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Nr. 66

Frühling 2017

Schlösschen – Post Erlebtes & Aktuelles vom Sozialwerk

Berlin

Renate Hensler-Tresenreuter Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband - Landesverband Berlin


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Inhaltsverzeichnis Leitartikel Auf ein Wort Das Porträt Frühlingserwachen im Schlösschen-Garten

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Erlebtes und Aktuelles Verleihung des Ehrenamtspasses Vortrag über Syrien Vortrag über Siebenbürgen Vortrag über Paris, die Stadt der Liebe Projekt: SelbstBestimmt im Alter Tagung: SelbstBestimmt und Vollmacht statt Ohnmacht Tagung in den Niederlanden

Gremienarbeit

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Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen im Schlösschen „Prinzessinnensuite“ mit Ilse Eliza Zellermayer Dichterporträt über „Wilhelm Busch“ mit Rosa und Jonathan Tennenbaum „Faschingstreiben 2017“ mit Joe Morris und dem Schlösschen-Chor „Eine musikalische Reise“ mit dem GOLDI-Schlagerchor „Die Welt der Antiquitäten und ich“ mit Susanne Schmitz „Das Nachtgespenst“: Ein musikalischer Nachmittag mit Günter Rüdiger Die Osterwoche 2017: Der Ostermarkt Das Osterkonzert

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Museumsbesuche KPM - Bildhauerkunst im Kleinformat im Kunstgewerbemuseum Hieronymus Bosch und seine Bilderwelt im 16. u. 17. Jh. in der Gemäldegalerie Impressionismus – Die Kunst der Landschaft im Barberini-Museum

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Verschiedenes Änderungen im Bereich Heil- und Hilfsmittel Sozialhilfe: Anhebung des Schonvermögens Wanderungen in Kreuzberg und Friedrichshain Neue Ausstellung im O.G. über Kriegs- und Friedenszeiten im 20. Jahrhundert Hurra, die Rollups (Werbeaufsteller) sind da.

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Veranstaltungen und Interessenkreise

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Schmunzelecke

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Wir gratulieren Beratungen – Informationen - Sprechstunden Impressum

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Leitartikel Liebe Leserinnen, liebe Leser, diesen Ratschlag kennen Sie alle: „Man soll nicht seinem Leben Jahre geben, sondern seinen Jahren Leben“. Diese Volksweisheit hat nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch einen Bezug zu unseren Erinnerungen und unserem Zeitgefühl. Auch die folgende Erfahrung machen wir älteren Menschen: Das Leben vergeht viel schneller, wenn man älter wird! Warum? Forschungen hierzu führen zu erkenntnisreichen Ergebnissen. So nennt man z. B. den Versuchspersonen verschiedene Begriffe, wie z. B. Haus, Konflikt, Partner, Tier u. a. und bittet sie, ganz spontan dazu Erinnerungen aus ihrem Leben zu erzählen. Nur ganz wenige der genannten Erinnerungen sind den späteren Lebensjahren zuzuordnen. Aus den 30 Lebensjahren zwischen 50 und 80 wird weniger berichtet als aus den 10 Lebensjahren von 10 bis 20. Wie ist das zu erklären? Erstens könnte es sein, dass das noch junge und wenig gebrauchte Gehirn bessere Speicherkapazitäten besitzt. Zweitens könnte es sein, dass die Ereignisse im zweiten Lebensjahrzehnt durch einen hohen Erlebniswert und durch eine starke emotionale Betroffenheit begleitet werden (das „erste Mal“ einer Tätigkeit, der erfolgreiche Schulabschluss, die erste tränenreiche Beziehung und ihr Ende usw.). Als dritte Theorie wird auf die Bedeutung der Ereignisse in den ersten Jahrzehnten verwiesen, die für die Entwicklung der Persönlichkeit eine wichtige Rolle gespielt haben und deshalb in der Erinnerung leicht abrufbar sind.

Für alle diese Theorien gibt es gute Beweggründe, sie werden jedoch überlagert durch eine besondere Eigenart unseres Gehirns, einer angeborenen speziellen Steuerung unserer Wahrnehmung. Dieser Ansatz ist vielversprechender zur Erklärung der unterschiedlichen Erinnerungsperioden. Wenn man Menschen jeden Alters bittet, die Entfernung zwischen zwei Objekten zu schätzen, so schätzen sie die gleichlange Strecke als länger ein, wenn zwischen den beiden Endpunkten Gegenstände vorhanden sind. Diese Wahrnehmungsweise wird nun auf das Zeitgefühl übertragen. D. h., wir empfinden einen Zeitraum als länger, wenn viele besondere Ereignisse darin stattgefunden haben. Wie oben beschrieben, sind die späteren Lebensjahre im Vergleich zu den vergangenen leerer, monotoner, alles ähnelt sich und man erlebt viele Wiederholungen. Es fehlen ungewohnte, abwechslungsreiche Erlebnisse, die Erinnerung wird gespeist von wenigen einheitlichen und wenig verschiedenen Einsichten und Gefühlen. Also: Um das Empfinden, dass die Zeit im Alter schneller vergeht, einzuschränken, müssen wir unsere uns verbleibende Zeit ausfüllen mit möglichst vielen anregenden und mit positiven Gefühlen verbundenen Erlebnissen und Unternehmungen. Hier bietet das Sozialwerk Berlin für ältere Menschen viele Möglichkeiten des Ausfüllens der täglichen, monatlichen und jährlichen Zeitstrecke, um das Leben länger erscheinen zu lassen. Herzlichst Ihr Prof. Dr. Herbert Striebeck


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Auf ein Wort... Liebe Leser/Innen, wir können wieder aufatmen – der Frühling schmeichelt uns weitgehend mit seinen angenehmeren Temperaturen und verspricht uns Freude an Unternehmungen und Spaziergängen in der mehr und mehr „aufblühenden“ Natur. Auch die sog. 'Sommerzeit' hat wieder eingesetzt, von der wir schon lange wissen, dass sie keinerlei Vorteile im Hinblick auf Energieeinsparungen bringt. Deshalb gibt es natürlich sehr viel Unmut und Kritik und vielerorts wurde und wird eine Abschaffung dieser Bestimmung verlangt. Da jedoch alle 27 Länder der EU dieser Abschaffung zustimmen müssten, dies aber nicht der Fall ist, kommt es trotz der berechtigten Kritik nicht zu einer Abschaffung der 'Sommerzeit'. Leider wird berechtigte Kritik häufig ausschließlich als unberechtigte Beurteilung verstanden, was aber ebenso häufig nicht ihrem wahren Ziel entspricht. William Shakespeare z. B. empfahl, kritische Hinweise nicht als Angriff zu verstehen, sondern sich sogar darüber zu freuen. Er sagte dazu: „Glücklich sind, die erfahren, was man an ihnen aussetzt, und sich danach bessern können.“ Als Kommunikation über Probleme bildet Kritik eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass Probleme behoben werden können! Menschen äußern meist ungern Kritik, weil sie wissen, dass der Empfänger sie als unangenehm und negativ empfindet, ja oft sogar beleidigt reagiert. Und dies ist der Punkt, an dem sowohl vom Kritisierenden als auch vom Kritisierten eine gewisse Kritikkompetenz verlangt wird: Kritik soll nicht als Angriff gegen die eigene Person, sondern als nützlicher Hinweis für Handlungsverbesserungen (!!!) verstanden werden. Vom Kritisieren-

den soll Kritik so formuliert werden, dass sie, anstatt zu kränken, im Gegenteil motiviert und vom Kritisierten als Hilfe verstanden wird. Man sollte sie als etwas Positives ansehen, da man dadurch viel lernen kann; deshalb ist es auch überaus sinnvoll, sich für die gutgemeinten Anregungen zu bedanken. Ein großer Kritiker unserer Stadt des 20. Jhs war u. a. Kurt Tucholsky, der sich mit seinen mutigen Gesellschaftskritiken nicht nur beliebt gemacht, aber sehr viele Menschen zum Nach- und Umdenken veranlasst hat. Auch wir leben heute in einer Zeit, die zum Nach- und Umdenken auffordert: Die Menge als auch die Schnelligkeit der steten Veränderungen in politischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht ist groß. Und wir, (vor allem) die Älteren, stehen dem sehr oft sehr kritisch und gleichsam hilflos gegenüber, müssen demnach leider hinnehmen, dass wir trotz der berechtigten Kritik kaum Möglichkeiten haben, Handlungsverbesserungen „im Großen“ durchzusetzen. Doch sollten wir im alltäglichen Miteinander die Chance nutzen, durch wohlwollende Kritik erwünschte Veränderungen zu erreichen. Dies ist uns in unserem Schlösschen schon weitgehend gelungen! Herzlichst Ihre Christine Bökel-Striebeck


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Das Porträt In unserem Hause gibt es so viele ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen, die schon lange Zeit mit Freude ihren Dienst tun. Wir wollen ein wenig mehr von all diesen lieben Menschen erfahren, deren Gesicht wir zwar kennen, von denen und deren Schicksalen wir im Grunde aber viel zu wenig wissen.

