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Internationaler Jugendaustausch

Informationen aus dem Verein

Stipendien f端r s端dafrikanische Jugendliche

Jugenddelegierte bei den Vereinten Nationen Community Service Projekt 2011

Winter 2011


Inhalt

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Fokus

Selelos Traum

Als Stipendiat aus Südafrika nach Deutschland Seite 6 / 7

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Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

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Alumni

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Ein Jahr in Deutschland

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Kooperationen

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Ein Jahr im Ausland

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Freunde und Förderer

Nachrichten Seite 4 / 5

News aus dem Aufnahmeprogramm Seite 8

News aus dem Entsendeprogramm Seite 9

Treffen • Kontakt • Jahre später Seite 10 / 11

Community Service Projekt YEP! Sommerwochen 2011 Seite 12 / 13

Sammeln • Spenden • Stipendiaten Seite 14 / 15 / 16

Impressum Herausgeber: Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. Gemeinnütziger Verein – Träger der freien Jugendhilfe Adresse: Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

Oberaltenallee 6 22081 Hamburg (040) 22 70 02 - 0 (040) 22 70 02 -27 info@yfu.de www.yfu.de

Spendenkonto: Konto-Nummer: 09 08 03 02 01 Commerzbank BLZ: 200 800 00 Redaktion: Mara Skaletz Gestaltung: dgermer.de lele - Lena Lewark

Druck: Auflage:

Sievert Druck und Service GmbH 6.200 Exemplare 4. Ausgabe 2011 Das YFU Magazin erscheint vierteljährlich. ©YFU November 2011

Gedruckt auf umweltfreundlichem FSC-zertifiziertem Papier.

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YFU magazin - Winter 2011  


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, in der alltäglichen Beschäftigung mit dem Thema Schüleraustausch ist es gut, sich manchmal ganz bewusst auf die wichtigsten Werte zu besinnen, nach denen wir dabei handeln. Eine Besonderheit von YFU ist, dass wir Jahr für Jahr zahlreiche Stipendien an unsere Programmteilnehmer vergeben. Welche Überzeugung steckt dahinter? Wir wollen, dass interkultureller Austausch kein Privileg für Kinder wohlhabender Familien ist. Die finanzielle Lage der Eltern soll keinen geeigneten Jugendlichen von YFU-Austauschprogrammen ausschließen. Das gilt für Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, ganz besonders sind aber auch Jugendliche in ärmeren Ländern auf Unterstützung angewiesen. Ein Beispiel ist Südafrika: Für Jugendliche aus Deutschland ist die „Regenbogennation“ seit Jahren ein sehr attraktives Gastland. Die Vielfalt der Kulturen und Lebensweisen macht das Land für sie so faszinierend. Auch für viele Mädchen und Jungen aus Südafrika ist es ein Traum, ein Jahr in Deutschland zur Schule zu gehen, unser Land und die Leute kennen zu lernen. Dieser Traum zerplatzt viel zu oft, weil die finanziellen Mittel fehlen. Wenn es uns gemeinsam gelingt, motivierten jungen Südafrikanerinnen und Südafrikanern ein Austauschjahr zu ermöglichen, eröffnen wir ihnen damit eine einmalige Bildungschance. Die Erfahrungen, die sie in Deutschland sammeln, können ihnen die Weichen für ihr späteres Leben stellen. Helfen Sie mit, durch Stipendien für südafrikanische Jugendliche die deutsch-südafrikanische Freundschaft auf ganz persönlicher Ebene zu stärken und schenken Sie einem finanziell benachteiligten Mädchen oder Jungen eine wunderbare Chance! Immer wieder hören wir aus unseren YFU-Partnerorganisationen weltweit, dass ehemalige Stipendiaten YFU in ihren Heimatländern noch über Jahre engagiert und kompetent unterstützen. So ist jedes Stipendium für einen ausländischen Jugendlichen auch ein wertvoller Beitrag zur Zukunft von Schüleraustausch in aller Welt. Ich danke allen ganz herzlich, die YFU im Laufe des Jahres 2011 unterstützt haben! Ohne das Engagement der zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützer und Förderer wäre die Arbeit von YFU nicht möglich gewesen. Ich wünsche Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und freue mich, wenn wir auch im Jahr 2012 in Kontakt bleiben. Herzliche Grüße Marcus von Garßen YFU-Vorstandsvorsitzender

YFU wünscht allen Leserinnen und Lesern eine schöne Adventszeit, stimmungsvolle Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2012! Danke für die engagierte Unterstützung im Jahr 2011!

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Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

Nachrichten

EU-Förderung für Training YFU wird durch das Förderprogramm der Europäischen Union „JUGEND IN AKTION“ großzügig gefördert. Im Oktober bewilligte die Nationalagentur „JUGEND für Europa“ eine Förderung von knapp 20.000 Euro für einen europäischen Trainingskurs für Workshopleiter, der parallel zum Young Europeans’ Seminar (YES) 2012 stattfinden wird. Im Rahmen des Trainings erhalten Ehrenamtliche aus elf Ländern eine Fortbildung und können das Gelernte direkt auf dem YES umsetzen. „Ein toller Erfolg für das europäische YFU-Netzwerk und das YES“, freut sich YFUGeschäftsführer Knut Möller.

Visa für Gastschüler in Deutschland Im vergangenen Sommer hat es einige Jugendliche aus Lateinamerika und Asien getroffen: Obwohl sie bereits eine YFUGastfamilie hatten und alles für ihre Reise nach Deutschland bereit war, wurde ihnen von den zuständigen deutschen Behörden das Visum verweigert. So konnten sie ihr Austauschjahr nicht antreten. Das entspricht einer Entwicklung, die auch der Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen e.V. (AJA) seit einiger Zeit beobachtet. In einigen Ausländerämtern werden Visa immer restriktiver vergeben. Bundesweite Regelungen fehlen, deshalb haben die Beamten einen Ermessensspielraum, den sie leider teilweise zu Ungunsten der Jugendlichen ausschöpfen. Der AJA machte nun auf dieses Problem aufmerksam. Bei einem Treffen zwischen Vertretern der AJA-Mitgliedsorganisationen und Bundestagsabgeordneten, das im Herbst in Berlin stattfand, wurden die Visumsbedingungen thematisiert.

