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Zebra Kino Januar & Februar 2013


LIEBES PUBLIKUM,

nach der verpassten Apokalypse starten wir das Kinojahr 2013 mit mehreren großen Knällen und einem Filmprogramm, das vor Highlights nur so strotzt. Das Zebra Kino ist seit jeher ein Filmhaus, das sich besonders den Werken junger Filmemacher verschrieben hat. Wir freuen uns daher ganz besonders, dass wir im Januar und Februar mit Am Himmel der Tag, Winterdieb, Dicke Mädchen und Little Thirteen nicht nur vier wunderbare Filme junger Filmschaffender im Programm haben, sondern zu Little Thirteen und Dicke Mädchen auch die Filmemacher selbst im Zebra Kino begrüßen dürfen. David Lynch ist längst nicht mehr jung, doch mit unserer Moonlight Madness im Januar widmen wir uns seinen frühen Werken aus den 1960er und 1970ern. Und weil wir nicht genug von David Lynch bekommen können, zeigen wir auch einen seiner aktuelleren Filme: Mulholland Drive ist unser 147-minütiger Beitrag zur Fasnets-Zeit. Unsere Rückkehr aus der Weihnachtspause könnte ebenfalls bizarrer nicht sein: Symbol ist ein bisschen wie Kafka auf Koks oder Sartre auf Bienenwachs, in jedem Fall ein Erlebnis. Auch haben wir in den beiden Monaten wieder einen Fokus im Programm, der sich dieses Mal mit dem Ende dreier Musikkarrieren auseinandersetzt. Zum Start des Schwerpunkts zeigen wir nicht nur die Doku über LCD Soundsystem, Shut Up and Play The Hits, sondern laden auch gemeinsam mit der Kantine zum Ponyrock am 11. Januar ein. Der Fokus wird mit der Doku Searching For Sugar Man, in der die Geschichte des Funk-Sängers Rodriguez erzählt wird, fortgesetzt. Zum Abschluss des Fokus widmen wir uns der wohl wichtigsten Band der deutschen Musikgeschichte und den Erfindern des Technos: Fraktus. Wir hoffen, da ist einiges an guten Filmen für euch dabei und würden uns freuen, euch zahlreich bei uns begrüßen zu dürfen!

IMPRESSUM

Zebra Kommunales Kino Konstanz e.V. Joseph-Belli-Weg 5 · 78467 Konstanz www.zebra-kino.de Fon 07531 60190 | Programmansage: 07531 60162 Kontakt zur Redaktion per E-mail: info@zebra-kino.de Das Zebra Kino ist Mitglied beim Bundesverband Kommunale Filmarbeit und wird von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der Stadt Konstanz unterstützt. Änderungen im Programm vorbehalten. Geschäftsführer Marco Marrandino Art Direction Marvin Wiechert | Redaktion Marie-Therese Gey, Ulrich von Varnbüler, Marvin Wiechert Druck: Druckerei Otto Konstanz >> Auflage 3 500

NOCH MEHR PROGRAMMHEFTE GIBT'S HIER: Archäologisches Landesmuseum (Benediktinerplatz 5) Bekorn (Rosgartenstr. 29-31) Biowelt (Schneckenburgstr. 4) Bürgerbüro (UNtere Laube 22-24) Exxtra (Hussenstr. 28) Filmgalerie 451 (Theodor-Heuss-Str. 18) Jacques Weindepot (Wollmatinger Str. 183) Koko Entertainment (Bruderturmgasse 4a) Kuyu Kebap (Kreuzlingerstr. 18) Klimperkasten (Bodanstr. 40) Kulturzentrum am Münster (Wessenbergstr. 43) Manuscript (Rheingasse 4) Nadelwerk (Rheingasse 14) Primavino (Carl-benz-Str. 14) Reginbrot (Münzgasse 16) Sedir (Hofhalde 11) Seehas (Wiesenstr. 4) Studio 1 (Obere Laube 64) Volkshochschule (Katzgasse 7) Wegwarte (Cherisystr. 6) Winnys bar (Steinstr. 17a)

Eintrittspreise Normalpreis / Ermässigt Montag ist kinotag Fördermitglieder/innen RASSELBANDE / COA AB

€6/5 €4 €3 €1/2


Januar & Februar 2013 Fr Sa So Mo

04.01. 20:00 05.01. 20:00 06.01. 20:00 07.01. 20:00

Do 10.01. 20:00 Fr 11.01. 19:00 21:15 Sa 12.01. 19:00 21:15 So 13.01. 17:00 20:00 22:15 Mo 14.01. 19:00 21:15 Do 17.01. 20:00 Fr 18.01. 19:00 21:15 Sa 19.01. 21:00 So 20.01. 20:00 Mo 21.01. 19:00 21:15

Do 31.01. 20:00 Fr 01.02. 19:00 Symbol 21:15 Symbol Sa 02.02. 19:00 Symbol 21:15 Am Himmel der Tag So 03.02. 17:00 Symbol 22:15 Fokus Musikfilm Shut up and play Mo 04.02. 19:00 the Hits + Party in der Kantine 21:15 Am Himmel der Tag Do 07.02. Symbol Fr 08.02. 20:00 Coa La Haine Sa 09.02. 20:00 Am Himmel der Tag Shut up and Play the Hits So 10.02. 20:00 Symbol Mo 11.02. 20:00 Am Himmel der Tag Do 14.02. 20:00 Fokus Musikfilm Searching for Fr 15.02. 19:00 Sugar Man Am Himmel der Tag 21:15 Searching for Sugar Man Sa 16.02. 19:00 Moonlight Madness #10: 21:15 The Early David Lynch So 17.02. 17:00 Searching for Sugar Man 20:00 Am Himmel der Tag Mo 18.02. 19:00 Searching for Sugar Man 21:15 Aktueller Film Symbol

Do 24.01. 20:00 Junger deutscher Film Little Thirteen mit Regisseur Christian Klandt

Fr 25.01. 19:00 21:15 Sa 26.01. 19:00 21:15 So 27.01. 17:00 20:00 Mo 28.01. 19:00 21:15

Little Thirteen Fokus Musikfilm Fraktus Fraktus Little Thirteen Rasselbande Unsere Erde Fraktus Little Thirteen Fraktus

Anfahrt Joseph-Belli-Weg 5, Konstanz (Cherisy-Areal) Bus: Linie 2/3/12, Haltestelle "Fürstenberg" Bahn: Seehas-Haltestelle "Konstanz-Fürstenberg"

