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Geschichten aus der Arbeitswelt, Teil 1

POLITIK

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14. Februar 2008

DIE ZEIT Nr. 8

Leo König Mit 21 eröffnete er seine erste Galerie, heute verkauft er Bilder an Hedgefonds-Milliardäre. Er fliegt im Jahr 400 000 Meilen, hat eine Farm, einen Personal Trainer und einen Babysitter für seine Katze. Hartz IV und Mindestlohn sind für ihn Wortfetzen von einem anderen Planeten

Wir hier oben

Für den Kunsthändler Leo König ist Deutschland der Ruheraum der Langweiligen und der Pessimisten

Foto: Michael Herdlein für DIE ZEIT

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eld sei zum Ausgeben da, sagt Leo König. So eine Fahrt mit einer Stretchlimousine sei ein Riesenspaß, wie auch diese Hemden, die er mal eine Zeit lang trug und die mit seinem Monogramm bestickt waren. Im Augenblick sammelt er Perserteppiche, er leistet sich einen Personal Trainer, einen Catsitter und ist auf der Suche nach einem neuen Therapeuten. Der größte Luxus aber sei es, einfach mal die Zeit anhalten zu können. Deshalb hat er sich neulich eine alte Rinderfarm bei New York renoviert. Leo Königs Fluch und Segen ist die Geschwindigkeit, und jetzt ist er gerade wieder mal außer Atem. König ist Kunsthändler und einer der erfolgreichsten Galeristen für zeitgenössische Malerei. Für dieses Gespräch ist er mal eben von New York nach München geflogen, wo er in den nächsten Tagen vielleicht noch Georg Baselitz treffen wird, dessen Sammlung er für sieben Millionen Dollar an einen englischen Milliardär verkauft hat. Morgen fliegt er weiter nach Madrid zur Eröffnung der Kunstmesse Arco, dann nach Brüssel, einen Sammler treffen, und auf dem Rückweg will er kurz in Paris vorbeischauen. Er ist gerade mal 30, aber er fliegt 400 000 Meilen im Jahr. »Der Überflieger« nennen ihn die deutschen Zeitungen oder den »König von Manhattan«. Alle zwei Wochen ist er in Deutschland, und jedes Mal, wenn er dort landet, wird er von einer lähmenden Ruhe gebremst. Es sei wie mit diesen ebenerdigen Rollbändern am Flughafen, sagt König. Wenn man sie verlasse, habe man das Gefühl, man bleibe fast stehen. »Es gibt nichts Langweiligeres als die Kunstszene in Berlin«, sagt er, und König hasst nichts so sehr wie die Langeweile.

Jetzt sitzt er im Münchner Spatenhaus, wie immer, wenn er in der alten Heimat ist. »Let’s choose and then talk«, sagt er, »okay?« Es ist mehr eine Anordnung als eine Frage. Vier Sekunden braucht er, um zu entscheiden, was er will: erst eine Brez’n, dann Wurstsalat, dann Wiener Schnitzel, dazu ein Helles. König ist knapp zwei Meter groß, er trägt einen Fünftagebart und eine silberne Rolex am Arm – unmöglich, ihn in diesem Raum zu übersehen. König hatte es schon immer eilig. Er hatte gerade in München Abitur gemacht, als er seine Vespas an Freunde verschenkte, um nach New York zu gehen. Sein Vater Kasper König, der heute das Kölner Museum Ludwig leitet, hatte ihm dort ein Praktikum bei einem befreundeten Galeristen verschafft. Mit 21 eröffnete Leo seine erste Galerie in einer Garage in Williamsburg; mit 23 galt er als Shootingstar der Kunstszene mit einem brillanten Auge, und er war 27, als die Zeitschrift The New Yorker ihn mit einem 13-seitigen Porträt adelte. König surfte die Welle des globalen Kunstbooms, und mit jedem Jahr verdoppelte sich sein Umsatz. Er brachte Meese und Bisky in die USA, und die Gewinne an der Wall Street wirkten gegen deren Kurssteigerungen wie Sparprämien bei der Sparkasse. Im vergangenen Jahr verkaufte sein Künstler Toni Matelli Bilder für 10 000 Dollar, die heute für 400 000 weggehen. König hat kein Problem, über Geld zu reden. Er mag den Reiz des Kommerziellen. Meine Karriere, sagt er, wäre in Deutschland nicht möglich gewesen – zu viele Zweifler. Zu jung, zu unerfahren, hätte es geheißen. »Keine deutsche Bank hätte mir das Geld je gegeben.« Er nennt sich gern Art-Dealer, und natürlich weiß er, dass das in Deutschland anrüchig klingt. In Deutschland, sagt er, gehöre Kunst ins Museum. In New York sei sie ein Business: Heiß ist, wer die höchsten Preise erzielt. Gerade erst hat König zwei große Schnabel gekauft, 750 000 das Stück. Schnabel ist für einen Oskar nominiert, sagt König. »Ich glaube nicht, dass die Preise ansteigen. Ich weiß es.« »Was ist der Unterschied zwischen den Deutschen und den Amerikanern?«, fragt er und deutet auf sein Bierglas, in dem noch ein Schluck drin ist. »Für mich ist das halb voll, für die Deutschen ist es halb leer.«

Rede ich zu laut?, fragt er und grinst. Eigentlich hat König Jetlag, obwohl er nach dem Start in Newark wie immer gleich sein heißes Wasser bestellt, seinen mitgebrachten Gallenteebeutel reingehängt, seine Ambien-Schlaftablette runtergespült und seine Maske aufs Gesicht gezogen hat. Im Flieger maximal zu schlafen sei das Wichtigste, sagt er, damit der Körper zwischen den Kontinenten funktioniere. In München wohnt er im Hotel Vierjahreszeiten, weil das den besten Fitnessraum hat. Er hat inzwischen gelernt, seinen Körper auszutricksen: Immer in Bewegung bleiben, damit die Müdigkeit keine Chance hat, sich von den Gliedern in den Kopf zu fressen. Es geht um Kontrolle. Er müsse immer alles gleichzeitig am Laufen halten, sagt König, während er eine E-Mail nach Madrid in seinen Blackberry tippt. Er habe Telefonrechnungen von 5000 Dollar im Monat, aber dafür könne er immer und überall spontan reagieren. Für eine Vernissage fliegt er schnell nach Tokyo. Die Zeit ist seine wichtigste Währung, und vielleicht ist die Zeit dort oben, wo er ist, dünner. König ist ein moderner Handelsreisender, ein Vermittler zwischen denen in der Sonne und jenen, die ans Licht drängen. Manche seiner Sammler sind Hedgefonds-Milliardäre, die ein Hobby suchen; manche seiner Künstler füttert er durch und zahlt ihnen die Miete. Er sagt, er sei eine Art Entertainer, und oft saugen all die Kontakte, all diese Gespräche ihn aus. Die Welt da oben, die der Käufer, habe sich in den letzten Jahren verändert. Immer mehr Russen pumpen junges Geld in den Markt, neuerdings sind Investmentfonds mit Kunstwerken ein Trend; die Kaugummi-Typen haben zugenommen, die keine Ahnung haben und für ein Bild 70 000 Dollar in Cash zahlen. Die Welt da oben kann König diagnostizieren. Die Welt da unten rauscht als Zeitungsmeldung in der New York Times an ihm vorbei. Pisa, Hartz IV und Mindestlohn – Wortfetzen von einem anderen Planeten, über die er hinwegblättert wie über die Meldung von einer Flutkatastrophe in Bangladesch. König hat einen weiten Weg hinter sich. In München, wo er aufgewachsen ist, fühlt er sich heute fremd. Heimat ist für ihn, wenn er in New Jersey landet und

VON ANITA BLASBERG

der Schuhputz-Boy im Flughafen »Hi Leo!« ruft, wenn er dann im Taxi sitzt und durch den Tunnel nach New York reinfährt. Er liebt diese Stadt, der er alles zu verdanken hat, ihre Schnelligkeit, das Rohe. Die Deutschen seien zu sensibel, sagt er. Sie müssten beweglicher werden, optimistischer. Auf Messen erlebt er es immer wieder, die fehlende Naivität, die fehlende Neugier. Jeder schaue nur auf den anderen und vergleiche, aber da gebe es eine amerikanische Redewendung: to compare is to despair – zu vergleichen heißt zu verzweifeln. König selbst hat diese Sicherheit, dass er immer irgendwie sein Geld machen wird. Seine Augen leuchten in einem erstaunlich jungen Gesicht. König wirkt, als wäre er als Kind in einen Eimer voll Zuversicht gefallen. Es gab eine Zeit, da wachte er nachts im Hotelbett auf und wusste nicht, in welcher Stadt er war. Panikattacken hatte er, fühlte sich leer. König beschloss gegenzusteuern. Auch deshalb flieht er nun manchmal auf seine Rinderfarm. Bis vor drei Jahren kannte König kein Wochenende, und neulich ist ihm aufgefallen, dass er zu viele Staaten nur an den Flughäfen erkennt. Also hat er letzte Woche einen Künstler in Texas besucht, und auf dem Rückweg nahm er nicht den Flieger, sondern fuhr mit dem Auto zurück, 13 Stunden, quer durch das riesige Land. Der Blick in die Weite, das war der Moment, den er suchte. Es gehe ihm jetzt darum, Dinge wirklich aufzunehmen, sagt er. Das Tempo zu drosseln. König schiebt den leeren Schnitzelteller beiseite. Im Mai will er an seinem ersten Triathlon teilnehmen. Und wenn er mal Kinder hat – vielleicht zieht er dann zurück nach Deutschland. Um Ruhe zu finden. Um seinen Kindern eine so freie Kindheit zu schenken, wie er sie hatte. Die nächste Geschichte aus der Arbeitswelt: WIRTSCHAFT, SEITE 22

