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Informationen aus dem Verein

Frühjahr 2014

Willkommenskultur Wege zu einer weltoffenen Gesellschaft

Neues YFU-Kuratorium · Toleranz und Verständnis bei Jugendlichen fördern


inhalt

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Fokus

Willkommenskultur

Wege zu einer weltoffenen Gesellschaft Seite 6 / 7

»

Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

»

»

Ein Jahr in Deutschland

» Kooperationen

»

Ein Jahr im Ausland

»

Nachrichten Seite 4 / 5

Neues aus dem Aufnahmeprogramm Seite 8

Neues aus dem Entsendeprogramm Seite 9

Alumni

YFU-Kuratorium • Jahre später Seite 10 / 11

Neujahrsempfang • Deutsch türkische Ehrenamtskonferenz Seite 12 / 13

Freunde und Förderer

Unterstützen • Spenden • Stipendiaten Seite 14 / 15 / 16

Impressum Herausgeber: Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. Gemeinnütziger Verein – Träger der freien Jugendhilfe Adresse: Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

Oberaltenallee 6 22081 Hamburg 040 227002-0 040 227002-27 info@yfu.de www.yfu.de

Spendenkonto: Commerzbank Hamburg BIC: DRES DE FF 200 IBAN: DE 67 2008 0000 0908 0302 01 Redaktion: Corinna Schmidt Gestaltung: sabinedietz.com, dgermer.de

Druck: Sievert Druck und Service GmbH Auflage: 6.000 Exemplare 1. Ausgabe 2014 Das YFU Magazin erscheint dreimal im Jahr. ©YFU April 2014

Bildnachweis: Titel, 2, 6/7: iStockphoto; 3: iStockphoto; 5: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, 6: Manuel Sarrazin, MdB; 2, 12: Eibe Maleen Krebs; 16: iStockphoto, Christian Schenk Sports, alle anderen Fotos von YFU oder privat. Gedruckt auf umweltfreundlichem FSC-zertifiziertem Papier.

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eDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser, Bulgarien und Rumänien sind seit 2007 Mitglied in der Europäischen Union. Jetzt, sieben Jahre später, gilt für die Bürgerinnen und Bürger beider Länder auch die Freizügigkeit für Arbeitnehmende innerhalb Europas. Obwohl geltendes EU-Recht und lange beschlossen, entfachte die Aufhebung der bisher bestehenden Beschränkungen eine hitzige Debatte in Deutschland. Stichworte wie „Armutseinwanderung“ und „Sozialschmarotzer“ zeugen von den Vorurteilen, die mitunter die Diskussion bestimmen. Der Gewinn, der Migration für unsere Gesellschaft bedeutet – auf wirtschaftlicher und demografischer wie gerade auch auf kultureller und gesellschaftlicher Ebene – wird dabei nur selten erwähnt. Es gehört zu den Bildungszielen von YFU, dass sich unsere Programmteilnehmerinnen und -teilnehmer bestimmt gegen Vorurteile einsetzen und Menschen anderer Kulturen mit Offenheit und Respekt begegnen. Das versuchen wir mit unseren Austauschprogrammen wie mit den weiteren Bildungsangeboten von YFU zu vermitteln. Aktiv Toleranz lernen Jugendliche zum Beispiel in den Workshops von Colored Glasses, die kostenlos für Schulklassen und Jugendgruppen in ganz Deutschland angeboten werden. Ein Projekt, das seit seiner Gründung 2001 nichts an Aktualität verloren hat und das wir auch in Zukunft weiter ausbauen möchten. Wie bereichernd es ist, sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen und „auszutauschen“, machen jedes Jahr zahlreiche Jugendliche und Familien vor, die entweder für ein Jahr ins Ausland aufbrechen oder einem Austauschschüler ihr Herz und Zuhause öffnen. Sie alle erleben ein Jahr, in dem sie nicht nur viel über eine neue Kultur, sondern auch über sich selbst lernen – und in dem sie hinter Vorurteile und Stereotype blicken. Um Jugendlichen diese Bildungschance weiterhin zu eröffnen, braucht es eine aktive Willkommenskultur – in Deutschland wie auf der ganzen Welt. Diesen Sommer werden sich rund 530 Jugendliche auf den Weg nach Deutschland machen, um hier ein unvergessliches Jahr zu erleben. Bei YFU freuen wir uns schon darauf, diese Schülerinnen und Schüler in Deutschland willkommen zu heißen. Möglich wird dies durch die Gastfreundschaft zahlreicher Familien, die einen Jungen oder ein Mädchen bei sich aufnehmen und so ein Austauschjahr in den eigenen vier Wänden erleben. Ich danke allen YFU-Gastfamilien für ihren Einsatz und lade auch Sie herzlich ein, diese einmalige interkulturelle Erfahrung zu machen und 2014 einem jungen Menschen ein zweites Zuhause in der Welt zu schenken!

Mit herzlichem Gruß Marcus von Garßen YFU-Vorstandsvorsitzender

Platz frei?

Die Welt zu sich nach Hause einladen – ab Sommer Gastfamilie werden! In rund 50 Ländern weltweit freuen sich Jugendliche schon auf ihr Austauschjahr in Deutschland. Sie werden im August/September nach Deutschland reisen, um dort ein einmaliges Jahr zu verbringen. Familien, die ein Gastkind bei sich zu Hause willkommen heißen, können sich auf eine spannende Zeit freuen. Sie werden wie die Schüler auf den Austausch vorbereitet und von YFU durch das Jahr begleitet. Interessierte Familien können sich ab sofort melden: 040 227002-0, gastfamilien@yfu.de

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Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

Nachrichten Deutsches Forum Internationaler Jugendaustausch in Hamburg

Besuch in der YFUGeschäftsstelle

Internationaler Jugendaustausch leistet einen wertvollen Beitrag zur interkulturellen Bildung und Verständigung. Dies stellte auch das Deutsche Forum Internationaler Jugendaustausch fest, das im Januar zum zweiten Mal in Hamburg tagte. Die Teilnehmer wollen auf die großen Pozentiale des internationalen Jugendaustausches aufmerksam machen. Dies soll durch eine verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten in Schulen, Austauschorganisationen, Politik und Ministerien geschehen. Auf der Tagung wurden hierfür mehrere Initiativen angeregt, die das Kooperationsnetzwerk des internationalen Jugendaustausches ausbauen sollen. Die Ergebnisse werden voraussichtlich auf der kommenden Tagung des Forums im Jahr 2015 vorgestellt. Das Deutsche Forum Internationaler Jugendaustausch findet seit 2013 jährlich in Hamburg statt. Fachleute aus ganz Deutschland kommen zusammen, um über Forschungsergebnisse, aktuelle Informationen und Initiativen zur Förderung des internationalen Jugendaustausches zu sprechen. Das Forum fungiert als bundesweite Plattform für sektorenübergreifenden Gedankenaustausch und Networking. Weitere Informationen unter: www.deutsche-stiftung-voelkerverstaendigung.de

Im März bekam die Geschäftsstelle in Hamburg internationalen Besuch: Maricruz León, seit zehn Jahren Mitarbeiterin von YFU Argentinien im Aufnahmeprogramm, verbrachte vom 18. bis zum 24. März viel Zeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen, um sich ausführlich über die jeweiligen Arbeitsgebiete auszutauschen. Sie Maricruz León von YFU Argentinien nutzte die Zeit, um die Or- vor der Hamburger Geschäftsstelle. ganisation YFU Argentinien vorzustellen, die seit 1964 internationalen Schüleraustausch durchführt. Die Hälfte aller Austauschschülerinnen und -schüler, die jährlich ihr Austauschjahr in Argentinien verbringen, kommt aus Deutschland. Die interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer aus der Geschäftsstelle lernten dabei viel über die Arbeit des lateinamerikanischen Partnerlandes und nahmen neue Impulse für die künftige Zusammenarbeit mit. Der enge Austausch mit den Kollegen in den verschiedenen YFU-Partnerländern soll auch in Zukunft gesucht werden – so wird zum Beispiel Svenja Lücke aus der YFU-Geschäftsstelle im April Maricruz in Argentinien besuchen, um dort den YFU-Mitarbeitern über die Schulter zu schauen.

