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impact Nr. 26 | September 2014

N AU C E U HA A PP LS

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

ZHAW-ALUMNUS

Stefan Steiner spürt vielversprechende Internetfirmen auf SOCIAL MEDIA

Empfehlungen von Kunden werden immer wichtiger ABSCHLUSSARBEITEN

«Gebärdensprache automatisch in Text und Lautsprache umzuwandeln – das ist das Ziel» Andri Reichenbacher, ICT-Accessibility Lab

Von Turbogrills und cleveren Kugelschreibern

DOSSIER WIR SELBERMACHER

Der Trend zum Selbermachen weitet sich aus: Über 3D-Printing, Crowdfunding, Selbstcoaching, Selfies und Urban Gardening


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EDITORIAL | INHALT

Impact | September 2014

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PANORAMA

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NACHGEFRAGT Fussgängerstreifen: Risikozone?

10 ALUMNI Stefan Steiner, Start-up Scout beim Medienkonzern Tamedia

14 ABSCHLUSSARBEITEN Newcomer: Turbogrills, Smartpens und wie man Rückstände in Chemiekesseln findet

16 FORSCHUNG Bewegter Alltag: Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt in Zürcher Altersheimen

Machs doch selbst! Es gab eine Zeit, da wurden wir an der Gemüsetheke bedient, eröffneten einen Dauerauftrag mit unserer persönlichen Unterschrift am Bankschalter und kauften unser Flugticket im Reisebüro. Heute fragt mich das digitale Bodenpersonal am Flughafen, ob ich den Adresskleber am Koffer befestigt habe, beim Einkaufen bin ich meine eigene Kassiererin, und Bankgeschäfte erledige ich online auch ganz nebenbei noch. «Machs doch selbst» gilt für immer mehr Bereiche unseres Lebens. Welche Auswirkungen hat der Trend zum Selbermachen auf Gesellschaft und Wirtschaft (S. 26)? Braucht es künftig noch Fabriken? Oder drucken wir uns alles selbst mit dem 3D-Drucker aus (S. 32)? Bis das exakt auf uns abgestimmte Essen aus dem Drucker kommt, ernten wir unser Gemüse aus den Rabatten der «essbaren Stadt» oder aus Pflanzkisten auf unserem Balkon (S. 44). Wir coachen uns selbst (S. 40), und mit Selfies machen wir unser Leben zu einer permanenten Ich-Kampagne – wenn auch nicht immer zu unserem Vorteil (S. 37). Was machen Sie am liebsten selbst? Schreiben Sie uns, falls Ihnen vor lauter Selbermachen Zeit dazu bleibt! PATRICIA FALLER, Chefredaktorin

Impressum Herausgeber: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Winterthur, und ALUMNI ZHAW Redaktionsleitung: Patricia Faller (Chefredaktorin) Silvia Behofsits (Projektleitung) Claudia Gähwiler

18 Social Media: Eine Analyse beim Kochge-

10 Stefan Steiner

Als Start-up Scout bei Tamedia sucht der Alumnus der School of Management and Law nach vielversprechenden Jungunternehmen.

schirrhersteller Kuhn Rikon

21 MENSCHEN «Ich habe immer Ruhe»: Andri Reichenbacher, wiss. Mitarbeiter und gehörlos

DOSSIER 26/14 WIR SELBERMACHER 25 Die arbeitende Kundin

Birgit Werkmann-Karcher, Angewandte Psychologie

26 Interview

Selbermachen – Fluch oder Segen? Milena Gehrig, Soziale Arbeit, und Frank Hannich, School of Management and Law

32 Wir Selbermacher Vom Leben aus

14 Abschlussarbeiten

Von Turbogrills, schlauen Schreibstiften und wie man unerwünschte Rückstande in chemischen Produktionsanlagen aufspürt.

dem 3D-Drucker, Geldsegen aus dem Netz, Selbstcoaching und Urban Gardening

37 Meinung Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik: #Unfrei in der MitmachGesellschaft

38 Spotlight

Was machen Sie am liebsten selbst?

49 WEITERBILDUNG 51 NEWS AUS DEN DEPARTEMENTEN 59 STIFTUNG ZHAW 60 NEWS FÜR ALUMNI ZHAW 66 PERSPEKTIVENWECHSEL

Redaktionskommission: Roberto Bretscher (ALUMNI ZHAW); Hubert Mäder (Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen); Ursina Hulmann (Gesundheit); Aleksandra Gnach (Angewandte Linguistik); Birgit Camenisch (Life Sciences und Facility Management); Tanja von Rotz (Angewandte Psychologie); Nicole Barp (Soziale Arbeit); Matthias Kleefoot (School of Engineering); Florian Wehrli (School of Management and Law)

Redaktionelle Mitarbeit: Corinne Amacher, Andreas Engel, Abraham Gillis, Sarah Jäggi, Thomas Meier, Andrea Söldi, Sibylle Veigl, Florian Wehrli Fotos: Conradin Frei, Zürich, alle ausser S. 5,7, 19, 22, 36, 41, 51 – 66 Grafik/Layout: Till Martin, Zürich

Kontakt: ZHAW-Impact, Redaktion, Postfach, 8401 Winterthur; zhaw-impact@zhaw.ch Inserate: Zürichsee Werbe AG, Postfach, 8712 Stäfa, impact@zs-werbeag.ch, Tel. 044 928 56 34 Vorstufe/Druck: Swissprinters AG, Zofingen

16 Bewegter Alltag

Weil Betagte zu viel sitzen, braucht es eine neue Bewegungskultur für Alterseinrichtungen. Ein ZHAWProjekt ist dieser auf der Spur.

Auflage: 23’000 ZHAW-Impact erscheint viermal jährlich. Nächste Ausgabe: 3. Dezember 2014

Impact digital:

Adressänderungen: info@zhaw.ch

Die aktuelle Ausgabe im App-Store

Weitere Exemplare: zhaw-impact@zhaw.ch, Telefon 058 934 74 66

Als pdf und weitere Infos: ↘ www.zhaw.ch/ zhaw-impact ↘ www.facebook.com/ zhaw.ch ↘ twitter.com/zhaw


IMPACT als app Alles wird smart – auch das «Impact». Das Hochschulmagazin können Sie auch als App für iPad und Android-Tablets im iTunes Store oder auf Google Play herunterladen. Damit passen wir uns den sich wandelnden Lesegewohnheiten an. Das E-Magazin bietet die Inhalte der Printausgabe und noch etwas mehr wie weiterführende Informationen, Bildstrecken und Videos. Dadurch soll Ihr

In der digitalen Ausgabe: DOSSIER: WIR SELBERMACHER 3D-Drucker: «Tischlein deck dich» mit dem 3D-Drucker. Eine animierte Grafik demonstriert, wie FoodPrinting funktioniert. Und ausserdem: ein filigraner Flaschenöffner aus Metallpulver. Ein Video und eine Bildstrecke zeigen, was man alles ausdrucken kann. Rektor-Kolumne: Sind wir «Selbermacher» wirklich unabhängiger geworden?, fragt Rektor Jean-Marc Piveteau in seiner Kolumne, die künftig in jeder digitalen Ausgabe des «Impact» zu finden sein wird. Onkel Doktor App: Alles beginnt mit einem Hüsteln am Morgen und wird zum Horrortrip im Web. Ausserdem: Sechs ausgewählte App zum Thema Wohlbefinden.

ABSCHLUSSARBEITEN Würstchen vom Turbo-Grill: Eine animierte Grafik zeigt, wie er funktioniert. Der clevere Kugelschreiber überführt Skizzen auf Papier in die digtale Welt. Ein Video. Und ausserdem: Wenn Roboter Bier servieren. Ein Video

PANORAMA Toni-Areal: Ein Rundgang bei der offiziellen Einweihungsfeier durch das neue Domizil von ZHAW Soziale Arbeit und ZHAW Angewandte Psychologie. Eine Bildstrecke

Einblick in Forschung und Lehre der ZHAW noch authentischer und vielfältiger werden. Schauen Sie rein in die digitale Ausgabe und schreiben Sie uns, was Ihnen daran gefällt und was nicht. Für alle, die lieber blättern als wischen, gibt es auch weiterhin die Printausgabe. Viel Spass beim Lesen

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PANORAMA

Impact | September 2014

Toni-Areal: Wo sich Wissenschaft und Kunst begegnen Zum Start ins Herbstsemester 2014 wurde der Campus ToniAreal in Zürich-West nach fünf Jahren Bauzeit eröffnet. Mit einer offiziellen Eröffnungsfeier und den «Tagen der offenen Tür» wurde er im September seiner Bestimmung übergeben. Regierungspräsidentin Regine Aeppli und Regierungsrat Markus Kägi des Kantons Zürich sowie der CEO des Baukonzerns Allreal, Bruno Bettoni, und die Hochschulrektoren Jean-Marc Piveteau (ZHAW) und Thomas Meier (ZHdK) betonten in ihren Ansprachen die Symbolkraft des Ortes, die zeitgemässe Ausstattung, welche es erlaube, die Ausbildungsqualität zu sichern, sowie die aussergewöhnliche Architektur. «Der Campus ist Ausdruck von Innovation und Weitsicht und lässt viele Herzen höher schlagen», so Bildungsdirektorin Regine Aeppli. Jean-Marc Pive-

teau, Rektor der ZHAW, unterstrich den identitätsstiftenden Charakter: «Der Campus fördert den Dialog zwischen den Mitarbeitenden und Studierenden über die Disziplinen hinweg. Er wird zu einem Ort der Begegnung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.» 1400 Unterrichtsräume, Vorlesungs-, Konzert- und Ballettsäle ebenso wie ein Kino stehen den rund 5000 Studierenden, Mitarbeitenden und Dozierenden der beiden Hochschulen zur Verfügung. Von der ZHAW sind die Departemente Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie ins «Toni» eingezogen mit etwa 1100 Studierenden und 250 Mitarbeitenden. Hinzu kommen 2000 Weiterbildungsteilnehmende, die jährlich die ZHAWAngebote besuchen. Doch das Toni-Areal ist mehr als ein Campus. Über 600 Veranstaltungen sollen jährlich stattfin-

ZHAW-Wissen für Firmen Unter welchen Bedingungen können externe Unternehmen oder staatliche Organisationen Forschungsergebnisse der ZHAW kommerziell umsetzen? Ein neuer Leitfaden soll allen externen Partnern der ZHAW Antworten auf Fragen der Zusammenarbeit zwischen Hoch-

Neuer Leitfaden.

schule und Wirtschaft geben. Der Leitfaden zum Wissensund Technologietransfer (WTT) erklärt Formen möglicher Zusammenarbeit oder wie die wirtschaftliche Verwertung von Forschungsergebnissen möglich ist. Das Spektrum reicht von kleinen Analyseaufträgen bis zu grossen Entwicklungsaufgaben oder Studien. Mit dem neuen Merkblatt soll allen Partnern gezeigt werden, welche Grundsätze die ZHAW verfolgt, damit die Forschungsergebnisse schnell zur Marktreife gelangen können. Langfristig soll aus der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschat ein Nutzen für die Gesellschaft und die Volkswirtschaft entstehen.

↘ Mehr Informationen auf: www.zhaw.ch/forschung

Erkundungstour bei der Eröffnung des Campus Toni-Areal: (vorne) Regine Aeppli, Bruno Bettoni und Jean-Marc Piveteau. den. Zudem sind im Hochhaus 100 Mietwohnungen entstanden. Die Eröffnung des Campus ist ein Meilenstein in der Umsetzung der Fachhochschulstrategie des Kantons. Der Regierungsrat legte 2005 fest, die Zürcher Fachhochschule

(ZFH) an den Standorten Zürich, Winterthur und Wädenswil auf möglichst wenige Gebäude zu verdichten. Nach der PH ist das Toni-Areal der zweite Campus.

Studierendenzahl: Leichter Anstieg

Horizon 2020: erste Beteiligung der ZHAW

Am 15. September 2014 haben rund 3600 junge Frauen und Männer ein Studium an der ZHAW begonnen. Damit hat sich die Zahl der Neuanmeldungen gegenüber dem Vorjahr leicht erhöht (2013 waren es 3400 neue Studierende). Der Anteil der Frauen bei den neu immatrikulierten Studierenden beträgt 44 Prozent. Insgesamt studieren an den Standorten der ZHAW in Winterthur, Zürich und Wädenswil rund 11‘200 Personen (im Vorjahr waren es 11‘008) in 26 Bachelorund 14 konsekutiven Masterstudiengängen – unter anderem im neuen Masterstudiengang Management and Law. Im Laufe des Jahres 2014 schliessen gegen 2800 Studierende ihr Bacheloroder Masterstudium ab.

Die ZHAW beteiligt sich erstmals an einem Forschungsprojekt im Rahmen des neuen EUProgramms «Horizon 2020». Das Projekt «ProPAT» (Robust and affordable process control technologies for improving standards and optimising industrial operations) soll industrielle Prozesse durch Echtzeitsteuerung zuverlässiger und effizienter machen. ZHAW-Forschende bearbeiten Fragen aus der analytischen Chemie und beurteilen die Nachhaltigkeit aus ökologischer Sicht. Unter der Leitung von Chahan Yeretzian sind das Institut für Chemie und Biologische Chemie sowie das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen beteiligt.

ZHAW IMPACT APP Ein fotografischer Rundgang durch das Toni-Areal

↘ Weitere Informationen unter http://bit.ly/1BsHgLo

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Donnerstag, 27. – Samstag 29. November 2014

WINTERTHUR URBAN FORUM STÄDTE DER ZUKUNFT. STÄDTE DER NÄHE. Wir sind Winterthur – www.zhaw.ch/wuf Wie gestaltet sich das Leben in den Städten der Zukunft? Das Winterthur Urban Forum, eine internationale und interdisziplinäre Tagung, wirft einen Blick in die Zukunft des Stadtlebens. Trends wie Urbanisierung der Gesellschaft, demographischer Wandel, technologische Neuerungen und soziale Nachhaltigkeit stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Referenten sind unter anderen Saskia Sassen, Columbia University New York, Peter Sloterdijk, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, David Bosshard, Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) und Jörg Stollmann, TU Berlin. Die Tagung richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Diskutieren Sie mit und melden Sie sich an: www.zhaw.ch/wuf


PANORAMA

Impact | September 2014

Winterthur Urban Forum Wie gestaltet sich das Leben in den Städten der Zukunft? Mit einem vielseitigen Programm greift das Winterthur Urban Forum Fragen zu den Chancen und Herausforderungen der grossen urbanen Entwicklungstrends auf. Die internationale und interdisziplinäre Tagung findet vom 27. bis 29. November in Winterthur statt. Es nehmen namhafte Referentinnen und Referenten teil wie Saskia Sassen (Columbia University und London School of Economics), Peter Sloterdijk (Hochschule für Gestaltung Karlsruhe), David Bosshart (GDI Gottlieb Duttweiler Institute) und Stephan Sigrist (Leiter des Think Tanks W.I.R.E). «Im Mittelpunkt der Tagung stehen die Entwicklung

von Lebensqualität und Raumqualität von kleineren bis mittelgrossen Städten in Europa», so Jean-Marc Pivetau, Rektor der ZHAW. Es werden in diesem Zusammenhang drei wesentliche Aspekte thematisiert: Kommunikation, Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische und soziale) und Identität. Professor Walter Siebel, Soziologe der Universität Oldenburg, stellt in seinem Impulsreferat auch die provokative Frage: «Ist die europäische Stadt ein zukunftsfähiges Modell?» Mit dem Forum leistet die ZHAW einen Beitrag zum 750-JahreStadtjubiläum von Winterthur und blickt dabei nicht nur zurück, sondern vor allem voraus. Denn Themen wie Wachstum

und Stadtentwicklung sind in aller Munde: Politiker, Stadtplaner, Architekten, Soziologen und Ökonomen sowie Bürgerund Quartiervereine befassen sich intensiv mit der Entwicklung von Städten. Trends wie Urbanisierung der Gesellschaft, demografischer Wandel, technologische Erfindungen, Neue Medien und generell die gesellschaftliche Wachstumsdynamik werden das Leben in den Städten verändern. Die Tagung richtet sich an alle, die Interesse am städtischen Leben, an der Entwicklung von Städten und an ihrer Zukunft haben.

 Weitere Informationen unter www.zhaw.ch/wuf

Für neugierige Kinder.

Kinderuniversität Die Kinderuniversität Winterthur geht in die vierte Runde. Zwischen Oktober 2014 und Januar 2015 führen Naturwissenschaftler neugierige Kinder in ihre jeweiligen Forschungsgebiete ein. Das menschliche Gehirn, die Kraft der Sonne oder die Wege der Zugvögel sind nur einige der Themen, die anschaulich beleuchtet werden.

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08.09.2014 11:23:17


PANORAMA

Impact | September 2014

Nachgefragt bei Sarah Diener Risikozone Fussgängerstreifen?

Sarah Diener ist Mitarbeiterin im Forschungsschwerpunkt «Verkehrs- & Sicherheitspsychologie» am ZHAW-Departement Angewandte Psychologie. Derzeit arbeitet sie an einem Folgeprojekt zu fussgängerstreifenlosen Ortszentren (FLOZ) in der Schweiz. Die erste Untersuchung wurde 2007 durchgeführt. Das zweijährige Folgeprojekt, das noch bis 2015 dauert, hat zum Ziel, die Auswirkungen solcher Bereiche längerfristig zu beobachten. Es wird vom Forschungsschwerpunkt in Kooperation mit dem Ingenieurbüro Ghielmetti und Verkehrsteiner Bern durchgeführt sowie vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) unterstützt.

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forschung

Die jüngste Unfallstatistik zeigte: Die Zahl der Unfälle, bei denen Autofahrer schwer verletzt oder getötet wurden, nimmt ab. Wo­ rauf führen Sie das zurück? Da immer mehr Fahrzeuge auf den Strassen unterwegs sind, sinkt folglich die gefahrene Geschwindigkeit, was zu weniger schwerwiegenden Unfällen auf Seiten der Autofahrer führt. Zudem kann man davon ausgehen, dass auch medizinische und technische Verbesserungen dazu beitragen. Weshalb nehmen schwere Unfäl­ le mit Fussgängern zu? Mit der zunehmenden Fahrzeugdichte auf den Strassen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Fussgängerunfällen. Zudem profitieren Fussgänger kaum von technischen Verbesserungen, denn für ihren Schutz wird bislang noch relativ wenig getan. Um jedoch konkretere Aussagen machen zu können, bräuchte man den Vergleich zu den Gesamtunfallzahlen.

Weshalb sind gerade Fussgäng­ erstreifen Risikozonen? Sind sie das wirklich? Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn hierfür fehlen uns die systematischen Expositionsdaten. Solange wir nicht wissen, wer an welcher Stelle die Strasse überquert, können wir auch keine Aussage darüber machen, ob Fussgängerstreifen sicherer oder gefährlicher sind. Ein Projekt zur Überprüfung der 50-Meter-Regel an Fussgängerstreifen, bei welchem der Forschungsschwerpunkt Verkehrs& Sicherheitspsychologie der ZHAW involviert war, hat gezeigt, dass auf Fussgängerstreifen weniger Unfälle passieren, was jedoch nicht bedeutet, dass man da auch sicherer ist. Was sollte man tun? Handlungsbedarf besteht hier zum einen bei der Sensibilisierung der Fussgänger. Ihnen muss bewusst werden, dass sie sich beim Überqueren eines Fussgängerstreifens nicht un-

bedingt auch auf höchster Sicherheitsstufe bewegen. Zum anderen sind viele Fussgängerstreifen nicht optimal gesichert. Eine optimale Beleuchtung in der Nacht oder das Vermeiden von Fussgängerstreifen unmittelbar nach Kurven könnte da helfen. Sie führen ein Projekt zu fuss­ gängerstreifenlosen Ortszentren – kurz FLOZ – durch. Was sind die ersten Erkenntnisse? Die Kunst bei FLOZ ist es, sie so zu gestalten, dass sie sicher sind und den Verkehrsfluss dabei nicht zu stark beeinträchtigen. Frühere Untersuchungen kamen zu der Erkenntnis, dass solche Bereiche gut funktionieren. Wir vermuten, dass die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer besser aufeinander achten, wenn es keine Zebrastreifen oder Ampeln gibt. Für endgültige Beurteilungen ist es aber noch zu früh. Interview: Patricia Faller

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ALUMNI

Impact | September 2014

BERLIN, LONDON, SAN FRANCISCO

Der Start-up Scout Kaum einer kennt sich in der europäischen Internetszene so gut aus wie Stefan Steiner. Hunderte Businesspläne hat er schon studiert. Für Tamedia erkundet er vielversprechende digitale Unternehmen. CORINNE AMACHER

M

itten in den Sommer­ ferien schloss die Tamedia­Spitze im ho­ hen Norden einen stra­ tegisch wichtigen Deal ab. Der Me­ dienkonzern übernahm die Mehr­ heit von Trendsales, der grössten Internetplattform für Vintage­ und Secondhandmode in Dänemark, die auch in den anderen skandina­ vischen Ländern und in Deutsch­ land etabliert ist. Nach der Über­ nahme der Pendlerzeitung «Me­ troxpress» ist es der zweite Zukauf der Schweizer in Dänemark.

Stefan Steiner, Absolvent der ZHAW School of Management and Law, arbeitet bei Tamedia im elfköpfigen Digital Development Team.

Die Ortung solcher Firmen gehört zu den Aufgaben von Stefan Stei­ ner – 1983 geboren und ein prototy­ pischer Vertreter der sogenannten «Digital Natives», also der Genera­ tionen, die mit Computer, Internet und Handy gross geworden sind. Seit März 2013 arbeitet er bei Tame­ dia im elfköpfigen Digital Develop­ ment Team als Start­up Scout und spürt in dieser Funktion in ganz Eu­ ropa vielversprechende Jungunter­ nehmen aus der Internetszene auf, die den Traditionskonzern in die digitale Zukunft führen sollen. Da­ durch erhofft sich das Medienunter­ nehmen, das rückläufige Geschäft

im Printbereich ausgleichen zu kön­ nen. Ein Dutzend klingender Na­ men stehen schon im Portfolio, da­ runter Doodle, Homegate, Zattoo, Starticket, jobs.ch oder search.ch.

Digitale Brennpunkte Stefan Steiner sorgt dafür, dass Trendsales nicht der letzte Kauf sein wird. Der Aktionsradius des Schaffhausers erstreckt sich längst über die Landesgrenzen hinaus und reicht von den digitalen Brenn­ punkten Berlin und London bis zur türkischen Gründerszene, «einer in­ teressanten Schnittstelle zwischen Europa und Asien», wie er sagt. Täg­ lich landen Businesspläne von Fir­ mengründern in seiner Mailbox, die gerne Kasse machen würden. Er sichtet alle – und verwirft die meis­ ten. «Die wirklich interessanten Geschichten sind die, die wir ak­ tiv suchen oder die mir über mein Netzwerk empfohlen werden.» In diesem Netzwerk setzt Stei­ ner systematisch seine Knoten. Auf dem realen Parkett beherrscht er die Kunst des Small Talks genauso wie die der gehobenen Konversati­ on. In der digitalen Welt pflegt er sei­ ne Kontakte auf sämtlichen verfüg­ baren sozialen Medien – twitternd, bloggend, mailend. Als er feststell­

te, dass sich die Mitarbeitenden der verschiedenen digitalen Tame­ dia­Beteiligungen gar nicht kann­ ten, obschon sie zur gleichen Sparte gehören und teilweise im gleichen Gebäude arbeiten, organisierte er Meetings zum Kennenlernen und zum Ideenaustausch. Mittlerweile sind die Exponenten untereinander vernetzt. «Wenn ich organisieren oder im­ provisieren kann, bin ich im Ele­ ment», sagt Steiner. Vom KV Fest in Schaffhausen bis zu Turnveranstal­ tungen in seiner Heimatgemeinde Thayngen – überall, wo ein Tätsch­ meister gefragt ist, ist der Schnell­ denker und Schnellredner zur Stelle.

Golfplatz auf der Fähre Professionelle Expertise im Event­ management erarbeitete er sich in der Marketingabteilung der Cre­ dit Suisse St. Gallen, wo er nach der Banklehre sieben Jahre lang für die Organisation von Anlässen für ver­ mögende Kunden zuständig war, die schon alles erlebt haben. Einmal liess Steiner eine Bodensee­Fähre so herrichten, dass auf ihr ein Golf­ turnier stattfinden konnte. Der Clou dabei: Die Fähre zog eine Insel mit­ samt Green hinter sich her. Keiner

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ALUMNI

Impact | September 2014

der Gäste hatte vorher oder nachher jemals seine Bälle auf diese Weise übers Wasser geschlagen. Am Ball blieb Steiner auch beruflich. Er studierte an der School of Management and Law der ZHAW Betriebswirtschaft; das Auslandsemester absolvierte er an der European Business School in London. «Am Studium habe ich vor allem den starken Praxisbezug geschätzt», sagt er, «besonders wenn Dozenten aus der Industrie ihre Erfahrungen weitergaben.» In seiner Diplomarbeit schrieb er einen Businessplan für eine Online-Verwaltung

von Vereinen, nachdem der Leichtathlet für seinen Turnverein kein geeignetes Instrument gefunden hatte. Steiner klärte die Bedürfnisse ab, machte eine Marktanalyse und erstellte den Geschäftsplan.

Geboren mit «digitaler DNA» Parallel dazu besuchte er Events und Kurse für Jungunternehmer, wo er treibende Kräfte der Schweizer Internetszene wie Nicolas Berg kennenlernte. Dieser verschaffte ihm eine Stelle bei der Risikokapitalfirma Redalpine. Dort sichtete Steiner, der von sich behauptet, mit einer «digitalen DNA» geboren wor-

den zu sein, täglich mehrere Businesspläne und legte so die Basis für sein professionelles Gespür: «Neben meinem ökonomischen Verständnis entwickelte ich ein Sensorium für die personelle Zusammensetzung und das Funktionieren von Teams», sagt er, «für den Erfolg eines Start-ups ist das Team wichtiger als die Idee.» Eine mittelmässige Idee könne durch ein gutes Team aufgewertet und erfolgreich werden, eine gute Idee hingegen sei mit einem mittelmässigen Team chancenlos. Wichtige Kontakte knüpfte er anschliessend bei der Spielplattform Questli, für die er unter anderem in

«Für den Erfolg eines Start-ups ist das Team wichtiger als die Idee. Eine gute Idee ist mit einem mittelmässigen Team chancenlos.» ANZEIGE

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Zürcher Fachhochschule

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Impact | September 2014

Kalifornien im Silicon Valley arbeitete, wo er weitere wichtige Internet-Exponenten kennenlernte wie Financier Zack Bogue, den Ehemann von Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Bei Tamedia wird der Wandel vom Printverlag zum digitalen Medienkonzern mit Hochdruck vorangetrieben. Lange Zeit wurden Formate wie Kleinanzeigen aus den Printmedien ins Internet gestellt. Daraus gingen schliesslich Plattformen wie Homegate oder jobs. ch hervor. Der nächste Expansionsschritt führt laut Steiner weg vom klassischen Mediengeschäft: «Nun werden Bereiche wie Gesundheit oder Finanzen von der Digitalisierung erfasst.» Digitale Impfausweise, elektronische Patientendossiers, Geldtransfer via App, mobile Vermögensverwaltung heissen die Themen der Stunde. Mittelfristig will Tamedia die Hälfte des Umsatzes und des Ergebnisses im digitalen Geschäft erwirtschaften; derzeit liegt der Anteil bei 25 Prozent. Das Wachstum soll in erster Linie über Zukäufe erfolgen. Während Stefan Steiner also weiter in der Start-up-Szene sondiert, wird er immer auch an seinen eigenen grossen Traum erinnert: Ein eigenes Unternehmen – oder wie er sich salopp ausdrückt: «Irgendwann möchte ich mein eigenes Ding machen.» Erste unternehmerische Erfolge verzeichnete er in den Anfängen des Internets, als er eine Website für ein Projekt der Sekundarschule Thayngen programmierte. Als weitere Aufträge von Firmen und Vereinen folgten, gründete er die Internetagentur ststone.net. Zusammen mit seinem ökonomischen Wissen und der Berufserfahrung habe er nun eine solide Basis für den Aufbau einer Firma. Das Einzige, was noch fehle, sei eine zündende Idee. Aber Stefan Steiner wäre nicht Stefan Steiner, wenn er nicht irgendwann eine hätte. ■

↘ Zu Stefan Steiners Blog

www.blogstone.net

ALUMNI

Überflieger und prototypischer Digital Native: «Wenn ich organisieren oder improvisieren kann, bin ich im Element», sagt Stefan Steiner. Überall, wo ein Tätschmeister gefragt ist, er zur Stelle.

