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BAUKULTUR Zeitschrift des DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V.

2012

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Schwerpunkt Bauen im Klimawandel

AIV KรถlnBonn Studienreise 2011

AIV Magdeburg Bauwerk des Jahres 2010

AIV Mark-Sauerland 100 Jahre AIV Mark-Sauerland 100 Jahre regionales Engagement

BAUKULTUR

klima


UNSERE 3 NEUEN Das neue Zentrum von Mönchengladbach Perfekt städtebaulich integriert mit optimaler offener Struktur und Shop-Fassaden über mehrere Etagen.

Löhrhof Center war gestern – die Zukunft gehört den Recklinghausen Arcaden! Revitalisierung wie aus dem Lehrbuch – an einem Standort, der es verdient.

Aus alt mach neu! Das in die Jahre gekommene Löhertor Center in Fulda soll nach Abriss zu einer ersten Adresse für Erlebnis-Shopping avancieren.

ERÖFFNUNG 2014 VERMIETUNG HAT BEGONNEN!

Bamlerstraße 1 · 45141 Essen fon + 49 (0) 201/ 820 810 · fax + 49 (0) 201/ 820 8111 internet: www.mfi.eu · mail: mfi.essen@mfi.eu


editorial

BAUKULTUR 2_2012

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LIEBE LESERINNEN UND LESER, in der Forstwirtschaft wird der Klimawandel in Deutschland seit einigen Jahren als Realität erlebt. Zunehmend führen Stürme im süddeutschen Raum, Trockenheit und Waldbrände im Nordosten Deutschlands sowie vermehrter Schädlingsbefall zu alarmierenden Schädigungen im Waldbestand. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat bereits 2008 eine Klimaanpassungsstrategie für die Forstwirtschaft entwickelt. Entsprechend betreiben einige Bundesländer aktiven Waldumbau, bei dem klimaanfällige Baumarten wie Fichte und Lärche durch weniger anfällige Arten wie Tanne und Douglasie ersetzt werden. Alle Bundesländer reagieren auf den Klimawandel, indem sie Monokulturen durch weniger riskante Mischwälder ersetzen. Auch in den Städten sind weitreichende Veränderungen im Baumbestand geplant. So sollen stressanfällige heimische Baumarten durch Baumarten aus wärmeren Regionen, wie z.B. Gleditschien, japanische Schnurbäume und chinesische Ginkgos, ausgetauscht werden. Was auch bedeutet, dass uralte Kulturlandschaften sich langsam aber sicher wandeln werden. Selbstverständlich kommt dem Baumbestand beim Klimawandel nicht nur eine passive, sondern auch eine wichtige aktive Rolle zu. So wirken sich Stadtbäume nicht nur positiv auf die Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit oder die Windgeschwindigkeiten aus, sie binden auch große Mengen CO2 und verbessern damit erheblich die Luftqualität. Ein ausgewachsener Baum speichert ca. 1 t CO2. Wenn das Holz verbaut wird – allein ein Dachstuhl bindet 4 bis 8 t CO2 – wird diese CO2-Menge dem Kreislauf für lange Zeit entzogen. Wie in der Forstwirtschaft muss auch in der Bauwirtschaft über Zeiträume vorausgeplant werden, die bis zum Ende des 21. Jahrhunderts reichen. Wie in der Forstwirtschaft muss hier dem Klimawandel sowohl passiv als auch aktiv begegnet werden. Im Mittelpunkt der gesetzgeberischen Maßnahmen steht der aktive Klimaschutz, dem mit der aktuell geltenden EnEV 2009 und der für 2012 geplanten Neuauflage, in der auch die EU-Richtlinie über die Gesamteffizienz von Gebäuden vom 19.5.2010 verankert werden soll, Rechnung getragen wird. Da 40 % des Primärenergieverbrauchs in der EU auf Gebäude entfallen, kommt der Energieeffizienz in der Bauwirtschaft eine herausragende Rolle bei der Erreichung der Klimaschutzziele zu.

stoffe über den Transport, die Nutzungsphase und den Rückbau bilanziert. Bedenkt man, dass allein 2,8 % der deutschen CO2-Emissionen durch die Carbonatzersetzung bei der Zementherstellung verursacht werden, wird klar, dass Gesamtbilanzen unter Einbeziehung der Bauindustrie wichtig sind. Eine zentrale Rolle bei der Energiebilanz von Plusenergiegebäuden spielt der Einsatz von Photovoltaik. Diese hat mittlerweile einen Reifegrad erreicht, bei dem der überschüssige Strom in das öffentliche Netz eingespeist werden kann und eine ausgeglichene CO2-Bilanz bereits nach ca. 5 Jahren Nutzungsdauer erreicht wird. Zu passiven Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel finden Sie in der vorliegenden Ausgabe der BAUKULTUR einen speziellen Beitrag mit Maßnahmen zum Hochwasserschutz für Gebäude. Darin wird auf die Empfehlungen eingegangen, die das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zum Bauen in hochwassergefährdeten Zonen veröffentlicht hat. In der o.g. EU-Richtlinie über die Gesamteffizienz von Gebäuden wird darüber hinaus gefordert, die steigenden Temperaturen im Sommer durch Sonnenschutz, ausreichende Wärmekapazität der Gebäudekonstruktion und Einsatz passiver Kühlung zu berücksichtigen. Anders als bei den aktiven Maßnahmen hängt die Umsetzung passiver Anpassungsmaßnahmen allerdings weniger von gesetzlichen Regelungen als von den Wünschen der Bauherren ab. Dabei wirkt sich aus, dass Baumaßnahmen im privaten Bereich weit weniger langfristig ausgerichtet werden als in früheren Jahrhunderten. Das Interesse am Klimawandel in der Bevölkerung unterliegt starken Schwankungen, wie eine Recherche unter Google Insights for Search ergibt. So zeigt die Anzahl von Suchanfragen nach einschlägigen Begriffen innerhalb der letzten 5 Jahre Schwankungen um das Fünffache. Lokale Witterung und politische Großereignisse haben offenbar einen immensen Einfluss auf das Informationsbedürfnis. Es bleibt deshalb spannend, wann und in welchem Umfang die Baukultur auf den Klimawandel reagieren wird. Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre! Ihre

Die vorliegende klimaBAUKULTUR zeigt, wie Gebäude mit positiver Energiebilanz aussehen können. Im Unterschied zu den gesetzlichen Auflagen wird bereits der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes von der Herstellung der Bau-

Susanne Kuballa Chefredakteurin


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DAI in deutschland

BAUKULTUR 2_2012

Prof. Dipl.-Ing. Christian Baumgart

DAI Präsident zum Honorarprofessor ernannt DAI Präsident Dipl.-Ing. Christian Baumgart wurde von der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt zum Honorarprofessor für Projektentwicklung ernannt. Seit mehr als 10 Jahren hatte Baumgart zahlreiche Lehraufträge an der Hochschule. Im Januar 2012 bekam er nun offiziell die Ernennungsurkunde überreicht. Die Kollegen des DAI Präsidiums gratulieren ihm sehr herzlich zu dieser Ernennung.

Aschaffenburg

Folgen Sie dem DAI im Netz: www.dai.org www.facebook.com/baukultur DAI Mitgliedsverein

www.twitter.com/baukultur

DAI Mitgliedsverein mit Textbeitrag in der vorliegenden Ausgabe

DAI MITGLIEDSVEREINE AIV Aschaffenburg AIV Aschersleben-Staßfurt AIV Bad Hersfeld AIV Bielefeld AIV Braunschweig AIV Dresden AIV Frankfurt AIV Hamburg AIV Hanau AIV Hannover AIV Hildesheim

AIV Karlsruhe AIV Koblenz AIV KölnBonn AIV Konstanz AIV Leipzig AIV Magdeburg AIV Marburg AIV Mark-Sauerland Hagen AIV Mecklenburg-Strelitz AIV Schweinfurt AIV Stuttgart

AIV Ulm AIV Wetterau AIV Würzburg AIV zu Berlin Mittelrheinischer AIV Darmstadt Münchener AIV Münsterländer AIV Oldenburgischer AIV Ruhrländischer AIV zu Essen Schwäbischer AIV Augsburg


inhalt

BAUKULTUR 2_2012

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Editorial Susanne Kuballa DAI in Deutschland Inhalt

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Nachrichten Kolumne Bundesstiftung Baukultur Baukultur_im_Dialog

8–9 10

DAI aktuell Aus dem Präsidium

11–14 11 12 13–14

DAI regional AIV Mark-Sauerland: 100 Jahre AIV Mark-Sauerland AIV KölnBonn: Studienreise 2011 nach Istanbul AIV Magdeburg: Bauwerk des Jahres 2010

15–25 15 15–17 18–20 21–23 24 25

Schwerpunkt Bauen im Klimawandel Hochwasser in Deutschland Hochwasserschutz für Gebäude SolarDecathlon Europe 2012: Mit der vollen Kraft der Sonne Bauen und Wohnen der Zukunft: LichtAktiv Haus in Hamburg Überschüssige Energie: Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität in Berlin Blaue Farbwelle: WIPO-Verwaltungsgebäude in Genf

26–30 26 27 28–29 30

Advertorials Glaswerke Arnold GmbH & Co. KG: Größtes Solardach der Welt Schoenrock Hydraulik Marine Systems GmbH: Perfekter Flutschutz Keimfarben GmbH & Co. KG: Ökologisch Wohnen am Hang Wilo SE: Energieeffiziente Heizungsregelung

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Titel: Hochwasser in Passau, 2010 (Foto: Hendrik Schwartz, fotolia.com)

DAI Mitglied im Blickpunkt Lars Meeß-Olsohn, Ruhrländischer AIV zu Essen

Autoren | Vorschau | Impressum

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nachrichten

Internationale Passivhaustagung Vom 4.-5.5.2012 findet in Hannover die 16. Internationale Passivhaustagung statt. Auf der Tagung sollen in diesem Jahr mehr denn je Innovationen aus dem Bereich der Energieeffizienz vorgestellt werden. Dabei sind architektonisch anspruchsvolle und gleichzeitig höchst energieeffiziente Gebäude ebenso Thema wie die besonderen Herausforderungen in den verschiedenen Klimazonen der Erde, die Forschung und Entwicklung passivhausgeeigneter Komponenten und energieeffizienter Anlagen und Geräte sowie die Konzepte für die Entwicklung des Passivhausmarktes. www.passivhaustagung.de Consense 2012 Vom 19.-20.6.2012 findet in Stuttgart als internationale Fachmesse für nachhaltiges Bauen, Investieren und Betreiben die Consense 2012 statt. Gleichzeitig veranstaltet der World Green Building Council (WGBC) seinen jährlichen Kongress. Der WGBC ist ein weltweites Netzwerk von Non-Profit-Organisationen, das sich für eine nachhaltige Umwelt einsetzt. Zugleich ist er die größte internationale Organisation, die weltweit Maßstäbe für nachhaltiges Bauen setzt. Er fördert effektive Kommunikationsmaßnahmen und Kooperationen zwischen den Ländern. Ein Ziel ist es, die Umstellung der Schlüsselindustrien im Bausektor in Richtung Nachhaltigkeit zu beeinflussen und geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Organisiert wird die Consense von der Messe Stuttgart und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). www.messe-stuttgart.de Schlanke Dämmschicht Dünne und dennoch leistungsfähige Dämmplatten werden am Fraunhofer-Institut ISC in Würzburg und am Fraunhofer-Institut IVV in Freising entwickelt. Gerade für Baudenkmäler könnten sie eine Alternative zu her-

Vakuumisolierpaneele als Alternative zur herkömmlichen Dämmung (Foto: va-Q-tec AG)

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kömmlichen Dämmungen darstellen. Die Vakuumisolationspaneele (VIPs) sind nur etwa 2 cm dick, aber genauso leistungsfähig wie 15 cm starke Platten aus Polyurethanschaum. Pyrogene Kieselsäure ist das Kernmaterial, das umschlossen wird von Kunststofffolien mit drei Barriereschichten: Eine mit Aluminium bedampfte Kunststofffolie wird mit einer Mikrometer dünnen Lage ORMOCER® beschichtet und dann noch einmal mit Aluminium bedampft. ORMOCER®e enthalten ein anorganisches Silizium-Sauerstoff-Netzwerk, das über eine organische Matrix vernetzt ist. Die Mischung macht das Material ungewöhnlich dicht und stabil. Jetzt geht es darum, den Produktionsprozess weiter zu vereinfachen und weitere Langzeittests durchzuführen. www.fraunhofer.de Klimaschutz im Bausektor Der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte Zement Celitement® ist Gewinner des Deutschen Innovationspreises für Klima und Umwelt (IKU) 2011. Die Celitement GmbH, gegründet vom KIT, den 4 Erfindern und der Schwenk Zement KG, erhielt den mit 25.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Produkt- und Dienstleistungsinnovationen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. zeichnen damit herausragende Innovationen für den Klima- und Umweltschutz aus. Bei der herkömmlichen Zementherstellung liegt der Anteil der jährlichen weltweiten CO2-Emissionen bei etwa 5-7 %. Durch ein neuartiges Herstellungsverfahren, bei dem im Hauptprozess lediglich Temperaturen um etwa 200 0C. im Vergleich zu 1.450 0C. für konventionellen Zementklinker benötigt werden, verspricht Celitement® enorme Energieeinsparungen sowie voraussichtlich eine Halbierung der CO2-Emissionen. Der neue Zement ist zudem ressourcenschonend, da im Vergleich zu herkömmlichem Portlandzement nur ein Drittel der Menge an Kalkstein nötig ist und auf den Zumahlstoff Gips völlig verzichtet werden kann. www.celitement.de Bauen mit Stroh Bauen mit Stroh spart Energie und schützt das Klima. Forscher der Uni Kassel wollen mit Partnern aus Hochschule und Wirtschaft

nun zeigen, dass man mit Stroh auch mehrgeschossige Gebäude errichten kann. Ziel des bis Juli 2013 laufenden Projekts ist die Entwicklung eines marktreifen strohballengedämmten Holzbausystems, das höchsten Energiestandards entspricht. Die so errichteten Gebäude sollen bis zu 13 m Höhe und bis zu 400 m² Fläche erreichen können. Zunutze machen wollen sich die Forscher dabei vor allem die hervorragenden Dämmeigenschaften des Strohs. Untersuchungen hierzu haben gezeigt, dass bei einer 36 cm dicken Strohballendämmung mit beidseitigem Lehmputz ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von ca. 0,11 W/(m2K) erzielt werden kann. Die Kriterien für Passivhäuser mit einem U-Wert von 0,15 W/(m2K) werden somit unterschritten. Im Rahmen des Forschungsvorhabens ist es auch Aufgabe, ein neuartiges Nachweisverfahren für den Schutz der Strohballen vor Feuchtigkeit zu entwickeln. Mit dem Eindringen von Feuchtigkeit kann Stroh nicht nur rasch verrotten, es droht auch die Ausbreitung von Schimmelpilzen. www.uni-kassel.de Gesamtleitung von Bauten Die Publikation „Gesamtleitung von Bauten“ hat sich in der Schweiz als Standardwerk etabliert und wird von zahlreichen Dozierenden sowie in der Praxis von Architekten und Bauingenieuren als Leitfaden und Nachschlagewerk eingesetzt. Neu liegt die Ausgabe Deutschland vor, unter Berücksichtigung der derzeit gültigen deutschen Normen und Gesetze für Deutschland, verfasst von einem deutschen Autorenteam. Die im vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich erschienene Publikation kann

auf der DAI Web-Seite unter der Rubrik Literaturhinweise als ebook extract eingesehen werden. www.vdf.ethz.ch


