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ABSCHLUSSARBEITEN

Von Mehlwürmern und werdenden Vätern Geburt, Nahrung und Menschenrechte: Die Abschlussarbeiten zeigen, wie Insekten zu Lebensmitteln verarbeitet werden, wie Wiedergutmachung aussehen könnte, wenn multinationale Konzerne Menschenrechte verletzen, und versuchen, Männern das Mysterium der Geburt näherzubringen. Sibylle Veigl

Impact | März 2015

DER INSEKTENRIEGEL «Entwicklung eines Lebensmittels basierend auf Mehlwürmern für die Massenproduktion» hat Meinrad Koch seine Bachelorarbeit in Lebensmitteltechnologie betitelt, für welche er Ende letzten Jahres von der Schweizerischen Gesellschaft für LebensmittelWissenschaft und -Technologie (SGLWT ) ausgezeichnet wurde. Das Medieninteresse war gross an dem «Riegel mit dem Wurm drin». Der 25-Jährige absolviert nun sein Mas terstudium mit der Vertiefung Innovation im Lebensmittel- und Getränkebereich. Danach möchte er in der Produktentwicklung tätig werden: «Wer weiss, was noch alles mit den Insekten passiert, aber vermutlich wird es mich wieder zurück in die Backwarenbranche ziehen», sagt der ausgebildete Bäcker-Konditor.

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Insekten sind mit geschätzten sechs Millionen Arten die zahlreichsten Bewohner der Erde. Über 1900 Arten sind für den Menschen geniessbar. Gleichzeitig wird durch das weltweite Bevölkerungswachstum in Zukunft die Nachfrage nach Lebensmitteln stark ansteigen. Grund genug für den gelernten Bäcker-Konditor Meinrad Koch, über die Verarbeitung von Insekten zu forschen: Koch hat einen Proteinriegel entwickelt, der unter anderem aus Krokant, Haferflocken, Sonnenblumenkernen, Cornflakes und gerösteten Sesamsamen besteht – und aus gefriergetrocknetem Mehlwurmextrakt. Koch ist überzeugt: «Insekten als Lebensmittel haben eine Zukunft.» Schwierig war, das aus dem Extraktionsprozess entstandene flüssige Proteinextrakt in eine pulverige Form zu bringen, welche dem Riegel zugegeben werden konnte. Herausfordernd auch die Entwicklung des Rezeptes: Je nachdem, wie viel Insektenprotein zugegeben wurde, veränderten sich die Sensorik und die Konsistenz des Riegels. Schliesslich war eine Beimischung von etwas über 10 Prozent Mehlwurmprotein ideal. Kochs wichtigste persönliche Erkenntnis aber: «Ekel ist abbaubar.» Wichtig sei, dass im Endprodukt keine Insektenbestandteile mehr sichtbar seien. Statt der «leicht nussig» schmeckenden Mehlwürmer könnten andere Insekten mit einer eher weichen Hülle verwendet werden, etwa Larven des Grossen Schwarzkäfers, des Seidenspinners oder die Wachsmade. In Belgien seien neben diesen Insekten bereits sechs weitere Insektenarten für den menschlichen Verzehr zugelassen, darunter auch der verwendete Mehlwurm, so Koch. Bis zur Massenproduktion ist es jedoch noch ein weiter Weg, auch wenn bereits Gespräche mit Lebensmittelproduzenten geführt werden. Machbarkeitsstudien und Ökobilanzen sollen nachweisen, dass die industrielle Lebensmittelproduktion mit Insekten profitabel wie nachhaltig ist, und es müssen weitere Konsumententests durchgeführt werden. Immerhin zeigt sich der Bund nun überzeugt: Nach dem Vorbild Belgiens will er bis etwa 2016 Insekten neu in die Lebensmittelverordnung aufnehmen.

ZHAW Impact 28/15  

Gründerfieber - wie bringt man Ideen zum Fliegen? -------------------------------------------------------------------- Neue Hochschulstrateg...

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