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Nr. 65

Winter 2016/17

Schlösschen – Post Erlebtes & Aktuelles vom Sozialwerk

Berlin

Renate Hensler-Tresenreuter Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband - Landesverband Berlin


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Inhaltsverzeichnis Leitartikel Auf ein Wort Das Porträt: Ein Streifzug durch ein langes Leben

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Erlebtes und Aktuelles

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Chorauftritte in Pflegeeinrichtungen Basar 2016 Vortrag über Medikamente: Die Polymedikation im Alter Die Weihnachtsfeiern für Bewohner von Pflegeeinrichtungen vom Die Weihnachtsfeiern für unsere Mitglieder Die schöne Weihnachtszeit Die Weihnachtsfeier für die ehrenamtlichen Mitarbeiter Die hektischen Tage

Gremienarbeit

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Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen im Schlösschen

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Erzähl-Café: „Eine Finnin in Berlin“ Ein Abend mit polnischen Freunden Konzert zum Tag der deutschen Einheit Erzähl-Café: Russische Liebesgedichte von Puschkin und Jessenin Kabarett mit den Lückenbüßern: „Ehre, wem Ehre gebührt.“ Vortrag über Kiew von und mit Joachim Krüger Konzert des „Shanty-Chor Berlin“ Erzähl-Café: „Erfurt“ mit Rolf Schneider Gemeinsames Weihnachtsliedersingen mit der Keyboard-Gruppe Gedichtnachmittag: Meine Lieblingsgedichte Das Neujahrskonzert

Museumsbesuche Besuch der Ausstellung „El Siglo de Oro“ – „Das Goldene Zeitalter“ Besuch der Ausstellung „Colori di Murano“ Moderne Glaskunst aus Italien Führung durch die Ausstellung „Ernst-Ludwig Kirchner

Verschiedenes 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland Wahlen für eine neue Seniorenvertretung Herbstliche Wanderungen – auch über den Baumwipfeln Schiffsmodell – Ausstellung im 1. O.G.

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Veranstaltungen und Interessenkreise

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Wir gratulieren Beratungen – Informationen - Sprechstunden Impressum

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Leitartikel Liebe Mitglieder, ein ereignisreiches und beunruhigendes Jahr liegt hinter uns. Vieles ist geschehen, was wir persönlich nicht beeinflussen konnten. Aber der Vorteil unserer Generation ist die große Lebenserfahrung, die wir in den vielen zurückliegenden Jahren sammeln konnten. So wissen wir auch, dass in jedem von uns die Kraft liegt, durch unser Handeln das Leben ein wenig schöner und menschlicher zu gestalten. Dazu die Gebrauchsanleitung:

Ein Lächeln kostet nichts und bewirkt viel. Es bereichert die, die es empfangen, ohne die ärmer zu machen, die es geben. Es dauert nur einen Augenblick, aber die Erinnerung währt manchmal ewig. Niemand ist reich genug, um es entbehren zu können. Und niemand ist zu arm, um es nicht geben zu können. Es bring dem Heim Glück und ist das zarte Zeichen der Freundschaft. Ein Lächeln schenkt der müden Seele Ruh und dem Verzweifelten neuen Mut. Wenn du einmal einem Menschen begegnest, der dir das Lächeln, das du verdienst, versagt, sei großzügig, schenk ihm das deine, weil niemand ein Lächeln so nötig hat wie der, der es anderen nicht geben kann.

Ich bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen im vergangenen Jahr und freue mich auf viele fröhliche und herzliche Begegnungen im Jahr 2017 in der großen Familie des Sozialwerks Berlin. Ihre Margit Hankewitz


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Auf ein Wort... Liebe Leserinnen, liebe Leser, Sie sind hoffentlich alle gesund und zufrieden ins Neue Jahr 'gerutscht' und haben sowohl die Weihnachtsfeiertage als auch den Jahreswechsel mit der Familie und/oder lieben Freunden gefeiert. Gute Freunde bezeichnet man oft als „zweite Familie“. Schon der Philosoph Aristoteles behauptete, dass allein das Denken an einen guten Freund Selbstzweifel schwinden und Berge flacher erscheinen lässt. Dies ist keine Schwärmerei, sondern auch das Ergebnis von Forschung. Tatsächlich beurteilten in einem Test der Universität Plymouth (USA) Menschen eine Anhöhe um bis zu 20 % geringer, wenn ein Freund neben ihnen saß. Wir wissen, dass unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auch zu einem erheblichen Teil von unseren sozialen Kontakten abhängen. „Ohne soziale Beziehungen können Menschen überhaupt nicht existieren“, sagt der Leiter des Instituts für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Professor Franz Neyer. Freunde sind für uns ebenso wichtig wie die Familie. Fehlt diese, können Freunde das emotionale Loch oft sogar füllen. „Ein wesentlicher Unterschied zu Familienbeziehungen ist bei einer festen Freundesbeziehung ein Gefühl von Nähe, Vertrauen – und Gleichgewicht“, sagt Neyer, und: „Freundschaft funktioniert auf Augenhöhe. Ist nur der eine bereit, sich emotional zu öffnen oder Hilfe und Trost anzubieten, löst sich die Verbindung meist irgendwann auf.“

Eine Freundschaft muss gepflegt werden, eventuelle Unstimmigkeiten müssen offen angesprochen werden. Gerade wir Älteren sind oft recht empfindlich und schnell gekränkt, wollen dann den Kontakt zu einer Freundin oder liebgewonnenen Person abbrechen, obwohl wir sie eigentlich ungern verlieren. Nicht zuletzt deshalb sollten wir öfter verzeihen können, auch wenn es Kraft kostet. Bei uns im Schlösschen sind viele Freundschaften entstanden – da gab und gibt es auch Unstimmigkeiten. Aber letztendlich stehen wir durch unseren ehrenamtlichen Einsatz oder unsere gemeinsamen Interessen alle zusammen 'auf Augenhöhe', entwickeln und verfolgen dieselben Ziele, sind eine große Familie, ein Ganzes, ein Freundeskreis. Ich wünsche Ihnen für das Neue Jahr beste Gesundheit, erbauliche und schöne Stunden in 'freundlicher' Gesellschaft hier im Schlösschen und allzeit eine gute Freundin/einen guten Freund an Ihrer Seite! Herzlichst Ihre Christine Bökel-Striebeck


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Das Porträt In unserem Hause gibt es so viele ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen, die schon so lange mit Freude ihren Dienst tun. Wir wollen ein wenig mehr von all diesen lieben Menschen erfahren, deren Gesicht wir zwar kennen, von denen und deren Schicksalen wir im Grunde aber viel zu wenig wissen. Guten Tag, liebe Frau Bischoff, Sie sind nun schon seit 27 Jahren Mitglied und seit gut 17 Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin in unserem Hause. Würden Sie mir ein wenig über Ihr Leben erzählen? Ich wurde am 23. Juli 1928 in Berlin – Schöneweide geboren. Hier hatte mein Vater eine Zahnarztpraxis. Bis zu meinem 10. Lebensjahr hatte ich eine wohlbehütete Kindheit. Dann haben sich meine Eltern scheiden lassen. Meine Mutter heiratete Baron von Kaehne, Gutsbesitzer aus Potsdam. Ich kam in ein DiakonissenKinderheim in der Bundesallee (Hier gab es überwiegend Schläge und trockenes Brot.), wo ich bis zu meinem 14. Lebensjahr bleiben musste. Dann konnte ich zu meiner 10 Jahre älteren Halbschwester ziehen, die ein Zimmer zur Untermiete bewohnte. Wie verlief Ihre Schulund Ausbildungszeit? Ich habe acht Jahre lang die Volksschule besucht. Mit 14 Jahren habe ich zwei Jahre lang an einer privaten Handelsschule am Potsdamer Platz gelernt und bekam anschließend sogleich eine Anstellung im Archiv der schwedischen Gesandtschaft in der Rauchstraße, die mir meine Schwester, die auch dort arbeitete, vermittelt hatte. Wie ging es dann weiter nach dem Krieg? Die schwedische Gesandtschaft hatte während des Krieges die Schutzmacht für mehrere Länder, darunter auch für die

Niederlande, so dass ich automatisch 1945 im niederländischen Generalkonsulat weiterbeschäftigt wurde bis zu meiner Heirat im Jahre 1952. (Frauen durften hier nicht mehr tätig sein, wenn sie verheiratet waren und/oder Kinder hatten.) 1953 wurde unser Sohn geboren und 1966 kam unsere Tochter zur Welt. Mein Mann war von Beruf KFZ-Techniker und so führten wir von 1952 bis 1980 gemeinsam eine ARAL-Tankstelle am Innsbrucker Platz, bei der es noch sehr viele Service-Leistungen gab. Dies machte mir immer viel Freude. Nachdem wir die Tankstelle abgegeben hatten, fuhr mein Mann noch bis zu seinem viel zu frühen Tod zwei Jahre lang Taxi. Welche Hobbys haben Sie? Tanzen, Tanzen, Tanzen. Ich habe als 6Jährige mit dem Ballett-Unterricht begonnen, allerdings nur für drei Jahre, im Heim ging das nicht mehr… Sehr viel später habe ich dies dann mit einem Tanzkurs weitergeführt und 25 Jahre von Standard bis Latein alles getanzt. Hierfür habe ich sogar eine Ehrenurkunde erhalten.


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Auf welche Weise sind Sie ins Sozialwerk Berlin gekommen? 1985 habe ich einen Mann kennengelernt, der hier einmal wöchentlich eine Kegelgruppe geleitet hat. Ich habe ihn oft dabei begleitet und habe auf diese Weise das Haus liebgewonnen. Im Januar 1989 bin ich dann Mitglied geworden. Welche Tätigkeiten haben Sie übernommen? Ich habe zunächst am Englisch-Kurs von Frau Wolf-Harms und dann bei Frau Tiede teilgenommen, seit Beginn 2000 habe ich dann diesen Kurs selbst geleitet. Etwa zur gleichen Zeit habe ich auch den Gymnastik-Kurs ins Leben gerufen. Beide Kurse leite ich noch heute und es macht mir sehr viel Freude.