" ZEITSPIEGEL

" NÄCHSTE WOCHE IN DER ZEIT

" WORTE DER WOCHE

Sechs Vorurteile über Hamburg. Am 24. Fe-

»Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.«

»Frankreich ist das Land der Menschenrechte.«

»Er ist gegen Abtreibung. Seine Prinzipien sind, wie ich sehe, solide und einwandfrei.«

Ghetto-Blogs

Recep Tayyip Erdoğan, türkischer Ministerpräsident, zur Integrationsdebatte

Ayaan Hirsi Ali, niederländische Politikerin und Islamkritikerin, zur Frage, warum sie Französin werden möchte

George W. Bush, Präsident der USA, über John McCain, republikanischer Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur

»Das ist Gift für die Integration, führt zu Ghettos und zu einer Kleintürkei in Deutschland.«

»Wir sind uns theologisch und menschlich so nah, dass es schwer sein wird, Unterschiede zu erkennen.«

Erwin Huber, CSU-Vorsitzender, zur Forderung Erdoğans, in Deutschland türkische Schulen einzurichten

Robert Zollitsch, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, über sich und seinen Amtsvorgänger

»Für die Erniedrigung und Herabsetzung, die wir einem stolzen Volk und einer stolzen Kultur zugefügt haben, bitten wir um Verzeihung.«

»Es scheint unvermeidlich, dass bestimmte Versatzstücke der Scharia bei uns gesellschaftlich und rechtlich anerkannt werden.«

»Sie demütigen die Würde unseres Volkes und schwächen unseren demokratischen Staat.«

Zumindest in der virtuellen Welt sind alle gleich: Vor zwei Jahren hat das schweizer Wochenmagazin L’Hebdo im Pariser Problemvorort Bondy einen Internet-Blog gegründet. Die Journalisten wollten nach den Straßenschlachten des Herbstes 2005 aus dem Alltag des Migrantenghettos berichten. Nun haben die Schweizer auch im noblen Neuilly-surSeine einen Mitarbeiter stationiert und berichten auf einem neuen Blog aus dem ghetto du gotha, dem Reiche-Leute-Ghetto bei Paris. Auf der Internetseite kommen alle Einwohner zu Wort, vom Politiker bis zur Putzfrau. Möglich, dass dort auch Neues über Frankreichs liebstes Tratschthema Nicolas Sarkozy zu erfahren ist. Immerhin war er 20 Jahre lang Bürgermeister im Ort. BOY

bruar wird im Stadtstaat eine neue Bürgerschaft gewählt. Wie steht es um die Kultur in der Hansestadt? Wer könnte das besser beurteilen als jemand aus München, der ewig rivalisierenden Stadt? Wir haben die Münchner Autorin Harriet Köhler gebeten, ihre Vorurteile über das kulturelle Leben der Pfeffersäcke vor Ort zu überprüfen FEUILLETON Das Kapital! Um den Handel mit Gütern zu

erleichtern, erfand der Mensch Münzen, Scheine, Plastikkarten. Aber Geld ist mehr als ein Tauschmittel. Es ist Projektionsfläche, Rohstoff für die Wirtschaft – und es kann Existenzen ruinieren. Eine Reportage aus der Bankenmetropole Zürich von Wolfgang Uchatius. Das Wissen der Welt: Geld – 18. Folge des ZEIT-Bildungskanons WISSEN

Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury, zur Frage der Anwendung des islamischen Rechts in Großbritannien

»So ein vernebeltes Gerede schafft nur Probleme. Die Wahrheit ist: Die meisten Muslime wollen keine Scharia.« Khalid Mahmoud, Labour-Abgeordneter, zum selben Thema

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Wladimir Putin, russischer Präsident, zur angeblichen Einmischung westlicher Staaten in die Innenpolitik seines Landes

»In der Nato dürfen sich nicht manche Alliierte den Luxus leisten, sich nur für stabilisierende und zivile Operationen zu entscheiden.« Robert Gates, amerikanischer Verteidigungsminister, zur Rolle der Bundeswehr in Afghanistan

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Kevin Rudd, australischer Premierminister, in einer offiziellen Entschuldigung seiner Regierung an die Ureinwohner des Landes

»Dies ist eine absolute Katastrophe. Es ist, wie wenn Familienmitglieder nicht mehr da sind.« Lukas Gloor, Zürcher Museumsleiter, über die vier aus der Sammlung E. G. Bührle gestohlenen Gemälde

»Ich empfehle den Deutschen die Produktion von Tränentüchern.« Alfred Gusenbauer, österreichischer Bundeskanzler, zum deutsch-österreichischen Duell bei der Fußball-Europameisterschaft

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DIE ZEIT Nr. 8

Heike Reiher

Foto: Gerhard Westrich fĂźr DIE ZEIT

studierte Ă–konomie in der DDR und betrieb nach dem Mauerfall mit ihrem Mann mehrere Juweliergeschäfte in Berlin. Dann kam die Scheidung. Sie lieĂ&#x; sich zur ÂťNail-DesignerinÂŤ ausbilden und erĂśffnete ihr eigenes Nagelstudio

Wir hier unten

In Deutschland geht es ungerecht zu, findet Heike Reiher, die ein Nagelstudio in Berlin-Marzahn hat. Viele arbeiten weniger als sie und haben mehr In Deutschland erÜffnen mehr Nagelstudios denn je, 2007 stieg ihr Umsatz um 20 Prozent. Der Alltag wird härter, das Bedßrfnis wächst, dem KÜrper etwas Gutes zu tun. Je schlechter man sich fßhlt, desto schÜner will man scheinen. Am Ende des Monats fßllt sich Reihers Studio, da wird Hartz IV ausgezahlt. Manche Kundinnen rufen auch an und verschieben Termine mit den Worten: Das Kindergeld ist noch nicht auf dem Konto.

ÂťNageltante – das klingt nach rauchender BlondineÂŤ Reiher beugt sich Ăźber die Finger ihrer Kundin, nimmt einen Pinsel und modelliert eine dicke Acrylschicht auf die Nägel, vorn an den Spitzen malt sie einen weiĂ&#x;en Rand. Reiher arbeitet nur mit Acryl, andere arbeiten nur mit Gel. Eine Konkurrentin hat vor Kurzem Zettel in Marzahn verteilt, darauf stand, dass Acryl ÂťgesundheitsgefährdendÂŤ sei. Eine neue Feindin. Acryl oder Gel – das ist ein Kampf der Systeme. Jede Seite behauptet, die andere Technik sei schädlich, eklig, indiskutabel. ÂťAcryl kommt aus Amerika, wenn es gesundheitsgefährdend wäre, hätten die sich schon totgeklagtÂŤ, sagt Reiher. Seit fĂźnf Jahren ist sie Nail-Designerin, seit sich die Sicherheit aus ihrem Leben verabschiedete, seit der Scheidung von ihrem Mann. FrĂźher, in der DDR, hat Reiher Ă–konomie studiert, später betrieb sie mit ihrem Mann mehrere Juweliergeschäfte in Berlin. Nach der Trennung behielt er die Läden, und sie musste sich eine Arbeit suchen, die sie mit wenig Aufwand anfangen konnte. Zu Beginn war ihr der neue Beruf peinlich: ÂťNageltante, das klingt nach rauchender Blondine. Aber fĂźr welche Selbstständigkeit muss man so wenig mitbringenÂŤ, sagt sie. Reiher grĂźndete eine Ich-AG, und das Arbeitsamt zahlte ihr die 1500 Euro fĂźr die private Ausbildung. Im Prinzip kann sich jeder Nail-Designer nennen, sich ein Zertifikat bei eBay herunterladen und ein Studio erĂśffnen. Wenn Reiher an die vielen Amateure in ihrer Branche denkt, erscheinen zwei Falten in ihren Mundwinkeln. ÂťEs gibt doch sonst fĂźr alles Verordnungen in Deutschland.ÂŤ Von der StraĂ&#x;e ertĂśnen Schreie, zwei Schulkinder schlagen sich vor dem Schaufenster, der Inhalt ihrer Ran-

