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Retourenadresse: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck | Österreichische Post AG PZ13Z039759P

20. JAHRGANG APRIL 2021 | AUSGABE 257

WAS ICH AN DIR HASSE Das Wettexproblem und andere Streitfälle

Die Radsünden Umwelt, Klima, Gesundheit – alles spricht fürs Radfahren. Aber das geht trotzdem nicht.

BEQUEM & NACHHALTIG Damenunterwäsche aus Innsbruck


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10 x 25EUROINN-TALERGUTSCHEINKARTEN Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Barablöse ist nicht möglich. Die Gewinnspielteilnahme gilt automatisch als Einverständniserklärung zur Veröffentlichung des eingesandten Materials im 6020 Stadtmagazin.


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Die Innsbrucker Altstadt hat eine neue Währung: Mit dem Inn-Taler kann ganz bequem in den rund 100 Shops, Dienstleistungsbetrieben, Restaurants und Cafés in der Innsbrucker Altstadt bezahlt werden. Ob als Geburtstagsgeschenk, zum Abschluss oder als Gruß vom Osterhasen: Über den Inn-Taler freut sich jeder – auch die Altstadtbetriebe, die man damit unterstützt. Erhältlich ist der Inn-Taler jetzt neu als Gutscheinkarte in allen Filialen von Spar, Eurospar und Interspar in Innsbruck. Und hier: 6020 verlost 10 x eine 25-Euro-Gutscheinkarte unter allen, die unsere Gewinnspielfrage richtig beantworten. Alle teilnehmenden Betriebe, Infos zum Inn-Taler und mehr gibt es hier: www.altstadt-innsbruck.com/inntaler

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Editor ial

Über alte Macht in jungen Händen Michael Steinlechner

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as dieses Corona alles möglich macht. Vor zwei Jahren konnte sich Österreich keinen besseren Kanzler als den netten Sebastian vorstellen. Endlich mal ein Junger, der die Dinge anders anpackt und so toll reden kann. Man hörte Österreichs Mütter förmlich ihre Töchter ermahnen: Warum bringst du nicht einmal so einen wie den Basti nach Hause? Der Abstieg begann mit einer Zwecklüge, die Österreich gefügig machen sollte. Wir erinnern uns: „Bald wird jeder von uns einen kennen, der an Corona gestorben ist“, verkündete der Kanzler vor ziemlich genau einem Jahr (30. März 2020). Heute kennt jeder vermutlich einige an Corona Erkrankte, aber kaum einer einen an Corona Verstorbenen. Zum Glück. Der Karmaausgleichsfonds meinte es fortan nicht gut mit unserem Kanzler. Nachdem er im Sommer offenbar geglaubt hatte, dass sich Corona – ähnlich einer Schlechtwetterfront – wieder verzogen hat, wurde im Herbst deutlich, dass man sich auf eine zweite Welle in keinster Weise vorbereitet hatte. Es folgten Monate des Improvisierens, und je länger der Winter dauerte, desto klarer wurde: Warum soll ausgerechnet eine so junge und auch unerfahrene Regierung die Antworten auf so viele schwierige Fragen haben? Aber anstatt die Überforderung zuzugeben oder zumindest die Ratlosigkeit mit externer Hilfe in irgendeiner Form zu kompensieren, markiert Sebastian Kurz weiter den allwissenden Messias. Gleichzeitig darf Österreich den Kern des Problems nun live miterleben. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das für alle Parteien gilt, bei den jungen Türkisen aber anscheinend besonders hochgehalten wird: Jobs bekommt man in der Politik nicht aufgrund von Qualifikation, sondern vielmehr Loyalität. Das zeigt sich zum Beispiel bei Arbeitsministerin Christine Aschbacher, die so arrogant war, ihre gekaufte und lausig übersetzte Uniarbeit nicht einmal durchzulesen, bevor sie diese einreichte. Oder bei Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, deren auffälligste Leistung bisher die riesige Kaufhaus-Österreich-Pleite war, die sie sogar noch zu verteidigen versuchte. Allen voran natürlich auch bei unserem Finanzminister, der im Coronajahr 2020 dadurch glänzte, dass er in seinem eigentlichen Job so wenig ausgelastet schien, dass er noch Zeit für einen Wienwahlkampf fand. Und heuer? 2021 macht Blümel mit Hausdurchsuchungen und fragwürdigen Chatprotokollen von sich reden. Apropos, da wären wir schon beim nächsten Thema: Auch ÖBAG-Chef Schmid, der dem Kanzler auch mal drei Bussismileys schicken darf, zeigt uns einmal mehr, wie das mit den Topjobs in Österreich läuft: richtiges Parteibuch, Ausschreibung an Wunschperson anpassen und gemeinsame Erfolgsgeschichte erzählen. Und dann wäre da noch diese Kleinigkeit mit dem Maskenhersteller Hygiene Austria. Warum führte Österreich als quasi einziges Land eine FFP2-Maskenpflicht ein? Und ist die Verbindung von Hygiene Austria ins Büro des Bundeskanzlers dabei wirklich so unerheblich? m.steinlechner@6020stadtmagazin.at 5

Wir hätten es besser wissen müssen. Schließlich hat uns Herbert Grönemeyer schon 1986 erklärt, wie das mit den Kindern an der Macht funktioniert:

Gebt den Kindern das Kommando Sie berechnen nicht, was sie tun Die Welt gehört in Kinderhände Dem Trübsinn ein Ende Wir werden in Grund und Boden gelacht Kinder an die Macht Sie sind die wahren Anarchisten Lieben das Chaos, räumen ab Kennen keine Rechte Keine Pflichten


Inhalt CO

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Die sieben n e d n ü s Rad

en Die best uf Events a ck. einen Bli Seite 56

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Zig Dinge, die ich an dir hasse Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die uns auf die Palme bringen. Wussten wir vor Corona auch schon – jetzt noch mehr.

Es ist sauber, günstig und leise – eigentlich spricht alles fürs Radfahren. Wenn da nicht oft diese Rücksichts- und Gedankenlosigkeit wäre. 6020 hat einen genaueren Blick auf sieben Radsünden und ihre Gründe geworfen.

Seite 14

Seite 28

EIN HEFTIGES JAHR Die Sportveranstalter wollen nach einem chaotischen Jahr wieder durchstarten. Alexander Pittl (Trailrun Festival) und Georg Spazier (Crankworx) im Interview.

Seite 62 6


ENTGELT LI CH E EI NS CH ALT U NG

SCHLUSS MIT L AUWARMEN GETRÄNKEN

Die zweite Haut aus Holz

Mit den doppelwandigen vakuumisolierten Trinkflaschen aus Edelstahl von Hydro Flask © HYDRO FLASK

Wie ein Start-up aus Innsbruck für nachhaltige und bequeme Damenunterwäsche sorgen will.

Seite 24

Raus aus dem digitalen Paralleluniversum Stell dir vor, du besitzt kein Handy.

Seite 34

MundArt rührt Reis um.

Seite 54

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IMPRESSUM Herausgeber: Michael Steinlechner Medieninhaber & Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH Chefredaktion: Matthias Krapf Grafik: Alina Klampfer, Lisa Untermarzoner Illustration: Monika Cichoń Redaktion: Christiane Fasching, Flo Seidl, Haris Kovacevic, Johannes F. Park, Klaus Erler, Lisa-Maria Schwarzenauer, Melina Mitternöckler, Theresa Kirchmair, Verena Zankl (Lektorat) Fotos: Franz Oss, Axel Springer Anzeigenverkauf: Carmen Larch (verkauf@6020stadtmagazin.at) Anschrift, alle: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/58 6020 E-Mail: redaktion@­6020stadtmagazin.at Geschäftsführung Verlag: Andreas Eisendle, Matthias Krapf, Michael Steinlechner Druck: Intergraphik GmbH, Innsbruck Hinweis: Für eingesandtes Text-  und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.

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ach einer langen Tour mit dem Rad oder einer schweißtreibenden Bergwanderung in den Tiroler Alpen gibt es im Sommer nichts Schöneres als eine kühle Erfrischung in Form eines selbstgemachten Eistees, Iso-Drinks oder frischen Quellwassers. Die Vorfreude auf das kühle Nass schmilzt jedoch rasant, wenn sich das Getränk im Rucksack durch die Sonneneinstrahlung aufgewärmt hat. Die Lösung: Die doppelwandigen, vakuumisolierten Trinkflaschen von Hydro Flask aus hochwertigem, geschmacksneutralem Edelstahl halten Getränke bis zu 24 Stunden lang kühl (oder auch bis zu 12 Stunden warm). Sie sind frei von BPA und eine gesunde sowie umweltfreundliche Alternative zur Einwegplastikflasche. Dabei sind die Trinkflaschen von Hydro Flask nicht nur bei deinem nächsten Outdoor-Abenteuer ein treuer Begleiter – sie sind in vielen Farben und Größen erhältlich und versorgen dich auch zuhause, auf der Arbeit oder an der Uni mit der Flüssigkeit deiner Wahl. Mehr Infos unter www.hydroflask.com


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9

Von 27. bis 28. März fand vor dem Landestheater das 15. Wochenende für Moria statt. Dass die Aktion, bei der jedes Wochenende Protestierende in Zelten vor dem Landestheater schlafen, um auf die Situation im Flüchtlingslager Moria aufmerksam zu machen, so lange dauern würde, hat Organisator Nik Neureiter überrascht: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Bundesregierung derartig stur und hartherzig sein, dass sie so unmenschlich und unmoralisch handeln würde.“ Das Projekt hat mittlerweile Mahnwachen und Camps in ganz Österreich und Deutschland inspiriert, und ein Ende ist nicht in Sicht: „Wir machen weiter, bis unsere Forderung nach der geordneten Aufnahme der symbolischen 100 geflüchteten Familien erfüllt ist.“

1 5 W O C H E N S O L I DA R I TÄT

© AXEL SPRINGER


APR IL

9 DINGE, DIE DIE WELT IN DIESEM MONAT NICHT BRAUCHT

9.

U N D JA : CORONA

8.

HIBISKUS ALS TRENDPFLANZE

M A R K TP L AT Z S TAT T

G A S TGARTEN

3.

7.

VERSCHOBENE IMPFTERMINE

6.

4.

STARMANIA

PARKPLATZNOT am Alpenzoo

GROSSE PLÄNE FÜR DEN SOMMER

5.

HEUSCHNUPFEN

10

© ILLUSTRATION: MONIKA CICHOŃ

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Mehr Freiheit, mehr Risiko Nachdem die Koalition zwischen Grüne, VP, FI und SPÖ vor Kurzem geplatzt ist, herrscht im Innsbrucker Gemeinderat das freie Spiel der Kräfte: Der Bürgermeister ist nicht mehr an das Koalitionsabkommen gebunden, sondern kann sich – in der Theorie – nach Belieben Mehrheiten suchen und so sein Programm auf Schiene bringen. Dass das nicht ganz so einfach wird, zeigt ein kurzer Blick auf ein paar der in den nächsten Monaten anstehenden Entscheidungen und Projekte. Denn auch die anderen Fraktionen können sich Mehrheiten suchen – und damit blockieren und ihre eigenen Positionen durchbringen. Text: Lisa Schwarzenauer

NEOS

FI

gegen das aktuelle Konzept, aber nicht grundsätzlich dagegen

dagegen

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FPÖ pro mit Vorbehalt

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Grüne

pro mit Vorbehalt

VP pro mit Vorbehalt

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SPÖ pro, falls finanziell stemmbar

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FI

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Lasst uns drüber reden

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Bürgermeister Georg Willi plant ab 13. April alle zwei Wochen Gespräche mit Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen und – falls es für bestimmte Themenkomplexe sinnvoll ist – Fachexperten, um das freie Spiel der Kräfte auf den Weg zu bringen und so frühzeitige Neuwahlen zu verhindern.

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gegen vorgeschlagenen Standort, für zusätzliche Lösung

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pro, aber auch für andere Lösung offen

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grundsätzlich pro, wenn Zahlen passen

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grundsätzlich pro, wenn Zahlen passen

Seniorenbund für Lösung an dem Standort, unentschieden ob unteroder oberirdisch

Liste Fritz dagegen

SPÖ dagegen

Grüne dagegen

Gerechtes Innsbruck gegen Tiefgarage, aber für andere Lösung an dem Standort


Die Radsünden Rad sünden Es ist klima- und umwel­tfreundlich, gesund und verstopft die Städte nicht – eigentlich spricht alles fürs Radfahren. Von den Leuten am Rad kann man das hingegen nicht uneingeschränkt behaupten. 6020 hat einen Blick auf sieben Vergehen und Unarten und die Gründe dafür geworfen. Text: Haris Kovacevic

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adfahren ist ja echt super. Um zu der Erkenntnis zu kommen, muss man nicht erst Fan der Fridays-for-Future-Bewegung werden und auf den Umweltfaktor pochen. Radeln ist beispielsweise auch gesund: Es ist gut für den Rücken, für die Atemwege, die Muskulatur, senkt das Krebsrisiko, aktiviert die Glückshormone und, und, und. Im Vergleich zum Auto ist es außerdem leise, günstig und nimmt weder geparkt noch im Verkehr viel Platz weg. Aus all diesen Gründen wird das Fahrrad, besonders was den Stadtverkehr anbelangt, als Verkehrsmittel der Zukunft angesehen. Radfahrer wollen deshalb mit gutem Grund nicht mehr Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse sein. Sie fordern mehr Rechte und bessere Infrastruktur, wollen fair behandelt werden.

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1. Auf dem Gehsteig Nervig. Man ist gerade zu Fuß auf dem Gehsteig unterwegs und hört ein Rad hinter sich. Man merkt, dass der Radfahrer nicht absteigt, ja nicht einmal wirklich abbremst. „Der glaubt wohl, dass ihm nicht nur die Straße, sondern auch der Gehsteig gehört“, denkt man sich da, „wenn er jetzt auch noch klingelt, dann dreh ich mich um und sag was!“

Aber bedeutet das zugleich, dass Radfahrer die moralische Vorfahrt im Verkehr gepachtet haben? Einbahnstraßen in die falsche Richtung nehmen, radeln am Gehsteig oder vollbepackt mit Skizeug – diese und andere zum Teil ziemlich rücksichtslose Manöver bringen nicht nur eingefleischte Autofahrer, sondern auch Fußgänger und pflichtbewusste Fahrradfahrer zum Ergebnis: Von wegen! Welche Übertretungen, Regelverstöße und Verhaltensweisen bei Radfahrern besonders häufig zu beobachten und wo die Gründe dafür zu suchen sind, haben wir mit dem Verkehrsreferenten der Innsbrucker Polizei Reinhard Moser und Fahrradlobbyist Filipe Hauser erörtert.

Für Oberstleutnant Reinhard Moser handelt es sich um kein Kavaliersdelikt. „Allein letztes Jahr gab es 26 Unfälle mit Personenschaden nur durch Radfahrer auf Gehsteigen oder Auffahren auf den Gehsteig.“ Vielen sei schlicht und einfach nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich selbst und andere aussetzen. „Menschen, die ihre Häuser oder Garagen verlassen, rechnen nicht mit einem vorbeifahrenden Radfahrer direkt vor der Tür oder der Einfahrt.“ Da passieren leicht Unfälle, und man könne nicht vorsichtig genug sein.

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Filipe Hauser von der Radlobby Innsbruck hat so was des Öfteren beobachtet. „Fahren auf dem Gehsteig ist einfach nicht okay und gesetzlich klar verboten.“ Es komme aber meistens dort vor, „wo Radfahrende keine eigene Spur haben und sich auf der Straße nicht sicher fühlen“, erklärt Hauser. So fällt ihm beispielsweise die Universitätsstraße bei der Sowi ein, die AndreasHofer-Straße oder auch alles in der Bahnhofsgegend. Dort gibt es stellenweise enge Straßen, durch die Autos weiterhin mit Tempo 50 fahren dürfen: „Eine Forderung von der Radlobby ist daher schon seit Langem, das Tempo überall dort, wo keine Fahrradspur vorhanden ist, auf 30 km/h zu limitieren.“ Dann werden, so der Radlobbyist, auch weniger Radfahrer auf Gehsteige ausweichen.


