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Nr. 64

Herbst 2016

Schlösschen – Post Erlebtes & Aktuelles vom Sozialwerk

Berlin

Foto: Renate Hensler-Tresenreuter Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband - Landesverband Berlin


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Inhaltsverzeichnis Leitartikel: Im Sinne von Käte Tresenreuter Auf ein Wort Der September In trauter Verborgenheit Das Porträt: Gisela Telschow Erlebtes und Aktuelles Eröffnung der 42. Seniorenwoche Verbraucherveranstaltung zum Thema „Abzocke“ Öffentliche Abschlussveranstaltung der 42. Seniorenwoche Die Sommerfeste im Juli 2016 Dampferfahrten mit Bewohnern von Pflegeeinrichtungen Treffen mit Flüchtlingsfamilien - Refugees Welcome Unser Jahresausflug für Mitarbeiter „Ältere Menschen und Gesundheit“ mit dem Bundesminister Herrmann Gröhe Der Tag des Ehrenamts mit Stand in Wilmersdorf Empfang der neuen Mitglieder

Gremienarbeit Bericht von der BAGSO: Freiwilliges Engagement und Partizipation

Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen im Schlösschen Die Bootsmänner Autorenlesung „Meeres-Geflüster“ von und mit Ina-Alexandra von Trotha Erzähl-Café: „Erika – Gräfin von Brockdorff – eine Frau im Widerstand“ „Träum’ mit mir vom Glück“ mit Anara Churikova Auftritt vom „Tambouraschen Chor Wellebit“ Monika Bienert im Erzählcafé über „Marlene Dietrich und Erich Rainer Remarque“ Panflötenträume Autorenlesung: „Fremde Vögel“ – Novelle mit Frau Dr. Marianne Suhr Auftritt des IBM-Club-Chors

Unsere Kreise und Dienste Bericht aus dem Besuchsdienst Ein Jahr Lesepatenschaften Vorstellung einer neuen Mitarbeiterin

Museumsbesuch Besuch des Zisterzienserklosters

Verschiedenes Infos: Stromkosten für Rollstühle Hinweis für die Patientenverfügung -Vollmacht Unser neuer Geräteschuppen Anmerkungen zu „Auf ein Wort“ Sommerzeit, Wanderzeit

Veranstaltungen und Interessenkreise Schmunzelecke Wir gratulieren Beratungen – Informationen - Sprechstunden Impressum Adventszeit

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Leitartikel Im Sinne von Käte Tresenreuter Am 4. August 2016 ist das novellierte Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz in Kraft getreten. Es hat, wie auch schon die Fassungen von 2006 und 2011, das Ziel, die aktive Beteiligung der Berliner Seniorinnen und Senioren am sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben zu fördern, ein Ziel also, dem sich auch Käte Tresenreuter zeitlebens verpflichtet fühlte. Das Gesetz zeigt auch den Weg auf, wie das Ziel erreicht werden kann: es beschreibt die Aufgaben der sogenannten Seniorenmitwirkungsgremien sowie die der Verwaltung. Für die Verwaltung besteht insbesondere die Pflicht, die zuvor genannten Gremien zu informieren und zu unterstützen. Seniorenmitwirkungsgremien im Sinne des Gesetzes sind neben den Seniorenorganisationen wie das Sozialwerk Berlin e.V. die bezirklichen Seniorenvertretungen, die Landesseniorenvertretung sowie der Landesseniorenbeirat Berlin. Damit diese Gremien aber erfolgreich arbeiten können, müssen sich die gewählten Seniorenvertreter auf eine breite, repräsentative Basis abstützen können. Aus diesem Grunde hatte Käte Tresenreuter stets engagiert eine terminliche Zusammenlegung der Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen und zu den Seniorenvertretungen gefordert, um älteren Menschen einen doppelten Gang zu den Wahlämtern zu ersparen. Im novellierten Seniorenmitwirkungsgesetz konnte diese Forderung (leider noch) nicht festgeschrieben werden. Andererseits wurde der Wahlmodus für die Seniorenvertretungen wesentlich erleichtert und ist nun transparenter. Auch

eine Briefwahl für die Vorschlagslisten zu den bezirklichen Seniorenvertretungen ist künftig möglich. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass im neuen Gesetz einige Forderungen von Käte Tresenreuter ihren Niederschlag gefunden haben. Es liegt nun an den Seniorinnen und Senioren selbst, das neue Gesetz durch eine große Wahlbeteiligung bei den Wahlen zu den bezirklichen Seniorenvertretungen, die voraussichtlich im März 2017 stattfinden, mit Leben zu erfüllen. Alternativ können auch Sie sich in die Wahllisten aufnehmen lassen, um im Falle einer Wahl die Interessen des Sozialwerks Berlin direkt in die bezirklichen Seniorenvertretungen einzubringen. Wir, die Mitglieder des Sozialwerk Berlin e.V. und seines Förderkreises, die im Sinne von Käte Tresenreuter tätig sind, laden Sie schon heute ein, von den neuen Wahlmöglichkeiten des Seniorenmitwirkungsgesetzes regen Gebrauch zu machen. Dr. Hans-Ulrich Litzner Vorsitzender des Förderkreises

P.S.: Das Seniorenmitwirkungsgesetz ist nachlesbar unter www.berlin.de/sen/soziales


Auf ein Wort Liebe Leserinnen, liebe Leser, endlich ist wieder Herbst! Ich liebe diese Jahreszeit besonders, weil sie so verschiedene Erscheinungsformen hat: An vielen Bäumen verfärben sich die Blätter in die schönsten warmen Gold- und Rottöne, Nüsse und Kastanien reifen und einige Apfelsorten haben auch erst im September oder Oktober ihre volle Reife erlangt. Die Natur besteht aus unzähligen kleinen und großen Wundern: Ein Baum, der im Herbst all seine Blätter fallen lässt, trägt im nächsten Jahr nicht nur ein sattgrünes, dichtes Blattwerk, sondern auch die schönsten und saftigsten Früchte. Ich durfte vor wenigen Wochen bei einer guten Bekannten im Garten Zwetschgen ernten, weil sich sonst kaum jemand findet, der sich für die Früchte an den alten und stark verzweigten Bäumen interessiert. Sie waren nicht mehr so groß und voll wie früher, aber in ihrer Konsistenz und im Geschmack einwandfrei. Ich habe eine wohlschmeckende Konfitüre daraus gemacht, die die Geschmäcker vieler anderer, in der Fabrik hergestellter Konfitüren verblassen lässt... Wenn wir vom Herbst sprechen, dann ziehen wir auch oft Parallelen zu uns älteren Menschen. Wir sprechen dann vom 'Herbst unseres Lebens'. Auch wir sind schon „morsch im Geäst“ und nicht mehr so ausdauernd wie ein junger Artgenosse, doch kann sich die Qualität unserer Leistungen allemal sehen lassen. Möchten wir aber im Alter von 60+ noch gern einer Tätigkeit nachgehen, schreibt man uns ab, weil wir 'zu alt' sind, gute Arbeit wird uns kaum noch zugetraut. Fast überall ist Jugend gefragt.

Doch gerade wir 'Sozialwerker' wissen nur zu gut, was die Älteren - von der Gesellschaft oft aufs Nebengleis Geschobenen – noch zu leisten imstande sind. Z. B. haben die überwiegend älteren Mitglieder des Mandolinenorchesters am 20. August d. J. ein hervorragendes Konzert im Schlösschen gegeben. Ebenso durften wir der letzten und sehr gelungenen Aufführung („Hurra, wir lachen noch“) der Theatergruppe 'Die Kreuz- und Querberger' am 23. Januar d. J. mit großer Freude beiwohnen, deren Schauspielerinnen zwischen 75 und 93 Jahre alt waren.... Wir alle erleben und genießen tagtäglich die besonderen Leistungen unserer Ehrenamtlichen, die keine Mühen scheuen, um dem Käte-Tresenreuter-Haus mit ihrem unermüdlichen Einsatz den Glanz, die Würde und das Ansehen zu verschaffen und zu bewahren, wofür Käte und Harry Tresenreuter ein halbes Leben lang bis ins hohe Alter auf vorbildliche Weise gekämpft und gearbeitet haben. Und dass dies so bleiben möge, dafür stehen wir Ehrenamtlichen mit unserem Einsatz! Herzlichst Ihre Christine Bökel-Striebeck


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Der September Das ist ein Abschied mit Standarten aus Pflaumenblau und Apfelgrün. Goldlack und Astern flaggt der Garten, und tausend Königskerzen glühn. Das ist ein Abschied mit Gerüchen aus einer fast vergessenen Welt. Mus und Gelee kocht in den Küchen. Kartoffelfeuer qualmt im Feld. Die Stare gehen auf die Reise. Altweibersommer weht im Wind. Das ist ein Abschied laut und leise. Die Karussells drehn sich im Kreise. Und was vorüber schien, beginnt. Erich Kästner (1899 - 1974) Gefunden von Christine Bökel-Striebeck

In trauter Verborgenheit Ade, ihr Sommertage. Wie seid ihr so schnell enteilt. Gar mancherlei Lust und Plage habt ihr uns zugeteilt. Wohl war es ein Entzücken zu wandeln im Sonnenschein. Nur die verflixten Mücken mischten sich immer darein. Und wenn wir auf Waldeswegen dem Sange der Vögel gelauscht, dann kam natürlich ein Regen auf uns hernieder gerauscht. Die lustigen Sänger haben nach Süden sich aufgemacht, bei Tage krächzen die Raben, die Käuze schreien bei Nacht. Was ist das für ein Gesause, es stürmt bereits und schneit. Da bleiben wir zwei zu Hause in trauter Geborgenheit. Kein Wetter kann uns verdrießen, mein Liebchen– ich und du. Wir halten uns warm und schließen hübsch die Türen zu. Wilhelm Busch Gefunden von Wilfried Neumann


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Das Porträt In unserem Hause gibt es so viele ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen, die schon so lange mit Freude ihren Dienst tun. Wir wollen ein wenig mehr von all diesen lieben Menschen erfahren, deren Gesicht wir zwar kennen, von denen und deren Schicksalen wir im Grunde aber viel zu wenig wissen.

Gisela Telschow Guten Tag, liebe Frau Telschow, Sie sind nun schon seit 12 Jahren Mitglied und ehrenamtliche Mitarbeiterin in unserem Hause. Würden Sie mir ein wenig über Ihr Leben erzählen? Ich wurde am 28.02.1936 in Barranquilla (Kolumbien) als Kind deutscher Eltern geboren. Neun Jahre zuvor war mein Vater von einer Hamburger Kaffeefirma dorthin gesandt worden. Er war Kaufmann und arbeitete als Prokurist. Alle vier Jahre hatte er drei Monate Urlaub und so holte er 1935 meine Mutter nach Kolumbien, die er kurz zuvor in Dresden geheiratet hatte. 1939 reisten wir nach Deutschland, da die Eltern wieder den Urlaub in Dresden verbringen wollten. Während dieser Zeit brach aber der Zweite Weltkrieg aus und wir konnten nicht mehr nach Barranquilla zurück, zumal Kolumbien und Deutschland politische Gegner waren. Dies war für mich ein großes Glück, da ich in Kolumbien sehr krank war und auch erst mit zwei Jahren laufen lernte. Bald kamen wir nach Berlin, wo mein Vater eine Stelle bei der BFA bekam, meine Mutter war nicht berufstätig, sie musste sich um meine beiden jüngeren Brüder und mich kümmern. Wie gestaltete sich Ihre Schul- und Ausbildungszeit? Hier in Berlin wurde ich eingeschult. Durch Evakuierung wegen der schweren Berliner Bombenangriffe zogen wir nach Dresden, und ich setzte den Grundschulbesuch fort bis zum schrecklichen Bombenangriff auf diese Stadt. Es war eine schlimme Zeit. Wir haben dort den Angriff miterlebt, haben die Flüchtlingsströme durch die Stadt ziehen sehen,


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hatten Hunger und Durst – das Wasser holten wir von einem mehrere Kilometer entfernten Brunnen -, aber wir wurden verschont von den schrecklichen Erlebnissen, die die Menschen auf ihrem Fluchtweg ertragen mussten. Nach Kriegsende zogen wir wieder zurück nach Berlin. Doch nun erlebten wir einen großen Schicksalsschlag: Unser Vater wurde noch im April 45 eingezogen und starb bereits Anfang Juni desselben Jahres an Fleckentyphus. Mutter war nun auf sich allein gestellt und hatte vier Mäuler zu stopfen. Sie arbeitete halbtags als „Mädchen für alles“ in einem Brennstoffhandel – „Telschow & Co“ (bis 1953). Ich besuchte nach Beendigung der Grundschule den technischen Zweig einer Schöneberger Schule bis zur 10. Klasse. Danach absolvierte ich zwei Jahre in einer Haushaltsschule und erlernte anschließend im Lettehaus den Beruf der MTA, in dem ich aber auf Grund meiner Herzerkrankung nie gearbeitet habe. Wie ging es dann weiter in Ihrem Leben? Während dieser (Ausbildungs-)Zeit lernte ich meinen zukünftigen Mann – die Liebe meines Lebens – kennen, dem ich aber schon als 10-Jährige im Brennstoffhandel Telschow & Co begegnet war. Er war dort Geschäftsführer und 17 Jahre älter als ich. 1955 heirateten wir und bekamen drei Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen. Hinzu kam noch der Sohn meines Mannes aus erster Ehe. Seit 1956 habe ich halbtags als Buchhalterin im Betrieb meines Mannes gearbeitet. 1983 sind wir beide in den Ruhestand gegangen. Leider ist mein lieber Heinz schon 1992 gestorben, nachdem ich ihn 14 Jahre lang gepflegt hatte. Nach einem Schlaganfall hatte er noch verschiedene Krebskrankheiten. Probleme mit dem Glaukom (grüner Star) hatte er vererbt bekommen, denn seine Eltern waren beide schon in ihrer Jugendzeit erblindet. Blieb Ihnen noch Zeit für Ihre Hobbys? Mein Vater, den ich ja nur sieben Jahre in meinem Leben hatte, hat mit mir Klavier gespielt, indem ich meine kleinen Hände beim Spielen auf seine legen durfte. Das hat mich sehr inspiriert und so bekam ich ab dem achten Lebensjahr vier Jahre lang Klavierunterricht (sogar auf einem Flügel). Mein ganzes Leben habe ich mich für Opern und Konzerte interessiert und auch sehr gern Museen besucht. Nach dem Tod meines Mannes habe ich sehr viele Reisen gemacht. Auf welchem Weg sind Sie ins Sozialwerk Berlin gekommen und welche Aufgaben haben Sie übernommen? Schon lange vor meinem Eintritt habe ich an einem Opernkurs teilgenommen, in dem auch Frau Grün war. Sie hat mich dann eines Tages eingeladen mit ins Schlösschen zu kommen, wo mir unsere liebe Frau Pickert in besonders anschaulicher und netter Weise das Haus präsentiert hat. Also bin ich gleich Mitglied geworden (2004) und habe zuerst nur regelmäßig und gern an den Museumsbesuchen von Frau Grün teilgenommen, bin dann 2007 in den Schlösschenchor eingetreten. Bald darauf bin ich zur stellvertretenden Leiterin des Museumskreises avanciert und schreibe regelmäßig die Besuchsberichte für die Schlösschenpost. Was gefällt Ihnen so gut im Käte-Tresenreuter-Haus? Ich liebe die gesamte Atmosphäre. Egal, mit wem man zusammensteht oder -sitzt, man kommt mit jedem nett ins Gespräch, fühlt sich einfach dazugehörig.


