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BAUKULTUR Zeitschrift des DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V.

2014

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Schwerpunkte Tageslicht + Kunstlicht Bauen mit Glas

AIV KölnBonn Studienreise nach Valencia

Oberrheinischer AIV Freiburg Neuer DAI Mitgliedsverein

Oldenburgischer AIV Zur Zukunft der Cäcilienbrücke

BAUKULTUR

licht


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editorial

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LIEBE LESERINNEN UND LESER, VEREHRTE FREUNDE DER BAUKULTUR, „Architektur ist eine Art Macht-Beredsamkeit in Formen, bald überredend, selbst schmeichelnd, bald bloß befehlend“ schreibt Nietzsche in seinem Spätwerk Götzendämmerung. So treffen Politik und Architektur zusammen: Der Politiker strebt danach, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verbessern, und der Architekt bannt dieses Streben in Form, meißelt seine Sicht auf die Gesellschaft buchstäblich in Stein. Burgen, Paläste, Kirchen, Rathäuser und Regierungssitze spiegeln die Herrschaftsansprüche der Bauherren wider, sind aber auch zugleich Bilanz und Ausblick ihres Schaffens. In Demokratien werden nicht die Machtansprüche einzelner in Beton gegossen, sondern die Architektur will die Herrschaft des Volkes sichtbar, greifbar machen. Deshalb strahlen die Gebäude des Deutschen Bundestages auch Transparenz und Zugänglichkeit aus. Große Fensterfronten, öffentliche Wege rund um alle Gebäude und die gläserne – und begehbare – Reichstagskuppel zeigen: Die Politik ist für das Volk da und nicht umgekehrt. Deshalb ragen die Besuchertribünen im Plenarsaal auch weit in den Raum hinein. Der Besucher ist mittendrin im politischen Geschehen, er kann den Parlamentariern buchstäblich über die Schulter schauen. Der Anspruch der Architektur lautet: Nichts soll hinter verschlossenen Türen geschehen. Als meistbesuchtes Parlamentsgebäude der Welt muss auch dessen Architektur von den Qualitäten der Bundesrepublik Deutschland überzeugen, Struktur genauso, wie die innere technische Ausstattung. Hier war man Ende der 1990er Jahre beim Bau der Bundestagsliegenschaften schon recht fortschrittlich: Solarpaneele auf den Dächern, Kältespeicherbrunnen, die im Sommer als Klimaanlage dienen, und eine multifunktionale Kuppel mit Spiegeltrichter, die zugleich der Belichtung und Entlüftung dient, machen den Bundestag zu einem energetischen Selbstversorger. Und auch für diese Wahlperiode wollen wir die „mit Bundesbauten verbundene Vorbildfunktion“ wahrnehmen – „insbesondere bei Baukultur und Energieeffizienz“. Mittlerweile ist Energieeffizienz nicht mehr nur Kür für Bundesbauten, sondern gesamtgesellschaftliche Pflicht. Denn die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in dieser Wahlperiode. Damit

Deutschland das ambitionierte Ziel erreichen kann, dass bis zum Jahr 2050 insgesamt 80 % der Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen gespeist werden, müssen alle mitmachen. Deshalb gestaltet die große Koalition Deutschlands Zukunft, indem wir die energetische Stadtsanierung und die energetische Gebäudesanierung voran treiben: „Wir werden das energieeffiziente Bauen und Sanieren als entscheidenden Beitrag zur Energiewende weiter fördern und wollen dafür sorgen, dass qualitätsvolles, energiesparendes Wohnen für alle bezahlbar bleibt. Das Wirtschaftlichkeitsgebot, Technologieoffenheit und der Verzicht auf Zwangssanierungen bleiben feste Eckpunkte des Energiekonzepts.“ Und so kommen in dieser Wahlperiode Politik und Architektur wieder stärker zusammen: Wir werden die Innovationskraft und das hohe Niveau deutscher Bautechnik und die Gestaltungskraft der Architekten weiter fördern und intensivieren. Dabei geht es um Verantwortung. Politik, Architektur und die gesamte Bauindustrie tragen eine gesamtgesellschaftliche und generationenübergreifende Verantwortung. Die Energiewende ist ein Aspekt. Hinzu kommen aber auch altersgerechtes Wohnen und der soziale Wohnungsbau, die Stadtsanierung und der Schutz unserer historischen Bausubstanz. Wir haben viel vor in dieser Wahlperiode. Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln und es anpacken. Als Architektin und Politikerin freue ich mich darauf! Ihre

Mechthild Heil Mitglied des Deutschen Bundestages


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DAI in deutschland

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DAI Tag 2014 Vom 26.–28.9.2014 findet in Augsburg der DAI Tag statt. Damit verbunden ist die Verleihung des Großen DAI Preises für Baukultur. Das Tagungsprogramm finden Sie auf der DAI Web-Seite. www.dai.org/veranstaltungen/verbandstermine

Kiel

Pinneberg

Osnabrück

Dortmund

Düsseldorf

DAI Fachexkursion 2014 Die internationale DAI Fachexkursion für Architekten und Ingenieure führt in diesem Jahr nach Singapur und Bali. Es werden zwei Reisetermine angeboten (vgl. Anzeige S. 11). Das detaillierte Programm und das Anmeldeformular finden Sie auf der DAI Web-Seite. www.dai.org/veranstaltungen/verbandstermine

Wiesbaden Aschaffenburg Mainz

Mannheim

Saar

Nürnberg

Freiburg

Folgen Sie dem DAI im Netz: www.dai.org www.facebook.com/baukultur

DAI Mitgliedsverein kein DAI Mitgliedsverein

www.twitter.com/baukultur

DAI Mitgliedsverein mit Textbeitrag in der vorliegenden Ausgabe

DAI MITGLIEDSVEREINE AIV Aschaffenburg AIV Aschersleben-Staßfurt AIV Bad Hersfeld AIV Bielefeld AIV Braunschweig AIV Frankfurt AIV Hamburg AIV Hanau AIV Hannover AIV Hildesheim AIV Ulm

AIV Karlsruhe AIV Koblenz AIV KölnBonn AIV Konstanz AIV Leipzig AIV Magdeburg AIV Marburg AIV Mark-Sauerland Hagen AIV Schweinfurt AIV Stuttgart AIV Wetterau

AIV Würzburg AIV zu Berlin Dortmunder AIV Mittelrheinischer AIV Darmstadt Münchener AIV Münsterländer AIV Oberrheinischer AIV Freiburg Oldenburgischer AIV Ruhrländischer AIV zu Essen Schwäbischer AIV Augsburg


inhalt

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Editorial Mechthild Heil DAI in Deutschland Inhalt

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Nachrichten Kolumne: Bundesstiftung Baukultur Baukulturwerkstätten 2014 Serie: Wirtschaft + Recht Neues aus dem Immobilien- und Baurecht sowie aus dem Vergaberecht

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DAI aktuell Aus dem Präsidium

10–12 10 10–11 12

DAI regional AIV KölnBonn: Studienreise nach Valencia Oberrheinischer AIV Freiburg: Neuer DAI Mitgliedsverein Oldenburgischer AIV: Zur Zukunft der Cäcilienbrücke

13–28 13 14 15 16 17 18–19 20–22 23 24–25 26–27 28

Schwerpunkte Tageslicht + Kunstlicht, Bauen mit Glas Einmalige Präzision: LEDs für die Sixtinische Kapelle in Rom Luminale 2014: Biennale der Lichtkultur Ereignishorizonte: Kulturaktion „Steele im Licht“ Warme Materialität: Sonderleuchten für ein Bankgebäude in Erkelenz Spiegelung und Reflexion: Landesgalerie für zeitgenössische Kunst in Krems Tageslicht in der Architektur Prismatische Tageslichttechnik Glaskubus trifft Traditionsheurigen: Weingut Frühwirth in Teesdorf Illusion auf Glas: Marktplatzbebauung in Schijndel Komposition aus Licht und Schatten: Kunstzentrum in Córdoba Zielgruppengerechte Beleuchtung

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Advertorials EControl-Glas GmbH & Co. KG: Ganzjährig bestes Klima Schindler Deutschland AG & Co. KG: Auftauchen in der Hafenstadt

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Titel: Zentrum für zeitgenössische Kunst in Córdoba (Foto: Roland Halbe)

Autoren | Vorschau | Impressum

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nachrichten

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Lighting Design & Process Seit annähernd zwei Jahrzehnten entstehen im Office for Visual Interaction (OVI), einem der weltweit führenden Unternehmen für architekturbezogenes Lichtdesign, innovative B eleuch tungskonzep te für die bedeutendsten Architekturprojekte der Welt. Die Designer des OVI lassen sich durch die Interaktion des Lichts mit Oberflächen und Materialien inspirieren. Licht und Schatten werden durch die Aktivierung von Oberflächen zu einem natürlichen Teil einer erweiterten Architektursprache und in die Struktur eines Gebäudes integriert und verwoben. Mit über 400 Bildern, Zeichnungen, Illustrationen und Grafiken ist dieses Buch ein Führer durch die Kunst und Wissenschaft des Lichts. www.jovis.de

komfort erhöhen. Von LED-Technologie über Photovoltaik und Elektromobilität bis hin zur intelligenten Stromnutzung mit Smart Metering und Smart Grids sind alle relevanten Themen vertreten. www.light-building.messefrankfurt. com

fensterbau/frontale 2014 Vom 26.– 29.3.2014 findet in Nürnberg die fensterbau/frontale statt. Das Angebot der internationalen Branchenleitmesse spiegelt die weltweiten Innovationen rund um F e n s t e r, Türen und Fassaden wider. Erwartet werden rund 800 Aussteller. Neben der Angebotspalette der ausstellenden Unternehmen sorgt die fensterbau/frontale auch 2014 wieder mit einem umfassenden Fachprogramm für zahlreiche Informationsund Networkingmöglichkeiten. www.frontale.de

Datenlogger in Isolierfenstern Isolierfenster sind anfällig gegenüber schwankenden Temperaturen. Steigt oder fällt diese, so ändert sich auch der Druck zwischen den Fensterscheiben – sie beulen aus oder ziehen sich zusammen. Diese Belastungen können zu kleinsten Rissen an den Rändern der Scheiben führen. Die Risse lassen das Isoliergas entweichen, und die Fenster verlieren ihre isolierende Wirkung. Datenlogger, spezielle Messgeräte, sollen nun Aufschluss darüber geben, welche Temperaturen und Drücke im Inneren des Fensters herrschen, und Fensterherstellern helfen, die Produktionsprozesse und die Konstruktion der Fenster zu optimieren. Entwickelt haben die Sensoren Forscher vom FraunhoferInstitut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg. Mitarbeiter der Materialprüfanstalt der TU Darmstadt haben die Datenlogger in 40 verschiede ne Isolierfenster eingebaut und diese in

Light+Building 2014 Zur Light+Building stellen rund 2.300 Unternehmen auf dem Frankfurter Messegelände aus. Als weltgrößte Messe für Licht und Gebäudetechnik zeigt die Light+Building vom 30.3.–4.4.2014 Lösungen, die den Energieverbrauch von Gebäuden senken und gleichzeitig den W o h n -

CEB® Clean Energy Building 2014 Vom 6.–8.3.2014 veranstaltet die Messe Stuttgart die internationale Fachmesse für Energieeffiziente Gebäude, Technische Gebäudeausrüstung und Regenerative Energieerzeugung. Im Rahmen des Kongressprogramms findet das Seminar „Energieeffizienz in Licht und Beleuchtung: Tageslicht“ statt. Am Beispiel realisierter Projekte werden die Integration tageslichttechnischer Fragestellungen in den Planungsprozess und die jeweils getroffen Entscheidungen und Ergebnisse diskutiert. Aktuelle Forschungsergebnisse zur Bedeutung der Tageslichtnutzung für Strombedarf und Nutzerzufriedenheit werden vorgestellt. www.cep-expo.de

einen Klimaschrank gebracht. Dort müssen sie 12 Wochen lang Temperaturschwankungen zwischen –18 OC. und +53 OC. überstehen. Die Sensoren messen in dieser Zeitspanne Druck und Temperatur zwischen den Scheiben, funken die Daten nach außen und speichern sie zudem auf einem integrierten Speicher. www.ims.fraunhofer.de BMU-Förderung 2014 Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) fördert eine Vielzahl von Maßnahmen in Städten und Gemeinden, die zu mehr Energieeffizienz und weniger CO2-Emissionen führen sollen. Im laufenden Jahr 2014 wird dabei im Bereich Beleuchtung die Umstellung auf LED-Technologie bei der Innenbeleuchtung und Hallenbeleuchtung erneut unterstützt (keine Förderung für Außenbeleuchtung). Ferner gibt es Förderungsmöglichkeiten für komplette LED-Leuchten in Verbindung mit Steuer- und Regelungstechnik. Voraussetzung ist ein CO2-Minderungspotenzial von mindestens 50 %. Die Förderquote liegt bei bis zu 30 %, die Antragsfrist läuft bis 30.4.2014. www.bmub.bund.de LEDs für den Mailänder Dom Nach mehrjähriger Restaurierung wurde das „Museo del Duomo“ im Mailänder Dom Ende 2013 wieder eröffnet. Ein besonderer Schwerpunkt für die zukünftige Präsentation der Sammlung lag auf der fein abgestimmten Lichtplanung. Herzstück der Ausstellung sind die Modellbauten des Mailänder Doms aus unterschiedlichsten Materialien wie Gips, Bronze und Holz. Durch die Verwendung von LED-Strahlern wird das natürliche Sonnenlicht nachempfunden. Mit der direkt am Strahler anpassungsfähigen Farbtemperatur und einstellbaren Wechseloptiken tragen sie der unterschiedlichen Materialisierung der Modelle Rechnung. Um die Plastizität herauszuarbeiten und harte Schatten zu vermeiden, wurde zusätzlich mit Weichzeichnerlinsen gearbeitet. Hinzu kommt die Verwendung von schonendem UV- und IRfreiem LED-Licht. www.zumtobel.com


kolumne

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Die Bundesstiftung Baukultur stellt ihre Arbeit vor

