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Informationen aus dem Verein

Frühjahr 2013

Migration und Austausch Ein Gespräch über interkulturelle Erfahrung und Vielfalt

Türkische Jugendliche zu Gast in München ▪ Fotograf Michael Poliza über sein Austauschjahr


inhalt

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Fokus

Migration und Austausch

Ein Gespräch über interkulturelle Erfahrung und Vielfalt Seite 6 / 7

Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

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Alumni

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Ein Jahr in Deutschland

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Kooperationen

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Ein Jahr im Ausland

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Freunde und Förderer

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Nachrichten Seite 4 / 5

Neues aus dem Aufnahmeprogramm Seite 8

Gute Wahl

Neues aus dem Entsendeprogramm Seite 9

Treffen • Initiativen • Jahre später Seite 10 / 11

Merhaba Deutschland – Hallo Türkiye • Gala der YFU-Stiftung Seite 12 / 13

Unterstützen • Spenden • Stipendiaten Seite 14 / 15 / 16

Impressum Herausgeber: Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. Gemeinnütziger Verein – Träger der freien Jugendhilfe Adresse: Telefon: Fax: E-Mail: Internet:

Oberaltenallee 6 22081 Hamburg (040) 227002-0 (040) 227002-27 info@yfu.de www.yfu.de

Spendenkonto: Konto-Nummer: 09 08 03 02 01 Commerzbank BLZ: 200 800 00 Redaktion: Mara Skaletz Gestaltung: dgermer.de

Druck: Auflage:

Gedruckt auf umweltfreundlichem FSC-zertifiziertem Papier. Bildnachweis: S. 10 Michael Poliza; S. 13 Atlantik-Brücke e. V.; Titel, S. 3 unten, S. 5, S. 16 oben istockphoto; alle andern Fotos von YFU oder privat.

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YFU magazin - Frühjahr 2013

Sievert Druck und Service GmbH 6.200 Exemplare 1. Ausgabe 2013 Das YFU Magazin erscheint vierteljährlich. ©YFU März 2013


eDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser, die Neugier auf eine andere Kultur bewegt jedes Jahr viele Jugendliche dazu, den Schritt in ein Austauschjahr in einem anderen Land zu wagen. Dieselbe Neugier bringt Familien dazu, ihren Alltag mit einem Gastkind aus einem anderen Land zu teilen. Durch solche Begegnungen erweitert sich der Horizont der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, und es wird deutlich, dass das Leben in einem seit Langem gewohnten Umfeld nur eine von vielen Möglichkeiten der Lebensgestaltung ist. Für den Kontakt zu anderen Kulturen ist nicht immer ein Austauschprogramm nötig. Oft reicht es, die eigenen Nachbarn, Kollegen oder Mitschüler besser kennen zu lernen, die selbst oder deren Eltern aus einem anderen Land und einer anderen Kultur nach Deutschland gekommen sind. Mit unserem Beitrag zum Thema Migration und Austausch möchten wir den Blick dafür schärfen, wie der Begriff Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft verwendet wird. Wir freuen uns sehr, dass die Bundes­tagsabgeordnete Aydan Özoğuz sich mit ehemaligen YFU-Austauschschülern traf, um diese Fragen zu diskutieren. Besonders interessierte sich die Abgeordnete dafür, ob sie als Jugend­liche mit einem bikulturellen Hintergrund ihr Austauschjahr anders erlebten als deutschstämmige Schüler. In einjährigen Austauschprogrammen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund leider weiterhin unter­ repräsentiert. Besonders wichtig ist es für YFU deshalb, spezielle Stipendien für diese Schüler anzubieten, um ihnen den Schritt ins Austauschjahr zu erleichtern. Aus diesem Grund wurde vor einigen Jahren der Fonds für Vielfalt gegründet, der schon vielen Schülern ein sehr bereicherndes Austauscherlebnis ermöglicht hat. Auch dieses Jahr möchten wir wieder Stipendien aus dem Fonds für Vielfalt vergeben und danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Unterstützung! Wer YFU kennt, weiß, dass der Frühling eine sehr geschäftige Zeit ist: Während der Austausch für den aktuellen Jahrgang noch in vollem Gange ist, bereiten wir uns im Aufnahme- wie im Entsendeprogramm intensiv auf das kommende Austauschjahr 2013/14 vor. Allen Ehrenamtlichen und Gastfamilien, die dazu beitragen, dass unsere Austauschprogramme so erfolgreich stattfinden, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich danken!

