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Ein besseres Leben, irgendwann, vielleicht Familiäre Gewalt, Schläge, Beschimpfungen. Und der Mut, einen Ausweg aus der Gewaltspirale zu finden. Zu Besuch im Frauenschutzzentrum.

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Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ist die kleine Telefonzentrale besetzt. Ein normales Büro, wären da nicht die Bildschirme an der Wand, die Bilder der Überwachungskameras übertragen. Eingänge, Ausgänge, Umgebung: Das Frauenschutzzentrum, salopp als „Frauenhaus“ bezeichnet, ist bestens bewacht. Und das muss es auch. Von außen ein unscheinbares Gebäude in einer Wohnsiedlung im Bezirk Bruck/Mürzzuschlag, verbirgt sich drinnen modernste Technik zum Schutz der Frauen, die hier Unterschlupf finden. Es sind Frauen aus allen Teilen der Steiermark, die geflüchtet sind. Vor physischer, psychischer, sozialer oder sexualisierter Gewalt in ihrem Zuhause. „Die Sicherheit hat bei uns oberste Priorität“, erklärt Diplom-Sozialarbeiterin Hilde Scheikl. Nur die sogenannten „Vernetzungspartner“ – Polizei, Ärzte, Richter – wissen, wo sich das Frauenhaus genau befindet. Hinein kommt, wer sich vorher telefonisch angemeldet hat. Eine Direktschaltung mit den Exekutivbehörden ermöglicht schnelles Eingreifen im Ernstfall. Übertrieben? Nein. Es kommt vor, dass uneinsichtige Ehemänner plötzlich vor der Tür stehen. Männer, die ihre Frauen zurück wollen. Nachdem sie ihnen Schlimmes angetan haben.

Letzter Ausweg Frauenschutzzentrum: Statistisch erlebt jede vierte Frau in Österreich zumindest einmal in ihrem Leben Gewalt in der Familie.

2005 wurde das obersteirische Frauenhaus eröffnet, neben Graz das einzige in der grünweißen-Mark. Regionale Zuständigkeiten gibt es keine, die Frauen kommen dorthin, wo sie sich am sichersten fühlen. Das kann unter Umständen auch ein anderes Bundesland sein. Finanziert wird der Verein über das Land Steiermark und die Sozialhilfeverbände, maximal können 12 Frauen und 15 Kinder gleichzeitig aufgenommen werden. Der Bedarf ist gegeben, in Spitzenzeiten ist das Frauenschutzzentrum zu 100% ausgelastet. Die „typische Frauenhausfrau“ gibt es übrigens nicht. „Zu uns kommen Frauen allen Alters, aus allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen“, bestätigt Scheikl. Der Gang ins Schutzzentrum ist kein leichter, meist würden Frauen zunächst alles versuchen, um

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Die Familie an erster Stelle

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Murtal 1 - März 2013  
Murtal 1 - März 2013  

Ausgabe Nr. 66 von „Murtal 1“

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