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Verdrängen, Verdecken und Verschweigen

Wie geht die Klassik mit dem Publikumsschwund um?

Intendanten, Operndirektoren und Kulturpolitiker bleiben weiterhin eine Antwort auf die krisenhaften Folgen der demographischen Entwicklung im Kulturbereich schuldig. Vielmehr reagieren sie vorwiegend mit Verdrängen, Verdecken und Verschweigen auf den absehbar zunehmenden Publikumsschwund in Theatern und Opernhäusern. Diese Einschätzung ist das ­Ergebnis einer wissenschaft­ lichen Studie der ZU-Juniorprofessoren Martin Tröndle und Dr. Markus Rhomberg.

„Zukunftssorgen macht man sich anscheinend im Klassikbetrieb nicht“, stellen Tröndle und Rhomberg fest. Dabei droht der Branche ein dramatischer Niedergang. In einer Inhaltsanalyse der Berichterstattung von überregionalen und regionalen Zeitungen sowie Radiobeiträgen über die Zukunft des Konzerts entdeckten der Musikwissenschaftler Tröndle und der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Rhomberg drei Verhaltenskategorien, wie der Klassikbetrieb auf die demografischen Entwicklungen reagiert: Viele versuchen diese Entwicklungen zu verdrängen, zu verdecken und zu verschweigen. ­A ndere reagieren darauf, indem sie mehr Ressourcen fordern, um ihr Überleben zu sichern. Und nur ganz wenige beschäftigen sich mit Innovationen und ­Reformen, um eine nachhaltige Entwicklung des Konzertbetriebs zu fördern. Die nach wie vor weit verbreitete Zuversicht wird von den Klassikverantwortlichen jedoch nicht belegt, sie stützen sich vielmehr allein auf persönliche Erfahrungen oder ältere Erhebungen, haben die beiden Autoren der Studie festgestellt. Die Klassikverantwortlichen zweifeln den prognostischen Wert demografischer Daten an, vergleichen diesen unter anderem mit der Aussagekraft von „Wetterberichten“. „Es zeigen sich zwei Realitäten: jene vieler Intendanten, die eine Krise verdrängen – und jene der Wissenschaft“, schlussfolgern die Studienautoren. Herrscht eine Verdrängungsstrategie? Dieser offensichtliche Kontrast der wissenschaftlichen Studien und der Selbstaussagen vieler Intendanten eröffnen zwei mögliche Interpretation, berichten Tröndle und Rhomberg: „Die erste geht von

der Prämisse aus, dass die in den Medien gefundenen Aussagen tatsächlich die Meinung der Akteure abbildet. Das bedeutete, man will den gesellschaftlichen Wandel und das damit einhergehende Krisen­ szenario für die Klassik nicht sehen.“ Es ergibt sich das Bild eines relativ geschlossenen Betriebs, geprägt durch ein elitäres Kulturverständnis, das sich an einer glanzvollen historischen Vergangenheit orientiert. Verstärkt könnte diese Haltung gegebenenfalls auch dadurch werden, dass ein Großteil der Intendanten selbst das Rentenalter erreicht haben wird, noch bevor der Publikumsschwund voll durchschlägt. „Diese Haltung könnte man als ‚Verdrängungsstrategie’ beschreiben“, erklären Tröndle und Rhomberg. Eine zweite Interpretation geht davon aus, dass den Intendanten das Problem durchaus bewusst ist, sie die Problematik aber nicht öffentlich diskutieren wollen, sie also verdecken. „Denn zum einen könnte solch eine Diskussion die Spargelüste mancher Kämmerer und Finanzminister wecken, zum anderen sinkt die Attraktivität eines Hauses, wenn potentielle Geldgeber wissen, dass dessen Publikum in den kommenden Jahren stark dezimiert wird“, erklären die Studienautoren. Schreckt beim Konzert das Ritual ab? In der Debatte in den Medien wird aber auch mit möglichen Lösungsansätzen argumentiert: „Dabei finden sich sowohl Elemente, die sich mit der ‚popkulturellen Sozialisation’ der Jugendlichen beschäftigen, als auch Elemente, die sich mit heutigen ­E rscheinungen wie der Medialisierung gesamter Lebensbereiche befassen“, schildern die Wissenschaftler. Viele Jüngere erlebten eine völlig andere musikalische Sozialisation. Es sei eben nicht die klassische Musik als solche, die die Jugend abschrecke, sondern das Ritual des Konzerts.

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auf #01 | Macht und Mitsprache  

„auf – Medium für Zwischenfragen der Zeppelin Universität“ ist ein monothematisches Wissensmagazin und erscheint zwei Mal jährlich jeweils i...

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