2. Durch die Fußgängerzone Für Oberstleutnant Moser ist das Fahren in der Fußgängerzone eine nervige Angewohnheit einiger Radfahrer: Denn die meisten wissen, dass es verboten ist, machen es aber trotzdem und sind von den Polizisten hier auch schwer zu stellen, weil diese mit dem Auto oder zu Fuß unterwegs sind: „Da ist der Radfahrer gleich flink weg“, sagt der Polizist, „es gibt keinen guten Grund durch die Fußgängerzonen zu fahren.“

Ähnlich wie auf dem Gehsteig verhält es sich auch in den Fußgängerzonen – in der Altstadt und der Maria-Theresien-Straße. Auch hier nehmen sich einige Radfahrer immer wieder das Recht heraus, einfach durchzufahren.

Für Filipe Hauser ein No-Go, da es hier gilt, den schwächsten Verkehrsteilnehmer, den Fußgänger, zu schützen. Schaue man aber genauer hin, handle es sich oft „um ortsunkundige Rad-Touristen, die sich von der ungenauen Beschilderung verleitet in die Innenstadt verirren“.

3. Mit dem Handy Mal abgesehen davon, dass man beim Telefonieren oder Rumtippen am Handy keine Handzeichen geben kann und es schon allein deswegen verboten ist, stellt das Telefon eine enorme Ablenkung dar. „Bei fast der Hälfte der Radunfälle handelt es sich um Alleinunfälle“, betont Verkehrspolizist Moser. Das heißt, dass Radfahrer ohne Fremdbeteiligung stürzen und sich verletzen beispielsweise. „Da dürften einige auch wegen dem Hantieren mit dem Handy dabei sein.“ Das Verhalten sei „nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gegenüber verantwortungslos“, erklärt Moser.

© PRIVAT

Beim Thema „Handy am Steuer“ gehe von Autofahrern eine wesentlich größere Gefahr aus als von Radfahrern, ist sich Filipe Hauser sicher. Die Masse und Geschwindigkeit des Autos mache es in Kombination mit der Ablenkung zu einem wesentlich größeren Risiko. Klar sei aber auch, dass die Hände beim Radfahren auf den Lenker gehören und ein Handy da nichts verloren hat.

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… fühlte sich Andreas Thaler von unserer Geschichte „5 Dinge, die das Radeln in Innsbruck erschweren und was man dagegen tun kann“ in der OktoberAusgabe letzten Jahres und kontaktierte uns. Radfahrer seien mindestens so oft Täter wie Opfer, meinte er und das müsse auch mal gesagt werden. Dafür habe er Beweise, denn immer wieder begegneten ihm bei seinen Streifzügen durch die Stadt diese „Fahrradchaoten“, und er scheue nicht davor zurück, sein Handy zu zücken und das festzuhalten. Wir bedanken uns an dieser Stelle für die vielen Bilder, von denen wir hier eine Auswahl präsentieren und die uns bei der Geschichte geholfen haben.

Reinhard Moser, Verkehrsreferent der Innsbrucker Polizei

Zur Person: Andreas Thaler, ehemals Redakteur beim ORF, mittlerweile pen­ sioniert, aber weiterhin medial tätig – als Kameramann und Medienberater von Gemeinderat Gerald Depaoli von Gerechtes Innsbruck.

4. Gegen die Einbahn Möchte man von der Sowi aus Richtung Inn und die Innenstadt dabei meiden, muss man entweder den Umweg über die Museumstraße oder über den Kongress nehmen. Oder man riskiert es, durch die Herrengasse zu fahren, und spart damit ein wenig Zeit.

Filipe Hauser sieht die Kritik absolut ein. Zu vermehrten Übertretungen komme es aber immer dort, wo die Radverkehrsplanung zu wünschen übrig lässt. „Radfahrende werden oft nicht mit­ bedacht, und meistens wird, so scheint es, zum Schluss noch Hals über Kopf eine Lösung für sie hergezaubert, die dann aber viele Umwege beinhaltet“, bemängelt der Radlobbyist. „Der zeitliche Vorteil, der durchs Radfahren da wäre, schmilzt so dahin.“ Auch falsche Beschilderung sei zuweilen ein Problem: Ganz in der Nähe der Höttinger Gasse gibt es die Kirschentalgasse als Alternative. Diese wird aber als Sackgasse gekennzeichnet – ohne Ausnahme für Radfahrer, während gleichzeitig ein kleineres grünes Schild sie als Fahrradweg markiert.

„Für Fahrer, die von der anderen Seite in die Herrengasse einbiegen, ist das eine enorme Gefahr“, erklärt Moser. Nicht zuletzt würden die Radfahrer vor allem ihre eigene Unversehrtheit mit solchem Verhalten riskieren – nur um wenige Sekunden Zeit zu gewinnen. Wesentlich gefährlicher noch verhält es sich in der Höttinger Gasse, die noch dazu sehr eng und unübersichtlich ist. Auf beide Orte habe die Verkehrskontrolle ein Augenmerk gelegt, da hier einige schwarze Schafe viel Gefahr verursachen. 17

© PRIVAT

G e t r ig g e r t …

„Menschen, die ihre Häuser oder Garagen verlassen, rechnen nicht mit einem vorbeifahrenden Radfahrer direkt vor der Tür oder der Einfahrt.“


“ r e d ä R r e i v t t a „Zwei st 3 Fragen an Bgm

. Georg Willi

© FRANZ OSS

brochen werden – etwa von Kreuzungen oder Ampeln. Einige Knoten konnten wir hier schon lösen, andere Stellen noch nicht.

6020

: Herr Bürgermeister, was stört Sie als Radfahrer an der Innsbrucker Verkehrssituation am meisten? Georg Willi: Radfahrer bleiben ungern stehen, weil sie nach jedem Stehenbleiben das Rad wieder in Schwung bringen müssen – je durchgehender sie radeln können, desto besser. Deshalb finde ich es so wichtig, dass die großen Radachsen der Stadt möglichst nicht unter-

die Stadtfinanzen aber leider nicht her. Wie möchten Sie es schaffen, das Radfahren in Innsbruck wirklich zu verbessern, wenn Ihnen so viel Gegenwind entgegenweht? Die Gesellschaft hat die Zeichen der Zeit längst erkannt – vor allem die Jungen. Die Reise geht eindeutig in Richtung: zwei Räder statt vier, möglichst autofreie Innenstädte, mehr Aufenthaltsqualität in den Städten (die tut übrigens den Menschen und der Wirtschaft gut) – der öffentliche Raum gehört allen und muss entsprechend fair aufgeteilt werden. Deshalb: Gegenwind werden die politisch Verantwortlichen haben, die das nicht erkennen.

Im Radmasterplan setzen Sie sich das ambitionierte Ziel, Innsbruck zur Fahrradhauptstadt Österreichs zu machen. Wie weit sind Sie mit Ihrem Vorhaben bisher gekommen? Wir haben mit dem Radmasterplan zwei Dinge erreicht: Der Beschluss des Masterplans im Gemeinderat ist ein eindeutiges Bekenntnis zum Ausbau der Radinfrastruktur. Und für die Umsetzung stehen in den nächsten drei Jahren 7 und den sieben Jahren darauf 31 Millionen Euro zur Verfügung. Lieber wäre mir, wenn die Summe von insgesamt 38 Millionen höher wäre, das geben

Vielen Dank für das Gespräch.

5. Neben der Spur

„Hierbei handelt es sich um einen Mehrzweckstreifen“, erklärt der Polizist. Radfahrer dürfen ihn benützen und müssen es auch im Sinne des Rechtsfahrgebots tun. Falls sie aber einen Grund sehen, ihn zu verlassen, weil sie beispielsweise andere Radfahrer überholen oder einem Schneehaufen ausweichen, dann ist das erlaubt. Eine rundbeschilderte Fahrradspur mit durchgehender Linie dürften Fahrradfahrer nicht verlassen und müssten sie, bis auf wenige Ausnahmen, benützen.

Das Gesetz sieht klar vor, dass Radfahrer auf dem Fahrradweg fahren müssen. Falls keine Fahrradspur vorhanden ist, dürfen sie die Straße benützen. Wenn Radfahrer aber trotz Radspur auf der für die Autos vorgesehenen Straße fahren, nervt das ziemlich, und es wird gehupt und nicht selten gestritten.

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6. Vollbepackt mit Ski „Viele Radfahrende benützen hier den Zebrastreifen, um sich den Umweg zu ersparen.“

„Ein typisches Innsbrucker Bild“, sagt Hauser über den Radfahrer, der gerade offenbar von einem Skitag kommt und sich voll ausgerüstet auf den Weg mit dem Rad nach Hause macht, „und grundlegend ist dagegen nichts einzuwenden.“ Solange Sicht und Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt sind und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden, sei alles gut.

Filipe Hauser, Radlobby Innsbruck

7. Über Zebrastreifen Überquert man vom Innrain aus die Innbrücke und kommt auf der anderen Seite an, muss man als Radfahrer, um nach Mariahilf (links) abzubiegen, durch die Unterführung (rechts) fahren.

Für Filipe Hauser ein eindeutiges Indiz, dass auch hier zuletzt an den Radverkehr gedacht und eine Radspur nur alibihalber hinzugedichtet wurde. „Viele Radfahrende benützen hier den Zebrastreifen, um sich den Umweg zu ersparen“, meint Hauser. Geschickter wäre es, wenn man hier das Leitermodell anwenden würde, bei dem Radfahrer den Zebrastreifen mitnützen dürfen.

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Dem pflichtet Reinhard Moser bei. Sind die Ski aber irgendwie quer über den Rücken befestigt, stellen sie durchaus eine Gefahr dar, und dann müsse eingeschritten werden. „Wenn sie aber der Länge nach stabil angebracht sind und bei einer Drehung keine Gefahr darstellen, ist alles in Ordnung“, so Moser.

Laut Verkehrsreferent Moser zeige aber auch dieses Beispiel, dass viele Übertretungen mit Bequemlichkeit zu tun haben. „Diesen kleinen Umweg tun sich viele Radfahrer nicht an und sorgen damit für Kopfschütteln und Streitereien.“ Bei einigen sei aber auch Unwissenheit nicht auszuschließen. Das Gesetz, nach dem man Zebrastreifen als Radfahrer nicht befahren dürfe, ist erst im April 2019 in Kraft getreten.

Das Fazit Eine Diskriminierung oder Vernachlässigung von Radfahrern bei der Verkehrsplanung kann Moser nicht erkennen. Lösungen sind da und die meisten halten sich an die Regeln, viele aber eben auch nicht – weshalb die Polizei ein- bis zweimal im Jahr einen Fahrradschwerpunkt bei der Kontrolle macht und hier versucht, vermehrt Präsenz zu zeigen. Die Kritik, dass Radfahrer trotz anderer Voraussetzungen gleichbehandelt werden wie Autofahrer, kann er so auch nicht stehen lassen: „Bei Radfahrern übt man sich oft in Nachsicht als Polizist, bei Strafen sind allein schon per Gesetz bei vielen Übertretungen niedere Strafsätze vorgesehen.“ Wer sich aber als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer sehen möchte, müsse auch in Kauf nehmen, als solcher behandelt zu werden. Außerdem unterschätzten viele Radfahrer die Gefahr, die sie für sich und andere darstellten. Filipe Hauser sieht Radfahrende auf jeden Fall in der Pflicht, sich an die Regeln zu halten. Nur so sei es möglich, auch mehr Rechte einzufordern. Die Aufgabe der Politik sei es aber, Fairness walten zu lassen und dem Radverkehr in der Verkehrsplanung jenen Stellenwert zu geben, den man ihm in Zukunft voraussagt. Davon habe er bisher noch zu wenig mitbekommen. Auch in den letzten drei Jahren unter einem grünen Bürgermeister Georg Willi.


Radfahrerquiz

Fest im Sattel? Das kleine Radfahrerquiz Was ist beim Radfahren erlaubt und was nicht? Nur eine Antwort ist richtig.

1.

Ist ein bewegliches Licht am Kopf des Fahrradfahrers regelkonform?

3.

1.a

Ja, das ist absolut okay.

1.b

Ja, aber nur, wenn es blinkt.

1.c

Nein, die Beleuchtung muss hinten rot und vorne weiß oder hellgelb am Fahrrad befestigt sein.

2.

Darf ich mein Fahrrad am Gehsteig abstellen?

Klar, Fahrräder stören nicht, man darf sie 3.a abstellen, wo man will, solange kein Verbot besteht. 3.b

Nein, nur an strikt dafür vorgesehenen Fahrradabstellplätzen.

Wenn der Gehsteig breiter als 2,5 Meter ist und kein Verbot besteht, ja. Wenn der Gehsteig 3.c schmaler als 2,5 Meter ist, darf man das Rad in der Parkspur der Autos abstellen – kostenlos.

Muss das Licht vorne blinken?

Ja, und zwar etwa dreimal pro Sekunde, damit 2.a ein Autofahrer weiß, dass ihm ein Radfahrer entgegenfährt.

4.

Darf man bei starkem Regen mit einem Regenschirm Radfahren?

2.b Nein, blinkende Lichter sind nicht zulässig. 4.a

Ob das Licht blinkt oder nicht, ist 2.c Geschmackssache.

Bei angepasster Geschwindigkeit empfiehlt es sich sogar, einen Regenschirm zu benützen.

Nein, ein Regenschirm schränkt die Bewegungsfreiheit ein und hindert einen dabei, 4.b z. B. Handzeichen zu geben – ist daher auf dem Fahrrad untersagt. 4.c Ja, auf eigene Gefahr.

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Weniger als 6 richtige Antworten? Lass das Fahrrad lieber zuhause. Innsbruck kann man wunderbar auch zu Fuß erkunden oder mit den Offis. Reg dich bitte auch nicht über andere Verkehrsteilnehmer auf.

Zwischen 6 und 8 richtigen Antworten?

5.

Du bist auf dem richtigen Weg. Schau mal auf die Website der Radlobby (radlobby.at) und erfahre alles Wissenswerte rund um Pflichten und Rechte von Radfahrern.

Ist es erlaubt, auf einer Straße ohne Fahrradweg vor einer Kreuzung Autos zu überholen?

Ja, vorausgesetzt, es ist ausreichend Platz 5.a vorhanden und nur, wenn die Autos stehen, nicht aber wenn sie rollen oder fahren.

Nur einen oder keinen Fehler gemacht?

re, Gratulie ! Streber

Nein, Fahrradfahrer sind die schwächeren 5.b Verkehrsteilnehmer und dürfen Autos nicht überholen. 5.c

6. 6.a

Dies ist nur bei ausdrücklicher Erlaubnis gestattet.

8. 8.a

Nein, soweit man die Lage gut überblicken kann, muss man nicht stehen bleiben.

Muss ich den Radweg mit dem Fahrrad immer benützen?

8.b

Unbedingt, das Fahrzeug muss kurz zum Stehen kommen.

Ja, soweit einer vorhanden ist, muss man ihn benützen.

8.c

Nicht nur stehen bleiben muss man, auch der Fuß muss kurz den Boden berühren.

Nur rundbeschilderte Radwege müssen von Radfahrern benutzt werden. Außer von 6.b Rennradlern bei einer Trainingsfahrt, oder der Radabstand beim Fahrrad ist 1,70 Meter oder größer, dann nicht. 6.c

9.

Ob man den Radweg nutzt oder nicht, bleibt einem selbst überlassen.

Gibt es eigentlich so was wie eine Helmpflicht?

7.a

Helmpflicht gilt immer dann, wenn man bei einer Strecke nicht durchgehend einen Fahrradweg zur Verfügung hat.

7.b

Für Kinder unter 12 Jahren gilt Helmpflicht, beim Fahren und beim Transport – Eltern haften für die Kinder.

Bei Radfahrer ist die Grenze etwas höher als beim Autolenker: 0,8 Promille.

9.c Mit 0,5 Promille darf man nicht mehr Radfahren.

10.

Dürfen Kinder mit kleinen Fahrrädern am Gehsteig fahren?

Fahrräder, deren Felgendurchmesser kleiner als 30 cm ist, gelten als fahrzeugähnliches 10.a Kinderspielzeug. Kinder dürfen damit u. a. auch auf Gehsteigen fahren.

Eine Helmpflicht besteht nicht.

10.b

In Begleitung eines Erwachsenen dürfen Kinder auch Gehsteige befahren.

10.c

Nein. Gehsteige sind für alle Fahrradfahrer absolut tabu.

[Lösungen: 1.c, 2.b, 3.c, 4.b, 5.a, 6.b, 7.b, 8.b, 9.b, 10.a]

7.c

Wie sieht es mit Radfahren unter Alkoholeinfluss aus?

Fürs Radfahren ist keine besondere 9.a Promillegrenze vorgesehen. Solange man sich fahrtüchtig fühlt, darf man auch fahren. 9.b

7.

