Issuu on Google+

Höchste Zeit 16 Herren Am Samstag, dem 19. Februar 1910, kam es im Zentrum der noblen Kurstadt Wiesbaden zu einer denkwürdigen Zusammenkunft. Vis-à-vis des Stadtschlosses, das einst als Residenz der Herzöge von Nassau gedient hatte, versammelten sich im Keller des imposanten Rathauses eine stattliche Zahl ebenso stattlicher Herrschaften. Die Zusammenkunft galt nicht, wie so viele in jenen Tagen, dem brisantesten politischen Thema jener Wochen, der überfälligen Reform des preußischen Dreiklassenwahlrechts. Den 16 Herren vom Rhein, aus der bayerischen Rheinpfalz und von der Mosel ging es um ein anders brisantes Thema: Wein. Freilich hätte es im Deutschen Reich kaum einen Ort gegeben, an dem sich trefflicher über die Reformbedürftigkeit des seit den 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts geltenden Wahlrechts hätte disputieren lassen. Nirgendwo im Westen des Reiches hatte der Wilhelminismus so viele Spuren hinterlassen wie im Stadtbild von Wiesbaden. Den imposanten Hauptbahnhof etwa, den man Kaiser Wilhelm II. errichtet hatte, der einmal im Jahre geruhte, sich zur Erholung in die einstmals nassauische Residenzstadt zu begeben. Oder den prunkvollen Neubau des Kurhauses, der im Sommer 1907 in Anwesenheit des Kaisers seiner Bestimmung übergeben worden war. Auch um dieses Monument preußischer Glorie machten die weinkundigen Herren an jenem Samstag einen Bogen – obwohl sich das wegen seiner exzellenten Auswahl an Weinen weltberühmte Kurhaus auf den ersten Blick wie keine andere Lokalität in Wiesbaden angeboten hätte, um einander näherzukommen. Die Herren wollten womöglich ungestört, mindestens aber unbeobachtet sein. Jedenfalls unbeobachtet von Wilhelm Ruthe, dem Pächter des Weinsalons des Kurhauses. Ruthe war Weinhändler und damit keiner von ihnen. Sie waren Weinproduzenten und hatten andere Interessen. Die Herren aus Trier etwa, in alphabetischer Reihenfolge Oberbürgermeister Albert Georg Justus Maria von Bruchhausen, sodann ein Weingutsbesitzer namens Lintz und als Dritter ein Rentmeister namens Michels. Der Mann trug

01_Hoechste_Zeit.indd 7

den heute nicht mehr gebräuchlichen Titel als Verwalter der ausgedehnten Weingüter eines Clemens August Freiherr von Schorlemer-Lieser. Das war kein Geringerer als jener preußische Adelige, den Wilhelm II. 1905 als ersten Katholiken zum Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinz ernannt hatte und der wenige Wochen nach der Zusammenkunft in Wiesbaden preußischer Landwirtschaftsminister werden sollte.

Höchste Zeit

7

Rheingauer Spitzen: Auszug aus der Weinkarte des Kurhauses zu Wiesbaden im Jahr 1909.

26.08.10 09:06


Höchste Zeit

8

Telegramm aus Berlin, Schloß: Ganz besonderer Beifall Seiner Majestät, des Kaisers, vor 1900.

Die drei Trierer kamen nicht in eigenem Namen. Mit dem Oberbürgermeister vorneweg repräsentierten sie drei „Konsortien“ von insgesamt 50 Weingütern, die seit Längerem ihre Weine gemeinsam versteigerten. Zu Beginn des Jahres 1910 waren sie im Begriff, sich zu einem „Verein von Weingutsbesitzern der Mosel, Saar und Ruwer“ zusammenzuschließen.

Im Dienst des Vaterlandes: Strafgefangene bei der Anlage der Preußischen Domäne Avelsbach bei Trier, um 1905.