Dr. Herbert Striebeck

Guten Tag, lieber Herr Dr. Striebeck. Sie sind nun schon seit 10 Jahren Mitglied und ehrenamtlicher Mitarbeiter in unserem Hause. Würden Sie mir ein wenig über Ihr Leben erzählen? Ich wurde noch zu Friedenszeiten geboren, am 20. Juli 1939 in Osnabrück. Am 1. September begann der Zweite Weltkrieg, der bis zu seinem Ende im Jahr 1945 die ersten sechs Jahre meiner Kindheit stark beeinflusst hat. Auch wenn unser Gehirn in den ersten drei Jahren unseres Lebens keine Erinnerungen speichern kann, so sind mir – wahrscheinlich aus den weiteren Kriegsjahren Geräusche von Bombern, herabstürzenden Minen, zerbombten und brennenden Häusern sowie die ständigen Fluchten in die Bunker in lebendiger Erinnerung. Heutige Kinder und Jugendliche in unserem Land können sich überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, aus dem Bunker zurückzukommen und das Elternhaus brennend und total zerstört wiederzusehen. Und das ist auch gut so! Meine Familie wurde dann aufs Land evakuiert – wie das damals hieß. Dort habe ich sehr anregende Jahre verbracht,

die noch heute Grundlage meiner Freude und Liebe zur Natur und zum bäuerlichen Leben sind. Wie gestaltete sich Ihre Schul- und Ausbildungszeit? Nach dem Abitur begann ich eine Ausbildung als Finanzanwärter. In Oldenburg saß ich im Keller des Finanzamtes und verteilte die Belege der Steuerpflichtigen auf verschiedene Ordner. Das war mir zu langweilig. Ich besuchte dann die Pädagogische Hochschule in Osnabrück und wurde Grund- und Hauptschullehrer. Wie ging es dann beruflich weiter? Da ich Freude am Studieren hatte, suchte ich meine erste Lehrerstelle in der Nähe Hamburgs, um nachmittags und abends an der Universität Hamburg ein Studium der Fächer Soziologie, Erziehungswissenschaft und Philosophie zu absolvieren, das ich 1969 mit dem Dr. phil. abschloss. Nach einigen Jahren Lehr- und Forschungstätigkeit an den Pädagogischen Hochschulen Paderborn und Lüneburg übernahm ich 1974 eine Professur an der Pädagogischen Hochschule Berlin in Lankwitz. Nach Auflösung der PH wechselte ich 1980 an die Freie Univer-


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sität Berlin und blieb dort bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2006. Auf welche Weise sind Sie ins Sozialwerk Berlin gekommen? Ich hatte am 1. Advent im Jahr 2006 nicht geahnt, welche Folgen die Begleitung meiner Frau und meiner Schwiegermutter (Renate Bökel) zum Weihnachtsbasar haben würde. Der ehemalige Hausverwalter Herr Kramm lud mich zur Teilnahme an der sog. 'Herrenrunde' ein. So wurde ich dann Anfang 2007 Mitglied im Sozialwerk. Was gefällt Ihnen so gut im KäteTresenreuter-Haus? Wenn es das Sozialwerk nicht schon viele Jahrzehnte gäbe, müsste man es heute neu erfinden und aufbauen. Es ist ein idealer Ort für erlebnisreiche und aktivierende Angebote, mit denen ältere Menschen ihr Leben ausfüllen können. Besonders beeindruckt mich immer wieder die Mitarbeit der Ehrenamtlichen, die die Atmosphäre und alle Abläufe im Haus so positiv und erfolgreich gestalten. Solange ich gesund bleibe, werde ich am Fortbestand und der Entwicklung des Sozialwerks Berlin mitarbeiten. Welche Aufgaben haben Sie hier übernommen? Da ich seit meiner frühesten Jugendzeit Musik betreibe (Klavierunterricht, Trompete, Waldhorn, Schulorchester, Jugendmusikorchester Osnabrück), interessierte ich mich für den „Schlösschenchor“, dem meine Frau, meine Schwiegermutter und meine Schwägerin angehören. Dort bin ich nun aktiv als Sänger und Begleiter am Flügel im Haus und bei den Auftritten in den Pflegeeinrichtungen. Außerdem spiele ich sehr gern bei den Geburts-

tagskreisen, beim Brunch und bei anderen feierlichen Anlässen im Sozialwerk am Flügel. Neben meiner Mitgliedschaft in der sog. 'Herrenrunde' bin ich im Vorstand des Sozialwerks und sein stellvertretender Vorsitzender. Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Organisation des 'Kulturprogramms', also die Auswahl der Künstler für unsere Veranstaltungen an den Samstagen. Da ich selbst ständig musiziere, sind die Kontakte und Anregungen durch die engagierten Künstler für mich immer lohnend und förderlich. Mit welchen Hobbys vertreiben Sie sich die noch verbleibende Zeit? Seit einer Bandscheibenoperation vor 47 Jahren bin ich regelmäßiger und begeisterter Schwimmer. In den vergangenen Jahrzehnten gab es kaum eine Woche, in der ich nicht mindestens zweimal ins Schwimmbecken gestiegen bin. Meine noch recht gute Gesundheit führe ich auf diese intensive sportliche Betätigung zurück. War ich in früheren Jahren gern am und im Wasser (Nordsee, Ostsee, Segelsport), fasziniert mich heute mehr die Bergwelt der Alpen, insbesondere in der Schweiz. Urlaube am Matterhorn, in der Region um Eiger, Mönch und Jungfrau sind mir unvergesslich und stehen auf meiner Wunschliste für einen zukünftigen erneuten Besuch. Lieber Herr Dr. Striebeck, ich danke Ihnen sehr herzlich für dieses interessante und freundliche Gespräch! Jean Mangers

„Zukunft ist kein Schicksalsschlag, sondern die Folge von Entscheidungen, die wir heute treffen.“ Franz Alt


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Frühlingserwachen im Schlösschen-Garten Im Kalender ist er schon da, das Grünen und Blühen ganz nah. Frühling, die schönste Jahreszeit, gibt uns Schwung, wir sind bereit. Neue Ideen für den Garten müssen her, der Gärtner weiß davon noch mehr: altes Gestrüpp wurde ausgemerzt und Blumenkübel umgesetzt. Ein Pavillon bietet nun ein lauschiges Plätzchen für ein ganz intimes Schwätzchen. Die Fischlein im Teich sind erwacht, der plätschernde Brunnen auch wieder Freude macht. Unsere alten Bäume sind eine Pracht, die Vögel haben sich dort ein Nest gemacht. Sie spenden Schatten an heißen Tagen, so kann man diese gut vertragen. Die gestifteten Gartenstühle sind frisch geputzt und werden auf der Terrasse viel genutzt. Ob Kartenspieler, Yoga oder andere Kreise, jeder genießt die Natur auf seine Weise. Ein Schmuckstück ist nun wieder unser Garten. Wir können es kaum erwarten: Zum Sommerfest erklingen wieder flotte Weisen, muss man da noch verreisen? Es ist schön hier verweilen zu können, man ist dem Großstadtgetümmel entronnen. Hier kann man entspannen und fröhlich sein, ihr seid willkommen, kommt nur herein! Christa Fischer

„Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.“ Winston Churchill

„Das Zeitalter der Qualität ist vorbei, jetzt haben wir das Zeitalter der Quantität.“ Heinz Reincke


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Erlebtes und Aktuelles Verleihung des Ehrenamtspasses am 10.10.2016

Diese Ehrung findet traditionell zweimal jährlich im Roten Rathaus statt. Mit dem Berliner Freiwilligen-Pass dankt der Senat den ehrenamtlich aktiven Menschen in Berlin für ihr Engagement und für die dabei erbrachten Leistungen. Herr Staatssekretär Dirk Gerstle, der in einer anderen Funktion tätig sein wird, verlieh ihn zum letzten Mal diesmal an die ehrenamtlichen Mitarbeiter/Innen des Sozialwerks Berlin Frau Kathi Ehmke, Herrn Werner Bartsch und Frau Marita Schober. Unser herzlicher Glückwunsch an die Geehrten!

Syrien aktuell

(Erster Teil)

Zusammenfassung eines Vortrags beim Sozialwerk Berlin vom 03.02.2017 Syrien ist von seiner Fläche etwa halb so groß wie Deutschland und zählte vor Beginn des Bürgerkriegs etwa 23 Millionen Einwohner. Damaskus, die Landeshauptstadt, liegt im Südwesten des Landes, daneben ist die Küstenregion am Mittelmeer mit der Hafenstadt Latakia am besten erschlossen und am dichtesten besiedelt.

Seit 1947 ist Syrien ein unabhängiger Staat und bildete für kurze Zeit mit Ägypten zusammen die „Vereinigte Arabische Republik“ (1958-61 unter Gamal Abdel Nasser). Führende politische Kraft im Lande war und ist die Baath-Partei, die von einem orthodoxen Christen, Michel Aflag, und einem sunnitischen Muslim, Salah al-Din Bitar, im April 1947 gegründet wurde und säkular, panarabisch und antiimperialistisch geprägt war (also nicht vorrangig religiös, aber zugleich pro-sowjetisch und


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anti-westlich). Als sich in Syrien 1963 die Baath-Partei an die Macht putschte, wurde Hafiz al-Assad, 1930 in Kardaha als Mitglied einer alawitischen Familie geboren, zum Luftwaffenkommandeur und nach 1966 zum Verteidigungsminister ernannt. Nach der Quasi-Niederlage im kriegerischen Konflikt gegen Jordanien im November 1970 putscht Assad und macht Ahmed al-Chatib zum Staatspräsidenten. Seit 1970 Ministerpräsident, übernimmt Assad 1971 auch das Amt des Staatspräsidenten; seine Machtbasis sind Armee und Geheimdienst. Als im Jahre 2000 Hafiz al-Assad stirbt, wird in einem Referendum mit 97,27 % sein Sohn Baschar al-Assad zum neuen Staatschef gewählt. Er kündigte eine Einschränkung des Ausnahmezustandes an und dachte öffentlich über die Einführung einer sozialen Marktwirtschaft sowie eine nähere Orientierung an der Europäischen Union und den USA nach. Jedoch Baschar al-Assad wechselte zur Stabilisierung seiner Herrschaft schnell –wie sein Vater - auf eine brutale Unterdrückungspolitik im eigenen Lande, der Tausende von Menschen zum Opfer fallen sollten. Aus dem „damaszenischen Frühling“ 2001 mit bis dahin ungekannter Redefreiheit wurde 2002 schnell ein „damaszenischer Winter“: Im Rahmen von Schauprozessen ging Baschar alAssad „konsequent“ gegen seine Kritiker vor. Zwischenzeitlich sank das Verhältnis zu Israel auf einen Tiefpunkt: Baschar alAssad bezeichnet den Nachbarstaat als Erzfeind, mit dem es keinen Ausgleich geben kann. Als der sog. Arabische Frühling 2011 aus Ägypten auch auf Syrien überzugehen drohte, verschärfte Bachar al-Assad seine Politik gegenüber Kritikern im eigenen Land noch erheblich. Als Folter und Ermordung zur Tagesordnung wurden, verurteilten die EU und

auch die Vereinten Nationen das brutale Vorgehen des Diktators: Syrien befand sich nunmehr im Bürgerkrieg. Laut Angaben der Vereinten Nationen ließ Assad mehr als fünfundsechzigtausend Personen, Militärs und Zivilisten, „verschwinden“. Ein berüchtigtes Militärgefängnis und zugleich Hinrichtungsstätte war und ist das Militärgefängnis Saidnaja, nördlich von Damaskus gelegen: Hier allein sollen nach Informationen von Amnesty International zwischen 2011 und 2015 zwischen fünf- und dreizehntausend Menschen auf Befehl des Assad-Regimes ermordet worden sein. Schließlich muss auch an die Einsätze von Giftgasen im Jahre 2013 von Seiten des Regimes erinnert werden, bei denen Hunderte von Menschen mit Saringas ermordet wurden. Die Zusicherung des Diktators, alle Gaskampfstoffe im Land sollten (auf internationale Kosten) vernichtet werden, konnte nie umfassend nachgeprüft werden. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die letzten Gaseinsätze im April 2017 ebenfalls auf das Konto der Regierungstruppen gehen. Während der Westen und auch viele neutrale UN-Mitglieder das Verhalten Assads immer wieder streng verurteilten und auch mit internationalen Sanktionen belegten, konnte sich der Diktator bisher auf „volle Deckung“ nicht nur der Machthaber des Irans, sondern auch von Putin aus Russland verlassen. Spätestens am Veto Russlands scheiterten fast regelmäßig die Abstimmungen im Weltsicherheitsrat. Wie die einzelnen internationalen Mächte und Staatengruppen zum Syrienkonflikt stehen, werde ich in der nächsten „Schlösschenpost“ beschreiben. Ihr Joachim Krüger


