Page 1

Nr. 67

Sommer 2017

Schlösschen – Post Erlebtes & Aktuelles vom Sozialwerk

Berlin

Renate Hensler-Tresenreuter Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband - Landesverband Berlin


2

Inhaltsverzeichnis Leitartikel Auf ein Wort Glücklichsein kann man lernen

2 3 4 5

Erlebtes und Aktuelles

6 6

Chorauftritte im Wohnstift Königsallee bei der Berufungsveranstaltung im Sozialwerk Berlin im Wilhelmstift Delegation des Sozialwerks Berlin bei der EU in Brüssel Eröffnung der Seniorenwoche Abschluss der Seniorenwoche

7 8 9

Gremienarbeit

10

Wissenswertes aus der Rechtsprechung

11

Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen im Schlösschen

12 12 13 14 15 16 16 17 18 19 21

Kongo – Polen - Deutschland „tour de palliatif“ Tanz in den Mai mit Kiry Die wilden Witwer Zeitzeugengespräch mit Rolf Schneider Auftritt der Anara Churikowa Erzähl-Café mit Rainer-Michael Lehmann Theater der Erfahrung: Schlaflos in Berlin – Spätzünder im Bett Unser Sommerfest Die Sommerfeste

Museumsbesuche

22 22 23

Verschiedenes

24 24 25

Schloss.Stadt.Berlin Kloster ZINNA

Entlang der Berliner Gewässer im Frühling Vortrag über Syrien 2. Teil

Veranstaltungen und Interessenkreise

27

Schmunzelecke

27

Wir gratulieren Beratungen – Informationen – Sprechstunden Impressum

28 28 28


3

Leitartikel Der Sommer ist ins Land gezogen, das hat mich dazu bewogen, zum Nachdenken über das Leben anzuregen. Bisher wanderten wir auf verschiedenen Wegen, immer wieder müssen wir Schreckensmeldungen erfahren, auch schlimme Nachrichten ertragen. Obwohl beschworen wurde in der Vergangenheit, nie wieder Krieg und großes Leid. Die Menschheit will es einfach nicht lernen, zu viele sich zu den falschen Symbolen bekennen. Doch wir werden uns nicht unsere Lebensfreude nehmen lassen, von Verblendeten, die anstatt zu lieben, hassen. Wir haben Vertriebenheit und Hunger überwunden, an Leib und Seele hinterlassene Wunden konnten uns nicht mutlos machen, zu keiner Zeit. Sie haben uns nur stark gemacht und bereit. Zuversichtlich konnten wir nach vorne schauen und auf unsere Stärken vertrauen. Wir mussten tatkräftig sein und positiv denken, unsere Schritte in die richtige Richtung lenken. Wir konnten studieren, einen Beruf ergreifen, sogar einen kleinen Wohlstand erreichen. Mit dem ersten Auto nach Italien reisen, die Freude war groß, wir konnten es fast nicht begreifen. Es gibt ein paar Weisheiten, die will ich nun hier nennen, vielleicht wollen sich einige dazu bekennen? Öffnest du die müden Augen am Morgen, denk nicht an Zipperlein und Sorgen, beginne dankbar, voller Hoffnung den neuen Tag, was auch immer kommen mag. Sei zufrieden, für alles Neue aufgeschlossen, nichts übertreiben, für Ratschläge offen. Bist du einmal mutlos, nicht verzagen, ein Jeder muss sein Päckchen tragen. Im Leben läuft nicht immer alles glatt, wenn du die richtige Einstellung hast, dann wird es dir bestimmt gelingen, auch Schwächen und Krankheit zu überwinden. Nicht nur an sich selber denken, den Mitmenschen helfen und Aufmerksamkeit schenken. Jeder Tag ist lebenswert und schön. Ich hoffe, auch ihr werdet es so sehen. Es sei uns bis zum Ende unserer Tage beschieden, ein glückliches Leben, immer im Frieden. Christa Fischer, Ehrenvorsitzende des Förderkreises


4

Auf ein Wort Liebe Leserinnen, liebe Leser, in den letzten Wochen haben wir sehr viele Diskussionen und Debatten über das Für und Wider von homosexuellen Eheschließungen gehört. Es ist gut nachvollziehbar, dass es hierzu die unterschiedlichsten Meinungen gibt. Aber es ist auch nachvollziehbar, dass sich Paare desselben Geschlechts Kinder wünschen und in der Gesellschaft als Paar bzw. Familie anerkannt werden wollen. Diese sog. Kernfamilie stellt die kleinste menschliche Gemeinschaft dar. Als Gemeinschaft wird eine überschaubare soziale Gruppe (wie z. B. Familie, Gemeinde, Fußballverein, Chor etc.) bezeichnet, deren Mitglieder u. a. durch ein starkes „Wir-Gefühl“ eng miteinander verbunden sind. Das Rechtswesen versteht unter Gemeinschaft eine Rechts- oder Vertragsgemeinschaft. Somit müsste also auch das Recht von Gleichgeschlechtlichen, sich ihre Gemeinschaft legitimieren zu lassen, umgesetzt werden. Der Begriff 'Gemeinschaft' hat in den verschiedenen Epochen der Geschichte sowie in den verschiedenen Kulturkreisen eine unterschiedliche Gewichtung erfahren. So betonen asiatische Kulturen und z. B. auch der Islam die Bedeutung der Gemeinschaft zu Lasten der Interessen des Einzelnen. In Europa hat nach Reformation und Aufklärung eine Hinwendung zum Individuum stattgefunden. So finden wir in allen westlichen Industrienationen die Förderung der individuellen Entwicklungsmöglichkeiten und die Ausrichtung auf ein individuelles Glücksstreben. Dass nun in einer Gemeinschaft, einer Gruppe (,“deren Mitglieder in bestimmten Eigenschaften, Verhaltensweisen oder

Interessen übereinstimmen, d. h., sie ist ein Kreis von Menschen, die sich kennen und annehmen und die sich in ihrem Wachstum gegenseitig unterstützen, sich vertrauen und einen Teil ihrer Lebensenergie einem größeren Ganzen widmen.“ (Schl.-Post Nr. 53, 'Auf ein Wort') ) auch Interessen von Einzelnen oder Kleingruppen existieren und gepflegt werden, ist natürlich und entbehrt jeglicher Kritik, solange das Gemeinwohl der Gruppe keinen Schaden davon nimmt. Der Ökonom Adam Smith vertrat die Meinung, dass alle davon profitieren, wenn es dem „Ganzen“ gut geht und nicht der freie Egoismus das Handeln bestimmt. Und der französische Soziologe Emile Durkheim sah in einem Ganzen mehr als die Summe seiner Teile. So meint z. B. der Begriff 'Familie' mehr als das Vorhandensein von Vater, Mutter und Kind. Als „eine große Familie“ bezeichnet auch unsere Vorsitzende die Mitglieder und Ehrenamtlichen des Sozialwerks Berlin und lobt überdies den „Zusammenhalt in den Interessenkreisen“ unseres Hauses. Der Begriff „Zusammenhalt“ beinhaltet die „den einzelnen Mitgliedern übergeordnete Bedeutung des Ganzen“, dem wir die großen Erfolge in jedweder Hinsicht in und außerhalb unseres 'Schlösschens' verdanken. Hierzu fällt mir gerade ein kleiner Spruch ein, den ich kürzlich während meines Urlaubs in Niederbayern auf einer Brötchentüte gelesen habe: Ein Brötchen ist mehr als die Summe seiner Krümel. Herzlichst Ihre Christine Bökel-Striebeck


Glücklichsein kann man lernen. Das Leben ist ein ständiges Abenteuer. Bei einem Treffen der Damengesprächsrunde wurde überlegt, welches Thema beim nächsten Mal auf den Tisch kommen soll. Irgendjemand schlug den Begriff Abenteuer vor, was erst einmal auf Ablehnung stieß. „Wir erleben doch in unserem Alter Derartiges nicht mehr“, sagte eine der Teilnehmerinnen widerwillig und etliche stimmten ihr zu. Diese Haltung zeigte mir wieder einmal, wie unbewusst wir gewöhnlich sind. Warum erleben wir angeblich nichts Aufregendes mehr? Eigentlich könnte doch alles, was außerhalb der Reihe stattfindet, als Abenteuer empfunden werden. Schließlich einigte man sich, dass sich ede bis zum nächsten Mal an ein kleines außergehnliches Erlebnis erinnern und in der nächsten Gesprächsrunde vortragen möge. Weshalb kann eine solche Übung von Nutzen sein? Wir können uns dadurch bewusst machen, dass wirkliches Leben nur in der Gegenwart, also im Hier und Jetzt stattfindet. Doch beobachten Sie sich mal ganz genau. Wann sind Sie wirklich im Hier und Jetzt? Wann beobachten Sie intensiv etwas? Sind wir wirklich immer achtsam? Wenn ja, würden wir ganz einfach erkennen, wie viele kleine und große Abenteuer uns dauernd passieren. Doch wir nehmen sie einfach nicht wahr, weil wir immer wieder in die Vergangenheit oder Zukunft abschweifen. Dort fangen wir an zu grübeln und die Empfindungen für das Schöne um uns herum können wir nicht mehr wahrnehmen. Den aktuellen Zeitpunkt erfassen wir nämlich nicht mit dem

