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Winter 2015

#Grenzgänger Zwei ehemalige Austauschschüler begleiten Flüchtlinge

Save the Date:

YFU Jubiläum 2017

Bildungsarbeit von YFU unterstützen


Inhalt

#Grenzgänger Zwei ehemalige Austauschschüler Fokus begleiten Flüchtlinge Seite 6|7

Neuigkeiten Nachrichten | Gesellschaft | Interkulturelles Seite 4|5

Austausch-Geschichten Neues aus den YFU-Programmen Seite 8|9

Alumni Aktiv für YFU | Jahre später Seite 10|11

Kooperationen Ein Traum von mir! | 2 Wochen in Washington, D.C. Seite 12|13

Freunde & Förderer Unterstützen | Spenden | Stipendien Seite 14 bis 16

Impressum Herausgeber: Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. Gemeinnütziger Verein | Träger der freien Jugendhilfe Geschäftsstelle: Oberaltenallee 6 | 22081 Hamburg Telefon & Fax: 040 22 70 02 -0 | -27 E-Mail & Internet: info@yfu.de | www.yfu.de Spendenkonto: Commerzbank Hamburg IBAN: DE 67 2008 0000 0908 0302 01 BIC: DRES DE FF 200 Redaktion: Corinna Schmidt Gestaltung: labor b | lele graphik & design Druck: Sievert Druck und Service GmbH Auflage: 8.100 Exemplare | ©YFU Dezember 2015

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Bildnachweis: Titel, 2, 6, 7: Felix Volkmar | 5: iStockphoto | alle anderen Fotos von YFU oder privat. Gedruckt auf umweltfreundlichen FSC-zertifiziertem Papier.

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, das Jahresende ist oft eine Zeit der Reflexion und Rückschau: Was ist in dem vergangenen Jahr passiert? Was war besonders, was hat uns bewegt? Wenn wir auf das Jahr 2015 blicken, werden viele von uns wahrscheinlich als erstes an die aktuelle Flüchtlingssituation denken müssen: Die Millionen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Unterdrückung nach Europa kommen, um hier Schutz zu suchen. In der Berichterstattung geht es dabei oft vor allem um die Herausforderungen, die durch diese Menschen entstehen. Und diese Herausforderungen gibt es – doch darf darüber nicht das Leid vergessen werden, das diese Menschen zur Flucht gezwungen hat, sowie die Chancen, die jeder Einzelne von ihnen für Deutschland und Europa bedeuten kann. Daher ist es wichtig, genauer hinzusehen und die Menschen zu erkennen, die hinter dem Begriff „Flüchtlinge“ stehen. So wie es zum Beispiel Felix und Hannah gemacht haben, über die wir in diesem Heft berichten: Zwei ehemalige YFU-Austauschschüler, die Flüchtlinge begleitet und ihre Geschichten gesammelt haben. Auch viele andere YFUlerinnen und YFUler schauen hin, engagieren sich und setzen ein Zeichen gegen Fremdenhass. Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die sich mit ihren Ideen und Impulsen an uns gewandt haben! Wir greifen diese Initiativen auf und versuchen, sie so gut wie möglich zu unterstützen.

Auf Herausforderungen und Chancen schaut man auch, wenn man auf das YFU-Jahr 2015 zurückblickt. Die Platzierung in den USA war dabei sicherlich die größte Herausforderung, der wir uns stellen mussten. Leider ist die unentgeltliche Aufnahme von Austauschschülern in den USA in den J1-Visumsprogrammen derzeit massiv bedroht. Mit diesem Thema beschäftigen wir uns auf vielen Ebenen im Verein und international. Doch wir arbeiten auch daran, neue Chancen zu nutzen: Chancen, neue Wege auszuprobieren, neue Zielgruppen anzusprechen und neue Programme zu entwickeln. Im nächsten Jahr wird es also darum gehen, den Herausforderungen zu begegnen und die Chancen zu nutzen – und ich bin mir sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden! Bevor YFU aber in ein spannendes Jahr 2016 startet, möchte ich Ihnen – sowie allen Teilnehmern, Ehrenamtlichen und Mitgliedern – alles Gute für die besinnliche Jahreszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen. Mit herzlichen Grüßen

Marcus von Garßen | YFU-Vorstandsvorsitzender

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Neuigkeiten

Save the Date:

Jubiläum 2017 → YFU wird 60!

Das möchte YFU mit Mitgliedern, Ehrenamtlichen und Freunden des Vereins vom 15. bis 18. Juni 2017 in Berlin feiern. Mehr Infos unter 60jahre.yfu.de → YFU bei LinkedIn

→ In eigener Sache: Aktuelle Herausforderungen für YFU Die Seite von YFU Deutschland auf der Social Media Plattform LinkedIn erstrahlt dank des Einsatzes der ehrenamtlichen und ehemaligen hauptamtlichen YFU-Mitarbeiterin Mara Skaletz in neuem Glanz.

Durch die schwierige Situation für gemeinnützigen Schüleraustausch in den USA steht aktuell auch YFU Deutschland vor großen Herausforderungen. Erstmals konnte in diesem Jahr nicht allen Austauschschülerinnen und -schülern das gewünschte Austauschjahr in den USA ermöglicht werden, da nicht genügend Gastfamilien gefunden wurden.

„LinkedIn ist eine tolle Möglichkeit, auch international mit anderen YFUlern in Kontakt zu treten“, begründet die 33-Jährige ihr Engagement. „Deswegen habe ich mir vorgenommen, der Seite neues Leben einzuhauchen.“ Wer bereits auf LinkedIn registriert ist, kann sich ohne großen Aufwand mit YFU vernetzen: „Wenn man zum Beispiel ehrenamtlich aktiv ist oder war, kann man auf seinem Profil einfach ein Ehrenamt anlegen und ‚YFU - Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V.‘ als Organisation angeben“, erklärt Mara. Zusätzlich kann man der Seite natürlich folgen, Beiträge teilen und kommentieren. Mit Fragen und Anmerkungen kann man sich gern an die Geschäftsstelle oder direkt an Mara wenden. Mehr Infos unter: www.linkedin.com/company/deutsches-youth-for-understanding-komitee-e-v-

Um eine ähnliche Situation in Zukunft unbedingt zu vermeiden, hat der YFU-Vorstand beschlossen, die Zahl der Programmplätze in den USA für das Austauschjahr 2016/17 stark zu reduzieren. Gleichzeitig können dank der flexiblen Aufnahmebereitschaft der neuen YFU-Partnerorganisationen in Großbritannien, Irland und Kanada dort mehr Plätze als geplant angeboten werden. In diesen Ländern fallen teilweise Schulgebühren an und die Gastfamilien erhalten einen Haushaltskostenzuschuss. Wie YFU langfristig mit den aktuellen Herausforderungen umgehen soll, wird aktuell auf mehreren Ebenen im Verein und im internationalen Netzwerk diskutiert. Über erste Ergebnisse wird das YFU magazin im nächsten Jahr informieren.

