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Praxisthema

Häusliche Gewalt: erkennen und helfen

Gewalt gegen Frauen  n  In den letzten Jahren hat die öffentliche und politische Wahrnehmung der mannigfachen Formen häuslicher Gewalt gegenüber Frauen und deren gesundheitlichen sowie sozialen Folgen deutlich zugenommen.  n  Studienergebnisse zeigen, dass das Ausmaß von Repressionen gegen Frauen bislang deutlich unterschätzt wurde. Daher ist die erforderliche Wachsamkeit für das Phänomen häuslicher Gewalt – im Bereich der frauenärztlichen und allgemein-medizinischen Praxis – besonders entscheidend und muss weiter aktiviert werden. n  Da Sie als Ärztinnen und Ärzte häufig die ersten Ansprechpartner/innen für die Opfer sind, möchte ich Sie darin bestärken, sich mit der Diagnostik, Dokumentation und den Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt auseinandersetzen.  n  Prof. Dr. Rolf Kreienberg  n  Ärztlicher Direktor Universitätsfrauenklinik Ulm  n  Unterstützer des Modellprojekts „Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen“

Gefördert vom


Was ist häusliche Gewalt?

Wen trifft häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt umfasst – unabhängig vom Tatort – alle Formen der körperlichen, sexuellen und seelischen Gewalt, die zwischen erwachsenen Menschen stattfindet, die in einer nahen Beziehung zueinander stehen oder gestanden haben. Das sind vor allem Personen, die verwandtschaftlich oder z. B. durch Lebensgemeinschaften verbunden sind. Die Tatorte können die eigene Wohnung, aber auch die Arbeitsstelle, öffentliche Plätze, die Kindertagesstätte oder andere sein.

Entgegen vielen Vorurteilen ist häusliche Gewalt gegen Frauen unabhängig vom sozialen Status und kommt in allen Bildungs- und Einkommensschichten vor. Sie lässt sich nicht an vermeintlichen sozialen Auffälligkeiten des Täters/der Täterin bzw. der Familien festmachen.

Welche Formen der häuslichen Gewalt gibt es? Die Gewaltforschung unterscheidet drei Formen der Gewalt, deren Übergänge häufig fließend sind. Physische Gewalt reicht von Schubsen über Schläge, Werfen von Gegenständen bis hin zu Tritten und Knochenbrüchen. Unter psychische Gewalt fallen Drohungen, systematische Demütigungen, Beschimpfungen, Abwertungen, Belästigungen, Verfolgungen, ständige Kontrolle und Unterdrückung. Sexualisierte Gewalt kann das erzwungene Anschauen von Pornografie, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sein. Alle Formen häuslicher Gewalt werden von dem Gewaltschutzgesetz (GewSchG) erfasst und strafrechtlich verfolgt.

Neue Erkenntnisse zeigen, dass Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen in ihrem gesamten Leben allen Formen von Gewalt häufiger ausgesetzt sind als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt:

Es beginnt eine Diskussion zwischen einem Mann und einer Frau S

Nach Ende der Diskussion empfindet der Mann mit Bezug auf Gewalt Scham und Schuldgefühle

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Die Frau ist dem Mann im Reden überlegen oder sie will nicht nachgeben

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Durch die Gewalt gelingt es dem Mann, die Kontrolle über die Situation und über die Frau zu erlangen

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Kreislauf der Gewalt

Der Verlust der Selbstkontrolle führt den Mann zur Anwendung körperlicher Gewalt

 In ihrer Jugend erleben behinderte Frauen zwei- bis dreimal häufiger sexuellen Missbrauch als andere Frauen.

 Behinderte Frauen erleiden als Erwachsene fast doppelt so häufig körperliche Gewalt wie der weibliche BevölkerungsRepräsentative Studien im durchschnitt. Auftrag des Bundesministeriums Frühe Gewalterfür Familie, Senioren, Frauen fahrungen im und Jugend: „Lebenssituation, Leben der Frauen Sicherheit und Gesundheit von tragen maßgebFrauen in Deutschland“ (Müller/ lich zu späteren Schröttle, 2004) und „Lebensgesundheitlichen situation und Belastungen von und psychischen Frauen mit Beeinträchtigungen Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschund Behinderungen land“ (Schröttle/Hornberg, 2011). bei.

Häusliche Gewalt beginnt oder eskaliert nicht selten in Zeiten, die durch Veränderungen in der Lebens- und Beziehungssituation gekennzeichnet sind. Dazu gehören Heirat und Zusammenziehen, Schwangerschaft und Mutterschaft, Alter oder chronische Erkrankung sowie Trennung und Scheidung.

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Nach: Walker, L.: The battered woma n syndrome, 1984.

Zwei Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen erleben schwere bis lebensbedrohliche körperliche und/oder sexuelle Gewalt, die fast nie einmalig bleibt, sondern sich wiederholt.