Aktiv Toleranz lernen – Rückblick auf 2013 Das Team des kostenlosen YFU-Bildungsangebots Colored Glasses blickt in seinem Jahresbericht auf ein erfolgreiches Jahr zurück. 2013 wurden erneut fast 100 Toleranz-Workshops durchgeführt und Fortbildungen für Studierende und Lehrkräfte angeboten. Darüber hinaus konnte das Bildungsangebot regional und international weiter ausgebaut werden. So gibt es Colored Glasses nun in ganz Deutschland und auch in unserem Nachbarland Österreich. Ein toller Erfolg für die Förderung von Toleranz und Verständnis bei Jugendlichen!

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Berliner Konferenz „A Soul for Europe“ Am 3. März kamen in Berlin über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kultur und Politik zusammen, um die Bedeutung der europäischen Kultur für den Integrationsprozess in Europa zu diskutieren. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist mit diesem Jahr genau 100 Jahre her – ein geeigneter Moment, um Europas Entwicklung von einem konfliktreichen zu einem gemeinschaftlichen Kontinent zu betrachten und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Vertreter aus Kunst und Kultur diskutierten im Allianz Forum am Pariser Platz mit Politikern über die Fortschritte und Herausforderungen Europas. Ziel war es, Europa als Kulturprojekt zu verstehen und zu verwirklichen. Hierbei setzten sich die Teilnehmer mit folgenden Themen auseinander: Was bedeutet uns Europäern die europäische Kultur? Wie viel gemeinsame Kultur haben wir? Und: Ist Kultur eine europäische Aufgabe? Die Konferenz feierte dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Durch den Austausch untereinander soll auch in Zukunft das Fortbestehen eines gemeinschaftlichen Europas erreicht werden. Weitere Informationen unter: www.asoulforeurope.eu


Ziemlich deutsch

1) www.migazin.de/2014/01/13/faktencheck-zahlen-daten-einwanderung-bulgaren-rumaenen 2) Berechnung des Institutes der deutschen Wirtschaft Köln (IW) vom 20.01.2014 3) www.faz.net/aktuell/ wirtschaft/wirtschaftspolitik/migration-in-der-eu-wo-bleiben-sie-denn-11843957.html 4) www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/das-gespenst-der-europaeischen-massenmigration-1.18218943 5) www.tagesschau.de/inland/zuwanderungsstreit102.html 6) Statistisches Bundesamt, Fachserie 1., Reihe 2.2, 2012, Wiesbaden 2013 (Zahlen gerundet)

Neuerscheinung der bpb über das Einwanderungsland Deutschland Worauf beruht unsere kulturelle Identität? Was bedeuten Religions- und Meinungsfreiheit? Tragen gewohnte Ordnungsmuster noch in einer Gesellschaft, die sich durch die Begegnung mit anderen Kulturen, durch Migration, gewandelt hat? Diesen und anderen Fragen gehen die Autorinnen und Autoren sowie Interviewpartnerinnen und -partner in dem jüngst erschienenen Band „Ziemlich deutsch. Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland“ der Bundeszentrale für politische Bildung nach. Die deutsche Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt: nicht nur, aber auch durch die Begegnung mit anderen Kulturen. Wenn Deutschland kein Einwanderungsland wäre, würde man keine öffentlichen Debatten über Beschneidungsrituale, das Tragen von Kopftüchern oder Kruzifixe in deutschen Klassenzimmern führen. Auf der anderen Seite hätte man sich in Deutschland wahrscheinlich aber auch nicht so intensiv mit den Richtlinien und Ritualen der eigenen Gesellschaft auseinandergesetzt. Hätten wir darüber diskutiert, was unsere kulturelle Identität ausmacht und worin sie wurzelt, über unsere so genannten deutschen Wertvorstellungen, die Bedeutung von Religions- und Meinungsfreiheit und wo diese enden? Das Zusammenleben mit anderen Kulturen ist immer auch eine Herausforderung. Darin liegt zugleich die Chance für eine plurale, demokratische Gesellschaft. In dem Band „Ziemlich deutsch“ erzählen die Autorinnen und Autoren von persönlichen Erfahrungen und beschreiben politische wie gesellschaftliche Entwicklungen. Auf knapp 230 Seiten werden in mehr als 15 Beiträgen wertvolle Impulse für das Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland gegeben. Das Buch kann auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung bestellt oder kostenlos als PDF heruntergeladen werden: www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/176071/ ziemlich-deutsch Ziemlich deutsch. Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland, Herausgeberin: Dorte Huneke, Seiten: 229, Erscheinungsdatum: 09.01.2014, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 1386.

Drei Zahlen Migration innerhalb Europas

262.000

Rumänen und 145.000 Bulgaren leben derzeit in Deutschland und machen damit 5,5 Prozent der ausländischen Bevölkerung in Deutschland aus.1 Circa 25 Prozent der rumänischen und bulgarischen Einwanderer besitzen einen akademischen Abschluss – bei der deutschen Bevölkerung liegt der Durchschnitt bei 19 Prozent.2

2%

der EU-Bewohner kommen ursprünglich aus anderen EU-Staaten. Diese Zahl hat Alfonso Sousa-Poza, Ökonom an der Universität Hohenheim errechnet.3 Über 70% aller ausgewanderten EU-Bürger leben in den fünf größten westlichen Staaten – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Insgesamt ist es innerhalb der Europäischen Union trotz Freizügigkeit bisher noch nicht zu großen Massenwanderungen gekommen.4

1.500.000

qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland brauche Deutschland in den kommenden Jahren, um Wachstum zu sichern und die Sozialsysteme zu stabilisieren, so Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Aus diesem Grund mahnt er an, dass Deutschland weiter an einer Willkommenskultur für Zuwanderer arbeiten müsse. Hierbei handele es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Debatte im Stile der zurzeit geführten über “Armutszuwanderung“ aus Bulgarien und Rumänien sei dafür nicht zuträglich.5

Bevölkerung mit Migrationshintergrund nach Alter:6 1,6 Mio

65 Jahre und älter

3,5 Mio unter 15 Jahre

Dorte Huneke (Hrsg.)