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ABSCHLUSSARBEITEN

Impact | September 2014

Von Turbogrills und schlauen Schreibstiften Wie kann man schnell grosse Mengen Fleisch oder Gemüse grillieren, einen von Hand gezeichneten Geschäftsprozess in eine Software integrieren oder prüfen, ob chemische Produktionsanlagen wirklich rein sind? Drei Abschlussarbeiten geben Antworten. Sibylle Veigl

UNERWÜNSCHTEN RÜCKSTÄNDEN AUF DER SPUR Der 25-jährige Adrian Wyss hat mit seiner Bachelorarbeit zum Thema «Einsatz von Fluoreszenz-Spektroskopie für die Reinigungskontrolle bei der Herstellung von Feinchemikalien» den deutschen ProzessanalytikAward erhalten, der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Gesellschaft für Chemische Technik jährlich verliehen wird. Er arbeitet seit Herbst 2013 als Entwicklungsingenieur bei der Firma Klöckner Pentaplast in Bern, welche Kunststofffolien herstellt.

NEWCOMER

Jedes Jahr erarbeiten Studierende der ZHAW in den acht Departementen über 2000 Forschungsbeiträge auf Bachelor- und Masterstufe. Sie tragen mit wichtigen Erkenntnissen zur Forschung bei. Einige der Nachwuchsforscher wurden für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Wir stellen jeweils drei dieser Abschlussarbeiten vor.

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Wenn in der chemischen Industrie Wirkstoffe und Feinchemikalien in speziellen Mehrzweckanlagen hergestellt werden, bleiben nach der Reaktion Rückstände davon in den Kesseln zurück. Die Behälter müssen deshalb gründlich gereinigt werden. Besonders wichtig ist dies, wenn es sich bei den Rückständen um hochtoxische Peptide (kleine Proteine) handelt, welche folgende Produktionen kontaminieren könnten. «Die Restmenge an toxischen Peptiden indiziert in diesem Fall die Reinigungsgüte», sagt Adrian Wyss. Er hat sich gefragt, wie diese unerwünschten Reaktionsrückstände möglichst schnell und gründlich aufgespürt werden können; der Chemiekonzern Lonza war dabei Forschungspartner. Um diese Peptide zu identifizieren und zu quantifizieren, verwendete Wyss die sogenannte FluoreszenzSpektroskopie: Dabei werden Substanzen mit Licht – in seinem Fall Xenon-Licht – bestrahlt, welche als Reaktion darauf wiederum Fluoreszenzlicht emittieren und so erkannt werden können. Der Vorteil: Fluoreszenzmessungen können sehr schnell durchgeführt werden und kleinere Mengen nachweisen als andere Spektroskopie-Verfahren. «Dies wird Lonza in Zukunft die Reinigungskontrolle erleichtern», sagt Wyss. Denn solche Analysen sind zeitaufwendig – werden sie beschleunigt, so spart dies Kosten. Geforscht hat Wyss an einer Laboranlage in Wädenswil und an Peptiden, welche nicht oder weniger toxisch sind als die Peptide von Lonza. Denn die mehrere tausend Liter umfassenden Anlagen bei Lonza befinden sich in einem Sicherheitsbereich, zu dem nur ausgewählte Mitarbeitende Zutritt haben. Interessant wäre jetzt zu erforschen, wie die Methode bei Lonza implementiert werden könnte, oder die Versuche an den realen toxischen Peptiden durchzuführen, sagt Wyss.

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GRILLIEREN IN SEKUNDENSCHNELLE Die ausgebildeten Konstrukteure Pascal Egger (28) und Pascal Stutz (26) haben sich bei ihrem Arbeitgeber Aerne Engineering kennengelernt und dort auch ihr Bachelorthema der Grillbox realisiert. Anfang Juli haben sie ihr Teilzeitstudium an der School of Engineering im Bereich allgemeine Maschinentechnik abgeschlossen. «Jetzt wollen wir ein paar Jahre bei der Arbeit Vollgas geben», sagt Egger.

Warteschlangen am Wurstgrill – wer kennt das nicht? Pascal Egger und Pascal Stutz wollen hier Abhilfe schaffen: Sie haben im Rahmen ihrer Bachelorarbeit einen Grill entwickelt, der grosse Mengen an Fleisch oder Gemüse schnell und mit hoher Qualität brät. Ihre Grillbox, wie sie ihr Gerät nennen, realisierten sie bei und mit ihrem Arbeitgeber, der Firma Aerne Engineering in Arbon, und in Zusammenarbeit mit einem Kunden aus der Lebensmittelindustrie. Das Ziel sei gewesen, einen Hochleistungsgrill zu entwickeln, der für Cateringfirmen geeignet ist, aber auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden könne, sagt Egger, welcher selbst schon im Catering-Geschäft seiner Familie mitgeholfen hat. Entstanden ist der Prototyp eines elektrisch betriebenen Grills, der aus einem Grundgestell mit zwei Grillrosten und einem Grillkopf besteht, wobei der Grillkopf von einem Rost zum andern bewegt werden kann. Der Vorteil: Während ein Teil der Würste brät, kann die nächste Portion auf dem zweiten Rost vorbereitet werden. Das Grillgut wird dabei wie ein Sandwich eingeklemmt. «Herausfordernd war, die Bedienung möglichst einfach zu gestalten und die Grillmechanik resistent gegenüber den hohen Temperaturen zu machen», sagt Egger. Nun stehen weitere Tests an, um den Prototyp in ein Serienprodukt zu überführen. Ein Knackpunkt der Weiterentwicklung ist zum Beispiel das Gewicht: Der Grill ist mit seinen 250 Kilogramm noch zu schwer, was gerade für eine Cateringfirma mit ihren wechselnden Arbeitsorten ein Problem ist. Auch Aspekte der Hygiene müssen weiter untersucht werden: Der Grill muss leicht gereinigt werden können und Rückstände im Grillraum sollten möglichst vermieden werden. Bis Ende Jahr wollen Egger und Stutz ihre Grillbox zur Marktreife weiterentwickeln.

↘ http:// bit.ly/1sNo1Ji ZHAW IMPACT APP So funktioniert der Turbogrill. Und: Mein Roboter der Barkeeper.

DER CLEVERE KUGELSCHREIBER Roger Wipfs Bachelorarbeit «Geschäftsprozesse mit Smartpen zeichnen und in Appway ausführen» ist als beste Bachelorarbeit im Fach Wirtschaftsinformatik ausgezeichnet worden. Forschungspartner war dabei das Software-Unternehmen Appway. Als nächster Schritt will der 29-Jährige, der seit seiner KVInformatiklehre im Jahr 2000 bei der Credit Suisse als Software Engineer arbeitet, im Herbst mit seinem Masterstudium beginnen – und dann in seiner Masterarbeit vielleicht auch zusammen mit Appway den Smartpen weiterentwickeln.

Die Lücke zwischen der analogen und der digitalen Welt schliessen – nichts weniger als das wollte Roger Wipf mit seiner Bachelorarbeit erreichen. Die Ausgangslage: Entwürfe von Geschäftsprozessen werden immer noch oft von Hand auf Papier gezeichnet. Will man die Skizzen in ein System einschleusen, um weiter daran zu arbeiten, so müssen diese manuell in die entsprechende Software übertragen werden. Wipfs Lösung: Ein digitaler Kugelschreiber, ein sogenannter Smartpen, überführt solche Skizzen während des Zeichnens in die entsprechende Software. Die so übertragenen Prozessdesigns können dann interaktiv genutzt und mit dem Smartpen wiederum weiter verändert werden. «Interessant fand ich den Versuch, in Zeiten von mobilen Endgeräten einen Schritt zurückzugehen und mit einem einfachen Stift Geschäftsprozesse zu entwickeln», sagt er. Denn für viele sei die Verwendung einer Applikation ein Hindernis, weil sie oft viel technisches Knowhow verlange. Bei seinem Stift ist dies anders, was ein grosser Vorteil am Markt sein könnte. Schwierig sei gewesen, genau zu spezifizieren, welche Vorteile ein Stift gegenüber einer mobilen Applikation haben solle. Noch ist der digitale Kugelschreiber ein Prototyp und mit Schwächen behaftet. Die Zuverlässigkeit der Objekterkennung, die drahtlose Datenübertragung und die Anpassung an moderne Betriebssysteme sind beispielsweise Punkte, die noch ausgefeilt werden müssten.

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FORSCHUNG

Impact | September 2014

BEWEGUNG IM ALTER

Rollator-Ballett und Treppensteigtag Weil Betagte zu viel sitzen, braucht es eine neue Bewegungskultur für Alterseinrichtungen. Ein interdisziplinäres ZHAW-Projekt ist dieser auf der Spur. Dabei sollen Senioren ihre Mitbewohner mobilisieren. ANDREA SÖLDI

D

onnerstagmorgen, kurz vor halb zehn. Nach und nach treffen die Bewoh­ nerinnen im Gymnastik­ raum des Zürcher Alterszentrums Klus Park ein. Einige sind noch gut zu Fuss, andere gehen mit Rolla­ tor und setzen sich mühevoll auf die vorbereiteten Stühle. Die Be­ wegungsgruppe beginnt mit einer Atemübung. Gleichzeitig sollen die Teilnehmerinnen abwechselnd die Beine anheben: links, rechts, links, rechts ... Schliesslich fragt die Ak­ tivierungsfachfrau Barbara Blass: «Welchen Berg besteigen wir?» Eine ältere Dame schlägt «den Bachtel» vor. Üetliberg, Hörnli und Lägern rufen andere. Nun strecken die Be­ tagten die Hände in die Höhe und re­ cken sich, als gelte es die Eigernord­ wand zu erklimmen. Schliesslich drehen sie den Kopf nach allen Sei­ ten, so wie man es macht, wenn man auf dem Gipfel angekommen ist und die Aussicht bestaunt.

Mobile Vorbilder Zwölf der insgesamt 104 Bewohne­ rinnen und Bewohner sind an die­ sem Morgen zusammengekom­ men. Solche Angebote werden er­ fahrungsgemäss nur von etwa zehn bis zwanzig Prozent wahrgenom­ men, weiss Karin Niedermann, Pro­ fessorin am Institut für Physiothe­ rapie der ZHAW. «Der Grossteil be­ wegt sich klar zu wenig auch im All­

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tag.» Um dem entgegenzuwirken, haben Fachleute der Departemente Gesundheit und Soziale Arbeit an der ZHAW ein Forschungsprojekt lanciert. Ziel ist ein Konzept, um die Bewegung im Heimalltag zu för­ dern und damit das körperliche und geistige Wohlbefinden. Die Idee sei dabei aber nicht, dass das Personal der Einrichtungen mehr Angebote schaffe, wie Niedermann betont. Vielmehr sollen die Bewohner sel­ ber aktiv werden.

«Wer noch mobil ist, hat meist eine volle Agenda und kaum Zeit für ein zusätz­ liches Engagement.» Professorin Karin Niedermann

Um mehr Leute zu gewinnen, wähl­ ten die vier Forschenden einen so­ genannten Peer­Ansatz: Männer und Frauen, die noch mobil und geistig fit sind, sollen anderen als Vorbilder dienen und sie motivie­ ren. «Wenn die Leute selber Verant­ wortung übernehmen, kann sich Eigendynamik entwickeln», ist Es­ ther Forrer Kasteel, Professorin am Departement Soziale Arbeit über­ zeugt. «Alle werden wir nie errei­ chen», ist sie sich bewusst. «Aber die Hälfte sollte möglich sein.» Nach einer Bestandesaufnahme in drei Alterszentren der Stadt Zü­ rich haben die Forschenden ver­

schiedene Workshops mit Bewoh­ nern durchgeführt, um deren An­ liegen aufzunehmen. «An diesen Treffen haben erstaunlich viele teil­ genommen und zahlreiche Ideen eingebracht», sagt Forrer Kasteel. Unter anderem wurden mehr Ver­ anstaltungen mit Musik gewünscht, Bewegungsmöglichkeiten im Park, ein Spieltag im Freien sowie eine Art Parcours innerhalb des Gebäudes, bei dem auch kognitive Fähigkeiten angeregt werden. Neben der Motiva­ tion zu mehr Bewegung wolle man ebenso die Kontakte untereinander fördern, wie Forrer Kasteel betont. Und: «Die Aktivitäten sollen Spass machen.»

Bewegungsräte für Heime Um die Ideen umzusetzen, schla­ gen die Fachleute einen Bewegungs­ rat vor, der sich regelmässig trifft. In einigen Zürcher Alterszentren gibt es bereits Bewohnerräte, wel­ che die Angelegenheiten der Pensi­ onäre diskutieren und sie der Heim­ leitung mitteilen. Geeignete Leute dafür zu finden, sei eine Herausfor­ derung, wie Niedermann einräumt: «Wer noch mobil ist, hat meist eine volle Agenda und kaum Zeit für ein zusätzliches Engagement.» Rund ein Drittel der Bewohner sei dage­ gen kognitiv oder körperlich sehr eingeschränkt. Ein Potenzial sehen die Forschenden bei Menschen, die noch neu in einer Institution sind, denen solch ein Engagement das Einleben erleichtern könnte.


Impact | September 2014

FORSCHUNG

Den Ansatz der ZHAW­Studie fin­ det die Aktivierungsfachfrau im Klus Park, Barbara Blass, interes­ sant. Die Umsetzung brauche aber Geduld, sagt sie. Eine Schwierigkeit sei, dass sich der Gesundheitszu­ stand der Pensionäre zunehmend verschlechtere, nicht zuletzt des­ halb, weil sie so lange als möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen und spät in eine Institution eintreten. Die Bewegungsveranstal­ tungen, die der Klus Park dieses Jahr eingeführt habe, seien aber ein Er­ folg gewesen, sagt Blass. Dazu zähl­ ten der Spielparcours im Park mit Therapieclowns oder der Volkstanz­ nachmittag. Wer nicht mehr sicher auf den Beinen war, konnte im Sit­ zen tanzen. Zudem hat das Zentrum einen Kraftraum neu eingerichtet.

Manche haben keine Lust Auch Ernst Bärtschi, Bewohner im Klus Park, hat sich Gedanken ge­ macht, wie er seinen Mitbewoh­ nern zu mehr Bewegung verhel­ fen könnte. Der 96­jährige Pensio­ när möchte einen Treppensteigtag einführen, an dem möglichst viele Lifte stillstehen. Auch eine Art Rol­ lator­Ballett könnte er sich vorstel­ len. «Wir haben hier zu wenig Bewe­ gung», findet er. «Es wird uns alles abgenommen.» Immer wieder lädt er Mitbewohner ein, sich mehr zu bewegen, doch nicht immer erfolg­ reich. Ähnliche Erfahrungen macht seine 82­jährige Kollegin: «Meine Tischnachbarin ist noch bei guter Gesundheit, aber sie hat keine Lust, auf Aktivitäten.» Finanziert wird die Forschungsar­ beit zu einem grossen Teil von der «Paradies­Stiftung für soziale Inno­ vation». Am Folgeprojekt, bei dem das Konzept unter wissenschaft­ licher Begleitung umgesetzt wird, beteiligt sich auch die Stadt Zürich. Die Geschäftsleitung der 25 Alters­ zentren sehe grosses Potenzial im neuen Ansatz, der die Bewohner einbezieht, sagt Niedermann. «Sie möchte in allen Heimen eine Art Be­ wegungskultur etablieren.» ◼

Mehr Bewegung im Heimalltag – und zwar nicht nur in speziellen Bewegungsgruppen –, dies fördert das körperliche und geistige Wohlbefinden von Seniorinnen und Senioren.

↘ Am Schlussbericht des Projekts «Bewegter Alltag in Alterszentren der Stadt

Zürich» waren vom Departement Gesundheit Andreas Bänziger und Professorin Karin Niedermann beteiligt, vom Departement Soziale Arbeit Barbara Baumeis­ ter und Professorin Esther Forrer Kasteel.

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FORSCHUNG

Impact | September 2014

SOCIAL MEDIA

Die Produkt-Ratings sind das Salz in der Suppe Bei Kaufentscheidungen werden die Empfehlungen im Netz immer wichtiger. So eine der Haupterkenntnisse einer Social-Media-Analyse, welche die ZHAW in Kooperation mit Kuhn Rikon durchgeführt hat. ABRAHAM GILLIS

W

ie verhalten sich Konsumentinnen und Konsumenten im sozialen Medium? Diese Frage rückt immer mehr ins Zentrum, wenn es um Marketingaktivitäten von Firmen geht. Ein Team der ZHAW School of Management and Law unter der Leitung der beiden Dozierenden Bettina BeurerZüllig und Armin Ledergerber hat dieses Potenzial für den Schweizer Kochgeschirrhersteller Kuhn Rikon eruiert. Aufgrund der Resultate konnten bereits einige Verbesserungsvorschläge formuliert werden. So raten die Autoren der Untersuchung unter anderem dazu, Produktebewertungen in den Onlineshops der Firma besser einzubinden und mehr Video-Inhalte bereitzustellen, insbesondere zu Tipps und Tricks rund ums Kochen. Überhaupt sind Ratings laut René ab Egg, Leiter Marketing und Product Management bei Kuhn Rikon, heute wichtiger denn je. Vor allem ein erklärungsbedürftiges Produkt wie zum Beispiel der Duromatic-

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Schnellkochtopf würde davon stark profitieren. Hier biete das Internet grosse Möglichkeiten.

Amerikaner aktiver im Social Web Vor dem Hintergrund der wachsenden Anzahl von Digital Natives auf den Einkaufsplattformen mögen einige Erkenntnisse aus der Studie weniger erstaunen. Denn gerade für diese ist das Netz ein wichtiger Gradmesser: Laut Studie orientieren sich jüngere Kundinnen und Kunden online stärker an persönlichen Empfehlungen als ältere. Im Ländervergleich lassen sich aber auch interessante Unterschiede feststellen. Wo sich Schweizer Kundinnen und Kunden eher für Produktinformationen und Rabatte interessieren, orientiert sich die US-Kundschaft stärker an Bewertungen anderer User. Überhaupt nehmen Amerikaner im Social Web eine aktivere Rolle ein als Schweizerinnen und Schweizer. Neben der Potenzialanalyse, an der auch eine Gruppe Studierender mitgewirkt hat, gibt auch eine Bachelorarbeit des ZHAW-Studierenden Mario Laubi Antworten auf die neuen Online-Herausforderungen des Kochgeschirrherstel-

lers. Grosses Potenzial sieht Laubi in der Vereinheitlichung der FacebookAuftritte von Tochterfirmen, über welche Kuhn Rikon weltweit ihre Produkte präsentiert. Vieles davon wurde bereits umgesetzt. Wie auch die Autoren der Potenzialanalyse weist der Wirtschaftsstudent darauf hin, dass die Aktualität des Auftritts essenziell ist. Dafür ist seiner Meinung nach neben der Bereitstellung von internen Ressourcen auch ein redaktioneller Inhaltsplan wichtig.

Social Media immer wichtiger Social Media wird nach Ansicht von René ab Egg für KMUs wie Kuhn Rikon in Zukunft noch viel wichtiger werden. «Konsumentinnen und Konsumenten möchten ihre Erfahrungen teilen, sich austauschen und von anderen hören, wie diese ein Produkt einschätzen. Deren Bewertungen und Kommentare werden als glaubwürdiger erachtet als werberische Botschaften von Unternehmen», erklärt der Marketingfachmann. Und das werde sich auch in Zukunft nicht mehr ändern. ◼

↘ Kuhn Rikon auf Facebook: www.facebook.com/kuhnrikon.ch


FORSCHUNG

Impact | September 2014

EINFLUSS AUF DIE KAUFENTSCHEIDUNG Frage: Welche Informationen nutzen Sie, um eine Entscheidung zu fällen (Sit uation Dampfkochtopf-Kauf)?

Studierende ZHAW

Kuhn-Rikon-NewsletterAbonnenten Schweiz Kuhn-Rikon-NewsletterAbonnenten USA

43 17 77

77

50

Ich suche nach Informationen des Herstellers im Internet

18

62

47

Ich suche nach Informationen von Händlern im Internet

37

72

Ich erkundige mich bei einem Verkäufer im Ladengeschäft Ich suche Berichte in Zeitungen/Fachzeitschriften

15 56

56

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38

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Ich erkundige mich bei Freunden/ Bekannten

23 14

62

75

70

52

Kuhn-RikonFacebook-Fans USA

Ich suche nach Kundenbewertungen im Internet Ich suche nach Erfahrungsberichten im Internet

«Unser Ziel sind nicht möglichst viele Likes» Interview mit René ab Egg, Leiter Marketing und Product Management bei Kuhn Rikon.

Herr ab Egg, die ZHAW-Studie zeigt viele Handlungsfelder im Social-Media-Bereich auf. Haben Sie Arbeitskräfte aufstocken müssen? René ab Egg: Nicht direkt. Aber wir wollten der wachsenden Bedeutung von Social Media Rechnung tragen und haben daher die bereits existierende Zusammenarbeit mit einer PR-Agentur ausgeweitet. Gemeinsam arbeiten wir in Monatszyklen einen Redaktionsplan aus, und die Agentur stellt danach die Publikation sowie den First-Level-Support sicher. Hat sich diese Zusammenarbeit bereits positiv bemerkbar gemacht? Es ist noch zu früh, um konkrete Resultate vorzuweisen. Was mich aber zuversichtlich stimmt, ist der Befund in der Studie der ZHAW, dass es in unserem Bereich, also bei den Kochgeschirrherstellern, gar nicht so schwierig ist, Klassenbester zu werden. Unser Ziel sind nicht etwa möglichst viel Likes, sondern ein wirklich interessiertes Publikum zu erreichen.

zuschränken und schickt die News nur noch an eine reduzierte Anzahl von Fans. Will man die Reichweite wieder erhöhen, kann man neu dafür bezahlen.

Bisher haben Sie nur Facebook erwähnt. Sind Sie auch auf anderen Social-Media-Kanälen präsent? Die Studie hat klar ergeben, dass Facebook für uns das wichtigste Medium ist. In Amerika ist Twitter relativ gross. Für Kuhn Rikon ist der Kurznachrichtendienst aber noch nicht wichtig genug. Apropos Amerikaner – laut Studie orientieren sich diese im Netz mehr an der Meinung anderer als Schweizer Kundinnen und Kunden. Erstaunt Sie das? Nein. Wir stellen das anhand vieler Beispiele fest. Im Fall von Amazon zum Beispiel. Das Ratingsystem, das der Onlinehändler anwendet, wird für uns immer wichtiger. Wie steht es mit dem eigenen Webshop? Die Untersuchung rät auch dort zu Ratings. In unserem neuen E-Shop wird es Ratings geben. Interview: Abraham Gillis

Dann geht es vor allem um eine längerfristige Bindung an die Firma? Genau. Nach dem Modell: Zuerst hinhören, was die Leute wollen, und dann das Engagement der Community stärken. Leider macht es einem Facebook durch die Einschränkung der organischen Reichweite nicht mehr so einfach wie früher.

60

48

50

73

* in P rozent | Quelle: ZHAW

Lesebeispiel: Der blaue Block links oben sagt aus, dass 75 Prozent der ZHAW-Studierenden sich bei Freunden/ Bekannten erkundigen.

Was bedeutet das konkret? Bis vor Kurzem war es so, dass, wenn eine Firma zum Beispiel 500 Likes hatte und etwas publizierte, diese Info auch alle 500 Fans erreichte. Facebook beginnt nun ein-

René ab Egg schätzt die sehr konstruktive Zusammenarbeit mit der ZHAW.

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MENSCHEN

Impact | September 2014

BARRIEREFREIHEIT

«Ich habe immer Ruhe» Lärm im Büro ist für Andri Reichenbacher kein Problem. Der gehörlose Mitarbeiter am Institut für angewandte Informationstechnologie forscht daran, wie Gebärdensprache in Lautsprache übersetzt werden kann. SARAH JÄGGI

M

eist beginnt die Recherche für einen Text mit einem Telefonat. Doch wenn man sich durch die Website der ZHAW zum Porträt von Andri Reichenbacher geklickt hat, findet man keine Nummer. Andri Reichenbacher hat an seinem Arbeitsplatz kein Telefon. Der Informatiker des ICT-Accessibility Lab am Institut für angewandte Informationstechnologie (InIT) der School of Engineering ist gehörlos.

Noch braucht Andri Reichenbacher einen Gebärdensprachdolmetscher. Er forscht jedoch daran, wie Gehörlose unabhängig telefonieren oder an Kongressen teilnehmen können.

Per Mail vereinbaren wir einen Termin. Zwei Wochen später begegnen wir uns in einem kleinen Sitzungszimmer in der Winterthurer Altstadt, zusammen mit dem Fotografen und einem Gebärdensprachdolmetscher. Hier, in diesem mittelalterlichen Haus mit seinen niederen Räumen und den knarrenden Holzböden, tüfteln Informatiker, Ingenieure und andere technikaffine Wissenschafter an den unterschiedlichsten Projekten. Ein Schwerpunkt gilt der «Human Information Interaction», die sich mit den Schnittstellen zwischen Mensch und Technik befasst: Wie muss ein Touchscreen beschaffen sein und wie das Programm dahinter, damit eine fitte

Studentin, ein gebrechlicher Senior oder ein sehbehinderter Student es gleichermassen anwenden können?