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Nach einer bestimmten Zeit beginnt der Kreislauf der Gewalt von neuem

 Mindestens jede vierte Frau erlebt in einer Partnerschaft körperliche und/oder sexuelle Gewalt.

 56 Prozent aller behinderten Frauen, die in Einrichtungen leben, haben schon einmal unter sexueller Gewalt gelitten.

Der Mann fühlt, dass er die Kontrolle über die Situation oder über die Frau verliert

Aus dem Verlust der Kontrolle über die Situation oder über die Frau ergibt sich der Verlust der Selbstkontrolle

Die Schlüsselrolle von Ärztinnen und Ärzten Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer Viele gewaltbetroffene Frauen tragen körperliche oder psychische Verletzungen oder deren vielfältige Folgeschäden davon, die medizinischer Versorgung bedürfen. Ärztinnen und Ärzte sind daher häufig erste und oft auch einzige Anlaufstelle. Darin liegt eine große Verantwortung, aber auch eine große Chance zum Durchbrechen der Gewaltspirale. Mit Beschwerden zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen, ist oftmals sehr viel unverfänglicher und leichter zu bewältigen, als eine Hilfsorganisation aufzusuchen. Medizinerinnen und Mediziner genießen hohe Akzeptanz und Vertrauen und sind zeitlich und räumlich schnell zu erreichen. Jedoch berichten viele Frauen nicht von sich aus über die erlittenen Misshandlungen. Sie haben Schuld- oder Schamgefühle, befürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird oder haben Angst, dass die Gewalt durch die Offenbarung weiter eskaliert. Ärztinnen und Ärzte können Zeichen von Gewalt erkennen, ihre Patientin behutsam darauf ansprechen und bei Bedarf gemeinsam mit ihr weitere Schritte zu ihrem Schutz veranlassen. Hierzu bedarf es einer Vernetzung von Ärzten und Ärztinnen mit regionalen und lokalen Institutionen und Einrichtungen, die verlässliche Hilfe für die Opfer leisten und die der Verfolgung der Täter nachgehen.


Häusliche Gewalt

Erkennen,

Mögliche Gewalterfahrung thematisieren Laut einer Umfrage der Begleitforschung zum S.I.G.N.A.L.Interventionsprojekt befürworten 80 Prozent der befragten Frauen eine Routinebefragung zu Gewalt bei medizinischen Untersuchungen. Praxen können Patientinnen ebenfalls Unterstützung bieten, indem sie Informationsmaterial lokaler Hilfsangebote im Warteraum, im Vorraum der Toilette oder in Umkleidekabinen auslegen.

Verletzungen rechtssicher dokumentieren Gesundheitliche Folgen von Gewalt Gewalterfahrungen können die Situation der Betroffenen nachhaltig prägen. Viele Verletzungs- und Krankheitssymptome, aber auch situative Merkmale (Verhaltensweisen) können Hinweise auf aktuell oder zurückliegend erlittene Gewalt sein. Neben kurzfristigen Beeinträchtigungen lassen sich auch mittel- und langfristig somatische, psychosomatische und psychische Folgen bei den Patientinnen feststellen.

„Das S.I.G.N.A.L.-Interventionsprogramm“, Hellbernd, Brzank, Wieners, Maschewsky-Schneider, 2004

Es ist daher wichtig, im Hinblick auf eine ursachenadäquate Behandlung zu berücksichtigen, dass jede Verletzung oder bestimmte und unbestimmte psychische Symptome auch Folge einer Misshandlung sein können.

Gesundheitliche Folgen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen Nicht-tödliche Folgen Körperliche Folgen n Verletzungen n funktionelle Beeinträch tigungen n dauerhafte Behinde rungen Folgen für die reproduktive Gesundheit n Eileiter- und Eierstockentzündungen n sexuell übertragbare Krankheiten n ungewollte Schwangerschaften n Schwangerschafts komplikationen n Fehlgeburten/niedriges Geburtsgewicht

Gesundheitsgefährdende (Überlebens-)Strategien als Folgen n Rauchen n Alkohol- und Drogen missbrauch (Psycho-)somatische Folgen chronisches Schmerzsyndrom n Reizdarmsyndrom n Harnwegsinfektionen n Atemwegsbeschwerden n

Psychische Folgen posttraumatische Belastungsstörungen n Depressionen, Ängste, Schlaf störungen, Panikattacken n Essstörungen n Verlust von Selbstachtung und Selbstwertgefühl n Suizidalität n risikoreiches Sexual verhalten n selbstverletzendes Verhalten n

