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INFOMAPPE: Fairer handel

Fairer Handel: Gewissensberuhigung oder mehr? Fairer Handel: Eine andere Form von Welthandel ist möglich!

Inhaltsübersicht 1. Worum geht es? 2. Wichtige Begriffe und Akteure 3. Was ist zu tun: Porträt eines Ananasproduzenten aus Costa Rica 4. Welche Auswirkungen hat der Faire Handel? 5. Was ist künftig zu tun? 6. Was kannst du machen? 7. Caritas-Fairtrade 8. Weiterführende Informationen

Weitere Informationen sind unter www.youngcaritas.ch/fairgewinnt zu finden.


INFOMAPPE: Fairer handel

1. Worum geht es? Der Faire Handel erlebt einen weltweiten Boom

Das internationale System des Fairen Handels

International boomt der Umsatz mit Fairtrade-zertifizierten Produkten mit Wachstumsraten von bis zu 50 %. Er bewegt sich aber immer noch im Nischenbereich mit einem Anteil von bloss 0,01 % des gesam­ten Welthandels. Pro Kopf geben die Schweizerinnen und Schweizer jedes Jahr etwa 30 Franken aus und gelten damit als die «Welt­ meister» des Fairen Handels, gefolgt von England mit etwa 8 Franken pro Jahr. Der Faire Handel in der Schweiz ist eng mit dem Label der Max Havelaar Stiftung verbunden. Seit 1992 ist dieses Fairtrade-Label auf dem Markt und der Umsatz mit Max Havelaar-belabelten Produkten­be­trägt mittlerweile 260 Millionen Franken (Umsatz 2007). Den über­ wiegenden Teil des Fairen Handels in der Schweiz wickeln die beiden Detailhandelsketten Coop und Migros ab. Daneben gibt es in der Schweiz spezia­ lisierte Import- und Verkaufsorganisationen wie Claro, Caritas Fairtrade oder Gebana.

Am weitesten entwickelt ist der Faire Handel bei Agrarprodukten und Nahrungsmitteln wie Bananen, Kaffee, Honig, Ananas, Reis oder Orangensaft. Seit einigen Jahren gibt es auch fair gehandelte Rosen, die sich zu einem eigentlichen Verkaufsschlager entwickelt haben. Vereinfacht gesagt funktioniert der faire Handel so: Die Produzentinnen und Produzenten (Kleinbauern, Plantagen) garantieren, dass sie bei der Produktion die international festgelegten Fair­ trade-Kriterien einhalten (soziale und ökologische Standards), während umgekehrt die Einkäufer – welche meistens gleichzeitig die Endverkäufer sind – bestimmte Handelsstandards erfüllen: Die Bezahlung fest­gelegter, fairer Preise und einer Fairhandels-Prämie, Vorauszahlungen für gewisse Produkte und lang­fristige, verlässliche Handelsbeziehungen. Kontrolliert wird das Ganze durch spezialisierte Zertifizierungs­gesellschaften. Eine Fairhandels-Prämie erhalten die Produzenten für Projekte, wie z.B. bezahlte Krankenversicherung, Weiterbildung oder Umstellung auf biologische Landwirtschaft. Die Kleinbauern und Arbeiterinnen entscheiden selbst, welche Projekte sie damit realisieren und gewinnen dadurch an Stärke und Selbstvertrauen.

Warum Fairer Handel? Die Idee eines fairen Güteraustauschs auf dem Weltmarkt zielt darauf, die Mängel des Weltmarkt­ systems in den Ländern des Südens zu korrigieren. Dazu gehört namentlich, dass die Weltmarktpreise für Rohstoffe und Nahrungsmittel sehr tief und selten existenzsichernd sind und darum viele Produzentinnen und Produzenten in tiefer Armut leben; die meisten Kleinbauern keinen Marktzugang haben, über keine Markt- und Preisinformationen verfügen, keine Kredite für Investitionen erhalten und rechtlich kaum abgesichert sind. Über bestimmte Massnahmen in Bezug auf die Preisgestaltung, Handelsbeziehungen, Produktionsbedingungen und Coaching-Initiativen sollen die nachteiligen Voraussetzungen für die betroffenen Produzentinnen und Arbeiter im Süden abgeschwächt, die Marktteilnahme ermöglicht und damit ihre Lebensbedingungen verbessert werden. Der Faire Handel ist also kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Entwicklungsförderung.