01_Hoechste_Zeit.indd 8

Einige Herren hatten auch für eine nicht viel kleinere Gruppe von Weingutsbesitzern, die „Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer“, den Weg nach Wiesbaden gefunden: der Vorsitzende, ein Rüdesheimer Weingutsbesitzer namens Josef Burgeff, in seiner Begleitung der Generalsekretär der Vereinigung namens Koch, sodann Ökonomierat Ott aus Rüdesheim. Als „Vertreter des größeren Weingutsbesitzes“ im Rheingau war Ott von 1906 bis 1909 ein von der Reichsregierung berufener „Sachverständiger für die Beratung von Fragen aus dem Gebiete der Reform des Weingesetzes“ gewesen und kannte sich in der Weinbaupolitik bestens aus. Der Rheingau war nicht nur durch drei Herren der Vereinigung vertreten, sondern auch durch eine Persönlichkeit, die wie kaum eine andere die Tradition des Weinbaus im Rheingau verkörperte: dem Geheimen Regierungsrat Andreas Czéh. Als Direktor stand der gebürtige Ungar ­einer Einrichtung vor, wie es der Größe und dem Ruf nach in der Weinwelt der damaligen Zeit keine zweite gab: der Königlich-Preußischen Weinbaudomäne zu Wiesbaden. Mit ‚ihrem ausgedehnten Besitz in besten Rheingauer Weinlagen stand die Domäne für eine bis in das frühe Mittelalter zurückreichende Kontinuität im Weinbau und in der Weinvermarktung. Ihre Lagen reichten von Hochheim am Main über den weltberühmten, von den Zisterziensern des Klosters Eberbach angelegten „Steinberg“ bis nach Assmannshausen. Kein Vergleich etwa mit der Königlich-Preußischen Do­ mäne zu Trier, die in Wiesbaden durch ihren Direktor, Ökonomierat Ehatt, vertreten war. Die Domäne an der Mosel mit ihren Gütern in Avelsbach, Serrig und Ockfen war nicht vor Jahrhunderten, sondern erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gegründet worden, um als „Musterbe­ trieb“ die Qualität und die Rentabilität des Weinbaus zu heben. Und erst recht kein Vergleich mit der Großherzoglich-Hessischen Weinbaudomäne in Mainz, die im Jahr 1900 nach dem Ankauf mehrerer Weingüter mit Besitz in den besten Lagen Rheinhessens durch den GroßherzoglichHessischen Fiskus gegründet worden und jetzt in der Person ihres Direktors Mayer in Wiesbaden vertreten war. Als Privatleute saßen drei nicht weniger ehrenwerte Rheinhessen in Wiesbaden am Tisch: neben dem Vorsitzen-

26.08.10 09:06


den des regionalen Naturweinversteigerervereins, dem Nackenheimer Weingutsbesitzer und späteren Protagonisten eines „schweinischen“ Theaterstücks“ Carl Gunderloch, der Weingutsbesitzer Major a.D. Liebrecht aus Bodenheim sowie Weingutsbesitzer Wilhelm Wallot aus Oppenheim. Die Familie Wallot stand nicht nur für eine lange Tradition im rheinhessischen Weinbau. Der Besitzer des Weinguts war niemand anderer als der Geheime Baurat Professor Paul Wallot (1841–1912), der sich unter anderem als Architekt des Berliner Reichstags einen Namen gemacht hatte. Als Honoratioren galten fraglos ebenso die Männer, die sich aus der seit 1815 zum Königreich Bayern gehörenden Rheinpfalz nach Wiesbaden aufgemacht hatten. Auch in diesem (dem damaligen Sprachgebrauch nach) einzigen „Edelweinbaugebiet“ Bayerns hatten sich sogenannte Naturweinversteigerer schon zu einem Verein zusammengeschlossen. Bereits im Jahr 1904 hatten sich die angesehensten Pfälzer Weingutsbesitzer darauf geeinigt, in ihren Versteigerungslisten dem Begriff „Naturwein“ zum Durchbruch zu verhelfen: der Deidesheimer Bürgermeister Dr. jur. Ludwig Bassermann-Jordan mit seinem jüngeren Bruder Dr. jur. Friedrich Bassermann-Jordan, Dr. Albert Bürklin, langjähriger natio­ nalliberaler Abgeordneter im Reichstag und zeitweise dessen Vizepräsident, sodann der Bürgermeister von Forst, Wilhelm Schellhorn-Wallbillich, nicht zu vergessen Franz Eberhard Buhl, einziger Sohn des nationalliberalen Reichstagsabgeordneten und Mitbegründer des Deutschen Weinbauvereins Franz Armand Buhl (Forst), schließlich Leopold von Winning-Deinhardt (Deidesheim), dereinst Vorsitzender des Bayerischen Weinbauvereins. Gemeinsam hatten sie mit ihrer wirtschaftlichen Macht und ihrem politischen Einfluss der Weinverfälschung den Kampf angesagt. Zugleich wollten sie die Abhängigkeit der in die Zehntausende gehenden Zahl der Kleinwinzer vom Weinhandel vermindern und dadurch den Lebensstandard der Masse der vom Weinbau lebenden Bevölkerung heben. Das aber ging nicht mit „unselbständigen“ Mosten aus wahllos und früh zusammengelesenen Trauben, die unmittelbar nach der Lese im Fass verkauft und in den Kellern der Weinhändler durch Zusatz von Zuckerwasser oder anderem zu Wein „verbessert“ wurden.

