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Heimat 10b


Heimat

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.Vorwort .Selina Genkinger .Elena Steinmann .Oliver Stegmaier & .Matthias BodenmĂźller .Marco Schokols .Alexander Horn .Melina Igel .Selina Hildmann .Denise KĂśhler .Julian Kaufmann .Thomas Ullmann .Benjamin Aurich .Simone Siewert .Theodor Hepp .Sabrina Melber 6

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. I N H A LT S V E R Z E IC H N I S

.Carmen Pfeiffer .Helena Schmidt .Andreas Rist .Sarah R端hl .Niclas Hintz .Nils Wahlbrink .Anastasia Faber .Jenny Klaiber .Charlene Gr端nhagel .Paulina Zieba .Lena Binder .Simone Frick .Jessica Luib .Maggi-Jane Deckart .Impressum 36

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.V o R w o R T

Geranien, Dirndl, Deutschlandflagge? Ja, Jein oder Nein-Danke? Heimat – sich wohl fühlen, geborgen sein, einen Dialekt, eine Sprache sprechen? Ja, bitte. Eine Sehnsucht! Aber wie stellt man es an in einer globalisierten Welt? Heimat – ein deutsches Wort, fast nicht zu übersetzen. Wo ist meine Heimat? Ist es mein Dorf, meine Stadt? Da, wo ich wohne, mein Zuhause, mein Zimmer, meine Musik? Da, wo ich herkomme und nicht mehr hin zurück will? Sind es die Wurzeln meiner Väter, die Geheimrezepte meiner Mutter? Sollten wir lieber fragen, wer ist meine Heimat? Meine traditionelle Familie, meine Patchworkfamilie? Oder meine Freunde, meine Schule, meine Klassenkameraden, meine zukünftigen Arbeitskollegen? Oder noch besser, was ist meine Heimat? Der Geruch von frisch geernteten Kartoffeln, von handgeschabten Kässpätzle, der Dorftratsch oder die „ Feschtle“ in meinem Verein? Ist Heimat ein altbackenes Konzept, das am Ende andere diskriminiert, weil es Millionen von Menschen gibt, die keine Heimat mehr haben? Fragen über Fragen… Eine spannende Reise mit 29 Individualisten der Klasse 10 B der Realschule Bad Saulgau, in unterschiedlichsten literarischen Transportmitteln unterwegs, alle aber zu ein- und demselben Ziel – ihrem Verständnis von HEIMAT so nah wie möglich zu kommen. Sie haben für sich und andere wichtige Antworten gefunden. Bad Saulgau, im Mai 2010 Beate Rimmele


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.SELINA GENkINGER

„Hast du auch wirklich alles eingepackt?“, fragte mich meine Mutter kurz vor der Abreise. Ich werde die nächsten Monate bei meiner Oma in England verbringen. Die Freude ist groß, aber ein bisschen Angst habe ich schon. Ob es mir dort gefallen wird? Oh nein! Das Wichtigste habe ich ja noch vergessen! Meinen Fußball. Das Bild von meiner Mannschaft habe ich natürlich schon eingepackt. Ohne es gehe ich nirgendwo hin. Wenn ich es anschaue, weiß ich immer, auch wenn ich nicht da bin, dass jemand mich braucht und auf mich zählt. Siege und auch Niederlagen schweißen zusammen. Egal, wo ich bin, mit meinem Fußball trage ich immer ein Stück Heimat mit mir. Auch mein Trikot trage ich überall mit Stolz. So weiß jeder, wo ich hingehöre. „Ich hab jetzt alles, wir können losfahren!“ „Muss denn dieser alte Fußball überall hin mit?“, fragt meine Mutter. „Wenn du nicht willst, dass ich Heimweh bekomme, ja!“

Heimspiel 9


Heimat hier – Heimat hier – Heimat dort. Einmal hier – einmal dort. Ich Ich Ich Ich

fühl mich zuhause, ich fühl mich fremd. fühl mich geborgen, hab trotzdem Sorgen. fühl mich geliebt, bin dennoch allein. hab drei Orte, die mir Heimat bedeuten.

Heimat hier – Heimat dort. Einmal hier – einmal dort. Drei in einem, das wär mein Traum. Doch eines weiß ich, er kann sich nicht erfüllen. Die Charaktere sind zu verschieden. Ein Zusammensein ist nie in Sicht.

Heimat hier – Heimat dort. Einmal hier – einmal dort Die Zerrissenheit, die plagt mich am meisten. Und das Heimweh wird schlimmer, denn einer fehlt immer. In die Heimat gehen, in der Heimat ankommen, das wär mein Wusch. Doch eines weiß ich, er kann sich nicht erfüllen. Heimat hier – Heimat dort. Einmal hier – einmal dort.

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.ELENA STEINmANN

Heimat dort 11


.oLI V ER STEGm A IER .m AT T H I A S BodE N m ü L L E R

Unsere zweite Heimat J U G E N D H E I M A L T S H A U S E N

a, dies ist unser schönes Jugendheim. nsere „zweite Heimat“ in Altshausen. eile Partys sind hier keine Seltenheit. in Jeder findet hier seinen Spaß, wenn er mal nicht weiß, was zu tun ist. atürlich kann man hier auch Dart spielen, machen als nur feiern, macht aber nur halb so viel Spaß. ie beste Location, die man sich vorstellen kann. eimat heißt auch Spaß haben… das haben wir hier reichlich. ndlich sind wir 16 und können dem Jugendheimverein beitreten. m Altshauser Jugendheim fühlt sich mit Sicherheit jeder pudelwohl. anch einer schaut hier auch mal zu tief ins Glas. ltshausen lohnt sich immer amm-Oldiedisko ist unter den Ü-30ern sehr populär. olles Altshausen, so was Schönes hab ich noch nie gesehen. chloss Altshausen war die Residenz der Deutschen Ordensritter. erzog Carl von Württemberg wohnt in Altshausen. n der alljährlichen Fasnacht erlebt man Hexen, Schindele, Hopfenweible und Lätsch-Vere im bunten Treiben. nser Altshauser Weiher wurde bereits zur Herrschaft des Deutschen Ritterordens angelegt. pitzbuben, wie der legendäre Schleiferstone, trieben hier ihr Unwesen. in Nachwuchsproblem hat Schleiferstone auch heute nicht… amentlich wurde die Narrenzunft Altshausen schon 1414 erwähnt.