Muss ich als Radfahrer beim STOP-Schild halten?

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Die zweite Haut aus Holz Schon die erste Lage Stoff am Körper kann den Tag verschönern – oder versauen. Das Innsbrucker Label BON+BERG produziert daher nachhaltige Damenunterwäsche aus Micro-Modal. Text: Theresa Kirchmair — Fotos: Axel Springer

W

er in der Unterwäscheabteilung eines Modediskonters schon einmal nach einem passenden BH gesucht hat, dürfte das Gefühl der Ernüchterung kennen: Kneifende Stützdrähte und plumpe Polsterung machen wenig Hoffnung auf Tragekomfort. „Der BH hat sich seit seiner Erfindung kaum verändert“, erzählt Siobhán Dunphy, Gründerin von BON+BERG, die selbst lange Zeit eine Hassliebe zur Damenunterwäsche hegte. „Nichts passte wirklich“ – in ihrem Fall bezog sich diese Erfahrung sowohl auf die Wäsche als auch deren Produktion. Die konventionelle Modebranche mit dem Prinzip Fast Fashion gilt als notorische Klimasünderin, was Dunphy, die sich intensiv mit Umweltthemen beschäftigt, erst zum Schreiben und dann zum Handeln bewegte.

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SIOBHÁN DUNPHYS Hauptinteresse war stets die Wissenschaf t. BON+BERG ist ihre Weise, die Welt ein kleines Stück zu verändern.

DEN BERGEN NACH. Dass die angestrebte Veränderung die Form von Lingerie annehmen sollte, kommt im Hinblick auf den Werdegang der Gründerin etwas überraschend. Die in Kanada geborene Irin studierte nämlich Medizintechnik und arbeitete im Bereich der Stammzellforschung. Allein im Labor zu stehen, erfüllte sie jedoch nicht. Sie begann, als Freelancerin über die Wissenschaft zu schreiben, und bereiste die Welt. „Ich merkte irgendwann, dass mein Platz in den Bergen ist“, so die passionierte Snowboarderin. Innsbruck mit seiner berühmten Kombination aus Stadt und Bergen lockte sie vor drei Jahren nach Tirol: „Es dreht sich nicht alles nur um Sport und Tourismus, die Stadt hat Kultur.“ Der Inspiration durch die Berge (und Dunphys Spitznamen) verdankt das Unternehmen seinen Namen. HOLZWÄSCHE. Die Achtung der Natur, die die Entwicklung von BON+BERG erst ins Rollen gebracht hat, schließt auch den menschlichen Körper mit ein. Damenunterwäsche hat häufig das Ziel, eine neue, idealisierte Form zu schaffen. „Wir möchten die natürliche Form des Körpers feiern, zeigen, wie weibliche Körper tatsächlich aussehen“, so Dunphy. Also keine Bügel und Polster, nur die richtige Fertigungs-

technik und Micro-Modal. Der Stoff, fürs Erste ganz in Schwarz gehalten, wird aus Buchenzellulose hergestellt und ist von der österreichischen Firma Lenzing zertifiziert. Dunphy war ein solches Zertifikat wichtig, denn so würden kontrolliert europäische Bäume verarbeitet, während chinesische Konkurrenzprodukte zur Entwaldung beitrügen. Die Auswahl ist derzeit noch recht begrenzt, es gibt nur zwei BH- und drei Höschenmodelle, die ausschließlich über den Webshop (www.bonandberg.com) gekauft werden können. Neben dem Weg in einzelne Boutiquen sind künftig aber auch neue Farben, Materialien und Kombinationen aus Natürlichkeit und Reiz geplant. Die Materialfrage ist keine einfache, so die Siobhán Dunphy, Gründerin. Biobaumwolle Gründerin von BON+BERG mache nur einen geringen Prozentsatz an der Weltproduktion aus und habe leider einen hohen Wasserverbrauch. Recyclingmaterialien hätten eher ein Imageproblem, nicht jede Frau möchte sie als etwas so Intimes wie Unterwäsche tragen.

„Es gibt Wege, Geld zu verdienen, ohne über andere und den Planeten hinwegzugehen.“

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Von der Buche zum BH Wenn man im Wald vor dem glatten, silbrigen Stamm einer Buche steht, ist der erste Gedanke vermutlich nicht der, dass man sich den Baum gern anziehen würde. Genau das passiert aber mit Kleidung aus Modal. Zur Herstellung des Stoffes wird Buchenholz fein gehäckselt, aufbereitet und die Zellulose mittels chemischer Verfahren herausgelöst und mit einer speziellen Technik gesponnen. Daher zählt Modal als Hybrid aus Synthetik- und Naturfaser.

werden regelmäßig von SMETA überprüft. Der Stoffproduzent wiederum erfüllt die ISO-Standards für Umweltmanagement, Arbeitsbedingungen und Qualitätssicherung. Das Micro-Modal selbst unterliegt dem Ökotex-Standard, bei der Verpackung achtet man auf kompostierbare Varianten.

Der Stoff ist elastisch, formbeständig, sehr weich und gut geeignet für Allergiker. Er hat aber auch seine Schwächen: Die bei der Herstellung eingesetzten Chemikalien sind teils ätzend, teils giftig und müssen aufwendig ausgespült werden. Allerdings gibt es Firmen, die die Chemikalien in einem fast geschlossenen Kreislauf wiederverwenden – unter anderem Lenzing.

DIE BÄUME, die die G rundlage für das ver wendete Modal liefern, stammen aus europäischen For sten.

GEMEINSAME VERANTWORTUNG. Bei Ökolabels dreht sich viel um Verifizierung und Zertifikate. BON+BERG wird gerade Teil der Initiative „1 % for the Planet“, künftig will Dunphy um Zertifizierung bei Peta, Fairtrade und BCorp ansuchen. Auf Investoren hat die Gründerin bislang verzichtet, es müsse das Ethos

ODYSSEE. Bis zur aktuellen Kollektion, die im Feber startete, war es ein langer Weg. Dunphy hatte keine Vorerfahrung und musste sich ein Stück weit auf das Know-how ihrer Kooperationspartner verlassen, sobald sie diese gefunden hatte. Zulieferer zu identifizieren, die ihre eigenen Lieferketten und Produktionsbedingungen transparent machen, erwies sich als Herausforderung. Hinzu kam, dass viele Firmen das Interesse verloren, sobald klar war, dass es sich bei BON+BERG um ein kleines, sehr junges Start-up handelt. Erst über die Plattform „Sourcing Playground“ stieß Dunphy auf eine Fabrik in der türkischen Küstenstadt Izmir, die sich als geeignet erwies. Eine Besichtigung der Anlage steht coronabedingt noch aus, doch die Arbeitsbedingungen

übereinstimmen: „Es gibt Wege, Geld zu verdienen, ohne über andere und den Planeten hinwegzugehen.“ Andere Unternehmen mit umweltbewussten Bestrebungen sieht sie weniger als Konkurrenz und mehr als gewünschte Norm, Umweltschutz sei etwas, das alle anstreben sollten. Das umstrittene Greenwashing, mit dem sich Unternehmen mit gezielten Kampagnen unter ein grünes Licht zu stellen versuchen, sieht Dunphy nicht zwingend negativ. Immerhin würden auch solche Aktionen das nötige Bewusstsein schaffen, um eine Veränderung in der Branche zu bewirken. 

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Wohnst du noch oder bebst du schon? Die Coronapandemie zwingt uns dazu, außerhalb der eigenen vier Wände soziale Distanz zu wahren. Unsere Mitbewohner kennen wir dafür jetzt besser, als es uns lieb ist. Das Problem: Aus der Nähe betrachtet kann das Gegenüber ganz schön nerven. Text: Christiane Fasching — Fotos: Franz Oss

D

aneben. Er liegt tatsächlich DANEBEN. Der Tag fängt also mit einem Schrei in Richtung Badezimmerschrank an, der die Schuldige sogleich zum Tatort lockt. „Aber, aber, aber ...“, startet der plumpe Versuch einer Ausrede, der nichts an der Wahrheit ändert. Der Schraubverschluss der überteuerten Wake-up-Lotion war nicht dort, wo er hingehört. Also: Nicht AUF der Flasche, sondern DANEBEN. Bin ich kleinlich, weil mich das zur Weißglut treibt? Oder ist meine Schwester, mit der ich eine Lockdown-WG gegründet habe, schlichtweg irre? Sie hält sich nämlich gerne Dinge offen: Deckel werden aus

Prinzip nicht zugeschraubt, sondern einfach auf Crèmedosen, Gurken- und Marmeladegläser gelegt. Oder wie in diesem Fall: DANEBEN postiert. Aufgefallen ist mir das bis dato nicht – aber seit man coronabedingt die meiste Zeit des Tages in den eigenen vier Wänden verbringt, apern derlei Eigenheiten eben aus. Und davon gibt es viele, wie die 6020-Recherche ergab. Der Versuch einer Schuldspurensuche im Privaten. TATORT TOILETTE. Völlig von der Rolle: Keine Coronageschichte ohne Klopapier. Auch am stillen Örtchen kann es manchmal richtig laut

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UNTER DEN TISCH KEHREN: Snackkrümel, Bierkorken und gebrauchte Socken haben echt nichts unterm Couchtisch verloren, oder?

werden. Nämlich dann, wenn die Klorolle „nicht richtig“ hängt. Aber was ist jetzt richtig? Muss das Papier nach vorne zeigen oder sich an die Wand schmiegen? Die scheinbar banale Frage bewegt seit Jahrzehnten die Gemüter: Wikipedia hat der „Abrollrichtung von Toilettenpapier“, die in den USA unter dem Titel „The Great Toilet Paper Debate“ läuft, sogar einen eigenen Eintrag gewidmet. Dort erfährt man, dass seit den 1990er-Jahren dazu regelmäßig Umfragen durchgeführt wurden, bei denen die Befragten stets mehrheitlich zum Schluss kamen, dass das Papier nach vorne gehört. Damit handelt man auch im Sinne des Erfinders: 1891 meldete Seth Wheeler, der Gründer der „Albany Perforated Wrapping Paper Company“, nämlich ein Patent für sein erstmals auf Rollen verkauftes Toilettenpapier an. Die beigefügten Abbildungen zeigen, dass Mister Wheeler ein vorwärts gerichteter Erfinder war. Wer an die Streitfrage psychologisch herangehen will, kann sich auf USBeziehungstherapeutin Gilda Carle berufen: Ihre Analysen ergaben, dass die Vorwärtshänger dominante Persönlichkeiten sind, während die Rollerückwärts-Typen eher als devot einzustufen sind. Wer Frieden will,

kann sich aber auch eine in den USA entwickelte Halterung kaufen, die eine Wendung der Rolle um 180 Grad möglich macht: Streit gelöst! Sammeln oder entsorgen? Aber was tun, wenn die Rolle fertig ist? Da gibt’s die Sammler, die warten, bis sich ein Berg an leeren Rollen angehäuft hat, ehe sie zum Kartoncontainer gehen. Ihr Argument: Davor zahlt sich die Müh’ doch gar nicht aus. Das wiederum macht die Entsorger rasend, die keine Kartonleichen auf der Toilette wollen. Ihr Problem: Die Sammler haben den längeren Atem. TATORT KÜCHE. Fetzndeppat: Man hat gerade die Arbeitsfläche in der Küche abgewischt und will das nasse Wettex zum Trocknen über den Wasserhahn hängen, wird aber sofort als „abartig“ bezeichnet. Wie bitte? „Da kommt man beim Händewaschen dran und das ist dann voll grauslig“, argumentieren die Wettex-an-den-BeckenrandHänger. Worin sich beide Fraktionen einig sind: Den Fetzn samt eingeweichtem Geschirr in der Spüle liegen zu lassen, ist tatsächlich geisteskrank. Alle Tassen im Schrank: Freundin J. ist sich sicher: Ihr Mann C. kann es einfach nicht.

WET NIGHTMARES: Über den Hahn oder daneben? Die richtige Wet texposition ist eine große Streit frage.


TOPFKLOPFEN RE LOADED: Das Innenleben des G eschirrspüler s kann zu äußer st hit zigen Diskussionen führen.

Räumt er den Geschirrspüler ein, hält sie das fotografisch fest und schickt das Beweisbild ihrer Schwägerin weiter. Die wiederum kontert mit den Geschirrstapelversuchen ihrer besseren Hälfte, die in ihren Augen auch keine Ahnung vom akkuraten Einräumen hat. Die Männer sehen das aber ganz anders – und schicken sich ihrerseits Fotos der von Frauenhand eingeräumten Geschirrspüler. Mit dem Fazit: „Die haben nicht alle Tassen im Schrank“. In anderen Haushalten wird wiederum hinterrücks alles neu sortiert, weil „die Gabelzacken nicht nach unten, sondern nach oben gehören“ oder „Töpfe von der Hand gespült müssen“ und „das alles nicht so voll sein darf, weil sonst wird’s nicht sauber.“ Wie geschmiert: In Werbespots wird die streichzarte Butter stets elegant von oben abgeschabt und in feschen Flockerln aufs Brot drapiert. In der Realität sind die Abschneider aber häufiger als die Abschaber: Das kann auch daran liegen, dass der Butterblock meist eiskalt und steinhart aus dem Kühlschrank kommt und man sich dadurch mit dem Schneiden leichter tut. Blöd wird’s nur dann, wenn sich Schaber und Schneider eine Butter teilen müssen und sich bei jedem Gang zum Kühlschrank so über ihr Gegenüber ärgern, dass es zu einem wahren Blockwart-

gemetzel kommt. Nicht erfunden: Ein Schaber-Schneider-Streitpaar schaffte sich eine Gästebutter an. Muss ja nicht gleich jeder sehen, dass man sich schon beim Frühstück am liebsten eine schmieren würde. Die Packung halbvoll sehen: Man will sich abends schnell was kochen und kontrolliert mittags noch mal die Vorräte: Alles bestens, eine Packung Fischstäbchen ist noch im Tiefkühler. Blöderweise ist es aber eine LEERE Packung. Ausrede des Gegenübers: „Ich wollte dir damit vermitteln, dass wir neue Fischstäbchen brauchen.“ Aha. Fast genauso schlimm sind Chipssackerln, in denen nur noch Krümel zu finden sind, Milchtüten mit einem Provokationslackerl und Kekspackungen mit einem einzigen Anstandscookie. Das Gegenüber argumentiert so: „Ich hab mir das vom Mund für dich abgespart.“ Wer es da schafft, das Glas halbvoll zu sehen, ruht tatsächlich in seiner Mitte. TATORT BAD. Auf die Tube drücken: Mittig quetschen? Oder den Inhalt von hinten nach vorne rausdrücken? Das ist hier die Streitfrage,

BLOCKWARTGEMETZE L: Schaben oder schneiden? Manchmal würde man sich schon beim Frühstück am liebsten eine schmieren.

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Krümelmonster: Chipssackerln mit mickrigen Anstandsresterln bringen das G egenüber zur Weißglut.

× Bartstoppelreste im Waschbecken × Eingetrocknete Zahnpastaspuren rund ums Becken und auf dem Spiegel

die zumindest zwei Mal am Tag aufkommt, wenn die Zahnpastatube zur Hand genommen wird. In diesem Fall ist die Konfliktlösung eigentlich simpel: Einfach mehrere Tuben kaufen, damit drückt man sich vor der Frage, wer denn jetzt tatsächlich richtig liegt. (Auch anwendbar für Senf-, Majo- und Tomatenmarktuben am Tatort Küche.) Shampoofriedhof: Im Badezimmer sieht es aus wie in einem Drogeriemarkt: Unzählige Shampoo- und Duschgelbehälter säumen den Rand der Dusche oder Badewanne. Wellnessoase? Von wegen. Ein Großteil der Flascherln ist nämlich entweder leer bzw. wurde das mickrige Resterl mit Wasser aufgefüllt. Warum? „Wär doch schade, wenn man aus der Flasche nicht das Letzte rausholen würde“, argumentiert das verdünnende Gegenüber, das die Entsorgung und den Nachkauf der Pflegeprodukte gern anderen überlässt. TATORT WASCHMASCHINE. Räumungsaktion: Es gibt Menschen, die sitzen neben der Waschmaschine und warten ungeduldig darauf, bis das

Türchen nach dem Waschgang aufspringt. Der frische Inhalt muss nämlich SOFORT ausgeräumt und aufgehängt werden. „Weil sonst fängt das Zeug zu müffeln an“, sind sie überzeugt. „Frisch ist frisch. Ist doch wurscht, wann die Sachen rauskommen“, sagen die anderen, die den Maschineninhalt auch gern mal über Nacht in der Trommel lassen. Ihr Totschlagargument: „Zur Not schalten wir die Maschine halt noch mal ein. Oder du räumst sie aus, du Stresser.“ Verkehrte Welt: R. wäscht seine Leiberln mit der Naht nach außen. Sind sie trocken, dreht er sie aber um, damit sie richtig rum im Schrank liegen. F. findet das sinnlos und weigert sich, die Wäsche vor dem Zusammenlegen zu wenden. Warum? „Das kann ich ja immer noch tun, wenn ich mir das Teil dann anziehe.“ R. findet F. unmöglich, F. hält R. für spießig. Einzige Lösung: Jeder wäscht für sich allein. 