01_Hoechste_Zeit.indd 9

Zur Förderung des Absatzes von Naturwein hatte Ludwig Bassermann-Jordan veranlasst, dass in den Wirtschaften der Rheinpfalz ein Plakat ausgehängt wurde, das die seit 1901 gültige gesetzliche Definition des Naturweins enthielt. Das Plakat dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Erzeugung unverfälschten und nicht durch Zusatz von Zuckerwasser oder Trockenzucker „verbesserten“ Weins weit über den Kreis der „Großweingutsbesitzer“ Nachahmer fand und sich viele Winzergemeinschaften der Naturwein-Versteigerungsbewegung anschlossen. Am 18. September 1908 vereinigten sich Großwinzer und Winzergemeinschaften der Mittelhaardt unter dem Namen „Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“. Auch in der Pfalz stand der Staat nicht abseits. 1899 wurde in Neustadt an der Haardt eine „Städtische Wein- und Obstbauschule“ gegründet. Von 1903 an durfte sie sich „königlich“ nennen. Mit dem Bayerischen Landesinspektor für Weinbau, Dern, waren drei Vertreter des „Vereins der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“ nach Wiesbaden gekommen. Kein Mandat brauchte der fünfte Bayer, Dr. Ludwig Bassermann-Jordan. Der Jurist war längst über die Rolle des Impulsgebers für den Pfälzer Edelweinbau hinausgewachsen und eine international angesehene Autorität auf dem Gebiet des Weinbaus und der Weinbaupolitik geworden. 1904 hatte Ludwig Bassermann-Jordan als Vizepräsident der internationalen Weinjury auf der Weltausstellung im amerikanischen St. Louis erstmals „von Reichs wegen“ Ehre eingelegt. Wenige Monate nach der Wiesbadener Zusammenkunft sollte er in die „Commission Internationale Permanente de Viticulture“ berufen werden, dem wich­ tigsten internationalen weinbaupolitischen Gremium weltweit.

Höchste Zeit

9

Eine Anregung Was hatten sich die 16 Herren in Wiesbaden zu sagen? Ein einziges Protokoll der Besprechung hat sich in dem mehrere hundert Bände umfassenden Aktenbestand der damals sogenannten Königlich-Preußischen Domäne Wiesbaden erhalten. Es ist beredt und verschwiegen zugleich:

26.08.10 09:06


Höchste Zeit

10

„Auf Vorschlag von Lintz und Oberbürgermeister von Bruchhausen übernahm Landesökonomierat Dern den Vorsitz. Zum Protokollführer wurde Geschäftsführer Koch bestimmt.“ So war es recht. „Gegen eine Anregung von Ökonomierat Ehatt, die Vereine möchten sich zu einem Verband zusammenschließen, wurden Bedenken nicht erhoben, zu einem Beschluß kam es jedoch nicht.“ Die Versammlung wandte sich einem anderen Thema zu: dem Schutz der „Originalabfüllung“, also jener begehrten Gruppe von Weinen, die von den Naturweinproduzenten auf Versteigerungen ausgeboten, von Weinkommissionären, Weinhändlern oder auch Privatpersonen ersteigert und nach einiger Zeit der Reife im Fass „im Keller und unter Kontrolle des Produzenten“ abgefüllt wurden. Weine die-

Herrenrunde: Die erste Besprechung über die Gründung eines Verbandes von Naturweinversteigerern in Wiesbaden am 19. Februar 1910 (Ausschnitt).

ser Kate­gorie standen auf den Weinkarten der teuersten Hotels, der nobelsten Linienschiffe oder der angesehensten Kasinos – als „Originalabfüllung“ eines namhaften Weinguts und aus einer ebenso namhaften Weinbergslage gehörten die deutschen Edelweine zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den besten, begehrtesten und teuersten der Welt. Doch kein Erfolg ohne Nachahmer. Unter welchen Bedingungen ein Wein als „Originalabfüllung“ vermarktet werden durfte, hatten Naturweinversteigerer in ihren Versteigerungsbedingungen festgelegt. Rechtlich war der Begriff nicht geschützt. Das rief manch einen Weinhändler auf den Plan. Aus deren Sicht war es nur opportun, Weine auch dann als Originalabfüllung zu deklarieren, wenn sie den Vorschriften für Naturweine entsprachen, aber in ihren Kellern auf Flaschen gefüllt worden waren. Für die Naturweinversteigerer war diese Absicht doppelt gefährlich. Sollten auch Weinhandlungen die raren Originalabfüllungen anbieten können, wäre das Angebotsmonopol gebrochen. Damit wäre aber auch die Qualitätsgarantie hinfällig, die die Naturweinversteigerer verbürgten. Die Erfahrung mit vielen „unreellen“ Erscheinungsformen des Weinhandels hatte gezeigt, dass nur die lückenlose Kontrolle des Produzenten über alle Schritte der Weinproduktion – von der Lese der Trauben über den Ausbau im Keller bis zur Füllung des Weins – sicherstellen konnte, dass der Wein „original“ und nicht mit anderen Weinen verschnitten, mit Zuckerwasser verlängert oder mit unzulässigen Substanzen behandelt auf den Markt gelangte. In kaum einer Ausgabe der vielen Weinfachzeitschriften jener Epoche fehlten Berichte über Weinprozesse. Handelszeitungen wie die „Frankfurter Zeitung“ berichteten ebenso regelmäßig über Versteigerungen wie über Auswüchse im Weinhandel. In den großen Berliner Zeitungen fanden die teilweise lautstark ausgetragenen Reichstagsdebatten über die Weingesetzgebung regen Widerhall.