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Drei Zahlen 1: RAY Network (Research based analysis of youth in action), mehr unter www.SALTO-YOUTH.net/InclusionResearch/ 2: www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/fluechtlinge-viele-kommunen-kommen-ohne-neue-schulden-aus-a-1061687.html 3: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Nr. 340 vom 16.09.2015 4: www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-44-prozent-der-deutschen-beteiligen-sich-an-fluechtlingshilfe-a-1056902.html

Flüchtlinge in Deutschland

180 von 300 befragten Bürgermeistern und Stadtkämmerern gaben bei einer Befragung durch die Unternehmensberatung Ernst & Young an, die Aufnahme von Flüchtlingen in 2015 ohne zusätzliche Schulden zu bewältigen. Gleichzeitig erwarte man eine erhöhte regionale Nachfrage durch den Zuzug, so dass den erheblichen Kosten, die der Staat zu tragen habe, auch ein volkswirtschaftlicher Nutzen gegenüberstehe.2

→ Benachteiligte Jugendliche profitieren besonders von internationalen Austauschprogrammen Studie befragte Austauschschüler aus 20 europäischen Ländern Eine Zeit im Ausland zu verbringen, ermöglicht jungen Menschen, vielseitige Erfahrungen zu machen. Die aktuelle Studie des RAY Network1 untersuchte, ob Jugendliche mit sozialen, kulturellen oder intellektuellen Beeinträchtigungen stärker von internationalen Austauschprogrammen profitieren als ihre Altersgenossen. Die Studie verglich die Aussagen von Teilnehmenden aus „privilegierten“ Familien und sogenannten „benachteiligten“ Jugendlichen über ihre Erfahrungen mit einem internationalen Austauschprogramm. Benachteiligungen meinte dabei gesundheitliche oder körperliche Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten, kulturelle Unterschiede, wirtschaftliche, soziale oder geografische Schwächen. Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig: Der Lerneffekt für Teilnehmende mit Beeinträchtigungen fiel in nahezu allen untersuchten Bereichen höher aus als bei der Vergleichsgruppe. Diese Schülerinnen und Schüler konnten neben kommunikativen Fähigkeiten und der Stärkung ihres Selbstbewusstseins insbesondere ihre Fähigkeit „Lernen zu Lernen“ verbessern, sich eine kulturelle Sensibilität aneignen und eine klarere Vorstellung von den beruflichen Zielen entwickeln. Man kann festhalten, dass die Teilnahme an Mobilitätsprogrammen für benachteiligte junge Menschen eine gute Chance bietet, nicht-optimale Lebensumstände auszugleichen, Lebensperspektiven zu entwickeln und ihr Leben aktiv und selbständig zu gestalten.1 YFU arbeitet an mehreren Angeboten für Schülerinnen und Schüler sowie Absolventen, die eine nicht-akademische Laufbahn einschlagen möchten. Dazu gehören mehrwöchige berufsbezogene Praktika, aber auch das einjährige Programm „Job Kompass“, das ab 2016/17 den Einstieg in den Beruf erleichtern soll. Bewerbungen sind bis zum 1.3.2016 möglich. Mehr Infos: www.yfu.de/job-kompass

Rund 11.600 Kinder und Jugendliche sind 2014 ohne Begleitung einer sorgeberechtigten Person über die Grenze nach Deutschland eingereist. Das waren 5.000 Minderjährige mehr als im Jahr 2013. Rund 10.500 dieser jungen Menschen waren männlich, dagegen reisten nur etwa 1.100 Mädchen unbegleitet nach Deutschland ein. 4.400 dieser Minderjährigen haben im Jahr 2014 einen Asylantrag gestellt.3

44 Prozent der Deutschen haben sich 2015 bereits aktiv an der Flüchtlingshilfe beteiligt – davon knapp die Hälfte durch eine Geldspende. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Forsa Instituts, das im Auftrag des gemeinnützigen Analysehauses Phineo im September und Oktober rund 1.000 Menschen befragt hatte. Das Verhältnis zwischen Spendern aus Ost- und Westdeutschland war dabei nahezu ausgeglichen, auch das Spendeverhalten von Männern und Frauen unterschied sich kaum.4

Deutsche spenden für Flüchtlingshilfe Umfrage des Forsa Instituts 2015

Bis zu 25 Euro 26 bis 50 Euro 51 bis 100 Euro 101 bis 200 Euro mehr als 200 Euro YFU magazin | Winter 2015 weiß nicht5


Fokus

Fokus

#Grenzgänger Mit dem Projekt #Grenzgänger haben Hannah (USA 08/09) und Felix (Thailand 08/09) Flüchtlinge auf ihrem Weg von Griechenland bis nach Deutschland begleitet. Während der Reise haben sie persönliche Geschichten der Geflüchteten gesammelt, aufgeschrieben und in Fotografien dokumentiert. Im YFU magazin gibt es einen kleinen Auszug aus ihren Erzählungen. Sonntag, 6.9.2015, Kos: Nach 12 Tagen auf der Insel Kos geht es sowohl für uns, als auch für die syrische Familie von Ahmed auf in Richtung Athen. Nach tagelangem Warten heute endlich die ersehnten Papiere zur Weiterfahrt durch Griechenland. Es kann losgehen!

Zwei ehemalige Austauschschüler begleiten Flüchtlinge

Donnerstag, 10.9.2015, Gevgelija: Es regnet seit gestern Abend. Bisher war es bei 30 Grad immer möglich, nachts im Freien zu schlafen. Wir denken an das große freie Feld, an dem wir gestern an der griechischen Grenze 6 Stunden lang waren. Es ist davon auszugehen, dass viele dort übernachten mussten. Im Camp auf der mazedonischen Seite stehen die Leute in geordneten Reihen ohne Schutz im Regen und warten auf den Zug, der sie zur nächsten Station auf ihrem langen Weg bringt. Alle sind klitschnass, viele zittern vor Kälte. Freitag, 11.9.2015, Belgrad: Aus dem Nichts rieselt Konfetti vom Himmel. Die Kinder jauchzen, einem Baby steht der Mund weit offen. Magie! Der Zauberer grinst. Es hat geklappt, die Anstrengung ist für einen kurzen Moment bei allen verflogen. Wir geben zu, auch wir sind gerade ein wenig verzaubert. So viel ehrenamtliches Engagement hier am Busbahnhof von Belgrad!