Ziemlich deutsch Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland

3,9 Mio

2,3 Mio 15 bis 25 Jahre

45 bis 65 Jahre

5,1 Mio 25 bis 45 Jahre

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Fokus

„Deutschland braucht eine echte

Willkommenskultur.“ Ein Beitrag für das YFU-Magazin von Manuel Sarrazin, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) zu Migration in Deutschland

In den vergangenen Monaten haben wir eine schrille Debatte um die Zuwanderung nach Deutschland und in die Europäische Union erlebt. Wieder einmal wurde mit den Ängsten der Menschen gespielt und das Thema Zuwanderung allzu oft als ein durch die europäische Integration befeuertes Übel dargestellt. Besonders wurde diese Debatte durch das Konzept der sogenannten „Armutsmigration“ in deutsche Sozialsysteme geprägt. Dieses Konzept reduziert die Zuwanderung auf die geringe Anzahl von Betrugsfällen und stellt Einwanderer als Sozialbetrüger dar, die nur kommen, um staatliche Leistungen „abzugreifen“. Mit einer regelrechten Kampagne gegen eine Zuwanderung aus Osteuropa lenkten so einige Stimmen von den Chancen ab, die sich durch eine solche ergeben. Denn nicht erst seit gestern ist bekannt, dass die Gesellschaft in Deutschland stetig schrumpft und dringend auf Zuwanderung angewiesen ist. Bereits heute haben wir in vielen Bereichen der Wirtschaft Fachkräftemangel, der nur durch Zuzug von qualifizierten Fachkräften zu lösen ist. Deutschland muss als Wanderungsziel attraktiv sein und dementsprechende einwanderungs- und integrationspolitische Rahmenbedingungen schaffen. Doch anstatt den längst fälligen Abbau bürokratischer Hemmnisse und Zuzugsregelungen zu erleichtern, schüren oben genannte Aussagen die Ängste der Menschen und erzeugen ein falsches Bild von Zuwanderung. Diese Aussagen verkennen die demografische Wirklichkeit und

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verspielen mit ihrem populistischen Getöse Chancen für unsere Gesellschaft. Es ist besorgniserregend, dass die Schweiz vor kurzem per Volksabstimmung für eine Begrenzung der Zuwanderung aus der Europäischen Union gestimmt hat. Auch sie ist wie viele andere Staaten in Europa dringend auf Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen. Es darf nicht sein, dass Staaten am europäischen Binnenmarkt teilnehmen, sich aber vom Grundsatz der Freizügigkeit verabschieden. Freizügigkeit bedeutet, dass jeder Bürger der EU grundsätzlich das Recht hat, sich in der Europäischen Union frei zu bewegen, in jeden anderen Mitgliedstaat einzureisen, sich dort aufzuhalten und zu arbeiten. Wer also die Freizügigkeit von Dienstleistungen, Waren und Kapital nutzt, muss auch die Freizügigkeit von Personen akzeptieren. Das ist ein Grundpfeiler der europäischen Integration, an dem auch in Zukunft nicht gerüttelt werden kann. Besonders traurig ist, dass die EU auf die Begrenzung der Zuwanderung in der Schweiz mit dem Aussetzen des ErasmusStudentenaustauschprogramms reagiert hat. Dies ist meiner Meinung nach das falsche Signal. Denn Austauschprogramme sind die beste Möglichkeit, um Vorurteile abzubauen und mehr über andere Kulturen und Länder zu erfahren. Sie helfen gerade jungen Menschen zu verstehen, dass wir in Deutschland eine echte Willkommenskultur brauchen. Wer einmal wahre Gastfreundschaft erfahren hat, schlägt seine Tür nicht einfach zu.


„Das Schlüsselwort

ist Toleranz.“

Ein Gespräch mit den YFU-Austauschschülern Simina und Eduard aus Rumänien über ihre Erfahrungen in Deutschland

YFU-Austauschschülerin Simina kommt aus Rumänien und lebt seit August 2013 in Niedersachsen. Ihre Vorbereitungstagung wurde unter anderem von Eduard begleitet, der 2010/11 sein Austauschjahr hier verbracht hat. Aktuell lebt er in Nordrhein-Westfalen und wird ab Mai in Rumänien studieren. YFU hat beide nach ihren Erfahrungen in Deutschland gefragt. Simina, als für Bulgarien und Rumänien Anfang des Jahres die Arbeitnehmerfreizügigkeit galt, begann eine große Debatte in Deutschland. Wie hast du die Diskussion empfunden? Simina: Das war natürlich kein schönes Gefühl. Ich bin zum Beispiel nicht für Hartz IV nach Deutschland gekommen und es gibt viele Rumänen, die hier gute Arbeit leisten und Steuern bezahlen. Natürlich gibt es auch solche, die nicht gesellschaftlich mitmachen wollen oder nicht können. Die gibt es auch in Rumänien, in Bulgarien und wahrscheinlich in jedem Land. Es ist schade, wenn diese Leute als Vertreter eines Landes empfunden werden. Eduard, deine Eltern sind vier Monate nach deiner Rückkehr aus dem Austauschjahr nach Deutschland gezogen. Habt ihr in eurer Familie über dieses Thema diskutiert? Eduard: Nein, weil wir schon wussten, dass manche Deutsche ein schlechtes Bild von Rumänen haben. Für uns ist es wichtig, dass wir anders sind, für unser Geld arbeiten und sehr genau wissen, warum wir nach Deutschland gekommen sind. Die Vorurteile über Rumänen treffen auf uns nicht zu und interessieren uns deshalb auch nicht. In der Debatte machte Deutschland manchmal keinen besonders gastfreundlichen Eindruck. Wie waren eure Erfahrungen, als ihr angekommen seid?

Simina: Ich wurde sehr gut aufgenommen und habe mich von Anfang an willkommen gefühlt. Ich hatte auch nie das Gefühl, irgendwie als „Osteuropäerin“ wahrgenommen zu werden und bin keinen Vorurteilen begegnet. Dabei würde ich aber auch nie auf die Idee kommen, Deutschland wegen dieser Diskussion und Ideen einer bestimmten Partei als nicht gastfreundlich zu bezeichnen. Eduard: Ich hatte damals Lust auf eine neue Erfahrung und habe mich super gefühlt. Es gab vielleicht kleine Vorurteile bei manchen Klassenkameraden, denen Zuhause ein schlechtes Bild von Rumänen vermittelt worden war und die etwas vorsichtiger waren. Aber mit 16 Jahren habe ich das gar nicht richtig mitbekommen oder es hat mich nicht gestört. Eduard, du engagierst dich bei YFU Rumänien und warst dieses Jahr auch

hier auf einem Mittelseminar. Begegnen dir bei Austauschschülern oder Eltern manchmal Vorurteile gegenüber Deutschland? Eduard: In Rumänien fragen mich die Schüler oft, ob ich in meinem Austauschjahr Anpassungsprobleme hatte, weil Rumänien so einen schlechten Ruf in Deutschland habe. Ich versuche ihnen dann immer zu erklären, dass diese Vorurteile nicht wichtig sind und dass wir jede Chance nutzen müssen, um zu zeigen, dass wir anders sind. Was würdet ihr euch für Europa und den Umgang miteinander wünschen? Eduard: Ich glaube, das Schlüsselwort ist Toleranz. Es wäre gut, wenn die Menschen offener wären und jedem eine Chance geben würden, egal aus welchem Land er kommt und egal, ob man schon einmal schlechte Erfahrungen mit Leuten aus diesem Land gemacht hat. Simina: Auf YFU-Treffen habe ich viele Leute aus Südamerika getroffen. Obwohl sie aus verschiedenen Staaten kamen, haben sie sich so verhalten, als ob sie aus dem gleichen Land kämen. Es würde mir gefallen, wenn die Europäer ein bisschen mehr wie Südamerikaner denken und diese geografischen Grenzen nicht mehr so ernst nehmen würden.

