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SOZIALWERK BERIN E.V. ALTENSELBSTHILFE- UND BERATUNGSZENTRUM

Käte-Tresenreuter-Haus

Humboldtstraße 12  14 193 Berlin Telefon: (030) 891 10 51 / 52 Fax: (030) 892 60 08 E-Mail: sozialwerk@gmx.de www.sozialwerk-berlin.de Geschäftsstelle: Ithweg 22  14 169 Berlin Fax: (030) 831 43 69 Postbank Berlin Konto-Nr. 33 77 17-102 (BLZ 100 100 10) Bank für Sozialwirtschaft Konto-Nr. 31 771-00 (BLZ 100 205 00)

„Interessenvertretung älterer Menschen im demografischen Wandel“ Europaseminar für Multiplikatoren der offenen Altenarbeit vom 6. bis 8. Mai 2013 im Käte-Tresenreuter-Haus

Organisation und Leitung: Margit Hankewitz, stellv. Vorsitzende des Sozialwerk Berlin e.V. Peter Stawenow, Leiter des Kompetenzzentrums „Offene Altenarbeit“ Verantwortliche ehrenamtliche Mitarbeiter des Sozialwerk Berlin e.V. Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Berlin e.V.


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Herausgeber:

Sozialwerk Berlin e.V. Humboldtstraße 12, 14193 Berlin sozialwerk-berlin@gmx.de 2013

Verlag: Druck:

Eigenverlag Copy Shop, Ladenbergstraße

Redaktion/Textgestaltung:

Jean Mangers, Eveline Harder, Christine Bökel-Striebeck

Bildnachweis:

Béla János Bács

Alle Rechte vorbehalten


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Inhaltsverzeichnis Impressum Seminarprogramm Begrüßung, Einleitung: Margit Hankewitz, stellv. Vorsitzende Grußwort: Carsten Engelmann, Stadtrat für Soziales, Charl./Wilmersd. Einführung in das Seminarthema: Peter Stawenow Referat: Dr. Klaus Sack, Vorstandsmitglied Berliner Landesseniorenbeirat Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen stärken: Peter Stawenow Referat: Dr. Hans-Ulrich Litzner, Leiter Arbeitsausschuss Wohnen im Alter Mobilität im Alter und Verkehrspolitik: Peter Stawenow Sport und Bewegung im Alter: Dr. Milena Slon & Christa Fischer Begrüßungsabend Referat: Dr. Maria Pawinska: Gesundheit älter werdender Menschen Referat: Béla János Bács: Pflege im Alter Fahrt zum Altenpflegezentrum „Erfülltes Leben“ Rundfahrt durch Berlin „eine Stadt für alle Generationen“ Altersarmut: Peter Stawenow Referat: Gita Magonite: Lebenslanges Lernen Referat: Irena Sagatiené/Vilhelmina Pundiené: Begegnungsstätten Verhinderung von Altersdiskriminierungen: Peter Stawenow Verbraucherschutz älterer Menschen: Peter Stawenow Ältere Menschen - Teil der Familie: Peter Stawenow Eindrücke und Bewertungen des Seminars; Teilnehmer Schlussworte: Peter Stawenow & Margit Hankewitz Abschlussveranstaltung Materialien

Anhänge Anhang 1: Deutschland: Dr. Klaus Sack Estland: Dr. Aili Kogerman Estland: Lea Viires Lettland: Gita Magonite Litauen: Irena Sagaitiené, Vilhelmina Pundiené Polen: Dr. Maria Pawinska Rumänien: Béla János Bács Slowenien: Prof. Irena Levicnik Tschechien: Prof. Dr. Jan Solich + Helena Schulze

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SOZIALWERK BERLIN E.V. ALTENSELBSTHILFE- UND BERATUNGSZENTRUM

KÄTE-TRESENREUTER-HAUS

Humboldtstraße 12  14 193 Berlin Telefon: (030) 891 10 51 / 52 Fax: (030) 892 60 08 E-Mail: sozialwerk@gmx.de www.sozialwerk-berlin.de Geschäftsstelle: Ithweg 22  14 169 Berlin Fax: (030) 831 43 69 Postbank Berlin Konto-Nr. 33 77 17-102 (BLZ 100 100 10) Bank für Sozialwirtschaft Konto-Nr. 31 771-00 (BLZ 100 205 00)

Europaseminar für Multiplikatoren der offenen Altenarbeit vom Montag, 06. bis Mittwoch, 08. Mai 2013 im Käte-Tresenreuter-Haus

Seminarthema: „Interessenvertretung älterer Menschen im demografischen Wandel“ Sonntag, 05. Mai

Anreise der internationalen Teilnehmer

Montag, 06. Mai 09.30 – 10.30 Uhr Begrüßung der Seminarteilnehmer durch Margit Hankewitz, stellv. Vorsitzende Sozialwerk Berlin e.V. Kurze Vorstellungsrunde der Seminarteilnehmer Grußwort: Carsten Engelmann - Stadtrat für Soziales Bezirksamt Charl. / Wilm. 10.30 – 10.45 Uhr Kaffeepause 10.45 – 11.30 Uhr Einführung in das Seminarthema durch Peter Stawenow Leiter des Kompetenzzentrums „Offene Altenarbeit“ 11.30 – 12.30 Uhr Dr. Klaus Sack, Vorstandsmitglied des Landesseniorenbeirats, Möglichkeiten sozialpolitischer Mitbestimmung älterer Menschen 12.30 – 13.30 Uhr Mittagessen 13.30 – 14.30 Uhr Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen stärken 14.30 – 15.30 Uhr Bezahlbares Wohnen und Wohnumfeld Dr. Hans-Ullrich Litzner – Leiter Arbeitsausschuss Wohnen im Alter 15.30 – 15.45 Uhr Kaffeepause 15.45 – 16.45 Uhr Mobilität im Alter und Verkehrspolitik 16.45 – 17.45 Uhr Sport und Bewegung älterer Menschen Ab 18.00 Uhr

Begrüßungsabend und Abendessen


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Dienstag, 07. Mai 09.30 – 10.30 Uhr Gesundheit älter werdender Menschen 10.30 – 10.45 Uhr Kaffeepause 10.45 – 11.45 Uhr Pflege im Alter 11.45 Uhr

Abfahrt nach Lichtenberg

12.30 – 13.30 Uhr Mittagessen im Altenpflegezentrum „Erfülltes Leben“ 13.30 – 14.30 Uhr Besichtigung der stationären Pflegeeinrichtung: Haus Abendsonne und der Tagespflegestätte 14.30 – 15.00 Uhr Kaffeepause 15.00 Uhr

Exkursion: Eine Stadt für alle Generationen

18.30 Uhr

Abendessen im Sozialwerk Berlin

Mittwoch, 08. Mai 09.30 – 10.30 Uhr Altersarmut 10.30 – 10.45 Uhr Kaffeepause 10.45 - 11.45 Uhr Sozialkulturelle Einrichtungen – Begegnungsstätten und Stadtteilzentren 11.45 - 12.45 Uhr Lebenslanges Lernen 12.45 – 13.30 Uhr Mittagspause 13.30 – 14.30 Uhr Verhinderung von Altersdiskriminierung 14.30 – 15.30 Uhr Verbraucherschutz älterer Menschen 15.30 – 15.45 Uhr Kaffeepause 15.45 – 16.45 Uhr Ältere Menschen – Teil der Familie 16.45 – 17.45 Uhr Auswertung des Seminars Ab 18.00 Uhr

Abendessen und Abschlussabend

Zu allen Seminarteilen sind Aussprachen und Diskussionen vorgesehen.

Donnerstag, 09. Mai Abreise der internationalen Gäste Organisation und Leitung des Seminars: Margit Hankewitz, Peter Stawenow und ehrenamtliche Mitarbeiter des Sozialwerk Berlin e.V.


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Begrüßung:

Margit Hankewitz, stellv. Vorsitzende des Sozialwerk Berlin e.V. begrüßte die Seminarteilnehmer ganz herzlich zum Europaseminar. Sie freute sich sehr, dass alle, und besonders die Freunde aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, erschienen sind. Es sind dies Vertreter aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowenien und Tschechien, die zum Teil sehr weite Anreisen auf sich genommen haben, um unter uns zu weilen. Unser Freund Jenö Üszögi-Bleyer aus Ungarn, stellv. Vorsitzender unseres Freundeskreises, konnte krankheitshalber leider nicht kommen, ist aber mit dem Herzen bei uns. Frau Hankewitz freute sich aber nicht nur, weil alle gemeldeten Teilnehmer anwesend waren, sondern besonders auch, weil Herr Carsten Engelmann, Stadtrat für Soziales vom Bezirk Charlottenburg/Wilmersdorf, unter uns weilte. Er folgte damit einer alten Tradition seines Vorgängers und jetzigen Abgeordneten, Herrn Joachim Krüger, der uns auch immer die Ehre seiner Anwesenheit bei den Seminaren gegeben hat. A propos Traditionen! Jedes Seminar begann ja immer mit einem Spruch. Für dieses Seminar lautete er: „Wir haben die Tradition im Herzen und die Zukunft in der Hand.“ Dieser Spruch trifft wirklich auf diese schwierige Zeit des Sozialwerks Berlin und des Wechsels zu, aber er betrifft auch jeden Einzelnen, denn jeder möchte in seinem Land die Traditionen bewahren und in der Zukunft weiter vorangehen. Da wir die Tradition im Herzen haben, begannen wir mit einer Vorstellungsrunde der diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie ergab die Anwesenheit von dreißig Zuhörern und Mitwirkenden, darunter elf aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa und die übrigen aus dem Sozialwerk Berlin. Margit Hankewitz nutzte die Gelegenheit, um ihre derzeitige Position darzulegen: „Ich bin zurzeit diejenige, die die Verantwortung für den Verein als stellvertretende Vorsitzende übernommen hat, nachdem meine Mutter verstorben


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ist und mein Vater unfallbedingt auch gleich ausgefallen ist. Ich möchte mit all Ihrer Hilfe versuchen, das Lebenswerk meiner Eltern fortzusetzen und zusätzlich zu beleben. Ich betrachte das nicht nur als Verpflichtung, sondern auch als Herausforderung, als wirklich inneres Bedürfnis. Die Arbeit mit und für ältere Menschen ist für mich auch eine ganz wichtige Aufgabe geworden. Am Anfang natürlich noch nicht so, weil meine Eltern das gemacht haben, dann aber habe ich selber ein Schlüsselerlebnis gehabt, wie schnell das Leben zu Ende sein kann und was man wirklich, um sein Leben zu bereichern, für andere tun kann. Ich denke, da ist das hier ein sehr guter Platz, und so wie unsere Mitglieder das wollen, werde ich den Vorsitz übernehmen und versuchen gemeinsam neue Wege zu finden, bei Sachen, die dies erforderlich machen. Wir orientieren uns an den Bedürfnissen der Menschen, die jetzt älter werden. Es gibt genug Schwierigkeiten und die Bedürfnisse der älteren Menschen ändern sich ja auch. Wir versuchen, uns ihren neuen Bedürfnissen anzupassen und mit innovativen Ideen die Seniorenarbeit in Berlin fortzuführen.“ Herr Stadtrat Karsten Engelmann bedankte sich für die Einladung und beglückwünschte uns in seinem Grußwort für die Wahl des diesjährigen Seminarthemas, ein ganz spezifisches Thema, das besonders auch den Bezirk Charlottenburg / Wilmersdorf mit einem sehr hohen Anteil an Menschen über 65 betrifft. Er führte unter anderem aus, dass es für ihn wichtig sei zu erfahren, welche Bedürfnisse die älteren Menschen haben. Der Bezirk weist noch drei Seniorenklubs auf, die sehr gut besucht sind, und er wird noch ein bezirkliches Seniorenprogramm mit vielfältigen Angeboten monatlich auflegen, die von Mitarbeitern seiner Dienststelle organisiert werden. Der Redner weist in diesem Zusammenhang auf die absehbare Verringerung des Personals im öffentlichen Dienst hin (von 200.000 nach der Wende auf 100.000 Personen). Die Aufgaben werden aber nicht weniger, sie werden nur anders verteilt. Die Arbeit für die älteren Menschen ist aber gesichert, sowohl finanziell als auch personell, denn der politische Wille dazu ist vorhanden. Herr Engelmann zeigte sich dankbar dafür, dass es Einrichtungen wie das Sozialwerk Berlin gibt, die ein Großteil dieser Arbeit aus eigenem Antrieb machen


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und ihn profitieren lassen von den Erfahrungen, die hier gesammelt werden, und von den Ergebnissen, die diese Seminare erzielen. Der Redner sieht im Ehrenamt ein wesentliches Kriterium und einen wesentlichen Baustein für die Arbeit, die er macht, nämlich Menschen zu haben, die ehrenamtlich tätig sind für den Bezirk, aus eigenem Antrieb oder, weil jemand sie anspricht. Beispiel einer neugeschaffenen sinnvollen Arbeit: Einen Service einrichten für Menschen, die sich nicht mehr aus den eigenen vier Wänden bewegen können und die niemanden mehr haben, um bestimmte Erledigungen zu tätigen, wie z.B. den Ausweis zu erneuern. Dieser vertrauensvolle Service wird von pensionierten Beamten ehrenamtlich durchgeführt. Der Bezirk wird in Zukunft mehr auf das ehrenamtliche Engagement zurückgreifen müssen, z.B., was das Thema Grünflächenpflege anbelangt. Hier ist die Bereitschaft groß. Zurzeit sind circa 500 Ehrenamtliche in Charlottenburg tätig. Es gibt auch die Möglichkeit sich politisch in Gremien zu betätigen, die wir im Bezirk und im Land haben, entsprechend dem Beteiligungsgesetz für die Arbeit von Seniorinnen und Senioren. Danach werden regelmäßig die Seniorenvertretungen in den Bezirken gewählt. Es gibt ein 17-köpfiges Gremium aus sehr unterschiedlichen kulturellen Kreisen, an sich eine sehr gute Mischung wie im Bezirk auch, wo etwa 116 Nationalitäten vertreten sind. Diese Seniorenvertretung veranstaltet einmal im Jahr eine so genannte Senioren- BVV, d.h. ein bezirkliches Parlament, wo Anträge gestellt, Anfragen vorgebracht und Beschlüsse gefasst werden, die für das Bezirksamt zwar nicht verbindlich sind, aber in die Richtung gehen, dass die Anfragen alle vom Bezirksamt ordnungsgemäß beantwortet werden. Es geht dabei um Teilhabe und Interessenvertretung. Der Redner ging abschließend noch auf die ambulante Pflege ein. Im Bezirk gibt es in diesem Bereich über 600 Anbieter von privaten Pflegediensten. Reichen bei den zu Pflegenden die finanziellen Mittel nicht aus, tritt der Bezirk dafür ein, dass die Betroffenen Grundsicherung und Hilfe zur Pflege bekommen. Dabei guckt der Bezirk ganz genau hin, was den Umfang der Pflege betrifft, und er ist manchmal ganz anderer Meinung als der private Pflegedienst. Die Pflege darf nämlich nicht übertrieben werden, sondern sollte als aktivierende Unterstützung fungieren. Im so genannten „Monitoring“, bei Befragungen in den Seniorenklubs z.B. wird festgestellt, was der eigentliche Bedarf der älteren Menschen an der Stelle ist. Hierbei ist das Sozialwerk Berlin sehr gut aufgestellt.


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Einführung in das Seminarthema Peter Stawenow, Projektleiter des Kompetenzzentrums „Offene Altenarbeit“, stellte die Vorgehensweise des von ihm moderierten Seminars kurz vor. Zu jedem Sachthema wird es drei Teile geben: Ein Einstiegsreferat, eine Diskussion und eine Zusammenfassung. Er richtete einleitend an die Seminarteilnehmer die Frage, welche Erwartungen sie an das Seminar knüpfen. Dazu gab es zehn Wortmeldungen. Es wurde vielfach der Wunsch geäußert nach einer stärkeren Beteiligung unserer ausländischen Gäste, nach einer guten Zusammenarbeit der Organisationen, nach Mitteilung von Erfahrungswissen, nach Gedankenaustausch und nach Anregungen seitens der Teilnehmer für ihre künftige Altenarbeit. Herr Stawenow schlussfolgerte, dass wir hier alle Lehrer sind, die ihr Wissen weiter geben, dass wir aber auch alle Lernende sind, die zuhören wollen und die zum Gedankenaustausch bereit sind. Die einzelnen Themenkomplexe unseres Seminars orientieren sich an den vielfältigen Interessen der älteren Menschen. Man muss bei der Interessenvertretung auch beachten, dass Interessen sich ändern können.