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Katrin Doering beim Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür Am 29. Oktober öffneten sich die Türen der neuen YFU-Geschäftsstelle für Besucher. Die Mitarbeiter des Büros hatten Kuchen gebacken und Brötchen belegt. Sie freuten sich sehr, ihren Gästen das neue Gebäude zu zeigen. Katrin Doering, die sowohl ehrenamtlich für YFU arbeitet als auch in der Geschäftsstelle tätig ist, sagte in einer kurzen Ansprache: „Als YFU-Ehrenamtliche werden wir die Räume in der Averhoffstraße vermissen, nach so vielen Jahren hängen natürlich viele Erinnerungen daran. Nun liegt es an uns, die neue Geschäftstelle mit Erinnerungen zu füllen, und ich bin zuversichtlich, dass wir dies auch schaffen werden!“

Ungerechtigkeit im Bildungssystem Das „Forum der Migrantinnen und Migranten“ im Paritätischen Wohlfahrtsverband, Zusammenschluss von rund 100 Migrantenorganisationen, hat die strukturelle Diskriminierung von ausländischen Jugendlichen im deutschen Bildungssystem scharf kritisiert. Während sich die Bildungssituation von Ausländern insgesamt leicht verbessert habe, sei die Kluft zwischen ausländischen und deutschen Jugendlichen noch immer eklatant, so eine Pressemeldung des Paritätischen. „Während jeder dritte deutsche Schüler das Abitur macht, ist es von den ausländischen Jugendlichen gerade einmal jeder zehnte. Diese Kluft ist Ausdruck jahrzehntelanger bildungspolitischer Versäumnisse und muss endlich überwunden werden“, sagt Tshikudi Londji, Sprecher des Forums. Die Ausgrenzung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen setze sich an den Hochschulen und auf dem Arbeitsmarkt fort. Das Forum fordert unter anderem durchgreifende Strukturreformen und eine durchgängige Sprachförderung.


Drei Zahlen

Jugenddelegierte bei den Vereinten Nationen

eingetragene Vereine (e.V.) gab es im Sommer 2011 in Deutschland.* Ein e.V. ist ein Verein, der in das Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichts eingetragen ist. Eingetragene Vereine verfolgen keine wirtschaftlichen Zwecke.

Als UN-Jugenddelegierte vertraten Heidi Fritze und Andreas Deutinger in diesem Jahr die Anliegen junger Menschen aus Deutschland bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. In einem aufwendigen Bewerbungsverfahren hatte sich Heidi gemeinsam mit dem Lehramtsstudenten Andreas gegen die anderen Bewerber um das Amt als Jugenddelegierte durchgesetzt. Heidis Engagement für das Internationale Netzwerk für Europastudien, die Teilnahme an diversen UN-Simulationen und nicht zuletzt ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für YFU halfen der „European Studies“-Studentin dabei, für die verantwortungsvolle Aufgabe ausgewählt zu werden. Die UN-Jugenddelegierten bringen den Diplomaten als „Expertinnen und Experten in Sachen Jugendfragen” die Sichtweise von Jugendlichen näher. Um genau darüber Bescheid zu wissen, welche Themen junge Leute in Deutschland beschäftigen, absolvierten Heidi und Andreas eine Deutschlandtour, bei der sie in vielen Städten mit Jugendlichen über Themen wie Bildung, Globalisierung, Umwelt und AIDS diskutierten. Eine von Heidis Stationen war das „Young Europeans’ Seminar“ (YES), wo sie YFU-Austauschschüler dazu ermutigte, aktiv zur Gesellschaft beizutragen. Im Juli hatte Heidi beim High Level Meeting on Youth im Plenarsaal der Vereinten Nationen die deutschen Forderungen in einer Rede vor Regierungsvertretern der 193 UN-Mitgliedstaaten vorgestellt. Anfang Oktober war es dann soweit: Auf der Generalversammlung in New York präsentierte Andreas in einer gemeinsam vorbereiteten Rede die Forderungen, welche ihnen als dringendste Anliegen der Jugendlichen mitgegeben wurden: „Jugendpartizipation bei politischen Entscheidungen, die Thematisierung internationaler Migration auf der Agenda der UN und die Förderung von nachhaltiger Entwicklung in allen drei Dimensionen, sozial, wirtschaftlich und ökologisch.“ In ihrer Rede erinnerten sie die Delegierten an ihre Verantwortung für die Generationen der Zukunft: „Politische Entscheidungen, die heute getroffen oder auch nicht getroffen werden, sei es zur nachhaltigen Entwicklung oder zu den grundsätzlichen Ursachen von Migration, gestalten die Welt, in der wir, die heutige Jugend, die Erwachsenen von morgen sind. Deshalb ist eine stärkere Beteiligung der Jugend notwendig.“ Alle drei Themen flossen in die Resolution ein, die die internationalen Jugenddelegierten gemeinsam erarbeiteten.

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Prozent der Bürger über 14 Jahren in Deutschland engagieren sich freiwillig. Das entspricht ca. 23,5 Millionen Menschen. Als Motivation zum freiwilligen Engagement nennen sie vor allem den Wunsch nach aktiver Mitgestaltung der Gesellschaft, nach Kontakten zu anderen Menschen und der Bildung sozialer Kontakte.**

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Jeder fünfte Deutsche spendet jährlich Geld. Knapp die Hälfte der Menschen bewegt ihr Glaube oder ihre persönliche Überzeugung dazu, sich für wohltätige Zwecke zu engagieren oder zu spenden. Etwa ein Drittel unterstützt Projekte, zu denen ein persönlicher Bezug besteht.*** Auch die Mehrheit der knapp 3.800 privaten YFU-Spender hat selbst Erfahrungen im Schüleraustausch gesammelt.

Stipendien für Schüler aus aller Welt [z.B. YFU-Südafrika, Eric Simon Scholarship Fund]

Spenden für YFU

Quellen * Vereinsstatistik 2011, www.npo-info.de / **„Country Report Germany“, www.ejf2011.de / *** „Charity“ Studie, www.gfk-verein.org

Migration, Nachhaltigkeit und mehr Partizipation

Stipendien für Schüler aus Deutschland [z.B. Fonds für Vielfalt, YFU-Stipedienfonds]

YFU–Bildungsarbeit [z.B. YES, Colored Glasses, Vereinsarbeit]

Schüleraustausch fördern: Mit Spenden an YFU werden zahlreiche Stipendien und gemeinnützige Projekte ermöglicht.

