Page 39

39

Die experimentelle Untersuchung von Publikationsformaten führt zu jeweils spezifischen und oft überraschenden Ergebnissen. Beispiele hierfür sind die in einer Zusammenarbeit mit dem artsprogram entstanden Publikationen „Logbuch 2009/10“ und der Kunstführer „Cicerone“. Welche künstlerischen Anliegen haben Sie in der Gestaltung des Magazins verfolgt? Zum Beispiel sind die Inhalte dieses Magazins anders als üblich strukturiert, so wird zwischen Erkenntnisteil und Informationsteil unterschieden, und diese sind gestalterisch voneinander abgesetzt, beispielsweise indem der Forschungsteil explizit Fußnoten vorsieht und wie der Reportageteil den Bildteil integriert. So wird redaktionell immer klar, welchem Anspruch man sich mit Beiträgen im jeweiligen Teil stellen muss; das unterstützt die Selbstreflexion, und so können sich die beiden Teile unabhängig voneinander entwickeln. Bei der Konzeption wurde darauf geachtet, dass das Magazin gestalterisch eigenständig ist. Zugleich aber sollte der Herausgeber und dessen ästhetisches Profil wiedererkennbar bleiben. So sind Schrifttypen und Layout eigenständig und bilden mit der Haptik des Materials und der besonderen Konfektionierung eine eigene Qualität. Sowie sind von mir Vorgehensweisen für redaktionelle Elemente und ästhetische Interventionen entwickelt worden, welche auch in künftigen Ausgaben umgesetzt werden. Diese stellen einen erweiterten künstlerisch-ästhetischen Zugang zu den Informationen dar. Das Magazin wurde in einen Bereich, der aus der Forschung berichtet, und in einen Reportage-Teil zu universitärem Leben gegliedert und beide Teilbereiche visuell unterschieden. Welche Kriterien bestimmten die jeweiligen gestalterischen Zuordnungen? Konzeption des Magazins ist es auch, eine künstlerische Mitwirkung als Forschungsbeitrag und Kommentierung der Themen zu integrieren. Die visuellen künstlerischen Elemente im Magazin – in der ersten Ausgabe die Zeichnungen – sind Teil der Rubrik der Forschung und haben als solche den Auftrag, ein kritischer ästhetischer Beitrag zu dieser zu sein – eben nicht einfach Illustrationen oder Ornamente. Dieser Anspruch an die künstlerischen Arbeiten wird sich auch in den künftigen Ausgaben fortsetzen, wenn andere Künstlerinnen und Künstler eingeladen werden. So werden den wissenschaftlichen For-

schungsbeiträgen die künstlerischen, welche unterschiedlichster Form sein können, als Erkenntnisarbeit ebenbürtig gestellt. Der vordere Teil des Magazins fungiert als Bildfläche, gibt visuellen Arbeiten Gestaltungsraum und hat ein variables Textraster. Den Reportageteil zum universitären Leben haben wir über die Gestaltung der Foto- und Farbflächen in Form von fragmentierten Z-Elementen eine dynamische, expressive Eigenständigkeit gegeben, welche sich auch in anderen Medien nutzen lässt. Die Bildstrecke aus Zeichnungen wird sicherlich vor allen anderen ästhetischen Entscheidungen als künstlerischer Beitrag aufgefasst werden, doch gerade dieser bildnerische Beitrag ist nicht typisch für Sie. Wie kam es also, dass Sie sich für das Medium Zeichnung entschieden haben? Für die Zeichnungen in dieser Ausgabe habe ich einen ganz alltäglichen Kugelschreiber verwendet und auch in den abgebildeten Motiven mich aus Alltagseindrücken bedient. Diese kommentieren assoziativ den Themenkomplex „Macht und Mitsprache“, nehmen zugleich auf unterschiedliche Weise Bezug auf die Fachartikel und fügen dabei eine Facette hinzu. Mit diesen kann der Betrachter auf eine assoziative Wahrnehmungsexkursion gehen, bei der der Titel und jeder Artikel, aber auch die Abbildungsfolge an sich als Wegweiser dienen können. Ich habe die Zeichnungen in dieser Form als Verweis auf ein Sprezzatura erstellt, dies kann man sowohl als künstlerische Technik verstehen, als auch als Kommentar zum Titelthema dieser Ausgabe. Die Alltagsmotive, wie auch die künstlerische Umsetzung mit reduzierten Mitteln möchte die Betrachtung über die Abbildung und dessen Elemente hinaus lenken. Auffällig ist an der ersten Ausgabe der neuen Magazinreihe die Betonung von Sinnlichkeit in der Materialität des Covers und in die Textur der Zeichnungen. Das Magazin sollte nicht nur inhaltlich agil sein, sondern dies auch in der Gestaltung des Covers und des Formates nach außen tragen, denn ein Element der Konzeption ist das Aufbrechen der sonst üblichen Raster von Publikationen. Die erste Ausgabe öffnet sich zum Auftakt mit ihrem transparenten Umschlag mit Inhalten und Quellen ganz direkt und auch die folgenden Ausgaben werden sich in der Wahl des Umschlages verän-

Profile for Zeppelin Universität

auf #01 | Macht und Mitsprache  

„auf – Medium für Zwischenfragen der Zeppelin Universität“ ist ein monothematisches Wissensmagazin und erscheint zwei Mal jährlich jeweils i...

auf #01 | Macht und Mitsprache  

„auf – Medium für Zwischenfragen der Zeppelin Universität“ ist ein monothematisches Wissensmagazin und erscheint zwei Mal jährlich jeweils i...