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Internationaler Jugendaustausch

Informationen aus dem Verein

Toleranz 端ben im Austauschjahr

Austausch als Familientradition Colored Glasses: Toleranz in der Schule

Herbst 2011


Inhalt

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Fokus

Toleranz üben im Austauschjahr

Interview mit vier Austauschschülern des Jahrgangs 2010/11 Seite 6 / 7

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Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

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Alumni

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Ein Jahr in Deutschland

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Kooperationen

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Ein Jahr im Ausland

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Freunde und Förderer

Nachrichten Seite 4 / 5

News aus dem Aufnahmeprogramm Seite 8

News aus dem Entsendeprogramm Seite 9

Treffen • Kontakt • Jahre später Seite 10 / 11

Kreuzberger Kinderstiftung Botschafter Bayerns Seite 12 / 13

Sammeln • Spenden • Stipendiaten Seite 14 / 15 / 16

Impressum Herausgeber: Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. Gemeinnütziger Verein – Träger der freien Jugendhilfe Adresse: Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

Oberaltenallee 6 22081 Hamburg (040) 22 70 02 - 0 (040) 22 70 02 -27 info@yfu.de www.yfu.de

Spendenkonto: Konto-Nummer: 09 08 03 02 01 Commerzbank BLZ: 200 800 00 Redaktion: Mara Skaletz Gestaltung: dgermer.de lele - Lena Lewark

Druck: Auflage:

Sievert Druck und Service GmbH 5.500 Exemplare 3. Ausgabe 2011 Das YFU Magazin erscheint vierteljährlich. ©YFU September 2011

Gedruckt auf umweltfreundlichem FSC-zertifiziertem Papier.

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YFU magazin - Herbst 2011  


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, was ist Toleranz und was hat der Themenschwerpunkt dieses Magazins mit der täglichen Arbeit von YFU zu tun? Laut Duden bedeutet Toleranz „Duldsamkeit (bes. in Glaubensfragen u. in der Politik)“. Tolerant sein bedeutet also, Meinungen und Ansichten, die von der eigenen abweichen, zu dulden und gelten zu lassen. Das Dulden von Andersdenkenden sollte aber nicht darauf hinauslaufen, dass wir ihre Ansichten nur hinnehmen: Toleranz muss aktiv sein und zu einer Auseinandersetzung führen. Nur durch den Austausch von Gedanken und Argumenten können wir voneinander lernen und nur so kann unsere Gesellschaft – in ihrer Meinungsvielfalt – zusammen halten. Kulturen unterscheiden sich oft sehr in grundlegenden Ansichten über das menschliche Zusammenleben. In diesem Sinne ist Schüleraustausch eine Übung in Toleranz: Durch die intensive persönliche Begegnung mit Menschen in verschiedensten Ländern der Welt setzen sich Jugendliche aktiv mit der zunächst fremden Kultur auseinander. Gerade durch die Unterschiede, die sie hierbei erkennen, lernen sie viel über ihr Gastland und auch über sich selbst und ihre Überzeugungen. Diese wertvolle und prägende Erfahrung ist unabhängig davon, in welchem Land man das Austauschjahr verbringt: Deshalb wollen wir die Vielfalt unter den Austauschzielen gerne weiter erhöhen und interessierte Jugendliche ermutigen, auch Zielländer jenseits der englischsprachigen Welt zu entdecken. Vier Jugendliche, die vor wenigen Wochen aus ihrem Austauschjahr in Thailand, Ungarn, Südafrika beziehungsweise in den USA zurückgekehrt sind, haben uns berichtet, was Toleranz für sie bedeutet. Lesen Sie in dem Interview, welche vielfältigen Erfahrungen sie in den ganz verschiedenen Ländern gemacht haben. So zum Beispiel die 16-jährige Laura, die im Austauschjahr erfahren hat, dass Nationalstolz in Thailand eine ganz andere Rolle spielt als in Deutschland. YFU setzt sich auch dafür ein, dass das Thema Toleranz an Schulen einen Platz findet und dass Jugendliche dort Toleranz-Erfahrung sammeln können. Deshalb liegt mir das YFU-Projekt Colored Glasses sehr am Herzen: Bei interaktiven Workshops in Schulklassen, geleitet von geschulten YFU-Ehrenamtlichen, setzen sich Schüler unter anderem mit Diskriminierung, Vorurteilen und Stereotypen auseinander. Über Ihre Unterstützung des Projekts würde ich mich sehr freuen! Mit herzlichen Grüßen Marcus von Garßen YFU-Vorstandsvorsitzender

Einsendeschluss: 10. November

Mitmach-Aktion:

Internationaler Tag der Toleranz

Der 16. November ist der Internationale Tag der Toleranz der UNESCO, an dem überall auf der Welt die Gefahren der Intoleranz aufgezeigt werden sollen und die Notwendigkeit des Engagements für mehr Verständnis bekräftigt wird. YFU feiert diesen Tag 2011 mit einer besonderen Mitmach-Aktion. Ob kreativ oder philosophisch: Zeig, was Toleranz für Dich bedeutet. Dein Beitrag kann ein Foto, eine Grafik oder Collage oder

auch ein kurzer Text sein (maximal 250 Zeichen). Sende ihn bis zum 10. November an magazin@yfu.de oder an YFU, Postfach 76 21 67, 22069 Hamburg. Die besten Beiträge werden am 16. November auf der YFU-Internetseite und auf der YFU-Seite auf Facebook veröffentlicht. Mit der Einsendung Deines Beitrags erklärst Du Dich mit der Veröffentlichung durch YFU einverstanden.

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Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

Nachrichten Gezielte Förderung für ostdeutsche Jugendliche Im Schuljahr 2012/2013 gibt es ein neues Stipendienprogramm für Jugendliche aus den neuen Bundesländern. Aus dem YFU-Stipendienfonds gehen dabei Teilstipendien exklusiv an jeweils zehn Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Schüler und Schülerinnen aus Familien mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten werden dabei durch Teilstipendien unterstützt, die bis zu 80 Prozent der Programmkosten decken. Ziel ist es, mehr Schüler aus den neuen Bundesländern zu ermutigen, sich für das YFU-Austauschprogramm zu bewerben.