Mit herzlichem Gruß Marcus von Garßen YFU-Vorstandsvorsitzender

Austausch zu Hause erleben? Ab August ein Gastkind aufnehmen!

Wer hat am Tisch noch Platz für ein Gedeck?

In fast 50 Ländern in aller Welt freuen sich Jugendliche schon auf ihr Austauschjahr in Deutschland. Sie kommen im August in Deutschland an und nehmen zunächst an einem Orientierungsseminar teil. Im August oder Anfang September reisen sie dann für den Rest des Jahres in ihre Gastfamilien. Die teilnehmenden Familien können sich auf ein spannendes Jahr freuen: Ebenso wie die Schüler werden sie auf den Austausch vorbereitet und von YFU durch das Jahr begleitet. Interessierte Familien können sich ab sofort melden: gastfamilien@yfu.de oder 040 227002-0.


Gesellschaft • Interkulturelles • YFU

Nachrichten

YFU-Geschäftsführer Knut Möller mit Besuch aus Thailand

Die Welt ist dein Zuhause „Make the world your home“ ist das neue internationale Motto und Leitbild von YFU. Darin sind die weltweit gemeinsamen Grundlagen und Ziele der YFU-Arbeit zusammengefasst: Lernen fürs Leben, ehrenamtliches Engagement, persönliche Ansprache, Wertschätzung von Vielfalt, Orientierung an klar bestimmten Werten sowie internationale Kooperation. Ein Team, an dem sich acht Länder beteiligten, entwickelte dieses Leitbild in Skype-Konferenzen über mehrere Zeitzonen und eineinhalb Jahre hinweg mit großem Engagement. Die deutsche Fassung „Die Welt ist dein Zuhause“ stammt von einer kleineren deutschsprachigen Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Cornelius Görres arbeitete ehrenamtlich für YFU Deutschland in beiden Arbeitsgruppen mit und findet das ­Ergebnis gelungen: „Uns war wichtig, die Vielfalt einzufangen: die vielen Dinge, die man im Austausch lernen kann, den Reiz und den Anspruch von ­diversity, wie vielfältig und vielseitig YFU ist. Dass unser Vorschlag auf der internationalen YFU-Konferenz einstimmig bestätigt wurde, hat uns sehr gefreut.“ Der vollständige deutsche und englische Text findet sich unter www.yfu.de/internationales-leitbild.

Make the world your home Learning: For Life Volunteering: Engaged and Dedicated Caring: Personal and People-Oriented Valuing Diversity: Inclusive and Fair Promoting Quality, Transparency, Sustainability Cooperating in International Solidarity

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YFU magazin - Frühjahr 2013

Thailändischer Besuch in Hamburg Im Januar hatte die YFU-Geschäftsstelle ganz besonderen Besuch: Eine Gruppe thailändischer YFU-Kolleginnen kam nach Hamburg, um die Arbeit der Geschäftsstelle kennen zu lernen und den persönlichen Kontakt weiter zu vertiefen. Die Mitarbeiterinnen von YFU Thailand freuten sich besonders darüber, dass sie für eine Nacht von ihren deutschen Kollegen beherbergt wurden. So lernten sie zum Beispiel ein typisch deutsches Abendessen mit dunklem Brot und verschiedenen Wurst- und Käsespezialitäten kennen. Das meistgebrauchte Wort während des Besuchs war vermutlich „cold“ – doch trotz der eisigen Temperaturen im winterlichen Hamburg blickten die Gäste wie auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle auf einen gelungenen Besuch in herzlicher Atmosphäre zurück.

Funktionierende Integrationsarbeit in Stuttgart In Stuttgart, einer Stadt mit über 610.000 Einwohnern, leben Menschen aus 180 Nationen. Über 40 Prozent der Stuttgarter haben einen Migrationshintergrund, unter den Jugendlichen sogar jeder zweite. In Stuttgart weiß man: Integration ist eine Frage der Bildung! Um gleiche Bildungschancen für alle zu ermöglichen, gibt es zahlreiche Initiativen, zum Beispiel das Netzwerk „Stuttgarter Paten für Bildung und Zukunft“. Mit diesem Netzwerk vernetzt und stärkt die Stadt die verschiedenen Angebote für Kinder und Jugendliche. Es soll dazu ermutigen, sich an der Bildungsoffensive zu beteiligen. Ein Projekt des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart verfolgt einen besonderen Ansatz: Im Rahmen des Stipendienund Mentorenprogramm „Ağabey-Abla“ (großer Bruder-große Schwester) unterstützen türkischstämmige Studenten und Gymnasiasten jüngere Schüler, die ebenfalls türkische Wurzeln haben. Sie nehmen an der schulischen Betreuung und an Freizeitaktivitäten teil und stehen in Kontakt mit Eltern und Lehrern. Weitere Informationen: www.stuttgart.de/bildungspaten und ­­ www.dtf-stuttgart.de/agabey-abla.