Felix ist Dokumentarfotograf und studiert Friedens- und Konfliktforschung in Marburg. Er hat schon im Iran, Ruanda, der Türkei und Marokko fotografiert.

Montag, 7.9.2015, Athen: „Welches Land liegt zwischen Griechenland und Deutschland?“. Eine junge Frau mit zwei Kindern schaut mich fragend an. Ich muss schlucken. Informationen und Wissen über die Route sind rar. Die dadurch existierende Lücke wird gefüllt von Gerüchten und der Abhängigkeit von Schleppern. Mittwoch, 9.9.2015, Idomeni: Angekommen an der Grenze. Ungefähr 2.000 Leute warten hier darauf, den illegalen aber mittlerweile semioffiziellen Grenzübergang überqueren zu dürfen. In Gruppen à 50 Leuten dürfen die Geflüchteten rüber. Bisher ist alles recht ruhig und geordnet. Wir sind erleichtert, dass die Gerüchte einer gezielten Eskalation heute scheinbar falsch waren.

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Samstag, 12.9.2015, Kanjiza: Kurzer Stopp, bevor ein weiterer gefährlicher Teil der Flucht beginnt. Ein provisorisches Ausruh-Camp mit Toiletten, Handyladestationen, WIFI und Ärzten wurde hier, umgeben von Gutshöfen und Maisfeldern, aufgebaut. Kaum jemand bleibt länger, alle nehmen sofort den nächsten Bus zum Grenzort Horgos. Eine syrische Familie aus Aleppo lädt uns auf ihrer UNHCR-Decke auf einen Keks ein. Die sechs Monate alte Siselina wird von Bruder Hamed so lange geknuddelt und geküsst, bis sie anfängt zu weinen.


Donnerstag, 17.9.2015, Salzburg: Nach 17 Tagen auf der Balkanroute nähern wir uns heute der deutschen Grenze. So viel haben wir über diese Grenze gehört, so viele Hoffnungen sind bei den Leuten um uns herum mit dem Übergang verbunden, dass auch in unseren Köpfen der Grenzübertritt die Gestalt einer wahren Überquerung angenommen hat.

Hannah spricht Farsi und hat in Dresden Internationale Beziehungen sowie in Teheran Islamwissenschaften und Iranistik studiert.

Dienstag, 15.09.2015, Budapest: Ungarns Lager sind leergeräumt und es häufen sich wieder einmal nur die Gerüchte, wer womit wohin gebracht wurde. Wie alle wollen wir so schnell wie möglich nach Wien, denn die Grenzen sollen nun doch passierbar sein. Vom Keleti-Bahnhof nehmen wir den Zug nach Györ, doch in das Abteil mit den wenigen Geflüchteten werden wir nicht hereingelassen. Beim Umsteigen schaffen wir es endlich zu ihnen und sitzen mit Ahmed, Nilufar und ihren Freunden zusammen. Darunter drei syrische Freunde in ihren 30ern, die exzellentes Englisch sprechen und alle in der Ukraine Medizin studiert haben: „You know we have been refugees twice. Our wives are all three from Ukraine, they are in Turkey now with our children. We lost everything but we want to build up everything again. What shall we do?“ 15.9.2015, Wien: Curryduft, dampfender Reis, breites Lächeln auf den Lippen. Der Sikh-Tempel in Wien kocht seit 4 Tagen warmes indisches Essen für die Flüchtlinge und verteilt dies genau auf der ungarisch-österreichischen Grenze. Zwei der Köche sind vor 20 Jahren ebenfalls als afghanische Flüchtlinge nach Österreich gekommen: „Jetzt geht‘s ums Zurückgeben.“

Freitag, 18.9.2015, Köln: Was wünschen wir den Menschen, die wir ein Stück auf ihrer Flucht begleiten durften? Wir wünschen ihnen, dass sie ein eigenes Zimmer haben, mit einer Tür, die sie zuziehen können, wenn sie allein sein wollen. Wir wünschen ihnen, dass sie die Albträume von der Bootsüberfahrt bald loslassen können. Dass sie in einen Bus einsteigen können, ohne den Drang zu verspüren, sich mit Ellenbogen vorkämpfen zu müssen, immer mit der Angst, dass nur dieser Bus heute noch fährt. Mehr als alles andere aber wünschen wir ihnen, dass sie ankommen können. Den ganzen Bericht von Hannah und Felix gibt es hier: www.yfu.de/grenzgänger

Unser Beitrag zur Flüchtlingssituation In den letzten Monaten haben einige YFUlerinnen und YFUler Initiativen gestartet, um ihre Expertise in der internationalen Verständigung mit der Flüchtlingshilfe zu verbinden. Um diese Initiativen zu vernetzen und weiterzuentwickeln, hat der Vereinsrat nun die Arbeitsgruppe „Unser Beitrag zur Flüchtlingssituation“ eingerichtet. Innerhalb der Arbeitsgruppe sollen unter anderem Konzepte erarbeitet werden, um YFU-Ehrenamtliche für die aktuellen Bedürfnisse in der Flüchtlingshilfe zu schulen. Wir möchten außerdem die Colored Glasses-Toleranzworkshops stärken und mehr Teamer ausbilden, da uns vermehrt Anfragen aus Orten mit Flüchtlingsunterkünften erreichen. Unser Know-how möchten wir zudem dafür nutzen, um ehrenamtliche Helferinnen und Helfer außerhalb des YFU-Netzwerks zu schulen und die Konzepte für Sprach- und Integrationskurse in der Flüchtlingshilfe einzusetzen. Es soll zudem der Austausch mit Expertinnen und Experten in der Flüchtlingshilfe gefördert werden. Die Geschichte von YFU zeigt, dass Krisen durch Dialog und Verständigung überwunden werden können. Dazu wollen wir auch jetzt unsere Kompetenzen dort einbringen, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Ich möchte allen Ehrenamtlichen danken, die es durch ihren Einsatz möglich machen, dass YFU die Lösung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen aktiv mitgestaltet. Ricarda Bauch, Mitglied des YFU-Vorstands Interessierte können sich gern melden unter: ricarda.bauch@yfu.deYFU magazin | Winter 2015

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Austausch-Geschichten

Da waren´s plötzlich Zwei Familie Jürgens berichtet von ihrem Jahr mit Adam aus Ungarn und Nasko aus Bulgarien.