Analysenfest oder naturrein? Was Wein überhaupt war, das war erst 1901 festgelegt worden: „Wein ist das durch alkoholische Gärung aus dem Safte der Weintraube hergestellte Getränk“,

01_Hoechste_Zeit.indd 10

26.08.10 09:06


hieß es in Paragraf 1 des Zweiten Weingesetzes des Deutschen Reiches vom 24. Mai 1901. Bis dahin hatte auch manch anderes Getränk als Wein in den Verkehr gebracht werden können: Es gab Nachweine aus Trester (den Rückständen des Kelterns) und aus Weinhefe (dieser mit Zuckerwasser erhitzt), Wein aus frischem Obst und aus Rosinen (gerne aus Griechenland importiert) und Wein aus Trauben. Das alles wurde in zahllosen Mischungen angeboten, an deren Zustandekommen fortschrittliche Chemiker oft keinen geringen Anteil hatten. Sollte durch Weinrecht verboten sein, was technisch möglich war und nicht gegen die Vorschriften des 1872 erlassenen Nahrungsmittelgesetzes verstieß, weil „künstliche Verfahren“ nicht die Gesundheit der Weintrinker gefährdeten? Das unter Beteiligung der Naturweinversteigerer erarbeitete Weingesetz von 1901 meinte zum Schutz der Weintrinker wie zum Schutz der „reellen“ Weinerzeuger und -händler: ja. Die Verwendung getrockneter Früchte bei der Weinbereitung wurde verboten. Weitgehend vom Markt verschwanden auch die „analysefesten“ Weine, die ihren Erfolg dem ersten Weingesetz vom 20. April 1892 zu verdanken hatten. Der in der Pfalz auch „feuerfest“ genannte Wein wurde nach der Maßgabe von Mindest-„Grenzzahlen“ für Alkohol und Extrakte komponiert, die die amtliche Kommission für Weinstatistik unter Zugrundelegung chemischer Weinanalysen festgelegt hatte. Moste wurden durch Zuckerwasser gestreckt und mithilfe von Trester-, Hefe- oder auch Rosinenwein sowie Chemikalien wieder „in die Grenzen gerückt“. Das Weingesetz von 1901 hielt an den Grenzzahlen fest, bestimmte aber, dass auch Weine nach der „Verbesserung“ der Zusammensetzung der Naturweine des betreffenden Jahrgangs und der betreffenden Lage entsprechen müssten. Den schwunghaften Umtrieben nicht weniger Weinhandlungen war damit wenigstens die gesetzliche Grundlage entzogen. Andere Unzulänglichkeiten blieben nach der Reform des Weingesetzes von 1901 bestehen. Die Weinkontrolle etwa war nicht reichseinheitlich geregelt, sondern variierte von Bundesstaat zu Bundesstaat. Dem Misstrauen zwischen Erzeugern und Händlern der verschiedenen Weinbaugebiete war Tür und Tor geöffnet, denn das Risiko, als Panscher entdeckt zu werden, war ungleich verteilt.