Offizielle Premiere Wake in Fright

Fraktus Wake in Fright Wake in Fright Fraktus Rasselbande Sams im Glück Fraktus Wake in Fright Fraktus Ho narro! Spielfrei

Mulholland Drive Mulholland Drive Mulholland Drive Mulholland Drive Theaterkooperation Winterdieb Weltenbummler Beasts of the

Southern Wild Winterdieb Winterdieb Beasts of the Southern Wild Coa Invictus Beasts of the Southern Wild Winterdieb Beasts of the Southern Wild

Do 21.02. 20:00 Junger dt. Film Dicke Mädchen mit Regisseur Axel Ranisch

Fr 22.02. 19:00 21:15 Sa 23.02. 19:00 21:15 So 24.02. 20:00 Mo 25.02. 19:00 21:15

Beasts of the Southern Wild Dicke Mädchen Beasts of the Southern Wild Dicke Mädchen Beasts of the Southern Wild Dicke Mädchen Beasts of the Southern Wild

Kurzfilme im Vorprogramm 04.01.-14.01. >> Schnee von gestern D 1999, 2:04 min 15.01.-19.12. >> Careful with that axe Nze 2008, 2:00 min 31.01.-11.02. >> Careful with that Crossbow Nze 2010; 1:45 min 14.02.-25.02. >> Shit happens Schweden 1993; 1:45 min


4<< Los geht's

Symbol SPIELTERMINe: 04.-14.01. >> Japanisch mit deutschen Untertiteln JAP 2009; 93 Min.; Regie & buch: Hitoshi Matsumoto; Mit Hitoshi Matsumoto, David Quintero, Luis Accinelli u.A. ; FSK 6 Als ein Mann im bunt betupften Pyjama eines Mor- wenig Manga und vor allem mit Ideenreichtum. Was gens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich dabei herauskommt: Ein Film, der den Zuschauer in einem großen, weißen, hell erleuchteten Raum herausfordert, ohne undurchsichtig komplex zu wieder, an den Wänden um ihn herum nichts als sein, sondern wundersam einfach und elegant und Putten-Penisse. Keine Türen, keine Fenster, kein dabei gleichzeitig unbeschreiblich. Das sagt man Entkommen. »Was ist mit mir geschehen?«, dachte gerne, unbeschreiblich, aber in diesem einen Falle, er. Und was hat das alles mit dem mexikanischen ist das mehr als eine rhetorische Finte, es ist ein Wrestler Escargot Man zu tun? Wie war das noch Versprechen. einmal mit dem Schmetterling und dem Sturm? Denn Symbol ist eben – ganz nebenbei – mehr Und was passiert wohl, wenn ich diesen PuttenPenis hier drücke? Ein Mann, eine MissiBizarr ist nur als Kafka auf LSD, es ist auch Quantenmechanik auf Speed, Chaostheorie on – jeder Putten-Penis ein Versprechen, noch milde auf Koks, Sartre auf Bienenwachs, geein wenig Hoffnung, ein Stückchen Sushi. Doch, wie das Leben und die Putten- ausgedrückt mischt mit 3 Gramm Jodorowsky, einer Penise so spielen, man bekommt nicht immer das, kleinen Prise 2001 und dem unverwechselbaren Dwayne „The Rock“ Johnson auf Peyote. Mehr als was man sich erwünscht hat. Bizarr ist beinahe noch milde ausgedrückt. Hito- ein Trip, mehr als ein metaphysisches Mehr-Meer, shi Matsumoto – bekannt in seinem Heimatland als ein Denkmal für einfallsreiches Kino und – Rubber Comedian und Mitglied des Duos Downton – schafft lässt grüßen – ein Symbol für den Grenzen sprenes als Regisseur und Schauspieler, das Leben als genden, grenzenlosen Genuss am Absurden, ein Witz (oder den Witz als Leben) spielend leicht zu Stück cineastischer Philosophie: … das Symbol war inszenieren. Und das ohne viele Worte, mit kleinen nur für Dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe Gesten der großen Verzweiflung, mit Slapstick, ein es.

Tim Glaser


Aktueller Film >> 5

Am Himmel der Tag SPIELTERMINe: 10.-21.01. >> DEU 2012, 89 min, Regie: Pola Beck; mit Aylin Tezel, Henrike von Kuick u.a., FSK 12 Am Himmel der Tag ist die erste Produktion der vom Rundfunk Berlin-Brandenburg gegründeten Filminitiative „Leuchtstoff“ und wurde gleich auf dem Zürich Filmfestival mit dem „Goldenen Auge“ als Bester Film in der Kategorie „Deutschsprachiger Film“ ausgezeichnet. Das erst beschwingte, dann beklemmende Drama um eine ungewollte Schwangerschaft, die den Partymodus der 25-jährigen Studentin Lara (Aylin Tezel) beendet, dabei zu schweren Entscheidungen und zu einer Totgeburt führt, wird getragen von der Hauptdarstellerin Aylin Tezel (im Zebra Kino zuletzt zu sehen in Almanya, Luks Glück, 3 Zimmer, Küche Bad.) Lara ist 25 und studiert ihren Eltern zuliebe Architektur. Mit ihrer besten Freundin Nora (Henrike von Kuick) zieht sie durch Technoclubs und frönt dem verantwortungslosen Spaßdasein. Lara fühlt sich gleich doppelt betrogen, als Nora eine Beziehung zu ihrem gemeinsamen Dozenten Martin eingeht und lässt sich ihrerseits auf ein überstürztes Abenteuer ein. Wenige Wochen später muss Lara schockiert feststellen, dass sie schwanger ist. Nach anfänglicher Überforderung entscheidet

sie sich, das Kind zu bekommen. Tief im Inneren weiß Lara, dass sie gerne anders leben würde und das unerwartete Ereignis scheint ihrem Leben endlich den Sinn zu geben, den sie so lange vermisst hat. Doch ihr Kind wird nicht leben und das ist noch nicht alles. Dass weder die zerstrittenen Eltern noch die sogenannte beste Freundin ihre lebensgefährliche Situation bemerken, ist eine erschreckende Analyse über das nur vordergründig gesellige Leben dieser Großstadt-Generation. Der Abschlussfilm der HFF-Absolventin Pola Beck erinnert bisweilen an die Nouvelle Vague, am meisten wenn das Mädchen-Duo von unscharfen Hintergründen umflort durch die Nacht tanzt. Den unbeschwerten Impressionen des studentischen Party-Lebens steht die Vielfalt möglicher Lebensentwürfe entgegen, in der man durchaus die Orientierung verlieren kann. Wie Lara erst den Boden unter den Füßen verliert, sich dann in der euphorischen Vorstellung der heroischen Solo-Mutter gefällt und schließlich verzweifelt und einem Todestrieb folgt, ist verstörend intensiv. Aber jedes Ende ist auch ein Neuanfang.