K B R Fkhi+@A

zen verteilt sich Ăźber den BĂźrgersteig. Reiher geht hinaus, um ihnen zu sagen, dass sie sich gefälligst auf der anderen StraĂ&#x;enseite prĂźgeln sollen. Das sind die Augenblicke, in denen sie von Studios in ÂťToplagenÂŤ wie Mitte oder Prenzlauer Berg träumt. Da wĂźrde sie etwas ganz ÂťDurchgeknalltesÂŤ probieren. Neben der ManikĂźre Sekt anbieten oder mehrere Kaffeesorten. In Marzahn geht das nicht. ÂťDeutsche halten sich hier nicht. Die ›Geiz ist geil‚-Debatte hat alles versaut.ÂŤ Alle wollen alles billiger. Reiher erzählt Horrorgeschichten von runtergefrästen Nagelbetten, abgeplatzten Nägeln, Pilzerkrankungen in den vietnamesischen Studios. ÂťWarst du mal beim Vietnamesen?ÂŤ, fragt sie eine Kundin am Nebentisch. ÂťJa, nach ein paar Tagen sind mir drei Nägel abgebrochen.ÂŤ Reiher nickt verständnisvoll: ÂťWie viel hast du gezahlt?ÂŤ – Âť25 Euro.ÂŤ Reiher schnauft kurz. Manchmal drohen die Grenzen zwischen den Feinden aber auch zu verwischen. Reiher schämt sich, wenn Frauen aus dem Westteil der Stadt extra zu ihr reisen, weil es im Osten so billig ist. Im Westen kĂśnnte sie fĂźr eine Neumodellage 70 bis 80 Euro nehmen. Heike Reiher nimmt gesellschaftliche Schwingungen auf und gibt sie weiter wie ein Seismograf. Etwa hundert Stammkundinnen kommen jeden Monat zu ihr. ÂťVon der Hartz-IV-Empfängerin bis zur Frau Doktor.ÂŤ Ihr ist aufgefallen, dass viele ausländerfeindlicher werden, sie selbst auch. ÂťAber Oksana hier ist goldigÂŤ, sagt Reiher laut. ÂťWoher kommst du noch mal?ÂŤ, fragt sie die blonde Frau am Nebentisch. ÂťVom Ural!ÂŤ, sagt Oksana. Die Russlanddeutsche zahlt 460 Euro ÂťTisch-MieteÂŤ im Monat an Reiher und bedient ihre eigenen Kunden. Reiher hat nur eine richtige Angestellte, sie bekommt 800 Euro im Monat. Sie wĂźrde gern mehr Frauen einstellen, aber die Lohnabgaben sind ihr zu hoch. Wenn sie 4000 Euro Umsatz macht, war es ein guter Monat. Davon muss sie alles bezahlen. ÂťWas ist, wenn ich ausfalle?ÂŤ, fragt sie. Seit einem Unfall hat sie Diabetes, also wollte sie eine Versicherung fĂźr Schwerkranke abschlieĂ&#x;en, sich ein wenig Sicherheit kaufen. Sie wurde abgelehnt. FrĂźher ist sie mit ihren Mitarbeitern und Azubis oft am Wochenende weggefahren. ÂťAber ich lasse die nicht mehr zu nah ran, die hauen nur ab und nehmen

die Kunden mit.ÂŤ Wenn sie von gemeinsamen Weihnachtsfeiern erzählt, wirkt sie fĂźr einen kurzen Augenblick glĂźcklich, aber nur so lange, bis das Misstrauen wieder siegt. Freundlichkeit macht verletzbar. ÂťIch bin härter gewordenÂŤ, sagt sie. Bei Problemen will sie meist die Roland-Koch-Methode anwenden: Mit grĂśĂ&#x;tmĂśglicher Härte reagieren – kriminelle Ausländer sollten sofort in den Jugendknast wandern, Arbeitslose zu jeder Arbeit gezwungen werden kĂśnnen, und gegen Sozialmissbrauch schlägt sie Lebensmittelmarken vor.

ÂťMein Mann hat mich erst am Flughafen abgesetzt und ist gleich zur Nächsten!ÂŤ Heike Reiher findet Deutschland nicht gerecht, weil es immer jemanden gibt, von dem sie vermutet, dass er weniger arbeitet oder gar nicht und es ihm trotzdem besser geht als ihr. Obwohl sie eigentlich nicht unzufrieden ist. Sie wĂźrde gern noch mehr Studios erĂśffnen, und sie muss niemanden nach Pausen, Urlaub oder Arbeitszeiten fragen. Sie mag es auch, dass Nagelstudios männerfreie Zonen sind, Männer bestimmen nur die Gespräche. Gerade erzählt Reiher ihrer nächsten Kundin von ihrem Freund oder besser Exfreund: ÂťDer ist zweigleisig gefahren, hat mich erst am Flughafen abgesetzt und ist dann gleich zur Nächsten!ÂŤ Die Kundin stĂśhnt nur kurz leise auf. Reiher streicht Ăźber deren lila glitzernden Nägel. ÂťSo, jetzt biste wieder TussiÂŤ, sagt sie ihr zum Abschied. FĂźr diese Woche hat Heike Reiher keinen Termin mehr frei. Das Telefon klingelt trotzdem. Sie kĂśnnte Oksana fragen, die neben ihr Nägel feilt, ob sie Zeit hätte. ÂťAber dann wĂźrde das Geld in ihr Portemonnaie flieĂ&#x;en.ÂŤ Manchmal sitzt der Feind auch am Nebentisch. Die nächste Geschichte aus der Arbeitswelt: WISSEN, SEITE 34

Ebo_boqslkH^o^g^kĂŒ Prmbopq^oaboHi^ppfh Er war der erste Popstar der Klassik und ist als KĂźnstler und Selbstdarsteller bis heute Mythos und ReizďŹ gur zugleich geblieben. ZEIT Geschichte erkundet in seiner neuen Ausgabe zum 100. Geburtstag Herbert von Karajans die Lebens- und Wirkungsgeschichte des berĂźhmtesten Dirigenten der Nachkriegszeit. Der Interpret Beethovens und Bruckners steht dabei genauso im Blickpunkt wie der glamourĂśse Jetsetter und perfektionsbesessene Techniknarr. BerĂźhmte Kollegen wie Anne-Sophie Mutter, Nikolaus Harnoncourt, Christian Thielemann und andere erinnern sich an ihre Begegnungen mit Herbert von Karajan. Nehmen Sie sich=HLWI‚U*HVFKLFKWH

.DUDMDQLQ+}FKVWIRUP Erleben Sie HĂśhepunkte seines musikalischen Lebens mit der beiliegenden CD. Mit Werken von Beethoven, Bizet, Bruckner, Strauss, Tschaikowsky und Webern (Gesamtspielzeit: ca. 75 Min.).

=(,7*(6&+,&+7(.DUDMDQªLQNOXVLYH&'LVWMHW]WH[NOXVLYDP.LRVNI‚UQXUãHUKmOWOLFK'DV(LQ]HOKHIWRKQH&'I‚UQXUãHUKDOWHQ6LH HEHQIDOOVLP+DQGHORGHUXQWHU7HO³ RGHUVFKUHLEHQ6LHDQDER#]HLWGH*14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise kÜnnen abweichen.

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ZEIT GESCHICHTE wird herausgegeben vom Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG ¡ Speersort 1 20095 Hamburg ¡ Geschäftsfßhrer Dr. Rainer Esser ¡ Sitz und Registergericht Hamburg HRA 91123

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on ihrem Nagelstudio hat Heike Reiher einen guten Blick auf ihre Feinde. Wie in einem Aquarium sitzt sie in ihrem rundum verglasten Laden in Berlin-Marzahn und hält die Finger ihrer ersten Kundin in der Hand. Wenn Reiher nach rechts schaut, fällt ihr Blick auf Plattenbauten, daneben in dem orangefarbenen Haus sitzen sie – die Feinde. Ihre ehemaligen Azubis, denen Reiher alles beigebracht hat, die sich dann zum Dank selbstständig gemacht und ihre Kunden mitgenommen haben. Das sind nicht die einzigen Feinde in Reihers Nähe, nebenan in der Ladenzeile gibt es ein paar Vietnamesen. Heike Reiher nennt sie ÂťFidschisÂŤ. Vietnamesische Nagelstudios sind billig, und, was sie am meisten ärgert, viele von ihnen liegen in den besten Gegenden der Stadt. Eine ÂťNeumodellageÂŤ der Nägel kostet bei Reiher 54 Euro, die Vietnamesen machen es etwa fĂźr die Hälfte. ÂťDie machen die Preise kaputt und haben keine AusbildungÂŤ, sagt sie. Heike Reiher ist 43, hat ihre Haare rĂśtlich getĂśnt, trägt ein buntes eng anliegendes Kleid, und ihre Fingernägel sind zu ÂťStilettosÂŤ spitz gefeilte, pink leuchtende Kunstwerke. Es sieht aus, als wĂźrde sie versuchen, mit Farbe gegen das Grau vor ihrem Fenster anzukämpfen. Reiher kann jeden Tag aus der ersten Reihe den Niedergang des Viertels verfolgen. Sie deutet auf eine junge Familie, die gegenĂźber an der Ampel wartet, die Eltern sind hĂśchstens Mitte 20, halten drei Kinder an den Händen und haben schon vormittags Zeit, EinkaufstĂźten nach Hause zu tragen. ÂťMarzahn ist keine gute LageÂŤ, sagt Reiher. Das Wenige, was hier seit Jahren steigt, ist die Zahl der Nagelstudios. In Reihers unmittelbaren Umkreis gibt es sechs, aber kein Laden heiĂ&#x;t so wie ihrer: ÂťEmotion ganz ichÂŤ war die Idee einer Werbefirma. ÂťDas klingt so doof, dass es schon wieder gut istÂŤ, sagt Reiher.

