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ALUMNI

Impact | März 2015

ANGEWANDTE LINGUISTIK

Die Chefin der «besten Freundin» Silvia Binggeli hatte keinen Karriereplan. Dennoch wurde sie Chefredaktorin der «Annabelle». Sie führt die grösste Frauenzeitschrift der Schweiz nicht nur kompetent, sondern auch mit Herz und Lust. CORINNE AMACHER

E

s gibt viele Absolventinnen der Übersetzerausbildung, die in den Journalismus eingestiegen sind. Aber nur eine schaffte es so gradlinig an die Spitze wie Silvia Binggeli. Innerhalb von 14 Jahren nahm sie bei der Zeitschrift «Annabelle» Stufe um Stufe, stieg ein als Reporterin, wurde Ressortleiterin Lifestyle, stellvertretende Chefredaktorin und dann, im Sommer 2013, Chefredaktorin. Die Karriere wirkt wie aus dem Lehrbuch. Kalkül steckte jedoch nicht dahinter, wie sie sagt.

Silvia Binggeli, Chefredaktorin der grössten Schweizer Frauenzeitschrift: Während sie gesellschaftspolitischen Themen immer schon zugetan war, wuchs ihr Interesse an Lifestyle und Mode erst mit der Zeit.

Punkto Aussehen und Auftreten kann es Silvia Binggeli mit den Models in ihrem Magazin aufnehmen – sie ist gross gewachsen, hat ein einnehmendes Lachen und Haare wie Girlanden. Trotz einer kurzen Nacht wirkt sie frisch und tatkräftig. Am Vorabend stieg im Hotel «Dolder Grand» die Feier für den «Annabelle» Prix de Beauté, an dem die Crème de la Crème der Kosmetikindustrie versammelt war, lauter wichtige Werbekunden. Sven Epiney moderierte zweisprachig, zwi-

schen den Gängen gab es Livemusik und Tanz bis spät. Kundenpflege gehört zu den wichtigsten Pflichten einer Chefredaktorin.

Noch keinen Tag gelangweilt «Ich hatte nicht vor, so lange bei ‹Annabelle› zu bleiben», sagt die 42-Jährige in ihrem verglasten Büro am Hauptsitz der Tamedia in Zürich, welche die Frauenzeitschrift herausgibt. «Immer, als ich glaubte, ich müsste die Stelle wechseln, stellte sich eine neue Herausforderung in Bezug auf Funktion, Aufgabe oder ein Projekt», sagt Silvia Binggeli. Sie gehört nicht zu den Medienleuten, die mit Jobhopping den Lebenslauf aufpeppen wollen. «Ich muss niemandem etwas beweisen» ist ein Satz, den sie gerne wiederholt. Ihre eigentliche Motivation klingt simpel: «Ich liebe meinen Beruf, habe mich noch keinen Tag gelangweilt. Mir gefällt es hier, und darum bin ich so lange geblieben.» Leidenschaft ist ihr Karriereturbo – Leidenschaft für Menschen und für Themen. Es gibt kaum eine Frauenzeitschrift im deutschsprachigen Raum, die ein so breites Spektrum

abdeckt wie die «Annabelle». Es reicht von der Ökonomieprofessorin über den Schuhgott bis zu den jungen Frauen, die in den Djihad ziehen. Dabei fasziniert Silvia Binggeli «die Breite der Themen und die Möglichkeit, interessante Menschen zu treffen». Während sie gesellschaftspolitischen Themen immer schon zugetan war, wuchs ihr Interesse an Lifestyle und Mode erst mit der Zeit.

Kuriose Begegnungen Alles in allem ergeben ihre Begegnungen mit prominenten Zeitgenossen ein buntes Panoptikum. Mit Erotikunternehmerin Beate Uhse führte sie das letzte Interview vor deren Tod, sie traf sie in ihrem Haus in Schleswig-Holstein und war beeindruckt von ihrer starken Persönlichkeit. «Sie hätte mit ihrer Power jedes Unternehmen zum Erfolg geführt», ist Binggeli überzeugt. Dem exzentrischen englischen Designer Paul Smith, der zur Begrüssung in ihrem Lockenkopf wühlte, entlockte sie dieses Zitat: «Mein Leben ist in die richtige Richtung gefloppt.» Begeistert war sie auch von Melody Barnes, ehemalige Chefberaterin

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ZHAW Impact 28/15  

Gründerfieber - wie bringt man Ideen zum Fliegen? -------------------------------------------------------------------- Neue Hochschulstrateg...

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