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Nr. 55

Sommer 2014

Schlösschen – Post Erlebtes & Aktuelles vom Sozialwerk

Berlin

Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband - Landesverband Berlin


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Inhaltsverzeichnis Leitartikel Nachruf auf Adrienne (Jenny) Pickert Auf ein Wort Erlebtes und Aktuelles: 1.Fachtagung im Rahmen der Messe „Miteinander leben in Berlin" am 3.04.14 2. Jahresversammlungen des Sozialwerk Berlin e.V. und des Förderkreises am 8. 04. 2014 3. Neues aus dem Förderkreis 3. „Daten für Taten" - Fachtagung am 28.04.2014 4. „Augenkamera" Workshop am 29.04.2014 5. Frühlingsfest am Rüdesheimer Platz am 3. + 4.04. 2014 6. „Wohnen für Hilfe" - Fachtagung am 06.05.2014 7. Europaseminar 2014 vom 12.-15.05.2014 8. Empfang für die neuen Mitglieder im Sozialwerk Berlin e.V. 23.05.2014 9. Auftritte des Schlösschen-Chors im Wilhelmsstift am 29.04. + im Wilmersdorfer Seniorenstiftung am 03.06.2014 10. Podiumsdiskussion „Leben und Wohnen im Alter“ 11. „Damals war`s…“ Vergnügliche Veranstaltungen im „Schlösschen": 1. Frühlingskonzert des Berliner Mundharmonika-Orchesters 29.03.2014 2. Auf Entdeckungstour am Gleisdreieck 05.04.2014 3. „Tango bis Pop" mit dem Chor Alt-Lietzow und Akkordeon-Orchester Waldsassen 13.04.2014 4. Osterkonzert mit der Musikgruppe „Harmonie" 19.04.2014 5. „Tanz in den Mai" mit KIRY 03.05.2014 6. Tagesfahrt nach Meißen 09.05.2014 7. Das Gesangs-Duo-Sopranitas unternimmt Reisen in die Ferne 24.05.2014 8. Pfingstkonzert mit der Combo Legero 07.06.2014 9. „Kuscheltier-Konzert" der Carl-Orff-Grundschule 13.06.2014 10. Erzähl-Café mit Eveline Harder (Gäste: Gabriele Seyfert am 30.03.2014 und Dr. Helga Frisch am 18.05.204) Museumsbesuche: 1. „Emil Noldes späte Liebe" im Nolde-Museum am 20. März 2014 2. Werkschau des Künstlers Ai Weiwei im Martin-Gropius-Bau 24.04.2014 3. Schlossbaumeister Andreas Schlüter im Bode Museum am 22.05.2014 Programm der Kulturgruppe Juli-September Beratungen-Information-Sprechstunden Meine 15. Reise: Bulgarien Schmunzel-Ecke Veranstaltungen Wir gratulieren Impressum

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Liebe Leserinnen und Leser, seit einem Jahr schon wirken wir im Sozialwerk Berlin ohne das Gründereheparr Käte und Harry Tresenreuter.

In den letzten zwölf Monaten wurde viel erreicht. Es ging in erster Linie anfangs um die Bewahrung des Bewährten, dann aber auch um den Ausbau zusätzlicher Angebote, den Aufbau weiterer Interessenkreise und die Umgestaltung verschiedener Räume, wie z.B. das Schlösschen-Café, alles Initiativen, die von den Mitgliedern und den Besuchern des Hauses sehr gut angenommen wurden. Nach außen hin stellte sich die große Aufgabe, den Behörden im Bezirk und beim Senat und den Verbänden zu zeigen, dass es mit dem Sozialwerk Berlin ohne Abstriche weitergeht und dass mit ihm in der sozialen Landschaft nach wie vor, wenn nicht sogar verstärkt, wie das Kompetenzzentrum „Offene Altenarbeit" es tut, zu rechnen sei. Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass unser Verein in allen wichtigen Gremien kompetent und wirksam vertreten ist. Wichtig ist auch zu wissen, dass unser Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum auf dem guten Weg ist, sich als Stadtteilzentrum zu entwickeln. Dies bedeutet eine Öffnung hin zu allen Generationen und eine Bereithaltung entsprechender Angebote, wie das Abhalten von Fachtagungen, für die unser „Schlösschen" auch von Außenstehenden verstärkt in Anspruch genommen wird, und Initiativen in Richtung Kinder, Schüler und Studenten. Wir möchten an dieser Stelle allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseren allerherzlichsten Dank für ihren unermüdlichen und vorbildlichen Einsatz aussprechen, ohne den die vielfältigen herkömmlichen und neuen Aufgaben nicht hätten bewältigt werden können. Die vorliegende Ausgabe Nr. 55 der Schlösschen-Post stellt eine Reihe von Ereignissen vor und geht auf unsere Veranstaltungen näher ein. Dazu wünsche ich Ihnen, liebe Leser, viel Erbauung und Vergnügen. Jean Mangers Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit


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Nachruf

Mit großer Bestürzung haben wir die Mitteilung über das Ableben, unserer lieben ehrenamtlichen Mitarbeiterin und Freundin Adrienne Pickert, genannt Jenny, am 25. Mai 2014 zur Kenntnis genommen. Jenny ist 1988 zum Sozialwerk Berlin gekommen, wo sie besonders gern den Kontakt zu den Menschen hier gepflegt und sich sehr gefreut hat, wenn sie jemandem durch ein gutes Gespräch helfen konnte. Adrienne Pickert war sehr vielseitig und hatte mehrere Aufgaben übernommen: Sie war regelmäßig an der Rezeption tätig, koordinierte die Geburtstagsfeiern und kümmerte sich um die schriftlichen Gratulationen. Sie verschickte Programme an frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hielt engen Kontakt zu langjährigen Mitgliedern, die nicht mehr in der Lage sind, hierher zu kommen. Insbesondere stellte sie den aktiven älteren Menschen dar, dies besonders bei den Führungen durch das Haus, wenn Schüler/Studenten zu Besuch kamen. Sehr gerne stand sie anschließend für die interessierten Fragen zur Verfügung. Ihre lebendige und lebensbejahende Art kam immer bei unseren Gästen sehr gut an. Der Kreis eines erfüllten Lebens hat sich nun geschlossen. Adrienne Pickert war mit dem Sozialwerk Berlin sehr verbunden. Wir werden Jenny sehr vermissen und sie immer in dankbarer Erinnerung behalten. ****************************************************************


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Auf ein Wort... „Glück ist, was sich jeder als Glück gedacht." Diesen kurzen, aber sehr inhaltsvollen Spruch hat mir einst meine Grundschul-Klassenlehrerin in mein Poesie-Album geschrieben. Damals habe ich ihn noch nicht verstanden, fand ihn unbedeutend, langweilig und - viel zu kurz! Aber vielleicht habe ich ihn gerade deshalb nie vergessen und schrieb ihn 30 Jahre später auch meinen (Ober-) Schülern ins Poesie-Album - in der Hoffnung, dass sie reif genug sein würden ihn zu verstehen. Zu den verschiedensten Anlässen wünschen wir unseren Mitmenschen Glück. Aber meinen wir auch immer das Gleiche damit? In der deutschen Sprache ist „Glück" als Begriff sehr unscharf, er beinhaltet mindestens drei verschiedene Bedeutungen - nämlich „Zufallsglück", „Wohlfühlglück" und „dauerhaftes Glück". Unter „Zufallsglück" verstehen wir z. B. einen Lottogewinn oder die Tatsache, dass wir wegen eines verspäteten Aufbruchs nicht in den schweren Unfall auf der Autobahn geraten sind - oder einfach nur ein Stück Brot nach langer Hungerszeit. „Wohlfühlglück" hat z. B. unser deutscher Fußballtrainer Joachim Löw mit seiner Besteigung des Kilimandscharo beschrieben. Es kann aber genauso gut ein Aufenthalt mit lieben Menschen in unserem Schlösschen sein. „Dauerhaftes Glück" muss man sich schon meist selbst erarbeiten. Dazu gehört beispielsweise eine lange und gute Ehe, die Beständigkeit und der Zusammenhalt einer Familie, die Überwindung einer bösen Krankheit, die nicht wieder auftritt, auch ein befriedigender und Freude bringender Beruf. Natürlich kommt es auch auf die Sichtweise an, von der man sich dem Begriff „Glück" nähert: Ein Philosoph z. B. dürfte ein völlig anderes Verständnis von Glück haben als ein Volkswirtschaftler. Bittet man Menschen in Deutschland die Begriffe zu nennen, die sie am wertvollsten erachten, stehen „Glück" zusammen mit „Liebe" und „Freundschaft" ganz oben - weit vor „Unabhängigkeit" oder „Erfolg im Beruf". „Das Glück ist nur die Liebe, die Liebe ist das Glück.", behauptete schon Adelbert von Chamisso Anfang des 19. Jahrhunderts. Dass diese Aussage des deutsch-französischen Poeten nicht veraltet ist, beweisen die Aussagen der meisten Befragten, die eine stabile und liebevolle Partnerschaft (Ehe) immer noch als das höchste Glück empfinden. Aber und vor allem auch ein Kind kann nicht glücklich werden, wenn es von den Eltern keine Liebe erfahren hat.


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Der Mensch ist ein Gesellschaftswesen. Für die Qualität seines Wohlbefindens ist im Allgemeinen in erster Linie der Sozialkontakt zu anderen Menschen von entscheidender Bedeutung. Dies muss nicht zwingend ein Ehepartner bzw. eine Familie sein; Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn spielen oft eine ausschlaggebende Rolle im Zusammenspiel der Glücksgefühle. Im betagteren Alter sind oft schon die (Ehe-)Partner, einige, viele oder die meisten Verwandten, Freunde und Bekannten nicht mehr auf dieser Welt. Deshalb haben wir Schlösschen-Besucher, Mitglieder und Mitarbeiter und es besonders gut: Wir können hier jederzeit neue liebe Mitmenschen als Gesprächspartner oder Mitstreiter in einer der zahlreichen Interessengruppen oder sogar neue Freunde/Innen gewinnen. Hierbei denke ich gerne an die Aussage des Schweizer Dichters Carl Spitteler, Ende des 19. Jahrhunderts:

„Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden." Herzlichst Ihre Christine Bökel-Striebeck

Erlebtes & Aktuelles: Fachtagung im Rahmen der Messe „Miteinander leben Berlin" am 3. April An dieser vom Sozialverband Berlin organisierten Fachtagung haben, auf Einladung des MdA Joachim Krüger, seitens des Sozialwerks Berlin Margit Hankewitz, Vorsitzende, Heidemarie Mangers, Sozialmanagerin im Bereich Sozialberatungen und Peter Stawenow, Leiter des Kompetenzzentrums „Offene Altenarbeit" teilgenommen. Im Gespräch mit Frau Svoboda, Pflegedirektorin der Volkssolidarität, meinte diese: „So viel gebündelte Kompetenz wie im Sozialwerk Berlin gibt es selten".

Jean Mangers


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Die ordentlichen Mitgliederversammlungen 2014 am 08. April 2014 um 14.30 bzw. 15.45 Uhr im KÄTE-TRESENREUTER-HAUS

„Sozialwerk Berlin e. V." Neu war, dass die Mitgliederversammlungen beider Vereine diesmal an einem und demselben Tag abgehalten wurden, um den berichterstattenden Mitarbeitern/Innen zu ersparen, ihre Berichte zweimal vortragen zu müssen. Es hatten sich für beide Mitgliederversammlungen insgesamt 112 stimmberechtigte Teilnehmer eingefunden. In ihrer Begrüßungsansprache stellte Frau Margit Hankewitz, Vorsitzende des Sozialwerk Berlin e. V., fest, dass 2013 sehr schwierige Wochen und Monate hinter dem Sozialwerk Berlin und der Familie Tresenreuter lagen, eine schwere Zeit, die alle miterlebt haben. Die Rednerin nutzte die Gelegenheit, sich für die liebevollen und tröstenden Worte von allen sowie für die tatkräftige Unterstützung besonders seitens der ehrenamtlichen Mitarbeiter/Innen zu bedanken, die ihr sehr geholfen und uns auf einen erfolgreichen Weg gebracht haben. Es folgte eine Gedenkminute für die verstorbenen Mitglieder und Mitarbeiter des Vereins. Nach der Bestätigung der Tagesordnung durch Handzeichen berichtete Frau Hankewitz über die Vereinsarbeit im Jahr 2013. Sie erinnerte an einige Vorkommnisse und Erlebnisse, an denen die Mitglieder und Mitarbeiter sicherlich auch ihre Freude hatten. „Wir haben an Ausstrahlung gewonnen und die herzliche Atmosphäre beibehalten. Unsere Angebote werden an den Bedürfnissen der Besucher ausgerichtet. Beratungs-, Betreuungs-, Begegnungs- und Bildungsangebote bestimmen unsere sozialkulturelle offene Altenarbeit. Die Beratungen haben einen größeren Raum eingenommen". An dieser Stelle gab Frau Heidemarie Mangers einen Einblick in die Vielfalt der Beratungstätigkeit. Die Leiter der Interessenkreise oder deren Stellvertreter berichteten dann kurz über ihre geleistete Arbeit und ernteten großen Applaus. Das Sozialwerk Berlin arbeitet im Sinne der Interessenvertretung älterer Menschen in den verschiedensten Gremien sach- und fachkompetent mit. An dieser Stelle wurden genannt: Herr Stawenow und Herr Litzner (Landesseniorenbeirat), Frau Mangers (Arbeitskreis Altersfragen des Bezirks), Herr Buchholz (Arbeitskreis Berliner Senioren), Herr Stawenow (im Beirat des Paritätischen Berlin und dort Leiter der Fachgruppe Ältere Menschen). Frau Hankewitz stellte dann zwei neue Vorstandsmitglieder vor und zwar Herrn Joachim Krüger (MdA), der 2013 nachgerückt ist, und Herrn Prof. Dr. Jochen Brauns, der 2013 neu in den Vorstand gewählt wurde. Die Rednerin erwähnte des Weiteren, dass das Käte-Tresenreuter-Haus ein begehrter Tagungs- und Veranstaltungsort für viele andere Verbände darstellt. Fachtagungen und Konferenzen machen durch interessante Themen die Menschen neugierig, uns kennenzulernen. Dies gilt auch für Schüler- und Studentengruppen der Berliner Hochschulen, die öfter in unser Haus kommen, um die offene Altenarbeit in der Praxis zu erleben. Die Führungen durch unsere Tagesdienstmitarbeiter sind sehr beliebt. Weitere Informationen erhält man über unsere Internetseiten (36 000 Besucher im vergangenen Jahr) und in unserer jetzt in Farbe erscheinende Schlösschen-Post. Wir werden in der Öffentlichkeit sehr genau wahrgenommen und beobachtet. Davon zeugen zahlreiche Presseveröffentlichungen, Rundfunkinterviews und Berichte. Dem alters- und gesundheitsbedingten Mitgliederrückgang konnte durch Neuaufnahmen entgegengewirkt werden.