VON JANA SIMON


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Geschichten aus der Arbeitswelt, Teil 3

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Harald Christ Abitur, Studium – dafür reichte das Geld nicht. Millionär wurde der 36-jährige Arbeitersohn trotzdem. Als Banker und Unternehmer spendet er für die Schwächeren. Viele Deutsche könnten sich aber ein bisschen mehr anstrengen, meint er

Wir hier oben

In Deutschland kann noch immer jeder alles werden, findet der Banker Harald Christ

Foto: Gerhard Westrich für DIE ZEIT

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ieser Donnerstag ist ein Bank-Tag, deshalb trägt Harald Christ die IWC, eine von ungefähr zehn Uhren, die der 36-Jährige besitzt. Die IWC wählt er bei Kundengesprächen und offiziellen Veranstaltungen, »Terminen, bei denen ich mich zurücknehme«, sagt Christ. Die Uhr ist elegant, aber schlicht, man muss sich auskennen, um zu wissen, dass sie je nach Modell bis zu zehntausend Euro kostet. In den Schränken stapeln sich Champagnerflaschen, Bildbände, Süßigkeiten – Geburtstagsgeschenke vom vergangenen Wochenende. Das Meiste wird Harald Christ an seine Mitarbeiter weiterverschenken – weil die es besser brauchen können als er und ein Geldmann heute sehr vorsichtig sein muss. Von einem Geschenk zum Vorwurf der Vorteilsnahme ist es nicht weit. Christ ist Bevollmächtigter der Weberbank, einer Berliner Privatbank, die Kunden mit einem Vermögen ab 500 000 Euro aufwärts betreut. Er ist als Bereichsvorstand bei der Düsseldorfer WestLB zuständig für Sparkassen und Privatkunden. Er ist Unternehmer. In den Zeitungen heißt es, er sei 100 Millionen schwer. »Können Sie vergessen, die Zahl«, sagt Christ. Es sei eher mehr. Spätestens da wird klar, dass der 1,90-Meter-Mann kein typischer Banker ist. Er ist ganz oben, aber er kommt von unten. 1972 geboren in Gimbsheim bei Worms als Sohn eines Opel-Arbeiters und einer Hausfrau, kein Abitur, kein Studium, für beides reicht das Geld nicht. 69 Bewerbungen schreibt Christ, um eine Lehrstelle zu bekommen. Bei der Deutschen Bank sagt ihm die Personalchefin nach dem Vorstellungsgespräch: »Ihr Zeug-

nis ist gut. Ihr Test war gut. Ihr familiärer Hintergrund passt nicht zu der Klientel, die wir bedienen.« Er bekommt eine Lehrstelle bei den Wormser Stadtwerken als Industriekaufmann. Mit 30 steigt er bei dem Fondsanbieter HCI in Hamburg ein. Statt eines hohen Gehalts handelt Christ eine Beteiligung heraus und baut das Unternehmen aus. Als er sein Aktienpaket fünf Jahre später verkauft, ist er Multimillionär. »Hätte ich die Lehrstelle bei der Deutschen Bank bekommen, wäre ich jetzt bestenfalls Filialleiter«, sagt Christ. Zur Deutschen Bank kommt er später noch, als Direktor für Private Banking, bewerben muss er sich da nicht mehr. Jetzt sitzt Christ in seinem Berliner Büro bei der Weberbank, er ist gerade aus Düsseldorf zurück, wo er drei Tage lang mit um die Rettung der WestLB verhandelt hat. Auf dem Fernsehschirm läuft leise n-tv. Vor Christ liegt ein Blatt Papier mit den Terminen des Tages, ganz oben stehen wichtige Geburtstage, darunter Dr. Josef Ackermann. Christ hat ihm eine Karte geschrieben, anrufen wäre heute zwecklos, Ackermann stellt in Frankfurt die neuen Ergebnisse der Deutschen Bank vor.

Bei Heimatbesuchen hat er früher den Dienstwagen um die Ecke geparkt »Wir haben einen Gewinn von 8,7 Milliarden Euro vor Steuern gemacht«, sagt Ackermann im Fernsehen. »Boah!«, ruft Christ. Dann telefoniert er mit einem Analysten, um herauszufinden, warum der DAX trotzdem leicht nach unten und der Kurs der Deutschen Bank nicht nach oben gegangen ist. Für die Deutschen ist Ackermann eine Reizfigur, die Verkörperung der sozialen Ungerechtigkeit, für Christ ist er ein Beispiel dafür, dass Deutschland eine Neidgesellschaft sei: »Da hat einer ein Unternehmen erfolgreich geführt, Arbeitsplätze erhalten, Steuern gezahlt – aber die Leute regen sich auf, dass ein Topmanager wie einer bezahlt wird.« Als Jugendlicher hat Harald Christ einen Satz von Abraham Lincoln gelesen: »Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt.« Der Satz ist so etwas wie Christs Motto geworden. Wobei

VON TINA HILDEBRANDT

Christ findet, man solle den Starken durchaus auch etwas abverlangen. »Richesse oblige«, Reichtum verpflichtet, sagt er in seinen Vorträgen. In Hamburg war er Schatzmeister der SPD, er wurde als Spitzenkandidat und Landesminister gehandelt, er verachtet die Politik nicht, so wie viele Wirtschaftsbosse. Er sagt den Managern, dass sie dem Land etwas schulden. Dass Deutschland verglichen mit anderen Ländern zwar gerecht sei, aber in sich ungerechter geworden sei.

Sein Bekanntenkreis ist für Christ ein Mikrozensus der Republik Einmal im Monat fährt Christ nach Hause, zu seinen Eltern nach Gimbsheim. Bis vor fünf Jahren hat er den 7er BMW, den er damals als Dienstwagen fuhr, immer um die Ecke geparkt und ist zu Fuß zum Haus seiner Eltern gegangen. Nie hätte er sich bei dem Schuhputzer am Hamburger Flughafen, an dem er oft vorbeikam, die Schuhe putzen lassen. Vielleicht hätte ihn jemand gesehen, und es hätte geheißen: Jetzt lässt sich der Schnösel schon die Schuhe putzen! Irgendwann, sagt Christ, habe er sich gefragt: Wessen Leben lebe ich eigentlich? Seitdem parkt er nicht mehr um die Ecke. Ein komisches Gefühl ist trotzdem geblieben. Schlechtes Gewissen würde Christ es nicht nennen, er spricht von Unbehagen. Als Jugendlicher war Harald Christ rheinland-pfälzischer Landesmeister über 100 Meter Sprint. Was er macht, will er gut machen. Geld, sagt er, treibe ihn schon lange nicht mehr an, er könnte von den Zinsen der Zinsen leben. Jetzt will er nicht nur ein Reicher sein, er will ein guter Reicher sein. Bei HCI Capital setzte sich Christ dafür ein, dass Kinder umsonst in die Hamburger Museen gehen konnten, die Weberbank spendet für das Berliner Kinderhilfsprojekt Arche, Christ selbst engagiert sich für Journalisten in China und Kinder aus Tschernobyl. Trotzdem sei er ein Kapitalist, ein Gewinnmaximierer, sagt Christ. »Wir spenden, weil wir es können.« Die Frage ist, ob man einer Heuschrecke beim Fressen Moral beibringen kann. Christ glaubt, man kann.