BAUKULTURWERKSTÄTTEN 2014 Die Konflikte um innerstädtische Bauprojekte haben sich verschärft, sagte unlängst Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, in einem Interview mit dem Stadtmagazin tip Berlin. Die generelle Skepsis gegen Stadtentwicklung, Stadtplanung und Bauen sei spürbar in der Gesellschaft. Deshalb sind es genau die Themen, die die Bundesstiftung Baukultur mit ihren Programmen jetzt aufgreift. Soziale und funktionale Mischung, die von Beginn an mit verschiedenen Nutzern im Dialog entwickelt werden sollte, ist ein gutes Rezept für gemischte Quartiere, wie die erste Baukulturwerkstatt am 18.1.2014 zeigte. Und es wurde auch deutlich: Die Menschen wollen sich einbringen und mitdiskutieren. Mit nationalen und internationalen Best-Practice-Projekten zeigte die Bundesstiftung Baukultur mit ihren Partnern – die Akademie der Künste Berlin sowie der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen – in der Werkstatt übertragbare Lösungsansätze für die Zukunft der Stadt auf.

Planung eine Herausforderung, der wir uns jetzt stellen müssen. Gemischte Quartiere sind ein Schlüssel für die Zukunft der Städte und können nicht nur städtische Nachbarschaften, sondern auch den suburbanen Raum vitalisieren. Planungsprozesse müssen sich immer wieder neu anpassen, Stadtentwicklung müsse immer neu planen, es gehe vor und zurück und niemals nur in eine Richtung, wie Reiner Nagel im eingangs erwähnten Interview weiter ausführte. Die Bundesstiftung Baukultur will mit den Baukulturwerkstätten diese Prozesse aufgreifen und Impulse geben, vor allem aber auch die Erfahrungen sammeln und in den Baukulturbericht überführen: Im Juni 2014 kann die Stiftung ihre Handlungsempfehlungen zum Stand der Baukultur über das Ministerium in den Bundestag einbringen; Regierung und Parlament – in Form der Ausschüsse des Bundestages – sollen den Baukulturbericht diskutieren. Über die Teilnahme an den Werkstätten kann sich hierbei jeder Teilnehmer aktiv am Entstehen des Baukulturberichts beteiligen. In der zweiten Werkstatt am 29.3.2014 wird es in der Akademie der Künste am Hanseatenweg in Berlin um den öffentlichen Raum und die Infrastruktur gehen, und es spricht einiges dafür, dass die rund 450 Teilnehmer aus Werkstatt eins in ihrer Anzahl noch überschritten werden. Stoff für Diskussionen gibt es genug, schon beim Vorabendempfang am 28.3.2014 im Stattbad Wedding. Denise Junker

Unter mehreren 100 Einsendungen waren für die erste Werkstatt 12 Projekte ausgewählt worden. Darunter so namhafte Vertreter wie das Büro BIG zum „8 House“ in Kopenhagen, René Reckschwardt von der IBA Hamburg GmbH zu Hamburg-Wilhelmsburg oder auch Prof. Klaus Kada, Wien. Wohnen ist und bleibt für die Zukunft der Stadt das zentrale Thema: Vor allem welches System dahinter steht, der Architekt, private Investoren oder kommunale Unternehmen, ist wichtig. Guter Wohnraum kann nur im Dialog entstehen: Baukultur ist interdisziplinär und die Stadt der Zukunft in ihrer

Anmeldung unter: www.bundesstiftung-baukultur.de

Erste Baukulturwerkstatt im Januar 2014 in Berlin: Projektvorstellung „KraftWerk 1“ (Foto: Bundesstiftung Baukultur)

Erste Baukulturwerkstatt im Januar 2014 in Berlin: Workshop „Entwicklungspotenzial Urbane Qualitäten“ (Foto: Bundesstiftung Baukultur)


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wirtschaft + recht

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§§ Die in Berlin, Frankfurt, München und Wien ansässige Kanzlei Zirngibl Langwieser Rechtsanwälte Partnerschaft ist Premiumpartner des DAI. Zu ihren bundesweiten Arbeitsschwerpunkten zählen das Immobilien- und Baurecht sowie das Vergaberecht.

NEUES AUS DEM... ...Immobilien- und Baurecht

...Vergaberecht

Selbst einfache handwerkliche Routinearbeiten müssen im Einzelfall in gewissen Abständen überwacht werden:

Kein Angebotsausschluss ohne Aufklärung bei Zweifeln an der Durchführbarkeit des angebotenen Lösungsvorschlags:

Im Rahmen der Bauaufsicht muss der mit der Leistungsphase 8 des Leistungsbildes Gebäude und Innenräume beauftragte Architekt schon während der Ausführung dafür sorgen, dass der Bau plangerecht und mängelfrei errichtet wird. Bei wichtigen oder kritischen Baumaßnahmen mit hohem Mängelrisiko ist der Architekt zu erhöhter Aufmerksamkeit und zu einer intensiveren Wahrnehmung der Bauaufsicht verpflichtet. Handwerkliche Selbstverständlichkeiten (z.B. einfache Putzarbeiten, Malerarbeiten, Plattenverlegung) bei allgemein üblichen Arbeiten müssen im Regelfall nicht gesondert überwacht werden. Es kann nämlich davon ausgegangen werden, dass die Beherrschung dieser Arbeiten durch ein Bauunternehmen vorausgesetzt werden kann. Auch bei allgemein üblichen und handwerklich selbstverständlichen Arbeiten muss jedoch u. U. eine Überwachung durchgeführt werden:

Soll ein Angebot ausgeschlossen werden, weil im Laufe des Vergabeverfahrens Zweifel an der Durchführbarkeit des angebotenen Lösungsvorschlags entstanden sind, ist dem Bieter zuvor die konkrete Möglichkeit einzuräumen, diese Zweifel zu beseitigen (VK Bund, Beschluss vom 16.10.2013 – VK 1-81/13). Anderenfalls darf das Angebot nicht ausgeschlossen werden.

1. Wenn das Bauunternehmen erkennbar unzuverlässig ist und wenig Sachkunde hat. 2. Wenn Abweichungen vom allgemein Üblichen vorgegeben sind. 3. Es müssen wenigstens Stichproben genommen werden, die über die Materialauswahl und die Endkontrolle hinausgehen, wenn die Leistung von erheblicher Bedeutung ist. Indiz für die erhebliche Bedeutung kann z. B. die Größe der zu bearbeitenden Fläche sein (OLG Koblenz, Urteil vom 16.01.2013 - 5 U 758/12). Bei dem Urteil des OLG Koblenz ging es um die Verlegung eines sehr großen Fliesenbodens für ein Autohaus. Dem neben dem Bauunternehmer verklagten Architekten war die mangelhafte Arbeit nicht aufgefallen. Da der Architekt mit dem Bautagebuch aber eine stichprobenartige Kontrolle der Arbeit nachweisen konnte, hatte er seine eigene Pflicht ordnungsgemäß erfüllt und haftete nicht. Deswegen empfiehlt es sich dringend, stichprobenartige Kontrollen im Bautagebuch festzuhalten. Umso mehr empfiehlt sich dies vor dem Hintergrund, dass auch die Abgrenzungen zwischen handwerklichen Selbstverständlichkeiten und kritischeren Baumaßnahmen fließend ist und nur im Einzelfall beurteilt werden kann. Rechtsanwalt Konstantin Karohs

In dem der VK Bund vorgelegten Fall hatte der Auftraggeber im Verhandlungsverfahren die Vergabe eines Rahmenvertrages zum Kauf und zur Pflege von Software ausgeschrieben. Der Auftraggeber stellte in den Vergabeunterlagen ein Ausschlusskriterium auf, wonach der Zugriff über einen WebClient ausreichen muss, um die Anwendung komplett nutzen zu können. Obwohl der Bieter im Angebot die Einhaltung des Ausschlusskriteriums bestätigte, kamen dem Auftraggeber im Rahmen der Angebotspräsentation Zweifel an dessen Einhaltung. Diese Zweifel wurden vom Bieter auch nicht in einer zweiten Angebotspräsentation ausgeräumt. Dennoch hätte das Angebot vom Auftraggeber nicht aufgrund vermeintlicher Abweichungen von den Vergabeunterlagen ausgeschlossen werden dürfen. Denn in keinem Verfahrensstadium konfrontierte der Auftraggeber den Bieter mit seinen Zweifeln an der Einhaltung des Ausschlusskriteriums. Allenfalls forderte er indirekt Angaben zum Zwecke der Aufklärung ab. Da der Bieter somit nicht in hinreichender Transparenz auf die Zweifel und den drohenden Ausschluss hingewiesen wurde, konnte er den Zweifeln nicht wirksam entgegentreten. Für den Auftraggeber bedeutet dies, dass ein Ausschluss wegen Änderung der Vergabeunterlagen nur in Betracht kommt, wenn dem Bieter mit einem konkreten Aufklärungsgesuch die Möglichkeit eingeräumt worden ist, die konkret bezeichneten Zweifel auszuräumen. Andernfalls ist das Angebot in der Wertung zu belassen. Bieter sollten zur Vermeidung von Verfahrensverzögerungen darauf bedacht sein, schon früh Zweifel des Auftraggebers zu erkennen und zu beseitigen. Rechtsanwalt Thomas Schneider

Ansprechpartner Berlin: RA Lars Robbe, Tel.: 030–880331–231, Fax: 030–880331–100, Mail: l.robbe@zl-legal.de, www.zl-legal.de Ansprechpartner München: RA Dr. Ulrich May, Tel.: 089–29050–231, Fax: 089–29050–290, Mail: u.may@zl-legal.de, www.zl-legal.de


DAI aktuell

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AUS DEM PRÄSIDIUM Ende November 2013 hat der DAI zusammen mit seinem Partner ECB (EcoCommercial Building: ein Netzwerk, das von der BayerMaterial Science AG ins Leben gerufen wurde) eine Veranstaltung in der Hamburger Kunsthalle mit dem Titel „Dämm-Wert = (k)ein Mehrwert“ durchgeführt. Rund 80 Teilnehmer diskutierten mit den Referenten zum Thema. Albert Schett vom Hamburger Denkmalschutzamt lenkte abschließend noch die Sicht auf einige Probleme bei der denkmalgerechten Sanierung. Weitere Eindrücke und die Vorträge finden sich auf der DAI Web-Seite unter www.dai.org/veranstaltungen/verbandstermine/archiv. Mit dem Fokus auf den innovativen Wohnungsbau wird der DAI die Veranstaltungsreihe im Mai 2014 voraussichtlich im Raum Dresden/Chemnitz fortsetzen.

DAI Präsident Prof. Christian Baumgart im November 2013 in Hamburg

Die erste reguläre Präsidiumssitzung des DAI in diesem Jahr fand am 28.1.2014 in Berlin statt. Ganz oben auf der Tagesordnung standen die für dieses Jahr geplanten Termine: DAI Regionaltreffen, Veranstaltungen mit DAI Partnern, Parlamentarisches Frühstück im Mai in Berlin, Internationale Fachexkursion nach Singapur und Bali (vgl. Anzeige Seite 11 und online unter www.dai.org) sowie nicht zuletzt der DAI Tag vom 26.–28.1.2014 in Augsburg. Für die nächste Runde des DEUBAU-Preises obliegt darüber hinaus dem DAI der JuryVorsitz. Die Preisverleihung erfolgt im Herbst 2015.