8 Frau Hankewitz dankte abschließend allen Mitgliedern, ehrenamtlichen Mitarbeitern/Innen und dem Vorstand für deren tatkräftige Unterstützung und Unterbreitung von Angeboten und Vorschlägen. Zum Kassenbericht 2013 und zum Jahresetat 2014 gab Frau Hankewitz einige Erläuterungen. Da die Mitgliederbeiträge, Spenden und Schenkungen sowie die Eigenerwirtschaftung und die Zuwendungen vom Senat und ein Zuschuss seitens des Paritäters in 2013 nicht gereicht haben, um die 111.000 Euro, die der Unterhalt des Hauses gekostet hat, zu kompensieren, mussten dazu 55.000 Euro aus dem Vereinsvermögen genommen werden, davon 8.000 Euro, um den ehrenamtlichen Mitarbeitern/Innen 15 Euro/Monat an Fahrdienstentschädigungen gewähren zu können. Es ist eine Reihe von Einsparungen vorgenommen worden, die schon ihre Früchte gezeigt haben. Ab jetzt läuft die Buchführung über den Computer. Bei der Diskussion wurde die Frage nach einer eventuellen Beitragserhöhung aufgeworfen. Dem wurde entgegengehalten, dass eine solche nicht angebracht wäre, dass aber diejenigen, die dies möchten, freiwillig mehr Beitrag zahlen könnten. Da der Kassenbericht 2013 im Vorfeld vom Kassenprüfer, Herrn Martin Duske, Mitglied einer Steuerberatungssozietät, kontrolliert und für ordnungsgemäß befunden worden war, gewährte auf Antrag von Herrn Dr. Hans-Ulrich Litzner die Mitgliederversammlung dem Vorstand, bei Stimmenthaltung der Vorstandsmitglieder, durch Handzeichen einstimmig Entlastung für das Geschäftsjahr 2013. Der Etat für das Jahr 2014 orientiert sich an den Ergebnissen des Jahres 2013 unter der Voraussetzung, dass keine gravierenden Änderungen eintreten. Ausgehend von der Finanzsituation des Vereins und den Aufgabenschwerpunkten sind für 2014 Zuwendungen und Stiftungsmittel beantragt und bewilligt worden. In ihrem Schlusswort wies Frau Hankewitz darauf hin, dass ihr Vater stolz war, als sie auf der Mitgliederversammlung 2013 zur Vorsitzenden gewählt wurde und er ihr die Verantwortung für sein Lebenswerk übertragen konnte. „Deshalb ist es für mich nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine große Freude dieses bedeutsame Lebenswerk meiner Eltern mit Ihnen gemeinsam fortzuführen nach dem Motto: Wir haben die Tradition im Herzen und die Zukunft in der Hand."

„Förderkreis Altenselbsthilfezentrum Sozialwerk Berlin e. V." In ihrer Eröffnungsansprache begrüßte Frau Christa Fischer, stellv. Vorsitzende des Förderkreises, die Teilnehmer und dankte den Mitgliedern des Förderkreises für die finanzielle und ideelle Unterstützung des Sozialwerk Berlin e.V.. Die Zuwendungen des Förderkreises an das Sozialwerk Berlin e. V. beliefen sich 2013 auf circa 5.000 Euro. Der Kassenbericht 2013 des Förderkreises war im Vorfeld schon von der Kassenprüferin, Frau Beate Hörnig, überprüft und für ordnungsgemäß erklärt worden. Die Entlastung des Vorstandes für das Geschäftsjahr 2013 wurde einstimmig, bei Stimmenthaltung der Vorstandsmitglieder, durch Handzeichen gewährt. Wichtigster Tagesordnungspunkt waren die Wahlen für den Vorstand. (Siehe dazu den folgenden Bericht) Im Ausblick auf 2014 dankte Dr. Litzner, der neue Vorsitzende, für das in ihn gesetzte Vertrauen, freute sich darauf die Geschicke des Vereins mitbestimmen zu dürfen und sah als künftige Hauptaufgabe des Förderkreises die Gewinnung neuer finanzkräftiger Mitglieder. Er möchte das Sozialwerk Berlin in eine sichere Zukunft führen, d.h. dessen Finanzierung mittelfristig abgesichert sehen. Er sieht neuen Angeboten gerne entgegen, sagt der Findung neuer Wege und Konzepte seine Unterstützung zu und freut sich auf die gemeinsame Arbeit. Jean Mangers


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Neues aus dem Förderkreis des Sozialwerk Berlin e. V. Am 08.04.2014 fand nach der Mitgliederversammlung des Sozialwerk Berlin e. V. die des Förderkreises statt. Frau Margit Hankewitz hatte sich vom ersten Vorsitz zurückgezogen und Frau Käthe Schiller hatte ihren Rücktritt aus dem Vorstand erklärt, so dass hier nachgewählt werden musste. Herr Dr. Hans-Ulrich Litzner tritt die Nachfolge als 1. Vorsitzender des Förderkreises an, Frau Margit Hankewitz ist einfaches Vorstandsmitglied. Frau Christa Fischer bleibt stellv. Vorstandsmitglied. Frau Eveline Harder ist neu in den Vorstand gewählt worden. Weitere Vorstandsmitglieder sind Frau Ingrid Junkuhn und Frau Adrienne Pickert (+ 25. Mai 2014). Auf der ersten Vorstandssitzung, am 02.06.2014, ergaben sich folgende Punkte: Einwerben von projektbezogenen Geldern Gewinnung von Unterstützern und Sponsoren Kontaktaufnahme zur IHK Kontaktaufnahme zum VBKI Gedankenaustausch mit sozialpolitischen Sprechern des Abgeordnetenhauses und auf Bundesebene Die nächste Vorstandssitzung findet am 15. September 2014, 10:00 Uhr, statt. Eveline Harder im Juni 2014

Fachveranstaltung: Daten für Taten Am 28. April 2014 wurde diese Informationsveranstaltung, die vom Projekt „Potenziale der offenen Altenarbeit stärken", das aus dem ESF gefördert wird, im Käte-Tresenreuter-Haus organisiert. Es ging darum, mit Experten der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Vertretern der Berliner Wohlfahrtspflege und Akteuren der offenen Altenarbeit zur Kenntnis zu nehmen und zu diskutieren, wie der neu erstellte Sozialstrukturatlas Berlin 2013 als Handlungsgrundlage für die soziale Arbeit mit und für ältere Menschen genutzt werden kann. Dieser Atlas stellt ein Instrument der quantitativen, interregionalen und intertemporalen Sozialraumanalyse und -planung dar (SenGS/Februar 2014). In seinem Einführungsstatement sieht der Moderator Peter Stawenow den vorliegenden Sozialstrukturatlas als eine gute Grundlage für unsere Arbeit an. Er stellte kurz das Kompetenzzentrum „Offene Altenarbeit" vor und kündigte weitere Workshops spezifischer Thematiken an. Herr Immel von der SenGS stellte einleitend die Frage: Was gibt ein Sozialstrukturatlas dem Leser? Man unterscheidet bei der Analyse der Sozialstruktur gesundheitliche, räumliche und soziale Merkmale, die in Indizes


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zusammengefasst werden. Die messbaren Indikatoren dienen zu einer Faktorberechnung. Die daraus resultierenden 66 Variablen werden auf drei Grunddimensionen reduziert: 1. Sozialindex I: Belastungsindex 2. Sozialindex II: Arbeitsmarktpotenzial und Arbeitslosigkeit nach SGBIII ist gleich Gradmesser der sozialen Gefährdung 3. Statusindex und Segregationsindex.

Eine diesbezügliche Karte wurde gezeigt, die die 12 Berliner Bezirke veranschaulicht. Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass alle Bezirke sehr heterogen zusammengesetzt sind. Fazit: Die Sozialraumanalyse spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Frau Dr. Fuhrmann sprach über die Sozialraumorientierung in der Pflege. Als wichtigster Grundsatz gilt, dass neue Formen der Kooperation durch Arbeiten in Netzwerken, eine Fachlegung mit Raumbezug und ein fachübergreifendes Arbeiten stattfinden. Die Rednerin ging auf die strukturellen Daten für die Pflege ein. So wird z. B. die Prognose für die Pflegebedürftigen in Deutschland 2030 bei 3,3 Millionen liegen. Handlungsorientierte Ansätze haben eine bedarfsgerechte Organisation von Pflege im Sozialraum im Visier. Sie betreffen im Besonderen: den Ausbau der Beratungs-, Koordinierungs- und Vernetzungsstrukturen die Stärkung alternativer Wohn- und Versorgungsformen die Weiterentwicklung der Pflegeeinrichtungen die Stärkung der Infrastruktur zur Unterstützung pflegender Angehöriger ein Pflegeflankierendes bürgerliches Engagement in Berlin den „Berliner Weg" zur Umsetzung der §§ 45 c,d SGB XI die anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangebote die Kontaktstellen Pflegeengagement (KPE) das Pflegeneuausrichtungsgesetz die Grund- und die Leistungsfinanzierung die Visionen, Ziele und deren Umsetzung in der Fläche. Mehr dazu erhält man bei Google unter: Handbuch zur Sozialraumorientierung.


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In der Diskussion kamen folgende Punkte zur Sprache: Vortrag in gedruckter Form vorlegen, Gleichwertigkeit der Lebensbereiche, Verbindung des Atlas mit den Handlungsfeldern, Erläuterung an einem konkreten Beispiel, Daten auf die jetzigen Pflegenden übertragen, Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Mobilitätshilfedienste, Umsetzung der schönen Daten, Streichung von Förderungen, Brennpunkte, Beratungsstrukturen in Berlin, Zwischenlösungen dazu: Filialen, Vorplanung des Senats zum Ausbau und Stärkung der Pflegestützpunkte, wer soll ein „Kümmerer" sein?, Bezirke autark in der Altenhilfe, Pilotprojekte, Familienpflegegesetz, Erweiterung der Datengrundlage, Verbindlichkeit des Sozialstrukturatlas (Empfehlungen), Schließungen von Seniorenfreizeitstätten trotz steigendem Bedarf, Besetzung der Pflegestützpunkte, Erhöhung des Drucks von Seiten der Organisationen. Herr Stawenow betonte in seinem Schlusswort, dass die Handlungsbedarfe aufgezeigt und die Zusammenarbeit gestärkt werden müssten. „Wir brauchen Ihr Engagement und Ihre Fachlichkeit. Wir sollen die Daten nutzen um die Realität zu bedienen." Jean Mangers

„Augenkamera-Workshop" Dieser Workshop fand am 29. April 2014 im Direct Marketing Center der Deutschen Post statt. Er hatte zum Thema „Wie Ihre Werbung zu Blickfang wird". Referenten waren Andy Fester und Anica Harder. Seitens des Sozialwerks Berlin nahmen teil: Gabriele Losse, Mitglied der Redaktionskommission und vornehmlich mit Fotoarbeiten und der Homepage betreut, Jean Mangers, Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit und Leiter der Redaktionskommission sowie Peter Stawenow, Leiter des Kompetenznetzes „Offene Altenarbeit". Nach der Einführung über die Zielgruppen und die Leistungen des Direct Marketing Centers und der Vorstellungsrunde der Teilnehmer ging es zur Sache.

Was die Informations-Überflutung anbelangt, so treffen bei uns 30007000 Werbebotschaften am Tag ein. Gottseidank werden davon „nur" 2% zurückbehalten. Aus der Hirnforschung erfahren wir, dass die rechte Gehirnhälfte Bilder, Farben, Ganzheitliches und Gefühle verarbeitet und die linke Hälfte für Sprache, Texte, Zahlen, Logik und Schlussfolgerungen zuständig ist. Unsere Wahrnehmungen erfolgen zu 78% durch Sehen, zu 19 % durch Hören und zu 3% durch andere Sinne. Die Bilder spielen somit eine überragende Rolle, sie sollen daher gut erkennbar und unmissverständlich sein. Die Blickverläufe des Betrachtens werden mit einer so genannten „Augenkamera" aufgenommen und geben Hinweise darüber, wie ein Kunde sich mit seinen Augen Werbemittel ansieht.


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Wir haben zu diesem Zweck unsere Flugblätter und zwei Einlegeblätter zur Verfügung gestellt. Sie wurden mit der Augenkamera betrachtet, und uns wurde ein Stick ausgehändigt, auf dem man erkennen kann, wohin der Blick sich vorwiegend richtet und wie lange er an einem bestimmten Objekt verweilt. Dabei kam heraus, dass der Blick zuerst auf die Bilder, danach auf die fettgedruckten Wörter fällt und dort auch etwas länger Halt macht.

große Bilder vor kleineren

Den Illustrationen und Bildern kommt somit eine größere Aufmerksamkeit zu. Bei deren Gestaltungen sollen folgende Hinweise beachtet werden:

Detail aus einem Portrait vor dem ganzen Portrait

grelle oder dunkle Farben vor mittleren Menschen vor Produkten Kinder vor Erwachsenen viele Menschen vor wenigen Aktion vor Ruhe Portraits vor Ganzkörperaufnahmen

„ Bilder sind wie Blitze im Gehirn." Jean Mangers

Frühlingsfest auf dem Rüdesheimer Platz am 3. und 4. Mai 2014 Auf Anregung von Frau Karin Schrader nahm das Sozialwerk Berlin e. V. mit einem Stand auf diesem Mai-Fest teil. Der Teilnehmerkreis der Standbetreiber war 2014 kleiner als sonst.

Unser Stand war im oberen Teil hinter der Monumental-Skulptur platziert und hatte somit bis 14:00 Uhr eine sonnige Seite an diesem überaus kühlen Wochenende mit Höchsttemperaturen zwischen 10 und 12 Grad! Ein überaus interessiertes Publikum besuchte uns, und zwar gerade der Personenkreis, der gut zu unserem Konzept passt. Mit unserem Flyer sowie den vielen Einlegeblättern der verschiedenen Interessenkreise machten wir einen guten Eindruck. Die give-a-ways in Form


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eines Erdnussradiergummis und eines Bleistifts - neben den Süßigkeiten erfreuten die Besucher. Ein Dank an die Standbesetzung: Hella Akiki, Monika Borchert, Katharina Brauner, Eveline Harder, Sabine Koralewski, Helga List sowie Jürgen Schambach, der für den Standauf- und Abbau sorgte und an beiden Tagen präsent war. Eveline Harder

„Wohnen für Hilfe": Wohnpartnerschaften zwischen älteren Menschen und Studierenden auch in Berlin? Mit dem Titel „Raum zum Leben - Zeit zum Helfen" luden am 6. Mai 2014 Annina Jürgensen und Florian Schank zu einer Informationsveranstaltung im Sozialwerk Berlin ein. Die beiden Studierenden der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin stellten die Idee von Wohnpartnerschaften zwischen älteren Menschen und Studierenden anhand von Hintergrundinformationen und Wohnbeispielen aus anderen Städten vor und diskutierten darüber mit den Besucherinnen und Besuchern des Sozialwerks Berlin. Anlass der Informationsveranstaltung war eine Forschungsfrage, welche die Studierenden im Rahmen ihres Studienschwerpunktes entwickelt haben: Wie groß ist die Bereitschaft von älteren Menschen und Studierenden in Berlin für ein gemeinsames Zusammenleben?