Während sich unsere Tochter Linda auf ihr Austauschjahr vorbereitete, überlegten wir uns, wie wir die kinderfreie Zeit zu zweit gestalten würden: Zeit für uns, unsere Berufe, unsere Hobbys. Dann kam alles anders: Ziemlich spontan entschieden wir uns, Adam aufzunehmen, der sein Zimmer in Ungarn für Linda frei gemacht hatte. Und weil wir beide beruflich stark involviert sind und es mit Geschwistern schöner ist, kam Nasko aus Bulgarien dazu. Stoff zum Nachdenken gab es dann zunächst genug: Würde uns die Integration ohne die Hilfe eigener Kinder gelingen? Unser Sohn war als Teenager sehr schwierig gewesen, würden wir dieselben Probleme wieder erleben? Im Nachhinein können wir sagen, dass wir mit zwei Austauschschülern genau die richtige Entscheidung getroffen haben!

Wie bei Geschwistern Außer der Leidenschaft für das gleiche Telefon und fürs Filme Gucken hatten Nasko und Adam erst einmal wenig gemeinsam: verschiedene Hobbys, unterschiedliche Schwerpunkte in der Schule, getrennte Freundeskreise. Wie bei Geschwistern hatten sie verschiedene Temperamente und nach wenigen Monaten funktionierte schließlich auch die Aufgabenverteilung wie bei Geschwistern: Nasko ist dran, Adam ist dran. Im Februar schienen die Unterschiede zwischen den beiden plötzlich unüberwindbar, und ein Schüler wollte uns verlassen. Für uns kam das völlig unerwartet. Es waren emotionale 48 Stunden, doch dank der Unterstützung von YFU und unserer Betreuerin blieben wir eine Familie – und der Zauber der ersten Monate kam wieder. 2

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Eine große Entlastung Natürlich machen zwei Schüler etwas mehr Arbeit als einer – Eltern mit mehreren Kindern können das bestätigen. Aber gleichzeitig war es für uns eine große Entlastung zu wissen, dass die beiden immer einen gleichaltrigen Ansprechpartner hatten und nicht alles auf unseren Schultern lastete. Ob die Integration mit Linda zu Hause schneller gelaufen wäre? Schwer zu sagen. Die Erfahrung mit unseren späteren Gastkindern Viki aus Ungarn und Eito aus Japan hat gezeigt, dass es eher von der Persönlichkeit des Schülers abhängt und nicht von den Gastgeschwistern.

Auf einen Schlag eine große Familie Insgesamt können wir im Rückblick sagen, dass man durch so eine „Doppelbesetzung“ auch sehr viel lernt: Wir hatten hier zum Beispiel manche Diskussion nicht nur über die Unterschiede zwischen Deutschland und den Herkunftsländern der beiden, sondern immer auch den Vergleich zwischen Ungarn und Bulgarien. Wenn wir jetzt noch den Platz hätten, würden wir immer wieder zwei Austauschschüler gleichzeitig aufnehmen. Man hat auf einen Schlag plötzlich eine große Familie und zum Beispiel genug Leute für Spieleabende – das ist Etwas, das wir jetzt manchmal vermissen. Und es ist ein schönes Gefühl, mit beiden weiter verbunden zu sein. Sowohl Nasko als auch Adam haben wir schon bei ihren Familien besucht. Vorher habe ich wirklich nicht geahnt, dass man fremde Kinder so ins Herz schließen kann! Wir hoffen, wir haben anderen Familien Mut gemacht, Gastfamilie zu werden. Und wenn der Platz vorhanden ist, macht es wie wir – nehmt zwei!

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„Jiu Jitsu verbindet Menschen – so wie YFU “ Während seines Austauschjahrs 2011/12 in Brasilien hat Julian mit Jiu Jitsu angefangen – und ist heute U21 Vize-Weltmeister.

Julian, wie hat deine Leidenschaft für Jiu Jitsu begonnen? An meinem ersten Abend habe ich herausgefunden, dass die Jungs aus meinem Bairro (Stadtviertel) alle gemeinsam zum Jiu Jitsu Training gingen. Ohne wirklich zu wissen, worum es bei diesem Sport ging, nahm ich ihre Einladung an, sie zu begleiten. Der Trainer war gleich begeistert von der Idee, einen Deutschen in seiner Trainingsgruppe zu haben und prompt wurde ich mit Gi (Judoanzug) und weißem Gürtel ausgestattet. Von nun an ging ich vier Mal die Woche zum Training. Das bot mir die Möglichkeit, mich direkt in einen Freundeskreis zu integrieren. Noch heute schreiben mir die Jungs und sind begeistert, dass ich immer noch trainiere. Was genau ist Jiu Jitsu und was fasziniert dich daran? Brasilianisches Jiu Jitsu ist eine Kampfsportart, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Brasilien aus dem Judo entwickelte. Der Fokus liegt auf Hebel- und Würgetechniken. Schlagen und Treten sowie Unsportlichkeiten sind strengstens untersagt. Jiu Jitsu fasziniert mich sehr, da es niemals darum geht, wer du bist, wo du herkommst oder wie gut du bist. Beim Jiu Jitsu treffen sich Menschen auf der Matte, die möglicherweise nirgendwo anders jemals zusammengetroffen wären. Ich habe allein dieses Jahr an Turnieren in sechs Ländern teilgenommen und dabei gegen Athleten aus mindestens dreimal so vielen Ländern gekämpft. Mit den meisten von ihnen habe ich mich anschließend noch ausgetauscht. Jiu Jitsu verbindet Menschen – das hat es mit YFU gemeinsam.

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Wie ging es weiter mit dem Sport, als du zurück in Deutschland warst? Ich fand ziemlich schnell eine neue Jiu Jitsu Schule in Bochum. Allerdings war das Interesse erst einmal nicht mehr so da, weil mich nicht wie in Brasilien meine Freunde anspornten. Zudem spielte ich nebenbei noch in einer Fußballmannschaft. Doch irgendwann begann ich, auf Wettkämpfe zu gehen. Zunächst war ich nicht gerade erfolgreich, doch Niederlagen spornten mich nur an. Ich hörte mit dem Fußballspielen auf und begann, Jiu Jitsu ein wenig leistungsorientierter nachzugehen. Was sagt deine Gastfamilie zu deinem Riesenerfolg? Natürlich ist meine Gastfamilie schon sehr stolz und glücklich, aber ich hoffe, sie verbindet immer noch mehr mit mir, als die paar Podiumsfotos. Allerdings habe ich bemerkt, dass das für meine drei kleineren Gastbrüder, die ebenfalls Jiu Jitsu trainieren, schon ein Ansporn ist. Und wie geht es nun weiter: Hast du dir schon dein nächstes Wettkampf-Ziel gesetzt? Ich versuche, neben Ausbildung und Studieren immer noch so oft es geht auf die Matte zu kommen. Dabei macht es natürlich Spaß, zu gewinnen, aber das Wichtigste ist für mich das Herumkommen, Menschen Kennenlernen und Freude daran haben. Ein konkretes Ziel sind die European Championships in Lissabon sowie die U21-WM in Spanien. Zudem wird jedes Jahr ein großer „Abu Dhabi World Pro“-Wettkampf ausgerichtet, für den es schwer ist, sich überhaupt erst zu qualifizieren. Die Teilnahme dort wäre auf jeden Fall ein weiteres Ziel für mich.