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Vortrag über Siebenbürgen Béla Janos Bacs, bestens bekannt als regelmäßiger Teilnehmer an unseren internationalen Seminaren, weilte auch dieses Jahr aus Anlass der 67. Berlinale in Berlin. Er hatte Wert darauf gelegt einen Abstecher ins „Schlösschen“ zu machen und hatte angeboten, einen Vortrag über seine Heimat Siebenbürgen zu halten. Dieser fand in der bis auf den letzten Platz gefüllten Bibliothek statt. Nach der Begrüßung durch Margit Hankewitz teilte Béla einleitend mit, dass Siebenbürgen sehr unterschiedliche Regionen aufweist. In Rumänien treffen drei Kulturen aufeinander, das christliche Abendland, die Orthodoxie und die Muslimen. In Siebenbürgen wird zwar noch etwas Deutsch gesprochen, aber diese Sprache verliert immer mehr an Boden zu Gunsten des Ungarischen. Béla gab drei Kurzgeschichten zum Besten, die typisch für drei Regionen sind: „der Flötenspieler“, „die Suche“ und „das Opfer“. Sie waren mit treffenden Bildern und mit passender Musik unterlegt und fanden viel Applaus.

Zum Abschluss sang Béla ein Lied auf Rumänisch, das von Liebeskummer handelte, und die Anwesenden bedankten sich mit „Die Gedanken sind frei!“

Foto: Heidemarie Mangers

Béla freute sich ganz besonders, Frau Lore Nitzschke begrüßen zu können, die eigens seinetwegen ins Schlösschen gekommen war. Jean Mangers

Paris, die Stadt der Liebe… Am 19. Februar 2017 erfreute uns Herr Joachim Krüger mit einem Diavortrag über die zauberhafte Seine-Metropole.

Er begann das Wappen von Paris zu

erläutern und die drei Heiligen bzw. Schutzpatrone der Stadt – Dionysos, Saint de Ny und die Heilige Genoveva – zu benennen. Die Ile de la Cité im Herzen der Stadt wurde in der Antike besiedelt und ist damit der älteste Teil der französischen Hauptstadt. Die höchste natürliche Erhebung ist der Hügel Montmartre mit einer Höhe von 129 m. Eine Standseilbahn führt auf den Hügel und die Basilique du Sacré Coeur krönt das Ganze. Ein wunderbarer Blick über die Stadt und ein herrliches Ambiente ringsumher.


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Das Wahrzeichen der Stadt ist der 300,5 m hohe Eiffelturm, eine Konstruktion von 1889, der für die Weltausstellung temporär errichtet worden war. Er ist inzwischen die größte Touristenattraktion. Der Louvre, heute das größte Museum der Welt, wurde durch Staatspräsident Francois Mitterand umgebaut und erweitert. 2016 hatte das Museum 8 Millionen Besucher. Staatspräsident Georges Pompidou war 1970 der Initiator des „Centre George Pompidou“, eine spektakuläre Metallkonstruktion, das ebenfalls moderne Kunst anbietet. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Kathedrale von Notre-Dame. Dieser Sakralbau bietet Platz für 9.000 Personen! Und einer der beliebtesten Parks ist der im Jahre 1612 angelegte Jardin du

Luxembourg, eine wunderbare Erholungsstätte, nicht nur für Kinder, sondern für Verliebte und Träumer. – Die Champs-Elysées entlangzuflanieren, ist eine Freude und der Arc de Triomphe lädt zu einem Aufstieg ein. Herr Krüger zeigte dann die kulinarische Seite der Stadt auf: die berühmten Cafés und Restaurants Café de Flore, Les Deux Magots, La Closerie de Lilas, die Brasserie LIPP, Orte, an denen Sartre, die Beauvoir, Hemingway, Marlene Dietrich und viele andere berühmte und bekannte Köpfe zu speisen pflegten. Die Mode und die berühmten Kaufhäuser sollen nicht vergessen werden. Galeries Lafayette und das Printemps glänzen als Kaufhäuser, und Dior, Ungaro, Thierry Mugler sowie Chanel sind nur einige der großen Namen in der großen Welt der Konfektion und der Düfte. Dies alles sind nur kleine Stichpunkte dieser wunderschönen Stadt, die tausend Möglichkeiten bietet, sich zu vergnügen, zu speisen, zu flanieren und zu träumen. Paris ist immer eine Reise wert! Da Herr Krüger über 20 Mal mit Gruppen dort war, bot er uns ein reichhaltiges Bild – in Gedanken packte man schon den Koffer: auf nach Paris! Eveline Harder

Der Adventsbasar 2017 Die Vorbereitungen dafür haben bereits begonnen. Für Spenden sind wir wie immer sehr dankbar. Wir bitten aber nur gebrauchsfähige Sachen abzugeben. Textilien sollten gereinigt bzw. gewaschen sein. Besten Dank im Voraus. Ihr Basarteam

„Lebenskünstler verstehen es, um Dinge gebeten zu werden, die sie gerne machen.“ Robert Lembke


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Projekt

Am 21.03.2017 fand die erste Besprechung des Projektteams „Selbst-Bestimmt im Alter – Vorsorgeunterstützung im Team“ im Sozialwerk Berlin statt.

Frau Agnes Boeßner und eine Mitarbeiterin sprachen über die Inhalte des Konzepts und deren Umsetzung mit dem Berliner Team. Die Laufzeit ist vom 01.03.2017 bis 30.06.2019. Der Start ist nun erfolgt, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e. V. (BaS). Eveline Harder

Tagung „SelbstBestimmt und Vollmacht statt Ohnmacht“ in Berlin Bei der Tagung „Selbstbestimmt und Vollmacht statt Ohnmacht“ am 22.03. 2017 des Landesseniorenbeirats Berlin und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mit 140 Teilnehmenden wurde das Projekt „Selbstbestimmt im Alter! – Vorsorge-Unterstützung im Team“ vorgestellt.

Besucherinnen und Besucher des Stadtteilzentrums „Käte–Tresenreuter–Haus“ des Sozialwerk Berlin e.V. können Unterstützung aus diesem Projekt in Anspruch nehmen. Ein Kompetenz-Team aus beruflich erfahrenen Expertinnen berät zu Vorsorge und Vollmachten, bildet ehrenamtlich Engagierte zu Themen rund um Alter, Pflege und rechtliche Betreuung weiter und organisiert bei Bedarf ehrenamtliche Alltagshilfen, so dass u. U. eine gerichtlich angeordnete Betreuung nicht erforderlich wird. Eveline Harder


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Tagung in den Niederlanden vom 06.-08. April 2017 „Neue Rollen für die Zivilgesellschaft in einer „Caring Community“: Innovative Bildung für mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung im Alter“. Das im Rahmen des europäischen Programms ERASMUS geförderte Mobilitätsprojekt startete im Juni 2016 und wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) koordiniert. Nun fand im Kreis SüdLimburg die zweite Tagung statt. 23 Teilnehmer/innen fanden sich aus den verschiedensten deutschen Organisationen und Städten zusammen. Die Schulungen erfolgten jeden Tag in einer anderen Pflegeeinrichtung (auch mit Demenzstationen), wobei am Samstagnachmittag der Besuch des Pflegebauernhofs Randsdalerveld mit der Pflegebäuerin Mariette Huntjes den spannenden Abschluss bildete. Zur Tagespflege werden dort von Montag-Samstag 30 demente Patienten beschäftigt, verpflegt, versorgt und betreut. Das war sehr eindrucksvoll. In Holland stehen der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt. Unterstützt wird das Programm durch die Rolle der Klientenräte. Hier werden die Pflegepläne des Lebens für die Klienten erstellt. Im Gegensatz zur BRD, wo alles vom finanziellen Standpunkt zuerst betrachtet wird. Das wurde in den Diskussionen immer wieder sichtbar.

In Holland arbeitet man mit verschiedenen Austauschformen bei der Erstelung und Planung von Pflegeplänen und bedarfsorientierter Pflege: - Das Küchentischgespräch - Das Sofagespräch - Die Kraft der Begegnung - Das Spiegelgespräch - Der Wunschbaum - Verdünnte Ernsthaftigkeit (Gespräche zwischen Suppe und Kartoffeln über Sorgen und Schwierigkeiten in privater Atmosphäre) Dazu gehörte ein Vortrag von Bert Hents, Geriatrie-Physiotherapeut, der über die Aktivierung und Beteiligung des (dementen) Patienten im Pflegeheim sprach, damit die Fähigkeiten des Einzelnen weiter genutzt und verbessert werden und nicht nur eine Verwahrung ohne Eigenbeteiligung erfolgt, Es war eine anstrengende Tagung, die uns gezeigt hat, wie mit Menschlichkeit ein humanes und glückliches Leben im Alter gelebt werden kann. Ein anregendes Beispiel, das wir nicht aus den Augen verlieren sollten. Eveline Harder

Ist es wahr, dass Rollstuhlfahrer nur auf Behindertenparkplätzen parken dürfen? Nein! Menschen mit eingeschränkter Mobilität dürfen, sofern sie den blauen Parkausweis der EU haben, auch gebührenpflichtige Parkplätze benutzen, dies gar bis zu 24 Stunden über die angegebene Parkzeit hinaus. Sie dürfen auch außerhalb der Kennzeichnung parken, sofern der Verkehr dabei nicht behindert wird. Es ist sogar erlaubt, Anwohnerparkplätze bis zu drei Stunden zu belegen. Allerdings ist es nicht genehmigt, einen Parkplatz zu nutzen, der mit einem Namen oder einem Nummernschild gekennzeichnet und dadurch eindeutig zugeordnet ist.


