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BUNDESLIGA

März 2017

FUSSBALL

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Von „echter Liebe“ weit entfernt Borussia Dortmund. Es ist ein Rätsel, wie ein solches Team doch so wankelmütig sein kann. Von Michael Zäh

W

enn man die Dortmunder Spieler in Freiburg sah, bekommt man eine Ahnung davon, was für dieses Team fußballerisch möglich ist. Es springt sofort ins Auge dass ein Dembélé in Sachen Tempo, Technik und Torgefahr ein absoluter Ausnahmespieler ist. Wenn Marco Reus und Torjäger Aubameyang (beide 27 Jahre alt) als erfahrene Spieler gelten dürfen, ist einer wie Ousmane Dembéle´mit seinen erst 19 Jahren quasi auch Programm für die Politik des Klubs. Denn die Ausnahmetalente auf allerhöchstem Niveau sind in Dortmund mittlerweile so einige anzutreffen: Da wäre der noch wenig zum Einsatz gekommene Emre Mor, ebenfalls erst 19 Jahre alt, der quasi Messi-mäßig ziemlich viel am Ball kann. Oder Christian Pulisic, erst 18 Jahre alt, der schon öfter zeigte, welche Qualität und Geschwindeigkeit er über den Flügel mitbringt. Auch Felix Passlack ist erst 18 Jahre alt und kürzlich wurde die Verpflichtung von Alexander Isak (gerade 17 Jahre, AIK Solna) bekannt, der als das schwedische Wunderkind gilt. Nicht vergessen werden soll, dass auch Julian Weigl erst 21 Jahre alt ist, auch wenn er als Stratege im defensiven Mittelfeld schon unfassbar abgebrüht spielt. Es ist ein offensives Spektakel, was da immer mal wieder geboten wird, durchaus herzerfrischend wie zuletzt in Freiburg, aber nicht immer von den nötigen Toren gekrönt. Deshalb muss Dortmund im Rückspiel gegen Lissabon (8. März) im Achtelfinale der

Champions-League ein 0:1 aufholen, also womöglich drei Tore schießen, falls den Portugiesen ein Auswärtstor gelingt. Das Rätsel besteht eigentlich darin, wie eine solche Mannschaft beispielsweise in Darmstadt verlieren kann, in der Tabelle acht Punkte hinter Leipzig auf Platz zwei und 13 Zähler hinter den Bayern als Tabellenführer steht. Denn es ist ja nicht wahr, dass der BvB hier seiner Jugend Tribut zollen müsste. Es gibt eine zweite Ebene im Personal, nicht mehr blutjung, sondern schon dekoriert: Mario Götze (24, derzeit krank), André Schürrle (26), Raphaël Guerreiro (23), Marc Bartra (26), oder dann auch die Riege der erfahrenen Spieler: Gonzalo Castro (29, in Freiburg einfach überragend) Marcel Schmelzer (29), Łukasz Piszczek (31), oder Sokratis Papastathopoulos (28) In den Tiefen des Kader finden sich ja noch andere Namen wie Kagawa, Ginter, Durm, Rode, Sahin oder Sven Bender. Liegt da vielleicht das Problem, dass ein Kader dieses Ausmaßes und dieser Qualität allzu oft auf die jugendliche Frische reduziert wird? Es scheint im Moment so zu sein, dass Thomas Tuchel zwar die Minimalziele erreicht, aber es sonst auch ziemlich knirscht. Da wäre ein Weiterkommen gegen Lissabon in der Champions-League vielleicht gerade das, was für den Trainer – ähnlich wie in Freiburg – wie eine Befreiung wirken kann. Aber wirklich beliebter wird er dadurch nicht, von „echter Liebe“ ganz zu schweigen.

Fotos: Neithard Schleier

Schwupps, schon wieder einen Tunnel gelegt: Marco Reus in Dribbellaune

218. Ausgabe, ET 04.03.2017  

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