Gehirn, sondern man erfühlt diesen Moment. Da unser Verstand allerdings meint, er ist das Wichtigste, fallen wir ganz schnell aus dem Fühlen wieder heraus und die Grübelei setzt erneut ein. Warum war der erste Impuls der meisten Teilnehmerinnen ablehnend? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich folgende oder ähnliche Antwort bekam, wenn ich jemanden danach frage, was er in letzter Zeit erlebt hätte: „Mir ist nichts passiert! Das ist auch gut so, denn meist ist es ja sowieso nur etwas Schlimmes, wenn was außer der Reihe los ist.“ Erkennen Sie, dass bei einer derartigen Einstellung gar nichts anderes als Negativität in der Erinnerung hochkommen kann? Das Unterbewusstsein ist nämlich stärker als der Verstand und sorgt dafür, dass genau diese Vorstellung erfüllt wird. Im Unbewussten sind neben anderem unsere sämtlichen Glaubenssätze gespeichert, welche sich durch eigene Erfahrungen oder vom Umfeld festgesetzte Regeln dort eingeprägt haben. Selbst wenn Sie vom Verstand her begriffen haben, dass Sie einer alten, längst nicht mehr gültigen Anweisung folgen, wird ihr Unterbewusstsein gegen ihren Verstand ankämpfen und erst einmal die Oberhand gewinnen. Dieser innere Streit wird von Ihnen seelisch und oft sogar körperlich sehr unangenehm wahrgenommen. Das löst bei Ihnen eine ablehnende Haltung aus. Wie kann man diesen Teufelskreislauf durchbrechen? In unserem konkreten Fall gilt es, sich bewusst zu machen, dass der vorher er-


6

wähnte Glaubenssatz Wenn etwas Außergewöhnliches passiert, ist es meist nichts Gutes niemals verallgemeinert werden darf und möglichst aus dem Unterbewusstsein verbannt werden sollte. Dazu ist es nötig, gefühlsmäßig zu erleben, dass die meisten außergewöhnlichen Erlebnisse sehr wohl auch positiven Charakter haben, selbst wenn sie im Moment noch negativ erscheinen. Schauen Sie in nächster Zeit einmal bewusst hin, wie Sie normalerweise denken und formulieren? Wie oft stimmen Sie erst einmal zu? Doch fast gleichzeitig denken oder sagen Sie allerdings: Nein, aber in diesem Fall ist es anders oder dergleichen? Es reicht nicht aus, sich dies vom Verstand her lediglich einmalig vor Augen zu führen. Um diese negativen Programme loszuwerden, müssen sie überschrieben werden, was nur durch ständiges Wiederholen möglich ist.

men von nun an nur noch positiv zu denken, so ist irgendetwas tief in uns drinnen stärker. Gewöhnlich brechen wir neue Vorhaben schon nach wenigen Tagen ab. Doch wenn wir wirklich wollen, bekommen wir nun die Chance, mehr aus unserem Leben zu machen. Wir brauchen innerlich nur Ja zu fühlen und das noch Unbekannte anzunehmen. Dann werden wir nach einiger Zeit des Trainierens erkennen, wie schön und erfüllend es ist, nur noch die schönen Seiten des Lebens hervorzuheben und sich immer wieder von neuem auf das Abenteuer Leben einzulassen. Alles liegt allein in Ihrer Hand beziehungsweise an Ihren Gedanken. In Ihrer Fantasie können Sie jedes noch so unscheinbare Erlebnis zu einem reizvollen, doch dabei gleichzeitig angenehmen Nervenkitzel gestalten. Wie kann da noch einer auf die Idee kommen, wir Älteren erleben keine Abenteuer mehr.

Was hindert uns daran, unser Leben ab sofort positiv umzustrukturieren? Wir wollen unsere Komfortzone nicht verlassen. Selbst wenn wir uns vorneh-

Sabine Procher – Sonnenberg Bewusstseinstrainerin

Erlebtes und Aktuelles Chorauftritte Unser Schlösschen-Chor trat im Mai dreimal sehr erfolgreich bei verschiedenen Gelegenheiten auf, einmal am 16. im Seniorenheim Königsallee der Wilmersdorfer Seniorenstiftung, dann am 24. im Festsaal des Käte-Tresenreuter-Hauses anlässlich der Danksagung durch die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach an die Mitglieder des scheidenden Landesseniorenbeirats und der Berufung des neuen Landesseniorenbeirats, schließlich am 30. im Wilhelmstift. Der Chor wurde dirigiert von Barbara Donbavand, mit Prof. Dr. Herbert Striebeck am Flügel. Unsere Darbietungen ernteten sehr großen Applaus. Jean Mangers


7

Delegation des Sozialwerks Berlin bei der EU in Brüssel Vor dem Hintergrund der Europawahlen 2019 sowie auf Einladung von Herrn Joachim Zeller, seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP), reiste eine Delegation des Sozialwerks Berlin vom 31. Mai bis zum 01. Juni nach Brüssel. Sie wurde von Herrn Dr. Winfried Pathe, Assistent von Herrn Zeller mit Sitz in Berlin, begleitet. Den Kontakt zu Herrn Zeller hatte Frau Eveline Harder, stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Altenselbsthilfezentrum Sozialwerk Berlin e.V., hergestellt. Den ersten Teil des Programms bildete der Besuch des „Parlamentariums“, des Besucherzentrums des Europäischen Parlaments, das erst im Mai 2017 eröffnet wurde. Im Parlamentarium ist die Geschichte der EU seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch Bilder, Texte und Videopräsentation nachgezeichnet. Alle Delegationsmitglieder hatten diese Zeiten miterlebt, so dass der Besuch auch eine Reise zurück in die eigene Vergangenheit war. Höhepunkte des ersten Tages war ein Meinungsaustausch mit Herrn Zeller über die aktuelle politische Situation sowie der Besuch einer Plenarsitzung des Europäischen Parlaments, das unter der Leitung des Präsidenten, Herrn Antonio Tajani, dem Nachfolger von Herrn Martin Schulz, tagte. Durch diesen Besuch konn-

te man sich einen Eindruck über die Parlamentsarbeit in Brüssel verschaffen. Am 2. Tag referierte Herr Heinrich Bultmann, der für den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) tätig ist, über die Aufgaben und die Arbeitsweise dieses wichtigen Gremiums. Frau Renate Heinisch von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) ist deutsches EWSA Mitglied. Dem Vortrag von Herrn Bultmann folgte eine mehr als einstündige Aussprache, bei der ebenfalls aktuelle politische Fragen (auch zur Seniorenpolitik), insbesondere durch Frau Hankewitz und Herrn Stawenow, angesprochen wurden. Am Ende des offiziellen Programms dankte Frau Hankewitz Herrn Zeller und Herrn Bultmann für die Einladung nach Brüssel sowie für die aktuellen, ausführlichen Informationen. Das Programm wurde durch eine kurze Besichtigung der Brüsseler Altstadt um den „Großen Platz“ abgerundet. Alle Delegationsteilnehmer vertraten die Auffassung, dass der Besuch in Brüssel zum besseren Verständnis der Europäischen Politik beigetragen hat. Dr. Ulli Litzner

Die Delegation mit Herrn Zeller (erster von rechts) vor dem Europaparlament


8

Eröffnung der Seniorenwoche am Breitscheidplatz am 24. Juni 2017 „Älter werden im Kiez“ Die Seniorenwoche zeigte sich aufgrund der neuen Sicherheitsbestimmungen, der Restaurierungsarbeiten an der Gedächtniskirche und der kleinen Gedenkstätte in völlig anderer Form. Die Bühne war in Europa-Center-Nähe aufgestellt und durch den Freiraum davor entkrampfte sich der Publikumsverkehr.

Frau Hankewitz moderierte hervorragend und erstmalig den Eröffnungspart mit den Politikern der verschiedenen Parteien. Die Senatorin, Frau Elke Breitenbach, eröffnete die Berliner Seniorenwoche. Herr Buchholz wurde sehr gelobt für seine bisherige 12jährige Amtszeit und Organisation der Seniorenwoche.

raum vor der Veranstaltung zum Gespräch. Die neue Aufteilung der Stände wurde gut angenommen und mit dem Besucherandrang können wir mehr als zufrieden sein. Unser neues Konzept hat sich bestens bewährt, kleine technische Nachbesserungen sind noch vorgesehen, aber es lief bilderbuchhaft. Insgesamt war die Eröffnung ein großer Erfolg. Es wäre schön, wenn die Berliner Wasserwerke uns demnächst mit Wasserspenden unterstützen könnten.

An Herrn Professor Dr. Hans-Joachim Brauns (Vorstandsmitglied Sozialwerk Berlin e. V.), der beim Aufbau behilflich war, so dass Herr Jürgen Schambach nach dem Einparken des Wagens den komplett aufgestellten Stand vorfand, geht ein ganz herzlicher Dank! Zeitweise wurde unser Stand von Interessenten völlig überrannt. Die Flyer Gedächtnistraining, Reisen, Yoga für Ältere und Wandern waren besonders gefragt.