Was gefällt Ihnen so gut im KäteTresenreuter-Haus, was nicht so sehr? Mir gefällt besonders das ganze Ambiente hier sehr gut und vor allem auch die Menschen, die sich hier betätigen und/ oder hier ein- und ausgehen. Für die Gäste müsste es mehr Zuwendung geben, ein besonderer Ansprechpartner wäre gut. Würden Sie mir Ihre schönsten Erlebnisse im Leben verraten? Ja, das waren die Geburten meines Sohnes und meiner Tochter und vor ca. acht Jahren das Christmas-Shopping in New York mit meinen beiden Kindern. Es war einfach wunderbar! Liebe Frau Bischoff, ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses sehr aufschlussreiche und freundliche Gespräch! Christine Bökel-Striebeck

Ein Streifzug durch ein langes Leben Die Jahre vergehen viel zu geschwind. Vor nicht allzu langer Zeit warst du noch ein Kind, in der Teenager–Zeit zu allen Untaten bereit. Es war eine unbeschwerte Zeit. Es wurde geflirtet, getanzt und viel gelacht bis der Alltag dem ein Ende macht. Es kamen Ehepflichten, ein Kind wird geboren, ein ausgefülltes Leben, kein Tag ging verloren. Man klettert die Karriereleiter empor es kam dir gar nicht so schwierig vor. Strebsam sein ist ja eine Tugend - so sagt man dir in der Jugend -. Aber übertreiben sollst du nicht, auch vergnügte Freizeit und schöne Reisen sind Pflicht. Das Rad der Zeit dreht sich immer weiter; man glaubt es nicht, aber leider man ist nun alt, doch noch voller Pläne. Der Vergangenheit widmest du keine Träne, im Ehrenamt kannst du nun tätig sein, da bist du nicht allein. Gemeinsam etwas Gutes zu tun, bis einmal die fleißigen Hände ruh’n. Christa Fischer


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Erlebtes und Aktuelles Unsere traditionellen Chorauftritte in Pflegeeinrichtungen Sie fanden diesmal am 13. September im Seniorenheim Koenigsallee der Wilmersdorfer Seniorenstiftung im Grunewald, am 4. Oktober im Wilhelmstift und am 1. November in der Elsbeth-Seidel-Stiftung statt. Die Begrüßung übernahmen unser Seniorenbegleithund Bella und unsere Vorsitzende Margit Hankewitz. Dann folgte der Auftritt des Schlösschen-Chors, dirigiert von Barbara Donbavand, mit Herbert Striebeck am Flügel bzw. am Keyboard. Viele Zuhörer sangen eifrig

mit. Sie konnten die Liedtexte oft besser auswendig als wir. Unsere einstündigen Darbietungen ernteten jeweils großen Applaus. Viele Zuhörer kennen das Sozialwerk Berlin schon durch die Dampferfahrten im Sommer sowie die für sie veranstalteten Weihnachtsfeiern im Dezember und freuen sich jedes Mal, wenn der Schlösschen-Chor auch zu ihnen in die Einrichtungen kommt. Jean Mangers

Der Adventsbasar 2016 Am 25. und 26. November kamen wieder viele Besucher zum alljährlichen Basar. Zur Eröffnung am ersten Tag begrüßte unser Vorstandsmitglied Joachim Krüger die Gäste mit dem bekannten, aber auf heutige Zeiten abgewandelten Weihnachtsgedicht von Theodor Storm: „Drauß' vom Ku-damm komm' ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. All überall ist großer Verkauf, die Leuchtreklamen blitzen auf! Und oben am Himmel auf Wolke drei düst schon das Christkind herbei. Und wie ich so strolch’ durch den Grunewald-Tann, da rief 's mich mit kräftiger Stimme an: Los, los du alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell! Alte und Junge sollen nun etwas für den Umsatz tun! Und morgen ist es soweit: über Tegel schwebe ich ein, denn es soll nun wieder Weihnachten sein!“

Herr Krüger betonte, dass trotz der allgemein vorherrschenden Geschäftigkeit hier schon eine echte Vorweihnachtsstimmung aufgekommen wäre - im feierlich geschmückten Saal mit den liebevoll gedeckten Tischen. Dafür gelte der Dank allen Ehrenamtlichen, die mit ihrem Arbeitseinsatz das ganze Haus für diese Tage verzaubert und den Verkauf in den einzelnen Räumen vorbereitet haben. Dann bat er die Besucher, kräftig Lose zu kaufen und einiges von den vielen Angeboten zu erwerben. Alle wissen ja, dass der gesamte Erlös in die so wichtigen Aktivitäten des Sozialwerks Berlin fließt. Als Vertreterin des Bezirks Charlottenburg/Wilmersdorf wies Judith Stückler, stellv. Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, darauf hin, dass Weihnachten, das Fest der Freude, eigentlich das ganze Jahr über sein könnte, denn freudige Anlässe gäbe es immer wieder. Danach eröffnete Margit Hankewitz offiziell den Basar und der Verkauf konnte beginnen.


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Überall herrschte munteres Treiben: im Saal beim Kaffeetrinken, bei der Tombola (es gab nur Gewinne) und an den vielfältigen Verkaufsständen auf allen Etagen sowie im Trödelmarkt. Zwischendurch konnte man sich draußen im Weihnachtszelt mit Glühwein und Kartoffelsuppe erwärmen. Aufgrund des regen Zuspruchs konnte der Gesamterlös vom letzten Jahr noch übertroffen werden. Text: Wilfried Neumann Fotos: Heidi Mangers, Wilfried Neumann

Die Bücherstube

Judith Stückler, Margit Hankewitz, Joachim Krüger vor der großen Tombola Die Spielsachenecke

Das Kuchenbuffet

Verkaufsstand der Näh- und Bastelgruppe


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Der Schmuckverkauf

Das Zimmer des Malkreises

Die Modeboutique

Der Trรถdelmarkt

Das Handarbeitszimmer

Das Weihnachtszelt


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Die Polymedikation im Alter Der Vortrag am 2. Dezember 2016 von Dr. rer. medic., Dipl. pharm. FrankChristian Hanke stand unter dem Motto: Risiken erkennen, Schäden verhindern, Pflege erleichtern. Margit Hankewitz begrüßte den aus Köln angereisten Redner herzlich und stellte Hannelore Rohde-Käsling und Peter Stawenow als Moderatoren vor. Zur Information für unsere Besucher lagen aus: „Ihr persönlicher Medikamentenplan“ und „83 Wirkstoffe auf einen Blick“ mit deren wesentlichen Bedenken und Therapiealternativen. Bei seiner Begrüßung und Vorstellung erwähnte Dr. Hanke, dass er schon dreißig Jahre für und mit Pflegebedürftigen zu tun hat und im Team mit der AOK-Nord arbeitet. Die Medikamente stellen zwei Seiten einer Medaille dar. Sie sind einerseits als Heilmittel lebensrettend, gesundheitsfördernd und lebensqualitätverbessernd, andererseits als Gift todbringend, krankmachend und lebenszerstörend. Durch die „geriatrische Brille“ betrachtet, ergeben sich die fünf so genannten geriatrischen „I´s“: Intellektueller Abbau, Instabilität, Immobilität, Inkontinenz und Iatrogene Erkrankung (durch Behandlungsfehler verursacht). Die iatrogenen Erkrankungen kommen besonders auch in Altenpflegeeinrichtungen vor. 20-30% der Heimbewohner leiden unter unerwünschten Arzneimittelereignissen. Davon wären mehr als die Hälfte vermeidbar. Es kommt auf das gesunde Gleichgewicht an. Man darf nicht dem Trugschluss: „Je mehr Medikamente, desto gesünder“ aufsitzen. Man muss sich aus dem Teufelskreis der Multimedikation lösen. Ab fünf Dauerverordnungen erhöht sich das Risiko, es verdoppelt sich bei sechs bis neun Medikamenten und verfünffacht sich bei

mehr als zehn Einnahmen. Durch ein derartiges medikamentöses Interaktionsrisiko fühlen sich die Patienten überfordert, wenn sie sich fragen: „Wie erlebe ich die Wirkungen eines Medikaments? Wie erlebe ich dessen Nebenwirkungen? Was kann ich bei z. B. acht Medikamenten weglassen? Wären nicht so genannte „Arzneimittelferien“ angebracht?“ Was das Patientenverhalten zu einer Therapie betrifft, so führen nur 47% die Therapie bis zu Ende durch. Was können Patienten also ab morgen tun? – Sich einen guten Arzt suchen, eine gute Apotheke ausfindig machen, sich einen guten Pflegedienst wählen. Was sollte man nicht tun? Keine rezeptpflichtigen Medikamente von sich aus absetzen. Keine freiverkäuflichen Medikamente eigenmächtig hinzukaufen. Seit dem 1. Oktober 2016 haben die Patienten laut Gesetzgeber Anspruch auf einen persönlichen Medikationsplan, der vom Hausarzt zu erstellen ist und den man zu jedem Arztbesuch und Apothekenbesuch mitnehmen sollte. Neuerdings können die Pfleger sich auch zur „Medikationsfachkraft“ weiterbilden lassen. Nach der Pause folgte eine Fragestunde. Dort wurden besonders die Fragen gestellt: Woran erkennt man einen guten Arzt? – Wenn er sich Zeit nimmt, sich intensiv mit dem Patienten befasst, Erklärungen liefert und Alternativen vorweist. Woran erkennt man einen guten Apotheker? Wenn er bei zweideutiger Medikation beim Arzt nachfragt und auf die Vereinbarkeit mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten achtet. Gegen 16 Uhr mussten die Moderatoren diesen äußerst interessanten und lehrreichen Vortragsnachmittag leider aufheben. Jean Mangers


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Die Weihnachtfeiern

mitgebracht, die auch von „Hilfsweihnachtsmännern“ im Saal verteilt wurden.

a) für Bewohner/Innen von Pflegeeinrichtungen Wie alle Jahre wurde zu sechs Weihnachtsfeiern eingeladen, und zwar am 5., 6., 7., 9. und 10. sowie am 12. Dezember. Beim Eintreffen wurden die Besucher bereits mit weihnachtlichen Klängen von Resi und Gert (Akkordeon und Gesang) empfangen. Der Saal verbreitete wie immer vorweihnachtliche Stimmung mit Kerzenlicht auf den Tischen und glänzenden Sternen auf der Bühne. „Der Stern“ war auch das Motto des diesjährigen Programms, wie Margit Hankewitz bei der Begrüßung der Gäste bekannt gab. So eröffnete der Schlösschenchor, dirigiert von Barbara Donbavand, den Nachmittag mit dem Lied: „Steht ein Stern am hohen Himmel...“.

Ein Weihnachtsstern mit Wichtel

Die Rentiere ziehen den Schlitten mit dem zerstreuten Weihnachtsmann.

Die Gäste sangen bei den bekannten Liedern eifrig mit und schunkelten sogar im Walzertakt bei „Winterwald im Schnee“. Der Schlösschen-Chor mit Barbara Donbavand

Neben den vielen schönen Weihnachtsliedern wurde dieses Jahr ein kleines Weihnachtsmusical aufgeführt, das von einem zerstreuten Weihnachtsmann handelte. Mithilfe des „Weihnachtssterns“ und der Weihnachtswichtel gelang es schließlich den Weihnachtsmann auf seinem geschmückten Schlitten, gezogen von zwei Rentieren, zu uns ins Schlösschen zu bringen. Er hatte viele Geschenke

An allen Tagen wurden wir immer wieder überrascht von Besuchern, die Gedichte aufsagten oder weihnachtliche Geschichten erzählten. Einmal spielte ein Bewohner des „Wilhelmstifts“ eine Arie aus dem Weihnachtsoratorium am Flügel – mit 97 Jahren! Ein anderer Höhepunkt war die Darbietung des Pianisten Niclas Kuzwinski aus dem „Haus Effinger“. Nachdem er „White Christmas“ fast schon konzertreif mit swingenden Passagen gespielt hatte, waren alle so begeistert, dass ein Jubel im


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Publikum ausbrach. Er ließ sich dann nicht lange zu einer Zugabe bitten und begeisterte erneut mit einer Variation von „Yesterday“ der Beatles. Immer wieder bedankten sich die Leiter der verschiedenen Einrichtungen für die stimmungsvollen Feiern und überreichten Frau Hankewitz mehrmals schöne Blumensträuße.

b) für unsere Mitglieder am 16. und 17.12.’16 In ihrer Begrüßungsansprache berichtete Margit Hankewitz kurz über den Adventsbasar und die Weihnachtsfeiern, an sechs Tagen, für über 900 Bewohnerinnen/er von Pflegeeinrichtungen.