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× Herumliegende Stinkesocken und Unterhosen (bereits getragen) × Schuhe als Stolperfallen × Bierkorken unterm Wohnzimmertisch × KriwuskrawusBesteckschublade × Küchenchaos von Hin-und-wieder-Köchen × Laute Klingeltöne × Lichtanlasser × Schokospuren hinterlassende Im-Bett-Esser × Türenknaller × Offene Klodeckel × Mülltrennungsverweigerer


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Raus aus d e m digitalen Paralleluniversu m

H A N N A H

G E R Ö 34


Stell dir vor, du verlässt morgens das Haus, ohne die nächsten zehn Stunden erreichbar zu sein. Stell dir vor, du steigst in den Bus zur Arbeit oder zur Uni, ohne Musik hören zu können. Stell dir vor, du machst Mittagspause, ohne am Handy spielen zu können. Stell dir vor: Du besitzt kein Handy. Tex t: Fo t os:

Melina Mitternöckler Axel Springer

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iiiiing!“, tönt es durch den Raum. Das helle Display des Smartphones zieht deinen Blick wie magnetisch an. Ein kleines, pinkes Lämpchen blinkt süß vor sich hin. Du hast eine Nachricht erhalten. „Soll ich kurz schauen … nein, ich wollte doch gerade … aber nur kurz!“, denkst du. Du nimmst das Handy in die Hand. Es geht los. Du betrittst das virtuelle Paralleluniversum. Du lebst im Jahr 2021. Im digitalen Zeitalter. Alles ist miteinander vernetzt. Von überallher trudeln ständig Kurznachrichten herein. Ein Moment ist dann gut, wenn du ihn sozial-medial verwerten kannst. Das Internet bietet dir zu jeder Tages- und Nachtzeit unendlich viele Möglichkeiten. EIN LEBEN OHNE HANDY. Jetzt stell dir vor: Von einem auf den anderen Augenblick fällt all das weg. Stille. Du atmest durch und bist nur mit dir. Nur da, wo du gerade bist. „Als ich plötzlich kein Handy mehr hatte, ist mir aufgefallen, wie realitätsfern ich geworden war.“ Hannah Gerö ist 19 und kommt aus Innsbruck. Vor drei Jahren hat ihr Smartphone den Geist aufgegeben. Daraufhin hatte sie fast fünf Monate kein Handy. Weil ihn die ständige Erreichbarkeit genervt habe, hat auch Jesse Grande, 31-jähriger Musiker aus Telfs, sich vor zwei Jahren für zwölf Monate dem Handy entsagt. „Plötzlich ist diese Zerstreuung weggefallen und die Langeweile war

wieder da. Und mit ihr die Inspiration für Neues“, erzählt er. ABHÄNGIG. Smartphonesucht ist zwar (noch) keine anerkannte Krankheit wie etwa Internetsucht. „Das Handy hat aber absolut Suchtpotenzial“, sagt Monika Schmiderer, eine der führenden Digital-Detox-Expertinnen im deutschsprachigen Raum. Das Problem sei allerdings nicht das Gerät selbst, sondern die Applikationen. „Die Absicht der Hersteller ist, dass wir so viel Zeit wie möglich in ihren Programmen verbringen.“ Da wird mit Farben, Lichtern und Klingeltönen genauso wie mit endlosen

Heute trudeln wieder täglich zig Nachrichten auf Hannahs Handy ein.

„Meine Merkfähigkeit ist ganz sicher besser geworden ohne Handy.“ Jesse Grande, Musiker und ehemaliger Handyabstinenzler Feeds hantiert. Dieser erzeuge die „Fear Of Missing Out“ – die Angst, etwas zu verpassen. Außerdem werde ein künstlicher Mangel erzeugt: „Zum Beispiel durch Flammen, die ich verliere, wenn ich zu lange nicht mehr aktiv war, oder durch Rabatte, die nur über einen gewissen

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„Ohne Handy ist mir aufgefallen, wie realitätsfern ich geworden war.“ Hannah Gerö, Schülerin und ehemalige Handyabstinenzlerin

J E S S E

G R A N D E

Zeitraum gehen“, erklärt Schmiderer. Die Angst, in sozialen Netzwerken nicht bestehen zu können oder dort negativen Reaktionen ausgesetzt zu sein, heißt Social Media Anxiety. Durch Reizüberflutung und Belohnungen nach dem Zuckerbrot-Peitsche-Prinzip werden Stress- und Glückshormone ausgeschüttet. An diesen Hormoncocktail gewöhne sich unser Körper. „Wir entwickeln also nicht nur eine neurologische und psychologische, sondern auch eine körperliche Sucht nach den virtuellen Welten.“

GRAVIERENDE UNTERSCHIEDE. Es gibt zahlreiche Studien über die Auswirkungen von Handykonsum auf den Menschen und seine Gefühlswelt – beispielsweise können die Geräte gestresst und depressiv machen. Wissenschaftlich bewiesen ist außerdem, dass Smartphones die Denk-, Merk- und Konzentrationsfähigkeit mindern können. Als Hannah und Jesse kein Handy mehr hatten, haben auch sie Unterschiede bemerkt. „Meine Merkfähigkeit ist ganz sicher besser geworden ohne Handy“, erinnert sich Jesse. Denn: Wenn er wisse, dass er sowieso immer ein Gerät dabei habe, mit dem er Informationen finden könne, merke er sich diese erst gar nicht. Jesse hat sich damals ein Notizbuch zugelegt, in das er alles Wichtige notierte. Den Fokus zu bewahren, fällt ebenfalls ohne Handy leichter. Jesse erklärt sich das damit, dass „Handys so leicht ablenken, weil sie cool sind, alles können und du Spaß damit haben kannst“. Wenn er etwa in der Arbeit mal nicht weitergekommen sei, habe er schnell zum Handy gegriffen. Hannah schafft das auch mit Handy gut: „Wenn ich mich konzentrieren will, leg ich das Smartphone einfach in einen anderen Raum.“ Sehr wohl findet sie aber, dass das Smartphone gedanklich immer im Hintergrund präsent ist. Hat man keines, kann das gar nicht vorkommen. Deshalb glaubt sie, dass man „auf jeden Fall ohne Handy besser im Moment leben kann“. ZWEITJOB: ANTWORTMASCHINE. 18- bis 24-Jährige hängen Schmiderer und einer Studie der Ohio State University zufolge privat durchschnittlich vier bis sechs Stunden täglich am Handy. „Wenn man den ganzen weiteren privaten Medienkonsum hinzunimmt, kommen wir auf eine fast 40-Stunden-Woche. Ich nenne das unseren unbezahlten Zweitjob

Stat t eines Smar tphones benut zt Jesse heute ein Tastenhandy – und hat sich in seiner Zeit ohne Handy einen Kalender zugelegt.

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habe anfangs eine Freiheit in seinem Kopf geschaffen. Schmiderer gibt ihm recht: „Das Wissen um ständige Erreichbarkeit löst Druck aus.“

Hannah und Jesse hat ten monatelang keine Handys – und vermissten sie auch nicht wirklich.

© MIKE RABENSTEINER

als Medienkonsumentinnen“, führt die Expertin aus. Hannah wurde erst ohne Handy so richtig bewusst, wie viel Zeit sie vor dem Display verbracht hatte. „Man verliert total das Zeitgefühl mit Smartphone“, sagt sie. Man hantelt sich von Pop-upNachricht über Notification zu Snap. „Und dann denkst du dir, ich schau mir das noch schnell an, und dann schaust du dir gleich noch das Nächste an.“ Man habe immer diesen Zwang zu antworten – und viele Leute würden ständige Erreichbarkeit auch von anderen erwarten. Das kritisiert auch Jesse. „Es gibt Zeiten, da bist du mit dir, und Zeiten, da bist du mit anderen Menschen. Wenn du aber immer erreichbar bist, vermischt sich das“, meint er heute und erzählt, nicht mehr dauernd verfügbar zu sein,

NICHT NUR VORTEILE. Brauchen wir also kein Handy? Ist es für uns sogar besser, kein Handy zu besitzen? „Wir reden uns alle gegenseitig ein, dass wir ein Smartphone brauchen. Aber eigentlich brauchen wir generell nicht sehr viel. Wir wollen nur viel“, glaubt Hannah. Heute hat sie jedoch wieder ein Mobiltelefon, sie benütze es aber weitaus weniger als früher. Jesse hat nun ein Tastenhandy – sein Umfeld ist froh drum, ihn wieder erreichen zu können, wenn er unterwegs ist. Dennoch haben Hannah und Jesse die handyfreien Monate genossen. Und auch wenn das Unterfangen für die beiden dank Real-Life-Kommunikation in der Schule, vielen Freunden in der Nachbarschaft oder durch E-Mail-Programme am PC daheim relativ gut geklappt hat – dass ein Leben ohne Handy nicht nur positive Seiten hat, mussten auch sie erfahren. Jesse hat zum Beispiel fast einen Blasmusik-Ausflug nach Wien verschlafen. „Der Kapellmeister hat mich 20-mal angerufen – aber immer kam die Mobilbox, auf der ich sagte: ‚Bin im Gardaland, melde mich später‘“, erzählt er und lacht. Hannah erinnert sich: „Ich habe mich schon ein bisschen eingeschränkt gefühlt. In einer Notsituation hätte ich niemanden anrufen können.“

„Der springende Punkt ist das Bewusstsein für die eigene digitale Balance.“ Monika Schmiderer, Digital-Detox-Expertin

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Handy-DetoxTipps Expertin Monika Schmiderer gibt in ihrem Buch und in ihren Workshops DigitalDetox-Tipps: 1)

 martphone-Box: Leg das Handy S lautlos in eine Box, wenn es nicht stören soll.

2)

 Feste Zeiten: Setz dir Zeiten fest, in denen du bewusst offline bist.

3)

 Feste Orte: Verbanne dein Handy von manchen Orten, zum Beispiel aus dem Schlafzimmer.

4)

 Reflexion: Frag dich beim Surfen immer wieder, ob dir das, was du dir gerade anschaust, Freude macht. Wenn nicht: Aufhören.

5)

 nfollow: Schau dir nichts U mehr an, was dir das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein, und konzentriere dich auf dich selbst.

6)

U  ninteressant: Mach das Gerät so uninteressant wie möglich. Reduziere die Apps auf deinem Smartphone, deaktiviere Push-Nachrichten und stell es schwarz-weiß.

7)

 Einen Kanal höher: Treffen statt telefonieren. Telefo­ nieren statt schreiben.

8)

 Weg mit virtuellen Pflichten: Du musst nicht immer erreichbar sein und jedes Bild deiner Bekannten liken.

9)

A  naloge-Abenteuer-Liste: Mach dir eine Liste, was du in der analogen Welt machen kannst. Dann kann dich die Angst vor Langeweile nicht mehr im Netz gefangen halten.

10)  Du an erster Stelle: Nimm dir bewusst Zeit zum Lieben statt zum Liken und zum Genießen statt zum Googeln. Du bist kein Konsument, sondern ein Creator.


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DER K ÄMPFER MIT DER WEISSEN K ATZE . Ados Kater Pascha wird in seinem nächsten Film auch eine Rolle bekommen.

Zur Person Ado Dulas wurde 1983 in Glamoč in Bosnien-Herzegowina geboren. Mit sechs kam er nach Tirol und entdeckte Krav Maga und Kampfsport für sich. Er arbeitete in der Sicherheitsbranche und gründete mit 24 eine Schule für Selbstverteidigung und Sicherheit namens RSDC Tirol, die er bis heute führt. In der Szene ist er alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Er ist der erste Europäer, der in die World Martial Arts Masters Association aufgenommen wurde, und seit 2017 hat er mit mehreren Rekorden für Aufsehen gesorgt: Unter anderem hält er den Weltrekord für die meisten in 3,9 Sekunden mit dem Ellbogen zerschlagenen Ge­tränkedosen mit rohem Ei in der Hand. Seinen Schülern möchte er beibringen, dass man sich immer so verhalten soll, wie man möchte, dass sich andere einem gegenüber verhalten, und dass man nie selbst einen Kampf beginnt.

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Schurke, wenn’s sein muss Als Kind schaute sich Ado Dulas jeden Martial-Arts-Film an, den er in die Finger bekam. Wegen ihnen wurde er selbst Krav-Maga-Meister. Nun geht für den Innsbrucker ein Traum in Erfüllung. Text: Haris Kovacevic — Foto: Franz Oss

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s waren die Filme“, sagt Ado Dulas. Sie hätten ihn dazu gebracht, Kampfsport zu lieben und schon mit sechs anzufangen, Taekwondo zu trainieren. Als kleiner Bub bereitete er sich im thailändischen Urwald zusammen mit Jean Claude Van Damme auf den finalen Kampf gegen den Bösewicht Tong Po vor. Mit dem amerikanischen Shaolin-Anwärter Drew Carson erinnerte er sich in der dunklen Kammer eines Shaolin-Tempels an den Satz:

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„Ein Shaolin-Mönch kennt kein ‚Ich schaffe das nicht‘, nur eisernen Willen!“ Und zusammen mit Bruce Lee brachte er die Schufte und Menschenhändler zum Fall. Natürlich war er nur mit bewundernden Augen eines kleinen Buben dabei. Doch was Ado bei Filmen wie „Karate Tiger 3“, „American Shaolin“ oder „Der Mann mit


Echte Freunde

der Todeskralle“ lernte, sollte ihn ein Leben lang begleiten: „Die Botschaft dieser Filme ist immer, dass man rohe Gewalt vermeiden soll, wann auch immer es geht“, sagt Ado, „aber auch, dass man sich im Notfall zu helfen weiß – denn der Schurke muss am Ende verlieren.“ KEINE POKALE. Verhalte dich immer so, wie du willst, dass man sich dir gegenüber verhält. Beginne nie als Erster einen Kampf. Selbstverteidigung beginnt im Kopf. Dies sind nur einige Grundsätze der Schule für Selbstverteidigung und Sicherheit, die Ado Dulas heute in Innsbruck führt. Mit 15 ließ Ado Kampfsport nämlich bleiben und fing an, Krav Maga bzw. Close Combat zu trainieren – ein Selbstverteidigungskonzept, das seine Wurzeln in verschiedenen Kampfsportarten hat. „Ich habe nie von Pokalen geträumt, sondern wollte mich nur schützen oder anderen helfen können. So wie die Helden aus den Filmen meiner Kindheit, wollte ich im realen Leben ein Held sein. Ich

„Die Botschaft dieser Filme ist immer, dass man rohe Gewalt vermeiden soll, wann auch immer es geht.“

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Ado muss eine junge Frau und ihren Freund aus den Fängen eines hinterhältigen Mafioso befreien. Dafür trommelt er ein Team aus erfahrenen Kämpfern zusammen. So wie geplant läuft die Aktion dann aber nicht – Ado muss alle Register ziehen. dachte mir aber immer, dass es nicht schlecht wäre, auch im Film ein Held zu sein“, sagt der Innsbrucker. DURCH DIE FILMOGRAFIE. Dazu sollte Ado Dulas schließlich 2014 Gelegenheit bekommen: Da trat nämlich ein junger Mann aus seinem Kurs an ihn heran und fragte, ob er nicht in einem Film mitspielen wolle. Ado entgegnete zwar, dass er kein Schauspieler sei und auf diesem Gebiet überhaupt keine Erfahrung habe, doch sein Schüler meinte, das sei kein Problem, denn in „Echte Freunde“ würde er mehr oder weniger sich selbst spielen.

© IMMIGRATION PICTURES 2013 (2), RSDC TIROL (2)

EIN CRASHKURS FÜR DAVID: Der Selbstver teidigungstrainer sollte in seinem er sten Film mehr oder weniger sich selbst spielen.