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Gremienarbeit Am 08.02.2017 hat das Sozialwerk Berlin e.V. gemeinsam mit dem Kommunalpolitischen Bildungswerk eine Informationsveranstaltung zum 7. Altenbericht der Bundesregierung durchgeführt. Der Bericht wurde zum Thema: „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune, Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften“ verfasst. Die Diskussionsgrundlage gab Herr Dr. Berner mit seinem Referat. Er ist der Leiter der Geschäftsstelle des 7. Altenberichtes. In der anschließenden Aussprache wurden viele Fragen gestellt und Beispiele aufgezeigt, was für ältere Menschen durch die Kommunen getan werden kann. Dabei wurde auf die „Wunschliste der älteren Menschen“ zurückgegriffen. Es wurde vereinbart, dieses Thema erneut zur Abschlussveranstaltung der Seniorenwoche aufzugreifen. Die Fachgruppe Ältere Menschen des Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin e.V. veranstaltete gemeinsam mit dem Landesseniorenbeirat Berlin und der Interessengemeinschaft der Berliner Betreuungsvereine einen Fachtag zum Betreuungsrecht. Er stand unter dem Thema: „Selbstbestimmung und Vollmacht statt Ohnmacht“. Über 140 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung. Das zeigt wieder einmal, dass wir voll den Nerv der Menschen getroffen haben. Richter Schulz vom Amtsgericht Lichtenberg und Herr Hayn, Leiter der Betreuungsbehörde Steglitz – Zehlendorf, gaben einen Einblick in die Welt der gesetzlichen Betreuungen. Die Berliner Bertreuungsvereine berichteten aus dem Alltag der ehrenamtlichen Betreuer. Dabei wurde viel Wissenswertes über die Sinnhaftigkeit von Vorsorgevollmachten und Notwendigkeit von Patientenverfü-

gungen vermittelt. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung. Diesem Thema hat sich auch ein neues Projekt des Sozialwerks verschrieben, das beim Kompetenzzentrum offene Altenarbeit angesiedelt ist. „SelbstBestimmt im Alter – Vorsorge-Unterstützung im Team“ nennt sich das Modellprojekt des Bundesministeriums. An 15 Standorten der Bundesrepublik wird ermittelt, was für ältere Menschen im Vorfeld von rechtlichen Betreuungen sinnvoll ist. Als einziger Standort in Berlin wird das Sozialwerk bis zum 30.06.2019 seine Erfahrungen zum Gelingen des Projektes beisteuern. Koordiniert werden alle Standorte von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren (BaS), die mit der Verantwortlichen, Frau Boeßner, sich vom erfolgreichen Start in Berlin überzeugen konnte. Der Projektbesuch wurde mit inhaltlichen Gesprächen zu den Erfahrungen des Sozialwerks verbunden. Frau Harder, Frau Grün, Frau Rohde-Käsling, Margit Hankewitz und Peter Stawenow gaben den Vertretern aus Bonn gern Auskunft. Am 26.04.2017 ist ein Treffen der Projektleiter aller 15 Projektstandorte in Frankfurt geplant. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Die Arbeitsgruppe „Ehrenamt und Selbsthilfe“ des Landesseniorenbeirats trifft sich zum letzen Mal in dieser Wahlperiode. Am 15.03.2017 wurden die 12 Organisationen für die Berufung durch die Senatorin Frau Breitenbach in den Landesseniorenbeirat ausgewählt. Das Sozialwerk Berlin erhielt die meisten Stimmen. Mit den Wahlen zu den Bezirklichen Seniorenvertretungen, die in der letzten Märzwoche stattfanden, ist die Voraussetzung zur Bildung des neuen LSBB gegeben. Siehe nächste Ausgabe. Peter Stawenow


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Erbauliche und vergnügliche Veranstaltungen „Prinzessinnensuite“ Im Erzähl-Café hatte sich für den 15.01.2017 Frau Ilse Eliza Zellermayer angesagt. Im Schlösschen kursierte schon seit einigen Monaten ihr Buch „Prinzessinnensuite“, das mit Begeisterung immer weitergegeben wurde. Eine elegante Erscheinung betrat das Haus und bezauberte durch ihren Auftritt. Immerhin ist Frau Zellermayer 96 Jahre alt. Sie überraschte durch ihr natürliches Erzählen und ließ eine völlig andere Welt vor uns erstehen.

Sie begann mit der Eröffnung des Hotels am Steinplatz 1916. Ihr Vater Max Zellermayer hatte das ehemalige Kaiserliche Offizierskasino erworben, das vom Architekten August Endell erbaut worden war. Die erste Etage war an den Großfürsten Trubezkoj für Frau und Bedienstete vollständig vergeben. Die anderen Etagen bewohnten Angehörige des polnischen Hochadels. Sie blieben meist über mehrere Jahre. Natürlich ist es etwas ganz Besonderes, in einem solchen Hause mit dieser Klientel aufzuwachsen. Die Zellermayerschen Kinder hatten englische, französische und italienische Lehrer im Haus und entsprechend war die Haussprache dann jeweils in der Familie.

Ihr berühmter Bruder Heinz Zellermayer, Obermeister der Berliner Gaststätteninnung und Hotelier, führte das Hotel nach dem Krieg und Wiederaufbau weiter und schaffte durch seine brillante Verhandlungsweise mit den Alliierten der Stadt (West-Berlin) die Abschaffung der Sperrstunde im Juni 1949. „Ab heute Nacht wird durchgefeiert“ – und das gilt bis heute. Ihre verschiedenen Ehen wurden zur Sprache gebracht. Ihre ganz große Liebe lernte sie 1960 kennen: Jean Gouillon. Leider trennten sie sich 1964. Er ging nach Paris zurück und wurde der berühmte Organist, Pianist und Komponist, der vor zwei Jahren in der Philharmonie mit seinem Werk für 9 Orgeln auftrat (Das war hinreißend!). Sie ging nach Mailand zur Stimmausbildung, da sie Opernsängerin werden wollte. Das misslang. Sie lernte dort im privaten Kreis Luciano Pavarotti und weitere andere junge italienische Sänger/innen kennen. Daraus entwickelte sich die Aufgabe einer Konzertagentur für sie. Frau Zellermayer vermarktete Luciano Pavarotti in Deutschland! Diese Agentur leitete sie bis ins hohe Alter. Zu ihrem 88. Geburtstag nahm nach 44 Jahren Jean Gouillon wieder Kontakt zu ihr auf und sie feierten nach so vielen Jahren das Fest zusammen. Zwei Seelen fanden wieder zueinander. Ihr Lebensmotto: „Carpe diem“ (Nutze den Tag) und nach Heinz Zellermayer dazu „Noctemque“ (und die Nacht). Wir werden diesen Nachmittag mit Ihnen, liebe, verehrte Frau Zellermayer, nicht vergessen. Herzlichen Dank. Text: Eveline Harder Foto: Jürgen Schambach


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Ein Nachmittag mit Wilhelm Busch

In einer Rezitation mit Musik stellten uns am 28. Januar Rosa und Jonathan Tennenbaum das Leben und Wirken des dichtenden Malers und Karikaturisten Wilhelm Busch vor. Er hat nicht nur Kindergeschichten geschrieben, sondern auch viele satirische Bildergeschichten und kritische Verse und Weisheiten verfasst. Er wurde vor 185 Jahren geboren und erreichte mit „Max und Moritz“ seinen großen Durchbruch. So begann Rosa Tennenbaum die Lesung mit diesen bekannten Versen, an die man sich teils noch erinnern konnte. Sie sprach sehr ausdrucksstark mit verteilten Rollen, so dass man die dazu gehörigen Bilder wieder vor sich sah. Allen war der geflügelte Satz noch im Ohr: „Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich!“ Jonathan Tennenbaum spielte danach auf dem Flügel die heitere Melodie „Schwarzer Kater Stanislaus“. Wilhelm Busch veröffentlichte 1894 seine Autobiografie „Von mir über mich“, aus der vorgelesen wurde. Er war das erste von sieben Kindern und wuchs mit neun Jahren bei seinem Onkel auf, der ihn zum Zeichnen anregte. Nach einem abgebrochenen Kunststudium begann er in den „Fliegenden Blättern“ in München lediglich zum Broterwerb zu zeichnen und zu dichten. „Leicht kommt man ans Malen, aber schwer an Leute, die es zahlen“.

Später hat er die meisten seiner Bilder vernichtet. Die Bildergeschichte „Maler Klecksel“ wird als Selbstkommentar seines künstlerischen Scheiterns angesehen. Als musikalische Entspannung zu den Texten gab es von Robert Schumann „Erinnerung“. Wilhelm Busch hat selbst einmal gesagt: „Lachen ist ein Ausdruck behaglicher Zufriedenheit!“ In den letzten zehn Jahren schrieb er zwei Romane und viele Gedichte, bei denen er altersweise auf jeglichen Spott verzichtete. Die einfühlsam vorgetragenen Musikstücke „Zur guten Laune“ von J. - S. Bach und „Versöhnung“ von Max Reger ergänzten wunderbar die Wortbeiträge. Mit inzwischen geflügelten Worten von Wilhelm Busch wurde der Vortrag abgeschlossen: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr!“ „Eins, zwei, drei im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit!“ „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets ist mit Geräusch verbunden!“ Dies war dank der deutlichen und lebhaften Vortragsweise ein sehr erbaulicher und amüsanter Nachmittag, der mit starkem begeisterten Beifall beendet wurde. Text und Foto: Wilfried Neumann

Eine Kostprobe:

Fink und Frosch Im Apfelbaume pfeift der Fink Sein: pinkepink! Ein Laubfrosch klettert mühsam nach Bis auf des Baumes Blätterdach Und bläht sich auf und quakt: »Ja ja! Herr Nachbar, ick bin och noch da!« Und wie der Vogel frisch und süß Sein Frühlingslied erklingen ließ,


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Gleich muss der Frosch in rauen Tönen Den Schusterbass dazwischen dröhnen. »Juchheija heija!« spricht der Fink. »Fort flieg ich flink!« Und schwingt sich in die Lüfte hoch. »Wat!« ruft der Frosch, »Dat kann ick och!« Macht einen ungeschickten Satz,

Fällt auf den harten Gartenplatz, Ist platt, wie man die Kuchen backt, Und hat für ewig ausgequakt. Wenn einer, der mit Mühe kaum Geklettert ist auf einen Baum, Schon meint, dass er ein Vogel wär’, So irrt sich der. Wilhelm Busch

Zum Fasching ging's in jedem Fall zum Lumpen- und Ganovenball! Unter diesem Motto stand die diesjährige Faschingsfeier am 18. Februar. Schon am Eingang wies ein Schild den Weg zur „Spelunke zur alten Unke“. Und diese war tatsächlich auf der Bühne aufgebaut. Es war eine stimmungsvolle Dekoration mit Bar, roter Laterne, mit Fledermäusen, Spinnen und Ratten. Bevölkert wurde sie vom Chor als „zwielichtige Gesellschaft“. Nach einer Büttenrede, in der viele Politiker auf heitere Weise kritisiert wurden, begann das Faschingsprogramm des Schlösschenchors, den Barbara Donbavand dirigierte. Die musikalische Begleitung kam von Prof. Dr. Herbert Striebeck am Fügel. Nacheinander hüpfte nun ein Kleinganove wie ein Floh hin und her (Was machst du mit dem Knie lieber Hans), schlich „Mackie Messer“ um die Bar, während über ihn mit geheimnisvoller Stimme gesungen wurde und tanzte ein Ganovenpärchen hingebungsvoll den „Kriminaltango“. Nachdem dann die „Mimi mit dem Krimi“ ins Bett gegangen war, galoppierte plötzlich ein Pferd durch den Saal („Da steht ein Pferd auf dem Flur“). Zu allem Überfluss flatterte noch ein Eier legendes Huhn herein („Ich wollt, ich wär’ ein Huhn“). Zum Abschluss des Chorprogramms wurde einem gewissen „Egon“ vorgeworfen, dass er seine Liebste zum Trinken verführt hat („Ach Egon, Egon, Egon“).