Möglichkeiten sozialpolitischer Mitbestimmung älterer Menschen Zu diesem Thema sprach Herr Dr. Klaus Sack, Vorstandsmitglied des Landeseniorenbeirats Berlin. Zur Ausgangssituation machte er statistische Angaben über die Einwohnerzahl von Berlin und der Bundesrepublik Deutschland (83 Millionen) sowie über den Anteil an Senioren (17 Millionen) und den Anteil an Migranten (900.000 in Berlin; 16 Millionen in der BRD, d.s. 19 % der Geamtbevölkerung; davon hat jetzt bereits 1 Million das Rentenalter erreicht. (Anhang 1)


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In Berlin leben Menschen aus 189 Nationen über alle Altersgruppen hinweg. Heute gibt es in Berlin 107.000 Pflegebedürftige, bis 2030 rechnet man mit einer Anzahl von 170.000. Dies bedeutet riesige Probleme für den Bereich der Pflege und für alle staatlichen Institutionen, die darin involviert sind. Der Redner ging dann auf die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Seniorenpolitik ein. Seniorenmitwirkung muss auch politisch gewollt sein. Der wachsende Druck auf die politischen Akteure ist außerordentlich wichtig. Ohne Druck gibt es keine Veränderung, das ist generell so. Er sprach über die 1999 vom Senat beschlossenen „Leitlinien zur künftigen Seniorenpolitik“ in Berlin und über das 2006 entstandene Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz, an denen der Landesseniorenbeirat und die Landesseniorenvertretung entscheidend beteiligt waren, und stellte dessen Ziele vor. Das Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz gilt für Personen ab 60 Jahren mit Hauptwohnsitz in Berlin. Die Gremien für die ehrenamtliche Seniorenarbeit sind durch das Seniorenmitwirkungsgesetz festgeschrieben. Der Redner erwähnte das Procedere zur Wahl der 12 Bezirksseniorenvertretungen und deren Aufgaben sowie die Zusammensetzung der Landesseniorenvertretung und dessen Zuständigkeiten. Was den Landesseniorenbeirat mit 7 Arbeitsgruppen in Berlin anbelangt, so stellte der Redner dessen Zusammensetzung, Aufgaben und Arbeitsgruppen sowie deren Arbeitsgrundlage, Teilnehmer und Themen vor. Er schilderte die Aktivitäten von Seniorenvertretungen und vom Landesseniorenbeirat und berichtete über Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Verwirklichung der Mitbestimmung. Herr Dr. Sack ging noch auf Probleme bei den zwei bisherigen Wahlen zu den Seniorenvertretungen ein und gab abschließend einige optimistische Sprüche zum Alter zum Besten. Bei der anschließenden Diskussion gab es drei Wortmeldungen. Prof. Dr. Jan Solich ist der Auffassung, dass man keine Politiker braucht, um die Interessen der Senioren durchzusetzen, sondern eigene Organisationen. In Tschechien gibt es 1,7 Millionen Rentner über 65 Jahre, davon sind 500.000 Senioren organisiert. Die Gipfelorganisation der Senioren ist eigentlich die größte Partei Tschechiens. Béla János Bács aus Rumänien zum Begriff „politisch gewollt“: Politik funktioniere so, dass es eine Lobby geben müsse, mit der die Politiker rechnen müssen. Prof. Irena Levicnik aus Slowenien berichtete über die Seniorenpräsenz in ihrem Land. Der Altenverband hat 240.000 Mitglieder, setzt sich aus 120 Vereinen zusammen und ist in 123 Gemeinden präsent. Er hat eine Arbeitskommission, die die Vorlagen für neue Gesetze studiert. Der Altenverband sammelte 5.000 Unterschriften zwecks Änderung des Wahlgesetzes. Er lädt ein zu Diskussionen über sich ergebende Problematiken und organisiert jedes Jahr ein sehr gut


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besuchtes Festival. Mitglieder haben 148 Besuche bei Abgeordneten in den Wahlkreisen durchgeführt. Peter Stawenow schlussfolgerte, dass ältere Menschen am besten wissen, was gut für sie ist. Sie sollen ihre eigenen Interessen auch selber vertreten, z.B. durch Sammeln von Unterschriften, Petitionen, Kontakte zu Abgeordneten, Demonstrationen, Streik, Hausbesetzung, Mitarbeit in Gremien und Beiräten (Mieterbeiräte, Kundenbeiräte, Heimbeiräte), kritische Begehungen. Es gibt vielfältige Interessen, also gibt es auch vielfältige Formen und Orte, wo man mitmachen kann. Wichtig ist dabei der territoriale Aspekt (Jeder Mensch, egal, wo er ist, hat seine Bedürfnisse und hat das gleiche Recht auf ein lebenswürdiges Leben.) sowie die Fachlichkeit (Man muss mit Sach- und Fachverstand seine Interessen vertreten.). Zuletzt eine provokante Frage: Möchte der ältere Mensch überhaupt seine Interessen vertreten? Darüber müssen wir nachdenken.

Das bürgerschaftliche stärken

Engagement

älterer

Menschen

Peter Stawenow richtete als Auftakt die Frage an die Teilnehmer, wie deren Gedanken zu ehrenamtlichem Engagement sind, wie sie zum ehrenamtlichen Engagement gekommen sind und warum sie das machen. Zu diesem Themenkomplex gab es 16 Wortmeldungen, denen u.a. Folgendes zu entnehmen war: -

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Jeder muss sich Klarheit verschaffen über seine Motivation, ehrenamtlich tätig zu sein, für sich selber – für andere. Vielfältige Begriffe für das Ehrenamt stehen im Raum; dabei spielen zwei Dinge eine ganz wichtige Rolle: Ehrenamt ist freiwillig, man ist frei, es anzunehmen, aber auch frei damit aufzuhören. Es besteht die Gefahr, dass man ausgebeutet wird oder sich selbst ausbeutet. Es gibt Einsatzmöglichkeiten für ehrenamtliche Tätigkeit in vielen Bereichen. Jeder bringt sein Fach- und Sachwissen in sein Ehrenamt ein. Für bestimmte ehrenamtliche Aufgaben muss man eine Wissensvermittlung und Informationen bekommen. Ehrenamtliche Arbeit ist nicht umsonst. Einerseits kostet die Tätigkeit etwas (Fahrgeld, Telefonate usw.), andererseits bringt es auch etwas. Es steckt ein Wert dahinter. Beim Ehrenamt soll man die Maxime von Frau Tresenreuter berücksichten: Bitten – Danken – Anerkennen. Ehrenamtliche Arbeit bedeutet Arbeit (die Ehrenamtler haben ihren Kalender voll), es steckt eine Leistung dahinter.


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Man muss Rahmenbedingungen schaffen, die die ehrenamtliche Arbeit ermöglichen. Die Bürokratisierung der ehrenamtlichen Arbeit soll eingeschränkt werden, sonst werden die Leute abgeschreckt. Man muss die Aufgaben klar beschreiben und die damit verbundene Zeit vorgeben, wenn man Ehrenamtliche gewinnen will. In Berlin gibt es Freiwilligen-Agenturen, wo die Organisationen ihre Bedarfe an Ehrenamtlichen anmelden und die Ehrenamtlichen ihre Bereitschaft anbieten können. Partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen muss gewährleistet sein. Der Hauptamtliche ist der Ansprechpartner und der Ehrenamtliche wirkt ergänzend. Es darf dabei keine Hierarchie entstehen. Ehrenamtliche engagieren sich oft projektbezogen.

Schlussfolgerung: Ohne ehrenamtliches Engagement wäre die Gesellschäft viel ärmer und die Lebensqualität vieler älterer Menschen wäre viel schlechter.

Bezahlbares Wohnen und Wohnumfeld

Über dieses Thema referierte Dr. Hans-Ulrich Litzner, Sprecher des Ausschusses „Wohnen im Alter“ des Sozialwerk Berlin e.V. anhand einer PowerpointPräsentation.


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Er führte aus, dass das Thema gegenwärtig sehr aktuell sei, da die Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik Deutschland einen immer größer werdenden Anteil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben müssten. Dieses Problem betrifft insbesondere ältere Menschen.

Bild 2

Perspektivisch ist zu erwarten, dass das Problem sich verstärkt, da der Anteil der älteren Menschen bis zum Jahre 2030 deutlich zunimmt (Bild 2).

In einer Bevölkerungsprognose für Berlin bis 2030 (Bild 4)


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sowie im aktuellen Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 (Bild 5) wird diese Aussage quantifiziert: danach wird der Anteil der älteren Personen ab 65 Jahren an der Gesamtbevölkerung bis zum Jahr 2030 von derzeit 19,0 % auf 22,8 % steigen.

Die Zahl der Hochbetagten (80 bis 95 Jahre) und der Langlebigen (über 95 Jahre) wird bis zum Jahr 2030 um über 80 % steigen (Bild 7). Gleichzeitig nimmt der Anteil der Pflegebedürftigen von derzeit rund 3% der Bevölkerung auf rund 5% zu.


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Diese Zahlen führen zu der Frage, wo diese älteren Menschen in Zukunft leben und wohnen werden. Repräsentative Umfragen haben ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten im gewohnten Umfeld („eigene 4 Wände“, Bild 8) verbleiben und wohnen will.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen erstens genug bezahlbare Wohnungen vorhanden sein, zweitens müssen sie im Hinblick auf die Bedürfnisse ältere Menschen besondere Merkmale aufweisen (Bild 9).


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Zum Stichwort „bezahlbar“ ist anzumerken, dass die realen Einkommen der Seniorinnen und Senioren bis 2030 sinken werden (siehe die Prognosen des DIA Deutsches Institut für Altersvorsorge in Bild 10).

Parallel hierzu steigen die Kaltmieten in allen Berliner Bezirken stetig an. Im Jahre 2011 betrug der Mittelwert der Kaltmiete in Berlin 6,59 Euro, was gegenüber 2010


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einen Anstieg von 7,8% bedeutet (Bild 11). Seit 2011 sind die Mieten in allen Berliner Bezirken weiter gestiegen, was zum einen dazu führt,

dass gerade für ältere Menschen der prozentuale Anteil für das Wohnen eine kritische Marke erreicht (Bild 12) und die Gefahr einer Altersarmut wächst. Die Politik hat diese Problematik erkannt und konkrete Maßnahmen ins Auge gefasst, wodurch einerseits mehr Wohnraum geschaffen und andererseits der Anstieg der Mieten gebremst werden soll (Bilder 13 bis 15).


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Bild 15

Eine dieser Maßnahmen war die Auslobung eines genossenschaftlichen Neubauwettbewerbs im Jahre 2012 (Bild 16), da besonders die großen, städtischen Wohnungsgenossenschaften einen bedeutenden Einfluss auf den Wohnungsmarkt haben.


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Das Aufstellen politischer Programme zur Wohnungssituation bedeutet nicht automatisch, dass die Probleme im vollen Umfang und kurzfristig gelöst werden können. Die im Motto dieses Europaseminars angesprochene Interessenvertretung älterer Menschen bedeutet hier also, dass sich das Sozialwerk Berlin e.V., seine Interessenkreise (Ausschuss „Wohnen im Alter“) gemeinsam mit anderen Stellen

(Landesseniorenbeirat Berlin, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bild 17) auf diesem Gebiet engagieren. Nicht zuletzt deshalb steht die 39. Berliner Seniorenwoche, die am 24. August 2013 beginnt, unter dem Motto „Bezahlbares Wohnen“. Die Ausführungen von Herrn Dr. Litzner führten zu einer breiten Aussprache, an der sich insbesondere Frau Prof. Dr. Irena Levicnik (Slowenien), Frau Dr. Aili Kogerman (Estland), Frau Gita Margonite (Lettland), Frau Dr. Maria Pawinska (Polen) und Herr Prof. Dr. Jan Solich (Tschechische Republik) beteiligten. Sie beschrieben die derzeitige Einkommens- und Mietsituation in den jeweiligen Ländern, die der in Deutschland grundsätzlich ähnelt, jedoch mit der Einschränkung, dass die zur Verfügung stehenden Einkommen deutlich niedriger als in Deutschland sind. Andererseits gehört das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ in den genannten Ländern zu den Schwerpunktthemen der Altenarbeit.


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Mobilität im Alter und Verkehrspolitik Peter Stawenow: Anläßlich der Diskussionen um das Stadtentwicklungskonzept für Berlin standen auch Fragen des Verkehrs und der Mobilität im Raum. Der Entwurf zu diesem Konzept wird in vielen Bevölkerungsgruppen diskutiert. Was wünschen sich denn die älteren Menschen? Wie sieht es bei ihnen aus, was Mobilität im Alter betrifft? Was hilft älteren Menschen mobil zu sein, oder was hindert sie daran, Veränderungen herbeizuführen, dass diese Hürden abgebaut werden. Das betrifft auch die Frage des öffentlichen Personennahverkehrs. In Tschechien können alle Menschen über 70 Jahre die öffentlichen Verkehrsmittel unentgeltlich benutzen. Zu diesem Themenkomplex ergriffen sechs weitere Teilnehmer das Wort. Ihren Beiträgen ist Folgendes zu entnehmen: „Man muss überlegen, warum man Mobilität braucht und wofür man sie braucht.“ Wie Frau Professor Levicnik schon sagte: „Man braucht die Mobilität, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, soziale Kontakte zu knüpfen, die Selbstorganisation seines Lebens zu ermöglichen.“ Die Frage lautet auch: Mobilität wohin? In der Wohnung und aus der Wohnung. Wohin will ich denn mobil werden? Zum Einkaufen, zum Arzt, zur Begegnungsstätte, zu Freunden, zum Amt oder einfach nur zum Spazierengehen. Man muss überlegen: Was ist gut und was hindert uns? Unter den Dingen, die sich verändern sollen, gab esviele gute Anregungen: Zum Beispiel sind die Ampelphasen zu kurz, eine Sekundenanzeige, wie lang noch grün ist, wäre sinnvoll, auf die Breite der Inseln in der Mitte der Straßenübergangswege achten wegen der Rollstühle oder der Rollatoren. Die Fahrten der Busse sollten nicht an der Stadtgrenze aufhören, sondern noch ein bisschen weitergehen. Es ist aber nicht nur das Liniennetz, sondern auch die Taktzeiten müssen kürzer werden. Die Fahrstühle und Rolltreppen im Zusammenwirken mit nachbarschaftlicher Hilfe und Anpacken: Wir wollen wissen, wann die U-Bahnhöfe Fahrstühle und Rolltreppen bekommen. Das zu erfahren, wäre gute Informationspolitik. Fahrstühle und Rolltreppen sind nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Menschen mit Behinderungen, für junge Familien mit Kinderwagen und für Touristen wichtig. Weiter wurde auch die Frage der Begleitdienste, der Mobilitätshilfsdienste und der Sicherheit angesprochen. Es ist auch nicht nur die Frage des öffentlichen Personennahverkehrs, wie Bus, Tram, S- und U-Bahn, sondern auch die der Autos. Das hat etwas mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun. Aber, kann ein 95jähriger noch Auto fahren? Weitere Überlegungen, die sich aus den Diskussionen ableiteten: Wie lange dauert es, um irgendwohin und wieder zurückzukommen?


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Gibt es unterwegs vielleicht Sitzgelegenheiten zum Ausruhen zwischendurch? Reichen die Sitzplätze in den Buswartehäuschen? Wie ist es um die öffentlichen Toiletten bestellt? Eine letzte Sache zum Überlegen: Technik ist zwar Spitze, aber man muss damit umgehen können. Ein negatives Beispiel sind die derzeitigen Fahrscheinautomaten. Wie nutzerfreundlich sind denn diese Geräte? Andererseits muss man die Entwicklungen bedenken. Entwicklung bedeutet auch, dass das Land Berlin viel Geld dazu gegeben hat das S-Bahnnetz auszubauen oder Schülern Fahrpreisermäßigungen zu gewähren. Schaut man sich aber nun die demografische Entwicklung an, sieht man, dass es immer weniger Kinder gibt und das Land immer weniger Geld für die Subventionen von Schülertickets braucht. Man kann also das frei gewordene Geld wieder anderweitig investieren. Das sind aber alles Dinge, über die man in Ruhe nachdenken sollte. Auf den Gebieten Mobilität und Personennahverkehr wird es in den nächsten Jahren mächtige Veränderungen geben, weil die Menschen zwar immer älter, aber auch immer rüstiger bleiben.

Sport und Bewegung älterer Menschen Frau Dr. Milena Slon aus Warschau hielt das Einführungsreferat. Sie stellte die Ergebnisse einer Untersuchung über das Gleichgewicht vor, die sie letztes Jahr an der Warschauer Sportakademie gemacht hat. Dabei ging es um die Frage, was man machen könne, um das Gleichgewicht bei ganz alten Menschen zu verbessern. Die Rednerin beschrieb eine Methode um das Gleichgewicht zu überprüfen. Diese wurde durchgeführt an unterschiedlichen Gruppen, deren Leistungen ansschließend verglichen wurden. Dabei kam es u. a. zu folgenden Erkenntnissen: - Wichtig für die Wirbelsäule und das Gleichgewicht ist die Haltung. - Von Bedeutung ist auch das Bewusstsein für die einzelnen Körperteile. - Die Leute treffen sich, bilden ein Netzwerk, entwickeln Freundschaft, was alles zur Motivation Sport zu treiben beiträgt. - Wichtig beim Sport ist die Sicherheit. Man muss sich dabei wohl fühlen. Die Rednerin rief zum Abschluss die Formel: 180 – Alter in Erinnerung. Diese


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ergibt eine Zahl für die Pulsschläge, die beim Sport nicht überstiegen werden sollten. Zu dem Thema Sport und Bewegung äußerten sich anschliessend acht Zuhörer, darunter Christa Fischer, die im Sozialwerk Berlin unter anderem den Interessenkreis Bewegungslehre leitet und auch Seminarteilnehmer zu einer sportlichen Entspannung anregte.

Zusammenfassend sei bemerkt, dass ein jeder sich überall nach seinen Möglichkeiten sportlich betätigen kann, besonders, wenn es unter einer sachkundigen Anleitung geschieht. Das deckt sich auch mit dem, was Frau Dr. Slon gesagt hat, nämlich, dass der in der Rehabilitation am besten dran ist, der eine fachliche Unterstützung bekommt. Es ist auch deutlich geworden, wie wichtig eine regelmäßige sportliche Betätigung ist. Auch macht ein gemeinsamer Sport in einer Gruppe wegen der sozialen Kontakte mehr Freude. Die Entwicklung hat in den letzten Jahren gezeigt, dass man nicht unbedingt Mitglied in einem Sportclub sein muss, um sich irgendwo zu betätigen. Es gibt viele Begegnungsstätten oder –zentren, die auch niederschwellige Angebote unterbreiten, wie z.B. im Sozialwerk die Bewegungslehre, die Gymnastik, das Schlösschenballett, Yoga und Wandern. Die Angebote haben sich auch territorial verändert, man muss nicht weit fahren, sondern die Möglichkeiten liegen in der Nähe. Auch die Angebotsvielfalt hat sich entwickelt, ob z. B. Wandern oder Nordic Walking. Deshalb muss jeder für sich herausfinden, was wichtig und möglich ist. Es gab zu DDR-Zeiten einen Spruch: „Jeden Tag an jedem Ort eine Stunde Sport“. Wichtig ist, dass man es freiwillig für seine Gesundheit tut, es sei denn man hat ein gesundheitliches Handicap oder man muss eine ärztliche Verordnung befolgen.


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Begrüßungsabend Peter Stawenow lud die Teilnehmer/innen nach dem Abendessen ins SchlösschenCafé zu einem gemütlichen Begrüßungszusammensein ein, das von unserem Hof-Akkordeonspieler Vladislav Urbanski untermalt wurde.


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Dienstag, 7. Mai 2013 Margit Hankewitz begrüßte die Teilnehmer/innen zum zweiten Tag des Seminars, dessen erster Teil, wie sie von verschiedenen Seiten gehört hat, sehr erfolgreich war. Es war sehr interessant – wir haben vieles aus den Ländern gehört – und es gab noch einen sehr harmonischen Ausklang im neu gestalteten Schlösschen-Café aus. Ein Spruch des Tages in Anlehnung an die gestrige Frage: „Ehrenamt, was bekomme ich dafür?“, lautete: „Anderen ein Lächeln zu schenken, ist ein Geschenk, das fast immer ankommt und zurückkommt.“ Zum ersten heutigen Thema „Gesundheit“ noch ein weiterer Vers: „Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ – Arthur Schopenhauer. Der Moderator Peter Stawenow schlug vor, die Teile „Gesundheit älter werdender Menschen“ und „Pflege im Alter“ zusammen zu behandeln, da sie eng miteinander verbunden sind. Den Auftakt zum Thema „Gesundheit älter werdender Menschen“ machte Frau Dr. Maria Pawinska mit ihrer 30 Bilder umfassenden Powerpoint-Projektion. Einleitend stellte sie die These auf, dass unsere Gesunheit mit dem Alter schlechter wird und sie nannte dafür zwei Faktoren: Die Genetik (75-80 %) und die Lebensweise (20-25%). Die Störung der essenziellen Zellfunktionen führt unmittelbar zum Verlust der Koordinierung der Organe des älter werdenden Körpers. Die Rednerin zählte dann die aus den negativen zytologisch-biochemischen Prozessen resultierenden Gewebeveränderungen und auftretenden Krankheiten auf. Frau Dr. Pawinska stellte dann die Frage, ob es bei so vielen Ursachen in Folgen überhaupt möglich ist, irgendwechen Einfluß auf unsere Gesundheit zu nehmen. Die wichtigste Sache dabei ist das Wissen! Die Selbstkontrolle des Organismus ist aber genau so wichtig wie die schnelle Reaktion auf festgestellte Veränderungen oder Beschwerden. Leider lassen sich nicht alle Beschwerden mit Medikamenten heilen. Zu ihnen gehören hauptsächlich Krankheiten des Knochenund Gelenksystems.