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Ein Jahr in Deutschland

• Neues aus dem Aufnahmeprogramm • Ende März ist das letzte YFU-Mittelseminar für das Austauschjahr 2013/14 erfolgreich zu Ende gegangen. Auf insgesamt 15 Seminaren in Städten wie Berlin, München und Dresden konnten die Austauschschülerinnen und -schüler, die derzeit ihr Austauschjahr in Deutschland verbringen, auf die erste Hälfte des Jahres zurückblicken, Pläne für die kommenden

Monate schmieden – und natürlich viele internationale Freundschaften schließen! In rund 50 YFU-Partnerländern bereiten sich zur gleichen Zeit Jugendliche auf ihr Austauschjahr in Deutschland vor, das sie im Sommer dieses Jahres beginnen werden. YFU freut sich über das große Interesse an Deutschland als Gastland und arbeitet mit Hochdruck daran, den

Jungen und Mädchen einen guten Start in ihr Austauschjahr zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem auch die Suche nach gastfreundlichen Familien in ganz Deutschland, die einen jungen Menschen bei sich willkommen heißen möchten. Interessierte Paare und Familien können sich bei YFU melden unter: 040 227002-778, gastfamilien@yfu.de

Seit 15 Jahren im Einsatz für YFU Agnes Möller-Rolfes engagiert sich als ehrenamtliche YFU-Mitarbeiterin und Gastmutter für YFU

Zur Hochzeit ihres Sohnes kamen fast alle ehemaligen Gastkinder von Agnes Möller-Rolfes zurück nach Deutschland.

Seit circa 15 Jahren ist Agnes bei YFU dabei und hat in dieser Zeit mehr als 20 Gastschüler bei sich aufgenommen. Alles fing an, als ihr Sohn sie auf einen Schüler aufmerksam machte, der dringend eine neue Gastfamilie brauchte. „Wenn meine Kinder mit dem Koffer auf der Straße stehen, will ich ja auch, dass sie jemand aufnimmt!“, begründet sie ihre damalige spontane Aufnahme des Schülers. Für Agnes begann damit ein schönes und mitunter auch schwieriges Jahr. Die Erinnerung und die gewonnenen Erfahrungen an dieses erste Jahr als Gastmutter bleiben bis heute bestehen – und es sollten noch viele schöne Erinnerungen an weitere Austauschschüler folgen. Im Sommer 2013 konnten sie und ihre Familie dann eines der schönsten Erlebnisse als Gastfamilie feiern: Zur Hochzeit ihres Sohnes versammelten sich fast alle ihrer ehemaligen Gastkinder wieder bei ihr zu Hause. „Das war schon ein tolles Gefühl. Sie haben sich untereinander auch alle auf Deutsch unterhalten. Auf der Sprache, die ich ihnen beigebracht habe!“ Bald wird Agnes sogar zweifache Gastoma sein, wenn ihre ehemalige Gasttochter Eri aus Japan ihr zweites Kind bekommt. Im Moment lebt mit Beatrisa aus Estland das 21. Gastkind bei

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den Möllers. Den Überblick verliert Agnes dabei aber nicht: „Ich kann mich eigentlich an alle Geburtstage und Wohnorte erinnern. Mit vielen stehen wir ja auch noch in Kontakt.“ Doch Agnes setzt sich nicht nur als Gastmutter für die Idee des internationalen Schüleraustauschs ein. Schon ein Jahr nach der Abreise ihres ersten Gastkindes begann sie, sich unter anderem in der YFU-Betreuung zu engagieren. Seitdem stand sie mehr als 30 Jungen und Mädchen während ihres Austauschjahres in Deutschland zur Seite. Darüber hinaus ist Agnes auch auf YFU-Seminaren aktiv und begleitet zum Beispiel Orientierungswochen für Schüler zu Beginn des Austauschjahres. „Ich muss am Menschen arbeiten“, begründet sie ihr vielfältiges Engagement. Vor allem die Arbeit mit jungen Menschen macht ihr dabei sehr viel Spaß. Als Betreuerin ist sie nicht nur Ansprechpartnerin für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die YFU-Gastfamilien. Ihr Tipp an zukünftigen Gastfamilien lautet: „Nicht zu viele Erwartungen haben! Am besten läuft das Kennenlernen eines neuen Gastkindes, wenn man sich ganz ohne Vorurteile auf den Menschen einlässt.“ Aus ihrer Erfahrung kann sie auch sagen, dass die Gastfamilie das ist, was für die Austauschschüler in Deutschland eine Konstante bildet. „Wenn sie wieder in ihr Austauschland, Deutschland, zurückkommen möchten, ist die Familie der erste Anlaufpunkt. Meistens sind die Freunde nach der Schule in alle Himmelsrichtungen verschwunden, die Familie bleibt.“ YFU bedankt sich herzlich bei Agnes und ihrer Familie für dieses außergewöhnliche Engagement für den internationalen Schüleraustausch!

n!

Jetzt Gastfamilie werde

Im August/September 2014 reisen über 500 Schülerinnen und Schüler aus aller Welt nach Deutschland, um ein Jahr die deutsche Sprache und Kultur ganz persönlich kennenzulernen. Wer eine neue Kultur entdecken und einem internationalen Schüler als Gastfamilie im Gedächtnis bleiben möchte, kann sich das ganze Jahr über bei YFU melden: 040 227002-778, gastfamilien@yfu.de


Ein Jahr im ausland

• Neues aus dem Entsendeprogramm • Das Austauschjahr 2013/14 neigt sich dem Ende zu und für die ersten Schülerinnen und Schüler hieß es auch schon Abschied nehmen. Die Jugendlichen, die ein Jahr in Japan und Südkorea verbracht haben, sind bereits wieder nach Deutschland zurückgekehrt und leben sich nun langsam wieder zu Hause ein. Tipps dafür konnten sie unter anderem auf der YFU-

Nachbereitungstagung erhalten, auf der sie außerdem auf das im Ausland Erlebte zurückblicken konnten. Im Frühsommer werden dann auch die restlichen Austauschschüler die Heimreise antreten. Gleichzeitig laufen bei YFU die Vorbereitungen für das kommende Programmjahr auf Hochtouren. Rund 1.200 Jugendliche werden im Sommer aufbrechen, um ihr

Austauschjahr in einem von 40 Ländern weltweit zu verbringen – in diesem Jahr erstmals auch in den neuen YFU-Partnerländern Spanien und Paraguay. Ab Mitte April beginnt dann die Bewerbungssaison für das Austauschjahr 2015/16. Mehr Details können Interessierte ab diesem Zeitpunkt auf der YFU-Website nachlesen: www.yfu.de/austauschjahr.