Die bewegte Szene auf der Bühne und die gespielten Gesangsnummern kamen bei dem sichtlich amüsierten Publikum sehr gut an. Der überwiegende Teil der Gäste hatte sich auch entsprechend kostümiert. Die Tanzlust wurde dann durch die schwungvollen Rhythmen von Joe Morris am Keyboard geweckt. Das bunte Völkchen drängte auf die Tanzfläche und formierte sich letztendlich zu einer Polonaise durch den ganzen Saal. Mit dem traditionellen „Sierra Madre“ kam es schließlich zum gefühlvollen Ausklang. Alle waren sich einig: Das war ein sehr gelungenes, lustiges Faschingsfest! Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr. Unter welchem Motto wird dann wohl die Veranstaltung stehen? Text: Wilfried Neumann Fotos: Halina Krawczyk

Hier mehrere Schnappschüsse:


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„Heirate doch einen Archäologen! Je älter du wirst, umso interessanter findet er dich!“ Agatha Christie

„In der Politik ist es wie in der Mathematik: Alles, was nicht ganz richtig ist, ist falsch.“ Edward Kennedy


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Der Goldie-Schlagerchor - Eine musikalische ReiseAls der Goldie-Chor am 11. März zum Auftritt in den Saal kam, wurde er gleich mit rhythmischem Klatschen des Publikums empfangen.

Die 29 Sängerinnen waren alle in schwarz-rot in verschiedenen Variationen gekleidet und begrüßten uns musikalisch: „Wir sind die Goldies und lieben Oldies, weil uns das allen so viel Freude macht“. Und diese Freude beim Singen sah man dem Chor auch an, der seit 1994 unter der Leitung von Michael Seilkopf besteht,

eine musikalische Weltreise mit. Es hieß dann sogleich „Komm ein bisschen mit nach Italien“. Von dort mussten wir uns aber schon bald mit „Arrivederci Roma“ verabschieden. Über Portugal und Spanien gab es einen Riesensprung nach Südamerika: „Unter den Pinien von Argentinien“. Als Reiseleiterin bereitete uns eine der Sängerinnen mit einer launigen Moderation auf die nächsten Stationen vor. Mit „Was macht der Maier am Himalaya“ wurde von einer Chorsolistin ein Schlager von 1925 präsentiert. Bei vielen bekannten Melodien sangen die Zuhörer begeistert mit, wie zum Beispiel bei „Tulpen aus Amsterdam“ oder „Kalkutta liegt am Ganges“. Es durfte auch bei dem Walzer „Das muss ein Stück vom Himmel sein“ geschunkelt werden. Dazu animierte natürlich auch die schwungvolle und immer rhythmisch hervorragende Klavierbegleitung des Chorleiters. Zum Abschluss des offiziellen Programms hörten wir dann noch: „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“. Darauf sollten wir immer hoffen. Ohne Zugabe kam dieser ausgezeichnete und dazu noch gänzlich auswendig singende Chor nicht von der Bühne. Er wurde nach einem Berlin-Potpourri und „Ich will keine Schokolade“ mit starkem, begeistertem Beifall verabschiedet.

einem ausgebildeten Musiker und Chorleiter. Er arrangiert die Schlager für den Chor und probt mit ihnen jede Woche fast drei Stunden. Jährlich wird für die 12 – 15 Auftritte ein neues Programm erarbeitet. So nahmen sie uns diesmal auf

Wer nicht bis zum nächsten Auftritt des Chores bei uns warten will, kann sich den 15. Oktober um 15:00 Uhr vormerken. Da gibt es ein Chorkonzert mit kleinem Orchester im Gymnasium Tiergarten in der Altonaer Straße mit neuem Programm. Text und Fotos: Wilfried Neumann


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„Die Welt der Antiquitäten und ich“ Am 19. März war das Erzähl-Café mit Susanne Schmitz, Jahrgang 1939, angesetzt.

Ein bunter Bilderbogen eines Lebens wurde plastisch aufgeblättert mit allen Höhen und Tiefen. Ihre drei Wünsche im Alter von 15 Jahren an das Leben waren: Eine eigene Wohnung, ein Kind und einen Mann, genau in dieser Reihenfolge. Das hatte sie auch ihrem Vater vorgetragen. Es entwickelte sich alles so ganz anders. Nach einer Kosmetikausbildung folgte ein Aufenthalt in London und anschließend in Lausanne zwecks Spracherlernung. Ein Studium an der Kunsthochschule Kiel schloss sich an, dann ging es nach Berlin. Hier arbeitete sie als Mannequin und Stadtführerin für englische und französische Gruppen. Die Entdeckung der Antiquitäten auf Trödelmärkten und Antiquitätengeschäften in der Kleiststraße brachte sie auf die Idee, sich mit diesem Thema näher zu befassen.

Sie fing an, alte Bilder zunächst aufzuarbeiten und weitete diese Beschäftigung aus auf Reparaturen von Porzellan, Fayencen, Stilmöbel, Teppiche und sakrale Gegenstände. Sie gründete das berühmte Geschäft im Europa-Center „Susanne Schmitz Antiquitäten“, in dem sie ihre restaurierten Arbeiten anbot. Für Versicherungen und Museen erstellte sie Expertisen. Ihre Einkäufe tätigte sie in erster Linie in London auf Auktionen und dortigen Märkten. Ein Film, den sie über sich drehen ließ, zeigt sie bei der Restaurierung von ihr erworbener oder in Auftrag gegebener Objekte mit den entsprechenden Abläufen in gut kommentierter Form. Das war aufschlussreich und wunderbar. Das private Up und Down in Sachen Beziehungen, Ehe und Kindererziehung eröffnete den ersten Teil, das Antiquarische krönte den zweiten. Wie bunt kann ein Leben sein? Vieles ist nicht geplant und gewünscht, und doch geht es immer weiter. Georg Orwell sagt das sehr gut aus in: „Biographien sind nur glaubwürdig, wenn sie etwas Unschönes zugeben. Jemand, der über sein Leben nur Gutes zu sagen hat, lügt in den meisten Fällen, weil jedes Leben von innen her gesehen, nichts weiter als eine Kette von Niederlagen ist.“ Ein beeindruckender Sonntagnachmittag und unvergessen. Danke Susanne Schmitz! Text: Eveline Harder;

Foto: Margit Hankewitz

„Die Zukunft wird nicht gemeistert von denjenigen, die am Vergangenen kleben.“ Willy Brandt


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Ein Nachmittag mit Günter Rüdiger Mit dem Programm „Das Nachtgespenst“ machte uns Günter Rüdiger am 25. März mit vielen Chansons von 1900 bis heute bekannt. Der Schauspieler, Sänger und Theaterleiter des „Zimmer-Theater Steglitz“ forderte uns bei seinem Auftritt gleich auf: „Machen wir mal 'ne Bummelfahrt“ und „Geh'n wir noch ins Café“. Auf diese Melodien von Paul Lincke ging es mit Schwung und der „Berliner Luft“ weiter. Mit der „Hochzeit bei Zickenschulze“ von dem Berliner Original Fredy Sieg, wurde uns ein kleines komödiantisches Schauspiel geboten. In der hektischen Geschichte vom „Überzieher“ konnten wir den Verlust des geliebten Kleidungsstückes in einem Restaurant nachempfinden. Das Couplet ist von Otto Reutter. Er war der meist bezahlte Unterhaltungskünstler in den 20er Jahren im legendären „Wintergarten“. Oft fielen die damals als frivol geltenden Lieder unter die Zensur. So auch „In der Bar zum Krokodil“ von den Comedian Harmonists.

Dazu passend erschien Günter Rüdiger mit Pharao-Kopfbekleidung. Nach dieser Darbietung gab es, wie auch schon vorher, stürmischen Beifall des Publikums.

Am Erfolg beteiligt war auch Christian Ernst, der hinreißend begleitende Pianist. Von dem Satiriker Kurt Tucholsky stammt das Prosastück „Wo kommen die Löcher im Käse her?“ Es war unglaublich fesselnd, wie dieses Kabinettstückchen mit verteilten Rollen von dem Künstler dargeboten wurde. So konnten wir miterleben, wie durch diese harmlose Kinderfrage ein großer Streit im Familien- und Freundeskreis ausbrach. Auf einer wahren Begebenheit beruhte das folgende Chanson von Friedrich Holländer, das dem Programm ja den Namen gab: „Ich bin dein Nachtgespenst, dein süßes Nachtgespenst, ich weck dich, wenn du pennst, so lang, bis du mich Liebling nennst.“ Es hatte in den 20er Jahren ein Fassadenkletterer auf die schönen Damen abgesehen. Er stieg nachts durch die Fenster, deckte die Schlafenden auf, dann wieder zu und verschwand. Eduard Künnecke schrieb in den 30er Jahren die Operette „Die lockende Flamme“. Daraus hörten wir das Lied „Künstlerball bei Kroll“, in dem über das Publikum dort in der Krolloper hergezogen wurde. Ende der 50er Jahre kam verstärkt das Musical nach Deutschland. Aus „Kiss me Kate“ sang Günter Rüdiger „Wo ist die liebestolle Zeit“ und konnte


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hier seine kräftige Baritonstimme bis in Tenorhöhen hinaufschwingen. Zum Abschluss gab es noch „Vielen Dank für die Blumen“ von Udo Jürgens. Dieser heitere Nachmittag verging wie im Flug und hat uns alle so sehr erfreut, dass auf jeden Fall eine Zugabe folgen musste.