Er ist mit seiner Beteiligungsgesellschaft Christ Capital auch selbst Heuschrecke. Für seine Beteiligungen hat er drei Kriterien aufgestellt: Die Firmen sollen überdurchschnittlich ausbilden, sie müssen sich sozial engagieren, und sie dürfen keine Entlassungen vornehmen. Zwei der Bedingungen müssen die Unternehmen erfüllen. Sein Tag hat 15, 16 Stunden, die Tageszeitungen liest Harald Christ meist erst gegen Mitternacht. Wie viele seiner Kunden hat auch er ein familiy office, ein Büro, das seine Opernkarten bucht, seine Abrechnungen macht, seine Hemden zur Reinigung bringt. Nur eine Familie, Kinder hat er nicht. Noch nicht, sagt Christ, er ist ja erst 36, auch wenn er schon seit 15 Jahren das Leben eines 50-Jährigen führt. Privat fährt er zur Zeit einen Smart und einen Golf. Den Dienstwagen mit Fahrer hat er vorläufig abgeschafft, wegen der Einschnitte, die bei der WestLB anstehen. Christ ist überzeugt, dass in Deutschland noch immer jeder im Prinzip alles werden kann. Mit den Kategorien »oben« und »unten« kann er nichts anfangen. Er hat über 20 Onkel und Tanten, er kommt aus einer großen Familie mit einem noch größeren Bekanntenkreis. Das ist sein Mikrozensus der Republik: Beamte, Arbeiter, Angestellte, Hartz-IV-Fälle, alles ist dabei. Auch ein 14-jähriger Nachbarsjunge mit arbeitslosen Eltern, die wenig für ihn tun. »Der wird es schaffen«, sagt Christ, »der spielt auch Fußball, aber nicht nur. Auf seinem Schreibtisch liegen Bücher, er arbeitet hart an sich, und irgendwann wird er oben sein. Und dann werden die anderen, die immer nur auf dem Bolzplatz waren, nicht sagen: Tolle Leistung! Die werden sagen: Wieso der, wieso nicht wir?« Die nächste Geschichte aus der Arbeitswelt: FEUILLETON, SEITE 48

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Geschichten aus der Arbeitswelt, Teil 4

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14. Februar 2008

DIE ZEIT Nr. 8

Klaus SchĂźrmanns Seit 24 Jahren leitet er die Redaktion des ÂťKlever WochenblattsÂŤ, eines kostenlosen Anzeigenblatts im Rheinischen. Zwischen den Inseraten macht der 48-Jährige streitbaren Journalismus, privat kĂźmmert er sich mit einem Verein um die Sanierung des Freibads in seinem Wohnort Kevelaer â&#x20AC;&#x201C; die Gemeinde wollte dafĂźr nicht mehr bezahlen

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In Deutschland fallen inzwischen auch qualifizierte Leute durch den Rost, sagt Klaus SchĂźrmanns, Redakteur bei einem Anzeigenblatt

Foto: Gerhard Westrich fĂźr DIE ZEIT

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a simmer dabeiÂŤ, scheppert es seit einer halben Stunde von den Rosenmontagswagen, und SchĂźrmanns kann sich kaum noch konzentrieren. Er sitzt alleine in der Redaktion des Klever Wochenblatts und plant die Seiten fĂźr die Mittwochsausgabe. Mit Kugelschreiber und Lineal verteilt er Anzeigen auf weiĂ&#x;en Blättern, Firma Vels will auf die dritte Seite, der Wochenmarkt will unter Firma Vels, die einen wollen zwei Spalten, die anderen nur eine. SchĂźrmanns wirkt irgendwie aufgekratzt. Als er sich verzeichnet, knĂźllt er das Papier zusammen und sagt: ÂťIch muss jetzt auch mal raus, Gesicht zeigen.ÂŤ Er hängt sich einen Orden um den Hals, den ihm Prinz Thorsten letzte Woche Ăźberreicht hat, als er die Redaktion besuchte, und auf dem Weg nach drauĂ&#x;en deutet SchĂźrmanns auf ein groĂ&#x;es Bild. ÂťHat Udo Lindenberg gemaltÂŤ, sagt er. Es zeigt, wie Lindenberg auf dem Bock eines Dreispänners mit wehenden Haaren und geschwungener Peitsche auf den Reichstag zuhält. Es ist ein Bild, in dem sich SchĂźrmanns auf gewisse Weise wiederfinden kĂśnnte. Klaus SchĂźrmanns war ganz unten. Als er vor 24 Jahren die Redaktionsleitung Ăźbernahm, hatte das Wochenblatt ein mieses Image. Wenn Pressekonferenz im Rathaus war, dann wurde er nicht eingeladen, und wenn er trotzdem hinging, rĂźmpften die Kollegen von der Tagespresse ihre Nasen. Wer nichts kostet, dachten sie, der kann nichts taugen. Wer von Anzeigen lebt, der schafft ja bloĂ&#x; ein angenehmes Umfeld. Die Leute dachten, SchĂźrmanns mache Schmuddeljournalismus. Doch das ist lange her. Als die Redaktion vor zwei Jahren in die neuen Räume zog, rief SchĂźrmanns den Verwaltungschef vom Museum Schloss Moyland an, den er durch seine Arbeit mittlerweile ganz gut kannte. Er fragte, ob das Museum im Archiv nicht was fĂźr seine weiĂ&#x;en Wände hätte, und dann fuhr er hin und suchte ein paar Bilder aus. So kam er an den Lindenberg. ÂťAuf VertrauensbasisÂŤ, sagt er, Âťohne Leihvertrag. Da sind wir jetzt.ÂŤ

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Kurz darauf steht er in seiner blauen Daunenjacke wippend in der Kälte und zeigt Gesicht. Nächstes Jahr wird Schßrmanns fßnfzig, doch er lächelt immer noch so unverstellt und offen wie ein kleiner Junge. Manchmal, wenn er jemanden erkennt auf einem Wagen, winkt er. Einmal bßckt er sich nach einem Kugelschreiber. Er sieht torkelnden Jugendlichen nach, und dann rempelt ihn ein Mädchen an, das kaum älter sein dßrfte als zwÜlf. Das Mädchen hat wenig an, es trinkt ein Bier. Unfassbar, murmelt Schßrmanns. Das hat es frßher nicht gegeben.

Wohin fĂźhrt das, wenn gute Journalisten nicht mehr gebraucht werden? FrĂźher, als er volontierte, leitete der gleichaltrige Ronald Pofalla die Fraktion der CDU in Weeze. SchĂźrmanns kannte ihn, sie waren auf derselben Schule fĂźr Sozialarbeit, und manchmal trafen sie sich auf Terminen, zu denen SchĂźrmanns mit dem Fahrrad fuhr. Heute ist Pofalla Generalsekretär der CDU, SchĂźrmanns bewundert ihn fĂźr die Kraft, mit der er alles daransetzte, aufzusteigen. Beide kamen sie aus einfachen Verhältnissen, auch Pofalla war mal HauptschĂźler, und nach einer Weile ging er dann nach DĂźsseldorf, um Jura zu studieren. SchĂźrmanns war nur einmal dort, fĂźr eine Hospitanz bei der Rheinischen Post. Drei Monate blieb er, und am Ende riet ihm eine Redakteurin: Gehen Sie zurĂźck nach Kleve. Dort sind Sie der KĂśnig. SchĂźrmanns folgte ihrem Rat, fortan fĂźllte er den Platz zwischen den Anzeigen mit Journalismus. Er deckte auf, dass ein groĂ&#x;es Klever Unternehmen PlastikmĂźll auf einer Deponie entladen hatte, anstatt ihn ordnungsgemäĂ&#x; zu entsorgen. Er dokumentierte den Verfall einer Kapelle in Bedburg-Hau und wetterte gegen die Stadt, die jahrelang nichts unternahm, um den Verkehr auf der gefährlichen B 9 zu beruhigen. Die Kommentarspalte auf der Titelseite ist fĂźr SchĂźrmanns die Kanone mit dem grĂśĂ&#x;ten Rohr. Vor zwei Wochen, am Holocaust-Gedenktag, ätzte er gegen den BĂźrgermeister, dass die Gedenkveranstaltung zur gleichen Zeit stattfand wie eine Prunksitzung der Schwanenfunker. Noch am selben Tag rief der BĂźrgermeister ihn an, um sich Ăźber den Kommentar zu beschweren. SchĂźrmanns wird inzwischen ernst genommen. Morgen hat er einen Termin beim Chef der Stadtwerke, der exklusiv im Wochenblatt etwas verkĂźnden will, und als

im Januar Pofalla zu Besuch im Wahlkreis war, besuchte er auch SchĂźrmannsâ&#x20AC;&#x2122; Redaktion. Sie duzen sich inzwischen. SchĂźrmanns sagt, er habe GlĂźck gehabt. ÂťVerdammtes GlĂźck.ÂŤ Immer wieder sagt er, dass ihm die Zeitung TĂźren Ăśffne; dass sie ihm ermĂśgliche, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die er als Schlossersohn sonst niemals treffen wĂźrde. Wie Pofalla hat sich SchĂźrmanns hochgearbeitet, nur ohne Studium. Er verdient nun wie ein Lehrer, und in Kevelaer hat er ein Haus gebaut, in Kleve, sagt er, hätte er abends in der Kneipe keine Ruhe. SchĂźrmanns glaubt, eine Karriere wie die seine wäre heute kaum zu wiederholen. Das Land, meint er, sei undurchlässiger geworden, und er folgert das daraus, dass sich seit einer Weile Journalisten bei ihm melden, gut ausgebildete Leute, die Arbeit suchen, aber bei den Tageszeitungen nichts finden. SchĂźrmanns hat ein ungutes GefĂźhl dabei. Wohin fĂźhrt das, fragt er sich, wenn man selbst die guten Journalisten nicht mehr braucht, und er fragt es sich, obwohl er selber davon profitiert. In der Branchenkrise hat SchĂźrmanns einige begabte Schreiber eingestellt und gleichzeitig kaum Anzeigen verloren. Er sagt: ÂťWir haben jetzt zwar nicht mehr so viel Autoinserate, aber wenn einer fĂźr 30 Euro seinen Wellensittich loswerden will, dann stellt er den ja nicht ins Internet.ÂŤ