Frau Grohmann von der Elsbeth-SeidelStiftung hatte als besondere Überraschung große Lebkuchenherzen als ein kleines Dankeschön für jeden Ehrenamtlichen unseres Hauses dabei. Zum Abschluss sangen alle zusammen „O du fröhliche“. Unser Chor wurde mit großem Beifall für das abwechslungsreiche Programm belohnt. Der Dank galt natürlich auch der musikalischen Begleitung von Resi am Akkordeon sowie Prof. Dr. Herbert Striebeck und Kapellmeister Wilfried Schmidt am Flügel.

Zum Auftakt der Feier erklang als Einstimmung „Alle Jahre wieder“, das ein Trompeter mit Prof. Dr. Herbert Striebeck am Flügel intonierte.

Als „wohlbekannte“ Überraschung erhielten alle Gäste eine Weihnachtstüte mit Leckereien und dann folgte die Lichterfahrt über den Kurfürstendamm. Zu guter Letzt waren alle zufrieden, die Besucher und die Ehrenamtlichen. Ganz herzlich möchten wir uns an diesr Stelle für die finanzielle Unterstützung der Feiern durch den Senator für Gesundheit und Soziales sowie des Bezirksamts Charlottenburg/Wilmersdorf bedanken. Text: Wilfried Neumann Fotos: Wilfried Neumann und Volker Käsling

Margit Hankewitz las dann das von Christa Fischer verfasste Gedicht: „Es ist nun gekommen die schöne Weihnachtszeit…..“ (siehe weiter unten).


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Bemerkenswert an diesen Ausnahmechor waren die Präzision, die schöne Auflösung und die exzellente Klavierbegleitung. Höhepunkte waren „In dulci jubilo“, „The first Noël“ und Troika, Troika“ im ersten Teil, und im zweiten „Alle Jahre wieder“, ein Medley bei dem die Zuhörer zum Mitsingen eingeladen wurden: „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, „Maria durch ein Dornwald ging“ und „O du fröhliche“.

Nun war es an der Zeit den Auftritt der Chorvereinigung CONCORDIA aus Berlin Mitte unter der Leitung von Heiko Jerke und am Flügel Irina Franz mit ihren „Weihnachtsträumen 2016“ zu erleben.

Als Zugabe erklang „Wenn ich ein Glöcklein wär`“ mit Hilde Haulitz als Solistin.

Deren „Ave Maria“ rührte alle Anwesenden zu Tränen. Margit Hankewitz trug zum Abschluss ihre Wünsche für 2017 vor. Die Moderation bestritt Brigitte Neugebauer. Der erste Teil des Chorprogramms war hochkonzertant und der zweite Teil etwas volkstümlicher gehalten.

Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ fand diese erbauliche Weihnachtsfeier ein würdiges Ende. Jean Mangers Fotos: Wilfried Neumann


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Es ist nun gekommen die schöne Weihnachtszeit und im Schlösschen ist alles bereit, um unsere treuen Mitgliedern zu empfangen heut`. Von Nah` und Fern` - kommen erwartungsvolle Leut`. Mit so viel Liebe ist wieder die Tafel geschmückt Von dem strahlenden Lichterbaum sind alle entzückt. Das ganze Haus strahlt so viel Wärme aus – man möchte bleiben; es ist ein zweites Zuhaus`. Weihnachtliche Klänge sollen erfreuen die Gäste; es ist an alles gedacht, für Euch nur das Beste, nichts fehlt, auch die beliebten Kalender sind da. Das neue Jahr ist doch schon nah. Freude und Fröhlichkeit wollen wir heute geben, es ist doch schön, das zu erleben. Unsere Veranstaltungen werden ausgewählt mit Bedacht, mal gibst was Klassisches, mal wird getanzt und gelacht. Man wird begrüßt, umarmt, mit netten Worten bedacht, ein Lächeln schenken, wie das glücklich macht. Der Zustand der Welt macht uns oft Sorgen, doch in der Gemeinschaft fühlt man sich geborgen. Viele interessante Kreise bieten wir an, für Körper und Geist wird alles getan. Du bleibst auch im Alter fit und gesund – gebt diese Parole von Mund zu Mund. Man muss etwas tun um beweglich zu sein, raus ins Freie, hoch das Bein. Der beste Beweis, dass das möglich ist Steht vor ihnen, das ist gewiss. Übernimmst du dazu noch freiwillig Pflichten, kannst Du dein Leben danach richten, bist ausgefüllt und zufrieden, auch euch können wir das hier bieten. In der Gemeinschaft etwas Gutes tun, anstatt zu Hause auszuruhn`. Es kommen nun die besinnlichen und es beschäftigt uns die Frage, wie wird es 2017 weitergehn`. Wir wollen optimistisch in die Zukunft sehen. Das Schlösschen freut sich auf ihr Kommen jederzeit vergessen sind hier Sorgen und Leid. Frohe Weihnachten und eine glückliches neues Jahr – wünscht das Schlösschen-Team und die Verwöhner-Schar. Verfasser: Christa Fischer


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c) für die ehrenamtlichen Mitarbeiter am 20.12.’16 In ihrer Begrüßungsansprache erwähnte Margit Hankewitz die Weihnachtsfeiern für die Pflegeeinrichtungen. Sie wurden von unserem Schlösschen-Chor bestritten, der dieses Jahr ein von Helga Wagner und Rolf Meyer bearbeitetes und vom ganzen Musicalteam vorgetragenes Musical „Der zerstreute Weihnachtsmann“ zur Aufführung brachte. Die Dekoration der Bühne hatte zum Motiv „Die Sterne“, und das Konzert begann dann auch mit „Steht ein Stern am hohen Himmel“. Margit Hankewitz dankte den rührigen Mitarbeitern, die das ganze Jahr alles tun, um das „Schlösschen“ am Laufen halten. Christa Fischer, die Ehrenvorsitzende des Förderkreises, trug dann ein selbstverfasstes, etwas anderes, 32 Zeilen umfassendes Gedicht vor: „Die hektischen Tage sind nun vorbei….!“ (siehe unten) Margit Hankewitz konnte als Ehrengäste Frau Judith Stückler, stellv. Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung und Herrn Carsten Engelmann, stellv. Bezirksbürgermeister und Stadtrat für Gesundheit und Soziales begrüßen.

Sergei Luckow und Urmas Pevgonen

Das eigentliche Künstlerprogramm wurde unter dem Titel „Russischer Winter“ von Urmas Pevgonen, einem sehr angenehmen klassischen Bariton und von Sergei Luckow am Bajan gestaltet. Höhepunkte waren „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“, „Ich bete an die Macht der Liebe“ – dies zum Gedenken an die Attentatsopfer -, „Abendglocken“ sowie „Süßer die Glocken“. Als Zugaben erklangen noch „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Kalinka“.

Dann schritt Herr Engelmann zur Verleihung der Ehrenamtskarten des Landes Berlin als Anerkennung für ihr Engagement für Berlin an: Frau Karin Schrader, Herrn Peter Richter, Frau Karin Strengert, Frau Rosemarie Erdbrügger, Frau Renate Bökel, Frau Monika Borchert. An dem Tag fehlten Olav Gragert, Eveline Harder, Helga List und Heide Supper. Margit Hankewitz freute sich über eine Spende vom „Paritäter“, die es erlaubte Gänsebraten und Geschenke auszugeben. Sie verlas abschließend ihren Weihnachtswunsch, in dem es auch um Toleranz und Frieden ging, und sie bedankte sich bei den Mitarbeitern noch einmal für deren großartiges Engagement. Diese würdige und abwechslungsreiche Feier endete mit dem liebgewonnenen Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“, das vom ganzen Saal gesungen wurde. Jean Mangers


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Die hektischen Tage sind nun vorbei, war das eine Rennerei, es war nicht nur eine große Plage. Es beschäftigte uns auch die Frage, ist wohl alles gut bedacht was die Feste noch schöner macht. Wird der Basar auch diesmal gelingen – und die gewünschten Erfolge bringen. Für die Tombola wurden die Gewinne hübsch verpackt, es hat sich gelohnt und gute Kasse gemacht. An sechs Tagen waren die Heimbewohner dran, die Busse kamen alle pünktlich an. Der Chor sang gut, traf jeden Ton, dafür wurde geprobt, lange schon. Es strahlte der Saal so viel Wärme aus mit glänzenden Augen und viel Dankeschön fuhr man nach Haus. Nun mussten wir für die Mitglieder planen, ein besonderes Programm sollte die Feste umrahmen. Es ist uns gelungen an beiden Tagen man muss nur die Gäste fragen. Mit so viel Liebe war die Tafel geschmückt. Weihnachten im Schlösschen hat alle beglückt. Verwöhnt werden nun die Mitarbeiter heute, die vielen fleißigen Leute. Etwas erschöpft sehen sie alle aus, doch machen wir kein Drama draus. Wir haben es alle gerne getan, keine Pannen gab es bei jedem Plan. Es war eine perfekte Organisation, der heutige Tag ist nun der Lohn. Wir danken Margit, es ist nun vollbracht, was so vielen Menschen Freude gemacht. Nun kommen noch die besinnlichen Tage, im Kopf viele Gedanken und die Frage: Wie wird es 2017 weitergehen wir alle werden immer zu dir stehen. Wir lieben das Schlösschen sind hier glücklich und froh es tut jeder was er kann - weiter so…… Verfasser: Christa Fischer


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Gremienarbeit Die Fachgruppe Ältere Menschen des „Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin“ hat sich in seiner letzten Sitzung 2016 gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Ehrenamt und Selbsthilfe“ des Landesseniorenbeirats getroffen. Es wurde die Verwaltungsvorschrift für den „Ehrenamtlichen Dienst“ besprochen. Diese wurde vom Senat erlassen, um Regelungen u. a. für die Sozialkommissionen der Bezirke zu treffen. Damit wurde versucht, den veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen. Leider sind das nur Empfehlungen für die Bezirke. Es wurde auch von beiden Gremien kritisiert, dass die Chance verpasst wurde, die Aufwandsentschädigung für Ehrenamtliche in den unterschiedlichen ehrenamtlichen Tätigkeiten zu vereinheitlichen. Dabei ist doch für alle ehrenamtlichen Tätigkeiten klar, dass es nicht um Bezahlung von „Lebenszeit“ geht (Diese ist sowieso unbezahlbar!), sondern um die Erstattung von damit im Zusammenhang stehender Aufwendungen. Wir werden diese Verwaltungsvorschrift weiterhin kritisch begleiten und beobachten, wie die Bezirke ihre diesbezüglichen Regelungen treffen. Der Landesseniorenbeirat verständigte sich über die weitere Vorbereitung der Wahlen zu den bezirklichen Seniorenvertretungen, die in der letzten Märzwoche stattfinden. Erstmals werden alle Berliner, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, eine schriftliche Benachrichtigung zur Beteiligung an den Wahlen erhalten. Als Sozialwerk Berlin e. V. möchten wir Sie bitten, für die Kandidaten des Sozialwerks Berlin zu stimmen. Gleichzeitig beschloss der Landesseniorenbeirat das Verfahren zur Berufung der Seniorenorganisationen für den Landesseniorenbeirat.