„Nach der Premiere im Metropol-Kino habe ich Blut geleckt“, erinnert sich Ado. Er absolvierte daraufhin eine Schauspielausbildung und wollte unbedingt weitermachen. Da traf es sich gut, dass er 2014 in die Lissaboner Martial-Arts-Hall-of-Fame aufgenommen und im darauffolgenden Jahr in Atlantic City von der World Martial Arts Masters Association als Meister des Jahres geehrt wurde. Bei den Veranstaltungen waren nicht nur Kampfkünstler aus aller Welt, sondern auch Schauspieler, Regisseure und Produzenten anwesend. Und so nahm Ados Karriere mit Filmen wie „Dragon Squad“ und „Angels Die Twice“ Fahrt auf.

SELBST EIN SCHURKE. Immer noch erinnert sich der in Bosnien-Herzegowina geborene und in Innsbruck aufgewachsene Krav-MagaMeister an die Filme aus seiner Kindheit, und heute ist er stolz, selbst Schauspieler zu sein und womöglich irgendwo jemandem als Vorbild zu dienen. Mittlerweile hat Ado Dulas verstanden, dass ihn die Schicksale der Helden aus seiner Kindheit nur deshalb so gepackt haben, weil Tong Po oder der Mann mit der Todeskralle so authentische Bösewichte waren. Und nun darf er sich selbst in dieser Rolle ausprobieren. Im zweiten Teil der Martial-Arts-Reihe „Elephant Stomp“ fordert er als „Kämpfer mit der weißen Katze“ und Großmeister aus Österreich am Ende den Helden des Films heraus. „Die Erfüllung eines Kindheitstraums“, sagt Ado zu der Produktion, die 2021 im Mekka der Kinematografie angegangen wird. „Meine Premiere als Antiheld und meine Premiere in einer Holly-

woodproduktion.“ Mehr dürfe er allerdings nicht verraten – auch nicht, ob er als Schurke am Ende den Kampf verlieren wird. Er habe da aber eine Vermutung. 

„Ich habe nie von Pokalen geträumt, sondern wollte mich nur schützen oder anderen helfen können.“

Dragon Squad Ado schließt sich als ehemaliger KGB-Agent einer Spezialeinheit der amerikanischen Regierung an und macht Verbrecher in New York dingfest.

Angels Die Twice Für ihn als Mossad-Agent Frank heißt es, russische Gangster in die Schranken zu weisen.

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Entgeltliche Einschaltung

IVB News

Zwei Seiten Mobilität

Tirol tritt in die Pedale Ganz Tirol radelt wieder für ein noch lebenswerteres Tirol!

Es geht in die Verlängerung Die Stadt Innsbruck hat die Fortführung des Stadtrads für weitere sechs Jahre beschlossen. Die Räder selbst werden komplett erneuert. Seit 2014 ist das Stadtrad nun schon in der Tiroler Landeshauptstadt im Einsatz. Mittlerweile stehen 360 Fahrräder an über 40 Standorten zur Verfügung, und immer mehr Menschen nutzen

„Tirol radelt“ ist eine Initiative von Klimabündnis Tirol und

den schnellen und flexiblen Service der IVB – auch in Zeiten von

Land Tirol, bei der es nicht um Schnelligkeit oder sportliche

Corona. Im vergangenen Jahr wurden, trotz mehrerer Wochen

Höchstleistungen, sondern um den Spaß am Radfahren geht.

Zwangspause, insgesamt 87.000 Fahrten gezählt, was das zweit-

Mitmachen können alle, die sich unter tirol.radelt.at anmelden

stärkste Betriebsjahr in der Geschichte des Stadtrads bedeutete.

und bis Ende September mindestens 100 Kilometer zurücklegen. Den TeilnehmerInnen winken dabei attraktive Preise und

Aufgrund der starken Nachfrage wurde kürzlich vonseiten der

jeden Monat coole Aktionen.

Stadt Innsbruck eine Verlängerung des Projekts für weitere sechs Jahre beschlossen, wobei die Fahrradflotte bis zum Herbst

Doch nicht nur begeisterte PedalritterInnen oder solche, die es

komplett erneuert wird. So werden die künftigen Räder unter

noch werden wollen, werden zum Mitmachen aufgerufen:

anderem über elektronische Rahmenschlösser verfügen, welche

Auch Gemeinden, Betriebe und Vereine sind dazu eingeladen,

die alten Nummernschlösser ablösen und die Nutzung wesentlich

als Veranstalter bei „Tirol radelt“ mitzuwirken und so ein Zeichen

erleichtern sollen. Martin Baltes, Geschäftsführer der IVB, zeigt

für den Klimaschutz und ein noch lebenswerteres Tirol zu setzen.

sich glücklich über die Weiterführung des Stadtrads: „Wir freuen uns über das klare Bekenntnis der Stadt zur Fortsetzung dieser

Alle Infos zur Aktion gibt es online unter tirol.radelt.at

gemeinsamen Erfolgsgeschichte.“

und mit der praktischen App „Tirol radelt“.


ivb.at

Zuhause im Fitnessstudio Der reguläre Betrieb im Happy Fitness ist coronabedingt weiterhin ausgesetzt. Doch kostenlose Online-Kurse helfen dabei, trotzdem fit zu bleiben.

Auskommen mit dem Einkommen Die Initiative inbus bietet Unterstützung und Beratung für jene, die trotz Arbeit einfach nicht genug Geld zum Leben haben. Der reguläre Fitnessbetrieb muss ruhen – nur für Covid-­

Viele Menschen haben das Problem, dass das Geld vorne und

Testungen und Solarienbesuche ist geöffnet –, dennoch herrscht

hinten einfach nicht reichen will, und das, obwohl sie arbeiten

reger Betrieb im Happy Fitness, denn das Studio hat sein

gehen. Das Heizen ist kaum leistbar, das Auto benötigt eine drin-

Ange­bot an die aktuellen Gegebenheiten und Bedürfnisse seiner

gend notwendige Reparatur, und auch Geburtstagsgeschenke

Mitglieder angepasst. Zahlreiche Online-Kurse werden ange-

für die Kinder wollen bezahlt werden – immer mehr Leute fragen

boten, die jeder (auch Nichtmitglieder) gratis und bequem von

sich, gerade in Zeiten wie diesen, wie sie den Alltag in finanzieller

zuhause aus absolvieren kann.

Hinsicht bewältigen sollen.

Die Personal- und Group-Fitness-TrainerInnen von Happy Fitness

Jene, denen trotz einer beruflichen Tätigkeit zu wenig Geld

sind dabei täglich im Einsatz und streamen ihre Kurse live aus

zum Leben bleibt, finden kostenlose und unkomplizierte Unter­

dem Studio. Über die Happy-Fitness-App oder via Homepage

stützung bei inbus. Die Initiative bietet unter anderem Infos zu

können Fitnessbegeisterte das Training von ihrem Wohnzimmer

Themen wie Weiterbildung, Kinderbetreuung, Wohnen und Ge-

aus verfolgen und sowohl direkt mitmachen als auch verpasste

sundheit sowie Förderungen an und hilft dabei, mögliche Auswe-

Einheiten jederzeit nachholen – sogar mehrfach.

ge aus der finanziellen Notlage zu finden. Die Beratungen selbst sind gratis, Kontakt kann jederzeit telefonisch, per Whatsapp

Das Happy Fitness sieht sich seit jeher als ein Ort der Begegnung,

oder via E-Mail aufgenommen werden.

an dem man zusammenkommen und sich wohlfühlen soll. Und das soll es, trotz Corona, auch bleiben. Kreative Angebote

Details und Kontaktdaten gibt es online unter inbus.tirol.

wie die Online-Kurse helfen dabei. IMPRESSUM Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH / Brunecker Straße 3 / 6020 Innsbruck, T +43 512 58 60 20 / marketing@ivb.at / www.ivb.at; Gestaltung: Zimmermann Streiter Werbeagentur Fotos: IVB/Berger, Klimabündnis Tirol/Lechner, Happy Fitness, Daniela Agu


Entgeltliche Einschaltung

Danke für Ihr Lächeln. Sie machen das großartig. ht c i l f p n e k s a M FFP2 in allen Öffis.


ENTGELTLICH E EINSCHALTUNG

LERN DICH SCHLAU MIT DEN KOSTENLOSEN ANGEBOTEN VON AK UND LAND TIROL! Ihr möchtet noch Lernstoff nachholen oder vertiefen? Bei der „Lernbegleitung Endspurt“ gibt's bis zur Notenkonferenz Kurse in Deutsch, Mathe und Englisch. In den Ferien startet wieder die „Sommerschule Plus“ mit Lernbegleitung und coolen Workshops. Gleich auswählen und anmelden!

C

LERNBEGLEITUNG ENDSPURT 6. APRIL BIS 25. JUNI Mit der kostenlosen Lernbegleitung Endspurt können Schülerinnen und Schüler ab der 5. Schulstufe an jeweils einem bestimmten Wochentag von 14 bis 17 Uhr den Stoff in Deutsch, Mathe und/oder Englisch üben. Weitere Fächer auf Anfrage möglich. 3 MODULE ZUR WAHL Modul 1: 6. April bis 30. April Modul 2: 3. Mai bis 28. Mai Modul 3: 31. Mai bis 25. Juni Die Kurse finden in Kleingruppen statt. Jeder Teilnehmer kann bis zu zwei Kurse besuchen. Gleich anmelden beim BFI Tirol unter Tel. 0512/59660 oder info@bfi-tirol.at. AK SOMMERSCHULE PLUS 12. JULI BIS 27. AUGUST Bei der Premiere im Vorjahr wurde die Sommerschule Plus zum Riesenerfolg.

© ONEINCHPUNCH/STOCK.ADOBE.COM

orona hat weiter massive Auswirkungen auf unser Leben, auch auf die Schule: Seit mehr als einem Jahr finden Schulbesuch und Lernen unter schwierigen Rahmenbedingungen statt. Das stellt Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrpersonen und Eltern vor große Herausforderungen. Gerade deshalb investiert die AK Tirol in Bildung und ermöglicht in Kooperation mit dem Land Tirol ab sofort tirolweit kostenlose Kurse für Kinder und Jugendliche!

Deshalb wurde auf Initiative der AK Tirol wieder ein besonderes Programm vorbereitet, das mit Land Tirol und BFI tirolweit umgesetzt wird: Mit einer Kombination aus Lernhilfe (ab der 5. Schulstufe) und spannenden Workshops (ab der 1. Schulstufe) geht die Sommerschule Plus in den heurigen Ferien von 12. Juli bis 27. August in die Fortsetzung. Kurse und Workshops finden am BFI Tirol in Innsbruck und in den BFI-Bezirksgeschäftsstellen statt. Die Angebote können mit und ohne Mittagessen gebucht werden, bei Bedarf ganztägig!

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Gleich online auswählen und anmelden auf https://sommerschule.ak-tirol.com. 1,6 MILLIONEN EURO FÜR BILDUNG Alle Angebote sind Teil der großen Bildungsoffensive von AK und Land Tirol, die auf Initiative der AK Tirol umgesetzt wird. Mehr auf www.ak-tirol.com.


ESSEN & TRINKEN e 9, straß n a i l i M a x i m I n n s b ru c k , 6020 0-19 Uhr, 1 Mo–Sa ando und r e f Lie Mjam

TAKE-AWAY MIT SITZPLATZGARANTIE

ALLER ANFANG IST SCHWER

1.

DAS BRAHMS Pulled-Pork-Burger mit Süßkartoffelpommes holen und nebenan am Landestheatervorplatz oder im Hofgarten genießen.

Da s neue TOASTAR S in d e r Maxim ilian st raße: e in g ut g e me int e s Kon zept m it Luft na c h oben.

D

ie Idee ist so genial wie einfach. Man nehme ein beliebtes Fastfood, das nicht Burger oder Pizza heißt, und gieße es in ein zeitgemäßes Umfeld. Ja, im ersten Moment fragt man sich wirklich, warum noch niemand zuvor auf die Idee gekommen ist, den Toast zum Star zu machen? Auf den zweiten Blick wird aber klar, Systemgastronomie ist gar nicht so leicht, wie man meinen könnte. So sind die Füllungen der Toasts wirklich gut durchdacht und variantenreich. Egal ob vegan, vegetarisch oder doch mit Fisch oder Fleisch – hier hat man sich wirklich Gedanken gemacht. Weniger ausgereift ist allerdings das Brotkonzept, das bei Toasts bekanntermaßen eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielt. Generell ist hier die Qualität zu durchschnittlich, oft

kommt das Endprodukt wahlweise zu verkohlt und trocken oder zu labbrig auf den Teller. Besonders schlimm die Vollkornvariante, auch nicht viel besser die Normalvariante, die zumeist eher lauwarm und lätschert als heiß und kross serviert wird. Die langen Wartezeiten, wenn mehr los ist, machen das Ganze nicht besser, und die Preise (Veganer Toast 6,90 €, Beef-Toast 8,80 €, Donut 3,80 €) würden Topqualität erfordern, damit sie rechtfertigbar sind.

Kurzum: Super Konzept rund um ein einfach scheinendes, aber in Wirklichkeit schwieriges Produkt, mit viel Liebe und Einsatz vorgetragen, aber dennoch mit Luft nach oben.

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2.

DECK 47 Mittagsmenü für 10,70 € holen und am Baggersee verspeisen. Danach noch ein Eis bei Tomaselli, praktischerweise fängt die Schlange dafür meistens eh schon beim Baggersee an.

3.

ZUM WOHL TIROL Premium-Burger (unser Tipp: Spargeltarzan) schnappen und am Landhausplatz verputzen.


M u s eu ms 6020 I traße 3, M o – F r n n s b ru c k , 11–20 Uhr, S bis 17 a Uhr, L i e f er ando u nd Mj am

Das Haus der 1.000 Gesichter N ac h Fl ei sc h k ä se, G r i ll u n d F a s tg ri e c h e n e rö f f ne t mit d e m S U S H I H O U SE de r g e f ü h l t 1 0 0. S u sh i l a den in I nn s br u c k .

B

raucht Innsbruck noch einen Sushiladen. Ja, wenn er sich von den anderen abhebt, und nein, wenn er im Grunde das Gleiche bietet wie seine Mitstreiter. Ob Nachbar Bonsai oder das nicht allzu ferne Sensei oder MeerSensei im Kaufhaus Tyrol, sie alle bieten solides Sushi und sind seit Jahren fixer Bestandteil der Innenstadt. Das Sushi House in der Museumstraße kann im besten Fall diesen Status erreichen, derzeit ist es aber noch nicht ganz dort. Bei unseren Test-

e ven

dig

F a s t w i e i n Ve n e d i g Die Trattoria am Sparkassenplatz nimmt die neue Baustelle gelassen. Aber was soll jemanden noch erschüttern, der ein paar Tage vor dem Lockdown Ende Oktober ein neues Lokal eröffnet hat?

bestellungen passte die Fischqualität, der Sushireis war sogar ausgezeichnet und auch die Auswahl überzeugte. Die mitgelieferten Saucen gingen daneben, die Sojasauce fehlte leider. Alles in allem solide Durchschnittsarbeit, allerdings zum gehobenen Preis: Die Crispyroll schlägt mit 14,50 € zu Buche (Vergleich Bonsai 12,50 €), Das Ebi Temaki mit 8,– € (Vergleich Sensei 5,50 €) und die Misosuppe kostet 6,50 € (Vergleich Sensei 5,– €).

Bio-Kräuter Michael Strillinger produziert in Söll seit vielen Jahren Topf- und Schnittkräuter. Die hervorragende Qualität der Produkte ist weithin bekannt. Für den Tiroler Ursprung bürgt das Gütesiegel „Qualität Tirol“.

biovomberg.at

Kurzum: In großer Angst und schwerer Not ist der Mittelweg stets der Tod. Also bitte Preise runter oder Angebot rauf.

S pa r

k as plat senz

1 06

89768


ESS EN

T R IN KE N

SECHSERGARANTIE Mi t dem F rühling ko mmt w ie d e r Le b e n i n di e A l ts ta d t – gl e i ch se chs ne u e L ok a l e e r ö f f ne n, d ie g a r a n t i e r t n e u e n Schw un g in Inns b ruc k s Zent r u m b ring e n .