Diese besoffenen Kinder â&#x20AC;&#x201C; das ist neu, da läuft was aus dem Ruder Später am Nachmittag sitzt SchĂźrmanns wieder hinter seinem Schreibtisch. Er wirkt jetzt nachdenklich, er sagt, er sei erschrocken Ăźber all diese besoffenen Kinder, die immer mehr werden und immer jĂźnger, und dann Ăźberlegt er, ob er fĂźr Mittwoch was darĂźber schreiben soll. SchĂźrmanns sagt, die Jugend laufe aus dem Ruder, sie verwahrlose, werde gewalttätiger, irgendetwas lĂśse sich da schleichend auf, und in diesen Tagen sehe man das ganze AusmaĂ&#x; der Entwicklung. Es sind Tage der Enthemmung. Tage, in denen man sich gehen lässt, um die Sorgen in der Schule zu betäuben und den Stress zu Hause. SchĂźrmanns glaubt, die steigenden Promillepegel seien Hinweise darauf, dass diese Sorgen grĂśĂ&#x;er werden. Dass die Erwachsenen mit sich selbst beschäftigt sind. Dass sie eigene Probleme wälzen. Er selber hätte es nicht zugelassen, wenn seine TĂśchter in dem Alter so getrun-

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ken hätten, aber diese Jahre sind zum GlĂźck vorbei. Die Ă&#x201E;ltere studiert inzwischen, die JĂźngere macht gerade Abitur. Als er am Dienstagmorgen in die Redaktion kommt, schlieĂ&#x;t SchĂźrmanns die TĂźr und schreibt in einer Viertelstunde einen Kommentar, in dem er sich mit seinen Lesern anlegt. Er trägt den Titel Rote Karte fĂźr die Eltern. Sein Blatt setzt sich nun häufiger mit solchen Themen auseinander. Es gibt jetzt Geschichten Ăźber junge WeiĂ&#x;russen, Ăźber Zivilcourage oder die Frage, wie man im Alter leben soll. Das Soziale hat die Politik schleichend verdrängt, so wie die Goldhochzeiten die Silberhochzeiten verdrängt haben, weil es von den Jungen kaum noch jemand so weit schafft. SchĂźrmanns sagt, sie hätten reihenweise 100. Geburtstage, aber kaum noch mal ein 40-jähriges Dienstjubiläum. Wenn die Veränderungen, die er an seinem Blatt bemerkt, die Wirklichkeit abbilden, dann scheinen sich auch in der Provinz die alten Strukturen langsam aufzulĂśsen. Ihm sei aufgefallen, dass viele, die zum Studium fortgezogen sind, zurĂźckkommen, sagt SchĂźrmanns. Er spĂźrt bei ihnen eine Sehnsucht nach Vertrautheit, nach Ă&#x153;berschaubarkeit, nach einer Welt, in der die ErĂśffnung einer Boutique Nachrichtenwert besitzt und in der Todesanzeigen Neuigkeiten sind. Es ist eine Welt, die es in den groĂ&#x;en Städten kaum mehr gibt, und das, was hier noch davon Ăźbrig ist, will SchĂźrmanns mit dem Wochenblatt bewahren. Auf Seite zwei erfährt man deshalb, wenn der Nachbar heiratet oder das Kind des Nachbarn in der Fremde promoviert hat. Zuletzt hat er eine Serie gemacht, die Das Baby der Woche hieĂ&#x;, und jetzt, in der Karnevalsausgabe, druckt er jede Menge Leserfotos. Ă&#x153;ber die Jahre hinweg entsteht auf diese Weise eine Chronik, eine Art Familienalbum, und je länger SchĂźrmanns seine Heimat abbildet, desto mehr wird er ein Teil von ihr.

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Nr. 8

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Nr. 8 14. Februar 2008

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Geschichten aus der Arbeitswelt, Teil 5

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DIE ZEIT

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Stefan Grote Wo immer er eine Stelle antritt, wird sie gestrichen: 1983 fängt der Ingenieur bei der Post an. Dann wird privatisiert. 1998 geht er in den Niedersächsischen Landtag. Dann wird sein Wahlkreis aufgelöst. Zuletzt braucht die Telekom ihn nicht mehr. Nun ist er Bürgermeister in Braunlage

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In Deutschland fällt man schnell, aber man kommt wieder hoch. Stefan Grote, Bürgermeister im Harz, hat es erlebt

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eit Stunden hat das Telefon im Büro des Bürgermeisters nicht gebimmelt, seit Stunden stellt er sich immer wieder vor das Fenster, blickt durch den Schneeregen hinüber zur Wurmbergschanze und fragt sich: Müssen wir das Skispringen vielleicht doch nicht absagen? Schon möglich, sagt Stefan Grote, dass das unvernünftig klinge, aber hier im Ferienort Braunlage werde er für den Winter mitverantwortlich gemacht. Schon eine feine Schicht Schnee, die auf den Hausdächern kleben bleibe, und die Schlaglöcher in den Straßen seien vergessen, genauso wie die Millionenschulden der Stadt. »Was waren die Menschen glücklich, als es schneite.« Seit sich das Klima schneller wandelt als die Kleinstadt Braunlage, spricht Grote über den Winter im Imperfekt. Er ist 49, und er kann minutenlang aus seinem Fenster im Rathaus gucken, ohne dass sich sein Gesichtsausdruck verändert. Verlässt er freitagmittags sein Büro, dann wünscht er seiner Sekretärin ein schönes Wochenende, dreht sich auf dem Flur noch einmal um und ruft ihr zu: »Frau Weiß, vielleicht kommt sie noch, die weiße Pracht!« Mittelgebirge – nicht oben, nicht unten, da fängt das Problem an. Neulich hat sich der SPD-Bürgermeister auf ProSieben einen Film angeschaut, der eine Prognose wagte. In Brandenburg werde es keiner mehr aushalten, unmenschliche Hitze. An den Meeresküsten würden alle ertrinken. In den Flusstälern: derselbe Horror. Nur im Harz, nur hier werde das Überleben noch möglich sein. »Das muss in unsere Werbung«, sagte Grote zum Kurdirektor. Endlich ein Fernsehsender, der nicht die ausgeräumten Schaufenster aufgegebener Läden gefilmt hat. Stefan Grote interessiert sich für viele Dinge, die es nicht mehr gibt: für Dinosaurier, die Deutsche Bundespost, sozialdemokratische Bundeskanzler und weiße Winter. Er hat seinen Wählern das Gefühl gegeben, dass man feststecken kann in einer besseren Vergangenheit, ohne zu verzweifeln. »Du hast ja auch ewig Glück«, sagen Freunde zu ihm, aber Grote will das nicht gelten lassen. Glück, Zufall, nein, er glaubt an die unsichtbaren Zusammenhänge, an eine Kraft, von der die Menschen durchs Leben getragen werden. »Es ist bei mir sehr merkwürdig: Sobald ich einen Posten annehme, ist der sofort bedroht.« Grote sagt das mit dem fröhlichen Erkenntniseifer eines Ethnologen, der sich langsam über einen unerforschten Stamm klar wird und begreift: Deutschland muss eine Gegend voller Menschen sein, die ständig vom Absturz reden, im entscheidenden Augenblick aber immer gerettet werden. »Als Kohl zum Kanzler gewählt wurde, da fing ich bei der Bundespost an«, sagt Grote. Das war 1983. Der junge Ingenieur liebte den fürsorglichen Staatsbetrieb und die klackenden