Bis zum 27. Januar 2017 haben die Organisationen, die seniorenrelevante Zielstellungen berlinweit verfolgen, die Möglichkeit, sich für einen der 12 Plätze zur Mitarbeit im Landesseniorenbeirat zu bewerben. Das Sozialwerk Berlin e. V. hat die Bewerbung fristgerecht Anfang Januar eingereicht. Im März 2017 wird darüber im Landesseniorenbeirat eine geheime Abstimmung erfolgen, welche 12 Organisationen der neuen Senatorin Frau Elke Breitenbach zur Berufung vorgeschlagen werden. Im November 2016 war das Sozialwerk Berlin e. V. zu einer Fachtagung der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) in Bonn, wo es um den 7. Altenbericht ging. Das Thema des Altenberichtes der Bundesregierung ist „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“. An der Tagung nahmen unsere Vorsitzende Frau Margit Hankewitz, Herr Rolf Meier und ich teil. Frau Hankewitz nahm in ihrem Statement aus der praktischen Sicht des Sozialwerks Stellung zum 7. Altenbericht und erregte damit die Aufmerksamkeit der anwesenden Wissenschaftler und Politiker. Wie Sie sehen, hat diese Delegation wieder eindrucksvoll für das Sozialwerk geworben. Am 8.2.2017 werden wir im Stadtteilzentrum „Käte-Tresenreuter-Haus“ um 14.00 Uhr eine Informationsveranstaltung mit Publikumsdiskussion für die Berliner Akteure der Seniorenarbeit durchführen. Ich vertrat das Sozialwerk noch bei einer Tagung der BaS – (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros) in Köln, wo es um ehrenamtliche Arbeit ging. So, das war wieder das Neueste aus der Gremienarbeit, wo sich unsere „Sozialwerker“ im Interesse Älterer einmischen. Peter Stawenow


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Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen Erzähl-Café: „Eine Finnin in Berlin“ Oikki Orvokki Mette (Jahrgang 1947) berichtete am 25. September 2016 über ihr Leben in Finnland und Deutschland. Sie besuchte in Tampere die Schule und entdeckte ihren Traumberuf Textilingenieurin. In Finnland ist Finnisch und Schwedisch obligatorisch in der Schule, da aber alle Textilmaschinen aus Deutschland kamen, empfahl der Lehrer ihr Deutsch statt Englisch zu lernen. Sie studierte in Tampere und kam zu Praktika zuerst nach Stuttgart. Als Textilingenieurin führte sie ihr Weg dann 1974 nach Berlin, in die Frontstadt. Sie fand die geteilte Metropole entsetzlich und erhielt keine Arbeit, da genug deutsche Ingenieure ebenfalls arbeitslos waren. EURecht gab es noch nicht. Somit studierte sie hier weiter BWL an der FU Berlin. Den Judosport setzte sie aber hier weiter fort, und so lernte sie ihren zweiten Mann Gerd Mette kennen. Inzwischen entwikkelte sie nach erfolgreichem Studienabschluss als Textilingenieurin bei Schworm Strickkollektionen. Eine Tochter wurde geboren. Sie engagierte sich in der Finnischen Gemeinde, in der Finnischen Gilde und arbeitete mit dem Finnland Institut sowie in Teilen für die Botschaft ehrenamtlich. Als sie das Reihenhaus in Tegel erstand, das nicht unterkellert war, hat sie in mühseliger Kleinarbeit mit fachlicher Unterstützung eine Sauna eingebaut. Man höre und staune, die neue Philharmonie in Helsinki hat ebenfalls eine Sauna. In Finnland leben ca. fünf Mio. Menschen, in Berlin 1.500 Finnen. Die Kultur wird hier hoch gehalten und gepflegt. Finnland, 1917 gegründet, hat seit 1906

das Frauenwahlrecht. Die Finnen sind uns in vielen Dingen weit voraus, siehe Technik und Design. In Finnland, Schweden, Norwegen gilt das Jedermannsrecht. Jeder Bürger kann Beeren und Pilze sammeln, zelten gehen und angeln oder fischen ohne Gebühren zu zahlen. Offenes Feuer jedoch ist untersagt. Finnisches Weihnachten hat einen besonderen Charme. Man trifft sich, geht in die Sauna – Frauen und Männer getrennt – und dann gibt es ein üppiges Buffet mit Pasteten, Suppen, herrlichen Fischgerichten und zur Krönung einen großen Schweinebraten. Den Abschluss bildet ein Reispudding mit einer Mandel in der Mitte. Wer diese Mandel in seinem Dessertteller findet, dem blüht besonderes Glück im kommenden Jahr. Die Kinder tanzen um den Weihnachtsbaum und überall in der Wohnung sind Tontus (Zwerge) in allen Größen aus roter Pappe verteilt, die an dünnen roten Wollfäden sich fein hin- und herbewegen. Ein überaus fröhliches und lustiges Fest. Natürlich fehlt der geliebte und dort sehr teure Alkohol nicht. In ganz Finnland wird an den weiteren Festtagen kalter Schweinebraten aufgetischt, wohin man auch kommt. Im Gegensatz zu Deutschland eine Riesenerleichterung für die Hausfrau. Seit einigen Jahren arbeitet Oikki Orvokki Mette als Reiseführerin für schwedisch/finnische Gruppen. Sie hat die Zulassung für das Schloss Charlottenburg und für Sanssouci in Potsdam. Sie kann die Menschen begeistern für diese Stadt, in der sie seit über 40 Jahren lebt und arbeitet und inzwischen in dritter Ehe mit Peter Teske verheiratet ist. Mit ihrer kleinen Finnlandflagge stolziert sie


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vor den Reisenden her und berichtet in ihrer schnurrigen Art ihre Sichtweise über Deutschland und speziell Berlin. Den Zuhörern

bot sie ein Bild über Finnland, schilderte die Eigenart ihrer Landsleute mit Witz und Verständnis. Danke für diese zwei kurzweiligen Stunden, liebe Oikki! Text: Eveline Harder

Ein Abend mit polnischen Freunden Am 1. Oktober abends war eine große Abordnung der „Senioreninitiative Internationale Begegnungen aus Polen“ im Stadtteilzentrum Käte-Tresenreuter-Haus zu Gast. In ihrer Begrüßung erwähnte Margit Hankewitz, die gekonnt von einer Dolmetscherin unterstützt wurde, den Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf Reinhard Naumann und den Sozialstadtrat Carsten Engelmann, die die Gäste aus Polen schon gestern empfangen hatten, sowie Judith Stückler, damalige Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, und Hans-Joachim Krüger, damaliges Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, die beide zur heutigen Feier erschienen waren. Der Organisator der Austauschtage begrüßte seinerseits auf Deutsch die Teilnehmer. Herr Krüger sprach ebenfalls einige Grußworte und wies auf die partnerschaftliche Verbindung zwischen Berlin und Meseritz hin. Nun folgte ein sehr beachtlicher Vortrag eines Bajan-Virtuosen, bevor ein polnischer Chor, bestehend aus zehn Personen, seinen immer wieder stark applaudierten Auftritt hatte. Dann richtete Frau Stückler einige Worte an die Anwesenden. Sie betonte, dass im Sozialwerk Berlin immer wieder außergewöhnliche Sachen angeboten und menschliche Beziehungen gefördert werden. Sie erinnerte auch an den Chor aus Italien, den wir vor einigen Monaten hier zu Gast hatten und durch dessen Musik wir uns, so wie heute, sogleich mit ihm verbunden fühlten. In jedem Lied klingt ein bisschen Seele mit und das Lieblingslied von Judith Stückler heißt: „Lasst Brücken uns bau’n, Menschen vertrau’n, Frieden bewahren“.

Als Gastgeschenk des Bezirks Charlottenburg/Wilmersdorf überreichte sie den polnischen Teilnehmerinnen ein Halstuch. Nun war die Reihe am Schlösschen-Chor dirigiert von Barbara Donbavand und begleitet von Kapellmeister Wilfried Schmidt am Flügel, der die Lieder: „Es steht eine Mühle im Schwarzwäldertal, Ännchen von Tharau, Ein schöner Tag und Conquest of Paradise“ zum Besten gab. Nach einem weiteren Austausch von Geschenken dankte der Organisator allen


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Personen im Rathaus, die diese Begegnung ermöglichten, unter ihnen Herrn Ranke von der Seniorenstiftung Charlottenburg, und regte einen Applaus für Margit Hankewitz und Hannelore Rohde-Käsling an. Nun eröffnete Margit Hankewitz das ansehnliche Buffet, derweil am Flügel Wilfried Schmidt dazu bezaubernde Weisen erklingen ließ. Der Abend endete furios mit einem Gesangs- und Tanzvergnügen, zu dem sich die Warschauer und die Berliner einmütig zusammenfanden. Jean Mangers

Konzert zum Tag der deutschen Einheit Am 3. Oktober spielte das Ensemble „Kristall Berlin“ traditionsgemäß unter der Leitung von Kapellmeister Wilfried Schmidt am Flügel. In ihrer Begrüßung wies Margit Hankewitz hin auf die passende Dekoration mit Servietten, das Brandenburger Tor zeigend, und mit den Farben Rot und Weiß, den Farben der Stadt Berlin. Sie holte etwas weiter aus und erinnerte an einzelne Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg, den Mauerbau und den Mauerfall. Nach Letzterem haben viele Aktivitäten des Sozialwerks Berlin zur Zusammenführung zwischen Ost und West beigetragen. Es hat die Idee der Selbsthilfe in die östlichen Bundesländer und in die Länder des späteren Freundeskreises Mittel-, Ost- und Südosteuropa getragen. So wurde vor 20 Jahren in Tallinn ein Altenzentrum nach seinem Modell geschaffen. All dies war ein langer und manchmal beschwerlicher Weg. Die Referentin sprach noch die Flüchtlingsproblematik an. „Die derzeitigen Flüchtlinge haben zwar eine andere Kultur und Sprache als wir, aber es sind Menschen wie du und ich“. Dann war das Ensemble „Kristall Berlin“ an der Reihe. Zum Auftakt spielten sie den 2. Satz des Konzertes für Violine und Oboe von J. S. Bach. Herr Kapellmeister Wilfried Schmidt lud uns zu einer Reise in die Länder ein, die u. a. 1989 bei der Zusammenführung der beiden deutschen Staaten eine bedeutende

Rolle gespielt haben. Nach einer Reverenz an das Bundesland Sachsen mit „Glück auf, Glück auf“ erklangen der „Folies-Bergères-Marsch von Paul Lincke, die Elégie von Jules Massenet für Bariton und der „Cancan“ von Jacques Offenbach (beide für Frankreich), das Lied für Sopran „Moon River“ und „Ragtime“ (USA) und „Ich hätt’ getanzt heut Nacht“ von F. Loewe (Großbritannien), Nach der Pause ging es nach Österreich mit der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß, der „Arie des Figaro“ für Bariton und dem Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“. Für Ungarn ertönte ein Czardas von V. Monti und das Duett „Silva und Edwin“ von Emmerich Kalman. Dann folgten aus Russland „Eine Romanze“ von Dimitri Schostakowitsch, das Lied für Sopran „Über den sauberen Feldern“, der Dornröschenwalzer“ von Tschaikow-ski, das Lied für Bariton „Dorogoi dlin-noju“ (Auf dem langen Weg) und der Walzer Nr. 2 von D. Schostakowitsch.


