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DOSSIER GRÜNDERFIEBER

Impact | März 2015

INNOVATION TO BUSINESS

Aus dem Labor auf den Markt Jahrelanges Tüfteln, und dann ist sie da: die Innovation, welche sich auf dem Markt behaupten könnte. Das ZHAW-Förderprogramm I2B begleitet Jungunternehmer auf ihrem Weg in die freie Marktwirtschaft. SIBYLLE VEIGL

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hre Software soll einiges mehr können als nach Schlagworten suchen: Mit Methoden der künstlichen Intelligenz werden Texte beispielsweise danach sondiert, welches Thema sie behandeln, und sogar danach, ob sie positiv oder negativ besetzt sind. «Unser Fokus liegt auf dem Transfer von der Wissenschaft in die Praxis», sagt Mark Cieliebak, Dozent am Institut für angewandte Informationstechnologie (InIT) an der ZHAW School of Engineering. Zusammen mit Fatih Uzdilli vom InIT und Martin Jaggi, Postdoc an der ETH im Bereich maschinelles Lernen, hat er Ende Februar ein Spin-off namens SpinningBytes AG gegründet. «Unsere Verfahren werden wir als Software-Module bereitstellen, die dann etwa im Medienmonitoring oder unternehmensintern bei Banken und Versicherungen eingesetzt werden können.» Das Spin-off ist eine der vielversprechenden Innovationen, welche im ZHAW-Programm Innovation to Business (I2B) auf dem Weg zum Unternehmen begleitet werden. Seit das Programm vor gut zwei Jahren ins Leben gerufen wurde, betreut Jos Hehli, selbst Unternehmer mit einem Fundus an Erfahrungen, als Coach die angehenden Jungunternehmer. Ein massgeschneiderter Concierge-Service ist sein Anspruch: «Ich stelle Fragen und halte den Jungunternehmern den Spiegel des Marktes vor», sagt er. Der Prozess von der Innovation zum Business ist komplex und hürdenreich: Für viele Fragen gilt es Lösungen zu finden: Hat die Idee überhaupt

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Marktpotenzial? Woher stammt das erste Geld, um die Produktentwicklung zu finanzieren? Welche Infrastruktur an Raum und Geräten wird benötigt? Und wie vernetzt man sich mit Experten oder Lieferanten, gelangt an potenzielle Kunden? Zudem sind bei der Markteinführung die weitere Finanzierung über Investoren sowie Marketingaspekte ein Thema. Und über alldem stehen das Risikomanagement, die Entscheidungsfindung und die mentale Unterstützung. Von Hehlis Erfahrung profitieren derzeit mehrere Erfinder im Programm. Drei Spin-offs wurden schon gegründet: Neben SpinningBytes sind dies die PrognosiX AG mit einem Absatz-Prognosesystem für den Detailhandel (Bericht S. 37) und A & K Strategy GmbH mit einer App zur Zeckenprävention namens «Zecke». Die Smartphone-App von Jürg Grunder und Werner Tisch-

hauser vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen ist seit Anfang März gratis erhältlich (ein Video auf der Impact-App). Ihre Hauptfunktion ist eine GPS-basierte Warnfunktion für die ganze Schweiz und Liechtenstein, mit der an einem Standort in der freien Natur das Risiko ermittelt werden kann, von einer Zecke gestochen zu werden. Dahinter steht ein komplexes Datengerüst aus Wetterprognosen, Zeckenverhalten und -vorkommen, Sonneneinstrahlung, Siedlungsgebieten und Wildkorridoren. Und die Pipeline bei I2B ist gut gefüllt: Hehli betreut vier weitere Spin-off-Kandidaten. Weitere fünf Forscherteams sind noch in der Abklärungsphase. Die Bedingung, um ins Programm aufgenommen zu werden, ist anspruchsvoll, so Hehli: «Die Forschung muss aus der ZHAW stammen – und es muss eine vielversprechende Innovation sein. ◼

ZHAW IMPACT APP Jürg Grunder und Werner Tischhauser und ihre Ideen für den Kampf gegen Zecken im Video.

«Anpacken und Ideen realisieren»

Jos Hehli: «Ich fühle mich wohl in einem komplexen Umfeld.»

«Innovationen sind der Motor der Volkswirtschaft», sagt Jos Hehli. Er leitet das Programm Innovation to Business (I2B) der ZHAW auf Mandatsbasis: Seit zehn Jahren ist er Unternehmer mit Beteiligungen und Verwaltungsratsmandaten im Bereich KMU und engagiert sich bei kleinen Firmen in der Start- und Wachstumsphase. Hehli hat vor seiner Selbstständigkeit im Firmenkundengeschäft einer Grossbank gearbeitet und war für ein globales Beratungsunternehmen tätig, zuletzt als Partner. Dort hat er Aufbauprojekte geleitet: «Meine Stärke ist anzupacken und Ideen zu realisieren. In einem komplexen Umfeld, wenn niemand so genau weiss, wie man etwas angehen soll, fühle ich mich ↘ Kontakt: jos.hehli@zhaw.ch wohl.» ◼

ZHAW Impact 28/15  

Gründerfieber - wie bringt man Ideen zum Fliegen? -------------------------------------------------------------------- Neue Hochschulstrateg...

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