Heinz Baumgartner


FOKUS MUSIKFILM_ Das Ende vom Lied

Kann man sich, wenn man eine Band gründet, ihr Ende vorstellen? In den drei Filme, die wir im Rahmen unseres Fokus zeigen, geht es darum, die Musik an den Nagel zu hängen. Um geplatzte Träume vom großen Ruhm, Band-Eitelkeiten und ewige Mythen um letzte Konzerte. Shut Up and Play The Hits verfolgt den allerletzten Tag der Band LCD Soundsystem bis zur Auflösung der Band und zeigt, wie James Murphy am Tag danach als arbeitsloser Mensch seinem Leben eine neue Richtung gibt. Rodriguez hingegen, der in Searching For Sugar Man porträtiert wird, hing seine Musikkarriere nur ungern an den Nagel, doch nach zwei erfolglosen Platten wurde er von seiner Plattenfirma vor die Tür gesetzt. Und so gab er die Musik auf und fristete ein Leben unterhalb der Armutsgrenze - unwissend, dass er mit seiner Musik in Südafrika mittlerweile zu einem nationalen Star geworden ist. Fraktus hingegen schlägt mit der obligatorischen Wiedervereinigung, die Jahre später folgt, zurück. Ist es das Geld, die Sehnsucht nach dem Ruhm, oder wirklich die Liebe zur Musik, die die Band wieder zusammenführt? Und wie lange kann eine so ungleich besetzte Band wirklich zusammenbleiben? Die Antwort auf diese Fragen gibt es im Januar und Februar im Zebra Kino.


01_Shut up and Play the Hits 11.01. 21:15 & 13.01. 22:15>> Musikdoku; GBR 2012; 108 min, Regie: Will Lovelace, Dylan Southern; FSK 12 Am 11. Januar kommen Zebras und Ponys zusammen. Ab 21:15 zeigt das Zebra Kino Shut Up And Play The Hits. Unsere Lieblingspartyreihe Ponyrock stellt im Anschluss die Nacht in der Kantine unter das gleiche Motto. Für alle, die sich in den Bann dieser wunderbaren Dokumentation ziehen lassen möchten, gibt es auf der gebührenden Ponyrock-Party in der Kantine Rabatt auf den Eintritt an der Abendkasse. An den Plattentellern werden DIE GENIALEN TANTEN ihre Klappe halten und mit den besten Hits die Kantine beschallen. James Murphy hat Spuren hinterlassen. Seine Band LCD Soundsystem brachte mit einem unvergleichlichen Sound alles zusammen: Laut, selbstbewusst und zugleich in den rasantesten Passagen erschütternd melancholisch. Auf dem Gipfel des Erfolgs trifft James Murphy die Entscheidung, aufzuhören – um Kaffee zu kochen, eine Familie zu gründen, mit dem Hund zu gehen. Den Ausstieg plant er minutiös. Von Bekanntmachungen bis hin zum letzten Konzert von LCD Soundsystem im New Yorker Madison Square Garden vor 20.000 Menschen. Das Finale der Band ist furioses Fest und Begräbnis zugleich. Shut Up And Play The Hits begleitet James Murphy in den letzten 24 Stunden vor und nach dem Abschiedskonzert. Beim letzten Warm-Up, bei den letzten Proben, beim allerletzten Livesong und bei der Katerstimmung am Morgen danach, wenn James Murphy plötzlich arbeitslos sein wird. Dabei bringt der Film einen Sound, eine tragische Wucht und radikale Energie auf die Leinwand, die auch denjenigen vom Hocker reißen wird, der noch nie von LCD Soundsystem gehört hat. Versprochen.


02_Searching for Sugar Man SPIELTERMINe: 17.-21.01. >> Doku; USA 2012; 86 min, Regie: Malik Bendjelloul; FSK 12 Im Detroit der frühen 1970er-Jahre spielt Rodriguez ein paar Konzerte in Kneipen und kleinen Clubs, bis er von einer Plattenfirma entdeckt wird, die zwei Alben mit ihm aufnimmt. Nachdem aber in den USA nicht mal ein Dutzend Platten verkauft werden, setzt das Plattenlabel Rodriguez vor die Tür. Für den Musiker bedeutet dies das Ende seiner Karriere und so verschwindet er dann von der musikalischen Bildfläche. In den meisten Fällen ist die Geschichte an dieser Stelle zu Ende, aber in Searching for Sugar Man beginnt sie erst hier. Einige Exemplare seiner Platten gelangen nach Südafrika, wo sie sich rasant wachsender Beliebtheit erfreuen. Radiosender spielen seine Songs auf und ab, auf Demonstrationen und anderen Aktionen gegen das Apartheid-Regime werden seine Textzeilen zu politischen Hymnen. Und alle fragen sich: Wer ist dieser Mann, der so ein großer Star ist, ohne dass ihn jemand kennt? Es beginnen sich Mythen um seine Person zu bilden und über die Gründe für das frühe Ende seiner Karriere. Die Legende besagt, dass Rodriguez sich auf seinem letzten Konzert umgebracht haben muss – eine Rampensau, wie er war. Doch die Regisseure von Searching For Sugar Man begeben sich auf die Suche nach Rodriguez, um herauszufinden, was tatsächlich passiert ist. Und finden heraus, dass Rodriguez durchaus sein letztes Konzert überlebt hat... und heute in bitterer Armut lebt, ohne zu wissen, dass er in Südafrika die musikalische Stimme einer Generation geworden ist. Rodriguez' Geschichte klingt im Zeitalter der digitalen Musikwelt fast zu unglaublich, um wahr zu sein. Aber sie ist es, und Searching For Sugar Man erzählt sie auf bewegende Weise nach.