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Im Schlusswort bedankte sich Margit Hankewitz bei den Musikern und den Solisten Ludmilla und Emanuel Saks für die herrlichen Darbietungen. Sie wies darauf hin, dass das Ensemble „Kristall Berlin“ nun schon zwanzigmal erfolgreich im Schlösschen aufgetreten ist. Es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein. Sie erwähnte noch die wichtige Rolle, die Herr Kapellmeister

Wilfried Schmidt neuerdings im Sozialwerk Berlin spielt. Nach dem Verteilen von Geschenken sah sich das Ensemble veranlasst, als Zugabe den „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß zu spielen. Das Konzert ist sehr gut beim Publikum angekommen. Davon zeugte der große Applaus. Jean Mangers

Erzähl-Café: „Liebesgedichte von Puschkin und Jessenin“ Werner Höpfner, (Jahrgang 1928),

bekannt als Zeitzeugenvortragender in der Herrenrunde des Sozialwerks mit dem Thema „Der letzte Zeitzeuge aus Workuta“, trat am 23. Oktober 2016 mit einer Lesung von/über Puschkin und Jessenin auf. Zur Untermalung der russischen Gedichte spielte Kapellmeister Wilfried Schmidt am Klavier zur Einstimmung den Dornröschenwalzer von Tschaikowsky und begleitete die Lesung immer wieder mit herrlichen russischen Melodien.

Ausführlich brachte uns zunächst Herr Höpfner das Leben von Alexander Sergejewitsch Puschkin, 1799-1837, nahe. Nach dem siegreichen Ende des Krieges gegen Napoleon (Vaterländischer Krieg) wandelte Puschkin sein Sujet von der Liebeslyrik zur politischen Dichtung. Berühmt sind der „Tränenbrunnen“, „Eugen Onegin“, „Boris Godunow“, „Pique Dame“, „Rusalka“ u. a.. Bis zum Einmarsch Napoleons in Moskau sprach die russische Oberschicht Französisch. Puschkin verbreitete nun seine Gedichte, Dramen und Erzählungen in russischer Umgangssprache, er schuf den erzählerischen Stil und ist seitdem untrennbar mit der russischen Literatur verbunden. Durch ein Duell mit Georges-Charles de Heeckeren d’Arthès wegen Ehrverletzung starb Puschkin 1837 zwei Tage nach der Schussverletzung. Er gilt heute als der russische Nationaldichter. Ich liebte Dich: Vielleicht ist dieses Feuer in meinem Herzen noch nicht ganz verglüht; doch Deine Ruh ist mir vor allem teuer, durch nichts betrüben will ich Dein Gemüt. Ich liebte Dich, stumm, hoffnungslos und schmerzlich, In aller Qual, die solche Liebe gibt Ich liebte Dich so wahrhaft und so herzlich, Gott geb‘, dass Dich ein Andrer je so liebt!


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Einweisung in eine psychiatrische Klinik in Moskau. Jessenin nahm sich im Dezember 1925 in einem Hotelzimmer in Leningrad das Leben. Er schnitt sich die Pulsadern auf und erhängte sich an den Heizungsrohren der Zimmerdecke. Kurz vor seinem Tod schrieb er mit eigenem Blut folgendes Abschiedsgedicht:

Nach der Pause widmete sich Herr Höpfner dem „Dorfpoeten“ Sergei Alexandrowitsch Jessenin (1895-1925). Seine Werke waren in der Sowjetunion, insbesondere unter Stalin verboten. Prägend für sein Leben und Werk war die schicksalhafte Beziehung zur wesentlich älteren Tänzerin Isadora Duncan, die er 1922 in 3. Ehe heiratete. Die Ehe währte nur 15 Monate. Sein Alkoholismus und der Vandalismus in den Hotelzimmern erregte internationales Aufsehen. Nach Duncan heiratete er im Oktober 1925 Sofia Tolstaja, die Enkelin Tolstois. Sie veranlasste einen Monat später seine

Freund, leb wohl. Mein Freund, auf Wiedersehen. Unverlorner, ich vergesse nichts. Vorbestimmt, so war `s, du weißt, dies Gehen. Da `s so war: ein Wiedersehen verspricht `s. Hand und Wort? Nein, lass – wozu noch reden? Gräm dich nicht und wird mir nicht so fahl. Sterben -, nun ich weiß, das hat es schon gegeben; doch, auch Leben gab `s ja schon einmal.

Isadora Duncans Leben endete ebenso tragisch. 1927 bestieg sie in Nizza einen Bugatti, dabei verfing sich ihr langer Schal in den Speichen des Wagens und strangulierte sie. Zwei große Poeten – zwei tragische Enden. Ihre Werke leben unverändert, unvergesslich weiter. Text: Eveline Harder Fotos: Internet

„Die Lückenbüßer“ mit „Ehre, wem Ehre gebührt“ Dieses Kabarett wurde 2009 mit zehn Mitarbeitern gegründet und hat sich als Hauptthema für ihre ehrenamtlichen Auftritte „Bürgerschaftliches Engagement“ gewählt, das kritisch mit kabarettistischen Mitteln betrachtet wird. Die Texte werden selbst verfasst und geben eigene Erfahrungen mit dem Ehrenamt wieder. Nach Angaben von „Aktion Mensch“ betätigt sich jeder dritte Berliner auf diese Weise. Der Ehrenamtliche fühlt sich oft als „Lückenbüßer“ für diverse soziale Angelegenheiten, die eigentlich Aufgaben des Staates wären.

Was würde passieren, wenn alle Ehrenamtlichen streiken würden?

In Sketchen, Chansons und Songs beleuchteten am 29. Oktober fünf Ensemblemitglieder das Thema „Ehrenamt“ auf teils nachdenkliche und teils humorvolle Weise. Leider war die Klavierbegleiterin


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kurzfristig ausgefallen, sodass die musikalische Untermalung von einer CD genommen werden musste. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Musikeinspielung und der Mikrofonübertragung wurde dann in verschiedenen Kabarettnummern festgestellt, dass es wichtig ist, miteinander etwas für andere zu tun und dafür seine Zeit zu spenden. Man hilft damit vielen und fühlt sich dabei wohl.

Kritisch wurde die häufig fehlende Anerkennung zur Sprache gebracht: „Nicht gemeckert ist genug gelobt!“ Zum Glück gibt es für die verschiedensten ehrenamtlichen Tätigkeiten in unserem Hause immer die gebührende Anerkennung. Zum Abschied gab es Rosen für alle Mitwirkenden. Text und Foto: Wilfried Neumann

Dia-Vortrag über „KIEW“ von und mit Joachim Krüger Am 6. November 2016 berichtete uns Herr Joachim Krüger, u. a. Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Wilmersdorf, in bewährter Weise über seine verschiedenen Reisen nach Kiew. Seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 gibt es eine Partnerschaft zwischen Wilmersdorf und dem Bezirk Petschersk im Zentrum von Kiew. Seinerzeit ging es darum, Kindern, die bei der Katastrophe zu Schaden gekommen waren, schnell zu

helfen. Die Ausstattung eines Kinderkrankenhauses in Petschersk wurde tatkräftig unterstützt, und Kinder wurden zu Erholungsaufenthalten nach Berlin eingeladen. Diese Partnerschaft besteht weiter, und der Wilmersdorfer Städtepartnerschaftsverein sorgt für die nötigen Kontakte. So wird 2017 eine Gruppe des

Vereins in die ukrainische Hauptstadt reisen. Eine Gruppenreise ging mit der Bezirksbürgermeisterin Frau Thiemen dorthin. Das Hotel „Druzhba“ war die Unterkunft für diese Zeit. Schwierigkeiten gab es dort immer wieder mit den Mahlzeiten. Schon bald fanden sich kurzerhand andere Lösungen, die im Bild festgehalten wurden. Kiew wurde von vier sagenhaften Geschwistern gegründet. Von der Sowjetunion wurde Kiew als „Heldenstadt“ bezeichnet, und sie trägt oft den Beinamen „Mutter aller russischen Städte“. Alle ukrainischen Betreuer der Gruppe sprachen hervorragend Deutsch und zeigten stolz ihre Metropole mit dem Opernhaus, den 13 Museen, dem Haus der Chimären, dem Pfefferkuchenhaus sowie den vielen herrlichen Kirchen, wie St. Nikolai auf dem Wasser, dem St. Michaeliskloster, der Sophienkathedrale, der Andreaskirche und weiteren schönen historischen Gebäuden. Es herrschte große Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Ein Schulbesuch war obligatorisch, und auch hier war man sehr gut auf die deutschen Gäste vorbereitet.


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Das Museum Tschernobyl wurde besucht. Es entstand erst nach der Unabhängigkeit der Ukraine. Seit 1991 ist Kiew die Hauptstadt der unabhängigen Ukraine. – Die Stadt hat zweieinhalb Millionen Einwohner, nimmt man das Umland bzw. die Randbezirke mit hinzu, sind es vier Millionen.

