Page 21

Auf den Spuren des Genoms Wissenschaftliche Forschung spielt auch in Österreich eine Rolle. In der Nachwuchs-Elite mischen zwei Judenburger Schüler mit.

A

ndreas Reicher und Alex Müller besuchen das Judenburger Gymnasium und erbrachten im vorigen Jahr in der so genannten „Summer School“ ganz besondere Leistungen. Im Rahmen des Forschungsprogramms „GEN-AU“, das vor wenigen Jahren vom Wissenschaftsministerium für die Genomforschung ins Leben gerufen wurde, hat man die talentierten Jungforscher für ihre Praktikumsarbeiten ausgezeichnet. Für dieses Projekt durften in ganz Österreich ausgewählte SchülerInnen in diversen universitären Einrichtungen Forschungsluft schnuppern und unterstützt von Wissenschaftlern an konkreten mikrobiologischen Herausforderungen mitarbeiten. Insgesamt 145 Bewerbungen gingen diesmal ein, 72 der Besten wählte man aus. In einem zweiten Beurteilungsdurchgang entschied man über die Aufnahme in die jeweiligen Forscherteams in Graz, Wien, Tulln, Linz, Innsbruck und Salzburg. Zum Abschluss ihrer Praktika mussten die TeilnehmerInnen Fachdokumentationen anfertigen, die von einer Fachjury bewertet wurden. Andreas Reicher schrieb seine Arbeit über Auswirkungen von Stresshormonen auf menschliche Körperzellen und sein Kollege Alex Müller beschäftigte sich mit spezifischen EDV-Programmen zur Analyse von Krebsgenen. Beide erhielten für ihre Arbeiten eher magere 100 Euro Preisgeld, jedoch darf Andreas Reicher eine europäische Forschungseinrichtung besuchen.

Geschwellte Brust in Judenburg Nicht ohne Stolz blickt man deshalb im BG/ BRG Judenburg auf die erfolgreichen Schüler. „Uns freut es ganz besonders, dass zu den ausgewählten Projektteilnehmern auch Schüler unserer Institution zählen und dass diese so tolle Leistungen erbracht haben“, berichtet der Schuldirektor Johann Mischlinger. „Das belohnt unsere Bemühungen, denn unser Gymnasium bietet seit Jahren die Möglichkeit, Laborarbeit zu betreiben“, erklärt Mischlinger, der die beiden Preisträger im Vorfeld persönlich als Mentor betreute.

Interessante Forschungseinblicke Das Sommerpraktikum lieferte den Naturwissenschafts-Talenten reiche Erfahrungen. Schließlich bot sich dadurch die Gelegenheit,

Dir. Johann Mischlinger mit seinen „Schützlingen“ Andreas Reicher und Alex Müller.

außerhalb des Schulbetriebs neue Erkenntnisse zu sammeln. „Ich habe in meinem Praktikum auch einen Einblick in das Alltagsleben an der Universität erhalten“, blickt Alex Müller auf seinen „Aufenthalt“ an der Technischen Universität Graz zurück. Überdies hat ihm das Praktikum seine Studienwahl erleichtert. „Ich werde nach meiner Matura wohl Molekularbiologie studieren.“ Auch für Andreas Reicher war die Summer School am Institut für Pathophysiologie an der Medizinischen Universität Graz von unschätzbarem intellektuellen Wert. „Ich hatte die Gelegenheit, mit erfahrenen Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Ein wertvoller Erfahrungsaustausch, jubelt der begeisterte „Biologe“, der in der Jurywertung unter den Top 3 rangierte und sich jetzt schon auf seinen Besuch einer europäischen Einrichtung vorbereitet, obwohl für ihn die konkrete Studienwahl noch nicht feststeht. „Mein Praktikum hat mir mögliche Berufswege auf-

21

gezeigt. Zuerst steht aber noch meine Matura ins Haus und danach werde ich mich für eine spezielle Studienrichtung entscheiden.“

Steirische Forschung Selbst das Ziel von Reichers „Studienreise“ steht noch nicht fest, seine Vorgänger waren in Barcelona, Heidelberg oder London zu Gast. Forschung und Entwicklung (F&E) wird aber auch in Österreich groß geschrieben. Laut Statistik Austria sind über 56.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt. Ein Großteil davon in Unternehmen, der Rest an heimischen Universitäten und in staatlichen F&E-Einrichtungen. Die Steiermark liegt bei diesen Aktivitäten im österreichischen Spitzenfeld. Die Auszeichnungen erhielten die Murtaler Schüler bereits Ende November im Wiener Palais Harrach aus den Händen von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Michael Cencic

Murtal 1 - März 2013  

Ausgabe Nr. 66 von „Murtal 1“

Murtal 1 - März 2013  

Ausgabe Nr. 66 von „Murtal 1“

Advertisement