„Erkenne Deine Stärken“ mit YFU

Gerade sind die Schülerinnen und Schüler des Austauschjahrgangs 2011/12 in alle Himmelsrichtungen aufgebrochen. Einige von ihnen berichten auf der neuen Blog-Seite von YFU regelmäßig darüber, wie ihr Aufenthalt verläuft. Die Jugendlichen berichten aus Finnland, Ghana, Estland, Chile, Norwegen und aus den USA. „Die Berichte der Schüler zeigen uns, wie interessant jedes der so unterschiedlichen Länder ist. Ich werde gespannt verfolgen, wie es unseren Bloggern in ihrem Austauschjahr ergeht,“ so Meike Neumann, die Leiterin des YFUEntsendeprogramms. www.blog.yfu.de

1988 gewann Christian Schenk – damals für die DDR startend – die olympische Goldmedaille im Zehnkampf. Nach dem Ende seiner Profisport-Karriere ist er nun unter anderem engagierter Initiator des Projekts „Erkenne Deine Stärken“. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie bald auch in Mecklenburg-Vorpommern lernen Schülerinnen und Schüler unter diesem Motto bei bildungs- und erlebnisorientierten Klassenfahrten, was alles in ihnen steckt: Spielerisch erschließen sie sich neue Themen, meistern Herausforderungen und bekommen so vielfältige Impulse für ihre persönliche Entwicklung. YFU-Geschäftsführer Knut Möller: „Wir freuen uns, in Zukunft Partner des Projekts zu sein und unser Knowhow aus dem Bereich interkulturelle Bildung in die Camps einbringen zu können.“ YFU bietet den Camp-Teilnehmern außerdem besondere Stipendien für ein Austauschjahr.

PPP-Alumni in Zukunft vernetzt

Verzögerung des YFU-Umzugs

Die US-amerikanische Botschaft in Deutschland initiiert ein neues Alumni-Projekt: Ehemalige Teilnehmer des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) für Schüler können sich bald in einem eigenen Alumni-Verein vernetzen. Neben YFU führen noch weitere Austauschorganisationen das PPP durch. Das besondere an dem neuen Verein wird sein, dass er sich an Alumni aller teilnehmenden Organisationen wenden wird. Als Vorbild des Vereins dient der Zusammenschluss von Alumni des PPP für junge Berufstätige: Der PPP Alumni e.V. besteht bereits seit 2005, macht das PPP bekannter, unterstützt die Ehemaligen beim Netzwerken und ermöglicht Ihnen einen intensiven Erfahrungsaustausch.

Der geplante Umzug der YFU-Geschäftsstelle wurde verschoben: Statt – wie geplant und im letzten Magazin angekündigt – Mitte Juli findet der Umzug nun erst Ende September statt. Die umfangreichen Renovierungsarbeiten des denkmalgeschützten Gebäudes hatten sich verzögert. So war es notwendig, den Zeitpunkt des Umzugs nach hinten zu verschieben und damit auch den geplanten Tag der offenen Tür vorerst abzusagen. Die Freude auf das neue Zuhause des Vereins ist dadurch aber nicht gemindert: Die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle sind schon gespannt auf die neuen Räume in der Oberaltenallee 6 in 22081 Hamburg, wo sie ab dem 26. September zu erreichen sein werden.

YFU-Blog Mein Jahr im Ausland

YFU-Blogs starten

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Eine Geschichte – ein Geschichtsverständnis?

Drei Zahlen

Toleranz und Verständnis durch eine gesamteuropäische Sichtweise im Geschichtsunterricht

deutsche Schülerinnen sind am 21. August als erste deutsche YFU-Austauschschülerinnen überhaupt nach Serbien aufgebrochen. In der Gegenrichtung werden sechs serbische Jugendliche ein Jahr bei einer deutschen Gastfamilie verbringen. Das südosteuropäische Land liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel und grenzt an zahlreiche Länder, nämlich an Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien, den Kosovo, an Montenegro, Bosnien und Herzegowina und an Kroatien. Eine der deutschen Schülerinnen blogt auf dem YFU-Profil auf schülerVZ: http://tinyurl.com/schuelervz-blog.

Der Historiker Dr. Jens Hüttmann ist ehemaliger YFU-Austauschschüler und heute Leiter des Arbeitsbereichs „Schulische Bildungsarbeit“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Stiftung hat das Ziel, die Folgen der deutschen Teilung und Diktatur in der DDR aufzuarbeiten und den Prozess der Wiedervereinigung zu begleiten. Auf dem diesjährigen Young Europeans’ Seminar hielt Jens Hüttmann einen Vortrag über die Zukunft des Geschichtsunterrichts in Europa. Ein besonderes Anliegen ist Jens Hüttmann die Veränderung der an europäischen Schulen benutzten Geschichtsbücher. Seiner Meinung nach konzentriert sich der Geschichtsunterricht zu stark darauf, historische Ereignisse aus der Sicht des eigenen Landes zu deuten. Die europäischen Länder verbinde eine gemeinsame Geschichte, trotzdem nutzten alle Staaten verschiedene Lehrbücher, die unterschiedliche Versionen der historischen Ereignisse und ihrer Deutung lieferten. So entstehe Distanz und Intoleranz. Erst die Betrachtung der Ereignisse im europäischen Zusammenhang ermögliche einen Perspektivwechsel und das notwendige Verständnis für die europäischen Nachbarn. Jens Hüttmann ist sich der vorhandenen Schwierigkeiten dieses Vorhabens bewusst: Sie beginnen bei abweichenden Wahrnehmungen vergangener Ereignisse und enden bei der Frage, wie viel Zeit der Geschichtsunterricht an deutschen Schulen für diese Ausweitung überhaupt bieten kann. Trotzdem sieht er multiperspektivische bzw. Nationen übergreifende Geschichtsbücher als unbedingt sinnvoll und erstrebenswert für das gemeinsame historische Lernen an. Sein Wunsch: Durch ein gemeinsames Geschichtsbewusstsein gegenseitige Toleranz und gegenseitiges Verständnis zwischen den Menschen erreichen.

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Sprachen und Dialekte werden in Ghana neben der Amtssprache Englisch gesprochen. Vier Jugendliche aus Deutschland verbringen ab September ein Jahr in dem westafrikanischen Land. Sie sind schon der dritte Jahrgang von Austauschschülern aus Deutschland in Ghana.