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.m A RCo SCHokoLS

Sommer

Der Frühling ist vorbei. Es ist Sommer. Die Temperaturen steigen wieder an. Es wird nun wärmer. Der Garten draußen ist voller Grün. Es wird nun bunter. Die Sonne lacht in vollen Zügen. Es ist alles herrlich. Ob in der Stadt, am Strand oder im Garten Niemand kann drauf warten. Mit Sonnenbrille und mit Hut. Ein leckeres Eis gehört dazu. In der Sonne auf dem Handtuch liegen. Dazu baden und in einem Volleyballspiel auf Sand siegen. Im Garten auf der Terrasse sitzen. Man kann schön mit Wasser spritzen. Was Besseres gibt es nicht. Der Sommer ist nun bald vorbei. Es war ne tolle Zeit. Das Bunte geht zurück. Es wird schon wieder kühler. Der Weg war ziemlich weit. Ich freu mich auf die nächste Sommerzeit. SOMMER – Wohlgefühl PUR – HEIMAT. SOMMER – Wohlgefühl HIER – HEIMAT.

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.ALEx ANdER HoRN

“I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their charakter“ Martin Lu t her King Jr .

Hip Hop is dead Die Farbe der Buchstaben an den Wänden blättert langsam ab. Das Netz am Ring des Basketballkorbes ist schon jahrelang der Witterung ausgesetzt, dementsprechend sieht es auch aus. Purple Haze von Jimi Hendrix tönt aus den alten Boxen. Die Scratches und Backspins der Schallplattenakrobaten sind schon nichts mehr wert. Die Liebe zur Kultur verändert sich in grenzenlose Ignoranz. Es ist meine Musik, meine Kultur, Russland, Deutschland – zwei Persönlichkeiten. Es grenzt an Schizophrenie. Der Patriotismus beider Länder fließt durch meine Adern. Meine Kultur, mein Leben, meine Heimat. Die Intoleranz der Gesellschaft mir und meinem Lebensstil gegenüber ist jetzt nur noch eine Metapher für ihre Angst, Unwissenheit. Vielleicht auch nicht? Die Leute sehen, was sie sehen wollen. Aber das ist meine Heimat, meine Liebe zu Hip Hop.

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‌dort,

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.mELINA IGEL

wo es Liebe gibt

Liebe brauche ich um mich wohl zu fühlen, ohne Liebe fange ich an auszukühlen. Meine Heimat ist dort wo Liebe ist, wo es dies nicht gibt, wird etwas vermisst. In meiner Heimat gibt es Liebe, doch leider auch Diebe. Sie klauen die Liebe und nehmen die Heimat. Man fühlt sich verlassen und droht zu erblassen. Man fühlt sich nicht mehr wohl und die Heimat ist ganz hohl. In der Heimat ist nichts mehr drin. Weiß dann nicht mehr, wo ich bin. Ich kann an nichts anderes mehr denken, will ganz viel Liebe verschenken, um allen zu zeigen, was für mich die Heimat ist, ein Leben voll Liebe und Zuversicht. Wo Liebe ist, fühl ich mich daheim, denn schließlich bin ich dort niemals allein. Dort ist Heimat.

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.SELINA HILdm ANN

Meer, Strand, Urlaub Für mich ist Heimat ein Teil von Freiheit, bei dem ich weit, weit weg bin in einem fremden Land mit einer anderen Kultur und Landschaft. Dabei finde ich meine innere Ruhe, meine Balance. Ich relaxe am sonnigen Strand im warmen Süden. Man sieht die Möwen am Himmel kreischend fliegen und jede Minute genieße ich in vollen Zügen, denn man ist nicht jeden Tag an solch einem wunderbaren Ort. Die Wellen, die an die Klippen stoßen und der sanfte Wind, der durch mein Haar weht, ein herrliches Gefühl. Ich befinde mich in einer anderen Welt auf Wolke sieben und bin doch ganz bei mir. Die Tage sind unbeschwert und ich lasse alle meine Probleme hinter mir. Urlaub, Strand, Sonna, Meer – wa will ma mehr?

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.dENISE köHLER

Nachthajk R isiko K O mpass LoYalität A benteuer L ebenslust T R eue A ngst N achthaijk G ott E hrlichkeit R egeln S ommercamp

Letztes Jahr im Sommercamp 2009 wurden wir als Royal Rangers ziemlich herausgefordert. Ein Nachthajk, eine Nachtwanderung, gehört als Prüfung zur nächsten Schwierigkeitsstufe bei einem Ranger einfach dazu. Auf diese überraschende Tour war niemand vorbereitet. Mitten in der Nacht, um 24 Uhr, das weiß ich noch ganz genau, wurden wir aus unseren Träumen gerissen. Man teilte uns in 12 verschiedene Teams ein. In einem Team waren 5 - 6 Ranger. Ein Leiter fuhr uns ca. 12km vom Campingplatz weg und setzte uns aus. Er gab uns eine Karte und wir mussten mithilfe unserer Teamgemeinschaft zum Campingplatz zurückfinden. Das erforderte viel Mut, erforderte Zusammenarbeit… und wir lernten uns dabei besser kennen. Trotz aller Bemühungen jedes Teams fand kein Team zu unserem Campingplatz zurück und alle mussten mit dem Auto abgeholt werden. Um 6 Uhr morgens durften wir dann schlafen gehen. Das war bisher die spannendste Nacht in meinen 16 Lebensjahren. Nun, was hat diese kleine Geschichte mit dem Thema Heimat zu tun, kann man berechtigt fragen. Ich fand die Woche in meinem ersten Sommercamp total aufregend. Während dieser 8 Tage habe ich persönliche innere Heimat gefunden.