01_Hoechste_Zeit.indd 11

Puristen und Winzernot Andere Spannungen zwischen den Weinbaugebieten waren gewissermaßen natürlich. Die klimatischen Bedingungen an der Mosel und der Saar waren wegen der nördlichen Lage des Weinbaugebietes von Natur aus immer ungünstiger als im Rheingau oder in der Rheinpfalz. Winzer und Politiker von der Mosel drangen daher unter Hinweis auf eine fast endemische „Winzernot“ immer wieder auf großzügige Bestimmungen für die „Verbesserung“ ihrer Moste, die in den meisten Jahren aus unreifen Trauben gekeltert wurden. Winzer und Weinbaupolitiker der anderen Regionen hatten nur wenig Interesse daran, dass der Gesetzgeber „der Mosel“ entgegenkam. Ähnlich kompliziert lagen die Verhältnisse im Weinhandel. Die Händler in den Produktionsgebieten, die von wenigen Enklaven abgesehen ausnahmslos im Westen und Süden des Reiches lagen, waren an einer Förderung „ihres“ inländischen Weinbaus interessiert. Zum Schutz des deutschen Weinbaus drängten sie die Politik zu möglichst hohen Zöllen auf ausländische Importe und zu Regeln, die den Verschnitt ausländischer Weine mit deutschen Gewächsen eng begrenzten. Der Weinhandel in den deutschen Hafenstädten an Nord- und Ostsee sowie in den „Konsumgebieten“ in Mittel- und Ostdeutschland vertrat die entgegengesetzten Positionen: geringe Zölle, möglichst weitgefasste Verschnittregeln. Die kleinste, aber über viele Regionen verteilte Gruppe im deutschen Weinbau waren die mitunter als „Puristen“ verschrieenen Naturweinversteigerer. Sie besaßen ­zum Teil seit Generationen Weinberge in den von der Natur am meisten begünstigten Lagen an Mosel, Saar und Ruwer, am Rhein und in der Pfalz. Viele von ihnen hatten schon im 19. Jahr­hundert minderwertige, aber reichtragende Rebsorten wie den Elbling durch Edelrebsorten wie Riesling und grünen Sylvaner (Österreicher) ersetzt. Sie hatten auf die sorgfältige Anlage von Weinbergen Wert gelegt, dazu auf eine Bewirtschaftung der Weinberge nach den neuesten Erkenntnissen der Schädlingsbekämpfung und auf einen sorgfältigen Ausbau der Weine im eigenen Keller. In den Schoß fielen ihnen die „Naturweine“ nicht. Ohne Besitz von mindestens einem Hektar Rebfläche und ohne einen nicht unbeträchtlichen Einsatz von Kapital und Arbeitskräften

Höchste Zeit

11

26.08.10 09:06


Höchste Zeit

12

war diese Form der Weinproduktion nicht möglich – und auch nicht ohne gesetzlichen Schutz der solchermaßen erzeugten Weine. Denn nur so bestand Hoffnung darauf, dass sich das eingesetzte Kapital langfristig verzinste. Acht Jahre nach dem zweiten Weingesetz trug der Reichstag zahlreichen Anliegen der Naturweinversteigerer Rechnung. Das dritte Weingesetz, das nach seiner Verab-

Ampelographie: Auf den

Geschmack des Weines hat die Traube mehr Einfluss

als alle anderen Faktoren zusammengenommen.   Weißer Heunisch

  Blaue Hartwegstraube

  Blauer Sylvaner

  Riesling

01_Hoechste_Zeit.indd 12

schiedung im Deutschen Reichstag am 7. April 1909 von Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet wurde, ging zwar nicht so weit, dass „verzuckerter“ Wein auf dem Etikett als solcher deklariert werden musste. In diesem Punkt hatte sich der Weinhandel durchsetzen können. Aber die „Puristen“ hatten – etwa in Form von Eingaben der „Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer“ – erwirken können, dass Wein nur dann unter dem Namen einer Weinbergslage gehandelt und verkauft werden durfte, wenn er nicht durch Zusatz von Zucker oder Zuckerwasser „verbessert“ worden war. Keinen gesetzlichen Schutz gab es für den Begriff „Originalabfüllung“. Was eine Originalabfüllung war, regelten die Naturweinversteigerer einseitig in ihren Versteigerungsbedingungen. „Man war allgemein der Ansicht, daß die Begriffe über die Originalabfüllung sich zu verwirren drohen, weil ein Teil des Weinhandels in letzter Zeit zu merkwürdigen Gebräuchen übergegangen ist. Es sei deshalb höchste Zeit, daß in dieser Frage etwas geschehe.“ Das handschriftlich als „vertraulich“ gekennzeichnete Protokoll der Zusammenkunft der Naturweinversteigerer vom 19. Februar 1910 in Wiesbaden formuliert reichlich diplomatisch.

Höchste Zeit? Unter den Emissären der Naturweinversteigerer aus den vier Edelweinbaugebieten war nicht nur unstrittig, dass etwas zu geschehen habe. Man wurde sich auch schnell über das einig, was zu tun sei. „Anstreben eines gesetzlichen Schutzes der Originalabfüllungen durch Eingabe an das Reichsamt des Inneren; Vereinbarungen mit den Weinhändlerverbänden über den Begriff der Originalabfüllung; Beschaffung eines besonderen Korkbrandes für jeden Verein, der neben dem Korkbrand des Mitgliedes anzubringen wäre und patentamtlich geschützt werden müßte; Veröffentlichung dieses Korkbrandes. Möglichst allgemeine Verwendung folgenden Wortlauts auf Korken und Etiketten: ,Abgefüllt im Keller des Weingutes …’. Veröffentlichung der Stellung der Vereine zu dem Begriff ,Originalabfüllung’. Weiter wurde empfohlen, nach dem Trierer Muster

