Innovation in Tirol (Dezember 2018)

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DAS MAGAZIN ZU FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG AUSGABE 02/2018

APFEL STATT SPRITZE Wie Obst Allergien heilen könnte.

VERMENSCHLICHT Wieso Maschinen Menschen imitieren.

VERPFLANZT

Welche Technologie Transplantationen verbessern soll.

VERBLASEN

Was Windkraftwerk-Planer von einem Tiroler Wetterphänomen lernen können.


Wir forschen... fĂźr Ihre Gesundheit. www.i-med.ac.at


EDITORIAL

Inhalt

Liebe Leserinnen, liebe Leser

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© UNSPLASH VIDEO

FÜNF AUGEN INS ALL

TECHNIK & DIGITALES ₀₆

Die urbane Blackbox

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Spare in der Zeit, dann hast du in der Not

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Wie Ernährung und PS zusammenpassen

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Unser täglich Brot

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Neues zum Thema Technik & Digitales

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©NORBERT REIDER

Menschliche Maschinen mit künstlicher Intelligenz

MEDIZIN & PSYCHOLOGIE 22

Ein Labor für den medizinischen Fortschritt

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Das Leben mit dem Sterben

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Äpfel für Allergiker

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In guten wie in schlechten Zeiten (?)

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Der Faktor Angst

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Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an

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Neues zum Thema Medizin & Psychologie

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© FH KUFSTEIN TIROL

Transplantation 2.0

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aben Sie sich heute schon mit Ihrem Computer unterhalten? Möglich ist das inzwischen. Und die Technik dafür gibt es nicht nur seit ein paar Jahren – sie wird auch immer besser darin, so menschlich wie möglich mit uns zu interagieren. Warum das so ist und ob die Entwicklung künstlicher Intelligenz damit den richtigen Weg eingeschlagen hat, erklärt in dieser Ausgabe Stephan Schlögl vom MCI. Und wann haben Sie zuletzt einen Apfel gegessen? Denn Äpfel sind nicht nur gesund. Bald könnten sie auch als Therapie für Allergiker dienen. Wie das funktioniert, zeigt Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz der Innsbrucker Universitätskliniken, in einer Studie. Oder haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, ob nicht nur Sie die rote Ampel, an der Sie stehen, anstarren, sondern die Ampel auch Sie im Auge hat? Swarm Analytics macht das möglich – und sorgt vielleicht schon bald dafür, dass der Verkehr wieder mehr fließt als steht. Helle Köpfe aus Tirol Schlögl, der am MCI lehrt, Reider, der an den Universitätskliniken Innsbruck forscht und praktiziert, und Michael Bredehorn, der zusammen mit Georg Westner Swarm Analytics gegründet hat, haben eines gemeinsam: Sie leben, arbeiten, forschen und entwickeln in Tirol. Und ihnen und allen anderen hellen Köpfen, die hierzulande ihrer Neugierde und Kreativität freien Lauf lassen, ist dieses Magazin gewidmet. Egal ob sie in Labors, an Universitäten und Hochschulen oder, wie Isabel Atzinger, in Pferdeställen ihren Passionen nachgehen: Sie alle tragen zu dem breiten Spektrum an Innovation und Entwicklungen bei, die in Tirol entstehen. Und ihnen wollen wir auch in dieser Ausgabe von „Innovation in Tirol“ wieder eine Bühne bieten. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spaß auf den folgenden Seiten und dabei, zu entdecken, wie viel Forscher- und Erfindergeist in Tirol steckt. Und wenn Ihre Neugierde noch nicht gestillt ist, statten Sie „Innovation in Tirol“ doch online einen Besuch unter www.top.tirol ab. Die Redaktion

UMWELT & NACHHALTIGKEIT Durch den Wind

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Schwimmende Energiereserven

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Neues zum Thema Umwelt & Nachhaltigkeit

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TRAURIGE BERÜHMTHEIT

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Impressum Innovation in Tirol, Beilage der „Tiroler Tageszeitung“ Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH Redaktion: Daniel Feichtner, Barbara Wohlsein, Theresa Kirchmair, Simon Leitner, Haris Kovacevic, Katharina Wildauer, Lisa Schwarzenauer, Daniel Schreier, Ruth Mairvongrasspeinten, Layout: Alina Klampfer, Lisa Untermarzoner | Illustrationen: Alina Klampfer, Monika Cichoń | Anzeigenverkauf: Wolfgang Mayr | Anschrift für alle: Brunecker Straße 3, ₆₀2₀ Innsbruck, T: ₀₅₁2/₅₈ ₆₀ 2₀, E: office@target-group.at, www.target-group.at | Druck: Intergraphik GmbH, Innsbruck

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Fünf Augen ins All 2013 starteten die Satelliten der BRITE-Constellation ins All. Seither messen sie die Helligkeit ferner Sonnen, während sie die Erde von Pol zu Pol umkreisen. Die gesammelten Daten werden unter anderem an der Universität Innsbruck von Konstanze Zwintz und ihrem Team analysiert. Von Daniel Feichtner

BODENKONTAKT

Die Mission

SCHUTZ & ENERGIE

Eigentlich hätten es sechs NanoSatelliten sein sollen – zwei österreichische, zwei polnische und zwei kanadische. Bei der letzten Mission versagte aber der EntkoppelungsMechanismus. So schafften es fünf BRITE-Nano-Satelliten in den Orbit. Seither umkreisen sie im 100-Minuten-Takt die Erde und messen die Lichtintensität einiger der hellsten Sterne am Firmament. Die Daten, die sie liefern, werden unter anderem an der Universität Innsbruck analysiert, wo Forscher daraus mehr über Sonnen anderer Systeme lernen.

Bedeckt mit Solarzellen liefert die Haut der Satelliten etwa fünf Watt – weniger als die Betriebsspannung einer Glühbirne, doch genug, um das System zu betreiben. Zugleich beschränken die Solarzellen die Lebensdauer der Satelliten. Da sie kosmischer Strahlung ausgesetzt sind, lässt ihre Leistung nach, bis der Strom ausgehen wird.

NA BRITE-

Klein & günstig Während eine Mission mit einem „normalen“ Satelliten oft 100 Millionen Euro und mehr kosten kann, war BRITE verhältnismäßig günstig. Jeder der acht Kilogramm schweren Satelliten kostete von der Entwicklung bis in den Orbit rund eine Million Euro. Eigentlich auf nur 18 Monate ausgelegt, arbeiten die Satelliten seit fünf Jahren und werden zumindest noch bis Ende 2019 Daten liefern.

NO-SAT

Über mehrere Antennen funken die Satelliten Daten zu drei Bodenstationen in Warschau, Toronto und an der Uni Graz. Dazu haben sie bei jedem Überflug ein etwa 15-minütiges Zeitfenster.

ELLIT

ANTRIEBSLOS Im Inneren der BRITESatelliten befindet sich ein sogenanntes Gyroskop, ein Kreisel, der es ihnen erlaubt, sich in alle Richtungen zu drehen. Ihren Orbit verlassen können sie nicht, da sie keine Triebwerke besitzen.

20 cm

GROBE ORIENTIERUNG

AUGE INS ALL Im Herz jedes BRITE-Satelliten befindet sich ein Teleskop mit einem Farbfilter. Kosmische Phänomene präsentieren sich in verschiedenen Farbspektren unterschiedlich. Drei der Satelliten sehen das All im niederenergetischen Rot-Licht-Spektrum, zwei im hochenergetischen blauen Spektrum. Die Teleskope beobachten jeweils einen Ausschnitt in etwa so groß wie das Sternbild Orion. So können sie mehr als einen Stern im Auge behalten.

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STERNEN-NAVI Zur genaueren Orientierung verfügen die Satelliten zudem über einen „Star Tracker“, ein zweites, weniger leistungsstarkes Teleskop, das anhand der Sternenkonstellationen erkennt, in welche Richtung der Satellit blickt und wie er sich drehen muss, um das nächste Ziel anzuvisieren.

Damit die Satelliten in die richtige Richtung zeigen, verlassen sie sich im ersten Schritt auf ein Magnetometer, das das Magnetfeld der Erde misst. So wissen sie immer, in welche Richtung sie sich drehen müssen, um ins All blicken zu können.


Viel zu sehen Anhand von Helligkeitsveränderungen können die BRITE-Satelliten verschiedenste kosmische Phänomene beobachten und messen.

Konstanze Zwintz befasst sich seit ihrer Doktorarbeit mit Asteroseismologie. Neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit am Institut für Astro- und Teilchenphysik an der Universität Innsbruck ist sie auch am BRITE-ConstellationProjekt beteiligt. Dort leitet sie das Team aus Ingenieuren und Wissenschaftlern, das die Beobachtungen plant und auswertet.

Sternenbeben Einer der Vorgänge, die mit BRITE gemessen werden, ist das Pulsieren von Sternen. Jede Sonne schwillt rhythmisch an und ab – auch unsere, etwa im Fünf-Minuten-Takt. Ähnlich wie Seismologen aus Erdbeben über das Innere unseres Planeten lernen, können Astrophysiker daraus Rückschlüsse über den Aufbau und die Vorgänge in einem Stern gewinnen.

Jede Sonne pulsiert in einem eigenen Takt. Diese Oszillationen sind wie der Fingerabdruck eines Sterns.

Nicht jede Sonne ist alleine. In Doppeloder Multi-Stern-Systemen umkreisen sich oft mehrere Zentralgestirne. Dabei verdecken sie sich gegenseitig, was zu charakteristischen Helligkeitsschwankungen führt. Aus ihnen können Forscher mehr über die Masse, die Größe und die Distanz der Sonnen zueinander schließen.

Wenn sich Doppelsterne umkreisen und gegenseitig verdecken, schwankt ihre Helligkeit in einem regelmäßigen Rhythmus.

Am 22. März 2018 entdeckte Rainer Kuschnig, Operations Manager von BRITE an der TU Graz, etwas Ungewöhnliches. Im Sichtfeld eines BRITE-Satelliten war ein neuer Stern aufgetaucht. Des Rätsels Lösung war spektakulär: BRITE hatte zufällig eine Nova von der ersten Minute an beobachtet. Bei diesem Phänomen kommen sich die beiden Sonnen eines Doppelsternsystems so nahe, dass Materie von einem Gestirn zum anderen fließt. So wird regelrecht Öl ins Feuer des Sterns gegossen, der deutlich heller – und damit für den Satelliten plötzlich sichtbar – aufflammt.

Echter Glücksfall

Bei einer Nova flammt ein Stern plötzlich auf, bevor er über Monate wieder an Helligkeit verliert.

Der BRITE-Satellit sah das kosmische Phänomen als eine Gruppierung plötzlich aufgetauchter Pixel. 5

© ESO/L. CALCADA, , SHUTTERSTOCK.COM (2), FRANZ OSS, K. ULACZYK, WARSCHAU UNIVERSITÄT OBSERVATORIUM, P. DEGROOTE, KU LEUVEN

Stellares Ballett


TECHNIK & DIGITALES

Menschliche Maschinen mit künstlicher Intelligenz Alexa, Google Home und andere Systeme verwischen in der Wahrnehmung ihrer Benutzer die Grenze zwischen Maschine und Menschlichkeit. Warum das so ist und ob diese Entwicklung wirklich Sinn ergibt, erklärt Stephan Schlögl, der am Innsbrucker MCI zum Thema Mensch-MaschinenInteraktion lehrt und forscht, im Interview. Das Interview führte Daniel Feichtner.

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Stephan Schlögl

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err Schlögl, werden Maschinen wirklich menschlicher? Stephan Schlögl: Es gibt Tendenzen dazu, ja. Das ganze Thema rund um künstliche Intelligenz beginnt eigentlich damit, dass versucht wurde, eine Maschine zu bauen, die den Menschen simuliert. Das ist genau das, worauf sich Alan Turing mit dem Turing-Test eigentlich bezogen hatte. Kann ich ein System bauen, bei dem ein Anwender nicht mehr erkennen kann, ob es Maschine oder Mensch ist? Die Idee war, dass ich, sobald ich das kann, das Problem künstlicher Intelligenz gelöst habe. Seitdem beißt man sich die Zähne daran aus. Die Systeme werden aber immer besser. Mittlerweile findet der TuringTest im Rahmen eines Wettbewerbs statt. Und es gibt genügend Systeme, die ihn mittlerweile mehrere Minuten lang bestehen. Ich persönlich glaube, dass der

„Das Problem ist meines Erachtens nicht die technische Machbarkeit, sondern dass wir das Gehirn nicht verstehen.“ Turing-Test zwar sehr einflussreich war und ist – aber er ist nicht die richtige Methode, um künstliche Intelligenz zu testen. Denn er setzt voraus, dass das Ziel einer künstlichen Intelligenz das Nachbauen und Simulieren der menschlichen Intelligenz ist. Ist das denn nicht das Ziel der KI? Ich glaube nicht, dass es nötig ist, Maschinen menschlicher zu machen – zumindest nicht mehr. Das entstammt wohl diesem originären Drang, etwas Menschliches zu bauen, den es schon ewig gibt. Und man muss immer wieder feststellen, dass man noch nicht so weit 6


TECHNIK & DIGITALES

Also versteifen wir uns auf etwas, das noch in weiter Ferne liegt? Ja, genau. In der KI-Forschung spricht man von der Singularität – also stark vereinfacht dem Punkt, an dem wir ein menschliches Gehirn in allen Aspekten simulieren können. Die Prognosen, wann das eintreffen wird, werden alle paar Jahre nach hinten korrigiert. In den 1970ern waren es noch die 1990er, heute ist die Rede von irgendwann zwischen 2040 und 2050. Das Problem ist meines Erachtens aber nicht die technische Machbarkeit, sondern dass wir das Gehirn nicht verstehen. Und etwas, das wir nicht verstehen, können wir nicht simulieren. Gleichzeitig ist der Aspekt, was jemanden zum Menschen macht, ein sozialwissenschaftlicher und kein technischer. Das heißt, man müsste den

© SHUTTERSTOCK.COM

ist. Jetzt hat die Technologie den Level erreicht, an dem man zumindest den Anschein von Menschlichkeit erwecken kann. Google hat das kürzlich mit Google Duplex gezeigt: ein System, das in der Lage ist, einen Termin am Telefon zu vereinbaren, und dabei so natürlich klingt – inklusive der „ähms“ und „ahs“, die wir in der natürlichen Sprache verwenden, dass es von einem menschlichen Anrufer nicht mehr zu unterscheiden ist. Aber davon, wirkliche Intelligenz zu schaffen, sind wir noch weit entfernt. Ich glaube, dass wir von dieser Fixierung auf das Menschliche weg müssen. Sie mag vielleicht bestimmte Charakteristiken mitbringen, die die Interaktion angenehmer gestalten. Aber eigentlich ist sie der KI-Entwicklung im Weg und sollte nicht der Fokus sein.

Menschen bis ins kleinste Detail definieren, um ein System zu modellieren und den Menschen dann – aber auch nur modelliert – menschlich darstellen zu können. Und ich glaube, in diese Richtung sollte es gar nicht gehen. Mehr und mehr Forscher sehen das auch so. Gibt es denn eine Alternative dazu, sich an menschlicher Intelligenz zu orientieren? Wir haben im vergangenen Jahr mit Experten auf der ganzen Welt gesprochen. Interessanterweise sind sich die nicht ganz einig, wo es hingehen soll. Oftmals kommt aber die „Other-ness“ zur Sprache. Es setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass die KI eben nicht Menschen simulieren, sondern eine eigene Identität erhalten sollte, fast eine Art künstliche Persönlichkeit. Eine Soziologin von der Uni Wien hat das sehr gut auf den Punkt gebracht: Mit Haustieren gehen wir ganz ähnlich um. Sie sind nicht menschengleich, sie haben aber einen „Zweck“. Man kann sie streicheln, sie vermitteln Nähe, man verbringt gerne Zeit mit ihnen. Gleichzeitig sind sie aber nicht auf dem gleichen Niveau wie ein Mensch. Und sie glaubt, dass diese KIs, wie Pflegeroboter und Alltagsassistenten, irgendwann einen eigenen Status benötigen werden. Aber das ist etwas, das die Gesellschaft definieren muss. Das kann und sollte ein Unternehmen wie Google oder Amazon nicht. Nicht zuletzt, weil diese sich nur bedingt mit den ethischen Implikationen einer menschlichen Maschine auseinandersetzen.

01 Auch wenn beim Design des Verhaltens von Maschinen der Mensch oft Pate steht, ist die Technik noch weit davon entfernt, Menschen wirklich simulieren zu können.

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TECHNIK & DIGITALES

← 02 (K)Eine KI in jedem Haus: Sprachassistenten wie Google Home erobern immer mehr Haushalte. Im Vorspielen von menschlichen Eigenschaften sind sie mittlerweile relativ gut – von Intelligenz aber noch weit entfernt.