Der Gehörlose hilft den Hörenden auf die Sprünge Bevor wir zu sprechen beginnen, müssen auch wir erst einmal die Fragen der Informationsvermittlung klären: Wo sitze ich? Wie spre-

«Für Gehörlose ist die deutsche Sprache eine Zweitsprache, also eine fremde Sprache.» che ich? Wen schaue ich an? Den Interviewpartner oder den Gebärdensprachdolmetscher, der all das, was Andri Reichenbacher in der kommenden Stunde vollkommen lautlos mit Gesten und Mimik ausdrücken wird, in Lautsprache übersetzen wird? Natürlich ist Andri Reichenbacher, der seit Geburt gehörlos ist, gewohnt, Hörenden auf die Sprünge zu helfen und ihnen die Hemmungen zu nehmen. Er braucht genügend Licht, damit er die Gesten des Dolmetschers, der ihm gegenüber Platz nimmt, gut sieht. Er ist

froh, wenn man nicht allzu schnell, «aber ganz normal» mit ihm spricht, und bittet, erst dann zu sprechen, wenn der Dolmetscher zu Ende übersetzt hat. Dann berichtet Reichenbacher von seiner Arbeit an der ZHAW, die er vor zwei Jahren angetreten hat, nachdem er an der Hochschule für Technik in Rapperswil Informatik studiert und einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hatte. In Winterthur ist er verantwortlich für den Support, die Wartung und die Weiterentwicklung einer Webapplikation, auf der alle Bachelorarbeiten der ZHAW School of Engineering archiviert und online publiziert werden.

ICT-Accessibility Lab will Hürden abbauen Daneben widmet er sich in Forschungsprojekten dem barrierefreien Zugang zu Technologien. Denn was für die einen mit ein paar Maus-Clicks erledigt ist, kann für Menschen mit einer Behinderung, aber auch für Seniorinnen und Senioren eine unüberwindbare Hürde sein. Ein PDF-Anhang mit einer kleinen Schrift zum Beispiel. Die Mitarbeitenden am ICT-Accessibility Lab (ICT steht für barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnologien) betreiben For-

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MENSCHEN

schung und entwickeln Hilfsmittel, mit denen der Zugang in die virtuelle, aber auch in die reale Welt für Menschen mit Beschränkungen leichter wird. So haben sie im Rahmen eines Forschungsprojektes mit dem Flughafen Zürich einen Software-Prototyp für Smartphones entwickelt, der Sehbehinderten den Weg von zu Hause bis zum richtigen Gate am Flughafen zeigt. Das ICT-Accessibility Lab entwickelt ausserdem Hilfsmittel, die Studierenden oder Mitarbeitenden mit einer Behinderung den Alltag an der ZHAW erleichtern, und betreibt die Website «Accessible Education». Dort wird Betroffenen in Wort, Bild und mit Gebärdensprachvideos al-

Impact | September 2014

les Wichtige vermittelt, was sie für ein möglichst hindernisfreies Studium brauchen. Diesen Sommer wurden eine Open-Source-Software aus dem Lab mit einem internatio-

«Wir wissen besser, als alle anderen, was unsere Bedürfnisse und Probleme sind» nalen Preis ausgezeichnet (s. S. 57). Dass Reichenbacher nicht der einzige Mitarbeiter mit einer Behinderung ist, der am ICT-Accessibility Lab arbeitet, sondern auch sein Chef stark sehbehindert ist, ist kein Zufall – und viel mehr Ausdruck eines

gelebten Diversity-Managements. «Wir wissen besser als alle anderen, was unsere Bedürfnisse und Probleme sind», sagt er. Die Erfahrungen und das Wissen, das er dank seiner Behinderung hat, fliessen als wertvolles Knowhow in die Forschungsprojekte ein.

Von der Gebärde zum Text Künftig soll am InIT das Thema «Hörbehinderung» noch stärker in den Fokus rücken. Ein erstes Projekt von Reichenbacher ist abgeschlossen. Mit «Sign Language to Text» hat er zusammen mit einem Arbeitskollegen evaluiert, wie es in Zukunft möglich sein könnte, Gebärdensprache automatisch in Text oder Laut-

«BARRIEREFREIE HOCHSCHULE»

Neuer Mitarbeiter der Beratungsstelle Brian McGowan hat neu seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitar­ beiter der Beratungsstelle Barrierefreie Hochschule aufgenommen. Vor seiner Anstellung an der ZHAW hat Brian Erfahrungen beim Eidgenös­ sischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) gesammelt. Seit 2010 war er Leiter der Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen der Stadt Bern.

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MENSCHEN

Impact | September 2014

sprache zu übersetzen. «Ziel wäre es, dass ein Hörbehinderter an einem Kongress teilnehmen oder mit einer hörenden Person telefonieren kann, ohne dass er einen Gebärdensprachdolmetscher braucht.» In seinem Bericht skizziert er verschiedene Wege, wie dies eines Tages möglich sein könnte. Einer davon ist, dass die Bewegungen von verschiedenen Körperstellen – Arme, Hände, Gesicht –, die für die Gebärdensprache wichtig sind, von den Infrarot-Sensoren einer 3DKamera erfasst, «verstanden» und in Wörter übersetzt würden. Dabei entstünden rudimentäre Sätze wie: «Du ich Apfel geben.» Auch wenn Reichenbacher selber die Übersetzungshilfe der Dolmetscher schätzt, die er ab und zu nutzt, so sei es immer mit grossem Aufwand verbunden, einen solchen zu organisieren, über eine Agentur zu buchen und ihn mit Unterlagen zu versorgen, damit er sich auf das Thema vorbereiten könne. «Ändert sich ein Termin kurzfristig oder findet die Sitzung an einem anderen Ort statt als geplant, muss ich stets daran denken, auch meinen Dolmetscher zu informieren», sagt Reichenbacher. Im Arbeitsalltag beschränkt er diese Hilfestellung darum auf ein Minimum. «Für eine optimale Kommunikation brauche es Zeit, manchmal ein paar Minuten, manchmal ein paar Tage, bis man sich aufeinander eingestellt hat.» Am InIT sei man eingespielt, manche Kollegen wissen, dass ihm eine Zeichnung viel mehr diene als ein Text, «weil für uns die deutsche Sprache die Zweitsprache, also eine fremde Sprache ist», sagt er. Dies darum, weil ein Bild der Gebärdensprache weit näher ist als ein paar Sätze. Missverständnisse kommen selten vor, und wenn, dann lache man darüber. Etwa, wenn sein Bürokollege ihn bitte, das Fenster zu schliessen, weil es ihm zu laut sei. «Dieses Problem kenne ich nicht, ich habe immer Ruhe!», sagt er und lacht. ◼

Gebärden­ sprache – 5 Schweizer Dialekte Die Gebärdensprache ist keine Wort-für-Wort-Übersetzung der Lautsprache, sondern eine eigenständige und vollständige Sprache. Kommuniziert wird mit Hilfe der Gesichtsmimik, lautlos gesprochener Wörter und der Körperhaltung. Die einzelnen Gebärden werden mit der Hand ausgeführt und bestehen aus vier Elementen: Handkonfiguration, Handorientierung, Bewegungsausführung und Ort der Bewegung.

Können Bewegungen von Armen, Händen und Gesicht von Infrarot­Sensoren einer 3D­Kamera erfasst, «verstanden»…

In der Deutschschweiz gibt es fünf verschiedene Gebärdensprachdialekte. Diese haben sich im Umfeld von fünf Gehörlosenschulen entwickelt; sie unterscheiden sich ähnlich stark wie die Schweizer Mundarten. In der Romandie werden zwei weitere Dialekte verwendet, im Tessin die italienische Gebärdensprache. Viele Gebärden sind weltweit ähnlich. So können sich Gehörlose über die Landesgrenzen recht gut untereinander verständigen. Welchen Status die Gebärdensprache haben soll, wird unterschiedlich geregelt. In Schweden etwa ist sie als Minderheitensprache anerkannt. In der Schweiz hat einzig der Kanton Zürich die Gebärdensprache in der Kantonsverfassung verankert.

… und in Wörter übersetzt werden? Der Informatiker Andri Reichenbacher forscht für mehr Unabhängigkeit von Gehörlosen.

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DOSSIER 26/14 WIR SELBERMACHER

26 Interview: Selbermachen – Albtraum oder Paradies? 32 3D-Drucker: Leben aus dem Drucker. 37 Digitale DNA-Spur: #Unfrei in der Mitmach-Gesellschaft 38 Spotlight: Was machen Sie am liebsten selbst? 40 Selbstcoaching 1: Coache dich selbst! 41 Selbstcoaching 2: «Spannend, was ich selbst alles an mir entdecken kann.» 42 Crowdfunding: Geldsegen aus dem Netz. 44 Urban Farming 1: Ich gärtnere, also bin ich. 46 Urban Farming 2: Das Gewächshaus auf dem Dach.


Arbeitende Kundin Selbermachen? Mein erster Gedanke dabei: Weihnachtsgeschenke basteln. Der zweite Gedanke: IKEA-Möbel. Der dritte Gedanke: der Frust, wenn das Zusammenschrauben nicht klappen wollte. Ein Freund musste dann aushelfen und bekam im Gegenzug einen symbolischen Schuldschein oder eben etwas Selbstgemachtes. Das alles basierte auf einem Tauschgeschäft. Ausser für Ikea, denn für sie war Selbermachen bereits Teil ihres Geschäftsmodells. Der Trend dazu hat sich ausgeweitet. Man kann inzwischen Müeslis, Taschen, Turnschuhe oder Autos nach dem eigenen Bedürfnis konfigurieren. Darin zeigt sich die Individualisierung der Gesellschaft: Wir wollen eigens zugeschnittene Lösungen nach unserem individuellen Geschmack. Dafür investieren wir Zeit, obwohl wir Dienstleistungen oder Produkte nicht unbedingt günstiger erhalten. Worin aber liegt der Anreiz, Einkäufe selbst zu scannen, sich am Flughafen selbst einzuchecken oder an Zufriedenheitsbefragungen von Serviceorganisationen teilzunehmen? Soziologen sprechen in diesem Fall vom Phänomen des arbeitenden Kunden, den Unternehmen unter beständigem Ökonomisierungsdruck geschaffen haben. Er arbeitet informell mit und kostet nichts. Mit dem irgendwie romantischen Selbermachen hat dies wenig gemein. Birgit Werkmann-Karcher, Beraterin und Dozentin am IAP Institut für Angewandte Psycho­ logie der ZHAW


DOSSIER INTERVIEW

Impact | September 2014

Selbermachen – Albtraum oder Paradies? Der Trend zum Selbermachen tangiert immer mehr Bereiche des Lebens. Ein Gespräch über Gründe und Folgen mit Milena Gehrig, ZHAW Soziale Arbeit, und Frank Hannich, ZHAW School of Management and Law. INTERVIEW: PATRICIA FALLER

Haben Sie schon mal IKEA-Möbel zusammengebaut? Milena Gehrig: Ich mache vieles im Heimwerkerbereich selbst. Dazu gehört auch Möbelzusammenbauen. Frank Hannich: Mir verschafft das auch eine gewisse Befriedigung, etwas selbst zusammenzubauen. Was waren Ihre Erfahrungen? Gehrig: Selbermachen ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Obwohl IKEA-Möbel eigentlich einfach zusammenzuschrauben sind, musste ich auch schon etwas wieder zerlegen. Wenn ich etwas nicht selber machen kann, hole ich mir Hilfe aus meinem sozialen Umfeld oder ich informiere mich im Internet. Grundsätzlich muss man zum Selbermachen wissen, wo man entsprechende Informationen findet, und diese auch umsetzen können. Dies ist nicht für alle möglich. Hannich: Ich habe das Gefühl, dass der Selbstservice immer besser wird und die persönliche Beratung tendenziell schlechter. Intuitiver in der Anwendung, wird Self-Service für jüngere Menschen attraktiver und bietet ihnen Mehrwert. Was ist der Mehrwert von Selbermachen? Hannich: Menschen hoffen, dass sie dadurch die Qualität der Arbeit bestimmen können. Sie können zeitund ortsunabhängig agieren. Die einen machen es, weil sie Geld sparen. Für andere ist Individualität viel

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wichtiger. Letzteres zeigt der Boom beim Selbernähen. Der Einkauf der Materialien ist am Ende vielleicht teurer und der Zeitaufwand höher, als wenn ich eine fertige Tasche im Laden gekauft hätte. Dafür habe ich dann ein Unikat. Gehrig: Was für Personen, die über entsprechende Ressourcen verfügen, ein Mehrwert ist, kann für andere aber zusätzliche Abhängigkeit oder Ausschluss bedeuten. Was mit der Selbstbedienung im Kaufhaus vor über 100 Jahren begann, betrifft immer mehr Lebensbereiche. Wo finden wir solche Verlagerungen von Arbeit auf den Kunden? Hannich: Mein Schlüsselerlebnis ist eine Spontanumfrage unter Studierenden, die ich regelmässig im Unterricht durchführe. Bei der Frage «Wer von Ihnen war im letzten Jahr persönlich in einer Bankfiliale?» heben etwa 3 von 50 die Hand. Die Generation Y – jene ab Geburtsjahr 1986 – bevorzugt Selbstservice gegenüber persönlicher Dienstleistung. Das haben wir in einer Studie festgestellt (siehe Box S. 28). In anderen gesellschaftlichen Bereichen entstand in den 70er Jahren die Idee der Selbsthilfegruppen. Sind Empowerment und Partizipation heute mehr als schöne Worte? Gehrig: Aktivierung von Ressourcen und Fähigkeiten ist noch immer das Ziel. Aber was früher auf freiwilliger Basis funktionierte, wird heute von

offizieller Seite immer mehr eingefordert – etwa in der Stadtteilentwicklung, in der Schule oder in der Altenpflege. Der Punkt ist aber, dass sich diejenigen aktiv beteiligen, die über Bildung, Ressourcen und Netzwerke verfügen, die zur Mittel- oder Oberschicht gehören. Diese gestalten also das Umfeld nach ihren Interessen. Die anderen tun das nicht, weil sie es zum Teil nicht können. Sie werden weiter marginalisiert. Für ihre Misere wird ihnen noch die Schuld zugeschoben. Was heisst das konkret? Gehrig: Nehmen wir das Beispiel von jemandem, der arbeitslos wird, vielleicht wegen Rationalisierungsmassnahmen, nicht zuletzt wegen des Selbstmachtrends. Gefragt wird dann nur: Warum hat er nicht rechtzeitig eine Umschulung gemacht? Ausgeblendet werden äussere Umstände, die das vielleicht verhindert haben, etwa dass die Person den Lebensunterhalt für die Familie – vielleicht sogar mit zwei Jobs – verdienen musste und deshalb keine Zeit für eine Umschulung hatte. Die Selbstmach-Gesellschaft wird zur Selbst-Schuld-Gesellschaft? Gehrig: Das ist das eine. Und das andere ist, dass man nicht selten regelrecht am Selbermachen gehindert wird durch institutionelle Strukturen. Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, aber auch Berufstätige sollen einerseits immer mehr Selbermachen und Selbstverantwortung übernehmen. Aber gerade dies wird


«Muss ich immer mehr selbst machen, bedeutet das für mich einen zunehmenden Zeitaufwand.»

«Ich habe das Gefühl, Selbstservice wird immer besser und die persönliche Beratung schlechter.»

Milena Gehrig

Frank Hannich

durch ein Korsett aus Normen und Gesetzen verhindert. Was sind die Gründe für die zunehmende Instrumentalisierung der Kunden oder Klienten für informelle Arbeit? Gehrig: Durch die Globalisierung geraten die Unternehmen zunehmend unter Konkurrenz- und Kostendruck. Auch die leeren Kassen im Sozial- und Gesundheitswesen führen dazu, dass viele Dienstleistungen so teuer geworden sind, dass sie sich nur noch Besserverdienende leisten können. Alle anderen müssen mehr selbst machen. Hannich: Mehr Self-Service bedeutet nicht unbedingt, dass die Firmen an mir sparen wollen. Für mich ist diese Entwicklung auch kundengetrieben. Denken Sie nur an die diversen Kommunikationskanäle, die

Banken anbieten, weil die Kunden dies wünschen, etwa Online-Banking oder Mobile-Banking. Das kostet die Unternehmen richtig Geld, diese IT-Systeme zu unterhalten. Mehr als Personalkosten? Hannich: Diese IT verursacht ja auch Personalkosten. Auf den Social-Media-Kanälen wird nicht akzeptiert, dass eine Antwort zwei Tage dauert, da muss ein Firmenmitarbeiter schnell im Chat reagieren können. Und es braucht typischerweise einen sehr hohen Initialisierungsaufwand, bis SelfService wirklich intuitiv ist. Kunden sind sofort weg, wenn sie nur einmal einen Knopf nicht finden. Ich sehe eher, dass Self-Service für Banken, aber auch für andere Firmen zunehmend zum Problem wird. Wenn junge Menschen nicht mehr

persönlich zu ihnen in eine Filiale kommen, haben sie keine Gelegenheit, eine emotionale Beziehung zu diesen Kunden aufzubauen. Über Social Media geht das doch viel gezielter. Hannich: Klar, wenn ich mein Müesli via Kunden-CommunityPlattform «Annas Blaubeertraum» nennen und die Zutaten selbst bestimmen kann, dann schafft dies natürlich Emotionen. Auch beim PC-Hersteller Dell kann ich meinen Computer selbst zusammenstellen oder bei Automobilfirmen meine Fahrzeugausstattung. Diese sogenannte «Mass Customization» schafft Individualität. Aber alles in allem bleibt ein Mensch ein Mensch. Die verkaufskritischen Ereignisse – positiv wie negativ – passieren überwiegend im persönlichen Kontakt.

Was machen Sie am liebsten selbst? Das ha­ ben wir Milena Gehrig und Frank Hannich gefragt. Sie macht vieles im Heimwer­ kerbereich gerne. Bei ihm hängt es von der Tageszeit ab. Und Toma­ ten sucht er sich am liebs­ ten selbst aus.

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DOSSIER INTERVIEW

Deshalb wollen viele Firmen wieder stärker zurück zum persönlichen Kontakt mit dem Kunden. Wenn das so ist, weshalb verlangen sie dann Servicegebühren am Schalter bei Banken oder bei den SBB für Auslandstickets?

«Nur diejenigen beteiligen sich aktiv, die über Bildung, Ressourcen und Netzwerke verfügen.» Milena Gehrig

Hannich: Auslandstickets sind ein Beispiel, wo Self-Service für junge Kunden zum Ärgernis wird. Die mobile Applikation lässt es nämlich nicht zu, Auslandstickets zu kaufen. So werden Kunden, wenn sie unterwegs sind, gezwungen, einen Schalter aufzusuchen, wo der Kauf eine zusätzliche Gebühr kostet. Davon abgesehen ist die Mobile-App der SBB aber sehr beliebt bei jungen Menschen und ein gutes Beispiel für smarten Self-Service: Die App sucht

Smarter Self-Service In der Studie «Intelligent SelfService – Wenn Kunden es am liebsten selbst machen» ermöglichen der Marketingexperte Frank Hannich und Co-Autorin Jessica Schmidt (BSI) Erkenntnisse über junge Konsumenten. Die Generation Y schätzt das Mitmach-Prinzip durchaus, manchmal mehr als persönliche Beratung oder Service. Der Nutzen eines Angebots, dessen Mehrwert und eine einfache Handhabung stehen im Vordergrund. Das Internet ist generell der beliebteste Kanal, aber die App holt auf.

↘ Zur Studie unter http://bit.ly/1q6Zk5c

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mir die beste Verbindung aus und ich kann, kurz bevor ich einsteige, eine Fahrkarte kaufen. Self-Service jedoch so zu gestalten, dass er einen echten Mehrwert bietet, das kostet viel Geld. Und das muss jemand bezahlen. Gehrig: Die Verlierer dieser Entwicklung sind Personen, denen es nicht möglich ist, per App ein Ticket zu kaufen. Denken Sie an ältere Personen oder Personen, die keine Kreditkarte haben können. Dann subventionieren diejenigen, die an den Schalter gehen, die SelfService-Nutzer? Hannich: Das ist eine Frage der Perspektive. Die junge Zielgruppe will keine Schalter und deswegen nicht Verluste mitfinanzieren, die durch ein grosses Schalternetz entstehen. Gehrig: Vorhin haben Sie doch gesagt, IT-Infrastruktur sei teuer. Dann wären es doch die Schalterkunden, die teure IT-Infrastruktur mitfinanzieren müssen. Hannich: Wenn für die SBB die Kosten für IT-Applikationen geringer sind als für das Schalterpersonal, dann sollte das Angebot für mobile Kunden auch günstiger sein. Davon abgesehen, dürfen wir nicht vergessen, dass die Schweiz ein Hochlohnland mit niedriger Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel ist. Viele Dienstleistungen müssen allein deshalb schon automatisiert werden, weil Unternehmen gar nicht genügend gut qualifizierte Arbeitskräfte finden, denen es gelingt, im persönlichen Kontakt echten Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Warum sollte ich als Kunde meine Einkäufe selbst einscannen, wenn ich dafür nicht bezahlt werde? Hannich: Weil sie an der Kasse nicht Schlange stehen wollen und es für sie keinen Mehrwert darstellt, wenn jemand anders die Produkte über den Scanner schiebt. Gehrig: Für jemand, der einsam ist, ist die Kassiererin vielleicht noch der einzige Kontakt. Oder wenn eine

demente Frau jeden Tag eine Grosspackung Toilettenpapier kauft, dann fragt die Verkäuferin vielleicht mal nach, ob sie das wirklich braucht. Wenn sie aber alles selbst einscannt, fehlt diese soziale Kontrolle. Diese sozialen Kontakte haben nicht nur für diese Individuen Mehrwert,

«Kunden bringen sich nur ein, wenn ein Mehrwert für sie rausschaut.» Frank Hannich

sondern letztlich auch für die Gesellschaft. Denn die Kosten, welche Unternehmen und Kunden hier vielleicht einsparen, fallen andernorts an, weil Menschen, die weniger selbständig oder einsam sind, unterstützt werden müssen. ... und die Kassiererin verliert ihre Stelle, wie andere Beschäftigte im Dienstleistungsbereich. Hannich: Auf der anderen Seite sehe ich ein grosses Potenzial neuer Geschäftsmodelle, wenn Unternehmen auf differenzierte Kundenwünsche eingehen. Das schafft neue Stellen. Es gibt immer mehr Computerläden, die die PC-Konfiguration für Kunden übernehmen, oder Fahrradgeschäfte, die Fahrräder individuell zusammenbauen. Und dafür sind Kunden bereit zu zahlen. Auch für uns als Hochschule bietet der Trend zum Selbermachen interessante Forschungsfelder. In interdisziplinären Teams arbeiten wir an Hilfsmitteln, die Senioren und allgemein Menschen mit Beeinträchtigungen helfen, selbständig zu Hause zu leben. Wir forschen an Verpackungen, mit denen sie besser zurechtkommen, an Küchenassistenten, die helfen, das schwere Nudelwasser anzuheben, oder an Fitnessgeräten. Als Kunde muss ich immer mehr Kompetenzen ausbilden. Braucht es eine Kundenentwicklung?


DOSSIER INTERVIEW

Hannich: Bei den Internet-Services ist das klar so. Denn ein Unternehmen, dessen Service man nicht bedienen kann, das geht ein. Gehrig: Nicht nur fürs Überleben der Firmen ist die Förderung von Kundenkompetenz wichtig, sondern damit möglichst vielen Menschen der Zugang möglich ist. Unternehmen müssten jedoch vor allem Menschen zur Seite stehen, die Mühe haben mit Self-Service, und aktiv auf diese zugehen, und zwar gratis und nicht nur in der Einführungsphase. In jeder Stadt funktionieren die ÖV-Automaten anders, an jedem Flughafen die Gepäckaufgabe … Hannich: Der Flughafen-Check-in ist ein Beispiel, dass es nicht nur vom Know-how abhängt, ob etwas genutzt wird oder nicht, sondern dass es auch eine Generationenfrage ist. Für die junge Zielgruppe ist Self-Check-in die Methode der Wahl, weil sich damit Zeit sparen lässt und man den Sitzplatz selbst auswählen kann. Die ältere Zielgruppe sagt dagegen: Ich bekomme das zwar hin, habe aber kein gutes Gefühl dabei, wenn ich den Koffer nicht einer Person übergeben kann. Gehrig: Wenn ich die Zeit für all die Schritte beim Selbst-Check-in zusammenrechne, hätte ich vielleicht genauso gut am Schalter anstehen können. Da in immer mehr Bereichen Selbstmachen gefordert wird, bedeutet das für mich auch einen zunehmenden Zeitaufwand, den ich als Kundin oder Bürgerin leisten muss. Das Problem dieser Entwicklung ist aus meiner Sicht, dass jene, die sich eine persönliche Dienstleistung gönnen, diesen Dienst aufgrund ihrer Kompetenzen auch selbst machen könnten. Und diejenigen, die das nicht können, aufgrund ihrer finanziellen Ressourcen oder ihres Know-hows oder weil sie die Sprache nicht sprechen, sind mehrfach benachteiligt. Hannich: Automatisierte Übersetzungen sind ein Vorteil. 30 Sprachen an einem Bankschalter in Win-

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terthur anzubieten, ist unmöglich. Eine gute Übersetzung in einen Automaten einzubinden, ist möglich. Dank des Sprachauswahlknopfs kann man ihn auch bedienen, wenn man die Landessprache nicht spricht. Ich sehe es aber als Aufgabe des Staates oder der sozialen Arbeit, Konzepte zur Unterstützung dieser Zielgruppe zu entwickeln. Gehrig: Ich finde es nicht richtig, wenn Personen von der Nutzung eines Angebots ausgeschlossen werden und der Staat Angebote schaffen muss, um deren Teilhabe zu ermöglichen. Firmen sollten mehr soziale Verantwortung übernehmen. Führt der Trend zum Selbermachen zur Entsolidarisierung? Gehrig: Es ist generell eine Entsolidarisierung festzustellen gegenüber Personen mit anderen Wertvorstellungen, Lebensbedingungen und

jenen, die nicht die von der Gesellschaft geforderte Leistung erbringen. Durch den Trend zum Selbermachen steigen die Anforderungen an die Individuen, und die Schere zwischen solchen, die teilhaben, und jenen, die ausgeschlossen sind, wird sich vermutlich weiter öffnen. Werden Kunden irgendwann eine Bezahlung für ihre Arbeit fordern? Hannich: Das tun sie schon. Nehmen Sie das Crowdsourcing – bei dem Unternehmen das Wissen der Massen anzapfen. Kunden bringen sich nur ein, wenn ein Mehrwert für sie rausschaut. Das ist dann der Fall, wenn ihre Idee umgesetzt wird oder sie einen höheren sozialen Status in einer Community erhalten, indem sie als bester Empfehler oder Problemlöser geehrt werden. Oder auch dann, wenn sie sich gut fühlen, weil sie jemandem geholfen haben. ■

Zur Person Milena Gehrig ist wissenschaft­ liche Mitarbeiterin am Departe­ ment Soziale Arbeit der ZHAW. Ihre Arbeits­ und Forschungs­ schwerpunkte sind unter anderem soziale Integration mit Fokus auf Wohn­ und Arbeits­ integration, Armut und Migration sowie die Bereiche soziale Netzwerke und Community Development.

Zur Person Frank Hannich ist Studiengang­ leiter des Master of Advanced Studies in Customer Relationship Management (CRM) an der ZHAW School of Management and Law. Er leitet die Fachstelle Strategic Cus­ tomer Realtionship Management. Der Betriebsökonom doziert und forscht in den Bereichen Marketing mit Schwerpunkt CRM, Sport Mar­ keting und Marktforschung.