Der Rundgang begann mit einer Blumenniederlegung an der Gedenkstätte des Terroranschlags vom Dezember. Der Sozialwerkstand profitierte sehr vom neuen Standort und die verschiedenen Politiker und Gäste hatten genug Spiel-

Der Standbesetzung sagen wir ein ganz herzliches Dankeschön für den tollen Einsatz und wir freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit. Text: Eveline Harder Fotos: Halina Krawczyk


9

Abschluss der 43. Seniorenwoche Diese öffentliche Abschlussveranstaltung fand am Mittwoch, dem 5. Juli im großen Saal des Käte-Tresenreuter-Hauses statt unter dem Moto: „Älter werden im Kiez“ – Was wünschen sich die älteren Menschen? Was ist zu tun, damit die Empfehlung des 7. Altenberichts zu einem Leitgesetz zur Stärkung einer Politik für und mit älteren Menschen Wirklichkeit wird?

Die Ausgangsposition bildete der § 71 Altenhilfe vom SGB XII. Die ausgelegten Blätter beinhalteten folgende Themen: 1. Arbeit und Beruf, 2. Auto und Verkehr, 3. Behinderung, 4. Familie, Partnerschaft, Gleichstellung, 5. Freizeit und Sport, 6. Gesundheit und Pflege, 7. Kultur und Wissenschaft, 8. Medien, 9. Meldewesen und Ordnung, 10. Migration und Integration, 11. Politik und Engagement, 12. Bildung, 13. Sicherheit und Notlagen, 14. Soziales, 15. Steuern, Finanzen, Recht, 16. Tourismus und Veranstaltungen, 17. Umwelt, Natur, Tiere, 18. Verbraucherschutz, 19. Wirtschaft, 20. Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung. Nach der Begrüßung und Vorstellung des Anliegens der Veranstaltung durch unsere Vorsitzende Margit Hankewitz waren die Vertreter der Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses, mit Ausnahme der AFD, dazu aufgerufen ihre Stellungnahmen abzugeben.

Es handelte sich dabei um Ülker Radziwill, stellv. Vorsitzende der SPDFraktion, Maik Penn, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Stefanie Fuchs, senioren-politische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Fatos Topac, Sprecherin für Pflege- und Sozialpolitik der Fraktion GRÜNE und Thomas Seerig, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Die Diskussion wurde moderiert von Peter Stawenow, Leiter des Komptenzzentrums offene Altenarbeit des Sozialwerk Berlin e. V., der auch einleitende Worte sprach. Stefanie Fuchs befasste sich vornehmlich mit der Mobilität und den Vernetzungen, Maik Penn mit der Infrastruktur, Betreuung und Pflege, Fatos Topac mit der Altersarmut, dem Wohnen und der Qualifikation pflegender Angehöriger, Thomas Seerig mit der Barrierefreiheit, den Rolltreppen, den Ampelzeiten und den Seniorenfreizeitstätten. Ülker Radziwill dankte den Verantwortlichen des


10

Sozialwerks Berlin für die mustergültige Organisation der 43. Seniorenwoche. Peter Stawenow fasste abschließend die Debatten kurz zusammen. Auf die Abstimmung darüber, ob das Land Berlin eine Gesetzesinitiative starten sollte, damit der § 71 SGB XII zur sozialstaatlichen Pflichtaufgabe wird, wurde auf Anraten von Dirk Gerstle vom CDUZukunftsforum verzichtet. Er vertrat die

Auffassung, dass dies zu viele Kapazitäten bände und besser im Rahmen der Kommunen geregelt werden könnte. Die Teilnehmer wurden noch gebeten, einen Fragebogen über Angebote, die ihnen besonders wichtig sind, auszufüllen und abzugeben bzw. einzusenden. Text: Jean Mangers Fotos: Halina Krawczyk

Gremienarbeit Die Fachgruppe „Ältere Menschen“ des „Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin“ tauschte sich zu aktuellen Fragen der Berliner Seniorenpolitik aus. Zum Dialogprozess 80+ ist anzumerken, dass eine Rahmenstrategie zur Umsetzung der Ziele verabschiedet wurde. Die Senatorin Kolat hat formell zugesichert, dass das Projekt weitergehen soll. Finanzmittel für 80+ sollen in den Haushalt eingestellt werden. Als neuer Titel soll der Begriff „Pflege 2030“ vorgesehen werden. Des Weiteren soll eine bezirkliche Aufarbeitung erfolgen. Wir können gespannt sein, wie es weitergeht. Das Land Berlin arbeitet an einem Mobilitätskonzept. Über die Senatsverwaltung sollten wir uns hier einmischen. Ebenso hat die CDU-Fraktion ein neues Verkehrskonzept ausgearbeitet, das im Sozialwerk Berlin zur Diskussion gestellt werden soll. Über diese Veranstaltung werden wir mit Aushängen rechtzeitig aufmerksam machen. Inzwischen haben die Wahlen zu den bezirklichen Seniorenvertretungen stattgefunden. Die Beteiligung war diesmal sehr erfreulich und es hat sich spürbar bemerkbar gemacht, dass alle über 60-

Jährigen persönlich mit einem Brief zur Wahl aufmerksam gemacht wurden. Am 19.05.2017 konstituierten sich die berufenen Vorsitzenden der 12 bezirklichen Seniorenvertretungen in der Landesseniorenvertretung. Als deren Vorsitzende wurde für die nächsten fünf Jahre Frau Dr. Hambach aus Treptow/Köpenick wiedergewählt. Am 24.05.2017 wurde durch Frau Senatorin Breitenbach den Mitgliedern des Landesseniorenbeirates für seine Arbeit in den zurückliegenden sechs Jahren gedankt. Die Ehrung fand im „KäteTresenreuter-Haus“ statt. Der „Schlösschen-Chor“ trat mit einem Auszug aus seinem Repertoire auf und erntete tosenden Applaus. Die langjährige Vorsitzende Frau Saeger wünschte dem neu berufenen Landesseniorenbeirat viel Erfolg. Es folgte die Wahl des neuen LSBB-Vorstandes. Vorsitzende wurde Frau Eveline Lämmer von der Volkssolidarität Berlin, stellvertretende Vorsitzende wurde Frau Gabriele Wrede vom Landessportbund und vom Sozialwerk Berlin e.V. wurde ich als Verantwortlicher für Finanzangelegenheiten wiedergewählt. Peter Stawenow


11

Wissenswertes aus der Rechtsprechung Mit Änderung des § 31a SGB (Sozialgesetzbuch) V wurde der „Bundeseinheitliche Medikationsplan“ eingeführt, auf den jeder Patient, der mindestens drei verordnete Arzneimittel einnimmt, Anspruch hat. Zum 1. Oktober 2016 in Papierform, ab 1. Mai 2017 aufgespielt auf den Chip der Krankenversicherungskarte – das allerdings funktioniert bisher nicht. Dennoch: Ein erster Schritt ist getan. Ab 01.07.2017 ging der dritte Pflegestützpunkt im Bezirk Berlin Pankow in Betrieb. Damit verfügt Berlin über 36 Pflegestützpunkte. Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der Berliner Pflegestützpunkte informieren auch zu Fragen des seniorengerechten Umbaus einer Wohnung, zu Fragen im Vorfeld der Pflege und zu Hilfen im Alter. Das Logo der Berliner Pflegestützpunkte wurde dahingehend in „Beratung rund um Pflege und Alter“ abgeändert. Nutzen Sie, liebe Leserinnen und Leser, die kostenfreien Beratungsangebote in Ihrer Wohnnähe. Aus aktuellem Anlass und aufgrund meiner langjährigen Beratungstätigkeit möchte ich Sie, liebe Leserinnen/Leser darauf aufmerksam machen, dass es in jedem Berliner Krankenhaus Patientenfürsprecherinnen und -fürsprecher gibt. Warum gibt es sie? Patientenfürsprecherinnen und –fürsprecher sind Vermittler zwischen den Patientinnen/Patienten und dem Krankenhaus. Sie nehmen die Anregungen der Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen auf und unterstützen diese

bei Problemen und Beschwerden gegenüber dem Krankenhaus. Ihre gesetzlich vorgegebenen Aufgaben leisten sie ehrenamtlich unter strikter Wahrung der Vertraulichkeit und sind dabei unabhängig und nicht weisungsgebunden. In regelmäßigen Sprechstunden in Räumlichkeiten des Krankenhauses sowie per Telefon oder per E-Mail haben die Patientinnen/Patienten die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Welche Befugnisse haben sie? Die Patientenfürsprecherinnen und –fürsprecher können sich mit Einverständnis der Patientin oder des Patienten jederzeit unmittelbar an die Krankenhausleitung, den Krankenhausträger und die zuständigen Behörden wenden. Grundlage für die Arbeit bilden das Landeskrankenhausgesetz und für den psychiatrischen Bereich das Gesetz für Psychisch Kranke (PsychKG). Die (BVV) Bezirksverordnetenversammlung wählt für jedes Krankenhaus oder für mehrere Krankenhäuser, ggf. auch gesondert für psychiatrische Abteilungen, eine/n Patientenfürsprecher/in für die Dauer einer Wahlperiode (fünf Jahre). Die Patientenfürsprecherinnen und – fürsprecher sind im Auftrag der BVV und des Bezirksamts tätig. Sie sind keine Beschäftigten der Krankenhäuser. Außerdem verfügt jedes Krankenhaus über einen Sozialdienst, der mit Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeitern besetzt ist. Falls diese während Ihres Krankenhausaufenthaltes nicht auf Sie zukommen, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an die Mitarbeiter der Krankenhäuser. Diese müssen Sie beraten


12

und informieren, wie die Versorgung, besonders nach Entlassung aus dem Krankenhaus, erfolgen kann/soll. Sehr gerne möchte ich Sie ermuntern, von den Beratungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen.