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2. Wichtige Begriffe und Akteure Fairer Handel Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt basiert und nach grösserer Gleichheit im internationalen Handel strebt. Indem er bessere Handelsbedingungen anbietet und die Rechte von benachteiligten Produzenten und Arbeitern im Süden stützt, trägt der Faire Handel zu nachhaltiger Entwicklung bei. Mit dem Fairen Handel bekommen benachteiligte Produzenten und Arbeiter die Möglichkeit, sich eine bessere und sicherere wirtschaftliche und soziale Situation zu erarbeiten. Die Produzenten und Arbeiter sollen eine wichtigere Rolle im globalen Kontext spielen, um eine grössere Gleichheit im Welthandel zu erzielen.

Max Havelaar Stiftung (Schweiz) Die Max Havelaar Stiftung wurde 1992 von den sechs Hilfswerken Brot für alle, Caritas, Fastenopfer, Heks, Helvetas und Swissaid gegründet. Nach einer längeren Phase mit staatlicher Unterstützung finanziert sich die Stiftung seit 2001 mit den Lizenz­ gebühren für ihr Label selber. Die Max Havelaar Stiftung vergibt ein Label für Fairtrade-Produkte an Detailhändler in der Schweiz. Voraussetzung dafür ist, dass der Detailhändler das entsprechende Produkt bei einem Fairtrade-Produzenten einkauft und die Kriterien von FLO einhält.

Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) FLO wurde 1997 von den verschiedenen nationalen Labelorganisationen wie der Max Havelaar Stiftung Schweiz, Fairtrade Foundation United Kingdom oder Transfair Deutschland gegründet und hat mittlerweile 21 Mitgliedorganisationen. Zum FLO-System gehören: der Verein FLO, der für die Festlegung der Fair­trade-Standards und für die Unterstützung der Produzenten im Süden (v.a. Kleinbauern) zuständig ist; die FLO-Cert GmbH, die als unabhängige Firma die Produzentinnen und Einkäufer resp. Detailhändlerinnen hinsichtlich der Einhaltung der Fairtrade-Kriterien kontrolliert und die Produzenten zertifiziert; die nationalen Labelorganisationen, die – auf der Grundlage der Kontrollberichte von FLOCert – ihr Fairtrade-Label an Einkäufer resp. Detailhändler vergeben.

Fairhandels-Kriterien Die Fairhandels-Kriterien werden von FLO in Zusammenarbeit mit Labelorganisationen, Produzentinnen, Händlern und unabhängigen Fachpersonen festgelegt. Sie umfassen drei Bereiche: Handelsstandards: ein stabiler, möglichst existenzsichernder Mindestpreis (über dem Weltmarktpreis); eine Fairtrade-Prämie für soziale und ökonomische Investitionen; langfristige Handels­beziehungen; die teilweise Vorfinanzierung der Ernte. Sozialstandards: Arbeitsbedingungen auf der Basis der Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation; Gemeinschaftsprojekte durch Ver­ wendung der Fairtrade-Prämie mit demokratischen Entscheidprozessen; Diskriminierungsverbot; keine Kinderarbeit. Umweltstandards: eine weitreichende Liste verbotener Substanzen; umweltschonender Anbau; die Förderung von Bio-Anbau; ein Verbot von GVO (gentechnisch veränderten Organismen).