3

Die Innsbrucker Altstadt hat schon einfachere Zeiten gesehen – eigentlich ist sie das pulsierende Zentrum der Stadt: immer voll, immer in Bewegung und genau der richtige Ort, wenn man nach Genuss und Geselligkeit sucht. Doch derzeit ist alles etwas anders. Die engen Gassen des historischen Zentrums sind fast menschenleer, und laut wird es nur, wenn die Bauarbeiter ausrücken, um an der Modernisierung des Kanalsystems weiterzuarbeiten. Doch mit dem Frühling kommt wieder frischer Wind in die Altstadt: Sechs neue, fix und fertige Lokale warten auf die lang ersehnten Öffnungsschritte für die Gastronomie, um ihre Pforten öffnen und endlich Gäste empfangen zu können. 6020 hat sich die neuen Gastrohighlights in der Altstadt vorab schon einmal angesehen.

’S REGIONAL von Mairs Beerengarten Herzog-Friedrich Straße 15 In der Tiroler Vinothek können Gäste Speziali­ täten aus allen Landesteilen des historischen Tirols verkosten und erwerben. Familie Mair produziert vieles selbst. Andere Köstlichkeiten werden von ausgesuchten Partnern aus den Regionen Nord-, Süd-, Osttirol und dem Trentino zugekauft.

1 2

WIRTSCHAFT ELFRIEDE Herzog-FriedrichStraße 11 Für die Wiederbelebung des ehemaligen Elferhauses haben sich Karim Ayoub (Moustache), Urban Helbok (Aftershave) und Remy Pischl (Ropferstubm) zusammengetan. Gäste können sich auf ein für Innsbruck einzigartiges Sortiment von Bierspezialitäten und ein Gastrokonzept von „Gulasch bis Naschmarkt“ freuen.

FA R I N A Pizzabar e Caffè Herzog-FriedrichStraße 13 Mit der Farina eröffnen die Gastroprofis von der Pizzeria A Casa, nach einer betriebsinternen Trennung vom Due Sicilie, ein weiteres Restaurant. In der Farina gibt es echte neapolitanische Pizza, in verschiedenen Variationen, im Holzofen gebacken, garniert mit köstlichen Toppings aus regionaler Produktion, und andere italienische Spezialitäten.


5

p H ot s

G A ST H AU S GOLDENES D AC H L

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Hofgasse 1

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3

5

Im modernisierten Traditionsgasthaus Goldenes Dachl trifft Altbewährtes auf erfrischend Neues. Ziel ist die Wiederbelebung und Neuinterpretation der Tiroler Wirtshausküche mit einem Fokus auf regionale Produkte und Feelgoodgerichte, die man noch aus der eigenen Kindheit kennt.

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6 B L AU E BRIGITTE Dachboden-Bar im Hotel Weisses Kreuz Herzog-FriedrichStraße 31

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6

RIESE

Im Dachboden des neu renovierten Hotel Weisses Kreuz werden im schicken Barockambiente der Hotelbar Blaue Brigitte leckere Drinks, wie Wolferl’s GINphony, der an den ehemaligen Hotelgast Mozart erinnert, und regionale Schmankerln, wie Tiroler Kwell-Saiblinge, aufgetischt.

Bar Café Vinothek Riesengasse 4 In der dem Lokal den Namen gebenden Riesengasse entsteht gerade ein neues Genusslokal, das sich ganz der Regionalität verschrieben hat: Serviert werden österreichische Weine, österreichische Säfte, österreichische Schmankerln und Kaffee aus einer österreichischen Rösterei (Unbound Coffee Roasters).

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SERIE

FA R B E N F R OHE B OWL MundArt rührt Reis um. Und Bibimbap kommt dabei raus. von Flo Seidl

F

ernwehküche gefällig? Dann auf nach Korea! Bibimbap heißt dort ein beliebtes farbenfrohes Reisgericht – übersetzt bedeutet es auch nichts anderes als „Reis umrühren“. Die buntgemischte Bowl ist nicht nur optisch eine Augenweide, sie bietet auch ein wunderbares Geschmackserlebnis und wird weltweit als gesunde Mahlzeit gefeiert. Über den Ursprung von Bibimbap scheiden sich die Meinungen. Manche behaupten, der Klassiker der koreanischen Küche sei schon am königlichen Hof der Joseon-Dynastie (1392–1910) gegessen worden, andere Quellen schreiben den Ursprung dieses einfachen Gerichts Bauern zu, die auf den Feldern eine schnelle Mahlzeit brauchten. Heute ist Bibimbap überall auf der Welt zu finden. In und auch außerhalb Koreas, in feinen Restaurants, kleinen Buden, aber auch im Flugzeug. Die Zutaten und Rezepte variieren dementsprechend. Sowohl vegetarisch als auch mit Fleisch schmeckt Bibimbap wirklich köstlich und entführt uns im Nu in eine fremde kulinarische Welt.

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MUNDA RT

Der Shiitake-Pilz Der dickfleischige feste Pilz aus Fernost besitzt umami, das von der modernen Wissenschaft neben süß, salzig, sauer und bitter als Geschmacksqualität beschrieben wird. Neben Champignons sind Shiitake-Pilze die meistangebauten Pilze der Welt und spielen vor allem in der asiatischen Küche eine große Rolle. Das Aroma von frischen Shiitake-Pilzen erinnert stark an Knoblauch.

Das Rezept: Bibimbap 6020 und SPAR verlosen

Zutaten: 300 g Sushireis, 5 Shiitake-Pilze, 5 Champignons, 3–4 Frühlingszwiebel, 2 Handvoll Babyspinat, 1 Handvoll Erbsenschoten, 3 Karotten, 1 Zucchini, 2 Knoblauchzehen, Sojasauce, Sesamöl zum Braten, Chilipaste, Sesamsamen, frische Kräuter, Eier

Nach Packungsanweisung in Salzwasser kochen, dann zugedeckt warm stellen. Backrohr auf 80° C aufwärmen. 1 EL Sesamöl in einer Pfanne erhitzen und die Karotten mit etwas Knoblauch ein paar Minuten anbraten, herausnehmen und im Backrohr warm stellen. Zucchini anbraten, würzen und auch im Backrohr warm stellen. Zubereitung: Karotten schälen und mit dem Sparschäler Frühlingszwiebel in etwas Sesamöl anrösin feine Streifen hobeln, Zucchini waschen ten, Knoblauch und Pilze hinzugeben, scharf und Julienne schneiden. Knoblauch schälen anbraten, mit Chilipaste und Sojasauce und fein hacken. Frühlingszwiebel waschen abschmecken, ins Backrohr stellen. Erbsenschoten in Sesamöl anbraten, warm stellen. und in feine Ringe schneiden. Pilze nur mit Spinat mit Frühlingszwiebel, Knoblauch einem Pinsel etwas putzen und in feine Streifen schneiden. Spinat und Erbsenscho- andünsten, mit Sojasauce abschmecken, ten waschen. Sesam trocken in einer Pfanne warm stellen. anrösten. Kräuter waschen und fein hacken. Den fertigen Sushireis in eine Schüssel geben, das Gemüse darauf drapieren, Alles in Schüsseln bereitstellen. Sushireis unter kaltem Wasser so lange mit Spiegelei, frischen Kräutern und Sesamwaschen, bis das Wasser klar durchläuft. samen servieren.

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EINE SPARGUTSCHEINKARTE IM WERT VON 50 EURO

Kennwort: „MundArt“ Einsendeschluss: 30. April 2021 Rechtsweg ausgeschlossen keine Barablöse Brunecker Straße 3 6020 Innsbruck gewinnspiel@6020stadtmagazin.at


PROGRAMM A PR I L 2021

TALKSHOW, ENTERTAINMENT

APRIL LET’ S TA LK

bek

„POSTMODERN TALKING – THE P.M.K RESIDENCY“

ann

tg ege ben

Im Feber hat die Postmodern-Talking-Crew rund um Franz-Xaver Franz die p.m.k in ein Talkshow-Studio verwandelt. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung mit dem ansonsten derzeit verlassenen Ort und illustren Gästen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft gibt es seit März in mehreren Folgen auf YouTube zu sehen.

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AUSSTELLUNG

BIS 15. APRIL G E WI N N E RSCHAU „WHAT A YEAR! JOSEPH BINDER AWARD 2020“ IM WEI SRAUM

In Kooperation mit designaustria zeigt WEI SRAUM die Siegerprojekte des Joseph Binder Awards, Österreichs einzigem international ausgeschriebenen Preis für Grafikdesign und Illustration, die von einer internationalen Fachjury aus über 1.000 Einreichungen aus 46 Ländern ausgewählt wurden.

AUSSTELLUNG

AB 8. APRIL JU B I L ÄU M

„LICHTRÄUME.WILFRIED KIRSCHL“ IM STADTARCHIV/STADTMUSEUM

Die coronabedingt verschobene, ursprünglich zum 10. Todestag des Künstlers Wilfried Kirschl konzipierte Ausstellung „Lichträume. Wilfried Kirschl – Das malerische Werk“ zeigt einen Querschnitt durch die gesamte Schaffenszeit Kirschls, der als einer der bedeutendsten Tiroler Künstler der Nachkriegszeit gilt.

© CARMEN SULZENBACHER, YULU ZHOU, DESIGNGRUPPE KOOP, JOHANNES PLATTNER

wir reden & lesen weiter

www.literaturhaus-am-inn.at 57


SPORT

AB 1. APRIL

AUDIOVERSUM.AT

© Sentire_Julia Bornefeld

AB AU F D I E PI STE FIGLSAISON AUF DER NORDKETTE

Nachdem die Figlsaison letztes Jahr ausgefallen ist, startet sie dieses Jahr wieder wie geplant am 1. April. Je nach Wetter-, Schnee- und Lawinenlage kann bis 1. Mai gefigelt werden. Am 1. und 2. April gibt es auf der Seegrube gratis Leihfigl, sonst können sie bei der Skischule Innsbruck oder der boerse Innsbruck ausgeliehen werden.

DU FREUST DICH AUF ABWECHSLUNG & WIR FREUEN UNS AUF DICH!

GEHÖRT BESUCHT: AUDIOVERSUM

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Gewinne ein Buchset vom neuen Ecco Verlag! Lesung mit Bianca Nawrath am Welttag des Buches 23. April 2021 www.tyrolia.at/ events

9. APRIL N E WCO M E R

„THE UNCERTAIN EXHIBITION“ IN DER BÄCKEREI

Das Spiegel-Netzwerk, ein vor Kurzem in Innsbruck gegründeter Verein für Kunstschaffende und Kunstförderer, zeigt in seiner ersten Ausstellung als kleinen Vorgeschmack eine Auswahl an Gemälden, Fotografien und Skulpturen der Mitglieder.

Um teilzunehmen, schicke eine E-Mail an facebook@tyrolia.at Einsendeschluss: Donnerstag, 15. April 2021 Der Schutz deiner Daten ist uns wichtig! Mehr Infos unter www.tyrolia.at/datenschutz

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© NORDKETTE, SV, ANDREA LEICHTFRIED, ROOS VAN HAAFTEN, BERNADETTE OTTER, VIKTORIA ATZL

AUSSTELLUNG


LITERATUR

22. APRIL 19 UHR

G E Z E I CH N ETE R LITE R AT

NICOLAS MAHLER: „THOMAS BERNHARD: DIE UNKORREKTE BIOGRAFIE“ LIVE AUS DEM LITERATURHAUS AM INN

Der Illustrator und Comiczeichner Nicolas Mahler hat zum Bernhard-Jahr 2021 das Leben Thomas Bernhards in 99 pointierten Bildern festgehalten. Dabei führt Mahler durch Krankheit und Skandale, Großväter, Verleger und Lebensmenschen hin zum großen Literaten.

KONZERT

8. APRIL 20 UHR

KL A S S I K I M WO H N Z I M M E R LIVESTREAM DES TSOI AUS DEM HAUS DER MUSIK

Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck bringt unter der künstlerischen Leitung von Annedore Oberborbeck Ludwig van Beethovens erste Sinfonie und Aaron Coplands Fanfare for the Common Man für Blechbläser und Schlagwerk auf die digitale Bühne. Der Stream wird auf der Website des Orchesters übertragen.

ARTEN VIELFALT TIROLS

AUSSTELLUNG

AB 14. APRIL ROOS VAN HAFTEN: „LIGHT WORKS“ IM BTV STADTFORUM INNSBRUCK

RO O D

Die niederländische Künstlerin Rood Van Haften kreiert für INN SITU magisch anmutende Schattenbilder, inspiriert von Postkarten des von zwei Tiroler Pionierinnen der Porträtfotografie begründeten Verlags Risch-Lau.

N VA

HA

F TE

N 59

Foto: Elya.Q – stock.adobe.com; Design: Tiroler Landesmuseen

LI CHT U N D SCHATTE N

EX & NEO 21.3.2021 BIS 28.2.2022 ALPENZOO/ WEIHERBURG tiroler-landesmuseen.at


PROGRAMM

6020 verlost

„ZWEI BÜHNEN, ACHT MAL KULTUR: VOM THEATER AM LANDHAUSPLATZ BIS ZUM BRUX UND VOM KELLER­THEATER BIS ZUM FOTOFORUM WEST“

© TYROLIA

ein Exemplar des gerade im Tyrolia-Verlag erschienenen Buches

KEIN BEER IN HERE! UND: NICHT DANCEN, NUR KURZ REINGLANCEN.

Der dritte Teil der Reihe zu Innsbrucker Kulturorten widmet sich ganz dem Landhausplatz und dem Adolf-Pichler-Platz.

n nnabe coole a w n e d r fü (Sorry hat el, aber das it T n e h c is l g den <3) n gerhymed! sich so schö

Kennwort: „Kulturorte“ Einsendeschluss: 30. April 2021 Rechtsweg ausgeschlossen, keine Barablöse Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck gewinnspiel@6020stadtmagazin.at

„Hast du schon gehört? Die Clubs machen auf!“ Diese frohe Botschaft machte am 20. März in Innsbruck die Runde. Aber, aber, aber: Offen waren sie nur für einen Nachmittag. Und auch nur zum Schauen und Leere-Spüren. Der „Tag der offenen Clubs“ war ein Projekt der Innsbruck Club Commission, das alle die aktuell miserable Situation der Nachtkultur schmerzhaft spüren ließ.

Haupt-, Neben-, oder Sommerjob

Promotion

Text: Melina Mitternöckler — Fotos: Franz Oss

für den

Irgendwie fühlt es sich befreiend und gleichzeitig bedrückend an. Das Gefühl, das erste Mal seit einem Jahr wieder in einem Club zu stehen. Irgendwie taugen mir die Lichter und der Nebel in der Tante Emma. Irgendwie gefällt es mir, die p.m.k mal hell zu sehen. Und irgendwie ist es schon cool, sich im Dachsbau in normaler Lautstärke unterhalten zu können. Nur dass niemand da ist, mit dem man sich unterhalten kann. Denn: Die schweren Türen der Clubs sind vor einem Jahr zugeknallt und seitdem nicht mehr aufgegangen. Vermissung macht sich breit in der Innsbrucker Kultur- und Feierszene. Auch mir läuft beim Anblick des Dosenbiers in den Händen der vor Locations Wartenden die Nostalgie wie ein Schauer über den Rücken. Und eine Gänsehaut hab’ ich beim „Tag der offenen Clubs“ in Innsbruck auch bekommen. Aber nicht wegen des dröhnenden Basses, sondern wegen der Stille, die wie blut- und schweiß-, aber heutzutage eher tränenleckende Fledermäuse von den Decken der Locations hängt. Ein Bier hab’ ich mir trotzdem gecheckt – als aufmunternden Freund, der mich auf meinem Weg durch die leere Innsbrucker Bogenmeile begleitet.

Umweltschutz 5, 4 oder 3 Tage / Woche

h JETZT! Bewirb Dic www.greenpeace.at/directdialog 60


Nur schauen, nicht tanzen. Nicht mal mit Kopf hörern auf den Ohren kommt Par tystimmung auf.

Musik im Haus

Die Innsbruck Club Commission vertritt 29 Locations mit kuratiertem kulturellem Programm. Im Oktober hat sie der Stadt ein Forderungspapier vorgelegt. Ein Punkt darin: Die Nachtkultur soll als Kultur anerkannt und dementsprechend gefördert werden. Förderungen seien nämlich nicht angekommen und Bereiche nicht gedeckt. Fünf Einrichtungen haben der Club Commission bereits ihr Aus mitgeteilt.