Tödliche Folgen n n

tödliche Verletzungen     Tötung    

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Mord     Suizid

Bei häuslicher Gewalt kommt der gründlichen Untersuchung und exakten Dokumentation der körperlichen und psychischen Symptome eine entscheidende Rolle zu. Im Falle einer Anzeige oder einer Gerichtsverhandlung dienen die Untersuchungsergebnisse der Beweissicherung und können der Patientin die Situation erleichtern. Die Anforderungen an eine gerichtsverwertbare Dokumentation von Befunden sind sehr hoch, da sie anders als die reguläre ärztliche Dokumentation einem Dritten (in der Regel Juristen) einen Eindruck der erlittenen Verletzungen vermitteln sollen. Bei der Untersuchung ist auf alte und neue Verletzungen zu achten. Auch Verletzungen, die nicht behandlungsbedürftig sind, können Hinweise auf Gewalterfahrungen sein und dazu beitragen, Aussagen der Betroffenen zu unterstützen. Wichtig ist eine klare Trennung der Beschreibung der Patientin und der eigenen Bewertung und Befunderhebung. Daher sollte der Schwerpunkt der Dokumentation weniger auf „weichen“ Informationen liegen, sondern auf objektiven Befunden, wie z. B.  einzelne Darstellung von aktuellen und älteren Verletzungen  Anzahl und Größe der Verletzungen  Lagebeschreibung zu anatomischen Fixpunkten  Art der Läsionen (Alter, Aussehen, Beschaffenheit)  grafische oder fotografische Dokumentation mit Verwendung eines Lineals  Beschreibung des psychischen Eindrucks, den die Patientin macht Spezielle Dokumentationsbögen bei häuslicher Gewalt unterstützen eine systematische und vollständige Dokumentation. In vielen Bundesländern wurden entsprechende Vorlagen entwickelt und sind z. B. über Landesärztekammern abrufbar.


ansprechen und dokumentieren Zeitbild Medical sprach mit Frau Prof. Dr. Stefanie Ritz-Timme, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf und Repräsentantin einer der Projektleitungen des Modellprojekts „Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen“ (MIGG) Wie kann ein Arzt oder eine Ärztin den Verdacht auf häusliche Gewalt bei einer Patientin ansprechen? Wenn eine Ärztin oder ein Arzt den Verdacht hat, ihre oder seine Patientin könnProf. Dr. med. te ein Opfer von Gewalt S. Ritz-Timme geworden sein, dann muss dieser Verdacht angesprochen werden. Geschieht dies nicht, wird die Patientin möglicherweise in ein gewaltbereites Umfeld zurückgehen. Damit wird die Chance verpasst, ihr Wege aus der Gewalt aufzuzeigen. Der Verdacht muss sensibel und empathisch angesprochen werden. Die Ärztin oder der Arzt sollte offen, aber dennoch präzise fragen; vor allem sollte Gewalt klar als Unrecht benannt werden. Lässt sich so ein Gespräch im Praxisalltag integrieren?   Habe ich überhaupt Zeit dafür? Ein Gespräch zum Thema „Gewalterfahrung“ ist sicher eine Herausforderung im ärztlichen Alltag. Die Ärztin oder der Arzt, die/der sich im Studium oder in Weiter- bzw. Fortbildung mit der Thematik auseinandergesetzt hat, weiß, wie in dieser Situation vorzugehen ist und kann im Praxisalltag professionell damit umgehen. Heute werden Kommunikationstrainings und Fortbildungsmaßnahmen an den meisten medizinischen Fakultäten bereits im Studium angeboten, zum Teil auch sehr konkret zum Thema „Umgang mit Gewaltopfern“.

„Red Flags“

Welche Unterstützung kann ein Arzt oder eine Ärztin bieten? Ärztinnen und Ärzten kommt eine große Bedeutung in der Versorgung von Gewaltopfern zu. Sie übernehmen insbesondere folgende Aufgaben: Stellung der Diagnose „Zustand nach Gewalterleben“ n Versorgung physischer Ver letzungen n Behandlung psychischer Folgen von Gewalterleben n Gerichtsfeste Dokumentation von Verletzungen und gegebenenfalls Sicherung biologischer Spuren n Vermittlung betroffener Patientinnen in psychosoziale Unterstützungsangebote n

Nicht jede Ärztin oder jeder Arzt kann dieses gesamte Aufgabenspektrum in toto abbilden. Aber das innovative Modellprojekt MIGG hat gezeigt, dass es für Ärztinnen und Ärzte auch im lebhaften Praxisalltag möglich ist, den Bedürfnissen gewaltbetroffener Patientinnen gerecht zu werden. Die erarbeiteten Materialien unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei der Aus- und Weiterbildung und regen sie an, sich mit entsprechenden Kolleginnen und Kollegen sowie Einrichtungen der Opferhilfe vor Ort zu vernetzen, damit eine angemessene Weitervermittlung gelingt.