Sollten Sie dies selbst nicht können oder mögen, wenden Sie sich an das Beratungsteam im Sozialwerk Berlin e.V.. Ich wünsche Ihnen beste Gesundheit, und passen Sie gut auf sich auf. Ihre Heidemarie Mangers

Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen im Schlösschen Erzähl-Café –Zeitzeugengespräche am 23. April 2017 mit Tombolo Mukenchenchay „Kongo – Polen – Deutschland“

Tombolo Mukenchenchay, Jahrgang 1946, wurde in Tsikapa, Belgisch Kongo, heute Demokratische Republik Kongo, geboren. Er erzählte von seiner Kindheit in dem afrikanischen Ort, wo sie glücklich als Kinder miteinander spielten und abends am Lagerfeuer zusammensaßen und den Geschichten über die Ahnen lauschten. Dann ging es in die Missionsschule, staatliche Schulen existierten nicht. Sie wurden nach belgischem Muster ausgebildet und erzogen. Später kam er in ein katholisches Internat und suchte sich eine Unterkunft für die Schulzeit, da es weit entfernt vom Elternhaus lag. In Kinshasa ging er dann aufs Gymnasium. Nun folgte ein geschichtlicher Abriss über die Entwicklung des Landes im Laufe der Jahrhunderte. Durch die

Akquirierung von kongolesischen Abiturienten für Studienaufenthalte in Europa entschied er sich, 1964 als Stipendiat nach Warschau und Kattowice, zunächst zur Erlernung der Sprache, zu gehen. 1966 begann er mit dem Jurastudium, 1970 legte er den Magister in Jurisprudenz ab. 1965 lernte er seine Frau kennen und bereits 1967 heirateten sie. Anlässlich der Hochzeit lernte er Erzbischof Karol Wojtyla kennen, den späteren Papst Johannes Paul II. Es sollte nicht die einzige Begegnung bleiben. Die klimatische Umstellung Kongo-Polen war immens. Beim Skifahren erfroren seine Hände und er handelte sich eine Lungenentzündung ein. Auch ernährungstechnisch war alles so völlig anders. Süßkartoffelspeisen, Reis und geröstete Erdnüsse, Gemüse war er gewohnt, und in Polen dann das fetthaltige, deftige Essen mit Fleisch und Kartoffeln. Die postalische Verbindung zum Heimatland gestaltete sich schwierig. Der Familie und dem Bruder in einem katholischen Internat wurde ein Briefwechsel mit Tombolo aus einem kommunistischen Land untersagt. Dem Bruder wurde bei Zuwiderhandlung angedroht, das Internat


13

verlassen zu müssen. In der damaligen Zeit sind etliche Afrikaner nach Polen zur Ausbildung gegangen. Rassistische Stimmungen waren nicht zu spüren. Heute sind verschwindend wenige Afrikaner in Polen zu finden. Nach Abschluss des Studiums sollte es nach es Brazzaville gehen. Jedoch gestaltete es sich sehr schwierig, hier geeignete Tätigkeiten für längere Zeit aufzunehmen, so dass er sich für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland interessierte. Es wurde auch einfacher für seine Frau, hierhin als Spätaussiedlerin eine Ausreise genehmigt zu bekommen und die deutsche Staatsangehörigkeit zu erhalten. Sechs Jahre arbeitete er für die Alliierten in der Spandauer Zitadelle, wo er unter anderem für den letzten deutschen Gefangenen Rudolf Heß zuständig war (Verpflegung, Kleidung, Lektüre etc.). Alle vier Wochen wechselten sich die Amerikaner, Engländer, Franzosen und Russen mit dem gesamten Wachpersonal ab. Tombolo Mukenchenchay schwebte dort über allen als Ansprechpartner für die Komman-

danten und Mitarbeiter. Mit dem Senator für Justiz hatte er nur in finanzieller Hinsicht zu tun, die deutsche Verwaltung hatte jedoch keinen Einfluss auf seine Tätigkeit. 20 Jahre war er Verwaltungsmitarbeiter in der Katholischen Hochschule für das Sozialwesen und fünf Jahre stv. Vorsitzender der Afrikanisch-Ökumenischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Seit 2010 ist Tombolo Mukenchenchay im Ruhestand. Er engagiert sich in der Seniorenvertretung Charlottenburg-Wilmersdorf und ist 2017 wiedergewählt worden, um sich um die Belange der Mitbürger/innen mit Migrationshintergrund zu kümmern. Es geht ihm insbesondere darum, der zunehmenden Einsamkeit und Isolation dieses Personenkreises entgegenzuwirken. Herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Wahl und viel Erfolg auf diesem Gebiet! Text: Eveline Harder Foto: Jürgen Schambach

„tour de palliatif“ am 28. April 2017 Das Unionhilfswerk und hier das Kompetenzzentrum für Palliative Geriatrie luden zu einer Stadtrundfahrt verschiedene Verbände, Institutionen, Altenpfleger und die Presse ein. Am Treffpunkt Alexanderplatz erhielt jede/r Teilnehmer/in Tagungsunterlagen sowie ein Lunchpaket überreicht. Der Projektleiter Dirk Müller begrüßte die knapp 50 Personen, und wir starteten zum St. Elisabeth-Stift in die Eberswalder Straße. In der Kapelle wurden uns die neuen Projekte des sanierten Hauses vorgestellt. Eine angeregte Diskussion schloss sich an. Der nächste Stopp war die Firma Otto Berg Bestattungen GmbH & Co. KG in der Residenzstraße. Initiative für Ab-

schiedskultur in Berlin war das Thema. Das Unternehmen wird in vierter Generation weitergeführt. Der Juniorchef, der die tour de palliatif den ganzen Tag begleitete, berichtete über die Firmengeschichte und die Änderungen in der Trauerkultur. Eine Diskussion schloss sich an. Wir saßen in der Trauerkapelle zusammen, ein Sarg war aufgebahrt und von beleuchteten Kerzen und Blumengestecken umgeben, so dass der Eindruck von Abschiedskultur vermittelt wurde. Die Teilnehmer/innen konnten dabei Kaffee oder kalte Getränke zu sich nehmen und sich der dargebotenen Knabbereien bedienen. Die Fahrt ging dann ins Altenselbsthilfeund Stadtteilzentrum Käte-Tresenreuter-


14

Haus in der Humboldtstraße 12 in Schmargendorf. 1971 wurde das Soziawerk Berlin e. V. von Käte und Harry Tresenreuter gegründet. 1983 wurde das altengerecht und barrierefrei gestaltete und mit einer Induktionsanlage im großen Saal versehene Haus in der Humboldtstraße bezogen. Selbsthilfe und Selbstbestimmung der älteren Menschen sind die Zukunft der offenen Altenarbeit. Circa 100 ehrenamtliche Mitarbeiter bewirtschaften das Haus mit den über 24 Interessenkreisen. Es ist täglich, auch sonntags, von 10:0018:00 Uhr geöffnet. An der Spitze steht als Vorsitzende des Vorstands des Sozialwerks Berlin Margit Hankewitz. Das Motto des Hauses lautet: „Die Tradition im Herzen, die Zukunft in der Hand.“ Ein Vorzeigeprojekt der offenen Altenarbeit.

In allen Häusern (außer Otto Berg Bestattungen) wurden Führungen angeboten. Den Abschluss bildete eine Vortragsveranstaltung mit Musik und Imbiss sowie eine Filmpräsentation in der Pflegeeinrichtung „Am Kreuzberg“ in der Fidicinstraße. Hervorzuheben ist der Vortrag von Dr. Michael Schultze über seine geriatrische Arbeit und seine Fallbeispiele durch den Notärztlichen Hilfedienst. Hier müssen alle Beteiligten und Interessierten am Ball bleiben, damit die Politik und die Krankenkassen die Probleme in der geriatrischen Versorgung erkennen, verbessern und Initiativen fördern. Eveline Harder

Tanz in den Mai Am 29. April wurde wieder zu dem allseits beliebten Tanznachmittag eingeladen. Bevor Kiry mit seiner Musikanlage die Tanzlustigen in Schwung bringen konnte, überbrachte er einem Zuhörer, der mit seinen Gästen hier seinen Geburtstag feierte, einen musikalischen Glückwunsch. Als danach der „Frühlingsstimmenwalzer“ erklang, füllte sich die Tanz-

fläche sehr schnell und das blieb den ganzen Nachmittag so! Alle wollten sich gern zu den mitreißenden Rhythmen bewegen. In den wohlverdienten Tanzpausen spielte Kiry auf seiner Trompete bekannte Melodien zum Mitsummen, wie zum Beispiel die „Barcarole“ von Jacques Offenbach. Hits wie „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ von DJ Ötzi ließ alle gleich mitsingen und steigerte die Stimmung im Saal enorm. Ein Höhepunkt war seine Gesangseinlage. Das italienische Lied „Mattinata“ wurde mit so strahlender Stimme von Kiry vorgetragen, dass der Jubel des Publikums nicht ausblieb. Danach wurde weitergetanzt.

wieder

unermüdlich


15

Doch einmal muss ja Schluss sein, wenn die Füße müde werden. Zum stimmungsvollen Abschluss wurden „Sierra Madre“ und der „Gefangenenchor“ von allen gemeinsam angestimmt.