Zahlen Migration und Integration

1) The Cronicle of Higher Education: http://chronicle.com/article/How-Facebook-Can-Ruin-Study/136633 3) www.spiegel.de/flash/0,5532,24308,00.html 4) Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2012

2) de.wikipedia.org/wiki/Einwandereranteile_nach_Ländern

44 Das Zuhause ist nur einen Klick entfernt

Facebook und Austausch Soziale Medien verändern Auslandserfahrung Facebook und andere soziale Medien bringen Menschen zusammen. Es ist nicht nur möglich, alte Schulfreunde wiederzufinden. Man kann auch auf einfache Weise internationale Freundschaften pflegen. Was aber, wenn durch diese Vernetztheit neue Erfahrungen verhindert werden? Professor Robert Huesca von der Trinity University in San Antonio, USA, skizziert in seinem Artikel „How Facebook can ruin study abroad“, wie die Allgegenwärtigkeit von sozialen Medien die Auslandserfahrung von Jugendlichen und Studierenden verändert.1 Vor 20 Jahren waren internationale Telefongespräche so teuer, dass sie selten stattfanden. Heute ist die Familie zu Hause nur ein Skype-Klick entfernt. Während man damals nahezu gezwungen war, sich in der Fremde ein neues soziales Netzwerk aufzubauen, kann sich ein Austauschschüler heute ganz einfach an sein Auffangnetz zu Hause wenden. Für Professor Huesca ist das anfänglich mögliche Gefühl der Isolation in einer neuen Umgebung ein wichtiger Antrieb. Dadurch, dass man früher in einer fremden Umgebung wirklich auf sich allein gestellt war, entwickelte man sich persönlich weiter und schloss neue Bekanntschaften. Die virtuelle Nähe zur Heimat, die durch Facebook und Co. geschaffen wird, verhindert dies. Die sozialen Medien nehmen vor allem Zeit in Anspruch, die sonst der Auseinandersetzung mit der neuen Kultur gewidmet werden könnte. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, schlägt Professor Huesca vor, den Zugriff zu den sozialen Medien bewusst einzuschränken. Zum Beispiel könnten Schüler und Studenten sich vor einem Austauschjahr dazu verpflichten, soziale Medien nur für bestimmte Zwecke zu nutzen. Professor Huescas Artikel und seine Vorschläge trafen im Internet auf beachtliche Resonanz und führten zu einer interessanten Diskussion in den Kommentaren zum Artikel. Auch für die Arbeit von YFU ist die Auseinandersetzung mit Social Media seit Jahren ein wichtiges Thema. Mehr Infos hierzu finden sich auch in einem 2011 im Lehrer-Newsletter „YFU aktuell“ erschienenen Artikel unter www.yfu.de/socialmedia-im-austausch.

Auf der Liste der Länder mit dem höchsten Ein­ wandereranteil an der Bevölkerung belegt Deutschland Platz 44. Auf Platz 1 steht der Vatikan.2

16.000.000

Insgesamt 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland; das entspricht ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung. Bei den Kindern unter fünf Jahren hat sogar jedes dritte einen Migrationshintergrund. Das statistische Bundesamt zählt zu den Menschen mit Migrationshintergrund „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“.