© AXEL SPRINGER

02

Denken Sie, ein Verschwimmen der Grenze zwischen Mensch und Maschine hätte gesellschaftliche Folgen? Auf jeden Fall. Das war auch ein großer Kritikpunkt bei Google Duplex. Das braucht diese „ähms“ und „ahs“ nicht. Eigentlich sollte von vornherein klar sein, dass man es mit einer Maschine zu tun hat. Wenn immer das Potenzial besteht, dass mein Gegenüber eine Maschine ist, kann das dazu führen, dass wir unseren menschlichen Umgang verlieren. Der Google-Home-Sprachassistent ist auch ein gutes Beispiel. Am Anfang ist das nett und interessant und man probiert herum, merkt dann aber recht schnell: „So cle-

Meilensteine

ver ist das Ding dann doch nicht. Bevor ich mich auf so Dialoge einlasse, bei denen es Probleme gibt, verwende ich den Befehlston, da funktioniert es besser.“ So interagiere ich mit einem Menschen nicht. Wenn ich jetzt diese Unschärfe habe, ob das Mensch oder Maschine ist, verleitet das dazu, im Zweifelsfall davon auszugehen, dass es eine KI ist. Die hat keine Gefühle und höflicher Umgang ist da eher im Weg. Und da sehe ich langfristig durchaus ein Problem. Also geht der Trend weiterhin zur „menschlichen Maschine“? In manchen Bereichen – wie bei den Dialogen mit Sprachassistenten – ja.

Aber es gibt auch Gegenströmungen. Das zeigt sich zum Beispiel anhand der physischen „Gehäuse“, die wir KIs geben. Dort geht man von der Vision einer KI, die aussieht wie ein klassischer, humanoider Roboter, weg. Stattdessen tritt, so wie in der klassischen Robotik, ein funktionales Design, das auf eine Aufgabe zugeschnitten ist, in den Vordergrund. Das kann Google Homes Puck-Form sein oder bei einem Gerät, das mit Menschen interagiert, auch ein verniedlichendes Äußeres, das Hemmungen nimmt. Machen gerade Dialogsysteme Menschen ersetzbar? Was „emotionale Maschinen“ betrifft, sind wir davon noch weit entfernt. Allerdings habe ich vor ein paar Wochen bei einem Vortrag mit einigen Seniorinnen und Senioren gesprochen, was sie davon halten würden, wenn sie eine Alexa oder ein Google Home bei sich zuhause hätten – sozusagen als Social Companion. Die haben gemeint, dass sie sich das grundsätzlich schon vorstellen könnten, aber nicht möchten, dass das den Kontakt zu den Kindern und Enkeln ersetzt. Untertags wäre vielen eine KI, mit der sie sich unterhalten können und die sie mental ein wenig fordert, aber durchaus willkommen. Und das hat auch medizinischen Nutzen. Interaktion und mentale Forderung stärken die kognitiven Fähigkeiten und beugen Demenz vor. Ein Ersatz ist das aber nicht und soll es auch nicht werden. Natürlich stellt sich da die Frage der Grenzziehung: ob es nicht dazu

1950

18. Jahrhundert

Turing-getestet: Alan Turing entwickelte 1950 den nach ihm benannten Test, der zeigen sollte, ab wann eine Maschine „echte“ Intelligenz erlangt hat. Dabei kommunizieren Menschen mit einer Entität, bei der es sich um einen Menschen oder eine Maschine handelt. Solange es einer Maschine gelingt, ihr Gegenüber glauben zu lassen, dass mit einem Menschen gesprochen wird, hat sie bestanden. Heute wird der Test als fehlerbehaftet betrachtet: Menschliche Kommunikation zu simulieren, gelingt mittlerweile gut, von Intelligenz sind die Maschinen jedoch noch weit entfernt.

Augenwischerei: Ende des 18. Jahrhunderts sorgte der „Schachtürke“ für Furore: ein Automat, der scheinbar eigenständig gegen Menschen Schach spielte. Auch wenn alles Humbug war – die Maschine wurde von einem im Tisch verborgenen Spieler gesteuert – zeigt sie das frühe Bedürfnis, Menschen zu simulieren.

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TECHNIK & DIGITALES

glaube ich nicht – auch wenn ich da vielleicht, wie gesagt, ein wenig naiv bin. Aber es muss der Dialog in der Gesellschaft angestoßen werden. Und ich bin überzeugt, dass das in Europa passieren kann und sollte. Wir haben in Europa sehr gute Informatiker – und viele Informatikpioniere, allen voran Alan Turing, waren und sind Europäer. Wenn man aktuell über KI und Informatik spricht, spricht man über Amerika und Asien, nicht über Europa.

Wie weit sind wir wirklich noch von einer „echten“ Künstlichen Intelligenz – egal ob menschenähnlich oder nicht – entfernt? In dem Bereich ist noch sehr viel Forschung nötig – vor allem abseits der Technologie. Technologisch sind wir mit Firmen wie Google und Amazon bereits hervorragend aufgestellt. Aber ich denke, dass auf der nichttechnischen Seite mehr und mehr geforscht und entwickelt werden muss. Wo es noch fehlt, sind die sozialwissenschaftlichen Aspekte, die Frage, wie sich der Umgang mit dem Menschen gestaltet und wo noch optimiert werden kann und muss. Dort gibt es noch viel Bedarf. Und ich glaube, dass es in den kommenden Jahren noch große gesellschaftliche Veränderungen geben wird. Vor allem schon aus dieser Angst heraus, die viele Menschen haben, dass die KI „alles“ übernehmen wird. Das

1996 Mattgesetzt: 1996 schrieb IBMs DeepBlue Geschichte: Der Schachcomputer berechnete bis zu 200 Millionen Stellungen pro Sekunde und besiegte als erste Maschine Weltmeister Garri Kasparow. Ein Jahr später gewann die verbesserte Version der Maschine ein Turnier aus sechs Partien gegen den Weltmeister. Als Vorlage diente aber der Mensch: Seine Züge schaut sich DeepBlue aus Tausenden gespeicherten Meisterpartien ab.

Und ich glaube, dieses Potenzial sollten wir uns zurückholen. Wir müssen Räume schaffen, die die Forschung in dem Bereich unterstützen, und nicht alles in den Silicon Valley abwandern lassen. Macron und Merkel machen da schon das Richtige. Und dazu braucht es Geld und Experten und die nötigen Rahmenbedingungen. Aber die KI-Entwicklung öffnet hier eine Türe. Danke für das Gespräch.

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03 Stephan Schlögl befasste sich schon in seiner Diplomarbeit mit Interaction Design und den Schnittstellen, über die Menschen mit Maschinen kommunizieren – und umgekehrt. Seither beschäftigt er sich nicht zuletzt mit dem Brückenschlag zwischen Informatik und Sozialwissenschaften.

© FRANZ OSS

Und auch in der Antritts-Vorlesung seiner Professur am MCI blieb er dem Thema treu. Unter dem Titel „Alexa, Siri, Cortana et al. Interaction with (Un)Social Machines“ zeigte er, wie viel Menschlichkeit in den heutigen Systemen bereits steckt – und woran sie noch scheitern.

2015

Jetzt

Go-Time: Was die Komplexität betrifft, ist Schach im Vergleich zum Brettspiel Go eine Kleinigkeit. Doch auch hier dominieren mittlerweile Maschinen. 2015 besiegte Googles AlphaGo zum ersten Mal einen professionellen Spieler unter Wettkampfbedingungen. 2017 verwies der Computer Ke Jie, amtierender Platz eins der Weltrangliste, in seine Schranken.

Auf dem Vormarsch: Seit Kurzem erobern menschliches Verhalten simulierende Maschinen zusehends unseren Alltag. Apple stellte 2011 seinen Sprachassistenten Siri vor, die einfache Anfragen im Dialog beantwortet. Amazon zog 2015 mit den Echogeräten nach, über die Benutzer mit dem Heimassistenten Alexa sprechen können. Und 2016 brachte Google mit Google Home eine eigene Schnittstelle für den Google-Voice-Assistant auf den Markt, der bald – dank Google Duplex – auch einfache Telefongespräche führen können soll. Daran, was man davon halten soll, scheiden sich allerdings die Geister.

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© SHUTTERSTOCK.COM (2)

verleitet, eventuell weniger Kontakt zu haben, wenn man weiß, dass zum Beispiel die Eltern „eh gut aufgehoben“ sind. Da stellt sich wieder die Frage, inwieweit KI uns als soziale Wesen verändern kann und wird. Aber ich sehe das eher positiv und vielleicht auch ein wenig naiv. Ich glaube an unsere Gesellschaft und denke, wenn wir das nicht wollen, wird sich das auch nicht so durchsetzen. Auch wenn ich gerne mit Technologie experimentiere: Meine Mutter ist noch immer meine Mutter und ein KI-Assistent wird da nicht dazwischenkommen.


TECHNIK & DIGITALES

© UNSPLASH VIDEO

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Die urbane Blackbox Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, ist die Sicherung ihrer Mobilität eine Frage von Planung und gezielter Investition. Das Tiroler Start-up Swarm Analytics arbeitet daran, mit bestehender Infrastruktur eine Basis für intelligente Verkehrslenkung zu schaffen. Von Theresa Kirchmair

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tellt man sich die Stadt als einen großen Organismus vor, so sind die Straßen ihre Blutbahnen und eine Ampel ihr Herzschlag. Wie der Beobachter aber auch am eigenen Leib erfährt, leidet dieser Organismus des Öfteren an Herzrhythmusstörungen. Das äußert sich in Form von Staus, langen Wartezeiten an Ampeln und Bussen, die nur leere Sitze von A nach B befördern. „Die Gemeinden pumpen Millionenbeträge in den Umbau jener Kreuzungen, die ihnen am wichtigsten erscheinen. Wie hoch das Verkehrsaufkommen aber tatsächlich ist und wer wann daran teilnimmt, ist unklar“, beschreibt Michael Bredehorn von Swarm Analytics ein weiteres Problem. Die Stadt wird zu einer schwer durchschaubaren Blackbox, so der Programmierer: „Zur Verkehrszählung werden Stu-

denten losgeschickt, die händisch Daten erheben und dabei natürlich auch Fehler machen. Auf Basis dieser Daten erstellt dann der Verkehrsplaner für die nächsten zwei bis drei Jahre den Schaltplan.“ Die allzu menschlichen Unzulänglichkeiten in der Verkehrsanalyse sind es, die das Unternehmen umgehen will. Das Auge über den Wegen Gelingen soll das mit dem visuellen Input bereits bestehender Kameras. An diese können kleine Computing-Einheiten aus üblicher Bastelhardware gehängt werden, auf denen die Algorithmen des Startups laufen. Je nach Einsatzort analysieren diese das Geschehen auf der Straße. An einer Kreuzung etwa kann so erfasst werden, wie viele Objekte sich zu 10


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01 Die von Swarm Analytics verwendeten Algorithmen sind darauf ausgelegt, den visuellen Input auf blanke Daten zu reduzieren. Die Prozentangaben im Bild beziehen sich darauf, wie sicher sich die Software ist, dass es sich beim gesehenen Objekt um eine Person handelt.

welcher Zeit wohin mit welcher Geschwindigkeit bewegen. Außerdem lässt sich klassifizieren, ob es sich um einen Fußgänger, Radfahrer oder um ein Auto handelt. Nicht nur an Kreuzungen bietet sich die Aufrüstung an, auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln ließe sich so genau aufzeichnen, wann etwa wie viele Plätze unbesetzt bleiben. Verarbeitet werden die Eindrücke der Kamera direkt am Gerät, ohne zuvor in ein Rechenzentrum übertragen und dort im Nachhinein bearbeitet werden zu müssen. Die Vorgänge zu sehen, ist hierbei nur ein erster Schritt. Als Nächstes können die gesammelten Daten genutzt werden, um etwa Ampelschaltungen und Busfahrpläne zu optimieren. So können der Verkehr entlastet und die Umwelt geschont werden. An dritter Stelle steht dann die eigentliche Steuerung. „In Zukunft könnte eine Ampel teilautonom agieren, also ihr Schaltverhalten bei Bedarf selbst anpassen“, erklärt Bredehorn. Dies seien aber noch Zukunftsvisionen, Swarm Analytics beschäftigt sich nur mit Schritt eins. Für alles weitere müsste man mehr Kooperationspartner ins Boot holen.

Überwachungsverweigerung Die Vorstellung, den Blick einer algorithmisch verstärkten Kamera im Rücken zu haben, ist für so manchen nicht die komfortabelste. Bredehorn ist sich dieses Umstandes sehr wohl bewusst: „Wir sind absolut gegen Überwachung. Es wird nie ein Bilddatensatz gespeichert, das ist schon aufgrund der riesigen Datenmengen nicht möglich.“ Ihm zufolge läuft die Technologie von Swarm Analytics Überwachungstendenzen sogar zuwider. Statt eines Bildes liefert die Kamera nur noch blankes Zahlenmaterial zum Geschehen unter ihr, jegliche menschliche Komponente und Identifikation fallen weg. Zur Analyse könnten auch Infrarotkameras und Co. eingesetzt werden, Hauptsache es gibt einen visuellen Input. Die hypothetische smarte Ampel ist gegen Hacking schlicht durch den Umstand gesichert, dass sie offline laufen würde. Alle Rechenprozesse finden ja direkt an der stationären Computing-Einheit statt, somit ist sie aus der Ferne nicht beeinflussbar. Theorie und Praxis Die ersten Pilotprojekte gibt es bereits. In Dänemark – der Standort eignet sich aufgrund einer höheren Dichte von Kameras im öffentlichen Raum gut – laufen gleich zwei. Zum einen am Kopenhagener Flughafen, zum anderen in der Stadt Odense. Dort kannte man das Problem der Stadt als Blackbox schon länger und hatte bereits die Systeme, um den Verkehr zu analysieren. Das Start-up arbeitet nun daran, die Prozesse hinter der Kamera zu verbessern. Mit Swarm Analytics als Gehirn kann diese lernen und mit Hilfe von Softwareupdates neue Variablen detektieren. Das Unternehmen selbst besteht seit Februar diesen Jahres und wurde von Bredehorn und Georg Westner gegründet. Gerade die Bereiche Machine Learning und Artificial Intelligence weckten ihr Interesse, zumal es viel Potenzial gibt. „Es existieren massenhaft mathematische Paper, die sich mit der Theorie befassen. Wir wollten aber echte Probleme lösen“, erklärt Bredehorn den Anfangsgedanken von Swarm Analytics. Mit diesem Anfang ist auch die Standortagentur verknüpft – sie gab den Jungunternehmern Feedback und eine zweite Perspektive auf ihr Vorhaben.

Michael Bredehorn studierte Wirtschaftsinformatik an der FH Kufstein Tirol, ehe er sein Studium zugunsten von Swarm Analytics aufgab. Er fungiert im Unternehmen als Geschäftsführer, während Mitgründer Georg Westner die Position des Technikvorstandes bekleidet.

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TECHNIK & DIGITALES

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Spare in der Zeit, dann hast du in der Not Das Tiroler Start-up Monkee macht die alte Weisheit zur Geschäftsidee und zeigt mit einer App, wie Sparen im Zeitalter der Digitalisierung aussehen kann. Die Vision der Gründer: junge Familien finanzfit für die Zukunft machen. Von Katharina Wildauer

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ie wir Geld sparen und ausgeben, hat zielle Gesundheit bleibt ein Tabu“, meint Granig. großen Einfluss auf das tägliche Leben. Mehr als 100 Gespräche führten sie im Zuge der Die zunehmend fehlende Balance zwi- Unternehmensgründung. Die Ergebnisse zeigen: schen Konsum und Sparen führt dazu, Gerade junge Familien haben finanzielle Herausforderungen zu bewäldass Schuldenlevels hoch tigen. Der Finanzbedarf sind wie nie und Sorgen Martin Granig für Kinder steigt erst in um die Finanzen zu psyden Schul- und Teenchischer Belastung und „Wir achten auf einen gesun- agerjahren deutlich an. Stress führen. Mehrere tausend Euro gibt ein den Körper, vermehrt auch auf Eltern sind mit höheren Kosten konfrontiert, solKonsument im Schnitt jährlich für Impulskäu- mentales Wohlbefinden – aber len für die Zukunft sparen und haben oft auffe aus. Zugleich hat ein die finanzielle Gesundheit grund von Karenzen oder Viertel der Österreicher bleibt ein Tabu.“ Teilzeitbeschäftigung keine ausreichenden fiein geringeres Einkomnanziellen Reserven, um eine unerwartet beschädigte Waschmaschine repa- men. „Wer dieses Ungleichgewicht nicht rechtzeirieren zu lassen, wie Studien zeigen. Besorgniser- tig durch Sparen reduziert, muss später Einschnitregende Zahlen, die Martin Granig und Christian te verkraften, um größere Anschaffungen oder die Schneider zu Start-up-Unternehmern werden ließ. Ausbildung der Kinder finanzieren zu können“, Mit Monkee widmen sie sich der finanziellen Ge- erklärt der Start-up-Unternehmer. Frühzeitig eine sundheit junger Familien. „Als Jungväter beschäftigt uns die Vorsorge für die eigenen Kinder sehr. Im Freundes- und Bekanntenkreis mussten wir erfahren, dass finanzielle Themen große Unsicherheit auslösen“, erklärt Granig. Der Wunsch, etwas gegen die Verunsicherung zu unternehmen, führte zur Geschäftsidee. An der Umsetzung arbeiten Granig und Christian Schneider verantwortete bei Schneider im Start-up-Programm InnCubator der Swarovski die Bereiche Produktentwicklung, Industriedesign und Innovation im globalem Wirtschaftskammer Tirol. Konsumgütergeschäft. Der Betriebswirt und zertifizierte Vermögensberater kombiniert sein bereichsübergreifendes Know-How um innovative Sparlösungen umzusetzen.