Wieder hatte uns Kiry mit seiner Musik begeistert und das wurde dann auch abschließend mit starkem Applaus belohnt. Text und Foto: Wilfried Neumann

Konzert der „wilden Witwer“ am 20.05.2017 „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“ (Ralph Benatzky, ca. 1934), „Jeder vornehme Mann schafft sich ein Auto an“, „Du hast Glück bei den Frau’n“ und „Unter den Pinien“. Von Kurt Tucholsky erklang das Gedicht: „Der andere Mann“.

Ein Sänger, ein Pianospieler: Der Sänger hat nicht nur eine große Stimme, sondern verfügt auch über ein hervorragendes schauspielerisches Talent. Mit seiner Baritonstimme erreichte er auch die hinteren Reihen spielend ohne Verstärkung. Er verwandelte sich vom Gentleman, über Charmeur bis hin zum Gigolo. Ein paar Sachen wie Luftballon, Spielkarten, Spiegel, Blume, weißer Schal, das waren seine Utensilien. Seine Darstellung war so verlockend, ich wäre am liebsten mit auf die Bühne gegangen. Der erste Teil begann mit „Junger Mann im Frühling“. Dann folgten 12 Vertreter der leichten Muse, wie zum Beispiel

Nach der Pause servierte uns der lustige Witwer acht bekannte Schlager, u. a. „In einer kleinen Konditorei“, „Eine Nacht in Monte Carlo“ (1931), „O, Donna Clara“ und „Fräulein Pardon“. Der Gedichtspart war wiederum von Tucholsky mit „Da, Da, Da (Na, und denn….)“. Als Zugaben erklangen dann noch „Kein Schwein ruft mich an“ und „Ich küsse ihre Hand, Madame“. Die musikalische Begleitung war ausdrucksvoll, rhythmisch und mit einer Leichtigkeit wunderbar gespielt. Alle Herzen taten sich auf. Dieser Nachmittag wird für alle Zuhörer unvergessen bleiben. Ich freue mich schon auf das nächste Konzert! Hoffentlich kommt er bald wieder! Text: Barbara Donbavand Foto: Jürgen Schambach

„Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.“ Abraham Lincoln


16

Zeitzeugengespräch mit Rolf Schneider Mit großer Rührung erzählte er von seinen Professoren Victor Klemperer und Hans Mayer an der Universität Halle /Wittenberg. Das waren Prägungen für sein ganzes Leben. Ein wunderbarer Nachmittag, der nachwirkt. Wir waren alle dankbar, dass Rolf Schneider so offen und frei aus seinem Leben erzählte. Unvergessen! Text: Eveline Harder Foto: Jürgen Schambach

Ich bedauere nichts….. Am 28. Mai 2017 war erneut Rolf Schneider (Jahrgang 1932) im Schlösschen-Café mit einer Lesung aus seiner Biografie „Schonzeiten“ zu Gast. Trotz großer Hitze hatten sich einige Interessierte auf den Weg gemacht. Die punktuell ausgesuchten Teile aus seinem Buch gaben einen hervorragenden Einblick in sein Leben, Denken und Wirken. Die anschließende Diskussion zeigte das große Interesse an der DDR-Vergangenheit im Zusammenleben, der Arbeit als freier Schriftsteller und die Schwierigkeit, nach der Biermann-Ausweisung – er war einer Mitverfasser des Einspruchs – als Autor zu arbeiten. Es glückte Rolf Schneider, indem er für einen westdeutschen Theaterverlag neun Jahre als Regisseur und Dramaturg zuarbeiten konnte. Das brachte für die DDR Devisen, und, da er als einziger Schriftsteller in dieser Form tätig wurde, wurde er bei der Kultur-Agentur unter „Ernsthafte Konzertsolisten“ geführt. Für seine Tätigkeit erhielt er 2.000 DM, die in bar bei der Kulturagentur abzugeben war, und dafür erhielt er 1.000 Ostmark. Zwischen den beiden Staaten zu pendeln hatte Vorzüge, brachte Neider und führte innerlich zu einer Zerrissenheit.

Wer am 3. Juni zum Konzert in unser Haus kam, brauchte nichts zu bereuen. Eine kleine Dame mit großer Stimme ließ diesen Samstagnachmittag für viele zu einem besonderen Genuss werden. Wenn auch nicht für alle, so war es für Gäste, die das Chanson lieben, eine sehr gelungene Veranstaltung.

Chansons aus vielen Jahrzehnten und von vielen wunderbaren Interpreten einstmals gesungen, wurden von Anara Churikova mit Herz und Stimme dargeboten. Zara Leander, Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Edith Piaf und Charles Aznavour kamen in unsere Erinnerungen. „Sag mir, wo die Blumen sind“ hat heute mehr Bedeutung denn je. Die Schreiberin


17

dieses Artikels hat es jedenfalls sehr berührt. Liebe Leser, auch wenn nicht alle Veranstaltungen den Geschmack aller Zuhörer treffen, so sind die Organisatoren jedes Mal bemüht, eine breite künstlerische Palette anzubieten. Kunst kommt von Können und das hat Frau Churikova definitiv bewiesen. Ich jedenfalls freue mich auf das nächste Jahr, wo sie hoffentlich wieder bei uns zu Gast sein wird. Text: Marita Vennewald Foto: Jürgen Schambach

Erzähl-Café am 11. Juni 2017 mit Rainer-Michael Lehmann „Von hier zum Anfang zurück“ Die Fahrrad-Sternfahrt brachte unsere kleine Veranstaltung im SchlösschenCafé völlig durcheinander. Herr Lehmann wurde von diesem Korso ausgebremst und kam mit 1 ½ Stunden Verspätung an, da hatten schon einige Teilnehmerinnen das Haus verlassen.

Rainer-Michael Lehmann, Jahrgang 1960, ist ein stiller Politiker. Er erzählte über seine Schulzeit, in der er das System kritisch hinterfragte und somit vom Carlvon-Ossietzky-Gymnasium verbannt wur-

de und das Abitur nicht ablegen konnte. Somit begann er eine Schriftsetzerlehre noch nach dem alten Herstellungsprinzip, und zwar die Arbeit mit Setzkästen. Später holte er das Abitur nach und arbeitete als Schriftsetzer bis 1989 in der Druckerei für das NEUE DEUTSCHLAND. Von 1990-1991 war er als Drukkereileiter der DDR-Reisebüros tätig und für die Abwicklung dieses etriebes zuständig. Keine schöne Erfahrung für ihn. Dann entwickelte sich sein politisches Interesse. Neun Jahre setzte er sich als Mitglied des Abgeordnetenhauses (FDP) u. a. in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Integration und Senioren ein. Seit 2010 ist er Mitglied der SPDFraktion im Abgeordnetenhaus. Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz waren wieder seine Themen. Seit 2017 hat er die Aufgabe des stellvertretenden Kreisvorsitzenden der AWO. In der Berliner Wahl 2016 verlor er sein Mandat an einen AfD-Politiker. Er ist frohen Mutes für weitere politische Tätigkeiten und ist im neuen Landesseniorenbeirat jetzt vertreten. Seit 1999 liiert, bewohnt er mit seiner Familie ein Mehrgenerationenhaus, anfangs noch mit den Großeltern, jetzt Kindern und Enkeln in Biesdorf. Er fühlt sich in diesem Zusammenschluss sehr wohl. Dann berichtete er über seine Hobbys: Seit 1983 betätigt er sich als Kabarettist. Große Freude bereitet ihm die Arbeit als DJ – Disk Jockey - (in der DDR lautete die Berufsbezeichnung: staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter). Noch heute verwöhnt er kleine und große Festivitäten im Umland mit dieser Kunst. Eine kleine Diskussion schloss sich an diesem Lebensabriss an.