Aaron Copland Ludwig van Beethoven

C LU B CO M M I S S I O N

In der G etränkevitrine des Bogen- Clubs in spe Arche Ahoi herr scht – noch – gähnende Leere. Auf einem Plakat steht: „Weil’s nid wuaschd is!

Die abgeranzten Feier schuhe mussten wir vor einem Jahr an den Nagel hängen.

RTKONZE NTER U S TR E A M

SOI.AT .T W W W

FANFARE FOR THE COMMON MAN

Pause Die Feierlaune wäre da, aber noch müssen wir die p.m.k am „Tag der of fenen Clubs“ zu „vernünf tiger“ Uhrzeit wieder verlassen.

SYMPHONIE NR. 1 C-DUR OP. 21 08. APRIL 2021 . 20 UHR WWW.TSOI.AT KÜNSTLERISCHE GESAMTLEITUNG Annedore Oberborbeck


EIN HEFTIGES JAHR Nach einem chaotischen 2020 hofft die Sportbranche, heuer neu durchstarten zu können. 6020 hat sich mit den Veranstaltern Alexander Pittl (Trailrun Festival) und Georg Spazier (Crankworx) zum Gespräch über aktuelle Herausforderungen und potenzielle Lösungen getroffen. Text: Lisa Schwarzenauer

6020

: Herr Pittl, Herr Spazier, wie war das letzte Jahr für Sie als Veranstalter? Pittl: Heftig. Der Lockdown im März war wie ein Vorschlaghammer, keiner hat gewusst, wie man damit umgehen soll, und es war extrem schwierig, einzuschätzen, was da jetzt auf uns zukommt. Spazier: Die ganze Branche war ja im Endeffekt ein halbes Jahr lang lahmgelegt. Wir konnten Crankworx dann im Oktober als Medien- und Sportveranstaltung durchführen, aber es ist halt kein Festivalfeeling, man produziert eine Geisterveranstaltung. Aber als Mannschaft war das Gefühl, hey, es ist wieder was los, schon wichtig. Pittl: Ja, es war wichtig für das Team, dass wir den Termin im Herbst durchgezogen haben, das war eine richtige Entlastung. Für uns war bald klar, dass wir uns dem Ganzen nicht

Crankworx (16.–20. Juni, Bikepark Innsbruck) und das Trailrun Festival (20.–23. Mai, Innsbruck) zählen zu den größten Sportveranstaltungen des Landes. Normalerweise treffen sich dort Tausende Sportler und Sportbegeisterte aus verschiedenen Nationen – in der Pandemie schwierig. Beide Events konnten letztes Jahr mit ein paar Monaten Verspätung und unter strengen Auflagen stattfinden, dieses Jahr soll dank Testen & Co. ein Stück mehr Normalität möglich sein.

62


© CRANKWORX, FRANZ OSS

ergeben, sondern bis zum Schluss kämpfen. Es war ein hohes Risiko, im Juni zu sagen, wir gehen nicht in Kurzarbeit, wir arbeiten auf einen ungewissen Termin im September hin. Viele haben ihre Events ausfallen lassen, darum waren alle sehr glücklich, dass wir was gemacht haben – jeder bis hin zu den Teilnehmern und Zulieferern, so viel Freude und Dankbarkeit haben wir selten erlebt. Ist die Situation dieses Jahr anders? Pittl: Es ist noch schwerer einschätzbar. Ich gehe aber davon aus, dass man heuer viel mit Testen machen kann. Spazier: Die Regelungen, die letztendlich greifen, werden wir wieder erst sehr, sehr spät wissen. Wir können jetzt eigentlich nur Konzepte ausarbeiten für Fall 1, Fall 2, Fall 3 und mehr, müssen aber auf eine

Verordnung Mitte April, vielleicht Anfang Mai warten. Die Planungssicherheit – oder Planungsunsicherheit – ist eigentlich unverändert. Pittl: Ja, absolut. Aber es ist, glaube ich, ein Vorteil, dass wir letztes Jahr die Veranstaltung gemacht haben. Wir haben getrackt, welcher Teilnehmer aufs Gelände gegangen ist, wer mit wem unterwegs war, haben die Starter in 200er-Gruppen getrennt. Das war ein Irrsinnsaufwand, aber ich glaube, dass uns das heuer wahnsinnig viel bringt. Doch vor den Verordnungen fürchte ich mich auch schon. Es könnte theoretisch sein, dass man ab 1. Juni, sagen wir, ein paar tausend Leute haben kann, aber am 30. Mai darfst du nur mit 500 starten. Spazier: Und das kann dir auch mitten unter der Veranstaltung passieren, das war bei uns letztes Jahr so. Am 30. September und am 1. Oktober haben unterschiedliche Regelungen

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„Die Planungssicherheit – oder Planungsunsicherheit – ist eigentlich unverändert.“ Georg Spazier (Crankworx)


„Die Modellregion Vorarlberg ist da schon etwas, von dem die Politik lernen kann.“ Alexander Pittl (Trailrun Festival)

gegolten, deshalb haben wir den 30. schlussendlich aus dem Programm genommen. Gehen Sie aktuell davon aus, dass die Termine im Mai bzw. im Juni stehen? Pittl: Ja. Wenn die Rahmenbedingungen in dem Maß bleiben wie letztes Jahr, dann ziehen wir das durch. Spazier: Die Rahmenbedingungen, um das Veranstalten möglich zu machen, sind eine Sache, aber da hängt ja viel mehr dran. Die Sportler müssen anreisen können, die Hotels müssen nutzbar sein, und wir wollen unbedingt Zuschauer haben – noch mal ohne Zuschauer würde schon brutal weh tun. Ich gehe aber momentan davon aus, dass eine Hybridversion

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mit beschränkter Zuschauerzahl am Wettkampfgelände plus Publikumsmesse in der Stadt und einem Onlinepart stattfinden kann. Ich glaube, es gibt keine dokumentierte Virusübertragung im Freien und wir haben 24.000 Quadratmeter Platz, wo sich die Leute verteilen könnten. Jetzt ist es natürlich schwierig, Lockerungen zu verlangen, wo grad das Impfen in die Gänge kommt und die Zahlen trotzdem raufgehen, aber in zwei Monaten ist die Situation voraussichtlich eine andere. Pittl: Die Modellregion Vorarlberg ist da schon etwas, von dem die Politik lernen kann, was mit Testen gehen kann. Weil das wird ja unser Weg sein, man wird auch im Herbst noch einen negativen Test oder einen Grünen Pass herzeigen müssen, egal ob man jetzt verreist oder auf eine Veranstaltung geht. Spazier: Das stimmt, die Modellregion Vorarlberg könnte schon ein Learning in einem zusätzlichen Bereich ermöglichen. Für uns ist das gut, aber es muss dann auch


einfach zwischen Indoor und Outdoor unterschieden werden.

© PHILIPP REITER, FRANZ OSS

Laufen die Anmeldungen schon? Spazier: Bei uns startet das am 15. April. Pittl: Wir haben seit Oktober offen und sind momentan bei rund 2.500, das ist für die Zeit schon super. Sind die Anmeldungen eher regional oder trotz allem international? Pittl: Beides. Bei uns sind 80 Prozent der Teilnehmer international, da geht es dann natürlich auch um die Einreisebestimmungen und Quarantäneregelungen beim Einreisen aus Risikoländern. Wenn das Regionen sind, die kritisch sind oder wo es bei der Rückkehr aus Österreich Quarantäneregelungen gibt, dann könnte das problematisch werden. Auch die

Hotellerie könnte uns in die Knie zwingen, weil wir eben eine so internationale Veranstaltung sind. Also sind Reisebeschränkungen aktuell der problematischste Faktor? Pittl: Ja, das ist das, was zurzeit am wenigsten einschätzbar ist. Spazier: Bei Crankworx werden internationale Sportler sicher für den Profiteil anreisen dürfen, aber beim Amateurteil ist es unsicher, und der ist halt wichtig für das Festivalfeeling, auch weil sich da eine internationale Community trifft. Die Behörden sind ja eh bemüht, aber es wird uns gerade vorgelebt, was wir alles nicht dürfen, da wäre es jetzt irgendwann auch gut, wenn mehr vorgelebt wird, was wir dürfen.   Vielen Dank für das Gespräch.

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Zur Person Der Innsbrucker Manu Delago (geb. 1984) studierte klassisches Schlagwerk und Jazzschlagzeug und machte sich parallel dazu als Handpanpionier einen Namen. 2007 nahm die Karriere des Wahllondoners richtig Fahrt auf: Indiesängerin Björk sah ihn in einem YouTube-Video Handpan spielen und engagierte ihn als Schlagzeuger. Delago hat schon mit den verschiedensten Formationen zusammengearbeitet, zwei eigene Ensembles gegründet und ist auch als Solokünstler erfolgreich.


„Ich freue mich auf Abenteuer“ Der Innsbrucker Handpanpionier Manu Delago will ab 30. April mit seiner „ReCycling Tour“ ein Statement in Sachen Nachhaltigkeit setzen und von einem Gig zum nächsten radeln. Mit 6020 spricht der Musiker über Hornhautaufbau, Plastikflaschenabbau und den Plan, seine Wahlheimat London wieder gegen Tirol zu tauschen.

darauf, dass das Reisen verhältnismäßig bleibt. Ich habe mittlerweile auch gelernt, Dinge abzusagen. Nur für ein einziges Konzert extrem weit zu fliegen, steht sich nicht dafür. Mit deiner „ReCycling Tour“ willst du nun ein „extremes Statement“ in Sachen Umweltbewusstsein setzen. Wie kam dir die Idee zu dieser Tour, bei der alle Beteiligten nur auf Fahrrädern unterwegs sind? Wenn ich auf Tour bin, versuche ich immer, mir Zeitfenster für Bewegung zu schaffen. Bislang hat das so ausgeschaut, dass ich vor einem Trip im Tourbus in der Früh laufen gegangen bin. Dabei habe ich mir oft gedacht, dass es sinnlos ist, einfach nur im Kreis zu laufen, und es viel cooler wäre, zum nächsten Konzert zu joggen – oder eben zu radeln. Ausgehend von diesem Gedanken kam mir dann die Idee zur „ReCycling Tour“, die logistisch brutal schwierig ist. Bei einer „normalen“ Tour kann man auch einmal 700 Kilometer pro Tag fahren, auf dem Rad müssen die Distanzen natürlich viel kürzer sein. Gereizt hat mich aber auch der Abenteueraspekt, den ich schon beim Projekt „Parasol Peak“ gespürt habe. Damals habe ich mit meinen Bandkollegen auf 3.000 Meter Höhe ein Album aufgenommen und einen dazugehörigen Film produziert. Dieses Verbundensein mit der Natur will ich wieder erleben.

Interview: Christiane Fasching – Foto: Franz Oss

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: Du hast als Musiker bereits mehr als 50 Länder bereist und warst mit Indiesängerin Björk oder dem London Symphony Orchestra auf Tour. Dein künstlerischer Fussabdruck kann sich sehen lassen, dein ökologischer Fussabdruck ist eine Katastrophe. Hast du da kein schlechtes Gewissen? Manu Delago: Doch, ein bisschen schon. Aber wenn man als Musiker international arbeiten will, dann ist es schwierig, solche Spuren komplett zu verhindern. Als sich vor zwölf Jahren für mich die Möglichkeit aufgetan hat, andere Länder zu bereisen und auch außerhalb Europas aufzutreten, war das für mich zunächst ein durchwegs positives Gefühl. Das schlechte Gewissen ist in den letzten Jahren allerdings immer größer geworden. Deshalb achte ich sehr

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ReCycling Tour Am 30. April startet im Kulturlabor Stromboli in Hall Manu Delagos „ReCycling Tour“: Binnen 35 Tagen wollen Delago und seine fünf Bandkollegen 25 Konzerte in Österreich und Südtirol spielen und dabei 1.600 Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegen. Das Equipment wird auf Fahrradanhängern transportiert, die Elektronik- und Lichtanlagen werden mit Ökostrom betrieben. Die Energie dafür wird über Muskel- und Sonnenkraft bzw. mittels Solarpaneelen gesammelt. Bei der Verpflegung setzen die Musiker auf die Mithilfe ihrer Konzertbesucher, die Jausenboxen mit selbst gemachten regionalen Speisen befüllen sollen. Interessierte „Versorger“ können sich via Mail (recyclingtour2021@ gmail.com) anmelden, um Essensüberschuss zu vermeiden. Das Abschlusskonzert findet am 2. Juni im Innsbrucker Treibhaus statt.

Der Plan ist, binnen 35 Tagen 1.600 Kilometer auf dem Rad zurückzulegen und dabei 25 Konzerte in Österreich und Südtirol runterzuspulen. Wie bereitet man sich auf so einen Trip vor? Man redet zunächst einmal ausgiebig mit Menschen, die Erfahrungen mit so langen Raddistanzen gemacht haben, und holt sich Ratschläge. Aber natürlich sind wir auch alle fleißig beim Radeln und schauen drauf, dass wir fit bleiben. Entscheidend wird ja nicht nur die Muskelkraft sein, sondern auch die Ausdauer: Bei den längsten Etappen werden wir bis zu sieben Stunden am Radl sitzen, da muss man sich schon ein bisserl Hornhaut aufbauen. Und dann steht ja erst unser Hauptjob an: Wenn man davor stundenlang geradelt ist, wird das Konzert sicher zur Challenge. Vor allem fürs Kreuz. Instrumente und Ausrüstung werden mit Fahrradanhängern transportiert, die Akkus für das Equipment sollen mit Sonnen- und Muskelkraft und über Solarpaneele geladen werden. Klappt das auch bei Dauerregen? Wenn es durchregnet, wahrscheinlich nicht. Aber ganz genau sehen wir das erst, wenn unser Experiment im Laufen ist. Wir werden auf alle Fälle ganz offen mit Zahlen und Erfahrungen umgehen, weil wir ja auch selber gespannt sind, wie viel Energie wir tatsächlich erzeugen können. Märchen wollen wir keine erzählen. Wir wissen etwa jetzt schon, dass wir die Tonanlage aus eigener Kraft nicht aktivieren können – die braucht nämlich Starkstrom und das wird sich nicht ausgehen. Es sollte aber zu schaffen sein, alle Geräte, die wir auf der Bühne brauchen, selber mit Strom zu versorgen.