Sparparadox „Wir achten auf einen gesunden Körper, vermehrt auch auf mentales Wohlbefinden – aber die finan12


TECHNIK & DIGITALES

Martin Granig war als Manager bei Swarovski unter anderem in den Bereichen Produktentwicklung, Produktmanagement, Marketing und Innovation zuständig. Der studierte Betriebswirt beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit der Finanz- und Investmentbranche.

01 Vorsorgen in wenigen Klicks und die finanziellen Reserven im Blick – die Monkee-App ist ab März 2019 verfügbar.

in motivierende Wochenziele heruntergebrochen. Zudem unterstützt der „MonkeeBot“, indem er über das Sparverhalten des Nutzers lernt und Erinnerungen schickt. Die dritte Komponente bindet Freunde und Familie ein, um größere Investitionen oder Geschenke für Kinder gemeinsam zu finanzieren. „Sparen hat zu 80 Prozent mit Verhaltensmustern und der richtigen Einstellung und nur zu 20 Prozent mit Fachwissen zu tun“, weiß Christian Schneider.

Reserve anzusparen, wäre daher die logische Konsequenz. Ein Blick ins Nachbarland Deutschland zeigt jedoch, dass knapp 60 Prozent der Eltern keinerlei Ersparnisse für ihre Kinder haben. Dass Familien vermeintlich nichts zur Seite legen können, sei eine Fehleinschätzung: „Neben den Kosten fürs tägliche Leben erscheint es oft unmöglich, Rücklagen anzulegen. Wenn man aber früh anfängt und immer wieder kleine Beträge spart, sind Investitionen plötzlich greifbar. Wer 1,50 Euro pro Woche spart, kann dem Kind mit 17 Jahren den Führerschein finanzieren.“, zeigt Granig auf. Doch während One-Klick-Shopping und personalisierte Werbung das Einkaufen immer leichter machen, gibt es im Bereich des Sparens kaum Innovationen.

Konsumfokus Dass Sparen in der Konsumgesellschaft von heute zu einer Herausforderung wird, verwundert wenig. Besonders tückisch sind kleinere Beiträge: Im Schnitt geben Konsumenten täglich mehrere Euro für Produkte aus, die rückwirkend als nicht notwendig erachtet werden. Auf diese Kleinbeiträge zielt die Monkee-App ab – anstelle eines Coffee to go kann das Geld in wenigen Sekunden gespart werden. „Während wir jeden Tag unzählige Kaufentscheidungen treffen, machen wir uns nur unregelmäßig Gedanken zu unserem Sparverhalten. Monkee ändert das auf spielerische Art und Weise“, so Schneider. Die Monkee-App wird ab März 2019 für iOS- und Android Smartphones zur Verfügung stehen, online kann man sich schon jetzt als App-Tester anmelden.

Intelligent sparen Monkee basiert auf Verhaltenswissenschaft und künstlicher Intelligenz: „Wir setzen auf drei Elemente: Eine einfache Sparoberfläche, einen motivierenden, virtuellen Finanzcoach und Social Saving, also das Einbeziehen des persönlichen Umfelds“, erklärt Granig die Idee. Der Kern der App ist die Möglichkeit, Kleinbeträge in nur zwei Klicks auf einem separaten Konto zu schützen. Langfristige Sparziele werden ähnlich zu Fitness-Trackern 13


TECHNIK & DIGITALES

Wie Ernährung und PS zusammenpassen Seit September 2018 vereint Isabel Atzinger wissenschaftliche Fakten mit den gesundheitlichen Daten von Pferden, um so eine für das Tier optimale Ernährung zu konzipieren. Denn auch das Pferd ist, was es frisst. Von Ruth Mairvongrasspeinten

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ine ungesunde und unausgeglichene Ernährung, Allergien und Unverträglichkeiten sind die Ursachen vieler gesundheitlicher Probleme – nicht nur bei uns Menschen. Auch Pferde leiden unter einer mangelhaften Ernährung oder einer Überfütterung und profitieren von einer maßgeschneiderten Energie- und Nährstoffzufuhr. Diese kann etwa Magengeschwüren, Koliken, Übergewicht, wunden Hautstellen, stumpfem Fell, brüchigen Hufen sowie einer Leistungsminderung entgegenwirken. Aber es scheint gar nicht so einfach zu sein, das richtige Futter zu finden. Die Crux besteht darin, aus der breiten Palette an Pferdefutter das passende zu wählen und dieses dann mit Mineralfutter und Zusatzfutter so zu kombinieren, dass die Pferde auch bestens versorgt sind. Klingt aufwändig, ist es auch, meint Pferdefutterexpertin Isabel Atzinger.

Isabel Atzinger ist die Geschäftsführerin und Ideengeberin der Marke Carevallo und des Unternehmens ThinkA GmbH aus Fulpmes (Stubaital), das individuell berechnetes Pferdefutter herstellt, welches den Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit des Pferdes unterstützt.

„Das hat sich eigentlich entwickelt, weil sich mein Pferd wundgescheuert hatte und mir niemand sagen konnte warum, bis ich den Hinweis bekam, auf das Futter zu achten“, erinnert sich die Gründerin. Jahrelang hat sie dann den Energie- und Nährstoffbedarf ihres Pferdes beobachtet, untersucht und ihre Erfahrung mit wissenschaftlicher Literatur vertieft, bevor sie sich an die Gründung wagte. Unterstützung holte sie sich dabei vom Inn Cubator und der Wirtschaftskammer Tirol.

Der Name ist Programm Deswegen vereinfacht sie mit ihrem Unternehmen ThinkA GmbH unter dem Markennamen Carevallo die Futterauswahl. Der Name setzt sich aus dem englischen „care“ (sich kümmern) und dem italienischen „Cavallo“ (Pferd) zusammen, und der Name ist Programm: Auf Basis genauer Berechnungen des Energie- und Nährstoffbedarfs des Pferdes bietet sie individuelles Futter aus Grundrohstoffen, zugesetzten Mengen- und Spurenelementen, Vitaminen und Aminosäuren. Mit dieser innovativen Idee kann sich Isabel Atzingers Unternehmen seit September 2018 erster Futtermittelhersteller für individuelles und maßgeschneidertes Pferdefutter nennen.

Individuelle Ernährungskonzepte leicht gemacht Carevallo entwickelt also auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen und individueller Daten der Pferde das perfekte Futter. Die Kunden müssen nicht mehr selbst rechnen und passende Futtermischungen sowie Zusatz- und Mineralfutter bei unterschiedlichen Futtermittelanbietern suchen. Die Kunden legen lediglich online ein Pferdeprofil 14


TECHNIK & DIGITALES

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Isabel Atzinger

„Die Idee hat sich eigentlich entwickelt, weil sich mein Pferd wundgescheuert hatte und mir niemand sagen konnte warum, bis ich den Hinweis bekam, auf das Futter zu achten.“ 02

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01 Auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen und individueller Daten des Pferdes wird eine maßgeschneiderte Energie- und Nährstoffzufuhr konzipiert. Dadurch werden das Wohlbefinden und die Leistung der Pferde unterstützt. 02 Eine Auswahl an Grundrohstoffen zum Mischen des individuellen Pferdefutters

an und speisen dort die Daten ihres Pferdes ein. Die verschiedenen Parameter wie Alter, Größe, Gewicht sowie Haltungsform und Leistung, Allergien, Unverträglichkeiten, Krankheiten und Blutbild wertet Isabel Atzinger aus und davon ausgehend konzipiert sie unter Berücksichtigung des Energie- und Nährstoffbedarfs die Futterrezeptur. „Nicht für alle Leiden, beispielsweise bei brüchigen Hufen, ist eine ärztliche Diagnose wichtig“, so Atzinger, „aber je mehr Daten, desto genauer kann das Futter gemischt werden.“ Carevallo arbeitet auch, wenn der Wunsch der Kunden besteht, in Absprache mit dem Tierarzt und mischt ergänzendes Futtermittel zu bestehenden Therapien. In dem von Carevallo persönlich und händisch gemischten Futter sind neben den Grundrohstoffen wie BioSchwarzhafer, Leinsamen oder gepuffter Mais auch zugesetzte Mengen- und Spurenelemente, Vitamine und Aminosäuren enthalten. „Jede Futtermischung

ist einzigartig“, betont die Unternehmerin. Per Mail erhalten die Kunden dann das Angebot der maßgeschneiderten Futtermischung, die sie nur mehr bestätigen müssen, dann bekommen sie die Lieferung nach Hause oder in den Stall geliefert. Carevallo verspricht den Kunden, die Gesundheit der Pferde zu fördern und Mangel- und Überversorgung vorzubeugen. „Unser Service vereint professionelle Futterberatung mit individualisiertem Pferdefutter. Jedes Pferd bekommt, was es braucht – nicht mehr und nicht weniger“, erklärt Isabel Atzinger. Damit die Pferde auch auf ihre PS kommen Pferde haben individuelle Stärken und Schwächen, manche weisen Allergien und Unverträglichkeiten auf, andere sind krank oder alt und wieder andere sind Turnierpferde und müssen Spitzenleistungen bringen. Mit dem Prinzip ist es einfach, auf 15


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03 Die bestellte Futtermischung wird nach Hause oder in den Stall geliefert. 04 Getreidefreies Mash, besonders in der kalten Jahreszeit beliebt, da es warm zubereitet wird 05 Je mehr Daten des Pferdes zur Verfügung stehen, desto genauer kann die Futtermischung angepasst werden.

Isabel Atzinger

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„ Die Zugabe ausgewählter Kräuter kann das Pferd bereits im Fellwechsel unterstützen.“

jede Eventualität und Individualität einzugehen. Beispielsweise werden bei Allergien und Unverträglichkeiten die unerwünschten Inhaltsstoffe von der Futtermischung ausgeschlossen und mit alternativen Energieträgern ersetzt. Ein weiteres häufiges Leiden der Pferde ist das Sommerekzem, welches durch das Sekret von Stechmücken hervorgerufen wird. „Frühzeitig wird der Organismus durch eine optimale Vitalund Wirkstoffversorgung gestärkt“, erklärt Atzinger und fügt hinzu, „dabei sind die Gabe von hochbioverfügbaren Stoffen wichtig sowie die Zink- und Mangan-Versorgung. Die Zugabe ausgewählter Kräuter kann das Pferd bereits im Fellwechsel unterstützen. Außerdem sollte das Immunsystem gestärkt werden, was beispielsweise durch getrocknete Hagebuttenschalen erreicht werden kann.“ Zusätzlich zum individuellen Futter bietet Carevallo Mash an. Diese warm zubereitete Mahlzeit wird ein bis drei Mal in der Woche gefüttert und ist besonders im Winter und für schwache Pferde beliebt, da sie aufbauend und verdauungsfördernd wirkt. Zusammenfassend betont die Pferdefutterexpertin: „Viele Probleme, nahrungsbedingt oder durch Umwelteinflüsse hervorgerufen, können durch die richtige Fütterung vermieden oder gelindert werden.“

Der Futtermixer Im ersten Quartal 2019 wird es ein weiteres Serviceangebot geben: den Futtermixer. „Dabei kann ohne meine Hilfe das Futter aus den Grundrohstoffen gemischt werden“, verrät Atzinger, „in diesem Fall wählen die Kunden online aus den Grundrohstoffen, und wie bei MyMuesli stellen sie ihre persönliche Mischung zusammen.“ Die selbst gemischten Müslis enthalten jedoch keine zugesetzten Mengen- und Spurenelemente sowie Vitamine, weil diese falsch dosiert negativ wirken. Qualität wird großgeschrieben Isabel Atzinger hat hohe Qualitätsansprüche. Neben den wissenschaftlich fundierten und individuell angepassten Futtermischungen legt sie großen Wert auf qualitative, wenn möglich biologische Grundrohstoffe. Diese kommen bestenfalls aus der Region oder aus Österreich bzw. Deutschland. Und auch für die stetige Weiterentwicklung ihrer Mischungen steht sie mit ihrem Namen. In Zukunft möchte sie mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen zusammenarbeiten, um die wissenschaftlichen Zusammenhänge von Wohlbefinden und Ernährung der Pferde weiter zu erforschen. Davon ausgehend sollen in Folge auch die eigenen Produkte stets weiter optimiert werden. 16


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Unser täglich Brot Brotbacken ist nicht nur dem Sprichwort nach eine eigene Wissenschaft: Das MCI, die Bäckerei Therese Mölk und Bio vom Berg analysieren in einem gemeinsamen Projekt Rohstoffe und Backverfahren. Von Barbara Wohlsein

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elchen Einfluss hat die Dauer der Teigführung auf eine Brotsorte? Gibt es regionale und überregionale Rohstoffe, die man im ersten Moment nicht mit Brot in Zusammenhang bringt, die jedoch für einen neuen Sinneseindruck, zum Beispiel im Geschmack, sorgen? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich das Tiroler Forschungsprojekt „FoodFlour“, das mit Landesmitteln im Rahmen der Innovationsförderung ermöglicht wurde.

Initiiert wurde das Projekt von der Bäckerei Therese Mölk (MPreis), die als lokaler Großbetrieb großes Interesse an neuen und auch nachhaltigen Brotbackmethoden hat. Als wissenschaftlicher Partner wurde der Masterstudiengang Lebensmitteltechnologie & Ernährung des MCI ins Boot geholt, der in den letzten Jahren bereits mit Tiroler Firmen wie Recheis und Handl Tyrol zusammengearbeitet hat. Als weiterer Partner ist auch Bio vom Berg als Rohstofflieferant am Forschungsprojekt beteiligt. Für 18

die ernährungsmedizinische Beratung wurde der bekannte Internist Roland Fuschelberger, der unter anderem das Gesundheitszentrum Lanserhof berät, hinzugezogen. Neue Rohstoffe, präzise Analyse Im ersten Schritt des zweijährigen Forschungsprojekts wurden vom MCI verschiedenste Rohstoffe analysiert, die sich für innovative Brotbacktechniken eignen könnten. Für Katrin Bach, Leiterin des Masterstudiengangs Lebensmit-


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01 Das Forschungsprojekt „FoodFlour“ analysiert und experimentiert mit Backzutaten und Backverfahren.

Komplexes Zusammenspiel Bei der Brotherstellung spielt eine Reihe von Faktoren eine wichtige Rolle: Neben den Rohstoffen hat auch die Teigführung – also der Zeitraum, wie lange ein Teig geht – einen Einfluss auf das Endprodukt. Bäckereien wie Therese Mölk beschäftigen sich schon lange mit diesem Thema und haben auch Produkte mit unterschiedlich langer Teigführung im Sortiment. Darüber hinaus beeinflussen

Katrin Bach

teltechnologie & Ernährung, war hier vor allem das „Out of the box“-Denken wichtig: „Hier geht es nicht nur um Getreidesorten, sondern auch um andere Rohstoffe. Unser Ziel war, möglichst breit und innovativ zu denken. Die Rohstoffe wurden von uns wissenschaftlich analysiert, nun werden sie im zweiten Schritt in der Brotherstellung angewendet.“ Diese Testphase findet gerade in der Großbäckerei Therese Mölk statt. Die nächste Phase wird eine Analyse der Rohstoffe und der Brotherstellung umfassen, um kausale Zusammenhänge herauszufinden. Am Schluss soll eine Bewertung der untersuchten Zutaten und Verfahren stehen, bei der das MCI als wissenschaftlicher Partner die Wirtschaftstreibenden, also MPreis und Bio vom Berg als Zulieferer, über die Erkenntnisse informiert. „Die Entscheidung, ob unsere Analysen und Einschätzungen dann in eine konkrete Produktentwicklung einfließen und schließlich in einem marktreifen Ergebnis enden, muss natürlich die Firma selbst treffen“, erklärt Katrin Bach.

„Brot ist ein sehr kompliziertes Gebilde.“ auch die vorhandenen Mikroorganismen das Ergebnis. „Brot ist ein sehr kompliziertes Gebilde“, fasst Katrin Bach zusammen. Eine Studie aus dem Jahre 2016 der Universität Hohenheim hat gezeigt, dass langzeitgeführtes Brot weniger fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole (sogenannte FODMAPs)

enthält, deren Aufnahme wiederum das sogenannte Reizdarmsyndrom verschlimmern kann. Über ähnliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Konsumenten kann „FoodFlour“ keine Auskunft geben, wie Bach betont: „Das ist kein Projekt, bei dem wir die Wirkung von Brot auf den Menschen beweisen können.“ Brot als Lebenskultur Auch wenn sich das Tiroler Forschungsprojekt in erster Linie mit der lebensmitteltechnologischen Analyse von Backzutaten und Backverfahren beschäftigt, so ist das Thema Brot doch auch sehr emotional besetzt, wie Katrin Bach festgestellt hat: „Das beginnt beim Brotgewürz und hört bei der Konsistenz auf – jeder Mensch hat ‚das perfekte Brot‘ für sich definiert, das hängt auch mit unserer Herkunft und Kindheitserinnerungen zusammen.“ Eine Herausforderung für die Projektpartner sei daher, die Emotionen bewusst auszublenden und sich angesichts der wissenschaftlichen Ergebnisse so neutral wie möglich dem Thema zu nähern. Katrin Bach: „Brot ist definitiv ein Produkt, das allen sehr am Herzen liegt.“

Katrin Bach ist studierte Diplom-Ingenieurin mit Fachrichtung Biotechnologie und hat 2007 am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Molekularbiologie mit dem Schwerpunkt Kulturpflanzenforschung promoviert. Sie leitet den Studiengang für Lebensmitteltechnologie & Ernährung am MCI.