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DAI Präsidiumsmitglieder (v.l.n.r.): Alexander von Canal, Arnold Ernst, Marion Uhrig-Lammersen, Prof. Christian Baumgart, Gerd Schnitzspahn

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Das DAI Präsidium freut sich darüber, dass mit dem Oberrheinischen AIV in Freiburg ein weiteres Mitglied im Dachverband aufgenommen werden konnte (vgl. Seite 10). Aktuell finden eine Reihe von Gesprächen mit weiteren AIVen, die derzeit nicht dem Verband angehören, statt. Auch gibt es AIV Neugründungsaktivitäten. Udo Sonnenberg


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DAI regional

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AIV KölnBonn

STUDIENREISE NACH VALENCIA

Teilnehmer der Studienreise nach Valencia

Im Oktober 2013 veranstaltete der AIV KölnBonn mit insgesamt 42 Teilnehmern eine Studienreise nach Valencia. Die drittgrößte Stadt Spaniens kann mit rund 800.000 Einwohnern zwar als Metropole bezeichnet werden, ist aber trotzdem alles andere als eine hektische Großstadt. Man lebt hier eher gemütlich und geht die Dinge mit mediterraner Gelassenheit an. Eine Führung durch die Altstadt hatte die wichtigsten historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten zum Ziel, etwa den Mercado Central, die Kathedrale mit dem Glockenturm Miguelete, die beliebte Plaza de la Virgen mit dem Wassergericht Tribunal de las Aguas und die Lonja de la Seda. Die historische Seidenbörse von Valencia steht seit 1996 zu Recht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, handelt es sich doch um ein Bauwerk von herausragender historischer, architektonischer und künstlerischer Bedeutung. Der zweite Tag galt der Wandlung der Stadt: Einst floss der Rio Turia quer durch Valencia. Nach der Flut von 1957 wurde jedoch beschlossen, den Strom südlich um die Stadt herum zu führen. In den 1980er Jahren wurde das trockengelegte Flussbett in eine rund 9 km lange Garten- und Freizeitanlage umgestaltet, die Jardines del Turia. Am südöstlichen Ende des Turia-Flussparks entstand in den 1990er Jahren die „Stadt der Künste und Wissenschaften“, ein Großprojekt, geplant und gebaut vom valencianischen Architekten Santiago Calatrava, das Valencia ein modernes und internationales Profil geben sollte. Das zweifelsohne eindrucksvollste Bauwerk ist das Opernhaus Palau de les Arts Reina Sofia. Es gilt mit 4.400 Plätzen als das größte Opernhaus Europas und beherbergt 4 verschiedene Theater und Musiksäle. Die Gesamtform des Gebäudes ist linsenförmig und wird überspannt von einer auf zwei Betonblöcken ruhenden Metallkaskade, wobei der östliche Bereich dieser Überdeckung völlig frei überhängt. Das herausragende Material ist weißer

Opernhaus „Palau de les Arts Reina Sofia“ in Valencia

Beton, betont in den großen Tragblöcken, gefolgt von Mosaiken als zweitem auffälligem Material, das die spektakulären Bedachungen des Palau bedeckt. Am dritten Tag ging es um die Expansion der Stadt bis hin zur 6 km entfernten Küste. El Cabanyal, die einstige Heimat der Fischer, ist längst zu einem Stadtbezirk Valencias geworden, der jedoch seinen eigenen Charakter bewahrt hat und den Stadtplanern stolz trotzt, die die alten Häuser abreißen wollen, um eine der Hauptstraßenachsen bis ans Meer zu führen. Die Strandpromenade führt zum modernen Yachthafen, zweimaliger Austragungsort des America’s Cup und ehemalige Formel 1-Rennstrecke rund um das Hafenbecken. Er wird dominiert durch das weiß strahlende Veles-e-Vents-Gebäude der Architekten David Chipperfield und Fermin Vásquez. Den Abschluss bildete ein Besuch der Markthalle Mercado Central, einer historischen Jugendstilhalle von 1928, die bis heute ein lebendiger, quirliger Ort geblieben ist, mit einer Vielzahl an Farben, Gerüchen, Menschen und Stimmen. Ingrid und Hans-Georg Kühnemund

Oberrheinischer AIV Freiburg

NEUER DAI MITGLIEDSVEREIN Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum Zu Jahresbeginn 2014 wurde der Freiburger Traditionsverein OAIV – Oberrheinischer Architekten- und Ingenieurverein – Mitglied im DAI. Bereits im Jahr 1869 hatte sich der „Badische Architecten- und IngenieurVerein“ gegründet, der 1937 im „Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik“ aufging. Im Jahr 1952 kam

es zu einer Neugründung, und Ende 2012 konnte der OAIV sein 60-jähriges Bestehen feiern. Anlässlich dieses Jubiläums hat der Verein eine Festschrift herausgegeben, die das Vereinsgeschehen seit der Neugründung 1952 anschaulich dokumentiert. Das Jubiläum war auch Anlass, über die weitere Zukunft des Vereins nachzu-

denken. Zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und der Informationen an die Mitglieder wurde eine Homepage gestaltet, die es allen am Bauund Planungsgeschehen Interessierten ermöglicht, sich über das Programm, Veranstaltungen, Exkursionen oder Fachvorträge des OAIV zu informieren (www.oaiv-freiburg.de).


DAI regional

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Wie für manch anderen Verein ist es auch für den OAIV eine Daueraufgabe, Neumitglieder zu werben, um die befruchtende Mischung aktiver und bereits aus dem Berufsleben ausgeschiedener Architekten und Ingenieure zu erhalten. Dementsprechend vielfältig ist das jährliche Programm. Den Blick über den eigenen Tellerrand schärften in den vergangenen Jahren mehrtägige Exkursionen in die neuen Bundesländer oder auch nach Hamburg, München, Lyon oder Rotterdam, expandierende Städte, in denen mit neu entwickelten Wohn- und Stadtquartieren den Wohn- und Arbeitsplatzproblemen begegnet wird. Neben den fachlich orientierten Zielen stellt sich der OAIV aber auch den gesellschaftlichen Aufgaben und Anliegen seiner Mitglieder. Das Angebot an Veranstaltungen und Bildungsreisen

ermöglicht es denjenigen Kollegen, die bereits aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, weiterhin am aktuellen Architektur- und Baugeschehen teilzunehmen. Und mit dem Beitritt zum Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V. geht der OAIV nun noch einen Schritt weiter zur Verbesserung des fachwissenschaftlichen und praktischen Gedanken- und Erfahrungsaustauschs. Mit dem regelmäßigen Bezug der BAUKULTUR, der Fach- und Verbandszeitschrift des DAI, erhalten die Mitglieder des OAIV aktuelle Informationen zur Verbandsarbeit sowie rund um das Baugeschehen. Der OAIV Freiburg freut sich auf die neue Mitgliedschaft im DAI. Hans-Joachim Bumann

DAI FACHEXKURSION 2014 FÜR ARCHITEKTEN UND INGENIEURE Singapur und Bali „Baukultur zwischen Tradition und Moderne“ 26.10.–5.11.2014 und 9.11.–19.11.2014 Die Reise wird allen DAI Mitgliedern sowie den Freunden des Verbandes und der BAUKULTUR zu einem attraktiven Grundpreis von 2.295,– Euro angeboten. Darin enthalten sind unter anderem: • • • • •

Direktflüge zwischen Deutschland und Singapur (Singapur Airlines) Weiterflug nach Bali Unterbringung in Hotels der 4-Sterne-Kategorie Transfers und Rundreise im klimatisierten Reisebus Ganztägiges Fachprogramm mit einem einheimischen Architekten Detaillierte Informationen finden Sie unter: www.dai.org/veranstaltungen/verbandstermine oder über den Reiseveranstalter: RDB – Reisedienst Bartsch GmbH Neichener Heide 18 | 53604 Bad Honnef Telefon: (02224) 98 98 98 | Fax: (02224) 98 98 94 E-Mail: rdb@reisedienstbartsch.de

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Anlässlich seines 60-jährigen Jubiläums hat der OAIV Freiburg eine Festschrift herausgegeben, die das Vereinsgeschehen seit der Neugründung 1952 dokumentiert


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Oldenburgischer AIV

ZUR ZUKUNFT DER CÄCILIENBRÜCKE Die Cäcilienbrücke in Oldenburg bildet eine wichtige Querung über den Küstenkanal zwischen der Oldenburger Altstadt und dem Stadtteil Osternburg. 1927 erbaut, 1948 wiederhergestellt und 1984 von Grund auf instandgesetzt wird nun ihr Erhalt in Frage gestellt. Mitte Januar 2014 veranstaltete der Oldenburgische AIV eine Podiumsdiskussion zum Thema „Cäcilienbrücke – Zukunft eines Baudenkmals“. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen (WSA) als Besitzer und Betreiber des Bauwerks teilte im Februar 2013 mit, ein Abriss der Brücke sei unausweichlich, eine Sanierung nicht möglich. Externe Gutachten bestätigten dies, und auch die Stadt Oldenburg hatte offensichtlich ein Einsehen. Dann brach in der Bevölkerung ein Sturm der Entrüstung los. Vor allem Bürger aus Osternburg, die Osternburger Kaufleute, der Bürgerverein, aber auch Baufachleute, Architekten und einige Oldenburger Persönlichkeiten meldeten sich für den Erhalt der Cäcilienbrücke zu Wort. Im Rahmen der Podiumsdiskussion stellten die Befürworter des Erhalts der Brücke die Ergebnisse der Gutachten in Frage, kritisierten die weiteren Planungen und bemängelten die bisherigen, in ihren Augen mangelhaften oder falschen Erhaltungsmaßnahmen am Brückenbau. Moderator der Veranstaltung war Prof. Dr. Lutz Beckmann, Dekan im Fachbereich Architektur der Jade Hochschule. Er nannte die Abrisspläne einen „Paukenschlag“, durch den alle „von großer Traurigkeit befallen“ worden seien. Für den Oldenburgischen AIV begrüßte Vorstandsmitglied Christoph Bagge die ca. 100 Gäste. Bagge stellte die weiteren Podiumsmitglieder vor: Prof. Bernd Müller, Vorsitzender des AIV Oldenburg, Hans Georg Bröggelhoff, Ingenieurberatung Bröggelhoff, Dr. Torsten Stengel, WSA, und Gerd Hochmann als Vertreter der Osternburger Kaufleute. Brücken seien Begegnungspunkte, betonte Bagge und verwies auf einige bedeutende Beispiele, darunter die Rialto-Brücke in Venedig. Dennoch verteidigte er die Planungen: Wünschenswert sei eine offene Diskussion zum neuen Brückenbauwerk. Dr. Torsten Stengel erklärte, die Notwendigkeit des Abrisses sei Ergebnis fundierter Untersuchungen. Die ersten hätten 1999/2001 stattgefunden. Schon damals wollte das

Die Cäcilienbrücke in Oldenburg steht unter Denkmalschutz und soll nun einem Neubau weichen

WSA sich von der alten Brücke trennen, was Bürgerproteste verhinderten. Trotz zahlreicher Instandsetzungsarbeiten, so Stengel, habe eine weitere Untersuchung in den Jahren 2008/2009 gezeigt, dass die Brücke abgängig sei. Man werde daher jetzt einen Wettbewerb für eine neue Brücke ausloben, mit deren Bau frühestens 2017 begonnen werden könne. „Bis dahin pflegen wir die Brücke intensiv“, sagte Stengel,„können aber nicht garantieren, dass sie so lange durchhält.“ Das Aussehen der neuen Brücke sei dem WSA im Grunde egal. Allerdings müsse man darauf bestehen, dass das neue Bauwerk allen aktuellen Vorschriften entspreche. Diese Aussage rief im Publikum sofort Widerspruch hervor. Denkmalgeschützte Gebäude müssten nicht sämtlichen Vorschriften entsprechen. Eine Beantwortung dieser Frage war mangels konkreter Pläne und ohne Unterstützung durch den Denkmalschutz an diesem Abend jedoch nicht möglich. Gerd Hochmann erklärte, die Brücke sei für die Osternburger ein besonderer Punkt. „Die Osternburger können nicht verstehen, dass sie weg soll.“ Auf dieser emotionalen Argumentationsebene folgten ihm viele, wie der anhaltende Beifall zeigte. „Wir sollten der Stadt sagen, welch tosenden Applaus es hier gab“, betonte der AIV Vorsitzende Bernd Müller. „Der Wunsch nach dem Erhalt der Brücke ist stark“, stellte er fest, „aber viele möchten auch neu nachdenken. Vielleicht kann man im Wettbewerb beides tun.“ Stengel skizzierte den Ablauf des europaweit auszuschreibenden Wettbewerbs, der in diesem Jahr durchgeführt werden soll: Geplant sei ein zweiphasiges Vorgehen. Im Anschluss wählt das Preisgericht die besten Ideen aus. Diese werden dann näher untersucht, um schließlich zu einer Auswahl von drei Preisträgern zu kommen. Das Baugenehmigungsverfahren soll 2015 beginnen. Lutz Beckmann kritisierte, dass die mögliche Lösung des Erhalts der alten Brücke nicht im Wettbewerbstext vorkomme. Diese Lösung werde daher voraussichtlich im Wettbewerb keine Rolle spielen. Der Dekan der Jade Hochschule animierte die Bürgerschaft, eine starke Rolle für den Erhalt der Brücke zu spielen. Applaus aus dem Publikum gab es, als ein Besucher auf die kritische Verkehrssituation auf der Brücke hinwies. Das „Wooling“ von Fußgängern, Radfahrern und Autoverkehr zu Stoßzeiten sei kaum zu verantworten. Gerade dies, widersprachen andere, sei doch das Besondere an der Brücke und vermittle irgendwie ein heimatliches Gefühl. Passiert sei im übrigen wenig, weil alle entsprechend vorsichtig führen. Fakt ist, dass eine bewegliche Brücke gebraucht wird, die den wirtschaftlich für Stadt und Region bedeutenden Schiffsverkehr zuverlässig ermöglicht und die Oldenburgs Altstadt mit Osternburg verbindet. Anja-M. Gieselmann