Heidi Fritze mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

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Fokus

Selelos Traum

„Einer der schönsten Momente war, als ich gemerkt habe, dass ich ein richtiger Teil der Familie geworden bin und nicht mehr ein Gast.“ Selelo aus Südafrika über sein Austauschjahr in Deutschland

Als Stipendiat aus Südafrika nach Deutschland Eine Reportage von Carolin Frank

Südafrika ist für viele deutsche Austauschschülerinnen und -schüler ein Traumland, in dem sie gerne ein Jahr verbringen möchten. Auch viele südafrikanische Jugendliche träumen davon, einmal nach Europa zu kommen und hier eine andere Kultur und Sprache kennen zu lernen. Seit Langem besteht daher reger Austausch und eine enge Freundschaft zwischen YFU Deutschland und YFU Südafrika. Auch Jahre nach der politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes kommt es in Südafrika noch immer häufig vor, dass Schüler zwar neugierig auf das Abenteuer Austausch sind, die finanziellen Mittel für ein Austauschjahr jedoch nicht aufbringen können. So auch der 17-jährige Selelo aus Johannesburg, der seit knapp zehn Monaten in Deutschland bei Familie Epp in Reichenau lebt. Der Junge ist dankbar, mit Hilfe eines Teilstipendiums ein Jahr mit seinen Gasteltern und den Gastgeschwistern verbringen zu können. Schon seit mehreren Jahren war es Selelos Traum, in Europa auf Reisen zu gehen. Dann kam er auf den Gedanken, dass ein Austauschjahr die beste Möglichkeit sei, den Schulalltag, die Menschen und das Familienleben einer anderen Kultur richtig kennen zu lernen. So bewarb er sich bei YFU und seine Wahl fiel auf Deutschland als Gastland. Selelo hatte in seiner

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Heimatschule schon viel über die deutsche Geschichte gelernt, was sein Interesse an dem fernen Land weckte. Auch sein Vater, der selbst deutsche Pflegeeltern hatte, konnte ihm einiges über sein zukünftiges Gastland erzählen, was Selelos Neugier noch wachsen ließ.

Ein Jahr in Deutschland Eine klare Vorstellung von Deutschland hatte Selelo trotzdem nicht. „Ich wollte einfach offen an die Sache herangehen und mich nicht auf ein bestimmtes Bild im Kopf versteifen!“ Und auch wenn der Schüler ein paar Vorurteile über Deutschland kannte, so macht er sich nun sein eigenes Bild: Inzwischen weiß er, dass die Menschen in seiner neuen zweiten Heimat nicht alle kühl, sondern freundlich sind: „Alle haben mir viele Fragen gestellt und auch viel über sich erzählt – ich dachte es würde länger dauern, Freunde zu finden“. Angst vor Rassismus hatte er nie. Als Familie Epp sich vor Selelos Anreise die Profile der Austauschschüler ansah, die noch nicht in Gastfamilien untergebracht waren, hatten sie bei Selelo gleich ein gutes Gefühl: „Wir haben uns unabhängig voneinander alle für Selelo entschieden.“ Der gemeinsame Alltag ist dann zwar nicht immer rei-


bungslos verlaufen, doch Familie Epp und Selelo haben daran gearbeitet und nicht aufgegeben. Wenn Frau Epp nun an den Abschied von ihrem neuen Sohn denkt, wird sie etwas wehmütig. Sie ist davon überzeugt, dass nach der Abreise eine Lücke in der Familie und auch im Alltag bleiben wird.

„Vorher war alles sehr schwierig, weil das Austauschjahr für meine Familie so teuer war – aber durch das Stipendium hat es dann doch noch geklappt.“ Das schönste Ereignis des Austauschjahres war für die Familie und ihr Gastkind bisher eine Wanderung in den Bergen, bei der sie sogar auf die Sulzfluh im Vorarlberg gestiegen sind. Für alle Beteiligten, vor allem aber für Selelo, war dies ein überwältigender Moment, bei dem sich die Familie am meisten verbunden fühlte. Besonders prägend war für Selelo außerdem der Tag einige Wochen nach seiner Ankunft, an dem er merkte, dass er ein echter Teil der Familie geworden war und nicht mehr als Gast angesehen wurde.

Entwicklung für die Persönlichkeit – und das Land Jaymion Hendricks (YFU Südafrika) über Stipendien und sein eigenes Austauschjahr Jaymion Hendricks engagiert sich ehrenamtlich für YFU Südafrika und ist mit 23 Jahren sogar schon Vorstandsmitglied des Vereins. Seine YFU-Geschichte begann, als er 2004 mit Hilfe eines Stipendiums für ein Jahr nach Deutschland kam. Wie wichtig war Dein Austauschjahr für Dich? Wenn ich jetzt an mein Austauschjahr zurückdenke, kommen mir fast die Tränen. Ich habe dieses Jahr noch frisch in Erinnerung, denn es war das beste Jahr meines Lebens. Ich war 15 Jahre alt als ich im Flugzeug saß und der Erste meiner Familie, der ins Ausland ging. Natürlich war ich sehr nervös und hatte ein bisschen Angst. Trotzdem glaubten alle an mich, sodass ich in meinem Vorhaben gestärkt war.

Dranbleiben lohnt sich All diese Momente konnte sich Selelo durch ein hohes Maß an eigenem Engagement und mit der finanziellen Unterstützung des Teilstipendiums ermöglichen. So erzählt er: „Vorher war alles sehr schwierig, weil das Austauschjahr für meine Familie so teuer war – aber durch das Stipendium hat es dann doch noch geklappt.“ Aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Auch seine Gastmutter Frau Epp bestätigt, dass er in seinem Austauschjahr vieles selbst in die Hand genommen und viel Willensstärke bewiesen hat. YFU ist froh, dass Schüler wie Selelo mit Hilfe von Spendern ein Jahr im Austausch verbringen und so an sich selbst und den gesammelten Erfahrungen wachsen können. „Es ist uns ein Anliegen, dass die Neugierde und der Mut der Jugendlichen belohnt werden – unabhängig davon, welches Einkommen ihre Eltern haben und aus welchem Land sie kommen“, so YFUGeschäftsführer Knut Möller. „Aus diesem Grund sammeln wir Spenden für Stipendien unserer Teilnehmer im Aufnahmeprogramm und sind dankbar für die großartige Unterstützung unserer Förderer!“

Wie waren die Reaktionen Deiner südafrikanischen Familie und Deiner Freunde? Sie waren stolz, dass ein Schüler aus ihrem Ort ins Ausland gehen würde und haben für mich Geld gesammelt. Und das obwohl sie ziemlich arm waren. Aber sie wussten, dass dies eine große Chance für mich sein würde. Nach meiner Rückkehr wollten alle, dass ich ihnen ein paar deutsche Wörter beibringe. Das Interesse an Europa war sehr groß. Welchen Wert haben Stipendien für ein Austauschjahr? Wenn ich kein Stipendium bekommen hätte, wäre das Austauschjahr niemals möglich gewesen. YFU Deutschland, meine Stipendiengeber, meine Familie und viele Bekannte haben mir das Austauschjahr ermöglicht. Ich werde immer dankbar dafür sein. Heute bin ich bei YFU Südafrika sehr engagiert. Ich bin im Vorstand und helfe dabei, Schülern aus Südafrika ein Austauschjahr zu ermöglichen. Es ist sehr wichtig für ihre eigene Entwicklung, aber auch für die Entwicklung des Landes. Ich hoffe, dass auch sie das beste Jahr ihres Lebens erleben können.