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3. Porträt eines Ananasproduzenten aus Costa Rica Carlos Luis Alvarez Vargas ist Bauer in Katira im Kanton Guatusso, Departement Guanacaste in Costa Rica, ungefähr 40 km von der nicaraguanischen Grenze entfernt. Er ist verheiratet, Vater von fünf Kindern und mit seinen 48 Jahren bereits Grossvater. Die zehn Hektaren Land, die er bewirtschaftet, sind sein Eigentum. Auf sechs Hektaren baut er Bananen, Maniok und andere Nahrungsmittelpflanzen und dazu Schnittgras für seine fünf Kühe an, die ihm Milch und Fleisch liefern. Die verbleibenden vier Hektaren sind für die Ananasproduktion reserviert. Bis vor zwei Jahren hat er seine ganze Produktion an eine grosse transnationale Firma verkauft. Vor zwei Jahren ist er der Vereinigung «Asoproagroin» beigetreten und kann jetzt einen guten Teil seiner Produktion auf anderen Märkten absetzen. Er ist glücklich über die Asoproagroin-Zertifikation von FLO, das Netz der Fairtrade-Labels, dem die Max Havelaar Stiftung als Abnehmer angehört.

Max Havelaar: Welche Vorteile bringt Ihnen die Partnerschaft mit FLO/Max Havelaar? CA: Sie bedeutet bessere Lebensqualität für die Familie und für die ganze Gemeinde. Wir haben Gesundheits- und Bildungsprojekte, und die Fair-trade-Prämie wird uns helfen, sie zu realisieren. Dank dem garantierten Mindestpreis erhalte ich einen Mehrerlös. Momentan verwende ich diesen Mehrerlös, um eine zusätzliche Arbeitskraft an­ zustellen und für den Bau eines weiteren Zimmers in meinem Haus. Das Interessanteste am Fairen Handel sind die guten Preise und die dauerhaften Handelsbe­ziehungen für eine Tätigkeit, mit der jeder Produzent seinen Beitrag leisten kann. Die Mitglieder der Vereinigung treffen sich alle zwei Monate; sie nehmen an einer Weiterbildung teil, um ihre Anbautechnik zu verbessern, und besprechen Probleme oder die gelegentlich auftretenden Krankheiten der Ananaspflanzen.

MH: Wie sehen Sie die Anwesenheit der Immigranten aus Nicaragua? CA: Sie sind willkommen, sind gute Arbeiter, die sich mit der Ananaskultur auskennen. Von meinen drei Angestellten sind übrigens zwei Nicaraguaner. Sie beteiligen sich vor allem am Unterhalt der Felder und am Umsetzen der Jungpflanzen. Während der Erntezeit stelle ich jedoch ein spezialisiertes Team ein. MH: Wie sieht bei Ihnen ein Arbeitstag aus? CA: Ich stehe morgens um halb sechs Uhr auf und frühstücke mit der Familie. Unser Frühstück in Zentralamerika ist eine üppige Mahlzeit aus Reis, Bohnen, Eiern, Käse, Avocados, Kaffee. Anschliessend füttere ich die Tiere, Kühe, Schweine und Hühner, und dann gehe ich auf die Ananasfelder. Um 7 Uhr bin ich dort. Am Mittag kehre ich zum Hof zurück, kümmere mich um die Tiere und esse zu Mittag. Am Nachmittag arbeite ich noch einmal zwei Stunden auf den Feldern, dann kehre ich nach Hause zurück, oder manchmal nehme ich an einer Versammlung mit den Produzenten oder den Leitern der Finca teil, an die wir unsere Ananas liefern. Am Abend, nachdem ich die Tiere noch einmal gefüttert und eine Dusche genommen habe, versammelt sich die Familie zum Abendessen. Nach dem Essen wird meist diskutiert oder ferngesehen. Ich mag Informationssendungen, Sport und die «Novelas», diese dramatischen Liebesgeschichten, die aus Brasilien, Mexiko oder von anderswo zu uns kommen. Es kommt auch vor, dass wir Familienangehörige besuchen oder von ihnen besucht werden. Um 21 Uhr gehen meist alle zu Bett.