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MEDIZIN

NEUES ZUM THEMA

TECHNIK & DIGITALES PRÄZISER MESSEN

© MCI

Sieht man etwas, ist es auch dort, sagt uns der Hausverstand. Dass das im Nanobereich nicht der Fall sein muss, haben Wissenschaftler vom Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck gezeigt: In Kooperation mit dem Institut für Quantenoptik und Quanteninformation und der TU Wien konnten sie einen systematischen Messfehler nachweisen, der seit mehr als 80 Jahren vermutet wurde. Wenn Mikroskopaufnahmen von einem Objekt im Nanobereich gemacht werden, das sogenanntes elliptisch-polarisiertes Licht aussendet, kann die Lichtquelle um mehrere 100 Nanometer versetzt erscheinen. Das klingt nach nicht viel, kann bei modernen Hochleistungsmikroskopen, mit denen die Position von Nanopartikeln in biologischen Strukturen oder sogar einzelnen Atomen bestimmt werden, aber große Unterschiede machen.

ROBOTIK FÜR TIROL

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In einem neuen Kompetenzzentrum in Innsbruck will das MCI gemeinsam mit der Industriellenvereinigung Know-how rund um die Themen Robotik, Produktion und Automatisierung bündeln. Die Einrichtung soll sowohl der Forschung als auch der Tiroler Industrie als Anlaufstelle dienen, wenn es um sichere Mensch-Roboter-Interaktion, das Internet der Dinge und die Implementierung neuer Technologien geht. Zugleich wird das Zentrum auch dem Lehrauftrag des MCI gerecht: Am Technikstandort Innsbruck soll es dazu beitragen, den Nachwuchs für technische Berufe zu begeistern.

DIGI-FIT FÜR DIE ZUKUNFT

ie kann Digitalisierung in Unternehmen sinnvoll genutzt, strategisch entwickelt und erfolgreich umgesetzt werden? Diesen Fragen geht ein berufsbegleitender Masterlehrgang an der FH Kufstein ab Frühjahr 2019 nach. Die Managementausbildung „Digitale Transformation“ vermittelt in drei Semestern bereichsübergreifendes Knowhow aus Digitalisierung, Betriebswirtschaft und Technik. Das Programm wird praxisnah in Kooperation mit Unternehmen sowie der Hochschule für Angewandte Sprachen München und der FH Joanneum in Graz umgesetzt.

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MEDIZIN & PSYCHOLOGIE

Transplantation 2.0 Transplantationen sind oft eine lebensrettende Maßnahme. Spenderorgane sind aber rar, können abgestoßen werden oder andere Probleme mit sich bringen. Mit der Beteiligung der Innsbrucker Chirurgin Annemarie Weißenbacher entstand eine Maschine, die vieles verbessert und nun kurz vor der Zulassung steht. Von Haris Kovacevic

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enn ein Organ im Körper versagt, sind Patienten auf ein Spenderorgan angewiesen. Dieses muss eine Reihe an Kriterien erfüllen und außerdem unbeschadet und rasch vom Spender zum Empfänger gelangen. Die Behandlung ist dann in vielen Fällen noch nicht vorbei: Wird das Organ vom Körper angenommen? Werden gefährliche Antikörper entwickelt? Muss der Patient zur Dialyse oder ist gar eine Retransplantation nötig?

Um diese und weitere Probleme zu lösen, sind Chirurgen und Transplantationsmediziner in aller Welt bemüht, neue Wege zu finden, um Spenderorgane zu klassifizieren, zu überprüfen und auf die richtige Art und Weise zu transplantieren. Die Innsbrucker Chirurgin Annemarie Weißenbacher hat, als Teil eines Teams der Universität in Oxford, eine Maschine entwickelt, mit der Nieren besser konserviert werden können, bevor sie zum Empfänger gelangen.

Annemarie Weißenbacher ist Chirurgin an der Universitätsklinik Innsbruck. Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit ist die Organtransplantation. Die Kernaufgabe ihres Studienaufenthaltes an der Universität in Oxford war die Entwicklung eines Nierenperfusionsgerätes mit einem Team, welches bereits erfolgreich eine Leberperfusionsmaschine zur klinischen Anwendung gebracht hat.

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MEDIZIN & PSYCHOLOGIE

Schwierigkeiten der Nierentransplantation

Transplantationen in Österreich 2017

BISHER:

Im Jahr 2017 wurden in Österreich 789 Transplantationen durchgeführt. Nieren wurden am häufigsten transplantiert.

1. KONSERVIERUNG:

3. SPENDERORGANE:

Das Organ wird bis zur Transplantation in einer Eisbox, auf 4 Grad Celsius gekühlt, aufbewahrt. Dadurch ist es zwar geschützt, erhält aber keinen Sauerstoff, weshalb sich die Qualität verschlechtert.

Es gibt sehr wenige Spendernieren. Die Wartezeit in Österreich beträgt drei, in Deutschland bis zu neun Jahre. Sogenannte marginale Organe, etwa von älteren Spendern, werden oft abgelehnt, da das Risiko für den Empfänger zu hoch ist.

Transplantationen in Österreich im Überblick:

2. TEST: Es können kaum Tests durchgeführt werden. Genauere Eigenschaften des Organs offenbaren sich erst nach der Transplantation.

Niere

54 %

Leber

20 %

4. DIALYSE:

Lunge

15 %

Bei Nierenversagen muss die Dialyse die Funktion der Niere übernehmen und das Blut reinigen. Ein Gesamtüberleben wie bei einer Nierentransplantation kann mit der Dialyse leider nicht erreicht werden. Organe sind aber rar und nicht jeder Patient für eine Transplantation geeignet. Insgesamt sollte die Dialysezeit so gut es geht verkürzt werden.

Herz

8%

Pankreas

3%

Quellen: Transplant-Jahresbericht 2017

Nierenperfusionsgerät Die neue Maschine kann eine Niere auf normaler Körpertemperatur (37 Grad Celsius) mit Sauerstoff versorgen. Dadurch wird das Organ am Leben erhalten, es arbeitet, scheidet Urin aus und verbraucht sogar Glukose (Zucker).

Bald auch in Innsbruck

NACHHER: 1. KONSERVIERUNG:

3. SPENDERORGANE:

Das Organ kann durchblutet werden, erhält dadurch Sauerstoff, bleibt aktiv und scheidet sogar Urin aus. Es verliert nicht an Qualität und verbessert sich manchmal sogar.

Die Maschine erlaubt eine neue Klassifizierung, da viel präzisere Voraussagen zu erwarten sind. Die „Quote“ der angenommenen Organe könnte bedeutend steigen.

2. TEST:

4. DIALYSE:

Nun sind zahlreiche Überprüfungen möglich: Blutentnahme, Biopsie oder auch Urintests. Diese ermöglichen eine bessere Einschätzung der Spenderorgane.

Durch die genauere Zuteilung der Organe werden mehr Transplantationen mit womöglich besseren Ergebnissen durchgeführt. Dialysezeiten werden vermieden oder zumindest stark verkürzt.

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Noch befindet sich das Gerät in der Überprüfungsphase und wird in England von verschiedenen Komitees beurteilt. Annemarie Weißenbacher ist aber zuversichtlich, dass bis zum Ende des Jahres eine positive Nachricht aus Oxford kommt. Die Universitätsklinik Innsbruck würde Dank der Mitarbeit von Frau Weißenbacher an dem Projekt bereits im nächsten Jahr die erste Testphase beginnen und Transplantationen in Zukunft effizienter durchführen können.


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Ein Labor für den medizinischen Fortschritt In der Privatklinik in Hochrum hat sich ein in Österreich einzigartig ausgestattetes Forschungs- und Operationslabor angesiedelt, das Surgical Skills Institute. Es vereint Forschungs-, Ausbildungs- und Trainingseinrichtung für Chirurgen, Studenten und OP-Personal. Von Ruth Mairvongrasspeinten

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atientinnen und Patienten profitieren dann, wenn die Operationstechniken bis in den Feinschliff optimiert werden und die Chirurgen und OP-Assistenten die bestmögliche Vorbereitung erhalten. Genau dafür ist das Surgical Skills Institute da“, freut sich der Leiter des neu eröffneten Institutes, Christian Fink. Das modern ausgestattete Labor mit zwei Arbeitsplätzen für arthroskopische und offene Operationsverfahren entstand in Kooperation mit der UMIT (Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Hall), dem OSMI (Research Unit für Sportmedizin des Bewegungsapparates und Verletzungsprävention, Hall) und mehreren Medizintechnikfirmen. „Ich habe in vielen Labors rund um die Welt gearbeitet und wollte nun

Christian Fink

„Im Surgical Skills Institute können wir jetzt vor Ort qualitativer und zeitsparender arbeiten, müssen nicht mehr so weit reisen und sind nicht mehr auf teilweise mangelhaft ausgestattete Einrichtungen angewiesen.“

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selbst eines aufbauen – einerseits für Forschung und Ausbildung, andererseits für die Entwicklung neuer OPInstrumente und Implantate“, erklärt Fink, „Dadurch können wir jetzt vor Ort qualitativer und zeitsparender arbeiten, müssen nicht mehr so weit reisen und sind nicht mehr auf teilweise mangelhaft ausgestattete Einrichtungen angewiesen.“ Arthroskopische und minimal invasive Gelenkschirurgie Fink forscht und praktiziert im Bereich der Gelenkschirurgie, der Schwerpunkt liegt dabei auf Bänder-, Meniskus- und Knorpelverletzungen im Kniebereich. Mit Kollegen konnte er mittlerweile mehrere weltweit verbreitete Operationstechniken sowie Operationsinstrumente entwickeln, beispielsweise für


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01 Am Surgical Skills Institute können arthroskopische Eingriffe getestet, erlernt und trainiert werden. 02 Vor komplexen Operationen dient ein im 3D-Drucker gefertigtes Modell zur Visualisierung und Vorbereitung. 03 Mit eigens entwickelten Instrumenten können Operationen nicht nur hochpräzise, sondern auch mit verhältnismäßig kleinen Einschnitten durchgeführt werden, was sich positiv auf die Heilungschancen und -dauer auswirkt.

Christian Fink ist Facharzt für Orthopädie und und Traumatologie, leitet an der Tiroler Privatuniversität UMIT die Research Unit für Sportmedizin des Bewegungsapparates und Verletzungsprävention, sowie das Surgical Skills Institute der Privatklinik in Hochrum. Dort werden neue chirurgische Methoden, vor allem im Bereich der Gelenkchirurgie, entwickelt und erprobt.

© AXEL SPRINGER (3)

Im Frühjahr 2019 werden diese Instrumente präsentiert und stehen dann den Chirurgen weltweit zur Verfügung.

die Patellaluxation. Damit ist das Herausspringen der Kniescheibe gemeint, eine sehr häufige Knieverletzung. Diese innovative Operationstechnik verwendet einen Streifen aus der Oberschenkelsehne, ist minimal invasiv und folglich mit weniger Narben verbunden. Außerdem entfallen die bei anderen Techniken potenziell risikoreichen Bohrungen in der Kniescheibe. „Genau für solche Entwicklungen ist die in Hochrum entstandene Laborstruktur extrem wichtig“, betont Fink erneut. In den letzten vier Jahren hat Fink mit zwei Kollegen aus Deutschland und Polen an einer neuen Operationstechnik für Kreuzbandverletzungen gearbeitet. Die dafür entwickelten Instrumente sind inzwischen ebenfalls patentiert und CE-zertifiziert und werden nun in dem neu geschaffenen Labor finalisiert.

Computersimulatoren, humane Spenderpräparate und Videoübertragungen Das Labor bietet mehrere Möglichkeiten, Operationstechniken zu entwickeln und diese auch zu erlernen. Das Spektrum reicht hier von Simulationsgeräten bis hin zur Verwendung von humanen Spenderpräparaten. Fink spricht von drei Stufen. Zuerst kommen Gelenksmodelle aus Kunststoff zum Einsatz. Die Steigerung ist der Arthroskopie-Simulator. „Das ist ähnlich einem Flugsimulator“, so Fink, „realitätsnah kann ich testen, wie lange ich für unterschiedliche Techniken brauche, beispielsweise für das Entfernen eines Meniskus, und wie fehlerfrei ich arbeite.“ Schlussendlich wird an humanen Spenderpräparaten operiert, an denen die Chirurgen Methoden und Techniken wie in der Realität perfektionieren können. Auch die neu geschaffenen Videotechniken, welche im gesamten Bereich der Privatklinik Hochrum installiert worden sind, eröffnen nun beeindruckende Möglichkeiten. Die Konferenzschaltung zwischen OP-Saal und Labor ermöglicht es etwa, zeitgleich mit dem operierenden Chirurgen, die Technik 25

an Simulationsgeräten zu testen. Auch „Live-OP-Demonstrationen“ vom Surgical Skills Institute aus sind realisierbar. „Die dabei an humanen Spenderpräparaten durchgeführten Operationen können in dem hausinternen Vortragssaal für 120 Personen übertragen oder direkt, via Internet, Kollegen weltweit zugänglich gemacht werden“, erklärt Fink. Neben den Kursen und Forschungstätigkeiten, welche hausintern organisiert werden, steht das Labor in Absprache auch Externen offen: Chirurgen, die eine OP-Technik üben, Firmen, die Produktentwicklungen machen, sowie Organisationen, die selbst Kurse anbieten wollen. Außerdem sind bereits mehrere internationale Fortbildungsveranstaltungen in Planung. Visionen-Award 2018 Das Surgical Skills Institute ist vom Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs zum Sieger des diesjährigen Innovationspreises gekürt worden. „Für mich ist der Preis ein Zeichen, dass unsere Idee als sinnvoll erachtet wird, Forschung und Ausbildung auch in eine Privatklinik zu bringen“, freut sich Fink und ergänzt: „Wissenschaft passiert heute weltweit ebendort, wo innovative Menschen zusammentreffen, egal ob das an öffentlichen oder privaten Universitäten oder eben in einer Privatklinik ist.“


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Das Leben mit dem Sterben Schwere Krankheiten und der Tod betreffen nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Familienmitglieder, die häufig die Betreuung oder Pflege übernehmen. Ein neuer Ansatz soll dabei helfen, Angehörige besser zu unterstützen und ihre Unterstützungsbedürfnisse sichtbarer zu machen. Von Daniel Schreier

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n der Palliativversorgung wie auch der Hospiz- dem Englischen übersetzt und auf die Gegebenheiarbeit werden schwer- und unheilbar kranke ten in Deutschland, Österreich und der Schweiz anMenschen betreut, die sich am Ende ihres Le- gepasst wurden ändern. bensweges befinden. Der Schwerpunkt der Pflege und Behandlung liegt nicht auf der Verlängerung des Der Wunsch, zu Hause zu Sterben Lebens, sondern auf der Linderung von Symptomen Ist die Zeit zu gehen einmal gekommen, wünschen schwerer Erkrankungen und der Steigerung der sich die meisten Tirolerinnen und Tiroler, zu Hause Lebensqualität in den Tagen, in gewohnter Umgebung und Christiane Kreyer die einem kranken Menschen im Kreise der Familie sterben noch bleiben. Neben den phyzu können. Dieses Anliegen sischen Aspekten werden kann in vielen Fällen erfüllt „Der Wunsch zu Hauauch psychische, soziale und ,werden, wenn Angehörige die se sterben zu können, spirituelle Anliegen aufgegrifBegleitung und Pflege in den fen. Dieser Ansatz schließt vier Wänden überbesteht in den meisten eigenen auch die Angehörigen mit ein. nehmen. Besonders bei der Auch sie sind von der Krank- Fällen von beiden Seiten, Betreuung schwerkranker heit und dem Sterben einer geund sterbender Familienmitden Pflegenden und liebten Person betroffen und glieder ist die Belastung oft den Sterbenden.“ benötigen Unterstützung. Paextrem hoch, da Angehörige tienten und Angehörige werin einer doppelten Rolle beden in Palliative Care zwar als Einheit gedacht, aber ansprucht werden. Sie sind es, die die Versorgung zu meist stehen sowohl für Professionelle als auch für Hause sicherstellen. Gleichzeitig sind sie aber auch die Angehörigen selbst vor allem die Bedürfnisse der Mitbetroffene des Sterbens einer geliebten Person. erkrankten Person im Mittelpunkt. „Der Wunsch, zu Hause sterben zu können, be Christiane Kreyer dazu: „Ich glaube, dass die steht in den meisten Fällen von beiden Seiten, den Angehörigen schon sehr gut im Blick der Pallia- Pflegenden und den Sterbenden. Es ist aber auch tive Care und Hospizarbeit sind. Aber ihre per- eine sehr schwierige Lebenssituation, die die Angesönlichen Unterstützungsbedürfnisse werden oft hörigen zum Teil sehr belastet“, erklärt Christiane nicht systematisch aufgegriffen.“ Dies soll sich nun Kreyer. Viele stellen ihre eigenen Bedürfnisse für die durch die Anwendung des „Kommunikation mit Pflege eines schwerkranken Verwandten hintenan. Angehörigen“-Ansatzes (KOMMA), der von ihr aus Sie gehen nicht zum Arzt, um sich selbst untersu26


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Christiane Kreyer arbeitet als Pflegewissenschaftlerin am Department für Pflegewissenschaft und Gerontologie an der UMIT in Hall in Tirol. Vor ihrer Forschungstätigkeit war sie Krankenschwester und Lehrende für Pflegeberufe. Sie hat an der Universität Innsbruck Pädagogik studiert und 2016 an der UMIT promoviert.

chen zu lassen, oder sprechen andere persönliche Bedürfnisse nicht aus, da der Sorge um die schwerkranke Person Vorrang vor den eigenen Anliegen gegeben wird. Zahlreiche Forschungsarbeiten zeigen, dass pflegende Familienmitglieder in der häuslichen Palliativversorgung stark gefordert sind und ein hohes Risiko haben, selbst körperlich und psychisch zu erkranken.

immer mehr mobile Palliativteams. Diese multiprofessionellen Teams, bestehend aus spezialisierten Pflegekräften, Ärzten und eventuell Sozialarbeitern, besuchen die betroffenen Familien zu Hause, kümmern sich um die Linderung von belastenden Symptomen und sind beratend und anleitend tätig. Die Herausforderung für mobile Palliativteams liegt darin, die tägliche Praxis dauerhaft zu verändern. Dafür müssen Prozesse und Arbeitsroutinen verändert werden.