Bilder auf dieser und vorheriger Seite: 1: Nasko und Adam. 2 & 3: Familie Jürgens beim Besuch in Bulgarien und mit beiden Gastkindern. 4: Julian beim Jiu Jitsu Wettkampf. 5: Mit Freunden im Austauschjahr in Brasilien.

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In jeder Ausgabe stellt YFU 1 Arbeitsbereich & 2 Menschen dahinter vor

Aktiv für YFU

Zwei Stühle, eine Aufgabe

Cs

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Haupt- und Ehrenamt gehen bei YFU Hand in Hand Was: Vorbereitungstagungen (VBT) Wer: Christoph Störmer (CS), unter anderem Tagungsleiter und Teamer von VBTs in der Landesgruppe Niedersachsen-Hannover & Christian Andersch (CA), Programmreferent im Entsendeprogramm (EP) Was macht ihr im Bereich „VBTs“? CS: Seit ich aus meinem Austauschjahr in Ecuador zurück bin, versuche ich als Leiter und Teamer auf VBTs etwas von der tollen Vorbereitung weiterzugeben, die ich vor meiner Abreise hatte. CA: Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin im EP betreut pro Saison ein bis zwei VBTs und ist direkter Ansprechpartner für die jeweilige Seminarleitung. Dafür telefoniere ich mindestens einmal kurz vor und während der Tagung mit dem Team und unterstütze bei Problemen.

Warum arbeitet ihr gern zusammen? CS: Es macht großen Spaß, mit Christian zusammenzuarbeiten, weil wir uns gut verstehen und uns auch persönlich kennen. Wenn wir zu einem YFU-Thema telefonieren, gibt es meistens einen Moment, in dem es doch mal ironisch wird. CA: Christoph und ich kennen uns von verschiedenen YFU-Seminaren und -Treffen. Mit ihm zusammenzuarbeiten heißt immer auch, viel miteinander zu lachen und trotzdem das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Wobei genau helft ihr euch gegenseitig? CS: Eigentlich kann man sich immer bei Christian melden: Dadurch, dass er früher auch VBTs geleitet und geteamt hat, weiß er in den allermeisten Fällen eine hilfreiche Antwort. CA: Ich kann mich immer auf Christoph verlassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, mit welcher Begeisterung er sein Team vorbereitet und die Schüler mitnimmt! Wenn es Betreuungsbedarf gibt, kann er das mit seinem Team meistens vor Ort lösen.

Wie stellt ihr euch den Alltag des jeweils anderen vor? CS: Je nach Monat glaube ich, dass es bei Christian mal stressiger und mal entspannter zugeht. Obwohl er am Telefon meistens sehr entspannt ist. CA: Ich glaube, dass Christophs Alltag von seiner Haltung geprägt ist, stets das zu tun, was ihm, aber auch anderen gut tut. YFU ist ein Teil davon, aber bei Weitem nicht alles.

„Ich habe alte Bekannte wieder getroffen und viel Neues über YFU erfahren!“

Angela „Anschi“ Riepel (USA 1982/83) berichtet vom Alumni-Treffen in Nürnberg

Nach meiner Rückkehr aus dem Austauschjahr arbeitete ich ehrenamtlich bei YFU, bis es durch den Job nicht mehr ging. Als Fördermitglied blieb der Kontakt aber bestehen. So erhielt ich die Einladung zum Alumni-Treffen in Nürnberg. Nach 33 Jahren alte Bekannte treffen: Keine Frage, ich musste da hin! Überpünktlich kamen meine Schwester und ich am 26. September an und wurden sehr herzlich empfangen. Neugierig spähte ich auf die Namensliste: „Es wird ja hoffentlich jemand kommen, den ich 10 YFU magazin | Winter 2015

kenne…“ Die Sorgen hätte ich mir sparen können: Meine „Vorbereiter“ und „Nachbereiter“ waren da und plötzlich ganz viele Erinnerungen. Das Programm begann mit einem Rückblick, der die deutsche und die amerikanische Geschichte verband und illustriert wurde durch persönliche Fotos der Alumni. Simon Born, neu im Vorstand von YFU hielt eine bewegende Ansprache. Seine Schilderungen versetzten mich 33 Jahre zurück. Die Parallelen sind groß, auch wenn er in Thailand war und

ich in den USA. Bei einem deftigen Abendessen kramten wir dann in Erinnerungen und tauschten Erfahrungen aus. Wer übernachtete, konnte am nächsten Tag bei schönstem Sonnenwetter an einer Stadtführung teilnehmen. Mein Fazit: Ich habe nicht nur alte Bekannte wieder getroffen, sondern auch viel Neues und Wichtiges über YFU erfahren. In 33 Jahren verändert sich doch einiges. Herzlichen Dank an die Organisatoren: Man sieht sich in Berlin zum 60sten!


Jahre später

Jahre später…

…nimmt der ehemalige Austauschschüler Werner Vogel am fünfzigjährigen Klassentreffen seines damaligen High School Jahrgangs in Wisconsin teil. Werner Vogel hat im Laufe seines Lebens zahlreiche Flughäfen dieser Welt angeflogen. Als Pilot der Lufthansa reiste er rund um den Globus. Die allererste Flugreise seines Lebens erlebte er jedoch als 17-Jähriger mit YFU: 1964 machte er sich aus seinem Heimatort in Niedersachsen auf den Weg nach Osseo, Wisconsin. Mit einem Propellerflieger ging es zuerst nach Detroit. Die meisten seiner Mitreisenden verbrachten das Austauschjahr damals in Michigan. Er flog als Einziger weiter nach Wisconsin. Die ersten Eindrücke dieser Amerikareise sind ihm noch lebhaft in Erinnerung, so auch die erste Fahrt über amerikanische Landstraßen zu seiner Gastfamilie Kuehn, die eine Farm mit Milchwirtschaft nahe Augusta betrieb. Sechs Monate lebte er dort und nahm täglich den Schulbus in die Stadt.