Tipps zur Gesprächsführung  Schaffen Sie eine ruhige und sichere Atmosphäre.  Führen Sie das Gespräch unter vier Augen.  Ziehen Sie für ein Gespräch mit Patientinnen, die keine oder kaum Deutschkenntnisse haben oder die gehörlos sind, eine professionelle Sprach- oder Gebärdendolmetscherin hinzu.  Stellen Sie einfache und konkrete Fragen.  Informieren Sie sich über Hilfsangebote vor Ort.  Erläutern Sie der Patientin die Bedeutung einer gerichtsfesten Dokumentation der Befunde.  Respektieren Sie, wenn die Patientin ein Gesprächsangebot oder die Vermittlung an ein weiterführendes Unterstützungsangebot ablehnt.  Klären Sie das Schutzbedürfnis der Patientin. Eine Übersicht über Unterstützungsangebote vor Ort finden Sie auf der Webseite www.frauen-gegen-gewalt.de.

sind Warnzeichen für ein mögliches Vorliegen von häuslicher Gewalt. Treten mehrere der folgenden Indikatoren gleichzeitig auf, ist Aufmerksamkeit geboten:

 chronische Beschwerden, die keine offensichtliche physische Ursache haben  Verletzungen, die nicht mit der Erklärung, wie sie entstanden sind, übereinstimmen  verschiedene Verletzungen in unterschiedlichen Heilungsstadien

 ein Partner, der übermäßig aufmerksam ist, kontrolliert und sich weigert, von der Seite der Frau zu weichen  physische Verletzungen während der Schwangerschaft, später Beginn der Schwangerschaftsvorsorge  häufige Fehlgeburten

 häufige Suizidversuche und -gedanken  Verzögerung zwischen Zeitpunkt der Verletzung und Aufsuchen der Behandlung  chronisch reizbare Magen- und Darmstörungen  chronische Beckenschmerzen  übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum


Beraten und helfen Intervention in der Praxis

Hilfen für betroffene Frauen

Christoph Junge, Arzt für Allgemeinmedizin aus Herdecke, Teilnehmer am Modellprojekt MIGG

Neben der Behandlung akuter Verletzungen steht die Sicherheit der Patientin an erster Stelle. Daher gehört das Abklären des Schutzbedürfnisses, Aufzeigen von konkreten Unterstützungsangeboten vor Ort sowie die (pro-)aktive Weitervermittlung zur Intervention gegen Gewalt, um betroffenen Patientinnen zu helfen.

Mit den Interventionsstandards ist eine sehr gute Grundlage gelegt, auf der sich allerdings bei einiger Erfahrung durchaus Erweiterungen aufbauen lassen. Konkret heißt dies, dass ich in vielen Situationen die Leitlinien verlasse, um individueller auf die Patienten einzugehen, die natürlich nicht immer Bedürfnisse haben, die die Standards vorgeben. Einige Traumaopfer brauchen erst ein öffnendes Gespräch, bevor man z. B. Verletzungen dokumentiert. Das wird sonst schnell gefährlich „übergriffig“ – also erneute Verletzung. Einer anderen Patientin ist eher damit geholfen, dass die Verletzungen rasch sauber dokumentiert werden. Sie ist noch gar nicht in der Lage, viel zu besprechen und geht vor nach der Taktik „Ohren anlegen und durch“. Das kann man dann aber ansprechen: „Mir scheint, Sie haben es eilig und wollen rasch zum Ende kommen. Es könnte allerdings nicht unwichtig sein, dass Sie auch Gelegenheit bekommen, über alles zu sprechen, wenn Sie das möchten. Sie können darauf zurückkommen, wenn Sie es wünschen. Sie dürfen das gerne – aber Sie müssen es nicht.“ Hiermit wird die Frau/der Mann (fürs Bewusstsein fast unmerklich) in die Lage versetzt, selbst entscheiden zu dürfen. Ihre/seine Selbstbestimmung war ja bei der Traumatisierung mit Füßen getreten worden, und hier wird sie wieder geachtet. Manche atmen plötzlich tief durch als Zeichen dafür, dass die Botschaft angekommen ist, dass ein wenig Last abgenommen wurde. Fast zwangsläufig verlässt man die Standards, sobald man individuell vorgeht. Trotzdem sollte man die Interventionsstandards gut kennen, denn ohne sie kommt man nur schwer weiter, allein reichen sie dennoch oft nicht aus.

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen Unter der kostenfreien Rufnummer 08000 116 016 ist ab sofort das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen rund um die Uhr erreichbar. Kostenlos, mehrsprachig, barrierefrei und anonym stehen kompetente Ansprechpartnerinnen Frauen bei allen Fragen zur Seite. Weitere Informationen: www.hilfetelefon.de.