03_Fraktus SPIELTERMINe: 25.01.-04.02. >> DEU 2012; 95 min; Regie: Lars Jenssen, mit Heinz Strunk, Rocko Schamoni, Jacques Palminger u.a.; FSK 12 Nach ihrer Gründung im Jahr 1979 schufen Fraktus einen damals unvergleichlichen und innovativen Sound, der bis heute als einer der prägenden Einflüsse der späteren Technobewegung gilt, vielleicht sogar diese erst erfunden hat. Doch mit dem wachsenden Ruhm stiegen die internen Spannungen in der Band immer mehr. Fraktus trennt sich schließlich, nachdem auf einem Konzert in Hamburg 1983 ein Kurzschluss die gesamte Halle in Brand setzt. Auch wenn ihre Musik in den Köpfen blieb: Um die Band selbst wurde es still. Doch das wird sich jetzt ändern. Denn Musikmanager Roger Dettner macht sich mit einem Filmteam auf die Suche nach den ehemaligen Bandmitgliedern. Das erklärte Ziel: Eine Reunion der Gruppe. Es dauert nicht lange, bis er die drei Bandmitglieder wieder findet.

»OHNE FRAKTUS wäre ich nie auf die Idee gekommen, Musik zu machen« (H.P. Baxxter) Dickie Schubert betreibt mittlerweile das Internetcafé "Surf’n’Schlurf", Bernd Wand lebt wieder bei seinen Eltern und Torsten Bage ist als EurodanceProduzent erfolgreich geworden. Und trotz der Ungleichheiten zwischen den Musikern schafft Dettner es, die drei zu einem Comeback zu bewegen. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht: Ihre neuen Aufnahmen werden von der Plattenfirma bis über die Schmerzgrenze hinaus durchkommerzialisiert, der Videodreh wird zur Katastrophe und die alten Eifersüchteleien aus den 80er Jahren sorgen immer noch für Spannungen. Es scheint so, als würde das Comeback zum Reinfall werden... Fraktus ist eine gelungene, bissige Realsatire auf das Musikbusiness. So bissig, dass man manchmal fast meinen könnte, einen Spielfilm aus der Feder von Jacques Palmiger, Rocko Schamoni oder Heinz Strunk zu sehen. Werden Fraktus ihre letzte Chance auf ein Comeback versieben? Das lässt sich am besten ab dem 25. Januar im Zebra Kino herausfinden. Marvin Wiechert


Moonlight Madness 10: The Early David Lynch Sa, 19.01. 21:00 Um ehrlich zu sein: Wir glaubten nie an einen Weltuntergang 2012. Deswegen war unser Versprechen zur letzten Moonlight Madness – The Moonlight Apocalypse – blanke Farce. Wir glauben erst an die Apokalypse, wenn sie uns die Leinwand aus dem Kino reißt und mitsamt jedmöglichem bizarren Dröhnen und unvorstellbaren Lichtkegeln in den Abgrund zieht. Deswegen beschreiten wir nun erneut kinematographische Wege Richtung mindfuck, und zeigen gebührend als erste neue Moonlight Madness das, was in den 1970ern ein Fundament des Begriffs midnight movie werden sollte: David Lynchs legendäres Spielfilm-Debüt Eraserhead als bemerkenswert gut gekörnter high definition-Transfer und in brillanter Audioqualität, dank original HD-Master durch Hand, Ohren und Augen des Regisseurs selbst. Rahmen werden wir das Ganze durch fünf seiner besten Kurzfilme. Wir werden von Sinnen sein, und Projektor und Tonanlage zusammen mit Euch in diesem grandios surrealistischen Säureregen voll ausreizen. Turn on, tune in, drop out!


Eraserhead. USA 1977; 89 Min.; OmU. Regie, Buch, Schnitt & Musik: David Lynch; Kamera: Herbert Cardwell & Frederick Elmes; mit: Jack Nance, Charlotte Stewart, Laurel Near, Judy Anna Roberts u.a.; FSK 16 Er lebt in einer kargen Umwelt, deren Zeit und Wirklichkeit wir nur in Fetzen erahnen können: Die Stadt, ein Arbeiterviertel, das Schwarz im Weiß, dazwischen, davor und danach der Alltag. Er besitzt kaum etwas, das lohnt, das zum Begreifen reicht. Einzige Ausnahme ist seine Freundin Mary, mit der er ein Kind erwartet. Ihre Familie lädt ein zum Kennenlernen, zum Abendessen - Hähnchen, die zu Tisch tranchiert werden. Ihr Vater und ihre Mutter verhalten sich krude, sind weird. Mary? Vielleicht bleibt sie das, was er denkt, denn er liebt sie. Aber das schließlich geborene Kind ist undenkbar, zieht Mary weg von ihm, sie von dannen, lässt ihn zurück, entzieht ihm den Glauben an Vernunft, an das Rationale, entblößt die so dringende, pochende Sehnsucht. Begierde. Vordergründig bleibt das Baby, ein sich steigerndes Summen, Pfeifen, ein akustischer Schwelbrand. Der Heizkörper in seinem kleinen Apartment schreibt sich ein, wird Fokus par excellence, birgt seinen scheiternden Widerstand, sein Schicksal hin zu etwas, das dahinter von Klarheit singt. Das Lied schläft in der Maschine. Lynchs erster Spielfilm ist das Meisterwerk des (post) modernen filmischen Surrealismus. Grell und dunkel strömt das Leben. Ohne Hoffnung, erhofft und: wunderschön. Ich fühle mich betroffen, fühle mich konfrontiert, fühle für Harvey [Henry], den schüchternen Menschen mit der seltsamen Frisur. Ich bin fasziniert, ich bin verstört. […] - ProsperDune... In Heaven everything is fine! Als hoch-schmelzendes Panoptikum und vibrierendes Präludium zeigen wir vorneweg fünf wichtige Kurzfilme aus David Lynchs Schaffen – vier davon zeichnen sein Frühwerk, der letzte ist ein späterer Beitrag zu einer Hommage an die Gebrüder Lumière: Six Men Getting Sick (Six Times) (1966), The Alphabet (1968), The Grandmother (1970), The Amputee (1974), Lumière: Premonitions Following an Evil Deed (1995, Lumière et compagnie).