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Welches war Ihr schönstes Erlebnis im Leben? Das war meine Hochzeit! Sie sind im Februar 80 Jahre alt geworden. Wie haben Sie diesen Tag verbracht? Es war ein ganz wunderbarer Tag. Wir haben den 140. Geburtstag gefeiert, da meine Tochter Angelika 60 geworden ist. Sie hat schon ein halbes Jahr zuvor unseren Kirchensaal gemietet und alle Verwandten eingeladen, wir waren 70 Personen. Ich kann gar nicht sagen, wie schön dieser Tag war, es wurde so viel Liebes gesagt, gedichtet und gesungen, und das Allerschönste war eben, dass wirklich alle da waren an diesem so besonderen Tag. Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit? Ich freue mich auf die kommende Opernsaison. Liebe Frau Telschow, ich danke Ihnen ganz herzlich für dieses interessante und sehr freundliche Gespräch! Text und Foto: Christine Bökel-Striebeck

Erlebtes und Aktuelles Eröffnung der 42. Berliner Seniorenwoche Die Eröffnungsveranstaltung am 25. Juni 2016 fand nun zum 11. Mal auf dem Breitscheidplatz statt.

Foto: Jürgen Schambach

Die Begrüßung der offiziellen Gäste erfolgte durch Frau Margit Hankewitz für den Veranstalter Sozialwerk Berlin e. V.. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller eröffnete die 42. Berliner Seniorenwoche. Grußworte sprachen der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau, der Staatssekretär des Innensenators, Andreas Statzkowski, die Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerschaftliches Engagement, Dr. Susanne Kahlefeld und der

Bürgermeister von Charlottenburg-Willmersdorf, Reinhard Naumann. Rundgänge der Politiker über den Markt verliehen der Anerkennung der ehrenamtlich Beteiligten Ausdruck. Das Sozialwerk Berlin e. V. war wie immer mit einem Stand in Bühnennähe vertreten. Bei hochsommerlichen Temperaturen wurden intensive Gespräche mit Interessenten geführt. Insgesamt war es ein erfreuliches Ergebnis. Immerhin besuchten ca. 25.000 Teilnehmer den Markt. Die Veranstaltungsprogramme fanden reißenden Absatz und die verschiedenen Give-aways erfreuten sich regen Zuspruchs. Auch die verteilten Gutscheine für Kaffee und Kuchen sind ein willkommenes Präsent. Wir freuen uns hier über den Rücklauf. Rundherum war es eine gelungene Veranstaltung. Ein großer Dank gilt dem Organisator Hans Buchholz. Eveline Harder


Verbraucherveranstaltung zum Thema „Abzocke“ am 27. Juni 2016 Sie wurde organisiert vom Bundesverband „Die Verbraucherinitiative e. V.“. Frau Margit Hankewitz, Vorsitzende des Sozialwerks Berlin, bedankte sich bei den drei Referenten für die Behandlung dieses ganz wichtigen Themas. Leider hatten sich nur zehn Zuhörer eingefunden, was wohl nur auf die sehr frühe Morgenstunde (9 Uhr) zurückzuführen war. Sie rief die Teilnehmer auf als Multiplikatoren zu fungieren. Herr Georg Abel, Bundesgeschäftsführer, betonte einleitend, dass die Verbraucher eine Macht darstellen und dass das Internet, das kein reales Gegenüber ermöglicht, als Verkaufsmedium viel an Bedeutung gewonnen hat. Damit sind aber viele Gefahren verbunden. Eine Möglichkeit wäre, Einkaufsgemeinschaften im Internet zu bilden, um diesen zu begegnen. Der Redner wies auch auf herkömmliche Gefährdungen wie Kaffeefahrten, der bekannte Enkeltrick und grenzüberschreitende Angebote z. B. den Urlaub betreffend hin. Herr Bernard Langer, Außenstellenleiter des „Weißen Ring Berlin/Spandau“, stellte seine Organisation kurz vor und verwies auf das umfangreiche Material, das zum Mitnehmen auslag. Er sah den Hauptgrund für die Anfälligkeit älterer Menschen in deren Einsamkeit. Die Kaffeefahrten bieten Abwechslung und Geselligkeit und gaukeln die Perspektive von billigen Schnäppchen vor. Der Redner stellte dann sieben bevorzugte Maschen vor: 1. Die „Wir sind anders“ - Masche 2. Die Schockmasche 3. Die Sympathiemasche

4. Die Ja – Masche 5. Die Dankbarkeitsmasche 6. Die Ausgrenzungsmasche 7. Die Knappheitsmasche und lieferte Beispiele dazu. Er wies darauf hin, dass man bei jedem Kauf ein Rücktrittsrecht bis zu 14 Tagen hat. Den Rücktritt soll man schriftlich formulieren und mit Datum und Adresse versehen. Herr Abel bedauerte, dass die Opfer von Verbrechen weithin vergessen werden. Hier springt der „Weiße Ring“ ein, dessen Vereinsziel Opferhilfe lautet. Diese ist unentgeltlich, da deren Mitglieder sich der Ehrenamtlichkeit als oberste Maxime verschrieben haben. Man soll sich daher nicht scheuen, im Notfall an den „Weißen Ring“ heranzutreten. Herr Sven Weber, IT – Spezialist, wies darauf hin, dass die Internetmöglichkeiten für ältere Menschen viel größer sind als allgemein angenommen. Dessen ungeachtet müssen sie sich den damit verbundenen Gefahren wie ABOfallen (sog. Wissenschaftliche Datenbank), Phishing (E-Mails nicht aufmachen!), Spam (die Daten werden verkauft, aber man hat ein Widerrufsrecht von 1 Jahr und 14 Tagen) und Abmahnungen bewusst sein. Zum Schutz kann man Antivirenprogramme scannen, die Firewall aktualisieren und gegebenenfalls den Computer neu installieren lassen. Diese Veranstaltung wird Oktober wiederholt werden.

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Jean Mangers


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Öffentliche Abschlussveranstaltung der 42. Seniorenwoche am 6. Juli 2016 im Käte-Tresenreuter-Haus Die diesjährige Seniorenwoche stand unter dem Motto: „Willkommen bei uns!“ In ihrer Begrüßung zeigte sich Frau Margit Hankewitz, Vorsitzende des Sozialwerk Berlin e. V., erfreut über die rege Teilnahme und das große Interesse von Vertretern aus Berlins Politik und sozialer Landschaft. Sie sah es als eine große Ehre an, dass sich Herr Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen BAGSO, Lobby der älteren Menschen in Deutschland, für das Impulsreferat zur Verfügung gestellt hatte. Das Podium wurde nicht wie in den vorangegangenen Jahren aus aktiven Politikern des Berliner Abgeordnetenhauses, sondern von folgenden Persönlichkeiten gebildet: Herr Dirk Gerstle, Staatssekretär für Gesundheit und Soziales, Frau Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPW), Herr Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin, Frau Dr. Johanna Hambach, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Berlin und Herr Dr. Amer Hassroun, ein gebürtiger Syrer, der sich als Projektkoordinator im Auftrag des Sozialwerks Berlin mit vielen anderen Freiwilligen um Flüchtlingsfamilien kümmert. Als Moderator fungierte Herr Peter Stawenow vom „Kompetenzzentrum Offene Altenarbeit“ des Sozialwerks Berlin. In seinem locker vorgetragenen Impulsreferat stellte Franz Müntefering zuerst die BAGSO vor, die mit gut 140 Mitgliederorganisationen rund 11 Millionen ältere Menschen vertritt. Sie hat die ganze Gesellschaft im Blick und bietet

Aufklärung, Information und Orientierung an. Weitere Aussagen waren: Das Leben ist sehr kurvenreich, aber die Senioren kennen auf Grund ihrer Erfahrungen die Abkürzungen. Bedeutungsvoll sind die drei L, d. h. Laufen (bewegen, bewegen, bewegen), Lernen (Man kann immer noch schlauer werden.) und Lachen (oder lieben – fröhlich sein). Einige Stichworte: Hilfebedürftigkeit (Die Menschen sind alle hilfsbedürftig – man muss sich nur helfen lassen.) Solidarität (Sie ist eine unverzichtbare Größe.) Ehrenamt (Das zivile Engagement wird gebraucht.) Einsamkeit (Die Menschen brauchen Begegnungen.) Der Redner führte noch vier wichtige Punkte an: Bildung für uns alle (Die Zukunft liegt bei der Bildung – wir sollen Bescheid wissen.) Soziale Kontakte sind notwendig. (So fördert z. B. Tanzen die Koordination.) Flüchtlinge (Es gibt unzählige Flüchtlinge auf der Welt. Wir können aber nicht die ganze Welt retten. Wir müssen da helfen, wo wir können, z. B. durch Übernahme von Patenschaften.) Rolle der Kommunen (Sie ist im 7. Altenbericht dargelegt. Das soziale Gefälle innerhalb einer Kommune ist riesengroß. Man kann nicht egalisieren, aber dort helfen, wo es nötig ist.) Schließlich sprach der Referent noch die unausgeglichene Ärzteversorgung an. In einer ersten Gesprächsrunde stellten die Podiumsteilnehmer sich und ihre


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Organisationen kurz vor und brachten einige Beispiele zum vorgegebenen Thema. Der Tenor war: Angesichts der vielen Flüchtlinge sind viele Menschen bereit zu helfen. Sie können es aber nur mit den Flüchtlingen zusammen schaffen, denn diese sind sehr unterschiedlich, vielschichtig und haben andere Mentalitäten. Wichtige Aussagen waren des Weiteren: Die Flüchtlinge haben Legitimation. Wir müssen ihnen mit unseren Ressourcen eine Perspektive bieten. Der Sport soll sich auf dem Niveau von Freude, Kontakt und Bewegung abspielen. Die Menschen müssen sich selbst aktivieren. Der Sport bringt Menschen ohne Sprache zusammen und vermittelt „fair play“. Die Potenziale der Seniorenvertretungen müssen ganz ausgenützt werden, d. h. die 17 zur Verfügung stehenden Stellen in den Seniorenvertretungen sollen mit den 60+ Leuten auch besetzt werden. Sie müssen sich einmischen und den Politikern auf die Füße treten. Aus dem Publikum traten insgesamt 12 Rednerinnen und Redner auf, die ihre Beanstandungen, aber auch Vorschläge vortrugen. Das Podium stand Rede und Antwort und setzte sich mit den Ausführungen der Redner auseinander, wobei es u. a. zu folgenden Aussagen kam: Ein verbilligter Eintritt in die Bäder für Senioren wird geprüft. Die Beschäftigung von Flüchtlingen ist eine delikate Sache. Jeder Bewerber wird eingehend interviewt. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gestaltet sich schwierig. Die meisten Flüchtlinge wissen nicht, was sie machen dürfen und sollen. Sie haben auch große Probleme eine Wohnung zu finden. Ihre Vorstellungen und Wünsche müssen zur Kenntnis genommen werden. Die Rahmenbedingungen für die pflegerische Versorgung müssen verbessert werden. Die

Attraktivität für Pflegeberufe muss erhöht werden. Die Pfleger/Innen müssen für ihre schwere Arbeit besser bezahlt werden. Die Altenpfleger/Innen sind in der Gesellschaft nicht so gut angesehen wie die Krankenpfleger/Innen. Ab 2020 droht ein Loch, was den Nachwuchs anbelangt. Telemedizin ist gut, aber Ärzte im Heim und Pfleger dürfen nicht durch Geräte ersetzt werden. Peter Stawenow meinte abschließend, die Flüchtlinge müssten an die Philosophie der Hilfe durch Selbsthilfe herangeführt werden. Er bedankte sich für die guten Beiträge und die rege Teilnahme des Publikums und meinte: „Wir sind nicht ruhig, wir werden uns melden!“ Jean Mangers

Sommerfeste 2016 Ein Hauch von Ascot……. Ja, wo laufen sie denn??? In diesem Jahr fanden die allseits beliebten Sommerfeste am 12. und 13. Juli statt. Damen in zauberhaften Hutkreationen gaben dem Fest einen edlen Rahmen. Eigentlich schade, dass „Dame nicht öfter Hut trägt“. Die Herren, dazu passend gestylt, hätten jeden Auftritt beim Pferderennen in Ascot bestanden.