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kolumne

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Die Bundesstiftung Baukultur stellt ihre Arbeit vor

BAUKULTUR_IM_DIALOG Podiumsdiskussion in Berlin

Mehr Verantwortung, Schönheit und Identität für unsere Städte! So lauteten die Forderungen, welche die Bundesstiftung Baukultur am 12.12.2011 einem Publikum aus 250 Gästen in der Humboldt-Box in Berlin präsentierte. Vorgestellt wurde dabei die neue Publikation „Baukultur des Öffentlichen. Bauen in der offenen Gesellschaft“. Nach Publikationen zu den Themen Bildung, Freiraum und Verkehr legte die Bundesstiftung mit „Baukultur des Öffentlichen. Bauen in der offenen Gesellschaft“ den 4. Band des Berichts der Baukultur vor. Politik und Verwaltung fordert sie darin zu konkreten Schritten für eine bessere Baukultur auf. Architekten, Planer und Ingenieure, Gesellschafts- und Kulturwissenschaftler sowie politische Entscheidungsträger stellen dabei die öffentliche Baukultur auf den Prüfstand. Der nachhaltige Einsatz von Ressourcen, der Respekt vor dem Vorgefundenen, die Schaffung von Identität, die Anerkennung von Landschaft, das Recht auf Schönheit, die Notwendigkeit einer Streitkultur und die Transparenz von Entscheidungsprozessen – dies sind die 6 „baukulturellen Konventionen“ des Berichts der Baukultur. Wie kann Baukultur aber in Zeiten knapper Mittel von Kommunen hochgehalten werden? Das debattierte der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur Michael Braum mit Christiane Thalgott, Stadtbaurätin der Stadt München i. R., den Architekten Laura Fogarasi-Ludloff und Volker Staab sowie dem Architekturhistoriker Michael Mönninger. Moderiert wurde das Gespräch von Olaf Bartels. „Wir sollten unsere Energie nicht in Rekonstruktionen und den Neubau von Leuchttürmen stecken, sondern uns darum kümmern,

Podiumsdiskussion in Berlin (v.l.n.r.): Architekt Volker Staab, Architekturhistoriker Michael Mönninger, Architektin Laura Fogarasi-Ludloff, Moderator Olaf Bartels, Christiane Thalgott, Stadtbaurätin der Stadt München i. R. und Michael Braum, Bundesstiftung Baukultur

dass unsere Städte wieder Unverwechselbarkeit zurückgewinnen. Man sieht unseren Häusern und Stadtquartieren doch an, welche Lobbyisten sich durchgesetzt haben!“ sagte Michael Braum auf der Veranstaltung. „Öffentliche Bauherren sollten den einfachen Bürgern mehr Gehör verschaffen“, so Christiane Thalgott, „wie die Innenstädte aussehen, dürften nicht Konzerne bestimmen.“ „Wir Architekten müssen uns früher zu Wort melden, zum Beispiel bei der Erstellung von Flächennutzungsplänen“, meinte Laura Fogarasi-Ludloff, die dem Team 11 angehört, einer Gemeinschaft aus 11 Architektur- und Planungsbüros, die sich für eine bessere Planungs- und Vergabepraxis einsetzt. „Ich sehe die Gefahr, dass Architekten sich in Nischen zurückziehen und zu Fassadendekorateuren degradieren“, stimmte Volker Staab zu. Michael Mönninger bemängelte: „Menschen betrachten Städte nur noch unter Einkaufs- und Bequemlichkeitsaspekten. Baukultur interessiert die meisten vornehmlich als Suche nach Wohnungsqualität – was ja keine geringe Herausforderung für die baukulturelle Diskussion ist.“ Spielräume für mehr Baukultur ergeben sich aus Sicht der Bundesstiftung zum Beispiel, wenn Richtlinien und Verordnungen auf die Ansprüche der Baukultur überprüft und entsprechend angepasst werden. Dies ist eine der praktischen Empfehlungen, welche die Stiftung politischen Entscheidern in der Publikation „Baukultur des Öffentlichen“ zur Hand gibt. Die Bücher des Berichts der Baukultur können über den Birkhäuser Verlag bestellt werden. Bernhard Heitele www.bundesstiftung-baukultur.de

Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, mit dem neuen Band 4 des Berichts der Baukultur (Fotos links und rechts: Stephanie Pilick für die Bundesstiftung Baukultur)


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DAI blickpunkt

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DAI MITGLIED IM BLICKPUNKT

Atelier leichtbaukunst Hauptstraße 146 42555 Velbert-Langenberg www.leichtbaukunst.de

ZUR PERSON 1993 Architekturstudium an der ETSA Sevilla 1995 Erasmus-Stipendiat an der Universität Barcelona 1991 – 1998 Architekturstudium und Diplom an der RWTH Aachen 1998 – 2004 Wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Bauingenieurwesen an der Universität Duisburg-Essen, Promotion im Bereich Leichtbau seit 2005 selbständig mit Atelier leichtbaukunst seit 2005 Mitglied im RAIV zu Essen seit 2008 Lehraufträge an der Universität Duisburg-Essen und der Hochschule Dortmund

AUSZEICHNUNGEN • • • • •

WorldGames Award für die Lichtinstallation „AN UNS“ mit Chinmayo, Duisburg 2005 Präsentation Leuchtenserie „Light-Structure“, Messe 100%Design, London 2006 StandortInnenstadt.NRW-Award, Lichtkunst-Bühne „IMPULS“, 2009 Honor Award des American Institute of Architecture (AIA) mit A. Heshmati für Tuch- und Lichtinstallation „DAR LUZ“, Eindhoven 2009 Nominierung „Sonderschau TEXTILE-ARCHITEKTUR.de“ für den InnoMateria Award, 2011

AUSSTELLUNGEN • • • • •

Hannover Messe, Forschungsland NRW, “Textegrity-Dome”, 2003 Essen, Zollverein, Palast der Projekte, model exhibition, „Energie-Dome“, im Rahmen des Projekts „Folkwang-Atoll“ / „Ruhr-Atoll“, 2005 Eindhoven, GLOW Lichtkunstfestival, mit A. Heshmati, A. Pasieka, „DAR LUZ“, 2008 Messe Techtextil, Frankfurt, Fabric-Art-Lounge mit Jens J. Meyer, „PULSAR“, 2009 Lüdenscheid, LichtRouten Lichtkunstfestival, mit A. Heshmati, A. Pasieka, P. Sydow, „DARK HALO“, 2010

(Foto: Maike Altenkamp)

Lars Meeß-Olsohn Dr.-Ing. für Architektur Mitglied im Ruhrländischen AIV zu Essen (RAIV)


DAI blickpunkt

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(Fotos links und rechts: H. Jacoby)

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Leichtbaukunst Seit gut einem Jahrzehnt beschäftigt sich das Atelier leichtbaukunst mit den Prinzipien des Leichtbaus: In Form von künstlerischen Licht- und Tuchinstallationen, Ausstellungen und textilen Architekturen entstehen objekthafte Strukturen mit Bezug zum jeweiligen Ort. Parallel hierzu präsentiert der Initiator und Organisator des Netzwerks Textile-Architektur. de Sonderschauen für die internationalen Baufachmessen BAU, Deubau und Techtextil, um Planern und Bauherren die gesamte Wertschöpfungskette vom Design, Engineering, Material, Konfektion, Veredelung bis zur Montage – kurz: die faszinierende Welt der Textilien – näher zu bringen.

Lichtkunst-Bühne IMPULS Im September 2009 wurde das Projekt IMPULS im Rahmen des landesweiten Wettbewerbs „StandortInnenstadt.NRW“ ausgezeichnet und durch Städtebauförderungsmittel des Landes Nordrhein-Westfalen als ambitioniertes PPP-Projekt der Stadt Bochum und der Gastronomen vor Ort realisiert. Angelegt als Bochumer Beitrag im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 entstand die Bühnenkonstruktion aus dem spielerischen Umgang mit Stahlringen und LED-Lichtleisten. Sie entwickelt sich aus der Abfolge mehrerer, im Durchmesser größer werdender Ringe aus Stahlrundrohr (nahtlose MSH-Profile, Vallourec & Mannesmann), die durch zwei Stahlbögen und Stützen gehalten und ausgesteift werden. Der oberste Ring hat einen Durchmesser von ca. 12,5 m und ist mit einer hochwertigen, transluzenten Membrane (Polyester-Gewebe mit PVC-Beschichtung und PVDF-Schlusslack, Valmex, Mehler Texnologies) permanent zum Schutz vor Witterung bespannt. Im hinteren Bühnenbereich wurde ein Edelstahl-Seilnetz zur dauerhaften Abgrenzung der Bühlinks oben Die Ringe symbolisieren die Strahlkraft auf die umliegenden Bezirke links Mitte Ursprünglich war vorgesehen, die Auflagerkräfte aus dem großen Ring an den Stahlbetonpfeiler der Bahn abzuleiten, was jedoch nicht genehmigt worden ist. Daher musste eine Art Korsett aus HEB-Profilen um den Pfeiler herum gebaut werden. links unten Das Netz aus verpressten Edelstahlseilen wird durch Seile tailliert rechts Die schwarzen Flächen (Bühnenhintergrund, Witterungsschutz, Persenning) werden temporär eingespannt, wohingegen die weiße Dachfläche und das Edelstahlnetz permanent installiert sind

nenfläche zwischen Podest und großem Stahlring eingebracht, wohingegen die Gewinde im vorderen Bereich dieses 244,5/12er Hohlprofils zur Aufnahme der Beleuchtung und Beschallungstechnik verwendet werden. Im Werk wurden die gebogenen Segmente der Stahlrohre verschweißt bzw. für den Transport gestoßen, wobei diese Anschlüsse bei der späteren Montage durch Halbschalen verdeckt wurden. Interessanterweise war es für den ausführenden Betrieb einfacher, die Struktur in der Werkstatt „auf dem Kopf“ zu erstellen, wobei der größte Stahlring parallel zum Hallenboden ausgerichtet wurde. Bei Veranstaltungen wird der Bühnenhintergrund mit einem matt-schwarzen Lutte-Gewebe (Polyester-Gewebe mit PVCBeschichtung, Mehler Texnologies, als robuste Variante des klassischen Bühnenmoltons zweckentfremdet) verhängt, das von innen über das permanente VA-Seilnetz gespannt wird. Bei Bedarf können seitlich der Bühne noch weitere 50 m² von dem für den Bergbau entwickelten Gewebe verspannt werden. Die Ringe sind auf der Vorder- und Rückseite mit lichtstarken LED-Linienleuchten (Neon-Flex von Neo-Neon) bestückt. In Verbindung mit den leuchtenden Fragmenten der größeren, über den Platz hinaus reichenden Ringe ist die Lichtinstallation von allen Seiten erfahrbar. Mittels dimm- und DMXprogrammierbarer Ansteuerung wird eine atmosphärische, pulsierende, kontinuierliche oder progressive Licht- und Farbchoreographie möglich, die mit der Tag- und Nachtwirkung der Konstruktion agiert. Dezentes und sensibel nuanciertes Licht unterstreicht die Aura leiser Musik, eine massive, stroboskopische Strahlkraft potenziert hingegen verwegenere Spielarten. Lars Meeß-Olsohn


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DAI aktuell

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AUS DEM PRÄSIDIUM

DAI Themen/Aktivitäten 2012

DAI Verbandsrat

Neben der internationalen DAI Fachexkursion sind wieder 4 oder 5 Regionaltreffen (u.a. in Bielefeld, Koblenz und Stuttgart) geplant. Zentrale Veranstaltung wird zweifelsohne der DAI Tag vom 21.-23.9.2012 in Stuttgart sein, wo dieses Jahr turnusmäßig der Große DAI Preis für Baukultur verliehen wird. Darüber hinaus werden auch in diesem Jahr durch das DAI Präsidium diverse Fachmessen besucht, um Kontakte zu knüpfen. So war die BAUKULTUR bereits vom 10.-14.1.2012 auf der DEUBAU in Essen über den Partner BetonMarketing West vertreten. Ferner auf der Grünen Woche und der bautec (21.-25.2.2012) in Berlin. Im April ist ein Besuch der light + building in Frankfurt und im Oktober der EXPO REAL in München vorgesehen.