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LED4ART Bislang waren die Fresken der Sixtinischen Kapelle in Rom aus konservatorischen und technologischen Gründen nur sehr eingeschränkt zu sehen. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde nun ein neues Beleuchtungskonzept entwickelt. Dieses sieht vor, die Fresken zukünftig über rund 7.000 LEDs so homogen wie möglich und so schonend wie möglich auszuleuchten. Dafür wurde das Farbspektrum passgenau an die Farbpigmente der Malereien angepasst. Eine präzise Lichtlenkung sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung. Damit die Besucher nicht geblendet werden und das Licht aus derselben Richtung kommt wie das natürliche Tageslicht, sind die Leuchten unsichtbar unterhalb der Fenster installiert. Entscheidend für das neue Lichtkonzept war der konservatorische Aspekt. Die neue LED-Lösung ist deutlich schonender als sämtliche alternative künstliche Beleuchtungen. Die Beleuchtungsstärke von 50 bis 100 Lux (vorher 5 bis 10 Lux), stellt sicher, dass die Kunstwerke nicht gefährdet werden, sie aber dennoch bestmöglich zu betrachten sind. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht bietet das neue Lichtkonzept Vorteile. Obwohl die Beleuchtungsstärke um ein Vielfaches angehoben wurde, wird der Stromverbrauch für die Beleuchtung voraussichtlich um mehr als 60 % sinken. Grund dafür ist neben dem Einsatz stromsparender LEDs die präzise Lichtplanung, durch die das Licht zielgenau die Kapelle beleuchtet und kein Licht verschwendet wird. Das Pilotprojekt (Arbeitstitel LED4Art) wird vom europäischen Förderprogramm für Informations- und Kommunikationstechnologien innerhalb des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (PSP-CIP) gefördert. Ziel des Förderprogramms ist es, die neuen Möglichkeiten der LED-Technologie in Bezug auf Energieeffizienz und bessere Lichtqualität zu demonstrieren und dadurch eine schnellere

Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle in Rom (Fotos: Governatorato dello Stato della Città del Vaticano)

Rund 7.000 LEDs sorgen für eine gleichmäßige, blendfreie und vor allem schonende Ausleuchtung der Fresken

Marktdurchdringung für die neue Technologie zu erreichen. Neben Projektkoordinator Osram sind als Partner die Universität Pannonia in Ungarn, das Institut de Recerca en Energia de Catalunya in Spanien und das Planungsbüro Faber Technica in Italien beteiligt. Christian Bölling


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Fassaden-Illumination des Frankfurter Hauptbahnhofs (Christian Uitz für iGuzzini)

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re:connect – reflekt: Installation im Frankfurter Hauptbahnhof (Tjark Ihmels und sein Team an der FH Mainz)

Interaktive Licht- und Schattenspiele auf dem Nextower (Atelier Sounds of Silence)

BIENNALE DER LICHTKULTUR Die Luminale 2014 findet auch in diesem Jahr anlässlich der Light + Building, der Weltleitmesse für Licht- und Gebäudetechnik, in Frankfurt am Main statt. Sie will die Themen Licht, Design und Architektur in das Stadtbild hineintragen. Insgesamt werden mehr als 100 Licht-Installationen zu sehen sein. Fokus Hauptbahnhof Neben den schon traditionellen Schauplätzen wie Börsenplatz, Hauptwache, Römer oder Palmengarten steht der Hauptbahnhof als Kathedrale der Mobilität im Fokus, ebenso wie die Illumination des Stadtraumes Main, die dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum feiert. Wo einst eine Schattenzone Frankfurt zerteilte, hat sich der Main mit seinen Ufern zur Lebensader für Stadt und Region entwickelt. Eine neue Brücken-Illumination im Osten zu Füßen des neuen EZB-Towers wird diesen Stadtraum Richtung Offenbach erweitern, das weiter flussaufwärts zahlreiche Ereignisse präsentiert: Das Hafenquartier mit der Off-Location Hafen 2, die Heyne Fabrik und diverse „Art Spaces“. Wahrzeichen Nextower Das Projekt „Schattenspiele“ des Ateliers Sounds of Silence birgt das Potenzial, zum Wahrzeichen der diesjährigen Luminale zu werden. Unweit des Börsenplatzes und der Hauptwache gelegen, haben Besucher die Möglichkeit, unter Anleitung mit ihren Händen Schattenspiele auf den Tower zu projizieren. Hotspot Osthafen Ein Hotspot der diesjährigen Luminale ist der Frankfurter Osthafen. Der 1. Preisträger des Mainova-Wettbewerbs, der Kölner Architekt und Stadtplaner Prof. Jochen Siegemund,

Installationen im öffentlichen Raum des Hafen Offenbach (werkbund.jung)

beleuchtet dort das Umspannwerk mit einer dreidimensionalen Licht-Installation. Blaue und rote Lichtstreifen aus energiesparenden LEDs entlang der grauen Wellblechfassade symbolisieren die Energieflüsse im Stromnetz. Ganz in der Nähe in den Brückenbögen der restaurierten HonsellBrücke präsentiert Mirek Macke vom Kunstverein Montez Lichtkunst-Talente. Erstmals dabei ist auch die Naxos-Fabrik, deren industriekultureller Charme das Umfeld bietet für experimentelle, junge Positionen, Installationen und Interventionen mit Licht. Während der Luminale dient die NaxosHalle mit dem Theater Willy Praml als zentraler Treffpunkt mit Café und Vortragsraum. Rahmenprogramm Zahlreiche Aussteller der Light + Building unterstützen Designer und Künstler bei ihren Luminale-Installationen oder zeigen selbst Innovationen in der praktischen Anwendung. World-Architects.com bietet während der Messezeit vom 30.3.-4.4.2014 Führungen zu ausgewählten Zielen. Die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit spielen eine zentrale Rolle. So informiert das Energiereferat der Stadt Frankfurt zum Thema Green City. Die Künstlerin Barbara Trautmann plant für das Foyer des neuen Kongresscenters eine Lichtröhren-Installation. www.luminale.de

Water Lili Installation im Palmengarten (Luminauten)

Installationen im öffentlichen Raum des Hafen Offenbach (werkbund.jung)


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EREIGNISHORIZONTE Die Licht-Installation „Ereignishorizonte“ ist ein Beitrag zur Kunst- und Kulturaktion „Steele im Licht“ und war anlässlich des 1075-jährigen Jubiläums der Stadt EssenSteele im November 2013 zu sehen. Der Entwurf stammt vom Atelier leichtbaukunst.

Das Licht unterstützt die plastische Wirkung der aus Stretch konfektionierten Bespannung

Ideenkonzept Die Installation mit ihren räumlich gekrümmten Flächen und Lichtringen thematisiert das Sein und den Wandel. Die Konturen von Tuch und Licht zitieren astronomische Modelle von der Wechselwirkung von Zeit und Raum: Als „Ereignishorizont“ wird in der Physik eine Grenzfläche in der Raumzeit bezeichnet. Unsere Wahrnehmung und unser Wissen reichen nur bis zu dieser Grenze. Was sich dahinter befindet, was die Welt im Innersten zusammenhält, entzieht sich prinzipiell unserer (Er)Kenntnis. Wie alle Horizonte trennt der Ereignishorizont Beobachtbares von Unbeobachtbarem. Die ortsbezogene Installation spielt mit der Überlagerung und Transformation gleich mehrerer Grenzflächen, sie eröffnet Blickbeziehungen und lässt gleichzeitig Raum für die zentralen Fragen und Deutungen. Umsetzung Am ehemaligen Stadttor „Isinger Tor“ gelegen nimmt die Markierungsarbeit mit ihren (Licht)-Ringen und der gestalterischen Anleihe von so genannten Moon Gates aus der Landschaftsarchitektur Bezug auf das Stadtwappen der bis 1929 unabhängigen Stadt Steele: Seit dem 16. Jahrhundert symbolisieren die sich überlagernden Ringe die Kunstfertigkeit der regionalen Schmiede. Ausgehend von einem Würfel wurden mehrere trichterartige Grenzflächen um einen inneren, sphärischen Bereich herum gruppiert, bei näherer Beschäftigung eröffnen sich im doppelten Sinne neue Perspektiven. Das Licht benötigt die textile Fläche, um wahrgenommen zu werden, und das Licht unterstützt die plastische Wirkung der aus Stretch konfektionierten Bespannungen. Daher ist die Wechselwirkung zwischen den LED-Leisten als Lichtquelle einerseits und dem reflektierenden Tuch mit seiner speziellen Geometrie andererseits der zentrale Aspekt der Arbeit: An den äußeren Bereichen nur diffus und schwach reflektierend, nimmt der Widerschein am Tuch zu, je näher er dem Zentrum mit den Lichtbändern kommt, um dann unvermittelt abzureißen. Die DMX-gesteuerten LED-Stripes (5050RGB Platine 24 V) mit 60° Abstrahlung leuchteten mit einem langsamen programmierbaren Farbwechsel und tauchten die von massiven Betonbauten gesäumte Zuwegung von der S-Bahn in den Stadtkern in eine anregende Atmosphäre. Lars Meeß-Olsohn

DMX-gesteuerte LED-Stripes leuchteten in einem langsamen programmierbaren Farbwechsel

PROJEKTDATEN Idee/Konzeption/Planung/Montage: Atelier leichtbaukunst Statische Berechnung: IB Zapf Fertigung Stahlkubus: Hahner Stahlbau GmbH Konfektion Stretch-Gewebe: Ellermann GmbH LED-Technik: Lexington Europe GmbH


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Großformatige Leuchtobjekte akzentuieren die neue Kundenhalle (Foto: Schreinerei Stefan Bruckhaus)

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Die größere der 4 Leuchten ist über eine Winde elektrisch höhenverfahrbar (Foto: Carl Stahl GmbH)

WARME MATERIALITÄT Die elegante Strenge in der Kundenhalle eines Bankgebäudes in Erkelenz sollte durch objekthafte Leuchten kontrastiert werden. Seit Ende Januar 2014 bringen 4 Sonderleuchten aus Echtholz eine warme Materialität in den Luftraum unter dem Glasdach. Sie resultieren aus einem Konzept der Düsseldorfer Innenarchitekten bkp kolde kollegen. Die Leuchten haben einen Durchmesser von bis zu 4 m und eine Höhe von bis zu 5 m. Die drei kleinen Leuchten hängen in einer Flucht und in der gleichen Höhe von ca. 7 m, wohingegen die große Leuchte mit einer Winde in der Höhe verfahrbar ausgeführt werden sollte. Bei Veranstaltungen wird die Winde gemäß BGV C1 per Knopfdruck elektrisch auf ein höheres Niveau gebracht und ermöglicht so die Nutzung eines Beamers für großflächige Projektionen.

Mit der Vorgabe, Eiche natur für die charakteristischen Lamellen der Leuchtobjekte zu verwenden, gleichzeitig aber auch die begrenzten statischen Möglichkeiten der Dachkonstruktion und den Brandschutz zu berücksichtigen, entschieden das Atelier leichtbaukunst, Dr. Lars Meeß-Olsohn, und die ausführende Schreinerei, einen Composite-Plattenwerkstoff zu verwenden: Zwischen dem 4 mm Echtholzfurnier als sichtbare Oberfläche kam hierbei ein spezieller Schaumstoffkern zum Einsatz, sodass bei großer Steifigkeit ein sehr niedriges Werkstoffgewicht erreicht werden konnte. Nach dem Zuschnitt wurden alle Schnittkanten mit Echtholz kaschiert und die einzelnen, teillackierten Lamellen mit einem transparenten, dämmschichtbildenden Brandschutzlack mehrfach überlackiert. Die lichttechnische Besonderheit stellen die LED-Strahler mit je 70 W dar, die wie die Edelstahlseile an dem zentralen Stahlring der Leuchtenkonstruktion befestigt sind. Sie sind mit speziellen Überwachungssteuergeräten ausgerüstet, um neben der Normalstromversorgung bei 230 V AC (Wechsel-) Strom im Notfall auch als Sicherheitsbeleuchtung mit DC (Gleich-) Strom von einem Akku gespeist werden zu können. Lars Meeß-Olsohn

Deckenleuchte während der Montage (Foto: Lexington Europe GmbH)


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Alle Außenportale weisen eine pixelartig perforierte Lochstruktur auf

SPIEGELUNG UND REFLEXION

Landesgalerie für zeitgenössische Kunst in Krems Die neue Nutzung der Dominikanerkirche Krems in Niederösterreich als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst erforderte eine umfangreiche Sanierung des Altbestands. Auch der Vorplatz und der Klosterhof wurden erneuert. Die Planung basiert auf einer Kooperation zwischen den Architekten Lukas Göbl, Fritz Göbl und Franz Gschwantner. Der Eingangsbereich ist der Angelpunkt der Umgestaltung. Als transparenter Pavillon ist er dem Haupteingang innenseitig vorgelagert, dient als Foyer und fungiert auch als Verteiler zwischen dem Ausstellungsraum und dem bestehendem Weinstadtmuseum der Stadt Krems. Die Konzeption des Pavillons unter der ausschließlichen Verwendung des Werkstoffs Glas umfasst konsequent alle Bauteile – Wände, Decken, Träger, Stützen, Türen, etc. Lediglich die Dimensionierung und Oberflächenbeschaffenheit differieren je nach Funktion und Größe. Durch diese materielle Forcierung entstand ein durchsichtiger Kubus, der unmittelbar die Assoziation mit einem Kristall hervorruft. Unterstützt wird dieser optische Eindruck durch die umseitige Freistellung. Als autarkes Element dockt der Glaskubus nur an den notwendigen Stellen an bestehende Öffnungen an. Die nicht gläsernen Gestaltungselemente weisen eine reduzierte Formensprache auf und sind anthrazit gehalten. Gemeinsam mit dem barock ausgemalten Kirchenschiff entstand ein spannender Kontrast von Alt und Neu, der wechselseitige Beziehungen vor allem durch faszinierende Reflexionen im Glas evoziert.