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ist die Anzahl aller Länder auf der Welt, aus denen YFU-Schülerinnen und Schüler in diesem Sommer für ihr Austauschjahr nach Deutschland gekommen sind oder in die deutsche Jugendliche aus Deutschland aufgebrochen sind, um dort ihr Austauschjahr zu verbringen.

Weitere Informationen zum Thema unter: www.stiftung-aufarbeitung.de

Die Welt ist bunt: Zielländer und Herkunftsländer der aktuellen Austauschschülerinnen und -schüler (dunkelblau)

Jens Hüttmann

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Fokus

Toleranz Erfahrungen auf vier Kontinenten

Yannick

Laura

Wie füllt sich der recht abstrakte Begriff „Toleranz“ für YFUAustauschschülerinnen und -schüler mit Leben? Hanna Klein, YFU-Ehemalige und -Ehrenamtliche, traf sich in Frankfurt mit vier Jugendlichen aus Hessen, die gerade aus ihrem Austauschjahr zurückgekehrt sind. Laura (16, Thailand), Juliana (16, USA), Yannick (18, Südafrika) und Sarah (17, Ungarn) sprachen darüber, was es für sie bedeutet, tolerant zu sein. In welchen Situationen lebt Ihr Toleranz? Sarah: Toleranz braucht man in vielen Situationen des Lebens. Ich brauche sie zum Beispiel ganz oft, wenn es um meinen kleinen Bruder geht. Laura: Das Beispiel finde ich gut. Bei meinen Geschwistern hat Toleranz manchmal ein Ende. Aber wenn man Toleranz auf Menschen aus anderen Kulturen bezieht, die in Deutschland leben, bin ich schon tolerant. Juliana: Meine Eltern kommen aus Vietnam. Toleranz lernt man schon in der Grundschule, wenn man die Einzige ist, die asiatische Hintergründe hat. Und da ich diese Erfahrung gemacht habe, ist es für mich auch einfacher, gegenüber anderen Kulturen tolerant zu sein. Yannick: Mir ist Toleranz sehr wichtig und zwar nicht nur anderen Kulturen gegenüber, sondern auch Leuten gegenüber, die einen anderen Glauben oder andere Werte haben. Hier in Frankfurt ist es zum Beispiel so, dass es viele Ausländer und Menschen mit verschiedenen Religionen gibt. Wenn man nicht tolerant ist, braucht man hier gar nicht auf die Straße zu gehen.

Yannick mit seiner südafrikanischen Gastmutter

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Juliana

Sarah

Welche Rolle hat Toleranz denn für Euch im Austauschjahr gespielt? Yannick: Ich habe eher Toleranz gegenüber Intoleranz entwickelt. Denn ich war in einer sehr christlichen Familie und für die waren Homosexuelle etwas Abartiges. Das kann ich persönlich gar nicht nachvollziehen. Laura: In einem anderen Land ist man ja sehr auf die Toleranz der Anderen angewiesen. Damit habe ich eigentlich gute Erfahrungen gemacht. Was mich allerdings in meiner Toleranz bestärkt hat, war, dass manche Thais selbst nicht sehr tolerant sind in einigen Dingen. Zwar nicht was Homosexuelle angeht, aber beispielweiße gegenüber westlichen Ausländern. Weiße Männer, die nach Thailand gehen, weil sie dort eine Frau heiraten, haben zum Beispiel wenige Rechte, bekommen keine Staatsbürgerschaft, dürfen dann kein Haus bauen und Ähnliches. Sarah: Ich finde, im Austauschjahr braucht man Toleranz, um sich anpassen zu können. Und Anpassung, um die Kultur kennen zu lernen, ist ja der Sinn eines Austauschjahres. Juliana: Ich war in der Nähe von Washington D.C. und in meiner Schule waren Schüler vieler verschiedener Nationen. Und da war es eben von Anfang an klar, dass ich nicht durch die Schule laufen kann und sagen: „Die will ich nicht und dich nicht und dich nicht.“ Ganz anders war bei mir aber die Toleranz gegenüber der Ignoranz: Viele wissen zwar nicht viel über dein Land, wollen aber auch eigentlich nichts wissen. Damit muss man sich dann irgendwann abfinden.

Sarah in Ungarn beim Radeln


Habt Ihr Situationen erlebt, in denen Ihr gemerkt habt, dass Eure Toleranz an Grenzen stößt? Juliana: Wenn Leute es ablehnen, über Meinungsunterschiede zu reden. Wenn jemand eine andere Meinung hat, okay, dann kann man darüber reden. Aber es gibt Leute, die einfach ignorant sind und davon nichts hören wollen. Es sind zwar nur Einzelfälle, ich finde es allerdings anstrengend, mit denjenigen umzugehen. Sarah: Bei mir gab es eine Situation, die ich als schockierend in Erinnerung behalten habe. Ich habe mit jemandem über die Situation zwischen Ungarn und Sinti und Roma gesprochen und er meinte, dass es eine positive Sache an Hitler gab und zwar, dass er die Sinti und Roma umgebracht hat. Das war etwas, das mich erschüttert hat. Ich habe versucht, seinen Standpunkt argumentativ zu ändern, er aber hat das Gespräch abgebrochen. Diese Haltung ist aber natürlich nicht typisch für alle Ungarn. Yannick: Womit ich manchmal meine Probleme hatte, war, dass man in Südafrika nicht sagen durfte, dass man an die Evolutionstheorie glaubt. Darüber regen sich Leute total auf und fragen: „Bin ich ein Affe, oder was?“ Und da musste ich dann auch einfach mal leise sein und nichts sagen. Laura: Bei mir war ein Beispiel der Patriotismus der Thais. Gut, das gibt es in vielen Ländern, dass ein Mal am Tag die Nationalhymne gesungen wird. In Thailand wird die Nationalhymne aber zwei Mal am Tag gesungen. In Deutschland wäre das nicht möglich. Klar, das liegt an unserer Geschichte. Was uns hier nationalistisch erscheinen würde, das sieht man in Thailand gar nicht so. Das finde ich irgendwie komisch. Warum ist Toleranz wichtig? Sarah: Wenn es keine Toleranz gäbe, gäbe es viel mehr Kämpfe und Krieg. Weil jeder denkt, seine Meinung ist die richtige und jeder seinen Willen durchsetzen möchte, wie wir es in der Geschichte ja schon erlebt haben. Und heute können wir darüber reden und andere Meinungen akzeptieren. Juliana: Für das friedliche Miteinander in der Welt. Wenn jeder nur mit Scheuklappen durch die Gegend läuft, dann wäre kultureller Austausch gar nicht möglich: das Multikulturelle, dass wir alle Bürger der Welt sind. Wie Sarah gesagt hat, man kann über die kulturellen Unterschiede reden.