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3D-DRUCKER

Leben aus dem Drucker 3D-Druck ist die Technologie der Zukunft. Werden wir uns künftig vieles zu Hause selbst ausdrucken für den täglichen Gebrauch? Werden Forscher Prototypen oder Ärzte Organe für ihre Patienten drucken? THOMAS MEIER

I

n Zukunft werden wir Lebensmittel nicht mehr im Supermarkt einkaufen. Die Zutaten für jedes beliebige Mittagsmenü werden wir zu Hause herstellen und die Mahlzeit frisch zubereiten. Der 3D-Drucker hat den Weg in unsere Küche gefunden und produziert mal ein Steak, mal Pasta oder Gemüse, ganz so wie wir es gerade wünschen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man noch Kalorien zählte oder auf die passenden Inhaltsstoffe achten musste. Die Maschine druckt, was wir mögen, perfekt auf unseren Körper abgestimmt. «So könnten unsere Bedürfnisse an Kalorien, essenziellen Fettsäuren, Vitaminen oder Mineralstoffen gedeckt werden. Ausserdem würde die Haltbarkeit der Lebensmittel auf die Rohware verlagert. Essen könnte in einer beliebigen Form und stets frisch produziert werden», erklärt Jürg Buchli, Dozent für Lebensmittelverfahrenstechnik, Betriebstechnik und Process Design an der ZHAW in Wädenswil. «Die Vision geht so weit, dass man Grundkomponenten als Rohmaterial in den Drucker füllt, die dann zu beliebigen Lebensmitteln zusammengesetzt werden könnten», erklärt Buchli. Bis dahin sei jedoch noch viel Forschungsarbeit zu leisten, denn: «Jedes Protein setzt sich aus 20 bis 25 Aminosäuren zusammen. Auf dieser Stufe könnte man beliebige Proteine kombinieren. Aber dazu müssen die Aminosäuren erst in druckfähiges Rohmaterial gebracht werden.» Ob und wann

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diese Vision Wirklichkeit wird und die Nahrungsmittelproduktion dereinst in der eigenen Küche stattfindet, ist noch nicht abzusehen. Doch Forscher arbeiten daran, Additive Manufacturing für die Lebensmittelherstellung zu etablieren. «Dazu betreiben wir einen 3D-Drucker mit Lebensmittelrohstoffen, um zu untersuchen, inwieweit sich dieses Verfahren für die Lebensmittelproduktion eignet», erklärt Buchli. Der Drucker legt zuerst eine dünne Schicht eines sehr feinen und trockenen Pulvers aus. Mit einem

«Essen könnte in jeder Form, stets frisch und perfekt auf den Körper abgestimmt, produziert werden.» Jürg Buchli

Bindemittel wird die Kontur aufgedruckt und anschliessend folgt die nächste Pulverschicht. Pro Millimeter werden so zehn Schichten gedruckt, und überall, wo Bindemittel aufgebracht wird, entsteht die feste Form. Das überschüssige Pulver wird abgesaugt. Buchli: «Wir brauchen also geeignete Pulver und Bindemittel. Die einfachsten Ausgangsstoffe sind Zucker und Wasser.» Das Verfahren ist nicht sehr effizient, weil der Druckprozess langsam läuft. Hinter der Umsetzung von bestehenden Systemen im Lebensmittelbereich stecken aber andere Überlegungen. Der Auslöser für diese Arbeit war Foodwaste oder, genauer, die Wiederverwertung von Lebensmittelabfällen. «Diese Technologie

könnte eine Möglichkeit bieten, aus nicht akzeptierten Lebensmitteln wieder akzeptierte zu machen», sagt Buchli und führt weiter aus, dass neben Lebensmittelabfällen auch Produkte, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die aber noch einwandfrei sind, als Rohstoffquelle für neue Erzeugnisse dienen könnten. In einem anderen Projekt untersuchen die Forscher die Verwendung von Insektenproteinen beim Drucken. Buchli: «Mehlwürmer enthalten ein hochwertiges Protein. Wenn man das neutralisiert als Proteinpulver und dann entsprechend ausdrucken kann, wären neue Lebensmittelressourcen denkbar.» Der Einsatz von 3D-Druckern für die Individualisierung der Form ist bereits Realität. Es gibt Konditoreien, die mit dieser Technologie Zuckerwaren in beliebige Formen bringen. Andere scannen das Gesicht ihrer Kunden und drucken es anschliessend verkleinert in Schokolade aus.

Gedruckte Haut Doch nicht nur Schokolade eignet sich für das Drucken «menschlicher Körperteile». An der ZHAW in Wädenswil wird auch daran geforscht, wie menschliche Gewebe, z.B. Haut oder andere Organe mit der 3DDrucktechnologie hergestellt werden könnte. Daran arbeitet Ursula Graf-Hausner, Forschungsleiterin für Zellkulturtechnik und Tissue Engineering an der ZHAW: «Wir drucken lebendige Gewebe.» Dabei werden menschliche Zellen Schicht für Schicht mit einer Matrix (BioInk) gedruckt, einem gelartigen Polymer, das zwischen die Zellschichten ge-


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bracht wird und die genaue Positionierung der Zellen ermöglicht. So konnte ein Hautmodell mit zwei verschiedenen Zelltypen hergestellt werden. Die kleinen Gewebestücke dienen als lebende Modelle für Wirkstofftests. «Mit dieser alternativen Methode können wir auf Tierversuche verzichten. Zudem sind wir mit humanem Material näher an der Realität», sagt die Forscherin und spielt darauf an, dass rund 40 Prozent aller Wirkstoffe, die bei Tieren erfolgversprechend sind, beim Menschen dann doch nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Die Haut aus dem Drucker ist bereits auf dem Weg aus dem Labor in den Markt. «Wir haben mit der Schweizer Firma regenHU einen Drucker entwickelt, der für biologische Anwendungen geeignet ist. In einem sterilen Umfeld druckt die Maschine Hautzellen direkt in herkömmliche Kulturgefässe», erklärt Graf-Hausner. Das Gerät wird bereits verkauft und Firmen, z.B. aus der Kosmetikbranche nutzen es, um direkt im Labor entsprechende Gewebemuster auszudrucken.

FOOD-PRINTING: SO FUNKTIONIERTS «Tischlein Deck Dich»: Das Essen aus dem Drucker entsteht durch Einspritzen einer Binderflüssigkeit auf die Oberfläche eines Pulverbettes. Die Vision: Die Maschine druckt, was wir mögen, perfekt auf unseren Körper abgestimmt.

Druckkopf

flüssiger Binder Beschichtungseinheit Materialvorrat in Pulverform Materialnachschub

absenkbares Druckbett

Restpulver als Support

Druckobjekt

Neben dem Kosmetikbereich sieht Graf-Hausner auch in der Pharmaindustrie einen grossen Markt: «Wir wollen komplexe Gewebemodelle nutzen, um daran Wirkstoffe zu entwickeln oder Substanzen zu testen.» Nach den Erfolgen mit gedruckter Haut arbeiten die Forscher bereits am nächsten Schritt: Muskel- und Sehnenstrukturen. Solche Gewebe sind hoch komplex und bauen sich aus verschiedenen Zelltypen und mehreren funktionalen Strukturen auf. Zusammen mit Novartis und Weidmann Medical Technologies entwickelt die ZHAW in einem KTI-Projekt das Druckverfahren für ein komplexes System von Muskel- / Sehnengewebe für die Medikamentenentwicklung, das gleichzeitig die Analyse der Reaktion ermöglichen soll. Die Forscherin erklärt: «Da braucht es spezielle Gefässe, in de-

Illustration: Till Mar tin

Weites Forschungsfeld

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DOSSIER WIR SELBERMACHER

nen die Muskeln kontrahieren und Tests durchgeführt werden können.» Diese Drucktechnologie eröffnet noch weitere Möglichkeiten. Wenn für Medikamenten- oder Kosmetiktests ein Krankheitsmodell benötigt wird, kann anstelle eines gesunden Hautmodells auch ein Krankheitsmodell oder eine Wunde hergestellt werden. Ursula GrafHausner sieht ein breites Anwendungsspektrum: «Mir scheint die Technologie sehr wertvoll zu sein. Sie wird uns einen Schub ermöglichen, auch etwa in der Konstruktion von komplexen organähnlichen Strukturen wie Niere oder Leber.»

3D-Modell kann auf eine Maschine übertragen und 1:1 produziert werden. Auf die Spitze getrieben, brauchen wir keine Fabriken mehr. Das stimmt zwar nicht ganz, weil es auch Einschränkungen gibt. Aber logistisch betrachtet ist es revolutionär.»

Revolution in der Fertigung

Weltweite Umsätze von Pro ­ dukten und Dienstleistungen in der additiven Fertigung

Allein was heute technisch alles möglich ist, macht den 3D-Druck schon interessant. Für Peter QvistSorensen, Leiter Regional Competence Centre Americas an der ZHAW School of Management and Law, ist es jedoch vor allem die neue Denkweise, die Additive Manufacturing zu einer umwälzenden Technologie macht: «Ähnlich wie beim Sprung von analoger zu digitaler Technologie stehen wir mit additiven Fertigungsverfahren heute an einem Punkt, wo vieles zwar möglich ist, die Technologien aber noch nicht reif sind.» Als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen, wurde diese Technologie von Herstellern analoger Geräte noch belächelt. Die Meinung war, man könne nie ein so schönes Bild aufnehmen wie mit einer analogen Kamera. «Viele von diesen Herstellern sind in Konkurs gegangen, weil sie den Vormarsch der Digitaltechnologie nicht ernst genommen haben», erklärt QvistSorensen und fügt an: «Es gibt ab und zu solche Technologien, die revolutionär sind und bei denen wir noch nicht vorhersehen, wie weit sie führen. Additive Manufacturing ist eine solche Technologie.» Diese Revolution ist laut QvistSorensen aber noch umwälzender, weil sie tief in die gesamte Wertschöpfungskette eingreift: «Ein

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Neue Denkweise Auch wenn heute schon in der Flugzeug- oder Autoindustrie Teile aus dem 3D-Drucker stammen, ist klar, dass solche Technologien nie schnelle Produktionsverfahren er-

WACHSENDER MARKT

(in Mio. US­₢) | Quelle: Wohlers Associates

2013

3070 2012 2011 2010

2204

1714

1325

setzen werden. Dazu ist der Prozess zu langsam. Interessanter als die Frage, was alles produziert werden kann, ist laut Qvist-Sorensen, dass sich die Formen und Geometrien ändern: «Solche Verfahren verlangen vom Ingenieurwesen plötzlich eine ganz neue Denkweise. An die herkömmliche Fertigung angepasst, sind viele industrielle Designs eckig. Mit den neuen Technologien können wir organische Formen von der Natur übernehmen. Es entstehen plötzlich Gestaltungen, die viel stärker sind und weniger Material brauchen.» So können Bauteile nach dem Vorbild eines Knochens so gestaltet werden, dass nur dort Material aufgetragen wird, wo es notwendig ist.

Das bedeutet maximale Stabilität bei minimalem Gewicht.

Blick auf Wertschöpfungskette Auch in der Logistik sind andere Denkmuster gefragt. Die Produktion rückt näher an den Endkunden und Produkte müssen nicht mehr um die halbe Welt reisen, sondern werden vor Ort gefertigt. «Die Prozesse werden demokratisiert. Der Endverbraucher, egal ob Privat- oder Industriekunde, kann zum grossen Teil beeinflussen, was wie gefertigt wird», so Qvist-Sorensen. Im Konsumentenbereich sieht der Experte zwei Entwicklungsrichtungen: Der Tüftler hat seinen Drucker zu Hause und fertigt selbst seine Teile. Das wird aber nicht die Mehrheit sein. Die grosse Masse wird bei Dienstleistern individuelle Designs machen lassen, die nicht viel mehr kosten als Standardprodukte. «Ein mögliches Szenario könnte so aussehen: Man geht auf die Website von Nike und gestaltet seinen eigenen Turnschuh. Diesen kann man zwei Tage später in einem 3D-Shop abholen», führt QvistSorensen aus. Ähnlich wie beim Umstieg von analog auf digital, sieht Sorensen auch hier den Konsumenten in einer Vorreiterrolle. Durch die Erfahrungen im Heimgebrauch machen diese die Technologie reif. Hersteller solcher Maschinen geraten unter Druck und senken die Kosten. Diese Kostensenkungen hätten dann wiederum Einfluss auf industrielle Herstellungsverfahren. Klassische Fertiger werden weiterhin ihre Berechtigung haben. Aber mit den neuen Möglichkeiten werden auch neue Wettbewerber und Quereinsteiger aus anderen Branchen auf den Markt kommen. Qvist-Sorensen: «Unternehmen, welche die ganze Wertschöpfungskette verstehen, werden interessante Geschäfte machen können.» Andreas Kirchheim ist Dozent für Produktionstechnik am Zentrum für Produkt- und Prozessentwick-


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lung (ZPP) der ZHAW. Er blickt aus der fertigungstechnischen Perspektive auf das Thema: «Wir beschäftigen uns mit dem selektiven Laserschmelzen und versuchen, diesen Prozess zu optimieren.» Diese Fertigungsmethode ist eine Unterart von Additive Manufacturing. Hierbei werden Teile aus Metallpulver mittels Laserstrahl schichtweise aufgebaut. Das Verfahren findet bereits Anwendung bei der Herstellung von Zahnkronen oder in verschiedenen Anwendungen des Maschinenbaus. «Das sind aber grössere und erheblich teurere Maschinen als ein 3DDrucker für den Heimgebrauch», sagt Kirchheim. Während bei konventionellen Verfahren von aussen nach innen gefertigt wird, kann man bei additiven Methoden Teile von unten nach oben aufbauen. So können ganz andere Formen entwickelt und

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gebaut werden. Die Herausforderungen liegen vor allem im Festigkeitsnachweis sowie in der genauen Bestimmung der Prozessparameter. Kirchheim: «Ich denke, dass in Zukunft viele Teile gedruckt werden können. Solche Verfahren werden die konventionelle Fertigung ergänzen, aber nicht ersetzen.» Auch hier stehe die Entwicklung noch am Anfang: «Das selektive Laserschmelzen existiert jetzt seit 15 bis 20 Jahren. Im Vergleich dazu blicken wir beim Drehen, Fräsen oder Bohren auf 1000 Jahre Erfahrung zurück.» Additive Verfahren werden dort ihre Berechtigung haben, wo es kleine Stückzahlen gibt und kundenspezifisch gearbeitet wird, zum Beispiel für Schmuck oder im Dentallabor. Kirchheim: «In der Zahntechnik werden in einem Batch mehrere Kronen von verschiedenen Kunden parallel hergestellt. Da passt

diese Technologie perfekt.» Weil der Umgang mit solchen Maschinen doch eine gewisse Erfahrung, aber auch eine neue Denkweise braucht, sind additive Fertigungsverfahren an der ZHAW nicht nur in der Forschung, sondern auch in die Lehre eng eingebunden. Kirchheim prophezeit dieser Technologie eine grosse Zukunft. Wenngleich sich die Produktion nicht überall zum Endverbraucher hin verlagern wird, wie er meint: «Es gibt Bereiche, in denen jedermann damit arbeiten kann, sei es Kunst, Design, für Prototypen oder Modelle. Wir unterstützen für diese Zielgruppe auch die Aktivitäten des FabLab Winti. Die professionelle Fertigung metallischer Maschinenteile bleibt weitgehend auf Unternehmen beschränkt.» ◼

Obwohl heute mit 3DDruckern auf einfache Weise Teile hergestellt werden können, wird die professionelle additive Fertigung metallischer Maschinenteile weitgehend auf Firmen beschränkt bleiben. Bilder oben: ZPP/ ZHAW

ZHAW IMPACT APP Videos zeigen: Was kann man mit 3D-Printern alles ausdrucken?

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DOSSIER MEINUNG

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#Unfrei in der Mitmach-Gesellschaft Die Mediatisierung unserer Gesellschaft wird von einer Narration begleitet: Insbesondere die Etablierung von Social Media habe eine Zunahme von selbstbestimmter Partizipation zur Folge. Schön wär’s! Die digitale DNA-Spur macht uns unfrei. Das heurige mediale Sommertheater begann mit einer Recherche der «NZZ». Eine Sekretärin des Bundeshauses soll auf Twitter regelmässig Nacktfotos von sich veröffentlicht haben. Das Qualitätsblatt wollte offenbar eine arbeitsrechtliche Diskussion anzetteln. Dies war den Boulevardmedien aber zu wenig. Sie starteten sogleich die Jagd nach der Identität der Frau sowie nach den schlüpfrigen Fotos. Partizipation wird bei «20 Minuten» grossgeschrieben. Die Gratiszeitung bat ihre Leserschaft um sachdienliche Hinweise: Kennen Sie die betreffende Dame? Schreiben Sie uns: feedback@20minuten.ch In Twittereile tauchten dann auch schon die ersten Fotos auf, und 20min.ch konnte stolz verkünden: «Das ist die Porno-Sekretärin des Bundes.» So kam die Schweiz zu ihrem #Selfiegate-Skandal Nr.1. Selbstverständlich kennt die Mediengeschichte auch Beispiele für einen funktionalen Einbezug des Publikums, der sich positiv auf die Leistung des Journalismus ausgewirkt hat. Wir erinnern uns etwa an das Gutten-Plag-Wiki. Mit Hilfe der Publika reichweitenstarker Medien wurde innert Tagen beinahe die Hälfte der Doktorarbeit des damaligen deutschen Verteidigungsministers als Plagiat identifiziert. Das eindrücklichste Beispiel ist wohl aber der Spesenskandal englischer Abgeordneter. Über 20‘000 Leser des «Guardian» haben innert 80

Stunden mitgeholfen, rund 170‘000 Dokumente auf Unstimmigkeiten zu überprüfen. Crowdsourcing heisst das Zauberwort. Sein Schöpfer, der amerikanische Journalist Jeff Howe, präzisierte den Neologismus: «The act of taking a job traditionally performed by a designated agent and outsourcing it to an undefined, generally large group of people in the form of an open call.» Heute haben fast alle Medien ein Interesse daran, die Mitmach-Kultur bei ihrem Publikum zu fördern – nicht nur bei investigativen Recherchen.

Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik am Departement Angewandte Linguistik der ZHAW Als Zuschauer, Leser und User werden wir immer mehr in die Arbeit der Medien eingebunden. Wir werden aktiviert und sollen für die Organisationen tätig werden. Als sogenannte «Prosumer» sollen wir in Kommentarforen, auf Facebook oder in Google Hangout eigenen «User Generated Content» produzieren, den wir auf unseren Onlinekanälen wiederum teilen. Aktivierte Partizipation meint also auch, dass Medienorganisationen sowie zunehmend weitere medienorientierte Unternehmen bestimmte Medieninhalte bzw. Sendungen, Formate, Online-Plattformen oder Softwareprogramme

so ausgestalten, um ihre Publika anzuleiten, sich an ihrer Arbeit zu beteiligen. Es soll hier nicht ignoriert werden, dass die sich beteiligenden «Prosumer» auch ihren Nutzen daraus ziehen: etwa einen Wissensvorsprung oder Status aufgrund sozialer Etikettierung als Experte. Wir können aber davon ausgehen, dass, wenn wir angehalten werden, uns so zu beteiligen, es primär den – meist ökonomischen – Interessen einer Organisation dienlich ist. Begünstigt wird diese Entwicklung durch den fortschreitenden Mediatisierungsprozess in unserem Alltag. Wir Nutzer müssen ja nicht einmal selbst aktiv werden. Unsere Aufenthaltsorte, besuchte Kathedralen, Bahnreisen, Lieblingsfilme oder Medienaktivitäten werden mit Hilfe von mitzeichnenden Apps automatisch registriert. Frictionless Sharing wird das in der Fachsprache euphemistisch genannt. Soziale Netzwerke sind jedoch transitiv. Selbst wenn wir etwas wohlüberlegt auf Facebook posten, so kann der Tag kommen, an dem es den Raum des virtuellen Unbeobachtetseins verlässt. Big Data macht in der Transparenzgesellschaft aus der Unschuldsvermutung den Generalverdacht. Der Stadtamman von Baden kann ein Lied davon singen. «Die Gedanken sind frei!» – dies gilt nicht einmal mehr für unsere im digitalen Chatroom geäusserten geheimsten Wünsche. Wir sollten der Narration von der selbstbestimmten Partizipation im digitalen Zeitalter mit Skepsis begegnen. Spätestens seit dem sommerlichen Selfiegate-Skandal Nr.2 (aka #GeriGate) müssen wir uns fragen, ob und wie wir den Rest an Privatheit noch retten können, bevor wir im Netz zu verschwinden drohen. ■

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DOSSIER SPOTLIGHT

Was machen Sie am liebsten selbst? 71,6 % Segen

Lea Masserini, Studentin Internatio­ nal Management, SML | Auf Facebook gehöre ich einer Gruppe an, in der wir Kleider, die wir nicht mehr mögen, fotografieren und uns gegenseitig anbieten. Das ist zwar etwas aufwendig, weil man alles selbst verschicken und dafür sorgen muss, dass man bei den Posts immer weit oben ist, um beachtet zu werden. Aber es freut mich, wenn meine Kleider noch getragen werden, denn meist haben sie ja eine gute Qualität.

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Fluch

28,4 %

Chan Park, wiss. Mitarbeiter, IEFE, School of Engineering | Ich mag jede Art von Self-Service. Mit dem 3DDrucker wird es noch eine ganz neue Dimension des Selbermachens geben. Dann drucken wir uns zu Hause exakt auf uns abgestimmte Schuhe, Kleider und vieles mehr aus, ganz nach unserem Geschmack.

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Selbermachen – Fluch oder Segen? Was andere für uns tun könnten, machen wir immer mehr selbst: Wir sind unsere eigenen Banker, Kassierer oder Reisekauffrauen. Wir züchten unser Gemüse, konfigurieren unseren neuen PC oder entwerfen unsere Schuhe, Kleider und Autos im Internet. Ist Selbermachen ein Fluch oder ein Segen? wollten wir in einer nicht repräsentativen internen Abstimmung von Mitarbeitenden und Studierenden der ZHAW wissen. Hier ein Stimmungsbild (135 Stimmen): Die meisten Teilnehmenden finden Selbermachen etwas Positives (71,6%).


DOSSIER SPOTLIGHT

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Manuela Bischof, Verwaltungsassis­ tentin, Dept. Gesundheit | Ich stelle mir gerne meine Reisen im Internet zusammen, dann kann ich Angebote vergleichen oder Empfehlungen anderer Reisender lesen. Ich bin dann zeitund ortsunabhängig und muss keine Auftragsgebühren zahlen. Grundsätzlich kaufe ich, wenn ich reise, meine Tickets im Web, weil man da nicht Schlange stehen muss.

Natalia Munguia, Studentin Ergothe­ rapie, Dept. Gesundheit | Will ich nur schnell einen Kaugummi oder sonst eine Kleinigkeit kaufen, dann schätze ich es, wenn ich eine Self-Check-outKasse nehmen kann. Sonst mag ich es aber, wenn man im Laden noch mit jemandem reden kann und nicht so auf sich alleine gestellt ist.

Martin Zoeteman, technischer Mit­ arbeiter School of Engineering | Ich restauriere gerne Töffs. Manchmal gibt es dann die Ersatzteile nicht mehr. Dann versuche ich, sie selbst herzustellen, oder forsche in speziellen Netzwerken im Internet nach, ob noch jemand Originalteile hat oder Alternativen kennt.

Jon Bunjaku, lernender Chemie­ laborant, ZHAW LSFM | Ich mache gerne Online-Shopping, weil man bequem von zu Hause aus einkaufen kann, dabei Zeit spart und sich nebenbei im Web zusätzlich über ein Produkt informieren oder Empfehlungen anderer Kunden lesen kann.

Anna Struth, Studentin Umweltinge­ nieurwesen, ZHAW LSFM | Ich gestalte meine Möbel selbst, weil sie dann ganz individuell aussehen. Ich mag es gerne bunt. Zudem koche ich gerne nach meinem ganz eigenen Rezept gerade das, was im Kühlschrank ist.

Roman Indermaur, Bibliothekar | Ich bevorzuge Schalter, um Geld zu holen oder Tickets zu kaufen. Self-Service nutze ich nur im Notfall. Ich verzichte auf E-Banking, auch wenn ich deshalb höhere Gebühren zahle. Mir ist der Kontakt zu Menschen wichtiger.

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Coache dich selbst!

Niemand kennt uns so gut wie wir selbst? Doch reicht das aus, um zu wissen was uns weiterbringt? Eric Lippmann, Coaching-Experte an der ZHAW, erklärt die Wirksamkeit von Selbstcoaching und die Methoden.

PATRICIA FALLER

F

rau Meier ist unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation: keine Impulse, keine Herausforderungen, alles schon mal da gewesen. Etwas Neues muss her. Doch was könnte es sein – eine fachliche Weiterentwicklung? Aufsteigen auf der Karriereleiter? Herr Müller dagegen steht vor einer neuen Herausforderung. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn soll er in einem global agierenden Unternehmen ein international zusammengesetztes Projektteam leiten. Zweifel beschleichen ihn, ob er das kann. In den bisher von ihm geleiteten Sitzungen redeten immer alle durcheinander. Sein Englisch ist ziemlich dürftig und Videokonferenzen sind ihm suspekt. Aber soll er sich deshalb diese Chance entgehen lassen? Wie könnte er diese Herausforderungen meistern?

Für Menschen, die es gerne alleine schaffen Zwei Beispiele, bei denen ein Selbstcoaching zur Entscheidungsfindung und Problemlösung hilfreich sein könnte – vor allem bei Menschen, die es gerne alleine schaffen. Der Vorteil gegenüber einem Fremdcoaching: «Keiner kennt Sie so gut wie Sie selbst», sagt Eric Lippmann, Leiter des Zentrums für Leadership, Coaching & Change Management am IAP Institut für Angewandte Psychologie an der ZHAW. Ein externer Coach bräuchte viel Zeit, um sich in ihre Biografie einzuarbeiten. Methoden gibt es viele. Sie versprechen Erfolg, Klarheit, Selbstmotivation, inneren Frieden, Lebensfreude. Ein wichtiges Element für den Erfolg

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ist dabei die Zielsetzung. «Realistisch, beeinflussbar und erreichbar müssen die Ziele sein.» Lippmann verdeutlicht das an einem Beispiel: «Wenn Sie wollen, dass Ihnen Ihr Vorgesetzter mehr Wertschätzung entgegenbringt, müssen Sie bei sich anfangen. Den Chef können Sie nicht ändern.» Ein erreichbares Ziel wäre, sich eine Strategie zu erarbeiten, wie man seine Leistungen so präsentieren kann, dass der Vorgesetzte erkennt, was er an einem hat.