Foto: Jürgen Schambach

Die „Combo legéro“ spielte mit flotten Weisen zum Tanz auf. Der Wettergott hatte ein Einsehen, sodass dieses Fest, wie im Sommer zu erwarten, zumindest


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am ersten Tag ganz in unserem wunderschönen Garten stattfinden konnte. Einige Wagemutige trauten sich nach Anfangsschwierigkeiten dann auch das Tanzbein zu schwingen. Die Musik lud nicht nur zum Tanzen, sondern auch zum Mitsingen ein. Lieder aus Jahren, in denen dem Einen oder Anderen das Tanzen leichter fiel als das Singen, sorgten für gute Stimmung. Ich möchte an dieser Stelle mal den vielen fleißigen Helfern danken, die es immer wieder verstehen den Saal und diesmal auch die Terrasse so liebevoll herzurichten. Der Saaldienst hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Es ist schon bewundernswert, dass sich immer wieder Menschen finden, die dafür sorgen, dass unsere Gäste einen wunderbaren Nachmittag verbringen können.

unseres Hauses warteten auf die Ankunft der Busse, um die Gäste mit den Rollstühlen und Gehhilfen reibungslos zum Schiff zu geleiten. Bei herrlichem Sonnenschein am ersten Tag startete die zweistündige Rundfahrt. Am zweiten Tag zeigte sich der Sommer leider von seiner wechselhaften und feuchten Seite. An beiden Tagen zusammen konnten ungefähr 470 Gäste begrüßt werden. Zur Unterhaltung bei Kaffee und Kuchen spielte Joe Morris bekannte Melodien am Klavier.

Wie immer war auch für das leibliche Wohl gesorgt. Der bewährte gute Kuchen, und diesmal Bratwurst vom Grill und eine Bowle, die es in sich hatte, sorgten zusätzlich für gute Stimmung. Liebe Gäste, Sie sahen zauberhaft aus. Wir freuen uns, Sie auch im nächsten Jahr bei hoffentlich guter Gesundheit wieder begrüßen zu können. Marita Vennewald

Eine Seefahrt die ist lustig … Am 29. Juli und am 2. August wurden wieder mehrere Pflegeeinrichtungen zu den alljährlichen Dampferfahrten eingeladen. Das große Fahrgastschiff „Havel Queen“, das einem Raddampfer nachempfunden ist, hatte an beiden Tagen am Ufer des Tegeler Sees angelegt. Alles war gut vorbereitet: Die Tische an Bord waren sommerlich und farbenfroh gedeckt, der Sitzplan für die einzelnen Einrichtungen war vorbereitet und viele Ehrenamtliche

Der Schlösschen-Chor sang dann unter Begleitung von Joe Morris auf dem Akkordeon heitere Seemanns- und Fahrtenlieder. Die bekannten Texte wurden vielfach mitgesungen. Dank des vorhandenen Fahrstuhls konnten viele bei Sonnenschein die Aussicht vom Oberdeck genießen. Zum Abschluss war vielfach ein herzliches Dankeschön für den abwechslungsreichen Nachmittag zu hören und … „Wir kommen im bestimmt wieder!“

nächsten

Jahr

Text und Foto: Wilfried Neumann


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Refugees welcome… Eine Aussage, die im Sozialwerk Berlin tatsächlich mit Leben erfüllt wird. Im Januar 2016 startete unser Willkommensprojekt. Zunächst mit ein bis zwei Familien aus Syrien. Syrien deshalb, weil wir als Mitarbeiter Herrn Dr. Hassroun gewinnen konnten, der uns beim Dolmetschen sehr hilfreich war und syrische Wurzeln hat. Es gelang uns, über ihn Vertrauen zu den Menschen aufzubauen. Leider hat ihn seine Lebensplanung nach Kanada geführt und wir mussten Ersatz finden. Das gelang recht nahtlos und wir freuen uns, dass Frau Efraj Ahmed diese Aufgabe übernommen hat. Hier ein kurzer Abriss, was bisher geschehen ist. Im Laufe des Jahres haben wir 10 Familien betreut. Nachdem wir ihnen bei einem Start in die Selbstständigkeit geholfen haben, können sie nun für sich selber sorgen. Unsere Hilfe sieht so aus, dass wir Kontakte zu Wohnbaugesellschaften und privaten Vermietern pflegen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben in einer eigenen Wohnung zu leben. Auch beim Besorgen der Möbel konnten wir in einzelnen Fällen helfen. Wir begleiten sie bei Gängen zur Ausländerbehörde, führen Korrespondenz mit dem Jobcenter und anderen amtlichen Stellen. Kontakte zu Schulen wurden hergestellt, um den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. So ist es uns auch gelungen für drei Familien geeigneten eigenen Wohnraum zu finden. Eine Familienzusammenführung drohte zu scheitern, weil das Geld für ein Flugticket fehlte. Hier konnten wir durch eine private Spende schnell und unbürokratisch helfen. Die Ehefrau ist jetzt in Sicherheit und heute hatten wir die

Gelegenheit, sie persönlich kennenzulernen. Doch auch Freizeitaktivitäten werden gemeinsam durchgeführt. So war Frau Francken mit zwei Familien im Zoo. Für alle ein großer Spaß. Am Anfang hatten wir 14-tägige Treffen mit den Familien bei uns im Haus. Diese finden nun monatlich statt und sollen dazu dienen, dass wir uns näher kennenlernen, neue Aktivitäten planen und auch, dass die Familien untereinander Kontakt haben. Im Moment bieten wir jeden Mittwoch einen Nachmittag an, bei dem wir versuchen, eine Konversation zu führen, ein Sprachkurs der besonderen Art. Bei Kaffee und Kuchen und besonders leckeren Spezialitäten, die die Frauen mitbringen, ist es eine lehrreiche, aber auch fröhliche Runde. Erstaunlich ist, dass die Kinder viel schneller die Sprache lernen als die Erwachsenen. Aufgeweckte kleine Jungen können schon beim Übersetzen helfen. Ein junger Mann aus Syrien, Hamid, kommt regelmäßig ins Haus und hilft Herrn Schambach beim Umbau des Saales oder anderen Tätigkeiten. Ein Vorhang ist zu lang? Für Hamid, ein gelernter Schneider, kein Problem. Er schnappt sich diesen, geht in den Keller an die Nähmaschine und schon ist er passend. Es ist kaum zu glauben, wie es zur Verständigung kommt ohne eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Geplant ist ein Fest im Haus bei dem viele Menschen zusammenkommen, um gemeinsam einen schönen Nachmittag zu verleben.


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Es ist in jedem Fall eine Win-winSituation. Es berührt mich immer wieder, mit welcher Freundlichkeit und auch Dankbarkeit uns die Menschen begegnen. Sie vertrauen uns, obwohl sie auf ihrem Weg nach Deutschland so viel Schreckliches erlebt haben. Wenn ich die Bilder aus Aleppo sehe, bin ich mehr als je zuvor davon überzeugt, dass wir das Richtige tun. Diese Bilder können keinen kalt lassen und in unseren Reihen sind doch noch

sehr viele Mitglieder, die auch schreckliche Zeiten erlebt haben und froh waren, etwas Hilfe zu bekommen. Und die, die Handys immer als Luxus ansehen, sollen bedenken, dass diese der einzige Kontakt in die Heimat sind. Also, öffnet eure Herzen und sagt mit uns: Welcome Refugees! Marita Vennewald

Unser Mitarbeiter-Jahresausflug 2016 Der wieder von unserer Kora gut vorbereitete und durchgeführte Ausflug führte die gutgelaunten Mitarbeiter in den Süden Brandenburgs, in den Landkreis TeltowFläming (TF), ein noch junger Kreis, entstanden 1993 nach einer Reform aus den Gebieten Zossen, Jüterbog und Luckenwalde. 160.000 Einwohner und wohl auch Pendler aus Berlin sorgen für eine Überraschung. Gilt doch diese Region zu der wirtschaftlich erfolgreichsten im Osten (lt. Magazin Focus Money), während der vergangenen 10 Jahre. Dafür sorgt eine hervorragende Infrastruktur, wie mehrere Autobahnen, Eisenbahnlinien und Flugverbindungen, sowie eine gelungene Wirtschaftsförderung, um große Firmen und Konzerne wie Daimler-Benz, RollsRoyce, MTU und v. a. mehr an den Großraum Berlins anzusiedeln. Bis in das 11. Jahrhundert besiedelten die Slawen das Land, bevor sie von den christlichen Flamen verdrängt wurden (Fläming). Das war politisch so gewollt! Eine wechselvolle Geschichte als umstrittenes Grenzland der Kurmark, Kursachsen und Erzstift Magdeburg, weist diese Region Jahrhunderte lang aus. Auch die Reformation hat z. B. in den Städten wie Luckenwalde und Jüterbog ihre Spuren

hinterlassen. Ein Besuch in den sehenswerten Altstädten war aus zeitlichen Gründen nicht möglich, denn unser Ziel war ja das angeblich schönste Glasmacherdorf Deutschlands, das Museumsdorf Baruhter Glashütte, ganz im Südosten des Landkreises. Ganz bewusst erfolgte die Anreise über die B 101 und weiter auf alleenartigen Land- u. Kreisstraßen, um die abwechslungsreiche Landschaft und Vegetation des Flämings, geformt von den abschmelzenden Gletschern der letzten Eiszeit, zu genießen: Vor allem das Baruther Urstromtal mit den Flämingwiesen, aber auch seinen inzwischen bewaldeten Flugsand- u. Binnendünen. 46% der Landkreisfläche werden landwirtschaftlich genutzt, davon wiederum sind 40% mit Laub- und Kiefernwäldern bedeckt. Inzwischen hat auch der Tourismus diese ruhige Region mit seinen 25 Seen entdeckt. Allen voran die Radler und Scater. 220 Km Rad-u. Scaterwege säumen zum Teil die ruhigen Kreisstraßen und Ortswege. Originelle Hütten und Bänke aus Holz laden zum Ruhen ein. Herr Prof. Dr. Striebeck, aber auch euer Wanderleiter haben Teile der Strecke per Rad, aber auch auf Rollschuhen genießen können.


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Vorbei an Baruth, die 2016 auf 400 Jahre Stadtrechte zurückblicken kann, und dem schönen, von Lenné geplanten Schlosspark, erreichten unsere Busse pünktlich das europaweit einmalige Denkmalensemble, das Museumsdorf Glashütte. 1716 von Glasmeister Bernsdorf gegründet und 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Der Ort war gut gewählt, denn es standen zwei wichtige Materialien zur Verfügung: Holz zum Heizen der Schmelzöfen und Sand zur Glasherstellung als Rohprodukte. Leider taugt die Qualität des Sandes nur zu Industrieprodukten, wie z. B. grüne/ braune Flaschen. Nach einer Mittagspause im Biergarten der Gaststätte Reuner mit Hausmacher Fleisch-, Wurst- und Brotwaren begaben sich die Ausflügler alleine, aber auch in Gruppen auf den Weg, um das alte Dorf mit seinen schmuckvollen Häuschen und Museen zu erkunden. Man konnte den Handwerkern wie Glasbläser, Töpfer und Filzer bei der Arbeit zusehen, aber auch kunstvolle Gegenstände käuflich erwerben.