Das erste DAI Verbandsratstreffen fand am 14.2.2012 in Berlin statt. Der DAI war zu Gast im Humboldtforum und hat sich aus erster Hand über den Stand des Schlosswiederaufbaus informiert. Neben einem Vortrag des Stadtplaners und Geschäftsführers der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, Manfred Rettig, wurde eine Führung durch die Humboldt-Box angeboten. In der nächsten Ausgabe werden wir ausführlicher über diese Veranstaltung berichten. Das DAI Präsidium traf aus diesem Anlass zu seiner 1. Sitzung im Jahr 2012 zusammen, um über die anstehenden Themen zu diskutieren.

DAI Fachexkursion 2012 nach Vietnam und Kambodscha

Grüne Woche 2012 Thema „landBAUKULTUR“

In diesem Jahr haben wir die Mitglieder der Architektenund Ingenieurvereine wieder persönlich angeschrieben, um auf die internationale DAI Fachexkursion nach Vietnam und Kambodscha hinzuweisen. Wie schon in den zurück liegenden Jahren, in denen wir Ziele wie Peking, Dubai, Windhoek, Shanghai oder Chicago angesteuert haben, wird auch dieses Jahr wieder der Reisedienst Bartsch (RDB) unser Partner für diese Reise sein. Hinweise zum Reiseprogramm sowie die Kontaktdaten können Sie der Anzeige auf S. 14 entnehmen. Für Fragen bezüglich der Details können Sie jederzeit den RDB kontaktieren. Außerdem sind auf der DAI Web-Seite (www.dai.org/veranstaltungen/fachexkursionen) nützliche Informationen und die Anmeldeformulare hinterlegt.

In Kooperation mit der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft war der DAI in diesem Jahr erstmalig auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin mit der Fach- und Verbandszeitschrift BAUKULTUR vertreten (20.-29.1.2012). Ziel dieser Zusammenarbeit ist die stärkere Beleuchtung der Baukultur in der Fläche und damit im ländlichen Raum. Unter dem Titel landBAUKULTUR wird auch die nächste Ausgabe 3_2012 der Zeitschrift BAUKULTUR erscheinen. Desweiteren plant die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft, in Kooperation mit dem Dai einen Architekturpreis für Baukultur auf dem Land auszuschreiben und diesen dann jährlich oder alle zwei Jahre zu verleihen. Udo Sonnenberg

Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha Die Zeitschrift BAUKULTUR auf der Grünen Woche 2012


DAI regional

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AIV Mark-Sauerland

100 JAHRE AIV MARK-SAUERLAND 100 JAHRE REGIONALES ENGAGEMENT Bald ein ganzes Jahrhundert lang setzt sich der AIV Mark-Sauerland in Hagen und der Umgebung dafür ein, Kompetenzen zu bündeln und mit Ideen und Wettbewerben die heimische Baukultur zu fördern. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums im Juni 2012 findet derzeit durch verschiedene Projekte des AIV eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Stadt und den Menschen, die in ihr wohnen, leben und arbeiten, statt. Eines der Projekte ist die Veranstaltungsreihe „Der Blaue Tisch“. Der Blaue Tisch Der Blaue Tisch ist gleichermaßen Symbol und Treffpunkt des AIV Mark-Sauerland und steht für dessen Selbstbild und Engagement. Durch den Blauen Tisch werden bestimmte Orte in Hagen in den Fokus genommen. Er symbolisiert den Dialog mit diesem besonderen Ort als Einladung für die Bürger mit ihren Anliegen und Erfahrungen. Persönliche Geschichten werden von den Menschen mit besonderem Bezug zu dem Ort erzählt. Die gesamte Aktion wird – als besonderes Stadtporträt – anschließend als Dokumentarfilm und als Buch zur diesjährigen 100-Jahr-Feier des AIV präsentiert. Nach den ersten Veranstaltungen im letzten Jahr zieht der AIV mit seiner Veranstaltungsreihe „Der Blaue Tisch“ eine positive Zwischenbilanz. Als neue Marke des AIV wird sie auch nach dem Jubiläum fortgesetzt. Förderwettbewerb für Studenten und Postgraduierte Als weiteres Projekt ist als Geschenk an die Stadt Hagen der Förderwettbewerb für Studenten und Postgraduierte „Kunstquartier Hagen – Aufwertung des Museumsumfeldes“ ausgelobt worden (vgl. BAUKULTUR 1_2012). Der Wettbewerb soll einen Impuls auslösen, den Bereich um das Kunstquartier durch private Investitionen aufzuwerten. Mit Hilfe neuer Überlegungen zur Nutzung des gesamten Geländes hinter dem Kunstquartier besteht die Chance, eine neue Fassung des Platzraumes gegenüber der Südfassade des Emil-Schumacher-Museums zu entwerfen. Durch Verlagerung der Polizeiinspektion, die direkt hinter dem Emil-SchumacherMuseum liegt, sollen in Verbindung mit einem möglichen Verkauf Bauherrn und Investoren gewonnen werden, die dann die prämierten Ideen zur Grundlage ihrer Investition machen. Die Besonderheit des Wettbewerbs besteht darin, eine Baustruktur zu entwerfen, die verschiedene Nutzungen zulässt und in Abschnitten realisiert werden kann. Durch die Aufgabe der Nutzung als Polizeiinspektion entsteht die Möglichkeit, die Südseite des Kunstquartiers städtebaulich aufzuwerten. Jubiläums-Wochenende am 22.-23.6.2012 Höhepunkt des 100-jährigen Jubiläums des AIV Mark-Sauerland ist das Festwochenende am 22.-23.6.2012. Im Rahmen des Festaktes werden die Aktivitäten des Jubiläumsjahres vorgestellt. Dann wird auch das filmische Stadtporträt, das im Rahmen des Blauen Tisches zur Zeit entsteht, zu sehen sein. Der Festvortrag wird sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Architekten und Ingenieure in der Vergangenheit und der Zukunft auseinander setzen. Besonders öffentlichkeitswirksam wird ein Autokorso sein, der mit Oldtimern, die die einzelnen Dekaden seit Gründung des AIV Mark-Sauerland repräsentieren, durch Hagen fahren wird. Künstlerisch gestaltete Tafeln werden die Bezüge zur Entwicklung der Baukultur während dieser 100 Jahre herstellen. Am Ende des Festwochenendes steht eine festliche Gala. Dirk Pagels Ideen- und Förderwettbewerb des AIV Mark-Sauerland Kunstquartier Hagen – Aufwertung des Museumsumfeldes Städtebaulicher Ideenwettbewerb mit hochbaulicher und konstruktiver Vertiefung Geänderte Termine: 6.3.2012 Kolloquium / 25.6.2012 Abgabe der Arbeiten Ausstellung der Arbeiten und Preisverleihung im Herbst 2012 Weitere Informationen: www.aiv-mark-sauerland.de

„Der Blaue Tisch“ als Symbol und Treffpunkt (Foto: Klaus Meyer, bauwerk GmbH)

Der Vorsitzende des AIV Mark-Sauerland Dr. Stefan Bild (mit Mikrofon) während einer Diskussion am „Blauen Tisch“


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DAI regional

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AIV KölnBonn

STUDIENREISE 2011 NACH ISTANBUL Vom 28.9.–2.10.2011 veranstaltete der AIV KölnBonn eine 5-tägige Studienreise nach Istanbul. Bereits am ersten Tag erhielten die 35 Teilnehmer erste Eindrücke vom wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der heutigen Türkei am Bosporus. Die Hagia Sophia, durch Kaiser Justinian I. als christliche „Kirche der Göttlichen Weisheit“ errichtet, wurde zu Zeiten des Osmanischen Reiches zur Hauptmoschee umgebaut und um 4 Minarette ergänzt. Der 100 m lange Sakralbau mit seinem über 32 m breiten Mittelschiff galt 1.000 Jahre lang

Reiseteilnehmer des AIV KölnBonn in Istanbul (Alle Fotos: Carsten Roß)

als größte christliche Kirche der Welt und ist heute ein Museum. Mit der im 17. Jahrhundert mit 6 Minaretten errichteten Blauen Moschee wollte Sultan Ahmet I. die Hagia Sophia übertreffen. Sie beeindruckte durch die Blaufayencen aus Iznik und das filigrane Dekor. Neben der Blauen Moschee ließ sich das Hippodrom erahnen, eine Arena aus römischer Zeit. Als ältestes Monument Istanbuls weist heute noch der rund 20 m hohe ägyptische Obelisk aus Karnak auf die frühere Bedeutung des Platzes hin. Sehenswert war auch die Basilikazisterne aus dem 6. Jahrhundert. Mit einem Fassungsvermögen von rund 100.000 t Wasser diente sie der Versorgung des Kaiserpalastes sowie der Anwohner. Weiter ging es am zweiten Tag mit der Besichtigung des Topkapi-Palastes, der mit seinen Höfen (Exerzierplatz, Ratsplatz, Enderunus Platz, Tulpenhof) und dem Harem über 400 Jahre den osmanischen Sultanen als Domizil diente. Die zahlrei-

Haghia Sophia in Istanbul

chen Gebäude, wie die Küche mit 20 Kaminen, das Gebäude des Hohen Rates, der Audienzsaal und die Bibliothek, die Moscheen und Schatzkammern sowie der Harem mit seinen Höfen, Gärten und dem Schwimmbecken, gewährten einen Einblick in den Prunk vergangener Zeiten. Das archäologische Museum und das Museum für türkische-islamische Kunst wurden am gleichen Tag besucht. Am dritten Tag besichtigte die Reisegruppe die Chora-Klosterkirche mit ihren Fresken und Mosaiken aus dem 13./14. Jahrhundert auf der europäischen Seite Istanbuls und den Beyerbeyi-Palast, einen von den Sultanen auch als Gästehaus genutzten Prachtbau, auf der asiatischen Seite. Beim Blick von den Hügeln der asiatischen Seite Richtung Europa wurde die Dimension der Millionenmetropole Istanbul mit ihren Hochhäusern und den dem hohen Verkehrsaufkommen geschuldeten Staus deutlich. Heute bestehen bereits zwei mautpflichtige Brücken über den Bosporus aus den Jahren 1973 und 1988. Zukünftig wird darüber hinaus eine Regionalbahnverbindung durch den derzeit im Bau befindlichen Tunnel unter dem Bosporus hindurch voraussichtlich 1,5 Mio. Menschen täglich zwischen Asien und Europa befördern. Am gleichen Tag standen noch eine Stadtrundfahrt, der Besuch einer Fußgängerzone und einer von französischen Ingenieuren im 19. Jahrhundert errichteten Untergrund-Standseilbahn namens Tünel sowie der über 60 m hohe Galata-Turm auf dem Programm. Am vierten Tag wurden der Hauptbahnhof im Stadtviertel Sirkeci, der prachtvollen Endstation des europäischen Eisenbahnnetzes und Station des Orient-Express, sowie der Ägyptische Basar bzw. Gewürzbasar und der Große Basar besichtigt. Die anschließende Schifffahrt auf dem Bosporus in Richtung Schwarzes Meer war ein Erlebnis von Natur, Landschaft und Architektur. Neben Sultanspalästen ist das Ufer von unzähligen Villen und Gärten mit Schiffsanlegern sowie Resten einer alten Festungsanlage geprägt. Am letzten Tag waren die Besichtigung der Patriarchenkirche als geistliches Zentrum der griechisch-orthodoxen Christen sowie der Sultan-Suleyman-Moschee ein guter Abschluss der Studienreise. Carsten Roß

Blick in die Kuppelgewölbe der Blauen Moschee

Blick vom Galata-Turm über Istanbul


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AIV Magdeburg

BAUWERK DES JAHRES 2010 Am 22.11.2011 wurde der Magdeburger Architekten- und Ingenieurpreis „Bauwerk des Jahres 2010“ verliehen.

Preisträger 2010 Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Bauherr: Land Sachsen-Anhalt, vertreten durch den Landesbetrieb Bau, Niederlassung Mitte Planung: Hänel, Furkert, Zimmermann, Dresden Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Simon GmbH, Dresden Kunst am Bau: Christine Bergmann, Halle Ein Kasernengebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde nach fast 20-jährigem Leerstand zum neuen Domizil des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt umgestaltet. Dabei wurde die Gesamtstruktur des Gebäudes beibehalten, jedoch der Innenausbau komplett erneuert. Die maroden Holzbalkendecken und der Dachstuhl wurden durch Stahlbeton- bzw. Stahlkonstruktionen ersetzt und die alten Klinkerfassaden aufwendig saniert. Die nach heutigen Maßgaben erforderliche Wärmedämmung ist durch eine Innenvorsatzschale gewährleistet. Um alt und neu deutlich ablesbar zu machen, sind die neuen Bauteile mit dunkel getöntem Glas gestaltet. Das gilt auch für die neuen wärmedämmenden Fenster, deren ursprünglich vorhandene Sprossenteilungen entfallen sind. Der Neubau des angrenzenden Magazingebäudes ist als geschlossener Baukörper in Stahlbetonbauweise mit hochgedämmter Fassade ausgeführt. Die vorgehangenen, verschieden gestalteten grauen Basaltplatten nehmen Bezug auf die dunkel getönten Neubauteile und lassen so das Ensemble als ganzheitlich erscheinen. Die Nutzung von Erdwärme zur Beheizung und die besonderen bauphysikalischen Lösungen bei der Auslegung des Magazingebäudes sind aus energetischen und raumklimatischen Gesichtspunkten als vorbildlich zu betrachten. Hervorzuheben ist ferner die konsequent durchgängige, künstlerische Ausgestaltung der Innen- und Außenräume. Darstellungen mit Heraldik, Schriftzügen und Planzeichnungen aus der Geschichte Sachsen-Anhalts finden sich auf fast allen Wand- und Glasflächen des Altbaus und geben dem Gebäude einen eigenständigen und dabei nutzungsbezogenen Charakter.