Unterstützung durch mobile Palliativteams Um diese Angehörigen in der Palliativversorgung zu Hause zu unterstützen, gibt es in Tirol und auch vielen anderen Regionen des deutschsprachigen Raums

Adaption für den deutschsprachigen Raum Der von Christiane Kreyer für den deutschsprachigen Gebrauch übersetzte und validierte KOMMAAnsatz ist ein evidenzbasiertes Instrument zur Unterstützung der Angehörigen in der häuslichen Palliativversorgung. Der Ansatz wurde in England entwickelt und basiert auf Interviews mit 75 trauernden Angehörigen, die nach ihren Unterstützungsbedürfnissen während der Begleitung ihres an Krebs erkrankten Familienmitglieds gefragt wurden. Auf der Basis dieser Interviews wurde ein Einschätzungsbogen entwickelt und in einer weiteren Studie mit 225 pflegenden Angehörigen erprobt. Christiane Kreyer hat diesen Ansatz in einem transdisziplinären Forschungsprojekt aus England – mit Fördergeldern der deutschen Stiftung Wohlfahrtspflege NRW unter Trägerschaft der Hospizbewegung Düren-Jülich – nun für den Einsatz mobiler deutschsprachiger Palliativteams adaptiert und in Kooperation mit einer wissenschaftlichen Partnerorganisation und drei Praxispartnern in NordrheinWestfalen erprobt. Das zentrale Werkzeug des Ansatzes ist der KOMMA-Einschätzungsbogen, durch den Angehörige aufgefordert werden, über ihre eigenen Bedürfnisse nachzudenken.

Wer pflegt zu Hause: 80 Prozent aller Pflege- und Betreuungsleistungen werden in der Familie oder dem Freundeskreis erbracht. Zwei Drittel der Pflegeleistungen werden von Frauen erbracht. Der Großteil der pflegenden Angehörigen ist über 55 Jahre alt.

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Stärkung der Angehörigen „Das Ziel des KOMMA-Einschätzungsbogens ist es, die individuellen Unterstützungsbedürfnisse der Angehörigen zu ermitteln, die oft ganz andere sind als die der begleiteten Person. Der Bogen enthält 27


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Gemeinsame Überprüfung

sieben Fragen, bei denen es um die Unterstützung der erkrankten Person geht, und sieben Fragen, die sich auf die persönliche Situation der Angehörigen beziehen. Er kann den Angehörigen dabei helfen, sich ein wenig Zeit für die Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen und Herausforderungen zu nehmen. Er macht zudem deutlich, dass man mit diesen Problemen nicht allein ist“ erläutert Christiane Kreyer. Hat sich der oder die Angehörige mit dem Bogen auseinandergesetzt, findet ein Einzelgespräch statt, in dem die momentan drängendsten Anliegen besprochen werden. Der KOMMA-Bogen bietet dabei einen Rahmen, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken. Gemeinsam wird herausgearbeitet, was genau das Problem ist und wie dieses angeChristiane Kreyer gangen werden könnte. Im Mittelpunkt des „ Ein großer Unterschied Ansatzes steht dabei die Stärkung der Anist, dass die Einschätgehörigen. Eigene Lösungsansätze werzung der Unterstütden besprochen, und zungsbedürfnisse von wenn diese nicht zielden Angehörigen selbst, führend oder hilfreich sind, wird professiomithilfe des KOMMAnelle Unterstützung Einschätzungsbogens vermittelt. Oft ist aber ein Gespräch, in dem erfolgt.“ Sorgen und Befürchtungen ausgesprochen werden dürfen, ausreichend. Aber auch für professionelle Pflegekräfte bietet der KOMMA-Ansatz Vorteile in der Arbeit mit den Angehörigen, weil deren Anliegen in jeder Begleitung systematisch aufgenommen werden und so Krisen frühzeitig erkannt werden können.

Vorstellen von KOMMA

Der KOMMAAnsatz Maßnahmen gemeinsam planen

Über Bedürfnisse nachdenken

Assessmentgespräch 01 Die einzelnen Phasen des KOMMA-Ansatzes

wird zukünftig durch die UMIT vergeben, auch Schulungen und Beratung zur Implementierung werden angeboten. Dieser Wandel hin zu einer kooperativen Maßnahmenplanung, in der die Stimme und Selbsteinschätzung der Betroffenen im Zentrum der Bemühungen stehen, kommt einem Paradigmenwechsel in der Betreuung pflegender Angehöriger gleich, der das Unterstützungsangebot für Menschen in der häuslichen Palliativversorgung verbessern wird. Denn nur durch eine gute und vor allem passende Unterstützung von Angehörigen in der häuslichen Palliativversorgung kann sichergestellt werden, dass das Lebensende zu Hause als ein positiver Abschnitt erlebt werden kann, der im besten Fall beiden Seiten, der schwerkranken Person und dem sorgenden Familienmitglied, als eine Bereicherung ihres Lebens erscheint.

Palliativversorgung in Tirol (Stand November 2018)

Nutzerorientierter Ansatz „Ein großer Unterschied zu anderen Methoden der Begleitung von Angehörigen ist, dass die Einschätzung der Unterstützungsbedürfnisse nicht primär vonseiten der professionellen Pflegekräfte erfolgt, sondern von den Angehörigen selbst, mithilfe des KOMMA-Einschätzungsbogens“, klärt Christiane Kreyer auf. Der KOMMA-Ansatz wird am Ende des Projektes im Februar 2019 für den deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehen. Die Nutzungslizenz

6 mobile Palliativteams 6 palliative Konsiliardienste 1 mobiles Palliativteam für Kinder und Jugendliche 28 Palliativbetten 2 pädiatrische Palliativbetten 240 ehrenamtliche Hospizbegleiter 1 Hospiz- und Palliativakademie 1 Tageshospiz 1 Palliativambulanz Integrierte Palliativbetreuung Hospiz- und Palliativ Care im Pflegeheim

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Äpfel für Allergiker Bei der Hyposensibilisierung wird das Immunsystem an Stoffe gewöhnt, auf die es überreagiert. Oft geschieht das durch Injektionen. In einem Interreg-Projekt forscht die Medizinische Universität Innsbruck gemeinsam mit Partnern nun an einer anderen Lösung. Von Daniel Feichtner

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inige Allergien sind mittlerweile heilbar – oder zumindest lassen sich die Symptome, mit denen das Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe reagiert, deutlich lindern. Bei einer sogenannten Hyposensibilisierung werden Patienten über den Zeitraum von drei Jahren immer wieder Allergene injiziert – erst in einer kleinen, dann in einer immer höheren Dosis. Alternativ können bei manchen Allergien auch Tropfen in den Mund verabreicht werden. Deren Wirkungsgrad ist allerdings noch weniger gut belegt. „So gewöhnen wir das Immunsystem langsam an die Allergene“, beschreibt Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz der Universitätskliniken Innsbruck. Bequem ist das natürlich nicht. Spritzen stoßen nicht nur gerade bei jungen Patienten, bei denen die Therapie besonders wirksam wäre, auf wenig Gegenliebe. Sie müssen auch vom Arzt verabreicht werden. Das nimmt Zeit in Anspruch. „Und dazu kommt die – wohlgemerkt unbegründete – Skepsis gegenüber Impfungen“, ergänzt er.

Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz, Universitätskliniken Innsbruck

„Wenn jemand eine Birken-Allergie hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass er zum Beispiel auch auf Äpfel allergisch reagiert, die ebenfalls Rosiden sind und ein Bet-V-1-Homolog erzeugen.“ 30

Weit verbreitet Unter Reiders Leitung wird seit vergangenem Jahr in einer Studie eine Alternative zu Spritzen erforscht, die Hyposensibilisierungstherapien einfacher und zugänglicher machen könnte. Gearbeitet wird daran an der Medizinischen Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck, dem Südtiroler Sanitätsbetrieb-Gesundheitsbezirk Bozen und dem Landwirtschaftlichen Forschungszentrum Laimburg. Darin nehmen sich die Wissenschaftler einer der häufigsten Allergien an: der gegen Birkenpollen, oder, genauer, gegen Bet V 1. „Dieses Protein ist eigentlich Teil der Überlebensstrategie der Bäume“, erklärt Reider. Was genau es mit der Pflanze macht, ist noch nicht restlos geklärt, „aber wir wissen, dass es unter Stress ausgeschüttet wird“. Was die Birken schützt, kann für Menschen zum Problem werden: Bei Allergikern verursacht die Substanz, die vor allem in den Pollen der Birken zu finden ist, Jucken, Brennen


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und Tränen der Augen, Niesen, Husten, laufende Nasen, Ausschläge und mehr. Das nicht genug, gibt es viele sogenannte Homologe von Bet V 1 – Proteine, die ihm sehr ähnlich sind und ähnliche Reaktionen erzeugen können. Diese Stoffe kommen alle in einer Pflanzengruppe, den Rosiden, vor. „So entstehen Kreuzallergien“, erklärt Reider. „Wenn jemand eine Birken-Allergie hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass er zum Beispiel auch auf Äpfel allergisch reagiert, die ebenfalls Rosiden sind und ein Bet-V1-Homolog erzeugen.“ Snack statt Spritze Der Impfstoff zur Birken-Hyposensibilisierung enthält Bet V 1 als Allergen. Zur Gewöhnung des Immunsystems an das Protein funktioniert das hervorragend. Allerdings ist die Wirkung größtenteils auf die Birken-Allergie beschränkt. Während ihre Symptome sich verringern oder gar verschwinden, bleibt die Apfel-Unverträglichkeit in den meisten Fällen bestehen. Deswegen versuchen

©NORBERT REIDER (2)

01 Bei einem Allergietest wurde zu Beginn der Studie überprüft , auf welche Äpfel die Probanden am stärksten reagieren. 02 Anhand dessen wurden die unterschiedlichen Apfelsorten dann gereiht.

die Wissenschaftler nun, gewissermaßen das Pferd von hinten aufzuzäumen: Anstelle von Bet V 1 setzen sie auf ein Homolog – und zwar das von Äpfeln. Der Clou dabei ist, dass die Allergene nicht gespritzt werden müssen. „Stattdessen erforschen wir, ob wir ähnlich gute Resultate erzielen können, wenn das Immunsystem über den Verzehr von Äpfeln in dosierten Kontakt mit dem Allergen kommt“, erklärt Reider. Dazu arbeitet die MedUni eng mit dem Versuchszen31


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trum Laimburg in Südtirol zusammen. Das landwirtschaftliche Forschungsinstitut hat einen Fundus von mehr als 150 verschiedenen Apfelsorten, die dort und vom Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck auf ihren Allergengehalt getestet und entsprechend gereiht wurden. „Außerdem haben wir die 40 Probanden der Studie mit Haut-Tests darauf getestet, auf welche Äpfel sie wie stark reagieren“, fügt Reider hinzu.

03 Als perfekter „Anfangs-Apfel“ für die Therapie entpuppte sich die Sorte Red Moon, die relativ wenig des Bet-V-1-Homologs enthält.

Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz, Universitätskliniken Innsbruck

„Wegen der geringen Menge des schützenden Proteins sind Red Moon im Vergleich zu anderen Äpfeln sehr empfindlich.“ Idealer Apfel So wurde der ideale „Therapie-Apfel“ gefunden: Eine Sorte mit dem Namen „Red Moon“, den ihr ihr rotes Fruchtfleisch eingebracht hat. Die ein wenig bitter und säuerlich schmeckenden Äpfel haben einen niedrigen Gehalt des Bet-V-1-Homologs. Das macht sie für die erste Phase der Hyposensibilisierung ideal – allerdings nicht ganz ohne Nachteile. „Wegen der geringen Menge des schützenden Proteins sind Red Moon im Vergleich zu anderen Äpfeln sehr empfindlich“, meint Reider. Sie in größeren Mengen zu transpor-

tieren und zu lagern, ohne dass Druckstellen entstehen, die sie faulen lassen, war eine eigene Herausforderung für die Wissenschaftler.

auch einen Golden-Delicious-Apfel – die laut den Tests zu den allergenhältigsten zählen – beschwerdefrei zu sich nehmen zu können.

Dosissteigerung Zugleich bereiteten sich auch die Probanden auf die Studie vor: Während der Birkenblüte 2017 führten sie Tagebuch über ihre Beschwerden und ihren Medikamentenverbrauch. Außerdem wurden mehrere Allergietests vorgenommen, um Ausgangswerte zu erhalten. Seit September werden die Studienteilnehmer mit jeweils einer Wochenration Red-MoonÄpfel versorgt. Zu Beginn nehmen sie täglich einen Viertel-Apfel zu sich, später einen halben, „und wenn sie sich auf einen ganzen Apfel pro Tag ‚hochgearbeitet‘ haben, wechseln wir auf Pink-Lady-Äpfel, die einen höheren Allergengehalt haben“, sagt Reider. Eines der schlussendlichen Ziele des Therapieansatzes wird es sein,

Nächste Phase 2019 Bis dahin wird es allerdings noch ein wenig dauern. Zuerst muss sich die Methode in der aktuellen Studienphase bewähren. Was das betrifft, ist Reider aber zuversichtlich: „Im kommenden Frühjahr werden wir die Allergietests vom Studienbeginn wiederholen. Und während der kommenden Birkenblüte werden die Patienten erneut Tagebuch führen, um die subjektiv wahrgenommene Verbesserung zu dokumentieren.“ Sind die Resultate vielversprechend, kann die Studie in die nächste Phase gehen. Dann werden voraussichtlich mehr als hundert neue Probanden mit BirkenpollenAllergie gesucht, die einen Apfel pro Tag nicht scheuen.

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Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz, Universitätskliniken Innsbruck

©NORBERT REIDER

„Im kommenden Frühjahr werden wir die Allergietests vom Studienbeginn wiederholen.“

Unterforderung als Auslöser Aktuell leiden rund 30 Prozent der Mitteleuropäer an sogenannten atopischen Erkrankungen. Dazu gehören vor allem Neurodermitis und Inhalationsallergien. Letztere sind oft mit Kreuzallergien verbunden, wie im Fall von Bet V 1 gegen Äpfel, Erd- oder Haselnüsse und Sellerie. Die Zahl dieser Erkrankungen ist während des 20. Jahrhunderts in Industrienationen sprunghaft angestiegen, hat sich mittlerweile aber eingependelt. Daraus ziehen Mediziner Rückschlüsse auf den Ursprung vieler Allergien. Die weithin akzeptierte Erklärung ist die sogenannte HygieneHypothese. Ihr zufolge hat der in der Nachkriegszeit rapide steigende Lebens- und Hygienestandard dazu geführt, dass Teile unseres Immunsystems kaum mehr genutzt werden. War unser Körper früher regelmäßig Angriffen durch Würmer, Parasiten, verdorbene Lebensmittel oder Erreger wie Coli-Bakterien und Hepatitis-A-Viren ausgesetzt, verschwanden diese in kurzer Zeit fast völlig aus unserem Alltag. Seither liegt der dafür eigentlich zuständige Teil unseres Immunsystems brach. Anstelle sich zurückzubilden, begannen die Verteidigungsmechanismen unseres Körpers aber sich neue Ziele zu suchen – eigentlich unbedenkliche Substanzen wie Bet V 1, auf die sie nun mit Entzündungen reagieren, die wir als allergische Symptome wahrnehmen.