Ein Jahr in Serbien Interview mit Klara Möller, die ihr Austauschjahr in dem noch jungen YFU-Partnerland Serbien verbrachte Klara, warum hast du dich zu einem Austauschjahr in Serbien entschieden? Ich wollte etwas Neues erleben und unbedingt nach Osteuropa, weil ich die Kulturen interessant finde und die Leute dort nett und offen sind. Serbien klang einfach gut und die Entscheidung war sehr spontan. Ich wusste nicht viel über das Land und wollte mehr lernen. Was hat dich dort am meisten überrascht? Die Schule. Die ist in Serbien ganz anders als in Deutschland: Die Kinder gehen acht Jahre lang in die Grundschule und haben dort denselben Unterricht. Danach gehen sie vier Jahre auf ein Gymnasium, bei dem normalerweise die Richtung des Abschlusses schon sehr festgelegt ist. So gibt es zum Beispiel Musik- oder Kunstschulen, die nur Unterricht in diesen Fächern anbieten. Wie war das Zusammenleben mit deiner Gastfamilie? Da die Chemie zwischen meiner ersten Gastfamilie und mir nicht stimmte, habe ich die Familie gewechselt. In der zweiten Familie passte es dann besser und wir haben uns super verstanden. Wir haben immer zusammen gegessen und der Zusammenhalt war sehr groß. Serbisch gilt als schwierige Sprache. Hast du das auch so empfunden? Ja, am Anfang war es für mich sehr schwierig, weshalb ich viel Englisch gesprochen habe. Allerdings gehörte ich dadurch nie so ganz dazu. Der Wendepunkt für mich war der Familienwechsel. In der zweiten Familie habe ich mich viel sicherer dabei gefühlt, Serbisch zu sprechen, auch weil mein Gastvater mich dazu ermutigt hat. Ich habe dann auch in der neuen Schule von Anfang an nur noch Serbisch gesprochen. Familie und Freunde haben mir gesagt, wie sehr sich mein Serbisch von Woche zu Woche verbessert hat. Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der serbischen und der deutschen Kultur? In Serbien isst man sehr viel und sehr gut. Das Essen wird frisch zubereitet und ist ohne viel Chemie. Zu meinen serbischen Lieblingsgerichten gehören Pita (eine Art gefüllter Blätterteig) und Sarma, die serbische Variante der Kohlroulade. Ein weiterer Unterschied ist die Religion. Die orthodoxe Kirche ist in Serbien

Klara mit Familie (oben) und Freundinnen während ihres Austauschjahres in Serbien.

sehr weit verbreitet und die meisten Serben sind gläubig, jede Familie hat zum Beispiel einen eigenen Schutzheiligen. Der Kosovokrieg hat tiefe Spuren in Serbien hinterlassen. Hast du während deines Austauschjahres Auswirkungen davon gespürt? Die Erinnerung an den Kosovokrieg trifft viele Serben sehr hart, weil es viel serbische Kultur dort gab und weil viele serbische Familien aus dem Kosovo kommen. Man sollte ein Gefühl dafür entwickeln, mit welchen Leuten man über dieses Thema sprechen kann. Was würdest du Austauschschülern raten, die nach Serbien fahren möchten? Wer nach Serbien fährt, sollte eine Tüte Humor mitnehmen. Man darf nicht alles so ernst nehmen und die Serben lachen viel. Außerdem sollte man offen sein und die Freundlichkeit, mit der einem die Serben begegnen, erwidern.

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Alumni aktiv

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1) Vereinsvorsitzender Marcus von Garßen begrüßt die Gäste 2) Honorarkonsul Prof. Dr. Gerd-Winand Imeyer, Kai Mönkedieck und Dr. Hans-Holger Herrnfeld 3) Rita Stegen und Therea Veer aus dem YFU-Vorstand.

Neue Perspektiven – neue Impulse YFU begrüßt die 19 ersten Mitglieder des YFU-Kuratoriums In den letzten Monaten haben sich 19 bemerkenswerte Persönlichkeiten aus verschieden Bereichen der Gesellschaft wie der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Medienlandschaft und dem Bildungssektor bereit erklärt, dem neu gegründeten YFU-Kuratorium beizutreten. Sie alle möchten den Verein zukünftig aktiv begleiten und seinen Führungsgremien mit ihrem Expertenwissen beratend zur Seite zu stehen. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (SPD), und Dr. Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT. Im Rahmen der Gremientätigkeit erörtern die Mitglieder des Kuratoriums die Situation und Aktivitäten des Vereins und diskutieren – frei von operativen Aufgaben – die Bildungsziele und ihre Verwirklichung. Dabei befassen sie sich insbesondere mit den besonderen Chancen und auch den Herausforderungen, vor die der interkulturelle Jugendaustausch durch die veränderte Lebenswelt junger

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Menschen, die Globalisierung und den Wandel der Kommunikationskultur heutzutage gestellt wird. Gemeinsam setzen

Mitglieder des Kuratoriums Michael Alberg-Seberich Gottfried Böttger Dr. Carsten Brosda Dr. Susanne Grohé Dr. Arntraud Hartmann Dr. Hans-Holger Herrnfeld Honorarkonsul Prof. Dr. GerdWinand Imeyer Dr. Josef Joffe Martin Klingst Susanne Kutz Prof. Dr. Jürgen Leohold Kai Mönkedieck Staatsministerin Aydan Özoğuz Dr. Nils Oldenburg Dr. Oliver Plessow Christian Schenk Prof. Dr. Andreas Thimmel Prof. Peter Voß Ulrich Zahlten Weitere Informationen zu dem YFUKuratorium und seinen Mitgliedern sind zu finden unter: www.yfu.de/kuratorium

sie sich mit bestimmten Themenschwerpunkten auseinander und stehen dem Verein mit Anregungen, Empfehlungen und Kritik für eine positive Entwicklung zur Seite. Die konstituierende Sitzung des Kuratoriums fand am 22. Februar in der YFU-Geschäftsstelle in Hamburg statt. Bei diesem ersten Zusammentreffen wurden bereits die für YFU aktuell wichtigsten Themen vorgestellt und besprochen. Die Mitglieder des Kuratoriums setzten sich zum Beispiel mit den Herausforderungen im Gastfamilienprogramm auseinander und mit der Frage, wie Kinder aus nicht-akademischen Haushalten besser an Austauschprogramme herangeführt werden können. Bis zur nächsten Sitzung werden die Mitglieder regelmäßig informiert und können so auch außerhalb der Versammlungen am Vereinsgeschehen teilhaben. Die nächste Kuratoriumssitzung wird Anfang 2015 stattfinden. YFU möchte an dieser Stelle noch einmal allen herzlich danken, die YFU durch ihr Engagement als Kuratoriumsmitglied unterstützen!


Jahre später ... …lebt Mirjam Heetkamp in Hessen und ist im Bereich des internationalen Studierendenaustauschs tätig. Seit ihrem Austauschjahr engagiert sie sich für YFU und ist seit zehn Jahren für das Bildungsangebot Colored Glasses aktiv. Mirjam, du hast 2003/04 dein Austauschjahr in den USA verbracht. Warum hast du dich damals für YFU entschieden? Das war eine sehr bewusste Entscheidung. Ich habe mir viele verschiedene Austauschorganisationen angeschaut und zwei Papierordner voll von Infomaterialien angelegt. Am Ende hat mich bei YFU dann die Gemeinnützigkeit und die intensive Vorbereitung überzeugt. Was bedeutet dein Austauschjahr für dich? Mein Jahr in den USA hat mich stark geprägt und mir die Augen geöffnet, was interkulturelle Begegnungen betrifft. Ich bin auch schon vorher gern gereist, aber durch mein Austauschjahr wurde mir bewusst, dass man immer auch viel über sich selbst lernen kann, wenn man Menschen aus anderen Kulturen kennenlernt. Ich habe noch immer engen Kontakt zu meiner Gastfamilie und stehe auch mit vielen Freundinnen und Freunden von damals noch in Verbindung. Durch diese engen Freundschaften und mein Engagement für YFU ist das Austauschjahr auf eine gewisse Art immer weitergegangen. Direkt nach deiner Rückkehr hast du damit begonnen, dich für YFU zu engagieren. Was hat dich dazu bewegt? Mein Austauschjahr war eine spannende und sehr intensive Erfahrung. Das wollte ich weitergeben und auch anderen ermöglichen. Ich habe mit Öffentlichkeitsarbeit und Ortsgruppenarbeit angefangen, bin dann zur Landesvertreterin der Landesgruppe Rheinland gewählt worden und habe mich mehrere Jahre in der Gremienarbeit engagiert. Ich habe schnell gemerkt, dass ich durch mein Engagement auch persönlich wachse, weil ich viel Verantwortung hatte und spannende Erfahrungen sammeln durfte. Seit 2010 bist du im Leitungsteam von Colored Glasses aktiv,

