entwicklung des Produkts bei der Wirtschaftskammer Tirol. Im 23

Carl-Philipp Espelmann stammt aus Augsburg. Sein Pharmazie-Studium hat ihn 2008 nach Innsbruck geführt. Gemeinsam mit Ma hat er in einem „Homelab“ Biokosmetik entwickelt, die beim Paleo-Convent am 2. und 3. September in Berlin erstmals erhältlich sein soll.

Gründungszentrum Inncubator in Innsbruck konnten die beiden Anfang April ihre Handcreme erstmals einem größeren Publikum vorstellen und erhielten dabei viel positive Resonanz. Eine Tiroler Firma, die die ansonsten streng gehütete Rezeptur bereits kennt, soll die Handcreme in großen Mengen herstellen. Der Vertrieb soll dann über den Webshop der beiden sowie im ausgewählten Einzelhandel erfolgen. Die Finanzierung erfolgt mit Eigenkapital. Bei Erfolg gibt es eine Erweiterung der Produktpalette. Ein Teil des Umsatzes planen sie, in soziale Projekte in den Herkunftsländern der Rohstoffe zu investieren. Die Vermarktung Die Nachfrage nach Pflegeprodukten natürlichen Ursprungs besteht. Auch das entsprechende Angebot ist bereits gegeben. Wie die Handcreme von Ma und Espelmann im unüberschaubaren Kosmetik-Dschungel hervorstechen soll, erklärt Espelmann so: „Biokosmetik darf keine Mineralölkomponenten enthalten und ist darüber hinaus definiert über einen Anteil von mindestens 90 Prozent biologischer Inhaltstoffe. Wir setzen noch einen drauf, indem wir auf chemisch synthetisierte Bioemulgatoren sowie auf Palmöl und Derivate daraus verzichten.“ Außerdem soll der Paleo-Ansatz, der sich auch in der bereits eingetragenen Marke widerspiegelt, der Creme zusätzliches Alleinstellungsmerkmal verleihen. Und der Markenname lautet: „Creams of the Stone Age“.

Innovation in Tirol (April 2017)  
Innovation in Tirol (April 2017)