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4. Welche Auswirkungen hat der Faire Handel? Die Auswirkungen des Fairen Handels sind beachtlich, lassen sich jedoch nicht immer in Zahlen fassen, weil sie sehr vielfältig und weitreichend sind. Die direkten Auswirkungen konzentrieren sich auf die lokale und regionale Ebene. Die Einkommensund Lebenssituation der Kleinbauern und Plantagenarbeiterinnen, die im FLO-System integriert sind, haben sich deutlich verbessert. Die gilt sowohl für die individuelle Situation (dank festen, existenzsichernden Preisen und Löhnen) als auch für die Situation der gesamten Gesellschaft, wenn Kooperativen gemeinsam über die Verwendung der Fairtrade-Prämie entscheiden. Gerade diese sozialen und ökonomischen Investitionen haben für die Gemeinschaften direkte Verbesserungen zur Folge. Die indirekte Wirkung des Fairen Handels geht weit über seinen Markterfolg hinaus. Mit seinem Erstarken hat der Faire Handel die politische und ethische Diskussion über den Welthandel mitgeprägt. Die Folgen sind auch in den Diskussionen der WTO (World Trade Organization) spürbar. Insbesondere aber die wachsende Sensibilität für die soziale Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility) in der öffentlichen Debatte kann nur mit dem Erfolg des Fairen Handels erklärt werden. Die Botschaft ist: Eine andere Form von Welthandel ist möglich!

Auswirkungen des Fairen Handels

Allgemeine Auswirkungen Handelsbedingungen: Zugang zum Weltmarkt, stabile Preise, langfristige Handelsbeziehungen. Entwicklung lokaler Strukturen: Selbständigkeit der Produzenten, Demokratisierung, Mitsprache, Förderung von Frauen, Verbesserung der Infrastruktur, Verminderung der Landflucht. Arbeitsbedingungen: Gesundheit und Sicherheit, keine Kinderarbeit. Umweltschonender Anbau: ein generelles GVO-Verbot, Einhaltung der Liste verbotener Substanzen, Förderung des biologischen Anbaus. Direkte und konkrete Auswirkungen (auf Bauern, Kooperativen usw.) Verbesserte Finanzlage der Bauern / Kooperativen. Schaffung von Arbeitsplätzen im Dorf. Bessere Infrastruktur im Dorf: Apotheke, Arzt, Schulräume. Bessere Produktequalität, gesteigerte Produktivität. Umweltschutz: Reduktion von Dünger, Abwasserreinigung. Indirekte Auswirkungen (auf Bauern, Kooperativen usw.) Sicherheit und Selbstvertrauen, Vertrauen in Handelspartner. Mitbestimmung. Kreditwürdigkeit der Bauern und Kooperativen. Bessere Gesundheit und Lebensqualität. Bessere Position auf dem Weltmarkt. Attraktivität der Landwirtschaft auch für Junge. Bessere Zukunftschancen.


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5. Was ist künftig zu tun? Förderung der Produzentinnen und Produzenten Weltweit wächst der Handel mit Fairtrade-Produkten. Damit in Zukunft noch mehr Kleinproduzenten beim Fairen Handel mitmachen können, braucht es aber mehr Geld für die Unterstützung dieser Produzenten. Die FLO-Kriterien legen die Messlatte sehr hoch, und gerade kleine Kooperativen haben häufig nicht die Mittel, um die Anfangsinvestitionen aufzubringen. Es können schnell drei Jahre bis zur Zertifizierung vergehen, das heisst bis die Produzentinnen das FLO-System und die dazugehörenden sozialen und ökologischen Standards verstehen, sie schrittweise in ihre Produktion umsetzen und diese so verinner­ lichen, dass sie die Standard-konforme Produktion und die demokratischen Prozesse (der Prämien­ verwendung) dauerhaft aufrechterhalten können. Hier braucht es zusätzliche Ressourcen.

Marktzugang in der Schweiz Der Erfolg von Max Havelaar darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Faire Handel in der Schweiz nach wie vor eine Nischenerscheinung ist. Neben den Grossverteilern wie Coop und Migros braucht es das Umdenken weiterer Detaillisten und Fach­ geschäfte, vor allem aber den Durchbruch in der Gastronomie und in den Grosskantinen. Ein grosser Teil des heutigen Konsums findet ausser Haus statt. Entsprechend gross ist das Marktpotenzial in diesem Bereich. Doch fehlt vielerorts nach wie vor die Bereitschaft, beim Einkauf im Interesse der Pro­duzenten einen kleinen Aufpreis zu zahlen.