Gleich zwei Familien Weil das Interesse an einem Gastschüler jedoch so groß war, hatten ihn gleich zwei Familien zu sich eingeladen und das zweite Halbjahr verbrachte er bei Familie Oftedahl. Neben Kursen zur College-Vorbereitung wählte der sportbegeisterte Werner in der Schule Leichtathletik und Basketball. Innerhalb eines Jahres war er so fest in die Gemeinschaft seiner Schule integriert, dass er auch über die Schulzeit hinaus noch regelmäßig an Klassentreffen teilnahm.

Wiedersehen 2015 So auch dieses Jahr, als Werner mit seiner Frau Annemarie im September zum fünfzigjährigen Klassentreffen wieder nach Osseo reiste. Beim Blättern im Jahrbuch von 1965 entdeckte er dort vertraute Bilder. Als passionierter Fotograf durfte er damals die schuleigene Kamera nutzen und schoss Fotos, die Eingang in das Buch fanden. Ein ehe-

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maliger Schulfreund, der ebenfalls zum Jubiläums-treffen angereist war, zeigte ihm die Orte, an denen einige der Aufnahmen damals entstanden. Das Klassentreffen selbst fand im Restaurant des örtlichen Golfclubs statt. „Die Treffen wurden immer ohne Beteiligung der Schule privat organisiert“, sagt Werner. Viele seiner ehemaligen Klassenkameraden haben sich mit ihren Familien in der heimischen Umgebung niedergelassen. Die meisten sind im Ruhestand, viele sind Großeltern. Werner und seine Frau übernachteten bei „Mom“ und „Dad“ Oftedahl, in seinem alten Zimmer, im gleichen Bett wie damals.

Eng verbunden bis heute Den beiden Gastfamilien ist Werner bis heute eng verbunden. Gleich nach dem Abitur 1966 zog es ihn zurück nach Amerika. Ein ehemaliger Seefahrender brachte ihn auf die Idee, sich auf einem Schiff die Überfahrt zu verdienen. Tatsächlich gelang es Werner, als Kombüsenhilfe anzuheuern. Gemeinsam mit einer Ladung Volkswagen an Bord kam er schließlich nach elf Tagen auf See in New York an. Dort startete er eine Rundreise, die ihn am Ende wieder zu seinen Gastfamilien brachte. Sogar seine Hochzeit mit Annemarie feierte er 1993 bei den Oftendahls. Sein Amerikajahr bestimmte nicht nur die Zeit nach dem Abitur, sondern prägte seinen gesamten Werdegang. „Mein Fernweh war entfacht“, so Werner. Der Austausch und die Begegnung mit Menschen in anderen Ländern bekamen für ihn einen wichtigen Stellenwert. Dies beides, mehr noch als jede Technikbegeisterung, hat seine spätere Berufswahl maßgeblich beeinflusst. Noch heute fliegt Werner mit seiner Frau gern in andere Länder, nicht mehr beruflich, sondern um ihre Freunde in der ganzen Welt zu sehen!

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1: Werner Vogel 1964 als Austauschschüler. 2: Beim Klassentreffen 2015. YFU magazin | Winter 2015 11 3: Werner und Annemarie Vogel mit Gasteltern.


Kooperationen Kooperationen

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1: Fabian (links) mit Kollegen in Izmir. 2: Fabian mit seiner türkischen Gastmutter. 3: Treffen mit anderen Praktikanten.

„Ein Traum von mir!“ Fabian Thiel, Teilnehmer von Go International, im Interview Warum hast du dich bei Go International beworben? Um eine andere Arbeitswelt zu erleben, bevor ich nächstes Jahr ausgelernt habe und in meinem Betrieb arbeiten werde. Besonders gereizt hat mich, dass das Programm in der Türkei stattgefunden hat, da es dort eine komplett andere Kultur und Mentalität gibt. Im Ausland zu arbeiten war immer ein Traum von mir, den YFU und die Deutsch-Türkische Jugendbrücke mir mit Go International erfüllt haben. In Deutschland machst du eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Wie sah der Arbeitsalltag in Izmir aus? Ich war sehr erstaunt, als die erste Woche des Praktikums vorbei war: Die Arbeit unterscheidet sich kaum von meiner Arbeit in meinem Ausbildungsbetrieb. So fiel es mir auch leicht, mich einzubringen und mit den türkischen Kollegen vor Ort zusammenzuarbeiten. Die Pausen verbrachte man zusammen bei einem Glas Tee. Welche deiner Vorstellungen von der Türkei haben sich bewahrheitet und was war anders? Ich dachte, dass das Leben in einer Millionenstadt deutlich hektischer ist. Die Menschen haben einen sehr entspannten Eindruck gemacht. Meine Gastfamilie und meine Arbeitskollegen waren sehr bemüht, mir einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Meine Zweifel, die ich im Vorfeld hatte, haben sich nicht bestätigt: Durch ähnliche Betriebsphilosophien ist das Arbeiten in der Türkei sehr ähnlich wie bei uns.

Seit ein paar Wochen bist du wieder zurück. Was wirst du von der Zeit in der Türkei mitnehmen? Ich habe mir vorgenommen mehr zu reisen, da durch Go International meine Lust gestiegen ist, Neues zu entdecken. Ich konnte einige Freunde gewinnen, mit denen ich sogar schon das nächste Treffen plane. Beruflich habe ich mich weitergebildet, da ich Erfahrungen in einer anderen Branche erlangen konnte. Ich habe zum Beispiel ein Schweißverfahren gelernt, das in meiner regulären Ausbildung gar nicht geplant war. Warum lohnt sich deiner Meinung nach so ein Auslandspraktikum? Man kann seinen Horizont erweitern, eine neue Arbeitswelt und einen neuen Lebensstil kennenlernen. Außerdem finde ich es wichtig, dass man seine Fähigkeiten auch mal unter anderen Umständen ausprobiert. Das Gesamtpaket, das ich durch dieses Auslandspraktikum erhalten habe, ist unglaublich wertvoll: Für die persönliche Erfahrung und die berufliche Entwicklung.