«Vergessen Sie bei der Zielsetzung nicht, sich eine Belohnung auszudenken. Diese ist dann ein Zusatzanreiz.» Eric Lippmann

Ziele sollten immer positiv formuliert sein. «Ich will Konflikte angehen» klingt viel motivierender als die Wendung «Ich will Konflikten nicht aus dem Weg gehen». Sinnvoll beim Selbstcoaching ist, dass man sich einen Zeitrahmen steckt und überschaubare Teilziele setzt. Nach jeder Etappe sollte man prüfen: Was war bis hierher hilfreich und was nicht? Da keine Wirkung ohne Nebenwirkung ist, rät Lippmann, sich auch darüber frühzeitig Gedanken zu machen, um etwaige Gegenmittel miteinzuplanen. Der Studienleiter der Master of Advanced Studies (MAS) ZFH in Supervision & Coaching in Organisationen sowie Coaching & Organsiationsberatung veranschaulicht dies an einem Beispiel: «Eine Führungskraft nimmt den

nächsten Karriereschritt in Angriff. Der neue Chefposten bringt eine 60-Stunden-Woche mit sich, die kaum eine ausgewogene Work-LifeBalance zulässt. Auch die Kollegen, mit denen sich der frischgebackene Senior-Chef früher austauschen konnte, haben sich zurückgezogen. Es ist ziemlich einsam in der Chefetage.» Um Unzufriedenheit oder gar Leistungsbeeinträchtigungen zu vermeiden, sollte man sich bereits beim Planen des Karriereschritts Gedanken machen, wie man einigermassen Balance halten will zwischen Arbeits- und Privatleben. Und noch einen Rat hat der Coaching-Experte auf Lager: «Vergessen Sie bei der Zielsetzung nicht, sich eine Belohnung auszudenken. Diese ist dann ein Zusatzanreiz.»

Viele Methoden Für das Selbstcoaching eignen sich viele Methoden, die man aus dem Coaching kennt und die in zwei von Lippmann geleiteten MAS im Weiterbildungsangebot des IAP vermittelt werden (siehe auch Statements von IAP-Absolventinnen auf Seite 41). Als sehr wirksam gelten systemische Fragetechniken: Was muss ich machen, damit ich von A nach B gelange? Was sind die Unterschiede zwischen meiner jetzigen Situation und der angestrebten? Stand ich schon mal vor einem ähnlichen Problem, und was hat damals geholfen? Wie würden Herr X oder Y das Problem angehen? Was wäre wenn...?

Der nötige Abstand Anstelle von Fragen kann man auch mit Anekdoten arbeiten, eine Tagebuchanalyse vornehmen, sich Briefe schreiben oder Hausauf-

Coaching Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Sport. Laut dem Schweizer Berufsverband für Coaching, Supervision und Organisationsberatung (BSO) versteht man darunter eine EInzelberatung im beruflichen Kontext. Sie soll Hilfe zur Selbst hilfe vermitteln.


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gaben stellen. Auch SelbstcheckListen, anhand derer man sein Verhalten überprüfen kann, oder Listen mit dem Für und Wider einer Veränderung können zum Repertoire des Selbstcoachings gehören. Nützlich sind auch Beobachtungprotokolle, in denen man festhält, wie man sich in bestimmten Situationen gefühlt hat, oder eine Rollenanalyse, bei der es darum geht, wer welche Erwartungen an einen hat. Die grösste Herausforderung beim Selbstcoaching sei, dass bisweilen der nötige Abstand fehlt. Lippmanns Empfehlung gegen Symptombekämpfung oder die Wahl allzu bequemer Lösungen: «Wie ein externer Coach sollte man sich Fragen stellen: Gibt es kritische Stimmen in mir zu meinem Vorhaben? Mache ich mir etwas vor, geht es eigentlich um etwas ganz anderes?» Ratsam sei auch, von Zeit zu Zeit Feedback aus seinem Umfeld einzuholen. Nicht alles lässt sich ohne den Profi-Coach lösen. An Grenzen stosse Selbstcoaching, wenn jemand nicht sehr selbstkritisch sei oder wenig Übung darin habe, das eigene Tun zu reflektieren. In vielen Fällen ist Selbstcoaching jedoch geeignet, den eigenen Horizont zu erweitern, ist Lippmann überzeugt: «Wenn man erkennt, dass man für sich selbst einstehen und Probleme selbst lösen kann, führt Selbstcoaching zu mehr Selbstbewusstsein, Achtsamkeit und Kreativität.» ■

↘ Buchtipps zum Thema Selbtcoaching: Demann, Stefanie (2013): Selbstcoaching. Die 86 besten Tools. Gabal. Demann, Stefanie (2014): Selbstcoaching für Führungskräfte. Gabal. Eichhorn, Christoph (2002): Souverän durch Self-Coaching: Ein Wegweiser nicht nur für Führungskräfte (4 . Auflage 2009). Vandenhoeck & Ruprecht. Enzler Denzler, Ruth (2014): Die Kunst des klugen Umgangs mit Konflikten. Springer.

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«Spannend, was ich selbst alles an mir entdecken kann» Selbstcoaching hilft Martina Koch und Ruth Enzler, Absolventinnen von Kursen am IAP Institut für Angewandte Psychologie, bei verschiedenen Lebensfragen. Martina Koch, Coach, Supervisorin und Organisationsberaterin: Ich praktiziere Selbstcoaching u.a., um Coaching-Methoden an mir selber zu testen, aber auch um Hindernisse zu überwinden, wie bei diesem Beispiel: Bei einer Veranstaltung mit ca. 80 Personen sollte ich das Ergebnis unserer Kleingruppe vorstellen. Aber als ich vorne stand und in die erwartungsvollen, teilweise auch gelangweilten Gesichter schaute, raste mein Herz, und «SchnappAtmung» setzte ein. Ich musste mich zusammenreissen und bewusst langsam sprechen. So etwas wollte ich nie wieder erleben! Ich nahm mir eine der vielen Methoden vor, die ich in der Weiterbildung an der ZHAW kennengelernt hatte. Als Ziel definierte ich, dass ich solche Situationen nicht vermeiden, sondern sie mehr oder weniger entspannt meistern möchte. Schriftliche Kriterien sollten mir helfen, zu erkennen, wann ich am Ziel war. Danach habe ich mein «inneres Team» aufgestellt und diskutieren lassen: den «Befürworter» und den «Bekritteler» ... Das Resultat: Ich stehe heute vor doppelt so vielen Personen und moderiere Diskussionen. Die Rückmeldungen sind positiv. Ich habe gelernt, dass ich gar nicht perfekt sein muss. Eine Präsentation oder Moderation kann dadurch sogar lebhafter sein. Ruth Enzler, Psychologin (Organisationsberaterin, Supervisorin und Coach, BSO): Selbstcoaching hilft mir bei verschiedenen Lebensfragen. Ich bestimme dann z.B. zwei Stühle für zwei Situationen oder Entscheidungsmöglichkeiten, setze mich zuerst auf den einen, dann auf den anderen Stuhl und nehme die Unterschiede wahr. Dieses Vorgehen hilft mir zur inneren Klärung von Entscheidungen oder gibt mir die Möglichkeit, mich in andere hineinzuversetzen. Was mir auch sehr hilft, sind Ritualsätze (Mantras) wie: «Ich bin ich und du bist du», zum Abgrenzen von Themen, die nicht meine sind. Einmal wollte ich erreichen, dass ich mein Leben geniessen darf, auch wenn es nahestehenden Personen schlecht geht. Mit dem Mantra: «Ich bin ich, du bist du und ich mute dir dein Schicksal zu», konnte ich erreichen, dass ich mitfühlend auf mein Gegenüber blicken konnte, mich von seiner Situation aber nicht vereinnahmen liess. Grundsätzlich finde ich es spannend, mit mir zu arbeiten und zu sehen, was ich selber Neues an mir entdecken kann. ZHAW IMPACT APP mit weiteren Statements von Absolventinnen und Buchtipps.

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Impact | September 2014

CROWDFUNDING

Geldsegen aus dem Netz Unterstützung für Kulturprojekte und Startkapital für Firmen werden immer häufiger via Crowdfunding-Plattformen generiert. Trotz rasanten Wachstums steckt diese Finanzierungsform noch in den Kinderschuhen. FLORIAN WEHRLI

5540 Franken für ein Funkfestival, 8140 Franken für ein Fachbuch zum Bienensterben oder 33‘000 Franken für eine ökologische Gin-Destillerie. Welcher Geldgeber würde solchen Ideen auf Anhieb zur Umsetzung verhelfen? Und doch konnten all diese Projekte mit wenigen Mausklicks finanziert werden – dank Crowdfunding. Es handelt sich um ganze reale Beispiele der Plattform wemakeit.ch. Rund ein Dutzend solcher Portale existieren heute alleine in der Schweiz. Projektplaner stellen ihre Ideen vor und definieren ein Finanzierungsziel, das in einer bestimmten Frist erreicht werden soll.

Teil der Weiterbildung Besonders im Bereich der Kulturund Kreativwirtschaft erfreut sich diese Art von Finanzierung wachsender Beliebtheit. «Kulturschaffende verfügen innerhalb ihrer Szene meist bereits über ein Netzwerk, das sie für Crowdfunding aktivieren können», sagt Leticia Labaronne vom Zentrum für Kulturmanagement der ZHAW School of Management and Law. In den Studiengängen MAS Arts Management und DAS Fundraising Management, die sie leitet, ist Crowdfunding Teil des Lehrplans. «Anhand von Best-Practice-Beispielen aus der Musik- und Filmbranche zeigen wir auf, wie man eine Kampagne erfolgreich umsetzt und sein Netzwerk nutzt.» Als Gastdozierende hat Labaronne die Betreiber von wemakeit.ch, der grössten Plattform für kreative und kulturelle Projekte, eingeladen.

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Selbst renommierte Kulturinstitutionen wie das Casinotheater Winterthur betreiben hier einen Channel, um Bühnenprojekte zu realisieren. «Crowdfunding fördert die Demokratisierung der Kulturfinanzierung», sagt Leticia Labaronne. «Die Steuerzahler finanzieren zwar die staatliche Kulturförderung, können aber nicht direkt bestimmen, welche Projekte gefördert werden.» Doch weil auch über Crowdfunding längst nicht alle Vorhaben zustande kommen, nehmen die Betrei-

«Crowdfunding fördert die Demokratisierung der Kulturfinanzierung.» Leticia Labaronne

ber der meisten Plattformen eine Selektion vor. «Solche kuratierten Plattformen schränken den Demokratisierungsgedanken wieder ein», meint Labaronne. «So schützen sich die Betreiber aber auch vor dem Rückgang ihrer Erfolgsquote.»

Viel Potenzial für Wachstum Sich rechtzeitig als Plattform zu etablieren, ist für die Betreiber zentral. Obwohl das absolute Volumen generierter Gelder in der Schweiz noch verhältnismässig gering ist, wächst Crowdfunding rasant. Laut einer Studie der Hochschule Luzern kamen 2013 in 720 Kampagnen 11,6 Millionen Franken zusammen – doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Und für 2014 prognostizieren die Autoren eine weitere Verdoppelung. Das wahrscheinlich grösste

Volumen wird von CrowdinvestingPlattformen (siehe Glossar) generiert werden, die sich auf die Kapitalbeschaffung für Start-up-Unternehmen spezialisiert haben. «In den USA hat sich Crowdfunding zu einem veritablen Finanzierungsinstrument für Start-ups entwickelt, das innert Kürze Millionen von Dollar generiert», sagt Jacques Hefti, Gesamtprojektleiter von Entrepreneurship@ZHAW. «Obwohl auch in der Schweiz viel Kapital vorhanden ist, beurteilen Start-ups die Kapitalbeschaffung als grosse Herausforderung.» Gemäss Jacques Hefti spielt Crowdfunding in der Schweiz im Vergleich zu anderen Finanzierungsquellen für Startups noch eine untergeordnete Rolle. «Der Anteil liegt bei allen Finanzierungsrunden immer noch unter zehn Prozent.» Denn kommerzielle Start-ups können nicht auf altruistische Geldgeber zählen und sind meist auch auf grössere Beträge angewiesen. Dass viele Kleinanleger ein Projekt vorfinanzieren, ist im Grunde kein neues Phänomen. Pränumeration hiess dieses Verfahren im 18. Jahrhundert, mit dem in erster Linie Bücher finanziert wurden. Diese damals weit verbreitete Praxis geriet aber aufgrund von Misserfolgen und Veruntreuung in Verruf. Damit Crowdfunding nicht dasselbe Schicksal ereilt, braucht es wohl bald auch regulatorische Vorschriften, wie dies etwa in Grossbritannien bereits geschehen ist. In der Schweiz prüft die Finanzmarktaufsicht Finma von Fall zu Fall, ob die Plattformen aufsichtspflichtig sind.

Crowdinvesting ist eine Finanzierungsform von Start-ups. Die Kapitalgeber erhalten Anteile am Unternehmen, meist aber keine Stimmrechte. Crowdlending bezeichnet die Finanzierung durch Fremdkapital von vielen Kleinanlegern. Die Gläubiger erhalten eine Rendite, entsprechend dem Risiko ihres Darlehens. Durch Crowd­ supporting werden häufig Projekte aus dem Kultur- oder Sportbereich unterstützt. Die Kapitalgeber erhalten je nach Höhe ihrer Spende eine einmalige Gegenleistung wie Premierentickets, signierte Buchausgaben oder Nennungen in Gönnerlisten. Beim Crowd­ donating erwarten die Kapitalgeber keine Gegenleistung, weil sie sich stark mit dem Vorhaben solidarisieren. Meist handelt es sich dabei um gemeinnützige oder kulturelle Projekte.


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Impact | September 2014

urban farming

Ich gärtnere, also bin ich Vom Kleinstgarten bis zum Hightech-Gewächshaus: Immer mehr Städter bauen Gemüse und Früchte in ihrer Umgebung an. Was treibt Banker und Studierende, sich in der Freizeit die Hände schmutzig zu machen? SIBYLLE VEIGL

D

ie Primarschüler waren mit Feuer und Flamme dabei. «Die Ringelblume war so schön orange, wir haben Tomaten gegessen, sie waren lecker und wir haben auch sehr viel gearbeitet», waren einige ihrer Erinnerungen. Die Schüler der Schule Leutschenbach hatten Holzkisten der SBB bepflanzt, welche am Rand der Baustelle der Genossenschaft «Mehr als wohnen» in Zürich-Nord aufgestellt worden waren. Das Projekt mit dem Namen «Vor-Gärten» ist von der Forschungsgruppe Pflanzenverwendung des Instituts für Umwelt und natürliche Ressourcen (IUNR) der ZHAW in Wädenswil mit der Baugenossenschaft im Jahr 2011 lanciert worden und läuft noch bis 2017. Die Bepflanzung sollte einerseits das Interesse der Bevölkerung und der Arbeitenden in der Umgebung wecken und anderseits der Baugenossenschaft Hinweise über mögliche Formen eines städtischen Gartens geben. Auch Passanten konnten sich an den Tomaten, Kräutern oder Heidelbeeren bedienen. «Weder Verbote noch Angebote wurden klar artikuliert», sagt Projektleiterin Doris Tausendpfund vom IUNR. «Wir verfolgen die Dynamik des Prozesses.» Wichtig sei, die Pflanzenkombinationen an den Menschen anzupassen: «Wir wollen nicht Menschen umerziehen.» Die «Vor-Gärten» sollen ein Vorgeschmack sein und Vorfreude schaffen auf spätere Möglichkeiten des Urban Farming. Bei den Schülern ist das Ziel erreicht

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worden: «Ich ging in den Garten, ich habe mich gefreut», sagte ein Schüler, und ein anderer wollte sogar «einmal berühmt werden mit dem weltgrössten Kürbis». Was die Kinder im Kleinen erlebt haben, treibt heute Banker, Studierende, Buschauffeure oder Informatiker dazu, sich nach der Büroarbeit die Hände schmutzig zu machen: Auf dem Balkon, in Kisten vor dem Haus, in Kollektivgärten oder im Familiengarten wird gepflanzt, gejätet, gegossen, geerntet und manchmal auch gemeinsam gegessen.

«Ich will einmal berühmt werden mit dem weltgrössten Kürbis aus dem Garten.» Ein Schüler beim Projekt «Vor-Gärten»

Gärtnern und Landwirtschaft in der Stadt, oder neudeutsch Urban Gardening oder Urban Farming, liegen seit Jahren im Trend. Die Motivation dafür umschreibt Petra Hagen Hodgson, Leiterin Forschungsbereich Urbane Grünräume am IUNR, mit zwei Begriffen: Selbermachen und Miteinander. «Durch die Digitalisierung und Globalisierung hat sich der Mensch von den essenziellen Dingen des Lebens entfremdet», sagt sie. Deshalb suche der Städter wieder «die Verbindung mit der Natur» und wolle tätig sein und etwas selber machen. «Die Beziehung zur Natur ist ein Grundbedürfnis des Menschen», sagt Hagen Hodgson. Insofern holt sie der Städter zurück in seinen Le-

bensraum, statt dass er diese ausserhalb der Stadt sucht. Zudem gibt es einen wichtigen sozialen Aspekt: Der Gärtnernde bestimmt selbst, was er pflanzt. In Kollektivgärten stehen das Zusammenspannen für eine gemeinsame Sache wie auch das gesellige Miteinander im Zentrum: «Menschen kooperieren gerne, das gehört zu den wesentlichen Charakteristika des Menschseins», sagt Hagen Hodgson. Vor diesem Hintergrund hat sich in den letzten Jahren ein breites Feld an Spielformen des Pflanzenanbaus in der Stadt aufgetan. Das können die Tomatenpflanze und der Basilikum in der Balkonkiste sein, das können temporäre Projekte auf vorübergehenden Brachen sein, Kollektivgärten, eine genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft oder sogar Hightech-Hors-Sol-Kulturen. Eine Definition, was Urban Gardening von Urban Farming oder Urban Agriculture unterscheidet, fällt da schwer. Hagen Hodgson setzt bei Zweck und Verwendung der Produkte an: Ist die Tomate für den Eigengebrauch bestim mt, so handelt es sich eher um Urban Gardening – also zu Deutsch um Gärtnern – während Urban Farming oder Urban Agriculture einen kommerziellen Aspekt hat, also Landwirtschaft ist. Der Städter wird zum Gärtner, und gleichzeitig wird auch der Bauer immer mehr zum Urban Farmer: Obwohl sich die Vorstellung hartnäckig hält, dass Stadt und Land zwei voneinander getrennte Räume sind, besteht ein grosser Teil der Schweiz aus ineinanderwachsenden Agglomerationen. Drei Viertel aller Ein-

URBAN FARMING Obst und Gemüse, das zu kommerziellen Zwecken in Agglomerationen angebaut wird. Bereits die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe sind in Ballungsräumen tätig. URBAN GARDENING Obst und Gemüse, das für den Eigengebrauch angepflanzt wird, etwa in Kleingärten, auf Balkonen oder temporären Brachen. AQUAPONIK Zusammenzug aus Aquakultur und Hydroponik. In einem Kreislauf werden Fische und Gemüse gezüchtet, wobei das Fischwasser als Dünger und zur Bewässerung des Gemüses dient.


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Impact | September 2014

wohner leben in solchen Ballungsräumen – und bereits die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe ist in ihnen tätig. Die Grenzen verschwimmen zusehends.

Gartenstadt und Armengärten Der Versuch des Menschen, die Natur in städtische Strukturen zu integrieren, ist jedoch kein neues Phänomen. Am bekanntesten ist das Modell der Gartenstadt des Briten Ebenezer Howard, das er im Jahr 1898 entwarf. Mittels einer selbstständig lebensfähigen Stadt mit Gärten, in der jedes Haus einen Garten zur Selbstversorgung besitzt, und mit öffentlichen Gebäuden und Industrie wollte er eine Symbiose von Stadt und Land herstellen. Hintergrund war der rasante Verstädterungsprozess Londons im ausgehenden 19. Jahrhundert. Ansatzweise wurde seine Idee auch in der Schweiz übernommen, etwa von der Eisenbahner-Baugenossenschaft in St. Gallen beim Bau ihrer Siedlung Schoren um 1912. Ein weiteres Beispiel sind die sogenannten Armengärten, welche von Fabrikbesitzern wie karitative Organisationen in der Frühphase der Industrialisierung eingerichtet wurden, um die Armut der Arbeiterklasse zu lindern. Die negativen sozialen und gesundheitlichen Folgen des Stadtlebens beschäftigten auch den deutschen Arzt Moritz Schreber. Er propagierte die körperliche Ertüchtigung im Freien – und löste mit seiner Vorstellung eine bis heute bestehende Bewegung aus. Der erste Kleingarten aus dem Jahr 1869 in Leipzig steht heute unter Denkmalschutz. In Zürich kämpfte Architekt und Städtebauer Hans Bernoulli gut 60 Jahre später für die Kommunalisierung des Bodens und baute in der Zwischenkriegszeit seine noch heute stehende Siedlung an der Hardturmstrasse. Den Häusern, die zum Selbstkostenpreis verkauft wurden, ist ein kleiner Garten vorgelagert, ganz nach der damaligen Forderung

nach Licht, Luft und Sonne. Die individuelle Existenzfrage stellt sich dem Städter heute nicht mehr, wenn er zur Hacke greift. Dennoch sehen viele Initianten ihre Stadtfarmen in einem grösseren Zusammenhang: als Kritik und als Kontrapunkt zur globalen Agrar- und Handelspolitik, zur Ressourcenknappheit und zur klimabedingten Verwüstung von immer mehr Agrarflächen. «Die Analysen des Weltagrarberichts von 2008», sagt Hagen Hodgson, «weisen in diese Richtung.»

Die Verbindung von Konsument und Produzent Das sind beispielsweise die Beweggründe der urbanen Gärtner von Ortoloco in Dietikon ZH. Umweltingenieurin und ZHAW-Forschungsassistentin Lea Egloff gehört zu den Gründern der Genossenschaft: «Wir wollten eine andere Art von Wirtschaft, eine nachhaltige Wirtschaft, und die Trennung von Produzent und Konsument aufheben», sagt sie. Noch als Studentin der ZHAW hatte sie das Projekt einer regionalen Vertragslandwirtschaft mit vier Mitstreiterinnen lanciert: Vom Limmattaler Biohof Im Fondli wurden 1,4 Hektaren Ackerland gepachtet und eine professionelle Gemüsegärtnerin angestellt. Die Mitglieder kaufen Anteilscheine an der Genossenschaft und finanzieren mit jährlichen Beiträgen die Betriebskosten. Dafür erhalten sie jede Woche eine Tasche voll Gemüse und arbeiten auch aktiv mit. «Es braucht viel Zeit, für die Mitglieder ist es weder Lohnarbeit noch Hobby», so Egloff. Der Wunsch, etwas selber zu machen, sei aber ein Grund, sich an Ortoloco zu beteiligen. Nach vier Jahren ist aus der anfänglichen Bewegung von Jungen ein Mehrgenerationenprojekt geworden, und mit 230 Gemüsetaschen pro Woche sieht Egloff nun die richtige Grösse erreicht. Ortoloco als sozialpolitisches Wirtschaftsmodell ist zurzeit Forschungsobjekt des Instituts für Umwelt und natürliche Ressour-

Beim Projekt «Vor-Gärten» in Zürich bepflanzten Schülerinnen und Schüler Holzkisten der SBB.

Passanten konnten sich an Kräutern, Tomaten und Heidelbeeren selbst bedienen.

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Das Gewächshaus auf dem Dach Wasserwirtschaft statt Landwirtschaft: Das ist Modell und Motivation des Unternehmens UrbanFarmers in Zürich. Es züchtet Fische und Gemüse, und zwar in einem Kreislauf, wobei das Fischwasser als Dünger und Bewässerung für das Gemüse verwendet wird. Die Wurzeln der Pflanzen reinigen das Wasser, welches dann wieder an die Fische zurückgeht. Mit kollektiver Selbstverwirklichung nahe der Scholle hat dies gar nichts zu tun: Der ganze Kreislauf ist in einem Gewächshaus auf einem Dach mitten in der Stadt Basel installiert. Es wird dort produziert, wo der Konsument lebt. Transportwege entfallen. Aquaponik nennt sich das System, ein Zusammenzug aus Aquakultur und Hydroponik. Es ist ein kontrolliertes System, welches das ganze Jahr mit Strom und Wärmezufuhr am Laufen gehalten wird. Das Anfang 2013 gestartete Basler Pilotprojekt hat eine hohe Medienaufmerksamkeit weit über die Schweizer Grenzen hinaus geweckt. «Wir wollten eine bodenunabhängige und somit auch standortunabhängige Produktion umsetzen», sagt Andreas Graber vom Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen, welcher das Unternehmen Mitte 2011 als Spin-off der ZHAW zusammen mit dem Betriebsöko-

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nomen Roman Gaus gegründet hat. Die UrbanFarmers verstehen sich als gewinnorientierte Technologiefirma. Noch ist das Ziel nicht erreicht. Die Pilotanlage in Basel auf rund 250 Quadratmetern ist zu klein, um profitabel betrieben werden zu können. Der Jahresertrag von rund 5 Tonnen Gemüse und 800 Kilogramm Fisch wird in der nahe gelegenen Migros Dreispitz und in der Gastronomie verkauft. Frische, Qualität, nachhaltige Produktion und spezielle Sorten sind das Verkaufsargument. Für einen kommerziellen Betrieb braucht es Anlageflächen von mindestens 1000 Quadratmetern. Ein erstes Projekt, welches selbsttragend sein wird, ist in Den Haag auf rund 1500 Quadratmetern Dachfläche geplant. Bereits haben sich UrbanFarmers einen zweiten Geschäftsbereich aufgetan – und sind dabei vom Dach wieder auf dem Boden angelangt: Unter dem Namen Bolt-On bieten sie Aquakultur für Gemüseproduzenten auf dem Land an, die ihr Gewächshaus mit einer Fischzucht in einem Kreislauf verbinden wollen. ZHAW IMPACT APP Der digital gesteuerte Hydrosalat, ein SRF-Beitrag zu UrbanFarming.

Im Gewächshaus von UrbanFarmers wachsen Gemüse und Fische.