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt mit neuem Magazingebäude

Die künstlerische Innenraumgestaltung nimmt Bezug auf die Geschichte Sachsen-Anhalts

Villa M am Elbufer Bauherr: Heiko Mannel, Magdeburg Planung: Architekturbüro Andreas Weinert, Magdeburg Tragwerksplanung: Ing.-Büro Rehwinkel und Wösner, Magdeburg Ein ausdrucksstarker Neubau mit gekonnt herausgestellten Bauteil- und Funktionselementen, bewusst und modellhaft an den Deckaufbau eines Schiffes erinnernd, so stellt sich die Villa M an der Elbe dar. Modern und werthaltig sind Form und Materialität gewählt. Große Glasflächen und geräumige Terrassen lassen innen und außen miteinander verschmelzen. Der Blick auf die Skyline Magdeburgs am anderen Elbufer ist fast überall gegenwärtig. Die regelmäßig geformten Platten und deren Fugen setzen sich in den Innenräumen fort und bilden ein einheitliches Ganzes von hoher Qualität. Dass ein privater Bauherr seine Verbundenheit mit Magdeburg so nachhaltig dokumentiert und dabei einem jungen Magdeburger Architekten diese Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet hat, wurde von der Jury lobend hervorgehoben. Ein weiteres Detail stellt die hochwassersichere Bauweise dar, sichtbar an der erhöht liegenden Erdgeschossebene und der Abschottung der Tiefgarage und des Untergeschosses. Der Bau ist energetisch optimiert. Ausrichtung und Bauweise der Fassaden sind nach solaren Gesichtspunkten in Verbindung mit einer regenerativen Lüftungsanlage gestaltet. Wärmepumpen für Heizung und Kühlung machen das Gebäude autark von Öl und Gas. Das Bauwerk ist vorbildlich in seiner Gestaltung und Eigenständigkeit. Seine Wirkung an diesem Standort ist unverwechselbar.

Villa M am Magdeburger Elbufer: Im Hinblick auf den Hochwasserschutz ist das Erdgeschoss erhöht angelegt


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Anerkennungen 2010 Dienstleistungsgebäude Regiocom Bauherr: Regiocom GmbH, Magdeburg Planung: Planergruppe MARTIN, Ettlingen

Dienstleistungsgebäude Regiocom

Das ehemalige Verwaltungsgebäude (Gruson, Krupp, SKET) wurde nach mehr als 10-jährigem Leerstand denkmalgerecht saniert und im Innenbereich grundlegend neu gestaltet. Die Innenhöfe erhielten Glasdächer und dienen nunmehr als Kommunikationszonen. Die neu geschaffenen Großraumbüroflächen für über 1.200 Arbeitsplätze entsprechen dem neuesten Kenntnisstand. Beispielhaft ist die parkartige Landschaftsgestaltung des Außenbereichs gelungen. Lofthaus Buckau Bauherr: Lofthaus Buckau OHG, Magdeburg Planung: Lindner+Canehl Bau- und Betreuungs-GmbH, Magdeburg Aus einem aufgegebenen Produktionsgebäude des Schwermaschinenbaus wurde bei vollständiger Erhaltung der Bausubstanz ein wohnungsbauliches Modellprojekt mit teils zweigeschossigen Galeriewohnungen gestaltet. Balkone und Laubengänge führten zu einer gestalterischen Aufwertung der größtenteils klinkersichtigen Fassaden. Wandinnendämmung, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und eine zentrale Holzpelletheizung schaffen den Niedrigenergiestandard. Hervorzuheben ist die Regenwassernutzung als Brauchwasser für alle Wohnungen. Beispielhaft ist die Umwandlung der Industriebrache in ein sich noch weiter entwickelndes Wohnquartier gelungen. Erich Deutschmann

Lofthaus Buckau

DAI Fachexkursion 2012 für Architekten und Ingenieure Vietnam zwischen Rotem Fluss und Mekong-Delta mit Anschlussprogramm Angkor Wat in Kambodscha 23.10.-01.11.2012 oder 19.11.-28.11.2012

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HOCHWASSER IN DEUTSCHLAND Die Hochwassergefahr an kleinen und mittleren Flüssen in Deutschland wird auch in den nächsten Jahrzehnten nicht abnehmen, in einigen Fällen sogar zunehmen. Deutlich steigen werden die Starkniederschläge. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center for Disaster and Risk Management Technology (CEDIM), einer gemeinsamen Einrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Helmholtz-Zentrums Potsdam Deutsches GeoForschungs Zentrum (GFZ). Die Wissenschaftler untersuchten, wie häufig und wie intensiv zukünftig Hochwasser auftreten werden – und wie sich die Abflüsse berechnen lassen. Anders als bei Rhein, Elbe oder Donau können starke Niederschläge bei mittleren und kleineren Flüssen zu einem sehr schnellen Anstieg und „reißenden“ Fließgeschwindigkeiten führen, sodass es nur eine kurze Vorwarnzeit für die Bevölkerung und den Katastrophenschutz gibt. Starkniederschläge treten oft räumlich begrenzt auf und sind daher nur schwer vorherzusagen. Eine langfristige Vorsorge, in der gefährdete Gebiete identifiziert und Schutzmaßnahmen geplant werden, ist daher besonders wichtig.

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Hochwasser bei Meißen im Jahr 2006 (Foto: GFZ Deutsches GeoForschungsZentrum)

Die dreijährige Untersuchung betrachtete die Mittelgebirgsflüsse Mulde und Ruhr sowie die Ammer als Fluss mit eher alpinem Charakter. An allen dreien traten in der Vergangenheit Hochwasserereignisse mit zum Teil erheblichen Schäden auf. So war die Mulde, ein Nebenfluss der Elbe, beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 nach der Elbe einer der am stärksten betroffenen Flüsse. An der Ammer gab es an Pfingsten 1999, an der Ruhr im Winter 1993/1994 und im August 2007 schwerwiegende Hochwasser. Die Modelle der Wissenschaftler zeigen, dass an der Ruhr die Hochwassergefahr im Sommer und im Winter weiter steigen wird. Die CEDIM-Prognosen weisen hier auf einen deutlichen und signifikanten Anstieg hin. Eine unveränderte Hochwassergefahr mit saisonalen Schwankungen besteht hingegen an Mulde und Ammer. Diese Befunde passen zu Trendanalysen, nach denen in der Vergangenheit eine Zunahme von Hochwassern vor allem im Westen Deutschlands stattfand. Weitere Informationen: www.gfz-potsdam.de

HOCHWASSERSCHUTZ FÜR GEBÄUDE Menschen hatten von jeher mit Starkniederschlägen, Hochwasser, Kanalrückstau, Grundwasseranstieg, Eisgang oder Sturmfluten zu kämpfen, aber in ihrer Häufigkeit und Heftigkeit sind derartige Naturereignisse neu. Prognosen weisen für bestimmte Regionen Deutschlands sogar auf einen signifikanten Anstieg der Hochwassergefahr hin. Und wenn ein Restaurantneubau in der Hamburger HafenCity mit Flutschutztüren ausgestattet wird, die das Gebäude vor Hochwasserschäden schützen sollen, scheint die Lage doch ernst (vgl. Beitrag S. 27). Der Hochwasserschutz wird zunehmend zum Markt für innovative Unternehmen werden, die auf die veränderten Klimaverhältnisse reagieren. Klimawandel In seiner 2010 veröffentlichten Hochwasserschutzfibel1 gibt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) Ratschläge und Anleitungen, wie Hochwasser bedingte Schäden künftig vermieden bzw. abgemindert werden können. Die Fibel soll Anwendung finden bei Wohnund Verwaltungsgebäuden, aber auch auf den gewerblichen Bereich übertragbar sein. Das BMVBS weist ausdrücklich darauf hin, dass sich der Klimawandel auf die Hochwassersituation in Deutschland auswirkt, und macht deutlich, dass wir uns in einem Prozess weltweiter klimatischer Veränderungen befinden. Hauptindikator ist die globale Erderwärmung, wobei für die kommenden Jahre von einer weiteren Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur von 1 bis 2 0C. ausgegangen werden muss.

Gefahrenzone Küste An den Küsten wird im Zuge des Klimawandels mit verschiedenen Veränderungen gerechnet. Dazu zählen der Anstieg des Meeresspiegels, die Zunahme der Wellenenergie, die Veränderung der Strömungsverhältnisse, die Tideänderungen und die Intensivierung der Sturmtätigkeit. Die möglichen Auswirkungen werden heute bei der Planung sorgfältig abgewogen und berücksichtigt, z. B. werden Küstenschutzanlagen so ausgelegt, dass ein Meeresspiegelanstieg von 30-50 cm in 100 Jahren möglich wäre, obwohl im letzten Jahrhundert nur 10-20 cm zu beobachten waren. Die wirtschaftliche Entwicklung und der Siedlungsdruck haben dazu geführt, dass Flussauen und Küstengebiete als Industrie-, Gewerbe- und Siedlungsfläche sowie als landund forstwirtschaftliche Fläche genutzt werden. Der Schutz


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Flutschutz an den Landungsbrücken in Hamburg (Foto: Bernd Sterzl/pixelio.de)

Flutschutztüren in Hamburg (Foto: Bernd Sterzl/pixelio.de)

durch technische Hochwasserschutzanlagen wie Mauern, Deiche, Sperrwerke an der Küste oder Hochwasserrückhalteanlagen im Binnenland wirken allerdings nur bis zum jeweiligen Bemessungshochwasser. Darüber hinausgehende Hochwasser überfluten die bis dahin geschützten Gebiete. Bereits 1995 wurde in der „Leitlinie für einen zukunftsweisenden Hochwasserschutz“ der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) darauf hingewiesen, dass ein umfassender Hochwasserschutz auch eine weitergehende Hochwasservorsorge beinhalten muss. Diese müsse folgende Einzelstrategien umfassen: Flächenvorsorge, Bauvorsorge, Verhaltensvorsorge und Risikovorsorge.

sohlen bevorzugt in Stahlbeton auszuführen. Außerdem ist die Gründungssohle durch ausreichende Verankerungen gegen Aufschwimmen oder Aufbrechen zu sichern. Bei Gefährdung der Gebäudestandsicherheit kann als einfachste und kurzfristig wirkungsvollste Maßnahme das Gebäude teilweise oder auch vollständig geflutet werden. Für diesen Fall sind Markierungen (Pegel) im Gebäude hilfreich, die die erforderliche Höhe für eine Flutung des Gebäudes anzeigen. Eine Flutung mit sauberem Wasser kann Folgeschäden verringern. Flussnah gelegene Gebäude werden zusätzlich durch die Gewässerströmung beansprucht. Starke Strömungen können insbesondere kleine, in geringer Tiefe gegründete Gebäude zum Einsturz bringen und mit sich reißen. Mitgeführtes Treibgut kann die Situation zusätzlich verschärfen. Der Austrag von Bodenteilchen aus dem Bodengefüge bei nicht befestigten Flächen kann zu Hohlräumen im Baugrund führen und Folgeschäden durch Unterspülungen und Setzungen bin hin zu Grundbrüchen verursachen. Deshalb sollte bei erosionsgefährdeten Böden die Fundamentunterkante 1 m tiefer liegen als die zu erwartende Erosionsbasis. Bei bestehenden Gebäuden kann durch eine nachträglich vorgesetzte Betonwand die Gefahr des Unterspülens der Fundamente vermindert werden.

Schutz gegen Auftrieb Ziel gebäudebezogener Schutzmaßnahmen sollte sein, das Eindringen von Wasser in das Gebäude zu verhindern oder zumindest zu begrenzen, solange noch eine ausreichende Gebäudesicherheit gegeben ist. Steigt das Grundwasser über das Niveau der Gründungssohle, entstehen Wasserdruck und Auftriebskräfte am Gebäude. Wird die Auftriebskraft größer als die Summe aller Gebäudelasten, schwimmt das Gebäude auf und wird dabei schlimmstenfalls zerstört. Deshalb muss die Gebäudestandsicherheit zu jeder Zeit gewährleistet sein. Insbesondere in der Bauphase können sich kritische Zustände ergeben, wenn die Gebäudelasten noch gering sind. Gefährdete Bauabschnitte, wie z.B. nach Fertigstellung der Gründung, sollten deshalb nicht mit Jahreszeit typischen Hochwassern im Winter oder Frühjahr zusammenfallen. Wasserdichte Gebäude mit wenigen Geschossen besitzen normalerweise nicht das gegen Auftrieb erforderliche Eigengewicht. Auch entstehen zusätzliche Beanspruchungen aus dem Wasserdruck auf die Gründungssohle und die Seitenwände. Bei Hochwasser können dann die Seitenwände eingedrückt und/oder die Sohle beschädigt werden. Empfohlene Maßnahmen gegen Auftrieb sind ausreichende Gebäudelasten und Wand-/Sohlendimensionierung. Nur geringfügig eingestaute Gebäude haben in der Regel eine ausreichende Auftriebssicherheit. Es sollte aber unbedingt eine statische Überprüfung der Auftriebssicherheit für jedes gefährdete Gebäude erfolgen. Genauso müssen auch die einzelnen Gebäudeteile auf den erhöhten Wasserdruck bemessen sein. Deshalb sind Kellerwände und Gründungs-

Schutz gegen eindringendes Oberflächenwasser Bei der Gestaltung von Außenfassaden sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden: maximaler Hochwasserstand, Hochwasserwahrscheinlichkeit und -häufigkeit, Anforderungen an Wärmeschutz und Energieeinsparung, Abtrocknungsgeschwindigkeit nach Durchnässung, Reparaturaufwand eines Systems, ästhetischer Anspruch an die Fassade. Diese Kriterien gelten für Neu- und Altbauten. Für die Gestaltung des baulichen Hochwasserschutzes müssen jedoch jeweils Einzelfallentscheidungen getroffen werden. Im Falle nicht ausreichend abgedichteter Außenwände ist im Gebäude mit durchsickerndem Wasser zu rechnen. Insbesondere Undichtigkeiten im Bereich von Fugen oder Wandanschlüssen können zu nennenswertem Wasserandrang führen. Die Verkleinerung der Außenhaut mit einem Sperrputz (z. B. Zementputz) oder mit Steinzeugfliesen wirkt wassersperrend. Dabei erfordert jedoch die Ausbildung der Fugen (Fliesenfugen, Dehnungsfugen) höchste Sorgfalt. Außen-