12<< Junger deutscher Film #63

Little Thirteen SPIELTERMINe: 24.-28.01. >> In Kooperation mit dem Weitwinkel Kino Singen Deu 2012; 91 Min; Regie: Christian Klandt; Mit: Antonia Putiloff, Muriel Wimmer, Isabell Gerschke u.a.; FSK 12 Generation Porno. Was soll das denn sein? Ausufernder Sex- und Geltungsdrang, beständig wechselnde Sexualpartner, Bumsen als Ersatz für das Gefühl, anerkannt und geliebt zu werden. Möglicherweise denkt man jetzt an Kids (1995) von Larry Clark, der die Jugendkultur und ihre gleichermaßen sexuelle wie emotionale Abstumpfung vor Augen geführt hat. Nun verschiebt sich die Altersgrenze noch weiter nach unten: Portraitiert werden hier frühreife Großstadtjugendliche wie die erst 13-jährige Sarah (Muriel Wimmers). Was sie vom Leben will, lautet ganz lapidar:„Vögeln, ficken, bumsen. Das mache ich so lange, bis einer sagt: Ich will nicht mehr weg von dir". Sarah stammt aus einer sozial benachteiligten Familie, dennoch ist ihre Mutter so etwas wie eine gute Freundin. Sie teilen sich Schminke und Kleidung, gelegentlich auch Männer. Andererseits lebt die Mutter dem Teenager vor, dass Liebe und Selbstwertgefühl nur über Sex zu erlangen sind. In diesen Momenten scheint trotz der Durchtriebenheit der jungen Protagonistin immer auch Zweifel, tiefe Verletzlichkeit und Sehnsucht nach Geborgenheit durch.

Dann trifft Sarah im Chat nach zahlreichen Partnerwechseln auf den 16-jährigen Lukas (Joseph Konrad Bundschuh) und verliebt sich in ihn. Der Junge aus gutem Haus hat mit Sarah jedoch anderes im Sinn. Von einem Kumpel lässt er sich beim Geschlechtsverkehr mit möglichst jungen Mädchen filmen, um die selbstgedrehten Pornoclips dann gegen Drogen einzutauschen. Die Geschichten der partywütigen Teenies basieren dabei auf realen Erfahrungsberichten, die Regisseur Christian Klandt zusammen mit seiner Drehbuchautorin Catrin Lüth in Filmworkshops an Schulen und Freizeiteinrichtungen gesammelt hat. Little Thirteen bietet ohne erhobenen Zeigefinger einen aufrüttelnden Einblick in eine jugendliche Lebenswelt, in der die Suche nach Zwischenmenschlichkeit in Verlorenheit mündet und die menschlichen Bedürfnisse von Sexualität und emotionaler Nähe aus den Fugen geraten. Wir freuen uns sehr auf den Regisseur Christian Klandt, der am Donnerstag, den 24. Januar zu einem Filmgespräch im Zebra Kino anwesend sein wird.

Heinz Baumgartner


Junger deutscher Film #64 >> 13

Dicke Mädchen SPIELTERMINe: 21.-25.02. >> In Kooperation mit dem Weitwinkel Kino Singen Deu 2012; 77 Min.; Regie: Axel Ranisch; Mit: Ruth Bickelhaupt, Heiko Pinkowski, Peter Trabner u.a.; FSK 12 Dicke Mädchen ist wohl der sympathischste, außergewöhnlichste, herzlichste, überraschendste deutsche Film 2012. Wo er auch lief, auf internationalen Festivals oder in Berlin, Hamburg oder Köln, beglückte er das Publikum. Das hervorstechendste Merkmal des Films ist sein leichter, schwungvoller und rauer Stil (grobkörnige Handkamera), aus dem heraus eine ganz ungewöhnliche Natürlichkeit entsteht, mit der der Film seine Geschichte immer mehr entfaltet. Der schwergewichtige Mittvierziger Sven (Heiko Pinkowski) lebt noch bei Mutti (Ruth Bickelhaupt). Die beiden teilen sich nicht nur die Wohnung, sondern auch das Bett. Die alte Dame benötigt wegen ihrer Demenzerkrankung intensive Betreuung, so dass tagsüber, wenn Sven in der Bank arbeitet, Pfleger Daniel (Peter Trabner) nach dem Rechten sieht. Als Mama Edeltraut eines Nachmittags ihren Pfleger auf dem Balkon ausschließt und verschwindet, machen sich die beiden Männer auf die Suche nach ihr und finden dabei nicht nur die alte Dame, sondern auch Gefühle füreinander. Die Mischung aus Wagnis und Originalität steckt trotz (oder gerade wegen) seinem minimalen

Budget und der stark auf Improvisation setzenden Inszenierung voller Situationskomik und skurriler Momentaufnahmen. Etwa wenn Sven in einem vermeintlich unbeobachteten Moment mit einem Kopfhörer-Stecker im Hintern einen ekstatischen Nackttanz zu Ravels „Bolero" aufführt, während Mutter ihn heimlich durchs Schlüsselloch beobachtet und sich amüsiert. Gleichzeitig geht dem Film nie seine Ernsthaftigkeit verloren. Wenn Svens abgeschottete Welt von äußeren Ereignissen langsam umgekrempelt wird, ist das eben nicht nur fremdartig und komisch, sondern mit Schwierigkeiten verbunden und offenherzig erzählt. „Geld macht keine Filme“ sagte einst Werner Herzog (und drehte dann Aguirre – Der Zorn Gottes, 1972). Und in der Tat: Wenn jemand wirklich etwas zu erzählen hat und eine Herzensangelegenheit daraus macht, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. In diesem Sinn freuen wir uns darauf, den Regisseur Axel Ranisch am Donnerstag, den 21. Februar im Zebra Kino zu einem Filmgespräch begrüßen zu dürfen.

Heinz Baumgartner


Wake in Fright

Premiere der deutschen Untertitel: Ein Schatz wird gehoben und wir sind dabei.