ein Bildungsangebot von YFU, in dessen Rahmen Toleranz-Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen angeboten werden. Colored Glasses war von Anfang an mein Steckenpferd. Als ich aus meinem Austauschjahr zurückkehrte, wurde das damals neue Projekt gerade auf YFU-Treffen vorgestellt. Ich war bei den ersten Schulungen dabei und habe mitgeholfen, Colored Glasses in meiner damaligen Landesgruppe Rheinland aufzubauen. Die Workshops haben mir immer viel Freude bereitet, weil ich das Gefühl hatte, im Kleinen viel zu bewegen. Nach dem Studium hatte ich durch meinen Beruf weniger Zeit für mein Engagement bei YFU. Mir war aber klar, dass ich auf Colored Glasses nicht verzichten wollte, auch weil ich nach wie vor finde, dass Themen wie interkulturelle Begegnung, Diskriminierung und Ausgrenzung noch zu wenig im regulären Schulunterricht vorkommen. Ich habe mich dann im Leitungsteam von Colored Glasses engagiert, weil die damit verbundenen Aufgaben sehr gut mit meinem Arbeitsleben vereinbar sind. In den Toleranz-Workshops arbeitet ihr auch mit Schulklassen zusammen. Was bleibt deiner Meinung nach bei den Jugendlichen hängen? Wir arbeiten mit Simulationen, in denen die Schülerinnen und Schüler sich ihrer Vorurteile bewusst werden können und selbst erfahren, wie es ist, diskriminiert zu werden. Natürlich gibt es auch immer wieder Jugendliche, die im Schulalltag nicht so motiviert sind. Diejenigen, die sich auf die Workshops einlassen, gehen jedoch in der Regel mit einem „Mit mir nicht“-Gefühl aus den Workshops und erleben den Schulalltag aus einem neuen Blickwinkel. Das ist dann ein toller Erfolg! Hat deine Arbeit für YFU und für Colored Glasses auch dein berufliches Leben beeinflusst? Auf jeden Fall! Ich habe auch später noch öfter internationale Erfahrungen gesammelt: Nach meinem Abitur verbrachte ich ein Jahr in Indien und während meines Studium war ich einige Zeit in Bulgarien. Seit drei Jahren arbeite ich nun im Bereich des internationalen Studierendenaustauschs, um auch Studierenden die Möglichkeit zu geben, Auslandserfahrungen zu sammeln. Mein Austauschjahr mit YFU hat mich nie wirklich losgelassen!

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1) und 2) Mirjam beim Schulausflug während ihres Austauschjahres in den USA 2003/04. 3) Ihre Gastfamilie begrüßt Mirjam nach ihrer Ankunft.

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kOOPERATIONEN

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1) Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (SPD). 2) und 3) Gäste des YFU-Neujahrsempfangs im Gespräch.

Neujahrsempfang bei YFU in Hamburg Freunde und Förderer feiern den Auftakt des Jahres 2014 Mobilitätsprogramme für Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien – rund um dieses Thema drehte sich das vielfältige Programm des Neujahrsempfangs 2014 in der YFU-Geschäftsstelle. Rund 60 Freunde, Förderer und Kooperationspartner waren der Einladung zu der Festveranstaltung am 24. Januar gefolgt und wurden von Geschäftsführer Knut Möller in der Oberaltenallee in Hamburg begrüßt. Anschließend richtete sich Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (SPD), mit einem Grußwort an die Anwesenden. „Das Thema Schüleraustausch fand ich schon immer spannend und die Förderung der Verständigung von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen liegt mir sehr am Herzen. YFU ist mir lange bekannt als Organisation, die sich in diesem Bereich auf bemerkenswerte Art und Weise engagiert – und so war es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich für den Verein einzusetzen

12 YFU magazin – Frühjahr 2014

und auch der Einladung als Rednerin bei diesem Neujahrsempfang nachzukommen“, begründete sie ihr Engagement für YFU. Auch berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen und ging insbesondere auf die Bedeutung von Auslandsaufenthalten für Jugendliche mit Migrationshintergrund ein. „Vor einigen Monaten konnte ich mich mit ehemaligen YFU-Programmteilnehmern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen über ihre Erfahrungen als Austauschschüler unterhalten. Besonders bemerkenswert fand ich, dass sie alle sich im Austauschjahr das erste Mal in ihrem Leben einfach nur als Deutsche gefühlt haben. Das hat mir nochmal verdeutlicht, welchen besonderen Wert ein Austauschjahr gerade auch für diese jungen Menschen hat“, so die Staatsministerin. Im Rahmen eines Impulsvortrags berichtete Peter Ackermann, Vorsitzender der Kreuzberger Kinderstiftung, worin

der besondere Wert von Mobilitätsprogrammen gerade für „bildungsunerfahrenere“ Jugendliche liegt und mit welchen Herausforderungen diese Zielgruppe konfrontiert ist. Vertieft wurde das Thema bei einem moderierten Podiumsgespräch, an dem neben Herrn Ackermann auch Bettina Heinen-Kösters von der US-Botschaft Berlin sowie die zwei ehemaligen Austauschschülerinnen Birte Marquardsen und Sina Schrepel teilnahmen. Beide besuchten zum Zeitpunkt ihres Austauschjahres eine Haupt- bzw. Realschule und konnten aus Sicht der Teilnehmer berichten, wie wenig präsent das Thema in ihrem Umfeld war und mit welchen Vorbehalten sie sich auseinandersetzen mussten. Nach dem offiziellen Teil des Programms ließen die Gäste den Nachmittag bei einem abschließenden Empfang in netter Atmosphäre und mit angeregten Gesprächen ausklingen.


Deutsch-türkische Ehrenamtskonferenz in Ankara Im Austausch engagierte Ehrenamtliche im Dialog Vom 28. November bis 1. Dezember 2013 fand in Ankara das von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke initiierte Projekt „Volunteers Exchange Conference“ statt. Die Konferenz richtete sich an Ehrenamtliche der gemeinnützigen Austauschorganisationen YFU, AFS, Rotary und Experiment, die sich in ihrer jeweiligen Organisation für den deutsch-türkischen Austausch einsetzen. Ziel der Ehrenamtskonferenz war es, die einzelnen Akteure insbesondere auf der ehrenamtlichen Ebene noch stärker zu vernetzen. Das Projekt wurde aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert. Die Deutsch-Türkische Jugendbrücke will den deutsch-türkischen Schüler- und Jugendaustausch intensivieren und mit konkreten Maßnahmen sowie der Bündelung bereits bestehender Programme die Möglichkeiten für den gegenseitigen Austausch verbessern. Sie hat das Ziel, in beiden Ländern ein besseres Verständnis füreinander zu schaffen und die Beziehungen weiter zu stärken. Die Deutsch-Türkische Jugendbrücke ist eine Initiative der Stiftung Mercator. Durchgeführt wurde die Volunteers Exchange Conference von YFU Deutschland und YFU Türkei. Ebenfalls an der Konzeption und Realisierung beteiligt war der türkische Kooperationspartner der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke, die private Jugendorganisation Toplum Gönüllüleri Vakfı (TOG, Stiftung Freiwillige der Gesellschaft), die in unterschiedlichen Projekten die Ehrenamtlichkeit von jungen Menschen in der Türkei fördert. Die vier deutschen Austauschorganisationen waren mit jeweils drei Ehrenamtlichen vertreten, und auch von türkischer Seite nahmen zwölf Ehrenamtliche an der Konferenz teil. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Programmgebieten: Ehemalige Austauschschüler und Gastfamilien waren genauso vertreten