Auch das bestehende Beleuchtungs- und Infrastruktursystem wurde den Erfordernissen einer zeitgemäßen Präsentationsstätte für moderne Kunst angepasst. Zudem wurde ein Verdunkelungssystem installiert, um multimediale Inszenierungen im Kirchenschiff zu ermöglichen. Alle neuen Außenportale des Kirchenschiffs weisen eine pixelartig gemusterte Perforierung auf, die durch Ausstanzungen der Black Inox-beschichteten Stahlbleche entstand. Die stellenweise verstärkte Perforierung der Haupteingangstür orientiert sich bewusst an einer durchschnittlichen Augenhöhe. Nachdem diese Tür zusätzlich mit einer separat zu öffnenden Glastür hinterlegt ist, erlaubt die Lochstruktur bereits Einblicke in das Foyer der Landesgalerie. Lukas Göbl unten Die vielfältigen Reflexionen im Glas unterstreichen den spannenden Kontrast zwischen historischer und neuer Bausubstanz


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Im Velux LichtAktivhaus hat Tageslicht die Funktion, Architektur zur Geltung zu bringen, aber auch den Energieaufwand deutlich zu reduzieren (Foto: Velux Deutschland)

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Das Modulare Oberlicht-System von Velux entstand nach 5 Jahren Entwicklungsarbeit gemeinsam mit dem britischen Architekturbüro Foster + Partners (Foto: Velux Deutschland)

TAGESLICHT IN DER ARCHITEKTUR Moderne Architekturkonzepte kommen ohne Energie einsparende Tageslichtnutzung nicht mehr aus. In diesem Punkt war man sich beim Velux Daylight Symposium 2013 in Kopenhagen einig. Teilnehmer aus Wissenschaft und Lehre sowie Architekten und Lichtdesigner aus der ganzen Welt tauschten sich über die Relevanz von Tageslicht und dessen Nutzen für ein urbanes Umfeld aus. Form follows energy Zu beobachten ist ein Paradigmenwechsel in der Architektur: Tageslicht erhält die Bedeutung zurück, die es in der Vergangenheit bis zur Erfindung des elektrischen Lichts hatte. Mehr noch, die Integration von Tageslichtkonzepten in die Architektur bestimmt die Baukultur. „Form follows energy“ beschreibt Zukunftsforscher Prof. Dr. Brian Cody, Direktor des Instituts für Gebäude und Energie an der TU Graz, diesen Trend in Anlehnung an die Designphilosophie „Form follows function“ von Horatio Greenough von 1852. Tageslicht hat die Funktion, Architektur zur Geltung zu bringen, aber sie auch insbesondere ohne zusätzlichen Energieaufwand auskommen zu lassen. Ein Nullenergiehaus oder gar Plusenergiehaus ist ohne die Nutzung von Tageslicht kaum denkbar. Nachhaltigkeit Auslöser für diesen Paradigmenwechsel sind die Notwendigkeit des Energieeinsparens und die politische Absichtserklärung der internationalen Staatengemeinschaft, den CO2-Ausstoß und den damit verbundenen Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur bis zum Jahr 2050 um zwei Grad zu begrenzen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass Energie bis zum Jahr 2020 fünfmal effizienter eingesetzt werden muss, als dies aktuell der Fall ist. Selbst wenn die fossilen Brennstoffe länger als vorausgesagt zur Verfügung stehen, besteht doch die Notwendigkeit, allein aus Klimaschutzgründen sowie der Verantwortung für zukünftige Generationen auf die Nutzung dieser Brennstoffe zu verzichten, wo es möglich ist. Wirtschaftlichkeit In der Vergangenheit schien das künstliche Licht kostengünstiger und damit wirtschaftlich attraktiver zu sein als die

Nutzung des Tageslichts, insbesondere bei Hochhäusern mit großen Raumtiefen. Doch zeigen sowohl die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte als auch die Berechnungen für die Zukunft unter Berücksichtigung der weltwirtschaftlichen Entwicklung in den aufstrebenden Regionen China, Indien und Südamerika, dass die Produktion von elektrischer Energie weitaus teurer ist als zunächst gedacht. In dem kalkulatorischen Ansatz von atomaren Kraftwerken wurden weder die Endlagerung des atomaren Mülls noch die atomaren Zwischenfälle und deren Umweltkonsequenzen eingerechnet. Auch die Folgekosten der globalen Erwärmung durch den CO2-Ausstoß erscheinen in keiner wirtschaftlichen Berechnung. Die aktuellen Diskussionen über den Ausbau von regenerativen Energien und den erforderlichen modernen Stromnetzen deuten darauf hin, dass die Strompreise und somit die Kosten für die Beleuchtung massiv steigen werden. Die Nutzung lokaler Tageslichtangebote macht damit mehr und mehr Sinn. Es gibt kaum eine einfachere Nutzung als die des Tageslichts, welches durch das Fenster eintritt. Zeitgemäße Planungsansätze Moderne aufstrebende Architekten machen aus dieser Grundüberlegung eine Tugend. International tätige Architekturbüros wie Lava Architekten, BIG – Bjarke Ingels Group oder 3XN sehen die Kombination der intelligenten Nutzung von Tageslicht und nachhaltiger technischer Ideen als Architektur definierendes Element. Sie sind nicht nur Architekten, sondern auch Zukunftsforscher und Visionäre mit starkem Bezug zur Realität. Ein positives Raumklima in unseren Gebäuden ist keine rein technische Frage, sondern eine Komponente auf der Grundlage der Kombination von Natur und Technik. Kaspar Guldager Jørgensen, Partner und Direktor der GXN, der innovativen Einheit des Architekturbüros


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Dachfenster sorgen nicht nur für ausreichend Tageslicht, je nach Tageszeit und Witterung setzt das einfallende Sonnenlicht auch räumlich Akzente (Foto: Velux Deutschland)

Im Frankfurter Städel wird das Tageslicht so geschickt gelenkt, dass aus konservatorischer Sicht keine Gefährdung der Kunstwerke besteht (Foto: Norbert Miguletz)

3XN in Kopenhagen, sieht hier eine grundlegende Verantwortung der Architektenschaft für unsere Umwelt. Die Mission von GXN beschreibt er als „die Entwicklung einer neuen Baukultur, die einen positiven Effekt auf die Umwelt hat, in der wir leben – dieses sowohl bezogen auf die Architektur und die Umwelt“. Doch die zukünftige Architektur im Neubau ist eigentlich nur ein Randthema. Wie der US amerikanische Lichtdesigner James Benya errechnete, stehen jedem aktuellen Neubau etwa 10.000 Bestandsgebäude gegenüber, die durch fehlendes Tageslicht völlig ineffizient sind und durch die nachträgliche Integration von zusätzlichem Tageslicht einen entscheidenden Effekt auf die Energiebilanz von Gebäuden haben können. Einzig in der Umsetzung der vorhandenen Möglichkeiten ist die Planerschaft aktuell nicht konsequent genug, obwohl doch mittlerweile genügend Beispiele vorhanden sind, wie es aussehen könnte und dass es funktioniert. Eine empirische Studie von Henning Larssen Architects hat nachgewiesen, dass allein mit einem zielorientierteren architektonischen Design in Hinblick auf die Tageslichtnutzung Energieeinsparungen von 40–50 % erzielt werden können. Signe Kongebro ist Manager der Abteilung für Nachhaltigkeit von Henning Larssen Architects und Präsident der “Sustainable Council of the Danish Association of Architectural Firms”. Kongebro erklärt, dass allein die Berücksichtigung von Sonne, Schatten und Wind als städtebauliche Planungsparameter einen entscheidenden Unterschied in Bezug auf Lichteinfall als auch Wärmeeintrag machen kann. Dieses Wissen basiert ausschließlich auf wissenschaftlichen Fakten und Untersuchungen. Nachhaltiges Bauen beginnt also schon bei der städtebaulichen Planung und der Orientierung am Sonnenstand.

und insbesondere die Inszenierung von Kunst und Objekten haben Kuratoren zu der Überzeugung kommen lassen, dass Tageslicht ein Negativfaktor ist. Die jüngsten Beispiele zeigen jedoch, dass durch intelligente Planung und Umbau das Tageslicht durchaus zähmbar ist und als qualitativ hochwertiges Licht genutzt werden kann. Der Kurator des Umbaus des Münchener Lenbachhauses bestand gar auf die Nutzung des Tageslichts, und auch das kürzlich erweiterte Städelmuseum in Frankfurt kommt tagsüber ohne Kunstlicht aus. Der in das Erdreich eingelassene Ausstellungsbereich wird komplett über Dachfenster belichtet. Nur wenn es draußen dunkel wird, muss Kunstlicht zugeschaltet werden, welches in den Dachfenstern integriert ist. Auch international mehren sich die Beispiele von Museumsbauten mit Tageslichtnutzung. Das Akropolismuseum in Athen nutzt das Tageslicht als natürliches Element mit energieeffizienter Wirkung. In New York wird in absehbarer Zeit ein ehemals unterirdisches U-Bahn-Depot in einen öffentlichen Park, den Low Line Park, verwandelt. Erneut ist es das Tageslicht, welches über Öffnungen in den Boden eingelassen wird, um den Raum natürlich zu belichten und sogar die Grünanlagen am Leben hält. In Neapel wurde die Toledo Metro Station, die bis zu 40 m unter der Erde liegt, durch mehrere Trichter mit Tageslicht versorgt und trägt gestalterisch wie auch energetisch zur neuen Architekturform bei.

Beispiel Museumsbau Überraschend ist die Entwicklung im Bereich der Museumsbeleuchtung. In der Vergangenheit war es nahezu undenkbar, dass Museen essenziell mit Tageslicht beleuchtet wurden. Die UV-Strahlung einerseits, das Wärmemanagement

Prinzip Aktivhaus Tageslicht ist kein Baustoff, wie in der Vergangenheit irrtümlicherweise beschrieben wurde. Tageslicht ist eine Ressource, die uns täglich angeboten wird und kostengünstig zur Verfügung steht. Und als solche sollten wir es nutzen und planerisch einsetzen mit dem Ziel, nachhaltige Gebäude nach den Aktivhausprinzipien zu errichten – also Gebäude, in denen Energieeffizienz mit einem besonderen Augenmerk für das Raumklima, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutzer sowie die Umwelt kombiniert wird. Astrid Unger


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Verbrauchermarkt Sainsbury‘s in Leicester: Kombination von prismatischen Lichtkuppeln mit Photovoltaik (Foto: Sunoptics)

PRISMATISCHE TAGESLICHTTECHNIK Energieeffizienz und Klimaschutz Möchte man sich im Internet über die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz informieren, werden unter Eingabe der entsprechenden Suchbegriffe rund 10 Mio. Ergebnisse angeboten. Offenkundig wächst das Interesse an diesen Themen simultan zur voranschreitenden Energiewende und den steigenden Energie- und Stromkosten. Vor allem bei öffentlichen und gewerblichen Bauten erweist sich z. B. das Thema Tageslichtbeleuchtung als interessant, da auf diese Weise Innenräume natürlich ausgeleuchtet werden können und ein reduzierter Bedarf an künstlicher Beleuchtung Einsparungspotenziale in Aussicht stellt. Grundlage moderner Tageslichtnutzung ist ein Zusammenspiel innovativer Einzellösungen. Hierzu gehören z. B. der Einsatz hochfester Kunststoffe mit exzellenter Farbwiedergabe, hochreflektierende Metalllegierungen oder intelligente elekt-

rische Beleuchtung, wie sie bei der interdisziplinären Zusammenarbeit von Unternehmen innerhalb des EcoCommercial Building Programms (ECB), eines von der Bayer MaterialScience AG initiierten Kompetenznetzwerks, unter dem Aspekt „Innovatives und nachhaltiges Bauen“ entstehen.