Konzertdaten und Infos zur „ReCycling Tour“ unter: www.recyclingtour2021.com 68

Die Tour war schon für 2020 geplant, doch dann kam Corona. Sicher ist die Lage ja nach wie vor nicht. Wie geht ihr damit um? Letztes Jahr war ich da viel verbissener, aber mittlerweile ist bei mir eine gewisse Gelassenheit eingetreten. Was passiert, passiert. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass die Tour stattfinden kann, wir durch Österreich radeln werden und dabei so viel Musik wie nur möglich machen. Damit verletzen wir ja keine Gesetze. Ich will aber realistisch bleiben: Dass wir 25 Mal vor vollem Haus spielen, schließe ich aus. Aber dann gibt‘s zwischendurch vielleicht ein Straßenkonzert oder zur Not auch einmal einen gestreamten Gig. Angesichts der ungewöhnlichen Umstände muss man da einfach spontan reagieren. Wie hast du überhaupt dieses ungewöhnliche Jahr erlebt? Den ersten Lockdown habe ich in London verbracht und bin da voll auf die Kreativwelle mit Onlinekonzerten und Homevideos aufgesprungen. Im Sommer und im Herbst habe ich dann sogar noch einige Konzerte in verschiedenen Ländern spielen können. Aber mit November war das dann vorbei. Seit Weihnachten bin ich jetzt wieder in Tirol und konzentriere mich auf die Zukunft: Ich habe viel neue Musik geschrieben, aufgenommen und produziert und hoffe, dass es irgendwann wieder richtig losgeht. Du lebst seit 13 Jahren in London. Jetzt wurde das Coronajahr auch noch vom Brexit gewürzt. Denkst du daran, England hinter dir zu lassen? Ja, das ist durchaus ein Thema. Oder sagen wir es so: Im Moment habe ich mit Innsbruck und London einfach


© SIMON RAINER

SCHWERES GEPÄCK: Beim Radl- Roadtrip transpor tieren Manu Delago und Co. die gesamte Ausrüstung mit Fahrradanhängern.

zwei Wohnsitze. Und es zeichnet sich ab, dass ich über kurz oder lang nicht mehr so viel Zeit in London verbringen werde. Irgendwie verlagert sich gerade alles wieder mehr nach Österreich, was natürlich mit gewissen EU-Vorteilen zu tun hat. Die Zollprobleme sind nämlich echt nervig. Coldplay wollen erst wieder auf Welttournee gehen, wenn sie diese umweltfreundlich abwickeln können. Chris Martin und Co. auf dem Radl – das wär doch was. Hast du dem Management schon dein Konzept geschickt? (lacht) Nein, habe ich nicht. Aber als ich mit der Bewerbung der „ReCycling Tour“ begonnen habe, gab es tatsächlich viel Feedback von anderen Musikerinnen und Musikern, die durchaus daran interessiert waren. Das freut mich natürlich und ich hoffe auch, dass das Konzept andere dazu inspiriert, nachhaltiger zu denken und zu touren. Aber bei Bands wie Coldplay wird‘s halt schwierig: Die touren ja in ganz anderen Dimensionen. Müsste das Konzertwesen prinzipiell anders gedacht werden? Auf alle Fälle. Bei Konzerten ist ja nicht nur der

Transport ein Problem: Man muss auch an den ganzen Abfall und die fleischlastige Nahrung denken. Das belastet das Klima ja auch extrem. Glücklicherweise arbeiten etliche Festivals da aber schon sehr progressiv und schauen darauf, Plastik und Fleisch zu vermeiden. Es passiert also schon etwas, nur halt viel zu langsam. Siehst du dich in der Rolle des Umweltmissionars? Ich habe ganz lange betont, dass mein einziger Output Musik ist und ich den Rest anderen überlasse. Aber das Klimathema ist etwas, das mich

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enorm beschäftigt. Und da habe ich auch das Gefühl, als öffentliche Person eine Verantwortung zu tragen. Bei einer Produktion mit Björk, an der knapp 100 Leute involviert waren, gab es zum Beispiel backstage überall nur Plastikflaschen. Das hat mich einfach nicht losgelassen und ich habe das irgendwann zu Björk gesagt, die dann wiederum das Produktionsmanagement kontaktiert hat, und plötzlich gab es keine Plastikflaschen mehr, sondern es wurden Wasserspender aufgebaut. Es hat hier also durchaus etwas gebracht, dass ich meinen Mund aufgemacht habe. Als Missionar sehe ich mich aber nicht. Ich mache jetzt ja auch keine „Antiauto-Tour“ und zeige mit dem Finger auf andere. Das überlasse ich wirklich anderen. Worauf freust du dich bei der Tour am meisten? Ich freue mich darauf, draußen zu sein, viel zu radeln, echten Menschen zu begegnen und Musik zu machen. Und ich freue mich auf Abenteuer: Denn selbst wenn ich es mir nicht lustig vorstelle, völlig durchnässt und übermüdet zu einem Konzert zu kommen, sind das dann die Geschichten, die man sich für den Rest seines Lebens erzählt.  Vielen Dank für das Gespräch.


In ihrem zweiten Gedichtband „nackte gedichte“ schreibt die Autorin und Poetry-Slammerin Rebecca Heinrich über die Liebe, das Leben und alles, was dazugehört. 6020 gibt einen kleinen Einblick in die lyrische Welt der Künstlerin. Text Lisa Sch warzena uer Rebecca Heinrich Gedicht e

ich reagiere auf dich. das heißt: ich zünde mir eine zigarette an und gehe fort.

implodiert

kausale zusammenhänge. in vier zeilen erklärt

im ruhestand. avlakia II

wenn die familie abends bei tisch sitzt, hält der großvater die beine überschlagen. er hält mahnend den finger über den kindern, die lachfalten verraten die milde der strenge. dann, wenn er an seinem bart zupft, erschallt das lachen einer jungen frau aus dem körper einer greisin. und der großvater schmeckt das bier des ersten abends, an dem sie den violetten rock trug. Abdruck der Gedichte mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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auch händehalten auf trümmerhaufen hat etwas beruhigendes, wenn es deine finger sind.

Poesiealbum


IN QUARANTÄNE

I. 8:58 wasserrauschen, kesselfauchen, decken und ein wenig licht. schalterdrücken, stühlerücken, wangen und ein steter fluss.

Die Dichterin und ihr Werk

II. 9:14 amselgesänge, gartenenge, klappstuhl und zarter morgen. narzissenkelche, stumme lerche, kirschblüten und blasse dächer.

dich lieb ich zur mondnacht, blaufränkisch gespiegelt, in schilfrohrmuscheln mit perlenglanz und in nächten aus wolkenfließen. am morgen fängst du mich noch mit geöffneten trapezhänden. am abend kleidest du mich in tau, barfüßig, kaltfeucht im sommer. und mittags reist du mit mir ab – zwei hände wie seerosenblätter.

erzähl dir was:

III. 9:28 stille zerreißen, morgen tag heißen, kaffeesatz und erste bienen. kirchturmglocken, muschellocken, der geliebten stimme und stille.

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Rebecca Heinrich ist seit 2013 regelmäßig auf Lesebühnen und Poetry Slams in ganz Europa zu Gast. Für ihre Texte hat sie neben verschiedenen Auszeichnungen bereits das Literaturstipendium der Stadt Innsbruck und das Startstipendium für Literatur des Bundeskanzleramtes zuerkannt bekommen. Ihre aktuelle Anthologie „nackte gedichte“ wurde letztes Jahr im Verlag Edition BAES veröffentlicht und ist momentan im Rennen um die vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels initiierten Auszeichnung „Schönstes Buch Österreichs“. Die Illustrationen dafür stammen von Julia Kössler und Martina Frötscher, mit denen Heinrich das intermediale Künstlerinnenkollektiv dreiundzwanzigminuseins gegründet hat.


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STREAMINGTIPPS

Wenn man die besten Dialoge von „Peaky Blinders“ im perfekten BrummieSlang mitsprechen kann und bei James Bonds „Casino Royale“ so oft zum ersten Aufeinandertreffen von James und Vesper zurückgespult hat, dass einem Google selbstständig „Elite Partner“ vorschlägt, dann ist es an der Zeit, etwas Bildung folgen zu lassen: am besten entlang der 6020-Streaming-Dokus-Liste.

Spaceship Earth (2020) MATT WOLF DVD, ITUNES „Spaceship Earth“ folgt einer Gruppe von Wissenschaftlern, die sich in den Neunzigern zur freiwilligen Selbstisolation im Glaskuppeldom „Biosphäre 2“ entschlossen hatten. Der Dom sollte sich als autarkes Ökosystem bewähren, um später auch bei einer Kolonisierung im Weltall zum Einsatz zu kommen: ein irres ökologisches, soziologisches und psychologisches Experiment.

Heaven’s Gate: The Cult Of Cult’s (2020)

Text: Klaus Erler

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CLAY TWEEL

Da die Dokus im Netz oft gar nicht so leicht auffindbar sind, macht eine Kauf-DVD manchmal mehr Sinn.

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HBO MA X In seiner gleichnamigen Doku beschäftigt sich Clay Tweel mit dem absurden UFO-Kult „Heaven’s Gate“. In den Überzeugungen der Kultanhänger wimmelte es nur so vor Aliens und Raumschiffen, die auf die Seelen transzendierter Kultanhänger warten. Das alles wäre vielleicht noch lustig, hätte es nicht zum größten Massenselbstmord geführt, der je auf amerikanischem Boden stattgefunden hat. Spannend und haarsträubend.

© RADICALMEDIA AND STACEY REISS PRODUCTIONS, HBO, 20TH CENTURY FOX, ALIVE, HYPNOTIC PICTURES, IFC

Bildung statt Mattscheibe


Honorable Mentions: 25:01 / 60:20

The Hellstrom Chronicle (1971) WALON GREEN, ED SPIEGEL

GÖRAN OLSSON YOUTUBE, DVD Originalaufnahmen in ungeahnter Intensität: Das war die dokumentarfilmische Ausbeute eines Teams von schwedischen Journalisten, die 1967 ausrückten, um die Black-Power-Bewegung in den USA zu dokumentieren. Das rohe Bildmaterial wurde erst nach über 40 Jahren zu einer Doku zusammengeschnitten,

Dawson City: Frozen Time (2016)

AMAZON PRIME US, VIMEO VOD

BILL MORRISON DVD, MUBI Die Goldrauschstadt Dawson City war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der ferne Endpunkt einer Filmvertriebskette vieler Stummfilme. 1978 bargen Bauarbeiter zufällig 533 Rollen dieser Filme in einem aufgelassenen Swimmingpool: ein Sensationsfund. Es handelte sich dabei um längst verschollen geglaubte Filme, die wie durch ein Wunder im Permafrostboden Kanadas überlebt hatten. Eine faszinierende Filmarchäologie.

FRAMING JOHN DELOREAN (2019), DON ARGOTT John DeLorean erfand nicht nur das „Zurück in die Zukunft“-Auto DMC, er war auch sonst eine schillernde Figur. Alex Baldwin spielt als DeLorean wichtige Stationen eines außer­ gewöhnlichen Lebens nach. DVD

Documentary Now! (2015–2019)

THREE IDENTICAL STRANGERS (2018), TIM WARDLE Die unglaubliche Geschichte von Drillingen, die nach der Geburt getrennt wurden und sich nach 20 Jahren zufällig wieder über den Weg laufen, um wenig später gemeinsam ein Restaurant zu eröffnen.

F RED ARMISEN, BILL HADER U. A . IFC „Documentary Now!“ ist eine amerikanische MockumentaryTV- Serie, die 2015 erstmals auf IFC ausgestrahlt wurde. Im Mittelpunkt stehen die beiden Comedians Fred Armisen und Bill Hader, die berühmte Dokumentarfilme mit beißendem Humor parodieren. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von Showgastgeberin Helen Mirren und Stars wie Kenny Loggins, Owen Wilson, Michael Keaton, Jack Black oder Peter Fonda.

MA XDOME, ITUNES, GOOGLE PLAY

FILMS, INC.

The Black Power Mixtape 1967– 1975 (2011)

NEVER STOP – A MUSIC THAT RESISTS (2017), JACQUELINE CAUX HQ-Techno-Doku für Fans von Juan Atkins, Derrick May, Carl Craig und Jeff Mills.

© ANDANAFILMS.COM, SUNDANCE SELECTS, CNN FILMS, LEGEND

DVD, YOUTUBE/ VIMEO „The Hellstrom Chronicle“ verbindet gestalterische Elemente aus dem Dokumentarfilmbereich mit Science-Fiction-Ästhetik. Mit beeindruckenden Zeitlupen- und Makroaufnahmen erklärt ein fiktiver Wissenschaftler, wie und warum Insekten die Weltherrschaft übernehmen werden. Die „Hellstrom Chronik“ erhielt 1972 den Oscar für den besten Dokumentarfilm, die Musik kommt von Lalo Schifrin, die Furcht vor Insekten kommt nach dieser Doku von selbst.

25:01 / 60:20

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FREEWHEELIN’ (1976), SCOTT DITTRICH Stacy Peralta und das Zephyr-Team: Vintage-Skateboarding at its best! YOUTUBE


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D I E F RAG EN 1

Ladylike, aber auch Frauenknast?

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Zwei Staatsbürgerschaften? Sorgen beim Kicken für abspielendes Hin und Her

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Frisierter Hoteldienerschädel

3

Legebatterie? Weiblicher Beitrag zur Befruchtung

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Das fesche Brit-Mädel wird aufgeklebt

5

Warenlagerillustrierte?

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In der Ahnung steckt buchstäblich Augenblickliches

7

Tanzen sie in der Hofreitschule nach „Im Weissen Rössl“?

8

Hier denkt der einsame Brite verrückt an Oel

9

An ihr wird gelehrt und gevöllert

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Mehr als 7 (!) Mal aufpassen

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Genau gleich und nicht gebirgig anders (1–2 W.)

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Beinkleid für notorische Anpatzer?

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Schuften wie ein Bauer am Feld?

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Koksmäßig auf der Spur? Aktiv im Netz!

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Gesichtlich verzogen: Der Balg erinnert an Mask oder Larv

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Die Erbse ist der Kracher unter den Schoten

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Spärlich bekleidet: „Es hüpft der Nachbar übern Anger / fast nackt! Er trägt nur einen …!“

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Womit dir in London kalt wird, bist du schnell auf Zug

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Wer sich in zinnroter Tunke verliert, ist nicht mit Fokus bei der Sache

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GAZELLE WELLINGTON Weil irgendwann wird Simba erwachsen. von Johannes F. Park

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ie Sie vielleicht wissen, sehe ich mir Trotz der schönen Erlöse, die so ein garagengepflegter Landräuber einzubringen im Stande ist, riet ein sehr gerne Dokumentationen an. junger Großkatzenhalter in der Doku entschieden Aber es gibt Einschränkungen. Meine davon ab, sich einen Löwen für zu Hause anzuschafGrundsätze lauten: 1. Keine Werbung. fen. Er formulierte es jetzt nicht so, aber wenn sich 2. Keine Folklorepornos mit Volkstänzen oder Butterschmalz. 3. Keine Bergsteigergeschichten à la: Drei Simba größenmäßig langsam zu Mufasa entwickelt, Freunde wollen als erste Pongauer der Welt einen wird es kompliziert. Welches Kopfzerbrechen einem Scheißgipfel in Nordpakistan erklimmen, entscheiden da erst ein regelrechtes Charakterschwein von einem sich dann aber auf 4.000 Metern doch Löwen bereitet, wollen wir uns gar nicht für den niedrigeren daneben, weil: Wir ausmalen. Stichwort: Scar, der alte sind verantwortungsbewusste BergkaSauhund. DAS TI E R meraden. Vielleicht wollte Red Bull aber Der Löwe frisst mehrere Kilo Fleisch auch nur endlich wieder einmal eine Wopro Tag. Gazelle Wellington, Pulled M E I NT E S che ohne verunglückte Extremsportler. – solche Leckereien. Das kostet. N IC HT BÖSE . Gnu Neulich sah ich: Verrückte Russen Und die Mengen stellen in der Endverwertung herkömmliche Katzenkisterln halten exotische Raubtiere in ihren Plattenbauwohnungen. Tiger, Leoparden, Puvor Herausforderungen. Einen zweckmas. Luchse, Jaguare, Ozelote – das volle Programm. entfremdeten Streugutbehälter von der Straßenmeisterei St. Petersburg muss man in der Ein-ZimIch kann alle Tierschützer leserseitig beruhigen: Es mer-Wohnung mit Toilette drei Stock tiefer erst sind keine schmierigen Psychos am Werk, die sich einmal Platz haben. hier an unschuldigen Lebewesen delektieren wollen. Vor allem weiß der Löwe ja auch nicht wohin mit Den schmierigen Psychos geht es nur ums Geld. Man muss sagen: Für manche Herr- und Frauchen seiner Kraft. Da wird schon einmal liebevoll eine scheint es tatsächlich in erster Linie ein Geschäft zu Oberschenkelarterie angeknabbert oder im Überschwang eine Eignerhand abgebissen. Das Tier meint sein. Das Businessmodell sieht in etwa so aus: Du es nicht böse, doch will man nicht als Franz Fuchs least dir ein günstiges gebrauchtes Raubtier oder ein der Raubtierbesitzer enden, sind getrennte SchlafVorführmodell und vermietest es für gewisse Anlässe. Werbedreh, Schwerverbrecherhochzeit, Kinderzimmer das Mindeste. geburtstag. Ein anderer Großkatzenbetreiber wollte nicht di Manche Russinnen scheinen bereit, insbesondere rekt von der Haltung abraten, räumte aber immerhin für die instagramgeeignete Ablichtung mit wilden ein, er rechne eigentlich ständig damit, von seinem Geschöpfen ordentlich Geld auszugeben. Jedenfalls Leoparden getötet zu werden. Der Leopard selbst war leider zu keiner Stellungnahme bereit. waren es die für den Nichtoligarchen sowohl mental Apropos bereit: Sind Sie nun endlich willens, als auch chirurgisch-kosmetisch eher gewöhnungsbedürftigen Frauen in der Doku. Vorteil: Ist der leicht meinen wöchentlichen Newsletter zu lesen? Dann nervös umherstreifende Leopard endlich im Bild, versetzen Sie sich doch dazu auch in die Lage, indem kann auf obszöne Gesten im Bikini oder die hinterSie ihn abonnieren. Geht ganz einfach und kostensinnige Drapierung von Bananen oder vergleichbaren los unter newsletter.jf-park.com.  Öbstern verzichtet werden, und es gibt trotzdem jfpark@6020stadtmagazin.at knisternde Erotik mit Niveau! 78


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6020 Stadtmagazin | April 2021  

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