Neue Produkte Der FLO-Ansatz mit dem Max Havelaar-Produktlabel ist ausgerichtet auf Agrarprodukte ohne komplexe Verarbeitung und mit gut kontrollierbaren Produk­ tionsverhältnissen. Damit kommt dieses Label für verarbeitete (Handwerk-)Produkte wie Textilien meistens nicht in Frage. Gleiches gilt für Dienst­ leistungen. So wird schon lange ein Zertifikat für faire Tourismus-Angebote gefordert. Dies ruft nach neuen Formen von Fairem Handel, die marktangepasst sind und gleichzeitig dem generellen Anliegen des Fairen Handels gerecht werden.

Transnationale Konzerne Der Faire Handel geht zu einem grossen Teil noch an den grossen Unternehmen vorbei. Diese konzentrieren sich – wenn überhaupt – auf Anstrengungen der sozialen Unternehmensverantwortung, verbinden dies aber nicht mit dem zentralen Anliegen des Fairen Handels, nämlich einen garantierten Mindestpreis zu zahlen, der tatsächlich existenzsichernd ist – von einer zusätzlichen Prämie ganz zu schweigen. Hier braucht es nicht nur die Bemühungen der FairtradeAkteure, sondern auch den Druck der Konsumentinnen und Konsumenten.


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6. Was kannst du machen? Faire Mensa: Setz dich aktiv für den Fairen Handel ein! Übernimm «Fairantwortung» und setz dich dafür ein, dass in der Schul-Mensa fair gehandelte Produkte erhältlich sind! Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen kannst du an deiner Schule informieren und lobbyieren und so auf eine «Faire Mensa» hinwirken. Unter www.youngcaritas.ch/fairgewinnt haben wir einen Leitfaden zusammengestellt, der die wichtigsten Schritte für eine erfolgreiche Aktion oder Kampagne aufzeigt. Melde deine Aktion für den youngCaritas-Award an und tausche deine Erfahrungen mit anderen ProjektLeuten aus: www.youngcaritas.ch/award. Im Herbst werden übrigens die erfolgreichsten Projekte mit dem youngCaritas-Award ausgezeichnet und mit Konzert und Party gefeiert.

Fairtrade-Produkte kaufen Jede und jeder kann durch den Kauf von FairtradeProdukten einen Beitrag gegen die Armut leisten. Detailhändler können aufgefordert werden, fair ge­handelte Produkte im Sortiment zu führen. Es geht darum, den Schritt vom Kennen zum Kaufen zu machen. 30 Franken pro Kopf pro Jahr sind noch lange nicht genug. Folgende Produkte mit dem Max Havelaar-Label sind bei den Grossverteilern (Coop, Migros) und in Fachgeschäften erhältlich: Ananas, Avocado, Bananen, Baumwollprodukte, Blumen/Pflanzen, Fruchtsäfte, Honig, Kaffee, Kakao, Mango, Reis, Tee, Trockenfrüchte und Zucker. Fair gehandelte Produkte findest du auch bei Switcher und in den UNICA-Läden.

Grossunternehmen zum Fairen Handeln auffordern Informieren und Sensibilisieren Dass viele Kleinbauern im Süden arm sind und für ihre Produkte zu tiefe Preise erhalten, um davon leben zu können, ist den meisten bekannt. Gleiches gilt auch für die Löhne der Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen der grossen Unternehmen. Die wenigsten aber wissen, dass dies vor allem an den ungerechten «Spielregeln» des Welthandels, wie sie von der WTO festgeschrieben werden, und an den Eigentumsverhältnissen liegt. Es ist nötig, sich ein klares Bild zu machen über die wirtschaftlichen und politischen Macht­­ verhältnisse; den Zusammenhang zwischen den preisgünstigen Produkten aus dem Süden und dem fehlenden Einkommen in den produzierenden Ländern; die Eigeninteressen der Industrieländer bei den Verhandlungen der Weltorganisation WTO und den Armutsfolgen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Wer sich sensibilisieren lässt für Fragen der wirtschaftlichen und politischen Ungerechtigkeit, kann etwas bewegen und sich im eigenen Umfeld für mehr Gerechtigkeit und Fairness einsetzen.