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In solchen Fällen sollte man als Ergänzung eine Therapie mit physikalischer Rehabilitation beginnen, die besonders von den älteren Personen bevorzugt wird, aber auch zunehmend von jungen Leuten wahrgenommen wird. Heutzutage gewinnen die Rehabilitationsprogramme in gut eingerichteten Praxen an Bedeutung. Die Rednerin präsentierte in mehreren Bildern die Räumlichkeiten und Einrichtungen ihrer Arztpraxis in Warschau sowie ihre Familie, darunter auch einige Ärzte. (Siehe Anhang Polen) Frau Dr. Pawinska kam zum Schluss, dass sich unsere Gesundheit mit dem Alter verschlechtert und wir ständige medizinische Betreuung (Ärzte, Pfleger Betreuer) brauchen. Manchmal ist es nötig, das Zuhause aufzugeben und in eine Alteneinrichtung zu wechseln, um gut und würdevoll den Rest der Lebenszeit verbringen zu können. In Deutschland gibt es schon derartige Möglichkeiten, in Polen gibt es leider viel zu wenig Alteneinrichtungen. Das bedeutet für uns noch viel Arbeit, aber wir hoffen, dass wir es schaffen, denn in Polen wird die Gesellschaft ebensobald sehr alt sein. Bedeutet das Alter oder Senilität selbst eine Krankheit? Natürlich nicht, aber wir verlangen eine größere Zuwendung und Sorge um eine gute Gesundheit. Peter Stawenow bedankte sich bei Frau Dr. Pawinska, die in ihrem Vortrag die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ganz anschaulich dargestellt hat. Diese lautet: „Gesundheit des Menschen ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“. Nun war Herr Béla János Bács aus Siebenbürgen/Rumänien an der Reihe, seinen PP-Vortrag über „Pflege im Alter“ (siehe Anhang Rumänien) zu halten. Er stellte einleitend fest, dass in Rumänien die Pflege älterer Menschen vorwiegend in der eigenen Wohnung stattfindet und dort von Familien-mitgliedern und von unausgebildeten, von der Familie bezahlten Helfern geleistet wird. Was die öffentlichen Einrichtungen anbelangt, so gibt es regional ausgerichtete Alten- und Pflegeheime mit ausgebildetem Personal. Es stehen aber zu wenig Plätze zur Verfügung. Der Redner ging dann auf die Situation in den Pflegeheimen ein, deren Orientierungspunkte sich von der vorwiegend medizinisch-pflegerischen Betreuung hin zur Programmgestaltung für die Bewohner verlagert. Er strich die Bedeutung der Zusammenarbeit von Kirche und Behörden sowie der internationalen Kontakte hervor. Eine wichtige Rolle in der mobilen Pflege und Betreuung spielt die Caritas (Grundpflege, Haushaltshilfe, Fachpflege, soziale und medizinische Habilitations- und Rehabilitationsaktivitäten, Wohnungsanpassung, ehrenamtliche Gruppen, Zusammenarbeit, materielle Hilfe) eine Rolle. Abschließend schilderte Béla Bács die wichtigsten Aufgaben der Alteneinrichtungen der Caritas ein und forderte für unsere Gesellschaft im Wandel neue Konzepte und eine neue Wertorientierung, wobei die Kirche und die Zivilgesellschaft eine große Rolle spielen.


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Nach diesem Vortrag hatte der Moderator Peter Stawenow den Eindruck, dass beide Vorträge sich sehr gut ergänzten. Er eröffnete die Diskussion, an der 15 Zuhörer teilnahmen, und sagte einleitend, dass jeder Mensch, ob gesund oder krank, ob jung oder alt, ob er ein ausländischer Bürger oder ein Deutscher ist, ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat. Das gilt auch bei einem gesundheitlichen Handicap. Jeder hat das Recht, glücklich oder zumindest zufrieden zu sein. Es kommt darauf an, wie die Gesellschaft sich dieser Frage stellt, wie man ältere Menschen akzeptiert und wie man mit ihnen umgeht. In Deutschland fragt man sich, wie man folgendes Problem lösen kann: Die Zahl der älteren Menschen nimmt weiter zu, und viele werden immer pflegebedürftiger. Man beachtet aber nicht, dass der Zustand der Pflegebedürftigkeit weiter hinausgeschoben wird. Wer soll denn die Pflege machen? Es gibt immer weniger junge Leute, wer soll das denn tun? Dann gab es die Idee, Pflegefachkräfte aus anderen Ländern anzuwerben oder unsere älteren Menschen in andere Länder, wie Spanien, die Türkei oder Thailand zu exportieren. Beides funktioniert aber nicht. Man braucht einen dritten Weg, der da heißt: die Zukunft generationsübergreifend gestalten. Was haben die Menschen für Wünsche, wenn sie immer länger leben und dann aber das Leben so langsam zu Ende geht? Sie möchten keine Schmerzen haben, sie möchten nicht allein sein und sie möchten in einer Umgebung sein, die ihnen vertraut und bekannt ist. Diese Überlegungen haben dazu geführt, immer wieder Wege zu suchen, diese Wünsche auch zu erfüllen, d. h. palliative Medizin, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, d. h. auch Sterbebegleitung oder Hospizdienst. Bis es dann einmal soweit ist, versucht man solange wie möglich gesund und fit zu sein und die Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern. Dies bedeutet aber auch, dass das eine Aufgabe ist, die für viele Organisationen, Institutionen, Verbände, Ärzte, Pflegekräfte, Familien, die Nachbarschaft, eine Herausforderung darstellt und wo in Zukunft auch ein stärkerer Koordinationsbedarf besteht. Pflegen ist ein ganz schwerer Beruf. Peter Stawenow zitierte einen provokativen Ausspruch von Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter und Gesundheitsexperte der SPD: „Es gibt keinen schnelleren Weg, pflegebedürftig zu werden als selbst zu pflegen.“ Das bedeutet, dass diejenigen, die in der Pflege tätig sind, eine körperlich und psychisch sehr schwere Aufgabe haben, wenn es z. B. um den ambulanten Hospizdienst geht. Pflegen ist auch ein Dienst, der an Abenden, Sonnund Feiertagen und auch in Schichten stattfindet. Der Anerkennungsgrad des Pflegeberufs ist in der Öffentlichkeit noch sehr niedrig. Es ist auch ein Beruf, der sehr schlecht bezahlt ist. Die Pflegesparte ist auch mit viel Ehrenamtlichkeit verbunden, denn die hauptamtlichen Pflegekräfte können in Zukunft nicht mehr allein die ganzen Aufgaben bewältigen. Man muss sich in diesem Zusammenhang auch fragen: Wo hört die Betreuung auf und wo fängt die Pflege an, um diese Gratwanderung angemessen zu vollziehen. Weitere Fragepunkte waren: Was können die älteren Menschen selber tun, um ihre Lebensweise zu gestalten. Was soll man 10 Jahre vor dem Pflegefall tun? Welche Kontaktpersonen haben die älteren Menschen?


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Oftmals sind die Pflegekräfte oder die pflegenden Angehörigen die zweiten Opfer, weil sie mit der Situation nicht fertig werden, entweder, weil das Wissen fehlt oder weil der Pflegeprozess zu lange dauert und der Druck immer größer wird. Prävention ist die beste Medizin. Man soll sich gedanklich auf Situationen vorbereiten, sei es zum Beispiel durch eine Vorsorgevollmacht oder eine Patientenverfügung. „Ich weiß, was ich möchte, und das möchte ich meinen Angehörigen und den Ärzten kundtun, und dies dann schriftlich“. Man sollte auch eine Sozialstation/Pflegestützpunkt, einen ambulanten Dienst, eine Pflegeeinrichtung in Betracht ziehen. Wir haben mit unserem Projekt „Ältere Menschen ermitteln selbst die Situation in Altenpflegeeinrichtungen“ sehr gut festgestellt, wie die Lage in den Einrichtungen ist und dass es doch so manche Probleme gibt. Im Mittelpunkt soll immer das selbstbestimmte Leben stehen. Die Rahmenbedingungen dafür sind zu schaffen. Peter Stawenow leitete dann zum zweiten Teil des Seminartages über, nämlich die Fahrt zum Altenpflegezentrum „Erfülltes Leben“ gGmbH und zum „Haus Abendsonne“, mit dessen Tagespflegestätte „El Friede“. Bei ihrem Rundgang im Haus „Abendsonne“, das 100 Bewohner beherbergt, denen 80 Mitarbeiter – wenn auch nicht alle vollzeitig – zur Seite stehen, konnten die Seminarteilnehmer einen Blick in ein Zimmer, ein Bad und den Friseursalon werfen und sie erfuhren, was ein „Blister“ bedeutet, nämlich Medikamentenstellung durch die Apotheke und Kontrolle durch das Personal. In der Tagespflegestätte „El Friede“ besichtigten die Besucher den Ruheraum, die Bar mit dem Speisesaal und die sehr geräumige Terrasse. Hier kostet der Aufenthalt 80,00 € pro Tag. Diese beiden Einrichtungen hinterließen einen hervorragenden Eindruck. Anschließend wurde die geplante Rundfahrt durch Berlin, „eine Stadt für alle Generationen“, durchgeführt. Dabei hatten die ausländischen Teilnehmer auch die Gelegenheit am Grab von Käte Tresenreuter, der Gründerin und Vorsitzenden des Freundeskreises Mittel-, Ost- und Südosteuropa, gebührend Abschied zu nehmen.

Béla János Bács hielt eine rührende Ansprache, in der er sich für den beispiellosen Einsatz der Verstorbenen zu Gunsten der älteren Menschen in Europa bedankte. Die schlichte Feier am Grab endete mit dem Lied „Guten Abend, gute Nacht…“, das immer zu den Tagesabschlüssen bei den Seminaren gesungen wurde.


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Mittwoch, der 8. Mai 2013 Margit Hankewitz eröffnete am Mittwoch, dem 8. Mai 2013, den Seminartag, zu dem die Teilnehmer/innen noch erstaunlich fit erschienen sind. Der Tagesspruch lautete: „Fange nie an, aufzuhören – höre nie auf, anzufangen“. Das ist typisch für die Arbeit, die uns hier vereint. Frau Hankewitz fügte einen weiteren Spruch hinzu: „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“ – Mark Twain. Peter Stawenow, Moderator, verwies noch einmal auf den gestrigen Besuch in der Pflegeeinrichtung in Berlin-Lichtenberg und auf den Berliner Pflegeheimführer. Als Einstieg in das Thema „Altersarmut“ stellte er die Fragen: Wie zeigt sich Armut älterer Menschen? Wie begegnet uns Armut im Alter? Zu diesem Thema gab es 18 Wortmeldungen, die von Peter Stawenow sortiert und zusammengefasst wiedergegeben wurden. „Das erste, was ich Ihnen sagen möchte, dass Sie sehr gute Beobachter sind. Viele sehen das nicht, was Sie gesehen haben. Das hat verschiedene Gründe, entweder will man das nicht sehen, oder es geht einem so gut, dass man es ignoriert. Es gibt auch Menschen, die aus Schamgefühl heraus versuchen ihre Armut zu verbergen. Es ist ein dialektisches Gesetz, dass man immer von der Erscheinung zum Wesen oder von der Erscheinung zur Ursache kommt.“ „Auf die Frage, was denn Armut ist, kann man auf die europäische Definition verweisen, die besagt: Armut ist immer ein Defizit von oder zu etwas. Es geht nicht nur um die finanzielle Armut, es geht auch um die Armut sozialer Kontakte, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Man kann auch von Bildungsarmut sprechen, diese betrifft aber nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge. Armut kann auch infrastrukturell bedingt sein. So gibt es z.B. in Berlin: Mangel an Sitzgelegenheiten und an Toiletten, und auf dem Land: Mangel an Einkaufsmöglichkeiten, guten Verkehrsanbindungen, Post- u. Sparkassenagenturen. Armut ist also immer auf etwas bezogen. Wozu führt die Armut bei den Menschen: Einsamkeit, Isolation, Verlust des Selbstbewusstseins, des Selbstwertgefühls, Zukunftsängste, Krankheit. Man sagt: „Wer arm ist, stirbt eher.“ Es gibt ein weiteres Sprichwort: „Not macht erfinderisch.“ Wie kann ich mit Armut klarkommen? Wie war die Situation nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges? Die ältere Generation entwickelte dadurch ganz andere Überlegungen, um ihrer damaligen Situation gerecht zu werden. Es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit jeder Mensch ein Mindestmaß des Standards erreicht, von dem, was wir als wichtig und notwendig erachten.


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Lebenslanges Lernen Gita Magonite aus Lettland lieferte dazu den Einstieg (siehe Anhang Lettland). Einleitend stellte sie die Frage, ob sich alle Anwesenden in einer anderen Sprache begrüßen können und rief dazu auf, sich in ihrer jeweiligen Sprache „Guten Tag“ zu sagen und am Ende ihrer Ausführungen mit „Sehr gut und danke“ zu verabschieden. Dann stellte die Rednerin fest, dass das Lernenkönnen die wichtigste Fähigkeit des Menschen überhaupt ist. Das Anpassen an die Umgebung ist auch ein Lernen, und es hat vielen Tierarten ermöglicht, zu überleben und sich weiterzuentwickeln. Im Gegensatz zur Tierwelt verfügt die Menschheit über die Sprache als Mittel zur Information und Kommunikation. Gita Magonite erwähnte in diesem Zusammenhang die erstaunliche Entwicklung, die die Zivilisation gemacht hat und vom Kleinkind bis hin zum lebenslangen Lernen bewirkt, dass die Entwicklung mit der Verbesserung der menschlichen Persönlichkeit einhergeht. Sie sprach dann die Notwendigkeit, Möglichkeiten und Vorteile der Weiterbildung an und stellte die diesbezüglichen Angebote des lettischen Vereins RASA (Allianz der aktiven Senioren Rigas) vor. Nach diesem lockeren Einstieg stellte unser Moderator, Peter Stawenow, folgende Fragen: Was sollen wir alles lernen? Wie lernen wir? Wäre es nicht besser, Methoden zu lernen, wie man zu Informationen kommt und wie man Probleme löst, denn je mehr man weiß, um so mehr neue Fragen stellen sich. Wie kann man mit der immer schneller verlaufenden Entwicklung Schritt halten? Zu diesem Fragenkomplex gab es 5 Wortmeldungen. In seiner Zusammenfassung stellte Peter Stawenow heraus, dass wir deshalb lernen, um unser Leben gestalten zu können, um bestimmte Interessen und unsere Neugier zu befriedigen, um Fakten, Informationen und Zahlen zu erfassen und darüber hinaus uns Fähigkeiten anzueignen, diese in Zusammenhänge zu setzen, nach Hintergründen und Ursachen zu fragen, Folgerungen zu ziehen und Wissen sowie Fähigkeiten, die man schon hatte, so lange es geht, zu erhalten. Das ist die Herausforderung aufgrund des Immer-Älter-Werdens und der Demenzerkrankung. Man kann auch in die Situation z. B. bei Schlaganfall kommen, vorher Gelerntes wieder neu lernen zu müssen. Man muss lernen, wie man lernt. Man muss auch Werte, Überzeugungen und Einstellungen, wie Höflichkeit, Freundlichkeit und z. B. Achtung vor dem Alter oder Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln. Das Lernen ist auch keine Einbahnstraße, es ist generationsübergreifend: Ältere Menschen geben ihre Erfahrungen an jüngere weiter und die wiederum ihr Wissen und Methoden an die älteren. Hier ist nicht die Situation, in der es Schüler und Lehrer gibt, sondern wir sind je nach Lage alle Lehrer oder alle Schüler. Wir lernen voneinander und untereinander. Es gibt auch immer einen Grund, warum man etwas lernen will oder muss, z. B. Umschulung nach der Wende oder Kontakthalten mit der Entwicklung. In diesem Zusammenhang geht es uns darum, anderen Menschen beim Lernen beizustehen und umgekehrt selber zu lernen. Dazu braucht man Orte, wo man das


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tun kann, man braucht die sozialen Kontakte, denn gemeinsames Lernen macht mehr Freude. Niemand darf von Entwicklung und Wissen abgekoppelt werden, denn Wissen ist Macht. Man muss sich Schulung und Wissen leisten können. Deshalb sollte es Orte geben, wo die Wissensvermittlung unentgeltlich erfolgt.