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Ein Jahr in Deutschland

• News aus dem Aufnahmeprogramm • Die Schüler, die im Sommer nach Deutschland gekommen sind, haben nun schon fast ein Drittel ihres Austauschjahres hinter sich. Manche von ihnen kämpfen noch mit Heimweh oder Sprachproblemen, die große Mehrheit hat sich aber schon gut eingelebt. Nun warten die Jugendlichen schon gespannt auf ihre Mittelseminare. Zwischen Anfang Februar und Mitte März treffen sich die Jugendlichen dann für eine Woche, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen. Die Seminare finden in deutschen Großstädten statt und verbinden Workshops zu Austausch-Themen, zur deutschen Kultur und Geschichte mit dem Kennenlernen der Stadt.

Renhao (16) und sein Gastbruder Vincent (15) sind viel zusammen unterwegs

Bruder sein für ein Jahr Renhao macht eine ganz neue Erfahrung Der Wunsch, ein Jahr in Deutschland zu verbringen, hat den 16-jährigen Renhao Luo aus der chinesischen Millionenmetropole Tianjin ins beschauliche Hanau bei Frankfurt geführt. Hier lebt er nun bereits seit drei Monaten bei Familie Desinger und lernt nicht nur fleißig Deutsch, sondern erfährt auch, wie es ist einen Bruder zu haben. Denn wie viele Chinesen seiner Generation ist Renhao eigentlich ein Einzelkind. In dem fast gleichaltrigen Gastbruder Vincent hat er jemanden gefunden, der ihm den Start in Deutschland erleichtert. Die beiden besuchen nicht nur einen Großteil der Oberstufenkurse an der Hohen Landesschule gemeinsam, sondern unternehmen auch in der Freizeit viel zusammen. Ob bei den Pfadfindern, beim Kegeln oder in der Tanzstunde, Renhao ist immer mit dabei und findet großen Gefallen an seinen neuen Hobbys.

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Nicht nur im Sommer, sondern auch im Januar kommen Austauschschüler nach Deutschland. Für die rund 60 angekündigten Schüler suchen die Mitarbeiter des Aufnahmeprogramms nun Gastfamilien und organisieren die Orientierungsseminare. Über Gastfamilienmeldungen freut sich Joachim Wullenweber unter aufnahmeprogramm@yfu.de. Schon kurz darauf beginnt die Beschäftigung mit dem Jahrgang 2012/13: Schon jetzt können sich alle Interessierten, die bei einem Orientierungs- und Sprachkurs als Lehrer oder Organisatoren mitwirken möchten, bei Silke Rauscher melden: rauscher@yfu.de.

Auch für Vincent ist es gut, kein Einzelkind zu sein, während sein älterer Bruder Clemens ein Austauschjahr in Uruguay verbringt. „Dann würde sich nur die gesamte Aufmerksamkeit meiner Eltern, im positiven wie im negativen Sinne, auf mich konzentrieren“, meint Vincent schmunzelnd. Da ist es doch besser, mit Renhao einen Ersatzbruder zu haben, auch wenn es natürlich ganz anders ist als mit dem leiblichen. Mit Clemens teilt er ähnliche Interessen. „Wir sind beide bei den Pfadfindern, besuchen aber unterschiedliche Gruppen“, erzählt Vincent, wodurch die beiden nicht so viel Zeit gemeinsam verbracht haben, wie es jetzt Renhao und Vincent tun. Manchmal ist es für Vincent aber auch etwas schwierig, weil Renhao noch nicht alles auf Deutsch versteht und er ihm deshalb viel in einfachen Worten erklären muss. Außerdem erfordert ein Familienmitglied mit einem anderen kulturellen Hintergrund ein gewisses Maß an Anpassung und Rücksichtnahme. Wahrscheinlich werden die beiden am Ende des Austauschjahres über die kleinen anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten lachen, wenn Renhao dann problemlos Deutsch versteht. Bis es so weit ist, planen sie schon mal Ausflüge in verschiedene deutsche Großstädte und zu Verwandten. „Ich würde gern nach Berlin und München fahren“, sagt Renhao. Die Offenheit, mit der der chinesische Austauschschüler von seiner Gastfamilie, in der Schule und der Hanauer Gemeinde aufgenommen wurde, hilft ihm dabei, sich schon jetzt, nach den ersten Monaten, recht heimisch zu fühlen.


Ein Jahr im Ausland

• News aus dem Entsendeprogramm • Anfang September sind die letzten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Austauschjahrgangs 2011/12 in ihre Gastländer aufgebrochen. Sie leben sich nun in ihren neuen Umgebungen ein. Auch wenn – wie im letzten YFU Magazin berichtet – die Gastfamilienzuordnung in den USA dieses Jahr länger dauerte als in den Vorjahren, konnten alle Schüler mit ihrer Gastfamilienadresse im Gepäck rechtzeitig in ihr Auslandsjahr aufbrechen. Während der Jahrgang 2011/12 schon im Abenteuer Austauschjahr angekommen ist, wird das Austauschjahr 2012/13 intensiv vorbereitet. Viele Schüler haben nach erfolgreicher Be-

werbung bereits eine Zusage von YFU bekommen. Für weitere Bewerber finden im Herbst und Winter noch viele Auswahlgespräche statt. Parallel ist die Bewerbung für das Jahr 2012/13 weiterhin möglich – es stehen immer noch fast 40 Zielländer zur Wahl. YFU freut sich über weitere Bewerbungen von Jugendlichen, die Lust haben, eines der YFU-Partnerländer im kommenden Schuljahr zu entdecken. Ab Anfang des Jahres 2012 beginnen für die Teilnehmer des neuen Jahrgangs die Vorbereitungstagungen (VBT). Das Team des Entsendeprogramms freut sich über Meldungen von allen, die gern bei einer der VBT mitarbeiten möchten.