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© FCW/ALEX PAULI

In guten wie in schlechten Zeiten (?) Für die meisten Fußballfans hat sportlicher Erfolg keine Auswirkungen auf ihre Bindung zum Verein. Dass extreme Rückschläge jedoch selbst bei den treuesten Anhängern zumindest kurzfristig Spuren hinterlassen können, zeigt eine Studie der FH Kufstein Tirol. Von Simon Leitner

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er wichtigste Aspekt in der Beziehung zwischen Fußballfans und ihrem Verein ist Loyalität. Diese kann sich allerdings nicht nur auf verschiedene Weise äußern, sondern auch an unterschiedliche Bedingungen geknüpft sein. Für die sogenannten temporären Fans, die man auch „Schönwetter-Fans“ nennen könnte, stellt etwa die momentane Form einer Mannschaft das entscheidende Kriterium dar. „Sie unterstützen den Verein nur, solange dieser erfolgreich ist“, erklärt Claudia Stura von der FH Kufstein Tirol. „Sobald sich die Leistungen jedoch verschlechtern, verschwinden sie wieder.“ Am anderen Ende des Spektrums stehen hingegen jene Anhänger, die in der Forschung als ergebene oder fanatische Fans bezeichnet werden. Die-

se bleiben ihrem Club in der Regel auch in Zeiten schwerer Rückschläge treu, denn bei ihnen ist die emotionale Bindung zum Verein nicht unmittelbar von dessen sportlichen Leistungen abhängig. Zwischen Schein und Sein Eine Studie an der FH Kufstein Tirol hat jedoch gezeigt, dass extreme Misserfolge selbst bei den treuesten Anhängern zumindest kurzfristig Spuren hinterlassen können. Alexa Arnold untersuchte im Rahmen ihrer Masterarbeit den konkreten Fall einer Fußballmannschaft, die um gleich zwei Ligen von der Profi- in die Amateurliga abgestiegen ist. Sie befragte Anhänger des Vereins, die sich selbst zur Gruppe ergebener oder fanatischer Fans zählten, danach, ob die emotionale Bindung zu ihrem Club 34


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01 Die Beziehung zwischen Fans und ihrem Verein ist ein besonderes psychologisches Phänomen – für viele geht die Unterstützung eines Clubs nämlich weit über die sportlichen Aspekte hinaus.

Claudia Stura ist als stellvertretende Studiengangsleiterin für Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement an der FH Kufstein Tirol tätig. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Sport- und Konfliktmanagement, insbesondere in der Akkulturation und Integration von ausländischen Athleten im Spitzen- und Breitensport sowie in den Dynamiken von multikulturellen Sportteams.

unter dem Abstieg gelitten hätte. Anschließend verglich sie die Aussagen der Fans mit der tatsächlich gezeigten Solidarität, wobei sie als Maßstab dafür Stadionbesuche und den Absatz von Fanartikeln heranzog. Dabei stellte sich letztendlich heraus, dass die Selbsteinschätzung der Fans nicht immer mit der Realität übereinstimmte. Denn obwohl ein Großteil der befragten Personen angab, dass der Leistungsabfall des Clubs keinerlei Auswirkungen auf ihre Loyalität gehabt hätte, war im Fall der ergebenen Fans anfangs tatsächlich ein Rückgang hinsichtlich des Kaufs von Tickets und Fanartikeln zu verzeichnen – während sich die fanatischen Fans genauso, zum Teil aber sogar noch kauffreudiger zeigten als zuvor. Das bedeutet, dass der Abstieg des Vereins zumindest bei den ergebenen Fans für eine kurze Zeit Einfluss auf die gezeigte Loyalität hatte.

Sprachverwendung das deutlichste Zeichen ist, wie Stura erklärt: „Nach einem Spiel heißt es vonseiten der Fans nicht, die Mannschaft hat gewonnen oder verloren, sondern ‚wir‘ haben gewonnen bzw. verloren. Daran erkennt man auch, welch starke symbolische Signifikanz die Leistungen eines Vereins für Fans haben können.“

Identifikation als Schlüssel Grundsätzlich lässt sich allerdings festhalten, dass sportlicher Erfolg in der Fan-Verein-Beziehung nur einer von vielen Faktoren, und oft nicht einmal der maßgebliche, ist. Das zeigt sich bereits in der Art und Weise, wie Fans sich „ihren“ Verein suchen: Im deutschsprachigen Raum geben dabei beispielsweise meist geographische Gesichtspunkte den Ausschlag – insbesondere die fanatischen Fans entscheiden sich in der Regel für einen Club, der jene Region repräsentiert, in der auch sie sich beheimatet fühlen. Darüber hinaus spielen auch Aspekte wie Tradition, Image oder bestimmte Werte, die ein Verein verkörpert, eine wichtige Rolle. In letzter Instanz stellt nämlich genau das, die Möglichkeit zur Identifikation, das Schlüsselelement in der Loyalität von Fans dar: Diese müssen das, wofür ihr Verein steht, voll und ganz mittragen, um sich vollständig mit dem Club identifizieren und in der Folge auch als Unterstützer einbringen zu können. Diese Identifikation mit ihrem Verein wird von Fans auf verschiedene Art und Weise zum Ausdruck gebracht, wobei neben dem Tragen von Trikots die

Irrationale Ausmaße Je stärker die Loyalität zu einem Club, desto mehr Raum nimmt dieser im Leben eines Anhängers ein. In extremen Fällen fungiert ein Verein sogar als eine Art Ankerpunkt, der Fans einen Sinn im Leben gibt. Dass eine emotionale Bindung dieses Ausmaßes nicht nur für Fans selbst, sondern in weiterer Folge auch für einen Verein unangenehme Folgen nach sich ziehen kann, zeigen die sogenannten dysfunktionalen Fans, zu denen auch Hooligans gezählt werden. Diese Gruppe macht hauptsächlich durch fragwürdige Aktionen sowie Gewaltbereitschaft auf sich aufmerksam und schadet dadurch wissentlich ihrem Club – paradoxerweise sehen aber gerade solche Fans sich in der Regel als besonders loyal an. Dies mag als Beleg dafür gelten, welch irrationale Züge die emotionale Bindung zu einem Verein annehmen kann. 35


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Der Faktor Angst Angst ist ein ständiger Begleiter von Leistungs- und Risikosportlern. Im besten Fall wirkt sie aktivierend, im schlimmsten ist sie lebensbedrohlich. Ein Team der Universität Innsbruck erforscht, was Angst im Sport bedeutet und wie Athleten damit umgehen können. Von Lisa Schwarzenauer

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as Herz rast, der Atem spielt verrückt, alles verkrampft sich. Jeder von uns kennt diese Symptome und weiß, was sie bedeuten: Angst. Ihre Hauptfunktion ist es, uns am Leben zu erhalten. Ironischerweise kann sie in bestimmten Situationen aber das genaue Gegenteil bewirken. Gerade für Sportler, von denen in Stresssituationen Spitzenleistungen erwartet werden, birgt sie große Gefahr.

Die Dosis macht’s „Angst ist eine zentrale Komponente im Sport“, sagt Martin Kopp, der sich am Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck seit Jahren mit dieser Thematik beschäftigt. „Ein wenig Angst könnte förderlich sein. Bis zu einem gewissen Bereich wird man durch sie positiv aktiviert, dann kann es kippen und es gibt einen Leistungseinbruch.“ Manche Athleten schaffen es in solchen Extremsituationen trotzdem, ihre übliche Leistung abzurufen oder – in seltenen Fällen – diese sogar zu überbieten. Der umgekehrte Effekt ist jedoch wesentlich wahrscheinlicher, erklärt Kopp und nennt das klassische Beispiel des Trainings-Weltmeisters, der im Training konstant Topleistungen abliefert, sein Potenzial im Wettkampf jedoch aufgrund von Anspannung und erhöhter Aufmerksamkeit nicht umsetzen kann. Manchmal zeigt sich auch der komplett gegenteilige Fall, wie Kopp erzählt: „Sportler berichten uns auch ab und zu, dass sie im Wettkampf zu wenig aktiviert und zu entspannt waren und deshalb gar nie richtig hineingefunden haben.“ Sowohl

Martin Kopp forscht und unterrichtet am Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck. Seit 2010 ist der Psychologe dort Leiter des Fachbereiches für Sportpsychologie und befasst sich unter anderem mit dem Thema Bewegungsintervention bei psychischen Erkrankungen und der Erforschung von Angst und ihrer Rolle im Leistungs- und Risikosport.

eine Überaktivierung als auch eine Unteraktivierung wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Kopp und sein Team wollen deshalb wissen, was dazu führt, dass ein Leistungsversagen wahrscheinlicher wird und was man dagegen machen kann. Messbarkeit Wann Angst ein positives Niveau verlässt und in den negativen Bereich umschlägt, ist von Mensch 36


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Was Angst im Körper auslöst

© EXPA PICTURES

Wird Gefahr wahrgenommen, sendet das Gehirn infolge dieser angstbezogenen Gedanken Botenstoffe aus, die den Körper in Alarmbereitschaft versetzen: Die Aufmerksamkeit erhöht sich, der Herzschlag beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigt kurzfristig – der Körper wird darauf vorbereitet, mit Flucht oder Angriff auf die Situation zu reagieren.

01 Angst ist Teil des Sportlerlebens. Damit sie nicht zu Leistungseinbrüchen führt, müssen Sportler lernen, mit ihr umzugehen.

Diese Schärfung der Sinne und Mobilisierung der Kräfte kann auch als Aktivierung bezeichnet werden. Wenn Angst überhandnimmt und z. B. Atemnot, Zittern und Schwindel eintreten, sinkt die Leistungsfähigkeit dramatisch. Anstatt zu mobilisieren, wirkt die Angst lähmend und beeinträchtigt die Fähigkeit, Lösungen für potenziell lebensbedrohliche Situationen zu finden. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Überaktivierung.

ten sehr bedürfnisgerecht, die Sportler entscheiden selbst, welche Techniken sie anwenden. Wir bieten ein Potpourri an, aus dem jeder die passenden Methoden auswählen kann, und auch die Dosis wird individuell bestimmt. Wenn jemand sagt, heute reichen ihm schon fünf Minuten, dann bekommt er auch ein fünfminütiges Gespräch. Sportpsychologie sollte ja auch problemlos in den Trainingsalltag integriert werden können“, erklärt Kopp.

zu Mensch anders und muss daher bei allen Athleten individuell ermittelt werden. Dafür werden sie ermuntert, über einen längeren Zeitraum unmittelbar nach dem Wettkampf zu protokollieren, wie es ihnen ergangen ist. Auch Filmmaterial wird verwendet, um das Verhalten vor, während und nach dem Wettkampf analysieren zu können. Um Angst konkret zu messen, verwenden Kopp und sein Team dann standardisierte Fragebögen und sogenannte Biofeedback-Messinstrumente. Dabei wird eine Wettkampfsituation simuliert und dann physiologische Indikatoren wie Herzfrequenz, Hautleitwert, Atemfrequenz und Muskelspannung gemessen. „Man konfrontiert die Sportler mit Extremsituationen, erhält eine erste Diagnostik und überlegt dann, was man machen kann, damit man in so einer Situation ruhiger wird“, beschreibt Kopp den Ablauf. Das Ziel ist, Sportler so zu schulen, dass sie sich selbstständig in ihre individuelle Zone des optimalen Funktionierens bringen können. Wie genau das aussieht, hängt vom Sportler selber ab. „Wir arbei-

Leistungssport vs. Risikosport Wie genau sich Angst zeigt, hängt nicht nur vom Athleten selbst, sondern auch von der Art des Sportes ab. Im Leistungssport stehen beispielsweise Wettkampf- und Versagensangst im Vordergrund, da mit einem Leistungsabfall karrierebedrohende Konsequenzen wie der Verlust des Kaderplatzes oder von Sponsorenverträgen einhergehen können. Besonders deutlich wird das bei kurzfristigen und sehr komplexen Sportarten wie Skispringen, wo sofort Höchstleistungen notwendig sind: „Bei einem Marathonläufer kann ein Startproblem auftauchen, aber das kann er über die lange Distanz wettmachen. Der Slalomfahrer dagegen, der beim dritten Tor ausscheidet, kann das nicht – der muss die Leistung sofort abrufen können, während der andere sich auch nach einem schlechten Start noch ins Spiel bringen kann“, erklärt Kopp. Im Risikosport sieht es naturgemäß ein wenig anders aus. Wenn Angst hier den positiv-aktivierenden Bereich verlässt und eine Blockade erzeugt, ist schnell nicht nur die Karriere, sondern das eige37


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02 Für Risikosportler ist Angst besonders gefährlich: Bei einer Blockade kann schnell das Leben in Gefahr sein.

© SHUTTERSTOCK.COM

Techniken gegen die Angst

ne Leben in Gefahr. In solchen Momenten funktioniert selbst die sehr genaue Planung nicht mehr, die Risikosportler eigentlich auszeichnet, wie der Sportpsychologe hervorhebt: „Man hat immer die Tendenz, Risikosportler als Waghalsige, als Sensationssuchende zu bezeichnen. Die gibt es sicher auch, aber die Mehrheit derer, die das regelmäßig betreiben, verfügen über ein hohes Können, viel Ruhe in der Umsetzung und ein klares Bewusstsein für Gefahren und Risiken.“ Den meisten Risikosportlern gehe es laut den bisherigen Forschungsergebnissen nicht in erster Linie um den oft bemühten Kick: Das Erleben von Natur, völliger Freiheit und der eigenen Kompetenz spielt eine große Rolle, genauso wie die Tatsache, dass das Betreiben von Risikosport als Besonderheit gilt. „In einer Gesellschaft, in der die Normen aufbrechen, gibt es oft sportbezogene Ziele als Alleinstellungsmerkmal. In einer Sache Meisterschaft zu erreichen und in einer Community anerkannt zu werden, scheint vielen wichtig zu sein“, so Kopp über die Gründe, warum man sich freiwillig oft unberechenbaren Gefahren- und Angstsituationen aussetzt. Fest steht: Egal ob Risiko- oder Leis-

Beliebte und häufig gut funktionierende Techniken zur Entspannung in Angstsituationen sind u. a. Autogenes Training (eine auf Autosuggestion basierende Methode, bei der mit der Konzentration auf Aussagen wie „Meine Beine sind ganz schwer“ genau diese Sensationen erzeugt werden), progressive Muskelentspannung (bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen) und verschiedene Visualisierungstechniken, die helfen, sich gedanklich in eine angenehme, entspannende Situation zu versetzen.

tungssport, die Auseinandersetzung mit der Angst ist enorm wichtig und kann zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden. Angstbewusstsein Mittlerweile gibt es deshalb auch kaum mehr Sportler, die sich nicht sportpsychologisch betreuen lassen. „Beim Sport war es lange ähnlich wie überall sonst, wenn es um psychologische Betreuung gegangen ist, aber diese Barriere ist mehr oder weniger komplett weg. Das liegt einerseits daran, dass die Betreuung im Sport voll integriert ist, andererseits daran, dass die gesamte Gesellschaft psychischen und psychologischen Aspekten gegenüber offener ist“, so Kopp. Allerdings gebe es nach wie vor Unterschiede zwischen Männern und Frauen, ab welchem Punkt Angst als Angst bewertet und auch artikuliert wird: „Dieses Überspielen von Angst ist tatsächlich bei Männern nach wie vor stärker, aber auch das hat sich im Zuge der Gesamtentwicklung schon gebessert in den letzten Jahren. Man ist generell ein bisschen reflektierter und erkennt an, dass Emotion und psychisches Befinden wichtige Komponenten im Sport sind.“ 38


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Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an Schon Udo Jürgens wusste um die Vorzüge des Seniorendaseins. Weil im Alter aber auch nicht alles immer leichtfällt, unterstützt das Projekt Lebensfreude Menschen über 65 Jahren, weiterhin aktiv zu bleiben oder es zu werden. Das ergotherapeutische Programm zur Gesundheitsförderung von Senioren wurde an der fh gesundheit in Innsbruck entwickelt und pilotiert. Von Katharina Wildauer

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er Schritt von der Erwerbstätigkeit in die Pension. Belastung durch die Betreuung von Enkelkindern. Eigene körperliche Beschwerden und Einschränkungen, die möglicherweise Pflegepersonal notwendig machen. Die Pflege des Partners oder der Umzug in ein Seniorenwohnheim: All das sind Veränderungen, die im Leben einmal auftreten können. Der Alltag von Menschen über 65 Jahren ändert sich und beeinflusst stark die Aufgaben des jeweiligen Betroffenen. „In neuen Lebenssituationen die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und entsprechend sinnvolle Aufgaben zu finden, ist wichtig für das Wohlbefinden älterer Personen“, weiß Ursula Costa, Leiterin der Studiengänge Ergotherapie und Handlungswissenschaft am an der fhg - Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH (kurz fh gesundheit). Sie initiierte das ergotherapeutische Programm Lebensfreude, das in Kooperation mit

dem Land Tirol und der Tiroler Gebietskrankenkasse entwickelt und pilotiert wurde. In den USA, Großbritannien oder Skandinavien wird Ergotherapie seit längerem gezielt zur Förderung der Gesundheit von Senioren eingesetzt. Ein ähnlich systematisches Angebot für ältere Personen durch Ergotherapeuten gab es in Österreich bis dato nicht. „Es geht hier vorrangig um gesundheitsfördernde Maßnahmen, die die Gesundheitsund Lebenskompetenzen von Senioren fördern“, weiß Costa. Nach einer mehr als fünfjährigen Entwicklungs- und Erprobungsphase könnte Lebensfreude ab Jahresbeginn fester Bestandteil des Angebots von Kassen und Gemeinden sein. Das Leben bunter machen Das ergotherapeutische Projekt umfasst elf Module, die von ein bis zwei Ergotherapeuten angeleitet und in einer Gruppe von bis zu zehn Teilnehmern erarbeitet werden. Dabei geht es unter anderem 40

Ursula Costa

„In neuen Lebenssituationen die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, ist wichtig für das Wohlbefinden älterer Personen.“


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um lebenslanges Lernen, die Bedeutung der Gesundheit für das eigene Wohlbefinden, wie der Alltag sinngebend gestaltet werden kann oder dem Wert von Miteinander. „Zu Beginn und am Ende der Teilnahme steht ein Einzelgespräch, in dem jeder Teilnehmer eigene Anliegen und Ziele mit der Therapeutin bespricht – die Herausforderungen sind ganz individuell. In der Gruppe lernen die teilnehmenden Senioren dann wieder oder weiterhin zu tun, was Freude macht, oder neue Aktivitäten auszuprobieren“, weiß Ursula Costa. Mit dem Projekt richtet man sich sowohl an Personen, die zuhause leben, als auch an jene in Pflegeeinrichtungen. Besonders wertvoll zeigte sich der begleitete Austausch

in Gruppen, in denen Senioren aus unterschiedlichen Wohnformen zusammenkamen. „Die Resonanz war überwältigend positiv. Menschen, die wieder ins Theater gehen, sich im Heim persönliche Gestaltungsräume schaffen, sich bewusst Zeit zur Erholung nehmen oder Gleichgesinnte für Aktivitäten gefunden haben“, freut sich die Projektleiterin. Das Programm ist ab Jahresbeginn 2019 Teil zahlreicher Gemeinden. Dann können Pflegeeinrichtungen das Angebot der spezifisch geschulten Ergotherapeuten in Anspruch nehmen. Disruptives Altern Lebensfreude wurde bei der Senaktiv Messe im November als Tiroler Erfolgsprojekt vorgestellt. Dass der viel zitierte

Ursula Costa ist Leiterin des Bachelorsowie Masterstudiums Ergotherapie und Handlungswissenschaft an der fh gesundheit. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sie sich wissenschaftlich wie praktisch mit Ergotherapie und mit Themen öffentlicher Gesundheitsversorgung.