Gewaltbetroffene, die Hilfe suchen, können auf ein dichtes Netz an Hilfeeinrichtungen wie Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen, Frauennotrufe, Interventionsstellen, Kriseneinrichtungen und natürlich auf Justiz und Polizei zurückgreifen. Gerade weil es sich oftmals um wiederkehrende Gewalttaten handelt, ist eine längerfristige, qualifizierte Unterstützung sehr wichtig , die die Möglichkeiten eines/r niedergelassenen Arztes/Ärztin übersteigt. Sehr hilfreich ist, wenn betroffene Frauen bereits in der Arztpraxis die Kontakte der Einrichtungen vor Ort bekommen. Ein relativ neues Arbeitsfeld sind zudem Täterprogramme, die verhaltensändernde Maßnahmen beinhalten und die von Täterarbeitseinrichtungen angeboten werden. Die Kurse für gewalttätige Männer zeigen erste Erfolge. Allerdings ist oftmals äußerer Druck, wie z. B. eine Weisung des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft nötig, um die Männer zu einer Teilnahme zu bewegen. Täter häuslicher Gewalt sowie deren soziales Umfeld können sich auch an Männerberatungsstellen wenden.

www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.8.5585 Viele Landesärztekammern bieten Fortbildungen, Handlungsleitfäden zur Intervention und regionale Adressen an. www.frauen-gegen-gewalt.de Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe mit vielen Informationen und Direktsuche zu Unterstützungseinrichtungen vor Ort. www.frauenhauskoordinierung.de Direkte Frauenhaussuche sowie Materialien zur Frauenhausarbeit und zum Thema Gewalt. www.bag-täterarbeit.com Interkultureller Dachverband für Täterarbeitseinrichtungen häuslicher Gewalt. www.4Uman.info Interaktive Webseite, die zeigt, wie Männer Beziehungsstress vorbeugen können und wo sie Beratungsstellen finden.


Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen (MIGG) Ein Modellprojekt unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, das Thema häusliche Gewalt gegen Frauen im Praxisalltag zu integrieren.

Im Rahmen des Modellprojekts MIGG des Bundesfamilienministeriums von 2008 bis 2011 wurden 140 Ärztinnen und Ärzte an fünf Modellstandorten für den fachgerechten Umgang mit gewaltbelasteten Patientinnen in ihrer Praxis geschult und wissenschaftlich begleitet. Träger des Modellprojekts waren das Institut für Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf (Modellstandorte Düsseldorf, Kiel und München), S.I.G.N.A.L. e.V. (Berlin) sowie das GESINE-Netzwerk (Ennepe-Ruhr-Kreis). Sie haben die Arztpraxen qualifiziert und fortgebildet, den Aufbau von Netzwerken gefördert und Materialien für die ärztliche Praxis erstellt. Aus den Ergebnissen des Modellprogramms wurde für die Praxen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ein bedarfsbezogenes Interventionsprogramm entwickelt, mit dem die ambulante medizinische Versorgung von gewaltbetroffenen Patientinnen nachhaltig verbessert werden soll. Niedergelassene Praxen sollen besser in die Interventionskette gegen häusliche und sexualisierte Gewalt eingebunden werden. Der Implementierungsleitfaden unterstützt Ärztinnen und Ärzte mit Handlungsempfehlungen und vielen Goodpractice-Beispielen der Modellträger bei der Einführung der Interventionsstandards in ihre Praxen. Der Leitfaden gibt anhand zahlreicher Beispiele und Links praktische Hilfestellungen in den folgenden Bereichen:  Gewalterfahrungen und Folgen von Gewalt erkennen und kompetent ansprechen.  Die gesundheitlichen Folgen von Gewalt gerichts verwertbar dokumentieren.  Hilfen zum Schutz und zur Beendigung der Gewalt durch Zusammenarbeit und Vernetzung mit Hilfeeinrichtungen, Justiz und Polizei in der Region vermitteln.  Die Sicherheit für Patientinnen und Praxisteam in der Praxis gewährleisten.  Grenzen der Unterstützung gewaltbetroffener Patientinnen im ärztlichen Praxisalltag akzeptieren. Den Implementierungsleitfaden erhalten Sie zum Download unter www.bmfsfj.de und www.gesundheit-und-gewalt.de.

Impressum: Das Zeitbild Medical entstand mit Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). V.i.S.d.P.: Bernd Woischnik, Zeitbild Stiftung, Reichenbachstraße 1, 80469 München, Dezember 2012. Gesamtherstellung: Zeitbild Stiftung. Redaktion und Text: Kerstin Brümmer. Bildnachweis: Institute für Rechtsmedizin der Unikliniken Kiel+Lübeck: S. 3 (Zeichnung); iStockphoto: S. 3, S. 5; Photocase: S. 1; Privat: S. 4. Druck: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, Meckenheim. Printed in Germany. Die enthaltenen Texte sind urheberrechtlich geschützt. Eine kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet. Wir erklären mit Blick auf die genannten Internet-Links, dass wir keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und Inhalte der Seiten haben und uns die Inhalte nicht zu eigen machen.