Gut vorbereitet in die Welt Vorbereitungstagungen (VBT) 2012 Im Frühjahr 2011 gab es auf der Facebook-Seite von YFU Deutschland viele Kommentare von begeisterten angehenden Austauschschülern:

„Danke für die tolle Vorbereitung auf der VBT ;) “

Rabea

„Wir hatten auf unserer VBT in Lauenburg die besten Teamer, die man sich nur wünschen kann!“

Nina

„Ganz großes Danke für die VBT in Eisenach. Das hat eine Menge Spaß gemacht :D“

„Hallo YFU! Ich wollt mich bedanken für die Mega-VBT in Dinkelsbühl!“

Büsra

Ein vielstimmiges Lob für die vielen ehrenamtlichen Teams, die jeweils eine intensive Woche damit verbrachten, eine Gruppe zukünftiger Austauschschülerinnen und -schüler vorzubereiten. Für viele der Jugendlichen ist die VBT eines der prägendsten Erlebnisse des ganzen Austauschprogramms. Nach der Tagung sehen sie oft die Erfahrung, die vor ihnen liegt, mit ganz anderen Augen. Sie realisieren, dass es nun bald wirklich losgeht mit ihrem Austauschjahr. Auch der Spaß kommt natürlich nicht zu kurz – weder für die Schüler noch für die Teams! Das Lob der VBT-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer aus dem letzten Jahr ist für YFU ein Ansporn für 2012. Wieder gilt es, mehr als tausend Jugendliche für ein Jahr im Ausland fit zu machen. Ab sofort werden die Teams für die VBT 2012 zusammengestellt. Je nachdem, um welche Art VBT es sich handelt, gibt es unterschiedliche Ansprechpartner:

Martin

VBT für Europa, Lateinamerika, Asien, Afrika und Ozeanien Die VBT für diese Regionen werden in der YFU-Geschäftsstelle von Kristin Woller organisiert. Wer Lust hat, eine der Tagungen mitzugestalten, meldet sich bitte bei ihr: woller@yfu.de.

VBT für das USA-Programm Die VBT für USA-Fahrer werden in den Landesgruppen organisiert. Miriam Bruns in der Geschäftsstelle vermittelt gern den Kontakt zu den Ansprechpartnern vor Ort: bruns@yfu.de.

VBT im Parlamentarischen Patenschafts-Programm Diese VBT organisiert Simone Held in der Geschäftsstelle, die gerne Teamer-Meldungen entgegennimmt: held@yfu.de.

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Alumni

Alumni aktiv Experten im YFU-Einsatz In allen Bereichen des Vereins sind Ehrenamtliche aktiv und gehen dabei ganz unterschiedlichen Tätigkeiten nach. Das Spektrum ist breit und reicht von der Arbeit im direkten Kontakt mit den Austauschschülern bis hin zu Aufgaben, die vor allem organisatorischen Einsatz fordern. Zudem gibt es noch eine weitere Gruppe: YFU-Ehrenamtliche, die dem Verein ihre berufliche Expertise, ihr Wissen und ihre Zeit für bestimmte Projekte widmen. Schon ganz unterschiedliche Fachleute haben sich auf diese Weise engagiert, zum Beispiel Marketingexperten, Wirtschaftswissenschaftler, Juristen oder Historiker. Zuletzt war auch Till Richter, YFU-Ehemaliger des Jahrgangs 1985/86, für den Verein im Einsatz. Als Architekt half er dabei,

„Alte Freunde, neue Bekanntschaften, gute Gespräche und endlich mal wieder ein Anlass in den eigenen Erinnerungen zu kramen. Dieses Wochenende war der beste Beweis dafür, dass ein Austauschjahr wirklich nie zu Ende geht. Im Gegenteil: Manchmal erwacht es ganz unerwartet wieder zu neuem Leben.“ Valeria, Austauschjahr in Norwegen 2006/07

Das Austauschjahr erwacht zu neuem Leben Treffen der Lateinamerika- und Europafahrer des YFU-Jahrgangs 2006/07 Am letzten Oktoberwochenende trafen sich in Kassel rund fünfzig ehemalige YFU-Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer, die ihr Austauschjahr 2006/07 in unterschiedlichsten Ländern Lateinamerikas, Ost- und Westeuropas verbrachten. Beim „Revival“ ihrer damaligen Vorbereitungstagungen blickten sie zurück auf die Erfahrungen ihres Austauschjahres. Die Freude über das Wiedersehen war groß, dazu hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, in mehreren Gesprächskreisen und Workshops ihre Austauscherlebnisse zu reflektieren: Welche Erfahrungen wurden nach der Rückkehr aus dem Austauschjahr gemacht? Was lernt man durch die Teilnahme an einem Austauschjahr über Toleranz? Anja Wrulich, Doktorandin an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, leitete wie auch bei Ehemaligentreffen im Frühjahr einen Gesprächskreis zum Thema „Soziale Beziehungen im Austauschjahr“. Insbesondere mit den Ehemaligen der EuropaProgramme wurde der Frage nach einer Europäischen Identität

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die Räume der neuen Geschäftsstelle zu planen. Hierfür dankte YFU-Geschäftsführer Knut Möller ihm ganz herzlich bei der Einweihungsfeier am 29. Oktober. Simone Stepp, die Alumni-Beauftragte in der YFU-Geschäftsstelle, freut sich sehr über Meldungen von ehemaligen Programmteilnehmern, die Lust haben, sich mit ihrem Fachwissen für YFU einzusetzen. Telefon: 040 227002-49, E-Mail: stepp@yfu.de.

nachgegangen. Hartmut Weissmann, Alumni-Koordinator der Landesgruppe Hessen, stellte zum Abschluss des Programms die verschiedenen Mitarbeitsmöglichkeiten im Verein für Ehemalige vor. Im Anschluss an die Veranstaltung lud Insa Rega, Austauschschülerin 1989/90 in Finnland, zu einem Kulturspaziergang ein. Vor vier Jahren brachte sie ihr Beruf nach Kassel. Inzwischen kennt sie sich dort gut aus und unterstützt die YFUArbeit vor Ort. So ist es ihr nächstes Ziel, einen regionalen Stammtisch für Betreuer zu initiieren. Sebastian Pohlmann, einer der Leiter der Veranstaltung und ehemaliger Austauschschüler in Brasilien 2002/2003, beurteilt die Veranstaltung insbesondere auch für Ehemalige als sinnvoll, die bisher kaum oder noch nicht für YFU ehrenamtlich aktiv gewesen sind. Für sie ist es eine interessante Möglichkeit über ihr Austauschjahr und die Zeit danach zu reflektieren. Der Abstand, mit dem das Austauschjahr gesehen wird, ermöglicht es zudem, die langfristige, prägende Wirkung eines Austauschjahres deutlicher zu erkennen.