Vor gut einem halben Jahr begannen Annina Jürgensen und Florian Schank sich mit ihrer Forschungsfrage auseinanderzusetzen. Ursache dafür war, dass sie von der Projektidee „Wohnen für Hilfe" erfahren haben. Diese Idee des Zusammenlebens wird bislang in 25 Universitätsstädten in Deutschland angeboten, nicht aber in Berlin. Vor diesem Hintergrund entwickelten die beiden Studierenden ihre Frage nach der Bereitschaft von älteren Menschen und Studierenden in Berlin für ein gemeinsames Zusammenleben. „Eine Wohnpartnerschaft im Sinne von Wohnen für Hilfe bedeutet einerseits kostengünstiges Wohnen für Studierende und andererseits vertraglich vereinbarte, individuelle Hilfen für ältere Menschen", so Florian Schank. Die


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Studierenden zahlen also ihre Miete, indem sie ihrem älteren Vermieter Hilfe leisten und in materieller Form nur ihre anteiligen Nebenkosten zahlen. Dabei gilt als Orientierung: Für einen Quadratmeter Wohnfläche, welchen der junge Mensch bewohnt, leistet er eine Stunde Hilfe im Monat. Im Anschluss an die Hintergrundinformationen zur Idee von „Wohnen für Hilfe" zeigten die Studierenden einen Film mit einem Wohnbeispiel aus Hannover. Es entstand daraufhin eine Diskussion über das Für und Wider dieser besonderen Wohnform. Die Besucherinnen und Besucher der Informationsveranstaltung füllten einen Fragebogen aus und halfen damit den Studierenden Annina Jürgensen und Florian Schank die oben erwähnte Studienfrage zu beantworten. Abgerundet wurde der Nachmittag durch ein gemütliches Beisammensein mit Kaffee und Kuchen, wo es noch genügend Raum und Zeit gab über das gemeinsame Zusammenleben von Jung und Alt zu diskutieren. „Ohne den sozialen Aspekt kann die Idee nicht funktionieren - nämlich sich begegnen und Hilfe leisten", erwähnte Florian Schank während der Infoveranstaltung. Annina Jürgensen

Europaseminar 2014 für Multiplikatoren der offenen Altenarbeit Dieses Seminar fand vom Montag, dem 12. bis Mittwoch, dem 14. Mai 2014 im Käte-Tresenreuter-Haus statt zum Thema:

„Eine Stadt für jedes Lebensalter" und 13 ausländische Gäste aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowenien und Tschechien haben u. a. daran teilgenommen. Zur Eröffnung war Stadtrat Carsten Engelmann, stellv. Bezirksbürgermeister und Stadtrat für Gesundheit und Soziales im Bezirk Charlottenburg/Wilmersdorf als Ehrengast erschienen.

V.l.n.r.: Prof. Dr. Herbert Striebeck, Carsten Engelmann, Margit Hankewitz, Peter Stawenow


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Nach der Begrüßung durch unsere Vorsitzende Margit Hankewitz, dem Spruch des Tages, der da lautete: „Die Menschen, nicht die Häuser, machen die Stadt", und der Vorstellungsrunde der Teilnehmer trug Herr Stadtrat Engelmann sein Grußwort vor. Er führte u. a. aus, dass „das Käte-Tresenreuter-Haus ein Ort ist, an dem mit viel Engagement für die Selbstbestimmung älterer Menschen und deren aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben gekämpft wurde und wird." Er umriss die Ansprüche an eine Stadt für jedes Lebensalter und betonte, dass wir „keine Lösungen für ein bestimmtes Alter" brauchen, „sondern Lösungen, die übergreifend funktionieren". „Es sind Aufgaben, die ganzheitlich betrachtet werden müssen". Der Redner zählte im Detail eine Reihe von Bereichen auf, die noch verbesserungswürdig sind, und schloss mit den Worten: „Eine lebenswerte Stadt entsteht gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Bezirken und durch Initiativen wie z.B. das heutige Europaseminar, denn wir sind alle Experten des Lebens und unseres Kiezes". Anschließend führte der Leiter des Kompetenzzentrums „Offene Altenarbeit", Peter Stawenow, als Moderator ins Seminarthema ein. Er bediente sich dabei und in der weiteren Abfolge eines Frage- und Antwort-Spiels, ließ die Teilnehmer für deren Einführungsreferate in die einzelnen Sachthemen zu Wort kommen, bat die Zuhörer um ihre Kommentare zu dem Vorgetragenen und fasste die Ausführungen der Beteiligten jeweils gekonnt zusammen. Die Sachthemen lauteten: „Qualitäten und Schwächen einer Stadt“, „Stadtentwicklungsplanung/Lebensräume“, „Wohnen und Wohnumfeld in der Stadt“, „Arbeit und Erholung in der Stadt“, „Sport und Kultur in der Stadt“, „Was hindert Menschen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen?“, „Gesundheit in der Stadt“, „Mobil in der Stadt“, „Versorgung in der Stadt“, „Bildung in der Stadt“, „Begegnungen in der Stadt“.

Dr. Hans-Ulrich Litzner und Publikum

Grundsatzreferate und -beiträge erfolgten durch Dr. Hans-Ulrich Litzner, Prof. Irena Levicnik, Béla János Bács, Dr. Aina Balasko, Dr. Maria Pawinska, Dr. Milena Slon, Eveline Harder, Prof. Dr. Marek Slon, Prof. Dr. Jan Solich (Grußwort). Zu allen Seminarteilen fanden Aussprachen und Diskussionen statt.


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Frau Dr. Aina Balasko aus Lettland

Neu war dieses Jahr ein Tag, der fast ganz den Kontakten mit „der Stadt" gewidmet war. Wir unternahmen eine Stadtrundfahrt, eine Spreefahrt, eine Fahrt nach Lichtenberg, wo im Altenpflegezentrum „Erfülltes Leben" mittags gegessen wurde, einen Kiezspaziergang, besuchten den Verein „Miteinander Wohnen"

- seinerzeit gegründet von Frau Käte Tresenreuter und Frau Gudrun Hirche, die uns sehr herzlich empfing -, und trafen uns zu einer Stadterkundung von Friedrichshain /Kreuzberg mit Herrn Dr. Ingelkamp, Leiter des Selbsthilfetreffpunkts Kreuzberg.

Der letzte Tag beinhaltete den Einstiegsfilm „Ständig unter Strom" (Eine Krankenschwester organisiert die Betreuung zuhause von einer Sozialstation aus und veranschaulicht die hektisch durchzuführenden Hausbesuche auf drastische Art und Weise.) Die übrige Zeit war wieder


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Vorträgen und Diskussionen gewidmet, die mit der Auswertung des Seminars ihren Abschluss fanden. Zum Abschiedsabend hatten sich Herr Staatssekretär für Gesundheit und Soziales, Dirk Gerstle, Herr Dr. Zobel vom Paritäter und Frau Dorota Bialczak, die früher oft an unseren Seminaren teilgenommen hat und jetzt bei der polnischen Botschaft in Berlin arbeitet, eingefunden. In ihrem Schlusswort meinte Margit Hankewitz, dass wir wieder drei sehr schöne und erfolgreiche Tage miteinander verbracht haben. Wir haben das Thema: „Eine Stadt für jedes Lebensalter" sowohl theoretisch als auch praktisch - besonders bei der Stadtrundfahrt - beleuchtet. Sie stellte den Staatssekretär Gerstle als einen Menschen vor, der die Belange der Senioren nicht nur am Schreibtisch, sondern vor allem vor Ort bei den älteren Menschen wahrnimmt. Die Rednerin schloss ihr Schlusswort mit der Vorstellung der ausländischen Seminarteilnehmer. In seiner Ansprache verriet Herr Staatssekretär Dirk Gerstle, dass er in Berlin ein zweites Zuhause gefunden habe, und er erinnerte an seine erste Begegnung mit dem Sozialwerk Berlin, wo er auf Anhieb dessen spezielle Atmosphäre und die strahlenden Gesichter der Mitarbeiter und Besucher auf sich einwirken ließ. „Hier kann man viel mitnehmen. Hier gibt es gute Gedanken, Ansätze und Ideen, alles Dinge, die auch in die Politik hineingetragen werden, wie das Beispiel der Pflegestützpunkte zeigt". Da von hier die Gedanken nach Berlin und über die Grenzen hinaus ins europäische Ausland getragen wurden und werden, wurde zum Schluss Margit Hankewitz als Werbeträgerin in Berlin und Europa von Staatssekretär Gerstle mit eine Stecker ausgezeichnet.

Herr Dirk Gerstle zeichnet Margit Hankewitz mit einem Stecker aus.

Frau Christa Fischer überreichte Margit Hankewitz im Namen der Seminarteilnehmer einen wunderschönen Blumenstrauß.

Nach diesem offiziellen Teil ließen die Teilnehmer das Europa-Seminar 2014 mit einem reichhaltigen, von unseren Küchenfeen zubereiteten Büffet und einem lustigen, von Mitarbeitern und Chormitgliedern dargebotenen Programm ausklingen. Jean Mangers


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Empfang für die neuen Mitglieder im Sozialwerk Berlin Am 24. Mai 2014 baten wir die Mitglieder, die in den letzten Monaten dem Sozialwerk Berlin beigetreten sind, nach dem Konzert der „Sopranitas" zu einem Empfang ins „Schlösschen-Café".

Margit Hankewitz, unsere Vorsitzende, begrüßte die Teilnehmer und hieß sie in unserem Verein herzlich willkommen. Vom Vorstand waren des Weiteren erschienen Prof. Dr. Herbert Striebeck, stellv. Vorsitzender, und das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses Joachim Krüger erschienen, die sich vorstellten und kurz aus ihren Verantwortungsbereichen berichteten. . Margit Hankewitz wies darauf hin, dass das Sozialwerk Berlin über tolle ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügt, appellierte an die Neulinge sich u. U. eventuell auch als Mitarbeiter einzubringen, und berichtete über die Aktivitäten der einzelnen Interessenkreise, die sie den neuen Mitgliedern wärmstens empfahl. Peter Stawenow, Leiter des Kompetenzzentrums „Offene Altenarbeit" beim Sozialwerk Berlin, erläuterte kurz Zweck und Ziel dieses Zentrums und des Sozialwerks Berlin. Der Empfang klang bei gemütlichem Zusammensein und angeregten Gesprächen harmonisch aus. Jean Mangers

Chorauftritte: a) Im Wilhelmsstift Unser Schlösschen-Chor, unter der Leitung von Barbara Pudig, besuchte am 29. April die Senioreneinrichtung des Wilhelmsstifts und bereitete den dortigen Bewohnern einen fröhlichen und erholsamen Nachmittag. Die volkstümlichen Lieder, die wir zum Besten gaben wurden von vielen Zuhörerinnen begeistert mit-gesungen. Sie kannten die Texte streckenweise besser als wir. Auch bei den vorgetragenen Gedichten sprachen einige Teilnehmerinnen den Text laut mit. Unsere Therapiebegleithündin Bella war auch wieder mit von der Partie und heimste so manche Streicheleinheit ein. Die Schlösschen-Chor-Sänger freuen sich immer wieder, wenn sie in Alten- und Pflegeeinrichtungen auftreten und gute Stimmung verbreiten können.


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b) Im

Seniorenheim Hohensteiner Straße der Wilmersdorfer Seniorenstiftung

Am Dienstag, dem 3. Juni hatte sich der Schlösschen-Chor unter Leitung von Barbara Pudig zu einem Frühlingskonzert in dieser Senioreneinrichtung eingefunden mit der Vorgabe den Bewohnern mit Musik, viel Fröhlichkeit und Streichelhund Bella eine Freude zu bereiten, gemeinsam mit dem Publikum bekannte Lieder zu singen, der Jahreszeit entsprechende Gedichte vorzutragen und mit den Menschen zu plaudern. Das Konzert begann um 16.00 Uhr und dauerte etwa eine Stunde. Die Moderation oblag der Vorsitzenden des Sozialwerks Berlin Margit Hankewitz. Die Begleitung am Flügel bestritt unser stellv. Vorsitzender Prof. Dr. Herbert Striebeck, der im Vorfeld schon eine Reihe von Klavierstücken zum Besten gegeben hatte. Unsere Darbietungen kamen bei den Bewohnern sehr gut an, sie sangen eifrig mit und baten uns zum Schluss so schnell wie möglich wiederzukommen. Jean Mangers

Podiumsdiskussion „Leben und Wohnen im Alter" von der Sidonie-Scharfe-Stiftung Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Sidonie-Scharfe-Stiftung fand im Rathaus Zehlendorf am 12. Juni 2014 die o. a. Diskussion statt. Zunächst stellte Frau Professor Dr. U. Müller-Hofstede die Stiftung vor. Sidonie Scharfe, unverheiratet und ohne Kinder, wollte ihr Erbe nicht nur den drei Neffen zufallen lassen, sondern verfügte, dass ein Teil des Erbes mit ihrem Namen versehen als Stiftung und für einen guten Zweck verbunden, weiterleben sollte. Sie verfügte wörtlich „Es sollen in dieses Stift Lehrerwitwen, Beamtenwitwen und alte Mädchen aus besseren Ständen von 60 Jahren an dort ihre letzten Tage verbringen. Dieselben erhalten Stube, Kammer zum Schlafen und Küche und zahlen 500 bis 1000 Mark ein." Am 21.07.1909 starb Sidonie Scharfe und die Umsetzung war mit allerlei Schwierigkeiten verbunden, so dass erst am 7.4.1911 die Angelegenheit durch die Unterstützung des Bezirks Zehlendorf in Angriff genommen werden konnte. Der Zehlendorfer Bürgermeister, Herr Dr. Hugo Köster, war auf Lebenszeit gewählter Vorsitzender der Sidonie-Scharfe-Stiftung. Die Gründung erfolgte dann 1913/14. Von Beginn an bis heute sind die Plätze in der Sidonie-ScharfeStiftung sehr begehrt. Die vollständige Belegung aller Wohnungen von Beginn an und die große Zahl der Bewerberinnen sind mit Sicherheit ein Indikator dafür, dass das Konzept einem tatsächlichen Bedürfnis entsprach und bis heute entspricht. Soviel zur Historie. Auf dem Podium saßen Herr Professor Dr. Wolfgang Schuster von der BTU Cottbus, Herr Dr. Henning Scherf, früherer 1. Bürgermeister in Bremen, Frau Margit Hankewitz, Vorsitzende des Sozialwerk Berlin e. V., Herr Ingo Hoppe