Laura: Wie Juliana gesagt hat, wäre Reisen und das Kennenlernen von anderen Kulturen gar nicht möglich. Und das ist mir wichtig. Wie wäre wohl das Leben ohne Toleranz? Yannick: Langweilig! Wenn es keine Toleranz gäbe, wäre zum Beispiel Frankfurt wohl nicht so groß, es gäbe die Hälfte der Geschäfte nicht, oder man dürfte zumindest nicht reingehen. Laura: Es wäre wahrscheinlich nicht so vielfältig und auch viel gefährlicher durch Bandenkriege. Sarah: Es finge ja schon mit den einzelnen Subkulturen in Deutschland an. Die würden sich dann voneinander abschotten oder sich sogar bekriegen. Juliana: Das Leben wäre viel eintöniger und viel trauriger. Und will man das wirklich? Was können wir konkret tun für mehr Toleranz? Sarah: Als gutes Beispiel voran gehen. Yannick: Ja, selbst tolerant sein. Juliana: Eben nicht nur darüber reden, sondern den ersten Schritt wagen und auch etwas dafür tun, um die interkulturelle Verständigung zu verbessern. Als Austauschschüler merkt man, dass man einiges verändern kann am Menschenbild der anderen. Laura: Mit Menschen sprechen, von denen wir vielleicht wissen, dass sie nicht so tolerant sind, und ihnen klar machen, was es bedeutet, tolerant zu sein, und was es einem selbst bringt. Sarah: Aber nicht nur versuchen, den anderen etwas zu sagen, sondern auch von den anderen etwas lernen. Ich finde Toleranz sehr wichtig und sie wird gebraucht. Man muss trotzdem aufpassen, bis wohin die Toleranz geht, und da eine Grenze ziehen. Und diese Grenze zu finden ist, glaub ich, manchmal ein bisschen schwer…

„In einem anderen Land ist man ja sehr auf die Toleranz der Anderen angewiesen“

Yannick: Ohne Toleranz würde sich die eigene Gruppe von anderen abschotten und man könnte gar nicht miteinander leben.

Laura mit ihren thailändischen Gastgeschwistern

Laura, Austauschjahr in Thailand

Juliana an ihrer amerikanischen Highschool

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Ein Jahr in Deutschland

• News aus dem Aufnahmeprogramm • 483 Schülerinnen und Schüler aus 40 Ländern sind im Sommer nach Deutschland gereist. „Wir freuen uns, dass jeder der Jugendlichen eine nette Gastfamilie gefunden hat“, sagt Joachim Wullenweber, Leiter des YFU-Aufnahmeprogramms. „Ich danke allen Familien für ihre Gastfreundschaft! Vielen Dank auch allen, die bei der Gastfamiliensuche geholfen haben.“ Bevor die Jugendlichen zu ihren Jahres-Gastfamilien reisten, besuchten sie eine Orientierungswoche oder verbrachten vier Wochen bei einem Orientierungs- und Sprachkurs. So haben sie ihr Jahr in Deutschland gründlich vorbereitet begonnen.

In den nächsten Monaten geht es für die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Aufnahmeprogramms vor allem um die Betreuung der aktuellen Austauschschüler. Für die Jugendlichen mag ihr Mittelseminar Anfang nächsten Jahres zwar noch weit weg sein, hinter den Kulissen beginnen aber bereits die Vorbereitungen. Außerdem freut sich YFU schon auf die Ankunft der nächsten Austauschschüler: Rund 40 Jugendliche, vor allem aus Ländern, die auf der Südhalbkugel der Erde liegen, werden im Januar nach Deutschland kommen. Interessierte Gastfamilien können sich gern ab sofort melden.

Thema Mittelseminare

Drei Fragen an Johannes Waltenberger Johannes, Du hast schon bei mehreren Mittelseminaren mitgearbeitet. Was ist für Dich das besondere daran? Mittelseminare rufen bei mir die Erinnerung an wenig Schlaf und ausgefüllte Tage hervor. Es ist meist eine sehr intensive Zeit, in der man die Schüler, das Team und sich selbst gut kennen lernt. Da oft wenig Zeit für Gedanken an das eigene Leben bleibt, kann man eine Woche lang wunderbar aussteigen und „mental Urlaub machen“. Was ist die Herausforderung daran? Es kommt darauf an, sich ganz auf die Schüler einzulassen. Die Erlebnisse und Geschichten wiederholen sich teilweise von Jahr zu Jahr und es ist wichtig, den Teilnehmern trotzdem Interesse und Aufmerksamkeit entgegenzubringen und zuzuhören. Außerdem braucht man manchmal Geduld, wenn die Sprachkenntnisse der Schüler noch nicht für alle Gesprächsthemen ausreichen. Erinnerst Du Dich an ein schönes MittelseminarErlebnis? Einmal kam ein Schüler zu mir und fragte, ob er mit mir ein (wirklich) wichtiges Problem besprechen könne, da sein Vater mehr als 10.000 Kilometer entfernt sei und er sonst niemanden habe, der für so etwas in Frage kommt. Die Situation hat mir gezeigt, wie wichtig ein Umgang mit den Schülern auf Augenhöhe ist. *** Die einwöchigen Mittelseminare finden zwischen Anfang Februar und Ende März statt. Die Schülerinnen und Schüler blicken auf ihre bisherige Erfahrung zurück und stecken sich Ziele für die verbleibenden Monate. Zusätzlich entdecken sie eine deutsche Großstadt und beschäftigen sich mit einem Extrathema. Wer bei einem Mittelseminar mitarbeiten möchte, kann sich bei Birgit Neufert melden: neufert@yfu.de.