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. J u LI A N k Au f m A N N

Oberschwoba

In Oberschwoba geits no a Herzogtum im Schlossgata zAltschausa blüht it bloß oi scheene Blum. Im Schloss do leabt dr Herzog mit ra Künschtlere, des isch sei geliabte Herzoge. Die Oberschwoba ziehat alle an oim Fada, bei dr Feindschaft gega d Nochbr aus Bada. Badänser sind au liabe Leit, bloß schad, dass es so en haufa geit. Im Februar geits en tolla Brauch, ma feiert en woanderscht au. Fasnet hoißt ma des bei eis, do ischt was los – des isch koin Scheiß. Zum Essa geits en haufa Spezialitäta, drzua ghört it grad dr Fisch mit seine Gräta. Kässpätzla sind zum Beispiel oine drvo. Des moß ma probiert hau – des isch halt a so! Außer Hochdeitsch kennat mir alls, weil dia Sproch isch nix fir eisern Hals. Drum schwätzat mir Schwäbisch, des isch doch klar, es geit nix scheeners, s isch oifach wunderbar!

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.T H o m A S u L L m A N N

Heimat ist ein altes Wort und sehr schwer zu definieren. Was versteht man unter dem Begriff Heimat? Ist man in Amerika, fühlt man sich als Europäer, in Spanien ist man Deutscher und in Berlin ist man Baden-Württemberger. Aber ist meine Heimat Europa, Deutschland, Baden-Württemberg, Oberschwaben, Saulgau oder sogar nur unser Haus? Wie weit lässt sich der Begriff Heimat dehnen?. Kommt man aus dem Urlaub, fragt man sich manchmal, wann bin ich endlich daheim. Dies hängt aber sehr davon ab, wie weit man sich entfernt hat. War man in der Nachbarschaft, ist daheim das eigene Haus. War man in Australien, ist daheim, wenn man am Flughafen ankommt… Aber ich finde Heimat ist, wenn man sich zuhause fühlt, egal in welchem Land und auf welchem Kontinent. Heimat ist sehr variabel. Unsere Heimat verändert sich ständig und ist in 10 Jahren vielleicht irgendwo ganz anders. Wenn man sich zuhause fühlt, ist man zuhause. Heute ist das Zuhause etwas sehr breit Gefächertes. Man bekommt eine bessere Arbeit oder findet einen neuen Partner aus einer anderen Region oder sogar aus einem anderen Land. Heute zieht ein Mensch im Durchschnitt elf Mal um. Zuhause ist ein wandelbarer Begriff. Ist man im Urlaub, kann diese Zeit eine Art Zuhause sein. Der Mensch ist anpassungsfähig… Man kann überall zuhause sein. Heimat bezieht sich auch stark auf das soziale Umfeld und man begreift Freunde, Verwandte oder Vereine als seine Heimat, da wo man angenommen fühlt, ist man zuhause. Ist man alleine, fühlt man sich einsam und fremd. Man ist folglich nicht zuhause und kann den neuen Ort noch nicht als Heimat bezeichnen. Erst, wenn man Freunde und Hobbys im neuen Wohnort hat, kann man sich zuhause fühlen. Heimat ist ein sehr breiter Begriff und ich finde, er beschreibt weniger einen Ort sondern eher eine Befindlichkeit.

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Was ist Heimat? – Eine Annäherung

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Zweite Heimat 28

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.BENJA mIN Au RICH

Meine Eltern kamen nach dem Mauerfall 1989 aus der ehemaligen DDR 1999 nach Westdeutschland. Ich bin in Bad Saulgau geboren. Einer der wichtigsten Beweggründe, die angestammte Heimat zu verlassen, war für meine Mutter die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Zu dem damaligen Zeitpunkt lebten einige unserer Verwandten bereits im Westen. Heute, nach 21 Jahren, fühlen wir uns in Bad Saulgau sehr wohl.

Ein Interview mit meiner Mutter. Was verstehst du unter Heimat? Ich würde sagen, dass Heimat dort ist, wo man geboren wurde und wo man sich zuhause fühlt. Wo ist deine Heimat? Meine Heimat ist die Stadt Chemnitz in Sachsen. Was verbindest du am meisten mit deiner Heimat? Ich verbinde mit Heimat hauptsächlich meine Familie, meiner Kindheit. Was sind die größten Unterschiede zwischen deiner Heimat und deinem jetzigen Zuhause? Der größte Unterschied ist natürlich der Dialekt, aber auch die Mentalität ist anders. Welchen Dialekt findest du sympathischer Sächsisch oder Schwäbisch? Ich mag keinen von beiden. Was vermisst du am meisten an deiner Heimat? Am meisten vermisse ich meine Familie und meine Schulfreunde. Wie reagieren Fremde auf deine Heimat? Eigentlich reagieren die Leute positiv aber für manche ist man der ewige „Ossi“. Gibt es Vorurteile? Ich kenne keine Vorurteile. Was hast du für dein erstes Geld in Westdeutschland gekauft? Eine Jeans, Milka-Schokolade und Bananen.