Sozialkulturelle Einrichtungen, Begegnungsstätten, Stadtteilzentren Peter Stawenow blickte noch einmal kurz zurück auf das Europa-Seminar im Mai 2012, in dem wir uns auf die Prinzipien, Kriterien und Inhalte der offenen Altenarbeit verständigt haben. Dabei gibt es, was die Inhalte anbelangt, vier Säulen (die vier B’s): Beratung, Betreuung, Begegnung und Bildung. Zum Punkt Begegnungsstätten lieferten Irina Sagaitiené und Vilhelmina Pundiené aus Litauen anhand einer Powerpoint-Darstellung den Einstieg (siehe Anhang Litauen). Sie brachten einleitend eine Statistik, die den Einfluss des demografischen Wandels auf die Einwohner Litauens sowie deren Rentenniveau veranschaulicht. Dann berichteten sie über das Leben der Senioren am Beispiel einerseits der Landmannschaftsorganisation „Schwentschönija“ und andererseits des deutschen Clubs LOTTE, der 1995 von der Germanistin der Universität Vilnius Frau Marija Ciurliene gegründet wurde. Zum Schluss zeigte Irina Sagatiené einen kurzen Filmausschnitt aus dem „Essen für Deutschland“, zu dem der Club LOTTE von der Deutschen Botschaft im April 2013 eingeladen worden war. Peter Stawenow erkundigte sich bei den einzelnen Ländervertretungen, was seit dem letzten Treffen im Mai 2012 bei ihnen Neues geschaffen wurde. Er wies darauf hin, dass sich im Sozialwerk Berlin nach dem Ableben der Vorsitzenden Käte Tresenreuter schon manches geändert hat. Dazu hat Margit Hankewitz gesagt: „Wir haben die Tradition im Herzen und die Zukunft in der Hand“. Sie gestalten in ihren Ländern auch die Zukunft in ihren Organisationen und Klubs. Dabei werden sie und wir vor bestimmte Herausforderungen gestellt. Dazu haben wir letztes Jahr schon gesagt: Wir orientieren unsere Arbeit immer an den Bedürfnissen der älteren Menschen, das ist unser Ausgangspunkt. So wie sich die Menschen oder die Bedürfnisse verändern, verändern sich auch unsere Angebote und Unterstützungsleistungen. Auf welche Veränderungen haben wir uns in unserer Arbeit einzustellen? „Die Gedanken, die ich jetzt äußere, sollen nicht als Resignation verstanden werden oder Pessimismus verbreiten, sondern zum Nachdenken anregen, wie wir uns auf diese Entwicklungen einstellen können“. Eine Herausforderung haben wir in unseren Gesprächen schon benannt: Es wird immer mehr Menschen geben, die immer noch über mehr Nichtarbeitszeit verfügen werden, durch Arbeitszeitverkürzung,


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Arbeitslosigkeit, aber auch durch die gestiegene Lebenserwartung. Was fangen wir mit dieser Lebenszeit an? Eine zweite Herausforderung ist: Die Freizeit auch der Menschen, die berufstätig sind, lässt sich nicht mehr genau feststellen, weil wegen Überstunden, Arbeit in Schichten, flexible Arbeitszeitgestaltungen, Zweit-Jobs man nicht mehr sagen kann, dass die Berufstätigen und die Familien immer sonnabends, sonntags oder werktags ab 16:00 Uhr Zeit haben. Die Freizeit verändert sich somit auch. Dritter Punkt: Es wird so sein, dass die Menschen immer mehr Wünsche haben, und erfüllte Wünsche rufen immer wieder neue Wünsche hervor. Das führt auf der anderen Seite aber auch zur Verschuldung. Des Weiteren: Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird immer größer. Ergriffene Sparmaßnahmen der Regierungen machen nicht vor dem Sozialbereich Halt. Die Menschen und besonders die älteren Menschen lassen ihre persönlichen Freiheiten nicht einengen, sie möchten selbstbestimmt das tun, was sie für notwendig und wichtig erachten. Das führt auch dazu, dass die älteren Menschen, und nicht nur die, sich nicht mehr als Mitglieder in Organisationen oder Parteien oder Kirchen einengen lassen. Dann stellen wir auch fest, dass bei den Menschen die Politikverdrossenheit zunimmt und sie sich fragen: Kann ich überhaupt etwas ändern, macht das alles überhaupt noch Sinn? Diese Entwicklung stellt man bei der schwächelnden Beteiligung an Wahlen fest. Die Anzahl der Einzelhaushalte wird immer grösser, dies bringt Vereinsamung und Isolation mit sich. Das Aufsichselbst-Fixiert-Sein, der Egoismus ist da und dem muss entgegengewirkt werden. Es gibt aber auch gegenläufige Bemühungen, indem wir versuchen, mit unseren Organisationen und Einrichtungen den oben genannten Entwicklungstendenzen Rechnung zu tragen. Das bedeutet auch, wenn sich die Zeit nicht genau fixieren lässt, dass wir als Sozialwerk Berlin von Anfang an unsere Einrichtung täglich auch sonntags und an Feiertagen jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet haben und dass wir uns fragen, wie wir die zeitlichen und räumlichen Grenzen sprengen können. Sollen wir die älteren Menschen zu uns herholen oder sollen wir zu ihnen hingegen, so wie wir es mit dem Besuchsdienst machen? Auch der Besuchsdienst wird sich verändern und weiterentwickeln, so gehen wir z.B. mit unserem Schlösschen-Chor in Pflegeeinrichtungen. Wenn es darum geht, finanzielle Grenzen zu sprengen – denn es gibt immer weniger Geld für unsere Arbeit – muss man erfinderisch sein, wie man Geld akquirieren kann (Basar, Kulturveranstaltungen, Modenschauen, SponseringMöglichkeiten usw.). Man soll auch darüber nachdenken, wie man gesetzlich vorgegebene Grenzen sprengt. Das ist uns in bestimmten Punkten schon gelungen (Seniorenmitwirkungsgesetz; das Projekt „Ältere Menschen ermitteln selbst die Situation in Pflegeeinrichtungen“ gab Anregungen zum Wohnteilhabegesetz). Uns ist aber noch nicht gelungen, Grenzen zu sprengen, was die Zuwendung und Abrechnung finanzieller Mittel betrifft. Da gibt es noch so viel Bürokratie, die man vereinfachen könnte.


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Wir haben auch über ideelle Grenzen gesprochen und versucht, sie abzubauen (Vorbehalte zwischen Ost und West, zwischen den Nationalitäten, zwischen den Migranten und den Deutschen). Es gibt auch Grenzen, die die Wertvorstellungen betreffen: Weg vom Konsumrausch oder Egoismus oder Konkurrenzdenken hin zur Gemeinschaft und Solidarität, Hilfe und Unterstützung untereinander. Das sind Dinge, die wir mit unserem Sozialwerk und Sie mit Ihren Einrichtungen oder anderen Organisationen, die ohne eine Einrichtung zu haben, dazu beitragen, das Leben für die Menschen lebenswerter zu gestalten. Das ist eine schwere Aufgabe, aber sie macht auch Freude. Wenn es gelingt, hier weiter voranzukommen, dann haben wir für die älteren Menschen etwas Gutes getan. Weil diese Räume, diese Klubs, diese Begegnungsstätten einen Rahmen bilden für Sport, Gymnastik, Yoga, Sprachen, Handarbeit, Malen, Singen und die Möglichkeit bieten, soziale Kontakte zu knüpfen und zu erhalten. Es kommt gar nicht darauf an, warum man sich trifft, sondern es sind diese sozialen Kontakte, die zeigen, dass man füreinander da ist, einander zuhört und aus dieser Praxis heraus, Fragen und Probleme aufnimmt. Vor diesen Herausforderungen soll man nicht die Augen verschließen, sondern sie mit viel Kraft und Elan angehen. Herr Professor Dr. Jan Solich musste sich nun verabschieden. Er wies aber noch darauf hin, dass wir bei dem Ganzen etwas vergessen haben, nämlich zu all dieser Arbeit gehört noch die Liebe, die viele Facetten hat. „Schon durch eine Streicheleinheit kann ein Mensch an Lebensqualität gewinnen“. Unter Leitung von Frau Barbara Pudig stimmten die Seminarteilnehmer für die Verabschiedung von Herrn Professor Solich aus der Tschechei den Kanon an: „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen, Gesundheit und Frohsinn sei auch mit dabei“.

„Verhinderung von Altersdiskriminierungen“ Zu Beginn stellte der Moderator Peter Stawenow die provozierende Frage, ob es überhaupt eine Altersdiskriminierung, sprich Benachteiligung aufgrund des Alters gibt. Es erhob sich ein Aufschrei unter den Teilnehmern, die mit einem deutlichen „JA“ antworteten. Dann lieferten acht von ihnen eine Reihe bezeichnender Beispiele: Einstellung des PCs auf eine größere Schrift, Ablehnung einer etwas älteren Chefsekretärin, Diskriminierungen in der Familie (Erbschaftsangelegenheiten, Übertragung von Bankvollmachten an die Kinder, erhöhte Beiträge an die Versicherungen, Ablehnung von Krediten (dazu sind Gesetzesänderungen erforderlich), wohlgemeinte Hilfestellungen falsch aufgefasst, z. B. Anbieten eines Sitzplatzes in der S-Bahn, Problem trotz Qualifikation eine Stellung in fortgeschrittenerem Alter zu bekommen, Verweigerung von Operationen). Nach diesen etwas kontrovers vorgetragenen und diskutierten Beispielen, kam Peter Stawenow zu dem Schluss, dass Altersdiskriminierung immer dann gegeben ist, wenn man eine Benachteiligung aufgrund seines Alters gegenüber den Mitmenschen erleidet. „Es kommt auch darauf an, dieses Problem öffentlich zu


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machen, die Felder, wo Altersdiskriminierung passiert, aufzuzeigen, denn sie reduziert sich, wie wir gesehen haben, nicht nur auf einen Bereich.“ Es bedarf gesetzlicher Bestimmungen und Regelungen, um vonseiten des Staates zu demonstrieren, dass im Sinne des Grundgesetzes alle Menschen gleich sind. Dazu gibt es schon ein Gleichstellungsgesetz, das aber nur dann mit Leben erfüllt werden kann, wenn alle sich daran halten und die Dinge, die nicht in Ordnung sind, öffentlich machen. Darum haben wir vor drei Jahren Politiker angesprochen, die im Berliner Abgeordnetenhaus eine Anfrage gestartet haben, um zu erfah-ren, welche Gesetze und Bestimmungen es gibt, in denen Altersgrenzen enthalten sind, die einer Altersdiskriminierung Vorschub leisten. Es war ganz interesssant, was dabei herausgekommen ist. Da gibt es z. B. Festlegungen, dass Personen über 70 Jahre nicht mehr als ehrenamtliche Schöffen arbeiten dürfen. Es gab auch die Diskussion in Richtung Selbstbestimmung. Man muss immer beide Seiten beachten, eines Menschen Wunsch respektieren und umgekehrt auch schon eine einmal angebotene Hilfestellung annehmen. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Anwesenden dafür sind, dass ab 70 Jahre alle 5 Jahre eine Fahrprüfung gemacht werden sollte. Dies war auch ein kontrovers diskutiertes Thema: Altersdiskriminierung oder Verkehrssicherheit. Man sollte derartige Vorschriften nicht an einer Altersgrenze festmachen. Jeder Mensch hat eine eigene Entwicklung mitgemacht und hat einen eigenen Gesundheitszustand, man sollte diese Angelegenheit individuell angehen. Zum Thema Altersdiskriminierung abschließend zwei Sprüche: „Junge Leute laufen schneller und ältere Leute wissen besser wohin.“ „Ein Alter im Sitzen sieht mehr als ein Junger im Stehen.“

Verbraucherschutz älterer Menschen Peter Stawenow schlug als Einstieg vor, dieses Thema in zwei Teile zu sortieren. Man sollte ältere Menschen schützen einerseits vor Haustürgeschäften, Telefonwerbung, die in Telefonterror ausarten kann, aber auch vor Gesetzestexten und Formulierungen, die keiner mehr verstehen kann, andererseits in der Produktentwicklung vor Tendenzen alles kleiner (Mobilfunk) oder komplexer (Fernbedienung) zu machen. Dies führt dazu zu fragen: Was macht man im Sinne des Verbrauchers und des Verbraucherschutzes an Produkten, die das Leben der älteren Menschen erleichtern? Es gibt immer mehr Produkte und es wird immer komplizierter, das Richtige zu finden. Dabei geht es nicht nur um technische Erzeugnisse, sondern zum Beispiel auch um die Frage, wie man eine geeignete Pflegeeinrichtung auswählt. Auch dort muss Hilfestellung und Unterstützung gegeben werden. Was brauchen denn ältere Menschen? Es gab acht Wortmeldungen mit u. a. folgenden Hinweisen: - Einkaufswagen mit einer Lupe - Große lesbare Schilder und Preisschilder - Angaben, Gebrauchshinweise und Fachausdrücke auf Deutsch statt auf Englisch Es gibt eine Broschüre, die von der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) herausgegeben wurde und benutzerfreundliche Produkte


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vorstellt, welche leicht bedienbar und generationengerecht sind (Mobilfunk, Telefon, Aufnahme- und Abspielgeräte, Musikanlangen, Staubsauger, Dosenöffner, Korkenzie-her). Darin werden auch Hinweise gegeben, z. B. auf welcher Basis Mobilfunkverträge abgeschlossen und Bedienungsanleitungen vorgestellt werden. Diese Broschüre wurde aus Sicht der älteren Menschen gemacht, die dazu ihre Erfahrungen geschildert und eingebracht haben, dass ein bestimmtes Gerät die und die Eigenschaften haben müsste. Nach langen Diskussionen über den erstgenannten Teil gibt es jetzt eine Aufklärungsarbeit, was die Heimverträge anbelangt. Die Verbraucherschutzzentrale hat hierüber Vorträge im Sozialwerk Berlin abgehalten. Die Fraunhofer Gesellschaft hat Produkte vorgestellt und in einer Umfrage um die Meinung der Zuhörer gebeten. Diese Anregungen wurden dann weitergegeben und umgesetzt. Die Firmen - wenn sie überleben wollen - sind gezwungen, lebenslang zu lernen und ihre Produkte anzupassen, sonst werden diese einfach nicht mehr gekauft. Nicht nur die Forschungsabteilungen allein machen das, sondern diese Produkte werden verstärkt auch in Kommunikation mit den Menschen selber und in Erprobung entwickelt. Man muss dabei darauf achten, seine Anregungen und Wünsche richtig zu artikulieren und aufpassen, dass man nicht zu Versuchskaninchen der Wirtschaft wird. Die Technik ersetzt nie den Menschen.

Ältere Menschen als Teil der Familie Peter Stawenow: Es hat sich in den drei Arbeitstagen herauskristallisiert, dass es Familientraditionen gibt und sich auch Traditionen in den einzelnen Ländern herausgebildet haben. Es gibt auch objektive Entwicklungen, die in vielen Ländern die gleichen sind. So nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte immer stärker zu, u. a., weil die Kinder arbeitsbedingt weggezogen sind. Das andere ist aber auch, dass aus der Situation und vielleicht aus der Not heraus mehrere Generationen in einer Wohnung leben müssen. Es gibt also unterschiedliche Entwicklungstrends, über die wir uns austauschen sollten bis hin zu der Feststellung, dass Diskriminierung in der Familie stattfindet. Umgekehrt herrscht auch Solidarität in der Familie, wenn z. B. Kinder die Eltern oder einen Elternteil finanziell unterstützen. Nach diesem Einstieg gab es sieben Wortmeldungen. Das Schlüsselwort ist LIEBE. Entscheidend ist, wie die Menschen miteinander umgehen, wie der ältere Mensch in der Familie akzeptiert ist. Wenn das nicht stimmt, nützt auch das viele Geld oder das eigene Zimmer nichts. Sich wohlfühlen ist das Entscheidende. Das kann man aber nicht erzwingen, das müssen die Eltern den Kindern vorleben. Früher gab es fast nur die zusammenfunktionierenden Großfamilien, heute bietet das Einzelwohnen eine Möglichkeit zur Bereicherung. Geht in der Familie etwas schief, dann gibt es noch andere Gemeinschaften, in denen aus der Familie Ausgeschlossene ein neues Leben anfangen können. Viele Eltern möchten gar nicht bei ihren Kindern leben, wenn sie alt und gebrechlich werden und sie möchten nicht von ihnen betreut werden müssen. Es kommt auf die Definition an. Die Familie definiert sich nicht durch die gemeinsame Wohnung, es geht um die Beziehungen und nicht um die geografischen Gegebenheiten. Es gibt ja Telefone, und man kann sich ein paar Mal im


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Jahr zu Familienfeiern treffen. Heute sind wir finanziell in der glücklichen Lage, uns Einzelwohnungen leisten zu können. Man freut sich darauf, wenn die Kinder kommen, freut sich aber auch, wenn sie wieder gehen. Ob man in der Familie oder in einer anderen Gruppe oder in einer Wohngemeinschaft (WG) lebt, entscheidend ist die Liebe zum Menschen, damit die Gemeinschaft funktioniert. Wenn die Kinder sagen: „Wenn es euch einmal schlecht geht, dann kommt ihr zu uns!“, soll man nicht sagen: „ Nein, niemals!“, sondern sollte dankbar sein dafür, dass sie so denken, denn viele Kinder schieben ihre Eltern ab und sind froh, wenn sie nicht mehr da sind. Die Nähe zu den Personen ist wichtig. Wenn die Kinder berufstätig sind, dann haben sie abends nicht mehr die Kraft, um sich noch um die Eltern zu kümmern, das hat nichts mit Egoismus zu tun. Peter Stawenow stellte zusammenfassend die Frage: Was hat sich denn im Vergleich zu früher verändert? -

die Familiengrößen, heute gibt weniger Kinder die ökonomische Selbstständigkeit von Männer und Frauen die verstärkten Trennungstendenzen die größeren Entfernungen zwischen den Familienangehörigen die Schnelligkeit miteinander in Kontakt zu treten die vorherrschende Rolle des Familienoberhauptes die Lebenserwartung hat sich erweitert die Erwartungshaltung den Kindern gegenüber (nicht zur Last fallen) das Entstehen von Ersatzfamilien (Interessengruppen, Vereine, Nachbarschaften)

Es gilt das Sprichwort: Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Der Mensch ist ein in einer Gemeinschaft groß gewordenes soziales Wesen, das immer wieder Kontakte braucht und sucht.


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Eindrücke und Bewertungen Peter Stawenow schlug vor, dabei zwei Dinge in Betracht zu ziehen: Gibt es irgendetwas, was ich gern gesagt hätte, aber keine Chance hatte, es vorzubringen? (Sollte es noch Anregungen geben, dann sollen sie benannt werden.) Ist meine Erwartungshaltung an das Seminar erfüllt worden?

In ihrer Beurteilung stellten die Teilnehmer u. a. fest, dass dies eines der lebhaftesten Seminare überhaupt war. Des Weiteren kam es zu folgenden Stellungnahmen: - Wir haben viel von unseren ausländischen Gästen erfahren. - Diese haben sich schon im Vorfeld auf die einzelnen Themen vorbereitet. - Die Rolle der Religion zur Frage der Altersarmut: Es gibt unterschiedliche Positionen: Im Christentum werden Wohlstand und Reichtum gar nicht so viel hofiert, es gilt, sich auf das Leben nach dem Tod vorzubereiten. Im Calvinismus, aus der Schweiz, herrscht hingegen die Meinung vor, dass Armut eine Sünde ist. Der berühmte Soziologe Max Weber hat daraus die Entwicklung des Kapitalismus erklärt. Der Calvinismus war dessen Motivation und Antriebskraft. In der Gnade Gottes stehen heißt, möglichst viele materielle Güter anzuhäufen. - Man hat sich diesmal auf die vielen Themen vorbereitet, auch schriftlich. Das war eine große Bereicherung. Die Erkenntnisse sind auch anderweitig einsetztbar. - Dieses Seminar wurde von einer neuen Mannschaft organisiert und es ist rundherum gelungen. Jeder konnte sagen, was er wollte. - Wie immer wurden wir im wunderschönen Monat Mai zum Seminar nach Berlin eingeladen, dazu unser herzlicher Dank. Der Besuch der Altenpflegeeinrichtung und der Abschied auf dem Friedhof von Frau Käte Tresenreuter waren sehr beeindruckend. - Die Vorträge waren sehr aussagekräftig und nützlich.


