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DOSSIER GRÜNDERFIEBER

Rektor-Kolumne auf der ImpactApp). Zwar gab es bereits in der Vergangenheit erfolgreiche, teils mit Innovationspreisen ausgezeichnete Unternehmensgründungen aus der ZHAW heraus, wie etwa Winterthur Instruments, Urban Farmers, CCOS, Thelkin oder Hedgegate (S. 37–41). Gründungswillige waren aber vorwiegend auf Eigeninitiative angewiesen. An der Hochschule existierten nur vereinzelt Unterstützungsangebote. Das soll sich ändern. Künftig sollen Jungunternehmerinnen und -unternehmer gezielt und strukturiert gefördert werden, um die Zahl der ZHAW-Spin-offs zu erhöhen. Die im Mai 2014 lancierte Initiative Entrepreneurship@zhaw wird getragen durch die School of Management and Law (SML), die School of Engineering (SoE) und das Departement Life Sciences und Facility Management (LFSM). Das Angebot richtet sich an Entrepreneure unter den Studierenden, Absolventinnen und Absolventen, Dozierenden und Forschenden. Zielgruppe sind auch Startups, welche die Nähe zur ZHAW suchen, um von deren Know-how zu profitieren. Das Kernstück von Entrepreneurship@zhaw bilden das Spin-off-Programm Innovation to Business (I2B), das sich an Forschende der ZHAW richtet (S. 28), und der Runway Startup Incubator (S. 30), der generell für Gründungswillige mit einer neuartigen Produkt- oder Service-Idee offen ist. Nach dem Prinzip «Erkennen, fördern und im richtigen Moment loslassen» unterstütze die ZHAW Entrepreneure nicht zuletzt auch deshalb, so Urs Hilber, damit es Innovationen, die aus Steuergeldern entstehen, auf den Markt schaffen und somit in einer späteren Phase rekapitalisiert werden. Der Leiter des Ressorts F&E betont jedoch: «Kommt es zu Innovationen an Hochschulen, entsteht ein zartes Pflänzchen, das sorgfältige Pflege erfordert.» Forscher seien primär daran interessiert, Neues zu erforschen: «Einen Seitenweg zu nehmen

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Impact | März 2015

und eine Firma zu gründen, ist etwas, das besondere Unterstützung benötigt, da es vom Mainstream abweicht und Mut braucht.» Nicht jedes Startup-Unternehmen müsse ein Grosskonzern werden, wie er meint. Die Schweizer Wirtschaft bestehe ja überwiegend aus KMU. Der Weg dahin aus den Laboren sei für ZHAW-Forscher durchaus möglich, wenn sie entsprechend unterstützt würden. Nicht jeder Forscher sei jedoch ein Entrepreneur, stellt

«Ausbildungsstätte für Jungunternehmer zu sein, gehört zum Auftrag einer Fachhochschule.» Rektor Jean­Marc Piveteau

Jacques Hefti, Gesamtprojektleiter von Entrepreneurship@zhaw und Dozent an der SML, fest. Nach dem Motto «Ingenieur mit guter Idee sucht Betriebswirt für gemeinsame Zukunft», will er deshalb auch verschiedene Talente zusammenbringen. Voraussetzung, um mehr Startups ernten zu können, sei eine jungunternehmerfreundliche Kultur. Die Bestrebungen dahingehend werden an der ZHAW laut Urs Hilber begünstigt durch die Tatsache, dass sich in der Nähe der drei ZHAWStandorte Winterthur, Zürich und Wädenswil Technoparks bzw. das Gründerzentrum «grow» (S. 32) befinden, wo sich Leitungspersonen der Hochschule im Stiftungsrat oder auch direkt in der Förderung engagieren. «Bezüglich Jungunternehmerkultur sind wir gut unterwegs», unterstreicht der Gesamtprojektleiter Jacques Hefti. «Es wird aber noch eine Zeit dauern, bis wir an der Hochschule eine Atmosphäre geschaffen haben, die mehr Studierende und Mitarbeitende dazu inspiriert, neue Geschäftsideen zu entwickeln.» Beschleunigt werden könnte die Entwicklung zum einen, indem Dozierende und Institutsverant-

wortliche findige Köpfe dazu motivieren, ihr unternehmerisches Potenzial zu erproben, zum anderen durch den Ausbau des Kursangebots für unternehmerisches Werkszeug. Zwar bieten heute bereits einige Studiengänge Kurse wie «Eine eigene Firma gründen», «Entrepreneurship» und «Businesspläne erstellen» an. Das Modul «Innovation and Entrepreneurship», ist derzeit jedoch nur bei den angehenden Betriebsökonomen fester Bestandteil des Lehrplans. Adaptiert an die Bedürfnisse, könnte der Kurs auch in anderen Departementen als Wahloder Pflichtmodul angeboten werden, damit die Studierenden neben Managementfähigkeiten lernen, wie man Geschäftsideen erkennt und Netzwerke aufbaut. Eine lebendige Jungunternehmerkultur zeichne sich auch dadurch aus, dass Studierende sowie Jungwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler selbst aktiv werden, wie Hefti betont: «Ein studentischer Entrepreneurs Club wäre interessant. Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Teil des Startup-Ökosystems zu werden, ist sehr lehrreich.» Erste Erfolge kann Entrepreneurship@zhaw bereits vorweisen: Die ersten Firmen aus dem Spin-offProgramm Innovation to Business wurden gegründet, und im Runway Startup Incubator zogen vielversprechende Startups ein. «Weil aber die meisten Jungunternehmen erst nach rund fünf Jahren wachsen und bis dahin laut Statistik häufig Einbis Zwei-Mann-Betriebe bleiben, wollen wir helfen, den Wachstumsprozess zu beschleunigen durch gezielte Förderung und Vernetzung», sagt Hefti. Als Gesamtprojektleiter will er dafür sorgen, dass das Angebot weiter ausgebaut und mit anderen Playern vernetzt wird, damit sich die ZHAW aktiver in der Startup-Förderung engagieren kann. ◼

↘ Mehr Infos unter www.zhaw.ch/entrepreneurship@zhaw

INCUBATOR, ACCELERATOR Gründerzentrum zur Unterstützung technologieori­ entierter, mög­ lichst innovativer Jung unternehmen bzw. auf schnelles Wachstum ange­ legter Startups. VENTURE CAPITAL Risikokapital­ finanzierung ist in der Schweiz eine besondere Hürde für Startups. Anders als in den USA, wo Investoren noch so verrückte Ideen schnell mal mit einer Million Dollar unterstützen, sind Geldgeber hierzu­ lande zurückhal­ tend. Zwar flossen vergangenes Jahr mit 450 Millionen Franken rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr in Schweizer Startups, in den USA waren es jedoch 22 Milliarden Dollar. Die besten Schwei­ zer Firmen werden von ausländischen Risikokapitalgesell­ schaften gefördet, wie dem dritten «Swiss Venture Capital Report 2014» zu entnehmen ist. BUSINESS ANGEL Jemand, der sich finanziell an Unternehmen beteiligt und diese mit Know­how und Kontakten in einer sehr frühen Phase unterstützt. Meist handelt es sich um erfolgreiche Gründer, die zu Geld gekommen sind, erfahrene Unterneh­ mer oder leitende Angestellte. ZHAW IMPACT APP ZHAW als Türöffner: Die Rektor­Kolumne. Und: «Wie viel Jung­ unternehmer steckt in Ihnen?» Ein Test.

ZHAW Impact 28/15  

Gründerfieber - wie bringt man Ideen zum Fliegen? -------------------------------------------------------------------- Neue Hochschulstrateg...

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