Linktipps www.gesundheit-und-gewalt.de Übersichtsseite, die die Ergebnisse des MIGG-Projekts und die Angebote der Projektpartner vorstellt. Angebote der MIGG-Projektpartner Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote der Projektpartner GESINE und S.I.G.N.A.L. sowie weitere Informationen zum Thema: www.uniklinik-duesseldorf.de/unternehmen/institute/ institut-fuer-rechtsmedizin/forschungsschwerpunkte/ haeusliche-gewalt/migg-projekt/ www.signal-intervention.de www.gesine-intervention.de Weitere Informationen und Dokumente www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Gleichstellung/frauen-vor-gewaltschuetzen.html Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend www.dggg.de/leitlinien/aktuelle-leitlinien (1.8.4: Häusliche Gewalt) Stellungnahme und Dokumentationsbögen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe www.frauengesundheit-nrw.de/ges_them/gewalt.htm Materialsammlung zum Thema „Gewalt und gesundheitliche Vorsorge“ www.kv-on.de/html/605.php Video und Hintergrundinformationen der Kassenärztlichen Vereinigungen


Häusliche Gewalt: Sprechen Sie darüber!

Häusliche Gewalt: keine Privatsache! Gewalt gegen Frauen ist keine Seltenheit und kann jede treffen – unabhängig von Alter, Bildungsstand, Einkommen und Herkunft! Jede vierte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den Partner, jede siebte erfährt sexuelle Gewalt.

Häusliche Gewalt: Es gibt Hilfe! Häusliche Gewalt: macht krank! Laut Weltgesundheitsorganisation gehört Gewalt zu den größten Gesundheitsrisiken für Frauen. Sie leiden nicht nur unter den sichtbaren körperlichen Verletzungen, sondern auch unter seelischen Beschwerden und deren langfristigen Folgen für die Gesundheit wie z. B. Kopfschmerzen, chronische Magen-Darm-Probleme, Angstzustände, Depressionen. Gefördert vom

Keine Frau muss Gewalt aushalten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat ein offenes Ohr und kann körperliche und seelische Beschwerden richtig behandeln bzw. Ihnen sagen, wo Sie konkrete Hilfe erhalten. Beratungsstellen, Frauenhäuser, Polizei und Justiz bieten Ihnen Schutz, qualifizierte Beratung und Unterstützung, um sich aus der Gewaltsituation zu lösen.


Gewalt hat viele Gesichter Liebe Leserinnen, jeder Mensch hat ein Recht darauf, gewaltfrei zu leben. Es gibt viele Gründe, dieses Recht einzufordern und schmerzhafte Einschränkungen der persönlichen Entfaltung durch Gewalt nicht hinzunehmen. Doch viele Frauen schweigen lange, wenn sie Opfer häuslicher Gewalt werden. Sie fühlen sich hilflos und scheuen sich aus Scham und Angst, Hilfe zu suchen. So setzen sie sich weiter der Gewalt aus, und oft leiden auch ihre Kinder. Ich möchte betroffene Frauen ermutigen, mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu sprechen. Sie können direkt helfen und kennen Beratungsstellen, die den Weg aus der Gewalt weisen. In jedem Bundesland gibt es entsprechende Angebote. Zurzeit richtet die Bundesregierung zudem ein bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ein. Frauen, die unter Gewalt leiden, aber auch Menschen aus dem sozialen Umfeld gewaltbetroffener Frauen können die Notrufnummer mit mehrsprachigem Angebot ab Frühjahr 2013 rund um die Uhr kostenfrei erreichen. Sie erhalten dort anonym und vertraulich eine erste Beratung und Kontakt zu passenden Unterstützungs­einrichtungen. Der Weg aus der Gewalt beginnt mit dem ersten Schritt. Mit diesem ersten Schritt, zum Beispiel einem Gespräch mit dem Hausarzt oder der Gynäkologin, kommen Selbstvertrauen und Mut zu­rück. Dann folgen die nächsten Schritte – immer in Begleitung professioneller Hilfe. Ich kann betroffenen Frauen nur raten: Nehmen Sie diese Hilfen in Anspruch! Auf Ihrem Weg in ein gewaltfreies Leben lassen wir Sie nicht allein!

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Häusliche Gewalt umfasst – unabhängig vom Tatort – alle Formen der körperlichen, sexuellen und seelischen Gewalt, die zwischen erwachsenen Menschen stattfindet, die in einer nahen Beziehung zueinander stehen oder gestanden haben. Das sind vor allem Personen, die verwandtschaftlich oder z. B. durch Lebensgemeinschaften verbunden sind. Die Tatorte können die eigene Wohnung, aber auch die Arbeitsstelle, öffentliche Plätze, die Kindertagesstätte oder andere sein. Gewalt in einer Partnerschaft oder innerhalb der Familie hat viele Gesichter. Sie trifft überwiegend Frauen und wird zumeist von Männern ausgeübt. Sie reicht von körperlichen Angriffen wie Schubsen oder Schlagen bis hin zu erzwungenen sexuellen Handlungen und psychischer Gewalt wie Demütigungen, Verfolgung, ständige Kontrolle oder Beleidigungen durch den Partner/die Partnerin. Viele Frauen schämen sich für die erlebte Gewalt, fühlen sich mitschuldig, und es fällt ihnen schwer, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Daher bleiben die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und Zusammenhänge oft auch Ärztinnen und Ärzten verborgen. So kann es sogar zu Fehlbehandlungen kommen, da chronisch wiederkehrende Beschwerden oft jahrelang nicht in Zusammenhang mit Gewalterfahrungen der Patientin gebracht werden können.

