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17 _Zwischenfrage an Peter Kenning: Was hat Sie am ­Ergebnis der Studie am meisten überrascht? „Sehr überraschend fand ich, dass Befragte, die zum Beispiel in der Schule, dem Studium oder der Volkshochschule einen Wirtschaftskurs belegt hatten, nicht unbedingt besser abschnitten als Befragte ohne Wirtschaftskurs. Offenkundig bleiben diese Kurse nicht so im Gedächtnis haften, wie man sich dies wünschen würde.“

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Kenning, Peter/Wobker, Inga (2010): Wie wenig wir über Wirtschaft wissen, in: Handelsblatt, 13.12.2010 › Peter Kenning

Wissens von 100 zu erreichen. Der Durchschnitt der Befragten kam am Ende auf einen Wert von 61 – gerade etwas mehr als die Hälfte dessen an Wirtschaftskenntnissen, die jeder Bürger im täglichen Leben eigentlich braucht. Nur wer alle Fragen richtig beantworten konnte, verfügt über das Wissen, das die Wirtschaftswissenschaften als ökonomisch unbedingt notwendig ansehen. Ein Mindestmaß an ökonomischem Wissen kann schließlich so manche schlechte Entscheidung verhindern. Und wie Studien in den USA zeigten: Besonders häufig ließen sich dort diejenigen Bürger Hypothekenkredite andrehen, die sie gar nicht zurückzahlen konnten, wenn sie fast nichts über die Finanzwelt wussten und schlecht rechnen konnten. Verteilt ist das ökonomische Wissen – auch das ergab die Studie – übrigens eher ungleich. Frauen zum Beispiel schnitten deutlich schlechter ab als Männer. Sie schätzten überdies selbst ihr Wissen in Sachen Wirtschaft als wesentlich schlechter ein und erzielten zudem einen im Durchschnitt um zehn Punkte schlechteren Wert. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler vornehmlich darin, dass sich Frauen beim Thema Geld weniger in der Verantwortung sähen als Männer und dem Thema Ökonomie auch weniger Interesse entgegenbrächten. Weitere Ergebnisse der Studie: Mit Alter und steigendem Einkommen nimmt das minimale ökonomische Wissen ebenso zu wie mit dem Bildungsabschluss. Welchen Einfluss hat Medienkonsum? Intensiver Medienkonsum schließlich führt nicht zwangsweise zu einem gesteigerten Wirtschaftswissen. Wer beispielsweise viel Fernsehen schaut, schneidet eher schlechter ab. Befragt wurden die Probanden übrigens auch, welche Nachrichtensendung sie präferierten – mit dem Ergebnis, dass diejenigen, die nur „RTL aktuell“ schauten, aber nicht „tagesschau“ oder „heute“, um zehn Punkte schlechter abschnitten als diejenigen, die die Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Sender verfolgten. Einen Wissensvorsprung um zehn Punkte erzielten

schließlich auch die Leser von Qualitätszeitungen gegenüber Boulevard-Zeitungen. Und für sie dürfte denn auch die Lösung der Eingangsfrage nach den Schulden und deren Rückzahlung kein Problem gewesen sein. 14,6 Prozent der Befragten glaubten dabei, die richtige Lösung lautete in weniger als fünf Jahren, 30,7 Prozent gingen von fünf bis zehn Jahren aus, 18,1 Prozent von 11 bis 15 Jahren und 10 Prozent von 16 bis 20 Jahren. Die richtige Antwort, wann denn nun unter den genannten Bedingungen die Schulden getilgt seien, wussten gerade einmal 26,5 Prozent. Und sie lautet natürlich: nie! Just imagine: You have incurred 3,000 Euro of debt. For this you pay an interest on debt of 12 per cent per annum. Each month you repay 30 Euro. When will you have amortized the loan? To come to the point, the result is as disillusioning as that which Professor Dr Peter Kenning, Chair for Marketing, experienced in the context of his study on the minimal economic knowledge conducted in the name of the Max-Planck-Institute for Human Development in Berlin. With this question, as with 23 others, he wanted to find out how things stand regarding the basic knowledge of the German population on economics. The result is frighteningly bad. “The Germans do not know enough about economic connections and thus possibly waste a lot of money”, was the Handels­ blatt‘s comment on the study. “We have to be aware that this was not a question of expert knowledge but really one of minimal economic knowledge”, is how ­Peter Kenning explains the background of the study.

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auf #01 | Macht und Mitsprache  

„auf – Medium für Zwischenfragen der Zeppelin Universität“ ist ein monothematisches Wissensmagazin und erscheint zwei Mal jährlich jeweils i...

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