Impact | September 2014

cen im Rahmen des Projektes «City Farming». Darin wird an vier Beispielen der soziale Wert einer konsumentennahen Landwirtschaft untersucht. Neben Ortoloco sind dies zwei traditionelle Landwirtschaftsbetriebe und das Unternehmen UrbanFarmers (vgl. nebenstehenden Artikel). «Die Nähe zum Konsumenten gibt Chancen zur Verflechtung, zum Erlebnis, zur Begegnung und zur Bildung», sagt Hans Wydler, «vor allem aber hilft sie den Betrieben, sinnvolle Vermarktungsstrukturen und Angebote zu schaffen.» Er ist Leiter des ZHAW-Projektes, an dem auch Umweltingenieurin Egloff massgeblich mitarbeitet. «Vernetzung und Kontakte sind eine Win-win-Situation für Konsument und Produzent», sagt Egloff. Bleibt die Frage, ob der Trend zum Gärtnern nachhaltig sein wird oder ob er wie viele andere Bewegungen junger Städter in ein paar Jahren versiegt. «Der Garten wird seinen Platz in der Stadt behalten», ist Hagen Hodgson überzeugt. Eben weil er das menschliche Grundbedürfnis nach Kooperation und selber Hand anlegen wie auch ein Unbehagen gegenüber der Stadtentwicklung spiegle. Der Siedlungsentwicklung nach innen müsse ein entsprechender Freiraum gegenübergestellt werden. Doch die Freiräume sind unter Druck, wie auch im regionalen Gesamtverkehrskonzept der Stadt Zürich (2011) gewarnt wurde: «Durch die bauliche Dynamik droht der teilweise hohe Grünanteil im Siedlungsgebiet der Stadt Zürich verloren zu gehen.» Durch die Verdichtung würden Erholungsflächen wie Kleingärten immer mehr an den Stadtrand respektive in die Landschaft verlagert. Hagen Hodgson fordert «neue Wege, Grünräume, in denen eine Möglichkeit der Aneignung besteht, zu integrieren»: Urban Gardening könne zu einem Bestandteil einer zukunftsweisenden Stadtentwicklung werden. Entscheidend sei aber: «Wie man es auch angeht, es muss dem Leben dienen.» ■


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WEITERBILDUNG

Impact | September 2014

Neuer CAS Community Gesundheit: Zwei neue Communication Weiterbildungsmaster Formen von Vergemeinschaftung gewinnen wieder an Bedeutung – wohl als Reaktion auf eine Gesellschaft, in der sich alles scheinbar um das immer mehr vereinsamte Individuum dreht. Heutige Communitys sind zunehmend medialisiert – anders als etwa traditionelle Dorfgemeinschaften. Darauf müssen sich auch heutige Kommunikationsverantwortliche einstellen. Sie sind dann Community-Expertinnen und -experten, wenn sie soziale Netzwerke verstehen und gestalten sowie strategisch in die Gesamtkommunikation einbinden – sowohl on- als auch offline. Der neue CAS Community Communication befähigt die Teilnehmenden zur Konzeption und Steuerung von Kommunikationsprozessen in und von Communitys. Die Teilnehmenden verstehen, wie Netzwerke funktionieren, sie kennen die Erfolgskriterien des Aufbaus und der Pflege von Communitys und sind in der Lage, Community-Kommunika-

tionsprojekte aus der Kommunikationsstrategie abzuleiten. Der Zertifikatslehrgang richtet sich an Kommunikationsexpertinnen und -experten mit Hochschulabschluss und mehrjähriger qualifizierter Berufspraxis in Unternehmen, NPOs, Verwaltungen oder Agenturen. Angesprochen sind auch Medienschaffende, die ihre Kompetenzen im Bereich Community Building ausbauen oder sich auf einen beruflichen Wechsel in die Organisationskommunikation vorbereiten wollen. Die Studierenden absolvieren 24 Kurstage à 8 Lektionen. Sie gestalten gemeinschaftsbildende Kommunikationsprozesse in einer Community im eigenen Arbeitsfeld. und dokumentieren ihre Erkenntnisse in Form einer schriftlichen Studienarbeit, die sie vor einem Fachpublikum präsentieren.

↘ Weitere Information: http://blog.zhaw.ch/iam/von-dersehnsucht-nach-gemeinschaft

Neu und einmalig in der Schweiz sind der Master of Advanced Studies (MAS) in Ergotherapie und der MAS in Hebammenkompetenzen plus. Der Weiterbildungsmaster in Ergotherapie ist modular aufgebaut und bietet sechs unterschiedliche Spezialisierungsrichtungen in den wichtigsten ergotherapeutischen Arbeitsfeldern. Er schliesst eine Lücke im Angebot, da Berufsleute die Wahl haben, sich für eine Führungsaufgabe im interprofessionellen Umfeld oder innerhalb einer Praxis zu qualifizieren. Basis für alle Teilnehmenden ist das CAS Ergotherapie heute und morgen. Für die weiteren zwei CAS vor dem Mastermodul stehen den Teilnehmenden unterschiedliche Kombinationen zur Verfügung – abhängig davon, welche Spezialisierungsrichtung sie wählen. An die berufsspezifischen CAS schliessen interprofessionelle CAS wie Ergonomie, Schmerz oder Geschäftsführung von Praxen an.

Der MAS Hebammenkompetenzen plus ist die erste berufsbegleitende sowie berufsspezifische Weiterbildung auf Masterstufe, die Hebammen in der Schweiz absolvieren können. Die Inhalte seiner drei CAS sind auf die berufliche Praxis der Hebamme ausgerichtet, mit dem Ziel, wissenschaftliche Ergebnisse in die praktische Tätigkeit zu integrieren. Diese Weiterbildung ermöglicht es Hebammen ihr Berufswissen zu vertiefen, zu erweitern und zu ergänzen. Der MAS-Abschluss befähigt Hebammen in ihrem Berufsfeld neue Aufgaben und zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Mit dem Ziel, die Versorgung von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu verbessern und die Qualitätsentwicklung zu fördern.

↘ Mehr Information:

www.zhaw.ch/de/gesundheit/ weiterbildung

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CAS Certificate of Advanced Studies Foreign Affairs and Applied Diplomacy From Local to Global. Crossing Borders. For further information: www.fad.zhaw.ch

Zürcher Fachhochschule

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WEITERBILDUNG

Impact | September 2014

Auswahl aktueller Weiterbildungsangebote an der ZHAW Kurs

Start

Kontakt

ARCHITEKTUR, GESTALTUNG UND BAUINGENIEURWESEN CAS Professionelle Lichtplanung in der Architektur

05. Juni 2015

weiterbildung.archbau@zhaw.ch

CAS Stadtraum Strasse – Lebensräume für die Zukunft entwerfen

September 2015

weiterbildung.archbau@zhaw.ch

CAS Bestellerkompetenz – Projekt- und Gesamtleitung im Bauprozess

September 2015

weiterbildung.archbau@zhaw.ch

GESUNDHEIT MAS Hebammenkompetenzen plus

Einstieg laufend

weiterbildung.gesundheit@zhaw.ch

WBK Bildnerisches Gestalten in der Psychiatrie Einzeltherapie

21. Nov. 2014

weiterbildung.gesundheit@zhaw.ch

Kurs: Alltagsmanagement im Alter

22. Januar 2015

weiterbildung.gesundheit@zhaw.ch

CAS Klinische Expertise in Lymphologischer Physiotherapie

03. Februar 2015

weiterbildung.gesundheit@zhaw.ch

ANGEWANDTE LINGUISTIK CAS Hochschuldidaktik: Lecturing in Higher Education through English

16. Oktober 2014

info.lcc@zhaw.ch

WBK Email Writing in English

15. & 29. Okt. 2014

info.lcc@zhaw.ch

CAS Schreibberatung an der Hochschule

13. Februar 2015

info.lcc@zhaw.ch

LIFE SCIENCES UND FACILITY MANAGEMENT CAS Energiemanagement

06. Nov. 2014

www.ifm.zhaw.ch/weiterbildung

WBK Degustationskurs Olivenöl

06. Nov. 2014

www.ilgi.zhaw.ch

CAS Natur im Siedlungsraum

21. Nov. 2014

www.iunr.zhaw.ch/weiterbildung

WBK Einführung ins EU-Lebensmittelrecht

05. Dez. 2014

www.iunr.zhaw.ch/weiterbildung

ANGEWANDTE PSYCHOLOGIE CAS Coaching Advanced

08. Oktober 2014

cornelia.rastorfer@zhaw.ch

WBK Mit mentalem Training besser auftreten

19. Nov. 2014

cornelia.rastorfer@zhaw.ch

DAS Ressourcen- & lösungsorientierte Beratung IAP

23. März 2015

therapie.iap@zhaw.ch

DAS Personalpsychologie IAP

auf Anfrage

development.iap@zhaw.ch

SOZIALE ARBEIT CAS Gerontagogik – Lernen und Fördern im Alter

14. Januar 2015

weiterbildung.sozialearbeit@zhaw.ch

CAS Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe

19. Januar 2015

weiterbildung.sozialearbeit@zhaw.ch

Leiten in Nonprofit-Organisationen

19. Januar 2015

weiterbildung.sozialearbeit@zhaw.ch

CAS Internationale Zusammenarbeit – Führen über Grenzen

23. Januar 2015

weiterbildung.sozialearbeit@zhaw.ch

SCHOOL OF ENGINEERING DAS Prozess- und Logistikmanagement

24. Oktober 2014

weiterbildung.engineering@zhaw.ch

MAS/DAS/CAS Integriertes Risikomanagement

19. März 2015

weiterbildung.engineering@zhaw.ch

CAS Instandhaltungsmanagement

09. Januar 2015

weiterbildung.engineering@zhaw.ch

CAS Projektmanagement

20. Februar 2015

weiterbildung.engineering@zhaw.ch

SCHOOL OF MANAGEMENT AND LAW CAS Leadership für HR Professionals

08. Januar 2015

claudia.poelderl@zhaw.ch

MAS Arts Management

16. Januar 2015

leticia.labaronne@zhaw.ch

CAS Arbeitsrecht

06. Februar 2015

monika.rohrer@zhaw.ch

MAS Business Administration

27. Februar 2015

daniela.frau@zhaw.ch

MAS Master of Advanced Studies, CAS Certificate of Advanced Studies, WBK Weiterbildungskurs, DAS Diploma of Advanced Studies

↘ Weitere Kurse und Informationen unter www.zhaw.ch/weiterbildung

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(Mitglieder ALMUNI ZHAW erhalten Rabatte)


NEWS AUS DEN DEPARTEMENTEN

51 Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen 52 Gesundheit 53 Angewandte Linguistik 54 Life Sciences und Facility Management 55 Angewandte Psychologie 56 Soziale Arbeit 57 School of Engineering 58 School of Management and Law

ARCHITEKTUR, GESTALTUNG UND BAUINGENIEURWESEN

Stadtraum Zürcherstrasse Der einstige Glanz und städ­ tische Auftritt der Winterthurer Zürcherstrasse als «Prachtstras­ se» der Industrie ist heute ver­ blasst. Hier standen sich einst locker gesetzte Stadtvillen, ein­ gebettet in Parkgrün und Reben vom Brühlberg, und die in ört­ lichem Klinker ausgeführten, imposanten Schaufassaden der stolzen Maschinenhallen ge­ genüber. Wie aber könnte diese histo­ rische Verkehrsverbindung in einer zukünftigen Stadterneue­ rung aussehen? Mit dieser städtebaulichen Fra­ ge setzten sich vergangenes Se­ mester rund 80 Studierende mit den Dozierenden des zweiten Jahreskurses im Fach Entwerfen und Konstruieren auseinander. Ein grosszügiger, baumbe­ pflanzter Boulevard, inmitten des über ein Kilometer langen Stadtraums, bildet das eigent­ liche Herzstück des in einem in­

ternen Wettbewerb ausgewähl­ ten städtebaulichen Konzepts. Dieses diente als Grundlage für die individuellen Einzelentwür­ fe von 80 städtischen Wohn­ häusern. An den Schlussbespre­ chungen, an denen auch der Winterthurer Stadtbaumeis­ ter Michael Hauser teilnahm, diente ein grosses Gesamtmo­ dell im Massstab 1:200 dazu, die Qualitäten der Zukunftsvision kritisch zu hinterfragen und neue Erkenntnisse hinsichtlich der Frage der Transformation des städtischen Raumes und der inneren Verdichtung zu ge­ winnen. Dieses Stadtmodell sowie aus­ gewählte Projekte werden demnächst im Rahmen einer Ausstellung einer interessier­ ten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, begleitet von weite­ ren Veranstaltungen sowie ei­ ner Buchpublikation.

www.archbau.zhaw.ch

Die Zürcherstrasse – einst und morgen Fotos: Hermann Link. Zürcherstr. 1928/ZHAW

Sommer-Workshop 2014 in Valencia Dozierende und Studierende aus den Fachbereichen Archi­ tektur und Städtebau der Uni­ versitat Politècnica de València,

Albufera! Nicht Holland.

der TU Wien, der TU Graz, der Univerza Ljubljana, der TU Do­ nezk und des Departementes Architektur, Gestaltung und

Bauingenieurwesen der ZHAW setzten sich im Rahmen eines gemeinsamen Sommer­Work­ shops mit der Zukunft und dem Entwicklungspotenzial des landwirtschaftlichen Gürtels der Huerta auseinander. Die Huerta rund um Valen­ cia ist bewässertes Landwirt­ schaftsland, ein in Europa ein­ zigartiges, 12'000 Hektaren grosses Gebiet von heute zum Teil brachliegenden Gemüse­ und Obstgärten, das auf die Zeit der Mauren zurückgeht. Betreut von den Dozierenden, entwar­

fen die Studierenden Konzepte und Entwicklungsstrategien für ausgewählte Standorte in­ nerhalb der Huerta. Zusätzlich zu den intensiven Gesprächen und Diskussionen im Entwurfs­ atelier haben das Zusammen­ treffen der unterschiedlichen Hochschulen, die unterschied­ lichen Sichtweisen auf die Stadt und die unterschiedlichen In­ terpretationen möglicher Ent­ wicklungsprozesse den interna­ tionalen und transkulturellen Diskurs enorm bereichert.

www.iul.zhaw.ch

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NEWS GESUNDHEIT

Impact | September 2014

Ergo-Weltkongress in Japan Im Juni fand der Kongress der World Federation of Occupational Therapists (WFOT) mit einer Rekordzahl an internationalen Teilnehmenden in Japan statt. Fast 7000 Teilnehmende aus 70 Ländern besuchten die Grossveranstaltung mit dem

Titel «Sharing Traditions – Creating Futures». Vom Institut für Ergotherapie waren acht Mitarbeiterinnen in Yokohama, um ihre Poster und Vorträge zu präsentieren, Kontakte zu pflegen und neue Erkenntnisse zurückzubringen.

Die Delegation des Instituts für Ergotherapie am Weltkongress

Physiotherapy Summer School «Implementieren – Forschungsresultate in der klinischen Praxis umsetzen» war das Thema der ersten Physiotherapy Summer School Anfang September. In Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden ein Implementierungskonzept für eine Inno-

vation in ihrem physiotherapeutischen Alltag – die direkt den Patientinnen und Patienten zugutekommen soll. Namhafte Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland leiteten die Workshops und gaben ihr Wissen weiter.

Zentrum für Gesundheitswissenschaften Das Departement Gesundheit der ZHAW hat mit dem Zentrum für Gesundheitswissenschaften ZGW ein neues Kompetenzzentrum für Gesundheitsversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention gegründet. Leiter des Zentrums ist Prof. Dr. med. Markus Melloh. Um zunehmenden chronischen Krankheiten und Multimorbiditäten adäquat zu begegnen, stärkt die ZHAW mit dem neuen Kompetenzzentrum ihren Schwerpunkt im Bereich Public Health. Am ZGW werden biolo-

gische, psychologische und soziale Gesundheits- und Krankheitsdeterminanten vernetzt erforscht. Weiter soll am ZGW ein neuer Bachelorstudiengang für Gesundheitsförderung und Prävention entstehen. Als Kernstück einer praxisorientierten Forschung und Lehre ist ein Bildungs- und Forschungsambulatorium geplant, in dem Studierende ihr Wissen vor Ort einsetzen und erste Dienstleistungen für die Öffentlichkeit erbringen.

www.gesundheit.zhaw.ch/zgw

Aufbau eines Lehrgangs für gerontologische Pflege in China Wie die Schweiz muss sich auch China den Herausforderungen stellen, die der demographische Wandel mit sich bringt. Das Institut für Pflege wurde angefragt, für die Stadt Qingdao einen Bildungslehrgang in gerontologischer Pflege zu erarbeiten und durchzuführen. Das würde bedeuten, dass zukünftig chinesische Pflegefachkräfte zu Weiterbildungszwecken nicht mehr ins Ausland reisen

müssen. Gleichzeitig soll das zu entwickelnde Programm Pflegefachpersonen, die das Studium absolvieren, befähigen, ihr Fachwissen an andere Pflegende und Hilfspersonal weiterzugeben. Damit ist ein kontinuierlicher Wissenstransfer vor Ort gewährleistet. Die Absichtserklärung wurde anlässlich eines Besuchs der chinesischen Kooperationspartner in der Schweiz unterzeichnet.

Im Gespräch mit Schwangeren lernen

«Lernen von Schwangeren» Das Projekt im Bachelorstudiengang Hebamme soll Schwangere mit Studierenden zusammenbringen, damit diese direkt zu Studienbeginn von ihren zukünftigen Klientinnen erfahren, worauf es ihnen in der Betreuung ankommt. «Lernen von Schwangeren» startet diesen Herbst als neuer, praxisnaher Ansatz in der Ausbildung von Hebammen. In Gesprächen ent-

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wickeln die Studierenden Verständnis für das Ereignis einer Schwangerschaft und lernen, genau hinzuhören und Bedürfnisse zu erkennen. Davon profitieren nicht nur die Studierenden, sondern auch die Schwangeren. Sie haben eine zusätzliche Gesprächspartnerin, mit denen sie ihre Gedanken zu Schwangerschaft und Mutterwerden teilen können.

(v.l.) Peter C. Meyer (Dept. Gesundheit), Yongming Yu (Universität Qingdao), Jean-Marc Pivteau (Rektor ZHAW), Min Zuo (Shandong Provincial Education Dept.), Heidi Longerich (Dept. Gesundheit), Sebastian Brändli (Hochschulamt), Bo Chen (SGES)


NEWS ANGEWANDTE LINGUISTIK

Impact | September 2014

Konferenz der Europäischen Hochschulsprachenzentren Zum Thema Mehrsprachigkeit an Hochschulen organisierte das LCC Language Competence Centre der ZHAW unter Prof. Dr. Walter Seiler zusammen mit anderen Hochschulsprachenzentren im September die viersprachige Europäische Konferenz

CercleS in Fribourg. Rund 80 Beiträge beleuchteten die Rolle der Mehrsprachigkeit für die berufliche Laufbahn, HochschulSprachdidaktik und Bewertung sprachlicher Kompetenzen.

www.cercles2014.org

Netzwerk für Qualität Studieren im Bachelorstudiengang (BA) Angewandte Sprachen

BA Übersetzen wird BA Angewandte Sprachen Im Herbstsemester geht für das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Der Bachelorstudiengang (BA) Übersetzen erhält einen neuen Namen und heisst ab sofort BA Angewandte Sprachen. Die Namensänderung war nötig geworden, weil die traditionelle Bezeichnung «Übersetzen» nicht mehr zu Inhalt und Ausrichtung des Studiums passt. Denn seit der Zeit, als das Studium vier Jahre dauerte und mit einem Übersetzerdiplom abgeschlossen wurde, ist viel passiert: Die Diplomausbildung wurde zum Bachelorstudium weiterentwickelt und völlig

neu ausgerichtet. Der BA Angewandte Sprachen bietet eine generalistisch orientierte Ausbildung für Berufsfelder mit interkultureller Prägung. Der Fokus liegt auf interkultureller Fachkommunikation, die auch neue Formen wie Respeaking, Subtitling, Webübersetzen oder das ganze Gebiet der Technikkommunikation umfasst.

Die Vertiefung Fachübersetzen des Masters in Angewandter Linguistik ist in das prestigeträchtige Netzwerk des European Master's in Translation (EMT) aufgenommen worden. EMT ist ein Partnerschaftsprojekt zwischen der Europäischen Kommission und Hochschulen, die

Masterstudiengänge in Übersetzen anbieten. Das Netzwerk will die Qualität der Übersetzerausbildung verbessern, um zu gewährleisten, dass die Übersetzerinnen und Übersetzer der EU hochqualifiziert sind.

www.iunr.zhaw.ch

Neuer Linguistik-Podcast Unter dem Titel «angesprochen» werden im Linguistik-Podcast Themen der angewandten Linguistik auf interessante und unterhaltsame Art zugänglich gemacht. Expertinnen und Ex-

perten der Universität Zürich und der ZHAW plaudern in lockerer Folge über ihre Arbeit mit Sprache und Kommunikation.

www.linguistik.uzh.ch/easy-

ling/podcast.html

Das Studium für Fachübersetzerinnen und -übersetzer oder Konferenzdolmetscherinnen und -dolmetscher ist heute ausschliesslich auf der Masterstufe angesiedelt und wird als Vertiefung des MA-Studiengangs Angewandte Linguistik geführt.

Das IUED ist Mitglied der CIUTI Das IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen ist neu Mitglied der Conférence internationale permanente d’institutions universitaires de traducteurs et interprètes, kurz CIUTI. Dieser exklusive Kreis weltweit führender Ausbildungsstätten auf dem Gebiet des Übersetzens umfasst rund 40 Institute auf

der ganzen Welt. Seine Mitglieder müssen strikte Qualitätskriterien erfüllen. Für das IUED erschliesst die Mitgliedschaft neue Möglichkeiten bei der Mobilität von Studierenden und Dozierenden sowie einen noch intensiveren Austausch zwischen den Forschen↘ http://www.ciuti.org/ den.

Perrin wird Vizepräsident der AILA Prof. Dr. Daniel Perrin wurde am Weltkongress der International Association of Applied Linguistics (AILA) für 2014–2017 zum Vizepräsidenten gewählt – und damit zum Präsidenten 2017–2020. Als Spitzenbotschaf-

ter der Angewandten Linguistik will Perrin das Fach international positionieren und öffentlich fassbar machen, wie die Linguistik zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann.

www.aila.info

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NEWS LIFE SCIENCES UND FACILITY MANAGEMENT

Impact | September 2014

Zukunft des Brotes An der Wädenswiler Lebensmitteltagung vom 20. November 2014 dreht sich alles um das Thema Brot. Getreide ist einer der Hauptrohstoffe für Brot und liefert eine grosse Vielfalt an Inhaltsstoffen. Aber wie können diese Inhaltsstoffe sicher und stabil vom Rohstoff in das Lebensmittel überführt werden?

Wie wirken sie in unserem Körper? In diesem Kontext werden einerseits wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Beta-GlucanForschung präsentiert, andererseits sind neueste Ergebnisse im Zusammenhang mit gluteninduzierten Ernährungsproblemen ein Thema.

www.ilgi.zhaw.ch

Max Lüthi Preis erhalten Jugendliche im Kurs «Fotovoltaik – Energie unserer Zukunft»

Erfolgreiche erste Science Week 180 Teilnehmende besuchten vom 4. bis 8. August rund 300 Veranstaltungen. Die 12- bis 15-jährigen Jugendlichen stellten sich aus fünf ganztägigen Kursen ihr individuelles Programm zusammen und erforschten die Welt der Naturwissenschaften hautnah. Die Schülerinnen und Schüler stammten aus der gesamten Deutschschweiz, davon rund 80 aus dem Kanton Zürich. «Ich finde es super, dass wir etwas ganz Praktisches machen», so eine Kursteilnehmerin. «Mich interessieren Chemie und Biologie, und

genau diese Themen habe ich hier gefunden», so ein anderer Jugendlicher. Das Ziel der Science Week war ganz im Sinne der Nachwuchsförderung: Jugendliche für die sogenannten MINTDisziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu begeistern und auf Ingenieurberufe aufmerksam zu machen. Dazu standen rund 25 Hochschulprofis der ZHAW im Einsatz. Einen Rückblick auf den Event gibt es unter

↘ www.lsfm.zhaw.ch/scienceweek.

Gesundheitsförderliche Büros Ende Juni wurde der Grundlagenbericht «Gesundheitsförderliche Büroräume» veröffentlicht. Der Bericht über die Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit und dem Büroraum wurde vom IFM Institut für Facility Management im Auftrag der Gesundheitsförderung Schweiz erarbeitet. Daran mitgearbeitet haben vom IFM Prof. Lukas Windlinger, Jennifer Konkol, Fabienne Schanné und Dr. Simone Sesboüé so-

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wie Regula Neck vom ZHAW-Departement Gesundheit. Der Bericht zeigt, dass dem Büroraum als wichtigem Einflussfaktor auf die psychische Gesundheit ein grosses Potenzial innewohnt, welches in der Praxis bis anhin noch wenig genutzt wird. Der 70-seitige Bericht steht im Internet zur Verfügung und kann heruntergeladen werden unter

↘ www.gesundheitsfoerderung. ch/publikationen

David Spichiger (rechts), SCG, übergibt den Preis an Yannik Stöferle.

Der Dr. Max Lüthi Preis wird jährlich für herausragende Diplomarbeiten im Fach Chemie durch die Schweizerische Chemische Gesellschaft (SCG) vergeben. Dieses Jahr übergab David Spichiger (SCG) die begehrte Auszeichnung an Yannik Stöferle, Absolvent des Bachelorstudienganges Chemie für seine Diplomarbeit über die Synthese und spektroskopische Analyse von chiralen Halomethanen und Oxiranen. Die mit 1000 Franken dotierte Auszeichnung ging bereits das vierte Jahr in Folge an eine Studentin bzw. an einen Studenten der ZHAW in Wädenswil.

Mehr Master of Life Sciences Die Zahl der Abschlüsse im konsekutiven Studiengang «Master of Science in Life Sciences» stieg 2014 gegenüber dem Vorjahr

von 36 auf 41 Personen. Bereits Ende Juni nahmen 17 Frauen und 24 Männer ihr Diplom in Empfang.


NEWS ANGEWANDTE PSYCHOLOGIE

Impact | September 2014

Medienkonsum und Schulleistung Wie hängen Medienkonsum und nonmediales Freizeitverhalten mit den Schulnoten Jugendlicher zusammen? Schützen Jugendliche ihre Profile auf sozialen Netzwerken ausreichend? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Beziehung zu den Eltern und der Nutzung digitaler Medien? Antworten auf diese und andere Fragen liefern die neuen JAMESfocusBerichte. Dazu sind die Daten aus der JAMES-Studie 2012 vom medienpsychologischen Forschungsteam der ZHAW vertieft ausgewertet worden. Die Analysen zeigen etwa, dass die Eltern-

beziehung in positiver Wechselwirkung mit der Schulleistung steht. Unterstützende, sich interessierende Eltern sind motivierend für Jugendliche, und dies wiederum kann zu besseren Mathematiknoten führen. Auch Musikhören und das Nutzen des Computers ohne Internet stehen in einem positiven Zusammenhang mit der Mathematikleistung. Die Berichte von JAMESfocus 2013 enthalten zudem Tipps für Schulen und Eltern und stehen online zum Download zur Verfügung.

↘ www.psychologie.zhaw.ch/ JAMES

Potenzial älterer Mitarbeitender nutzen Die demografische Entwicklung beeinflusst die Arbeitswelt: Es gibt immer mehr ältere Mitarbeitende. Die kontinuierliche lebenslange Weiterbildung von älteren Mitarbeitenden erhält noch stärkere Bedeutung. Welches Entwicklungsund Lernpotenzial haben ältere Menschen? Wie sehen erfolgreiche Konzepte zur Integration von älteren und gering qualifizierten Mitarbeitenden aus?

Dieses Themas nahm sich Ende Juni die IAP Fachtagung «Lebenslanges Lernen: Demografischer Wandel als unternehmerische Herausforderung» an. Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft und Praxis präsentierten und diskutierten die Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven. Impressionen und alle Handouts als PDFDownload finden Sie online.

www.iap.zhaw.ch/fachtagung

Visualisierung aus dem visuellen Protokoll der Fachtagung

Psychologie-Knowhow im Berufs- und Privatleben Das neue Weiterbildungsprogramm des IAP Institut für Angewandte Psychologie bietet verschiedene neue Lehrgänge: Im neuen DAS-Lehrgang Personalpsychologie IAP erwerben die Teilnehmenden Kompetenzen für eine wirkungsvolle, personalpsychologisch fundierte Gestaltung der HRMFunktionen in Organisationen. Der DAS ist Teil des weiterentwickelten MAS Human Resource Management. 2015 startet der neue DAS-Lehrgang Ressourcen- & lösungsorientierte Beratung IAP als Teil des modularisierten MAS Systemische Beratung. Die Teilnehmenden er-

↘ www. iap. zhaw. ch/ weiterbildung

werben und vertiefen darin die theoretischen und handlungspraktischen Grundlagen der systemischen, ressourcen- und lösungsorientierten Beratung. Weitere Informationen und sämtliche Kurse finden Sie online.