Internationale Grossunternehmen spielen beim Welt­handel mit Nahrungsmitteln aus dem Süden eine entscheidende Rolle. Viele kümmern sich nach wie vor nicht um die Anliegen des Fairen Handels, lehnen diese teilweise mit dem Hinweis auf den freien Handel ab. Doch die Spielregeln des freien Handels greifen nicht, wenn alle Macht auf einer Seite liegt, wenn die Kleinproduzentinnen und Arbeiter meistens keine Chance haben, sich gegen das Diktat der grossen Unternehmen zu wehren. Fordere als kritischer Konsument, als kritische Konsumentin, die Unter­ nehmen auf, sich für den Fairen Handel zu engagieren und das entsprechende Label im eigenen Produkt­ sortiment einzuführen.

Diskussionen im Familien- und Freundeskreis entfachen Sprich deine Verwandten und Freunde darauf an. Ermutige sie, künftig Ausschau zu halten nach Lebensmitteln mit einem Fairtrade-Label.


In Zusammenarbeit mit: INFOMAPPE: Fairer handel

7. CARITAS-FAIRTRADE: HANDEL ZUM WOHL DER MENSCHEN Der Faire Handel sucht die Balance zwischen Nehmen und Geben. Caritas-Fairtrade versteht sich einerseits als Gefäss für Produzentenorganisationen, damit diese sich aus eigener Kraft weiterentwickeln können (Hilfe zur Selbsthilfe) und andererseits als Anbieter handgefertigter Produkte von hoher Qualität.

CARITAS-FAIRTRADE Caritas-Fairtrade, 1973 gegründet, ist die Handels­ abteilung der Caritas Schweiz für Produkte aus Fairem Handel und führt drei eigene Läden unter dem Namen UNICA in Basel, Luzern und Zürich. Caritas-Fairtrade ist Mitglied von IFAT (International Fair Trade Association) und arbeitet unter Einhaltung der Fairhandels-Kriterien. Fünfzig Partnerorganisa­ tionen aus zwanzig Ländern in Asien, Lateinamerika, Afrika sowie aus Randregionen Europas liefern eine rund 3 000 Produkte umfassende Angebotspalette. Insgesamt importierte Caritas-Fairtrade im Jahr 2007 rund 70 000 verschiedene Artikel. Die meisten textilen Produkte und Handwerksartikel werden jährlich durch neue Objekte ersetzt. Der Gesamt-Umsatz (Wiederverkauf und Verkauf in den UNICA Läden) betrug im Jahr 2007 total 3.5 Millionen Franken.

2. Stoff-Produktion Das naturbelassene Baumwollgarn gelangt anschliessend zum zertifizierten Betrieb «Richfield Tang» nach Mauritius. Dort wird der Faden nach den Wünschen der Käufer eingefärbt und das Garn zu Jersey ver­ arbeitet, dem typischen, dehnbaren Stoff der T-Shirts. Die Einfärbung des Baumwollgarns erfolgt mit azetonfreien Farben. «Richfield Tang» muss strenge Fairtrade-Auflagen erfüllen: Arbeiterinnen und Arbeiter profitieren unter anderem von geregelten Löhnen und Arbeitszeiten, sozialer Vorsorge und bezahlten Ferien. 3. Herstellung der T-Shirt «Craft Aid» in Mauritius ist eine Partnerorganisation von Caritas-Fairtrade und führt den letzten Arbeitsprozess durch. Sie verarbeitet den gefärbten Stoff zu T-Shirts. 40 Prozent der Mitarbeitenden sind behindert. Sie hätten auf dem lokalen Arbeitsmarkt keine Chance einen Job zu finden. Hier nun aber bedrucken, bügeln und verpacken sie T-Shirts und arbeiten bei der Qualitätskontrolle mit. Und dies zu einem Lohn, mit dem sie ihre eigene Existenz sichern und ihre Familie unterstützen können.