„Insbesondere der Austausch mit Ehrenamtlichen anderer Organisationen war eine gute Gelegenheit, Anregungen für meine eigene Arbeit bei YFU zu erhalten. Bei der guten Stimmung in der Gruppe fiel es besonders leicht, Verbesserungsvorschläge für den deutsch-türkischen Schüleraustauch zu erarbeiten.“ Sönke Peters, Austauschschüler 2012/13 in der Türkei und im Jahr zuvor Teilnehmer des Kurzaustauschprogramms „Merhaba Deutschland – Hallo Türkiye“

wie Betreuer und Referenten für Öffentlichkeitsarbeit. Die Inhalte der Konferenz waren vielfältig: Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich ein umfassendes Bild von der Arbeitsweise und den Programmangeboten der jeweils anderen Organisationen zu machen, sie lernten die türkische Jugendorganisation TOG kennen und konnten sich miteinander vernetzen. Im Rahmen von Gruppenarbeiten und Workshops haben sie außerdem konkret an Fragestellungen zu Chancen und Herausforderungen gearbeitet, die sich aus der Durchführung von deutsch-türkischen Jugendaustauschprogrammen ergeben. Dabei ging es insbesondere um die Bereiche der interkulturellen Vorbereitung, der Betreuung und der Öffentlichkeitsarbeit. Durch den kulturell gemischten Teilnehmerkreis, die unterschiedliche Altersstruktur der Ehrenamtlichen und die Vielfalt der beteiligten Austauschorganisationen kam es zu fruchtbaren und bereichernden Diskussionen – in deren Verlauf auch konkrete Lösungsansätze aufgezeigt wurden. Die Durchführung der Konferenz hat einen wesentlichen Impuls zur Stärkung der Ehrenamtlichkeit im deutsch-türkischen Austausch geleistet, sowohl in Deutschland als auch in der Türkei.

Wir danken Ihnen für Ihre Spende!


freunde und förder

Internationale Begegnungen zwischen Jugendlichen fördern YFU-Mitglied Günther Heußen engagiert sich finanziell für Schüler aus Osteuropa Als sein Lehrer ihn 1962 auf dem Schulhof fragte, ob er nicht Lust auf ein Austauschjahr in den USA hätte, musste Günther Heußen nicht lange überlegen. Ein Austauschjahr bot die Chance, das noch immer von der Nachkriegszeit gezeichnete Deutschland zu verlassen und etwas vollkommen Neues zu erleben. Schon im nächsten Jahr ging es los und er verbrachte ein unvergessliches Jahr in North Muskegon, Michigan. „Ich hatte unglaubliches Glück mit meiner Gastfamilie, wo wirklich in jeder Beziehung die Chemie stimmte. Nicht nur meine Gasteltern und -geschwister, die gesamte Verwandtschaft hat mich fast adoptiert“, lacht Günther im Rückblick. Der Kontakt zu seiner Gastfamilie ist auch nach seiner Rückkehr nie abgebrochen. Viele gegenseitige Besuche folgten und Mitte der 1980er Jahre kaufte sich Günther sogar gemeinsam mit seinem Gastbruder ein Cottage in Maine. „So konnten unsere Familien wenigstens immer einen Teil des Sommers zusammen verbringen.“ In diesem Jahr fuhr Günther dann zu einem ganz besonderen Familientreffen in die USA: Seine Gastmutter feierte dort ihren 100. Geburtstag! Ein tolles Erlebnis, das er gemeinsam mit seiner ehemaligen Gastfamilie feierte. Diese langjährige Freundschaft und enge Verbindung in die USA wäre nie zustande gekommen, wenn Günther nicht damals ein Stipendium für sein Austauschjahr erhalten hätte. „Allein hätten sich meine Eltern das damals nie im

Günther Heußen (Mitte) mit seiner Tochter, seiner ehemaligen Gastmutter und seinem ehemaligen Gastbruder

Leben leisten können.“ Als Günther dann vor einigen Jahren von dem „Ulrich Zahlten International Scholarship Fund“ erfuhr, mit dem Schülerinnen und Schüler aus Osteuropa gefördert werden, musste er an seine eigene Situation von damals denken. „Ich hätte nie in die USA fahren können, wenn damals nicht irgendwelche Menschen, die mich nicht einmal kannten, Geld gespendet hätten.“ Eine Erinnerung, die Günther auch als Verpflichtung empfindet: nun seinerseits auch Austausch durch Spenden zu fördern. Sich für Jugendliche aus Osteuropa zu engagieren, findet er dabei besonders wichtig. „In diesem Jahr blicken viele auf die europäische Geschichte zurück. Dabei wird einem nochmal klar, wie wichtig der persönliche Austausch zwischen einzelnen Menschen ist, um den Frieden in Europa zu bewahren. Wenn ich ein Land besucht und dort Menschen kennengelernt habe, ist es sehr viel schwieriger, Vorurteile zu entwickeln oder aufrecht zu erhalten.“ Für Günther ein weiterer Grund, sich für internationalen Schüleraustausch einzusetzen.

Neben dem ehrenamtlichen Engagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten, YFU zu unterstützen. Egal ob Vermittlung von Kontakten, kostenlose Werbeflächen oder eine Geldspende: Jede Hilfe ist willkommen! Beleg für den Empffänger Konto-Nr. des Auftraggebers: Empfänger: YFU Deutschland Oberaltenallee 6 22081 Hamburg

IBAN des Emfängers: DE 67 2008 0000 0908 0302 01 BIC des Emfängers: DRES DE FF 200 Verwendungszweck: Betrag: Spende Auftraggeber/Einzahler: Max Mustermann, Musterstadt

Toleranz und Verständnis

Datum:

Mustermann, Musterstadt

Wir danken für die Spende! Bei Beträgen bis EUR 200,00 erkennen die Finanzämter den Zahlungsbeleg als Spendenquittung an. Das Deutsche Youth For Understanding Komitee ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Wir sind wegen Förderung der Völkerverständigung durch Bescheinigung des Finanzamtes Hamburg-Nord, StNr. 17/411/01218, vom 19.04.2011 als steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne §§ 51 ff. AO dienend anerkannt.