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vom RBB, Moderation, Herr Dr. Claus Wedemeier, Bundesvorstand GdW und Frau Professor Dr. U. Müller-Hofstede. Herr Dr. Scherf, Autor des Buches „Grau ist bunt", begann sein Statement mit der Aussage, dass er (Jahrgang 1938) seit 27 Jahren mit seiner Frau in Bremen in einem Mehrgenerationenhaus lebt. 1987 waren er und seine Mitbewohner noch nicht im Rentenalter. Im Anfang hatten sie sieben Autos, heute eins, das gemeinsam genutzt wird. Jeden Sonnabend wird zusammen gefrühstückt, jeweils ein Bewohner richtet das aus. Seit sie Rentner sind, essen sie teilweise auch mittags gemeinsam, was ebenfalls ein Mitbewohner ausrichtet. Bremen verfügt inzwischen über 350 Alten-Wohngemeinschaften. Das Alter als große Chance erleben, Kritisches anzusprechen und attraktiv für die Enkelkinder sein, das findet er noch immer spannend dabei. Inzwischen hat er Kenntnis von 30.000 Projekten, und täglich gehen 150 Anfragen bei ihm ein. (Nur nebenbei: Die Caritas und die Diakonie verfügen über 400.000 hauptamtliche Mitarbeiter.) Wohngemeinschaften bieten mehr Hilfe und Unterstützung an. Dieses Konzept Mehrgenerationenhäuser und Wohnungsgemeinschaften könnten eine Antwort auf den Pflegenotstand sein. Herr Professor Schuster brachte eine Power-Point-Präsentation und erläuterte den Wohnungsbedarf alternder Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen in den Wohnbereichen. In Berlin werden jährlich bald 4.800 ältere alleinstehende Personen ihre sehr großen Wohnungen aufgeben müssen, in denen sie seit mehr als 40 Jahren gelebt haben, weil die Ausstattung nicht mehr ihren Ansprüchen entspricht. Kleine altersgerechte Wohnungen (barrierefrei) sind erforderlich. Herr Dr. Wedemeier vertritt in seinem Verband die Wohnungsgesellschaften bundesweit. Die Planungen bei Neubauten gehen dahin, dass auf Reduzierung der Schwellen, Erweiterung der Türen (Rollstühle) und auf weitgehende Barrierefreiheit Wert gelegt wird. Diese Punkte sind alle noch freiwillig zu leisten. Frau Hankewitz stellte das Sozialwerk Berlin e. V. und dessen Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum mit dem Slogan „Ältere Menschen helfen älteren Menschen" vor. Der Verein wurde vor über 40 Jahren von ihren Eltern, Käte und Harry Tresenreuter, gegründet. 86 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich für das von Beginn an barrierefreie Zentrum, das ein Kleinod in der Humboldtstraße 12 in Berlin-Grunewald darstellt. „Hier betätigen sich ältere Menschen in den verschiedensten Interessenkreisen und beweisen sich als Experten in eigener Sache. Solche Begegnungsmöglichkeiten unterstützen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Durch Hausbesuche oder Auftritte des Schlösschen-Chors in Pflegeeinrichtungen bringen wir auch das Leben zu den Menschen.“ Herr Hoppe, Moderator, stellte dann zwei Fragen: „Was wünschen wir uns? Wie regeln wir das künftig finanziell?“


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Emotionale Kontakte müssen von den Älteren selbst gepflegt werden, damit wir weiter neugierig und interessiert bleiben. Im Alter empfängt man nicht mehr, man gibt! Der alte Mensch sollte seine verbleibenden Talente mobilisieren und in die Gesellschaft einbringen. Gemischte Altersgruppen zusammenbringen, jeder lernt von jedem. Bei der Altersarmut Gerechtigkeit einfordern, ungerechte Verteilungsergebnisse aufzeigen. Die Lebenserfahrung der Alten nutzen und der Kommunalpolitik nahebringen. Mehr Selbstbewusstsein zeigen und körperliche Aktivitäten nicht scheuen, um aktiv und munter dabei zu sein. Alles in allem ein interessantes Thema, von vielen Seiten beleuchtet, und wieder einmal das Ergebnis: Mitmachen, Mitdenken und aktiv sein! Eveline Harder

„Damals war`s….“

Bestimmt haben die meisten von Ihnen schon unsere neue, von unserem Herrn Wolfgang Rohrlack kunstvoll gefertigte Ausstellungs-Vitrine im 1. OG unseres Hauses (an der Treppe) entdeckt. Hier werden Verpackungsmaterialien aus dem Bereich Bad und Küche, auch dazu passendes Geschirr und Kochbücher aus den 20er bis 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezeigt, mit denen wir Ihnen ein wenig Freude bereiten wollen und an die Sie sich ganz bestimmt alle erinnern. Hinter alledem steckt die Intention, Sie in Ihrer Erinnerung in vergangene Zeiten reisen zu lassen, die es in ihrer Fülle von guten und weniger guten Lebensphasen durchaus wert sind, wachgerufen zu werden. Vielleicht werden Ihnen diese Erinnerungen sogar ein kleines Schmunzeln auf Ihr Gesicht zaubern – schon dann hätten wir unser Ziel erreicht! Sicher fällt auch dem einen oder anderen eine kleine Geschichte, eine schon vergessene Begebenheit oder ein besonderes Ereignis zu einem oder mehreren dieser Exponate ein. Scheuen Sie sich bitte nicht, uns diese Ihre Erinnerungen – möglichst


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schriftlich - mitzuteilen (an die Redaktion der „Schlösschen-Post“). Wir würden uns sehr darüber freuen und werden dies, Ihre Erlaubnis vorausgesetzt, in der nächsten Ausgabe veröffentlichen. Selbstverständlich wird es in bestimmten Abständen immer wieder neue Ausstellungen mit anderen Themen geben. Im Anschluss an diese Exposition wollen wir alte Küchen- bzw. Haushaltsgeräte in Szene setzen. Es wäre einfach fantastisch, wenn S i e noch ein solches „Gerät“, wie z. B. eine alte Milchkanne, altes Besteck, einen alten Bartschneider o. ä., zu Hause fänden und es uns leihweise zur Verfügung stellen würden. Es kann an der Rezeption oder bei Herrn Schambach mit dem Vermerk „Ausstellung Vitrine“ und Ihrem Namen abgegeben werden. Wir sind schon sehr gespannt, was uns alles erwartet. Schauen Sie zu Hause nach, schreiben Sie uns, Ihre Mithilfe ist uns sehr wichtig und wird garantiert von allen Interessierten mit großem Lob und Anerkennung bedacht werden. Herzlichst Ihre Christine Bökel-Striebeck

Vergnügliche Veranstaltungen im „Schlösschen" Frühlingskonzert des Berliner Mundharmonika-Orchesters

Das Berliner Mundharmonika-Orchester unternahm am 29. März 2014 im „Schlösschen" unter der Leitung von Barbara Donbavand, einem Mitglied unseres Schlösschen Chores, eine musikalische Reise in den Frühling. In seiner Begrüßungsansprache, die Prof. Dr. Herbert Striebeck, stellv. Vorsitzender des Sozialwerks Berlin, an die Künstler sowie an die zahlreich erschienenen Zuhörer richtete, wies er darauf hin, dass die Mundharmonika ein kleines und, im Vergleich zu allen anderen, kostengünstiges und pflegeleichtes Instrument darstellt. Es wurde 1820 erfunden und fand zuerst wenig Beachtung.


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Ihm hafteten lange Zeit üble Bezeichnungen wie Maultrommel, Brummeisen oder Ohrenquäler an. Es begann seinen Siegeszug von Wien aus und breitete sich in ganz Europa aus. Heute ist es das meistgespielte Musikinstrument überhaupt. Es gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Das kleinste weist nur einige Zentimeter auf und hängt an einer Kette, damit man nicht Gefahr läuft es zu verschlucken. Das Berliner Mundharmonika-Orchester, das diesen Namen seit Herbst 2011 trägt, spielt erfolgreich in manchen Alteneinrichtungen, Blindenheimen, Wohnstiften usw. Es hat 22 aktive Mitglieder, darunter der 89 Jahre junge Schlagzeuger Wolfgang Mathäus. Zur Besetzung gehören neben den eigentlichen Mundharmonikaspielern noch ein weiterer Schlagzeuger, zwei Gitarristen und zwei Akkordeonisten. Herbert Striebeck zitierte abschließend das Motto von Hans Polcher, dem ehemaligen Dirigenten der ersten Stunde: „Ich bin immer bemüht bei meinen Spielerinnen und Spielern nicht unbedingt in erster Linie auf Perfektion zu achten, sondern sie in die Spielgemeinschaft zu integrieren. Sie sollen spüren, was es heißt, mit der eigenen Freude am Musizieren auch anderen Menschen Freude und Fröhlichkeit zu geben, was uns auch immer gelungen ist." Und er fügte hinzu: „Ich bin sicher, dass dieses Ihnen auch heute gelingt." Herr Joachim André, das Faktotum des Orchesters, begrüßte ebenfalls die Anwesenden, stellte Melodien im Schlepptau des guten Wetters in Aussicht und wies auf die ausgeteilten Bücher zum Mitsingen hin. Barbara Donbavand freute sich über die zahlreichen Zuhörer, darunter auch viele Mitglieder des Schlösschen-Chors sowie dessen Leiterin Barbara Pudig. Es traten auch diverse Solospieler und -sänger auf, die bekannte Weisen, wie z. B. „Lara's Theme" aus Dr. Schiwago zum Besten gaben. Das Konzert begann mit einem Berlin-Medley, es folgte der Frühlingspart, beginnend mit „Winter ade" bis hin zu den „Tulpen aus Amsterdam". Zu Beginn des zweiten Teils stellte Barbara Donbavand die einzelnen Musikanten vor, dann ging es weiter im Programm. Einer der Höhepunkte war hier der „Elsässer Bauerntanz", dargeboten von Joachim André, der bedauerte, dass diese Art von Musik so langsam in Vergessenheit gerät. Hervorzuheben ist noch die besondere tänzerische Art der Dirigentin Barbara Donbavand, die bei den miteinbezogenen Zuhörern großen Anklang fand. Herbert Striebeck bedankte sich beim Berliner Mundharmonika-Orchester für deren Besuch im „Schlösschen" und für das wunderschöne Konzert. Zum Abschluss gab es noch die Zugabe „Muss i denn zum Städtele hinaus." Jean Mangers

„Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme.“ Charlie Chaplin (Quelle: Hörzu)


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Auf Entdeckungstour zu/durch die neuen Parkanlagen am Gleisdreieck Samstag, 5. April 2014

13 erwartungsvolle Wanderinnen und Wanderer trafen sich am Platz der Luftbrücke, um sich über den rasanten Wandel am Rande Kreuzbergs zu informieren und die fertigen Arbeiten zu bestaunen.

So z. B. die neue, exklusive Wohnanlage auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Tivoli/Schultheiss-Brauerei, unter Einbeziehung der alten, historischen Produktionsstätten unterhalb des imposanten Nationaldenkmals auf dem Kreuzberg. Errichtet 1821 durch Baumeister Schinkel. Dieses war unser nächstes Ziel, wie auch der anschließende Viktoriapark, angelegt 1888, sogar mit einem Wasserfall. Bedingt durch die Höhe des „Berges" (66 Meter) und der noch etwas spärlichen Belaubung der Parkbäume, hatten alle Teilnehmer eine sehr schöne Sicht auf Kreuzberg, den Gendarmenmarkt und die markanten Gebäude des Potsdamer Platzes. Bei Sonnenuntergang ist diese Anhöhe für die romantische Jugend ein beliebtes Ziel. Über die Monumentenstraße erfolgte der Einstieg in den seit März geöffneten neuen Flaschenhals-Park. Dieser kleine Teil einer in 50 Jahren gewachsenen Bahnwildnis wurde auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände am Gleisdreieck durch einen landesplanerischen Ideenwettbewerb - mit Bürgerbeteiligung umgestaltet. Wie auch die schon 2011 und 2013 eröffneten Ost- und WestParkanlagen mit insgesamt 31 Hektar Fläche. Dass sich wilde Natur mit Relikten aus der Dampflokzeit, Sport - Freizeit und Ruhebereiche, sowie Spielplätze, Rad- und Wanderwege sich gegenseitig ergänzen, davon konnten sich unsere Wanderer selbst überzeugen. Dazu zählt auch der Außenbereich des Technikmuseums mit seinen alten Gleisanlagen, Windmühlen und Schiffsmotoren, den wir auf dem Weg zum ehemaligen Anhalter Kopfbahnhof passierten. Bevor wir die Uferstraße und den Landwehrkanal überquerten, ergeben der moderne Museumsanbau mit dem schwebenden „Rosinenbomber", der in


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luftiger Höhe vorbeiratternden, gelben U-Bahn, dem Schiff- und Autoverkehr unter uns, ein vielseitiges Bild der Verkehrstechnik. Staunende Gesichter auch vor der ungewöhnlichen Architektur des Tempodroms (Zirkuszelt). Dieser inzwischen beliebte Veranstaltungsort, stand während des Baus und der Finanzierung in den politischen Schlagzeilen. Vorbei an den Resten des Bahnhofsportals Anhalter-Bahnhof, strebten die inzwischen hungrigen Wanderer dem Wirtshaus „Stresemann“ zu, um sich wieder zu stärken. Wolf-Dieter Pätzold

„Tango bis Pop" Matinee am 13. April - Berlin und Bayern musikalisch vereint! Gäste, die sich wohlgefühlt haben und herzlich aufgenommen wurden, kommen immer gern wieder. So konnten wir auch den Chor Alt-Lietzow unter der Leitung von Mathis Richter-Reichhelm wieder in unserem Haus erleben.

Diesmal kam er in Begleitung des Akkordeon-Orchesters Waldsassen.