Simone, 26:

„Ich halte den Druck nicht mehr aus!“

Endlich hatte ich meinen Traummann gefunden. Sven war groß, schlank und unwahrscheinlich liebevoll. Ich habe es genossen, dass er alles mit mir zusammen machen wollte. Irgendwann fühlte ich mich jedoch sehr eingeengt, denn nicht mal meine Freundinnen durfte ich allein treffen. Waren wir mit anderen unterwegs, machte er ständig abfällige Kommentare über mich und mein Äußeres. Aber als ich gemerkt habe, dass er sogar meine E-Mails und SMS kontrolliert, wusste ich nicht mehr weiter. Es war wie in einem Gefängnis. Ich habe mich meiner besten Freundin anvertraut, und sie hat mich zu einer Beratungsstelle begleitet. Zum Glück!


Annabel, 37:

„Wenn ich mal nicht wollte, wurde er gleich aggressiv.“ Marcel und ich waren schon fast acht Jahre zus ammen und hatten eine süße Tochte r. Es war immer noch seh r schön, wir haben viel unterno mmen und uns sehr gu t verstanden. Nur im Bett klapp te es nicht mehr so rec ht. Ich hatte oft nicht so sehr Lust au f Sex, aber habe ihm zul iebe meist mitgemacht. Einmal wo llte ich gar nicht, da drü ckte er mich aufs Bett, hielt meine Handgelenke, bis es sch merzte, und zwang mich, mit ihm zu schlafen. Heute weiß ich , dass es eine Vergewaltigung wa r, damals dachte ich, es gehört ja vielleicht irgendwie da zu. Es ist immer öfter vor gekommen, dass er brutal wurde un d mich zum Sex gezwu ngen hat. Ich habe mich in Grund un d Boden geschämt. Um den Schmerz und die Demütigung ert ragen zu können, habe ich immer mehr geraucht und get runken. Natürlich litt da runter das ganze Familienleben. Als dann meine Tochter in der Schule immer schlechter wurde , habe ich gewusst, ich muss etwas ändern, und habe mich meinem Frauenarzt an vertraut.

Linda, 53:

„Mit einer Ohrfeige fing alles an …“ Wir waren glücklich verheiratet und hatten vor einiger Zeit ein Haus gekauft. Dann bekam mein Mann das Angebot, die Arbeitsstelle zu wechseln und deutlich mehr zu verdienen. Dass er am Anfang gestresst und oft abgespannt war, habe ich ja verstanden. Aber es wurde nicht besser. Wenn ich ihn nach der Arbeit gefragt habe, schrie er mich an, und an einem Abend hat er mir eine geknallt. Er war selbst ganz schockiert, weinte und entschuldigte sich. Am nächsten Tag hat er mir nach langer Zeit wieder Blumen mitgebracht und versprochen, es komme nie wieder vor. Nach kurzer Zeit jedoch passierte es wieder, und es wurde mit jedem Mal schlimmer. Ich hatte schon Magenschmerzen, wenn ich wusste, er kommt gleich nach Hause. Ich fragte mich: Wie wird seine Laune sein? Musste ich zum Arzt, habe ich gewartet, bis die blauen Flecke und Blutergüsse weg waren, oder habe versucht, sie zu verstecken. Meine Frauenärztin hat sie dann doch bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Sie hat mir nicht geglaubt, dass ich gestürzt bin, und ganz direkt nachgefragt, ob mich jemand schlägt. Das war der Moment, in dem alles aus mir herausbrach und ich mich endlich jemandem anvertrauen konnte.

Zahlen und Fakten Gewalt kann Frauen jeden Alters und in allen Bevölkerungsschichten treffen: n 37 Prozent erleben mindestens einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt. n Jede siebte Frau erlebt Formen sexueller Gewalt. n 40 Prozent erleben – unabhängig vom Täter-Opfer-Kontext – körperliche und/oder sexuelle Gewalt nach dem 16. Lebensjahr. n 58 Prozent erleben unterschiedliche Formen sexueller Belästigung. n Zwei Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen erleben schwere bis lebensbedrohliche körperliche und/oder sexuelle Gewalt, die fast nie einmalig bleibt, sondern sich wiederholt. Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen sind in ihrem gesamten Leben allen Formen von Gewalt häufiger ausgesetzt als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt: n In ihrer Jugend erleben sie zwei- bis dreimal häufiger sexuellen Missbrauch als andere Frauen. n Als Erwachsene erleiden sie fast doppelt so häufig körperliche Gewalt wie der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Oft tritt Gewalt erstmals in Zusammenhang mit besonderen Lebenssituationen auf: bei Schwangerschaft und Geburt, Trennung oder Scheidung.


Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben, sind erbärmlich. Unterschiedliche Ansichten zu haben, Konflikte auszutragen und auch Streit gehören zu einer Beziehung. Aber es gibt Grenzen, die nie – ich wiederhole: niemals! – überschritten werden dürfen. Die körperliche Integrität ist eine solche Grenze. Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt gegen Frauen. Frauen neigen leider häufig dazu, Schuld bei sich selbst zu suchen. „Ich habe ihn ja auch provoziert, er hatte einen harten Tag, ich muss mir mehr Mühe geben, ich sollte keine Widerworte geben usw.“ Gewalt zu erdulden und dann noch Entschuldigungen für ihn zu suchen, das ist der falsche Weg. Frauen sollten nicht darauf setzen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war. Seine – manchmal auch tränenreichen – Entschuldigungen werden ihnen nicht weiterhelfen. Wenn einmal diese Grenze überschritten wurde, geschieht dies auch erneut. Die Hemmschwelle sinkt. Seien Sie kein Opfer. Sie sind nicht schuldig. Holen Sie sich auf jeden Fall Hilfe von außen, denn eines habe ich in meiner Funktion als Schirmherrin „Gewalt gegen Frauen – Nicht mit uns“ leider zu oft schon erleben müssen: Die körperlichen Wunden verheilen irgendwann, doch die seelischen Wunden verschwinden nie. Sie prägen, ja zerstören oft ein ganzes Leben. Wer immer Gewalt erleben muss, darf damit nicht allein bleiben. Diese Verbrechen – und um nichts anderes handelt es sich – geschehen meist in den eigenen vier Wänden; dort, wo Sie sich sicher fühlen sollten. Und wenn diese Gewalt von einem Menschen ausgeht, den Sie lieben und dem Sie vertrauen, ist das gleich doppelt traumatisierend. Vertrauen und Zuneigung werden zerstört. Haben Sie keine Scheu, sich zu offenbaren. Es gibt Hilfe. Sie sind nicht allein.

Regina Halmich

Boxweltmeisterin und Schirmherrin „Gewalt gegen Frauen – Nicht mit uns“

Keine Toleranz bei Gewalt!  Gewalt wird vom Staat nicht toleriert

und ist strafbar. An erster Stelle steht der Schutz des Opfers, und der Grundsatz „Wer schlägt, muss gehen – das Opfer bleibt in der Wohnung“ ist umfassend durch das Gewaltschutzgesetz (GewSchG) geregelt.  Rufen Sie die Polizei, wenn Sie bedroht werden oder wenn jemand bedroht wird! Sie kann den Täter/die Täterin für zehn Tage aus der Wohnung ausweisen. Die Polizei muss einschreiten, sobald sie Kenntnis von einem Fall häuslicher Gewalt hat.  Bei akuter Gewalt können Sie direkt über das Amtsgericht Gewaltschutz beantragen. Dem Täter/der Täterin wird für eine befristete Zeit (i. d. R. einige Monate) untersagt, in der gemeinsamen Wohnung zu leben oder sich dem Opfer zu nähern und Kontakt aufzunehmen.  Daneben gibt es weitere zivilrechtliche Schutzmöglichkeiten für die Opfer von Gewalt, wie Schadensersatz und Schmerzensgeld oder das alleinige Sorgerecht für Kinder.

An wen kann ich mich wenden? Sie können Ihre Ärztin/Ihren Arzt als Vertrauensperson ansprechen. Zusätzlich zu der medizinischen Hilfe gibt es (fast überall) vielfältige Beratungs- und Unterstützungsangebote, an die sich betroffene Frauen, aber auch ihnen nahestehende Personen wenden können – und sollen.

www.hilfetelefon.de www.gewaltschutz.info www.frauen-gegen-gewalt.de www.frauenhauskoordinierung.de www.gesine-intervention.de www.signal-intervention.de www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Gleichstellung/ frauen-vor-gewalt-schuetzen.html

Impressum: Das Zeitbild Medical entstand mit Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). V.i.S.d.P.: Bernd Woischnik, Zeitbild Stiftung, Reichenbachstraße 1, 80469 München, Dezember 2012. Gesamtherstellung: Zeitbild Stiftung. Redaktion und Text: Kerstin Brümmer. Bildnachweis: BMFSFJ/L. Chaperon: S. 2 links; iStockphoto: S. 3 oben; Photocase: S. 1; Shutterstock: S. 2 rechts, S. 3 unten; Regina Halmich: S. 4. Druck: DCM Druck Center Meckenheim GmbH, Meckenheim. Printed in Germany. Die enthaltenen Texte sind urheberrechtlich geschützt. Eine kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet. Wir erklären mit Blick auf die genannten Internet-Links, dass wir keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und Inhalte der Seiten haben und uns die Inhalte nicht zu eigen machen.


Häusliche Gewalt: erkennen und helfen