SPIELTERMINe: 31.01.-04.02. >> Australisch mit deutschen Untertiteln AUS 1971; 108 Min; Regie: TedKotcheff; Mit: Donald Pleasance, Chips Rafferty, Gary Bond, u.a. Einlass ab 18 Jahren Das Schicksal von Wake in Fright ähnelt einem Märchen. Bei seinem Erscheinen 1971 stieß der Film auf wütende Ablehnung der Australier, die ihn als Beleidigung ihrer Landsleute und nationale Schande empfanden. Ein kommerzieller Erfolg nur in England und Frankreich, geriet er bald in Vergessenheit, sogar die Filmnegative verschwanden. Fast wäre er als „Australia‘s great lost film“ in die Geschichte eingegangen. Der Chefcutter Anthony Buckley fand nach Jahren der Suche 2004 in Pittsburgh 263 verrostete Filmdosen, mit der Aufschrift „For Destruction“. Nach dieser Rettung in letzter Minute wurde Wake in Fright in Australien mit modernster Computertechnologie und unbegrenzten Staatsmitteln Bild für Bild digital restauriert. Das Resultat ist wirklich sensationell, als wären die letzten 41 Jahre spurlos an dem Material vorbeigegangen. Und tatsächlich: In den letzten Jahren erlebt der Film eine Renaissance als Geheimtipp, besonders in amerikanischen Arthouse-Kinos. Und wir vom Zebra? Uns empört natürlich, dass im tollen Filmland Deutschland bis heute niemand Notiz von diesem Meisterwerk nimmt, und so haben wir ein gemeinsames Projekt mit der Universität Konstanz lanciert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Isabell Otto werden im Wintersemester in einem Workshop deutsche Untertitel für Wake in Fright erstellt. 22 Medienwissenschafts- und Anglistikstudierende tauchen gemeinsam mit Zebras in die Tricks und Geheimnisse des Spotting und des Splitting ein, arbeiten mit den alten Originalversionen der Filmscripts. Sie lernen die Tücken der diagonalen audiovisuellen Übersetzung kennen und erproben die besten Verfahren für Textkürzungen. Australische Sprachvarietäten, Metaphern, Wortspiele, Realia werden umgesetzt, ohne den Sprech-, Film- und Leserhythmus zu stören. Mal ganz ehrlich: Wir sind schon etwas stolz darauf, Wake in Fright am 31. Januar nach 42 Jahren zur absoluten Deutschlandpremiere im Zebra zu haben. Und wer hat die Untertitel gemacht? Na, wir haben sie gemacht!


Kooperation mit Campus TV >> 15

Have a Drink, Mate? Have some dust and sweat, mate? There's nothing else out here. Das australische Outback im Sommer ist ein riesiger Glutofen. Unerbittliche Hitze, verbrannte Steppe bis zum Horizont. Zwangsversetzt in diese Hölle ist der zartbesaitete, arrogante Junglehrer, John Grant, nun unterwegs in die Schulferien. Die Provinzstadt Bundanyabba, von den Einheimischen stolz „The Yabba“ genannt, soll nur ein kurzer Zwischenstopp über Nacht sein, entpuppt sich aber als Pforte zur privaten Hölle von John Grant. Lebenslustige, extrem gastfreundliche Einwohner geleiten ihn tiefer und tiefer in die Abgründe der eigenen Psyche. Grant hat Albträume. Aber wenn er aufwacht, stellt er fest: Die Träume sind wirklich! Aus seinem realen Albtraum gibt es kein Entkommen. Wake in Fright setzt den wohl bekanntesten Roman des australischen Autors Kenneth Cook recht werkgetreu um. Der Film gilt als ein lange verkanntes Meisterwerk, das mittlerweile Kultstatus erreicht hat als „einer der besten und ehrlichsten Filme, die je in Australien gemacht wurden“ (Bill

Collins). Er war Wettbewerbsfilm 1971 in Cannes und schaffte es, als einer von nur zwei Filmen jemals, 2009 noch einmal in Cannes gezeigt zu werden – persönlich ausgewählt von Martin Scorsese. Man muss sich nicht schämen, bei ein paar Szenen auch mal wegzuschauen. Eine orgiastische Kängurujagd ist brillant gefilmt und geschnitten und wirkt daher schon arg wüst. Am Ende verrät uns der Produzent auch noch, dass die echte Erschießung der Tiere zu sehen war. Wir ach so zivilisierten Geister distanzieren uns auch gerne von den abstoßenden Saufgelagen und der als viehisch angedeuteten homosexuellen Verführung. Aber der Film besitzt eine selten gesehene, auch heute noch emotional mitreißende Macht, ist oft schockierend, ziemlich böse, und hält ohne jede Gefallsucht dem Zuschauer einen Spiegel vor: Wie stabil ist eigentlich deine eigene seelische Verfassung? Vor der ungeschminkten Antwort, so suggeriert der Film, darf man sich ein wenig fürchten. Zur Deutschlandpremiere am 31. Januar gestalten die Studierenden des UntertitelungsWorkshops ein kleines Rahmenprogramm.

Ulrich von Varnbüler


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Mulholland Drive SPIELTERMINe: 08.-11.02. >> Englisch mit deutschen Untertiteln USA/FRA 2001; 147 min; Regie: David Lynch; mit: Naomi Watts, Laura Herring, Justin Theroux; FSK 16 Das Gefühl, im eigenen Traum nicht alles in der Hand zu haben. Wenn sich Verhältnisse, Charaktere und Motivationen nicht nachvollziehbar, ohne erkennbaren Grund ändern, wenn Kausalitätsgesetze außer Kraft gesetzt werden. Viel sagen über den surreal-verschobenen, von akustisch weichgezeichneten 90er-Jahre-Synthesizern unterlegten Thriller des Altmeisters der albtraumhaften Perspektive kann man ohnehin nicht, da nichts den persönlichen Eindruck beim ersten Ansehen ersetzen kann. Höchstens der Eindruck beim zweiten Ansehen. Begeisterte Kritiker bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2001, haufenweise Preisnominierungen, ein finanzieller Misserfolg. Das ist Mulholland Drive. Teilweise sehr stark auseinandergehende Interpretationsansätze auf der Suche nach greifbaren Wahrheiten, hitzige Diskussionen über die Einordnung in David Lynchs Gesamtwerk (oder der Einordnung von David Lynchs Gesamtwerk in bestimmte Filmkategorien), das ist Mulholland Drive. Eine Straße nördlich von West Hollywood, an der die Geschichten um Verlangen, Ei-

fersucht, Verzweiflung, Mord und Realitätsverlust beginnen, das ist Mullholland Drive. Auf die Zusammenhänge und Aussagen im mit steigender Lauflänge immer verwirrender (oder treffend als 'verwinkelt' beschrieben) erzählten Film angesprochen, gab Lynch den Zuschauern zehn Hinweise mit auf dem Weg, unter anderem: „Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.“ „Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher, die Tasse Kaffee.“ „Wo ist 'Tante Ruth'?“ Der Autor kann nicht von sich behaupten, dass ihm die Summe aller Tipps bis zum heutigen Tage zu einer vollkommen schlüssigen Interpretation verholfen haben, aber: Augen auf. Es gibt viel zu entdecken. Egal, ob Sie den Film noch nicht kennen, oder ihn – passend zur karnevalistisch-absurden Fastnachtszeit – noch mal auf der großen Leinwand sehen wollen, jetzt bietet sich die Gelegenheit dazu! Für Leute mit Faible für samtblaue Haare, alte Fans von Twin Peaks oder Eraserhead: Ein Muss!