Noch einmal trafen sich die zufriedenen Mitarbeiter im Biergarten zur Kaffeepause mit schmackhaftem Bauernkuchen, serviert auf langen Holzleisten, um dann gestärkt nach Teupitz zu fahren. Auf dem Fahrgastschiff „Schenkenland“ genossen die Mitarbeiter bei einer Rundfahrt den idyllischen Teupitzer See, gesäumt mit viel Vegetation, aber auch hübschen Häuschen und Gärten, und ließen den schönen Tag mit Eis oder edlen Getränken auf dem Oberdeck ausklingen. Schon T. Fontane war beeindruckt bei seinen Besuchen im 19. Jahrhundert von dieser kleinsten Stadt Brandenburgs (2000 Einwohner) und dem See. „So sah ich den Teupitzer See zuletzt und habe Sehnsucht, ihn wiederzusehen. Ist es seine Schönheit allein, oder zieht mich der Zauber, den das Schweigen hat?“ Wolf-Dieter Pätzold

Ältere Menschen und Gesundheit Am 5. September 2016 traf sich auf Einladung des Stadtrats Carsten Engelmann der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe mit Seniorinnen und Senioren zu diesem Thema im Käte– Tresenreuter–Haus. Diese Veranstaltung wurde von Herrn Klaus-Dieter Gröhler, Bundestagsabgeordneter, moderiert. Nach der Begrüßung und Danksagung durch Herrn Gröhler machte Minister Gröhe Ausführungen zur Gesundheitspolitik, insbesondere zu den Themen: Prävention, Rehabilitation vor Pflege! Ambulant vor stationär! Er betonte aber, wie wichtig es wäre, Verständnis dafür zu haben, dass, wenn Familien/Angehörige die Pflege zu Hause

nicht mehr leisten können und der Pflegebedürftige in eine Pflegeeinrichtung aufgenommen werden müsste, dies nicht durch andere als „abschieben“ verstanden werden sollte. Anhand von einigen Beispielen verdeutlichte der Minister, was an Positivem auf dem Gebiet der Gesetzgebung erreicht worden ist. So werden Menschen mit dem Krankheitsbild Demenz durch das Pflegestärkungsgesetz Teil II, welches ab 1. Januar 2017 in Kraft tritt, früher als pflegebedürftig erfasst. Es wird die Gesundheitskarte geben, auf der die Medikamente (für Versicherte, die mehr als drei Medikamente regelmäßig


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einnehmen) stehen. Diese sehr umstrittene Maßnahme ist die Schlussfolgerung aus der Erfahrung, dass sehr viele ältere Menschen jährlich wegen Überdosierung von Medikamenten im Krankenhaus aufgenommen werden müssen. Unter dem Motto, Pflege geht die ganze Gesellschaft etwas an, verdeutlichte der Minister, wie wichtig es sei, dass die gesamte Bevölkerung (Busfahrer, Friseure, Verkäufer, Ärzte, aber auch Nachbarn) sich verantwortlich fühlen sollte; dies kommt ganz besonders bei dem Krankheitsbild Demenz zum Tragen. Ab 2017 werden in stationären Pflegeeinrichtungen die privaten Zuzahlungen nicht mehr steigen, bei Beantragung/ Bewilligung eines neuen Pflegegrades (wie die Pflegestufen dann heißen). Dies hat zur Folge, dass der tatsächliche Hilfebedarf zeitnaher erfasst und vor allen Dingen im Interesse des Pflegebedürftigen geleistet wird. Es erfolgt dadurch eine adäquatere Versorgung. Anschließend berichtete Stadtrat Carsten Engelmann aus der Sicht des Bezirks Berlin Charlottenburg – Wilmersdorf. Ein paar seiner Ausführungen sollen verdeutlichen, worum es ihm ging. Charlottenburg–Wilmersdorf steht mit dem Bezirk Steglitz–Zehlendorf von der Altersstruktur an erster Stelle in Berlin. Dies stellt den Bezirk vor ganz neue Herausforderungen. Es wird ein Treffen geben mit dem jüngsten und dem ältesten Bürger des Bezirks. Demenzfreundliche Kommune bedeutet, Vernetzungsarbeit

auch mit dem gerontopsychiatrischen und dem geriatrischen Verbund. Nach den beiden Ausführungen wurde die Publikumsrunde eröffnet. Folgende Bereiche wurden ganz besonders angesprochen: die Minutenpflege, das Budget der Ärzte bei der Verordnung von Physiotherapien, die Erstellung der Patientenverfügung (hier wurden von Seiten des Bundesministeriums klare und praxistaugliche Formulierungshilfen gefordert), Kurzzeitpflegeplätze für Kinder und Jugendliche wurden gefordert, da diese nicht bei hochbetagten Menschen versorgt werden sollten. Der Minister ging sehr individuell auf die gestellten Fragen und Wünsche ein. Zum Beispiel erklärte er, dass geplant ist, den ausgebildeten Physiotherapeuten besser mit Vollmachten auszustatten. Er scheute sich nicht, auch auf die Frage der Minutenpflege klar zu antworten. Dieser Wunsch lässt sich so schnell nicht umsetzen, da dazu das Leistungsrecht verändert werden müsse. Eine informative und lebendige Veranstaltung ging zu Ende. Bei einer solchen praxisnahen Veranstaltung bin ich sehr gerne wieder dabei. Bleiben Sie, liebe Leser, gesund! Ach ja, wie sagte der Minister: „Die beste Krankheit ist die, die man nicht bekommt“. Optimistisch und freundlichst grüßt Sie, liebe Leser, Heidemarie Mangers

Herr Gröhler (1. v.l.), Herr Gröhe (3. v.l.), Herr Engelmann (2. v.r.) Foto: Heidemarie Mangers


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Der Tag des Ehrenamts 2016 Am Freitag, dem 16. September fand der Tag des Ehrenamts in der Fußgängerzone der Wilmersdorfer Straße statt. Das Programm begann um 14 Uhr mit dem Jörg-Miegel-Trio und dem DJ Bigbaer vom Karaoke-Team Berlin. Grußworte sprachen Stadtrat Carsten Engelmann, die BVV-Vorsteherin Judith Stückler, der Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, der Staatssekretär derin und seit 2007 Leiterin Barbara Pudig mit einem Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

Dirk Gerstle und die Staatssekretärin Hella Dunger-Löper. Dann setzte sich RBB-Moderator Ulli Zelle in Szene. Gegen 15:15 schritt man zur Verleihung der Charlottenburg-Wilmersdorfer Ehrenamtspreise. Die Veranstaltung war für das Sozialwerk Berlin diesmal von ganz besonderer Bedeutung, wurden doch sein Schlösschenchor und dessen GrünZur Feier des Tages gab der Schlösschenchor unter Leitung von Barbara Donbavand einige Liederbeiträge aus seinem umfangreichen Repertoire zum Besten. Gegen 16:00 folgte ein buntes Programm mit u. a. einem afrikanischen Tanz und wieder das Jörg Miegel Trio mit einem Abschiedsständchen. Hervorzuheben ist noch, dass das Sozialwerk Berlin mit seinem Stand in der Wilmersdorfer Straße vertreten war.

Barbara Pudig mit RBB-Moderator Ulli Zelle, Carsten Engelmann, stv. Bezirksbürgermeister, Judith Stückler, Vorsitzende der Bezirksverordnetenversammlung, Reinhard Naumann Bezirksbürgermeister und Dirk Gerstle, Staatssekretär

Eine rundum gelungene Veranstaltung, die für jeden etwas zu bieten hatte. Text: Jean Mangers Foto: Rolf Meyer

Empfang der neuen Mitglieder Zum Auftakt wurde im Schlösschen-Café ein Glas Sekt gereicht. In ihrer Begrüßungsansprache wies Margit Hankewitz, darauf hin, dass ein Empfang für die seit dem vorigen Sommer neu eingetretenen Mitglieder schon zur Tradition geworden sei. Die Einladung erfolgt immer nach einer Veranstaltung, diesmal mit einem schönen Konzert des IBM-Club-Chors. Margit Hankewitz bezeichnete das Sozialwerk Berlin als eine gerne angenommene Anlaufstelle für ältere Menschen. Dass

alles in der Gemeinschaft besser geht, dazu tragen 90 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei, über die das Sozialwerk Berlin verfügt und die alle so genannte „Verwöhner“ sind. Das Haus, jetzt auch Stadtteilzentrum, ist an sieben Tagen in der Woche geöffnet, was eine exklusive Besonderheit darstellt. Nun stellten sich die Vorstandsmitglieder vor. Margit Hankewitz, Vorsitzende und Beauftragte für das Finanzwesen, Univ.Prof. Dr. Herbert Striebeck, stellv.


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Vorsitzender, stellv. Chorleiter, Klavierspieler und Organisator des Kulturprogramms, Jean Mangers, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, die Schlösschen-Post und die Beziehungen zu Ländern aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, Joachim Krüger, MdA, der die Verbindung zur Politik herstellt, und sie berichteten aus ihren Aufgabenbereichen. Das Wort ergriffen des Weiteren Christa Fischer, Ehrenvorsitzende des Förderkreises Altenselbsthilfezentrum, und Leiterin des Interessenkreises „Bewegungslehre“, Dr. Hans-Ulrich Litzner, Vorsit-

zender des Förderkreises, sowie Eveline Harder, Ingrid Junkuhn und Wilfried Neumann, Vorstandsmitglieder des Förderkreises. Jürgen Schambach wurde als unser Mann für alle Fälle ebenfalls vorgestellt. Margit Hankewitz bedankte sich bei den Rednern, die einen kleinen Eindruck vermittelt haben von den Aktivitäten unseres Vereins, und äußerte abschließend den Wunsch und die Bitte, die neuen Mitglieder möchten sich bei uns wohlfühlen und weitere Interessierte ins Schlösschen mitbringen. Jean Mangers

Gremienarbeit Die Fachgruppe Ältere Menschen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin hat sich in Marzahn in der Meerower Allee 7 die „Ermündigungswohnung“ angesehen. Was verbirgt sich dahinter? Die „Ermündigungswohnung“ ist eine ganz „normale“ Wohnung, in der alle möglichen technischen Hilfsmittel eingebaut wurden, die das Leben im Alter sicherer und leichter machen. Dazu gehört die automatische Regulierung der Raumtemperatur genauso wie der absenkbare Küchenwandschrank für Rollstuhlfahrer oder die sich selbst reinigende Toilette. Selbst dem Alter angepasstes Küchengeschirr, Bestecke und Trinkgefäße können bestaunt werden. Sind Sie neu-gierig geworden? Dann schauen Sie doch mal dort vorbei. Der Weg lohnt sich. Nähere Informationen erhalten Sie von mir. Der Landesseniorenbeirat hat im September getagt und sich mit der Genehmigung von Krankenfahrten beschäftigt. Dazu gab Frau Kaufmann, Sachbearbeiterin Fahrkosten der AOK

Nordost, Auskunft. Des Weiteren wurde die Gelegenheit genutzt, um das novellierte Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz weiter mit Leben zu erfüllen. Der Landesseniorenbeirat verständigte sich zur weiteren Vorbereitung der Wahlen zu den Bezirklichen Seniorenvertretungen und wie die Berufungsvorschläge der Seniorenorganisationen für den Landesseniorenbeirat zustande kommen. Als neues 25. Mitglied in den Landesseniorenbeirat wurde das Kompetenzzentrum für die interkulturelle Öffnung der Altenhilfe durch den Senator Herrn Czaja berufen. Für das Sozialwerk Berlin e. V. arbeiten Herr Dr. Litzner und ich aktiv mit. Unterstützung erhalten sie von Frau Harder, Frau Rohde-Käsling und unserer Vorsitzenden, Frau Margit Hankewitz. Wir bemühen uns, auch in der nächsten Wahlperiode ab 2017 - 2022 wieder als „Berater“ für den Senat dabei zu sein. Die inzwischen von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales beschlossene Verwaltungsvorschrift für den „Ehrenamtlichen Dienst“ wird Gegenstand der


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Arbeitsgruppe „Ehrenamt und Selbsthilfe“ des Landesseniorenbeirats sein. Dieses Dokument regelt u. a. die Tätigkeit der Sozialkommissionen, die einen wichtigen Beitrag in der aufsuchenden Sozialarbeit mit und für ältere Menschen leisten. Der Arbeitskreis „Altersfragen“ des Bezirks Charlottenburg/Wilmersdorf hat im September im „Käte-TresenreuterHaus“ getagt und sich unter anderem mit der Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt befasst. Frau Hankewitz berichtete über unsere Erfahrungen bei

den Patenschaften für syrische Flüchtlingsfamilien. Mit großem Interesse wurde ihrem Bericht gelauscht. In der anschließenden Diskussion wurden viele Fragen beantwortet. Unsere Vertreterin in diesem Arbeitskreis ist Frau Heidemarie Mangers. So, das war wieder das Neuste aus der Gremienarbeit, wo sich unsere „Sozialwerker“ im Interesse Älterer eingemischt haben. Peter Stawenow

Bericht über die Sitzung der Fachkommission „Freiwilliges Engagement und Partizipation“ der BAGSO am 14.09.2016 in Bonn Die dritte Sitzung der Fachkommission „Freiwilliges Engagement und Partizipation“ hatte das Schwerpunktthema „Partizipation älterer Menschen – Mitwirkung in der Kommune“. Der Landrat des Kreises Germersheim, Herr Dr. Fritz Brechtel, stellte das Modellprojekt „Gemeinsam älter werden zu Hause: heute, morgen und in der Zukunft“ vor. Das Projekt wurde mit Mitteln des BMFJS (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) gefördert und lief von 2012-2014. In den Kommunen des Landkreises entstehen Wohnmöglichkeiten mit zwölf Einheiten, auch für Demenzkranke, die von der Kommune mit Hilfe von Vereinen und Sozialverbänden betreut werden. Die Frage an die älteren Mitbürger lautete: Wie, wo - auch mit Pflege -, wollt ihr wohnen? Der Kreis hat eine Leitstelle für ältere Menschen eingerichtet, und in den Kommunen übernehmen Seniorenbeauftragte den Kontakt zum Landkreis. Das wird unterstützt in den Gemeinden durch Ärztehäuser, Tante-Emma-Läden etc.. Frau Stelling von der DEAE (Deutsche Evangelische Arbeitsgemeinschaft für

Erwachsenenbildung) stellte dann das Projekt der EEB (Ev. Erwachsenenbildung) Rheinland vor: „Die Bedeutung des sozialen Nahraums für die Förderung der Lebensqualität und Teilhabe älterer Menschen – Rolle von Quartiersansätzen und Quartiersprojekten“. Vornehmlich ging es um die Wiederentdeckung von Quartieren und Nachbarschaftshilfe, die kein Nischendasein mehr sind. Die Schnittstelle ist: Alte, Behinderte, Jugendliche und Migranten sowie Flüchtlinge kommen im interkulturellen Quartierszentrum zusammen. Die Zusammenarbeit von Kommune und Kirche wurde an Beispielen verdeutlicht. Am 5. Oktober 2016 wird in Berlin in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften der „Deutsche Alters-survey“, die wichtigste Langzeitstudie über das Älterwerden in Deutschland vorgestellt. Darüber wird demnächst berichtet. Frau Roswitha Verhülsdonk, Ehrenvorsitzende der BAGSO, sprach das Schlusswort. Rolf Meyer


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Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen im Schlösschen Die Bootsmänner Margit Hankewitz, unsere Vorsitzende, konnte am 11. Juni vier flotte Seemänner auf der Bühne begrüßen.