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Ein Sommer in Hessen – statt in Japan In unserem sechswöchigen Sommerprogramm konnte YFU dieses Jahr 32 Jugendliche in Deutschland begrüßen. Zehn dieser Austauschschüler kamen mit einem Stipendium des japanischen Automobilherstellers Mazda aus den USA nach Deutschland. Eigentlich hätten die Jugendlichen den Sommer in Japan verbringen sollen, doch nach der dortigen TsunamiKatastrophe wurde der Aufenthalt nach Deutschland verlegt. Die Stipendiaten wurden von Mazda zu einem spannenden Tag ins European Research & Development Centre nach Oberursel eingeladen. YFU hat Mazda als sehr engagierten Kooperationspartner kennen gelernt und bedankt sich für den gelungenen Aufenthalt!


Ein Jahr im Ausland

• News aus dem Entsendeprogramm • Um viele spannende Erfahrungen reicher sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Austauschjahres 2010/11 nach Deutschland zurückgereist. Sie leben sich nun – unterstützt durch die YFU-Nachbereitung – wieder zu Hause ein. YFU freut sich, wenn viele von ihnen dem Verein verbunden bleiben! Zwischen Ende Juli und Anfang September ist der Jahrgang 2011/12 ins Austauschjahr gestartet: Rund 1.150 Jugendliche brachen in 36 Länder auf. YFU wünscht allen einen guten Start! Eine besondere Herausforderung bot sich in diesem Jahr in den USA: Neben der wirtschaftlichen Krise haben vor allem neue Regularien des amerikanischen Außenministeriums die

Suche nach Gastfamilien erheblich erschwert. Die Regularien enthalten strengere Auflagen zur Ansprache und Auswahl von Gastfamilien und verursachen interessierten Familien einen weitaus höheren Aufwand, wovor viele zurückschrecken. So verzögerte sich die Gastfamilienzuordnung deutlich und war zum Zeitpunkt der Drucklegung noch nicht abgeschlossen. Mit dem Ende des Sommers bewerben sich nun besonders viele Jugendliche um einen Platz im YFU-Austauschprogramm 2012/13. Es haben bereits zahlreiche Auswahlgespräche stattgefunden. Viele Teilnehmer stehen schon fest und warten nun schon gespannt auf den nächsten Sommer.

Zielländer im Austauschjahr 2011/12: Anzahl der Teilnehmer 22 Afrika

0

56 Asien /Pazifik

200

132 Lateinamerika

168 Europa

400

600

779 Nordamerika

800

1000

1200

Steckbrief

Einen Infoabend gestalten Nach und nach trudeln neugierige Eltern und aufgeregte Teenager ein – alle sind gespannt darauf zu erfahren, was es nun mit dem Thema „Austauschjahr“ auf sich hat. Dann geht es los: YFU-Ehrenamtliche stellen zuerst den Verein und die Austauschprogramme vor, dann werden sie von den Interessierten mit Fragen gelöchert. Die Fragen reichen von „Was hast Du gemacht, wenn Du Heimweh hattest?“ über „Wie verläuft denn die Auswahl?“ bis hin zu „Was haben Sie denn als Mutter davon gehalten, dass Ihre 15-jährige Tochter nach Lateinamerika wollte?“. Vor allem die persönliche Erfahrung ist es, die die Besucher interessiert. Wer Lust hat, YFU bei einer Info-Veranstaltung oder einem Messestand vorzustellen, kann sich bei Maike Baum in der Geschäftsstelle melden: E-Mail: baum@yfu.de oder Telefon: 040-227002-34. In vielen Landesgruppen gibt es Einsteigerschulungen für die Öffentlichkeitsarbeit, Maike Baum vermittelt gern den Kontakt. Übrigens: Sowohl „alte Hasen“ der YFU-Arbeit als auch ganz neue Helfer aller Altersgruppen sind herzlich willkommen!

„Ich bin ja schon lange für YFU ehrenamtlich aktiv. In der letzten Zeit habe ich immer öfter gerne auch an Infoveranstaltungen teilgenommen. Bevor Eltern und Jugendliche sich für ein Austauschjahr und eine Organisation entscheiden, haben sie sehr viele verschiedene Fragen und sind dankbar, wenn sie uns bei YFU kennen lernen können und ganz persönliche Antworten bekommen. Und ich habe so die Möglichkeit, ihnen die Vorzüge von YFU zu schildern. Besonderen Spaß bringt es mir, mit jungen YFU-Ehemaligen zusammen Infoabende zu leiten – so haben Eltern und Schüler alle einen Ansprechpartner auf Augenhöhe. Praktisch ist an dieser Aufgabe, dass sie zeitlich ganz klar begrenzt ist: Den Termin für einen Infoabend kann ich deshalb meist gut in meinem vollen Terminkalender unterbringen. Und diese Zeit nehme ich mir gerne, da jeder Infoabend anders ist. So bleibt es überraschend Kristin Salchow und spannend!“

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Alumni

Aktiv werden für YFU Einladung: Auswahl-Schulung

YFU unterstützen

Die ehrenamtlichen Auswahlkomitees brauchen kompetente Verstärkung: Am 15. Oktober 2011 findet in Hannover eine Auswahlschulung statt. Sie richtet sich speziell an Berufstätige und Eltern in unserem Verein, die Lust haben sich ehrenamtlich zu engagieren. Willkommen sind Einsteiger, die diesen Bereich gern kennen lernen möchten, und frühere Mitarbeitende, die bereits Auswahlen mitgemacht haben und nach längerer Zeit wieder einsteigen möchten. Wer gerne teilnehmen möchte, kann sich bei Simone Held in der Geschäftsstelle anmelden (Telefon: 040 227002-52, E-Mail: held@yfu.de)

Wer Interesse hat, sich für YFU zu engagieren, aber noch nicht genau weiß, welcher Bereich geeignet ist, kann sich gerne an Simone Stepp, die Alumni-Koordinatorin in der Geschäftsstelle wenden (Telefon: 040-227002-49, E-Mail: stepp@yfu.de). Informationen zu den Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren, finden sich ebenfalls unter www.yfu.de/alumni-aktiv.