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.SImoNE SIEw ERT

Heimat Für ein Gespräch zum Thema Heimat habe ich mir Sascha, einen guten Freund, ausgesucht. Heimat – Was ist das für dich? Mit welchem Gefühl verbindest du Heimat? Familie, Freunde, vertraute Menschen und Umgebung, ein Ort, wo man sich wohlfühlen kann, egal wie dieser aussieht. Mit Heimat verbinde ich eine Art Geborgenheit, Zugehörigkeit und Wohlbefinden. Ja, das geht mir genauso. Es heißt ja so schön: „Nirgends ist es schöner als daheim.“ Das heißt, wenn ich daheim bin, fühle ich mich automatisch wohler, als wenn ich irgendwo auf Achse bin. So sehe ich das auch. Wie gesagt, sind Freunde für die Heimat wichtig. Sie vermitteln einem dann im übertragenen Sinne ein Gefühl von Verständnis und Akzeptanz. Unterm Strich also kann man die Gefühle, die Freunde in einem wecken, auch auf die Heimat anwenden, weil das so eine Art Gemeinsamkeit ist. Gibt es etwas, was dir mehr bedeutet als Heimat? Mehr als Heimat bedeutet mir eigentlich nur meine Autonomie, meine eigenen Wünsche und Träume zu verwirklichen, ohne dass mich dabei irgendjemand determiniert oder einschränkt. Aber klar, um das zu erreichen, ist meine eigene Heimat ausschlaggebend. Da wurde ich erzogen und sozialisiert, was mich heute in meinem Charakter und meinen Fähigkeiten auszeichnet und schlussendlich ist meine Heimat dafür verantwortlich, ob ich nun mein „noch wichtigeres Ziel“ der Selbstverwirklichung erreichen kann.

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.T H E o d o R H E p p

Heimat mit meinen Augen Landleben? Stadtleben? Wo ist es am schönsten? In diesem Punkt scheiden sich die Geister. Doch mein Geist ist wohl eindeutig verankert. Im Landleben mit seinen guten und schlechten Seiten. Für mich die schönste HEIMAT. Grenzenlose Natur. Sie zu nutzen lernen. Im Einklang mit ihr zu arbeiten. Verdienst daraus zu ziehen. Grenzenlose Freiheit. Keine Nachbarn, unbeschwertes Feiern. Gesundes Leben, gesunde Landluft, gesunde Ruhe. Gesundes Essen direkt vom Bauerngarten. Faszinierende Technik. Draußen zu arbeiten mit dieser Technik. Den Stall ausmisten? Mit dem Pferd pflügen? Das alles war einmal und bleibt Geschichte. Doch Landleben bedeutet auch Stress, selbst an heißesten Badetagen. Arbeiten, wenn die Party anderswo schon längst begonnen hat. Zeitdruck, selbst wenn die Hauptsaison zu Ende geht. Dennoch: Ein Leben in der Großstadt, Kleinstadt? UNVORSTELLBAR! Mein Leben auf dem Hof gibt mir so viel.

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.SABRINA mELBER

Heimat ist ein großer Begriff… Ich denke, dass Heimat für jeden einzelnen Menschen etwas anderes bedeutet. Vielleicht denken manche Menschen bei diesem Begriff sofort an ihren Heimatort oder an ihre Herkunft… Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele dabei an Hobbys, Lieblingsessen oder Dinge, die sie gerne machen, denken. Bei mir persönlich ist es so, dass ich bei dem umfassenden Begriff „Heimat“ sofort an meine Familie und an meine Freunde denke. Sie sind meine Heimat – da bin ich mir ganz sicher! Denn ohne diese wichtigen Menschen würde ich mich nirgendwo so richtig zu Hause fühlen… Wenn ich so an meine Familie denke, merke ich, dass ich sehr stolz auf sie sein kann. Ein entscheidender Grund dafür ist, dass meine Familie immer für mich da ist – ganz besonders auf meine Eltern kann ich mich immer verlassen. Es hat nie eine Zeit gegeben, in der ich ganz alleine dagestanden wäre und sie mich alleine gelassen hätten – und ich weiß, dass es eine solche Zeit auch nie geben wird… darüber bin ich froh. Für mich bedeutet es außerdem sehr viel, dass ich mit meiner Mutter über alles reden kann. Ich kann immer zu ihr kommen, egal wann und egal, worüber ich reden möchte. Natürlich geht das auch mit dem Rest der Familie, aber… naja… Mütter sind eben Mütter! Aber auch bei meinen Freunden ist es nicht anders! Vielleicht hört es sich an wie ein Klischee, wenn ich sage, dass ich die besten Freunde der Welt habe… Aber es fühlt sich für mich wirklich so an. Ich kann mit ihnen Spaß haben, lachen, Tolles erleben… Und ja, ich kann ihnen vertrauen – das ist in einer Freundschaft sehr wichtig, wie ich finde. Vor allen Dingen ist mir wichtig, dass meine Freunde über mich das Gleiche sagen können… Denn Freundschaft ist ein Geben und Nehmen! Natürlich gibt es auch mal Streit, Auseinandersetzungen… Aber mit Freunden springt man über solche Hürden – ich habe diese „Hürdenhelfer“! Liebe, Geborgenheit, Familie und Freunde… – das ist Heimat für mich!

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Heimat 35


.C A R m EN pf EIf f ER

Was ist Heimat? 36


Für den einen ist Heimat die Familie und die Freunde, für andere ist Heimat ihr Lieblingsessen oder ihr Haustier. Heimat kann viel bedeuten. Heimat kann Liebe und Geborgenheit sein. Heimat gibt einem das Gefühl geliebt zu werden und Halt zu haben. Doch für manche ist Heimat auch schon einfach nur ein Dach über dem Kopf. Für jeden Menschen gibt es Dinge die für ihn Heimat bedeuten. Der jährliche Urlaub mit der Familie, der gemeinsame Sonntagsspaziergang. Oder nur das gemeinsame Beisammensein. Heimat kann so vieles sein. Doch ist einem wirklich immer klar, wo die Heimat ist? Die Heimat muss nicht nur das Zuhause bei der Familie sein, es kann genauso der Platz in einem anderem Herzen sein. Heimat sind die Menschen, die wir verstehen und die uns verstehen. Die Heimat ist ein Teil im Leben eines jeden Menschen. Es ist eine Art Selbstverständlichkeit, die man oft gar nicht wirklich zu schätzen weiß. Mit Heimat verbindet man Erinnerungen und Liebe. Heimat ist eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Es ist ein Ort, wo man merkt, dass man angekommen ist ohne wieder weg zu müssen.