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© SHUTTERSTOCK.COM

01 Das Projekt motiviert, aktiv zu bleiben.

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fh gesundheit fh gesundheit gesundheit fh gesundheit fhfh gesundheit wir bilden die zukunft wir wir bilden bilden die die zukunft zukunft wir bilden die zukunft wir bilden die zukunft Die fh gesundheit bietet Ihnen FH-BachelorDie Die fh fhgesundheit gesundheit bietet bietet Ihnen Ihnen FHFHBachelorBachelorDie fh bietet Ihnen FHBachelorDie fhgesundheit gesundheit bietet Ihnen FHBachelorStudiengänge sowie WeiterbildungsStudiengänge Studiengänge sowie sowie WeiterbildungsWeiterbildungsStudiengänge sowie WeiterbildungsStudiengänge sowie Weiterbildungsund Spezialisierungsmöglichkeiten für und und Spezial Spezial isierungs isierungs möglichkeiten möglichkeiten für für und Spezial isierungs möglichkeiten für und Spezial isierungs möglichkeiten für Gesundheitsberufe mit international anerGesundheitsberufe Gesundheitsberufe mit mit inter inter national national aneranerGesundheitsberufe mit inter national anerGesundheitsberufe mit inter national anerkannten akademischen Abschlüssen. kannten kannten akademischen akademischen Abschlüssen. Abschlüssen. kannten akademischen Abschlüssen. kannten akademischen Abschlüssen.

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■■ Augenoptik* Augenoptik* ■■Augenoptik* ■Augenoptik* Biomedizinische Analytik ■■ Biomedizinische Biomedizinische Analytik Analytik ■■Biomedizinische Biomedizinische Analytik ■ Diaetologie Analytik ■■ Diaetologie Diaetologie ■■Diaetologie Diaetologie ■ Ergotherapie ■■ Ergotherapie Ergotherapie ■■Ergotherapie ■Ergotherapie Gesundheits- und Krankenpflege ■■ GesundheitsGesundheitsund und Krankenpflege Krankenpflege ■■GesundheitsKrankenpflege Gesundheitsund Krankenpflege ■ Logopädie und ■■ Logopädie Logopädie ■■Logopädie Logopädie ■ Physiotherapie ■■ Physiotherapie Physiotherapie ■■Physiotherapie ■Physiotherapie Radiologietechnologie ■■ Radiologietechnologie Radiologietechnologie ■■Radiologietechnologie Radiologietechnologie

Ursula Costa

„Mit 93 Jahren meinte eine Teilnehmerin freudig, sie fühle sich mit der neugewonnenen Lebensfreude nun für das Alter vorbereitet. Das zeigt uns – man ist nur so alt, wie man sich fühlt.“

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* vorbehaltlich der Akkreditierung **vorbehaltlich vorbehaltlich der der Akkreditierung Akkreditierung * *vorbehaltlich der Akkreditierung vorbehaltlich der Akkreditierung

demographische Wandel auch eine Chance ist, zeigen nicht nur die vollen Messesäle und zahlreichen Aussteller. Diese Botschaft vermittelt auch der österreichische Altersforscher Franz Kolland: Wie wir uns im Alter fühlen, sei nur durch ein Viertel genetisch bedingt und werde stark vom eigenen Tun beeinflusst. Freude, Spaß und lebenslanges Lernen sind für den Experten zentrale Elemente, damit Senioren gesund und vital bleiben. Das ist auch für Ursula Costa klar: „Wir müssen unsere Bilder vom Alter neu denken und überlegen, wie wir langes Leben gesund und sinnerfüllt leben können. Mit 93 Jahren meinte eine Teilnehmerin freudig, sie fühle sich mit der neugewonnenen Lebensfreude nun für das Alter vorbereitet. Das zeigt uns – man ist nur so alt, wie man sich fühlt.“ Dass 2036 knapp ein Viertel der Tiroler Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird, kommentiert Costa so: „Wir gehen diese gesellschaftliche Herausforderung aus therapeutischer Sicht an: Welche Angebote können wir für ältere Personen schaffen, um präventiv ihre psychische und soziale Gesundheit und Lebensqualität zu stärken?“ Projekt mit Modellcharakter Ergotherapeuten unterstützen Menschen jeden Alters, die durch Veränderung im Umfeld, Verletzungen oder Beeinträchtigungen in ihrem Tun eingeschränkt sind. Der ergotherapeutische

www.fhg-tirol.ac.at www.fhg-tirol.ac.at www.fhg-tirol.ac.at www.fhg-tirol.ac.at www.fhg-tirol.ac.at

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Ansatz von Lebensfreude ist daher nicht nur für Senioren anwendbar, sondern in allen Altersgruppen wertvoll. „Tätig sein ist ein menschliches Grundbedürfnis und kann gezielt genutzt eine gesundheitsfördernde und therapeutische Wirkung haben“, führt Ursula Costa aus. Gerade wird das Projekt in Zusammenarbeit mit Gemeinden für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen entwickelt. Zudem ist ein Konzept für pflegende Angehörige von Demenzkranken in Ausarbeitung. Das Projekt könnte aber auch in Betrieben als gesundheitsförderndes Angebot für ältere Arbeitnehmer vor der Pensionierung eingesetzt werden.

02 Gemeinsam statt einsam heißt die Devise bei Lebensfreude.

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NEUES ZUM THEMA

MEDIZIN & PSYCHOLOGIE VITAMINBOMBE Die Wirkungsweise von Vitamin E wurde durch ein internationales Forschungsteam an der Universität Innsbruck entschlüsselt. Den Stoffwechselprodukten des Vitamins konnte eine entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen werden. Diese Erkenntnis ist in der Entwicklung von Wirkstoffen bei chronischen Entzündungserkrankungen wie Asthma oder Arthritis von Bedeutung. Die Innsbrucker Pharmazeuten zeigen in ihrer Publikation auf, dass das Naturelement Vitamin E vielfältiger und komplexer wirkt als bisher gedacht.

PIONIERARBEIT

MEDIZINISCHE MILLIMETERARBEIT Für die Herstellung hochwirksamer Medikamente benötigt es flüssige Zwischenprodukte, die gefroren, gelagert und transportiert werden. Dazu werden hochwertige Plastikbeutel, sogenannte Single Use Bags, genutzt. Schon bei kleinsten Schäden ist der Beutel nicht mehr steril, gefährdet Patientenleben und bedeutet enorme wirtschaftliche Schäden. Das Kufsteiner Start-up Single Use Support hat eine weltweit einzigartige Technologie entwickelt, die die Sicherheit der medizinischen Einwegbeutel erhöht. Für die biotechnische Innovation räumt Single Use Support Platz eins sowohl beim Tiroler Innovationspreis als auch beim Tiroler Jungunternehmerpreis der Wirtschaftskammer ab.

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ie Ribonukleinsäure, kurz RNS, ist so etwas wie der Bauplan der DNS. Der deutsche Genforscher Matthias Hentze machte nun die Entdeckung, dass RNA auch aktiv biologische Prozesse im menschlichen Körper steuert. Diese Erkenntnis ist bahnbrechend in der Genforschung und wichtig, um Krankheitsbilder besser zu verstehen. Der Ilse-und-HelmutWachter-Preis der Medizinischen Universität Innsbruck prämiert diese Forschungsleistung. Von den Erkenntnissen der Regulationsmechanismen der RNA profitiert auch die Universitätsklinik: Günter Weiss, Direktor der Inneren Medizin, und sein Team nutzen das Wissen nun in ihrer Forschung des Eisenstoffwechsels bei Infektionen. Am Biozentrum für Genomik und RNomik kann Direktor Alexander Hüttenhofer die Entdeckungen zur RNA für die Untersuchung von Alzheimer oder chronischen Nierenversagen anwenden.

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UMWELT & NACHHALTIGKEIT

Durch den Wind Kräftigen Luftzug zur Energiegewinnung zu nutzen, liegt zwar auf der Hand, entpuppt sich aber gerade in Tirol als Herausforderung. Ein Projekt der FH Kufstein Tirol hat es sich nun zum Ziel gemacht, jene Methoden zu verfeinern, mit denen Standorte für Windkraftwerke getestet werden. Von Theresa Kirchmair

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as Leben der Tiroler ist von Wind geprägt. Wer das anzweifelt, möge die Phrase „morgen soll der Föhn kommen“ in eine Runde Tiroler werfen und die Reaktionen abwarten. Nicht nur die warme Südströmung ist in der Bevölkerung wohlbekannt, mit dem „Erler Wind“ jagt täglich ein weiteres Wetterphänomen von lokaler Berühmtheit über die Landschaft. Wolfgang Woyke, Professor für Energiewirtschaft an der FH Kufstein Tirol, stammt selbst aus der betroffenen Gegend: „Morgens weht er im Grenzgebiet zu Bayern aus dem Inntal nach Norden ins Rosenheimer Becken, gegen Mittag kehrt er sich um. Man kann fast die Uhr danach stellen.“ Das Inntal verengt sich an dieser Stelle von Süden nach Norden hin zu einer Düse, die in der Folge den

„Erler Wind“ hervorbringt. Schon in den 1990ern gab es erste Nutzungsversuche mit selbst gebauten Windrädern, diese scheiterten jedoch an der Technik. Die Eignung eines Standortes für ein richtiges Windkraftwerk zu prüfen, kostet derzeit noch viel Zeit und Ressourcen. Genau hier setzt das Projekt „Messung und Auswertung des ‚Erler Winds‘“ an, das die Methode zur Bewertung lokaler Phänomene optimieren möchte. Kleine Distanz ... Die beiden Messstandorte Schwaigen und Oberndorf sind nur etwa 10 Kilometer voneinander entfernt. Schwaigen liegt direkt in der Düse, an der engsten Stelle des Inntals. Oberndorf hingegen liegt weiter südlich, wo sich das Inntal schon wieder etwas weitet. Um Windrichtung und Windstärke zu

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analysieren, hat die Fachhochschule Messstationen errichtet, die im Minutentakt Minimal-, Maximal- und Mittelwert sowie die Standardabweichung erheben. Dies geschieht in drei unterschiedlichen Höhen: 12 und 15 Meter, wo die Naben der Windräder liegen, sowie 10 Meter über dem Boden. So testet man die Eignung für sogenannte Kleinwindkraftwerke. Diese sehen aus wie die großen Windräder, die man etwa aus Norddeutschland kennt, sind aber sehr viel niedriger und haben kürzere Rotorblätter. Um wirtschaftlich rentabel zu sein, brauchen die kleineren Anlagen deutlich mehr Wind als ihre großen Verwandten. „Windenergie im Alpenraum zu nutzen, ist schwierig. In Tirol wird sie unter den erneuerbaren Energien wohl auch in Zukunft nicht die


UMWELT & NACHHALTIGKEIT

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01 Die Weite des Inntals unterscheidet sich an den beiden Messstandorten stark. In Oberndorf (obere gelbe Markierung) liegt sie bei 4 Kilometern, in Schwaigen sind es lediglich 950 Meter. 02 Die Messinstumente liefern Aufschluss darüber, aus welcher Himmelsrichtung der "Erler Wind" mit der größten Stärke weht. Hier zu sehen ist die Verteilung am Standort Schwaigen. 03 Der Einsatz von Förderungen soll sich rentieren. Daher müssen Standorte für Windkraftwerke genau geprüft werden.

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© FH KUFSTEIN TIROL (2), SHUTTERSTOCK.COM

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Wolfgang Woyke studierte Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Regelungs- und Prozesstechnik an der TU München. Er arbeitete dort und am MaxPlanck-Institut für Plasmaphysik als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später für die Bayernwerk AG und die E.ON Energie AG. Seit 2012 lehrt er als Professor (FH) für Europäische Energiewirtschaft an der FH Kufstein Tirol.

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… großer Effekt Der „Erler Wind“ wird nun seit sechs Wochen beobachtet. Die ersten Ergebnisse haben erstaunt: „Er ist tatsächlich ein extrem lokales Windphänomen. Zwischen Schwaigen und Oberndorf liegen nur wenige Kilometer, trotzdem sind die Aussichten in Schwaigen sehr viel besser“. 2.000 Stunden im Jahr muss eine Geschwindigkeit von 8 Metern pro Sekunde gegeben sein, um einen Standort rentabel zu machen. Die Daten werden nicht automatisch gesendet, daher muss der wissenschaftliche Mitarbeiter des Projektes, Philip Egger, sie regelmäßig persönlich auslesen. Er ist es auch, der mit der Auswertung der Informationen betraut ist. Eine Herausforderung für sich, denn das Datenaufkommen bewegt

sich im Big-Data-Bereich: Pro Monat liefern die Messstationen 43.200 Werte. Damit ergibt sich für die FH Kufstein Tirol ein zweites Feld, in dem man neue Methoden entwickeln kann. „Erler Wind“ goes public Die Fachhochschule führt das Projekt derzeit noch im Alleingang durch, wenn man von der Kooperation mit jenen Landwirten absieht, die ihre Grundstücke für die Messanlagen zur Verfügung stellen. Auf verschiedenen Konferenzen stellt das Team seine Herangehensweise jedoch schon vor und fördert Aufmerksamkeit für die Thematik von lokalen Windphänomenen. Einen Förderer gibt es bereits, den Tiroler Wissenschaftsfonds. „Das ganze Projekt läuft unter der Philosophie des Fonds: Erst leisten wir die Basisforschung, dann gehen wir in die Anwendung“, so Woyke. Die ersten Verbesserungsansätze sind schon gefunden: das Messintervall von derzeit zwei Jahren zu verkürzen und die Messstationen so umzurüsten, dass sie die Daten selbstständig senden.

04 Das Gelände wurde genau erfasst. Ungefähr in der Bildmitte liegt Oberndorf, Schwaigen in der engsten Stelle vor der Weitung des Inntales.

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© FH KUFSTEIN TIROL

Hauptrolle spielen“, erklärt Woyke. Das Problem sind die hohe Bebauungsdichte in den Tallagen sowie die Bedenken von Tourismus und Umweltschutz – für große Anlagen fehlen schlicht Platz und Akzeptanz. Es gehe laut dem Forscher auch nicht darum, speziell Schwaigen und Oberndorf einem Eignungstest zu unterziehen. Vielmehr sollen die angewandten Methoden zur Datensammlung und -verarbeitung verbessert werden, sodass man andernorts schneller die Lage einschätzen kann. „Unser Projekt begann zufällig parallel zum Clean Energy Package. Österreich soll sich bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen“, so der Experte. Die Vereinfachung und Objektivierung des Entscheidungsprozesses um ein mögliches Kraftwerk würde den Ausbau von Windenergie durchaus erleichtern.


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Schwimmende Energiereserven In einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt beschäftigt sich ein Expertenteam rund um Forscher der Universität Innsbruck mit dem Potenzial von Buoyant Energy Quarters (BEQs) – schwimmenden Energiespeichern, die gleichzeitig Lebensraum bieten. Von Lisa Schwarzenauer

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AUFGELADEN

ENTLADEN

01 Im geladenen Zustand schwimmt ein BEQ an der Oberfläche. Lässt man Wasser hineinfließen, sinkt der Schwimmkörper, die eingebaute Turbine setzt sich in Gang und Energie wird frei. Um Energie zu speichern, wird das Wasser wieder hinausgepumpt, wodurch Energie verbraucht wird und sich das BEQ nach oben bewegt.