Der Passivhausmarkt Sainsbury´s Dawlish ist Gewinner des „sustain retail award“: Das einfallende Tageslicht schafft einen guten Komfort und eine angenehme Aufenthaltsstimmung

In großflächigen Industrie- oder Logistikhallen sorgen prismatische Lichtkuppeln für eine gleichmäßige und blendfreie Ausleuchtung

Technische Funktionsweise Das Tageslichtangebot ist von hohen saisonalen und tageszeitlichen Unterschieden im Beleuchtungsniveau geprägt. Aus diesem Grund sind Beleuchtungslösungen erforderlich, die im Winter bei überwiegend bedeckten Himmelszuständen den Tageslichteinfall maximieren und hingegen im Sommer einen wirksamen Blend- und Wärmeschutz garantieren. Die so genannten prismatischen Tageslichtsysteme sind eine Variante, die das Tageslicht auf die beschriebene Weise zu nutzen wissen. Ziel ist es, eine gleichmäßige und


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Sunoptics-patentierte Lichtkuppel der Signature Serie Isolierter und dampfdichter Dachkranz aus Aluminium

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06. — 08. März 2014 Landesmesse Stuttgart Optional: Dimmer zur vollständigen Kontrolle des Tageslichteinfalls

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Energieeffiziente Gebäude

Aufbau eines Lichtkanalsystems (abgehängte Deckeninstallation)

verbesserte Beleuchtung am Arbeitsplatz bzw. im Raum zu schaffen und zugleich eine Blendung zu vermeiden. Es handelt sich bei den prismatischen Lichtsystemen um eine Konstruktion, die auf dem Prinzip der Lichtbrechung beruht. Das bedeutet, dass das einfallende direkte Tageslicht beim Auftreten auf das Prismensystem eine Richtungsänderung erfährt. Da diese Lichtkuppeln mehr Licht in einen Raum transmittieren als herkömmliche Dachöffnungen, reduziert sich die Anzahl der benötigten Dachöffnungen für eine optimale Ausleuchtung des Raums. Einsatzbereiche Die Energieberatungen E2 und ENNAC haben nachgewiesen, das dieser geringe Verglasunganteil die notwendigen Tageslichtanforderungen für den DGNB-Standard Gold erfüllen. Dadurch ist die freie Dachfläche größer, was grundsätzlich mehr Platz für Photovoltaikanlagen oder eine Dachbegrünung zulässt. Die Anlagen haben den weiteren Vorteil, dass diese in das Brandschutzkonzept als Wärme- und Rauchgasabzug einbezogen werden können. Zudem liegt der Wärmeeintrag durch prismatische Lichtkuppeln bei nur einem Drittel der Wärmeabgabe einer künstlichen Lichtquelle, was insbesondere hinsichtlich einer Reduzierung des Stromverbrauchs für eine Klimatisierung in den Sommermonaten interessant ist. Da die Vermeidung einer Blendung oder punktuellen Sonneneinstrahlung bei der Installation von prismatischen Lichtkuppeln sichergestellt ist, eignet sich diese Technik ideal für Verkaufsräume, Industriehallen, Autohäuser etc.

Technische Gebäudeausrüstung

Regenerative Energieerzeugung

07.03.2014: Seminar Energieeffizienz in Licht und Beleuchtung: Tageslicht www.ceb-expo.de

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oben links Kombination von prismatischen Oberlichtern mit Photovoltaik oben rechts Prismatische Lichtkuppeln auf dem Dach eines Verbrauchermarkts in den USA (Foto: WalMart) rechts Eine spezielle Prismenstruktur verhindert die direkte Sonneneinstrahlung und überträgt das komplette Tageslicht-Lichtspektrum ohne Verluste

Dachanschlüsse und Lichtlenkung Entscheidenden Einfluss auf die Effizienz der Kuppeln hat die Ausführung der Dachkränze bzw. Lichtkanäle. Unter Verwendung neuartiger Materialien kann hier ein Lichtgesamtreflexionsgrad von mehr als 98 % erreicht werden. Bei gleichem Lichteintrag reduziert sich dadurch die erforderliche Dachöffnungsfläche für die Tageslichttechnik um ca. 30 %. Das bedeutet gleichzeitig, dass der damit verbundene Wärmeeintrag um 30 % reduziert wird. Der geringere Stromverbrauch durch die Tageslichtnutzung wird durch die zusätzliche Einsparung für die Klimatisierung ergänzt. Europaweite Anwendung In den letzten Jahren wurden europaweit Flachbauten mit prismatischen Lichtkuppeln ausgerüstet. Neben der Anwendung in Verbrauchermärkten setzen Handelsunternehmen, wie z.B. die spanische Mercadona, diese Technologie auch in ihren Logistikzentren im Verbund mit natürlichem Rauchabzug ein. Andere Unternehmen, wie z.B. die Metro de Valencia oder Sainsbury‘s, kombinieren prismatische Lichtkuppeln mit Photovoltaik. Französische Autobauer fertigen Elektromobile unter blendfreiem gleichmäßigem Tageslicht bzw. statten ihr Händlernetz damit aus. Bosch Madrid hat 2012 eine 5000 m2 große Halle renoviert und dabei 40 prismatische Oberlichter eingesetzt. In diesem Zusammenhang wurde die Beleuchtung mit erneuert und mit einer tageslichtabhängigen Lichtsteuerung ausgestattet. Nach einem Jahr wurde die gemessene Energieeinsparung auf 60 % konstatiert. Durch das Dimmen der Hallenbeleuchtung werden die Wartungsintervalle nahezu verdoppelt. Bei LEDs können das so bis zu 15 Jahre Laufleistung sein. Die Technologie überzeugte auch die Jury des DENA Energiepreises 2013,

als der Eroski Zero Emission Store – ein mit prismatischer Tageslichttechnik ausgestatteter Supermarkt – unter die Finalisten kam. Auch in Deutschland werden in diesem Frühjahr erste Projekte fertiggestellt. Gesundheitlicher Aspekt Neben der Energieeffizienz von Tageslichtsystemen wird auch über den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Aspekt diskutiert. Das breite Lichtsprektrum und die subtile Lichtveränderung erhöhen nicht nur die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, sondern wirken sich auch positiv auf das psychische Gleichgewicht des Menschen aus. Hierzu Ulrich Goedecke, Energieberater der EnergieAgentur.NRW: „Wir können unsere Räume mit künstlicher Beleuchtung betreiben und das natürliche Licht der Sonne vergeuden. Oder wir denken um, nutzen unsere wieder erneuerbaren, natürlichen Ressourcen sinnvoll und verringern den fossilen Energieverbrauch. Durch Tageslicht werden ein guter Komfort und eine angenehme Aufenthaltsstimmung für Personal und Kunden geschaffen. Wenige Krankheitstage, bessere Verkaufserfolge und die Anziehungskraft auf qualifizierte Fachkräfte wirken sich für alle Beteiligten positiv aus.“ Jan Riha

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN Lledó Group: www.lledosa.com Sunoptics Prismatic Skylights: www.sunoptics.com Alanod GmbH & Co. KG: www.alanod.com ECB Kompetenznetzwerk: www.ecocommercialbuilding.com Internet-Blog: www.prismatische-lichtkuppeln.blogspot.com.es


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GLASKUBUS TRIFFT TRADITIONSHEURIGEN Mit einem gigantischen Tor aus Glas empfängt der Neubau des Heurigenweinguts Frühwirth in Teesdorf unweit von Wien die Besucher. Der Ende 2013 eröffnete Neubau ist als multifunktionale Einheit geplant und enthält Bereiche für Verkauf, Gastronomie und Veranstaltungen. Zugleich dient er als Übergang zum traditionellen Heurigenlokal. Die Architektur vereint scheinbare Kontraste zu einem eindrucksvollen und zugleich ausgewogenen Konzept. So strahlt der Neubau eine abstrakte Einfachheit aus, während im Bestand die Heurigen typische Gemütlichkeit gepflegt wird. Mit der Planung und Umsetzung des Neubaus beauftragte die Winzerfamilie Frühwirth das auf Weinwirtschaft, Gastronomie und Hotellerie spezialisierte Architekturbüro Spitzbart + partners aus Kirchham, Österreich. Jeder Teil steht durch seine individuelle Ausgestaltung für sich alleine und fügt sich doch harmonisch in das Gesamtensemble ein. Entstanden ist ein komplett mit Eichenholz verkleidetes Privathaus angrenzend an den Glas und Beton dominierten Kubus, dessen Innenraum durch den Einsatz

Raumhohe Verglasungen schaffen eine einladende, lichtdurchflutete Atmosphäre

von Holz einladend wirkt. Die innovative Raumplanung schafft die Verbindung der beiden Ebenen – oben Degustation mit kraftvollem Design, unten Schaukeller mit Barriquefässern – durch den auffällig umbauten Treppenabgang sowie die 8 m hohe Weinpräsentationswand mit dem davor liegenden Glasfußbodenstreifen. Spezialanfertigungen sind die flexiblen Flaschenhalterungen, die Deckenlampen und der Tresen, dessen Form exemplarisch für den gesamten Raum keinen einzigen rechten Winkel besitzt. Klarheit, Reduktion und Frische schaffen die Freiheit, heute und in Zukunft viele Spielarten von Gastlichkeit und Verkauf in Szene zu setzen. Markus Spitzbart

Decken- und Bodenstrahler setzen im Raum und entlang der Wände gezielt Akzente

Ein gläserner Aufzug führt in den Schaukeller im Untergeschoss


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links Die „Glasfarm“ ist komplett mit bedrucktem Glas ummantelt, d.h. je nach Licht- und Sichtverhältnissen ist entweder das Bildmotiv sichtbar oder die Spiegelung überwiegt (Alle Fotos: © Thomas Mayer)

ILLUSION AUF GLAS

Marktplatzbebauung in Schijndel Auf dem Marktplatz im niederländischen Schijndel entstand nach der Idee von MVRDV ein Gebäude in Form traditioneller Bauernhöfe. Es ist komplett von einer Glasfassade ummantelt. Aufgrund der aufgedruckten Sequenzen von Fotografien vermittelt es die Illusion, etwas zu sein, was es nicht ist. Planungsgeschichte Der Marktplatz von Schijndel war geprägt von umfangreichen Zerstörungen infolge des Zweiten Weltkriegs und häufig Gegenstand verschiedener Erweiterungen und Modernisierungen. Im Jahr 1980 wandte sich Winy Maas von MVRDV an den Gemeinderat, der schließlich 2000 die Idee einer neuen Gliederung des Platzes zwischen Kirche, Rathaus und Hauptstraße übernahm. Seitdem hat MVRDV immer wieder Vorschläge unterbreitet, den ungewöhnlich großen Dorfplatz zu füllen. Die Gemeinde engagierte sich lebhaft in diesem Prozess. Die schließlich realisierte 1.600 m² große „Glasfarm“ war der siebte Vorschlag. Zufällig hatte das Maximalvolumen gemäß stadtplanerischen Vorgaben die Form eines traditionellen Bauernhofs in Schijndel. Daraufhin wurden alle verbliebenen historischen Bauernhöfe vermessen, analysiert und ein „idealer“ Durchschnittswert ermittelt. Die heutige Glasfarm enthält in erster Linie öffentliche Funktionen wie Restaurants, Läden und ein Wellness-Center. Sie ist komplett von einer Glasfassade ummantelt. Ein „typischer“ Bauernhof In Zusammenarbeit mit MVRDV fotografierte der Künstler Frank van der Salm die in Schijndel vorgefundenen Höfe und entwickelte daraus das Bild eines „typischen“ Bauernhofs. Dieses Bild wurde auf die Verglasung gedruckt, wobei der Druck in Abhängigkeit von den Licht- und Sichtverhältnissen mehr oder weniger transluzent ist. Bei Nacht wird die Struktur von innen beleuchtet und so zu einem „Denkmal“. Im Vergleich zu einem realen Bauernhof sind die Dimensionen der Glasfarm bewusst um das 1,6-fache vergrößert, was das

Wachsen des Dorfes zu einer Stadt symbolisieren soll. Das gedruckte Bild folgt dieser „überhöhten“ Darstellung, sodass z. B. eine eingeblendete Eingangstür 4 m hoch erscheint. Wenn Erwachsene das Gebäude betreten, können sie die Größenverhältnisse von Kindern erfahren und so vielleicht ein Element nostalgischer Erinnerung mitnehmen. Glasdruckverfahren Schon zu Beginn der Planungsphase war klar, dass die Glasfarm nur durch Verwendung von Drucktechnik zu realisieren war. Gewählt wurde ein Druckverfahren in Sintertechnik. Da jede Scheibe individuell ist und die Detailgenauigkeit sehr hoch, kamen Screen-Glas oder Siebdruck nicht in Frage. Die maximalen Scheibenformate liegen bei 3,10 x 2,33 m. Diese Maße bestimmten die Größe des Rasters, und sie wurden in dieser Größe niemals zuvor umgesetzt. Die Schwierigkeit bestand darin, auch die teilweise sehr kleinen Formate von nur 50 x 7 cm einzubeziehen. Der Sinterdruck erfolgte auf der Innenseite des Außenglases von 8 mm Dicke. Während des Drucks wurde Emailfarbe aufgesprüht und nach dem Druck im Ofen gebrannt. Spiel der Linien Es fanden zahlreiche Beratungen bezüglich des Drucks und der Schnittlinien statt. Mit Hilfe von Zeichnungen aller Glasscheiben haben MVRDV und der Fotograf die genaue Position der Projektionen festgelegt. Der Verlauf der Linien in den Übergangsbereichen wurde anhand von 3D-Bildern festgelegt. Da es sich um Pakete bestimmter Stärke handelte, konnten die Linien nicht an allen Stellen weiter geführt