18

Zum Teil waren diese Stunden ein Blick zurück in eine so andere Welt, spannend vorgetragen und hochinteressant. Ein Politiker zum Anfassen. Text: Eveline Harder Foto: Jürgen Schambach

Schlaflos in Berlin: Spätzünder im Bett

schlafen, noch durchschlafen und wendet sich an eine Selbsthilfegruppe, die erstmals versuch, sie mit „Guten Abend, gut Nacht“ in den Schlaf zu summen. Ohne Erfolg! Das schafft auch die von einem Mandolinenspieler begleitete „Geschichte von der Sonne und dem Mond“ nicht. Ein Mückenalarm ist selbstverständlich kontraproduktiv sowie auch die Tatsache jeden Tag einen anderen, wie Schiller,

Unser großer Festsaal war am 17. Juni ganz umgestellt worden. Die mitgeführte Bühne hatte auf der Tanzfläche Platz genommen, und den Abschluss bildeten vier Reihen Stühle, so dass die Zuschauer sich mitten im Geschehen befanden. Die einstündige musikalische PyjamaParty begann um 15.30 Uhr, da das Stück ohne Pause ablaufen sollte. Margit Hankewitz, unsere Vorsitzende, begrüßte ganz herzlich Frau Eva Bittner, eine der Leiterinnen des „Theater der Erfahrungen“.

Diese stellte die zehn Spielerinnen und die beiden Spieler – alles Ehrenamtliche – des Wandertheaters kurz vor und verriet, dass sie sich diesmal die Schlaflosigkeit zum Thema auserkoren hatten. „Eine Darstellerin, Hannelore, geht ins Bett und versucht zu schlafen. Dies gelingt ihr nicht; sie kann weder ein-

Heine, Balzac, Werfel, Goethe, Hertha Müller oder Wilhelm Busch mit ins Bett zu nehmen. Der gute Rat „Geh mit einem Buch ins Bett oder mit einem, der eins gelesen hat“ fruchtet also auch nicht. In der Folge bedient sich die Selbsthilfegruppe einer ganzen Reihe von Schlagern, die sie zweckdienlich umgedichtet hat. Das Schafsschlafen, die Mäusebärchen, ein Teddy mit einem abgerissenen Ohr und das Fremdgehen werden ergebnislos bemüht. Mitten in der Nacht packt sie die Gier nach… einer Currywurst, aber Krümel im Bett sind der reinste Horror. Das muntere Völkchen stellt auf einmal fest: Das ist die Nacht der Nächte. Aber wo ist Hannelore abgeblieben? - Sie schläft in der Küche mit dem Kopf auf dem Küchentisch!“ Gegen Schluss stellte Frau Hankewitz mit Begeísterung fest, dass die Spätzünder echte Lebenslust versprühen und fügte hinzu: Eine Frau wird erst schön im Bett.


19

Sie bedankte sich für die glänzende Aufführung. Prof. Dr. Herbert Striebeck, ihrem Stellvertreter, oblag es, den Damen eine rote Rose zu überreichen. Die beiden Herren erhielten von Margit eine Flasche Sekt.

Frau Hankewitz bedankte sich noch einmal für diesen wunderschönen Nachmittag und verlieh der Hoffnung Ausdruck, die Spätzünder nächstes Jahr wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Text: Jean Mangers Fotos: Wilfried Neumann

Als Zugabe erklang dann „Ihr werdet euch noch wundern, mit 66, 77, 88 und 99 Jahren!

Unser Sommerfest Nachdem wir die ganze Woche über mehr oder weniger Schmuddelwetter hatten, und es auch an den Freitag- und Samstagvormittagen nieselte oder gar heftig regnete, schien es angebracht, das Orchester und die Gedecke im großen Festsaal des Schlösschens unterzubringen, weil auch der Wetterbericht nicht garantieren konnte, dass wir gegen vier Uhr nicht mit einem Schauer überrascht werden könnten. Die Combo Legéro aus Berlin, bestehend aus Norbert Hübner, Akkordeon, Reiner Schwanke, Bass, Hannes Knäse, Schlagzeug, Elke Mahl, Akkordeon, Saxophon und Gesang, deren Enkelin Charline Kaatsch, Akkordeon und Perkussion sowie Manfred Pickert, Gitarre und Moderation, hatte somit folgerichtig auf der Bühne Platz genommen.

Die allermeisten Melodien waren bestens bekannt und luden zum Mitsummen oder Mitsingen ein. Ein Höhepunkt, neben

Margit Hankewitz begrüßte ganz herzlich die zahlreichen „gut behüteten“ Anwesenden. Sie wies darauf hin, dass die Damen sich in der Pause in die Bibliothek begeben könnten, wo Kleider zur Auswahl angeboten werden, und dass die Herren sich die Ausstellungen von „selbst gebastelten Schiffen“ und von „Kriegund Friedenszeiten im 20. Jh.“ ansehen könnten. Es gibt auch eine PfirsischBowle und später frisch gegrillte Bratwürste. Unsere Vorsitzende wünschte noch viel Spaß und gute Laune. Nun setzte die Combo Legéro mit „Comment ça va“ ein. Gleich wagten einige Unentwegte ein Tänzchen. Das Orchester hatte am ersten Tag 23 Nummern und 7 Zugaben im Programm.

vielen, war das von Elke Mahl gesungene „Akkordeon“, das die viel zu früh verstorbene Alexandra immer wieder in-


20

terpretiert hatte. Die erste Hälfte des Konzerts schloss mit der Rumba „Florentinische Nächte“. Nach der Pause ging es weiter mit „Amor, Amor, Amor“. Es wurden auch Rasseln verteilt, die einige Hobby-Schlagzeuger vorzüglich zu bedienen wussten. Nach der Tarantella „Funiculi, Funicula“ und den „Capri-Fischern“ bedankte sich Margit Hankewitz herzlich bei der Combo Legéro, die nicht zum ersten und bestimmt auch nicht zum letzten Mal bei uns aufgetreten ist, sowie bei den tanzwütigen Gästen.

Als Zugaben erklangen noch „La Paloma“, „Sierra Madre“ und „Tschüss, Good Bye, Auf Wiedersehen“.

Frau Stückler überbrachte die Grüße des BVV-Parlaments und betonte, dass, wenn sie ins Sozialwerk Berlin kommt, ihr immer so sei, als käme sie ein Stück weit nach Hause. Sie findet es gut, dass man sich hier ernsthaft mit Themen der Seniorenpolitik auseinandersetzt. Sie wünschte beim Sommerfest noch viel Vergnügen und alles Liebe. Die Combo Legéro setzte nun ein mit „Marina, Marina“. Ihr Programm des zweiten Tages sah gegenüber gestern sechzehn neue Nummern vor. Der Moderator Manfred Pickert lockerte das Ganze hin und wieder mit Scherzen auf, wie z. B.: „Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Saxophon und einem Sack Zement? – Dann pusten Sie mal rein!“ „Du bist die Rose vom Wörthersee“ läutete die Pause ein. Danach erklangen „La Paloma“ sowie

„Western von gestern“ mit Charline am Waschbrett. Elke Mahl stimmte „Das Akkordeon“ von Alexandra noch einmal an. Margit Hankewitz ergriff zum Schluss die Gelegenheit und dankte den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihr wertvolles Zutun zum Gelingen dieses schönen Sommerfestes. Sie erhielten von Peter Stawenow eine rote Rose und ein Küsschen. Damit wurden auch die Damen des Orchesters bedacht. Manfred Pickert bedankte sich seinerseits für die gute Aufnahme im Schlösschen. Als Zugaben erklangen noch „Du hast mich tausendmal belogen“, „Funiculi, Funicula“, „Sierra Madre“ und das Abschiedslied der Combo „Tschüss, Good Bye, Auf Wiedersehen“.

Dieses Wiedersehen ließ nicht lange auf sich warten, denn schon tagsdarauf trat die Combo Legéro gleich wieder an. Margit Hankewitz konnte in Frau Judith Stückler, der stellv. Vorsitzenden der BVV (Bezirksverordnetenversammlung) von Charlottenburg/Wilmersdorf, einen Ehrengast begrüßen.

Es waren zwei wunderbare SommerfestTage. Jean Mangers


21

Die Sommerfeste Die Sommerfeste sind nun vorbei, was war das nur für eine Grübelei! Können wir diesmal den Garten nutzen und die nassen Stühle putzen? Unsicher war die Voraussage an beiden Tagen, die Kapelle spielt im Saal, will es auf dem Rasen nicht wagen. Doch Petrus war uns wohl gesonnen, erst auf dem Heimweg hat der große Regen begonnen. Schön waren sie anzusehen, die älteren Damen, sie gaben den Festen den richtigen Rahmen. Bunte Kleidchen, ein Kränzchen im Haar, der Mut zum Hut war auch da. Nach dem Kaffeetrinken im geschmückten Saal konnten wir nach draußen, wir hatten die Wahl. Die Boutique lockte mit vielen Schnäppchen. Jeder fand im Feien ein Plätzchen. Die Combo spielte fleißig Melodien, die uns Freude machten. Die Stimmung war heiter und vergnügt, man hörte nur Lachen. Die leckere Bowle hat dazu beigetragen, die Nachfrage war groß an beiden Tagen. Nach Krankheit Genesende konnten wir begrüßen, manchmal noch etwas wackelig auf den Füßen. Sie haben keine Anstrengung gescheut um dabei sein zu können, heut’. Nun kamen die Gäste noch einmal im Saal zusammen. Hier fand der Abschluss seinen würdigen Rahmen. Der Kapelle wurde gedankt für das schöne Programm, den fleißigen Helfern dafür, dass alles so gut gelang. Der Bratenduft lockte nun alle heran, man stellte sich gern in der Schlange an. Die beliebten Grillwürstchen waren perfekt gelungen, ein Loblied auf die beiden Grillmeister ward gesungen. Nun freuen wir uns schon auf das nächste Jahr. Feiern im Schlösschen ist einfach wunderbar! Christa Fischer

„Der Mensch von heute hat nur ein einziges wirklich neues Laster erfunden, die Geschwindigkeit.“ Aldous Huxley


22

Museumsbesuche Schloss.Stadt.Berlin. Die Residenz rückt in die Mitte (1650 – 1800) Unser Museumskreis besuchte am 24. April 2017 diese Ausstellung im denkmalgeschützten Ephraim-Palais, ein in den 1980er Jahren rekonstruiertes Rokokogebäude und eines der schönsten historischen Bürgerhäuser am Rande des Nikolaiviertels in Berlin. Die Sonderausstellung widmet sich dem Berliner Schloss und seiner Bedeutung für die Stadt und zeigt den Ausbau und die Erweiterung der Residenz unter Preußischen Herrschern „vom Rand in die Mitte“. Nach den Erfahrungen aus dem dreißigjährigen Krieg lässt der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ab 1650 die mittelalterliche Stadt zur Festung ausbauen. In einem Stadtmodell wird uns eine sternförmige Stadtbefestigung gezeigt.