Foto: Jürgen Schambach

Diese hatten eine Ziehharmonika, eine EGitarre und Schlagzeug zum Erzielen von Effekten dabei. Alle vier hatten auch ihre geölten Stimmbänder mit. Somit konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Der Sprecher der „Bootsmänner“ wünschte uns Anwesenden einen schönen Nachmittag, versprach gute Unterhaltung mit „Liedern, so schön wie der Morgen“ und lud uns ein zur Seefahrt mit „Komm auf das Schiff meiner Träume“, warnte uns aber auch mit „Wenn die Winde wehen“, wobei die wackligen Zustände auf den Segelschiffen gemeint sind. Dann fanden „Die Bootsmänner“ plötzlich, dass es hier im Saal doch sehr heiß war und baten das Publikum um Erlaubnis, sich oben frei machen zu dürfen. Nachdem ihnen dieses Mandat etwas zögerlich erteilt worden war, setzten sie aber lediglich ihre Kapitänsmützen ab und stürzten sich erleichtert voll ins Programm, das uns insgesamt gut zwei Dutzend Seemannslieder auf Deutsch, teils aber auch auf Englisch, Italienisch, und gar auf Holländisch, Griechisch und

Hamburgisch bescherte. Zwischendurch gab es auch anekdotische Textbeiträge wie das Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ oder auch die Frage: „Wo ist der Seemann zuhause? – Antwort: Überall auf der Welt! – Frage: Und wo ist seine Frau? – Antwort: Zuhause!“ Gegen Ende des ersten Teils blickte der Moderator in freundliche und zufriedene Gesichter und „Die Bootsmänner“ meinten: „Wir sind auf dem richtigen Dampfer, auf dem Dampfer in das Glück“. Nach der Pause gab es die Ballade „Ein Hering und eine Makrele“ sowie „Luisa, die gerne Heringssalat aß“, „Die Fischerin vom Bodensee“, „Jamaica, far well“, „Die schöne schlanke Dorothee“ und „La Paloma“. Zum Abschluss hieß es „Ein Seemann so jung“. „Ihr wart wunderbar und tschüss, wie man in Hamburg zu sagen pflegt.“ Margit Hankewitz stellte fest, dass es windstill war auf dem Meer, weil „Die Bootsmänner“ eine solch gute Laune verbreitet und Erinnerungen an Hamburg geweckt haben. Sie überreichte den Seemännern als Dankeschön je eine Flasche Sekt und eine unverfängliche gelbe Rose. Als Zugaben brachten „Die Bootsmänner“ noch ein Shanty und ein Medley nur aus Gesangstiteln bestehend zu Gehör. Es war ein wunderschöner Nachmittag, obschon sich einige Zuhörer mehr bekannte deutsche Liederbeiträge zum Mitsingen gewünscht hätten. Dessen ungeachtet freuen wir uns auf ein Wiederhören im nächsten Jahr. Jean Mangers


Autorenlesung „MeeresGeflüster“ von und mit Ina-Alexandra von Trotha Am 19. Juni 2016 verwöhnte uns Frau von Trotha mit ihren zarten und sensiblen Gedichten rund um das Meer.

Foto: Thilo von Trotha aus dem Internet

Frau von Trotha, Jahrgang 1942, wurde in Wohltorf bei Hamburg geboren. Nach Abschluss der mittleren Reife erfolgte eine Ausbildung als Erzieherin und Fotografin. Trotha – ein Ort nahe Halle in SachsenAnhalt, erste Funde/Quellen sind seit 800 belegt, und hier ist die alte Uradelsfamilie angesiedelt. Der Vater fiel im Krieg in Nordafrika, und Ina-Alexandra wuchs mit ihrer Mutter und dem Bruder bei der Großmutter nahe Hamburg auf. Aus der väterlichen Linie gehörten einige nahe Verwandte dem Kreisauer Kreis bzw. der Weißen Rose im Widerstand an. Helmuth James Graf von Moltke ist ein Onkel von Ina-Alexandra. Die Besitzungen wurden enteignet oder zerstört oder nach Kriegsende als Bürgermeisterei, Altenheim oder

Kindergarten umfunktioniert. Ina-Alexandra von Trotha nahm diese Ereignisse, um daraus eines ihrer Lebensmotive zu gestalten: „Äußerer Reichtum kann dir genommen werden – inneren Reichtum können wir uns erwerben“. Und in diesem Zusammenhang war es ihr seit frühester Jugend bis jetzt wichtig, den Friedensgedanken durch Wort und Tat auszudrücken. Durch ihre Schriften und Vorträge möchte sie auf die Schönheiten und die unzähligen Lebensgeschehen der Natur aufmerksam machen. Ina-Alexandra von Trotha führt ein Leben, in dem sie sich neben der Lyrik und Poesie, auch der Malerei, der Seniorenpflege, den Menschenrechten, dem Natur- und Tierschutz sowie Yoga widmet. Sie verzauberte uns mit ihren Texten, Erläuterungen und Fotografien. Das nachstehende Gedicht zeigt die Zartheit auf: Wellenschlag Wird zum eigenen Atem Wellenschlag trägt mich rhythmisch weit weit fort Wellenschlag lässt mich zeitlos fühlen Weit werden die Sinne Weit wird das Gefühl der Zeit Wird zur kleinen Ewigkeit. Ein unvergesslicher Nachmittag Kreise der Fangruppe und Gäste.

im

Eveline Harder

„Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sein könnten“. Albert Schweitzer


„Erika Gräfin von Brockdorff– eine Frau im Widerstand“ Auf der Seniorenmesse im September 2015 lernte ich Saskia von Brockdorff am Stand der Zeitzeugenbörse kennen. Sie bot mir an, am 24.07. ins Erzähl-Café zu kommen, um über ihre Mutter zu berichten, sie ist eine Legende, nach der auch eine Straße am Südkreuz benannt ist.

Foto aus dem Internet

Saskia von Brockdorff, Jahrgang 1937, wurde in Berlin geboren. Zu dieser Zeit studierte der Vater an der Kunsthochschule (Bildhauerei) und die Mutter arbeitete als Stenotypistin. Das Elternpaar war schon seit 1933 in oppositionellen Freundeskreisen unterwegs. Der Vater wurde 1939 eingezogen, die Mutter war weiter berufstätig, so dass Saskia bei den Großeltern in Dramburg/Pommern aufwuchs. Erika Gräfin von Brockdorff war aktiv an den Widerstandshandlungen der sogenannten Roten Kapelle beteiligt. Da sie in einer Atelierwohnung in der Wilhelmshöher Straße 17 wohnten, wurde nach 1941 das Funkgerät der Roten Kapelle auf dem Dachbogen untergebracht. Von hier wurden Funkversuche nach Moskau unternommen. Im Sommer 1942 flog die Rote Kapelle auf und Erika Gräfin von Brockdorff wurde verhaftet. Für die Funkversuche erhielt die Mutter 10 Jahre Zuchthaus. Dies wurde auf Hitlers Befehl zum Tode auf dem Schafott geändert. Am 13. Mai 1943 wurde das Urteil in Plötzenseevollstreckt. Der Vater wurde „nur“

zum Strafbataillon verurteilt und Saskia kam in ein Nazi-Kinderheim. 1943 heiratete der Vater wieder. Saskia kam aus dem Heim, wo sie eine schreckliche Zeit verlebt hatte. Noch heute kann sie bestimmte Gerichte nicht riechen oder essen, so sehr erinnert sie das an diese entsetzliche Zeit. Von der Großmutter erfuhr sie, dass die Mutter an einer Krankheit verstorben war. Erst nach dem Krieg wurde sie darüber unterrichtet, was wirklich mit der Mutter geschehen war. Als der Vater 1946 aus der Kriegsgefangenschaft kam, weigerte er sich viele Jahre, etwas über die erste Ehefrau zu erzählen. Er hatte den russischen Freunden versprochen, „darüber nicht zu sprechen, denn der Kampf ist noch nicht zu Ende.“ Die zweite Ehe wurde nach dem Krieg geschieden. Er zog in die DDR und heiratete erneut. Saskia wurde systemkonform erzogen. In der DDR wurden die Mitglieder der Roten Kapelle – im Gegensatz zur BRD – als Helden hoch verehrt. Als Kind und Jugendliche wurde Saskia immer mit den Leistungen der Mutter verglichen. Keine leichte Aufgabe! Die Mutter hatte nur einen Abschiedsbrief an den Vater schreiben können, der auch veröffentlicht wurde, worin aber die Tochter kaum erwähnt wird. Das hat sie in große seelische Konflikte gestürzt. Erst als Saskia von Brockdorff 2005 das Kassiber (heimliches Schreiben unter Gefangenen) ihrer Mutter an sie in den Unterlagen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand entdeckte, fand sie Zugang zu deren Leben und Sterben. Dann konnte sie sich mit der Mutter versöhnen und die Liebe zu ihr ermessen. Seit dieser Zeit arbeitet sie ehrenamtlich als Zeitzeugin und tritt vor Schülern und Studenten auf. Das war ein berührendes Erlebnis im Schlösschen-Café! Eveline Harder


„Träum mit mir vom Glück“ Am 6. August 2016 entführte uns Anara Churikova, eine gebürtige Russin aus der Ukraine, zusammen mit ihrem Begleiter am Flügel, dem meisterlichen Jeff Goldberg, mit dem sie schon gut 17 Jahre arbeitet, in die Welt des Chansons mit Liedern von Edith Piaf, Zarah Leander, Marlene Dietrich, Lys Assia, Caterina Valente, Gilbert Bécaud, Hildegard Knef, Alexandra, Milva, Barbara Streisand und Mireille Mathieu. In ihrer Begrüßungsansprache bedankte sich Margit Hankewitz, unsere Vorsitzende, bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die den Saal ein weiteres Mal so schön gestaltet haben. Sie schickte vorweg, dass wir uns alle noch an die herrlichen Melodien aus alten Zeiten erinnern können. Anara Churikova wähnte sich sehr glücklich bei uns zu sein und versprach uns schöne Chansons aus dem 20. Jahrhundert. Es sollten deren 25 werden, die ich nicht alle aufzählen kann. Es begann mit einem Paukenschlag als sie ihren Liedervortrag gleich mit drei französischen Liedern von Edith Piaf, darunter „Quand tu me prends dans tes bras“, begann. Weitere Höhepunkte waren „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ von Zarah Leander, „Frag nicht warum“ von Marlene Dietrich, „Ganz Paris träumt von der Liebe“ von Caterina Valente, „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ von

Hildegard Knef, „Ich bin ein Mädchen von Piräus“ von Milva und „Mondschein (moonlight)“ von Barbara Streisand. Einen absoluten Höhepunkt stellte die eigenwillige Interpretation von „Nathalie“ von Gilbert Bécaud dar. Anara Churikova sang nicht nur dieses herrlich melancholische Lied, sie war die Nathalie! Zum Schluss des Liedernachmittags stellte sie fest, dass sie und das Publikum ein Herz und eine Seele geworden sind. Dazu ertönte „Dein ist mein ganzes Herz“. Margit Hankewitz bedankte sich herzlich bei der hervorragenden Künstlerin, die es geschafft hat, dass wir hin und weg waren. Sie hat eine sehr eigene und ausdrucksstarke Interpretation abgeliefert mit ihrer beeindruckenden Stimme und wunderbaren Ausstrahlung. Aber was wäre eine so tolle Sängerin ohne einen tollen Pianisten, der es meisterlich verstand sich auf die nuancenreichen Gesänge einzustellen. Nachdem Margit Hankewitz sich traditionsgemäß noch eine Zugabe gewünscht hatte, erklang „Kalinka“ auf Russisch. Dazu gab es stehenden Applaus seitens der begeisterten Zuhörerschaft. Wir haben selten so einen wunderschönen Nachmittag im „Schlösschen“ erlebt. Jean Mangers

„Aufwachen ist die beste Art, seine Träume wahr zu machen!“ Diane Keaton

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“ Eleanor Roosevelt


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Auftritt des „Tambouraschen Chor Wellebit“ am 20. August

Foto Jürgen Schambach

Hinter diesem etwas seltsam anmutenden Namen verbirgt sich ein 1902 gegründetes Zupforchester, das auf einer Mandoline ähnlichen Tamburica-Instrumenten zupft und tremoliert. Es wurde von dem Kroaten Franz Krznar und den Berlinern Otto Grundmann sowie Eduard und Franz Beinlich ins Leben gerufen und existiert nach einigen Höhen und Tiefen bis heute. Neben einigen alten Tamburica-Instrumenten werden Mandolinen, Mandolen und Gitarren eingesetzt. Das Zusammenspiel dieser verschiedenartigen Instrumente ergibt einen besonderen Klang. 2010 wurden dem Tambouraschen Chor auf Betreiben des kroatischen Kulturministers Biskupic drei TamburicaInstrumente zur Verfügung gestellt und vom kroatischen Botschafter Dr. Kovac überreicht, denn Ziel des Vereins besteht auch heute noch darin, die TamburicaMusik mit der alten kroatischen Musikkultur als einen Teil seiner Geschichte weiterzupflegen. Dazu auch die zur Schau getragenen kroatischen Trachten. An Stelle von Margit Hankewitz, die im Urlaub weilte, begrüßte ihr Stellvertreter, Prof. Dr. Herbert Striebeck, die 15 Musikanten, darunter sechs Damen, und erläuterte, dass sie früher unter dem Namen „Rheingold“ bekannt waren.