Meine

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.HELENA SCHmIdT

alte Heimat Wenn ich an Heimat denke, dann ist meine Kindheit plötzlich wieder ganz präsent. Am 19. Mai 2001 habe ich meine Heimat Srednesibirskij mit dem Flugzeug verlassen. Mein langer Weg in die neue Heimat begann in Friedberg und Empfingen in Wohnheimen, heute wohne ich mit meiner Familie in Bad Saulgau. Wenn ich an meine Kindertage in Sibirien zurückdenke, fallen mir viele frohmachende Erlebnisse wieder ein… …Es ist sehr kalt und es liegt viel Schnee. Mein Großvater formte jeden Winter aus Schnee eine Rutsche für meine Nachbarskinder und mich. Er übergoss sie mit kaltem Wasser, sodass sie fest genug gefroren war, damit wir rasant auf unserem Hosenboden hinuntergleiten konnten. …Das Fest „Masleniza*“ wird traditionsgemäß ebenfalls im Winter gefeiert. Da werden die Kleinen von einer Pferdekutsche abgeholt. Meine Freundin Viktoria und ich drängelten uns vor um die besten Plätze zu ergattern. Wir fuhren durch die ganze Stadt und aßen nebenbei leckere Pfannkuchen. …Im Sommer feiert man „Iwan Kupala**“. Alle Kinder aus dem Dorf ziehen dann ihre Badesachen an. Mit einem Eimer oder einer Wasserpistole wird Wasser aus dem Brunnen geschöpft und auf die Kinder geschüttet. An diesem Feiertag waren Viktoria und ich immer die ersten, die nass waren. …Meine stärkste und lebhafteste Erinnerung habe ich an den heißen, sibirischen Sommer. Denn da gingen wir Kinder jeden Tag zum nahegelegenen Kiosk um uns ein Eis mit dem vielversprechenden Namen „Plombir“ zu kaufen. Heute erinnere ich mich gerne an die Zeit zurück, denn solche Feste gibt es in Deutschland nicht. Vor kurzem fand ich Viktoria über das Internet wieder. Wir haben uns nach so vielen Jahren viel zu erzählen. Gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse sind für mich auch ein Stück Heimat… * dt. Butterwoche, ein russisches Fest am Ende des Winters, das eine Woche dauert. ** das in Russland und in Ukraine traditionell gefeierte Fest der Sommersonnenwende

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.ANdREAS RIST

Wo bin ich daheim? Was ist Heimat? Lauter Fragen… Aber die wichtigste Frage ist: Was ist für mich Heimat? Woher komm ich denn überhaupt? Das war schon immer eine Streitfrage! Mein Nebensitzer meint immer, dass ich mich hier nicht heimisch fühlen kann, weil meine Mutter nicht aus Deutschland stammt. Hat er recht? Eher nicht. Ich weiß aber selber nicht, wo ich zu Hause bin, wo meine Heimat ist. Er meint, ich soll dorthin zurück, wo ich herkomme, aber ich komme aus Deutschland, ich bin hier geboren. Ich bin hier aufgewachsen! Ich verstehe solche Menschen nicht, die so etwas nur sagen können! In gewisser Weise ist das hier meine Heimat, ich lebe hier. Ich habe alle meine Freunde hier. Ich gehe hier zur Schule. Ich feiere christliche Feste. Ich bin Christ, aber es zieht mich immerzu nach Bosnien zu meiner Oma. Sie ist Moslemin. Ich bin mit beiden Religionen aufgewachsen. Ich habe kein Problem mit anderen Religionen. Es zieht mich immer wieder nach Velika Kladusa, besser gesagt nach *gornja Vidovska. Die Sommer dort sind unbeschwert, ich fühle mich frei. Hab keine Verpflichtungen. Ich kann tun und lassen, was ich will. Dort kann ich Schafe hüten, die Kühe melken, mit meinem Onkel Autos reparieren, nette Nachbarn besuchen, Auto fahren, bei der Ernte helfen… Solche Beschäftigungen hören sich vielleicht für viele unwirklich und unglaublich an, aber sie bereiten mir Spaß. Immer wieder fragen mich Leute, welches Land ich mehr liebe. Ich finde auf diese Frage keine Antwort. Manche wollen auch, dass ich ihnen „etwas“ auf Bosnisch sage, aber diese Frage ist dämlich… Bei über 20.000 Wörtern soll ich ihnen „etwas“ sagen und am Ende wissen sie eh nicht, was ich gesagt habe. Zurück zum Thema. Na ja, ich glaube Heimat kann für mich nicht Deutschland sein. Ein Staat ist ein politischer Begriff und kann deshalb keine Heimat sein. Ich glaube, nur Regionen können Heimat sein. Ich liebe Kässpätzle mit Rinderfilet und Pfefferrahmsoße. Ich liebe das Essen in Oberschwaben. Ich liebe die Lebensart. Ich spreche schwäbischen Dialekt. Aber andererseits liebe ich bosnische Musik, die bosnische Offenheit und Freundlichkeit. Kann beides eine Heimat sein? Kann ich beides als meine Heimat bezeichnen? Aber so etwas wie Heimweh empfand ich nie, außer nach Ebersbach, das Dorf, in dem mein Vater geboren wurde. Zu meinem Vater hatte ich immer einen guten Draht. Vielleicht kann aber alles Heimat sein, wo ich mich wohlfühle. Wo meine Freunde sind. Wo ich akzeptiert werde. Ich spreche fünf Sprachen oder verstehe sie. Deutsch, Englisch, Schwäbisch, Bosnisch, Kroatisch und Serbisch sind Sprachen, die ich verstehe oder je nach Situation benutze. Heimat kann so vieles sein, aber ich weiß nicht, was für mich Heimat ist! Oder was mir Heimat überhaupt nutzt. Soll es ein Zufluchtsort vor der Globalisierung sein? Hier Oberschwaben, dort Bosnien. Oberschwaben und Bosnien! Warum eigentlich nicht? * gornja Vidovska und dornja Vidovska, Dörfer in Bosnien. Obere und untere Vidovska.