26.08.10 09:06


etwa folgenden Satz in die Versteigerungsbedingungen aufzunehmen: ,Weine, welche nicht im Keller des Versteigerers auf Flaschen gefüllt sind, dürfen weder eine Andeutung der Originalabfüllung noch auf den Korken im Namen des Produzenten führen’.“ Zu einer Debatte kam es unter den Repräsentanten der Versteigerungsvereine auch über die Sitte, vor Weinversteigerungen Proben der auszubietenden Weine zu versenden. An der Mosel und im Rheingau sei die Probenabgabe fast ganz abgeschafft, in Rheinhessen und in der Rheinpfalz seien die Verhältnisse schwieriger. „Allseitig wurde die Probenabgabe nach außerhalb als ein Mißstand bezeichnet, der nach Möglichkeit beseitigt werden muß.“ Über die Hintergründe dieser Entscheidung schwieg sich das Protokoll aus – war es doch nicht für die Nachwelt, sondern für die Teilnehmer der Sitzung abgefasst worden. Diese wussten nur allzu gut, warum sie diesen Missstand abstellen wollten. Die unentgeltliche Abgabe ganzer Versteigerungskollektionen in kleinen Probeflaschen erforderte Jahr für Jahr beträchtlich Mengen Weins. In der Pfalz war je Versteigerung von mehreren Hundert Litern die Rede. Diese Ausgabe wollte man sich nun sparen. Mit knappen Worten wurde ein weiterer Punkt der Beratung festgehalten. Es ging um die Frage, wie viel Prozent des Steigpreises dem Weinhandel oder den Weinkommissionären als Provision zu bewilligen seien – also jenen, die auf eigene Rechnung oder im Auftrag Dritter die Weine auf den Versteigerungen übernahmen und mit ihren Kenntnissen des Weinmarktes zwischen Produzenten und Endabnehmern als Makler eine Schlüsselstellung innehatten. „Einstimmigkeit herrschte darüber, daß unter keinen Umständen mehr als 3 Prozent Provision gegeben werden sollen.“ Drei Prozent? Diese Marge hatten die drei Trierer Versteigerungskonsortien – das eine unter Führung der Mosel, das zweite unter Führung der Geistlichkeit, das dritte unter Führung der Saar – dem örtlichen Weinhandel nach langen Auseinandersetzungen zugestehen müssen. Man durfte den örtlichen Weinhandel als wichtigen Abnehmer in guten wie in schlechten Jahren nicht verlieren. Die Gefahr war nicht zu unterschätzen. Im Jahr 1906 waren in Trier 1782

01_Hoechste_Zeit.indd 13

Fuder 1904er-Weine mit einem Gesamterlös von sechs Millionen Mark und einem noch niemals erreichten Durchschnittspreis von 3419 Mark versteigert worden. Doch nicht der Weinhandel hatte sich um diese Weine gerissen und damit die Preise für den in der Tat seit Langem besten Jahrgang in die Höhe getrieben. Unter den Käufern überwogen Offiziers- und Zivilkasinos, Clubs und Beamtenvereine. In den ersten gesellschaftlichen Kreisen sei es geradezu ein Sport geworden, „auf den Versteigerungen an den besten Gewächsen, ohne Rücksicht auf die dafür anzulegenden Preise, beteiligt gewesen zu sein“, berichtete kurz nach der Jahrhundertwende die Koblenzer Handelskammer. Die bodenständigen Weinhandlungen, die um ihr Geschäft fürchteten, reagierten umgehend. „Sie richteten sich an die Versteiglasser, von denen man günstigere Bedingungen bei der Steigerung verlangte, und sie waren auch berechtigt, wenn man das Interesse des Weinhandels an den Versteigerungen erhalten wollte.“ So hielt es im Jahr 1922 ein nicht unparteilicher, aber im Urteil unbestechlicher Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln fest. Sein Name: Otto Wolfgang Loeb. Sein Vater: Sigmund Loeb, jüdischer Abstammung, Grandseigneur, als Weinhändler einer der größten Kunden der Trierer Naturweinversteigerer, als Gründungsmitglied des „Verbandes der Weinhändler des Regierungsbezirks Trier“ (1901) einer der einflussreichsten Weinbaupolitiker. Von Männern wie diesen waren die Naturweinversteigerer stärker abhängig als ihnen lieb sein konnte. Denn: „In geringen Weinjahren sind viele Produzenten, die sonst versteigern lassen, darauf angewiesen, die sauren Erzeugnisse einem Handel direkt abzuführen. Es bedurfte erst einer Reihe ungünstiger Jahrgänge, bis der Trierer Verein von Weingutsbesitzern bereit war, ansteigernden Händlern und Kommissionären – und zwar ausschließlich diesen – die Verkaufsprovisionen von 2 % auf 3 % zu erhöhen.“ Auch ein anderer Satz des Protokolls der Wiesbadener Besprechung vom Februar 1910 offenbarte, dass es auf den Versteigerungen in den Regionen nicht einheitlich zuging. „In Bezug darauf, ob die Provision auch anderen Käufern zu bewilligen sei, sind die Gebräuche verschieden.“