Zurzeit ist Vitali Klitschko der Bürgermeister der Stadt, und ein Traum wäre es, wenn er die Gruppe 2017 empfangen sollte. Herr Krüger brachte uns mit den wunderbaren Bildern und den Geschichtsdaten die Stadt nahe, ein herrlicher Sonntagnachmittag im November! Text: Eveline Harder Foto: Internet

Konzert des „Shanty Chor Berlin“

Am Sonntag, dem 12. November, war dieser sehr beliebte Chor mit seinen Seemannsliedern wieder einmal in unserem Schlösschen zu Gast. In ihrer Begrüßungsansprache verriet Margit Hankewitz, dass das Konzert schon nach ganz kurzer Zeit ausverkauft war und dass sie diesen herrlichen Chor nie anders als vor einem vollen Saal erlebt hat. Wer kann sich schon eines solchen Fanclubs rühmen? Die Shanty-Sänger waren mit weißer Hose, Fischerbluse und rotem Tuch ausstaffiert. Sie wurden begleitet von zwei Akkordeons, zwei Gitarren und einem Schlagzeug. Gleich ging es unter Leitung von Volker Groeling los mit „He, he Steuermann“, gefolgt von „Wir sind die Jungs von der Waterkant“, dem bestens bekannten

„Gorch-Fock-Lied“ und „Die Windjammer kommen“. Die Moderation bestritt Rainer Frohne. Er rezitierte das Gedicht „Herz auf großer Fahrt“. Siegfried Keimer gab als Solist den „Barantssee“ und Karl-Heinz Kähne serviert uns „Rum aus Jamaika“. Nach drei weiteren Titeln „ging es mit Volldampf in die Pause“. Danach folgten 14 weitere Titel mit dem Gedicht „Hafenkneipe“, dann „Baltimore“ mit Manfred Scherber, „Whisky Johnny“ mit Günter Kolpack und „Rolling Home“ mit Günter Ziezoht. Besonders gut kam der Titel „Wir lieben die Stürme“ an, der auch im Repertoire unseres Schlösschen- Chors zu finden ist. Margit Hankewitz dankte dem Chorleiter Volker Groeling, dem es gelang mit


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seinem wunderschönen Programm eine ausgelassene Stimmung hervorzuzaubern. Als Zugabe erklang noch „Bye, bye Roseana“, zu der die Sänger einen geordneten Rückzug antraten.

Wir freuen uns schon sehr auf den nächsten Auftritt des „Shanty Chor Berlin“ hier bei uns im Schlösschen!! Jean Mangers

Fotos: Alisawi Imad Ali

Erzähl-Café mit Rolf Schneider und Lesung „Erfurt“ Am 20. November 2016 besuchte uns der freie Schriftsteller und berühmte Publizist Rolf Schneider, Jahrgang 1932, aus Schöneiche.

Er stellte sich kurz vor und berichtete, dass er aufgrund der Erstunterzeichnung der Protestresolution von DDR-Autoren gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns in seinen Publikationsmöglichkeiten mehr als eingeschränkt, also kaltgestellt wurde. Er arbeitete daher für einen westdeutschen Verlag für monatlich 2.000 DM, die er der entsprechenden Regierungsstelle zur Verfügung stellen musste und

erhielt dafür 1.000 Ostmark. Ein Glück: vergangene Zeit! Aus seiner erklärten Liebe zur Stadt Erfurt ist nun ein Buch entstanden. Und wir unternahmen mit ihm einen wechselvollen Spaziergang durch die Jahrhunderte in Sachen Historie und Persönlichkeiten dieser thüringischen Hauptstadt. Er begann mit dem Besuch Willy Brandts in Erfurt, wo es im „Hotel Erfurter Hof“ die berühmte Szene am Erkerfenster gab. Jetzt existiert das Hotel nicht mehr. Das Gebäude beherbergt heute vielerlei Geschäfte, nur auf dem Dach steht in Riesenlettern „Willy-Brandt-Fenster“. Für einen Geschichtsunkundigen ist das nicht zu verstehen. 1120 wird Erfurt urkundlich erwähnt. 1392 wird die Universität eröffnet. In dieser Stadt gab es durch die Jahrhunderte interessante Begegnungen. Meister Eckhart lebte ab 1294 als Prior des Dominikanerordens in Erfurt. Er starb im Januar 1328 in Avignon infolge seines Prozesses wegen Ketzerei.


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1501 nimmt Martin Luther ein Studium der „Freien Künste“ hier auf, 1505 tritt er dem Schwarzen Kloster der AugustinerEremiten bei und wird 1507 zum Priester geweiht. 1808 hatte Johann Wolfgang von Goethe sein Treffen mit Napoleon. Wundervoll ist diese Notiz über die Zusammenkunft, die Goethe darüber niederschrieb, im Buch nachzulesen. Anderthalb Jahrhunderte später erinnerte sich der tschechische Schriftsteller Roman Kundera dieser Begegnung und paraphrasierte sie in seinem Essay-Roman „Die Unsterblichkeit“. Jürgen Becker, ein bekannter Autor, hat seine prägenden Jugendjahre in Erfurt verbracht, was er 1999 in seinem Roman „Aus der Geschichte der Trennungen“ widergibt,

Johann Christoph Bach erhielt hier Orgelunterricht vom Barockkomponisten Johann Pachelbel. J. C. Bach unterwies dann seinerseits das berühmte Geschwister in dieser Kunst. Gefragt nach den Sehenswürdigkeiten Erfurts verwies Rolf Schneider auf das Augustinerkloster, den Fischmarkt, die alte Synagoge, den Erfurter Dom, die Kramerbrücke, die Zitadelle auf dem Petersberg, das Anger-Museum sowie die schönen Fachwerk- und Bürgerhäuser. – Da wir 2017 einen Abstecher nach Erfurt planen, war das schon ein schöner Einstieg in das Vorhaben. Mein Dank geht an Rolf Schneider. Seine Biografie „Schonzeiten“ sollte zu einer Lesung in 2017 führen – sie ist spannender als jeder Krimi! Text: Eveline Harder Foto: Internet

Weihnachtsliedersingen mit der Keyboardgruppe am 22. Dezember „Alle Jahre wieder“ kann man noch nicht sagen, denn es war erst zum zweiten Mal, dass die Keyboardgruppe vor Weihnachten einen öffentlichen Auftritt hatte.

Konzertmeister war diesmal Jean Mangers. Er wurde unterstützt von Brigitte Bethage, Sabine Räbinger und Leonie Rudolph. Ihre Darbietungen, begleitet am Flügel von Kapellmeister Wilfried Schmidt, kamen gut an und bewogen das Publikum beherzt mitzusingen.

Höhepunkte des vierzehn Titel umfassenden Programms waren „Jingle Bells“, „Little Drummerboy“, „Kling Glöckchen“, „Weiße Weihnacht“, „Weihnachtswunderland“ und „Rudolf, das Rentier“. Herr Schmidt führte mit kurzen, treffenden Erläuterungen in die jeweiligen Musikstücke ein, ehe er sich wieder an den Flügel begab. Zum Abschluss des Keyboard-Konzerts erklang nochmals das traditionelle „Stille Nacht“. Nach dem offiziellen Auftritt ging das Liedersingen weiter. Ein fröhliches Publikum sang nach den Klängen von Wilfried Schmidt am Flügel eine Stunde lang weitere Weihnachtslieder. Es war eine wunderschöne Veranstaltung. Wir freuen uns schon auf unseren Auftritt in 2017. Jean Mangers


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Gedichtsnachmittag: Meine Lieblingsgedichte am 27.12.’16 Wir trafen uns in unserem gemütlichen Café im Schlösschen. Die Tische waren wie immer festlich gedeckt und geschmückt. Zu Beginn haben unsere beiden „Poeten“ Lore Nitzschke und Paula Priester ihre uns zwar schon bekannten Gedichte und Erzählungen, die aber immer wieder gerne gehört werden, vorgetragen. Diese ausdrucksstarke Betonung: „Niemand kann es so wie sie!“ Lore las: „Christnacht der Hallig“ von Lulu von Strauß und Torney. Das Gedicht: „Nicht mehr gefragt“ von Paula, in einem Berliner Dialekt vorgetragen, … einfach wunderbar. Es beginnt mit: „Da hab ick zu meiner Betroffenheit so wahr ick lebe…“ Es folgte eine ganze Reihe von Gedichten, wie „Die fremde Stadt“ und „Die Alten“ von Theodor Storm, „Die Mutterliebe eines Sohnes“ und „Der Dezember“, beide von Erich Kästner „Gebet eines Älteren“ von Teresa von Avila, „Omas Besuch bei Karstadt“ (Die geklaute Bockwurst) von Ole Bienkopp, „Das Alte Jahr“ von Hoffmann von Fallersleben, schließlich: „Es kostet nichts und hat doch große Wirkung“, so wie der heutige Nachmittag. Zum Abschluss las Margit Hankewitz: „Ich möchte so gern…“ Es war ein gelungener, besinnlicher und wunderbarer Nachmittag für alle Gäste, die sicher beseelt und glücklich den Heimweg angetreten sind. Barbara Donbavand

Das Neujahrskonzert 2017

Das ASN Akkordeonorchester - Berlin unter der Leitung von Detlef Klatt eröffnete traditionsgemäß unser Veranstaltungsprogramm für das kommende Jahr. Mit dem Titel „Washington Post“, zu Beginn, überreichte uns das Orchester schwungvolle Neujahrsgrüße. Der musikalische Bogen wurde von Klassik bis hin zu Pop gespannt und bot einige Überraschungen. So gab einer der Musiker mit Kastagnetten dem Paso Doble „Malaga“ den spanischen Rhythmus.

Zur „Amboss-Polka“ wurde auf einem Original-Amboss mit zwei Hämmern der


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Takt geschlagen. Beim österreichischen „Fliegermarsch“ kam Schwung in den Saal und alle klatschten begeistert mit. Auf einer der Orchesterfahrten wurde von einem Mitspieler ein Wanderlieder- Potpourri arrangiert, „ASN auf Tour“, bei dem sogleich die Zuhörer die bekannten Lieder mitgesungen haben. Die einzelnen Titel wurden mit einer launigen Moderation von Helmut Mahl angesagt. Dieser sehr unterhaltsame Nachmittag konnte natürlich nicht ohne Zugaben be-

endet werden. Als dann die „CapriFischer“ von Rudi Schuricke erklangen, erzählte Margit Hankewitz, dass sich bei diesem Lied ihre Eltern kennen gelernt haben und es somit das Lieblingslied ihrer Mutter, Käte Tresenreuter, gewesen war. Mit der zweiten Zugabe „Dankeschön“ bedankten sich die Künstler für die immer liebevolle Betreuung in unserem Haus. Wir freuen uns schon auf ihr nächstes Konzert! Text und Fotos: Wilfried Neumann

Museumsbesuche Am 20. September 2016 besuchte unser Kulturkreis die außergewöhnliche Ausstellung „El Siglo de Oro“ – „Das Goldene Zeitalter“ mit 130 Kunstwerken über die spanische Malerei und Bildhauerei des 17. Jahrhunderts in der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in der Blütezeit des Landes, verlieren die Spanier viele Kriege, eine Inflation tritt ein, und es verbreitet sich die Pest. Der konservative katholische Glaube erhält eine Gegenreformation. Durch die langsame Verarmung des Volkes treten Künstler immer häufiger in den Vordergrund. Das Goldene Zeitalter der spanischen Kunst beginnt. Das Zusammenleben von Göttern und Menschen wird nun in der Malerei stark hervorgehoben. Vergänglichkeit ist sehr präsent. Für diese Ausstellung werden Räume in drei Farben: „Rot“, „Grün“ und „Blau“ eingeteilt, sie stellen die drei Regionen des Landes dar. Rot: Zentralspanien mit seinen vor allem bisher wenig beachteten Bildhauerwerken, Grün: die reiche Stadt Sevilla, die in der damaligen Zeit größte Stadt Spaniens. Hier sind die Kirchen die bedeutendsten Auftraggeber der religiö-

sen Kunstwerke. Blau: Ostregion mit der Hauptstadt Madrid, das zum künstlerischen Zentrum im 16. und 17. Jahrhundert heranwächst. Es regieren Philipp II., sein Sohn Philipp IV. und Karl II., ein schwächlicher König. Danach geht das goldene Zeitalter der spanischen Kunst seinem Ende zu. Hier einige hervorzuhebende Werke: Aus Zentralspanien stammt unter anderem das berühmte Bild von El Greco: „Der Gekreuzigte“ mit MariaMagdalena, Johannes-Evangelist und Engeln.