Beim Bau der Mauer - es werden Steine, Mörtel, Unrat, wie z.B. Scherben, Messing, Auster-Schalen beigemengt - muss jeder mitwirken. Im Laufe der Jahre erfährt die Politik einen mächtigen Aufschwung. Kurfürst Friedrich III., der nach der Königswürde strebt, beruft den barocken Baumeister Andreas Schlüter nach Berlin. Das Renaissance – Stadthaus wird von ihm in ei-

ne neue Residenz, in das Barock-Stadthaus umgebaut. So wird dem späteren Schloss, wie man es seit dem 19. Jahrhundert nennt, ein grandioser Glanz verliehen. Auch das bronzene Reiterstandbild des großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm, ist ein Meisterwerk Schlüters, und es hat lange Zeit seinen Standort auf der langen Brücke vor dem Schloss.

Am Eingang des Palais zeigt ein Fries „Die Segnung des Friedens“ vom Großen Kurfürsten. In den Ausstellungsräumen betrachten wir verschiedene Objekte, die uns vom Leben der Menschen aus dieser Zeit erzählen: Herrschaftliche Gemälde, darunter der Große Kurfürst mit seiner Familie, Fresken, Büsten, ein Paar hochhackige Schuhe, vornehme Kleidung, Porzellane in Form von Tellern, Gefäßen und Figuren, auch Uhren und Goldschmiedearbeiten, Wand- und Bildteppiche. Besonders zu erwähnen ist noch der ausgestellte Kirchturm – Glockenturm der Parochialkirche, sowie ein Fangeisen zum Einfangen eines Menschen. Türblätter einer hölzernen Tür des Treppenhauses aus dem zerstörten Schloss sind Originale.


23

In dieser Epoche des Auf- und Umbruchs gestalten nicht nur Einheimische, sondern auch Zugereiste, wie Handwerker, Baumeister und Unternehmer, den Wandel in „unserer“ Stadt. Heute beherbergt das teilweise sich noch immer im Wiederaufbau befindliche, ehemalige Stadtschloss in der historischen

Mitte Berlins das Humboldt-Forum mit kulturellen Programmen. Auch wir „Älteren“ freuen uns, wieder neues Wissen aus einer alten Zeit mit nach Hause nehmen zu können. Gisela Telschow

Tagesausflug des Kulturkreises ins KLOSTER ZINNA/Stadt Jüterbog: Der Besuch des KLOSTERS ZINNA bei Jüterbog, den wir am 15. Juni 2017 mit dem Kleinbus des Sozialwerks Berlin bei herrlichem Sommerwetter unternahmen, war eine Reise in die Geschichte des Landes Brandenburgs und Flämings, in die Sümpfe der Nuthe. Sehr zentral gelegen, ist das KLOSTER ZINNA auch ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge, Wanderungen und Radfahrten. Als erstes Ziel kehrten wir zunächst zur körperlichen „Erbauung“ in der Gaststätte „Zum Klosterhof“, einem romantischen Restaurant vis-à-vis des Klosters gelegen, ein, in dem wir mit köstlich zubereitetem Spargelessen und abschließendem Erdbeereis auf der Restaurantterrasse verwöhnt wurden . Nach unserer „körperlichen Stärkung“ mussten wir nur die Dorfstraße überqueren und betraten das durch seine Fassade bereits beeindruckende, 1170 (!) vom Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg erbaute Zisterzienserkloster, das von Mönchen der „Altenberger familia“ besiedelt worden war und sich durch kontinuierliches Wachstum im 12. Jahrhundert auszeichnete. Die sich neben den Klosterbauten befindende Klosterkirche St. Marien entstand im 13. Jahrhundert in Form einer dreischiffigen Pfeilerbasilika aus Feldsteinen,

sie strahlt noch heute die ehrfurchtsvolle Ruhe der Klostergründerzeit aus. Das um 1435 fertiggestellte Abtshaus beherbergt heute das Klostermuseum, in dem die Geschichte des Zisterzienserordens dargestellt ist. Hier befindet sich auch die Abtskapelle, in der ein außergewöhnlich gut erhaltener Freskenzyklus von wiederentdeckten und restaurierten alten Gemälden aus dem 15. Jahrhundert zu bewundern war. Im einstigen Gäste- und Siechenhaus des Klosters, der „Destillerie“, in dem die Laienbrüder lebten, wird die Essenz für den „Zinnaer Klosterbruder“, einem legendären Kräuterlikör, hergestellt. Mit der Eintrittskarte für das Museum war eine Kostprobe dieses Likörs, der uns in allen möglichen Geschmacksrichtungen angeboten wurde und sehr lecker mundete, inklusive. Erst 2017 wurden erforderliche bauliche Sanierungen der Anlage abgeschlossen, so dass die optisch beeindruckenden Klostergemäuer mit den lebhaften und fachlich fundierten Ausführungen der kompetenten Führerin sich noch vertieften. Als evangelische Pfarrkirche für hochrangige Konzerte ist die Klosterkirche, was man sich überzeugend vorstellen kann, auch heute ein lebendiger Ort.


24

1764 ließ Friedrich der Große hier, an der Grenze zwischen Preußen und Sachsen, die Weberkolonie Zinna errichten, wodurch Teile des Klosters auch als Weberhäuser verwendet wurden. Die Geschichte der Handweber ist im Webermuseum im „Zollhaus“, einem Fabrikantenhaus aus dem 18. Jahrhundert, sehr gut dargestellt.

Zum Ausklang dieses wunderbaren Tagesausflugs ließen wir uns selbst gebackenen Kuchen und Kaffee im Gartenlokal des „Zollhauses“ gut schmecken, bevor unser Kleinbus die Heimfahrt wieder antrat. Renate Hensler-Tresenreuter

Verschiedenes Entlang Berliner Gewässer in den Frühling Nach den winterlichen Stadttouren zog es die Wandergruppe mit zunehmenden Temperaturen an die zahlreich vorhandenen Berliner Gewässer. Das Frühlingserwachen mit all seinen Blüten erlebte die Gruppe im April am Teltowkanal.

Zartes Blattwerk und Vogelgezwitscher kündigten den nahen Frühling an, trotz der nahen Wohngebiete. Am S-Bahnhof Zehlendorf endete die schöne Wandertour. Ein Genuss für die Sinne war das Durchqueren des Naturschutzgebietes entlang des Tegeler Fließes am 27. Mai.

Sogar ein großes Anglertreffen mit professioneller Ausrüstung hoffte nach dem Winterschlaf auf guten Fang.

An der Knesebeckbrücke verließen wir den Kanal, um nach einer Stärkung weiter durch den Heinrich Leahr – und Schönower Park zu wandern.

Bei schönstem Wanderwetter bewegte sich die begeisterte Schar, begleitet von unzähligen Vogelstimmen, durch ein einzigartiges Biotop, entstanden nach der letzten Eiszeit. Auf dem ca. vier km langen Teilabschnitt zwischen Waidmannslust und Lübars waren sogar kaum Großstadtgeräusche zu vernehmen. Nach dem idyllischen Hermsdorfer See öffnete sich urplötzlich die Auenlandschaft,


25

und wiegende Grashalme auf weiten Wiesenflächen überraschten viele Naturfreunde. Vorbei an grasenden Pferden näherte sich die große Wandergruppe einem der letzten noch intakten Dörfer Berlins, Lübars. Bedingt durch das schöne und inzwischen warme Wetter herrschte Hochbetrieb in den angrenzenden Biergärten und der bekannten Eisdiele mitten im Ort. Einem Besuch dieser Lokalitäten konnten auch die inzwischen durstigen und hungrigen Wanderer nicht widerstehen. Mit einer Tüte köstlichem Eis begab sich die froh gestimmte Schar wieder auf die Heimreise. Ganz im Zeichen der Kultur stand unsere Tour am 24. Juni von der Glienicker Brücke, entlang des Jungfernsees, über den Pfingstberg nach Potsdam. An vielen alten Kulturgütern – inzwischen aufwändig restauriert – führten uns die Park- und Uferwege durch den Neuen Garten, angelegt durch Friedrich Wilhelm II.. Schöne alte Villen mit blühenden Gärten und der Neubau einer Matrosenstation aus Holz im norwegischen Stil überraschten die Wandergruppe, bevor es weiter durch den Park ging. Vorbei am eingerüsteten Schloss Cecilienhof, der mit Eichenborke verkleideten Eremitage, kam am Ufer die

Muschelgrotte und die alte Meierei – heute eine Brauereigaststätte mit schönem Biergarten direkt am Wasser – in Sicht. Um die verdiente Einkehr auf dem Pfingstberg zu erreichen, galt es einen etwas steilen Weg zu erklimmen. Die Mühe hat sich mit einem guten Essen und schöner Aussicht gelohnt.