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In ihren Proportionen entspricht die Glasfarm einem „durchschnittlichen“ Bauernhof in Schijndel, ist jedoch um das 1,6-fache größer

werden. Entweder waren sie korrekt im Außenbereich oder innen. Die gesamte Außenhaut wurde nahtlos ausgeführt. Konstruktive Details Die Primärkonstruktion des Gebäudes besteht aus Stahl. Entsprechend dem Raster der Glasdimensionen an Fassade und Dach wurden Stahlprofile errichtet, auf die direkt und ohne jegliche Justierung die Profile der Verglasung aufgesetzt sind. Dies erforderte sehr hohe Anforderungen an die Toleranzen der Stahlkonstruktion. Besonders die Winkelprofile an Fassade und Dach mussten von großer Präzision sein. Falls zu weit außen platziert, würde das Volumen des Gebäudes wachsen und die Maße der Scheiben übersteigen. Daraus ergab sich eine maximale Toleranz von – 5 mm. Die Röhren durften ein wenig innen stehen, aber nicht außerhalb des Rasters. Bei den anderen Stahlträgern waren +/- 2 mm erlaubt. Die Toleranzen in seitlicher Richtung waren etwas größer, da hier die Glasprofile justiert werden konnten. Ein weiterer Grund für die niedrigen Toleranzen waren die engen Dichtungsfugen. Die Glasscheiben sind durch Fugen von maximal 20 mm außen versiegelt. In diesen Fugen mussten Befestigungselemente vorgesehen werden, was ein Distanzstück zwischen den Scheiben erforderte. Dafür kann die innere Scheibe arretiert werden. Zur Entwässerung sind die Profile der Dachverglasung mit der Fassadenverglasung verbunden. Für die Eckprofile und die verschiedenen Sparren am Dach wurde ein spezielles Glasprofil entwickelt, das direkt auf den Stahlprofilen montiert und in verschiedenen Winkeln produziert werden konnte. Die Dichtung befindet sich zwischen Profil und innerer Glasscheibe. In Kombination mit der äußeren Dichtung ist gesichert, dass kein Wasser eindringen kann. Isabel Pagel Übersetzung: Sylvia Jung

Die Eingangstür ist nicht nur in ihrem Maßstab überhöht, auch entsprechen die Motive der fotorealistisch bedruckten Fassade nicht zwangsläufig den dahinter liegenden Funktionen

Die unscharf konturierten Bereiche sind die wirklichen Fenster des Gebäudes, d. h. nur an diesen Stellen sind Ein- und Ausblicke möglich


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KOMPOSITION AUS LICHT UND SCHATTEN Zentrum für zeitgenössische Kunst in Córdoba

Das Zentrum für zeitgenössische Kunst in Córdoba will weniger ein Museum sein als vielmehr ein zeitgenössischer Bau mit einer engen Verbindung zu seinem Standort in der Gegenwart und einer weit entfernten Erinnerung. Das spanische Büro Nieto Sobejano Arquitectos hat ein Gebäude entworfen, das durch variable Raumkombinationen größtmögliche Flexibilität bietet. Erinnerung und Entdeckung Architektur basiert immer auf verborgenen Bildern unserer Erinnerung, auf Ideen, die an einem bestimmten Punkt klar werden und unerwartet den Beginn einer Planung markieren. Vermutlich aus diesem Grund waren die Zeichen der örtlichen Kultur, die überall in Córdoba präsent sind, mehr als eine Marginalie für dieses Projekt. Im Gegensatz zur aufgenötigten Homogenität, die durch die globalisierte Zivilisation in beinahe jedem (baulichen) Kontext zu Tage tritt, überwindet das Zentrum für zeitgenössische Kunst die Klischees des Gewöhnlichen und entwickelt einen anderen Charakter. Wandelbare Raumqualitäten Die Skepsis der Architekten gegenüber der vermeintlichen Effizienz und Flexibilität der heute so oft entstehenden neutralen und universalen Container führte zum Entwurf eines Gebäudes, das eng verbunden ist mit einem Ort und einer Erinnerung. Jeder Raum ist individuell geplant und steht in unterschiedlichen Dimensionen für verschiedene Nutzungen mit wandelbaren räumlichen Qualitäten zur Verfügung. Ornamentale Motive Die Architekten Nieto Sobejano haben immer die Schlichtheit der geheimen geometrischen Gesetze bewundert, nach denen die Baumeister der Vergangenheit die vielfältigen, isotropen Räume der Moscheen, die facettierten Strukturen von Kuppeln, die ornamentalen Motive von Gitterkonstruktionen oder Pflasterbelägen umsetzen konnten, ebenso wie die Regeln und Rhythmen der Gedichte und Erzählungen der islamischen Tradition.

Basis Hexagon Angelehnt an die orientalischen literarischen Strukturen, die endlos eine Geschichte mit der anderen verbinden, entstand das System gleichartiger geometrischer Module, basierend auf einem Hexagon, das Räume in drei unterschiedlichen Größen erlaubt: 60, 90 und 150 m². Die spielerische Kombination dieser drei Dimensionen ermöglicht größtmögliche Flexibilität für Ausstellungen mit unterschiedlichen räumlichen Qualitäten. Das Auditorium, die „black box“, ist konzipiert als ein Raum für Theater- und Filmvorführungen, Konferenzen und Ausstellungen. Das Museum ist kein zentralisiertes Gebäude, das Zentrum wandert von einem Raum zum nächsten, es ist quasi überall. Sequenzen unterschiedlicher Zonen verbinden sich zu einem öffentlichen Raum, einem Ort der Interaktion, in dem alle verschiedenen Funktionen des Gebäudes zueinander geführt werden. Beton und Fiberglas Die Materialien unterstreichen den Werkstattcharakter, der das gesamte Projekt prägt. Roher Sichtbeton im Inneren, Decken aus Beton und durchgehend betonierte Böden erzeugen eine räumliche Struktur, die individuell veränderbar ist. Ein Netzwerk elektrischer, digitaler, audiovisueller und lichttechnischer Infrastruktur durchzieht den Bau. Äußerlich unterstreicht ein einziges Material die Präsenz des Gebäudes: Vorgefertigte opake Paneele aus Beton und Fiberglas. Das industrielle Fertigungskonzept des Systems, seine Abdichtung gegen Wasser, seine Dämmeigenschaften und seine Leichtigkeit unterstützten die Präzision der Ausführung und waren Teil des kombinatorischen Gesamtkonzepts.


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links Bilder und Texte werden auf der Wasseroberfläche des Flusses reflektiert, was Installationen einer gewaltigen Filmleinwand gleich erlaubt (Alle Fotos: © Roland Halbe)

Natürliches Licht Tagsüber fällt natürliches Licht durch die Durchbrüche an Wänden und Decken ins Innere, die den Komplex als dezentralisierten „Organismus“ erfahrbar machen. Die Komposition aus Licht und Schatten verändert sich permanent mit dem wechselnden Sonnenlicht.

oben und unten: Wabenförmige Öffnungen an Decken und Wänden bündeln und lenken das einfallende Tageslicht

Künstliches Licht Die unregelmäßig angeordneten Waben der dreidimensionalen „Bienenstock“-Fassade aus Glasfaserbeton dienen als Reflexionsfläche für die Kunstlichtquellen. In der Kombination von neutralweißen Hochleistungs-LEDs (2,1W) und holografischen Optiken mit ovaler Lichtabstrahlung wird jede Wabe gleichförmig ausgeleuchet. Die speziell entwickelten Miniatur-Leuchten finden auf 15 cm Wandstärke Platz – ein Ergebnis, das mit konventioneller Lichttechnik nicht möglich gewesen wäre. Innovationen sind auch die präzise Positionierung der Lichtauslässe in den Fassadenmodulen und der gleichmäßige Helligkeitseindruck, der über die gesamte Wand entsteht. Kommunikative Fassade Die Fassade zum Fluss, eine echte „Maske“, ist als Projektionsfläche konzipiert, perforiert durch polygonale Öffnungen, die mit einfarbigen LED-Karten hinterlegt sind. Bilder und Texte werden durch computergesteuerte Videosignale erstellt und auf der Oberfläche des Flusses reflektiert, was Installationen einer gewaltigen Filmleinwand gleich erlaubt. Realisiert wurde die Medienfassade in Zusammenarbeit mit Jan und Tim Edler, realities:united, Berlin. Für das Kunstmuseum Córdoba wurde eine spezielle Software entwickelt, die jegliche visuellen Signale eines Computers in die Auflösung und Anordnung der Pixel umsetzt, die die Fassade benötigt. Die Software aktiviert auch den Aufbau der Zeitachsen, die die Darstellung strukturieren. Dahinter steht die Idee, dass jederzeit mehrere Personen in die visuelle Gestaltung involviert sein können. Neue Ausdrucksformen Das Gebäude will ein Versammlungsort sein gleich einem Marktplatz ohne räumliche Hierarchien, ein Zentrum für künstlerisches Schaffen, das den architektonischen Kunstraum mit dem Publikum verbindet, ein offenes Labor, in dem Architektur zu neuen Ausdrucksformen ermutigt. Die Architekten sind sicher, dass das Gebäude selbst, der Fluss, die Gegenwart und Vergangenheit Córdobas einen Dialog auslösen, Anerkennung oder auch Ablehnung. Aber all das seien Antworten, die jeglicher Suche nach künstlerischem Ausdruck zugrunde lägen. Fuensanta Nieto, Enrique Sobejano Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Sylvia Jung

unten: Die dreidimensional ausgebildeten „Waben“ dienen als Reflexionsfläche für die integrierten Hochleistungs-LEDS


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ZIELGRUPPENGERECHTE BELEUCHTUNG Eine optimale Präsentation in Verbindung mit einer optimalen Beleuchtung spielen bei der Planung von Verkaufsräumen eine entscheidende Rolle: Der Kunde nimmt die Ware nicht nur visuell wahr, sondern fühlt sich von einem ansprechenden Lichtszenario emotional berührt. Vor diesem Hintergrund initiierte Zumtobel Research gemeinsam mit der Gruppe Nymphenburg eine Laborstudie, um die emotionale Wirkung von Licht auf den Kunden anhand seiner physiologischen Reaktionen empirisch messbar zu machen. Limbic® Modell Für die Laborstudie nutzten die Forscher das von der Gruppe Nymphenburg entwickelte Limbic® Modell, das die komplexen, emotionalen Persönlichkeitsstrukturen der Konsumenten in den Mittelpunkt stellt. Die 48 weiblichen und männlichen Probanden zwischen 19 und 62 Jahren wurden mit Hilfe eines Fragebogens in 7 verschiedene Persönlichkeitstypen, die Limbic® Types, eingeteilt. Dazu zählen die „Offenen“, die „Hedonisten“, die „Abenteurer“, die „Performer“, die „Disziplinierten“, die „Traditionalisten“ und die „Harmoniser“. Ziel des Forschungsprojektes war, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie diese 7 Gruppen auf unterschiedliche Lichtszenarien am Point of Sale (POS) reagieren. Als Methode wurde dazu das Limbic® Emotional Assessment (LEA) angewandt. Damit können selbst kleinste körperliche Reaktionen gemessen werden. Laborversuch Im Laborversuch positionierten die Forscher die Probanden in einem Forschungslabor vor der 3D-Simulation eines Shops, in dem Mode auf verschiedenartige Weise beleuchtet wurde. Die Teilnehmer betrachteten nacheinander 20 unterschiedliche Lichtszenarien mit wechselnden Grund- und Akzentbeleuchtungen, Farbtemperaturen, Kontrasten und Lichtmengen. Währenddessen wurden ihre unbewussten Körperreaktionen, unter anderem Hirnstrom und Herzaktivität, empirisch erfasst. Anhand dieser psychophysiologischen Werte konnten klare Aussagen darüber getroffen werden, welche Parameter der Lichtszenarien bei bestimmten Zielgruppen positive oder negative Emotionen, Aktivierung oder Entspannung auslösten. Dabei ließ sich beobachten, dass selbst geringfügige Änderungen bei den einzelnen Lichtszenarien unterschiedliche Reaktionen bei den Probanden hervorrufen.