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Prognosen weisen für bestimmte Regionen Deutschlands auf einen signifikanten Anstieg der Hochwassergefahr hin

verkleidungen aus Verblendmauerwerk sind nur bedingt widerstandsfähig gegenüber Stauwasser. Die meisten Verblendsteine sind nicht wasserdicht. Auf Holzfassaden ist in hochwassergefährdeten Gebieten prinzipiell zu verzichten. Bei der Auswahl der Wärmedämmung ist zu beachten, dass keine Wasser aufsaugenden Materialien (z. B. Mineralwollplatten) verwendet werden, denn eine durchnässte Dämmschicht hat eine hohe Wärmeleitfähigkeit und damit keine Dämmwirkung. Auf den Einsatz zweischaliger Wände mit Hinterlüftung ist in hochwassergefährdeten Gebieten sinnvoller Weise zu verzichten. In den potenziell gefährdeten Sockelbereichen empfiehlt sich die Verwendung von Kunststoffdämmmaterialien mit geschlossenzelligem Porenaufbau, die nur relativ geringe Wassermengen aufnehmen. Ein Einsatz von Hochwasserschutzwänden oder „mobilen“ Dammbalkensystemen, die aus statischen Gründen nur bis zu einer Wandhöhe von max. 2,5 m aufgestellt bzw. übereinander gestapelt werden sollten, ist nur dann sinnvoll, wenn

gleichzeitig ein ausreichender Schutz gegenüber eindringendem Grundwasser und Rückstauwasser aus der Kanalisation besteht. Bei den Hochwasserschutzwänden muss mit geringen Undichtigkeiten oder auch Unterläufigkeiten gerechnet werden. Daher sollten grundsätzlich Pumpen im Außen- und Innenbereich des Gebäudes zum Abpumpen des anfallenden Wassers vorgesehen werden. Im privaten Bereich kann sich je nach Lage des Gebäudes eine Einfassung und Umschließung des Grundstückes mit Mauern oder kleinen Erdwällen anbieten. Werden nur geringe Wasserüberstände erwartet, ist ggf. die Abschottung des Gebäudes durch einen kleinen Damm aus Sandsäcken die einfachste und preiswerteste Lösung. Weitere Informationen: www.bmvbs.de 1

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.): Hoch-

wasserschutzfibel – Objektschutz und bauliche Vorsorge, Berlin 2010.

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MIT DER VOLLEN KRAFT DER SONNE Solar Decathlon Europe 2012

Als internationaler Wettbewerb wird der “SolarDecathlon Europe“ alle zwei Jahre von der spanischen Regierung zusammen mit dem spanischen Bauministerium und der Technischen Universität Madrid ausgelobt. Ziel ist es, ein nachhaltiges Wohnkonzept für zwei Personen zu entwickeln, das sich durch energieeffiziente Technik und die Eigenproduktion von Solarenergie auszeichnet und dadurch den Standard eines Nullenergiehauses erreicht. Zwei deutsche Hochschulteams sind in diesem Jahr für den SolarDecathlon Europe nominiert: die RWTH Aachen mit dem Entwurf Counter Entropy House und die Hochschule Konstanz mit dem Entwurf ECOLAR Home. Insgesamt treten 20 internationale Teams in 10 verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Im September 2012 werden alle 20 Entwürfe in Madrid aufgebaut und von einer unabhängigen Jury bewertet. Beide deutsche Teams werden durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Team RWTH Aachen Counter Entropy House Entwurfskonzept Der Entwurf des Counter Entropy House basiert auf der Idee eines ressourcenschonenden, energieoptimierten Lebenszyklus, bei dem sowohl die Herstellung der Bauteile als auch ihr Transport und die spätere Entsorgung ganzheitlich betrachtet werden. Um die Energiebilanz auf ein Minimum zu reduzieren, soll das Thema “Super-Cycling“ in verschiedenen Varianten im Gebäude umgesetzt werden. Neben Produkten, die aus recyceltem Material bestehen, wird der Entwurf auch durch direktes oder indirektes “Objekt-Recycling“ geprägt. Damit ist die Wiederverwendung bestimmter Gegenstände gemeint, die entweder in ihrer ursprünglichen Funktion eingesetzt werden oder eine Umnutzung erfahren. Diese architektonische Lösung in Kombination mit einer innovativen Gebäudetechnik ermöglicht einen geringen Primärenergiebedarf für die Herstellung und den Betrieb des Hauses. Architektur Das Counter Entropy House schafft eine Balance zwischen schlichter Formsprache, Funktionalität und Kreativität im Umgang mit dem Thema Recycling. Dabei spielt die Integration der Gebäudetechnik in den architektonischen Entwurf eine wichtige Rolle. Das zentrale Merkmal des Gebäudes ist das quadratische “Klimadach“. Mit fast 150m² Grundfläche dient es neben dem Schutz vor Sonne und Regen der solaren Energiegewinnung.

Team RWTH Aachen: Zentrales Merkmal des „Counter Entropy House“ ist das quadratische Klimadach (Rendering: Maksim König)

Der Innenraum wird durch 5 Funktionsblöcke gebildet. Neben dem öffentlicheren Teil mit Koch-, Ess- und Wohnbereich gibt es einen privateren Schlaf- und Arbeitsbereich mit Bad. Eine Verschiebung dieser Teile generiert geschützte Innen- und Außenräume und ermöglicht gezielte Ausblicke. Die Glasfassaden lassen sich vollständig öffnen und in den Funktionsblöcken verstauen, wodurch ein fließender Übergang zwischen Innen- und Außenraum geschaffen wird. Zudem lässt sich der Wohnraum auf diese Weise um den überdachten Außenbereich erweitern. Die Funktionsblöcke fungieren auch als konstruktive Elemente. Um bei Bedarf einen großen, multifunktionalen Raum zu generieren, können sämtliche freistehende Möbelelemente in ihnen verstaut werden. Energiekonzept Das Energiekonzept beruht auf 4 regenerativen Ebenen. Dabei ist zuerst die Umwandlung von Strahlungsenergie in elektrische Energie zu nennen. Hierfür werden DünnschichtPhotovoltaik-Module eingesetzt, die den Vorteil bieten, dass für ihre Produktion weniger Silicium und damit graue Energie verbraucht wird als für die Herstellung kristalliner Module. Die geringeren Erträge der Dünnschicht-Module können durch die große Dachfläche ausgeglichen werden, sodass eine positive elektrische Energiebilanz gewährleistet ist. Das Counter Entropy House wird so weit wie möglich mit thermischen, regenerativen Methoden beheizt und gekühlt. Auf eine konventionelle, mechanische Wärmepumpe als primären Teil der Gebäudetechnik wird verzichtet und stattdessen

Team RWTH Aachen: Der Innenraum des „Counter Entropy House“ wird durch insgesamt 5 Funktionsblöcke strukturiert, die gleichzeitig auch das konstruktive Gerüst bilden (Rendering: Maksim König)


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eine weitreichende Nutzung von Solarthermie vorgesehen, um die für die Klimatisierung benötigte Energie bereitzustellen. Auch im Hinblick auf das Leitmotiv „Counter Entropy“ ist dieses Vorgehen sinnvoll, da eine möglichst umweltfreundliche Produktionskette angestrebt wird. Hier bietet die Solarthermie deutliche Vorteile gegenüber einer ausschließlichen Nutzung von Photovoltaik. Die für die Beheizung notwendige thermische Energie wird über effiziente Vakuumröhrenkollektoren bereitgestellt. Für die Trinkwarmwasserbereitstellung, die Gebäudeheizung sowie die Anwendung in anderen Hausgeräten soll Wärme auf unterschiedlichen Temperaturniveaus gespeichert werden. Die für die Kühlleistung des Hauses benötigte Energie wird ebenfalls zu einem großen Teil durch Strahlungsenergie abgeführt. Hierzu wird ein offenes System zur nächtlichen Strahlungskühlung an den PV-Modulen installiert. Durch die Berieselung mit am Tage im Haus erwärmtem Wasser findet ein Strahlungsaustausch mit dem klaren Nachthimmel statt. So kann Wasser auf Temperaturen von ca. 10-12°C gekühlt werden und in einem Kältetank gespeichert werden. Im Counter Entropy House ist dieser zusätzlich mit PCM-Matten (Phase Changing Material) bestückt, um die Speicherkapazität auf engem Bauraum zu erhöhen. Die behagliche Konditionierung des Raums mit Wärme und Kälte wird durch zwei verschiedene Systeme bewerkstelligt. Zum einen ist eine selbst entwickelte Klimadecke installiert, die über zwei getrennte Fluidkreisläufe Wärme in den Raum bringen und abführen kann. Hierbei werden sowohl der angenehme Effekt der Strahlung als auch der der Konvektion für den Wärmeübergang genutzt. Das zweite System ist ein Klimagerät, mit dem sich neben der Raumtemperatur auch die Feuchte und der CO2-Gehalt der Raumluft regeln lassen. Die Heizenergie für das Gerät kommt wie bei der Klimadecke von der Solarthermieanlage, eine zusätzliche Kühlleistung kann hier über eine adiabate Verdunstungskühlung der Abluft erreicht werden, wofür Regenwasser verwendet wird. Um Wärmeverluste soweit wie möglich zu vermeiden und die Gesamteffizienz des Systems zu erhöhen, ist in das Klimagerät ein regeneratives Wärmerückgewinnungssystem integriert, mit dem auch ein Umluftbetrieb möglich ist.

Um die Raumtemperatur auf einem gleichmäßigeren Niveau halten zu können, wird als passive Maßnahme im gesamten Haus PCM verbaut. Die Anordnung der zu öffnenden Fenster ermöglicht eine nächtliche Querlüftung, wodurch sich das über den Tag aufgeladene PCM wieder entladen kann.

Team Hochschule Konstanz: Das „ECOLAR Home“ besteht aus einer Holzkonstruktion, deren Träger und Stützen als Hohlkastenprofile ausgebildet sind (Rendering: Jakob Winter)

Team Hochschule Konstanz: Der Innenraum des „ECOLAR Home“ wird durch den „Superschrank“ bestimmt, der alle Funktionen des täglichen Lebens erfüllt (Rendering: Jakob Winter)

Ein Steuerungssystem erlaubt den Bewohnern, ihr Haus via Internet extern und intern zu steuern. Auf diese Weise können Parameter wie Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt der Luft oder die Temperatur festgelegt werden und der Komfort wie auch die Sicherheit erhöht werden. Durch die Auswertung des Energieflusses ist es möglich, zu Hause oder unterwegs Daten zu Verbrauch und Einsparpotenzialen abzurufen. Hendrik Leiwe, Alexandra Schmitz, Christine Wolff

Team Hochschule Konstanz ECOLAR Home Entwurfskonzept Beim Entwurf des ECOLAR Home standen zwei Grundsätze im Vordergrund: Modularität und Flexibilität. Wie bei einem Baukasten gibt es wenige standardisierte Elemente, aus denen sich beliebig viele Varianten gestalten und nachträglich wieder auseinander nehmen lassen. Basierend auf einem bestimmten Grundraster können unterschiedliche Raumkonfigurationen für verschiedenste Nutzungen entstehen und jederzeit verändert werden. Nach dem Motto: Ändert sich dein Leben, ändert sich dein Haus! Da alle Elemente als Fertigbauteile mit hoher Genauigkeit vorproduziert werden, können Zeit, Geld und Material sehr effizient genutzt werden. Architektur Das ECOLAR Home besteht aus 6 Modulen, von denen 4 als Innenräume und 2 als Freibereiche ausgebildet werden. Die Fassaden zu den Höfen sind verglast und ermöglichen eine optimale Nutzung des Tageslichts. Die Höfe selbst sollen durch einen Sonnenschutz abgeschirmt werden können.


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Alle übrigen Außenwände werden opak oder transluzent gestaltet und sind gemeinsam mit dem Dach die Hauptenergielieferanten. Denn die komplette Dachfläche und ein Großteil der Fassade werden solar aktiviert, wobei die Photovoltaik-Module als wasserführende Schicht dienen. Formal wird das Dach als Flachdach ausgebildet. Es löst sich jedoch durch eine Fuge vom eigentlichen Gebäudekörper ab. Das gibt ihm gestalterisch mehr Bedeutung und lässt es filigraner erscheinen. Innenraum Das modulare und flexible Konzept wird im Innenraum durch den „Superschrank“ fortgesetzt. Dieser besteht aus raumhohen Modulen und enthält alle notwendigen Funktionen für das tägliche Leben. Von den Möbeln über die Nasszelle bis hin zur Technik verschwindet alles in den Wänden. Auch der Schrank ist auf auf einem Raster angelegt, denn jeder Nutzer soll sich seinen Superschrank selbst zusammenstellen oder die einzelnen Module austauschen können. Die Küche ist ebenfalls integriert und fügt sich formal in die geschwungene Form ein. Auf diese Weise entsteht ein flexibler Raum, der sich den Bedürfnissen und Launen der Bewohner immer wieder neu anpasst. Es wird Wert auf eine komfortable Ausstattung, auf ökologische Materialien und auf Bedienerfreundlichkeit gelegt. Tageslicht und helle Farben steigern das Wohlbefinden. Die künstliche Belichtung ist so konzipiert, dass stets eine behagliche Wohn- oder Arbeitsatmosphäre herrscht. Sorgfältig verarbeitetes Holz ist nicht nur optisch ansprechend, es dient auch der Raumakustik. Der Einsatz von Lehm in der Decke reguliert auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit. Außenraum Jedes Team hat in Madrid nur ein kleines Grundstück für den Aufbau seines Entwurfs zur Verfügung. Trotzdem soll ein Bezug zur Heimat hergestellt und ein „Stück Bodensee“ mit nach Madrid genommen werden. Daher wird es typische Merkmale wie Wasser oder klassische Holzstege geben.