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Dr. Silke Polata übernahm das Orchester 2012 von ihrem Vater, der es fast 25 Jahre geleitet hatte. Ihre Mutter gründete es 1989. Die 20 Ensemble-Mitglieder haben sich ein Repertoire, das von Klassik über Tango und Popmusik bis zur Volksmusik reicht, erarbeitet. Die Dirigentin lebt in Berlin, fährt aber zweimal im Monat zu den Proben in ihre bayerische Heimatstadt Waldsassen. Beide Dirigenten von Chor und Orchester, sind musikalisch vielseitig engagiert. So dirigiert Mathis Richter-Reichhelm das Sinfonieorchester Tempelhof und Dr. Silke Polata spielt in eben diesem Orchester und im Orchester Berliner Musikfreunde Fagott. Ein gemeinsamer Auftritt schwebte beiden schon länger vor und wurde nun in diesem Jahr als Premiere verwirklicht. Für das soziale Projekt „Kinderträume e.V." spielten sie am Vorabend in der Ev. Kirchengemeinde am Lietzensee. Der Erlös kommt ausschließlich „Kinderträume e.V." zu Gute zur Erfüllung von sehnlichsten Wünschen lebensbedrohlich erkrankter Kinder, für die Familienangehörige zeitlich und finanziell nicht aufkommen können. Übrigens führt der Chor Alt-Lietzow jedes Jahr zweimal diese Benefizkonzerte durch. Dazu passte auch der zu Beginn vom Chor gesungene ABBA-Song „I have a dream" - Ich habe einen Traum - als Motto des Programms. Nach „Zauber der Träume" folgte „Leise, leise" aus der Oper „Der Freischütz". Es war das erste Lied überhaupt, das vom Chor eingeübt wurde. Bei „Somewhere over the rainbow" konnte man selbst die Träume und Wünsche fliegen lassen. Das Akkordeon-Orchester stellte sich mit einem „Modern Tango" vor und sofort wurden die Zuhörer vom zündenden Rhythmus mitgerissen. Alle waren begeistert vom vollen und abwechslungsreichen Klang der virtuos musizierenden Orchestermitglieder. Chor und Orchester unternahmen dann gemeinsam Streifzüge durch einige Musicals, wie „Starlight-Express" und „König der Löwen". Bei einem großen „ABBA-Medley" konnte man auf vielen Gesichtern das Lächeln der Erinnerungen sehen und ein leises Mitsummen der allseits bekannten Melodien vernehmen. Als dann zum Abschluss noch die „Berliner Luft" durch den Saal „wehte", gab es kein Halten mehr, alle sangen und klatschten im Takt die beliebte Melodie mit. Mit dem „Böhmischen Traum" verabschiedete sich das Akkordeon-Orchester Waldsassen mit einer volkstümlichen Weise. Es bleibt zu hoffen, dass dieses wunderbare Ensemble wieder einmal hier aufspielen wird. Den Chor Alt-Lietzow können wir im November im „Schlösschen" erneut erleben. Wilfried Neumann

Osterkonzert mit der Musikgruppe „Harmonie" Am 19. April 2014 sorgte die Musikgruppe „Harmonie" mit ihrem bunten Osterprogramm für sehr gute Stimmung, die sofort mit dem Einspieler „Lustig ist das Zigeunerleben" hergestellt war. In ihrer liebevollen Begrüßung wies Margit Hankewitz auf das österliche Dekor hin, das bei den Besuchern des Saales die Herzen sicher höher schlagen ließ.


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Die Musikgruppe Harmonie steht unter der Leitung von Erika Hartmann und trat diesmal in folgender Besetzung auf: zwei Akkordeons, zwei Mundharmonikas, eine Gitarre und ein Keyboard. Das Konzert begann sinnigerweise mit „Wochenend und Sonnenschein", es folgten ein Czardas-Fürstin-Medley mit u. a. „Tanzen möchte ich" sowie die „Florentinischen Nächte" und „Wenn der weiße Flieder…." Nachdem „alle den Rheinländer getanzt" hatten, brachten die Musikanten u. a. die „Berliner Luft", „Veronika, der Lenz ist da" und einen Walzer- und Tango-Medley zu Gehör. Der erste Teil des Konzertes schloss mit „Ein kleiner grüner Kaktus". Nach der Pause standen aktuelle Schlager auf dem Programm, die von Helene Fischer, Udo Jürgens, Vicky Leandros, Andrea Berg und Margot Werner zu Ohrwürmern gemacht wurden. Das Konzert endete mit „Die Liebe ist ein seltsames Spiel". Margit Hankewitz und Prof. Dr. Herbert Striebeck überreichten zum Dank für die herrlichen Darbietungen eine Flasche Sekt an die Herren bzw. Blumen an die Damen. Da jetzt die Reisezeit anbricht, gab es als Zugabe noch „Sommerabend in Rom". Es war alles in allem ein wunderbarer Melodienreigen, der bei dem Publikum sehr gut ankam. Jean Mangers

„Tanz in den Mai" mit KIRY KIRY ist Synonym von heißer Musik und guter Laune. Auch diesmal wurden wir nicht enttäuscht! In ihrer Begrüßung wünschte Margit Hankewitz, unsere Vorsitzende, viel Spaß und meinte, das Tanzen sei keine Pflicht, aber ein jeder könnte so viel und so oft tanzen wie er möchte. KIRY verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass alle Anwesenden Schuhe mit guten Ledersohlen dabei hätten. Als Eröffnung gab es den Wiener Walzer „An der schönen blauen Donau". Dann folgten immer Sequenzen von vier Stücken jeweils mit kleinen Pausen, wohl um KIRY (!) nicht überzustrapazieren. Dieser trug in loser Folge Walzer, Tangos, Sambas, Slows, aber auch Rock `n Roll- Medleys vor. Ein Beitrag war schöner als derselbe, wie Heinz Ehrhardt zu sagen pflegte. Es herrschte eine tolle Stimmung und meistens großes Gedränge auf dem Tanzboden. Auch der Sirtaki - Tanz erregte die Gemüter und Glieder der Tanzwütigen. Zum Abschied empfahl Margit Hankewitz: „Behalten Sie diese gute Stimmung im Herzen". Und zum Abschluss erklangen noch „Sierra Madre" und von Verdi der „Gefangenen-Chor aus Nabucco", wobei die Teilnehmer in Reih und Glied kräftig mitsangen. Wir freuen uns schon auf einen nächsten KIRY-Nachmittag. Jean Mangers


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Tagesfahrt der Herrenrunde nach Meißen Am 9. Mai um 7.00 Uhr machten sich Mitglieder der Herrenrunde, z. T. mit ihren Partnerinnen, mit dem Bus auf den Weg nach Meißen. Ergänzt wurden sie durch eine größere Anzahl von Mitgliedern des Sozialwerks Berlin. Nach 215 km kamen wir gegen 10 Uhr bei der Staatlichen Porzellan - Manufaktur Meissen an. Nach einem Gang durch das Museum, in dem das weltbekannte Meissener Porzellan erlebbar wurde, konnten wir durch eine Besichtigung der Schauwerkstätten die Herstellung des Porzellans in den einzelnen Arbeitsschritten verfolgen. Im Jahre 1710 hat August der Starke die Porzellanmanufaktur in Meißen gegründet, die in den vergangenen Jahrhunderten viele Königs- und Fürstenhäuser vor allem mit Vasen, Figuren und Services belieferte. Die Zarin Katharina II. ließ u. a. ihre beiden Hunde als Porzellanfiguren verewigen. Den Namen hat Meißen vom Bächlein Meisa. Während sich der Ort Meißen vom Beginn an bis heute mit „ß" schreibt, hat die Porzellanmanufaktur ihr eingetragenes Markenzeichen schon immer mit „ss" geschrieben. Die Globalisierung macht auch vor dieser Produktionsstätte nicht Halt, so wird die Porzellanherstellung zunehmend in asiatische Länder ausge-lagert. Die wichtigsten Exportländer für Meissener Porzellan sind z. Zt. Japan und Taiwan. Nach der Wende hat Meißen viele Industriebetriebe verloren. Meißen hat heute 27.000 Einwohner, 1970 waren es noch 45.000 und 1995 war die Einwohnerzahl auf 32.000 gesunken. Die junge Generation verlässt zunehmend die Stadt, ein Viertel der Wohnungen steht leer. Der weitverbreitete Denkmalschutz für viele Gebäude macht Meißen für Investoren nicht attraktiv. Der Verfall der Stadt ist an vielen Stellen sichtbar. Sehenswert sind auf dem Burgberg die Albrechtsburg - übrigens als erstes deutsches Schloss errichtet - sowie der Dom. Der „Meißner Fummel" ist ein aufgeblasenes und sehr zerbrechliches Gebäck und diente der Kontrolle des Dienstpersonals. Die Altstadt von Meißen wurde 2002 und 2013 überflutet und stark beschädigt. Dresden ist nur 25 km entfernt. Herbert Striebeck

Sprüche des Tages aus dem Europaseminar 2014 „Die Menschen, nicht die Häuser, machen die Stadt.“ (Aus England)

„Der Mut wächst immer mit dem Herzen und das Herz mit jeder guten Tat.“ (Unbekannt)

„Man muss die Menschen nehmen wie sie sind, es gibt keine anderen.“ (Konrad Adenauer)


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Reisen, reisen in die weite Ferne mit dem Gesangs-Duo „Sopranitas"

Hinter diesem Namen verbergen sich die charmanten Damen Dita-Katrin Luft und Anita Weltzien, zwei Frauen mit Schwung und Pfiff aus Berlin, die sich am Samstag, dem 24. Mai im „Schlösschen" auf eine musikalische Spritztour begaben. Ihre musikalische Reiseroute führte von Berlin über Hamburg, Paris, Italien bis hin nach dem zurzeit hochaktuellen Brasilien an die Copacabana und wieder zurück nach Berlin. In farbenprächtigen Showkostümen unterhielten sie das Publikum mit spritzigen Melodien und witziger Moderation. Ihr Programm setzte sich zusammen aus Musical-Medleys, Schlagerevergreens, Operettenarien und UFA - Tonfilmliedern. Sie kamen fesch, klassisch, witzig und charmant daher, verbreiteten eine sehr gute Laune und ernteten von dem dankbaren Publikum stürmischen Applaus. Jean Mangers

Pfingstkonzert mit der Combo Legero Band


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Der Auftritt dieser sympathischen Combo, am 7. Juni im Festsaal des „Schlösschens", gestaltete sich unter der Leitung ihres Chefs Norbert Hübner zu einem echten Triumpf und wurde seitens des Publikums mit starkem Applaus immer wieder belohnt. Die Combo Legero Berlin besteht seit acht Jahren. Sie spielt vor allem sehr gern sehr alte Lieder. Sie sind keine Berufsmusiker, haben aber ähnliche Ansprüche. Sie setzte sich heute zusammen aus drei AkkordeonSpielern, darunter zwei Damen, ein Keyboard-Spieler und zeitweilig die kleine Charleen mit einem Schellenring und am Akkordeon. Hin und wieder trat eine Dame als Solistin am Saxophon und ein Herr als Solist am Akkordeon auf. Margit Hankewitz, unsere Vorsitzende, begrüßte die Künstler und die Zuhörer aufs Herzlichste, bedankte sich bei den ehrenamtlichen „Verwöhnern", die sich um das leibliche Wohl der Gäste bemühten, und wies auf die herrliche Dekoration im Saal hin, die diesmal ganz in Rosa gehalten war und dazu angetan war, die Herzen und Seelen anzusprechen. Das Konzert machte sein Intro mit einigen zündenden Foxies. Es folgten weitere 22 Nummern, die hier nicht alle vorgestellt werden können. Höhepunkte waren bestbekannte Weisen, wie „Pigalle“, „Besame mucho“, „Buona Sera“, „Marina“, „Amor – Amor“ usw.. Der Moderator des Konzertes gab zwischendurch Lebensweisheiten und Kalendersprüche zum Besten. Einige Kostproben gefällig? Dieter Hildebrandt sagte: „Alt werden ist zwar im Prinzip erlaubt, wird aber nicht gerne gesehen." Marlene Dietrich meinte: „Die Männer lieben zwar die innere Schönheit der Frauen, gucken aber immer woanders hin." Maurice Chevalier äußerte sich wie folgt: „Es gibt keine älteren Frauen, sondern welche, die etwas länger jung sind." Nach der Pause ging es weiter mit einer Westerneinlage, wozu sich die Musikanten mit Hüten bewehrten und Charleen sich am Waschbrett hervortat. Des Weiteren sind an dieser Stelle hervorzuheben: das „Chianti-Lied“, der „Griechische Wein“, der „Blue Berry Hill“, die „Tulpen aus Amsterdam“, die „Florentinischen Nächte“, „La Paloma“, die „Spanish Eyes“ und schließlich die „Berliner Luft“, alles Stücke, die beim Publikum sehr gut ankamen, dieses zum Mitsingen animierten und sogar mehrere Zuhörer als spontanes „MiniSchlösschen-Ballett" zu lustigen Tanzeinlagen bewegten. Der Moderator bedankte sich bei den Hausverantwortlichen für die freundliche Einladung und die gute Bewirtung sowie für das dankbare Publikum. Margit Hankewitz bedankte sich ihrerseits bei der Combo Legero Berlin für dieses wunderschöne Konzert und stellte in Aussicht, dass sie bestimmt nicht zum letzten Mal bei uns war.


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Es gab noch einen Rekord zu verzeichnen: Die Combo kam so gut an, dass sie mit den Stücken „Die Rose vom Wörthersee", „Rock `n Roll Revival" und „Chattanooga" drei Zugaben ablieferten. Ein wahrlich wunderbarer, anregender und erholsamer Nachmittag! Jean Mangers

„Kuschel-Tier-Konzert" der Carl-Orff-Grundschule Am Freitag, dem13. Juni, kamen ganz besondere Gäste zu uns, und zwar die Kinder der 3. Klasse der Carl-Orff-Grundschule mit ihren Kuscheltieren! Unter der Leitung der Direktorin Ursula Riechers führten sie das „Kuscheltierkonzert“ von Klaus Wüsthoff auf. Die Uraufführung dieses Konzerts fand 1997 in der Berliner Philharmonie mit großem Orchester und Otto Sander als Erzähler statt. Der Komponist hat dann später eine Fassung zum Einstudieren und Mitsingen für Kinder daraus entwickelt. Als Konzept sieht er das Heranführen von Kindern an die Musik und die Singkultur mit einfachen Kindermelodien. Im Jahre 2007 schrieb die Bundesministerin Ursula von der Leyen einen bundesweiten Wettbewerb für Kinderchöre aus. Das Thema: Wer präsentiert das „Kuscheltierkonzert“ am besten? Den 1. Preis gewann die Carl-Orff-Grundschule! Nicht ohne Grund ist ein Schwerpunkt der Schule der musikalische Bereich. Chor, Orchester und Gitarrenensemble geben jährlich zahlreiche Konzerte. Viele Preise wurden schon gewonnen. Die kleinen Sänger betraten voller Freude die Bühne, legten ihre Kuscheltiere neben sich und warteten gespannt auf ihren Einsatz. Dann erklingt die erste fröhliche Melodie des Konzerts: „Mit Kuscheltieren spielen ist das Schönste auf der Welt!“ und die Bewohner im Kinderzimmer eines kleinen Mädchens erwachen. In ihrer Fantasie werden die Kuscheltiere lebendig. Mit kleinen Zwischentexten werden die einzelnen Tiere vorgestellt. Die Charaktere, Vorlieben und Launen werden musikalisch sehr typisch dargestellt. Zum Gesang kommt noch die Bewegung der Kinder beim Singen, so dass die Zuhörer förmlich den Bären mit seinem gemütlichen Brummen tanzen, den listigen Fuchs schleichen und die Pinguine vornehm trippeln sehen. Dazwischen krächzt aufgeregt der Papagei und nach einer wilden Jagd von Affe und Eichhörnchen trägt der Elefant gemächlich alle Tiere auf seinem Rücken. Doch auch Kuscheltiere werden müde und müssen schlafen. So schließt alles mit einem versöhnlichen Lied. Der Beifall ist sehr herzlich und alle sind begeistert von der mit so viel Hingabe und zugleich mit großer Konzentration dargebotenen Vorführung. Ohne Zugabe ließ man die Kinder nicht von der Bühne und so trippelten dann noch einmal die Pinguine „übers Eis“. Als große Überraschung erscheint doch leibhaftig ein großer Pinguin und verteilt kleine runde Kuschelmonster zur Belohnung.