11 23

Elf von 23, also fast die Hälfte, der Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von 2010 haben einen Migrationshintergrund. Die Mannschaft belegte bei der Weltmeisterschaft in Südafrika den dritten Platz.3

Nettoeinkommen von Familien mit Kindern unter 18 Jahren ‒ mit und ohne Migrationshintergrund4 11%

16%

Familien ohne Migrationshintergrund

8% 13%

30%

Familien mit Migrationshintergrund 49%

40%

Nettoeinkommen unter 1.300€

33%

1.300€ 2.600€

2.600€4.500€

4.500€ und mehr

  YFU magazin - Frühjahr 2013

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fokus

Migration und Austausch Ein Gespräch über interkulturelle Erfahrung und Vielfalt

Aydan Özoğuz ist in ­Hamburg geboren. Sie hat Englisch und Spanisch ­studiert. Sie ist Bundestagsabgeordnete, stell­ vertretende Vorsitzende der SPD und Integrations­ beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

Knut Möller ist der Geschäfts­führer von YFU. Er hat als Austauschschüler nur an kürzeren P ­ rogrammen teilgenommen. Seine Familie war Gast­familie für ein Jahr und seine beiden Kinder nahmen am YFUAustauschprogramm teil.

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Knut Möller: Li, Irene und Selim: Eure Eltern USA ein Mexikaner geboren wird, wird er autokommen nicht aus Deutschland, ihr seid aber matisch Amerikaner. Bei uns muss man sich in Deutschland aufgewachsen. Wie habt ihr vor einbürgern lassen und wird trotzdem nicht als diesem Hintergrund euer Austauschjahr erlebt? Deutscher gesehen. Das konnten manche AmeLi Yun Chan: Ich habe im Austauschjahr viel über rikaner nicht verstehen. mich gelernt: Ich habe verstanden, dass meine AÖ: Deutschland kategorisiert sehr. Ich habe Eltern ihren eigenen kulturellen Hintergrund ha- bei meinen Vorträgen manchmal eine Karikatur ben. Die Erfahrungen zeigten mir woher die Un- dabei, wo der Amerikaner ganz oben steht und terschiede kamen zwischen meiner Familie und die Kulturen langsam immer kleiner werden. Am den anderen Deutschen, die ich kannte. Ende der Skala geht der Gully-Deckel auf und der Irene Lak: Meine Gastmutter sagte: „Ich habe Türke guckt heraus. Natürlich ist das überzeicheine deutsche Austauschschülerin, die Chinesin net, aber wir teilen die Gruppen ein und bewerist.“ Das fand sie sehr interesten sie – meist unbewusst. Bei »Migrieren heißt sant. Man beschäftigt sich viel einem Vortrag von mir schrie wandern, es geht mit sich selbst, weil man viel auf einmal eine Frau auf: „Moerklären muss. Dabei habe ich also um die Wanderung ment mal, mein Mann ist Franund nicht um den viel darüber gelernt, womit ich zose, mein Kind ist aber doch kulturellen Hintermich wirklich identifiziere und kein Migrant!“ Darauf habe ich grund« Aydan Özoğuz wer ich bin. gesagt: „Jawohl, Ihr Kind ist Aydan Özoğuz: Ich wäre selbst statistisch ein Migrant.“ Viele beinahe mit einem Stipendium des US-Konsulats denken, Türken und Araber sind Migranten, bei für ein Jahr in die USA gegangen. Dann durften Schweden hört es schon auf und Deutsche sind sie mir dieses Stipendium nicht geben, weil ich auf keinen Fall Migranten. Migrieren heißt aber nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hatte. Ich wandern, es geht also um die Wanderung und war sauer und unheimlich enttäuscht. Später nicht um den kulturellen Hintergrund. ließ ich mich dann auch einbürgern, um nicht KM: Was halten Sie vom Begriff „Migrationshinnur alle Pflichten zu haben, sondern auch poli- tergrund“ im Zusammenhang mit bestimmten tische Rechte. Förderprogrammen? Selim Mutlu: Im Austauschjahr stellte ich fest, AÖ: Ich finde ihn politisch unbrauchbar. Wenn es dass ich Deutscher und Türke bin. Wenn in den zum Beispiel um Förderbedarfe für Jugendliche