Ändert sich dein Leben, ändert sich dein Haus: Das Team der Hochschule Konstanz entwickelt im Rahmen des Solar Decathlon Europe 2012 ein Gebäude, das aus wenigen standardisierten Elementen besteht und gleichzeitig den Nullenergie-Standard erfüllt (Rendering: Jakob Winter)

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Konstruktion Das Baukasten-Prinzip verlangt eine hohe Passgenauigkeit aller Bauteile und spezielle Lösungen für die Verbindungen. Gleichzeitig stehen die Marktfähigkeit und die Nachhaltigkeit des Entwurfs im Vordergrund. Das ECOLAR Home besteht deshalb aus einer Holzkonstruktion, deren Träger und Stützen als Hohlkastenprofile ausgebildet werden. Mit geringem Materialaufwand kann so eine sehr hohe Tragfähigkeit erreicht werden. Zusätzlich haben die einzelnen Teile ein recht geringes Eigengewicht, was das Handling auf der Baustelle und die Montage erleichtert. Außerdem könnten die Hohlräume der Stützen und Träger gedämmt werden. Energiekonzept Das Dach ist das Kraftwerk des Hauses. Die komplette Fläche wird mit Photovoltaik-Modulen belegt, und selbst über den Freibereichen werden semitransparente Solarzellen eingesetzt. Die Fuge zwischen dem Dach und dem Gebäude sorgt dafür, dass die Photovoltaik-Module hinterlüftet werden. Zusätzlich ist die Anlage Wasser hinterführt. Nachts kann die am Tage im Innenraum angesammelte Wärme über dieses System an die Umgebung abgegeben werden. Tagsüber kann durch die Kühlung der Photovoltaik-Anlage die Effizienz der Module gesteigert werden. Eine weitere wichtige Komponente des passiven Systems ist die Decke. An ihr befinden sich mit PCM (Phase Change Material) angereicherte Lehmplatten. Sie können die Hitze aus der Luft des Innenraums aufnehmen und auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit regulieren. Auch das Fassadenelement der Firma LUCIDO ist ein intelligentes Bauteil. Seine Speziallamellen sind in der Lage, die solaren Erträge im Winter zu speichern. Durch diesen Wärmepuffer wird dann die Dämmung unterstützt. In Extremfällen kann dem passiven System ein Klimakompaktgerät zugeschaltet werden, das sowohl die Heizung als auch die Kühlung aktiv unterstützen wird. Die primäre Wärme- und Kälteübertragung im Haus erfolgt über den Fußboden. Über Ein- und Auslässe im Superschrank wird die Luftzufuhr bzw. -abfuhr gewährleistet. Die Lüftung wird zusätzlich thermisch aktiviert und kann das Heiz- und Kühlsystem unterstützen. Alle technischen Komponenten befinden sich im Superschrank. Für sie wird eine elektrische Steuerung über nur ein Gerät angestrebt. Dadurch soll auch die Kontrolle der Anzeige für Erträge und Verbräuche vereinfacht werden. Um dem Nachhaltigkeitsgedanken treu zu bleiben, wird das Abwasser durch eine Filteranlage aufbereitet, um dann als Grauwasser für die WC-Spülung wieder verwendet zu werden. Dem Grauwassertank kann auch das Regenwasser zugeführt werden. Bettina Grosshardt, Linda Wenninger


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Die Klimaschutzziele der Bundesregierung sehen im Gebäudebereich bis 2020 Energieeinsparungen von 19 % gegenüber 2005 vor. Da sich dieses Ziel alleine mit Neubauten nicht erreichen lässt, kommt der energetischen Sanierung des Gebäudebestands eine wichtige Rolle zu. Dass die Modernisierung von Bestandsgebäuden sogar Vorteile gegenüber Abriss und Ersatzneubau haben kann, lässt sich durch eine Ökobilanz, wie sie von der TU Darmstadt für das VELUX LichtAktiv Haus in Hamburg beispielhaft durchgeführt wurde, belegen.

BAUEN UND WOHNEN DER ZUKUNFT LichtAktiv Haus in Hamburg

Experiment Model Home 2020 Mit dem LichtAktiv Haus zeigt VELUX im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg, wie sich höchster Wohnwert bei gleichzeitiger Energieautarkie auch im Bestand verwirklichen lässt. Die Modernisierung eines typischen Siedlerhauses aus den 1950er Jahren ist Teil des internationalen VELUX Experiments Model Home 2020, in dessen Rahmen das Unternehmen auf der Suche nach dem Bauen und Wohnen der Zukunft europaweit 6 Konzepthäuser umsetzt. Beim deutschen Beitrag handelt es sich um eine in Hamburg Wilhelmsburg gelegene Doppelhaushälfte, die nach neuesten Erkenntnissen gedämmt und modernisiert wurde. Außerdem wurde das Konzepthaus um einen neu errichteten Anbau erweitert. Dieser bietet nicht nur zusätzliche Wohnfläche, sondern steht auch im Mittelpunkt des innovativen Energiekonzepts. Die auf dem Dach des Anbaus installierten Photovoltaik- und Solarthermie-Module erzeugen in Kombination mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe die im LichtAktiv Haus für Heizung, Warmwasser und Strom benötigte Energie. Um bei der späteren Auswertung des Experiments die Umweltwirkungen des LichtAktiv Hauses ganzheitlich darstellen zu können, beauftragte VELUX bereits in der Planungsphase Joost Hartwig vom Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen an der TU Darmstadt mit der Erstellung einer Ökobilanz. Ganzheitliche Betrachtung Eine solche ganzheitliche Betrachtung berücksichtigt neben dem Energieverbrauch im Betrieb auch die Umweltwirkungen der Gebäudekonstruktion. In die Berechnungen fließen deshalb alle Stoff- und Energieströme ein, die für die Produktion der Baumaterialien und für den Bauprozess selbst sowie für den Abriss und die Entsorgung des Gebäudes anfallen. Hinzu

kommen die Aufwendungen für die Instandhaltung und die Energieverbräuche während der Gebäudenutzung. Im ersten Schritt werden all diese Stoff- und Energieströme im Rahmen einer sogenannten Sachbilanz erfasst und dann ihre Umweltwirkungen für unterschiedliche Wirkungskategorien, wie z. B. ihr Treibhaus- oder Ozonabbaupotenzial, berechnet. Damit ermöglicht die Auswertung der Ökobilanz sowohl eine Betrachtung der Umweltwirkungen des Gebäudes als Ganzes als auch die Betrachtung einzelner Bauelemente. DGNB-Verfahren gewährleistet Vergleichbarkeit Für die Erstellung der Ökobilanz des LichtAktiv Hauses nutzte die TU Darmstadt das „Vereinfachte Verfahren“ der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Dieses enthält Vorgaben zur Vereinheitlichung der Untersuchung. Unter anderem erlaubt es die DGNB-Methode, Stöße und Verschneidungen mit anderen Bauteilen bei der Sachbilanz zu vernachlässigen. Ausgeglichen wird diese Vereinfachung mit einem pauschalen Aufschlag von 10 %. Zudem ermöglicht das Verfahren den Vergleich mit einem von der DGNB definierten Referenzgebäude. Bei diesem handelt es sich um ein durchschnittliches Vergleichsgebäude, das zur besseren Einordnung der Ergebnisse der Ökobilanz dient. Für die Gebäudekonstruktion gelten dabei feste Referenzwerte, und für den Gebäudebetrieb werden die Endenergieverbräuche des Referenzgebäudes mit einem konventionellen Heizsystem nachgebildet. Für die Erstellung der Sachbilanz des LichtAktiv Hauses wurden zunächst die Regelaufbauten wie Wände inklusive Türen und Fenster sowie Bodenplatten, Geschossdecken und Dach erfasst. Anschließend wurden die Ergebnisse der Sachbilanz mit den entsprechenden Ökobilanzdaten verknüpft und so die Umweltwirkungen der Konstruktion berechnet.


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Das LichtAktiv Haus ist der deutsche Beitrag zum europaweiten Projekt VELUX Model Home 2020 (Foto: VELUX Deutschland GmbH / Adam Mørk)

Das Bestandsgebäude (rechts) blieb so weit wie möglich erhalten, der neu errichtete Anbau (links) schafft zusätzlichen Wohnraum (Foto: VELUX Deutschland GmbH / Adam Mørk)

Zusätzlich zu den Umweltwirkungen der Konstruktion wurde auch der Energiebedarf im LichtAktiv Haus während der Nutzungsdauer in die Ökobilanz einbezogen. Dem auf Basis der EnEV-Berechnung kalkulierten Stromverbrauch für Wärmeerzeugung und Haushaltsstrom von insgesamt 220.710 kWh über den angenommenen Zeitraum von 50 Jahren steht photovoltaisch erzeugter Strom in Höhe von 392.980 kWh gegenüber. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Strom-Überschuss in Höhe von 132.270 kWh, der in das lokale Netz eingespeist wird. Das LichtAktiv Haus ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass ein Plusenergiehaus nicht unbedingt ein Neubau sein muss.

unter denen des Referenzgebäudes liegen. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem die Nutzung der vorhandenen Primärstruktur des Bestandsgebäudes – also Wände, Bodenplatte und Zwischendecken –, denn diese gehen in der Regel aufgrund ihrer Masse mit einem Beitrag von etwa 50 % in die meisten Wirkungskategorien ein. Da sie beim LichtAktiv Haus zum größten Teil nicht mehr errichtet werden mussten und daher ohne Umweltwirkungen in die Bilanz eingehen, wird die Gesamtbilanz für das LichtAktiv Haus entsprechend reduziert. Auch die konsequente Ausführung des neuen Anbaus als Holzbau wirkt sich in der Gesamtbilanz äußerst positiv aus, da die Vorteile von Holzwerkstoffen der Bilanz gutgeschrieben werden. Die größten Umweltwirkungen des Neubaus resultieren dementsprechend aus der massiven und massereichen Bodenplatte. Zudem deckt das LichtAktiv Haus seinen gesamten Energiebedarf mit erneuerbaren Energien und produziert dank des intelligenten Energiekonzeptes im Betrieb mehr Energie, als von seinen Bewohnern und dem Gebäude selbst theoretisch verbraucht wird. Der überschüssige Strom wird in das Stromnetz eingespeist und der Ökobilanz des LichtAktiv Hauses in den entsprechenden Wirkungskategorien gutgeschrieben, da er die Erzeugung von Strom aus anderen, nicht regenerativen Quellen vermeidet. Dies führt dazu, dass auch die Emissionen, die durch Herstellung, Instandhaltung und Entsorgung der Gebäudekonstruktion anfallen, mit fortschreitendem Betrieb rein rechnerisch abgebaut werden. So erreicht das LichtAktiv Haus beispielsweise nach 26 Jahren ein neutrales Treibhauspotenzial – d.h. alle Treibhausgasemissionen, die bei Herstellung, Instandhaltung und Ent-

Ökobilanz bestätigt Vorteile Für die Auswertung der Ökobilanz wurden alle errechneten Umweltwirkungen auf 1 m² Nettogrundfläche heruntergebrochen und im Vergleich mit dem Referenzgebäude dargestellt. Dabei zeigt sich, dass die Umweltwirkungen des LichtAktiv Hauses in allen betrachteten Wirkungskategorien deutlich

Raumteilende Möbel schaffen im Anbau Platz für einen Wohn-, Koch- und Essbereich und garantieren ein Höchstmaß an Variabilität und Nutzungsfreiheit (Foto: VELUX Deutschland GmbH / Adam Mørk)


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Die auf dem Dach des Anbaus installierten Photovoltaik- und SolarthermieModule erzeugen in Kombination mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe die im LichtAktiv Haus für Heizung, Warmwasser und Strom benötigte Energie (Foto: VELUX Deutschland GmbH)

sorgung anfallen, werden bis dahin in entsprechender Menge eingespart. Im Gegensatz dazu erreicht das konventionelle DGNB-Referenzgebäude nie ein neutrales Treibhauspotenzial, da es innerhalb seiner Betriebszeit nur Energie verbraucht und selbst keine erzeugt. Selbst mit der gleichen Photovoltaikanlage wie auf dem LichtAktiv Haus würde es beim DGNBReferenzgebäude auf Grund der höheren Umweltwirkungen der Gebäudekonstruktion mindestens doppelt so lange dauern, bis ein neutrales Treibhauspotenzial erreicht wäre.