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Weitere Gemälde dieses Künstlers sind ausgestellt: „Unbefleckte Empfängnis“ – lang gezogene Figuren, stark leuchtende Farben und der Blick zum Heiligen Geist: Himmel und Erde sind nicht zu vereinbaren - und „Der Heilige Martin und der Bettler“. Von Diego Velázquez, Maler am Hofe des spanischen Königs Philipp IV., betrachten wir große Werke: „Mars“ wirkt wie ein müder Krieger, der „Hofnarr“ Diego de Acedo blickt düster; ferner „Francisco Pacheco“ mit Halskrause, aus vielen zu bewundernden fein gemalten Pinselstrichen, „Die drei Musikanten“, ein besonders schönes Bild, und „Bildnis einer Dame“. Jusepe de Ribera malte das „Brustbild“ eines Mannes, mit einem enormen Gesichtsausdruck. Auch Francisco de Zurbarán gehört zu den großen spanischen Künstlern in dieser Zeitepoche: Im Grünen Raum betrachten wir das düstere Bild „Heiliger Franziscus“, er wirkt andächtig und göttlich, die Figur wird eingefasst von oben

bis unten in ein schweres Gewand mit vier Kordeln. Einige Skulpturen aus dieser spanischen Kunstepoche faszinieren uns: „Der Heilige Ignatius von Loyola“, lebensnah groß in Holz, mit aufgeklebtem Stoff, darge-stellt von Martinez Montanés; sowie von Gregorio Fernández „Der Gang zum Kalvarienberg“; hier handelt es sich um eine Gruppe farbiger Holzplastiken, und zwar Christus beim Tragen des Kreuzes, Simon, der ihm hilft, Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht, und seine Peiniger. Diese Prozessionsskulpturen werden noch heute in der Karwoche durch die Stadt Valladolid getragen. Im letzten Ausstellungsraum wird uns das Schweißtuch der Heiligen Veronika von Francisco de Zurbarán in einem Gemälde veranschaulicht, es ist wie ein kleiner, aber auch berührender Abschied von einer großartigen Ausstellung. Einen Dank an die spanischen Künstler! Gisela Telschow

Besuch der Ausstellung: „Colori di Murano“ - Moderne Glaskunst aus Italien Am 20. Oktober besuchte unser Kulturkreis wiederum eine außergewöhnliche Ausstellung im Bröhan-Museum in Belin.

Die 220 Ausstellungsstücke der modernen Glasmacherkunst aus Murano sind ein vielseitiger bunter Querschnitt, besonders bereichert durch die einmalig prächtigen Bestände des Berliner Sammlers Lutz Holz. Intensive Farbtöne: Blau, Grün, Gelb und Rot, außergewöhnliche Muster der Glasgefäße, z. B. Stern-, Blumen- und Blattdekore, und auch die Formen: Flakons, diverse Vasen, längliche und bauchige, und ebenso flache Schalen faszinierten uns. Das Gründungsjahr 1295 der Glasinsel Murano, einer kleinen Laguneninsel vor Venedig, erfolgte aus Brandschutz-


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gründen - die venezianischen Glasöfen mussten aus der Stadt auf die Laguneninsel verlegt werden - und um das Geheimnis der Glasherstellung zu wahren. Der Verrat wurde mit dem Tode bestraft. Schon in der Antike gab es ein erstes Wissen um die Glasherstellung. Vor 800 Jahren stellten Glasmacher milchigweißes, pasteltöniges Opalglas her. Seit dem 20. Jahrhundert sind Muranos Glasmacher weltweit dafür berühmt, das venezianische Glas in höchster Qualität herzustellen. Hier in dieser Ausstellung erhielten wir einen kleinen Einblick, durch einen Film, in die unterschiedlichen Grundtechniken, viele davon aus dem vorigen Jahrhundert und teilweise nicht immer in Murano entwickelt. Spezielle Techniken wie Murrine und Tessere werden auf Murano zur Perfektion gebracht. Eine kurze Erklärung zur MurrinenTechnik: Für die Herstellung von Murrinen werden mehrere verschiedenartige bunte Glasstäbe oder Glasfäden parallel so angeordnet, dass im Querschnitt durch die Aneinanderreihung ein kunstvolles Muster entsteht. Die Stäbe werden miteinander verschmolzen, und der daraus entstehende Stab wird ausgezogen, dabei wird der Querschnitt verkleinert, verändert aber sein Aussehen

nicht. Nach dem Auskühlen wird der Stab in Scheiben geschnitten, die nun das gewollte Muster zeigen, und anschließend mit Werkzeugen in die gewünschte Form gebracht. Eine ähnliche Technik wird bei den Tesseren angewendet, hier sind die Glasstücke dreieckige oder rechteckige Formen – auch für Mosaikarbeiten geeignet. Durch weitere zahlreiche Techniken, wie die Calmo- und auch Sommersor-Technik entstehen in den Manufakturen beeindruckende farbige Muster, wie z. B. Spiral- und Netzmuster. In den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts werden Gesichter von modernen Künstlern wie Jean Cocteau und Pablo Picasso auf Glas entworfen. Durch die Vermittlung der Galeristin Peggy Guggenheim lassen Muraner Manufakturen Glasskulpturen mit den Gesichtern dieser beiden Künstler entstehen. Großformatige Studioglasobjekte durch einzelne Studioglaskünstler vom Beginn des 21. Jahrhunderts sind noch zu erwähnen. Unsere Frau Grün hatte uns wieder eine glanzvolle Ausstellung ausgesucht! „Danke!“

Gisela Telschow

Führung durch die Ausstellung „Ernst - Ludwig- Kirchner“ Hieroglyphen im Hamburger Bahnhof Am 17. November 2016 war das Ziel des Kulturkreises die Präsentation von 18 Originalwerken Ernst – Ludwig KIRCHNERs (1880-1938) als bedeutendsten Protagonisten des Expressionismus im Hamburger Bahnhof. Durch unüberschaubares Baustellengewirr und wahnsinnigen Straßenverkehr

am Hauptbahnhof hindurch ging es im wahrsten Sinne in die Nationalgalerie (Muse-um der Gegenwart) „durch das Dunkel zur Gegenwart“. Man entdeckte in dem interessanten ehemaligen Kronprinzen-Palais den „fast abstrakten Maler“ KIRCHNER, reduziert in Farbe und Form, dann entfalteten sich durch großzügige Hängung Top-Werke, tausend-


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fach reproduziert, durch wenige Bleistiftlinien oder Pinselstriche verdichtet, in ihrer beeindruckenden Wirkung. Zu benennen sind die grandiosen Gemälde „Potsdamer Platz“, „Belle Alliance Platz“, „Sitzender Akt“, „Badende am Strand in Fehmarn“ und „Rheinbrücke in Köln“. Auch in seiner Auseinandersetzung mit vielfältigen Kulturen bis hin zur Volkskunst verschwimmt „seine künstlerische Geschichts- und Gegenwartsdarstellung“. KIRCHNER bediente sich für seine Kunst intensiv der Fotografie. Zu den berühmtesten Motiven gehören die Aufnahmen aus dem Berliner und später dem Davoser Atelier, das er sich mit selbst geschnitzten Möbeln, farbigen Wandbehängen und eigens entwickelten Teppichen zum Gesamtkunstwerk arrangierte. Seine Gemälde und Skulpturen sind zunehmend abstrakt. Er suchte nach neuen Wegen in der Malerei durch „symbolhafte Setzung von Motiven“ (Hieroglyphen als Ausdruckszeichen). Was hätte aus ihm und dem Expressionismus werden können, wenn nicht die Zäsur von 1933 sich auf seine Kunst und sein Leben niedergeschlagen hätte? Bei KIRCHNER war besonders tragisch: psychische Labilität durch die Erfahrun-

gen des Ersten Weltkrieges, sodass er sich in Sanatoriumskliniken in Davos Rückzugsorte schaffen musste. Die Verfemungen durch die Nationalsozialisten in Form der „entarteten Kunst“ ertrug er jedoch nicht mehr und nahm sich 1938 das Leben. „Künstler wird man aus Verzweiflung“ und „das Großstadtleben“ empfand er als „Exstase”. Er galt als Mitbegründer der expressionistischen Künstlergruppe „Brücke.“ Die Räumlichkeiten im Hamburger Bahnhof haben uns Kunstinteressierte sehr beeindruckt, zumal das Gebäude als „historisches Bauwerk“ - 1846 erbaut 1906 noch als „Königliches Bau-, Verkehrs- und Lokomotivmuseum“ anzusehen war. 1984 erfolgte eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Seit 1996 ist das Museum für Gegenwart als Teil der Nationalgalerie darin untergebracht. Als kulinarische Abrundung und als ein weiteres Highlight der Museumsführung ließen wir uns gemeinsam in dem im Innenhof des Hamburger Bahnhofs gelegenen „Restaurant Sarah Wiener“ mit z. B. einer köstlichen Kürbissuppe verwöhnen. Renate Hensler-Tresenreuter

Verschiedenes 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland – Aufruf zur Mithilfe als Zeitzeuge Vor fast 100 Jahren, am 30. November 1918, wurde durch eine entsprechende Verordnung das Wahlrecht für Frauen in Deutschland gesetzlich fixiert. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversamm-

lung am 19. Januar 1919 konnte von diesem Recht erstmals Gebrauch gemacht werden. Vor diesem Hintergrund plant die Dokumentarfilmerin Dagmar Scheibert,


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die unter anderem für den RBB tätig ist und auch für das Sozialwerk fotografiert, einen Dokumentarfilm über die Stellung der Frauen vor 100 Jahren, das heißt zwischen der Verantwortung für Familie und Kinder und Restriktionen in einer vornehmlich durch die Männerwelt bestimmte Gesellschaft. Für diesen Dokumentarfilm sucht Frau Scheibert Dokumente, Fotos oder auch Filme 8, super 8 und mehr) über den Alltag der Frauen im angehenden 20. Jahrhundert und bittet Sie auf diesem Weg um Ihre Mithilfe. Sofern Sie die angesprochenen Unterlagen zur Verfügung stellen können, bitten wir Sie, sich

mit Frau Hankewitz oder Frau Harder vom Sozialwerk Berlin oder direkt mit Frau Scheibert in Verbindung zu setzen (Telefon: 0170 183 06 02). Auf folgende Rechtssituation möchten wir Sie an dieser Stelle hinweisen: Wenn Sie Ihre Unterlagen an Frau Scheibert übergeben, stimmen Sie nach den datenrechtlichen Bestimmungen deren Verwendung durch die Dokumentarfilmerin zu. In jedem Falle danken wir Ihnen schon jetzt für Ihre Unterstützung. Dr. Hans-Ulrich Litzner

Wahlen für eine neue Seniorenvertretung Das Seniorenmitwirkungsgesetz wurde in 2016 neu gefasst.