Dann begrüßte der Leiter des Chores, Herr Horst Budde, das Publikum und versprach ihm „Eine musikalische Reise in den Süden Europas“. So erklangen beim Verlassen Berlins „Zum Städtele hinaus“, dann eine „schwäbische Polka“, eine „böhmische Polka“, der „Wiener Prater“, ein „Czardas“ aus Ungarn, „Frauen in Dalmatien“ und bekannte Schlagermelodien aus Griechenland. Nach der Pause besuchten wir Italien mit „O mia bella Napoli“, Frankreich mit „Plaisir d' amour“ und Spanien mit „Eviva España“. Dann war es an der Zeit wieder nach Deutschland zurückzukehren, dies mit „Heimat, deine Sterne“, „Die Heimreise“, „Heute geht es an Bord“ - ein Hamburg-Medley - und schließlich „Das ist die Berliner Luft“. Herbert Striebeck war voll des Lobes für diese tollen Darbietungen, die fast schon philharmonischen Charakter aufwiesen, und bat traditionsgemäß um eine Zugabe. Herr Budde führte uns noch einmal nach Berlin mit einem Medley, bei dem auch „Rosamunde“ zu hören war. Dieses Konzert war ein echter Hörgenuss. Wir freuen uns schon auf weitere Auftritte. Jean Mangers


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Lesung „Sag mir, dass du mich liebst…“ mit Monika Bienert dem Ersten Weltkrieg „Im Westen nichts Neues“ weltberühmt. Das Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und erreichte eine Auflage von über 20 Millionen Exemplaren.

Foto Jürgen Schambach

Am 21. August 2016 fand die Lesung mit Monika Bienert, Schauspielerin und Regisseurin, aus Briefen zwischen Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque im Schlösschen-Café statt, die sehr anrührend war. Von der Dietrich sind nur fünf Briefe erhalten, da die vierte Frau von Remarque alle Dietrich-Briefe vernichtete. Frau Bienert begann mit den Biografien der beiden Protagonisten und las dann Auszüge aus den Briefen von 1938-1964 – so lange ging der Briefwechsel – vor. Erich Paul Remark, sein ursprünglicher Name, 1898 geboren, war Volksschullehrer und wurde mit seinem Buch nach

Marie Magdalene Dietrich, 1901 geboren, änderte später ihren Namen in Marlene. 1923 heiratete sie Rudolf Sieber in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Er war im Filmbereich tätig und sie versuchte sich in kleinen Rollen am Theater und im Film einen Namen zu machen. 1924 kam die Tochter Maria Sieber zur Welt. Eine chaotische Beziehung - wie man aus der Biografie von Maria Riva nach dem Tode ihrer Mutter Marlene erfährt. Zwei besonders schöne ausdrucksstarke Briefe von E. M. Remarque ließ die Zuhörer/innen aufseufzen, das hätte jede/r von uns gern von einem Partner gehört. Remarque sagte einmal über sich: „Für meine grenzenlose Zärtlichkeit kann ich nichts!“ – Zwei unvergessliche Stunden waren das. Ein ganz großer Dank geht an Monika Bienert. Eveline Harder

„Ein hübsches Kompliment ist eine glaubwürdige Übertreibung“. Peter Alexander

„Lebenskünstler leben von der Zeit, die andere nicht haben“. Michael Douglas


Panflötenträume mit dem Duo „Shadows of Soul“

Am 3. September erlebten wir unter dem Motto „Musik und Malerei“ einen im wahrsten Sinne des Wortes traumhaften Nachmittag. Mit Naturklängen, Effektund ursprünglichen Instrumenten sowie mit berührendem Gesang wurden wir zum Entspannen und Träumen angeregt. Antonio Fonseca Maravi aus Peru spielte die verschiedensten Panflöten. Mit 13 Jahren lernte er die Panflöte in der Schule kennen und war sofort von ihr begeistert. Diese werden aus knotenfreiem Bambus in unterschiedlichen Größen gebaut. Außerdem spielte er auf diversen Hirtenflöten, die teilweise schon die Inkas kannten. Elke Schottmann ergänzte die Musikdarbietung mit vielen Klang- und Rhythmusinstrumenten, die aus allen möglichen getrockneten Samen und Kürbissen hergestellt wurden. Sie ist zudem Malerin und ihre vielen zarten Aquarellbilder wurden in loser Folge zur Musik als Hintergrund gezeigt. Gleich zu Anfang wurden wir mit naturnahen Klangeffekten in die Traumwelt versetzt. War das der tropische Regenwald mit Vogelstimmen, war es Blätteroder Meeresrauschen? Jeder konnte bei der Betrachtung der Naturbilder von Elke Schottmann seiner Phantasie freien Lauf lassen. Die Sinnsprüche auf einigen

regten zum Nachdenken an. Zur Präsentation passte einer sehr gut: „Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum“. Zum eingespielten Grundrhythmus entlockte der Musiker den einzelnen Instrumenten bewegende und berührende Töne. So wurden die verschiedensten Stimmungen erzeugt von träumerisch über aufmunternd bis zu aufwühlend. Die extrem große, fast mannshohe Panflöte ließ unser Innerstes mitschwingen. Die Künstler berührten unsere Seelenseiten, die, wie sie selbst sagen, in die Stille des Schattens getreten sind. So entstand auch ihr Name „Shadows of the Soul“ - „Die Schatten der Seele“. Zwischendurch sang Antonio Fonseca Maravi einige Lieder kraftvoll in der ursprünglichen InkaSprache, deren Inhalt uns leider verborgen blieb. Auf vielfachen Wunsch des Publikums wurden nach der Pause die einzelnen Instrumente vorgestellt. War der erste Teil überwiegend mit starken südamerikanischen Rhythmen ausgefüllt, fesselten uns nach der Pause die sanfteren träumerischen Melodien. Bei „Ave Maria“ mit zarten weichen Panflötentönen konnten wir wunderbar „die Seele baumeln lassen“. Dazu passte das Aquarell einer Eule, die in einer BlattHängematte den Abend erwartet. Zum Abschluss des offiziellen Programms wurde auf Anregung des Künstlers „El Condor Pasa“ von den Zuhörern mit taktvollem Klatschen begleitet. Bereitwillig folgte dann eine Zugabe. So konnten wir mit „This is my song“ ganz entspannt in den Abend hinübergleiten. Aufgrund der lautstarken Begeisterung im Saal versprach das Duo auf jeden Fall wiederzukommen. Auch sie treten hier immer gern auf und fühlen sich sehr wohl. Text und Foto: Wilfried Neumann


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Autorenlesung „Fremde Vögel“ mit Frau Dr. Marianne Suhr Ein nur kleiner Kreis fand sich am Sonntag, dem 12. September, zur Lesung im Schlösschen-Café zusammen, das hochsommerliche Wetter reizte wohl nicht dazu.

Foto: Peter Foerster-Baldenius

Frau Dr. Suhr berichtete am Anfang über ihre Entwicklung im schriftstellerischen Bereich und erläuterte den Begriff der Novelle: Begrenzung der Zeit, des Ortes und der Geschichte. Nachdem sie das Sachbuch „Wir sind angekommen“ veröffentlicht hatte (Lesung September 2015), wollte sie wieder literarisch tätig werden und nahm sich des aktuellen Themas Flüchtlinge an. Sie las die ersten zwei Kapitel und ein Interview aus ihrem neuen Buch: Bevor es 2014 begann, dass Flüchtlinge in gro-

ßer Zahl kamen, lebte man in Deutschlands Landschaften in relativer Ruhe. Die letzte Unterbrechung von 1989, als auch viele Fremde kamen, war nicht vergessen, aber die Folgen haben sich regeln lassen. Man sprach ja miteinander Deutsch. Als 2013 ein Haus brennt, ganz in der Nähe der Überschwemmungen an der Elbe in jenem Sommer, ist die Ruhe gestört und das Ereignis Anlass für Verdächtigungen, denn inzwischen sind Flüchtlinge in der Nähe, ganz und gar Fremde. – Die Berliner Journalistin Luisa lebt nicht mehr in der Dorfgemeinschaft, doch das abgebrannte Haus gehört ihrem Cousin Ludwig, der sie um Beistand bittet. Sie erfährt in dieser Woche aus dem Dorf Menschengeschichten und hört Gerüchte, versucht zu verstehen und fasst einen Entschluss. Die aktuelle Stimmung in diesem Jahr in dem Dorf in der Prignitz wird eingefangen, und die Suche nach den Brandstiftern endet mit einem verblüffenden Ergebnis. Es war ein wunderschöner Nachmittag mit Frau Dr. Suhr, und das Buch ist einfach lesenswert! Eveline Harder

„Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ Kurt Tucholsky

„Hast du eine große Freude an etwas gehabt, so nimm Abschied! Nie kommt es zum zweiten Male“. Friedrich Nietzsche


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Ein Chorkonzert mit einem bunten Melodienreigen

Der IBM-Klub-Chor Berlin bereitete uns am 17. September einen musikalisch sehr unterhaltsamen Nachmittag. Der Chor ist Teil des IBM-Clubs, der einerseits von der Computerfirma IBM und andererseits von den Klubmitgliedern getragen wird. Das Repertoire reicht von Evergreens, Spirituals, Musicals, Oldies und Schlagern bis hin zu Volksweisen. Neben vielfältigen Auftritten werden zusätzlich Reisen mit Konzerten in Kurorten und Seebädern unternommen. Das Ergebnis intensiver wöchentlicher Proben unter der Leitung von Michael Streckenbach, der mit dem Chor schon 25 Jahre zusammenarbeitet, konnten wir nun genießen. Der Chorleiter übernahm auch die rhythmisch sehr akzentuierte Begleitung am Flügel, gab von dort die Einsätze und konnte sich auf den sicher und präzise singenden Chor verlassen. Mit „Das gibt’s nur einmal“ aus dem Film „Der Kongress tanzt“ kam gleich zum Auftakt Schwung in den Saal und bei „Bunt sind schon die Wälder“ schloss sich das Publikum der Aufforderung zum Mitsingen bereitwillig an. Nach einem Potpourri von Melodien zum Verlieben wurde „My fair Lady“ in Erinnerung gebracht. Mit flotter Klavierbegleitung von Michael Streckenbach waren wir „In der Straße,

wo du wohnst“. Bei „Kauf dir einen bunten Luftballon“ konnten unsere Träume davonschweben und wir durch die vielen anderen schönen Melodien an vergangene Geschehnisse denken. Dazu passte von Paul Lincke: „Wenn auch die Jahre enteilen, bleibt die Erinnerung noch …!“ Es war allen aus dem Herzen gesprochen, als der Chor nach der Pause das Spiritual „Oh happy day“ anstimmte, denn so ein Tag war es wohl! Ein besonderer musikalischer Genuss war die Interpretation des Gefangenenchores aus „Nabucco“ von Verdi. Das gefühlsbetonte Lied „O Kaimos“ von Mikis Theodorakis über den Liebesschmerz, obwohl bewusst mit griechischem Orginaltext gesungen, hat viele Zuhörer sehr berührt. Zum Abschluss wurde der bekannte ABBASong „I have a dream“ mit der deutschen Übersetzung „Ich habe einen Traum“ gesungen. Über die große Begeisterung der Zuhörer freute sich der Chor und bot als Zugabe ein lustig arrangiertes Berliner Potpourri, das noch einmal seine Taktsicherheit und seine gesangliche Stärke zeigte. Margit Hankewitz überreichte als Dank dem Chorleiter eine große Flasche Sekt. Text und Foto: Wilfried Neumann


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Unsere Kreise und Dienste Bericht aus dem Besuchsdienst Seit fünf Jahren besuche ich jeweils montags eine Pflegeeinrichtung, um mich dort mit einer 92jährigen Dame zu treffen, die keine Angehörigen mehr hat. Sie leidet unter starker Demenz und vergisst sofort wieder, was sie zu mir gesagt hat. Trotzdem rezitiert sie oft und ohne Stocken das nachfolgende Gedicht, das offensichtlich in ihrem Leben eine gewisse Bedeutung gehabt hat. Leider kennt sie nicht mehr den Verfasser und den Namen des Gedichts. Auch ich konnte keine entsprechenden Hinweise finden, weder im Internet noch in der Fachliteratur. Vielleicht können Sie, liebe Leserinnen und Leser, mir entsprechende Hinweise geben. Das Gedicht (oder Gedichtfragment) lautet: Niemals den kleinlichen Sorgen verhaftet, halte des Lebens kristallene Schale würdig den Göttern zum heiteren Mahle. Nicht von den Nebeln des Zweifels umnachtet wage Gewaltiges mutig! Erheben sich nur die Erleuchteten über die Schwelle irdischer Fron, denn sie sehen das Helle über den Zeiten, denen sie sich ergeben. Schicksal erdulden gebühre den Knechten, frei ist der Herr und er zügelt die Pein mit seinem Willen und steht im Gerechten nicht seiner Werte und stünd er allein. Warte nicht zögernd, lausche nicht fragend. Selber bestimme das Ziel deiner Taten oder du bist deinem Stamme missraten, der dich erprobe Unendliches wagend und dir erlöschen die Zukunftsgestirne, neuem Geschlecht aus der Not deiner Tage. Oder du leuchtest auf dem ewigen Firne einstmals die Tod überwindende Sage. Das Beispiel belegt, dass auch bei demenziellen älteren Menschen Restkompetenzen vorhanden sind. Es gilt, diese zu erhalten und zu fördern. Der Besuchsdienst des Sozialwerks Berlin trägt dazu bei. Kirsten Litzner