Höchste Zeit

13

26.08.10 09:06


Höchste Zeit

14

Könnten die Teilnehmer der Wiesbadener Runde etwa in der Hoffnung zusammengekommen sein, einen Dachverband zu gründen, um die Position der jeweiligen Regionalverbände gegenüber den Interessenvertretungen des Weinhandels und der Kommissionäre zu stärken? Ludwig Bassermann-Jordan wurde immerhin mit den Worten zitiert, die Vereine sollten in Zukunft bei weiteren Forderungen der Kommissionäre oder des Weinhandels „nur noch gemeinsam vorgehen“. In der Tat schien der Zusammenschluss der vier Versteigerungsvereine im Februar 1910 nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch eine Frage des Wann gewesen zu sein. Nachdem angeregt wurde, die Vereine möchten ihre Satzungen gegenseitig austauschen, wurden die letzten Absprachen getroffen. „Für eine weitere Zusammenkunft, die in Koblenz stattfinden soll, wurde Samstag, der 18. Juni, ins Auge gefasst. Als Punkte für die Tagesordnung wurden genannt: Konstituierung des Verbandes, Verständigung über die Versteigerungstermine, gemeinsame Reklame, Kreditfrage.“ Von einer Zusammenkunft im Juni ist nichts bekannt – und das, obwohl der Bund südwestdeutscher Weinhändlervereine am 29. April 1910 ein Einlenken in der Frage der Originalabfüllung signalisierte und einen Tag später das Gegenteil beschloss, nämlich Weine auch dann als „Originalabfüllung“ zu verkaufen, wenn sie in zweiter Hand abgefüllt worden waren. Hatte die Sitzung der Repräsentanten der vier Versteigerungsvereine nach innen wie nach außen womöglich doch ihre Wirkung verfehlt?

Nur noch gemeinsam? Viele Honoratioren, die am 19. Februar 1910 in Wiesbaden zusammenkamen, hatten sich dort nicht zum ersten Mal gesehen. Die preußischen Domänendirektoren Czéh und Ehatt etwa unterstanden dem kaiserlichen Landwirtschaftsministerium und führten auch untereinander rege Korrespondenz. Womöglich pflegten die Preußen ebenso Kontakt mit ihrem großherzoglich-hessischen Kollegen Mayer in Mainz und dem bayerischen Landesinspektor

01_Hoechste_Zeit.indd 14

Dern. Andere Teilnehmer der Wiesbadener Zusammenkunft waren einander auf Weinbaukongressen, während Mitgliederversammlungen des Deutschen Weinbauvereins oder auch in Regierungskommissionen oder Weinparlamenten begegnet. Oder sie hatten einander bei der Gründung von Versteigerungsvereinen beraten. So war der „Trierer Verein von Weingutsbesitzern von Mosel, Saar und Ruwer“ im Februar 1910 noch nicht formell zusammengetreten, sondern wurde erst am 19. April mit dem Trierer Oberbürgermeister von Bruchhausen als Vorsitzendem in das Vereinsregister beim Amtsgericht Trier eingetragen. Vorangegangen war der Gründung im Jahr 1908 ein Schriftwechsel zwischen dem Trierer Domänendirektor Ehatt und Ludwig Bassermann-Jordan. Darin hatte Ehatt dem Pfälzer von Überlegungen dreier Trierer Versteigerungskonsortien berichtet, sich zwecks Organisation der Weinversteigerungen und des gemeinsamen Auftretens gegenüber dem neugegründeten Trierer Weinhändlerverband zu einem Verein zusammenzuschließen. Warum?

Drei Konsortien Wie in allen Edelweinbaugebieten war es auch an der Mosel im 19. (und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein) üblich, dass große und kapitalkräftige Weingüter einen Teil der Ernte nicht direkt nach der Lese im Fass dem Handel andienten, sondern die Moste im eigenen Keller ausbauten. Frühestens eineinhalb Jahre nach der Lese boten sie den Wein im Fass auf Versteigerungen aus, zu denen Weinhändler und -kommissionäre, mitunter aber auch Privatpersonen Zutritt hatten. Nach der Versteigerung verblieb der Wein einige Monate oder auch Jahre auf Risiko des Käufers im Keller des sogenannten Versteiglassers. Dann wurde er – wiederum auf Risiko des Käufers – auf Flaschen gefüllt und in den Handel gebracht. Versteigerungen dieser Art fanden in der Pfalz schon im späten 18. Jahrhundert statt. Zur Regel wurden sie dort in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Versteigerungen begünstigten die Entstehung eines eigenständigen Pfälzer Weinhandels, der den rheinischen und vor allem Frankfurter Weinhandel verdrängte.