Jahre später... …lebt Carsten Bremer aus Stendal (Sachsen-Anhalt) in Peking und engagiert sich für den Schüleraustausch mit China. Sein Austauschjahr im Jahr 1993/94 war für Carsten der Anfang seiner Faszination für andere Länder und Kulturen. Schon die Vorbereitungstagung, als er das erste Mal gleichaltrige Jugendliche aus den westlichen Bundesländern traf, beschreibt der YFUler als interessantes und „prägendes“ Erlebnis! Angekommen bei seiner Gastfamilie in Olathe im Bundesstaat Kansas begegnete er zunächst vielem Unbekannten und versuchte sich möglichst schnell zu integrieren. So trat er bald dem American Football-Team seiner Highschool bei, um auf dem Spielfeld umgeworfen zu werden, aber auch immer wieder aufzustehen und weiterzuspielen. Carsten erinnert sich sehr gern an seine „Gastmom“, von der er viel lernte, zum Beispiel sich getreu dem Motto „don‘t sweat the small stuff“ nicht über Kleinigkeiten aufzuregen. Schnell fühlte er sich sehr wohl und gehörte dazu: Nach sieben Monaten in den USA erschien ihm sein Leben dort bereits als ganz normal – „nothing special“. Die regelmäßigen regionalen YFU-Treffen empfand er als sehr hilfreich. Sie boten nicht nur die Möglichkeit, ein leckeres „potluck lunch“ zu genießen, zu dem jeder der Gäste etwas zu Essen beisteuert. Auch konnte man sich mit den anderen Schülern austauschen und einmal etwas „Dampf ablassen“. Der East-Coast-Trip mit Austauschschülern verschiedenster Herkunftsländer eröffnete Carsten am Ende des Jahres die weite, bunte YFU-Welt, die ihn noch heute begeistert. Das Austauschjahr war jedoch nur ein Anfang: Carsten leistete seinen Wehrdienst in Bosnien ab, ging anschließend zum Studium nach North Carolina. Er pflückte Bananen in einem israelischen Kibbutz, zwei Jahre später machte er ein Praktikum in Shanghai und seine spätere Arbeit führte ihn in den Kongo und nach Kolumbien. Schließlich zog er 2010 mit seiner Frau nach Peking. Dort sahen sie zufällig in der U-Bahn einen Jugendlichen mit einem chinesischem YFU-Shirt. Das war für Carsten der Anstoß dazu,

Carsten Bremer während seines Austauschjahres beim Football: Umgeworfen werden und wieder aufstehen

Carsten Bremer auf der chinesischen Mauer

in Kontakt zum chinesischen YFU-Team zu treten und den Austausch mit China zu unterstützen, einem seiner Meinung nach unvorstellbar facettenreichen Land. Carsten erinnert sich heute daran, dass er als Austauschschüler in den USA teilweise irritiert darüber war, wie wenig man in den USA über Europa wusste. Nun stellt er fest, dass man in Deutschland oft ebenso wenig über China weiß, viele Chinesen dafür ein umso größeres Interesse an der westlichen Kultur und Gesellschaft haben! Er wünscht sich eine nicht so eindimensionale Sichtweise auf das vielseitige Land und freut sich deshalb sehr über das Engagement der Stiftung Mercator, die den Schüleraustausch zwischen Deutschland und China maßgeblich unterstützt. Wer ein Austauschjahr in China verbringt, hat die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen, die einem als Tourist oder hier lebender Ausländer meist verschlossen bleiben. So eröffnet sich die einzigartige Chance zur wirklichen Völkerverständigung. Carsten praktiziert diese unter anderem dadurch, dass er die Mitarbeiter von YFU China schon zweimal zu den von ihm damals in den USA sehr geschätzen YFU „potluck lunches“ in seine Pekinger Wohnung eingeladen hat.

Wer in der Rubrik „Jahre später“ eine schöne YFU-Geschichte teilen möchte, kann sich gern unter magazin@yfu.de an Mara Skaletz wenden. In Shanghai am berühmten Teehaus

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Kooperationen

Mit Engagement und Begeisterung dabei Community Service Projekt 2011 Neues wagen, an Grenzen stoßen, sich Unbekanntes vertraut machen, über sich hinauswachsen – all das gehört zum Schüleraustausch. Diese Ziele lassen sich gut mit dem Begriff „Persönlichkeitsförderung“ umschreiben. YFU versteht seine Programme aber auch als Beitrag zur Demokratieerziehung junger Menschen. Dabei geht es nicht nur darum, staatsbürgerliches Wissen zu vermitteln. Die Jugendlichen sollen auch lernen, wie sie ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechend ihre Umwelt aktiv mit gestalten können. Solch bürgerschaftliches Engagement nimmt in den USA im Vergleich zu Deutschland eine noch wichtigere Rolle ein. Davon konnten sich 14 Schülerinnen und Schüler Berliner Haupt- und Realschulen im Oktober vor Ort überzeugen: Als Teilnehmer des Community Service Projekts (CSP) reisten sie für zwei Wochen in die USA und arbeiteten ehrenamtlich in gemeinnützigen Projekten mit. Das Kurzaustauschprogramm war letztes Jahr erstmals von YFU in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführt worden. Nach der erfolgreichen Premiere förderte die Joachim Herz Stiftung das Projekt im Jahr 2011 großzügig.

Mit großer Begeisterung waren die Teilnehmer des Community Service Projekts 2011 in Buffalo im Einsatz

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Bildnachweis oben: Andreas Klingenberg / unten: Alexander Weber

Botschafter Philipp Murphy im Gespräch mit Stipendiaten

Die große Bedeutung dieses Projekts unterstrich US-Botschafter Philipp Murphy im Sommer 2011 auf einer Veranstaltung im KörberForum in Hamburg, an der auch Schüler teilnahmen, die 2010 CSP-Erfahrung sammelten. Aimen Jerbi, Philipp Hockmann und Finn Versemann hatten in ihren Herbstferien 2010 mit elf weiteren Hamburger Schülern soziale Projekte in den USA als freiwillige Helfer unterstützt. Heute engagieren sich die drei ehrenamtlich in Deutschland und konnten berichten, wie positiv sie die Austauscherfahrung geprägt hat: „Auch wenn wir für unsere Hilfe kein Geld bekamen, war es schön, den Dank von den Menschen in Amerika zu spüren“, berichtete der 17-jährige Aimen. Auch YFU ist dankbar. Nicht zuletzt durch die hervorragende Zusammenarbeit mit so starken Partnern wie der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und der Joachim Herz Stiftung gelingt es ganz besondere Jugendaustausch-Programme durchzuführen: Sie stärken die Teilnehmer nicht nur in ihrer Persönlichkeit und geben ihnen Einblicke in eine neue Kultur, sondern erweisen sich auch als gesellschaftlich besonders nachhaltig.