Nach „Mein kleiner grüner Kaktus“ von den Comedian Harmonists war dann der Künstler noch bereit, für überwiegend begeisterte Zuhörerinnen Autogramme zu geben. Text und Fotos: Wilfried Neumann

Die Osterwoche 2017 Der Ostermarkt In der Woche vor Ostern, vom 10. - 15. April, war im Foyer unseres Hauses ein kleiner, feiner Ostermarkt aufgebaut worden. Auf farblich abgestimmten Tischen wurden Frühlingsgestecke sowie verschiedenste selbst hergestellte schöne Dinge zur Osterdekoration angeboten. Dieser erstmalig durchgeführte Markt wurde von allen Besuchern, die sehr zahl-

Bild vom Ostermarkt

reich erschienen waren, begeistert angenommen und entwickelte sich zum Highlight für unsere Mitglieder und Gäste. Wegen des ausverkauften Osterkonzertes wurde der Markt dann am Sonnabend in das Café verlegt, wo er sich in der Konzertpause ebenfalls eines großen Zuspruchs erfreute.


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Das Osterkonzert Das Ensemble Harmonie bereitete uns am 15. April einen fröhlichen Auftakt zum Osterfest.

Unter der Leitung von Erika Hartmann erklangen viele musikalische Erinnerungen. Zu Beginn hörten wir den populären Schlager von Rudi Schuricke, „Oh mia bella Napoli“. Die folgenden SchellackSchätzchen waren allen noch bekannt und bei „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ und „Das ist die Liebe der Matrosen“ wurde sogleich kräftig mitgesungen. Ein Mundharmonikaspieler zeigte mit dem Solo von „Bei mir bist du schön“ der Andrew Sisters sein Können. Im diesjährigen Programm des HarmonikaOrchesters trat häufig der KeyboardSpieler auch als Sänger auf und sorgte dadurch für einen sehr abwechslungsreichen Vortrag. Bei „Die kleine Kneipe“ von Peter Alexander bekam er lautstarke Unterstützung von den Gästen. Herr Hartmann hatte wieder die Moderation übernommen und kündigte dann auch gleich ein Medley der Comedian Harmonists an. Mit den „Capri-Fischern“ ging es in die wohlverdiente Pause für die Musiker. Als Auftakt zum zweiten Teil wurde von den Musikern und dem Publikum gemeinsam einer Besucherin ein Geburts-

tagsständchen gebracht. Passend zum langsam erwachenden Frühling wurden danach „Tulpen aus Amsterdam“ überreicht. Mit einem Medley amerikanischer Oldies steigerte sich allmählich die Stimmung im Saal. Wer konnte auch bei „Glory! Glory! Hallelujah!“ und „When the Saints go marching in“ noch die Hände und Füße stillhalten. Auch die Helene-Fischer-Fans kamen mit „Atemlos“ auf ihre Kosten. Das Aprilwetter ließ nach heftigen Regenschauern letztendlich wieder die Sonne scheinen und so wurde mit „Blaues Boot im Sonnenschein“ der passende Abschluss gefunden. Als Zugabe durfte der Tradition folgend „Sierra Madre del Sur“ nicht fehlen und im vollbesetzten Saal breitete sich sogleich eine festliche Stimmung aus. Als Dank für das wieder schwungvolle und sehr kurzweilige Programm erhielt Erika Hartmann einen schönen Frühlingsstrauß und der diesmal sehr aktive Sänger eine große Flasche Sekt. Doch auch die vier anderen Musiker gingen nicht leer aus.

Text und Fotos: Wilfried Neumann


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Museumsbesuche KPM - Bildhauerkunst im Kleinformat Die Berliner Porzellanplastik von 1751 bis 1825 Ein Besuch unseres Kulturkreises im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum am 19. 01. 2017.

Etwa 150 figürliche Porzellane zwischen dem friderizianischen Rokoko und dem Klassizismus sind hier ausgestellt. Vorbei an Vitrinen des Welfenschatzes erreichen wir unser erstes Ziel: Die Vitrinen diverser kunstbemalter Majolika – Teller. Majolika ist farbig bemalte italienische Keramik, eine bestimmte Art von glasierter Tonware des 15. und 16. Jahrhunderts, auch Halbporzellan genannt, in den Farbtönen gelb, blau und grün. Die hier eindrucksvollen Teller mit Bildmotiven, zum Teil aus der Mythologie, dienten zur reinen Dekoration. Ein besonders zu erwähnender Teller mit der Darstellung des Flussgottes Tiber und der Nymphe Manto ist dem berühmten italienischen Majolika-Maler Nicola da Urbino zuzuschreiben. Auf die Vitrinen der Goldschmiedekunst werfen wir nur einen kurzen Blick, jedoch zu erwähnen ist der „Kriegselefant“ und die „Reiterschlacht“, teilweise mit Elfenbein und Bernstein verarbeitet. Goldschmiedearbeiten sind teurer als Keramikarbeiten. Schon im 17. Jahrhundert können die Delfter ihre zinnlasierte Keramik, die Delfter Fayence, herstellen. Sie dienen als Ersatz des teuren Importporzellans. Vor allem sind die kobaltblauen, aber auch die farbigen Fliesenbilder hervorzuheben. Im Jahre 620 wird die Herstellung von Porzellan in China erfunden. Lange Zeit hält man Grundstoffe und Verfahren geheim. Erst im Jahre 1708 gelingt es Johann Friedrich Böttger in Dresden, das europäische Porzellan - das weiße Gold zu erfinden, und es entsteht die erste

Porzellanproduktionsstätte in Meißen. Alle Porzellane aus dieser Produktion tragen bereits seit 1722 das Markenzeichen für Meißner Porzellane, die „Gekreuzten Schwerter“. Die Gotzkowsky Porzellan-Manufaktur in Berlin, die nur kurzen Bestand hat, wird im September 1763 vom Preußischen König Friedrich II. übernommen, und er gibt ihr den Namen Königliche PorzellanManufaktur Berlin mit seinem Zeichen „Das königliche Zepter“. In den nächsten Vitrinen wird die Herstellungstechnik erklärt: Die allgemeinen Porzellanbestandteile sind die Rohstoffe: „Kaolin“, eine spezielle, eisenarme Tonerde, „Feldspat“ und „Quarz“. Der Entstehungsprozess von Gegenständen aus Porzellan wird in mehrere Schritte unterteilt: Zubereitung der Masse, Formgebung, Trocknen, Brennen und Dekorieren. Die Bestandteile der Rohstoffe werden gemahlen, vermischt und durchgeknetet, und es entsteht eine Masse, die Gegenstände durch Drehen auf der Töpferscheibe herstellen lässt. Bei der Herstellung von Figuren wird die Masse in Gipsformen eingedrückt, um eine Zusammensetzung der Einzelteile – wie z.B. Arme, Beine usw. zu ermöglichen. Handwerkliches wird zur Kunst. Nach der Trocknung findet der erste Brand statt bei ca. 900 Grad, nach dem Glasieren der Stücke folgt der Glasurbrand bei 1400 Grad, es entsteht eine glänzende Oberfläche, und bei Malereien


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und Vergoldungen sind noch weitere Brände, die sog. Muffelbrände, nötig.

Luise und Friederike von Preußen

Im Klassizismus werden von Modellmeistern auch Bildwerke aus rein weißem, unglasierten Biskuitporzellan er-

stellt, wie Marmor, aber stumpf, ein Ideal der „edlen Einfalt und der stillen Größe“. Am Ende unseres Besuches bewundern wir solch ein Meisterwerk: Die Prinzessinnengruppe Luise und Friederike von Preußen (siehe Bild.). Die figürliche Porzellankunst deutscher Manufakturen begeistert uns auch heute noch, und wir staunen immer wieder, wie die Menschen in den vergangenen Jahhunderten diese Kunstwerke geschaffen haben. Gisela Telschow

Führung durch die Ausstellung

„Hieronymus Bosch und seine Bilderwelt im 16. und 17. Jahrhundert“ in der Gemäldegalerie im Kulturforum mit unserem Kulturkreis am 16. Februar 2017. Zum 500. Todesjahr von Hieronymus Bosch zeigt die Gemäldegalerie zusammen mit dem Kupferstichkabinett Werke des Meisters selbst, weiterhin Kopien nach ihm und Arbeiten von Künstlern, die von Bosch inspiriert wurden. Hieronymus Bosch wurde um das Jahr 1440 in den Niederlanden geboren, später benannte er sich nach seiner Heimatstadt Hertogenbosch. Er entstammte der Malerfamilie „van Aken“ in der 3. Generation, seine direkten Vorfahren stammten aus Aachen. Zusammen mit seinen beiden Brüdern erhielt er zeitweise in der väterlichen Werkstatt seine Malerausbildung. In der großen Werkstatt von Lucas Cranach, einem bedeutenden Maler der Renaissance, wurden später Kopien seiner Gemälde angefertigt. Durch sein Arbeiten in dieser Werkstatt erhielt er als ansehnlicher Bürger guten Kontakt auch zu Adligen und erzielte durch ihre Aufträge ein hohes Einkommen. Die Heirat 1481 mit einer reichen Patriziertochter verhalf

ihm außerdem zu einer größeren Unabhängigkeit. Bosch hat viele seiner Bilder mit dämonischen Figuren und Fabelwesen ausgestattet, auch menschliche Wesen mit Tierköpfen, z.B. von Vögeln, Fischen und Schweinen. Weiterhin stellte er hässliche Gnome und Monster dar. Mit seinen furchterregenden Kreaturen wollte er das Böse in den Menschen sichtbar machen. Seine von Dämonen bevölkerten Höllenlandschaften wirken wie düstere Visionen. Über den Künstler selbst jedoch, sein Leben und seine Arbeitsweise, ist kaum etwas bekannt. Den Mittelpunkt dieser Gemäldeausstellung bildet die Tafel mit „Johannes auf Patmos“, ein signiertes Hauptwerk von Bosch. Das Markenzeichen seiner Unterschrift ist Amtsschrift, helle Schrift auf dunklem Untergrund. Es ist das einzige Originalwerk hier in der Gemäldegalerie; die jetzt folgenden beschriebenen Bosch-Gemälde sind Kopien, die verschiedene berühmte Maler auch in späteren Jahren abgezeichnet haben. Der Heilige Johannes sitzt friedlich auf einer Wiese, ein Falke zu seinen Füßen, ein


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aufgeschlagenes Buch auf seinen Knien und eine Feder in der erhobenen Hand. Sein Blick ist gerichtet zu seiner Vision am Himmel, der Jungfrau auf der Sonnenscheibe. Ein breiter Fluss schlängelt sich friedvoll durch die Landschaft. Obgleich im Hintergrund Katastrophen stattfinden, die den nahenden Untergang der Menschheit versinnbildlichen, lässt er sich nicht ablenken und bringt die frischen Farben des Frühlings in sein beeindruckendes Werk.