Erstmalig gibt es eine Briefwahl!!! Liebe Seniorinnen und Senioren! Wenn Sie in Charlottenburg/Wilmersdorf wohnen und älter als 60 Jahre alt sind, dürfen Sie die Seniorenvertretung wählen. Diese setzt sich zusammen aus 17 von den Bürgern gewählten Mitgliedern.

Bitte schenken Sie mir Ihr Vertrauen und wählen mich erneut in die SeniorenVertretung. Ich unterstütze Sie weiterhin in sozialen, kulturellen, gesundheitlichen Angelegenheiten sowie in Ihren sonstigen Interessen und nehme Ihre Belange sehr ernst. Hannelore Rohde-Käsling „Leben

ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist Pläne zu schmieden.“ John Lennon


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Herbstliche Wanderungen – auch über den Baumwipfeln Am 17. September wollte sich die Wandergruppe eigentlich der deutschen Geschichte von Schloss Glienicke, entlang der Havel, nach Potsdam widmen. Doch das Wetter spielte der Gruppe einen Streich. Plötzlich einsetzender Starkregen zwang die Wanderer in Wannsee zu einer Kaffeepause. Das Warten lohnte sich für die Unentwegten, denn die Wolkendecke riss auf und die Sonne kam zum Vorschein. Schnell wurde Plan B ausgepackt und zur Fähre nach Kladow geeilt - denn die Abfahrt stand bevor -, um anschließend auf wunderschönen Uferwegen entlang der Havel bis nach Gatow zu wandern. Vorbei am halbverfallenen ehemaligen Gutshof Neukladow, der noch immer auf eine Renovierung wartet, und gepflegten Grundstücken von Kleingartenkolonien. Große Beachtung fanden die vielen Segelboote, die sich auf der Havel an mehreren Regatten beteiligten. Welch ein prächtiger Anblick! Von gegenüber grüßten der Grunewald und der gleichnamige Turm. Dieses schöne Bild begleitete die zufriedenen Wanderer noch bis nach Gatow, wo per Bus die Heimreise angetreten wurde. Eine Exkursion besonderer Art war unsere Reise am 8. Oktober zu den ehemaligen Beelitzer Lungenheilstätten. Errichtet wurden die prächtigen Gebäude mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet für die arme Berliner Bevölkerung in den Jahren 1898 bis 1930 im englischen Landhausstil. 1945 beherbergte das Areal das größte Militärhospital außerhalb der Sowjetunion und war gleichzeitig ein riesiges Sperrgebiet für die übrige Bevölkerung, bis 1994 die LVA das inzwischen

verwilderte Gelände und die dem Verfall und Vandalismus preisgegebenen Gebäude übernahm. Bis heute ist nur eines der einst hochmodernen und funktionell eingerichteten Häuser saniert und renoviert worden. Es beherbergt eine neurologische Reha-Klinik. Öffentlich zugänglich ist der schöne Speisesaal mit Jugendstilelementen. Hier hat die beeindruckte Wanderschar ihre Mittagspause verbracht. Gleich gegenüber der Reha-Klinik steht noch als Anschauungsobjekt ein gleiches, aber verwildertes Sanatoriumsgebäude, das wie die übrigen Heilstättenhäuser auf dem Areal, noch aus ihrem „Dornröschenschlaf“ geweckt werden möchte. Beeindruckend war der Blick über das gesamte Gelände aus der Vogelperspektive. Er ist erst seit 2015 möglich geworden durch die Montage eines sehr stabilen, 320 Meter langen Baumwipfelpfades.

Der Aufstieg in bis 40 Meter Höhe ist über Stufen, aber auch behindertengerecht per Fahrstuhl möglich. Schautafeln mit alten Fotografien, aber auch Führungen über Teilbereiche der Heilstätte sorgen für die nötigen Informationen.


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Durch die herbstliche Jungfernheide bewegte sich die Wandergruppe am 5. November. Entgegen aller Wetterprognosen meinte es der wolkenverhangene Himmel gut mit den Teilnehmern und öffnete erst nach der Heimreise seine Pforten. So war es eine Freude, über das bunte Laub zu wandern oder die leuchtenden Farben der Bäume am Wegesrand zu bewundern. Gleich der Haupteingang zum Park am Kurt-Schumacher-Damm mit seinen Bärenskulpturen und dem Blick auf den kunstvoll gestalteten Wasserturm, eingerahmt von bunten Buchen, ließ Freude bei der Gruppe aufkommen. Angelegt wurde der Volkspark in der einstmaligen „Heide der Jungfern“

(ehemaliges Kloster in Spandau) anlässlich eines Notprogramms durch Arbeitslose in den Jahren 1920 bis 26 und sollte der Erholung der Bürger dienen. Wie wohldurchdacht die Pläne damals waren, sah die Gruppe im weiteren Verlauf der Wanderung. Zahlreiche Ruhbänke und überdachte Pavillons säumen die Wege, auch am künstlich angelegten schönen See. Ein Freibad mit Ruderbootverleih und Gaststätte sorgen für das körperliche Wohl der Berliner, ebenso wie Ferienfreizeitanlagen für Kinder. Wer „hoch hinaus will“ und Nervenkitzel sucht, ist im neuen Hochseilgarten gut aufgehoben. Wir Senioren sehen uns die Kletterkünste, aber auch Ängste der Teilnehmer sicherheitshalber von unten an. Im urigen Kulturbiergarten fand diese schöne Wanderung bei dampfender Erbsensuppe mit Würstchen ihren Abschluss. Text und Fotos: Wolf-Dieter Pätzold

Schiffsmodell –Siehe 1. OG Angeregt durch die drei dedizierten Schiffsmodelle eines Spenders für das Sozialwerk, zeigen wir jetzt verschiedene internationale Schiffstypen, die Peter Teske (Jahrgang 1943) im Laufe der Jahre angefertigt hat. Als Dekorationsmeister, spezialisiert auf die Restaurierung antiker Möbel, und begeisterter Segler entdeckte er als Freizeithobby die Herstellung von Schiffsmodellen aus aller Herren Länder. Eine kleine Auswahl dieser Produktion wird in der Vitrine im 1. OG gezeigt. Der ausliegende Prospekt erläutert die gezeigten Modelle, die auch käuflich zu erwerben sind.

Sowie die Segelsaison zu Ende ist, zieht sich Peter Teske zurück und fertigt weitere, ihn interessierende historische Schiffe an. So hat jeder seine Welt, in die er versinken kann. Text: Eveline Harder, Foto: Wilfried Neumann


Veranstaltungen und Interessenkreise Siehe dazu die einschlägigen Programme für Januar, Februar und März im Aushang und auf der Internetseite www.sozialwerk-berlin.de unter der Rubrik Schlösschenpost

*************************************************** Wir gratulieren

Wir gratulieren allen Jubilaren der Monate Januar, Februar, März und wünschen ihnen weiterhin Gesundheit und viel Glück!

************************************************** Beratungen – Informationen – Sprechstunden Liebe Leser/Innen, wir geben Ihnen den folgenden Brief zur Kenntnis als Beispiel für die Dankbarkeit vieler Mitglieder, die Rat und Tat bei unseren ehrenamtlichen Beraterinnen bekommen haben. Dieser Brief soll auch Ihnen Mut machen bei auftretenden Fragen und Problemen unsere Beraterinnen anzusprechen.

„Berlin, den 5. Januar 2017 Als Tochter meiner pflegebedürftigen Mutter hat mir Frau Mangers mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Meine Mutter lebte bis November in NRW in einem Seniorenheim. Da mir die monatlichen Fahrten zu meiner Mutter aus Alters- und gesundheitlichen Gründen von Jahr zu Jahr immer schwerer gefallen sind, habe ich meine Mutter in einem Berliner Seniorenheim untergebracht. In diesem Seniorenheim gab es Probleme mit der Heimleitung und auch im pflegerischen Ablauf, die ich bisher so nicht kannte. Frau Mangers habe ich um Hilfe gebeten, mich bei der sehr problematischen Situation, die sich mit der Heimleitung aufgebaut hatte, zu unterstützen.


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Mit ihrer überaus großen fachlichen Kenntnis und ihren langjährigen Erfahrungen hat sie die unzureichenden Gegebenheiten des Heimes sofort erkannt. Sie hatte stets mein volles Vertrauen. Durch ihr Engagement wurde eine Lösung herbeigeführt. Hierfür bedanke ich mich sehr – auch im Namen meiner Mutter. Gern empfehle ich sie daher auch weiter. Mit freundlichen Grüßen Helga Pomplun“ Sie können sich vertrauensvoll in - Behördlichen Angelegenheiten an Renate Hensler-Tresenreuter, Tel.: 361 99 78 - Sozialrechtlichen Angelegenheiten an Heidemarie Mangers, dienstags, 16-18 Uhr Voranmeldung: Tel.: 650 15 999 - im Behindertenrecht und in sozialrechtlichen Angelegenheiten an Hannelore Rohde- Käsling, Tel.: 891 10 51 (Rezeption) wenden. Sprechstunden für das Sozialwerk Berlin und den Förderkreis erteilt Christa Fischer, Mo-Di-Do-Fr 10-16 Uhr.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Christine Bökel-Striebeck

Impressum Herausgeber: Arbeitskreis „Schlösschen-Post" des „Sozialwerk Berlin e. V." Humboldtstr. 12, 14193 Berlin - Grunewald, Tel: 891 10 51/52 Redaktion: Jean Mangers, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Wilfried Neumann Eigenverlag: Druckerarbeiten: Jürgen Schambach Beiträge: Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Barbara Donbavand, Eveline Harder, Christa Fischer, Margit Hankewitz, Renate Hensler-Tresenreuter, Dr. Hans-Ulrich Litzner, Jean Mangers, Wilfried Neumann, Wolf-Dieter Pätzold, Helga Pomplun, Hannelore Rohde-Käsling, Peter Stawenow, Gisela Telschow Für Aufsätze und Berichte, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, trägt dieser die Verantwortung. Kleine, nicht sinnentstellende Korrekturen bleiben vorbehalten. Homepage: Diese Nummer ist auch unter www.sozialwerk-berlin.de Rubrik „Schlösschen-Post“ einzusehen. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Mitgliedern der Redaktionskommission, den Autoren dieser Schlösschen-Post und Herrn Rieger für ihre wertvolle Mitarbeit sehr herzlich bedanken und ihnen alles Gute für 2017 wünschen! Jean Mangers Redaktionsschluss für die Nummer 66: 7. April 2017


Schlösschen-Post Nr. 65 Winter 2016/17