Sowohl im Altbau (oben) als auch im neu errichteten Anbau (unten) erfolgt der Luftwechsel durch die Kräfte der Natur. Besonders effektiv ist die Frischluftzufuhr, wenn sich synchron mehrere Fassaden- und Dachfenster öffnen. Durch natürliches Klimatisieren wird auch ohne mechanische Klimaanlage ein angenehmes Raumklima zu jeder Jahreszeit geschaffen. (Grafiken: VELUX Deutschland GmbH)

Fazit Mit dem LichtAktiv Haus Experiment gibt VELUX einen Ausblick auf das Bauen und Wohnen der Zukunft und zeigt beispielhaft, dass sich durch innovative Modernisierung höchste Energieeffizienz auch im Bestand verwirklichen lässt. Zudem belegt die von der TU Darmstadt erstellte Ökobilanz, dass die Umweltwirkungen des LichtAktiv Hauses erheblich geringer sind als die des DGNB Referenzgebäudes und sogar im Verlauf des Lebenszyklus des Gebäudes teilweise oder sogar vollständig ausgeglichen werden. Damit stellt das modernisierte Siedlerhaus unter den gegebenen Umständen ein ökologisches Optimum dar und unterstützt die Annahme, dass die umfangreiche Modernisierung eines Bestandsgebäudes deutliche Vorteile gegenüber einem konventionellen Neubau haben kann. Betrachtet man zudem den sanierungsbedürftigen Gebäudebestand als quasi unerschöpfliche Ressource, wird deutlich, welche Relevanz die Ökobilanz des LichtAktiv Haus für Planer, Besitzer oder Käufer von Immobilien haben kann. Astrid Unger

VELUX LichtAktiv Haus Entwurfsplanung: TU Darmstadt FGee, Prof. Manfred Hegger Konzept: Katharina Fey (TU-Darmstadt) Architekten: Ostermann Architekten Energiekonzept: HL-Technik, Prof. Klaus Daniels Lichtkonzept: Prof. Peter Andres PLDA Statik: TSB-Ingenieure, Prof. Karsten Tichelmann Partner der VKR-Gruppe: Sonnenkraft, Velfac, WindowMaster Kooperationspartner: Eternit, Gira, Grohe, Keramag, Knauf, Knauf Insulation, Metten, Nolte Küchen, Somfy

Das LichtAktiv Haus deckt seinen gesamten Energiebedarf mit erneuerbaren Energien (Grafik: VELUX Deutschland GmbH)


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ÜBERSCHÜSSIGE ENERGIE Mit dem „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in der Berliner Innenstadt ein bewohnbares Mustergebäude realisiert, das mehr Strom erzeugt als es verbraucht. Mit der überschüssigen Energie werden die zum Haushalt gehörigen Elektrofahrzeuge versorgt. Ab März 2012 bewohnt eine Testfamilie das Gebäude, und ein Monitoring beginnt. Das Effizienzhaus Plus verkörpert alle Faktoren, die für ein energieeffizientes Gebäude von zentraler Bedeutung sind: • Optimierte städtebauliche Ausrichtung • Größtmögliche Kompaktheit • Maximierung der Energiegewinne und Minimierung der Wärmeverluste durch die Gebäudehülle • Optimierung der Gebäudetechnik ohne Komfortverlust für den Nutzer • Deckung des Energiebedarfs durch erneuerbare, lokal erzeugte Energien Das in Holztafelbauweise errichtete Gebäude ist modular aufgebaut und kann bei Bedarf völlig anderen Anforderungen angepasst werden. Entlang der vollständig verglasten Ost- und Westfassade dienen Stahlstützen als zusätzliche Auflager für die Decken- und Dachkonstruktion. Südseitig sind die geschlossenen Fassaden mit hinterlüfteten Dünnschicht-Photovoltaik-Modulen, nordseitig mit optisch angeglichenen, jedoch nicht Strom erzeugenden Gläsern verkleidet. Die Gläser bestehen aus einer Dreifach-Isolierverglasung, deren Zwischenraum mit Argon gefüllt ist. Die Dachfläche ist nahezu vollflächig mit monokristallinen PhotovoltaikModulen belegt. Für die Innenausstattung kamen ökologisch verträgliche Materialien und Produkte zum Einsatz, die möglichst rückstandsfrei recycelt werden können. Die erforderliche Energie wird aus zwei Quellen gewonnen. Eine hocheffiziente Luft-Wasser-Wärmepumpe gewinnt die im Winter notwendige Heizenergie aus der Außenluft. Die Photovoltaikpaneele auf dem Dach und an der Südfassade erzeugen Strom. Der Energiebedarf des Effizienzhaus Plus beträgt voraussichtlich weniger als 10.000 kWh/a. Für den Energieertrag werden mehr als 16.000 kWh/a prognostiziert. Der Überschuss in Höhe von rund 6.000 kWh/a kann entweder für die Elektromobilität verwendet oder in der

Effizienzhaus Plus in Berlin (Alle Fotos: BMVBS / Schwarz)

hauseigenen Batterie zwischengespeichert oder auch in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist werden. Im Rahmen eines Monitoringprogramms werden die Energieströme messtechnisch erfasst und energetisch bewertet. Übers Jahr aufsummiert soll der mit der Photovoltaikanlage erreichte Stromgewinn größer sein als der Gesamtstromverbrauch für Wohnen und Elektromobilität. Der Entwurf für das Effizienzhaus Plus entstand im Rahmen eines vom BMVBS 2010 ausgelobten Wettbewerbs, aus dem die Universität Stuttgart mit dem Büro Werner Sobek als 1. Preisträger hervorgegangen war. Die Fraunhofer Gesellschaft übernimmt die wissenschaftliche Begleitung des Gesamtprojekts. Nach der Projektlaufzeit von 2-3 Jahren wird das gesamte Gebäude rückgebaut, und alle Materialien werden wieder in den Stoffkreislauf eingegliedert. Weitere Informationen: www.bmvbs.de


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Das im Herbst 2011 fertig gestellte Verwaltungsgebäude für die World Intellectual Property Organisation (WIPO) liegt unweit des Genfer Sees im Internationalen Viertel von Genf, in unmittelbarer Nähe des bestehenden WIPO-Hauptquartiers am Platz der Nationen. Die Planung stammt von Behnisch Architekten, Stuttgart.

BLAUE FARBWELLE

Neues WIPO-Verwaltungsgebäude in Genf, im Hintergrund das WIPOHauptquartier (Foto: Stephen Mettler)

WIPO-Verwaltungsgebäude in Genf Architektonische Idee Als internationale Organisation, deren Aufgabe der Schutz des geistigen Eigentums ist, versteht sich die WIPO als dynamische Organisation, und so ist Bewegtheit ein wesentliches Merkmal des Gebäudes. Das beginnt bei der Fassade in über 10 Blautönen, die das Gebäude wie eine Farbwelle umhüllen. Das Blau ist eine Referenz an das bestehende WIPO-Hauptquartier und an die Farbe der Vereinten Nationen. Orte der Kommunikation Um drei großzügige Atrien und entlang der Außenfassaden sind die Büros für gut 500 Mitarbeiter so angeordnet, dass sie von zwei Seiten Tageslicht erhalten. Zweigeschossige Innengärten und offene Treppen bieten zusammen mit den Orten der Begegnung in den Bürogeschossen vielfältige Möglichkeiten für informelle Kommunikation. Duftende Pflanzen sowie die Farben und Materialien der Böden und Möbel entfalten in jedem Atrium eine besondere Raumwirkung. Durch das erste und zweite Atrium zieht sich ein Wasserbecken, in dem sich die innere Welt leicht bewegt spiegelt.

Das Grundstück ist umgeben von altem Baumbestand, parkähnlichen Gärten und Wohnbebauung (Foto: David Matthiessen)

Nutzung und Erschließung Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant mit 300 Plätzen und Konferenzbereiche mit Dolmetscherkabinen. Die Bibliothek liegt im 1. Obergeschoss. Rein intern zu nutzende Bereiche wie Archive, Anlieferung, Parkplätze, technische Anlagen etc. befinden sich in den Untergeschossen. Ein Verbindungsgang mit Spiegel- und Leuchtwänden und verglasten Oberlichtern verbindet das neue Verwaltungsgebäude mit dem bestehenden Gebäudekomplex. Zwischen Neu- und Altbau wurden 5 unterirdische Geschosse mit weiteren Parkplätzen realisiert. Energiekonzept Das Gebäude ist nachhaltig konzipiert und nutzt das Wasser des Genfer Sees zur Kühlung. Die Betonbodendecken im Erdgeschoss sind thermisch aktiviert, Abluft entweicht in die Atrien. Büros und öffentliche Bereiche sind weitgehend natürlich belichtet. Zusätzlich sorgen gesteuerte Lamellen auf den Atriumdächern für eine optimierte Tageslichtausnutzung. Hoch isolierte Glasfassaden mit innenliegendem Blendschutz kontrollieren den Wärmeeintrag auf natürliche Weise. Renate Blauth

Mittleres Atrium mit Wasserbecken (Foto: David Matthiessen)

PROJEKTDATEN Bauherr: WIPO / OMPI World Intellectual Property Organization Planung: Behnisch Architekten Ausführungsplanung und Objektüberwachung: Behnisch Architekten mit Hofmeister Architekten Bauzeit: 2000 (Wettbewerb, 1. Preis) – 2011 Nutzfläche: 47.140 m² Umbauter Raum: 190.253 m³


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Güterverkehrszentrum Ingolstadt: Dach aus 1.728 Photovoltaik-Glasmodulen (Foto: pbb Planung + Projektsteuerung GmbH

GRÖSSTES SOLARGLASDACH DER WELT Anfang 2012 ist im Güterverkehrszentrum (GVZ) Ingolstadt das größte Solarglasdach der Welt in Betrieb gegangen. Mitte November 2011 wurde das letzte von 1.728 Modulen auf dem Bogendach des Gleisanschlusses der drei neuen GVZ II-Hallen eingesetzt. Das Dach wurde als Vollglasfläche ohne klassischen Dachunterbau mit dem Solarstromglas Voltarlux von Arnold Glas realisiert. Mit dem Bau des GVZ begann die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Ingolstadt (IFG) bereits vor 16 Jahren. Inzwischen zählt es zu den führenden Einrichtungen seiner Art in Europa. In Bayerns zentralstem Logistikzentrum werden derzeit auf rund 38 ha Nutzfläche über 4.000 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits in den vergangenen Jahren wurden beim Bau von zwei weiteren Hallen und dem Hotel auf rund 4.500 m² Fläche Photovoltaik-Glasscheiben als Fassadenelemente und Fensterscheiben eingesetzt. Das Material stammte damals wie heute vom Unternehmen Arnold Glas, einem der führenden Glasveredler Europas mit einem großen Produktionsstandort im bayerischen Merkendorf. Den Einbau übernahm das Verglasungsunternehmen Helfer aus Burgheim. Dank Wärmepumpe, Erdspeicher und intelligenter Energieverteilung überzeugt das GVZ auch unter ökologischen Gesichts-

Die einzelnen Panels haben eine Größe von 5,7 m² und erbringen eine Leistung von jeweils 435 W/Peak

punkten. Der wichtigste Grund für seine Vorreiterrolle ist jedoch seine solare Architektur. Die neue von der Ingolstädter pbb Planung + Projektsteuerung GmbH konzipierte Gleishalle hat eine Dachgesamtfläche von 11.600 m². Auf 9.900 m² wurde Photovoltaik-Glas der neuen ASI-Technologie mit einer Panelgröße von jeweils 5,7 m² eingesetzt. Die Photovoltaik-Module im so genannten Full-Size Format (2200 x 2600 mm) stammen vom thüringischen Dünnschichtspezialisten Masdar PV. Das modifizierte Halbzeug auf Glas-Glas-Basis wurde von Arnold Glas aufgerüstet für den Einsatz in die Gebäudeintegration. Im Unterschied zu herkömmlichen Solarzellen ist Voltarlux ein Verbundglas, welches an Kundenwünsche und bauseitige Anforderungen individuell angepasst werden kann. Die integrierte ASI-Solarschicht ist 50- bis 100-mal dünner als ein menschliches Haar. 1.728 Panels à 435 W/Peak erbringen eine Gesamtleistung von 752 kW/Peak. Voltarlux erzeugt nicht nur Energie, sondern hilft auch, diese einzusparen, da sich das Spezialglas wie jedes andere Verbundsicherheitsglas auch als Überkopfverglasung einsetzen lässt. Dadurch steht darunter Tageslicht zur Verfügung, was bei einer konventionellen Dachkonstruktion mit aufgesetzter Photovoltaikanlage gar nicht erst möglich wäre. Voltarlux kann wahlweise auch als Wärmeschutzglas, Schallschutzglas oder Brandschutzglas ausgeführt werden – als Wärmeschutzglas beispielsweise mit einem ausgezeichneten U-Wert von bis zu 0,5 W/m2K. Hierdurch lässt sich, zusätzlich zum produzierten elektrischen Strom, Wärme- und Kühlenergie einsparen. Diverse Farbkombinationen stehen dabei zur individuellen Gestaltung zur Verfügung. Das breite Portfolio der Voltarlux Solargläser kann in senkrechte Fassaden ebenso integriert werden wie in Dächer. Arnold Glas ist somit mit seinen Partnern Masdar PV und Schott Solar in der Lage, gebäudeintegrierte Photovoltaik für nahezu jeden Anwendungsbereich herzustellen.

Glaswerke Arnold GmbH & Co. KG Neuseser Straße 1 91732 Merkendorf www.arnold-glas.de


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Mit der wasserdichten Gebäudetür FLOODTIGHT hat der Hamburger Schiffbau-Zulieferer Schoenrock Hydraulik Marine Systems erstmals wasserdichte Flutschutztüren auf den Markt gebracht. Damit reagiert das Unternehmen auf den hohen Bedarf an Flutschutzmaßnahmen in hochwassergefährdeten Gebieten.

PERFEKTER FLUTSCHUTZ Wasserdichte Gebäudetür Auf die Hochwassermeldungen der vergangenen Monate aus einigen Teilen Deutschlands und der Welt hat das Unternehmen Schoenrock reagiert und ein neues Produkt auf den Markt gebracht: „Mit unserer wasserdichten Gebäudetür FLOODTIGHT bieten wir den perfekten Flutschutz für alle Gebäudetypen in hochwassergefährdeten Gebieten“, sagt Schoenrock-Geschäftsführer Dr. Volker Behrens. Den ersten Auftrag hat Schoenrock bereits erhalten. Für einen Restaurantneubau in der Hamburger HafenCity liefert das Unternehmen 9 FLOODTIGHT-Türen, die das Gebäude vor Hochwasserschäden schützen sollen. Der Neubau soll noch im Jahr 2012 fertiggestellt werden. Weitere Projekte sind bereits in der Konzept- und Umsetzungsphase. „Bei der Entwicklung von FLOODTIGHT konnten wir von unserer langjährigen Erfahrung im Schiffbau profitieren“, erklärt Behrens. Die Tür ist in ihrer Ausführung bisher weltweit einzigartig und im Vergleich zu anderen Konstruktionen leicht, kann optisch an die jeweilige Gebäudearchitektur angepasst werden und lässt sich problemlos nicht nur in neue Gebäude einbauen, sondern auch in bestehende Bauten nachrüsten. Es besteht außerdem die Möglichkeit, die Steuerung der Tür in ein digitales Gebäudemanagementsystem zu integrieren. Ein Elektroantrieb erlaubt die einfache Bedienung sowohl von innen als auch von außen oder ferngesteuert. Optional ist sie auch mit einem manuellen Kurbel-Antrieb erhältlich. Je nach Kundenwunsch ist FLOODTIGHT in verschiedenen Größen und auch in doppelflügeliger Ausführung lieferbar. Sie hält einem Wassersäulendruck von bis zu 10 m stand und besitzt eine Leckrate von nahezu Null.