26.08.10 09:06


Im Rheingau hatte die Zisterzienserabtei Kloster Eberbach bereits im Mittelalter einen derart ausgedehnten Weinhandel betrieben, dass die Mönche zum Transport ihrer Weine nach Köln als dem „Weinhaus“ der Hanse sogar über eigene Schiffe verfügten. 1803 fielen die Besitzungen der Zisterzienser durch den Reichsdeputationshauptschluss an den Herzog von Nassau. Nach der Niederlage der mit Österreich verbündeten Nassauer im Deutsch-Österreichischen Krieg von 1866 gelangte die nassauische Domäne an Preußen. Damals war es längst üblich, dass die Domäne den größten Teil ihrer „selbständigen“ Weine auf dem Weg der Versteigerung auf den Markt brachte. Die allerbesten Weine wiederum wurden schon seit Langem auf Flaschen gefüllt und in Schatzkammern gelagert – seit 1825 „Cabinet“ genannt. Nach der Gründung des Deutschen Reiches veränderte sich der Weinmarkt. Wein vom deutschen Rhein und auch von der Mosel wurde zu einem Statussymbol der adeligen Elite. Das aufstrebende Bürgertum versuchte, es den Aristokraten gleichzutun, und manch ein Industrieller investierte in anscheinend immer profitablere Weingüter. Weinbau wurde zu einer Kapitalanlage. An die Produzenten stellte die stürmische Nachfrage neue Anforderungen. Je mehr Weingüter sich auf die Erzeugung von versteigerungsfähigen Weinen verlegten, desto größer wurde die Konkurrenz. Die Konkurrenz wiederum förderte das Qualitätsstreben in den „Edelweinbaugebieten“, so dass bald fast ausschließlich „Naturweine“ versteigert wurden – jene Weine, die in einer klar abgegrenzten Weinbergslage „am Stock“ gewachsen und im Keller nicht durch Zusatz von Zuckerwasser oder fremden Stoffen „verbessert“ oder verändert worden waren. Doch mit dem verstärkten Drängen der Naturweingüter auf den Markt wurden die Versteigerungskalender unübersichtlicher: Je mehr Versteigerungen, desto länger die Ankündigungen in den Weinzeitschriften und Tageszeitungen und desto häufiger die Terminüberschneidungen. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Arbeit der Weinkommissionäre. Obwohl viele Entfernungen selbst für damalige Verhältnisse überschaubar waren, wurden die Kommissionäre immer öfter vor die Frage gestellt, welcher der vielen gleichzeitig stattfindenden Versteigerungen sie

01_Hoechste_Zeit.indd 15

in den Frühjahrsmonaten eines jeden Jahres den Vorzug geben sollten. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatten die Weingüter an Mosel, Saar und Ruwer mit den größten Widrigkeiten zu kämpfen. Der Weinhandel in Mainz, Wiesbaden, Frankfurt oder Bingen war mit dem Weinbau im Rheingau und in Rheinhessen seit Langem fest verbunden. In Trier war ein bodenständiger Weinhandel erst im Entstehen begriffen. Angesichts dieses strukturellen Nachteils schlossen sich ausgangs der 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts mehr als zwei Dutzend Weingüter in drei Konsortien zusammen. In den 90er-Jahren waren die Trierer Frühjahrsversteigerungen schon ein festes Datum im deutschen Weinbau. Die großen Weingüter im Rheingau ließ der Erfolg der Trierer Neulinge nicht ruhen. Mehr als 30 von ihnen schlossen sich 1897 unter ausdrücklichem Hinweis auf die Trierer Versteigerungen zu einer „Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer“ zusammen. Dasselbe Motiv wurde für die Zusammenschlüsse der Naturweinversteigerer in der Pfalz und in Rheinhessen bestimmend – auch wenn es in der Pfalz bis 1912 dauern sollte, ehe die Weingutsbesitzer eine gemeinsame Versteigerung anberaumten. War der Zusammenschluss von vier Regionalvereinen zu einem übergreifenden Dachverband demnach die logische Folge aus den jeweiligen regionalen Erfolgsgeschichten? Weit gefehlt. Das Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Regionen war auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast übermächtig.

Höchste Zeit

15

Wenn ich wählen soll In der Kaiserzeit galt es im In- wie im Ausland als ausgemacht, dass Edelweine nur in wenigen Regionen erzeugt werden konnten: in jenen wenigen Gegenden am Rhein und seinen Nebenflüssen sowie in der Rheinpfalz, die anscheinend von der Natur dafür prädestiniert waren. Baden und Württemberg, die nach dem Elsass der Fläche nach größten Weinbauregionen des Kaiserreiches, standen nicht im Ruf von „Edelweinbaugebieten“. Sie galten als Regionen, in denen bestenfalls „Konsumweine“ erzeugt wurden. Nicht die edlen, spätreifen Rebsorten Riesling und Sylvaner

26.08.10 09:06


Im Zeichen des Traubenadlers