Daniel QUentin


Druckerei Otto Studio f端r Fotografie Neuwerk-Ostfl端gel Oberlohnstr. 3 78467 Konstanz Bus: Linie 6, Haltestelle Neuwerk Seehas: Haltestelle F端rstenberg Tel: 07531-22343 E-Mail: info@franzisvonstechow.de www.franzisvonstechow.de

Max-Stromeyer-Str. 37 78467 Konstanz Tel.: 0 75 31 / 5 05 47

www.druckereiotto.de

ge旦ffnet: Di, Mi und Do 9-12 Uhr und 15-18 Uhr und nach Vereinbarung

Untere Laube 17 78462 Konstanz

www.weinmarkt-konstanz.de


Rasselbande - Kinderfilm Eintritt für Kinder 1 EUR, Erwachsene 3 EUR

Unsere Erde

SPIELTERMIN: 13.01. 17:00 >>

Coming of Age

Eintritt Jugendliche 2 EuR, Erwachsene 4 EUR

La Haine

SPIELTERMIN: 27.01. 17:00 >>

UK 2007, 90 min

FRA 1995; 98 min; Regie: Mathieu Kassovitz; FSK 16

Mehr als 40 Kamerateams filmten für „Unsere Erde“ unter teils großen Mühen an über 200 Drehorten in 26 Ländern dieser Welt. Das Ergebnis hat sich gelohnt: in atemberaubenden Bildern führen sie uns die ganze Schönheit unseres Planeten vor Augen und stoßen dabei bis an Orte fernab der Zivilisation vor, die noch heute von einer reinen und ursprünglichen Wildnis Zeugnis ablegen. Zusätzlich zur optischen Pracht erhellt der Film das Wunder und die Vielfalt des Lebens, indem er die Geschichte und die Funktionsweise unseres blauen Planeten nachvollzieht.

„Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock von 'nem Hochhaus fällt. Während er fällt, wiederholt er, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher lief's noch ganz gut, bis hierher lief's noch ganz gut, bis hierher lief's noch ganz gut...‘“ Der Film erzählt 24 Stunden im tristen Leben des Arabers Saïd, des Juden Vinz und des Schwarzen Hubert, drei Jugendliche, die in Chanteloup-les-Vignes leben zu einer Zeit, in der es im Viertel nur ein Thema gibt: die Krawalle zwischen Einwohnern und der Polizei in der letzten Nacht.

Sams im Glück

Invictus

SPIELTERMIN: 03.02. 17:00 >>

SPIELTERMIN: 17.02. 17:00 >>

Deu 2012; 102 min; Regie: Peter Gersina, FSK 0

USA 2009; 134 min; Regie: Clint Eastwood; FSK 6

Herr Taschenbier benimmt sich plötzlich samsig! Da kann es vorkommen, dass er mitten in der Nacht aufsteht und den kompletten Kühlschrank leerfuttert, oder dass er Teller, Bleistifte und sogar Regenschirme anknabbert. Selbst Reimen und Frechsein sind für ihn kein Problem mehr, obwohl er doch sonst so schüchtern ist. Anfangs findet das Sams den neuen Papa ganz lustig. Aber der aber nach einem seiner Sams-Anfälle sogar im Gefängnis landet, muss das Sams muss dringend dafür sorgen, dass sein Ziehpapa wieder der Alte wird. Es kann schließlich nur ein verrücktes Sams geben!

In den 90ern brechen in Südafrika neue Zeiten an: Das Apartheids-Regime ist endlich abgeschüttelt und Nelson Mandela neuer Präsident. Dann richtet Südafrika 1995 die internationalen Rugby-Weltmeisterschaft aus! Es ist die große Chance, die Rassenschranken und die tiefen Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen endlich zu überwinden und das zerrissene Land im sportlichen Freudentaumel zu einen. Nelson Mandela, überragend gespielt von Morgan Freeman, ergreift die Chance Seite an Seite mit dem Rugby-Teamleader Francois Pienaar (Matt Damon).


Kooperation mit dem Theater Konstanz>> 19

Winterdieb SPIELTERMINe: 14.-18.02. >> Französisch mit deutschen Untertiteln CH, FRA; 2012; 97 Min.; R: Ursula Meier; Mit: Léa Seydoux, Kacey Mottet Klein, Gillian Anderson; FSK: 12 Den typischen Winterurlaub mit Seilbahnen, Skifahrergogen, teurer Ausrüstung und der die Schneeruhe störenden, lauten Musik aus der dunstverhangenen Glühweinhütte kennen die Bewohner des Bodenseeraumes nur zu gut. Entweder aus eigener Erfahrung oder es findet sich in jeder Gruppe eine Person, die unbedingt von ihren Erlebnissen in den nahegelegenen Alpen berichten will. Aber nimmt man auch die Strukturen wahr, die so einen Aufenthalt bei den Glitzerspitzen ermöglichen oder beeinträchtigen? Sieht man neben dem Vergnügen auch die hart arbeitenden Saisonangestellten in den Hotelküchen? Wem fällt die Umweltverschmutzung auf? Kann man sich in den Nobelskiorten der Schweiz überhaupt prekäre Verhältnisse vorstellen? Die preisgekrönte französisch-schweizerische Regisseurin Ursula Meier filmt die Seilbahn, die aus dem Tal in die Berge führt und impliziert eine kriminelle Laufbahn. Sie erzählt die Geschichte eines 12-jährigen Jungen, „der auf jeder Ebene nach oben will: in physischer, sozialer und finanzieller Hinsicht.“ Denn oben gibt es alles „im paradiesischen

Überfluss: Sonne, reinen weißen Schnee, Geld und Glamour“ (Meier). Leben muss Simon dagegen im nebligen und schmutzigen Tal mit Louise zusammen; über die Eltern des vermeintlichen Geschwisterpaars erfährt man nichts. Der Junge fährt jeden Tag zu „denen da oben“ mit der Seilbahn, erleichtert die Touristen um ihr teures Markenkonsumgut und verkauft es unten im Tal. So sichert er den Lebensunterhalt für sich und Louise, die zu stur ist, einen Arbeitsplatz oder einen Mann länger als ein paar Tage zu behalten; viel besser schafft sie es, Simons „Verdienst“ für Alkohol auszugeben. In der Kooperation des Zebra Kinos mit dem Stadttheater bildet die schwierige Beziehung von Louise und Simon vor der winterlichen Kulisse das filmische Gegenstück zur Komödie „Findlinge“ des Schweizer Autors Daniel Mezger. Das Stück wird von der isländischen Theater- und Opernregisseurin sowie Politikerin Thórhildur Thorleifsdóttir inszeniert und stellt ein kompliziertes Duo in der nordischen Atmosphäre dar. Die Premiere ist am 15. Februar.