Neue Erfahrungen auf allen Seiten

Organisatorin Taygete Yali Wetzel (r.) mit einer Kursteilnehmerin

Orientierungs- und Sprachkurse (OSK) Als ausländischer Schüler in Deutschland ankommen – aufregend! Noch aufregender, wenn noch keine oder kaum Deutschkenntnisse vorhanden sind. Um die Jugendlichen gut auf den deutschen Familien- und Schulalltag vorzubereiten, bietet YFU allen Austauschschülern, die noch nicht oder nicht gut Deutsch sprechen, zu Beginn ihres Aufenthaltes einen vierwöchigen Kurs: Vier Stunden pro Tag verbringen sie im Deutschunterricht, zwei weitere Stunden werden sie auf das Leben in der deutschen Kultur vorbereitet. In diesem Jahr haben 307 Schüler an den OSK teilgenommen, die an 34 Orten in Deutschland von jungen Ehrenamtlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren organisiert wurden. Taygete Yali Wetzel (17), die einen Kurs für Thais organisierte, berichtet: „Bei der Organisation des Kurses habe ich viele neue Fähigkeiten erworben. Ich habe gelernt, wie ich Public Relations organisieren und eigene Anliegen publik machen kann. Ich habe gelernt, Serienbriefe und formelle Post zu schreiben. Die Organisation des Elternabends und der Abschiedsparty war eine Premiere für mich, desgleichen Kursräume zu mieten und eine Menge fremdes Geld zu verwalten. Auch die sorgfältige Abrechnung zum Schluss war eine gute Übung. Ich kann jetzt viel schneller auf der Computertastatur schreiben – und habe mir praktischerweise angewöhnt, direkt auf E-Mails zu antworten.“

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Romy Träber eingerahmt von zwei OSK-Schülern aus den USA

Die Kurse sind so nicht nur eine wichtige Vorbereitung für die Austauschschüler, sondern bieten für junge YFU-Ehemalige eine gute Möglichkeit, ein Projekt zu organisieren. Sie werden von YFU in Projektorganisation geschult und sind verantwortlich für die Suche nach Gastfamilien für vier Wochen, nach einem Unterrichtsraum und einer Gelegenheit zum Mittagessen sowie für die organisatorische Begleitung des Kurses. Neben den Organisatoren kommen Sprach- und Orientierungslehrer zum Einsatz. Sie sind in der Regel Studierende höherer Fachsemester, die ebenfalls auf entsprechenden Schulungswochenden von YFU auf ihre Tätigkeit vorbereitet werden. Für sie ist der Kurs eine wertvolle Gelegenheit, ihr im Studium erworbenes Wissen in die Praxis umzusetzen. Romy Träber, die eine Gruppe junger US-Amerikaner unterrichtete, bestätigt das: „Soviel ist schon einmal sicher: Ich hatte jede Menge Spaß, habe eine Bestätigung für mich selbst gefunden und weiß, dass ich das gern wiederholen würde, wenn sich die Gelegenheit bieten sollte.“ Wer in Zukunft einen OSK organisieren oder unterrichten möchte, bekommt alle nötigen Informationen von Joachim Wullenweber: wullenweber@yfu.de.


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  YFU magazin - Herbst 2011 11


Kooperationen

Haupt- und Realschüler starten durch Kreuzberger Kinderstiftung setzt sich für Chancengleichheit ein Die Austauschprogramme von YFU richten sich an Schüler aller Schulformen in Deutschland. Trotzdem wagen noch immer vor allem Gymnasiasten den Schritt ins Ausland. Doch das könnte sich bald ändern – denn zahlreiche Institutionen befassen sich damit, insbesondere auch Nicht-Gymnasiasten an internationalen Programmen zu beteiligen. Viele dieser Initiativen stärken die Vernetzung und den Dialog mit Multiplikatoren. Die Kreuzberger Kinderstiftung hat sich dazu entschieden, direkt bei den Jugendlichen anzusetzen: Bereits im zweiten Jahr ermöglicht die Stiftung nun Haupt- und Realschülern aus Thüringen und Sachsen-Anhalt, mit YFU ein Jahr im Ausland zu verbringen. Mit hohen Teilstipendien in Höhe von 50 bis 80 Prozent des Programmpreises fördert die Stiftung neben YFU-Teilnehmern auch Austauschschüler von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. und Experiment e.V. aus anderen ostdeutschen Bundesländern. Bei YFU konnten im Rahmen der Förderung die Bewerberund Teilnehmerzahlen von Nicht-Gymnasiasten erheblich gesteigert werden. Ein Erfolg, der YFU und die Kreuzberger Kinderstiftung gleichermaßen stolz macht. Und das, zumal die von dem Stipendienprogramm begünstigten Bundesländer die geringste Teilnehmerquote an internationalen Austauschprogrammen haben. Sowohl in Thüringen als auch in Sachsen-Anhalt nehmen nach einer aktuellen Umfrage des Bildungsberatungsdienstes weltweiser nur je ca. 1 Prozent aller 15-17-jährigen

Peter Ackermann, Stifter und Vorstand der Kreuzberger Kinderstiftung, gratuliert den Stipendiaten

Schüler an internationalen Austauschprogrammen teil. In Hamburg und Berlin sind es dagegen zum Beispiel zwischen 6 und 7 Prozent. Ein Ungleichgewicht, das Peter Ackermann, Stifter der Kreuzberger Kinderstiftung, mit seinem Stipendienprogramm bekämpfen möchte. Am 25. Juni 2011 empfing er die 60 diesjährigen Stipendiaten von YFU, AFS und Experiment in Berlin-Kreuzberg, um ihnen einen guten Start ins Austauschjahr zu wünschen und ihnen zu ihren Stipendien zu gratulieren. Diese werden zum Teil von Einzelpersonen und Firmen gestiftet, die Peter Ackermann von seinem Ansatz überzeugen konnte. „Wir hoffen, dass es der Stiftung weiterhin gelingt, so viele Förderer für diese Idee zu begeistern, welche bereits zu einer signifikanten Änderung in der Statistik führt. Viel wichtiger ist aber eine Mentalitätsverschiebung towards exchange an Realschulen, bei Lehrern und Direktoren“, so der YFU-Ehrenamtliche Thomas Kuckert aus Sachsen-Anhalt, der an der Stipendienverleihung teilnahm. Das Stipendienprogramm der Kreuzberger Kinderstiftung wird auch im Programmjahr 2012/13 fortgeführt und die ersten potentiellen Stipendiaten haben sich bereits bei YFU beworben.