Die Gruppe Balance reagierte besonders positiv auf moderate Akzentbeleuchtung

Ergebnisse Die gewonnenen Ergebnisse machten deutlich, dass jede einzelne Zielgruppe optimal angesprochen werden kann. Es stellte sich ebenfalls heraus, dass es kein Lichtszenario gibt, das alle Limbic® Types gleich stark positiv berührt. Dennoch gab es einzelne Beleuchtungsprofile, auf die mehrere Typen gut reagierten. So ließen sich drei größere Gruppen identifizieren, die jeweils ähnliche Anforderungen an Lichtlösungen haben: Die erste Gruppe „Balance“ (Harmoniser, Traditionalisten und die Offenen) reagierte besonders positiv auf moderate Akzentbeleuchtung. Die zweite Gruppe „Stimulance“ (Hedonisten, Abenteurer) zeigte die besten Reaktionen auf Lichtszenarien mit stärkeren Kontrasten, erzeugt durch Akzentbeleuchtung und eine Mischung unterschiedlicher Spots. Die dritte Gruppe „Dominance“ (Performer, Disziplinierte) reagierte empfindlich auf unausgewogene Lichtkonzepte und wird am besten mit ausgeglichenen, moderaten Effekten positiv angeregt. Eine extrem kontrastreiche, engstrahlende Beleuchtung ging in dieser Gruppe dagegen mit negativen Emotionen einher. Das Ergebnis zeigt, dass Waren tatsächlich erst durch die Inszenierung mit Licht ihre emotionale Bedeutung erhalten. Doch auch was das Geschäft selbst an emotionalen Signalen ausstrahlt, wird ganz wesentlich vom Licht beeinflusst. Wenn sich Kunden in einem Shop wohlfühlen und von der Lichtstimmung angesprochen werden, sind sie auch motiviert, länger zu verweilen. Das bedeutet letztendlich, dass der Kunde mehr Zeit hat, die Produkte und Marken in einer Filiale wahrzunehmen und zu kaufen. Mit der Verknüpfung von Neuromarketing und dem vorhandenen Lichtwissen lassen sich marken- und zielgruppenspezifische Lichtszenarien schaffen, die genau auf die Bedürfnisse der Kunden im Shop&Retail-Bereich eingehen. www.zumtobel.com

Die Gruppe Stimulance zeigte die besten Reaktionen auf Lichtszenarien mit stärkeren Kontrasten, erzeugt durch Akzentbeleuchtung und eine Mischung unterschiedlicher Spots

Die Gruppe Dominance reagierte empfindlich auf unausgewogene Lichtkonzepte und wird am besten mit ausgeglichenen, moderaten Effekten positiv angeregt


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Die Sanierung des Ritterguts Störmede wurde im Jahr 2013 nach zweieinhalb Jahren Bauzeit abgeschlossen (Foto: Fotostudio Redeker)

GANZJÄHRIG BESTES KLIMA Die Geschichte der ehemaligen Burg von Störmede (Stadt Geseke, Nordrhein-Westfalen) reicht bis ins 13.Jahrhundert zurück. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit verwandelte ein Privatinvestor nun die dachlose Ruine in das „Rittergut Störmede“, einen exklusiven Veranstaltungsort. Unter Erhalt der historischen Bausubstanz überspannt seitdem ein gläsernes Tonnendach aus dimmbarem Sonnenschutzglas den zentralen Tagungssaal. Damit werden g-Wert und Lichttransmission individuell je nach Sonneneinstrahlung angepasst. High-Tech-Verglasung Damit das historische Mauerwerk auch von innen zu jeder Jahreszeit im besten Licht erstrahlt, konstruierte der beauftragte Architekt Markus Smolin gemeinsam mit der ausführenden Firma ein gläsernes Tonnendach, das den Tagungsraum als filigrane Metall-Glas-Konstruktion überspannt – ohne Verschattungsanlagen, damit weder aufwendige Wartungen noch hohe Betriebskosten anfallen. Als Verglasung kam das dimmbare Sonnenschutzglas EControl Smart zum Einsatz. Hiermit lässt sich die Lichttransmission (TV) zwischen 50 und 10 % per Knopfdruck regeln. Die innenliegende nanostrukturierte Beschichtung des Glases färbt sich

durch den so genannten elektrochromen Effekt blau, sobald eine geringe Spannung (3 Volt) angelegt wird. So wird eine gute Verschattungswirkung auch ohne aufwändige Markisen erreicht – sehr wichtig für den Sommer. Der Sonnenenergieeintrag beträgt bei maximaler Einfärbung nur noch 10 %. Weitere Vorteile der Verglasung: Hoher Nutzerkomfort, niedrige Klimatisierungskosten, jederzeit ein beeindruckender Ausblick himmelwärts und gleichzeitig guter Blendschutz, selbst wenn die Sonne im Zenit steht. In der kalten Jahreszeit wichtig: Mit einem Ug-Wert von 1,1 W/(m²K) isoliert EControl Smart im Zweifach-Aufbau auch hervorragend gegen Heizwärmeverluste. Technisch und ästhetisch innovativ Das elektrochrome Sonnenschutzglas EControl Smart garantiert fast 100%-igen UV-Schutz unter dem großflächigen Glasdach. Der blaue „kühle“ Lichtanteil des Sonnenlichtspektrums gelangt hingegen weiterhin in den Raum: Der blaue Ton harmoniert exzellent mit dem natürlichen Blau des Himmels und fördert gleichzeitig die Vitalität. EControl Smart erfüllt im VSG-Aufbau die Sicherheitsanforderungen für Überkopfverglasung. Das Stahlgerüst mit T-Profilen segmentiert das Dach gewichtssparend, dennoch sichern 12 Befestigungspunkte mit jeweils 200 kg Tragkraft das Gewicht. In der Dachkonstruktion ist auch die Veranstaltungstechnik untergebracht: Lautsprecher und Bühnenbeleuchtung sowie eine LED-Beleuchtung mit Farblichtsteuerung.

Mit der Sonnenschutzverglasung EControl Smart lässt sich die Tageslichttransmission zwischen 50 und 10 % einstellen, eine Verschattungsanlage wird damit überflüssig (Foto: EControl-Glas)

EControl-Glas GmbH & Co. KG Otto-Erbert-Straße 8 08527 Plauen www.econtrol-glas.de


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Das Scandic-Hotel in Hamburg vereint soziale und ökologische Nachhaltigkeit in einem Gebäude

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Um das Thema Wasser aufzugreifen, sind die Kabinenwände der Aufzüge mit blaugrün hinterdrucktem Glas gestaltet

AUFTAUCHEN IN DER HAFENSTADT In Hamburg ist Wasser allgegenwärtig und ein wesentlicher Faktor für den Charme der Stadt. Diese Lebendigkeit hat der schwedische Designer Jesper Waldersten im Scandic Hamburg Emporio eingefangen. Im September 2012 hat das Stockholmer Unternehmen sein drittes deutsches Haus im Emporio-Komplex um den ehemaligen Unilever-Turm eröffnet. Für das 7-stöckige Hotel hat Jesper Waldersten das Wasser zum Thema des Designkonzeptes erhoben. Dimensionen der Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit hat viele Dimensionen: Neben der Schonung der Umwelt sind soziale Aspekte von großer Bedeutung. Nicht nur die Stadtplanung, auch die Architektur muss auf die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung und die Urbanisierung reagieren. Das Scandic-Hotel in Hamburg vereint daher soziale und ökologische Nachhaltigkeit in einem Gebäude. Mit den „Scandic’s Accessibility Standards“ haben die Verantwortlichen klare Richtlinien für die Zugänglichkeit formuliert. 10 % der Zimmer wurden entsprechend komplett barrierefrei gestaltet. Thema Wasser Eine entscheidende Rolle für die Zugänglichkeit spielen die insgesamt 9 Aufzüge. Darüber hinaus sollte sich das von Jesper Waldersten entworfene Design bis in die Gebäudeerschließung durchziehen. Um das Thema Wasser aufzugreifen, wurden die Kabinenwände der Aufzüge mit blaugrün

hinterdrucktem Glas gestaltet. 4 Aufzüge, die vom Parkhaus über die Hotellobby bis in den 7. Stock fahren, haben noch eine weitere Besonderheit. Die Decke der Kabinen ist mit einer energieeffizienten LED-Beleuchtung ausgestattet, die im Laufe des Aufstiegs ihre Farbe ändert. Die Fahrt startet im Untergeschoss mit einem tiefen Blau, als befände sich der Fahrgast am dunklen Meeresboden. Je höher der Aufzug steigt, desto heller wird das Licht. Der optische Eindruck, der hierdurch entsteht, gleicht dem Erlebnis eines Aufstiegs an die Meeresoberfläche bei einem Tauchgang. Wirtschaftlichkeit und Effizienz Die individuell gestalteten Anlagen basieren auf einem Serienmodell von Schindler, das der hohen Beanspruchung in einem vielfrequentierten Gebäude standhält und sich im Alltag vielfach bewährt hat. Der getriebelose, hochleistungsfähige Permanent-Magnet-Antrieb ermöglicht eine sanfte und komfortable Fahrt sowie eine hohe Haltegenauigkeit. Dank der großzügigen Kabinenabmessungen und einer Türbreite von mehr als 90 cm werden die Anforderungen der europäischen Sicherheitsnorm DIN EN 81-70 sogar über die gesetzlichen Vorgaben hinaus erfüllt. Ebenso werden die Verbrauchswerte den heutzutage gängigen Ansprüchen gerecht. So erfüllen die Aufzüge alle Anforderungen der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001. Sie verzichten darüber hinaus auf einen Maschinenraum und konnten entsprechend platzsparend installiert werden. Somit hat Schindler die drei großen Maßgaben des Stockholmer Hotelunternehmens voll und ganz erfüllt: Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Design. Schindler Deutschland AG & Co. KG Ringstraße 54 12105 Berlin www.schindler.de


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Impressum BAUKULTUR – Zeitschrift des DAI 36. Jahrgang ISSN 1862-9571 Herausgeber DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V. DAI Geschäftsstelle c/o KEC Planungsgesellschaft mbH Salzufer 8 10587 Berlin Telefon: +49 (0)30.400 54 100 Telefax: +49 (0)30.21 47 31 82 E-Mail: kontakt@dai.org www.dai.org DAI Geschäftsführung Udo Sonnenberg M.A. E-Mail: sonnenberg@dai.org DAI Präsidium Prof. Dipl-Ing. Christian Baumgart (Präsident) Dipl.-Ing. Gerd Schnitzspahn (Vizepräsident) Dipl.-Ing. Arnold Ernst (Schatzmeister) Marion Uhrig-Lammersen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) Dipl.-Ing. Alexander von Canal (Veranstaltungen und Mitgliederbetreuung) Verlag, Gestaltung, Anzeigenverwaltung VBK Verlag S. Kuballa Verlag für Bau + Kultur Adolf-von-Groß-Str. 15 95445 Bayreuth Telefon: +49 (0)921.99 00 51 53 Telefax: +49 (0)3212.45 26 570 E-Mail: info@vbk-verlag.de www.vbk-verlag.de Chefredaktion Susanne Kuballa M.A. E-Mail: baukultur@dai.org Anschrift wie Verlag Redaktion Dipl.-Ing. Sylvia Jung E-Mail: jung@vbk-verlag.de Anzeigen Christina Ahr M.A. E-Mail: ahr@vbk-verlag.de Gültig ist Anzeigenpreisliste Nr. 8 vom 1.10.2013. Druck Benedict Press Vier-Türme GmbH Abtei Münsterschwarzach www.benedictpress.de Der Bezug der Zeitschrift ist im DAI Mitgliedsbeitrag enthalten. Druckauflage: 5.500 Exemplare (IVW III/2013)

Vorschau Ausgabe 3_2014 >> klimaBAUKULTUR

Autoren dieser Ausgabe Christian Bölling OSRAM GmbH Presseabteilung www.osram.de Hans-Joachim Bumann Oberrheinischer AIV Freiburg, 1. Vorsitzender www.oaiv-freiburg.de Anja-M. Gieselmann Oldenburgischer AIV, Mitglied www.aiv-oldenburg.de Lukas Göbl Architekturbüro Explicit Architecture Göbl Architekten ZT GmbH www.explicit-architecture.com www.arch-goebl.at/ Mechthild Heil Mitglied des Deutschen Bundestages www.cducsu.de Denise Junker Bundesstiftung Baukultur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit www.bundesstiftung-baukultur.de Konstantin Karohs Zirngibl Langwieser Rechtsanwälte Partnerschaft www.zl-legal.de Ingrid und Hans-Georg Kühnemund AIV KölnBonn, Mitglieder www.aiv-koelnbonn.de

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Dr. Lars Meeß-Olsohn Ruhrländischer AIV zu Essen, Mitglied Kompetenz-Netzwerk Textile Architektur www.raiv.de www.textile-architektur.de www.leichtbaukunst.de Fuensanta Nieto, Enrique Sobejano Nieto Sobejano Arquitectos www.nietosobejano.com Isabel Pagel MVRDV Public Relations www.mvrdv.nl Jan Riha Lledó Group CTO / Retail Development www.lledogroup.blogspot.com Thomas Schneider Zirngibl Langwieser Rechtsanwälte Partnerschaft www.zl-legal.de Markus Spitzbart Spitzbart + Partners www.spitzbart.at Astrid Unger VELUX Deutschland GmbH Presse- und Öffentlichkeitsarbeit www.velux.de

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BAUKULTUR | Zeitschrift des DAI | März 2014 | Ausgabe 2 | ISSN 1862-9571

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