Wählscheiben der froschgrünen Telefonapparate. Vor zehn Jahren lässt er sich freistellen, für die SPD wird er in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Aber nach fünf Jahren wird sein Wahlkreis abgeschafft, der Harz. Für Grote kein Drama, denn damit wird er wieder Beamter der Telekom. Grote erfährt, dass die Telekom abnehmen müsse, von schlanken Strukturen ist die Rede. Er wird ein Fall für Vivento, die Auffanggesellschaft der Telekom, Tausende Mitarbeiter werden nicht mehr gebraucht. Vivento – »wie wenn tot«, den Spruch hört er jetzt öfter. Grote bekommt weiter sein volles Gehalt, geht etwas langsamer durch die Straßen und sagt zu Nachbarn: »Übrigens, ich bin jetzt überflüssig.« Einen anderen Überflüssigen lernt Grote im verwaisten Fernmeldeamt in Göttingen kennen, das früher Grotes Amt war. Der andere Überflüssige sitzt an einem der letzten Schreibtische hinter einer Tür auf einem gespenstisch leeren Behördenflur, er sitzt da im Auftrag der Telekom, und er stellt sich als Arbeitsvermittler vor. Jobs für die Überflüssigen müsse er zusammenkratzen. Grote wird heimgeschickt mit der Anweisung, er möge sich bereithalten, zu Hause in seinem Bergdorf Hohegeiß, oberhalb von Braunlage, wo er ehrenamtlicher Dorfbürgermeister ist und seine Frau eine Pension führt, Haus Ingrid. Er hat viel Zeit, um das Warten zu lernen. Endlich kann er sich um alles kümmern. Wirft der Sturm einen morschen Baum auf die Dorfstraße, alarmiert Grote die Bauarbeiter der Gemeinde. Eine ärgerliche Pfütze auf einem Wanderpfad, ein

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DIE ZEIT

verbogenes Verkehrsschild – Grote entgeht nichts mehr. Mit seinem kleinen schwarzen Audi fährt er den ganzen Tag bergauf, bergab, er macht sich zum guten Gewissen der Republik Hohegeiß. Ab und zu meldet sich der Arbeitsvermittler der Überflüssigen und bietet Grote an, als Schichtleiter in einem Callcenter anzufangen oder als Versicherungsverkäufer. Aber das wäre ein Abstieg, Grote lehnt höflich ab. Wochen verstreichen, ohne dass der andere Überflüssige wieder bei ihm anruft. Der lautlose Triumphzug eines Ausgemusterten hat begonnen, und die Telekom kann sich nicht wehren. Stefan Grote reduziert diese Firma wieder auf das, was sie früher einmal war – einen schnöden Telefonapparat, der manchmal nervt, aber meistens schweigt. Als Grote davon erfährt, dass sein Dorf Hohegeiß, das Kinderzimmer seines Lebens, die Bühne seiner Politik, sein schönstes Beispiel für die behutsame deutsche Demokratie, abgeklemmt werden soll vom Nachrichtenstrom der Welt, da beginnt er, die Telekom zu verachten, so wie man nur jemanden verachten kann, den man früher verehrt hat. Sein Heimatdorf, 1005 Einwohner, drei Skilifte, 642 Meter über null, soll keinen DSL-Internetanschluss bekommen, weil die Telekom keine Berge mehr hochklettern will? Weil sie plötzlich die Kosten scheut? Weil sie vor ihren Aktionären kuscht? Weil sie nicht mehr versorgen will, sondern verdienen? »Das bin nicht mehr ich«, sagt sich Stefan Grote und bewirbt sich als Bürgermeister von Braunlage. Er macht Schluss mit der Telekom, und wenn man so will,

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dann stellt er sich dem Raubtier-Kapitalismus in den Weg. Aber Grote würde das nie so ausdrücken. Er ist ja kein Rebell. Sein politischer Gegner im Kampf um das Bürgermeisteramt erzählt bei einem Frühstück der Schützengilde, dass der Stefan, der Grote, der Rote, sich doch nur deshalb zur Wahl stelle, weil er bei der Telekom nichts mehr werden könne. »Da widerspreche ich ihm gar nicht«, sagt Grote. Er wird schon noch gebraucht. Er lässt sich nicht irre machen von düsteren Nachrichten, der öffentliche Dienst ist winterfest. Zwei Zentimeter Altschnee, meldet die Bergstation der reglosen Wurmbergbahn. Grotes Telefon im Rathaus ist in einen Tiefschlaf gefallen. »Gehen Sie gleich durch«, sagt seine Sekretärin, »er hat nichts.« Der Bürgermeister sortiert seine Post. Der Jahrgang 05 war grandios, sagt er, der Jahrgang 06 auch, aber dann ging es los. 07 brach an, die Katastrophe. Und jetzt: unfassbar. Als es am Totensonntag plötzlich schneite, ausgerechnet an diesem besonders geschützten Feiertag, bettelten die Geschäftsleute bei ihm so lange, bis er sagte: »Okay, macht auf. Macht alle sofort auf! Ist jetzt egal.« Und er selber? Steht er oben, steht er unten? »In Braunlage bin ich wohl oben«, sagt Grote. 4900 Euro brutto im Monat, das erreichen hier die wenigsten. Die jungen Leute, die wegziehen, bleiben weg. Im Jahresrückblick: 23 Geburten, 88 Bestattungen. »Kitzbühel, Davos, Sankt Moritz, in diese Reihe gehörten wir früher«, sagt er, »wir hatten hier ein Pelzgeschäft. Und einen Türsteher vor dem teuren SM-Club.« SM,

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VON STEFAN WILLEKE

das war Siegfried Möller. Als der Club schloss, war das ein Zeichen. Es ging abwärts, für viele, aber nicht für Grote. Für acht Jahre ist er zum Bürgermeister gewählt worden, aber schon plant das Ministerium, die Ämter der Kleinstädte zusammenzulegen. Wahrscheinlich wird Grote der letzte hauptamtliche Bürgermeister von Braunlage sein. Er wäre dann 55 und könnte Pension beziehen. »Mal sehen«, sagt Grote. Im letzten Jahr griff der neue Inhaber des liebevoll renovierten Hotels Idylle nach einem Hammer und erschlug damit seine Frau. Danach drehte er im Keller die Gashähne auf, legte einen Brand, lief die Treppen hoch, und als die Feuerwehrmänner kamen, stürzte er sich aus einem Fenster in den Tod. »Verzweiflung«, sagt Grote, »die pure Verzweiflung.« Null sieben, ein erbarmungslos milder Winter. Aber Geduld, nur Geduld. Schon ein paar heftige Vulkanausbrüche irgendwo auf der Erde, ein bisschen mehr Staub in der Atmosphäre, und die Sonne werde es ganz schön schwer haben, noch durchzudringen. Die Telefone mit den Wählscheiben seien endgültig verloren, genau wie die Dinosaurier, aber ein Kanzler der SPD sei immer noch möglich, genau wie der Winter. »Hoffen«, sagt Grote. Auf null neun. Die nächste Geschichte aus der Arbeitwelt: CHANCEN, SEITE 70

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Geschichten aus der Arbeitswelt, Teil 6

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Gode Baumeister Die Hamburger Hebamme hat fünf Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet und sich dann selbstständig gemacht. Heute steht die 40-Jährige als Beleghebamme schwangeren Frauen lange vor der Geburt zur Seite. Ist das Baby dann auf der Welt, begleitet sie die Familien durch die ersten Wochen der großen Verunsicherung

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ie sei nicht sonderlich emotional, sagt die Hebamme Gode Baumeister. Und wahrscheinlich ist sie auch zu lange im Geschäft, um noch gerührt zu sein von einer Geburt. Nicht falsch verstehen, sie mag das, einem Menschen auf die Welt zu helfen, und wenn nachts um drei ihr Handy klingelt, wenn sie in ihren Twingo steigt und durch den nebligen Wald zur Klinik fährt, freut sie sich auf den Kreißsaal, weil ihre Arbeit ein schönes Handwerk ist und weil sie gern zuschaut, wenn ein Neugeborenes zum ersten Mal genüsslich an der Brust der Mutter trinkt. Aber wirklich gerührt ist die Hebamme von etwas anderem: vom Wochenbett, wenn sie zusehen kann, wie aus einem Paar eine Familie wird. Die frischen Eltern, die durch das Baby aus dem Takt geraten und nachts um drei Spaghetti kochen, sind wie Verliebte, sie können nicht weiter in die Zukunft denken als vier Wochen. Eine Familie werden, das gelingt nicht immer, und nach all den Jahren würde Gode Baumeister nicht wagen, vor der Geburt eine Prognose abzugeben, bei wem es gut laufen wird und bei wem nicht. Bei allen Paaren aber spürt sie Hilflosigkeit, denn keiner scheint mehr zu wissen, wie das geht: Mutter sein, Vater sein. Beleghebamme. Ein hässliches Wort für einen sehr schönen Beruf. In Gode Baumeisters Praxis in Hamburg kommen Frauen schon während der Schwangerschaft, zur Vorsorgeuntersuchung und um den Menschen kennenzulernen, der den vielleicht intimsten Moment ihres Lebens mit ihnen teilen wird: wenn ihr Kind auf die Welt kommt. Frauen, die schon einmal in einer Klinik ein Kind geboren haben und traumatisiert sind, weil sie allein waren mit ihren Schmerzen und ihrem Freund oder Mann, der ihnen auch nicht helfen konnte. »In den Kreißsälen sieht es schlimm aus«, sagt Gode Baumeister. Sie gehörte selbst mal zur Maschinerie. Heute will sie ein Gegenmodell zum durchrationalisierten Gesundheitsbetrieb entwerfen. Sie steht so lange im Kreißsaal, wie die Geburt dauert; wann ihre Schicht

beginnt und wann sie endet, entscheidet das Kind. Die Hebamme spricht nicht von Patientinnen, sondern von »meinen Frauen«. Entweder kann man das sehr altmodisch finden oder sehr modern: Die Beleghebamme ist eine Art Personal Trainer für werdende Mütter, der ultimative Dienstleister, immer verfügbar. Wie also blickt jemand, der das Leben vom Anfang her betrachtet, auf die Gesellschaft? Und wie honoriert diese Gesellschaft die Anstrengung derjenigen, die für eine sichere Ankunft in der Welt sorgen?