DEUTSCH -TÜRKISCHE JUGENDBRÜCKE GENÇL ˙I K KÖPRÜSÜ TÜRK˙I YE-ALMANYA

Teilnehmende des Pilotprogramms Go International absolvieren ein vier- bis sechswöchiges Auslandspraktikum in der Türkei, finanziell gefördert durch die Deutsch-Türkische Jugendbrücke. So sammeln sie internationale PraxisErfahrung in ihrem Ausbildungsbereich, erwerben interkulturelle Kompetenzen und gewinnen wichtige Impulse für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. 12 YFU magazin | Winter 2015


2 Wochen in Washington, D.C. nadine baer berichtet über ihre reisebegleitung bei get active! Dieses Jahr wurden im Raum Magdeburg zehn hochmotivierte Jugendliche gefunden, die sich auf den Weg nach Washington, D.C. machten, um dort am Get Active-Programm teilzunehmen. Ich durfte sie begleiten. Die Reise fing vielversprechend an. Die nette Mitarbeiterin der Airline hatte am Check-InSchalter in Leipzig eine tolle Idee: „Ich markiere Ihr Gepäck als Priority, dann erhalten Sie es als erstes und haben dann Zeit für Ihre Kids.“ Am Flughafen in Washington warteten schon unsere Gastfamilien, die uns in unser Zuhause für die nächsten zwei Wochen bringen sollten. Und weg waren sie, meine Schützlinge. „Bis morgen, viel Spaß!“, hörte ich nur noch. Jetzt konnte das Abenteuer losgehen. In den nächsten 14 Tagen erwarteten uns neben einem Sightseeing-Programm und Englisch-Unterricht acht interessante und abwechslungsreiche Community-Projekte. Wir durften Gemüse in der Suppenküche schnippeln, waren Museumsführer, haben Nachhilfeunterricht in einer Grundschule gegeben und in einem Obdachlosenheim Bilder aufgehängt. Besonders schön empfand ich die Arbeit im City Blossoms Garten. Dort wird gemeinsam mit den Kindern der Nachbarschaft Obst und Gemüse angepflanzt. Die Jungs unserer Gruppe teilten meine Ansicht nicht: Sie mussten das Fundament für den Gartenschuppen ausheben und

Der Sprung in die ehrenamtliche Arbeit in den USA.

Embassy of the United States of America

anschließend mit Beton ausgießen. Natürlich kam auch der Spaß nicht zu kurz. Wir hatten ein langes Wochenende durch den Memorial Day. Viele Gastfamilien nutzten die freien Tage, um mit den Kids Ausflüge zu machen. Sie fuhren nach Philadelphia, Baltimore und Annapolis, um Freunde und Familie zu besuchen und veranstalteten Grillabende und Picknicks. Zwei Wochen waren schnell vorbei. Wir waren am Ende erschöpft, aber glücklich. Wir haben tolle Menschen kennengelernt und viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln können. Für manche Jugendliche war es der erste Flug, die erste weite Reise, das erste Mal in den USA. Übrigens, mein Koffer hatte es als Priority nicht in unseren Flieger geschafft. Er wurde einen Tag später geliefert.

Get Active! – werde aktiv oder mach was. Unter diesem Motto steht das gleichnamige YFU-Kurzprogramm, das gemeinsam mit der US-Botschaft und der Robert-Bosch-Stiftung durchgeführt wird. Real- und Hauptschülerinnen und -schüler können zwei Wochen lang ehrenamtlich bei verschiedenen Projekten mitmachen und in dieser Zeit in einer Gastfamilie leben.

Danke! YFU magazin | Winter 2015 13


Freunde & Förderer

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Fragen an:

Dr. Arntraud Hartmann

In jeder Ausgabe stellt YFU ein Mitglied des YFU Kuratoriums vor

Arntraud Hartmann verbrachte 1970/71 ein Austauschjahr in den USA und war seitdem auf verschiedenen Ebenen für YFU aktiv: Sie war mehrere Jahre stellv. Vorsitzende, Mitglied des Board of Trustees of YFU, Inc. und des International Advisory Councils. Sie gründete 1994 YFU Rumänien und ist heute Mitglied des YFU Kuratoriums. Sie arbeitete als Direktorin bei der Weltbank, hat heute eine Professur an der Johns Hopkins University/SAIS Europe und ist Mitglied von Schiedsgerichtsbarkeiten verschiedener multilateraler Entwicklungsbanken.

in Berlin jetzt so verwurzelt sind. Für mich hat auch Italien eine große Bedeutung, wo ich eine Professur in Bologna habe.

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Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen? Meiner Freundin Sabine und ihrem Mann. Sabine ist eine Freundin seit YFU-Zeiten. Sie war immer für mich und meine Familie da, dafür bin ich unendlich dankbar. Außerdem engagieren sich meine Freunde sehr in unserer Gesellschaft – kompetent und auf leise und unspektakuläre Art, mit viel Zeit zum Zuhören.

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Was wollten Sie als Kind werden? Berühmte Musikerin oder wenigstens Olympiasiegerin im alpinen Skilauf. Die Begeisterung war groß, leider fehlte mir das ganz große Talent. So habe ich dann Jura und Volkswirtschaft studiert.

Wo hätten Sie gern einen Zweitwohnsitz? Mein Leben ist voll von „Zweitwohnsitzen“, da ich beruflich ein Normadenleben geführt habe. Ich habe 23 Jahre für die Weltbank gearbeitet und ein Großteil dieser Zeit in Washington, D.C. gelebt. Dazwischen lagen mehrjährige Auslandsstationen in Rumänien, Genf und Florenz. Ich bin froh, dass wir als Familie

Was tun Sie, wenn Sie nichts zu tun haben? Um unseren See laufen, mich mit Freunden treffen, Lesen und manchmal noch Querflöte oder Klavier spielen. Die Momente des „Nichts-zu-Tun-Habens“ sind ganz selten und ich genieße sie wie Kostbarkeiten.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch? „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von Joachim Meyerhoff, ein Geschenk meiner YFU-Freundin Meike. Meine Tage sind voll mit „intellektuell“ anspruchsvollen Aufgaben. In den Büchern, die ich lese, suche ich eine andere Welt.

Beleg für den Auftraggeber IBAN des Auftraggebers: Empfänger: YFU Deutschland Oberaltenallee 6 22081 Hamburg

Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V.

IBAN des Empfängers:

DE67 2008 0000 0908 0302 01

Verwendungszweck | Betrag

DRES DE FF 200 SPENDE

DE67 2008 0000 0908 030201

Spende Auftraggeber | Einzahler:

Bildungsarbeit

Datum:

Wir danken für Ihre Spende! Bei Beträgen bis EUR 200,00 erkennen die Finanzämter den Zahlungsbeleg als Spendenquittung an. Das Deutsche Youth For Understanding Komitee ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Wir sind wegen 14 YFU magazin | Winter 2015 Förderung der Völkerverständigung durch Bescheinigung des Finanzamtes Hamburg-Nord, StNr. 17/411/01218, vom 28.03.2014 als steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne §§ 51 ff. AO dienend anerkannt.