WAS EIN T-SHIRT BEWIRKEN KANN. DER WEG EINES Caritas-Fairtrade T-SHIRTS. Bis das UNICA-T-Shirt im Kleiderschrank liegt, braucht es verschiedene Arbeitsschritte und viele Menschen: 1. Baumwoll-Anbau Es beginnt bei den Bauernfamilien im indischen Bundesstaat Gujarat. In Rapar, nahe der Grenze zu Pakistan, bauen 420 Bio-zertifizierte Bauernbetriebe Baumwolle an. Die Bauern liefern die Rohbaumwolle der Export-Firma «Agrocel». Diese unterstützt in Indien die Bauern beim Saatgutkauf, Bio-Anbau und Verkauf der Baumwolle. Die Bauernfamilien erhalten einen stabilen, kostendeckenden Preis plus eine Bio- und Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte. «Agrocel» verspinnt zudem die rohe Baum­wolle zu Garn.

Für Kleinbauern und Arbeitsgemeinschaften: Stabile Preise, Fairtrade- und Bio-Prämie, verbesserte Arbeitsbedingungen, schonender Umgang mit der Umwelt. Für Dich: Ein Kleidungsstück mit Stolz tragen können. Ein Stück gute, globale Geschichte mittragen. Die UNICA-T-Shirts findest du in folgenden UNICA-Läden: UNICA Basel, Gerbergasse 16, 4001 Basel UNICA Luzern, Zentralstrasse 18, 6003 Luzern UNICA Zürich, Seefeldstrasse 7, 8008 Zürich


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8. Weiterführende Informationen Weiterführende Literatur

Weiterführende Links

Erklärung von Bern u.a. (Hg.): «Bananorama – Der Bananenhandel und seine Labels. Ein Überblick»

www.youngcaritas.ch/fairgewinnt

www.maxhavelaar.ch

Zürich, 2007

Fair Trade Advocacy Office (Hg.): «2007: Handeln – anders als andere. Erfolge und Herausforderungen für den Fairen Handel»

Aktuelle Hintergrundinformationen und Vorschläge für Aktionen

Stiftung Max Havelaar Schweiz

www.transfair.org Deutsches Pendant zu Max Havelaar Schweiz

Brüssel, 2007

www.fairtrade.net Fair Trade Advocacy Office: «Fair Trade rules! Positionspapier der weltweiten Fairhandelsbewegung zur 6. Ministerkonferenz der WTO in Hongkong»

FLO International

www.swissfairtrade.ch

Schweizer Forum Fairer Handel

Brüssel, 2005

www.claro.ch Max Havelaar: «Jahresbericht 2010»

www.cleanclothes.ch

Max Havelaar Stiftung (Schweiz), 2011

Joseph E. Stieglitz, Andrew Charlton: «Agenda für einen fairen Welthandel»

Murmann Verlag, Hamburg, 2006

Christoph Stückelberger: «Ethischer Welthandel. Eine Übersicht»

Haupt Verlag, Bern, 2001

Schweizer Fairtrade-Handelsgesellschaft mit eigenen Läden

Kampagne für gerecht produzierte Kleider

www.ilo.org

Internationale Arbeitsorganisation

youngCaritas-Infoveranstaltungen: ein Angebot der Caritas Schweiz youngCaritas wendet sich an junge Leute, die sich für eine solidarischere Welt einsetzen und etwas bewirken wollen. Die Website www.youngcaritas.ch bietet fundierte Informationen zu aktuellen sozialen Themen und gibt Einblick in weitere spannende Angebote. U.a. bietet youngCaritas interessierten Schülerinnen/ Schülern und Lehrpersonen Infoveranstaltungen zum Thema «Fairer Handel» an. Weitere Infos unter www.youngcaritas.ch/school



09.2011

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