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- Es sind große Änderungen eingetreten, die sich auch in der Neugestaltung des Seminars widerspiegeln. - Das Seminar war anders als letztes Jahr. Dieses Mal gab es lebensnahe Beispiele wie der Besuch der Pflegeeinrichtung, Gedächtnistraining, Bewegungslehre und bezahlbares Wohnen. - Das Seminar hat uns sehr viel geholfen. - Es sind neue Ideen zu uns gekommen. Die Menschen sind überall gleich und haben überall die gleichen Probleme. - Das Seminar bot den ausländischen Gästen die Gelegenheit, sich im Gebrauch der deutschen Sprache zu üben. - Das Ehepaar Tresenreuter wurde vermisst. Es war schön, neue Teilnehmer kennenzulernen. Die Beiträge waren sehr gut. Vielen Dank in allen anwesenden Sprachen. - In unserem Sozialwerk Berlin, in unserem Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum sind alle Gegenstände der Diskussionen verwirklicht worden. Es hat uns gefreut, diese Bestätigung zu erhalten, dass wir nicht nur die Tradition hier pflegen, sondern auch in die Zukunft schauen. Wir bemühen uns immer, mit der Zeit zu gehen und das wird auch von allen gutgeheißen. In seinem Schlusswort führte Peter Stawenow aus: „Es hat große Freude bereitet, die drei Tage auch inhaltlich mit Ihnen zu bestreiten, weil Sie langsam und laut gesprochen haben, kurze verständliche Sätze gebildet haben. Ich möchte mich dafür bedanken, dass Sie keine Angst hatten, das zu sagen, was sie denken und für die Toleranz den anderen zuzuhören. Wer logisch denkt und Liebe hat zu den Menschen, der kommt zu den gleichen Erkenntnissen, die man überall verkünden und umsetzen kann. Wir geben uns gern gegenseitig Tipps und Hinweise über das, worauf man aufpassen soll, um nicht die Fehler, die andere gemacht haben, zu wiederholen. Entscheidend ist immer die Überlegung, wenn wir etwas für die älteren Menschen tun wollen, dann sollten und müssten wir wissen, was diese möchten. Das war auch eines der Anliegen des Seminars. Wir sind eine riesige Ersatzfamilie. In diesem Sinne vielen Dank dafür, dass Sie hier mitgemacht haben, auch in der Vorbereitung. Es ist ein Gemeinschaftswerk.“ Margit Hankewitz sprach dann folgendes Schlusswort: „Zu allen Themen hätte ich aus den Erfahrungen der letzten Monate viel sagen können. Was die Erwartungen anbelangt, so muss ich sagen, wenn man ein so großes Vorbild wie eine Käte Tresenreuter als Vorgängerin hat, dann muss man überlegen, wie dieses Werk weitergeführt werden kann. Daher ist mir das mit der Tradition im Herzen und der Zukunft in der Hand so wichtig. Ich habe ein gutes Gefühl, was den Freundeskreis Mittel-, Ost- und Südosteuropa betrifft, dass er weiter existiert, dass er immer mehr zusammenrückt und dass ein guter Austausch der Länder untereinander erfolgt. Die Probleme mögen in den einzelnen Ländern unterschiedlich sein, aber die menschlichen Gefühle, diese Probleme anzugehen und das ehrenamtliche Engagement sie zu lösen, sind überall gleich. Vielen Dank!“


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Am Abend fand noch eine lustige Abschlussveranstaltung im Festsaal des KäteTresenreuter-Hauses statt, bei der so mancher „Künstler“ auch aus unserem Freundeskreis auftrat. Höhepunkt war die schon zur Tradition gewordenen Darbietungen unseres Schlösschen-Chors.

Auftritt beim Abschiedsabend unseres Schlösschen-Chors unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Striebeck

Materialien: Folgende Unterlagen wurden den Seminarteilnehmern zur Ansicht zur Verfügung gestellt: -Erfahrung für Berlin: Generation 60+ bestimmt mit! (Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales) - Gesund älter werden (Publikation Nr. 36 der BAGSO) - Berliner Zeitung vom 07.01.2013: „Alte im Abseits“ von Daniel Baumann Diese Materialien werden mit dem Bericht über das Europaseminar 2013 mitversandt.


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Anhänge Anhang 1 Vortrag zum Thema: Vortrag „Mitbestimmung von Senioren in Berlin“

Dr. Klaus Sack Vorstandsmitglied im Landesseniorenbeirat Berlin

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1. Ausgewählte statistische Angaben • Berlin: 3,54 Mill. Einwohner 863.500 über 60 Jahre 148.00 über 80 Jahre BRD: ca. 83 Mill. Einwohner

• in der BRD leben ca. 17 Mill. Senioren • bis 2030 Erhöhung der über 65-Jährigen • Zahl der über 80-Jährigen verdoppelt sich 2

Senioren und Migranten • Migranten in Berlin = 900.000 • Migranten in der BRD = 16 Millionen (19%) ca. 1 Million im Rentenalter, Tendenz steigend • in den Bezirken Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain z.B. : 30% der Senioren mit Migrationshintergrund • in Berlin leben Menschen aus 189 Nationen – aus 140 Religionsgemeinschaften – verteilt auf alle Altersgruppen • Ansteigen der Pflegebedürftigen von heute 107.000 auf 170.000 bis zum Jahr 2030 • bis 2030: Berlin wächst um ca. 250.000 Bürger 3


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2. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Seniorenpolitik • Zusammenhalt der Gesellschaft braucht Rahmenbedingungen • Förderung von Eigeninitiative und Beteiligungsmöglichkeiten • Unterstützung zivilgesellschaftlichen Engagements • Verständnis von Seniorenpolitik als Generationenpolitik 4

• Gesellschaftliche Akzeptenz für ein verändertes Altenbild im Sinne der Nutzung der Potenziale des Alters • Seniorenmitwirkung muss politisch gewollt sein • Seniorenvertretungen forderten seit langem ein Seniorengesetz • 1999 beschließt der Senat „Leitlinien zur künftigen Seniorenpolitik“ 5

• Wachsender Druck auf die politischen Akteure durch Seniorenorganisationen • 2006 trat das erste „Seniorenmitwirkungsgesetz“ in Berlin in Kraft • Ein Bundesseniorengesetz wurde von der Regierung abgelehnt.

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3. Seniorenmitwirkungsgesetz 3.1. Ziele des Gesetzes

3.2. Bezirkliche Seniorenvertretungen Wahlprocedere

• Förderung der aktiven Beteiligung am sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben • Verbesserung der Beziehungen der Generationen – Nutzung der Erfahrungen der „Alten“ • Gewährleistung des Älterwerdens in Würde • (Das Gesetz gilt für Personen ab 60 Jahren mit Hauptwohnsitz im Land Berlin)

Kandidaten aus: Seniorenorganisationen Seniorenheime Freizeitstätten - Vorstellung/Anhörung der Kandidaten - 13 – 17 Mitglieder pro Bezirk (Berufung durch Bezirk) für 5 Jahre (entsprechend der Bezirksverordnetenversammlung) - Tätigkeit ist ehrenamtlich - Vorstand :1 Vorsitzender; 1 Stellvertreter; 1 Schriftführer; 1 Schatzmeister (Finanzen) 7

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3.3 Aufgaben der bezirklichen Seniorenvertretungen

• Abhalten von Bürgersprechstunden • jährlich 1 Arbeitsbericht an das Bezirksamt • Unterstützung erhält die Seniorenvertretung durch das Bezirksamt mit:

• Rederecht in den Ausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung (kein Entscheidungsrecht) • Vorschläge zu Maßnahmen der Bezirke • Beratung und Unterstützung älterer Bürger • breite Öffentlichkeitsarbeit • Kontaktpflege zu Heimen, Freizeitstätten, Seniorenorganisationen

  

Räumen technischer Ausstattung personeller Hilfe

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3.4. Landesseniorenvertretung (LSV) • Mitglieder: Vorsitzende und Stellvertreter der Bezirksseniorenvertretungen (12 Bezirke in Berlin) • Vorstand: Vorsitzender, Stellvertreter Schriftführer, Schatzmeister • Aufgaben: Unterstützung der Seniorenarbeit auf Landesebene Mitarbeit im Bundesverband der Landesseniorenvertretungen Mitwirkung der 12 Bezirksvorsitzenden im Landesseniorenbeirat Berlin (LSBB) jährlicher Tätigkeitsbericht an den Senat 11

3.5. Landesseniorenbeirat (LSBB)

Zusammensetzung: 12 Vorsitzende der Bezirksseniorenvertretungen

12 Vertreter aus Seniorenorganisationen (Vorschlag aus Landesseniorenvertretung)

Vertreter aus Migrantenorganisationen

Vertreter aus der Senatsverwaltung Gesundheit und Soziales (werden nicht berufen) 12

3.6. Aufgaben des LSBB

• Beratung Senat und Abgeordnetenhaus (Parlament) zu seniorenpolitischen Fragen • Abfordern von Informationen über geplante Vorhaben der Exekutive • Beratungen finden alle 2 Monate statt • Information der Öffentlichkeit incl. der Seniorenorganisationen zu aktuellen Themen, Rechtsvorschriften und deren Umsetzung. 13


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• Durchführung von Fachtagungen • Teilnahme der Mitglieder an Veranstaltungen anderer Organisationen und Gremien • Erarbeitung eines Berichtes mit Ergebnissen und Problemstellungen an den Senat Der LSBB wird durch den Senat bei der Arbeit unterstützt (Räume, techn. Ausstattung und Haushaltsmittel)

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3.7. Arbeitsgruppen des LSBB

• • • • • • •

AG „Pflege, Gesundheit u. Verbraucherschutz“ AG „Migration“ AG „Bauen, Wohnen und Umwelt“ AG „ Ehrenamt und Selbsthilfe“ AG „Alter und Armut“ AG „Mobilität und Verkehr“ AG „Öffentlichkeitsarbeit“ 15

Arbeitsgrundlage der AG`s des LSBB

• Im Seniorenmitwirkungsgesetz ist die Bildung von AG`s nicht explizit ausgewiesen. • Entstehung der AG`s aus praktischen Erfahrungen und Erkenntnissen bei der Aufbereitung von Problemen. • Alle AG`s behandeln spezielle Themen und befassen sich mit seniorenrelevanten Themen. • Die AG`s arbeiten selbstständig und ehrenamtlich. 16

Teilnehmer der AG`s des LSBB

• Mitglieder der bezirklichen Seniorenvertretungen • Mitglieder des Landesseniorenbeirates • fachkompetente externe Personen • Leitung jeder Gruppe durch: ersten Sprecher; durch zweiten Sprecher und einen Schriftführer 17


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Themen der AG`s des LSBB

• kulturelle, wirtschaftliche und soziale Probleme der Stadt Berlin • Standpunktbildung zu Gesetzesvorhaben • Aufträge vom Landesseniorenbeirat • regelmäßige Tagungen – alle 2 Monate (zeitlich vor den Beratungen des LSBB) • Berichterstattung in den Beratungen des LSBB

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4. Aktivitäten von Seniorenvertretungen • Mitarbeit in Heimbeiräten • Unterstützung von Freizeiteinrichtungen im Kampf gegen Schließung – infolge Geldmangel • Unterstützung für Einrichtungen von Obdachlosen • Kampf um barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Einrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln • Info-Stände auf Märkten • Proteste gegen Mietwucher (Mieterbeirat Senioren) • Workshops zur Öffentlichkeitsarbeit 19

weitere Aktivitäten des LSBB

5. Aktivitäten des Landesseniorenbeirates • Eintreten gegen Altersdiskriminierung (keine Kredite bei Banken, keine Versicherungen für ältere Bürger) • Forderungen nach Sicherung der fachärztlichen Versorgung in Heimen • für bezahlbaren Wohnraum – gegen Verdrängung • Proteste gegen Preiserhöhungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln • Teilnahme an der Seniorenwoche (1x im Jahrhier ca. 180 Infostände von Organisationen, Verbänden und Seniorenvertretungen)

• Seniorenparlament im Abgeordnetenhaus (1x im Jahr) Motto: „Senioren fragen – Senatoren und Parteien antworten“ • Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen sowie zu Perspektivmaterialien des Senats z. B. : zum Integrationsgesetz : zu den Leitlinien der Seniorenpolitik : zum Bericht zur Lage älterer Bürger der Stadt Berlin

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6. Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Verwirklichung der Mitbestimmung • Volle Durchsetzung der Mitbestimmung ist stets Kampf gegen Widerstände in der Verwaltung und in den Entscheidungsgremien (Parteien, Fachabteilungen, Parlament) • Seniorenarbeit darf nicht auf ein Verwaltungsressort begrenzt sein, sie ist ressortübergreifend zu führen. • Das Seniorenmitwirkungsgesetz trug zur Veränderung des Altenbildes in der Gesellschaft bei. 22


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• Senioren von heute wollen auch nach ihrem Arbeitsleben noch gesellschaftlich aktiv sein, sie wollen gefragt werden, wenn es um ihre Probleme geht. • Sie wollen mitbestimmen und mitgestalten. • Das Gesetz führte auch in den Verwaltungen zu veränderten Einstellungen zu Senioren und aktivierte bisher passive „Bürokraten“ • Insgesamt stellt das Gesetz eine politische Aufwertung des Engagements der Senioren dar und motiviert zu weiteren Aktivitäten. 23

7. Probleme der bisherigen 2 Wahlen zu den Seniorenvertretungen • • • • •

sehr geringe Wahlbeteiligung zu wenig Standorte im Bezirk als Wahllokal keine Briefwahl Keine Kopplung mit Bezirksparlamentswahlen Erkenntnisse: : Kandidaten langfristig werben – bessere Vorbereitung auf die ehrenamtliche Arbeit : fachliche Kompetenz bei den Kandidaten prüfen : notwendige Mindeststandards prüfen (Fahrgelder, Arbeitsräume, Mitwirkung in den Ausschüssen) 24

Optimistische Sprüche zum Alter • „Nicht das Alter ist das Problem – sondern unsere Einstellung dazu..“ (Cicero 1000 v. Chr.) • Das Gesicht ist ein Abbild der Seele“ (Cicero) • Mit dem Leben ist es wie mit einem Theaterstück, es kommt nicht darauf an, wie lang es ist, sondern wie bunt. (L.A. Senaca; 65 nach Christi ) • „Alles was Spaß macht, hält jung“ (Curt Jürgens) • „Menschen über 70 fühlen sich in der Regel durchschnittlich 13 Jahre jünger als ihrem Lebensalter entspricht“ (Wissenschaft) 25

Danke!

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Mittel-, ost- und südosteuropäische Länder 1. Estland

Aili Kogerman Estnische Seniorenunion

Einwohner 1,290 Millionen  30,1 % Pensionäre  280 000 Alterspensionierte  400 000 Kinder und Studenten  600 000 Arbeitnehmer (Arbeitende Leute) 

  

Mittlere Lebensjahre 2000 2010 2015 M 65,18 70,62 72,5 F 76,00 80,52 82,52 Leute in Estland werden sehr schnell älter. In den letzten Jahren vergrösserte sich die Zahl der Leute 80+ um 6% in einen Jahr. Gesunde Jahre: M 53,4, Frauen 57,7

  

Altersrenten sind sehr niedrig  Altensheime sind sehr teuer  17% der Familien müssen ältere Familienmitglieder zu Hause betreuen 

1994 2000 2005 2013

30 100 166 331

Euro Euro Euro Euro

In Jahr 1990: - Union der Estnischen Pensionierten - Verbindung der Estnischen Pensionierten. Seit 1994 gehört die Union der Estnischen Pensionierten zur EURAG Heute gibt es in Estland nur eine überestnische Seniorenorganisation, die Union der Estnischen Seniorenverbindungen In jedem Dorf haben wir kleine Seniorenorganisationen. In Estland haben wir über 106 Tageszentren für ältere Leute.

Durch das Grundgesetz ist die Dummheit nicht verboten. Aber viele dumme Wähler sind sehr gefährlich. Es ist leicht sie zu manipulieren. Die neuen Seniorenorganisationen waren organisiert. Die Frage war, was wir in diesen neuen Organisationen machen. Darüber waren viele Diskussionen innerhalb der Organisation. Die Bildung der älteren Leute war organisiert in Form von Universitäten der Dritten Jugend bei den Organisationen und bei den Universitäten. Der erste Universität der Dritten Jugend bei der Tallinnschen Technischen Universität in 1993 war und ist bisher sehr populär.


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  

Es waren in den Neunziger Jahren unsinnige Zeiten. Die Frage war, wer kommt bei den ersten demokratischen Wahlen an die Macht: - neue progressive Leute mit Europaidee, -oder alte sovjetische Aktivisten. Schon damals waren die Rentner eine große Wählergruppe. Und mit den alten Leuten manipulierten die Politiker schamlos.

Die Idee der Selbsthilfe hat Frau Käte Tresenreuter in Herbst 1993 bei ihrem ersten Besuch in Tallinn mitgebracht. Selbsthilfe der älteren Leute war damals und ist bisher in Estland sehr populär.

Foto: Frau Käte Tresenreuter zu Besuch beim Ministerpräsidenten Mart Laar in 1999 in Tallinn

Aili Kogerman

Aili Kogerman (l.)

Lea Viires (r.)


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Die offene Altenarbeit entwickelt sich weiter. Die Mitglieder des Altenselbsthilfe- und Beratungsvereins in Tallinn streben immer danach etwas Neues zum Thema offene Altenarbeit dazuzulernen. Deswegen haben wir Kontakte mit verschiedenen staatlichen Organisationen, Bürgerinitiativen und Hochschulen geknüpft und wir arbeiten zusammen mit anderen Tageszentren Estlands. Sehr oft besuchen uns ausländische Delegationen und Gruppen von Sozialarbeitern. Unsere Tätigkeiten sind folgende: Hilfe für andere 40 aktive Mitglieder des Altenselbsthilfe- und Beratungsvereins haben sich zu einer Sozialgruppe zusammengeschlossen, um Menschen, die ohne Angehörige sind und sich einsam fühlen, zu besuchen. Zielgruppen für unsere Sozialgruppe sind: 1. Einzelne in Pflegeheimen in Krankenhäuser. Dort veranstalten wir individuelle Besuche, organisieren Gesprächsstunden. Unsere Mitglieder werden erwartet und sind sehr willkommen. 2. Einzelne zu Hause: Hauptsächlich individuelle Besuche. 3. Frühere Mitglieder des Vereins. Sie brauchen besondere Beachtung, sozialpsychologischer Kontakt ist für sie sehr wichtig. 4. Die Klienten beim Projekt „Hospiz des Älteren - Ehrenamtliche zur Unterstützung der letzten Lebensphase.“ 5. Großeltern, die ihre Enkelkinder allein, das heißt ohne Eltern, erziehen. (Eine führende Bank hat einen „Fonds für Großeltern“ gegründet.) Unsere Motto lautet: Andere Menschen zu unterstützen, bedeutet auch sich selbst zu helfen. Sozial - kulturelle Veranstaltungen Unser Verein veranstaltet viele Konzerte, bei denen Musikschüler, aber auch professionelle Musiker und Laienkünstler auftreten. Diese Konzerte sind sehr populär geworden und machen den Zuhörern viel Freude. Vorlesungen und Treffen mit Schriftstellern und anderen berühmten Personen sind besonders begehrt. Ältere Menschen reisen auch gerne. Darum werden im Sommer viele Tagesausflüge innerhalb Estlands organisiert. Sehr beliebt sind unsere Garten- und Weihnachtsfeste, zu denen die Menschen, die von unserer Sozialgruppe betreut werden, eingeladen sind. Fasching und Karneval sind auch populär geworden. Der Frauenchor „Großmutter“ hat es in Estland und in anderen Ländern (Finnland, Russland, Deutschland) zur Berühmtheit gebracht. Sehr aktiv ist unsere Seniorentanzgruppe, sie tritt sehr oft auf in Estland und in anderen Ländern.