„Die Schwächsten sind der Maßstab für die Gerechtigkeit“. Margot Kässmann


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Ein Jahr Lesepatenschaft mit der Carl-Orff-Grundschule Der Kontakt mit der Schule besteht schon seit 2014. Der Kinderchor der Schule trat hier mit zwei Kindermusicals auf, dem „Kuscheltierkonzert“ und „Vorhang auf zur Zahlenwahl“. Die Sympathien zwischen Jung und Alt waren auf beiden Seiten groß, so dass von der Schulleiterin Frau Acri im vorigen Jahr der Wunsch geäußert wurde, eine Lesepatenschaft ins Leben zu rufen. Hierdurch ergab sich für zurzeit vier Mitglieder ein neues Betätigungsfeld, und zwar

Karin Falken – Klaudia Neumann – Irene Sauer

Kirsten Litzner

Welches waren die Gründe für das Engagement als Lesepatin? Erfahrung in der Arbeit mit Kindern aus früherer Berufstätigkeit bzw. Spaß und Freude im Umgang mit Kindern Notwendigkeit zur Bildungsförderung von Kindern mit beizutragen Welche Erwartungen hatten sie? Aufgeschlossenheit und Freude der Lehrer und Kinder für bzw. über unsere Unterstützung Haben sich diese Erwartungen erfüllt und/oder haben sich noch andere Aspekte ergeben? Die Erwartungen haben sich voll und ganz erfüllt. Die Kinder haben sich nach kurzer Zeit sehr auf unser Kommen gefreut und genossen die individuelle Zuwendung, was teilweise dringend notwendig war. Welche Eindrücke konnten Sie aus der Arbeit mit den Kindern gewinnen? Die Schule hat sich im Vergleich zu früher sehr verändert, z.B. Zusammenlegung der 1. und 2. Klasse, viel selbstständigeres Arbeiten der Kinder, kein Frontalunterricht, sondern Gruppenunterricht. Das Lesen war sehr unterschiedlich, teils aus mangelnder Konzentrationsfähigkeit. Alle Lesepaten haben mittlerweile feste Lehrer mit denen sie sich gemeinsam auf das nächste Schuljahr freuen. Text und Fotos: Wilfried Neumann


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Vorstellung einer neuen Mitarbeiterin Auf der Mitarbeiterbesprechung am 2. September wurde Frau Efraj Ahmed vorgestellt, die uns bei der Arbeit und Begleitung von Flüchtlingsfamilien behilflich sein wird. Nach dem Ausscheiden von Herrn Dr. Hassroun wird sie dessen Tätigkeit fortsetzen.

Frau Ahmed ist seit 1974 in Deutschland ansässig, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und ist nach ihrem Studium als Sozialarbeiterin tätig. Sie unterrichtet die Flüchtlinge über ihre Rechte und Pflichten in Deutschland in arabischer Sprache und ist aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig. Wir sind glücklich, eine weitere professionelle Unterstützung im Sozialwerk Berlin mit ihr gefunden zu haben und wünschen ihr viel Glück bei diesem Engagement. Eveline Harder Foto: Wilfried Neumann

Museumsbesuch Im Zisterzienserkloster / Neuzelle Nicht nur Kunsthistoriker schwärmen von dem „Barockwunder mitten in Brandenburg“, auch die Teilnehmer des Kulturkreises waren begeistert und beeindruckt vom Tagesausflug mit unserem Kleinbus nach Kloster Neuzelle und von der ausführlichen Führung durch das Kloster und seine romantische Gartenanlage. Am 2. Juni und - weil das Ziel so begehrt ist - noch einmal am 30. Juni besuchte der Kulturkreis unter der Leitung von Frau Dagmar Grün das barocke Örtchen Neuzelle im Schlaubetal bei Eisenhüttenstadt. Das gesamte Tal ist vom Wirchensee bis nach Müllrose durch einen rund 25 km langen Wanderweg erschlossen. Neuzelle mit dem länderübergreifenden Musiktheaterfestival „Oper-Oder-Spree”

und den Neuzeller Passionsdarstellungen, genannt „Himmlisches Theater”, die bereits seit 1751 imposant mit fast lebensgroßen bis zu sechs Meter hohen Holzfiguren zu allen Jahreszeiten aufgeführt werden, sind ein ideales Ziel für Tagesausflüge von Fahrradfahrern, Wanderern und Weinkennern. Seit 2005 konkurriert die Klosterorangerie des Klostergartens durch ihre Konzerte „Sommerklänge“ mit dem jährlich stattfindenden Musikfestival, so dass sich spätestens seit dieser Zeit viele Freunde im Kreuzgang des Klosters und in der ländlichen Kunstscheune der klassischen Musik, des Blues und Jazz zu einer Reise durch die Musikgeschichte zusammenfinden.


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Eindrucksvolle Kreuzrippengewölbe und historische Malereien sind in dem um 1268 entstandenen Zisterzienserkloster zu bestaunen. Hier spiegeln sich die spannungsreichen Wechselbeziehungen der religiösen und politischen Geschichte wider. Der Klostergarten beeindruckt durch seine Symmetrien, Sichtachsen und Terrassenanlagen. Die Deutsche Tourismuszentrale zählt ihn zu den 50 schönsten Gärten Deutschlands. Seit 1997 wird die historische Gartenanlage nach und nach dem historischen Grundriss entsprechend wiederhergestellt. Sehenswert und prachtvoll ist die 1760 gegründete, in der Klosteranlage sich befindende Feldsteinkirche, namens Stiftskirche St. Marien. Dort konnten wir eine aus dem 16. Jahrhundert in der Gegend aufgefundene Orgel bewundern und erklingen hören.

Hervorragende Gastronomie bot das seit 1589 bestehende Landhaushotel Prinz Albrecht im historischen Ambiente des Klosterdorfes neben der Klosterbrennerei, das bereits seit 400 Jahren Gerstensaft herstellt und mit einem romantischen Blick auf den Dorfteich (extra von Frau Grün besonders für uns ausgesucht!), zum Mittagessen und Kaffeetrinken einlud. Ein köstliches „Garnelengelage“, wie aus unseren hungrigen Mündern erschall, wurde uns aufgetafelt, und aus ganzem Herzen genossen! Gegen 18 Uhr nahmen wir, fasziniert von den vielen Eindrücken, Abschied von der herrlichen barocken Klosteranlage Neuzelle, den kostbaren historischen Kunstschätzen und der Konfrontation mit einem traumhaften Naturpark und begaben uns mit unserem Kleinbus in Richtung Heimat. Es war ein wunderbarer Tageausflug, an den ich noch lange zurückdenken werde. Renate Hensler-Tresenreuter

Verschiedenes 1. Stromkosten für Rollstühle Stromkosten, die für die Nutzung eines von der Krankenkasse zur Verfügung gestellten Elektrorollstuhls anfallen, fallen in die Leistungspflicht der Krankenkassen (Bundessozialgericht AZ 3 RK 12/96 vom 6.2.1997) Die Inanspruchnahme zur Ermittlung des Verbrauches des Stroms eines Elektrorollstuhls ist über den Kilometerstand und das Fahrtenbuch zu regeln. Da aber viele

Rollstühle nicht mit einem Kilometerzähler ausgestattet sind, erhält der Versicherte je nach Krankenkasse eine Pauschale (z.B. AOK 5,11€ pro Monat). Eine geforderte Selbstbeteiligung an den Stromkosten ist rechtswidrig. Achtung!!! Krankenkasse fragen und ggfs. schriftlichen Antrag stellen! Hannelore Rohde-Käsling

2. Hinweis für Patientenverfügung und –Vollmacht Eine Patientenverfügung muss sich konkret zu einzelnen medizinischen Behandlungen oder zu bestimmten Krankheiten

äußern. Die Formulierung „lebensverlängernde Maßnahmen“ reicht nicht aus, um z. B. eine künstliche Ernährung


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zu beenden, entschied der Bundesgerichtshof. Eine Patientenverfügung muss deutlich machen, ob die bevollmächtigte Person auch über den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen entscheiden darf oder kann (Az: XII ZB 61/16). Von vornherein sind allgemeine Anweisungen, wie z. B. ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht zu erwarten ist, nicht ausreichend lt. BGH. Um die erforderliche „Bestimmtheit“ lt. BGH-Beschluss vom 6.7.2016 für die Formulierung des Verbots „lebensverlängernde Maßnahmen“ zu erreichen, kann wie folgt konkretisiert werden: Ich verstehe unter dem Verbot „lebensverlängernde Maßnahmen“ das Verbot von - künstlicher Ernährung

- künstlicher Beatmung - Stimulierung des Herzens in jedweder Form einschließlich künstlicher Erhaltung des Blutkreislaufs - Gabe von kurativ wirkenden Medikamenten in Tabletten- oder Injektionsform. Erlaubt ist dann nur eine palliative Behandlung zum Zweck - der Schmerzlinderung - Unterdrückung von Angst und - Unterdrückung von Atemnot Mögliche Formulierung, wenn Sie verunsichert sind, Ihre Verfügung aber so angewandt werden soll, wie Sie es wünschen: Ich verbiete ausdrücklich jeden Versuch, meine Entscheidung gerichtlich anzufechten. Hannelore Rohde- Käsling

Unser neuer Geräteschuppen Schon länger hatte Herr Wolfgang Rohrlack den Wunsch einen Geräteschuppen für die Gartenmöbel und Gartengeräte zur Verfügung zu haben. Dieses Jahr wurde sein Wunsch erfüllt, und die Bauplanung konnte beginnen. Herr Rohrlack hat sich schon immer gern handwerklich betätigt, auch bedingt durch seine Handwerksausbildung. Bekannt ist ja bereits, dass er sich schon seit 17 Jahren im Sozialwerk Berlin engagiert und hier alle möglichen Arbeiten ausgeführt hat. Man kann sie gar nicht alle aufzählen. Die Erfahrung für die Planung und den Bau des Geräteschuppens hatte er sich bereits beim Laubenbau in seinem Garten geholt. Also wurden preisgünstig zwei Bausätze für einen Carport gekauft. Zum Aufbau neben dem bestehenden Gartenhaus musste noch einiges angepasst und verändert werden.

Nach der Bodenvorbereitung hat Herr Rohrlack dann im Alleingang über zwei Monate den Bau errichtet.

Für diesen Einsatz danken wir ihm herzlich und hoffen, dass der Schuppen noch lange seinen Zweck erfüllen wird. Text und Foto: Wilfried Neumann


Anmerkungen zu: „Auf ein Wort……….“ In der letzten Schlösschenpost las ich einen Artikel von Christine Bökel-Striebeck, der es zunächst geschafft hat mir Angst und Sorge zu bereiten. Nun, einige Wochen später, denke ich, dass ich mich dazu doch noch einmal zu Wort melden sollte. Ich frage mich, was ist aus uns 68ern geworden? Menschen, die fast alles zum Fürchten finden? Die das Füreinander nicht mehr sehen können? Die alles nur in Schwarz sehen? Mensch Leute, wie haben wir für eine bessere Zukunft gekämpft und mal ehrlich, ist sie nicht wirklich besser geworden? Die meisten haben ein Dach über dem Kopf, jeden Tag eine warme Mahlzeit und wir drehen einfach den Wasserhahn auf und es sprudelt Wasser in Trinkqualität. Ich höre es förmlich: Na, das ist ja eine Traumtänzerin!!!! Nein, bin ich nicht!!!! Auch ich sehe das Schreckliche in der Welt und in meinem näheren Umfeld. Jedoch glaube ich fest daran, dass wir es in der Hand haben, wie wir damit umgehen. Sich Angst einjagen zu lassen und zu resignieren ist das Letzte, was ich tun werde. Ich werde bei Ungerechtigkeiten den Mund aufmachen, werde mich für Schwächere einsetzen und meinen Optimismus auf keinen Fall aufgeben. Macht die Augen auf, es gibt viele kleine Dinge, die uns an das Gute glauben lassen können. Als ich durch einen Unfall 17 Wochen auf den Rollstuhl angewiesen war, habe ich Dinge erlebt, die ich nie für möglich gehalten habe. Da war die Nachbarin, die einfach einen Topf Suppe gebracht hat. Fremde Menschen haben mir in Geschäfte hinein geholfen und mir meinen Einkauf in die Tasche gepackt. Da ist der Mann, der mit dem Straßenfeger vor Kai-

ser’s steht und mir anbietet, wenn ich mal Hilfe brauche, soll ich mich melden, er hilft mir gerne. Außerdem habe ich festgestellt, dass Menschen, die am brummigsten sind, am ehesten mit einem Lächeln zu gewinnen sind, weil sie es am Nötigsten habe, dass man zu ihnen freundlich ist. Auch ich sehe, dass die Kriminalität schlimmer geworden ist, doch Einbrüche und andere Delikte gab es zu jeder Zeit. Derzeit finde ich aber, dass jeder Hühnerdieb (ja, ich weiß, man darf keine Hühner klauen) in der Presse mehr Aufmerksamkeit bekommt als Menschen, die sich für Andere einsetzen und Gutes tun. In der Welt geschieht viel Schreckliches. Richtig!!! Doch an uns liegt es, in unserem Umfeld und mit unseren bescheidenen Möglichkeiten für eine bessere Zukunft und ein besseres Miteinander zu sorgen. Respekt, Ehrlichkeit und vor allem aber Hoffnung dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Ich werde nie meinen Glauben an das Gute aufgeben. Haltet mich für naiv; wenn Naivität aber bedeutet, an ein gutes Miteinander, auch mit Menschen, die anderer Herkunft sind, zu glauben, dann bin ich gerne naiv. Lassen sie mich einem Zitat enden: Lebe dein Leben nie ohne ein Lächeln, denn es gibt Menschen, die von deinem Lächeln leben. Marita Vennewald ***************************************

Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns über jeden Kommentar, denn wie Sie denken und unsere Inhalte bewerten, interessiert uns sehr. Schreiben Sie uns, wenn Sie Anmerkungen oder Ergänzungen zu unseren Beiträgen haben (Oft lässt sich aufgrund von Platzmangel nicht immer alles so ausführlich beschreiben, wie wir es gerne hätten.). Wir sind gespannt auf lebhafte Diskussionen! Die Redaktion


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Sommerzeit, Wanderzeit Jahreszeitbedingt führten unsere Sommerwanderungen der Monate Juni, Juli und August in wald- und wasserreiche Regionen Berlins, wozu man die Gärten der Welt nicht unbedingt zählen kann, die wir mit einer großen und erwartungsvollen Wanderschar am 18.06. aufsuchten. Unübersehbar die Vorbereitungen auf die Internationale Gartenausstellung(IGA) im nächsten Jahr. Der Italienische Garten ist z. Zt. gesperrt, ein neuer, größerer Rosengarten wächst heran. Der Englische Garten als Neuzugang wartet auf seine Eröffnung, wie auch die Seilbahn samt neuem Eingangsbereich. Noch im Bau befindet sich ein großes Tropenhaus auf dem Gelände des Balinesischen Gartens. Nach einem kurzen Regenschauer erfreuten sich die Gartenfreunde an den Blüten und Düften im Orientalischen Garten ebenso wie an den naturgetreuen, romantischen Anlagen asiatischer Gartenkünste der Chinesen, Japaner und Koreaner (Seoul). Auch eine Hochzeitsgesellschaft hat diese schönen Fleckchen Erde für ihre Aufnahmen entdeckt. Interessant ist die noch junge Anlage des „Christlichen Gartens“ mit seinen Metallgerüsten, einschließlich eingearbeiteten Versen. In den rustikalen Räumen eines „Kruges“, nahe der Marzahner Windmühle, fand der schöne Wandertag seinen Abschluss.