Gut gestärkt, bewunderten die Wandersleute anschließend die mächtige, durch großzügige Spende wieder restaurierte Aussichtsterrasse Belvedere und Baumeister Schinkels Erstlingswerk, den Pomonatempel, bevor es bergab Richtung russisch-orthodoxer Kirche und zu den Holzhäusern der russischen Kolonie Alexandrowka ging. Eine Kaffeepause im Garten, mit süßen Spezialitäten des Landes, beendete diesen schönen Wandertag. Wolf-Dieter Pätzold

Syrien II Der Syrienkonflikt als „Spielball“ ausländischer Mächte Mit einer kleinen Meldung auf Seite 5 der Berliner Morgenpost vom 10. Juli 2017 wird für den darauf folgenden Montag in Genf der Beginn der siebenten Runde der Friedensverhandlungen für Syrien unter Vermittlung des UN-Sondergesandten Steffan de Mistura angekündigt. Zugleich

trat am selben Tag ein von den Außenministern der USA und Russlands, Tillerson und Lawrow, ausgehandelter Waffenstillstand für den Süden Syriens in Kraft. Ob dieser Ansatz für ein Ende des bisher sechsjährigen Krieges erfolgreich sein wird, wird die nahe Zukunft zeigen.


26

Sehr unterschiedlich sind die Interessen der an diesem Konflikt beteiligten in- und ausländischen Parteien und Mächte: Innerhalb des Landes hat Staatspräsident Baschar al Assad das alleinige Interesse den Irak zu beherrschen. Dass er seine Herrschaft durchsetzt unter Bruch der Menschenrechte, mit Giftgaseinsätzen und Haftanstalten, die mit den dort angewandten Foltermethoden gegen Oppositionelle Vernichtungslagern gleichkommen, stört ihn wenig. Bisher kann er sich bei seinem Vorgehen auf die Rückendeckung des Irans und Russlands verlassen. Putin selbst knüpft an eine lange („antiimperialistische“) Tradition der Partnerschaft schon zwischen der UdSSR und Syrien an und sieht derzeit die Chance, durch seine Einflussnahme in den Konflikt Russlands Wiederkehr auf die politische Weltbühne zu zementieren. Somit dient der Einsatz russischen Militärs in Syrien in der Propaganda zur Bekämpfung des „Islamischen Staates“, tatsächlich aber auch der Niederringung der gegen al Assad kämpfenden Opposition im Lande. Dass Frau Merkel Probleme mit dem zeitweise überbordenden Flüchtlingsstrom nach Europa und weiter nach Deutschland innerpolitische, aber auch EU-politische Probleme bekam, war Putin sehr recht, konnte er doch auf diese Weise von seinem Vorgehen in der Ostukraine und auf der Krim-Halbinsel ablenken, zumal die deutsch-französischen Initiativen auf diesem Gebiet erste Wirkungen zeigten. Der türkische Präsident Erdogan war anfangs ein entschiedener Gegner alAssads und forderte offen dessen Beseitigung zu Gunsten der demokratischen Opposition in Syrien. Mehrere Millionen Syrien-Flüchtlinge an der syrisch-türkischen Grenze schufen den Türken erheb-

lich Probleme, zumal die europäischen Staaten ihre Finanzzusagen nicht bzw. nur zögerlich einhielten. Mit dem Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei, das die Fluchtbewegung über den Balkan stoppte, hatte Erdogan ein Faustpfand gewonnen, das seine menschenrechtsverletzende innertürkische Politik von europäischer Seite aus vor zu harscher Kritik zu sichern schien und ihm zugleich den Weg in die EU ebnen würde. Da er aber auf die zugleich ausgehandelten Geldmittel angewiesen ist und nach dem Putschversuch vor einem Jahr das Maß an Menschenrechts- und Demokratieverletzung weit überschritten hat, gehen derzeit seine Vorstellungen nicht auf. Das Ziel vieler Oppositioneller aber, einen eigenen Kurdenstaat auf Kosten des Staatsgebietes der Türkei, Syriens und des Iraks zu errichten, ist für Erdogan und die Türkei inakzeptabel. Deutschland und die EU tun sich schwer, eine einheitliche Syrien-Politik zu entwikkeln. Einig unterstützt man die dortige Opposition gegen al Assad, zugleich aber auch mit aller Härte den Kampf gegen den „Islamischen Staat“, was bisweilen schwer auseinanderzuhalten ist. Besonders uneinig ist man sich bei der Verteilung des Flüchtlingsstroms aus Syrien auf die Mitgliedsstaaten der EU. Während Ungarn und Polen kategorisch alles ablehnen, ruht die Last der großen Zahl derzeit auf Griechenland und die Herausforderung der bereits aufgenommenen Flüchtlinge vor allem auf Deutschland und Schweden. Wie es mit den Flüchtlingen, die fast täglich über das Mittelmeer kommen und keineswegs nur aus Syrien stammen, weitergehen soll, ist in der EU politisch noch umstritten. Und die USA? Unter Obama eindeutig an der Seite der EU und auf die Beseitigung al Assads ausgerichtet, zugleich aber eben auch den "Islamischen Staat“ bekämp-


27

fend, scheint diese Position unter Trump sich zu verändern. Mit Russland gemeinsam initiativ zu werden, hieße al Assad weiterregieren zu lassen und der irakischen Opposition letztlich in den Rücken zu fallen. Ob dieses Vorgehen aber Demokratie und Menschenrechte in

Syrien fördert, darf zumindest angezweifelt werden. Herzliche Grüße, Ihr Joachim Krüger (Im letzten Teil wird in der nächsten Schlösschen-Post die Bedeutung der Religionen im Syrien-Krieg im Mittelpunkt stehen.)

Veranstaltungen und Interessenkreise Siehe dazu die einschlägigen Programme für Juli, August und September im Aushang und auf der Internetseite www.sozialwerk-berlin.de unter der Rubrik Schlösschenpost.

Schmunzelecke Gefunden von Monika Borchert


28

Wir gratulieren

Wir gratulieren allen Jubilaren der Monate Juli, August und September und wünschen ihnen weiterhin Gesundheit und viel Glück!

Beratungen, Informationen, Sprechstunden Behördliche Angelegenheiten: Renate Hensler-Tresenreuter, Tel.: 361 99 78 Sozialrechtliche Angelegenheiten: Heidemarie Mangers, dienstags, 16-18 Uhr Voranmeldung: Tel.: 650 15 999 Behindertenrecht und sozialrechtliche Angelegenheiten : Hannelore Rohde-Käsling Tel.: 891 10 51 (Rezeption) Sprechstunden: Sozialwerk und Förderkreis: Christa Fischer, Mo-Di-Do-Fr 10-16 Uhr

Impressum Herausgeber: Arbeitskreis „Schlösschen-Post" des „Sozialwerk Berlin e. V." Humboldtstr. 12, 14193 Berlin - Grunewald, Tel: 891 10 51/52 Redaktion: Jean Mangers, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Wilfried Neumann Eigenverlag: Druckerarbeiten: Jürgen Schambach Beiträge: Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Barbara Donbavand, Christa Fischer, Eveline Harder, Renate Hensler-Tresenreuter, Joachim Krüger, Dr. Ulli Litzner, Heidemarie Mangers, Jean Mangers, Wilfried Neumann, Wolf-Dieter Pätzold, Sabine Procher-Sonnenberg, Peter Stawenow, Gisela Telschow, Marita Vennewald Für Aufsätze und Berichte, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, trägt dieser die Verantwortung. Kleine, nicht sinnentstellende Korrekturen bleiben vorbehalten. Homepage: Diese Nummer ist unter www.sozialwerk-berlin.de, Rubrik „Schlösschen-Post“, einzusehen. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Mitgliedern der Redaktionskommission, den Autoren dieser Schlösschen-Post und Herrn Rieger für ihre wertvolle Mitarbeit sehr herzlich bedanken! Jean Mangers

Redaktionsschluss für die Nummer 68: 15.09.2017

Schlösschen-Post Sommer 2017  

Erlebtes und Aktuelles vom Sozialwerk Berlin

Schlösschen-Post Sommer 2017  

Erlebtes und Aktuelles vom Sozialwerk Berlin

Advertisement