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geht, schaue ich darauf, was gebraucht wird. nicht ab. Ich möchte mich nicht darauf berufen, Wenn ich sozial Schwache oder Bildungsferne Migrantin zu sein, das wäre für mich eine Entsuche, dann ist das mein Kriterium und nicht schuldigung. der Migrationshintergrund. In einem Hamburger AÖ: Mich würde interessieren, ob Sie in GespräProgramm stand vor einigen Jahren, dass alle chen mit deutschstämmigen Austauschschülern Kinder mit Migrationshintergrund eine Sprach- Unterschiede feststellen? Hatten die vielleicht förderung bekommen sollten. Das ist natürlich andere Aha-Erlebnisse? Blödsinn: Man kann mit Migrationshintergrund IL: Ich habe schon Unterschiede mitbekommen. hoch gebildet sein. Aber in vielen Köpfen klickt In der Vorbereitung auf das Austauschjahr haben es, wenn sie das Wort Migrationshintergrund hö- wir uns viel mit dem Zweiten Weltkrieg beschäfren und sie denken: Der kann nichts und hat ei- tigt. Deutsche Freunde von mir, die gleichzeitig nen sozial schwachen Hintergrund, den müssen an einer Highschool waren, wurden damit konwir wohl aufpäppeln. frontiert. Solche direkten Konfrontationen hatte KM: Wird Bikulturalität nicht bereits als Vorteil ich selbst nicht. gesehen? KM: Ich habe kürzlich eine eindrucksvolle AnekLYC: Ja, es ist schon ein Vorteil. Gerade, weil ich dote über einen türkischstämmigen Jungen gein einem globalen Unternehmen arbeite, ist inter- hört. Er genoss es, dass er im Austauschjahr in kulturelle Erfahrung wichtig. Als ich im Unterneh- den USA als Deutscher wahrgenommen wurde. men angefangen habe, waren allerdings einige Dann sagte aber ein anderer Austauschschüler Mitarbeiter skeptisch, bis sie geden Amerikanern, der Junge merkt haben, die kann ja doch »Eltern erkennen, dass sei gar kein Deutscher, er sei Deutsch... Die Vorurteile waren Türke. Damit machte er ihm Zweisprachigkeit für groß, das hat sich aber sehr entdie Zukunft ein klarer etwas kaputt. spannt. Aber dafür muss man IL: Ich kenne es auch umgeVorteil ist« Irene Lak viel erklären! Das gehört zum bikehrt: Kollegen von mir nahkulturellen Hintergrund. Auf dem Manager-Level men selbstverständlich an, dass ich deutsch bin. ist ein bikultureller Hintergrund ein absoluter Ich war mir allerdings gar nicht so sicher! Vorteil. Aber sobald man in der Hierarchie weiter AÖ: Das ist als Türkin in Deutschland anders. Als unten steht, kann er leicht als Nachteil angese- ich Politikerin wurde, stand plötzlich die gesamte hen werden. türkische Presse mit Kameras vor mir – da muss IL: Der Trend geht dahin, dass die eigene Kultur ich zumindest ein paar Sätze zustande bringen. stark gefördert wird. Ich bin früher zur chinesi- Das trainiert ungemein. Dann bin ich in der Rolschen Schule gegangen, weil meine Eltern da- le der deutschen Abgeordneten, die den Türken rauf viel Wert legten. Entsprechend ist bei mir in der Türkei erklärt, wie es hier in Deutschland das Deutsch und das Chinesisch fast gleich gut. funktioniert, wie wir sie sehen. Das hat viel mit der Internationalisierung der KM: Welche Rolle sollten Schulen in Sachen InGesellschaft zu tun: Die Eltern erkennen, dass tegration einnehmen? Zweisprachigkeit für die Zukunft ein klarer Vorteil IL: Ich fände es wichtig, dass Lehrer trainiert ist und fördern gezielt, dass die Sprache wirklich werden, damit sie auch gerade das Praktische weitergegeben wird. vermitteln können. Es gibt ja bunt gemischte AÖ: Ich kenne viele Personen, die hoffen, dass Klassen. Man sollte die Kinder mit Migrationsihre Kinder dadurch nicht so in der Luft hängen, hintergrund einbinden und sie erzählen lassen, sie sehen die verschiedenen Communities als wie es zu Hause aussieht. mögliche Standbeine. SM: Wir haben früher in der Schule zwei UnterLYC: Ich konnte leider mit niemandem außer- richtseinheiten gemacht, in denen die Lehrerin halb meiner Familie Chinesisch sprechen. Des- über Rassismus sprach. Das war nach meinem wegen kann ich nur noch Umgangssprache. Es Geschmack aber zu wenig. Man könnte zum Beiist schön, wenn man mehrere Standbeine hat spiel Toleranz-Workshops wie Colored Glasses und zwischen Kulturen wählen kann. Aber es durchführen. kann auch zu Identifikationsproblemen kom- KM: Man muss sich bewusst machen, wie Ausmen. Wohin gehöre ich und warum? Gerade als grenzung passieren kann. Das geht aber nicht, Jugendlicher oder Kind versteht man das noch indem ein Lehrer einen Vortrag hält. Das praktinicht ganz. Wenn ich persönlich mich entschei- sche Erleben von anderen Kulturen ist am besde, in Deutschland leben zu wollen, entscheide ten, deshalb sind auch Austauschprogramme so ich mich für die Integration und grenze mich wichtig.