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och sind Energiespeicher abseits von chemischen Varianten wie Batterien und Akkumulatoren eher ein Randthema für Forschung und Industrie. Das wird sich schlagartig ändern, sobald Wind- und Solarkraft in den Fokus der Energiewirtschaft rückt und fossile Brennstoffe als Hauptenergiequelle verdrängt werden. Erneuerbare Energien haben nämlich ein Problem: Anders als bei Kohle und Gas kann nicht konstant mit einer bestimmten Menge an erzeugter Energie gerechnet werden. Weder Wind noch Sonnenschein sind steuerbar, mal entsteht mehr Energie, mal weniger. Um diese natürliche Fluktuation auszugleichen, ist es notwendig, die in Peak-Zeiten

produzierte überschüssige Energie effizient speichern zu können – nur so kann auch in schwächeren Zeiten eine konstante Energieversorgung gewährleistet werden. Vom Berg ins Meer Bislang wird Energie fast ausschließlich in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert. Hier wird mit der überschüssigen Energie Wasser aus einem Reservoir nach oben gepumpt, und durch eingebaute Turbinen wird bei Bedarf die aufgebrauchte Energie wieder produziert, wenn das Wasser nach unten fließt. Pumpkraftwerke haben aber einige Nachteile, wie Robert Klar vom Institut für Infra48


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Robert Klar hat in Innsbruck Bauingenieurwesen studiert, im Fachbereich Wasserbau promoviert und danach einige Jahre in der Privatwirtschaft (u. a. bei Schönherr) gearbeitet. Seit 2009 verstärkt er das Team des Arbeitsbereichs für Wasserbau.

beides verknüpfen. „Die Speicherkapazität hängt von der Gesamtmasse und von der Höhendifferenz zwischen maximaler Einsinktiefe und dem leergepumpten Zustand ab. Wenn man sich jetzt diese schwere Masse als urbanen Lebensraum vorstellt, wird es erst richtig interessant, weil man plötzlich einen Zusatznutzen zur Energiespeicherung hat. Man könnte alternativ einen Kran verwenden, mit dem man ebenfalls schwere Massen zur Energiespeicherung nach oben und unten bewegen kann, aber unsere Idee ist smarter, weil wir so anstelle einer toten Masse zum Beispiel ein neues schwimmendes Stadtviertel erhalten.“ beschreibt Klar.

struktur, Arbeitsbereich Wasserbau, der Universität Innsbruck erklärt: „Sie haben einen gewissen unvermeidbaren ökologischen Fußabdruck, weil man diese Kraftwerke ja irgendwo hinbauen muss, was zunehmend zu Protesten der Bevölkerung führt. Zusätzlich gibt es geografische Restriktionen. Man braucht bergige Regionen, braucht einen Höhenunterschied, sonst funktioniert das Pumpspeicherprinzip nicht.“ Um diese Probleme zu umgehen, wurde an der Innsbrucker Universität ein Modell entwickelt, um das bewährte Pumpspeicherkonzept vom Berg ins Meer oder in Binnengewässer zu bringen. Dafür braucht man ein „fluid reservoir“ – eine schwimmende Betonkonstruktion mit einem Hohlraum für Wasser – mit einer Turbine. „Zwischen dem Boden des Reservoirs und der äußeren Wasseroberfläche besteht ein Höhenunterschied. Wenn man Energie braucht, lässt man Wasser hineinfließen. Dadurch sinkt der Schwimmkörper, die Turbine setzt sich in Gang und Energie wird frei“, erklärt Klar. „Wenn man dagegen Energie speichern möchte, kann man das Gegenteil machen – man pumpt das Wasser wieder raus, die Pumpe braucht Energie und die Gesamtkonstruktion bewegt sich wieder nach oben.“ Wie beim Pumpspeicherkraftwerk hat man hier also eine Masse, die sich nach oben und unten bewegt und dadurch flexible Energiespeicherung ermöglicht.

Die Frage der Umsetzung Das von der Standortagentur unterstützte Forschungsprojekt wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Land Tirol finanziert und soll in den nächsten drei Jahren Aufschluss darüber geben, ob und wie sich dieses Konzept effizient in die Praxis umsetzen lässt. Dass es sich umsetzen lässt, liegt für Klar außer Zweifel: „Wir können eigentlich jetzt

Konsortium An der Universität Innsbruck ist neben dem Arbeitsbereich Wasserbau auch das Institut für experimentelle Architektur am Projekt beteiligt. Weitere Mitglieder des Konsortiums sind die Geppert GmbH, ma.lo architectural office, Najjar & Najjar Architects und das Ingenieursbüro flussplan e.U. Unterstützt wird das Projekt außerdem von der Standortagentur.

Mehr als Energiespeicherung Diese Technologie, genannt Buoyant Energy, ist mittlerweile in der EU und in den USA patentiert. Das Projekt BEQ geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter: Da in Zukunft nicht nur der Bedarf an Energiespeichern, sondern auch der an städtischem Lebensraum enorm steigen wird, will ein Team bestehend aus Wissenschaftlern der Universität und Experten aus der Privatwirtschaft 49


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Bernd Steidl ist studierter Architekt und Bauingenieur. Zurzeit ist er als Universitätsassistent Teil des Wasserbau-Teams am Institut für Infrastruktur der Universität Innsbruck und seit 2017 an der Weiterentwicklung von Buoyant Energy beteiligt.

schon garantieren, dass die Speichertechnologie funktioniert. Die Frage ist mehr, wie attraktive schwimmende Stadtviertel der Zukunft aussehen und ob man diese kostengünstig, umweltverträglich und modular umsetzen kann.“ Ein großer Vorteil für das Forschungsteam ist es, dass man teilweise auf schon vorhandenes Wissen zurückgreifen kann, erklärt Bernd Steidl, ebenfalls vom Institut für Infrastruktur: „Es ist schon viel Know-how vorhanden, zum Beispiel welches Material man verwenden und wie man die Strukturen bauen kann“, so der Wissenschaftler. „Wir haben auch ein sehr kompetentes Team mit Experten aus verschiedenen Bereichen, weshalb wir verschiedene Aspekte gleich von Anfang an mitberücksichtigen können, die sonst vielleicht Knock-out-Gründe wären.“ Das interdisziplinäre Konsortium, bestehend aus Bauingenieuren, Architekten, Energiewirtschaftsexperten und Maschinenbauern, ermöglicht es, sich nicht nur auf die technischen Fragen zu fokussieren, sondern gleichzeitig auch Themen wie Klimaschutz, Stadtentwicklung, Ästhetik und Ressourcenknappheit in die Entwicklungsarbeit einfließen zu lassen. Dabei werden die verschiedensten Szenarien durchgespielt und aus heutiger Sicht aussichtsreiche BEQ-Typologien entwickelt. „Am Anfang schauen wir jeweils, was genau wir mit einem Modul erreichen wollen, ob man zum Beispiel darauf leben können soll. Dann überlegen wir uns, wo dieser neue Wohnraum schwimmen könnte und wie die Bedingungen dort sind – was gibt es da für Wellenhöhen, wie ist dort das soziokulturelle Umfeld, was für Klimabedingungen herrschen vor. Dann designen wir die Architektur, überlegen im Detail,

wie man das am besten plant und was man alles für die Umsetzung braucht.“ erklärt Klar den Prozess. „Wenn das abgeschlossen ist, betrachten wir das nächste aussichtsreiche Szenario und entwickeln eine dafür passende Typologie, und das geht im Prinzip weiter, bis die Projektlaufzeit zu Ende ist.“ Erfolgsgarantie Selbst wenn es nicht gelingen sollte, ein Buoyant Energy Quarter in den kommenden Jahren tatsächlich zu bauen, steht für alle Beteiligten außer Zweifel, dass das Forschungsprojekt ein Erfolg wird. „Das Schöne ist, dass jeder der Beteiligten enorm viel sowohl in facheigenen Bereichen als auch weit darüber hinaus dazulernt“, sagt Klar. Steidl stimmt zu: „Es ist nichts verloren, selbst wenn man BEQs realistisch betrachtet erst in mehreren Jahren verwirklichen kann. Jeder baut sich Kontakte und Know-how auf, die man anders gar nie bekommen würde und die in Zukunft extrem wichtig sein werden.“

Robert Klar

„Das Schöne ist, dass jeder der Beteiligten enorm viel sowohl in facheigenen Bereichen als auch weit darüber hinaus dazulernt.“

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Wir danken den Tiroler Unternehmen und unseren Partnern für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns auf neue gemeinsame Innovationsprojekte.

Foto © Tirol Werbung / Neusser Peter

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MEDIZIN

NEUES ZUM THEMA

UMWELT & NACHHALTIGKEIT REINHEITSGEBOT

Bevor Abwasser wieder zurück in die Umwelt fließen kann, muss es in Kläranlagen gereinigt und gefiltert werden. Für diesen Vorgang wurde am MCI eine effiziente und ökologische Technologie entwickelt und erfolgreich getestet: „C-ION“ ist ein hochwirksames Entkeimungsund Reinigungsverfahren, das in nur 40 Minuten bis zu 95 % der vom Menschen verursachten Spurenstoffe eliminiert – und das besonders energieeffizient und ressourcenschonend. Dafür heimste die Projektgemeinschaft den renommierten Umweltaward Energy Globe Austria in der Kategorie Wasser ein.

BAUHERREN VON MORGEN

KÄMPFERNATUR

© ANNE D. BJORKMAN

Für eine Ausbildung mit Weitblick sorgt die Abteilung für Energie- und Gebäudetechnik an der HTL Jenbach. Dort hatten Schüler im Verlauf eines Jahres Zeit, sich in einem Schulprojekt als Bauherren des „Hauses der Zukunft“ zu versuchen. In einem MiniModellhaus konnten sie vom Keller bis zum Dachgeschoß modernste Baustoffe und Hightech einsetzen, um das Gebäude so energieeffizient und umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Dabei standen ihnen neben modernster Wärmedämmung, Solarzellen, Photovoltaik und Wärmepumpen auch Smart-Home-Elemente zur Verfügung, die entweder Vorgänge eigenständig steuern oder via Tablet und Smartphone steuerbar sind.

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ass sich der Klimawandel drastisch auf Ökosysteme auswirken wird, steht außer Frage. Wie diese Veränderungen aussehen und welche Folgen sie insbesondere in arktisch-alpinen Gebieten haben, hat der Innsbrucker Ökologe Michael Bahn in einem Team internationaler Forscher untersucht. Über drei Jahrzehnte lang beobachteten sie an mehr als 117 Standorten. Das Resultat: Höhere Sommertemperaturen verändern Pflanzenmerkmale und beeinflussen die Bodenfeuchte. Auffallend: Pflanzen reagieren mit Verzögerung auf Wetterextreme, die Folgen des Klimawandels werden sich künftig also vermutlich noch verstärken. Dieses Wissen ist wichtig, um Strategien für stabile, geschützte Ökosysteme zu finden.

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Die Vision von einer besseren Welt Den Planeten für zukünftige Generationen bewahren und Hygiene zum Wohlfühlen gestalten – mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN als Basis lebt hollu seine sozial-ökonomische Verantwortung jeden Tag.

Heißt: Jeden Tag leistet hollu einen Beitrag zu den aktuellen Herausforderungen der Menschheit wie Bildung, Klimawandel oder Ressourcenknappheit. „Wir wollen gemeinsam dazu beitragen, dass unser Planet auch für die nächsten Generationen lebenswert bleibt. Wasser zu sparen, ist nur eine Maßnahme von vielen“, so Meinschad.

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twa 8.500 m3 Wasser benötigt hollu pro Jahr zur Herstellung seiner Reinigungsmittel: reinstes Wasser, sogenanntes Osmosewasser, das mit Druck gefiltert wird. Das bei diesem Prozess ausgesonderte Produktionswasser fängt hollu in eigenen Tanks auf und verwendet es mehrfach

„Was uns lenkt und leitet, ist unsere Vision: die Zukunft der Hygiene aktiv mitzugestalten. Dafür gilt es, jetzt in der Gegenwart dieWeichen zu stellen. Nachhaltigkeit spielt bei hollu schon immer eine große Rolle. Corporate Social Responsibility ist Teil unseres täglichen Arbeitens, Teil der hollu-DNA.“ hollu-Geschäftsführer Simon Meinschad

zur Reinigung, bevor es schlussendlich als Abwasser in der örtlichen Kläranlage landet. „Wasser ist Leben und daher ist jeder Tropfen wertvoll“, betont holluGeschäft sführer Simon Meinschad.

Die Vision von einer besseren Welt –hollu geht es an. Lassen Sie sich inspirieren und lesen Sie den digitalen Unternehmensbericht auf: verantwortung.hollu.com

Mit seinen rund 400 Mitarbeitern entwickelt das Familienunternehmen Hygienesysteme für jede Branche: von der Hotellerie und Gastronomie bis hin zum Sozialwesen. Die innovativen Reinigungslösungen entstehen in der Forschung & Entwicklung am Hauptsitz Zirl. Von jeher zählen Innovation und Nachhaltigkeit zu den größten Triebkräften für die permanente Weiterentwicklung. So wird hollu den Wasserverbrauch von aktuell 0,91 m3/t pro Jahr auf unter 0,85 m3/t senken. Mehr als ein Lippenbekenntnis! Große Ziele: die SDGs hollu lebt seine sozial-ökologische Verantwortung mit ganzem Herzen und auf ganzer Linie. Das zeigt auch die Tatsache, dass der Hygienespezialist die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele – die sogenannten Sustainable Development Goals, kurz SDGs – ins tägliche Arbeiten integriert hat. 53

Kontakt hollu Systemhygiene GmbH Salzstraße 6 6170 Zirl Tel. 0800/100 76 10 www.hollu.com


ZUM SCHLUSS

Traurige Berühmtheit Die Geschichte brachte zahlreiche herausragende Wissenschaftler und Forscher hervor, die bahnbrechende Entdeckungen machten. Ihr Erfindergeist wurde leider einigen von ihnen zum tödlichen Verhängnis. Von Katharina Wildauer

1.

Als Chefarchitekt des bis dahin luxuriösesten Kreuzfahrtschiffes ließ sich THOMAS ANDREWS nicht die Jungfernfahrt seiner Titanic im April 1912 entgehen. Als das Schiff im Atlantik mit einem Eisberg Bekanntschaft schloss, glaubte man an Bord zunächst noch an den Dampfer, der vermeintlich nicht sinken kann. Nicht so der Schiffsarchitekt, der seiner Kreation eine Überlebenszeit von zwei Stunden prognostizierte – und Recht behalten sollte.

Für die Entdeckung der Radioaktivität erhielt MARIE CURIE als erste Frau einen Nobelpreis. Sie wurde zum strahlenden Stern am Himmel der Wissenschaftler – wortwörtlich. Davon zeugt ihr Notizbuch, das bis heute als unleserlich gilt – nicht etwa wegen Curies Schriftbild, sondern aufgrund der massiven Strahlung, die bis heute Schutzvorrichtungen nötig machen. Das Potenzial der Strahlen zur Krebsbehandlung erkannte Curie an ihren eigenen Verletzungen, sah aber keinen weiteren Grund zur Sorge, sich täglich damit zu umgeben. Dass ausgerechnet die Forscherin 1934 an Leukämie als Folge der Strahlenbelastung starb, wusste man erst später.

© ILLUSTRATIONEN: ALINA KLAMPFER

2.

5. Der Traum vom Fliegen sorgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig für tödliche Unfälle. Abhilfe schaffen wollte nicht zuletzt der Österreicher FRANZ REICHELT, der als Schneider in Paris lebte. Er konstruierte einen tragbaren Fallschirmanzug aus langen Stoffbahnen, die sich im Flug ausbreiten und abbremsen sollten. Unbeirrt von wenig überzeugenden Tests mit Puppen wählte Reichelt den markantesten Ort in Paris für die öffentliche Demonstration: den Eiffelturm. Das tapfere Schneiderlein sprang selbstbewusst 65 Meter in die Tiefe – mit fatalem Resultat.

4.

3.

Als Marineoffizier tüftelte HORACE LAWSON HUNLEY Mitte des 19. Jahrhunderts zielstrebig am ersten Kampf-U-Boot. Stolz benannte er seine Konstruktion nach sich selbst. Dass die „H. L. Hunley“ bei der Jungfernfahrt wie ein Stein sank und fünf Menschen mit sich riss, ist für den Forscher nicht auf seine Konstruktion zurückzuführen. Um den Erfolg seiner Erfindung zu beweisen, war er bei der nächsten Testfahrt selbst an Bord – den Gesetzen der Physik konnte er sich dennoch nicht widersetzen.

Ein wahrer Pechvogel war THOMAS MIDGLEY: Der Chemiker feierte als Erfinder des verbleiten Benzins zunächst Erfolg, bald kamen jedoch die Schattenseiten seiner Entdeckung zu Tage. Das Blei schädigte Umwelt und Menschen stark und brachte auch dem Erfinder eine schwere Vergiftung ein, die ihn zum Ende seiner Forschungstätigkeit zwang. Als er 1940 an Kinderlähmung erkrankte, flammte sein Erfindergeist neuerlich auf. Midgley bastelte ein komplexes Seilzugsystem, um sich aus dem Bett zu heben. Seine zweite Erfindung kostete ihm jedoch endgültig das Leben, als er sich in seinem Konstrukt verfing und selbst strangulierte. 54


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DIE UNI INNSBRUCK FEIERT 350 JAHRE. Feiern Sie mit! Mit einem vielfältigen Programm begeht die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck 2019 ihr 350-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum öffnen wir die Türen und machen die Faszination von Forschung und Wissenschaft mit ihren vielen Facetten für alle erlebbar.

Das Programm und alle Informationen

www.uibk.ac.at/350-jahre