Hebammen haben einen unverstellten Blick in die Schlafzimmer des Landes Die Hebammenpraxis ist eine Parallelwelt, in der nicht wie allerorten sonst an flachen, sondern an dicken Bäuchen gearbeitet wird. Das Untersuchungszimmer ist blau gestrichen, Bauchbilder in Schwarz-Weiß, eine Liege, mehr Holzspielzeug als medizinisches Gerät. Gode Baumeister sitzt an einem Holztischchen. Sie ist 40, trägt Jeans, Strickpulli und ein herbes Parfüm. Eine kleine Haarspange im unfrisierten Haar gibt ihr etwas überraschend Mädchenhaftes. Sie strahlt eine Mischung aus Sanftheit und Vehemenz aus, mit der sie die Frauen dazu bringt, im Kreißsaal ihren Kommandos zu folgen und später dann dem Kind das zu geben, was sie, die Hebamme, für sinnvoll hält: Muttermilch, den richtigen Schnuller, Wollpullis, Körperkontakt. Hebammen haben einen unverstellten Blick in die Wohn- und Schlafzimmer des Landes. Sie kommen in Haushalte, die sich im Ausnahmezustand befinden. Nichts ist mehr an seinem Platz in den Leben, in die sie sich für kurze Zeit einklinken. Aufgeräumt ist es allenfalls in jenen Wohnungen, in denen es mehr Personal als Familienmitglieder gibt, »ich war mal in einer, die hatte einen Flur so lang wie morgens mein Weg zum Bäcker«. Gode Baumeister sagt das amüsiert, ohne jeden Neid. Irritiert ist sie bloß, wenn sie, was vorkommt, zum vereinbarten Nachsorgetermin klingelt, und das Kind ist da, aber nicht die Mutter, bloß die Kinderfrau. Was belegt: Die Unsicherheit dem neuen Leben gegenüber zieht sich durch alle Schichten. Die Gesellschaft leidet, was den Umgang mit Kindern betrifft, an Amnesie. Es gibt keine Großfamilien mehr, in denen man sich Erziehung abgucken könnte.

Darüber, was im Wochenbett passiert, mit der Frau, dem Baby, sind die Paare ahnungslos. Von der Hebamme verlangen sie die ständige Bestätigung, alles richtig zu machen. Darf das Kind in unserem Bett schlafen? Und wie lange? Darf es auf den Arm der Großeltern? Die Aufgabe der Hebamme ist es, den Ball zurückzuspielen, Selbstvertrauen zu geben. Ihr könnt das. Gode Baumeister begleitet viele von jenen späten Müttern, die derzeit in den Statistiken auftauchen. Zwischen 30 und 40 sind die meisten. Sie haben sich nach Studium und Karriere doch noch dafür entschieden, Kinder zu kriegen. Gesunde Kinder, denn »ein behindertes Kind, das muss ja nicht sein«, heißt es oft. Eltern, Freunde, Bekannte erwarten, dass das optimale Kind geboren wird, in eine optimale Familie. Manche Frauen sind dann enttäuscht von ihren Kindern, »selbst ein gesundes Kind sieht nicht immer adrett aus, es macht nicht immer mit«. Zu solchen Eltern findet sie manchmal keinen Schlüssel, aber wenn es gelingt, können die Babys ihre Eltern verwandeln und ganz weich machen.

Die Einsamkeit der jungen Mütter ist groß, wenn die Väter wieder arbeiten gehen Draußen vor dem blauen Untersuchungsraum wird es jetzt laut. Mütter schleppen Babys in Autositzen in den Raum nebenan, auf dem Fußboden Isomatten und Stillkissen. Babygymnastik. Acht Mütter und, ungewöhnlich, zwei Väter. Sonst sind es oft nur Frauen. Die meisten besuchten die Kurse, um nicht allein zu sein, sagt Gode Baumeister. Die Einsamkeit der jungen Mütter ist groß. In der Regel gehen die Väter nach zwei, drei Wochen wieder arbeiten, dann sitzen die Frauen allein da, »und niemand teilt ihre Freude über das Kind«. Ein Babymassage- oder Rückbildungskurs ist dann ein bisschen wie Speed-Dating. Wer es geschickt anstellt und Glück hat, geht nach anderthalb Stunden mit einer Telefonnummer nach Hause und mit der Hoffnung auf eine neue Freundin. Ihre eigene Tochter ist jetzt anderthalb, und bei ihnen ist es der Mann, der in seinem Job als Ergotherapeut aussetzt, sie ernährt die Familie. Im ersten Jahr mit Kind hat sie so viel gearbeitet wie nie zuvor. Es hat sie überrascht, dass es ihr nicht leichtfiel, die Mutterrolle anzunehmen, wo sie doch glaubte, Expertin zu sein.

VON TANJA STELZER

Fünf Jahre hat Gode Baumeister als Hebamme im Krankenhaus gearbeitet, bevor sie sich selbstständig gemacht hat. Die Kreißsäle verströmen heute mit ihren Korbstühlen, Kerzen und Kissen oft das Ambiente einer Wellness-Oase. Doch das Gefühl, in einem Luxus-Spa zu sein, verliert sich schnell, für die werdenden Eltern wie für die Hebamme, wenn sie in einer Schicht drei bis fünf Geburten zu betreuen hat. Am Ende des Jahres wird abgerechnet. Wie viel das Krankenhaus für Personal und Anschaffungen ausgibt, richtet sich nach der Zahl der Geburten. Allen im Kreißsaal, den Ärzten, den Hebammen, sitzt die Statistik im Nacken. Unter dem Druck ist die Fluktuation der Hebammen enorm. 2130 Euro brutto verdient eine Krankenhaushebamme laut Tarif nach drei Jahren im Beruf, private Krankenhäuser zahlen meist noch weniger. Dafür arbeiten die Hebammen im Schichtdienst, oft ohne Pausen. Trotzdem war für Gode Baumeister nicht das Geld der Grund, im Krankenhaus zu kündigen, sondern das Gefühl, dass sie ihre Arbeit nicht gut machen konnte. Der andere Grund waren die Abtreibungen, die ganz selbstverständlich zu ihren Aufgaben gehörten. Sie will die Frauen nicht verurteilen, die abtreiben, aber sie will sich nicht mehr daran beteiligen. »Zehn normale Geburten vergisst du leicht«, sagt sie, »aber eine Abtreibung nicht.« Seit zehn Jahren ist sie von all diesen Zwängen befreit. Einen gut bezahlten Job hat sie, gemessen an der Verantwortung, die sie trägt, und an den 55 bis 60 Stunden, die sie in der Woche arbeitet, trotzdem nicht. Pro Geburt bekommt sie bei einer Kassenpatientin 220 Euro, und oft verbringt sie dafür 14 Stunden in der Klinik. Für eine Vorsorgeuntersuchung gibt es 22 Euro, für einen Hausbesuch nach der Geburt 26. Mehr als acht Geburten im Monat sind nicht drin. Wenn sie am Samstagnachmittag ins Fußballstadion zum HSV geht, hat sie ihr Handy dabei, Vibrationsalarm. Manche Essenseinladung hat sie viermal hintereinander abgesagt. Geblieben sind ihr nur die Freunde, die sie auch ein fünftes Mal einladen. Verbittert? Gar nicht.

Foto: Gerhard Westrich für DIE ZEIT; www.westrichfoto.de

Die Deutschen wissen nicht mehr, was eine Familie ist, findet die Hamburger Hebamme Gode Baumeister

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BWL-BASISWISSEN

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Die Zeit 08/2008

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