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Im Zwiespalt 41


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.SA R A H Rü H L

Ich schau mir die Deutschlandkarte an und überlege, wo ich denn schon überall war. Fast ganz Deutschland hab ich schon gesehen. Ich war im höchsten Norden – und im tiefsten Süden unseres Landes. So viele Städte hab ich schon erlebt und habe dabei aufmerksam die Stadtlandschaften betrachtet. Häuser um Häuser, fast keine Bäume. Stadtleben: ein Besuch auf dem Oktoberfest oder das Sonntagmorgen – Frühstück in der Hamburger Fischhalle werden mir immer in lebendiger Erinnerung bleiben. Doch am besten gefällt mir immer wieder die Landschaft. Auf Sylt war es sandig und windig. In Hamburg regnete es oft. Viele Städte sind zugebaut, zu viele Häuser. Egal, ob in Hamburg, München, Köln oder Stuttgart. Dann fällt mir wieder meine Heimat – Landschaft ein. Es gibt hier so viele grüne schöne Wiesen: unsere Wiesen, unsere Kleinstädte, unsere Wälder, Seen, Flüsse und unsere Bäche. So habe ich alles, was ich brauche, ich brauche keine große Stadt. Dort, wo ich wohne, finde ich es toll!

Landschaft

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.NICL AS HINTZ

Deutsches Essen Deutsches Essen Wie das duftet! Nur vom Geruch läuft uns Das Wasser im Mund zusammen. Ob nun regionale Spezialitäten Wie Kässpätzle Oder nationales Essen Wie die Currywurst Oder traditionelles Essen Oder Delikatessen Wie der gute alte Traditions-Sauerbraten Oder der Kohl, der uns den Namen „Krauts“ Eingebracht hat. Sauerkraut mit Schupfnudeln. Heimat-Liebe geht durch den Magen.


. N I L S wA H L BR I N k

Heim? Heimat? Heim? Heimat? Angst und Flucht! Heim? Heimat? Ankommen! Zuflucht und Hilfe! Ankommen! Heim? Heimat? Geborgenheit und zuhause sein! HEIM! HEIMAT!

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. A N A STA SI A fA B E R

Alma Ata – Bad Saulgau So wie ich hier in Deutschland lebe, so könnte ich in Kasachstan nie leben. Es gibt sehr viele Unterschiede im Lebensstil zwischen Deutschland und Kasachstan. Meine Mutter und ich haben uns darüber unterhalten. Was gibt es hier in Deutschland, was es in Kasachstan nicht gibt? Vieles, wo soll man anfangen, wo aufhören? Beginnen wir zum Beispiel mit dem Thema soziale Absicherung. In Deutschland bekommt man Arbeitslosengeld. In Kasachstan ist es so: Wer nichts gelernt hat, wer später in der Zukunft kein Geld hat, hat im Leben versagt. Da bekommt man kein Arbeitslosengeld. Wer keinen Beruf hat, hat auch kein Geld und lebt mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Straße oder in irgendwelchen Kellern. Ist der Schulabschluss in Kasachstan schwerer zu bekommen als in Deutschland? Schwer ist es auf der ganzen Welt etwas zu bekommen, aber in Kasachstan geht man zur Schule um später einmal nicht auf der Straße leben zu müssen, hier geht man zur Schule weil man schulpflichtig ist. Auch die Schulzeit ist in Deutschland wesentlich angenehmer als in Kasachstan. Hier bekommt man Zeit etwas zu lernen und etwas zu verstehen. Wer dagegen in Kasachstan im Unterricht nicht mitkommt oder nicht für die einzelnen Unterrichtsfächer lernt, kann sofort von der Schule

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geschmissen werden. In Kasachstan ist niemand schulpflichtig. Man hat selbst die Wahl, ob man zur Schule gehen möchte und ob man einmal auf der Straße leben möchte oder nicht. Es wird ein sehr großer Druck auf die Schüler in Kasachstan ausgeübt, damit die Lehrer sehen können, wer sich bemüht und wer die Schule nicht ernst nimmt. Wie läuft der Unterricht in Kasachstan ab? Der Unterricht läuft in Kasachstan sehr streng ab. Wenn der Lehrer redet, hört man von keinen der 30 Schüler einen Ton. Wenn ein Schüler redet, schweigt die ganze Klasse. Wenn jemand beim Flüstern oder Tuscheln mit dem Nachbarn erwischt wird, so darf derjenige den Rest des Schuljahres alleine in einer Bank sitzen. Im schlimmsten Fall werden die Eltern benachrichtigt und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass man vielleicht für eine Woche aus dem Schulleben ausgeschlossen wird. Wie gesagt, die Schule in Kasachstan ist kein Spielplatz, wo jeder machen kann, was er möchte, sondern dort gilt, die Anweisung des Lehrers zu respektieren. Und das wird alles schon den Schüler/innen in der 1. Klasse beigebracht, damit sie in der 2. Klasse diese Art von Disziplin schon gewohnt sind.

die kein Geld haben, können auch ihre Kinder nicht in die Schule schicken. In Kasachstan gibt es keine Lernmittelfreiheit. Bücher, Hefte, alles muss von den Eltern gekauft werden. Schließlich wird nicht nur auf das Kind Druck ausgeübt, sondern auch von den Eltern, da sie die Schule nicht umsonst bezahlen. Trägt man in Kasachstan Schuluniformen? Ja. Man kauft Schuluniformen, die man während der Schulzeit trägt. Man darf nicht mit einer ganz normalen Jeans oder mit einem Pulli zur Schule gehen, jeder Schüler muss eine Schuluniform tragen, dadurch sollen Neid, Diskussionen unter den Schülern vermieden werden. Wie steht es mit der öffentlichen Sicherheit? Ist es gefährlich in Kasachstan zu leben? Reiche sind eher gefährdet als Arme. Die Armen haben nichts, was man ihnen klauen kann. Die Leute, die viel Geld oder nur ein bisschen Geld besitzen, die müssen sich vor Kriminellen in Acht nehmen. Viele Leute haben Gitter an den Fenstern, damit niemand einbrechen kann, viele besitzen Hunde, damit die Einbrecher dadurch verjagt werden. In Deutschland ist es viel angenehmer zu leben und einfacher, etwas aus seinem Leben zu machen als in Kasachstan.