5. Zürcher Diagnostik-Kongress Der 5. Zürcher Diagnostik-Kongress findet am 23. und 24. April 2015 im X-TRA in Zürich statt. Er steht für Qualität und Innovation psychologischer Diagnostik und richtet sich an Praktikerinnen und Praktiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit hohem Praxisbezug. Themenschwerpunkt bildet die Diagnostik bei Kin-

dern, Jugendlichen und Familien, in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung sowie in der Eignungsbeurteilung und Selektion. Interessenten für Referatsbeiträge können sich direkt bei den Programmverantwortlichen melden. Weitere Informationen zu Call for Papers und die Anmeldung unter

www.diagnostik-kongress.ch

Psychische Belastung von jugendlichen Arbeitslosen Eine Untersuchung am Departement Angewandte Psychologie zeigt: Knapp drei Viertel der untersuchten arbeitslosen Zürcher Jugendlichen zeigen psychische Auffälligkeiten. Die ZHAW-Forschenden befragten 150 arbeitslose Jugendliche aus dem Kanton Zürich, die sich in Motivationssemestern befanden, zu verschiedenen erlebten Belastungen. Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Bei 74 Prozent der Befragten fanden sich Hinweise auf zumindest eine psychische Auffälligkeit, 29 Prozent zeigten

Anzeichen für Depressivität. Bei 20 Prozent fanden die Forschenden zudem Hinweise auf Alkohol- und bei rund 21 Prozent auf Cannabis-Missbrauch. Damit sich bei jugendlichen Arbeitslosen eine psychische Belastung nicht zu einer psychischen Störung entwickelt, ist eine frühzeitige Erkennung wichtig. Die Forschenden arbeiten deshalb momentan an einem entsprechenden Instrument zur Früherkennung. Die Untersuchung ist online verfügbar.

www.psychologie.zhaw.ch/ jugendarbeitslosigkeit

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NEWS SOZIALE ARBEIT

Impact | September 2014

Neuer Weiterbildungsmaster (MAS) in Sozialer Gerontologie Wie können alte Menschen in stationären Einrichtungen optimal betreut werden? Welche unterschiedlichen Arbeitsweisen, Interventionsmethoden und Betreuungskonzepte steigern die Lebensqualität aller Beteiligten? Die steigende Anzahl älterer Personen in unserer Bevölkerung setzt diese Zielgruppe zunehmend ins Zentrum der Tätigkeitsfelder von Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen und wirft diese und ähnliche Fragen auf. Der Bedarf an Wissen und praxisrelevanten Konzepten ist gross, das Spektrum sozialer Altersarbeit entsprechend vielfältig. Mit der höheren Lebenserwartung steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. Zudem werden die meisten Sinnesein-

schränkungen erst im Alter erworben. Diese und weitere Einschränkungen und Mehrfachbehinderungen im Alter sind eine grosse Herausforderung für die Betroffenen, ihr soziales Umfeld sowie das Sozialund Gesundheitswesen. Zudem trägt die schweizerische Strategie «ambulant vor stationär» bei zu einer deutlich steigenden Nachfrage nach psychosozialer Betreuung älterer Personen zu Hause sowie nach unterstützenden und entlastenden Angeboten für die Angehörigen. Der neue Weiterbildungsmaster in Sozialer Gerontologie vermittelt fundiertes Wissen aus den gerontologischen Handlungsfeldern und fördert eine praxisbezogene und anwendungsorientierte Auseinander-

setzung mit relevanten Themen. Die Absolventinnen und Absolventen der Weiterbildung kennen Lösungsansätze für die soziale Arbeit in gerontologischen Handlungsfeldern und können dieses Wissen in ihrer konkreten Praxis direkt umsetzen beziehungsweise entsprechend weiterentwickeln. Das Weiterbildungsangebot richtet sich an Fachpersonen des Sozial- und Gesundheitswesens, welche eine problem- und methodenbezogene Spezialisierung in Sozialer Gerontologie anstreben, die sie für die Funktion als gerontologische Expertinnen oder Experten befähigt.

www.sozialearbeit.zhaw.ch/ weiterbildung

Weggang Barbara Fontanellaz Per Ende Oktober 2014 wechselt die Leiterin des Bachelorstudiengangs, Dr. Barbara Fontanellaz, als Fachbereichsleiterin Soziale Arbeit an die Fachhochschule St. Gallen. Barbara Fontanellaz ist vor gut sechs Jahren zur ZHAW Soziale Arbeit gestossen. Seither hat sie

Barbara Fontanellaz

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massgeblich zur erfolgreichen Erarbeitung und Umsetzung des neuen Curriculums beigetragen und den Grundstein für weitere Entwicklungen gelegt. Das Departement dankt Barbara Fontanellaz für ihr starkes Engagement für den Bachelorstudiengang, aber auch im Rahmen ihrer Funktion als Mitglied des Leitenden Gremiums des Departements. Ihr grosser Sachverstand, ihre gewinnende Persönlichkeit und ihr stets offenes Ohr für Anregungen von Mitarbeitenden und Studierenden wurden überaus geschätzt. Ab Anfang Oktober werden die beiden erfahrenen Dozentinnen Prof. Trudi Beck und Regula Flisch die Co-Leitung des Studiengangs übernehmen. «Barbara Fontanellaz, Trudi Beck und Regula Flisch wünschen wir viel Erfüllung bei ihren neuen Aufgaben», so der Fachbereich.

«Sozial» ‒ das neue Magazin Seit Juli hat das Departement Soziale Arbeit ein neues Magazin: «sozial» liefert Beiträge und Stellungnahmen zu aktuellen und relevanten Themen der sozialen Arbeit von Fachpersonen aus dem Departement und externen Partnern. In der Rubrik «Im Brennpunkt» wird ein zentrales Thema beleuchtet, «Nachgeforscht» gibt Einblick in ein Forschungsprojekt der ZHAW

Soziale Arbeit, und «Gastrecht» lässt einen Kooperationspartner zu Wort kommen. Aber auch Beiträge zur sozialen Arbeit im Ausland, Alumni-Porträts und weitere Themen sind vertreten. Das Magazin erscheint zweimal jährlich, das nächste Mal im Dezember, und kann über die Website der ZHAW Soziale Arbeit abonniert werden.

www.sozialearbeit.zhaw.ch


NEWS SCHOOL OF ENGINEERING

Impact | September 2014

Internationale Auszeichnung für Informatik-Projekt

Das neu entwickelte Flugzeug PC-24 der Pilatus Flugzeugwerke.

School of Engineering unterstützt Pilatus Das von Pilatus neu vorgestellte Flugzeug PC-24 wird auch in Winterthur mitentwickelt. Am Simulator der School of Engineering evaluieren Ingenieure und Testpiloten von Pilatus die Flugeigenschaften des neuen Modells. Mit einem feierlichen Rollout wurde am 1. August in Stans das von der Pilatus Flugzeugwerke AG entwickelte Flugzeug PC-24 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die School of Engineering unterstützt Pilatus bei der Entwicklung des PC-24 seit Frühling 2012. Mit ReDSim (Research and Didactics Simulator) kann das Flugzeug virtuell geflogen werden, bevor es gebaut wird. Auf der Basis von Windkanaldaten und verschiedenen Berechnungen wurde ein in

Echtzeit lauffähiges Simulatormodell entwickelt, welches Aufschluss über die Flugeigenschaften und das Handling gibt. «Es ist vorteilhaft, einen Flugsimulator im Entwicklungsprozess eines Flugzeuges früh einzubeziehen», so Leonardo Manfriani, Professor für Aerodynamik und Flugmechanik am Zentrum für Aviatik der SoE. «Es ist wesentlich wirtschaftlicher, allfällige Probleme im Simulator aufzudecken und nicht erst in der Flugerprobung, wenn Änderungen nicht mehr so einfach möglich sind.» Pilatus besucht ReDSim regelmässig mit einem Team von Ingenieuren und Testpiloten, um die Eigenschaften des Flugzeugs zu evaluieren und die generierten Daten auszuwerten.

Am ICT-Accessibility Lab der School of Engineering haben Luchin Doblies und David Stolz ein Webtool entwickelt, welches bestehende PDF-Dokumente barrierefrei lesbar macht. Mit ihrer neu entwickelten Software gingen die beiden InformatikAbsolventen an einem internationalen Wettbewerb als Sieger hervor. Alle zwei Jahre zeichnet die internationale Konferenz über Computer als Hilfe für Menschen mit besonderen Bedürfnissen ICCHP (International Conference on Computers Helping People with Special Needs) Software-Projekte von Studierenden aus, die Menschen mit Behinderungen dienen. Die diesjährige Endrunde in Paris konnten die InformatikAbsolventen mit ihrer bahnbrechenden Open-Source-Software PAVE für sich entscheiden. Betreut wurde das Projekt am Institut für angewandte Informationstechnologie von den Professoren Alireza Darvishy und Hans-Peter Hutter. PAVE ist ein Webtool, welches ein weit verbreitetes Problem erstmalig auf einfache Art und Weise löst: die Unlesbarkeit von

PDF-Dokumenten für sehbehinderte Menschen. Am ICT-Accessibility Lab wurden bereits vor zwei Jahren Plugins für das Erstellen von barrierefreien PDFDokumenten aus MS Word und MS PowerPoint entwickelt. Diese Plugins können aber bereits bestehende PDF-Dokumente nicht verbessern. Genau hier setzt das Webtool PAVE an: Der Nutzer wählt in PAVE ein PDFDokument aus. Das Dokument wird sogleich auf seine Barrierefreiheit getestet. PAVE nimmt nun am Dokument automatisch Korrekturen vor. Zudem erhält der Nutzer unmittelbar Feedback in Form von Korrekturvorschlägen, welche er dann in PAVE selber einfach durchführen kann. Mit ihrem innovativen Projekt konnte das Team des ICT-Accessibility Lab die internationale Jury überzeugen und belegte vor den Konkurrenten aus England, Frankreich, Deutschland, Österreich, Spanien und Norwegen den mit 1000 Euro dotierten ersten Platz. Das ICTAccessibility Lab wird das Projekt weiterführen und das Webtool noch dieses Jahr online für Nutzer zur Verfügung stellen.

Outdoor-Labor für Photovoltaik Das Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE) hat auf dem Dach der School of Engineering (Gebäude TL) ein neues Photovoltaik-OutdoorLabor eingerichtet. Dieses vergleicht die Leistung von zehn unterschiedlichen Modultechnologien und wird bereits erfolgreich im Unterricht eingesetzt. Vermessen werden unter

anderem kristalline SiliziumModule und die besten CISDünnschicht-Module aus Serienproduktion. Daneben werden aber auch 20 Jahre alte Module und ihre heutige Leistung verglichen. Der Solarstrom der zehn unterschiedlichen Modultechnologien wird ins konventionelle Stromnetz des TL-Gebäudes eingespeist.

Das Team des ICT-Accessibility Lab der School of Engineering bei der Preisübergabe: (v.l.n.r.) Professor Alireza Darvishy zusammen mit David Stolz und Luchin Doblies.

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NEWS SCHOOL OF MANAGEMENT AND LAW

Impact | September 2014

Kreatives Potenzial von Winterthur maximieren Im Auftrag des Kantons Zürich und der Stadt Winterthur hat das Zentrum für Kulturmanagement der SML untersucht, wie der strukturelle Wandel der Stadt Potenzial für neue Wirtschaftszweige schaffen kann. Die Studie «Kultur und Kreativwirtschaft in Winterthur und Region» erhebt erstmals relevante Daten und entwickelt Zukunftsszenarien. «Die grosse Chance besteht in der stärkeren Vernetzung innerhalb der Kreativwirtschaft», sagt Projektleiterin Birgitta Borghoff. Die Studie kann kostenlos online bestellt werden. ↘ http://zkm.zhaw.ch

Birgitta Borghoff

Sechs ASEAN-Botschafter an der SML Die Botschafter von Indonesien, Laos, Malaysia, den Philippinen, Thailand und Vietnam sind am DIB Circle vom 9. Oktober in Winterthur zu Gast. Fokus der öffentlichen Veranstaltung ist die regionale Integration in Südostasien. Die Schweiz vertritt Botschafter Didier Chambovey, Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge. Ex-Diplomat und SML-Dozent Max Schweizer leitet die Podiumsdiskussion.

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www.fad.zhaw.ch/events

Rund ein Drittel der Teilnehmenden im Programm «Future Leaders of Angola» sind Frauen.

Studierende aus Angola zu Gast Seit Mitte August 2014 besuchen rund 50 Studierende aus Angola ein massgeschneidertes Weiterbildungsangebot an der ZHAW School of Management and Law in Winterthur. Auftraggeber des sechsmonatigen Stipendienlehrgangs ist der angolanische Staatsfonds. Thematische Schwerpunkte sind Banking & Finance, Business Development, International Business sowie wirtschaftsethische Fragen. Das Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt der Abteilungen International Business und Banking & Finance. Die Selektion der Studierenden erfolgte aufgrund von Assessments und persönlichen Interviews mit Dozierenden der SML vor Ort in Luanda. Die Teilnehmenden sind zwischen 25 und

35 Jahre alt und verfügen über einen Bachelor- oder Masterabschluss in Ökonomie, Recht, Public Finance, Accounting oder Banking. Dank guten Englischkenntnissen und ausgewiesener Berufserfahrung konnten sie sich im Bewerbungsprozess gegen 650 Mitbewerbende durchsetzen. Rund ein Drittel der Teilnehmenden sind Frauen. Der sechsmonatige Lehrgang beinhaltet Vorlesungen, Fallstudien und Simulationen, Firmenbesuche sowie ein vielseitiges Rahmenprogramm. Um sich rasch in den Campusalltag zu integrieren, haben die Teilnehmenden ein kulturelles Coaching erhalten. Sie wohnen mit anderen Studierenden zusammen in einem Wohnheim und nehmen an der offiziellen Ein-

führungswoche teil. Die letzten vier Wochen der Ausbildung finden im Februar 2015 in Angola statt. Dort nehmen Dozierende der SML auch die Abschlussprüfungen ab. Ziel des Programms ist es, die Teilnehmenden für anspruchsvolle Positionen in Angola zu qualifizieren. Die Vorstellung dieses Pilotprojekts hat ein grosses Medienecho in Schweizer wie auch afrikanischen Medien ausgelöst. Dies unterstützt die SML bei ihren Bemühungen, ihre internationale Ausrichtung sowie ihre Kompetenzen im Bereich Banking & Finance hervorzuheben und sich als akademischer Partner im afrikanischen Markt zu positionieren.

http://bit.ly/1pGT74A

Kompetenzzentrum für Start-ups wächst weiter Das Center for Innovation & Entrepreneurship (CIE) der SML führt seit 2013 in enger Zusammenarbeit mit dem Technopark Winterthur Trainings für Startups durch. Jährlich finden drei Trainings zum Thema «Business Creation» und zwei zum Thema «Business Development » statt. Nun hat das CIE von der Kommissi-

on für Technologie und Innovation (KTI) des Bundes auch den Zuschlag für das Modul «Business Concept» erhalten. «Wir sind stolz, dass uns die KTI den Zuschlag für den Semesterkurs zusätzlich zu den bestehenden Modulen überträgt», sagt Projektleiter Jacques Hefti. Nun hat das CIE zusammen mit dem Technopark Zürich bei drei

von vier CTI-EntrepreneurshipAngeboten die Führung inne. Weitere Konsortialpartner sind die Universitäten St. Gallen und Liechtenstein, die FH St. Gallen, die HTW Chur, die EMPA mit ihren Technologiezentren in Dübendorf und St. Gallen sowie der Verein Startfeld.

↘ zhaw.ch/entrepreneurship


Impact | September 2014

Summer School in Minneapolis Auch in diesem Jahr fand dank der finanziellen Unterstützung durch Sponsoren der Stiftung ZHAW die dreiwöchige Summer School an der University of Minnesota für Studierende der ZHAW School of Engineering statt. Das Thema: «Product Development». Die intensiven Arbeitswochen am College of Science and Technology auf dem Campus der Uni in Minneapolis wurden mit einem Abstecher nach New York abgeschlossen.

Lernen von der dänischen Energiestrategie: Erste Exkursion der Studierenden des Studiengangs Energie und Umwelttechnik, hier auf der Insel Bornholm, die als Testfeld für «grüne Ideen» agiert.

Dänemarks Ziel für 2050: Das Land will CO₂-neutral sein Im Rahmen der Mensch-Technik-Umwelt-Woche (METU) haben die Studierenden des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik an der ZHAW School of Engineering unter der Leitung von Tobias Kuehn eine Exkursion nach Dänemark organisiert, die massgeblich durch die Stiftung ZHAW unterstützt wurde. Das Ziel der Exkursion war es, sich vor Ort darüber zu informieren, was das Land tut, um das Ziel der CO₂-Neutralität zu erreichen. Bei der Dänischen Energieagentur erklärte Thomas Vestergaard Bengtsen, dass sich Dänemark 1970 noch fast ausschliesslich mit fossilen Energien aus dem Ausland versorgte. Heute liegt der Anteil der erneuerbaren Energie bei rund 20% – Tendenz steigend. Neben Wind wird vor allem Biomasse wie Holz, Stroh und Abfälle für die Energieproduktion genutzt. Drei Tage verbrachte die Studiengruppe auf der Insel Bornholm. Die Insel mit ca. 40‘000

Einwohnern leidet unter Bevölkerungsschwund und hoher saisonaler Arbeitslosigkeit (in den Sommermonaten von Juli bis September sind bis zu 600‘000 Touristen auf der Insel). Um dem Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken, wurde 2006 eine Strategie entwickelt: «Bright Green Island». Die Idee dahinter: Die Insel eignet sich aufgrund der guten Überschaubarkeit ideal als Testumgebung für neue «grüne» Technologien. Zwei Beispiele: 1. Eco Grid Jeder Verbraucher (Haushalt) ist in einem Modell erfasst. Die Energiewerke wissen von jedem Nutzer alles über seinen Stromverbrauch. Referentin Maja Felicia Bentsen zeigte in der Smart Villa, wie das Energieunternehmen erkennen kann, dass ihr Mann und ihr Sohn zu Hause gerade ein Video schauen. Sie demonstrierte den Energieverbrauch online am Bildschirm.

Bei der Besichtigung des Kraftwerks in Rønne erfuhr die Gruppe, dass das Kraftwerk in der Lage sein muss, im Fall eines Ausfalls des Kabels vom schwedischen Festland bei gleichzeitiger Windflaute und Wolkendecke die Region Rønne mit Elektrizität und Fernwärme zu versorgen. Die Steuerung des Netzes im «Insel-Modus» ist eine Kunst. 2. Green Solution House Trine Richter kommt aus dem Risk Management einer Bank und leitet derzeit eines der zentralen Projekte auf Bornholm. Ihr Kongresshotel soll möglichst nach ökologischen Prinzipien gebaut werden und künftig dieses Wissen auch aktiv vermitteln. Und damit u.a. auch die Touristensaison auf die heutige Nebensaison ausdehnen.

↘ Weitere Informationen unter http://stateofgreen.com/en

Der beliebte Business-Knigge Um sich sicher auf dem Business-Parket zu bewegen, helfen die Benimmregeln, die der «Business-Knigge»-Kurs, gefördert durch die Stiftung ZHAW, für Studierende der ZHAW bietet. Das Feedback einiger Teilnehmenden: «Ich konnte sehr viel über den Apéro lernen, z. B. wie man Glas, Teller und Serviette am besten hält, wie man Gespräche aufbaut und abbricht.» SPENDENAUFRUF Mit Ihren Spenden können wir Aktivitäten von Studierenden, die sonst keine Förderung erfahren, aber wirksam und sinnvoll sind, unterstützen. Beim «Impact» im Postversand liegt diesmal ein Spendenaufruf mit Einzahlungsschein bei. Spendenkonto der Stiftung ZHAW Einzahlungen können aber auch auf das Spendenkonto erfolgen: Zürcher Kantonalbank, Zürich Postkonto 80-151-4 IBAN: CH79 0070 0113 2002 3628 4 Stiftung ZHAW Martin V. Künzli, Präsident Gertrudstr. 15 | 8401 Winterthur Tel. 058 934 66 55 info@stif tungzhaw.ch ↘ w w w.stiftungzhaw.ch

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ALUMNI ZHAW

60 Close-up 61 Dachverband 61 Life Sciences 62 Engineering & Architecture 62 DÜV 63 SML 64 DÜV 64 Facility Management 65 Arts&FRM 65 S&K 65 Events

Liebe Mitglieder Nach meiner Wahl an der vergangenen Delegiertenversammlung stellt sich mir die Frage: Welche Erwartungen hat man an mich? Soll alles bleiben, wie es war, oder stellen wir uns grundsätzlichen Fragen betreffend des Alumniwesens? Mit dem Projekt «Fit for the Future» (siehe Impact, Ausgabe Juni 2014, Seite 60) werden wir uns fundamentalen und selbstkritischen Fragen stellen. Welche Organisation braucht es in Zeiten von Face­ book, Xing & Co.? Sind unsere zehn Unterorga­ nisationen plus Dachorganisationen noch zeitgemäss? Was ist der Nutzen für die Mitglie­ der? Welche Leistungen werden zu welchem Preis erwartet? Bei den Treffen der Vorstände stellen wir uns regelmässig diese und weitere Fragen und es wird intensiv und kontrovers über die diversen Aspekte diskutiert. Letztlich

wird nur ein Projekt Erfolg haben, das von der grossen Mehrheit unserer Mitglieder, d.h. von euch allen sowie von unserem wichtigsten Partner, der ZHAW, getragen wird. Damit wir den Puls der Basis fühlen können, führen wir im Herbst eine Mitgliederumfrage durch. Eure Wünsche und Anregungen fliessen in das «Projekt Fit for the Future» ein. Ich freue mich auf die Arbeit an diesem Projekt. Zum Schluss gehört mein Dank meinem Vorgänger, dem Gründungspräsidenten Christoph Busenhart, für seinen Einsatz. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute eine ALUMNI ZHAW haben. In den Dank einschliessen möchte ich auch die Vorstände und unsere Geschäftsstelle, die zuverlässig dafür sorgt, dass die operativen Aufgaben erledigt werden. PIERRE RAPPAZZO

Präsident ALUMNI ZHAW

ALUMNI ZHAW CLOSE-UP

«Wenn ich etwas mache, dann intensiv» Herr Kündig, wie bringen Sie all Ihre Tätigkeiten unter einen Hut? Der Wille und der Wunsch, die Aufgaben zu bewältigen, muss da sein. Das geht nur mit Selbst­ disziplin und Effizienz. Wie fast überall komme aber auch ich nicht ohne ein gut funktionie­ rendes Team aus. Als Verwal­ tungsratspräsident im Spital Wetzikon geht es nicht ohne einen eingespielten CEO, als Ge­ meindepräsident nicht ohne einen motivierten Gemeinde­ schreiber. Zudem bin ich we­ niger der Freizeittyp, Genuss­ themen stehen bei mir nicht im Vordergrund. Mir ist wichtig, meine Aufgaben gut auszufüh­ ren – dem ordne ich gewisse per­ sönliche Freiheiten unter. Konnten Sie von Ihrer Ausbildung an der ZHAW, damals HWV, profitieren? Nach meiner kaufmännischen Grundausbildung war die Hochschule für mich eine Ho­ rizonterweiterung, besonders

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einen Entscheid zu fällen. Das sind Fähigkeiten, die für mich bis heute äusserst wertvoll sind. So hat sich die militärische Aus­ bildung mit derjenigen an der HWV sehr gut ergänzt.