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Nachrichten Neu gegründet: Deutsche YFU Stiftung Viele Personen, die YFU nahe stehen, möchten die Werte und Arbeit des Vereins nachhaltig und langfristig unterstützen. Dafür bietet eine sogenannte Zustiftung an die Deutsche YFU Stiftung jetzt eine neue, interessante Möglichkeit. Die im Januar 2014 gegründete Treuhandstiftung „soll sich für eine Welt einsetzen, in der Menschen über kulturelle Grenzen hinweg Verständnis und Wertschätzung für andere Kulturen wie für die eigene gewinnen und in der selbstständige Persönlichkeiten aus demokratischer Überzeugung und mit Leidenschaft und Freude Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen“ (Auszug aus der Satzung). Als Vorstandsmitglieder der Stiftung engagieren sich Michael Alberg-Seberich (Vorstandsvorsitzender), Rita Stegen (stellvertretende Vorsitzende), Elmar Lammers-kitten und Esther Hey (Vertreterin der Stiftungs-Treuhänderin Haspa Hamburg Stiftung). Der Stiftungsvorstand traf sich im Februar 2014 zur konstituierenden Sitzung in Hamburg. Derzeit ist die Deutsche YFU Stiftung noch mit einem kleinen Kapitalstock ausgestattet. Damit sie wirksam werden kann, soll sie sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vergrößern. Förderer können dazu zum Beispiel in Form von Zustiftungen oder durch Berücksichtigung von YFU in Testamenten beitragen. Fragen zur Deutschen YFU Stiftung und Zustiftungen beantwortet gern Katharina Beyer aus der YFU-Geschäftsstelle (040 227002-35, beyer@yfu.de)

Mit den gespendeten Mitteln kann YFU auch im kommenden Programmjahr acht Jugendlichen aus finanziell schwächer gestellten Familien durch hohe Teilstipendien und einen Zuschuss zu ihrem Taschengeld helfen. Das Zusammenleben mit ihrer Gastfamilie, der Schulbesuch und nicht zuletzt die mit Gleichaltrigen verbrachte Freizeit ermöglicht es ihnen, nicht nur Deutschland kennenzulernen, sondern auch ihren Horizont zu erweitern und Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln. Deutschland wird als Austauschland für viele Jugendliche immer attraktiver und die Nachfrage nach Stipendien ist hoch. Um noch mehr Bewerbern ihren Traum vom Austauschjahr erfüllen zu können, freut sich YFU auch in den kommenden Monaten über Spenden für Jugendliche aus aller Welt.

Mit der Walbusch-Jugendstiftung den eigenen Horizont erweitern „Ich lerne hier unheimlich viel“, berichtet der 17-jährige Malte Kippenhahn (17) über sein Austauschjahr in den USA. Der Schüler bezeichnet den einjährigen Aufenthalt bei seiner Gastfamilie in Florida demzufolge nicht nur als eines der besten Jahre seines Lebens, sondern auch als einen „Wegweiser für meine weitere Lebensplanung.“ Im Sommer 2013 brach der damals 16-Jährige mit YFU und der Walbusch-Jugendstiftung „Zukunft durch Bildung“ für ein Jahr in die Vereinigten Staaten auf. Die Stiftung vergibt für Schüler aus Solingen und Umgebung jährlich fünf Teilstipendien mit einem regulären Förderbetrag von 3.750 Euro. Ein Austauschjahr in Asien unterstützt sie sogar mit einem Betrag von 5.000 Euro. Die Walbusch-Jugendstiftung möchte damit die bedeutsame und wegweisende Zeit der Jugendlichen im Ausland fördern. Während dieser Zeit berichten die Schüler regelmäßig von ihren Erfahrungen. Neben den USA schickte die Walbusch-Jugendstiftung für das Jahr 2013/14 auch Schüler nach Japan und Südafrika.

Rita Stegen (stellvertretende Vorsitzende) und Michael AlbergSeberich (Vorstandsvorsitzender) mit der Stiftungsurkunde.

Weihnachtsaktion erfüllt Austauschträume Im Dezember startete die YFU-Weihnachtskampagne für Austauschschüler aus aller Welt. Der Verein rief zu Spenden für Jugendliche wie die Stipendiatin Gissel aus Chile auf, deren Traum von einem Austauschjahr in Deutschland nur mit Hilfe eines YFU-Stipendiums erfüllt werden konnte. So freuen sich nun Gissel und alle Schüler, die sich für ein Stipendium in diesem Jahr beworben haben, dass Spenden in Höhe von rund 24.000 Euro eingegangen sind.

Walbusch-Stipendiat Malte Kippenhahn

  YFU magazin – Frühjahr 2014 15


„Der Workshop hat mir gezeigt, dass ich mehr über mich nachdenken und auf mein Handeln genauer achten muss.“ Schüler einer 8. Klasse über einen Colored Glasses-Workshop

Toleranz und Verständnis bei Jugendlichen fördern Ihr Beitrag für YFU-Bildungsangebote

„Unsere Schule besuchen Jugendliche aus vielen verschiedenen Ländern. Da sind Toleranz, Konfliktfähigkeit und Akzeptanz Grundvoraussetzungen für ein friedliches Miteinander. Bei den Colored Glasses-Workshops vermitteln junge Leute den Schülern auf Augenhöhe diese wichtigen Werte schülergerecht“, so beschreibt Angelika von Damnitz, eine Mittelschullehrerin aus München, die hohe Relevanz von Colored Glasses. „Die Teamer sind selbst jung, also nah an den Schülern dran. Sie arbeiten ehrenamtlich mit viel Begeisterung und Freude. Dadurch erreichen sie die Schüler und geben ihnen viel mit.“ Colored Glasses ist ein Bildungsangebot von YFU. Geschulte Ehrenamtliche bieten Toleranz-Workshops zu den Themen Stereotype, Diskriminierung und Kultur kostenlos für Schulklas-

sen und Jugendgruppen an. Die Workshops fördern bei den Jugendlichen die bewusste und aktive Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Diskriminierung und Ausgrenzung. Methoden wie Simulationen und Rollenspiele kommen zum Einsatz – die Schüler erleben zum Teil selbst, wie es sich anfühlt, diskriminiert zu werden, und erarbeiten gemeinsam, was man dagegen tun kann. Colored Glasses-Workshops sind für alle Schulformen und für alle Jugendgruppen kostenlos, damit niemand ausgeschlossen bleibt. Allen Jugendlichen sollen Werte wie Toleranz und Verständnis vermittelt werden – unabhängig von der sozialen Herkunft. Die Kosten für Material, Konzepte und Schulung der engagierten Ehrenamtlichen werden von großzügigen Spendern und Unterstützern getragen. Um weiterhin kostenlose Toleranz-Workshops und andere YFU-Bildungsangebote für mehr Toleranz und Verständnis ermöglichen zu können, bittet YFU herzlich um Spenden.

Toleranz-Workshops an Schulen ermöglichen: Spenden Sie für YFU-Bildungsangebote wie Colored Glasses 30 Euro decken die Kosten des wichtigen Materials für einen Toleranz-Workshop. 100 Euro finanzieren bereits einen kompletten Toleranz-Workshop an einer Schule. 250 Euro ermöglichen eine Schulung von YFU-Ehrenamtlichen als Botschafter für mehr interkulturelles Verständnis.

„Die Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Diskriminierung und Toleranz ist gerade für junge Menschen wichtig. YFU leistet hierbei einen tollen Beitrag.“ Christian Schenk, Olympiasieger im Zehnkampf und Colored Glasses Kooperationspartner

SPENDENKONTO Empfänger Deutsches YFU Komitee e.V. Kontonummer 09 08 03 02 01 BLZ 200 800 00 (Commerzbank Hamburg) IBAN DE 67 2008 0000 0908 0302 01 BIC/SWIFT DRES DE FF 200 Referenz Toleranz und Verständnis

den www.yfu.de/spen

YFU Magazin Frühjahr 2014  

Das YFU Magazin informiert alle vier Monate rund um das Thema Schüleraustausch und den Verein Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V....

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