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Der anwesende Komponist Klaus Wüsthoff war sehr berührt von dieser gelungenen Darbietung und sehr angetan von der herzlichen Aufnahme in unserem Haus. Als zum Abschluss zur Erfrischung nach der Anstrengung noch Eis und Getränke für den Chor angekündigt wurden, stürmten alle mit einem freudigen Aufschrei mit ihren Kuscheltieren aus dem Saal. Wilfried Neumann

Erzählcafés:

Erzähl-Café am 30. März 2014 mit Gaby Seyfert „Mein Leben - mehr Pflicht als Kür" Im ausverkauften Schlösschen-Café erwarteten wir mit Spannung Gaby Seyfert. Mit ihrem unvergleichlichen Charme begeisterte sie von Anfang an die Zuhörerschaft. Sie erzählte von ihrer Jugend in Karl-Marx-Stadt (Jahrgang 1948) und wie sie über das Rollschuhfahren als kleines Mädchen in die Kunst des Eiskunstlaufs hineinwuchs. Ihre Mutter, die ebenfalls berühmte Ausbilderin der DDR-Eiskunstläufer, Jutta Müller, managte von Anfang an die Karriere der Tochter in allen Einzelheiten technisch, theoretisch, optisch, modisch, praktisch. In puncto Ausstattung war das kein leichtes Unterfangen. Dadurch, dass KarlMarx-Stadt bis September 1965 über kein eigenes überdachtes Eisstadion verfügte, fuhr Jutta Müller mit ihrer kleinen Eiskunstläufercrew (6-8 Schüler) für das Sommerhalbjahr nach Berlin, wobei sie auch für die Verpflegung, Einkauf, Frühstück, Abendessen, Abwasch und Schulwechsel zuständig war. In den Sommerferien ging es an die Ostsee nach Zinnowitz, und auf Rollschuhen ging das Training dort weiter. In den verschiedenen Ferienheimen zeigten sie ihre Künste mit waghalsigen Schleuderfiguren. Mit diesen kleinen Auftritten


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gewöhnten sich die kleinen Künstler an das Publikum. Die Auftritte ermöglichten ihnen somit kostenlosen Aufenthalt (unentgeltliches Wohnen und Verpflegung) in den Zinnowitzer Baracken. 1960 stand Gaby dann auf dem Treppchen für die beste Nachwuchseiskunstläuferin der DDR. Von Anfang an hatte sie nie Probleme, vor Publikum aufzutreten. Sie genoss die Ehrungen - außerdem spielte das Fernsehen zu dieser Zeit keine so große Rolle. Nach jedem Wettkampf wertete Jutta Müller die Leistung ihrer Gaby aus. Es gab lange kritische Gespräche, aber auch Präsente. Der eigentliche Karrierestart begann Ende Januar 1961 zu den EuropaWeltmeisterschaften in West-Berlin, unter den 24 weltbesten Läuferinnen war sie mit 12 Jahren das Kücken. Sie wohnten im Hilton-Hotel (heute InterContinental), das erste Haus am Platze. Eine Devisenfrage für DDREiskunstläufer. Gaby schaffte es immerhin auf den 18. Platz bei 24 Starterinnen. 1961 gewann sie bei den DDR-Eislaufmeisterschaften den Meistertitel, und das blieb 10 Jahre so. Der Alltag sah so aus: 04:30 Uhr früh Training, Tag für Tag, also eislaufen, hinfallen, frieren. Das muss man schon unbedingt wollen. Es geht nicht ohne Talent, aber auch nicht ohne den Traum vom Erfolg. Während des Kalten Krieges war es für die DDR-Sportler schwer, an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen. Überhaupt kämpfte das Land um Anerkennung und der Boykott in West wie in Ost zu den Olympischen Spielen machte alles schwierig. 1965 kam Gaby Seyferts Durchbruch zur internationalen Spitzenklasse mit den Europameisterschaften der Damen in Moskau. Selbst die BILD-Zeitung lobte ihre Leistung zwar „nur auf Platz 5", aber mehr als hervorragend. März 1965 in Colorado Springs wurde sie drittbeste Kürläuferin der Welt. Das anschließende Sightseeing-Programm durch die Rocky Mountains sowie 24 Stunden New York waren unübertroffen für sie. Ab 1965 fingen aber auch ihre Gewichtsprobleme an. Ein Diätplan wurde aufgestellt und fortan gab es nur noch Reis, Fisch, Wild und Salate - und das in der DDR. Das wurde dann durch den Sportclub und den Rat der Stadt gesondert geregelt. Wie hätte sonst Jutta Müller das Problem auch lösen können. Nachdem im Oktober 1965 die Eissporthalle in Karl-Marx-Stadt eröffnet wurde, konnte Gaby das ganze Jahr dort trainieren, welch ein Gewinn. Dort wagte sie sich dann an den „Dreifachen Rittberger" heran. Gaby war ein absolutes Sprungtalent. Zu den deutschen Meisterschaften gelang es ihr als erste Frau der Welt, in einem Wettbewerb den „Dreifachen Rittberger" zu springen. In Davos wurde Gaby Seyfert 1966 Vize-Weltmeisterin. Das einzige Mal, dass sie auf dem Siegerpodest Tränen vergoss. „Natalie" wurde weltweit Gabys größter Eistanzerfolg. 1967 verliebte sie sich dann in den Eistänzer Eberhard Rüger, und damit fingen die Probleme an. Das führte zu Missstimmungen zwischen Mutter und Tochter. Beide Eisläufer kannten sich all die Jahre, die Schwierigkeiten nahmen ihren Lauf (sie war 19, er 23 Jahre alt). Beide disziplinierte DDR-Leistungssportler, doch Jutta Müller


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als Trainerin sagte ihr: „So eine Beziehung ist nicht gut, Liebe und Eis vertragen sich nicht. Es fehlt die Konzentration“. Es gab viel Streit, nicht nur mit der Mutter, sondern auch mit Eberhard Rüger. Auf der anderen Seite verstand er die Leistungsbereitschaft, die Disziplin und die Problematik des Alltags einer Eisläuferin. Es ging nicht nur um Liebe und Zärtlichkeit. 1968 war Gabys Kür in Vasteräs/Norwegen katastrophal. Nervosität und ein Sturz brachten sie aus dem Gleichgewicht. Sie lief aber eine überaus brillante Kür mit dem „Dreifachen Rittberger“ und landete auf Platz 2 der Europameisterschaften. Es folgten dann im selben Jahr die Olympischen Winterspiele in Grenoble. 65.000 Zuschauer, Staatspräsident Charles de Gaulle saß in der Ehrenloge, zwei deutsche Mannschaften marschierten ein und 31 Läuferinnen würden an den Start gehen. Hier sprach Gaby Seyfert Audrey Hepburn im olympischen Dorf an und erbat ein Autogramm. Peggy Fleming wurde Erste, Gaby Seyfert Zweite. 171 Telegramme gingen an die „silberne Gaby". „Wer ein Wozu im Leben hat, kann fast jedes Wie leben" (F. Nietzsche). Wozu die Stunden in der Kälte, die blauen Flecken, die bleiernde Müdigkeit am Abend jedes langen Trainingstages, wozu dieses lange kräftezehrende Finish zum Weltmeistertitel? Für die Mutter, die Trainerin? Ja sicher. Für mein treues Publikum? Das Publikum wollte Gaby gewinnen sehen, damit es sich selbst als Gewinner fühlen konnte. Unsere Gaby ganz oben auf dem Treppchen, WIR ganz oben auf dem Treppchen. Ja, auch für das Publikum. Oder galt es zu siegen, damit die Staatsflagge hochgezogen, die Hymne gespielt werden konnte? So abstrakt hatte sie es nicht gerne, sie ist ein praktischer Mensch. Es stimmt, der Staat finanzierte die Ausbildung, besorgte bestmögliche Trainingsbedingungen… Ja, für die Menschen, die sie begleiteten und manchen Stein aus dem Weg räumten. Den Höhepunkt der Eiszeit vor Augen, wollte sie sich vor allem eins beweisen: Konsequenz. Sie wollte sich selbst beweisen! In Garmisch-Partenkirchen holte sie sich dann 1969 viermal die Note 6.0. Es war so kalt, dass sie die Kür mit Handschuhen absolvierte. Außergewöhnlich war dieser Erfolg für sie. Ein Empfang bei Josef Strauß offiziell obligatorisch! 1969 dann in Colorado Springs die 49. Damen Weltmeisterschaften und Gaby S. wurde die Eiskönigin auf dem Weltmeisterthron. Nach ihrer Rückkehr gratulierte ihr die halbe DDR. Sie bestand anschließend ihr Abitur nach dem Ende der Saison mit „gut", den Studienplatz zum DiplomSportlehrer hatte sie in der Tasche. Januar 1970 wurde sie zum 10. Mal DDR-Meisterin und fuhr zu den EuropaMeisterschaften nach Leningrad und holte Gold. Es war ein Triumph und ein Schlussstrich unter die Karriere. In einem Abschlussinterview sagte sie: „Ich möchte keine Stunde meiner Laufbahn missen, nicht die sonnigen, auch nicht die mit Enttäuschungen verbundenen. Der Sport hat mir viel gegeben, ich habe gelernt, beharrlich ein einmal gestecktes Ziel zu verfolgen. Und glaube, dass der Leistungssport ganz entschieden dazu beiträgt, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern." Im Juli 1972 heiratete sie Eberhard Rüger.


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Gaby Seyfert führte noch kurz die Zeit nach 1989 an und dann ging es in die Diskussion. Es beteiligten sich einige Teilnehmerinnen aus der Sicht der damaligen Fans, die das gesehen und begeistert die Erfolge in den Jahren mit verfolgt hatten. Gaby Seyfert signierte die mitgebrachten Bücher und großer Applaus und die Begeisterung wollten sie nicht gehen lassen. Danke Gaby Seyfert für diesen schönen Sonntagnachmittag. Eveline Harder

Erzähl-Café am 18. Mai 2014 mit Frau Dr. Helga Frisch „Charlottenburg" Residenzstadt - Großstadt - City West Im Mai war Frau Dr. Frisch zum zweiten Mal im Erzähl-Café mit ihrem neuen Buch „Charlottenburg" zu Gast. Wie begann es nun mit diesem Charlottenburg bzw. Lietzenburg? Sophie Charlotte als Ehefrau des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. hatte dieses reizvolle Gebiet an der Spree bei einer sommerlichen Wasserpartie auf der Spree mit einer Hofdame entdeckt. Es gefiel ihr so gut, dass sie sich entschloss, hier eine kleine Sommerresidenz zu gründen. Sie tauschte dafür ihre bisherige Niederlassung in Caputh ein, weil ihr dieses Haus zu weit entfernt vom Stadtschloss Berlin war. Der Kurfürst schenkte ihr nicht nur das Gelände für Schloss und Schlosspark, sondern auch das benachbarte Dorf Lietzow mit seinen damals 83 Einwohnern. Es war damals schon 500 Jahre alt. Aber durch das Schloss kam dann doch „das kärgliche Dorf unverhofft zu Ansehen". Sophie Charlotte nannte das Schloss Lietzenburg oder Lützenburg. Sophie Charlotte stammte aus dem angesehenen Haus der Welfen. Sie wurde im Oktober 1668 geboren und war die Tochter von Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und seiner Frau Sophie von der Pfalz. Sie erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und wurde in Musik, Gartenkunst und Philosophie ausgebildet. Sie sprach fließend Französisch, Englisch, Italienisch und beherrschte Latein. Der Kronprinz Friedrich von Brandenburg hatte sie schon als 13jährige auf einer Reise in Bad Pyrmont kennengelernt. Weder der Vater, der Große Kurfürst, noch die Eltern von Sophie Charlotte waren Befürworter dieser zweiten Ehe Friedrichs mit Charlotte nach dem Tod seiner ersten Frau. Denn BrandenburgPreußen lag für die Welfen unter ihrem Niveau. Aber die Welfen brauchten die Zustimmung Brandenburgs für die Erlangung der Kurwürde, die sie dann 1692 auch erhielten. Deshalb lag diese Ehe schließlich auch im welfischen Interesse. Sie war bei der Hochzeit 16 Jahre alt und als ihr Sohn Friedrich Wilhelm 1688 geboren wurde, gerade einmal 20 Jahre alt, zwei Kinder waren zuvor schon verstorben. Das Schloss war ihr „irdisches Paradies" und es vermittelte ihr einen Traum vom eigenen unabhängigen Leben. Er setzte sich und seiner Frau die Königskrone selbst 1701 in Königsberg mit kaiserlicher Genehmigung auf.