Schauspieler Peer Kusmagk finanziert Stipendien von zwei YFU-Austauschschülerinnen

12 YFU magazin - Herbst 2011  


Als Botschafter Bayerns in die Welt Empfang der Stipendiaten in München

Der YFU-Vorsitzende Marcus von Garßen (unten) dankte dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus persönlich

„Ein Botschafter ist ein Diplomat, also der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes“ (www.wikipedia.de). Spielerisch verglich Josef Erhard, damals Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, die Verantwortung von Stipendiaten im Austauschjahr mit der von „echten“ Botschaftern. Mit der Projektverantwortlichen Angela Steinmüller überreichte er am 8. Juli 2011 in München die Stipendien-Urkunden an die glücklichen Botschafter Bayerns 2011. Bereits im vierten Jahr werden mit dem Stipendienprogramm YFU-Austauschschüler, die ein Jahr in einem Partnerland Bayerns verbringen, großzügig gefördert. Polen, Slowakei, Bulgarien, Ungarn, China und Indien sind die diesjährigen Ziele der Botschafter, in denen sie ihre Heimat repräsentieren und interkulturelle Erfahrungen sammeln. Die Stipendiaten sind Schüler an Montessori-, Fachober- und Realschulen sowie Gymnasien aus allen Regionen Bayerns. YFU ist stolz und dankbar, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit auch in den kommenden beiden Jahren fortgeführt wird: Das Förderprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus wird verlängert. Damit stehen in den Programmjahren 2012/2013 und 2013/2014 jeweils 15 Stipendien für ein Austauschjahr in einem von zwölf Partnerländern Bayerns zur Verfügung. Ab sofort können sich bayerische Schülerinnen und Schüler als Botschafter Bayerns bewerben. Informationen zu dem Programm unter: www.yfu.de/botschafter-bayerns.

Wir danken Ihnen für Ihre Spende!


„Die Spenden sind das Tüpfelchen auf dem i“

„Es sind die spannenden und abwechslungsreichen Aufgaben bei YFU, die mich in Sachen Engagement über die Jahre zum ‚Intensivtäter’ haben werden lassen!“

Jochen Brodbeck, langjähriger YFU-Ehrenamtlicher und Spender, über sein Engagement Überall auf der Welt engagieren sich Menschen in vielfältiger Weise für YFU. Manche spenden dem Verein ihre Zeit in Form von ehrenamtlichem Engagement, manche unterstützen mit Geldspenden – und andere tun gleich beides. Zum Beispiel Jochen Brodbeck (67): Seit rund 20 Jahren ist er bei YFU in unterschiedlichsten Bereichen ehrenamtlich tätig und zudem seit langem treuer Spender. „Angefangen hat alles mit dem Austauschjahr meiner Tochter 1989/90“, erzählt Jochen. „Soziales Engagement war mir schon immer wichtig, und ich habe schnell gemerkt, dass die Arbeit bei YFU das Richtige für mich wäre.“ So begann er, sich als ehrenamtlicher Betreuer für Austauschschüler in Deutschland einzusetzen. Später folgten weitere Aufgabenbereiche wie Seminar- und Auswahlleitungen, Ämter in Vereinsgremien und die ersten Schritte im Bereich Elternarbeit. Letzteres ist für Jochen ein besonders wichtiger Punkt: „Die Elternarbeit bei YFU steckte damals noch in den Kinderschuhen. Wir haben gemeinsam viel dafür getan, dass Eltern von Austauschschülern heutzutage so intensiv in die YFU-Programme mit einbezogen werden.“ Neben diesem breit gefächerten ehrenamtlichen Engagement ist für Jochen das Geldspenden für YFU das „Tüpfelchen auf dem i“. Mit seinen Spenden könne er gezielt dabei helfen, dass bestimmte Projekte durchgeführt werden können, berich-

Jochen Brodbeck

tet Jochen. Auch wenn er sich grundsätzlich vorstellen kann, auch für andere Organisationen zu spenden, findet er die Spenden bei YFU noch immer am besten angelegt: „Gerade durch mein intensives Engagement kenne ich den Verein sehr genau und weiß, dass mein Geld dort gut aufgehoben ist.“ Dass Jochen YFU schon so viele Jahre verbunden ist, führt er zum einen darauf zurück, dass ihm die Vereinsziele wie interkulturelle Bildung und Völkerverständigung sehr am Herzen liegen. Zum anderen sei die Arbeit mit den vielen jungen Ehemaligen immer wieder neu und bereichernd. „YFU öffnet mir ständig Türen für andere Ansichten und anderes Denken. Das hält flexibel!“ In letzter Zeit hat Jochen einen neuen Schwerpunkt seines YFU-Engagements in der Öffentlichkeitsarbeit gefunden, wo er auch einen Teil seiner beruflichen Erfahrung mit einbringen kann. „Früher war ich für meinen Arbeitgeber viel auf Messen unterwegs – das kann ich jetzt auch prima für YFU machen.“

Neben dem ehrenamtlichen Engagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten, YFU zu unterstützen. Egal ob Vermittlung von Kontakten, kostenlose Werbeflächen oder eine Geldspende: Jede Hilfe ist willkommen!

Empfänger: YFU Deutschland Oberaltenallee 6 22081 Hamburg

Max Mustermann, Musterstadt

–Bildungsangebote 0000000000000 Mustermann, Musterstadt

Bei Beträgen bis EUR 200,00 erkennen die Finanzämter den Zahlungsbeleg als Spendenquittung an. Das Deutsche Youth For Understanding Komitee ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Wir sind wegen Förderung der Völkerverständigung durch Bescheinigung des Finanzamtes Hamburg-Nord, StNr. 17/411/01218, vom 22.04.2008 als steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne §§ 51 ff. AO dienend anerkannt.


Von Mecklenburg nach Mexiko YFU-Unterstützer Harald Dethlefsen finanziert Stipendien In Harald Dethlefsen finden YFU-Austauschschüler aus Mecklenburg-Vorpommern seit vielen Jahren einen großzügigen Förderer. Jedes Jahr ermöglicht er mit seinen Spenden an YFU die Vergabe von Teilstipendien an Schüler aus seinem HeimatBundesland. In diesem Jahr sind erneut zwei Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern dank seiner Unterstützung in ihr Austauschjahr mit YFU gestartet. Der 17-jährige Patryk Stankiewicz verbringt mit Hilfe des Stipendiums ein Jahr in Brasilien und Lukas Heinzel zog es aus dem norddeutschen Bad Doberan nach Mexiko. Beide Jungen haben ihr Austauschjahr mit Spannung erwartet und sind Anfang August nach Lateinamerika aufgebrochen. Sie sind Harald Dethlefsen sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung: „Als ich die Zusage für ein Stipendium bekam, habe ich mich total gefreut. Sie glauben nicht, wir froh ich darüber bin. Sie haben mir einen großen Traum erfüllt. Vielen Dank!“, schreibt der 16-jährige Lukas an seinen Förderer.