Am Tegeler See

Am 9. Juli trafen sich die unentwegten Wandersleute in Alt-Tegel, um auf der Greenwichpromenade zu den schattigen Uferwegen und Bänken des Tegeler Sees zu gelangen. Von hier hatte man einen guten Blick auf das emsige Treiben der vielen Segelboote, unterstützt durch gute Winde. Bevor die Gruppe Saatwinkel erreichte, wurde in Tegel das neue FlusskreuzfahrtTerminal bewundert, samt angelegtem Schiff. Vorbei am Borsighafen, grüßten schon von Weitem großflächige Wandgemälde an den Stirnfronten von Hochhäusern einer Baugesellschaft. Einige Motive spalten, wie so oft in der Kunst, die Meinung der Bewohner und der fremden Betrachter. Für viele Wandersleute auch befremdend und neu war der schwache Besuch der Badestellen, trotz 28 Grad und Ferienzeit. Man meidet wohl inzwischen naturbelassene, grün gefärbte Gewässer!! Bevor das Wanderziel mit einer Einkehr erreicht wurde, erfreuten sich die Augen an den vielen, bewaldeten Inseln im Tegeler See. In den Südosten Berlins, nach Erkner, führte bei idealem Wanderwetter die Augusttour, um entlang der romantischen Löcknitz nach Woltersdorf zu gelangen. Zuvor galt es jedoch eine kurze Wegstrecke durch die Stadt zu laufen. Dabei stieß die große Gruppe auch auf einen der letzten Maulbeerbäume, die Friedrich I. 1752 wegen der Seidenproduktion pflanzen ließ, und auf ein Denkmal Gerhard Hauptmanns. Er lebte und kurte von 1895 – 1899 in Erkner und zeugte in dieser Zeit so nebenbei drei Söhne. Auf naturbelassenen Pfaden, immer mit Blick auf die Löcknitz, erreichten wir den sonst so ruhigen Flakensee. Reger Boots-


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und Schiffsverkehr begleitete die Gruppe bis zur Woltersdorfer Schleuse.

derer zum S-Bahnhof Rahnsdorf bringen sollte, überquerten wir die seit 500 Jahren existierende Schleuse, und so manche Naschkatze gönnte sich zum Abschluss der schönen Wanderung ein leckeres Eis aus dem benachbarten Café. Wolf-Dieter Pätzold

Veranstaltungen und Interessenkreise Eine willkommene Mittagspause in den Flakenseeterrassen wurde von schottischer Dudelsackmusik begleitet. Besteller war aber nicht der Wanderleiter, sondern eine benachbarte Hochzeitsgesellschaft. Schöner kann ein solcher Tag nicht verlaufen! Bevor sich die Gruppe so langsam auf die Rückreise begab, wurde noch die bekannte Liebesquelle aufgesucht. Leider sprudelt das angeblich belebende Getränk nur noch aus einem gemeinen Wasserhahn.

Siehe dazu die einschlägigen Programme für Oktober, November und Dezember im Aushang und auf der Internetseite www.sozialwerk-berlin.de unter der Rubrik Schlösschenpost

Auf dem Weg zur legendären Woltersdorfer Straßenbahn, welche die Wan-

Schmunzelecke

Gefunden von Monika Borchert


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Umweltschutz kannten wir nicht! Beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt schlägt die Kassiererin der vor mir bezahlenden alten Dame vor, sie möge doch beim nächsten Einkauf ihre Einkaufstasche mitbringen, denn Plastiktüten seien schlecht für die Umwelt. „Da haben Sie Recht“ entschuldigt sich die alte Dame „doch leider war ich in Eile und habe meine Einkaufstasche entgegen meiner Gewohnheit zu Hause vergessen". Die junge Frau erwidert: „Ja wissen sie, unser Problem ist nämlich, dass Ihre Generation sich keine Gedanken darüber gemacht hat, in welch schlechtem Zustand sie die Umwelt uns und den zukünftigen Generationen hinterlässt. Umweltschutz ist sicherlich ein Fremdwort für Sie". „Das stimmt. Unsere Generation kannte keinen Umweltschutz – war auch gar nicht nötig, denn Sprudel- und Bierflaschen gaben wir an den Laden zurück, in dem wir sie gekauft hatten. Von dort gingen sie an den Hersteller, der die Flaschen wusch, sterilisierte und auffüllte, so dass jede Flasche unzählige Male benutzt wurde. Die Milch holten wir beim Milchhändler in unserer eigenen Milchkanne ab. Aber Umweltschutz kannten wir nicht. Für unsere Gemüseeinkäufe benutzten wir Einkaufsnetze, für den Resteinkauf unsere Einkaufstaschen. Vergaßen wir sie, so packte uns der Händler den Einkauf in braune Papiertüten, die wir zu Hause für viele Zwecke weiter verwendeten, z.B. zum Einpacken der Schulbücher, die uns von der Schule unter der Auflage, dass wir sie gut behandeln, kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Nach Beendigung des Schuljahres wurden sie wieder eingesammelt und in gutem Zustand an den nachfolgenden Jahrgang weitergereicht. Aber Umweltschutz kannten wir nicht. Wir stiegen Treppen hoch, denn Aufzüge oder Rolltreppen gab es nicht so wie heute in jedem Kaufhaus oder Bürogebäude. Wir gingen zu Fuß die paar Schritte zum nächsten Lebensmittelgeschäft und benutzten dazu keinen 300 PS starken Geländewagen. Sie haben Recht, aber Umweltschutz kannten wir nicht. Damals wuschen wir die Babywindeln, weil es keine Einwegwindeln gab. Wir trockneten die Wäsche nicht in einem Strom fressenden Trockner, sondern mit Wind- und Solarenergie auf der Wäscheleine aus Hanf. Die Kleidung der Kinder ging stets an die jüngeren Geschwister, denn immer neue Kinderkleidung konnten wir uns nicht leisten. Aber Umweltschutz kannten wir nicht. Im Haus hatten wir ein einziges Radio und später einen kleinen Fernseher mit einem Bildschirm in Taschentuchgröße. In der Küche gab es keine elektrischen Maschinen. Alles wurde von Hand geschnitten, geraspelt, geschält. Als Polstermaterial für Päckchen oder Pakete benutzten wir alte Zeitungen, kein Styropor oder Plastikblasen. Der Rasenmäher wurde mit der Hand geschoben, machte keinen Krach und keinen Gestank. Das war unser Fitnesstraining, weshalb wir keine Fitnessstudios mit elektrischen Laufbändern und anderem Energie fressenden Unsinn benötigten. Aber Umweltschutz kannten wir nicht.


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Das Wasser tranken wir aus der Leitung und benötigten dazu keine Plastiktasse oder Plastikflasche. Unsere leeren Schreibfüller wurden wieder mit Tinte gefüllt, anstatt neue zu kaufen. Papier wurde beidseitig beschrieben. Stumpfe Rasierklingen wurden ersetzt, und nicht gleich ein neuer Rasierapparat gekauft. Aber Umweltschutz kannten wir nicht. Damals fuhren unsere Kinder mit dem Bus, der Straßenbahn, dem Fahrrad oder gingen zu Fuß zur Schule. Einen 24-stündigen Taxiservice der Mutter mit dem 50.000 EUR teueren Auto gab es nicht. Aber Umweltschutz kannten wir nicht. In jedem Zimmer gab es eine Steckdose und keine Steckdosenleisten für unzählige Stromfresser, und wir benötigten auch kein von einem 35.000 Kilometer entfernten Satelliten gesteuertes System, um die nächste Imbissbude zu finden. Jedoch Umweltschutz kannten wir nicht. Und das sagt mir ein Mädchen, das mir noch nicht einmal das Wechselgeld herausgeben kann, ohne die elektronische Kasse zu befragen. Übermittelt von Rolf Funk aus Köln

Man muss dem Leib etwas Gutes bieten damit die Seele Lust hat darin zu wohnen. Winston Churchill

Es ist besser Genossenes zu bereuen, als zu bereuen, dass man nichts genossen hat. Giovanni Boccaccio Beide gefunden von Wilfried Neumann

*************************************************** Wir gratulieren

Wir gratulieren allen Jubilaren der Monate Oktober, November, Dezember und wünschen ihnen weiterhin Gesundheit und viel Glück!

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Beratungen, Informationen, Sprechstunden Behördliche Angelegenheiten: Renate Hensler-Tresenreuter, Tel.: 361 99 78 Sozialrechtliche Angelegenheiten: Heidemarie Mangers, dienstags, 16-18 Uhr Voranmeldung: Tel.: 650 15 999 Behindertenrecht: Hannelore Rohde-Käsling Tel.: 891 10 51 (Rezeption) Sprechstunden: Sozialwerk und Förderkreis: Christa Fischer, Mo-Di-Do-Fr 10-16 Uhr

Impressum Herausgeber: Arbeitskreis „Schlösschen-Post" des „Sozialwerk Berlin e. V." Humboldtstr. 12, 14193 Berlin - Grunewald, Tel: 891 10 51/52 Redaktion: Jean Mangers, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Wilfried Neumann Eigenverlag: Druckerarbeiten: Jürgen Schambach Beiträge: Renate Bökel, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Eveline Harder, Rolf Funk, Renate Hensler-Tresenreuter, Dr. Hans-Ulrich Litzner, Kirsten Litzner, Heidemarie Mangers, Jean Mangers, Rolf Meyer, Wilfried Neumann, Wolf-Dieter Pätzold, Hannelore Rohde-Käsling, Peter Stawenow, Marita Vennewald Für Aufsätze und Berichte, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, trägt dieser die Verantwortung. Kleine, nicht sinnentstellende Korrekturen bleiben vorbehalten. Homepage: Diese Nummer ist auch unter www.sozialwerk-berlin.de Rubrik „Schlösschen-Post“ einzusehen. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Mitgliedern der Redaktionskommission, den Autoren dieser Schlösschen-Post und Herrn Rieger für ihre wertvolle Mitarbeit sehr herzlich bedanken! Jean Mangers Redaktionsschluss für die Nummer 65: 7. Januar 2017


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Als Ausblick und Vorgeschmack auf die

Adventszeit Wenn es Dezember ist, werd’ ich in jedem Jahr zu jenem Kinde, das ich früher einmal war; schau in den Kerzenschein nur einfach froh, vergesse die Zeit, die eilt und Sorgen ebenso. Dann muss ich warten, so wie damals, wochenlang, bin voller Spannung, hab zu tun beim Glöckchenklang; bei jedem Handgriff, den ich tu, freu ich mich sehr, dass bald mein Bäumchen eintaucht in sein Lichtermeer. Es liegt auch das gewisse Etwas in der Luft, ich steche Plätzchen aus, süß ist ihr Duft; ein Apfel brutzelt zimtbestreut im Ofenrohr und gaukelt mir die Zeit, die längst vergangen, vor. Wenn ich die Augen schließe, bin ich wieder Kind, bin voller Neugier, ungestüm, wie Kinder sind; ich kenn vom Schlüsselloch den Verwendungszweck und finde dadurch mein Erinnern im Versteck. Das liegt ganz tief in mir, verpackt und aufbewahrt, ist etwas angegraut – nun ja, wie ich bejahrt; doch grade dies macht mich erneut wie Wachs so weich in der Adventszeit – alle Jahre gleich. Wohl ist es dem, der auch im Alter nicht vergisst, wie es sich angefühlt hat, wenn ein Kind man ist, von Kinderjubel, Neugier, Jammer, Tobelust ein kleines Quantum aufbewahrt in seiner Brust. Wer heut’ noch zehrt von seinem einstens frohen Schwung und trotz plisseegefaltetem Gesicht blieb jung; von dem weiß ich es sicher, dass er’s kann: sich freuen, dass er kommt, der Weihnachtsmann. Martina Müller Gefunden von Renate Bökel

Schlösschen-Post Nr. 64 Herbst 2016  

Erlebtes und Aktuelles vom Sozialwerk Berlin

Schlösschen-Post Nr. 64 Herbst 2016  

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