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Der Schlossbau wurde unter Oberhofbaumeister Johann Arnold Nehring begonnen, weitergeführt vom Bauingenieur Markus Grünberg. Andreas Schlüter war auch an der endgültigen Ausgestaltung des Gebäudes mitbeteiligt. Als das Schloss noch im Bau war, wurde schon der weiträumige Schlosspark 1697 angelegt von Simon Godeau. Charlottenburg war lange Zeit eine Stadt, die es gar nicht gab. Denn als König Friedrich I. sie nach dem frühen Tod seiner Frau Sophie Charlotte 1705 begründete, gab es nach dem Bau des Schlosses nur die gegenüber dem Schloss liegende Schlossstraße mit einigen Häusern und weniger als 100 Einwohnern. Der König lockte dann die Bürger für eine Ansiedlung an, indem er Baugrundstücke und Baumaterial umsonst anbot. Aber der Transport auf der sandigen Straße war schwierig, es fehlte an geeignetem Personal. Es dauerte lange, ehe eine Hauptstraße nach Berlin angelegt und gepflastert wurde. Der kleine Ort wuchs nur langsam. Sie hatte 100 Jahre nach ihrer Gründung ca. 3500 Einwohner und um 1850 erst 9000. Die Stadt war eine königliche Gründung und lebte lange Zeit vom Hof und seinen Aufträgen. Um 1770 wurde sie zum Ausflugsort mit Feriengästen, Ferienhäusern und Ausflugslokalen. Charlottenburg blieb aber immer „königstreu" und konservativ. Die Königinnen Sophie Charlotte und Luise blieben Gegenstand höchster Verehrung. 1893 hatte Charlottenburg 100.000 Einwohner. Die Steuereinnahmen stiegen, Charlottenburg war die am schnellsten wachsende und reichste Stadt Preußens, hatte 1902 schon 200.000 Einwohner und wuchs bis 1923 auf 300.000. Nach diesen spannenden Ausführungen ergab sich eine Diskussion. Abschließend signierte Frau Dr. Frisch ihre Bücher. Noch einmal herzlichen Dank für diesen interessanten Nachmittag und weiterhin viel Erfolg bei der Erstellung des neuen Buches über „Weihnachten - und wie es entstand". Die Auszüge aus dem vorstehenden Text sind dem Buch „Charlottenburg" entnommen. Eveline Harder

Aus dem Kulturkreis: Museumsbesuche Führungen durch die Ausstellungen: „EMIL NOLDES späte LIEBE" im NOLDE - MUSEUM Am 20. März war das Ziel unseres Kulturkreises noch einmal das NOLDEMUSEUM in der Jägerstraße in Berlin-Mitte, kurz vor der endgültigen Schließung und Umfunktionierung dieses herrlichen Hauses. Die Nolde-Stiftung widmete diese letzte aktuelle Ausstellung Emil Noldes zweiter Ehefrau, der Komponisten- und Pianistentochter Jolanthe Erdmann, die


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26-jährig den Maler Emil Nolde, ursprünglich Emil Hansen aus dem Dorfe Nolde bei Tondern, am 22. Februar 1948 in dessen 80. Lebensjahr geheiratet hatte. Emil Nolde gilt als bedeutendster deutscher Expressionist des 20. Jahrhunderts. Mit einer einzigartigen Portraitfolge schuf Emil Nolde seiner zweiten Ehefrau durch dreißig ihr vermachten Kunstwerke, Gemälde, Aquarelle und Druckgraphiken eine lebhafte, liebevolle und farbintensive Hommage und ein ehrendes Andenken „… für eine wandlungsfähige, lebhafte, kunstliebende und starke Frau“. Die Spannbreite der Ausstellung, die wir bewundern konnten, reichte von beeindruckenden Stillleben, Landschaften und Meerbildern über Familiendarstellungen bis hin zu berauschenden, großformatigen Blumenbildern. In diesem Zusammenhang dachte man auch unweigerlich an seine erste Frau Ada Vistrup, die dänische Schauspielerin, die Emil Nolde am 25. Februar 1902 heiratete. Sie hatte mit ihm das Atelierhaus und die Stiftung in Seebüll an der Nordseeküste gegründet und war mit ihm 44 Jahre durch alle persönlichen Höhen und Tiefen seines beruflichen Erfolgs gegangen. Welche Spannkraft lag zwischen beiden Frauen, die sich auch in den Bildern des Malers ausdrücken sollte? - Der Besucher der Ausstellung sollte die beeindruckende Persönlichkeit von Jolanthe Nolde durch romantische Aquarellbilder von ihr kennenlernen. Jolanthe, die durch die Musik des Vaters und dessen Leidenschaft für Bücher geprägt war, studierte nach ihrem Abitur 1940 zunächst Medizin in Freiburg. Ihre Eltern pflegten zahlreiche Kontakte zu Künstlern, wie Erich Heckel, Hans Holtdorf u.a.. Nach ihrem Hilfsdienst im Lazarett in Flensburg begann sie nach Kriegsende mit einem Studium der Germanistik in Kiel. Im Sommer 1947 anlässlich eines Klavierkonzerts des Vaters begegneten sich Emil Nolde und Jolanthe und tauschten seitdem anregenden Briefwechsel bis zu ihrer Hochzeit 1948 aus. Sie wurde seine vertraute Gefährtin und half ihm aus mancher sensiblen Malblockade. Bis zu ihrem Tod, am 13. Juni 2010, war sie Initiatorin und Förderin seiner Bilder, die durch Farbenfreude und speziellen Farbenrausch immer besonders auffallen. Renate Hensler-Tresenreuter

WEIWEI „ EVIDENCE " Besuch der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau durch unsere Kulturgruppe, zusammen mit unserer Leiterin Frau Grün am 24. April 2014. Der chinesische Künstler Ai Weiwei zeigt in seiner Ausstellung „Evidence" Werke und Installationen. Er versucht in seiner künstlerischen Tätigkeit die auch heute noch politischen Missstände in seinem Heimatland zu verbinden und zum Ausdruck zu bringen.


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Ai Weiwei, wurde 1957 in China geboren als Sohn eines berühmten Lyrikers und auch Gegners von Mao, der eine sechsjährige Gefängnisstrafe verbüßen musste. Ende der siebziger Jahre studierte Ai Weiwei an der Filmakademie in Peking auch Bildende Kunst und Architektur und schloss sich einer Künstlergruppe an. Von 1981 - 1993 lebte er in USA, die meiste Zeit in New York, zusammen mit Künstlern. Als sein Vater schwer erkrankte, kehrte er nach China zurück, blieb seitdem in China tätig in einem einfachen schönen Studio am dörflichen Stadtrand von Peking. Er wurde vor seinem Tor ständig mit vier Überwachungskameras, an die er rote Laternen anbrachte, beobachtet. Der Künstler bildete diese dann später in Marmor nach - dieser Marmor aus einem Steinbruch bei Peking wurde schon in damaliger Zeit für die „Verbotene Stadt" und das „Mao-Mausoleum" verarbeitet. Ein weiteres künstlerisches Marmorwerk von Ai Weiwei sind die „Diaoyum Islands" von 2013. Diese Inseln sind auch heute noch politisches Zank-Objekt zwischen China und Japan. Eine Dame aus dem Kulturleben führte uns durch die Ausstellungsräume. Gleich in der Foyer-Rotunde hängen 150 Fahrräder von der Decke herunter, alle miteinander verbunden, gleiche Marke, keine Reifen, nicht für den Gebrauch geeignet. Dieses Werk stellt ein Mahnmal für einen Chinesen dar, der sich ein Rad ausgeliehen hatte. Er wurde festgenommen, ihm wurden sechs Morde zur Last gelegt und er wurde zum Tode verurteilt. Eine zweite große Installation steht im Lichthof: Fast 6000 Hocker - sie wurden in 14 Containern auf Schiffen nach Deutschland transportiert. Beim Aufbau haben fünf Mitarbeiter geholfen, Ai Weiwei war aus der Ferne eng beteiligt. Die Hocker haben unterschiedliche Farben und Höhen, nicht verleimt, alle aus Holz, einige stammen teilweise schon aus dem 15. Jahrhundert, sie wurden weitervererbt. Als Überbleibsel vom Lande wurden sie für diese Ausstellung aus ganz China zusammengetragen, als herrenlose Hinterlassenschaft im Zuge der Landflucht in die Städte. Im April 2011 wurde Ai Weiwei in Peking von Militärposten aufgegriffen und in die Zelle eines Gefängnisses wegen angeblichen Devisenhandels und Steuerhinterziehung gebracht. Er wurde circa fünfzigmal verhört. In der Zelle befanden sich zwei Überwachungskameras, außerdem zwei Bewacher dicht bei ihm, 24 Stunden helles Licht, Hände auf dem Bett. Polizisten waren in ständiger Bereitschaft. Handschellen, mit denen er tagsüber an einen Stuhl gefesselt war, bildete er später aus Jade nach. Wände, Waschbecken, Toilette waren mit Folie umwickelt, um sich nicht verletzen zu können. Diese Zelle hat er hier in seiner Ausstellung nachgebaut im Maßstab 1:1.


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Ai Weiwei wurde nach 81 Tagen Haft freigekauft von namentlich bekannten Geldgebern. Die Summe betrug 1,7 Millionen Euro, und die Gelder liegen immer noch eingefroren beim Staat. Aus den Schuldscheinen dieser Steuergelder - nicht die Originale - fertigte er kleine Kunstwerke an, jedes individuell. Sie sind in einem Raum an die Wände geklebt. In einem weiteren Raum zeigt uns die Ausstellung beschlagnahmte Computer, Handys, elektrische Geräte, Büromaterial aus dem Büro seiner Frau. Jetzt betreten wir einen Raum mit einem Bauwerk. Es nennt sich: „Souvenir from Shanghai von 2012". Ein Haus, bestehend aus Resten eines alten Hochzeitsbetts und Ziegelsteinen, wurde zu dieser Ausstellung aufgebaut, und zwar sind es Überreste eines Ateliers von Ai Weiwei. Im Jahre 2008 wurde ihm in Shanghai durch den Staat ein großes Studio zugesagt. 2010, nur einen Tag nach der Fertigstellung, ließ die Regierung es wieder abreißen, weil der Künstler es gewagt hatte, die Regierung zu kritisieren. Nun der Raum der Schalentier-Installation. Es ist die Flusskrabbe mit der Bedeutung Harmonie, im Jahre 2005 wurde sie in China zum Staatstier ernannt.Auf dem Boden liegen etwa 3500 Flusskrabben aus Porzellan, ein bevorzugtes Arbeitsmaterial des Künstlers, farblich unterschiedlich und handgefertigt, pro Krabbe etwa 20 bis 30 Arbeitsschritte. Politische Ereignisse in Kunst umzusetzen, war immer wieder Ai Weiweis Anliegen. Nach einem schweren Erdbeben von Stärke 8 in der Provinz Sichuan im Jahre 2008 waren 80.000 Tote zu beklagen, darunter 5.000 Schulkinder. Beim Bau der Schulen wurde minderwertiges Material verwendet, so dass diese Gebäude schnell zusammenfielen, gleich danach wurden sie abgerissen. Der Künstler sammelte aus den Trümmern Armierungseisen und formte mit diesen Bettgestelle. Als Mahnmal für die verstorbenen Schüler schuf er auch einzelne Arbeiten aus Marmor, diese wirken wie Schlangen, eine ästhetische Darbietung. Jetzt befinden wir uns in einem Raum mit Vasen. Es waren ursprünglich sehr alte Ton-Vasen, ca. 200 v. Chr. bis 200 n. Chr.. Sie wurden vom Künstler in Autolack getaucht. Es sind Farben von derzeitigen deutschen Luxusautos in Peking. Das Neue soll das Alte überdecken. In unserem letzten Raum bewundern wir 12 Statuen der chinesischen Tierkreiszeichen. 2011 wurden diese Bronzefiguren von Ai Weiwei vergoldet. Schon im 18. Jahrhundert wurden sie im kaiserlichen Garten von Yuan Ming Yuan aufgestellt, 1860 von Europäern teilweise geplündert und kürzlich dem chinesischen Volk zurückgegeben. Jetzt haben wir uns von dem großen chinesischen Land einen kleinen Einblick verschafft - aus Sicht des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der gesagt hat: „Ich dokumentiere einfach nur eine extreme Wirklichkeit, auch wenn ich mich ständig in Gefahr bringe."


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Es waren interessante und auch aufschlussreiche Stunden im Martin-GropiusBau. Müde saßen wir noch ein wenig zusammen. Ein Besuch dieser Ausstellung ist noch möglich bis 7. Juli 2014. Gisela Telschow

SCHLOSSBAUMEISTER Andreas Schlüter und das barocke Berlin Andreas Schlüter, ein deutscher Bildhauer und Architekt, wurde 1659 oder 1660 wahrscheinlich in Danzig - als Sohn eines Bildhauers - geboren und starb 1714 in Sankt Petersburg. 300 Jahre nach seinem Tod würdigt das Bode-Museum auf der Museumsinsel den bedeutendsten Barockkünstler seiner Zeit in einer umfassenden Ausstellung. Im Jahre 1930 erschien die erste und bisher letzte Publikation. Den Besuch dieser interessanten Ausstellung, am 22.Mai 2014, hatte unsere Leiterin des Kulturkreises, Frau Grün, in die Wege geleitet, und eine Kunsthistorikerin führte uns durch das Haus. Hier erhielten wir einen besonders anschaulichen Einblick in Schlüters Leben: Seine Bildhauerkunst, seine Skulpturen, seine Grafiken und seine Gemälde. Der erste Arbeitgeber Schlüters war Sobieski, König von Polen, der schon internationalen künstlerischen Standard durch italienische, französische und niederländische Künstler erreicht hatte. Von 1680 - 1693 lebte er in Warschau, hier heiratete er und seine Kinder wurden geboren. Er reiste für den polnischen König unter anderem nach Italien. Aber er arbeitete nicht nur für ihn, sondern erhielt auch anderweitige Aufträge. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg rief Schlüter 1694 nach Berlin und ernannte ihn 1699 zum Schlossbaumeister. Mit Hilfe dieses barocken Künstlers wollte Friedrich III. der Residenzstadt Berlin-Cölln um 1700 einen grandiosen Glanz verleihen, um seinem Wunsch näherzukommen, Friedrich I., König von Preußen, zu werden. 1701 erfüllte er sich selbst den Wunsch. „Ich, König von Preußen". In den Jahren 1695 und 1696 wurde Schlüter von Friedrich III. nach Frankreich, in die Niederlande und nach Italien gesandt. Dabei begegneten ihm Werke von Michelangelo Buonarroti und Gian Lorenzo Bernini, die ihn für seine Kunstwerke inspirierten. Das bronzene Reiterstandbild des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Vater Friedrich III., von Johann Jacobi gegossen, gehörte zu seinen ersten Auftragswerken in Berlin. Dieses Meisterwerk, dessen Konstruktion und Errichtung vier Jahre gedauert hat, stand einst auf der Langen Brücke, die direkt auf den Schlossplatz mündete, heute steht das Original vor dem Charlottenburger Schloss.