Muss man in Kasachstan für die Schule Geld bezahlen? Ja, die Eltern bezahlen Schulgeld. Eltern,

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.JENNy kLAIBER

Fragen sich manche Menschen wo ihre Heimat ist? Ich glaube, viele wissen gar nicht, wo sie Zuhause sind… Vielleicht liegt es daran, dass unter anderem aus ber uflichen Gründen die Menschen öfters umziehen und so den Bezug zu ihrer echten Heimat verlieren. Ein entscheidender Grund dafür könnte aber auch sein, dass eine Vielzahl der Menschen keinen Bezug mehr zu dem Ort haben, wo sie geboren sind… Ich finde, man sollte seine persönliche Heimat kennen, auch wenn man inzwischen irgendwo anders lebt. Ich weiß, wo meine Heimat ist und wo ich mich zuhause fühle. Denn ich kenne keine andere Heimat, als den kleinen Ort, in dem ich schon mei n ganzes Leben verbracht habe – Herbertingen. In meinem Ort fühle ich mich nie fremd oder alleine, denn hier habe ich alles, was meine Heimat ausmacht – nämlich Familie und Freunde. Man muss keine langen Wege zurücklegen, um einander zu treffen. Es ist einer dieser Orte, in denen jeder jeden kennt. Herbertingen wird immer ein Teil meines Lebens sein – meine Heimat. Ich werde sie im Herzen tragen, egal, wo ich später mal wohnen werde und immer wissen, wo ich hingehöre. Aber ohne meine Familie und meine Freunde wäre selbst Herbertingen nicht meine Heimat. Sie sind dafür entscheidend, wo ich mich zuhause fühle. Ich bin froh zu wissen, dass sie an meiner Seite sind und ich möchte meine geliebte Heimat Herbertingen nie missen.

Herbertingen 48


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.CH A R L EN E GRü N H AGEL

Gmiatlich fühl i mi emmer, eMmer dann, wenn i dahoim be. Ob ma dahoI isch odr uf dr Gass, iberall fühlt ma sich gmiAtlich und hot Spaß. Ma Trifft sich mit de Fraind, moL hier und mol det und jedesmol Isch s Beisammasei ganz nett. It bloß mit de Fraind fühlt ma siCh geborga. Ha, zemmet mit dr Familie vergisst ma alle Sorga. S‘oinziKscht, wa i domit saga mEcht, isch, dass i mi dahoi am gmiatlichsta fühl – so Isch s oifach! EchT!

Gmiatlichkeit 51


Sprachheimat? Heimatsprachen?

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. pA u L I N A Z I E B A

H EI m AT

Die Heimat ist die Beziehung zwischen Mensch und Raum. Das Wort kann sich auf eine Gegend oder Landschaft, aber auch Dorf, Stadt, Land, Nation, Vaterland, Sprache oder Religion beziehen. Mit dem Wort „Heimat“ bezeichnet man nicht nur konkrete Orte, sondern auch reale oder vorgestellte Objekte und aber auch Personen. Auf die Heimat wird eine Psyche geprägt.

oJCZyZNA

Ojczyzna jest termin o dwojakim znaczeniu dla pojedynczego człowieka ba‚d´z zbiorowo´sci. Na podstawie teorii Stanisława Ossowskiego wyró˙znia sie˛ ojczyzne˛ prywatna˛ i ojczyzne˛ ideologiczna˛. Ojczyzna prywatna jest przestrzen´ wyznaczona miejscem urodzenia czy zamieszkiwania pojedynczego człowieka. Ojczyzna ideologiczna jest terytorium narodowym. Ojczyzna podkres´la czyjs´ szacunek wobec jego ojczyzny.

Hom E L A N d, N AT I V E Cou N T Ry

People are bound to their homeland by their birth, their childhood, their language and their earliest experiences. „Heimat” is a german word, that has no simple English translation. It is often expressed homeland or native country, but it is not the true meaning of the word. Auch wenn ich drei Sprachen spreche, gibt es darin wesentliche Unterschiede. Polnisch ist meine Muttersprache,denn meine Eltern sind beide in Polen, in Danzig beziehungsweise in Wolow geboren und aufgewachsen. Diese Sprache habe ich schon von Geburt an erlernt. Deutsch beherrsche ich schon seit meiner Kindheit, weil ich hier in Deutschland geboren bin, ebenso wie meine drei Schwestern. Englisch habe ich erst in den späteren Jahren in der Schule gelernt. Die ersten Wörter der Weltsprache Englisch begegneten mir schon in der vierten Klasse. Heimat ist für mich meine Familie. Mit meinen Eltern und Geschwistern fühle ich mich wohl. Dies erlebe ich immer wieder durch die Vertrautheit und dem gutem Verhältnis, das wir untereinander haben auch Dank unserer beiden „Sprachheimaten“.

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.LENA BINdER

Mein Heimat ABC foRTGEHEN uNd HEImkEHREN

A B C D

lle Jahre wieder in ich fort, haos hier und Chaos ort.

E F G H

inmal im Jahr ahr ich anz weit fort von meiner jetzigen eimat.

I J K L

n den Norden – nach Zeven*, meist kurz vor anuar. lar wird mir dann, meine doppelte iebe zur Heimat.

* Zeven ist eine Kleinstadt zwischen Hamburg und Bremen. In der Stadt leben 13551 Einwohner, darunter meine Oma Gisela und viele Tanten und Onkel.