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YFU sagt Danke

→ Landesgruppe Nord-west freut sich über 1.000 Euro

→ Deutsche Bahn Stiftung fördert Ehrenamt bei YFU

Dass sich Engagement bei YFU auch finanziell auswirken kann, beweist die Ehrenamtliche Lea Schweigmann. Sie meldete YFU bei der Aktion „DiBaDu und Dein Verein“ an, rührte die Werbetrommel im persönlichen Umfeld und sammelte so 1.093 Stimmen für den Verein. Dass der Gewinn von 1.000 Euro ihrer Landesgruppe Nordwest zugutekommt, war für die aktive YFUlerin selbstverständlich. Gemeinsam mit dem Landesgruppenvorstand entschied sie, dass ein Teil des Geldes für das Landesgruppentreffen im Winter verwendet wird. Außerdem kann sich die Landesgruppe über Buttons mit dem Landesgruppen-Logo freuen, die ebenfalls aus dem Gewinn finanziert werden. Der Rest des Geldes wird erst im nächsten Jahr verwendet, auch hierfür hat Lea schon Ideen: „Ich fände es schön, wenn die Arbeit von Colored Glasses in unserer Region gestärkt wird. Für die Schulungen von Teamenden können wir das Geld gut gebrauchen.“

Marco Heumann arbeitet bei der Deutschen Bahn und ehrenamtlich bei YFU in der Landesgruppe Rheinland. Sein Arbeitgeber Deutsche Bahn belohnt diesen Einsatz mit einer Spende in Hohe von 500 Euro an YFU. Das Programm „ehrensache“ der Deutschen Bahn Stiftung dient dazu, das gemeinnützige Engagement der DBMitarbeitenden wertzuschätzen und die Organisationen zu unterstützen, in denen sie sich engagieren. Wofür wird das Geld verwendet? Marco hat sich dafür entschieden, dass die Colored Glasses-Arbeit im Rheinland finanziert wird.

YFU dankt Lea für ihr Engagement!

→ Jetzt neu: Eigenes Logo für die Deutsche YFU Stiftung Die im letzten Jahr gegründete Treuhandstiftung präsentiert sich ab sofort mit eigenem Logo und reiht sich damit auch optisch erfolgreich in die YFU-Welt ein. Über Fragen zu Möglichkeiten der Zustiftung oder Berücksichtigung von YFU in Testamenten freut sich Jantje Theege aus der YFU-Geschäftsstelle. Kontakt: 040 22 70 02 -39 | theege@yfu.de

Vielen Dank an Marco und die Deutsche Bahn Stiftung! → Aktive YFUler, deren Arbeitgeber ebenfalls ein Ehrenamts-Förderprogramm anbieten, können sich bei Fragen oder Unterstützungsbedarf bei der Antragstellung gerne an Marlena Schultz-Brunn aus der YFU-Geschäftsstelle wenden. Kontakt: 040 22 70 02 -35 | schultz-brunn@yfu.de

COLORED GLASSES aktiv Toleranz lernen

→ Schenken Sie Toleranz Noch auf der Suche nach einer kreativen Geschenkidee zu Weihnachten? Wie wäre es statt Krawatte, Socken oder Büchern mit Toleranz? Ein Geschenk, mit dem man Gutes tut – und besonders den Lieben eine Freude machen kann, die schon alles haben! Wie das geht? Ganz einfach nachlesen unter: www.coloredglasses.de/schenken.

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„Die Geschichte von YFU zeigt, dass Krisen durch ein gemeinsames Ziel, durch Dialog und Verständigung überwunden werden können. Dazu wollen wir auch jetzt unseren Beitrag leisten.“ Ricarda Bauch, Mitglied des YFU-Vorstands

YFU-Bildungsarbeit in der aktuellen Flüchtlingssituation

Spenden Sie für eine weltoffene Gesellschaft

In diesen Tagen helfen bundesweit tausende Ehrenamtliche den Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern und leben eine Willkommenskultur voller Herzlichkeit. Auf der anderen Seite mehren sich aber auch fremdenfeindliche Aktivitäten in erschreckender Zahl. Toleranz, Konfliktfähigkeit und Akzeptanz sind Grundvoraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben. Mit annähernd 60 Jahren Erfahrung ist YFU Experte auf dem Gebiet der interkulturellen Arbeit. Die prägenden Erfahrungen des Austauschs nutzen und anderen Jugendlichen und Erwachsenen vermitteln – das ist nicht nur Teil

der YFU-Bildungsziele, sondern wird auch von rund 4.000 Ehrenamtlichen des Vereins gelebt. Um einen Beitrag zur Verbesserung der Flüchtlingssituation zu leisten, will YFU seine Bildungsarbeit ausbauen und anpassen. Durch Konzeptarbeit und Schulungen erhalten Ehrenamtliche die Möglichkeit, ihre Kompetenzen gezielt in die Flüchtlingshilfe einzubringen. YFU ist auf Unterstützung angewiesen, da Schulungen und Konzeptarbeit Geld kosten. Spenden Sie für die wertvolle YFU-Bildungsarbeit!

Ihr Beitrag für eine weltoffene Gesellschaft:

Spendenkonto

70 Euro kostet ein Materialkoffer, für die Seminararbeit.

Empfänger: Deutsches YFU Komitee e.V. Commerzbank Hamburg IBAN: DE67 2008 0000 0908 0302 01 BIC: DRES DE FF 200 Referenz: Bildungsarbeit

Mit 250 Euro finanziert sich ein Colored GlassesToleranzworkshop. Bis zu 30 Jugendliche können das Angebot kostenlos wahrnehmen und werden für Diskriminierung, Vorurteile und Stereotypisierung von kulturellen Unterschieden sensibilisiert. 1.500 Euro ermöglichen ein Schulungswochenende mit Raummiete und Reisekosten, um eine Gruppe Ehrenamtlicher fortzubilden und neue Konzepte für interkulturelle Projekte, zum Beispiel für die Arbeit mit Flüchtlingen, zu entwickeln.

www.yfu.de/spenden

YFU magazin Winter 2015  

Das YFU magazin informiert alle vier Monate rund um das Thema Schüleraustausch und den Verein Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V....

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