Auf der Rückseite dieses Gemäldes schwimmt die Erdscheibe in der Nacht des von Dämonen bevölkerten Weltraumes auf einer grauen Oberfläche.

Eine Anzahl großer Werke von Hieronymus Bosch ist weiter zu besichtigen, wir stehen nicht nur erstaunt vor diesen Werken, sie erschrecken uns teilweise auch. Das Gemälde „Das Weltgericht“ ist ein Triptychon. Die Mitteltafel: „Jüngstes Gericht“, oben am Himmel Jesus und unter ihm Ruinen, Feuer, Folter, Bestrafung und ein nicht zu übersehendes Messer, linker Flügel „Paradies“, rechter Flügel „Hölle“. Es ist zwischen 1504 und 1508 entstanden, Öltempera auf Holz /Eiche. - Der „Garten der Lüste“ ist auch ein ehemaliges Triptychon, die beiden Außenflügel zeigen die Schöpfung der Welt am 3. Tag, die Mitteltafel den Garten der Lüste, der das Traumbild eines Liebesparadieses darstellt. Zwei weitere große Werke sind noch zu erwähnen: „Die Anbetung der heiligen drei Könige“ und „Die Versuchung des Heiligen Antonius“. Besonders hervorzuheben in dieser Ausstellung sind die sechs Bosch-Zeichnungen, es gibt weltweit elf. Da der Künstler Vorder- und auch Rückseiten gezeichnet hat, werden sie in den Wochen der Ausstellung abwechselnd gezeigt. Es war ein anstrengender Museumsbesuch, manch einer von uns hatte es schwer, diesen so großen Künstler zu verstehen. Gisela Telschow

Führung durch die Ausstellung „Impressionismus – Die Kunst der Landschaft“ im Barberini-Museum Potsdam Am 16. März d. J. war das Ziel unseres Kulturkreises das Museum Barberini in Potsdam, das jüngste und edelste aller deutschen Privatmuseen.

Schon vor seiner Eröffnung im November 2016 war das Museum wegen seiner klassizistisch-barocken Architektur als Palais mit leeren Räumen ein Besucher-Erfolg.-


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Da hätten sich der BER und die Elbphilharmonie ein Scheibchen abschneiden können! Das Museum hat zwei „Väter“, so kann man sagen: den Software-Milliardär Hasso Plattner und König Friedrich den Großen. Nach einem Palast in Rom gab der Alte Fritz seinem Architekten Carl von Gontard den Auftrag, diesen Palazzo an der Nordostecke des Stadtschlosses zu errichten. Bis 1912 wechselte das Bauwerk, des öfteren umgebaut, oft seinen Besitzer. Danach kaufte die Stadt Potsdam das Palais und nutzte es als Bürohaus. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde das Bauwerk durch Bomben vollkommen zerstört. Jetzt, fast 250 Jahre nach seiner Errichtung, steht das Palais mit historisch preußischer Fassade wieder am alten Platz, ein Palais mit einer hochwertigen Gemäldesammlung für impressionistische Kunst und DDR-Maler als Geschenk des Mäzens und Museumsgründers Hasso Plattner. Für den Museumsbau 2013 wurden nur edle und wertvolle Materialien verwendet: In der Eingangshalle sieht man, dass vieles aus Bronze hergestellt wurde, die Böden sind aus Terrazzo und Sandsteinplatten, Eichenparkett und Verwendung von Wenge-Holz fallen ins Auge. Aus dem, was der Gebäuderahmen erlaubte, haben die Architekten Hillmer&Sattler das Schönstmögliche gemacht, mit gewölbten Putzdecken über blau, dunkelgrau und lila gestrichenen in den hellen Glashimmeln im Dachgeschoss, mit lichten Sälen im Risalit zum Schlossplatz und einer breiten Freitreppe samt Sommerpavillon zum Havelufer hin.

Rechnet man die hochwertigen Materialien auf drei Geschosse, mit 18 Ausstellungsräumen und einer Gesamtfläche von 2.200 qm hoch, kommt man für das Palais auf Baukosten von….., wie viel, hat Plattner nie verraten! Nur wenige Bilder, die im Museum Barberini zu sehen sind, gehören dem Museum selbst. Die allermeisten Exponate der Ausstellung des „Impressionismus und der Moderne“ sind Leihgaben internationaler Museen oder prominenter Sammler. Die Gemälde „Kunst der Landschaft“ mit See-, Feld-, Wald-, Fluss- und Winterszenen von Monet, Boudin, Caillebotte, Pissarro, Sisley, Corot, Munch, Nolde, Liebermann und Renoir waren im rechten Seitenflügel zu bestaunen. Auch vier Seerosenbilder von Monet waren Glanz- und Lieblingsstücke, die uns in ihren Bann zogen und Stolz jeder Kunstsammlung sind. Eines davon stammte aus dem Denver Art Museum. Auch zwei „Klassiker der Moderne“, Kandinsky und Richter, waren mit Kunstwerken zu bewundern. Aus den Berichten von Besuchern erfuhren wir, dass der bekannte Fernsehmoderator Günther Jauch den Audioguides seine Stimme „geliehen“ hatte. „Der Museumsbesuch, die Führung im Haus und die historische Atmosphäre in Potsdam waren überwältigend“. Das war auch die übereinstimmende Meinung aller Teilnehmer des Kulturkreises. Die empfehlenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 28. Mai 2017. Renate Hensler-Tresenreuter


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Verschiedenes Änderungen im Bereich Heil- und Hilfsmittel Das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelverordnung soll eine der letzten großen Reformen dieser Bundesregierung werden. Erste Teile davon treten schon bald, vermutlich ab April 2017 in Kraft. Krankenversicherte können davon profitieren. Eine davon ist die erweiterte Ausnahmeregelung für Leistungen bei Brillengläsern. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt bei schweren Sehfehlern anteilige Kosten für Sehhilfen (Brillen). Bei Kurz- und Weitsichtigkeit müssen es mehr als sechs, bei Hornhautverkrümmung vier Dioptrien sein. Dann gibt es von der GKV den Festpreis oder den Vertragspreis der jeweiligen Kasse. Sozialhilfe: Anhebung des Schonvermögens Nach einem Beschluss des Bundestages vom 1.12.2016 wird das Schonvermögen im Sozialgesetzbuch XII (Sozialhilfe) zum 1.4.2017 auf 5000 Euro angehoben. Dies betrifft unter anderem Empfänger von Eingliederungshilfe, Hilfe zur Pflege sowie Grundsicherung im Alter und Erwerbsminderungsrente. Das Schonvermögen bei Erwachsenen lag bisher bei 1.600 Euro, für die über 60-Jährigen sowie dauerhaft voll Erwerbsgeminderte bei 2.600 Euro. Für jede weitere unterhaltene Person (betrifft insbesondere Kinder in Bedarfsgemeinschaften) erhöht sich der Wert um 500 Euro. Die neuen Vermögensgrenzen müssen bereits auch jetzt schon bei Antragsstellung beachtet werden. Hannelore Rohde-Käsling

Winterliche Entdecker- und Geschichtstouren in Kreuzberg und Park Friedrichshain Jahreszeitlich bedingt, bewegten sich in den Wintermonaten unsere Wanderungen mehr im Stadtgebiet. Auch hier gab es viel Interessantes und Neues – selbst für Alt-Berliner - zu bestaunen und zu erleben. Am 14. Januar folgte eine große Wandergruppe, trotz Schnee und Eis, dem ehemaligen Luisenstädtischen Kanal in Kreuzberg. Er stellte bis 1926 eine Schifffahrtsverbindung zwischen Landwehrkanal und Spree her. Es war gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit,

auch in die Zeit der Mauer. Ab 1927 begann man den Kanal wegen Unrentabilität zu verfüllen und zur Freude der damals rasch wachsenden Bevölkerung mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen, einen Rosengarten, Spielplätze und das schöne Engelsbecken anzulegen. Letzteres wurde wegen der Nähe zur Mauer von der DDR wieder verfüllt. Heute ist dieser Bereich erneut ein Ort der Erholung und Entspannung. Auch die Architektur an den Rändern der Parkanlagen spiegelt die Geschichte wider, eine


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Mischung aus Wohn- Geschäfts- und Bürohäusern zurückgehend bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Im ehemaligen Diakonissenkrankenhaus Bethanien, umgeben von Wildwuchs, Kinderbauernhof und alternativen Wohnwagenkommunen, nahm die Gruppe im ehemaligen Speisesaal der Ärzte und Schwestern – heute als Restaurant umgebaut - ihre wohlverdiente Pause - auch zum Aufwärmen – ein. Das Haus steht nach langen Kämpfen mit der „Kiezszene“ unter Denkmalschutz und wird Stück für Stück saniert und renoviert. Es beherbergt u. a. die Theodor-FontaneApotheke, Musikschulen, Sozialeinrichtungen und Kunstprojekte. Weiter ging es in Richtung Spree, vorbei an der renovierten, schönen Backsteinkirche St. Thomas zur Schillingbrücke. Von hier bietet sich ein überwältigendes Stadtbild, vom Alex bis zur Oberbaumbrücke, für viele Berliner Wanderfreunde nicht wiederzuerkennen. Zahlreiche Alt– und Neubauten, umgebaute Gebäude, sowie Baukräne am Ufer der Spree zeugen von einer gewissen Aufbruchsstimmung am ehemaligen Grenzstreifen. Beachtung fand gegen Ende der Wanderung auch die kunstvoll verzierte Hinterlandmauer (East-Side–Gallery) an der Mühlenstraße.