Die neue Gebäudetür FLOODTIGHT bietet den perfekten Flutschutz für Neu- und Altbauten (Simulation: Schoenrock/Visual Services)

Jahrzehntelange Erfahrung mit wasserdichten Türen Schoenrock Hydraulik Marine Systems GmbH mit Hauptsitz in Schenefeld bei Hamburg ist einer der weltweit führenden Schiffbauzulieferer im Bereich wasserdichter Schott-Türen und Lüftungsklappen. Das Unternehmen rüstet seit rund 60 Jahren Handels- und Passagierschiffe, Fähren, Kreuzfahrtschiffe, Yachten sowie Spezialschiffe und Offshore-Anlagen aus. Die Kompetenzen liegen in der Konstruktion und Fertigung von anspruchsvollen „Turn-Key“-Projekten, die exakt auf die Anforderungen der Kunden ausgerichtet sind. Dieses Know-how kommt auch den neuen FLOODTIGHT-Gebäudetüren uneingeschränkt zu Gute. Schoenrock Hydraulik Marine Systems GmbH Hasselbinnen 11 22869 Schenefeld www.schoenrock-hydraulik.com

FLOODTIGHT hält einem Wassersäulendruck von bis zu 10 m stand und besitzt eine Leckrate von nahezu Null (Simulation: Schoenrock/Visual Services)


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ÖKOLOGISCH WOHNEN AM HANG Im oberfränkischen Pegnitz errichtete das Architekturbüro Volker Schwab inmitten einer Bergarbeitersiedlung aus den 1950er Jahren ein großzügiges und zugleich schlicht gehaltenes Einfamilienhaus. Zum Einsatz kamen mineralische Produkte aus dem Hause KEIMFARBEN. Geometrische Baukörper Der Bauplatz liegt an einem sonnigen Südhang und bietet freien Blick auf die Stadt Pegnitz bis hin zum Schlossberg mit seinem markanten Aussichtsturm. Ausgehend von der Vorliebe des Bauherrn für geometrische Formen entstand ein Bauwerk, dessen einfache und klare Architektur einen harmonischen Bezug zur umgebenden Landschaft herstellt. Zwei um 900 zueinander verdrehte Baukörper setzen sich außen durch ihre Materialität und Konstruktion voneinander ab, das Innere wird bestimmt durch die Abtreppung des Grundrisses und eine offene Raumgliederung, die in verschiedene Funktionszonen unterteilt ist. Offener Grundriss Die Bauweise folgt dem Geländeverlauf; dies ermöglicht einen offenen Grundriss mit interessanten Blickbeziehungen und klarer Organisation der Bereiche, die auf Trennwände verzichten kann.

Die raumhohen Glasflächen lassen viel Tageslicht ins Haus und geben den Blick frei auf die Natur. Erschlossen wird das Gebäude straßenseitig durch einen überdachten Eingangsbereich, der ins Erdgeschoss führt. Hier bilden Küche und Essplatz den Abschluss einer offenen Raumfolge mit Eingang, Garderobe und Vorratsraum. Drei Stufen tiefer liegt der großzügige, nach Südwesten orientierte Wohnbereich mit Kamin und dem eigens entworfenen Stückholzofen, der gemeinsam mit der Solaranlage den gesamten Energieverbrauch des Hauses deckt. Eine einläufige Betonfertigteiltreppe führt hinauf ins Obergeschoss, wo sich die Privaträume befinden. Ein horizontales Fensterband eröffnet den traumhaften Ausblick in die Landschaft nach Westen und Süden. Oberflächen Alle Innenräume wurden mit mineralischen Farben gestrichen, wobei die Entscheidung bewusst auf die ökologische Wohnraumfarbe KEIM Biosil® gefallen war. Wichtig war neben bauphysikalisch optimalen Eigenschaften und der für Allergiker geeigneten Formulierung ohne Zusatz von Lösungsmitteln und Weichmachern auch die ästhetische Qualität von KEIM Biosil® mit seiner mineralisch-matten Oberfläche.


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Die rechtwinklig zueinander verdrehten Bauteile bilden einen geschützten Terrassenbereich

Effiziente Fassadendämmung Die äußere Erscheinung des fein gegliederten Gebäudes ist schlicht und konzentriert. Konstruktive Elemente bestehen im Wesentlichen aus kerngedämmten Sichtbetonfertigteilen und Ortbeton; durch Eckverglasungen, große Glasflächen und horizontale Holzverschalungen werden sie allseitig strukturiert. Die Ausführung mit Betonfertigteilen erforderte eine akribische Werkplanung, ermöglichte aber trotz des späten Baubeginns Anfang November die Fertigstellung der Rohbauarbeiten noch vor Jahresende. Mit der Drehung des weiß verputzten Obergeschossriegels entstanden eine überdachte Eingangssituation zur Straße hin und auf der gegenüber liegenden Südwestseite ein geschützter Terrassenbereich. Der Baukörper wurde aus Ortbeton gefertigt und mit dem Wärmedämmverbundsystem WDVS Klassik EPS der Firma KEIMFARBEN versehen. Der Aufbau mit 20 bzw. 25 cm EPS-Dämmplatten und Armierungsspachtel sowie mineralischem Oberputz und einem zweifachen Anstrich mit der Sol-Silikatfarbe KEIM Soldalit® sorgen für eine effiziente Fassadendämmung mit unerreichbar hoher Lebensdauer. Sämtliche Sichtbetonbauteile wurden zum Schutz vor Wasser, saurem Regen und atmosphärischer Verschmutzung mit KEIM Lotexan®-N beschichtet, einem farblosen, hydrophobierenden Schlussanstrich auf Siloxanbasis.

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Beton, Holz, Glas und Putz – die unterschiedliche Materialität unterstreicht die Trennung der Funktionen

Der eigens geplante Stückholzofen fungiert als Raumteiler zwischen Küche und Wohnbereich

Küche und Essplatz bilden den Abschluss einer offenen Raumfolge mit Eingang, Garderobe und Vorratsraum

KEIMFARBEN GmbH & CO.KG Keimstraße 16 86420 Diedorf www.keimfarben.de

Raumhohe Glasflächen lassen viel Tageslicht ins Haus


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In der neuen „Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek“ zentriert die schleswig-holsteinische Gemeinde Halstenbek ihre Schulstandorte. Wichtige Anforderungen an den Neubau waren gute Umgebungs- und Lernbedingungen in den Klassenräumen und hohe Energieeffizienz. Erreicht werden diese Ziele auch durch das Dezentrale Pumpensystem Wilo-Geniax der WILO SE, das die Wärmeverteilung in den Schulräumen regelt.

ENERGIEEFFIZIENTE HEIZUNGSREGELUNG Die Schule wurde als Public Private Partnership-Projekt von der Goldbeck Public Partner GmbH errichtet, die das Gebäude auch 22 Jahre weiter betreiben und instand halten wird. Seit September 2011 kann die Gemeinde das Gebäude nutzen. Rund 11.100 m² Nutzfläche verteilt auf mehrere Gebäudeflügel bieten Platz für rund 900 Schüler. Außerdem ist in dem Gebäude das Jugendzentrum „A 23“ untergebracht. Entworfen wurde der Schulbau vom Büro Dohle + Lohse Architekten aus Braunschweig. Gemeinsam mit der Goldbeck Public Partner GmbH schufen sie die Voraussetzungen für wirtschaftlichen Gebäudebetrieb, hohe Energieeffizienz sowie hohen Komfort und gesunde Umgebungsbedingungen in den Schulräumen. Die Schule wird über Fernwärme mit Wärme versorgt. Es gibt zwei Mischerkreise, die von je einer eigenen, direkt am Verteiler der Fernwärmestation montierten Wilo-Stratos HE-Zubringerpumpe eingespeist werden. Die Verteilung der Wärme in den Räumen wird über das Dezentrale Pumpensystem Wilo-Geniax gesteuert. Beim Dezentralen Pumpensystem WiloGeniax hat jeder Heizkreis eine eigene hocheffiziente Miniaturpumpe, die das Heizwasser fördert. Jeder Heizkreis erhält nur soviel Heizenergie, wie

Geniax-Pumpen (Foto: TEMA AG)

im Raum benötigt wird. Der Hydraulische Abgleich wird durch die einmalige Einstellung bei der Inbetriebnahme der Anlage vorgenommen. Zusätzliche Thermostatventile an den Heizflächen entfallen. Gesteuert werden die Miniaturpumpen von einer zentralen Regeleinheit, dem Geniax-Server, der auch bedarfsabhängig für eine optimale Vorlauftemperatur sorgt. Die nötigen Daten erhält der Server von Raumbediengeräten mit Sensoren. Bei Bedarf lässt sich das System später um zusätzliche Pumpen und Bediengeräte erweitern, die dann ebenfalls vom Server verwaltet werden. Das Wärmeverteilsystem der Schule wurde mit vorgefertigter Verteilertechnik mit Wilo-Geniax-Komponenten und einer hydraulischen Weiche je Verteilerschrank realisiert. Neben dem primären WILO-Geniax-Mischerkreis für die Flachheizkörper ist ein weiterer Mischerkreis für die Fußbodenheizung installiert.

takt ein offenes Fenster, schaltet der Geniax-Server die Pumpe(n) zum entsprechenden Raum ab. Der Schulneubau in Halstenbek ist zur Zeit eines der größten Gebäude, in dem die Geniax-Technologie zum Einsatz kommt: Insgesamt sind hier 331 WiloGeniax-Pumpen installiert. Eine besondere Herausforderung stellte das aufwendige Rohr- und Datenleitungsnetz dar, das wegen der großen Längenausdehnung des Gebäudes notwendig ist. Insbesondere galt es, die Rohrreibungsverluste in den Verteilleitungen so gering wie möglich zu halten, um somit auch weit entfernte Heizflächen mit den Miniaturpumpen bedienen zu können. Die Anbindung an das im Gebäude installierte Gebäudeautomationssystem von Kieback&Peter und die Visualisierung der Geniax- Anlagendaten auf den Rechnern der Gebäudeleittechnik des Anlagenbetreibers in Bielefeld erfolgte über ein Geniax-BACnet-Modul.

Die hohe Energieeffizienz durch die bedarfsgeregelte Steuerung (durchschnittliche Heizenergieeinsparung von 20% und Stromeinsparung von 50% gegenüber einem herkömmlichen System) wird durch Fensterkontakte weiter verbessert. Meldet ein Fensterkon-

WILO SE Nortkirchenstraße 100 44263 Dortmund www.wilo.de www.geniax.de

Geniax-Server mit BACnet-Modul (Foto:TEMA AG)

Raumbediengerät (Foto: TEMA AG)


autoren | vorschau | impressum

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Impressum BAUKULTUR – Zeitschrift des DAI 34. Jahrgang ISSN 1862-9571 Herausgeber DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V. DAI Geschäftsstelle c/o KEC Planungsgesellschaft mbH Salzufer 8 10587 Berlin Telefon: +49 (0)30.21 47 31 74 Telefax: +49 (0)30.21 47 31 82 E-Mail: info@dai.org www.dai.org DAI Geschäftsführung Udo Sonnenberg E-Mail: sonnenberg@dai.org DAI Präsidium Prof. Dipl-Ing. Christian Baumgart (Präsident) Dipl.-Ing. Gerd Schnitzspahn (Vizepräsident) Dipl.-Ing. Arnold Ernst (Schatzmeister) Marion Uhrig-Lammersen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) Dr.-Ing. Wolfgang Echelmeyer (Mitgliederbetreuung und Sonderveranstaltungen) Verlag, Gestaltung, Anzeigen VBK Verlag S. Kuballa Verlag für Bau + Kultur Adolf-von-Groß-Str. 15 95445 Bayreuth Telefon: +49 (0)921.99 00 51 53 Telefax: +49 (0)3212.45 26 570 E-Mail: info@vbk-verlag.de www.vbk-verlag.de Gültig ist Anzeigenpreisliste Nr. 6 vom 1.10.2011. Redaktion Susanne Kuballa M.A. (Chefredaktion) Anschrift wie Verlag E-Mail: baukultur@dai.org Druck Benedict Press Vier-Türme GmbH Abtei Münsterschwarzach www.benedictpress.de Der Bezug der Zeitschrift ist im DAI Mitgliedsbeitrag enthalten.

Vorschau Ausgabe 3_2012 >> landBAUKULTUR

Autoren dieser Ausgabe Renate Blauth Behnisch Architekten Öffentlichkeitsarbeit Stuttgart www.behnisch.com Erich Deutschmann AIV Magdeburg, Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit www.aiv-magdeburg.de Bettina Grosshardt Linda Wenninger Mitglieder des SolarDecathlon Team 2012 der Hochschule Konstanz www.ecolar.de Bernhard Heitele Bundesstiftung Baukultur Freie Projektmitarbeit Berlin www.bundesstiftung-baukultur.de Hendrik Leiwe Alexandra Schmitz Christine Wolff Mitglieder des SolarDecathlon Team 2012 der RWTH Aachen www.solar.arch.rwth-aachen.de

DAI Kooperationspartner

Druckauflage: 4.500 Exemplare (IVW II/2011)

Dr. Lars Meeß-Olsohn Ruhrländischer AIV zu Essen, Mitglied Atelier leichtbaukunst Netzwerk Textile-Architektur.de Velbert-Langenberg www.leichtbaukunst.de www.textile-architektur.de Dirk Pagels BetonMarketing West Leitung Öffentlichkeitsarbeit Beckum www.beton.org Carsten Roß AIV KölnBonn, Mitglied Bonn www.aiv-koelnbonn.de Astrid Unger VELUX Deutschland GmbH Leitung PR- / Öffentlichkeitsarbeit Hamburg www.velux.de

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BAUKULTUR | Zeitschrift des DAI | März 2012 | Ausgabe 2 | ISSN 1862-9571

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