Jörg Kündig (54) aus Gossau ZH ist selbständiger Finanzberater und Inhaber der Ubitus AG, Finanzberatung und Treuhand. Nach der kaufmännischen Ausbildung absolvierte er zwischen 1980 und 1983 ein Studium an der HWV Zürich sowie die Generalstabsausbildung. Neben seiner Tätigkeit als Gemeindepräsident von Gossau ist Kündig zudem als Präsident des Verbandes der Gemeindepräsidenten des Kantons Zürich, Kantonsrat und Verwaltungsratspräsident der GZO AG/Spital Wetzikon engagiert. im Bereich Marketing. Daneben gefiel mir die Vielfalt – von der Buchhaltung über Mathematik bis hin zu philosophischen The­ men wie der Analyse von Litera­ tur – das habe ich als sehr positiv

erlebt. Doch die beste Lebens­ schule war für mich die Gene­ ralstabsausbildung. Dort habe ich gelernt, Arbeiten rechtzei­ tig abzuliefern, ein Problem zu erfassen und schnellstmöglich

Was treibt Sie an, sich so stark zu engagieren? Ich habe natürlich Freude an meinen Aufgaben und möch­ te etwas bewegen und errei­ chen. Dass dabei auch Ehrgeiz eine Rolle spielt, lässt sich nicht wegdiskutieren. Es ist wichtig, alle Herausforderungen mög­ lichst erfolgreich zu bestehen. Als Gemeindepräsident sind Wahlen immer ein Gradmesser. Wenn ich anhand der Resultate merke, dass mich die Bevölke­ rung trägt, ist das eine Bestäti­ gung und ein tolles Erlebnis und damit Teil der Motivation. Was beschäftigt Sie momentan als Gemeindepräsident? Neben der Raumplanung liegt ein Hauptaugenmerk auf fi­ nanziellen Themen. Wir ha­


Impact | September 2014

ben einen überdurchschnitt­ lich hohen Verschuldungsgrad. Dazu kommen Sozial­ und Zu­ satzleistungen, insbesondere für ältere Einwohner, die un­ sere Rechnung belasten. Doch auch die Lückenschliessung der Oberlandautobahn ist ein grosses Thema. Es ist geplant, die Strasse durch unsere Ge­ meinde hindurchzuleiten. Des­ halb müssen wir uns dringend in diesen Prozess einbringen, um eine gute Lösung für Gos­ sau herauszuholen. Wie sieht ein Arbeitstag bei Ihnen aus? Ich fange um sieben Uhr bei mir im Treuhandbüro an. Mei­ ne Hauptaufgabe ist schliess­ lich nach wie vor die als Fi­ nanzberater. Allerdings bin ich auch dort ständig mit Personen meiner anderen Tätigkeiten in Kontakt. Ein 17­Stunden­Tag ist eher die Regel als die Ausnah­ me. Die Arbeit als Gemeinde­ präsident verlangt viele reprä­ sentative Aufgaben – GVs oder gemeindeinterne Events – zu­ meist in Randzeiten. Deshalb gibt es auch Wochen, in denen ich keinen einzigen Abend zu­ hause bin. Bei so wenig Freizeit: Haben Sie überhaupt Hobbys? Ich habe lange intensiv Fuss­ ball gespielt, doch heute ste­ hen Dinge wie Joggen im Vor­ dergrund – schon aufgrund der geringeren Verletzungsge­ fahr. Um am diesjährigen Grei­ fenseelauf teilzunehmen, ver­ suche ich, wenigstens zwei Mal die Woche zu trainieren. Lau­ fen hat für mich einen hohen Erholungswert und ich kann überschüssige Energie abbau­ en. Ein anderes grosses Hob­ by ist Lesen. Habe ich an einem Wochenende einmal Zeit, kann ich ziemlich schnell ein ganzes Buch verschlingen. Das ist bei mir halt so: Wenn ich etwas ma­ ◼ che, dann intensiv. Interview Andreas Engel

DACHVERBAND ALUMNI ZHAW

Die Alumni bei den Elefanten Das Interesse der Alum­ ni war gross. Rund 100 Teilnehmende starteten im Juli zum Rundgang im neu­ en Elefantenpark «Kaeng Krachan» im Zürcher Zoo. Benannt nach dem grössten Nationalpark Thailands, ist «Ka­ eng Krachan» nach dreijähriger Bauzeit im Juni eröffnet wor­ den. Neu beläuft sich die Fläche der Anlage auf 11‘000 m² – dem Sechsfachen ihrer ursprüng­ lichen Grösse. Besonders spek­ takulär ist das 6800 m² grosse und rund 100 Tonnen schwere Dach. Es wurde als flache, frei­ geformte Holzschale konzipiert. Möglichst nachhaltig Im Konstruktionsaufbau wur­ den nebst 600 speziell gefertig­ ten Dreischichtplatten auch je 500’000 (rund 22 Tonnen!) Nä­ gel und Schrauben mit einer Länge von bis zu 85 cm verwen­ det. Neben Witterungsschutz und Wärmedämmung über­ nimmt das Dach auch statische Funktionen – es kommt ohne abstützende Elemente im Inne­ ren aus. Wie von einem Blätter­ dach wird die Halle durch 271 Leuchten aus UV­durchlässiger Folie belichtet. Das netzartige

Die Dickhäuter profitieren vom neuen Areal im Zoo Zürich. und transparente Dach wirkt organisch; beim Bau der Anlage wurde grosser Wert auf Nach­ haltigkeit gelegt. Geheizt wird über ein Fernwärmenetz mit einer zentralen Holzschnitzel­ heizung, das Regenwasser wird vom Dach gesammelt und für die bodennahe Bewässerung verwendet. Die technischen An­ lagen, alle weitgehend unsicht­ bar, befinden sich im Unterge­ schoss. Alumni sind nah dran Der Zoo Zürich setzt einen wei­ teren Meilenstein mit dem neu­ en Elefantenpark, da dieser den Tieren mehr Raum und Bewe­ gung, spannendere Futtersuche

und mehr Familienleben bietet und gleichzeitig den Besuchern mehr Nähe zu den Tieren. Eine zentrale Rolle spielen die zum Teil badetiefen Wasserstel­ len – im Innenbereich können die Besucher die Tiere durch eine Glasscheibe sogar beim Tauchen beobachten. Wasser ist wichtig für die Dickhäuter: Sie benötigen es zur Kühlung und Regulierung der Körpertempe­ ratur, zur Pflege der Haut und natürlich als Durstlöscher. Ele­ fanten trinken bis zu 200 Liter ◼ Wasser pro Tag. Therese Kramarz

↘ Weiterführende Infor mationen unter www.alumni-zhaw.ch

ALUMNI ZHAW LIFE SCIENCES

«Wir wollen noch aktiver auftreten» An der diesjährigen General­ versammlung der Alumni Life Sciences in Wädenswil trat der bisherige Präsident Matthias Bleisch aufgrund eines anste­ henden Auslandaufenthalts zu­ rück, er bleibt jedoch bis zu sei­ ner Abreise als Vizepräsident im Amt. Zur neuen Präsiden­ tin wurde Therese Kramarz ge­ wählt. Sie hat an der ZHAW in Wädenswil u.a. die neue Weiter­ bildung Foodward, Excellence in Food, Sociology and Nutriti­

on abgeschlossen. Der restliche Vorstand wurde einstimmig bestätigt. «Wir wollen zukünf­ tig noch aktiver auftreten und freuen uns über Anregungen und Ideen», so Kramarz. Alle Mitglieder seien eingeladen, an den Anlässen teilzunehmen und diese als Networking­Platt­ ◼ form zu nutzen.

↘ Weitere Infor mationen Therese Kramarz

zum Veranstaltungsprogramm unter www.alumni-zhaw.ch

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Impact | September 2014

ALUMNI ZHAW ENGINEERING & ARCHITECTURE

Die Bärte spriessen nicht mehr Auch an der diesjährigen Nacht der Technik haben die Studierenden der ZHAW School of Engineering wieder jede Menge Haare lassen müssen. «Ich bin froh, dass er endlich weg ist, besonders bei diesen sommerlichen Temperaturen», so der Tenor bei den Absolventen der ZHAW School of Engineering, die in der Schlange stehen, um am Alumni-Stand der «Nacht der Technik» am 4. Juli ein Foto ihres frisch rasierten Gesichtes aufnehmen zu lassen. Zwischendrin allerdings auch ein junger Mann mit kleiner Schnittwunde, der sich «doch sehr nackt und etwas traurig» fühlt ohne, schliesslich sei der Bart die vergangenen Wochen sein «treuer Begleiter» gewesen. Eine lange Tradition Rund 350 Absolventen hatten sich die letzten 100 Tage einen Bart wachsen lassen. So will es

eine alte Tradition, die es bereits seit 1925 gibt – damals war der Bart für die Studienabgänger ein Zeichen für den Eintritt ins Erwachsenenleben. Nun wird dieser am grossen «Bart-abAnlass» an der «Nacht der Technik», an welcher der Abschluss des Studiums gefeiert wird, von Studentinnen des Departements Gesundheit vor grossem Publikum abrasiert. Abschluss des «Bartvertrags» Den Anfang nimmt die Bartab-Aktion Ende März am Fischmädchen-Brunnen in der Winterthurer Altstadt, an dem sich die Studierenden des Abschlussjahrgangs zur letzten Rasur für 100 Tage treffen. Hier unterschreiben sie auch den «Bartvertrag», der Regeln und Pflichten enthält, an die sich die Bartträger halten müssen. «Jegliche Art von alkoholischen Getränken zu Unzeiten ist während der Frackwoche 2014 untersagt», heisst es beispielsweise im Bartvertrag des Avi-

Studentinnen des Departements Gesundheit nehmen den Studierenden der School of Engineering fachgemäss den Bart ab. atik-Studiengangs. Mit dieser Woche und dem Frackumzug endet laut Tradition das Studienabschluss-Ritual: Die jungen Männer und Frauen bestreiten ihre letzte Studienwoche und die Prüfungen in Frack und Bie-

ALUMNI ZHAW DÜV

Die Holzbalken dienen sogar dem Brandschutz.

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Majka Mitzel

KONZERTHINWEIS

Im «Öko-Reich» von Tamedia Ende Juni ging es für die Alumni der DÜV zur Führung durch das neue Bürogebäude der TamediaGruppe in Zürich. 2013 eröffnet, bietet der Bau von Stararchitekt Shigeru Ban Platz für rund 480 Mitarbeitende diverser Medien wie «20 Minuten» oder «TagesAnzeiger». Die Presse schrieb über das Gebäude: «Visionäre Verwendung von wiederverwertbaren Materialien», «CO2freies Gebäude» oder «Kein Einsatz von Atomstrom». Das sind keine Übertreibungen. Der Bau ist tatsächlich CO2-neutral, wird mit Grundwasser gekühlt und besteht mehrheitlich aus nach-

dermeier-Kostüm. Anschliessend ziehen sie feiernd durch die Gassen Winterthurs bis hin zum Technikum-Gebäude, wo die «Nacht der Technik» statt◼ findet. Auch dieses Jahr!

Alpha-Cappella

haltigen Materialien wie Holz, Glas und Karton. Selbst die Tische und Stühle in den Pausenbereichen bestehen aus Karton und sind so nicht nur umweltfreundlich, sondern sehen auch noch hübsch aus. Ein Grossteil des Gebäudes besteht aus Holz. Dieses dient – paradoxerweise – auch dem Brandschutz. Bei Feuer verkohlen die äussersten 3 cm der tragenden Holzpfosten, gehen aber nicht in Flammen auf. Beton hingegen ist im Brandfall anfälliger, da die Armierungseisen extrem heiss werden und ◼ den Beton zerstören. Miriam Rutz

Der Chor der ZHAW, Alpha-Cappella, lädt am 1. und 2. November 2014 in Winterthur und Stockach (D) zur Vorführung des Stabat Mater vom zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins ein. Zusammen mit den 120 Musikern der Stadtharmonie Winterthur-Töss und des Sinfonischen Blasorchesters Stockach werden die 110 Sängerinnen und Sänger des Chors für ein unvergessliches Erlebnis sorgen. Tickets sind ab September bei Winterthur Tourismus ◼ erhältlich.

↘ Nähere Informationen unter alphacappella.ch


Impact | September 2014

ALUMNI ZHAW SML

Neue Member im Rolex-Club

Die Absolventinnen und Absolventen der SML haben in den letzten Jahren viele Fähigkeiten und Begabungen unter Beweis gestellt. Doch nur zwei werden dafür mit einer Rolex ausgezeichnet. Ruven Widmer (General Management / im Bild li.) und Reto Walther (Wirtschaftsrecht) wurden an den Diplomfeiern im August für ihre studentische Excellence prämiert und nahmen von ALUMNIZHAW-SML-Präsidentin, Nicole Gerber, eine Rolex entgegen. ◼

ALUMNI ZHAW SML

Voneinander profitieren

Das neue Mentoring-Programm der ALUMNI ZHAW SML lebt vom aktiven Interesse und der Kooperation der Alumni. Diese profitieren im Gegenzug nicht nur davon, zu erfahren, wie die neue Generation tickt, sondern auch vom aktuellen Wissen auf den jeweiligen Fachgebieten der Absolventen. Die Mentees werden dafür von den Mentoren mit Knowhow, Expertise und Vernetzung beim Karriereeinstieg begleitet. Beim Kick-offEvent am 22. Oktober wird potenziellen Mentees und Mentoren die Möglichkeit geboten, das Programm näher kennenzulernen. ◼ ↘ Anmeldungen unter mentoring.sml@alumni-zhaw.ch

ALUMNI ZHAW SML

Die SML auf der Jagd In Wittenbach SG stand im Juni für die Alumni der ZHAW SML eine besondere Sportart auf dem Programm: Tontaubenschiessen. Mehr als 20 Teilnehmer hatten sich auf der Anlage Erlenholz zusammengefunden. Markus Urs Felder (49), der seit über zehn Jahren Schiesskurse in ganz Europa anbietet, erklärt zu Beginn die Waffe. «Die von uns benutzte Bockflinte wird auch zur Jagd eingesetzt. Die rund 200 Schrote, die damit verschossen werden, treffen dank einer speziellen Verengung im Schaft auf 25 Meter mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern auf die Tontaube.» Flugbahn erahnen Nach kurzer Einführung geht es raus auf den Schiessstand. Per Fernbedienung kann Felder die Bierdeckel-grossen Keramikscheiben aus den verschiedenen Abwurfstationen abfeuern. «Bei fliegenden Zielen muss man die Fluglinie des Objekts erahnen und vorausdenkend schiessen», verrät der Profi. «Nur wenn man

neben das herannahende Ziel schwingt und gleichzeitig abdrückt, hat man Aussicht auf einen Treffer.» «Nicht einfach zu treffen» Neben fliegenden stehen für die Alumni auch über den Boden rollende Ziele auf dem Schiessplan – eine weitere Schwierigkeit. «Es war nicht einfach, die Scheiben zu treffen», resümiert der Event-Verantwortliche Cyril

Kägi, «doch einige habe ich erwischt.» Nach drei Stunden Training gibt es nicht nur schmerzende Schultern, sondern auch lobende Worte von Coach Markus Felder. «Oberstes Ziel ist immer die sichere Waffenhandhabung. Doch ich konnte bei euch auch bereits nach wenigen Versuchen die Fähigkeit erkennen, ein Ziel zu verfolgen und erfolgreich zu treffen: Kompliment!» Andreas Engel ◼

Im Visier: Coach Markus Felder gibt einem Teilnehmer des Tontauben-Schiesskurses wichtige Tipps zum Handling der Flinte.

ALUMNI ZHAW SML

«Die Problemherde sind noch da»

Der Wirtschaftsjournalist Beat Kappeler in der Börse in Zürich.

Beat Kappeler zog Dutzende Alumni der ZHAW SML in die Börse Zürich zum Anlass «Makroökonomischer Ausblick & flexible PK-Lösungen». Der Sozialwissenschaftler und Wirtschaftsjournalist zeigte seine Sicht der Dinge über die aktuellen makroökonomischen Entwicklungen auf. Gefahren für die globale Zukunft sieht er vor allem im destabilisierten Finanzsystem nach der Krise 2008, bei überschuldeten Staaten, im gefährdeten Euro wegen nicht wettbewerbsfähiger lateinischer Staaten und langsamen Wachstums in China. Die Pro-

blemherde sind für Kappeler keinesfalls beseitigt: «Besonders die Schulden werden nicht weniger.» Als nicht überschuldet definiert der Ökonom in Europa nur die Schweiz, Luxemburg, Schweden, Finnland und Norwegen. Aus verschiedenen europäischen Ländern stammten auch einige persönliche Anekdoten, mit denen er seine Ausführungen lebhaft untermalte. Beim Apéro gabs sogar noch Tipps für die Alumni, Vorsorgelösungen des eigenen Pensionskassenguthabens indivi◼ duell zu verwalten. Majka Mitzel

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Impact | September 2014

ALUMNI ZHAW FACILITY MANAGEMENT

Zu Besuch in Andermatts Luxus-Resort Bereits im Dezember 2013 öffnete Andermatts neues LuxusHotel «The Chedi» des ägyptischen Investors Samih Sawiris seine Türen – vorzugsweise für eine gut betuchte Kundschaft. Im März bekamen die Alumni der ZHAW Facility Management exklusive Einblicke in das EdelAlpen-Resort. Mehr als ausgebucht Nach einer kurzen Begrüssung und der Projektvorstellung durch Marc Sontag, Leiter Destination Operations der Andermatt Swiss Alps, ging es für die rund 20 Alumni – doppelt so viele hatten sich für die Besichtigung angemeldet – durch die verschiedenen Bereiche des Luxus-Tempels. Zuerst standen die Restaurants, Zimmer, die Lobby oder der Wellness-

Das «Chedi» des Investors Sawiris ist Andermatts erste Adresse für Gäste mit hohen Ansprüchen. Bereich auf der Rundkurskarte, zum Abschluss der Tour folgte dann das Herzstück des «Chedis»: die technische Zentrale. Nachdem Experte Marc Sontag

alle Fragen der interessierten Anwesenden fachkundig beantwortet hatte, trafen sich die Alumni in der Lobby-Lounge zu einem gemütlichen Apéro, an

ALUMNI ZHAW FACILITY MANAGEMENT fessor Thomas Wehrmüller, Leiter des Instituts für Facility Management, begrüsste die Anwesenden. Danach hielt Prof. Dr. Roland Reichenbach, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine

Die Absolventen des Masterstudiengangs, Studiengangleiter und Professoren freuen sich gemeinsam über den erreichten Erfolg.

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Andreas Engel

ALUMNI ZHAW

Gelungene Diplomfeier Am 21. Mai war es so weit: 9 Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs «Master of Advanced Studies (MAS) in Facility Management» wurden ihre Diplome überreicht. Pro-

welchem die Teilnehmer dann auch die kulinarischen Vorzüge des Luxus-Hotels kennenlernen ◼ konnten.

Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich, mit seinen temperamentvollen Ausführungen die gelungene Festansprache zum Thema «Wenn der Chef von gemeinsamer Verantwortung spricht … wie meint er das?». Im Anschluss überreichte die Studienleiterin Doris C. Oehninger die Diplome. Barbara Keller Foletti, die Präsidentin der Alumni ZHAW Facility Management, würdigte mit einem kleinen Geschenk, einem iPod nano, die drei besten Diplomanden: Oliver Faschian, Christoph Ott und Rainer Schwab. Beim Aperitif – die Feier fand in einer Trend-Location beim Technopark statt – wurde der erfolgreiche Abschluss mit Angehörigen, Gästen und Dozierenden des Instituts gefeiert. ◼ Therese Kramarz

WHO'S WHO aktualisieren Im Dezember erscheint die neue Ausgabe des WHO'S WHO, unseres umfassenden Mitgliederverzeichnises für das Jahr 2015. Damit die aktuellsten Kontaktdaten darin erscheinen, sind wir auf die Mitarbeit von euch Mitgliedern angewiesen. Bitte meldet uns allfällige Änderungen der Kontaktdaten, wie Adresse, Telefonnummer, E-Mail oder Arbeitgeber etc., via E-Mail an sekretariat@alumni-zhaw.ch bzw. ändert diese bis Ende September in eurem Profil im digitalen ALUMNI ZHAW WHO'S WHO selber. Zudem besteht für Mitglieder, die keine Zustellung der Papierausgabe wünschen, im Mitgliederprofil die Möglichkeit, dies entsprechend anzupassen. Die Geschäftsstelle


Impact | September 2014

VORSCHAU: ALUMNI ZHAW Arts&FRM

VORSCHAU: ALUMNI ZHAW S&K

Die Bedeutung des Sponsorings hat auch für den Kulturbereich in den letzten Jahren stark zugenommen. Allerdings gibt es dabei, wie so oft im Leben, Gewinner und Verlierer. Ein grosser Teil der Sponsoringgelder fliesst heute in Sport- und weniger in Kulturveranstaltungen. Aber auch innerhalb des Kultursponsorings haben sich die Gewichte verschoben. Grossanlässe wie Musik- und Filmfestivals konnten zulegen. Dies zu Lasten der traditionell kleinen kulturellen Schauplätze wie Ausstellungen, Museen, klassische Musik, Tanz und Theater. Was braucht es, um diesem Trend entgegenzuwir-

Die ALUMNI ZHAW Sprachen & Kommunikation dürfen sich im Herbst auf einen speziellen Anlass freuen: Am 25. Oktober steht ein Besuch des Radio- und Fernsehstudios Zürich auf dem Programm, bei dem die Teilnehmer im «Leutschenbach» spannende Blicke hinter die Kulissen des SRF erhalten. Nach dem Start der Führung durch die verschiedenen Bereiche der Fernsehstudios um 11.30 Uhr offerieren die ALUMNI ZHAW Sprachen & Kommunikation einen Apéro im hauseigenen Restaurant. Anschliessend werden die Alumni am frühen Nachmittag in die Geheimnisse des Radio-

Mehr Sponsoring für die Kultur

EVENTS

ken? Jean-Baptiste Felten, Vizepräsident des Fachverbandes für Sponsoring (FASPO) und Kursleiter des Sponsoring-Lehrgangs an der ZHAW, wird diese und weitere Fragen am 22. Oktober ab 18 Uhr Im Hotel Krone Unterstrass in Zürich diskutieren. Er zeigt die Resultate der neuesten Umfragen und Analysen und beschreibt Mittel und Wege, wie Anbieter von traditionellen Kulturveranstaltungen Sponsoringpartner finden können. Anmeldungen bitte bis Montag, 13. Oktober 2014, an ◼ afrm@alumni-zhaw.ch. Roland Meier

Im Banne der Fernsehmacher

Rundfunkgebäude des SRF im Quartier Leutschenbach. machens eingeweiht. Bei Interesse ist Eile geboten: Die Teilnehmerzahl ist beschränkt! ◼ Ruth Ehrensperger

↘ Anmeldungen bitte unter sk@alumni-zhaw.ch.

↘ www.alumni-zhaw.ch

(Stand September 2014)

Basisverein

Datum

Zeit

Art des Anlasses

Inhalt

Ort des Anlasses

FM

24.10.14

17.00 Uhr

Diplomfeier BSC in Facility Management

geschlossene Veranstaltung

Wädenswil

04.11.14

17.00 Uhr

Lindt Maître Chocolatier: Ver­ führerische Schokoladekreationen – self made

Social Event

Kilchberg

E&A

15.10.14

16.15 Uhr

Führung Zentrallager der AMAG

SML

07.10.14

12.00 Uhr

Tasty Tuesday

Jeden ersten Dienstag im Monat über Mittag

Winterthur

09.10.14

18.15 Uhr

Besuch bei Walther Schmid – Umwelt­Arena

Führung durch die Umwelt-Arena

Spreitenbach

22.10.14

Mentoring in der Aula ZHAW Winterthur

Winterthur

30.10.14

Chreis Cheib

Zürich

07.11.14

Alumni Homecoming Day

Gesundheit

28.10.14

S&K

25.10.14

12.00 Uhr

Jubiläumsanlass: Fünf Jahre ALUM­ NI Gesundheit

Winterthur Öffentlicher Grillplausch beim Departement Gesundheit ZHAW

Besuch Radio­ und Fernsehstudios Zürich

Adressliste/Kontakte ALUMNI ZHAW

ALUMNI ZHAW Fachvereine

Dachverband der Absolventinnen und Absolventen der ZHAW

Arts & Fundraising Management afrm@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/afrm

ALUMNI ZHAW Gertrudstrasse 15 8400 Winterthur Telefon 052 203 47 00 sekretariat@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch

Buchs

Gertrudstrasse 15, 8400 Winterthur Telefon 052 203 47 00

Engineering & Architecture ea@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/ea Facility Management fm@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/fm Gesundheit gesundheit@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/gesundheit

Life Sciences ls@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/ls School of Management and Law sml@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/sml Sprachen & Kommunikation sk@alumni-zhaw.ch www.alumni-zhaw.ch/sk Managed Health Care Winterthur sekretariat@alumni-zhaw.ch DÜV Lindenbachstrasse 7 8042 Zürich Telefon 044 360 30 22 berufsverband@duev.ch

Winterthur Zürich

Columni c/o Institut für Angewandte Medienwissenschaft ZHAW Theaterstrasse 15c 8401 Winterthur Telefon 058 934 70 31 info@columni.ch Partnerorganisationen VSZHAW Gertrudstrasse 15 8400 Winterthur vszhaw@zhaw.ch Stiftung ZHAW Gertrudstrasse 15 8400 Winterthur Telefon 058 934 66 55 info@stiftungzhaw.ch

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DIE LETZTE

ECHO Der Landbote 30.8.2014 «Regierungsrat spricht sich für ZHAW-Gesundheitsbau aus» Der Kanton Zürich plant einen ZHAWGesundheitsneubau im SulzerAreal. Wo heute am Katharina-Sulzer-Platz die Halle 52 steht, soll spätestens 2020 ein sechsstöckiger Neubau Platz für rund 2000 Studierende aus Gesundheitsberufen bieten, wie der Landbote berichtete.

Radio SRF Online 27.8.2014 «HirschKuh 4 schickt SMS» Radio SRF berichtet auf seiner Website, wie ZHAW-Wildbiologen in einem Forschungsprojekt das Wanderverhalten von Rothirschen untersuchen. Lanciert wurde das Projekt von den Kantonen St. Gallen und den beiden Appenzell. Sieben Hirsche wurden bereits mit einem Sender ausgestattet, 27 Tiere sollen noch einen bekommen.

NZZ 22.8.2014 «Angolanischer Lehrauftrag» Die Zeitung berichtet über den aussergewöhnlichen Lehrgang an der ZHAW School of Management and Law, der in diesem Sommer startete: eine halbjährige Weiterbildung für 50 Angolaner. Auftraggeber ist ein angolanischer Staatsfonds, der Nachwuchskräfte fördern will.

Radio SRF, 20.8.2014 «Waren die Berichte über die Nackt-Selfies … gerechtfertigt?» Radiogespräch mit Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik am Departement Angewandte Linguistik an der ZHAW, über Gerigate und die Massstäbe, ab wann Privates einer Person des öffentlichen Interesses in die Medien gelangen soll.

NZZ online 18.8.2014 «Drei von vier leiden an einer psychischen Belastung» Die Onlineausgabe der NZZ griff eine Studie des Departementes Angewandte Psychologie der ZHAW auf, in welcher 150 arbeitslose Jugendliche nach ihrer psychischen Gesundheit befragt wurden. Bei 74 Prozent der Befragten wurde mindestens eine psychische Auff älligkeit entdeckt.

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Illustration: Till Mar tin

PERSPEKTIVENWECHSEL

«Unglaublich ländlich!» Thessaloniki – Winterthur: Liana Konstantinidou hat in der Schweiz vieles neu entdeckt – etwa das Landleben. Seit ich ein Kind habe, das in die Krippe geht, lerne ich durch seine Lieblingslieder ein bisschen Schweizerdeutsch. Singt mein Sohn ein Lied vor, suche ich es auf Youtube, damit wir es gemeinsam singen können. Ich habe in Thessaloniki deutsche Sprache und Philologie studiert und bin vor zehn Jahren via Bochum nach Fribourg gekommen. Die ersten Jahre habe ich in Bulle an einer französischsprachigen Schule Deutsch unterrichtet. Da bin ich so richtig auf die Welt gekommen! In Griechenland kennt man vor allem die Klischees der Schweiz: Wirtschaft, Banken und mondäne Ski-Ressorts. In Bulle entdeckte ich, die immer in grösseren Städten gelebt hatte, eine ländliche Gegend. Einmal plante ich einen Ausflug nach Bern und fragte meine 14-jährigen Schüler, ob sie auch schon dort gewesen seien – und war überrascht, dass es für zwei

Drittel das erste Mal war! Unglaublich! Ein anderes Mal bat mich ein Schüler um eine Dispensation, weil er zu Hause bei der Ernte helfen musste. Seit fünf Jahren arbeite ich nun als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Language Competence Centre am Departement Angewandte Linguistik der ZHAW. Mein Schwerpunkt liegt im Bereich «Deutsch als Fremdund Zweitsprache». Ich bin vor allem als Forscherin tätig: Wir entwickeln unter anderem didaktische Konzepte und Unterrichtsmaterialien, mit denen die Sprachkompetenz von

Liana Konstantinidou über den Stadt-Land-Kontrast.

jungen Erwachsenen und erwachsenen Migranten gefördert werden kann. Ein Projekt untersucht die Schreibkompetenz von Lernenden an Berufsschulen. Zu Hause in Zürich geht das Multi-Kulti-Leben weiter. Mein Mann ist als Italiener in der Westschweiz aufgewachsen. Er spricht mit unserem Sohn Italienisch, ich Griechisch. In Zürich fühle ich mich sehr wohl. Wie weltoffen die Stadt ist, sieht man bei Volksabstimmungen. Das Thema der Offenheit und der Einstellungen gegenüber Migranten hat mich auch in meiner Dissertation beschäftigt. Seit der Geburt unseres Sohnes fühle ich mich selbst viel stärker als Migrantin. Vorher war Zürich meine Basis und ich eine mobile Person! Nun sind wir sesshafter. Umso mehr freue ich mich, wenn ich oft ans Meer reisen kann. Im Gepäck haben wir natürlich Schokolade. Aber nicht die bekanntesten Marken – die gibt es ja überall, etwa im Lebensmittelgeschäft meines Vaters! Aufgezeichnet von Sarah Jäggi


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DIE LETZTE

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Zhaw Impact 26/14  

Der Trend zum Selbermachen weitet sich aus: Über 3D-Printing, Crowdfunding, Selbstcoaching, Sel es und Urban Gardening

Zhaw Impact 26/14  

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