YEP! Youth Exchange Program 2011 Deutsche Post DHL fördert Schüleraustausch Dass man mit der Post Briefe und Päckchen versenden kann, ist allgemein bekannt. Dass das auch mit Austauschschülern funktioniert, wissen dagegen sicher die Wenigsten. Im Rahmen der seit 2005 bestehenden Kooperation zwischen YFU und der Deutschen Post DHL bekommen jährlich zehn Mitarbeiterkinder aus Deutschland die Chance, mit einem Stipendium des Konzerns vier Wochen im Ausland zu verbringen. Das gleiche gilt für zehn Kinder von DHL-Mitarbeitern im Ausland, die für einen Sommer nach Deutschland kommen können. Die Jugendlichen wohnen während ihres Aufenthalts bei DHL-Gastfamilien. Ansonsten steckt in dem Youth Exchange Program (YEP!) auch viel YFU. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden von YFUEhrenamtlichen ausgewählt, vorbereitet, betreut und nachbereitet. Nach jahrelanger erfolgreicher Durchführung der YEP! Sommerwochen vergibt die Deutsche Post DHL 2012 auch wieder Stipendien für ein YEP! Austauschjahr. Bisher verbrachten im Rahmen des Programms 86 Schüler aus Deutschland und aus elf weiteren Ländern eine Zeit im Ausland beziehungsweise in Deutschland. Sie alle haben einen Eindruck davon bekommen, was es heißt, sich auf das Abenteuer Austausch einzulassen, sich in eine fremde Familie und Umgebung einzuleben und sich in einem anderen Schulsystem zurechtzufinden.

„Ich werde diese tolle und spannende Zeit, in der ich viel gelernt und gesehen habe, nie vergessen. Ich habe ein bisschen Spanisch gelernt, die Anden gesehen, die mich wirklich schwer beeindruckt haben, miterlebt wie herzlich und offen Chilenen sind und einen Einblick in ihre Kultur und Lebensweise bekommen. Ich hoffe, dass ich schon bald die Möglichkeit haben werde, meine Familie und Freunde in Chile wiederzusehen!“ Julia Koczelnik, YEP! Sommerwochen in Chile

Wir danken Ihnen für Ihre Spende!


„Ich unterstütze YFU, weil mir der internationale Schüleraustausch mit einer erfahrenen Non-Profit-Organisation und das Netzwerk aus engagierten ehemaligen Austauschschülern eine Herzensangelegenheit sind.“ Familienvater und Unternehmer Stefan Aumüller mit seiner Frau Ursula Breitkopf und den Kindern Maria und Josef. Sohn Jakob ist momentan in Peru.

YFU als Familienangelegenheit Das vielfältige Engagement von Familie Aumüller/Breitkopf aus Regensburg Als Stefan Aumüller 1976 zu seiner Gastfamilie in die USA aufbrach, ahnte er wahrscheinlich kaum, wie sehr dieses Austauschjahr sein Leben verändern würde. Nicht nur die unvergesslichen Erfahrungen als Austauschschüler, sondern auch all die Freundschaften und Verbindungen, die das YFU-Netzwerk ihm später noch ermöglichte, haben ihn geprägt. Als YFU-Vereinsmitglied und aktiver Ehrenamtlicher engagiert sich der Regensburger seit vielen Jahren für YFU. Doch auch in seiner Familie hat Stefan Aumüller alle mit seiner Begeisterung für den internationalen Schüleraustausch angesteckt. Seine Frau Ursula Breitkopf betreut zum Beispiel Austauschschüler im Aufnahmeprogramm und leitet Elternnachmittage von YFU. Der heute 19-jährige Sohn Jakob war 2008/09 in den USA und hat dann als Ehrenamtlicher in der Öffentlichkeitsarbeit von YFU und bei Auswahlen mitgearbeitet und verbringt im

Moment ein Freiwilliges Soziales Jahr in Peru. Seine Schwester Maria kehrte erst im Sommer 2011 aus den USA zurück und ist bereits jetzt in der YFU-Landesgruppe Bayern ehrenamtlich aktiv. Auch der jüngste Bruder Josef ist schon ein echter YFUler und möchte im Programmjahr 2012/13 ein Austauschjahr in den USA verbringen. „Die Familie Aumüller/Breitkopf ist ein tolles Beispiel dafür, wie vielfältig das Engagement für YFU sein kann. Dafür sind wir sehr dankbar“, so YFU-Geschäftsführer Knut Möller. Darüber hinaus schreibt Stefan Aumüller gemeinsam mit seinem Bruder Christian Aumüller und YFU schon seit sechs Jahren großzügige Stipendien für Programmteilnehmer aus Regensburg und der Oberpfalz aus. Das Familienunternehmen Aumüller Druck Regensburg ermöglichte so nun schon 16 Schülerinnen und Schülern einen einjährigen Auslandsaufenthalt mit YFU. Die aktuelle Ausschreibung für die Förderung im Programmjahr 2012/13 läuft bereits und ein Ende der Freundschaft zwischen Familie Aumüller/Breitkopf und YFU ist noch lange nicht in Sicht.

Neben dem ehrenamtlichen Engagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten, YFU zu unterstützen. Egal ob Vermittlung von Kontakten, kostenlose Werbeflächen oder eine Geldspende: Jede Hilfe ist willkommen!

Empfänger: YFU Deutschland Oberaltenallee 6 22081 Hamburg

Deutsches YFU Komitee e.V.

09 08 03 02 01 (BLZ 200 800 00)

09 08 03 02 01

Spende

Commerzbank Hamburg

Spende YFU Südafrika

Bei Beträgen bis EUR 200,00 erkennen die Finanzämter den Zahlungsbeleg als Spendenquittung an. Das Deutsche Youth For Understanding Komitee ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Wir sind wegen Förderung der Völkerverständigung durch Bescheinigung des Finanzamtes Hamburg-Nord, StNr. 17/411/01218, vom 22.04.2008 als steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne §§ 51 ff. AO dienend anerkannt.

200 800 00


Ein Zeichen für Toleranz Rückblick zum Spendenaufruf im Herbst 2011

Bildnachweis Weihnachstmarkt: Latze01 auf flickr.com

Der Spendenaufruf in der Herbstausgabe des YFU Magazins hatte viele Reaktionen zur Folge. Einerseits unterstützte eine Vielzahl von Spendern das Projekt finanziell, um auch in Zukunft den kostenlosen Zugang für alle Schulen zu dem Bildungsangebot von YFU zu sichern. Andererseits gab es zahlreiche direkte Anfragen von Lehrern, die Colored GlassesWorkshops an ihren Schulen durchführen möchten. Aber auch Kultusministerien und Schulbehörden wurden durch den Beitrag noch einmal auf das Angebot aufmerksam und äußerten großes Interesse an der Arbeit der ehrenamtlichen Teams. YFU-Mitarbeiterin und Colored Glasses-Teamerin Christin Deege freut sich über die vielen Reaktionen: „Die Unterstützung hat noch einmal deutlich gemacht, dass die Colored Glasses-Themen wie Diskriminierung, Toleranz und Stereotype in der Bildungsarbeit sehr aktuell sind.“ Wir danken allen Freunden und Förderern für das große Interesse an den Colored Glasses-Toleranzworkshops und die großzügige Unterstützung!