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Koordinierungsstelle „Rund ums Alter“ Einige Mitglieder der Sozialgruppe (früher von Beruf Ärzte, Juristin, Psychologin) beraten und unterstützen andere Mitglieder des Vereins in ihren alltäglichen Problemen und Lebenssituationen. Sie haben miteinander sehr enge Kontakte. Zur Beratungsstelle gehört auch ein Fond mit Büchern zum Thema Selbsthilfe und öffentliche Altenarbeit. Ein Mensch, auch im Alter, muss kompetent sein, dann hat er ein besseres Selbstgefühl. Zusammenarbeit mit jüngeren Generationen Die Zusammenarbeit mit der Jugend steht auch im Mittelpunkt der Vereinstätigkeiten. Zukünftige Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von der Hochschule in Tallinn haben die Möglichkeit bei uns praktizieren. Die Mitglieder Vereins freuen sich sehr mit die jungen Menschen zusammenzutreffen. Besonders wichtig ist, dass die Praktikantinnen unsere Mitglieder im Umgang mit dem Computer unterrichten. Einige Praktikantinnen bleiben nach dem Ende des Praktikums als ehrenamtliche Helfer bei uns - wir können Sie immer zu uns einladen, wenn wir ihre Hilfe brauchen. Arbeitsbereiche Für alltägliche Tätigkeiten des Zentrums haben 200 aktive Mitglieder persönliche Aufgaben, die sie freiwillig erfüllen. Es gibt dafür folgende Bereiche:  Sozialgruppe  Café  Küche  Garten  Rezeption  Bibliothek  Pflege für die Vögel Interessenkreise Unser Verein umfasst bis zu 40 Interessenkreise. Diese sind z. B. Fremdsprachen-, Gymnastik- und Handarbeitskreise. Es gibt auch Gesprächskreise: einen Gesprächskreis nur für Frauen, einen für Mitglieder 80+ und einen psychologischen Gesprächskreis. Die Handarbeitskreise veranstalten regelmäßig Ausstellungen bis acht im Jahr. Alle Kreise sind auch Freundschaftkreise, die zusammen alle Festtage, Geburtstage u. s. w. feiern.


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Alle Kreise werden ehrenamtlich geleitet und geführt. Lebenslanges Lernen Neues dazuzulernen ist die beste Aktivität für ältere Menschen. Durch verschiedene Formen lebenslangen Lernens können ältere Menschen Kompetenzen entwickeln. Das ergibt die Möglichkeit länger selbstständig zu sein. Wenn ein Mensch weniger Altenhilfe und ärztliche Unterstützung braucht, dann ist das ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft. Internationale Kontakte Von den Altersgenossen in anderen Ländern gibt es ein großes Interesse für unseren Verein. Delegationen von Sozialarbeitern besuchen unseren Verein sehr oft, um Erfahrungen in der offenen Altenarbeit zu bekommen. Auch Praktikanten aus anderen Ländern (Deutschland, Österreich) hospitieren bei uns. Im Großen und Ganzen Wir müssen einen besonderen Dank aussprechen für das Sozialwerk Berlin e.V., denn am 19. April 1996 wurde nach dem Vorbild des Berliner Zentrums ein „Selbsthilfe- und Beratungszentrum für ältere Menschen“ in Tallinn eröffnet. Wir sind immer dem Vorbild des Berliner Zentrums gefolgt. Ziel unserer Tätigkeiten ist es, das Leben der Mitglieder des Vereins werter zu machen. Unsere Tätigkeiten in der offenen Altenarbeit sind bekannt und wir können sagen, dass der Altenselbsthilfe-und Beratungsverein in Tallinn zum methodischen Vorbild für ganz Estland und andere Länder geworden ist. Lea Viires Tallinn


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2. Lettland: Lebenslanges Lernen der überlebt hat, wer den besseren gesundheitlichen und geistigen Zustand hatte. Mit der Zeit haben die Tierarten sich so weit verbreitet, dass das Überleben noch härter war und nur der Fitteste und Klügste eine Chance gehabt hatte. Und der, dessen Hirn mehr Informationen speichern könnte, hat seine Gene weiter vererbt und die Nachkommen hatten dadurch die Möglichkeit sich weiter zu entwickeln. Und so nahm eines Tages ein Affe einen Stein in die Hand und hat eine Nuss aufgeschlagen - er bekam etwas zu essen und hatte etwas Neues gelernt. Das, was wir jetzt Evolution nennen ist eigentlich die Anpassungsfähigkeit oder, anders gesagt, das Ergebnis lebenslangen Lernens. Der Unterschied zwischen der Tierwelt und den Menschen besteht darin, dass wir die Sprache haben. Wir können viel schneller die Informationen bekommen und weiter geben, dies nicht nur den Kindern, sondern, mit Hilfe der technischen Mittel, auch der ganzen Welt.

Gita Magonite •

Wir treffen uns jedes Jahr hier in Berlin. Es sind Vertreter aus Litauen, Lettland, Estland, Polen, Rumänien, Slowenien, Tschechien und sogar aus Luxemburg dabei. Aber, können wir uns auch in einer andern Sprache begrüßen? Leider nein. Und jetzt, weil wir das Thema „lebenslanges Lernen“ haben, sollen wir das endlich tun. „Guten Tag“ heißt auf Lettisch „labdien“, auf Litauisch „gera diena“, auf Estnischn „tere päevast“, auf Polnisch „dzień dobry“, auf Ungarisch „jó napot kívánok“, auf Slowenisch „dober dan“, auf Tschechisch „dobrý den“ und auf Luxemburgisch „gudde moien“.

Als ich über das Thema „lebenslanges Lernen“ nachgedacht habe, fiel mir ein, dass eigentlich das Lernen die wichtigste Fähigkeit überhaupt ist.

Vor Millionen von Jahren auf der Erde gab es verschiedene Tierarten, die sich an die Umgebung angepasst haben. Das „Anpassen“ ist auch ein Lernen, weil nur

Vor vielen Jahrhunderten lernte unser Urahne mit Feuer umzugehen und bekam besseres Essen. Er nahm mehr wertvollere Nahrungsmittel zu sich und sein Hirn hat sich weiter entwickelt - er konnte wieder etwas Neues lernen. Wenn wir nur überlegen, welche Schritte die Zivilisation in seiner Entwicklung gemacht hat – es ist erstaunlich.

Ein kleines Kind kommt auf die Welt und lernt diese kennen. Das Hirn des Kindes ist besonders lernfähig. Leider nimmt diese Fähigkeit mit den Jahren ab. Schon mit 20 Jahren ist es schwieriger eine fremde Sprache zu lernen, als mit 6. Aber ein Mensch ist in der Lage sein ganzes Leben etwas Neues zu lernen. Leider kann ihn eine schwere Krankheit wie z.B. Schlaganfall treffen und dann muss er als


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Erwachsener wieder das Sprechen und Gehen lernen, und es funktioniert, weil unser Hirn sehr flexibel ist. •

Lebenslanges Lernen ermöglicht die Entwicklung und Verbesserung der menschlichen Persönlichkeit. In Lettland, genauso wie in den anderen Ländern auch, gibt es heutzutage viele Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln. Dies wird finanziell unterstützt durch die EU, den Staat, die Gemeinden, den privaten Sektor und durch viele formelle und informelle Bildungs-Organisationen.

In dem heutigen wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt ist es, auch nach Berufs-oder Hochschulbildung, erforderlich sich weiterzubilden. Einige Hochschulen bieten Programme für Leute, die ihre professionelle Bildung weiterentwickeln wollen. So wurde zum Beispiel in der Lettischen Universität der Landwirtschaft ein Zentrum für lebenslanges Lernen gegründet, das regelmäßige Kurse anbietet. Nach erfolgreichem Abschluss kann man ein Zertifikat der Universität bekommen. Das Studium muss man selber bezahlen.

Auch im Verein RASA (Allianz der aktiven Rigaer Senioren) wird aktiv gelernt. Der Verein ist als informelle Ausbildungs-Organisation staatlich anerkannt. Jeden Tag kommen ältere Menschen, weil es Spaß macht, weil es sehr interessant ist und weil man sich mit anderen Leuten treffen kann. Jedes Mal lernen die Teilnehmer wieder etwas Neues, auch wenn das nur ein Kochrezept ist. Zweimal in der Woche kommen die Interessenten um Englisch zu lernen, einmal in der Woche Deutsch und einmal Französisch. Jeden Tag beschäftigen die Senioren sich mit PCs. Im Rahmen eines Projekts haben wir zusätzlich noch 10 PCs bekommen, die man nutzen kann. Aktiv arbeitet auch Omas Kontaktbörse. Bevor die Oma zu einer fremden Familie kommt, wird sie von Professoren der Lettischen Universi-

tät ausgebildet und bekommt ein Zertifikat. Das Lernen im Verein ist für dessen Mitglieder sehr günstig. Die Interessenten können sich alle Aktivitäten des Vereins auf der Website www.biedribarasa.lv anschauen. •

So, und jetzt kehren wir wieder zu unserer Übung zurück. Wir werden das Seminar am Ende bewerten müssen. Und auf die Frage: „Wie hat Euch das Seminar gefallen?“ werden wir antworten: „Sehr gut“, was auf Lettisch „ļoti labi“ heißt, auf Litauisch „labai gerai“, auf Estnisch „hästi“, auf Polnisch „bardzo dobrze“, auf Ungarisch „nagyon jól“, auf Slowenisch „zelo dobro“, auf Tschechisch „velmi dobře“ und auf Luxemburgisch „ganz gudd“. Dann sagen wir den Organisatoren dieses Seminars alle „danke“, auf Lettisch „paldies“, auf Litauisch „ačiū“, auf Estnisch „aitäh“, auf Polnisch „dzię-kuję“, auf Ungarisch „köszönöm“, auf Slowe-nisch „hvala“, auf Tschechisch „dě-kuji“ und auf Luxemburgisch „villmols merci“.


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3. Litauen:

Vilhelmina Pundiené und Irena Sagaitiéné

Das Porträt der litauischen Senioren Berlin, 2013

Wegen des demographischen Wandels gibt es zurzeit in Litauen weniger Menschen als vor 10 Jahren. Von über 3 Millionen leben dort jetzt nur noch 2 979 000 Einwohner. Die größte Ursache dafür ist die Emigration der jüngeren Generation. Den Höhepunkt erreichte die Emigration 2010. Insgesamt etwa 700 000 Menschen haben das Land verlassen, und das ist ein großer Verlust.


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Die Statistik sieht zurzeit so aus: Rentnerzahl: 941 200 Rentenalter bei Frauen: 60 Jahre 4 Monate Rentenalter bei Männern: 62 Jahre 8 Monate Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt: Allgemein 74,9 Jahre Männer 69,98 Frauen 80,1 Statistik über die Durchschnittsrenten: Durchschnittsrente: Durchschnittsrente der berufstätigen Rentner: Durchschnittsrente bei Frauen: Durchschnittsrente bei Männern:

236 Euro 277 219,3 272,1

Folgende Zusammenstellung zeigt die Prozentzahlen der Rentner, welche unterschiedliche Rentenbeträge bekommen. 12% der Rentner bekommen 190-200 8% : 290-320 6% : mehr als 350 Euro. Die meisten litauischen Rentner bekommen eine Rente zwischen 200-300 Euro. Das Leben der Senioren am Beispiel der Landsmannschaftsorganisation „Schwentschönija“: Ich, Vilhelmina Pundienė, bin Mitglied des Vorstands der Landsmannschaftsorganisation „Schwentschönija”. Sie wurde im Jahre 1991 gegründet, und seit 1999 ist sie Mitglied der EURAG-Sektion Litauen. In Vilnius ist es üblich, dass Landsmannschaften aus verschiedenen Regionen von Litauen sich in Vereinen, Klubs oder Unionen organisieren. Zu dieser Organisation gehören Menschen der älteren Generation. Sie vereint Auswanderer aus diesem Gebiet, ausgewandert aus verschiedenen Gründen, aber meistens wegen Weiterbildung, Studium an den Universitäten und Hochschulen. Natürlich kehrt man nach dem Hochschulabschluss nicht in sein Heimatdorf zurück, aber die Sehnsucht nach seinen Bräuchen und Sitten, nach seinen Landsmenschen bleibt. Besonders, wenn man über 50 ist, kehrt man mit den Gedanken zur Jugend und Kindheit zurück, man sucht nach seinen Landsmenschen, von denen man besser verstanden wird, weil man aus einem Städtchen oder Dorf stammt, wo alles so vertraut ist und wo man im engen Freundeskreis nicht nur erlebte Geschichte veranschaulichen kann, sondern auch etwas Gutes für sein Geburtsstädtchen oder Dorf machen kann. Darum fahren wir oft dorthin, treffen uns nicht nur mit den älteren Menschen, sondern auch mit den Schülern, Jugendlichen, erzählen ihnen


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über das Leben in der Vergangenheit, während der Okkupation, über Sitten und Bräuche, Feste, Traditionen, über schwere, ehrliche Arbeit unserer Eltern und Großeltern in der Landwirtschaft, den Fabriken und anderen Betrieben. Wir glauben, dass dadurch den künftigen Generationen ein Stückchen Geschichte erhalten bleibt. Hauptziel dieser Organisation (dieses Klubs) ist, Menschen aus diesem Gebiet, die sich für Litauen verdient gemacht haben, mit jungen Leuten bekanntzumachen. Durch einen Artikel im Geschichts- oder Literaturbuch, durch Veröffentlichungen ihrer Werke oder indem man ihnen einen Gedenkstein setzt, wie es z.B. der Fall war, als man ein Denkmal in seinem Heimatdorf errichtete für Augustinas Voldemaras, den ersten Premierminister unseres unabhängigen Staates in der Zwischenkriegszeit (1918-1940). Natürlich ergeben sich daraus auch viele andere Tätigkeiten. Wir kommen zweimal im Monat zusammen, unterhalten uns über verschiedene Fragen, feiern staatliche und kirchliche Feste, singen unsere beliebten Jugendlieder und sprechen in unserem Dialekt. Wir haben auch Sänger, Dichter, einen Komponisten, gute Vorleser. Manchmal veranstalten wir Konzerte in Vilnius und auch in den Heimatdörfern, machen Ausflüge sowohl in unserer Republik als auch im Ausland. Einige Mitglieder unseres Klubs sind Auswanderer nach Amerika. Von ihnen bekommen wir jedes Jahr eine materielle Unterstützung. Es wird auch ein Mitgliedsbeitrag gezahlt. Mitglieder des Klubs leisten auch viel Selbsthilfe. Solche Tätigkeit hilft uns interessant zu leben, nicht einsam zu sein und keine Einsamkeit zu fühlen. Das Leben der Senioren am Beispiel des Klubs LOTTE Der deutsche Klub LOTTE wurde 1995 von Frau Marija Čiurlienė, Germanistin an der Vilnius Universität, gegründet. LOTTE ist ein Klub für Deutschsprechende. Die Mitglieder des Klubs haben unterschiedliche Berufe, aber alle interessieren sich für die deutsche Kultur und Geschichte, das Leben der Menschen und die Traditionen. Sie wollen die deutsche Sprache nicht vergessen oder sie noch besser erlernen. Hier werden deutsche Lieder gesungen, deutsch geredet und diskutiert. Unsere Mitglieder umfassen alle Altersgruppen. Das Wichtigste ist – die Liebe zur deutschen Sprache, zur deutschen Kultur. Nach vier Jahren trat der Klub der internationalen Organisation EURAG (Bund der älteren Generation Europas) bei. Hier spielte die deutsche Sprache eine wichtige Rolle. In den Kongressen und internationalen Seminaren haben wir über die Probleme der älteren Generation Europas diskutiert. Im Rahmen unserer Freundschaft würdigte eine Delegation vom Sozialwerk Berlin e.V., unter der Leitung von Frau Käte und Herr Harry Tresenreuter, unseren deutschsprachigen Klub „LOTTE“ zum Anlass seiner 10. Jubiläumsfeier. Von dieser Zeit haben wir die schönsten Erinnerungen an den Besuch bei uns in Vilnius.


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Der Klub LOTTE unternahm eine interessante Reise durch Hanse-Städte. Und unterwegs besuchten wir unsere guten Freunde im Sozialwerk Berlin, heute KäteTresenreuter-Haus. Alles ist hier durchdacht, alles für ältere Menschen vorgesehen. Wir machten einen Spaziergang durch das Haus und bewunderten alle Räume. Das ist ein kleines Seniorenparadies. Nachdem der Freundeskreis Mittel- und Osteuropa 1996 in Budapest gegründet war, ist Litauen dessen Mitglied geworden. Der Freundeskreis Mittel- und Osteuropa stand lange Jahre unter der Leitung von Frau Käte Tresenreuter. Wir treffen uns nun schon viele Jahre zu Europaseminaren im Käte- Tresenreuter-Haus. Der deutsche Klub unterhält gute Beziehungen zu anderen Organisationen. Oftmals haben wir auch Gäste aus deutschsprachigen Ländern. In diesem Jahr haben zwei Deutsche unseren Klub besucht. Frau Helgard SteinertSchäfer arbeitet in der Vilnius Botschaft. Sie hat unserem Klub viele deutsche Bücher geschenkt und auch Interessantes aus ihrer Lebenserfahrung erzählt. Herr Berthold Schäfer hat uns immer freundlich bei der Fehlerkorrektur geholfen. Am 19. April 2013 wurde der Klub von der deutschen Botschaft zum „Essen für Deutschland“ eingeladen. Das haben wir sehr lustig im litauischen Restaurant „Neringa“ gefeiert, das in 60-er Jahren ein beliebter Ort unter Künstlern war und seine Traditionen bis heute pflegt. Jetzt möchte ich zum Abschluss einen kurzen Filmausschnitt von diesem Festabend zeigen. Wo gute Laune, Witz und Bewegung, freundschaftliche menschliche Beziehungen, gemeinsames Ziel herrschen, dort ist auch Glück und Lebensfreude. „Wenn Sie wollen, dass Ihnen das Leben zulächelt, müssen Sie ihm zuerst selber Ihre gute Stimmung schenken.“ (B. Spinoza).