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In dieser Ausstellung wurden wir in der gewaltigen Eingangshalle unter der Kuppel von einer Kopie dieses berühmten Standbildes empfangen, und wir konnten die noch erhaltenen Giebel-Skulpturen des von Bomben zerstörten Bauwerks, der Villa Kameke, bewundern. Weitere bedeutende Arbeiten waren Skulpturen: „Schilde mit den Köpfen sterbender Krieger", oberhalb der Fensterbögen auf den Schlusssteinen im Innenhof des Zeughauses. Es handelt sich um abgeschlagene Köpfe besiegter Feinde, die den Schrecken des Krieges widerspiegeln. Ein Tonmodell zeigt, dass Schlüter in einer der Skulpturen wahrscheinlich sich selbst porträtiert hat. Einige erhaltene kolossale Originalfiguren des damaligen Schlüterhofes und eine echte Zeichnung Schlüters einer Prometheus-Miniatur sind in dieser Ausstellung zu bewundern. Ein Vorbild für ihn war der Bildhauer Bernini mit seinem Kunstwerk „Die Büste der Medusa", die hier auch zu besichtigen ist. Er selbst fertigte unter anderem eine große Porträtbüste des Landgrafen von Homburg-Hessen, Friedrich II., an, die von Jacobi zwischen 1701 und 1704 gegossen wurde. 1700 schuf Schlüter das Grabmal für den Hofgoldschmied Daniel Männlich in der Nikolaikirche. Auch entwarf er Prunksarkophage, wiederum von Jacobi gegossen, für Friedrich I. und seine Gemahlin, Königin Sophie Charlotte, die im Berliner Dom aufbewahrt sind. Ein weiteres großes Werk ist die Kanzel, die von Engeln gehalten wird, in der Marienkirche. Hier im Bode-Museum zeigte uns ein Saal diverse Reiterstandbilder in Bronze, es sind mehr oder weniger Nachbildungen. Bewundern mussten wir das „Große Silberbuffet", es wurde nicht benutzt, sondern diente als Geldanlage. Auch fertigte Schlüter Entwürfe für das Gießhaus an. Und nach seinen Plänen wurde die „Alte Post" erbaut, die er mit Medaillons über das Postwesen schmückte. 1880 wurde diese abgerissen. Die Ausstellung endete mit ausführlichen Informationen und Anschauungen des Berliner Schlosses. Der Umbau und die Erweiterung dieses Bauwerks wurde Schlüter übertragen, der das Renaissance-Schloss barockisierte. Er übernahm die Fassadengestaltung auch im Innenhof, dem ehemaligen Schlüterhof, und außerdem die Ausstattung der Innenräume mit ihren Dekorationen. Vor allem veränderte er ein Portal, so dass auch Kutschen in den Innenhof gelangten, und er führte die Reitertreppe ein. Die Adler, in dreißig Meter Höhe unter dem Abschlussgesims, erhielten durch den Künstler ausgebreitete Schwingen, die jede einzelne Feder erkennen ließen. Friedrich I. verlangte von Schlüter, dass Giganten das Gewölbe im Treppenhaus tragen mussten, es war eine schwierige, aber auch gewagte Arbeit. Als jetzt hochanerkannter Künstler bekam Schlüter von Friedrich I. den Auftrag einen Entwurf für einen Münz-Turm bis zu 96 Meter Höhe anzufertigen. 1702 wurde mit dem Bau begonnen. Durch den sumpfigen Untergrund wurde der Turm ins Rutschen gebracht und rief in den Mauern tiefe Risse hervor. Nach


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vier Jahren geriet der bis dahin 60 Meter hohe Turm ins Wanken, so dass ein Gerüst einstürzte. Durch dieses Unglück fiel Schlüter in Ungnade, erhielt nur noch wenige Aufträge und lebte zurückgezogen. Als Friedrich I. im Jahre 1713 starb, wurde Schlüter endgültig aus dem Hofdienst entlassen. Peter I., Zar von Russland, nahm ihn in seine Dienste auf, um beim Ausbau von Petersburg mitzuwirken. Doch schon im Jahre 1714 verstarb Schlüter in Petersburg. Seine Grabstätte ist unbekannt. Hier in dieser Ausstellung erfuhren wir eindrucksvoll von einem hervorragenden, außerordentlichen Künstler, der uns besonders die Barockzeiten in Berlin nahegebracht hat. Wieder einmal war es für uns alle eine große kulturelle Erfahrung. Und ein gemütliches Ausklingen tat uns gut. Gisela Telschow

********************************************* Kulturgruppe: Programm Juni - Juli - August Donnerstag, 19. Juni, 11.15 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Rembrandt Bugatti“ in der Alten Nationalgalerie Donnerstag, 17. Juli 12.10 Uhr: Führung durch die „Neuen Kammern" im Park von Sanssouci Donnerstag, 21. August, 11.30 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Heckengärten in der Liebermann-Villa am Wannsee" Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Aushang!

Anmeldungen: Dagmar Grün Tel.: 821 44 53 oder 0160-5993914 Gisela Telschow Tel.: 813 38 48

********************************************* Beratungen, Informationen, Sprechstunden Behördliche Angelegenheiten: Renate Hensler-Tresenreuter, Tel.: 361 99 78 Sozialrechtliche Angelegenheiten: Heidemarie Mangers, dienstags, 16-18 Uhr Voranmeldung: Tel.: 650 15 999 Rechtsberatung: RA Andreas Kaatz,(17.00 Uhr) Anmeldungen in der Rezeption Sprechstunden: Sozialwerk und Förderkreis: Christa Fischer, Mo-Di-Do-Fr 10.00-16.00 Uhr


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Meine 15. Reise: 1980 ging es nach Bulgarien. Sonnenstrand/Goldstrand war zu dieser Zeit angesagt. Für uns „Westler" war das natürlich sehr preiswert. Wir haben Talons bekommen (Essensmarken). In unserem Hotel gab es ein Frühstücksbüfett (separater Raum für Wessis). Im Nebenraum waren Gäste aus der DDR, die trotz Anfrage gegen Westgeld nichts von unserem Büfett haben durften. Das fand ich sehr traurig. Mittags gingen wir unterwegs essen. Wir fanden eine ziemlich umfangreiche Speisekarte vor und wählten auch etwas Schönes. Leider meinte der Kellner, das gibt es nicht mehr. Also suchten wir nach dem nächsten Gericht, das auch „aus" war. Beim 3. Gericht, das nicht vorrätig war, sagte ich zu dem Kellner, es wäre wohl besser, wenn er uns sagte, was überhaupt noch zu haben ist. Das wäre Schopska, meinte er. Das war Kopfsalat, gemischt mit grüner Gurke und Schafskäse; hat sehr gut geschmeckt, aber jeden Tag wollten wir das auch nicht. So gingen wir am nächsten Tag in ein großes Hotel, welches wahrscheinlich für VIPs u. ä. vorgesehen war. Nach diesen mageren Tagen mit Schopska sind wir sehr bescheiden geworden und fragten auch ganz vorsichtig, ob sie auch Tomatensaft zum Essen hätten. „Natürlich Madam“, war die Antwort, „alles, was Sie möchten“. Wir bezahlten ja auch mit Westgeld. Wir fuhren nach Warna, eine trostlose Stadt, und sahen, wie die Menschen auf der Straße eine Schlange bildeten, um Kirschen zu kaufen. Zu dieser Zeit war der Unfall in Tschernobil. An einem anderen Kiosk gab es Schuhe, die die Leute auf der Straße anprobierten, an einem anderen gab es Unterwäsche. Ja und dann war natürlich der Strand, das Schwarze Meer, ziemlich kalt übrigens, so dass wir uns eigentlich nur gesonnt haben. Mein Mann nahm das zum Anlass, sich ein wenig umzusehen nach den umliegenden Damen und er positionierte sich dementsprechend. Das war übrigens die Haltung, die er immer einnahm, den rechten Fuß vorgestreckt und die Arme lässig in der Hüfte, Bauch eingezogen. Wenn man zufällig auf die Toilette musste, hieß es erst mal anstehen. Die Toilettenfrau - mit einer Stimme wie ein Feldherr - hat vier Blatt Klopapier zugeteilt. Ich wagte zu bemerken, ich bräuchte für ein größeres Geschäft etwas mehr, worauf sie mich anbellte: „….mehr gibt es nicht“, reichte mir aber noch großzügigerweise drei Blättchen nach. Wir blieben 14 Tage, wollten dann mit dem Flieger wieder zurück. Der hatte aus unerfindlichen Gründen drei Stunden Verspätung, was unsere Geduld auf eine harte Probe stellte. Aber ich fand es doch sehr beeindruckend, dass die Bulgaren wahrscheinlich öfter damit konfrontiert wurden, denn sie nahmen das zum Anlass Karten zu spielen, dies mit einer stoischen Ruhe, die ich bewunderte. Es gab am Flugplatz auch noch einen Kiosk, der Sprotten anbot, und da es am Papier wahrscheinlich auch hier mangelte, gab es diese auf gewöhnlichem


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braunem Packpapier. Aber die waren so herrlich knusprig gebraten, dass man das Papier ignorierte, zumal alle anderen Leute rings um uns das Gleiche bekamen. Nach ungefähr 3 ½ Stunden konnten wir ins Flugzeug steigen - und irgendwie waren wir froh, dass wir das Glück hatten, in West-Berlin zu leben. Lilian Bischoff

********************************************* Schmunzel-Ecke:

Die Mutter weiß alles! Hans hatte seine elterliche Wohnung verlassen und eine Zweier-WG mit Gretel gewählt. Weihnachten nahte und so lud er seine Mutter zum Essen ein. Die Mutter stellte neidvoll fest, dass die Mitbewohnerin ihres Sohnes recht attraktiv war. Sie beobachtete die jungen Leute während des Abends und fragte sich, wie intensiv die Beziehung der beiden wohl miteinander sei. „Eine Zweckgemeinschaft" hatte ihr Sohn beteuert. Dass ich nicht lache, dachte sie, da steckt doch bestimmt mehr dahinter. Ihre Gedanken ahnend sagte Hans: „Ich weiß, was du denkst, aber ich versichere dir, dass wir nur miteinander wohnen." Etwa eine Woche später sagte Gretel zu Hans: „Seit deine Mutter bei uns zum Essen war, fehlt meine silberne Saucenschale." Hans erwiderte: „Nun ich glaube kaum, dass meine Mutter die Schale hat mitgehen lassen, aber ich werde ihr schreiben." So machte er sich daran und schrieb: „Liebe Mutter, ich sage nicht, du hast die Schale mitgenommen und ich sage auch nicht, du hast sie nicht mitgenommen. Aber der Punkt ist, dass die Schale fehlt, seitdem du bei uns zum Essen warst. In Liebe, Hans." Einige Tage später hat die Mutter an den Sohn geschrieben: „Lieber Hans, ich sage nicht, dass du mit Gretel schläfst, ich sage aber auch nicht, dass du nicht mit ihr schläfst. Aber der Punkt ist, wenn Gretel in ihrem eigenen Bett schlafen würde, hätte sie die Saucenschale schon längst gefunden. In Liebe, deine Mutter." Ausgesucht von Lilian Bischoff


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Ausgesucht von Monika Borchert

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Veranstaltungen im Käte-Tresenreuter-Haus 24. Juni, 14.30 Uhr: Sommerfest mit der „Scottish Dance Group" und der „Big Band der Zollkapelle Berlin" 25. Juni, 14.30 Uhr: Sommerfest mit dem „Britzer Blasorchester“ 19. Juli 14.30 Uhr: Musikalisch-Literarisches Kabarett: „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht" mit der Sängerin und Schauspielerin Karin Grüger 27. Juli (sonntags), 14-16 Uhr: Erzähl-Café mit Dr. Marianne Suhr: Autobiografisches und Auszüge aus dem Roman „Roter Milan" 16. August, 14.30. „Alt - Berliner - Typen" Lieder und Chansons mit der Sängerin Helga-Maria Fuchs 13. September, 14.00 Uhr: Unsere MODENSCHAU

********************************************* „Freundschaft ist die Grundlage aller Menschlichkeit.“ Hannah Arendt (Deutsch-amerikanische Politologin) (Quelle: Hörzu)


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Wir gratulieren … … unseren lieben Mitgliedern und ehrenamtlichen Mitarbeitern allerherzlichst nachträglich (von April bis Juni 2014) zum Geburtstag und wünschen noch viele schöne Jahre bei bester Gesundheit!

70 Jahre wurden... Frau Gabriele Losse Frau Renate Schramm Herr Jürgen Holler Herr Dieter Schlingloff Frau Gisela Kretschmer

29.04.1944 05.05.1944 13.05.1944 24.05.1944 26.05.1944

75 Jahre wurden... Herr Hans Buchholz Herr Günter Knott Frau Doris Ziemer Frau Ingrid Radnasitz

27.04.1939 05.05.1939 07.06.1939 12.06.1939

80 Jahre wurden... Frau Erika Lück Frau Dagmar Grabowski Frau Helga Lein Frau Margith Pahlke

10.05.1934 21.05.1934 06.06.1934 16.06.1934

85 Jahre wurde... Frau Lilo Pleimers

18.04.1929

90 Jahre wurden... Herr Heinz Barth Frau Ursula Herzog Frau Ingeborg Kopf Frau Dr. Irmgard Kalbe

20.04.1924 01.05.1924 06.06.1924 22.06.1924


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Wir möchten auch schon allen lieben Mitgliedern und ehrenamtlichen Mitarbeitern gratulieren, die im Zeitraum dieser „Schlösschen-Post"-Ausgabe (Juli, August, September) Geburtstag haben.

75 Jahre werden... Frau Ingrid Ulbrich Frau Helga Rohrlack Frau Hannelore Labud Herr Prof. Dr. Herbert Striebeck Frau Rosemarie Erdbrügger Frau Christel Richter Frau Karin Alber Frau Christa Siefke Herr Heinz Hoffmann Frau Christel Prior

13. 07. 1939 14. 07. 1939 19. 07. 1939 20. 07. 1939 21. 08. 1939 27. 08. 1939 31. 08. 1939 01. 09. 1939 09. 09. 193 17. 09. 1939

80 Jahre werden... Herr Gerd Gilissen Herr Friedrich Schädlich Herr Peter Mahler Frau Margot Leßmann Frau Gertrud Schädel Frau Sieglinde Wallbrecht

03. 07. 1934 04. 07. 1934 09. 08. 1934 30. 08. 1934 12. 09. 1934 17. 09. 1934

85 Jahre werden... Frau Anna Ulhas Frau Elli Kolasinski Frau Ursula Klemke Frau Paula Breitschaft

06. 08. 1929 17. 08. 1929 01. 09. 1929 21. 09. 1929

90 Jahre wird

Herr Herbert Siegmund

08. 08. 1924

95 Jahre wird

Frau Hildegard Stechern

05. 09. 1919

96 Jahre wird

Frau Waltraud Rathmann

26. 08. 1918

98 Jahre wird

Frau Eva Talke

19. 07. 1916

Sollten wir versehentlich jemanden vergessen oder eine falsche Angabe gemacht haben, so lassen Sie uns dies bitte unbedingt wissen. Herzlichen Dank. Die Redaktion


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Impressum: 55. Ausgabe Sommer 2014 Herausgeber: Arbeitskreis „Schlösschen-Post" des „Sozialwerk Berlin e.V." Humboldtstr. 12, 14193 Berlin - Grunewald, Tel: 891 10 51/52 Redaktion: Jean Mangers, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Gabriele Losse, Wilfried Neumann Beiträge: Lilian Bischoff, Christine Bökel-Striebeck, Monika Borchert, Eveline Harder, Renate Hensler-Tresenreuter, Annina Jürgensen, Jean Mangers, Wilfried Neumann, Wolf-Dieter Pätzold, Prof. Dr. Herbert Striebeck, Gisela Telschow Fotos: Béla János Bács (S.:4), Christine Bökel-Striebeck (S.:21) Monika Borchert (S.:45) Gabriele Losse (S.: 1,3,5,14,15,16,17,22,24,32), Jürgen Schambach (S.:10,12,18,25,29), Annina & Florian Schank (S.:13) Thomas Schubert, Berliner Woche (S.:32) SoVD (S.:6) Für Aufsätze und Berichte, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, trägt dieser die Verantwortung. Kleine, nicht sinnentstellende Korrekturen bleiben vorbehalten.

Redaktionsschluss für die Herbstnummer: 15. September 2014

Schlösschen-Post 55 Sommer 2014  

Erlebtes und Aktuelles vom Sozialwerk Berlin

Schlösschen-Post 55 Sommer 2014  

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