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Susi 56

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.SImoNE fRICk

Mein Hund Susi, ein Jack-Russel-Terrier, ist am 28. März 2010 sieben Jahre alt geworden. Er ist sehr klein und hat zwei große schwarze und viele kleine schwarze Punkte auf dem Rücken. Auf den Namen Susi ist meine Oma gekommen, denn Susi war die Kleinste und Süßeste von allen. Als sie dann zum ersten Mal zu uns nach Hause kam, herrschte totales Chaos, denn wir hatten noch eine Katze, die ihr Revier verteidigen wollte. Sie kämpften miteinander um einen Platz auf dem Sessel und um unsere Aufmerksamkeit. Meine Familie hatte es am Anfang sehr schwer mit ihr, denn sie knabberte alles an, was ihr zur Verfügung stand. Wir dachten am Anfang sehr oft daran, sie wieder abzugeben. Doch es war einfach Schicksal, dass sie bei uns blieb, denn an dem Tag, als wir sie abgeben wollt en, hatten wir Hochwasser und konnten sie nicht wegbringen. Wir hatten alle das Gefühl, dass sie das gespürt hatte, dass wir sie abgeben wollten, denn von da an knabberte sie nichts mehr an und entwickelte sich zu einem wohlerzogenen Hund. Doch als sie etwa fünf Jahre alt war, verlor sie von dem einen auf den anderen Tag ihr Augenlicht. Wir wissen bis heute noch nicht, wieso. Nach einer Woche, in der sie jeden Tag in einer Tierklinik behandelt wurde und in der wir sie überall hingetragen haben, weil wir Angst hatten, dass sie sich verletzt – weil sie gegen alles gelaufen ist und ständig die Treppenstufen herunterfiel, wurde es dann immer besser. Nach etwa zwei Wochen konnte sie wieder ganz normal sehen. Jack-Russel-Terriers sind bekannt für ihren guten Jagdinstinkt und daher rannte sie jeder Katze hinterher, doch eines Tages wurde sie während eines Spazierganges von vier Katzen angegriffen und war danach an Bauch und Kopf verletzt, denn ich hatte sie an der Leine und konnte nichts machen, weil ich selbst unter Schock stand. Danach hatte es sich jedoch herausgestellt, dass eine der Katzen Babys hatte und diese vor Susi verteidigen wollte. Susi ist ein sehr familienfreundlicher Hund und wenn sie bei uns ist, hat die ganze Familie viel zu lachen. Man könnte sagen, dass sie unser Hobby ist. Deshalb reagiert Susi auf Kinder, die wir sehr bemuttern, manchmal eifersüchtig. Manchmal kann es ziemlich anstrengend sein, sich den ganzen Tag mit ihr zu beschäftigen. Sie ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Mit Susi erlebt man täglich ein Stück Heimat.

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.JESSICA LuIB

Jeder spricht von Heimat und dem was sie ist, doch was, wenn die Heimat, die man liebt nun zerbricht? Ein Unglück passiert – unvorhergesehen, Wieso es so sein soll, will keiner verstehen. Eine Nation, die zusammenhält – anders als hier – trauert gemeinsam – pilgert umher. 96 Opfer – 96 Helden – 96 Leben nahmen so rasch ein Ende Sie wollten erbringen den Toten Ehre, doch hinterließen der Nation eine eisige Leere. Genau 70 Jahre, nachdem es in Katy´n geschah, stirbt dort eine weitere polnische Schar. Am Tag eine Kerze brennt allein auf dem Platz. Am Abend ein Meer aus Licht ist entfacht. Zigtausende in der Hauptstadt warten tagelang, nur um zu erbringen den Toten Lobgesang. Im Fernsehen keine Sendung, kein Spielfilm mehr geht, man sieht einzig Trauer und stilles Gebet. Ein gebrochenes Herz, dem nun etwas fehlt, doch um dies wiederzuerlangen, ist es zu spät. Dieses Land hier – auch wenns tief verbunden – ist anders als jenes, mit dem ich mitempfunden. Es gibt keinen Vergleich zwischen Deutschland und Polen, ich lebe zwar in Deutschland, doch mein Herz ist entflohen. „Moja˛ ojczyzna˛**“, sage ich froh, „to jest Polska***“ und dies bleibt auch so… Zum Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes vom 10. 04. 2010. Mögen sie in Frieden ruhen…

* für meine Heimat ** meine Heimat *** das ist Polen

Dla mojej ojczyzny *

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„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ BertoLt Brecht

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.m AG GIE-JA N E dECk A RT

Heimat

lieben oder hassen. glücklich bin ich, wenn ich geliebt werde. nähe oder distanz. uns festhalten oder uns freiheit lassen. gemeinsam oder allein. ich brauche euch, aber auch zeit für mich. verlieren oder gewinnen. wir sind auch gewinner, wenn wir verlieren können. traurig oder froh. freue dich über kleine gesten und erwarte nicht zu viel. HEIMAT oder NIRGENDWO. heimat ist da, wo ich mich wohlfühle.

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.ImpRESSum

©2010 .bei den Autorinnen und Autoren .bei der Fotografin Herausgeber .Realschule Bad Saulgau Projektleitung .Beate Rimmele redaktion .Beate Rimmele .Angelika Petermann gestaltung MüllerHocke GrafikDesign, Bad Saulgau, www.muellerhocke.de .Shoko Hara .Eva Hocke Fotos .Shoko Hara druck .Grafischer Betrieb Metzger GmbH, Ertingen „Musik & literatur“ Präsentation des literaturProjektes HeiMat der klasse 10 b am 11. Juni 2010, 19 Uhr im Festsaal der Toin-Gakuen-Schule, Bad Saulgau kulturscHwerPunkt 2010 .Migration und Integration im Landkreis Sigmaringen Veranstalter .Kreiskulturforum .Realschule Bad Saulgau

ein besonderer dank gilt unseren sPonsoren .MüllerHocke GrafikDesign, Bad Saulgau .Graphischer Betrieb Metzger GmbH, Ertingen .Landkreis Sigmaringen, Kulturforum, Dr. Edwin Weber .Bürgerstiftung, Bad Saulgau

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