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4. Polen: In einer Bildpräsentation setzte sich Dr. Maria Pawinska mit der „Gesundheit älter werdender Menschen“ auseinander. Sie stellte als Beispiel ihr Ärztehaus und ihre Rehabilitation in Warschau vor. Nachdem sie ein erstes Haus eröffnet hatte, ist jetzt eine Filiale hinzugekommen, die eine Fläche von 238 qm aufweist. Geplant ist noch eine geriatrische Tagesstätte.

Gesundheit älter werdender Menschen Unsere Gesundheit wird mit dem Alter schlechter. Ob sie sich mehr oder weniger verschlechtert, hängt von vielen Bedingungen ab, wovon deren zwei von größter Bedeutung sind: Der erste Faktor ist mit der Genetik verbunden, durch die die Menschen für die Erscheinung von Erkrankungen oder auch für keine prädisponiert werden. Die Genetik entscheidet von 75 bis 80% über unsere Gesundheit. Der zweite Faktor ist die Lebensweise, die Schonkost (gute oder schlechte), Rauschgiftstoffe (Nikotin, Alkohol, Stimulanzien und Beruhigungsmittel/Sedativa, Suchtmittel und andere), die ständig oder nur ab und zu eingenommen werden, psycho-physische Aktivitäten (Fleiß/Tüchtigkeit, beruflicher Wetteifer, außerberufliche Interessen/Hobbys und verschiedene Sportformen) enthält. Diese Aufzählung zeigt, wie viele Umstände auf unsere Gesundheit einen Einfluss haben, aber außer der Genetik als dem führenden Faktor sind das immerhin noch 25 bis 30% unserer gesundheitlichen Verfassung. In den Verälterungsprozessen werden die essentiellen Zellen der einzelnen Gewebe beschädigt, was zu Störungen ihrer bisherigen Funktionen, und zuletzt zu ihrer Apoptose führt. Die Störungen der Zellfunktionen sind unmittelbar mit dem Verlust der Koordinierung der Organe des altwerdenden Organismus verknüpft. Aus den negativen zytologisch-biochemischen Prozessen folgen zahlreiche Gewebeveränderungen und auftretende Erkrankungen wie: a) der Ausfall von etwa 50% des Nierenfiltrationsorgans (dies verlangt eine Dosisanpassung der Arzneien bei den älteren Menschen – ihre Senkung gemäß dem Körpergewicht und dem Alter des Patienten).


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b) die Atrophie der Gehirntätigkeit und des peripheren Nervensystems (Nerven); was mit dem Verlust des momentanen Gedächtnisses, dem Demenzsyndrom und der Alzheimerkrankheit verbunden ist. c) die Leberstörung; hier sehr wichtig ist die Detoxikation (wegen der Umweltverschmutzung, der Medikamente, der schlechten Essgewohnheiten und der Esszutaten) d) die Gewebeveränderungen (Arterien und Venen), die mit der Arteriosklerose (zahlreiche Herz- und Kreislaufprobleme und Krankheiten) verbunden sind, und die auch Einfluss auf die Gehirnfunktion und das periphere Nervensystem haben. e) die Senkung der Funktion des Hormonalsystems: - der Hypophyse - der Nebennieren - der Schilddrüse - der Hormone der Geschlechtsorgane (der weiblichen und männlichen) – die Menopause mit dem Mangel an Östrogen und Progesteron – dem einzigen weiblichen Hormon; und die Andropause bei Männern mit dem Mangel an Testosteron und ähnlichen Hormonen) f) die Atrophie der Knochenstruktur (Osteopenie und Osteoporose) und die atrophische Veränderung, die unmittelbar für Gelenk- und Knochenkrankheiten und unsere Bewegungsmöglichkeiten verantwortlich sind. g) die Dysfunktion des Immunitätssystems – die Senkung der Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Entzündungsfaktoren. Das Wachstum der Autoimmunreaktion (einer krankhaften Reaktion des Immunsystems gegenüber körpereigenem Gewebe (wie Schilddrüse, Muskeln – darunter Herzmuskel, Haut). h) die Hautälterungsprozesse (Atrophie der Epidermis und der Dermis/Haut, was die Faltenentstehung verursacht) und Hautkrankheiten wie z.B. Hautkrebs, die wegen der schädlichen Wirkung des Sonnenlichts/ultravioletten Lichts (UV) zusammen mit der Umweltverschmutzung (Krebserregende Ursachen), sowie chemische Substanzen, die unsere Haut austrocknen lassen und ihre weitere Verschlechterung verursachen. i) die Verschlechterung der Sinnesorgane (Gesichts-, Gehör-, Geruchs- und Geschmackssinn) Die obengenannten Faktoren wirken auf unsere Gesundheit ein oder verursachen die Krankheiten. Ist es überhaupt möglich, bei so vielen Ursachen und Folgen irgendwelchen Einfluss auf unsere Gesundheit zu haben und sie zu verbessern oder zu verschlechtern? Ja. Ich finde, es ist möglich, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite. Die wichtigste Sache ist das Wissen.


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Die Selbstkontrolle des Organismus ist aber genauso nötig wie auch die schnelle Reaktion auf festgestellte Veränderungen oder Beschwerden. Wenn es nötig ist, sollte man den Arzt aufsuchen. Nach der ärztlichen Untersuchung wird der Arzt zusätzliche Blut- oder EKG-Untersuchungen durchführen lassen (bei mir in der Praxis sind sie für ältere Menschen obligatorisch), auch andere Untersuchungen wie USG, Echokardiogramm, Doppleranalyse) und andere. Die RTG-, CT-, MRI- und PEC-Untersuchungen werden in den Krankenhäusern gemacht. Das Arztzimmer

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a z

Das Behandlungszimmer (USG)

u Störungen ihrer Leider lassen sich nicht alle Beschwerden wirksam mit Medikamenten heilen. Zu diesen Beschwerden gehören hauptsächlich Krankheiten des Knochen - und Gelenkensystems, die sich schwierig wirkungvoll heilen lassen. In solchen Fällen sollte man als eine Ergänzung der Therapie mit physikalischer Rehabilitation anfangen. Diese Art der Therapie bevorzugen vor allem die älteren Personen, aber zur Zeit brauchen sie ebenfalls immer mehr junge Leute. Heutzutage gewinnen die Rehabilitationsprogramme in den gut eingerichteten Praxen an Bedeutung.


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Einrichtungen der Rehabilitation


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Die Rehabilitationsgeräte Mit dem Alter verschlechtert sich unsere Gesundheit und wir können ständige medizinische Betreuung (Ärzte, Pfleger oder Betreuer) brauchen. Manchmal ist es nötig, das Zuhause zu wechseln und ins Seniorenheim umzuziehen, um für den Rest des Lebens die Zeit gut und würdevoll zu verbringen. In Deutschland gibt es schon solche Möglichkeiten. Bei uns, in Polen, sind zwar auch welche Altenheime, aber leider nicht genügend viele. Das bedeutet für uns noch viel Arbeit; wir hoffen aber, dass wir es schaffen werden. Die polnische Gesellschaft wird ebenfalls bald sehr alt sein.

Zukunftspläne

Das Gebäude steht noch und ist benutzt, aber in der nahen Zukunft wird es niedergerissen und statt dessen wird ein Seniorenheim gebaut werden.


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Bedeuten das Alter oder die Senilität selbst eine Krankheit? Natürlich nicht, aber sie verlangen größere Zuwendung, Sorge um gute Gesundheit. Zum Schluss möchte ich Ihnen allen eine gute Gesundheit wünschen. Bleiben Sie in der besten körperlichen Verfassung. Alles andere kann man kaufen!!!

Meine Familie (darunter mehrere Ärzte)


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5. Rumänien:

Pflege im Alter Käte Tresenreuter-Haus, Berlin BÁCS Béla János Siebenbürgen, Rumänien

Janos Béla Bacs

Pflege im Alter

Öffentliche Einrichtungen

Am meisten verbreitet: Pflege in der eigenen Wohnung, geleistet von Familienmitgliedern

• Pflegeheime und Altenheime • Regional ausgerichtet • Ausgebildetes Personal • Es stehen aber zu wenig Plätze zur Verfügung.

oder geleistet von unausgebildeten, von der Familie bezahlten HelferInnen

Pflegeheime • Entstanden durch EU Projekte • Es werden dringend mehrere Plätze gebraucht • Learning by doing • Orientierungsschwerpunkte ändern sich (früher vorwiegend medizinische Betreuung, jetzt immer mehr auch Programmgestaltung)

Pflegeheime Mit Teilnehmern der SeelsorgerInnen Weiterbildung Besuche, gemeinsame Programme, Feierlichkeiten


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Pflegeheime • Alltag und Feiertag

• Bildende Kunst, Musik und Soziales

Caritas und Gemeindeverwaltung Die Bedeutung der internationalen Kontakte

Zusammenarbeit von Kirche und Behörden

Caritas: Mobile Pflege und Betreuung • Grundpflege: Körperhygiene, Ankleiden, Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Unterstützung der Mobilisation und der Kommunikation; • Haushaltshilfe beim Aufräumen, Kochen, Einkaufen, Begleitung in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Mobilisation im Freien, Unterstützung bei den Freizeitaktivitäten; • Fachpflege: Beobachtung des physischen Zustandes, krankenpflegerische Aktivitäten (Verabreichung von Spritzen, Anlegen von Verbänden, Setzen von Kathetern, Vorbeugung und Behandlung von Wundliegen, Vorbeugung von Kreislaufkomplikationen, hypostatischer Pneumonie, von bei Bewegungsmangel auftretenden chronischen Veränderungen des Knochenund Muskelsystems usw.)

Mobile Pflege und Betreuung:

Mobile Pflege und Betreuung:

• Soziale und medizinische Habilitationsund Rehabilitationsaktivitäten: Ergotherapie, Physiotherapie, Psychopädagogik, Logopädie usw.

• Organisation von ehrenamtlichen Gruppen: Einbeziehung von Schulen und Pfarren. Die Freiwilligen verfolgen das Geschehen in der Gemeinde, informieren uns über Pflegefälle und bieten zusätzliche Unterstützung an (Holzhacken, Aufräumen, usw.); • Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Einrichtungen (Kirchen, Behörden, Schulen, NGOs) mit dem Zweck der Harmonisierung und Integration der Hilfsinitiativen für die Bedürftigen; • Materielle Hilfe je nach Möglichkeiten.

• Anpassung der Wohnung an die Bedürfnisse der betreuten Person;


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Altenheime Die wichtigsten Aufgaben der Altenheime der Caritas: • Den alten Menschen mit Liebe, Empathie und Professionalität zu helfen, um ihre alltäglichen Probleme zu lösen; • Den MitarbeiterInnen zu helfen, damit sie die allein gebliebenen Menschen so annehmen können, wie sie sind; • Den Heimbewohnern zu helfen, ihre Menschenwürde bis zuletzt zu bewahren; • Den alten Menschen zu helfen, damit sie auch im hohen Alter aktiv bleiben können.

Gesellschaft im Wandel • • • •

Neue Konzepte werden gebraucht Werteorientierung Rolle der Kirchen Rolle der Zivilgesellschaft Generationsübergreifende Mitgestaltung der Zukunft

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


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6. Slowenien

Frau Prof. Irena Koželj Levičnik (r.) lieferte Beiträge zum den einzelnen Themen: I. «Möglichkeiten sozialpolitischer Mitbestimmung älterer Menschen« Unsere Union mit 420 Vereinen und 240.000 Mitgliedern im ganzen Land war in den letzten Jahren im Sinne des Titels aktiv sowohl auf dem Staatsniveau, als auch auf den lokalen Ebenen. 1.) Staatsniveau: In allen unseren Arbeitskommissionen haben wir die Materialien aus dem Parlament studiert und den Abgeordneten und der Öffentlichkeit unsere Meinungen übermittelt. Es waren Vorschläge für Änderungen einiger jetziger Gesätze, die sehr wichtig sind für uns Ältere, und auch Vorschläge für neue Gesetze. Im letzten Jahr haben wir uns auch mit den Abgeordneten aus allen Parteien getroffen. Für eine Änderung des Wahlgesetzes (Referendum) haben wir im ganzen Land über 5000 Unterschriften gesammelt und sie im Parlament abgegeben. Der zweite Dom unseres Parlaments organisiert jeden Monat Diskussionen über wichtige Themen der Gesellschaft. Wir werden immer zu den Diskussionen eingeladen und wir nehmen daran teil. 2.) Das Sammeln von Unterschriften für die Änderung des Wahlgesetzes (Referendum) war eine schwere Aufgabe aber auch eine sehr gute Gelegenheit unsere Vereine in dem Sinne zu animieren mehr auf der lokalen Ebene aktiv zu werden (lokale Gemeinschaften, Gemeinden). Wir haben sie auch animiert sich mit den Abgeordneten in ihren Wahlkreisen in Verbindung zu setzen und sie zu besuchen. Wir haben 88 Abgeordnete, alle wurden besucht, einige auch mehrmals (159 Besuche).


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3.) Für das Jahr 2013 – »Das Jahr der aktiven Bürgerschaft« haben wir schon das Programm und den Arbeitsplan bestätigt (NGOs – ca. 40, Regierung, Gewerkschaften, Fach – Universität usw.). Am Internationalen Tag der älteren Leute werden wir auf unserem Festival für die dritte Lebensperiode auf der Schlussveranstaltung das Projekt beschließen. II. Bezahlbares Wohnen und Wohnumfeld

Bezahlbares Wohnen Die Wohnung und alles, was mit der Wohnung verbunden ist, ist für uns Ältere sehr wichtig: für unsere Zufriedenheit und unser Leben in Sicherheit. Die Wohnungsumstände der älteren Leute sind in den diversen Ländern verschieden. Der heutige Stand ist das Resultat der Geschichte, der Kultur, der Sitten, der materiellen Zustände usw.). Und wie ist es bei uns in Slowenien? Zum besseren Verständnis möchte ich Ihnen einige Daten aus unserer Untersuchung, die wir vor einigen Jahren durchgeführt haben, vorstellen: A.) - 82% (Leute über 65 Jahre) haben eine Eigentumswohnung. - 10% leben in bezahlbaren Mietwohnungen und - 8% leben bei den Kindern oder in den Heimen. B.) - 31% leben in einem 1-Personenhaushalt - 44% leben in einem 2-Personenhaushalt - 2% leben in einem Mehrpersonenhaushalt. Wenn man diese Daten sieht, könnte man sagen: Es ist ja alles OK. In Wahrheit gibt es aber auch viele Probleme. 1. Bezahlbare Wohnungen: Wie sieht die Situation der Älteren aus, die eine bezahlbare Wohnung brauchen oder in solcher Wohnung leben? Sie haben drei Möglichkeiten: a.) Bezahlbare Wohnung der Rentenversicherung In früheren Zeiten hat die Rentenversicherung aus den öffentlichen Geldern Wohnungen für die Rentner gebaut oder gekauft. Und so hat sie einen Fond von Mietwohnungen. Diese Wohnungen stehen nur Rentnern zur Verfügung. Jedes Jahr gibt es eine öffentliche Ausschreibung mit den Kriterien und der Zahl der Wohnungen, die zur Verfügung sind. Wenn die Kandidaten den Kriterien entsprechen und es gibt genug freie Wohnungen, können sie ausgewählt werden. Für die Festlegung der Höhe der Miete ist auch die finanzielle Lage der ausgewählten Kandidaten entscheidend.


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b.) Bezahlbahre Wohnungen der Gemeinden Dieser Fond ist relativ groß. Diese Wohnungen sind in erster Linie den jungen Familien gewidmet. In recht ernsten Fällen (Gesundheit, Invalidität, finanzielle Lage), können auch andere Leute solche Wohnungen bekommen, natürlich auf Basis der öffentlichen Ausschreibung. c.) Dritte Möglichkeit: eine bezahlbare Wohnung bei privaten Eigentümern Meistens sind die Mieten aber sehr hoch, und nur wenige ältere Leute können sich so eine Wohnung leisten. 2.) Wohnen in Eigentumswohnungen: Man könnte sagen, dass das eine günstige Lösung ist. Sie hat aber auch ihre Schattenseiten. Das Leben in den Häusern mit Eigentumswohnungen ist durch das Wohnungsgesetz geregelt. Das Haus muss einen Verwalter haben, alles muss auf der Grundlage des Gesetzes und des Vertrages, den alle Eigentümer akzeptiert haben, durchgeführt werden. Da sich die meisten Kosten auf der Basis der Größe der Wohnungen und der Zahl der Bewohner bilden, sind viele Eigentümer in Schwierigkeiten, besonders jetzt, wo die Renten nicht mehr wachsen. Was die Situation noch schwieriger macht, ist, dass der Wohnungsmarkt nicht funktioniert und man nicht sagen kann »ich gehe raus«, »ich wechsle die Wohnung«, weil man dabei zu viel verlieren würde. Unsere Organisation hat sich in diesem Jahr entschieden, etwas zu tun um den älteren Leuten zu helfen. Im Rahmen des EU Projektes-HELPS haben wir eine Beratungsstelle eröffnet. Wir haben Fachleute eingeladen uns ehrenamtlich zu helfen, Leute in Not zu beraten und die besten Lösungen für ihre Probleme zu finden. Begonnen haben wir in der Hauptstadt, jetzt breiten wir diese Tätigkeit auch auf andere Städte aus.

Das Wohnumfeld: Unser Institut für Gerontologie ist Mitglied eines UN-Projektes der WHO. Der Titel des Projektes lautet: »Die altersfreundliche Stadt«. Ziel des Projektes ist, zusammen mit den Bürgern (darauf liegt der Akzent) der Stadt gute und schlechte Seiten der Einrichtungen, des Verkehrs, des kulturellen Lebens, der Möglichkeiten für Geselligkeit usw. festzustellen und Vorschläge an die Behörden zu übermitteln. Die theoretischen Unterlagen entstanden im oben genannten Institut. Die Bürger in den verschiedenen Teilen der Stadt bekamen ein Vademekum, wo auch Platz für das Einschreiben von Bemerkungen und Vorschlägen ist.