Bei weiterhin noch winterlichem Wetter begab sich die Wandergruppe am 11. Februar auf Spurensuche über das ehemalige Gleisdreieck zwischen Anhalter Bahnhof und Südkreuz. Außer Fern–, S-Bahn- und Museumsbahn-Gleisanlagen ist von dem einstmals

riesigen Güterbahnhofsgelände aus der Vorkriegszeit nicht mehr viel zu sehen, außer vereinzelte Gebäude der Post und Güterverladungsanlagen. Einige sind inzwischen saniert und umfunktioniert worden. Die riesige Freifläche ist jedoch, nach jahrelangem Gerangel über deren Nutzung, in Zusammenarbeit mit der Kreuzberger und Schöneberger Bevölkerung in drei gelungene Parkanlagen umgewandelt worden. Ost–, West– und Flaschenhalspark entstanden in den letzten Jahren mit Grünflächen für Sport, Spiele, Erholung und Entspannung, durchzogen von Wander- und Radwegen. Auf Randflächen entstanden zahlreiche Wohngebäude. Aufmerksamkeit erlangen die gelben U-Bahnzüge der Linien 1 und 2, wenn sie auf ihrem aufgeständerten Gleisbett über die Parkanlagen rattern: Für Jung und Alt ein Anziehungspunkt vor allem in der wärmeren Jahreszeit. Unsere inzwischen durchgefrorene Gruppe strebte einer wärmenden Einkehr in der Nähe des Schöneberger Gasometers zu, um anschließend am Bahnhof Südkreuz die Tour zu beenden.

Am 18. März galt das Interesse der Wandergruppe der ältesten kommunalen Parkanlage Berlins, dem Volkspark Friedrichshain. Angelegt in den 1840er Jahren für die damals rasch wachsende Bevölkerung, aus Anlass des 100. Thronjubiläums Friedrich II. Der be-


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kannte Gartenarchitekt Peter Lené lieferte die Ideen. Der Park ist noch heute eine beliebte, grüne Oase, vor allem für junge Familien und Sportler. Das Glanzstück ist wohl Berlins schönste Brunnenanlage, der Märchenbrunnen, errichtet nach 12-jähriger Bauzeit 1913 für kranke Kinder des angrenzenden Krankenhauses. Erst zur Osterzeit werden die hübschen Sandsteinfiguren von ihrer Schutzhülle befreit und erfreuen Jung und Alt. Spiel–, Sport– und Grünflächen sowie zahlreiche Wanderwege erwarten das ganze Jahr über Erholungssuchende. Eine Freilichtbühne und zwei Restaurants ergänzen das Angebot. Unsere Wanderung – zufällig am 169. Jahrestag der Märzrevolution – glich einem Gang durch die Geschichte der Demokratie, denn viele Denkmäler, Skulpturen und Gedenkstätten säumten unsere Wege. Beginnend mit der Monarchie und der Büste Friedrich II., dem Ehrenfriedhof für 255 z. T. noch junge Menschen, die 1848 gestorben sind für ein besseres und freieres Leben

(Landsberger Allee). Die sechs Meter hohe Bronzeskulptur an der Friedenstraße soll an die Gefallenen des Bürgerkrieges in Spanien erinnern, ebenso das große Denkmal zu Ehren der gefallenen deutschen und polnischen Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkrieges, unterhalb des kleinen Bunker- und Rodelberges. Die 1946 gesprengten, hohen Flak- und Bunkertürme, mit Trümmerschutt und Erdreich bedeckt, erinnern durch ihre Bepflanzung kaum mehr an die Schrecken des Krieges. Ein Sinnbild für endlich „Frieden auf Erden“ stellt die 50 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1989 unter einem kleinen Tempel aufgehängte 365 kg schwere Weltfriedensglocke dar, hergestellt aus eingeschmolzenen Münzen von über 100 Ländern. Kleine Wasserflächen, im Sommer blühende Blumenrabatten und der Duftgarten erfreuten auch bei stürmischem Wetter die gutgelaunte Wandergruppe, und erst recht das wärmende Kaminfeuer im reetgedeckten Pavillon am Ende der interessanten Tour. Wolf-Dieter Pätzold

Neue Ausstellung In den Ausstellungskästen in der ersten Etage ist eine neue, interessante, von Christine Bökel-Striebeck zusammengestellte Ausstellung über „Kriegs– und Friedenszeiten im 20. Jahrhundert“ für einige Monate zu bewundern. Jean Mangers

„Die selbstsichere Frau verwischt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau – sie betont ihn.“ Coco Chanel

„Unter den Menschen gibt es viel mehr Kopien als Originale.“ Pablo Picasso


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Hurra, die „Rollups“ (Werbeaufsteller) sind da!

Anlässlich der Veranstaltung über den „7. Altenbericht" der Bundesregierung standen auf der Bühne des Saals im Sozialwerk Berlin e. V. zwei der neuen Rollups. Ein Dreierteam des Vorstandes des Förderkreises Altenselbsthilfezentrum hatte sich zusammengesetzt und drei Rollups entworfen, entwickelt und dann umsetzen lassen. Für künftige Auftritte, wie Messen und Fachtagungen etc. sind wir nun bestens gerüstet. Eveline Harder

Veranstaltungen und Interessenkreise Siehe dazu die einschlägigen Programme für Mai, Juni, Juli und August im Aushang und auf der Internetseite www.sozialwerk-berlin.de unter der Rubrik Schlösschenpost

Schmunzelecke „Das Schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht." von Jean Paul Eveline Harder


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ALLES WIRD ANDERS Es fiel mir auf, dass alles weiter entfernt ist als vor einigen Jahren. Es ist sogar zweimal so weit zur Straßenecke, und ein Hügel war früher auch nicht da. Das Rennen zum Bus habe ich ganz aufgegeben, er fährt jetzt immer zu früh ab. Die Treppen sind auch höher als in den goldenen Jahren. Auch Bücher und Zeitungen werden mit kleineren Buchstaben gedruckt. Aber es hat keinen Sinn, jemanden ums Vorlesen zu bitten, da jeder so leise spricht, dass man es kaum hören kann. Für die Kleider wird zu wenig Stoff verwendet, besonders um die Hüften. Auch die angegebenen Größen fallen kleiner aus als früher. Sogar die Menschen verändern sich, sie sind viel jünger als wir in ihrem Alter waren. Andererseits sind die Leute unseres Alters so viel älter als wir. Ich traf neulich eine Klassenkameradin, die war so alt, dass sie mich nicht erkannte. Ich dachte an das arme Wesen, während ich meine Haare kämmte. Und als ich in den Spiegel sah... Wirklich, auch Spiegel sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Gefunden von Lilian Bischoff

Der Körperumfang des Nilpferdes zeigt, dass vegetarische Kost auch nicht schlank macht. Gefunden von Monika Borchert

Das Alter spielt keine Rolle, es sei denn du bist ein Käse. Gefunden von Monika Borchert


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Der verzagte Baumwollfaden Es war einmal ein kleiner weißer Baumwollfaden, der von sich glaubte, dass er, so wie er war, zu nichts nutze sei. Ganz verzweifelt dachte er immer wieder: „Ich bin nicht gut genug, ich tauge zu nichts. Für einen Pullover bin ich viel zu kurz. Selbst für einen winzigen Puppenpullover reicht es nicht. Für ein Schiffstau bin ich zu schwach. Nicht mal ein Hüpfseil kann man aus mir machen. Mich an andere kräftige, dicke, lange Fäden anknüpfen kann ich nicht, die lachen mich nur aus. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und zu farblos. Ja, wenn ich aus Goldgarn wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid….Aber so?! Ich bin zu nichts nütze. Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Keiner beachtet mich.“ So sprach der kleine weiße Baumwollfaden mit sich – Tag für Tag. Er zog sich ganz zurück, hörte sich traurige Musik an und weinte dazu. Eines Tages klopfte seine neue Nachbarin an der Tür - ein kleines weißes Klümpchen Wachs. Das Wachsklümpchen woll-

te sich bei dem Baumwollfaden vorstellen. Als es sah, wie traurig der kleine Baumwollfaden war und sich den Grund dafür erzählen ließ, sagte es: „Lass dich doch nicht so hängen, du kleiner weißer Baumwollfaden. Mir kommt da eine Idee: Wir beide sollten uns zusammentun! Für eine Kerze am Weihnachtsbaum bin ich zu wenig Wachs und du als Docht zu klein, doch als ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu klagen!“ Da war der kleine weiße Baumwollfaden ganz glücklich und tat sich mit dem kleinen weißen Klümpchen zusammen und sagte: „Endlich hat mein Dasein einen Sinn“. Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch viele kleine weiße Baumwollfäden und viele kleine weiße Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um in der Welt zu leuchten. (Verfasser unbekannt) Gefunden von Monika Borchert

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Wir gratulieren allen Jubilaren der Monate Mai und Juni und wünschen ihnen weiterhin Gesundheit und viel Glück!

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Beratungen, Informationen, Sprechstunden Behördliche Angelegenheiten: Renate Hensler-Tresenreuter, Tel.: 361 99 78 Sozialrechtliche Angelegenheiten: Heidemarie Mangers, dienstags, 16-18 Uhr Voranmeldung: Tel.: 650 15 999 Behindertenrecht und sozialrechtliche Angelegenheiten : Hannelore Rohde-Käsling Tel.: 891 10 51 (Rezeption) Sprechstunden: Sozialwerk und Förderkreis: Christa Fischer, Mo-Di-Do-Fr 10-16 Uhr

Impressum Herausgeber: Arbeitskreis „Schlösschen-Post" des „Sozialwerk Berlin e. V." Humboldtstr. 12, 14193 Berlin - Grunewald, Tel: 891 10 51/52

Redaktion: Jean Mangers, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Wilfried Neumann Eigenverlag: Druckerarbeiten: Jürgen Schambach Beiträge: Béla Bacs, Lilian Bischoff, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Christa Fischer, Eveline Harder, Renate Hensler-Tresenreuter, Joachim Krüger, Jean Mangers, Wilfried Neumann, Wolf-Dieter Pätzold, Hannelore Rohde-Käsling, Peter Stawenow, Prof. Dr. Herbert Striebeck, Gisela Telschow Für Aufsätze und Berichte, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, trägt dieser die Verantwortung. Kleine, nicht sinnentstellende Korrekturen bleiben vorbehalten.

Homepage: Diese Nummer ist unter www.sozialwerk-berlin.de, Rubrik „Schlösschen-Post“, einzusehen. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Mitgliedern der Redaktionskommission, den Autoren dieser Schlösschen-Post und Herrn Rieger für ihre wertvolle Mitarbeit sehr herzlich bedanken! Jean Mangers

Redaktionsschluss für die Nummer 67: 30. Juni 2017


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„Die Tradition im Herzen, die Zukunft in der Hand!“

Schlösschen-Post Nr. 66 Frühling 2017  

Erlebtes und Aktuelles vom Sozialwerk Berlin

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