Schenken und Gutes tun Weihnachtsgeschenke online über PlanetHelp bestellen Wer den Weihnachtseinkauf ins Internet verlegt, hat viele Vorteile: Man erspart sich so den Weihnachtstrubel in den Innenstädten, kann die Geschenke für die Lieben in letzter Sekunde bestellen oder sie entfernt lebenden Freunden direkt nach Hause liefern lassen.

I love Germany Eine Stipendiatin der YFU-Stiftung berichtet Seit August ist die 15-jährige Katherine Champlin als Stipendiatin der YFU-Stiftung in Deutschland und lernt seitdem den Alltag in ihrer neuen Familie kennen. In den letzten drei Monaten konnte die amerikanische Schülerin aus Maine viele neue Eindrücke gewinnen und Erfahrungen sammeln. „Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie sehr mich diese Zeit bisher schon verändert hat“, berichtet Katherine. Besonders gut gefällt ihr das deutsche Essen. Das wechselhafte Wetter hingegen überrascht sie jeden Tag aufs Neue. Unter den vielen Sehenswürdigkeiten, die die Stipendiatin schon in Deutschland sehen konnte, hat sie besonders der Kölner Dom beeindruckt. Das erste richtige Gespräch auf Deutsch führte Katherine mit ihrer Gastfamilie über das Thema Weihnachten. Dabei sind ihr viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgefallen, sodass sie sich nun schon sehr auf die Adventszeit, den Weihnachtsmarkt in Hamburg und auf die Bescherung am 24. Dezember freut. Die Schülerin ist für die Unterstützung der YFU-Stiftung sehr dankbar: „Ohne mein Stipendium hätte ich mir das Austauschjahr nicht leisten können und jetzt habe ich sogar die Chance, viele Teile Deutschlands kennen zu lernen.“

Auch über das Internet-Portal PlanetHelp kann man online bestellen – mit dem zusätzlichen Vorteil, dass der Weihnachtseinkauf hier zu einer Spende an YFU führt, die man nicht einmal selbst zahlt. Über das Hilfsportal sind Einkäufe in zahlreichen bekannten Online-Shops wie zum Beispiel amazon möglich. Bei jedem Einkauf spendet der Online-Shop einen kleinen Anteil des Kaufpreises an eine vom Käufer gewählte Non-Profit-Organisation. YFU ist die Organisation, für die bereits die höchste Spendensumme gesammelt wurde. Mehr als 3.000 Euro kamen schon für die gemeinnützige Arbeit von YFU zusammen. Dies ist zahlreichen YFU-Unterstützern zu verdanken, die auf PlanetHelp beweisen: Auch mit den einfachsten Mitteln kann man YFU und den internationalen Schüleraustausch stärken. Schenken und helfen unter: www.planethelp.de

  YFU magazin - Winter 2011 15


YFU PSF 762167 22069 Hamburg Postvertriebstück, DPAG, Entgeld bezahlt

*68306#000#000*

www.yfu.de Jugendliche aus Südafrika freuen sich auf Ihre Unterstützung Spenden für Stipendien an bedürftige Familien in Südafrika

Brandon ist 15 Jahre alt und lebt in der Ark City of Refuge in Kapstadt. Der Junge nennt seine Heimat „the Ark“ und beschreibt damit eine Anlaufstelle für mehr als 500 Obdachlose der südafrikanischen Großstadt, in der er gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern lebt. Seine Eltern engagieren sich für das Sozialprojekt und unterrichten dort ehrenamtlich an der Schule. Brandon selbst ist Schüler der Deutschen Schule Kapstadt (DSK) und wünscht sich, schon im kommenden Jahr ein Austauschjahr in Deutschland zu verbringen. Er ist einer von drei Jugendlichen, die seine Schule ausgewählt hat, um von einem neuen Stipendienprogramm zu profitieren. Brandon sowie die 14-jährige Karabo und die ehrgeizige Schülerin Gcobani bewerben sich um ein Stipendium, das YFU 2012 erstmals an Schüler der DSK vergeben möchte. „Ein Jahr in Deutschland, dem Land, dessen Sprache sie seit der Klasse 5 lernen, wird für die Schüler eine unvergessliche, sehr prägende Zeit werden. Wenn sie weg von Zuhause in einem fremden Land und einer neuen Kultur ein Jahr verbringen, werden sie gereift wiederkommen“, freut sich die Leiterin des englischsprachigen Zweigs der DSK Christa Buchner über die Kooperation mit YFU.

Die Schulleitung setzt sich schon lange dafür ein, dass auch Schüler aus sozial schwächeren Familien die DSK besuchen können. Dies wird einerseits durch Zuschüsse der Bundesrepublik Deutschland und andererseits durch private Spender ermöglicht. Dennoch wäre es für Brandon, Karabo und Gcobani ohne weitere Unterstützung unmöglich, ein für sie teures Austauschjahr in Deutschland zu verbringen. YFU möchte daher 2012 und 2013 jeweils drei Stipendien à 2.000 Euro an besonders engagierte und motivierte Schüler der DSK vergeben, die ein Austauschjahr aus eigener Kraft nicht finanzieren könnten. „Wir bitten unsere Freunde und Förderer herzlich um Spenden, damit wir den Jugendlichen ihren Traum vom Austauschjahr ermöglichen können“, sagt Joachim Wullenweber, Leiter des Aufnahmeprogramms bei YFU und ist gespannt auf die Ankunft der jungen Afrikaner.

Unterstützen Sie Jugendliche aus Südafrika mit einer Spende, denn Stipendien bei YFU schaffen Chancen auf Bildung und Gerechtigkeit! • Mit monatlich 40 EURO Taschengeld unterstützt YFU viele Schüler aus aller Welt. • Etwa 200 EURO kostet die Teilnahme der jungen Südafrikaner an dem wichtigen Orientierungskurs in Deutschland. • Ein Stipendium über 2.000 EURO ermöglicht südafrikanischen Schülern wie Brandon ein Austauschjahr in Deutschland.

www.yfu.de/spenden

SPENDENKONTO Empfänger: Deutsches YFU Komitee e.V. Konto-Nummer: 09 08 03 02 01 BLZ: 200 800 00 (Commerzbank Hamburg) Referenz: Südafrika

YFU Magazin Winter 2011  

Das YFU Magazin informiert alle drei Monate rund um das Thema Schüleraustausch und den Verein Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V....

YFU Magazin Winter 2011  

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