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Bis jetzt hat es geklappt, viele Entdeckungen und Vorschläge haben wir schon dem Bürgermeister und den entsprechenden Diensten übergeben, die Aktion geht weiter. III. Mobilität im Alter und Verkehrspolitik Die Mobilität ist im Großen und Ganzen für uns ältere Menschen sehr wichtig. Sie ermöglicht uns vieles, hat aber positive und negative Seiten. 1.) Positive Seiten: - Selbstbesorgung von für das Leben wichtigen Artikeln, Materialien usw. - Besuch kultureller und anderer Veranstaltungen - Treffen mit Bekannten und Freunden - Erledigung notwendiger Anliegen: Bank, Gesundheitszentrum, Gemeinde, usw. und, was sehr wichtig ist, - Bewegung als solche, die uns physische und psychische Kondition ermöglicht, die für unsere Gesundheit entscheidend sind. 2.) Negative Seiten: - Im alltäglichen Leben schlagen wir älteren Leute meistens dieselben Wege ein. Und so kann es passieren, dass wir nicht aufmerksam genug sind und eventuell Verkehrszeichen, oder Neuigkeiten usw. nicht bemerken. Das kann gefährlich sein, - wir begeben uns in den Verkehr, um irgendwo etwas zu erledigen: Markt, Bank, usw. Wir sind konzentriert auf dieses Programm und wieder kann es passieren, dass wir auf den Verkehr und das Geschehen um ihn herum nicht genug achten. - In unseren Fußgängerzonen sind neue Teilnehmer hinzugekommen: Leute mit Rollschuhen, mit Rollbrettern, Fahrrädern. Das kann gefährlich sein, wenn wir nicht darauf vorbereitet sind. Initiativen, die den älteren Leuten ermöglichen, länger und sicherer am Verkehr teilzunehmen, sind in den verschiedenen Ländern unterschiedlich, sie sind auch verschieden zwischen Stadt und Land. Ich möchte Ihnen einige diesbezügliche Aktivitäten in unserer Stadt vorstellen: 1.) Vor einigen Jahren haben wir im Rahmen des Ausbildungsprojekts LENA auch das Thema »Ältere Leute im Verkehr« behandelt. Zusammen mit Fachleuten aus Verkehr, Psychologie, Verwaltung usw. haben wir ein Programm ausgearbeitet und Seminare in den Vereinen durchgeführt. Das Ergebnis war auch ein Büchlein, das die Vereine und andere Interessierte für diese Problematik bekommen haben. 2.) Alle älteren Leute können um einen günstigen Preis Monatskarten kaufen (monatlich 20 €). Das ist besonders günstig, weil in diesem Jahr die Busstrecken sehr in die Umgebung der Stadt verlängert wurden.


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3.) In der Innenstadt haben wir »Einen guten Freund« KAVALIR. Es geht um drei kleine offene Autos (jedes hat 6 Plätze), die für die älteren Personen, Behinderte und Mütter/Väter mit Kleinkindern kostenlos zur Verfügung stehen. Nach Wunsch fahren sie die Leute z.B. zum Markt oder vom Markt zur Bank usw. 4.) Für die älteren Fahrer organisieren wir jedes Jahr im Rahmen unseres alljährlichen »Festivals für die dritte Lebensperiode« Fahrproben mit dem Auto. Die Fahrschulen spenden uns Probefahrten für ältere Personen, die das wünschen. IV. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen stärken. Das Thema wird von Jahr zu Jahr wichtiger. Dies bestätigt uns auch das diesjährige EU-Thema „Aktive Bürgerschaft“. Für uns bedeutet das: 1.) die Aufforderung an alle Akteure in der Gesellschaft (NGOs, Wissenschaft, Gewerkschaften, Jugend usw.) sich zu fragen: Haben die älteren Leute bis jetzt genug Möglichkeiten gehabt über ihre Probleme zu reden, sie an die richtigen Stellen zu übermitteln und besonders auch Antworten zu bekommen. 2.) die Fortsetzung des EU-Projektes «Aktives Altern mit Akzent - Solidarität zwischen Generationen«. Im Rahmen des staatlichen Ausschusses haben wir unser eigenes Programm bestätigt mit diesen Entschlüssen: - einen Überblick über den Stand des bürgerlichen Engagements zu machen, - auf allen Stufen der Gesellschaft sollen sich die Vereine, Bezirksunionen entscheiden über den Inhalt ihrer Tätigkeiten (materielle Fragen, soziale Fragen, das tägliche Leben der Mitglieder, usw.). - man soll sich über alle ausgewählten Fragen mit allen Akteuren beraten (von jung bis alt, von den NGOs bis zur Regierung usw., von der laiischen Öffentlichkeit bis hin zur Wissenschaft usw.) und die Vorschläge den entsprechenden Stellen übermitteln. 3.) Am Ende des Jahres werden wir am Internationalen Tag der älteren Menschen (1. Oktober) im Rahmen unseres Festivals, das mit ca. 20.000 Besuchern und ca. 3000 aktiven Teilnehmern die größte öffentliche Veranstaltung der älteren Leute in unserem Land ist, die „Abrechnung“ machen. Das heißt: - in 9 Gruppen werden wir Diskussionen über die Fragen des bürgerlichen Engagements durchführen (auf welchen Gebieten was getan wurde, welche Probleme sich dabei ergaben, welche Lösungen sich anboten, wie viele


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Teilnehmer es waren? usw.) - das Zusammenwirken von Jung und Alt zum Thema „Bürgerliches Engagement“ beschließen und die Sieger ehren - in einer großen Ausstellung die Gegenstände und Leistungen für ältere Leute darstellen, - und auf der offenen Szene den Vereinen und einzelnen jungen und älteren Leuten die Möglichkeit bieten ihre kulturellen und anderen Tätigkeiten darzustellen. Jedes Jahr bekommen alle Vereine, die Partner und die Öffentlichkeit ein Büchlein mit allen Texten der Diskussionen und den Namen der Laureaten in den verschiedenen Ausschreibungen. V. Lebenslanges Lernen Lebenslanges Lernen hat in unserem Land lange Tradition. Es hat begonnen auf der theoretischen Ebene in der Philosophischen Fakultät, Abteilung Pädagogik, auf der praktischen Ebene in den Gesundheitszentren. Das Vereinsgesetz ist gesetzliche Grundlage für die Durchführung der Programme. In den letzten 30-40 Jahren hat sich sehr vieles verändert: 1.) Die Motive/Ziele : - von ersten sehr engen Zielen können wir heute neue Motive/Ziele konstatieren - neue Karieren beginnen - Neues erlernen, weil früher nicht Zeit dazu war, weil sich auch die Umgebung sehr verändert, besonders in den technischen, finanziellen Bereichen - sich in einen neuen Sozialkreis eingliedern, neue Bekannte, Freunde finden. 2.) Im diesen Sinne haben sich die Inhalte der Programme sehr verbreitet. 3.) Die Zahl der Vereine, Organisationen hat sich sehr vergrößert. 4.) Verändert hat sich auch die Dauer der Programme (von einzelnen Vorträgen bis zu ganzjährigen Programmen). 5.) Im Rahmen der ganzjährigen Programme möchte ich nur unsere Universität für die dritte Lebensperiode erwähnen: sie ist in fast allen Städten (45) tätig, mit über 100 verschiedenen Inhalten und ca. 40.000 Teilnehmern. 6.) Für unsere Organisation möchte ich einige Programme erwähnen: a) nach den Wünschen der Mitglieder entscheiden sich die Vereine für verschiedene Inhalte (ca. 1700 verschiedene Vorträge: (Gesundheit, nordisches Gehen, Memory Training,) In unserer Hauptstadt hat die Gemeinde für 12.000 Teilnehmer das Seminar:« PS - erkennen und benützen« bezahlt. b) Im vorigen und jetzigen Jahr haben wir wieder ca. 100 PS an Vereine verteilt und sie belehrt sie zu nützen. c) alle drei Monate haben wir für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter im Projekt »Ältere Leute für ältere Leute« eintägige Seminare durchgeführt.


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7.) Die Teilnehmer bezahlen die Programme, besonders die jährlichen, allein. In einigen Fällen bekommen die Vereine finanzielle Unterstützung von den Gemeinden oder anderen Sponsoren. 8.) Probleme? Es geht nicht ohne Probleme: a) Jetzt ist besonders aktuell die Diskussion um den Vorschlag der Strategie »Ausbildung, Schulwesen« bis 2020 in der es nur um das Lernen, die Ausbildung und Schulung für die Leute bis 65 Jahre geht. Das können wir nicht akzeptieren, obwohl diese Tätigkeit in den NGOs und außerhalb des Schulsystems durchgeführt wird. b.) Die Zeiten sind schwer: - manche ältere Leute können sich bezahlbares Lernen nicht mehr leisten, - auch manche Fachleute können nicht mehr dauernd Vorträge und längere Programme ehrenamtlich durchführen. Wir hoffen auf bessere Zeiten! VI. Pflege im Alter Es ist halt so, dass wir älteren Leute verschiedene Formen der Pflege brauchen, egal ob wir sie allein durchführen können oder ob sie uns andere Faktoren anbieten sollen. Dies ist ganz bestimmt in verschiedenen Ländern verschieden. Wie ist es bei uns? 1.) Zuerst einige Daten: - 18% unserer Population sind Leute 65+ und diese Zahl wächst rapide, - ca. 8o% der Leute 65+ leben in eigenen Haushalten, - ca. 44% dieser Population hat nur einen Grundschulabschluss,. - ein gewisser Prozentsatz lebt am Rand der finanziellen Möglichkeit. 2.) Bei der Durchführung der Pflege sind engagiert: - Offene Institutionen und Institutionen in Partnerschaft: offenes und privates Engagement - NGOs 2/1: Offene Institutionen und Institutionen in Partnerschaft: A.) Heime: a) Status und Kapazität: - offene: 13.797 Plätze in 56 offenen Institutionen in 82 Lokalitäten (Städte, Land) - Partnerschaft (offen – privat): 4.815 Plätze in 38 Institutionen in 38 Lokalitäten - Bemerkung: in den Heimen für Behinderte gibt es auch einige Plätze für Leute 65+. b) Finanzierung : - Ausbau und Investitionen sind aus den öffentlichen Mitteln finanziert oder


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- in Partnerschaft mit privaten Trägern, c.) Durchführung der Programme finanzieren: - die gesundheitliche Versorgung finanziert die Gesundheitsversicherung , - allgemeine Versorgung bezahlen die Verbraucher allein wenn sie finanziell dazu fähig sind. Wenn nicht, dann die Kinder und dann die Gemeinde. B.) Ambulanzversorgung wird durchgeführt wie für alle anderen Leute. Ältere Leute sollen auf Grund der Entscheidung des Hausarztes einmal im Jahr besucht werden (Ambulanzschwestern). C.) In den letzten Jahren haben wir die Pflege und Versorgung zuhause entwickelt. In Ljubljana haben wir die Anstalt für Pflege und Versorgung. Die Mitarbeiter pflegen ca. 400 Personen täglich: einmal oder dreimal. Einen Drittel der Kosten bezahlt die Stadt. Jetzt entwickeln sich ähnliche Anstalten in anderen Städten. D.)

DER ROTE KNOPF Das ist der Titel für das Telefon. Es ist nur ein Druck auf den Knopf nötig und ist man in Verbindung mit der Rettungsperson. Einmal täglich wird man nach Verabredung gerufen. Jetzt geht die Verbreitung langsam weiter. Preis: pro Monat 23 E 2/2. NGOs: Die Rolle ist indirekt: verschiedene NGOs helfen den älteren Leuten: - mit Informationen, Anweisungen und in jetziger Zeit sehr viel mit der materiellen Hilfe (RK, Karitas) - mit verschiedenen Projekten, z.B. unser Verband führt das Projekt »Ältere Leute für ältere Leute« durch, das Institut für Gerontologie führt das Projekt der WHO » Den älteren Leuten freundliche Stadt« durch usw. 3.)Probleme: - in diesem Jahr ist ein unerwartetes Problem entstanden. Bis jetzt galt für die Bezahlung der Kosten in den Heimen die finanzielle Lage der Verbraucher. Wenn sie nicht fähig waren die Kosten zu bezahlen, waren die Kinder oder die Gemeinden die Bezahler. In diesem Jahr wurde aber das Kriterium für die Bezahlung der Kosten in den Heimen auch auf das Vermögen (Wohnung, Grundstück, Renten usw.) ausgedehnt. Die Einwohner könnten sich für die Hypothek auf das Vermögen oder für den Verkauf entscheiden usw. Und so haben sich viele Einwohner in den Heimen entschieden zurück nach Hause oder zu den Kindern zu gehen. - das zweite große Problem ist die Tatsache, dass wir schon über fünf Jahre auf ein neues Gesetz warten. Das Gesetz sollte die Problematik der Langzeitpflege aufs Neue regulieren. - wir würden uns eine bessere Zusammenarbeit und Koordination zwischen den verschiedenen Ministerien wünschen.


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Bemerkung: Die Daten und Standpunkte bekam ich vom Verband der sozialen Institutionen und von einigen NGOs) VII. » Sport und Bewegung älterer Menschen« Bei der Vorbereitung auf die Diskussion zu diesem Thema habe ich die meisten Schwierigkeiten gehabt. Warum? 1.) Über die Sportaktivitäten der älteren Leuten als Einzelpersonen weiß ich sehr wenig. Ich kenne nur die Praxis aus dem Haus, wo ich wohne (118 Wohnungen, die Hälfte sind Leute 65+), und aus der Umgebung, in der ich schon 50 Jahre lebe. Nur einzelne Personen gehen regelmäßig jeden Tag spazieren, oder führen jeden Tag Übungen durch oder fahren jeden Tag mit dem Fahrrad. Es ist wahr, dass einige einen Garten oder ein Wochenendhaus haben und dort aktiv sind. Leider gibt es in unserer Umgebung und auch in anderen Stadtteilen keine Turnsäle und Programme für Leute 65+. 2.) Unsere Vereine organisieren einige Aktivitäten z.B.: a) Übungen im Freien, sehr modern ist das nordische Gehen (3810 Teilnehmer), Touren in die Bergen - nicht zu hohen - (902 Teilnehmer). Es gibt auch Fahrradtouren (1337 Teilnehmer.) Das sind nur kleine Muster. Wir wissen, dass wir viel mehr tun müssen, um die Leute 65+ zu überzeugen aktiver sein. b.) Unser Verband hat auch ein Hotel, in dem unsere Mitglieder das ganze Jahr ihren Urlaub verbringen können. Das heißt jedes Jahr ca. 25.000 Urlauber. Auch für das Thema: VIII. »Gesundheit älterer werdender Menschen« habe ich Schwierigkeiten gehabt. Ich kann nur sagen, das wir und andere NGOs und offene Dienste eine Menge an Informationsmaterialien ausgegeben haben, dass wir in jeder Nummer unseres Informationsblattes über die Gesundheitsfragen schreiben und dass die Vereine eine Menge Vorträge mit medizinischem Inhalten organisiert haben. Im vorigen Jahr haben verschiedene NGOs und offene Dienste an unsrem Festival für die dritte Lebensperiode 32 Vorträge und Diskussionen in verschiedenen Arbeitsgruppen organisiert.


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7. Tschechien:

Prof. Dr. Jan Solich Praha – Hradec Králové Berlin Mai 2013 Erinnerung an Frau Käte Tresenreuter Prof. Dr. Jan Solich würdigte mit markanten Worten die Verdienste von Frau Käte Tresenreuter was u. a. die Öffnung des Sozialwerks Berlin in Richtung Mittel-, Ost- und Südosteuropa anbelangt. Dann setze er sich mit der Frage: Was gibt es Neues bei den Senioren Tschechiens? auseinander. Dazu wurde Folgendes angesprochen: 1. Höhere Organisation im Rat der Senioren (fast eine ½ Million Mitglieder von 1.700.000 Senioren) 2. Kampf um Valorisation der Renten 3. Soziale Wohnungen in Großstädten 4. Soziale Sicherheit / Kultur, Steuern, Bahn und Verkehr, Klubleben, soziale Hilfe) Der Rat der Senioren: Rolle und Aktivitäten: - Sprecher der Senioren - Wahlkonferenz am 17.5.2013 Gäste: der neue Präsident der Republik Tschechien, Gäste aus Politik, Gäste von benachbarten Staaten - Zeitung "Nase Doba" - TV- u. Rundfunksendungen, Journalisten


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Statistisches 2013: Zahl der Senioren ab 65 Jahren: 1.700.000 Davon: 58,6 % Frauen und 41,4 % Männer Zuwachs jährlich: 40-60.000 Personen Es sterben jährlich: 10-30.000 Personen (+ 0,6 %) Rentner in der CZ: 2013: 2.341160 Personen 2003-2012: + 326.682 /W.B.1 019-771321 Altersrentner: 1.730500 - K. 614650 M.:46 % F.: 54 % DR: 1 0880

- M.: 140/0 F.: 86 Geh/R 1 OO/42,1

Renten:  Bis zu 8000 Rentnern: 320 Euro 7,8 %  Von 8OOO bis 13000 Rentner: 520 Euro 74,8 %  Von 13000-18000 Rentner: 720 Euro 16,9 %  Mehr: 0,5 %  1.1.2013 valor. 1/3 137 Kc (5,5E)  Lebensniveau – 5 % !!!!

Kampf der Senioren mit der Regierung in Tschechien In einer Petition verlangte man eine Inflationsrate und eine Gehaltserhöhung. Des Weiteren stellte man fest, dass die geplante Reform der Regierung ernsthaft den jetzt schon niedrigen Lebensstandard der Senioren bedroht, besonders denjenigen der Altrentner. Einige Gedanken zu einer Petition von 2012: l. Die Pensionen in CZ sind um 1/3 niedriger als in anderen Eu-Ländern. 2. Die Sozialsituation ist um 20 % niedriger als 1990. 3. Die Pensionen steigen viel langsamer als die Verdienste (im Prinzip nur um 25 % gegen 100%). 4. Die Inflationsraten stiegen von Januar bis März um 3,5%, 3,7%, 3,8%. 5. Die Kaufkraft sank 2012 von Januar bis März um 4,9%, 5,2 %, 5,4 %. • Das Einkommen der Senioren liegt um 500,-Kč niedriger. • Die Hilfe der Regierung beträgt nur 156,-Kč. • Die Valorisation der Pensionen soll nach dem Gesetz des Jahres 1995 erfolgen. • Die Pensionen sollen so mindestens 45 % des Durchnittsgehaltes aufweisen. • Alle sollen in den Pensionsfond einzahlen. • Die Pensionsreform soll erst im Jahr 2016 stattfinden. • Man verlangt soziale Wohnungen und finanzielle Hilfe. • Der Rat der Senioren verlangt Objektivität und Verhandlungen. • Die Senioren in den Straßen sind eine Schande. • Die Senioren Tschechiens sind die ersten, die zum „Streik“ greifen müssen.


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Europaseminar 2013