Lana Daudrich


Beasts of the Southern Wild SPIELTERMINe: 15.-25.02. >> Englisch mit deutschen Untertiteln USA 2011, 93 min; Buch und Regie: Benh Zeitlin, mit Quvenzhané Wallis, Dwight Henry u.a.; FSK 6 Tief in den Sümpfen der Südstaaten der USA, am Golf von Mexiko, komplett abgeschnitten von der Außenwelt, liegt eine kleine verarmte Siedlung namens Bathtub. Hier wohnt das sechsjährige Mädchen Hushpuppy gemeinsam mit ihrem Vater Wink, der für den bescheidenen Lebensunterhalt der beiden sorgt. Dann lässt ein Jahrhundertsturm das Wasser über der Siedlung zusammenschlagen und überflutet ganz Bathtub. In einem aus alten Autoersatzteilen zusammengebauten Boot machen sich Hushpuppy und Dwight auf die Suche nach Überlebenden … Benh Zeitlin und das Künstlerkollektiv Court 13, dem er angehört, haben Beasts of the Southern Wild in einer Region angesiedelt und gedreht, die sich eine eigen- und widerständige jahrhundertealte Tradition und Kultur bewahrt haben: Die New Orleans umgebenden Bayous, deren Bewohner schon immer den Naturgewalten auf unmittelbare Weise ausgesetzt waren. Wo sonst feiert man die Ankunft eines Sturms mit einem Fest? Wo werden Verstorbene mit extravaganten Partys geehrt? In enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort haben Benh Zeitlin und Court 13 eine Geschichte geschaffen, die sich ganz in diesen Traditionen verwurzelt sieht und daher auch alle Realitäten ganz spielerisch zu überwinden vermag. Herausgekommen ist nichts weniger als eine Sensation für das amerikanische Independent-Kino: Mit wenig Budget für die Produktion, aber einer wunderbaren Ansammlung von Ideen stürmte der Film nicht nur weltweit alle Festivals (unter anderem „Bester Film“ beim Sundance 2012; „Caméra d’Or“ in Cannes 2012), sondern sorgte auch für den größten Überraschungserfolg an den amerikanischen Kinokassen im vergangenen Jahr. Beasts of the Southern Wild erzählt auf wunderbare, unverfälschte Weise mit den Kaleidoskopaugen eines Kindes, so dass man die Welt noch einmal durch selbige betrachten kann. Das schaffen Filme nur ganz selten, und das macht die Biester auch so sehenswert. Marvin Wiechert


DAS ZEBRA KINO STELLT SICH VOR >> Das Zebra Kino wurde 1984 in dem Wohnzimmer einer studentischen WG gegründet. Auch wenn wir heute über professionellere Technik und einen eigenen Kinosaal verfügen, hat sich seitdem an unseren Grundwerten nichts geändert: bis heute wird das Zebra Kino von einem engagierten Team ehrenamtlich bespielt. Aus Begeisterung für gute Filme stellen 20 junge und alte Cineast/innen Woche für Woche ein spannendes Kinoprogramm zusammen und dafür nicht nur hinter der Theke, sondern auch am Projektor.

Einblick in einen gewichtigen, aber oft übergangenen Teil der Filmlandschaft zu bieten. Seit Ende 2011 gibt es bei uns jeden Samstag nach Vollmond die Filmnacht Moonlight Madness. Die Moonlight Madness ist geprägt von einem verschrobenen Programm, das Filme zeigt, die an einem einzelnen Kinoabend vielleicht nicht „zünden“ oder untergehen mögen, im Rahmen einer Filmnacht mit Partystimmung aber eine ganz andere Wirkung entfalten. Erweitert wird unser Filmprogramm durch Vorträge, Filmgespräche, Besuche von RegisseurInnen, Lesungen und ähnliche Veranstaltungen. Meist arbeiten wir hierbei mit einer Vielzahl an lokalen und bundesweiten Organisationen, Institutionen und Vereinen in Kooperationen zusammen. Das Zebra veranstaltet außerdem jedes Jahr zwei Filmfestivals: das Kurzfilmfestival kurz.film. spiele und das queere Filmfestival Queergestreift (März 2013), das zu den ältesten LGBT-Filmfestivals in Deutschland zählt.

Unser Programm steht unter dem Motto “Andere Filme anders zeigen.” Wir zeigen Filme nicht, um damit Gewinne zu erzielen, sondern weil wir von der Qualität der Filme überzeugt sind. Deshalb geben wir dem Kino eine Chance, das in den kommerziellen Kinos keinen Platz findet. Das bedeutet für uns eine programmatische Bandbreite, in der Dokumentar-, Experimental- und Kurzfilme genauso ihren Platz finden wie alte Filmklassiker, die wir wieder auf die Leinwand bringen. Als Kinofans Für alles im Zebra gilt, dass jede_r, der/die möchten wir Filme möglichst unverfälscht zeigen. Das bedeutet für uns, auf deutschsprachige Syn- Lust hat, bei uns herzlich eingeladen ist, mitzumachronisationen zu verzichten, wann immer es mög- chen. Wir treffen uns regelmäßig Mittwochs um 20 lich ist. Stattdessen laufen fremdsprachige Filme Uhr zu unseren Sitzungen. in der Regel bei uns in ihrer Originalfassung mit Sie können unsere Filmarbeit auch mit einer deutschen Untertiteln. Fördermitgliedschaft oder durch Spenden Unser Programm ist in festen Reihen und finanziell unterstützen. Das Zebra ist ein Schwerpunkten organisiert. In der Reihe Junger gemeinnütziger Verein, Spenden sind daher Deutscher Film möchten wir beispielswiese den steuerlich abzugsfähig. Werken junger Filmemacher aus Deutschland, ÖsMehr Informationen finden Sie auf terreich oder der Schweiz eine erste Plattform bieten, um einerseits aktiv Nachwuchsförderung zu www.zebra-kino.de/foerdermitgliedschaft leisten und andererseits unserem Publikum einen www.zebra-kino.de/spende


einfach Brot

78462 Konstanz 路 M眉nzgasse 16 / Hohenhausgasse 路 Tel. 0 75 31/2 39 63

Mo-Fr. 9-19 Uhr 路 Sa. 9-18 Uhr www.reginbrot.de


Zebra Kino - Januar & Februar 2013