Der passionierte Fahrradfahrer Harald Dethlefsen liebt die Ostesee und Mecklenburg-Vorpommern und finanziert Stipendien für Schüler wie Lukas (oben)

Unterstützung für Schüler aus Ostbrandenburg

Großer Dank aus ganz Europa

Stipendien der EKO-Stiftung

Rückblick zum Spendenaufruf im Sommer 2011

Seit 2009 fördert die EKO-Stiftung Bildung Ostbrandenburg jedes Jahr YFU-Austauschschüler, die aus der Region stammen und sich für Naturwissenschaften interessieren oder ehrenamtlich engagiert sind. Drei Stipendiaten hatten dieses Jahr wieder das Glück, von der EKO-Stiftung unterstützt zu werden: Lina-Azade Großmann, Rebecca Zels und Eric Altmann. Die drei naturwissenschaftlich begabten Schüler haben Mitte August das Abenteuer Austauschjahr begonnen und leben seitdem in ihren Gastfamilien. Ihre Präferenzen bei der Wahl der Gastländer fielen vollkommen verschieden aus: So verbringt Rebecca ihr Austauschjahr in Ungarn, Lina-Azade in Finnland und Eric in den USA. Sicherlich werden alle drei ein ereignisreiches Jahr erleben und viele – wahrscheinlich sehr unterschiedliche – Eindrücke sammeln. Der EKO-Stiftung sind sie besonders dankbar dafür, dass sie ihnen diese Erfahrung ermöglicht.

Mehr als 200 YFU-Unterstützer haben mit ihren Spenden ein Zeichen für die europäische Verständigung und die Bildungsarbeit von YFU gesetzt. Dank einer Spendensumme von knapp 13.000 Euro konnte YFU das diesjährige Young Europeans’ Seminar (YES) großzügig bezuschussen. Am Ende ihres Austauschjahres kamen im Juli knapp 450 Schüler am Werbellinsee zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und um ihr Austauschjahr zu einem unvergesslichen Abschluss zu bringen. Wichtige Impulse gab hierbei unter anderem die YFU-Ehrenamtliche Heidi Fritze, die eine der zwei deutschen Jugenddelegierten zur Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) ist. Sie rief die YES-Teilnehmer dazu auf, die Erfahrungen aus ihrem Austauschjahr lebendig zu halten: „Bleibt aktiv für YFU und setzt Euch für unsere Ziele ehrenamtlich ein, denn das Potenzial, die Kreativität und die Tatkraft junger Menschen ist die größte Ressource, die wir in dieser Welt haben.“ Wir danken allen Spendern und den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz rund um das YES 2011!

Heidi Fritze

  YFU magazin - Herbst 2011 15


YFU PSF 762167 22069 Hamburg Postvertriebstück, DPAG, Entgeld bezahlt

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www.yfu.de

Machen Sie sich stark für mehr Toleranz

Spenden für Colored Glasses-Toleranzworkshops Das neue Schuljahr hat gerade erst begonnen, es ist 8:30 Uhr und Beginn der Projektwoche an der Julius-Leber-Gesamtschule in Hamburg. Nach und nach finden sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a in ihrem Klassenzimmer ein und warten gespannt auf den Beginn des Workshops. Um Toleranz soll es gehen – aber was sie sich darunter vorstellen sollen, wissen die 29 Schüler noch nicht so genau. Dass der Projekttag heute stattfindet, ist jedoch ihrer Initiative zu verdanken. Sie waren unzufrieden damit, dass gegenseitige Hänseleien und Gemeinheiten immer mehr zunahmen, und wünschten sich, dass das Miteinander in der Klasse wieder besser würde. Klassenlehrerin Katharina Weichardt suchte daraufhin nach einem Workshopangebot und stieß auf Colored Glasses. Colored Glasses ist ein interkulturelles Bildungsangebot von YFU. Geschulte Ehrenamtliche bieten Workshops in Schulklassen und Jugendgruppen im Alter von 10 bis 18 Jahren an. Die

Workshops fördern bei den Jugendlichen die bewusste und aktive Auseinandersetzung mit Themen wie Diskriminierung, Vorurteilen oder Ausgrenzung. Das Angebot ist für die Schulen kostenlos, damit die Vermittlung von Werten wie Toleranz und Verständnis nicht an finanziellen Hürden scheitert. „Wenn der Wunsch nach Veränderung aus der Klasse heraus kommt, ist das eine besonders gute Voraussetzung dafür, dass wir mit unserer Arbeit wirklich etwas bewegen können“, freut sich Colored Glasses-Teamerin Christin Deege. Am Ende des Workshops sind dann zwar alle erschöpft, haben aber auch eine Menge gelernt und Spaß gehabt. Auch für den 13-jährigen Schüler Alexander ist der Begriff Toleranz nun ein wenig greifbarer geworden: „Es ist wichtig, dass man aufeinander achtet und nicht nur zusieht, wenn jemand ungerecht behandelt wird.“

Unterstützen Sie Colored Glasses-Toleranzworkshops damit Jugendlichen Werte wie Toleranz und Verständnis vermittelt werden! • Mit einer Spende von 30 EURO das wichtige Material für einen Workshop finanzieren. • Mit 100 EURO bereits einen kompletten Toleranzworkshop für Jugendliche ermöglichen. • Für die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Workshopleiter sind wir darüber hinaus stets auf finanzielle Unterstützung angewiesen. JEDE HILFE ZÄHLT!

www.coloredglasses.de

SPENDENKONTO Empfänger: Deutsches YFU Komitee e.V. Konto-Nummer: 09 08 03 02 01 BLZ: 200 800 00 (Commerzbank Hamburg) Referenz: YFU-Bildungsangebote

YFU Magazin Herbst 2011  

Schwerpunktthema: Toleranz

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Schwerpunktthema: Toleranz