Li Yun Chan ist geborene Hamburgerin und arbeitet als Personalreferentin. Sie war 1999/2000 als Austauschschülerin in Minnesota und später noch je ein halbes Jahr in der Schweiz und in Hong-Kong.

Irene Lak war 2005/06 als Austauschschülerin in South Dakota. Nach ihrem Abitur und einer Ausbildung am Flughafen Hamburg studiert sie jetzt in Bad Honnef ­Aviation Management.

Selim Mutlu kommt aus der Stuttgarter Gegend und arbeitet seit drei Jahren in Lübeck an der ­Fachhochschule. 2000/01 war er im Austausch in El Paso, Texas.

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Ein Jahr in Deutschland

• Neues aus dem Aufnahmeprogramm • Im Aufnahmeprogramm finden aktuell die Mittelseminare statt. Dabei treffen sich YFU-Austauschschüler aus aller Welt für eine Woche in einer deutschen Großstadt, um sich mit ihren bisherigen Erfahrung in Deutschland auseinanderzusetzen. Sie beschäftigen sich außerdem vertiefend mit der deutschen Kultur und Geschichte. Neben den Seminareinheiten besuchen die Schüler gemeinsam mit

den ehrenamtlichen YFU-Teams Sehenswürdigkeiten und verschiedene kulturelle Einrichtungen der jeweiligen Stadt. Für viele Schüler ist das Mittelseminar eine wichtige Gelegenheit, um sich bewusst zu machen, was sie im restlichen Austauschjahr noch verändern möchten. Gleichzeitig treffen aus aller Welt die Informationen über die zukünftigen Austauschschüler des Jahrgangs 2013/14

Im Austausch begleiten Mara Skaletz interviewt ihre Kollegin Rita Barth, Betreuerin im Aufnahmeprogramm Du bist zuständig für die Betreuung von Gastfamilien und Austauschschülern in ganz Deutschland. Wie lange machst du diese Arbeit schon? Seit 26 Jahren betreue ich Gastfamilien und Austauschschüler in Deutschland, bis 1990 natürlich nur in Westdeutschland. Wie läuft die Zusammenarbeit im Team der Betreuerinnen im Aufnahmeprogramm? Wir teilen uns zu dritt die Arbeit und haben uns spezialisiert: Lena Marquard ist hauptsächlich für die Austauschschüler aus Lateinamerika und ihre Gastfamilien verantwortlich, Esther Jensch ist unsere Asien-Spezialistin. Zusätzlich übernimmt Christina Hoffmann die Betreuung der Austauschschüler, die ihr Jahr in Deutschland im Winter beginnen. Nichtsdestotrotz machen bei Bedarf auch alle alles. Welche Rolle übernehmen die Ehrenamtlichen in der Betreuung? Unsere ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer sind unsere Unterstützung vor Ort – sie repräsentieren YFU! Sie sprechen persönlich mit den Jugendlichen und den Gastfamilien. Im Idealfall können sie auch neue Familien suchen, falls ein Austauschschüler die Familie wechseln muss. Sie können, wenn sie langfristiger dabei sind, ein Netzwerk aus Kontakten aufbauen, auf das sie in solchen Fällen zurückgreifen können.

t Drei Sommerwochen miien? As s au rn üle sch sch au ­Aust Für den optimalen Start ins Austauschjahr sorgt der Orientierungs- und Sprachkurs, den alle Schüler besuchen, die noch nicht viel Deutsch können. Aktuell werden noch ehrenamtliche Organisatoren für einige Kurse für Austauschschüler aus Thailand und China gesucht. Die Kurse finden vom 9. bis zum 31. August statt. Wo? Da, wo sich ein Organisator meldet! Bei Interesse gibt Silke Rauscher gern weitere Informationen: rauscher@yfu.de, 040 227002-85. 

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YFU magazin - Frühjahr 2013

bei YFU ein. Auf der Grundlage ihrer Unterlagen und Angaben werden nun Kurzvorstellungen angefertigt, die inte­ ressierten Gastfamilien vorgelegt werden können. Damit kann nun auch die Zuordnung von Gastfamilien und Austauschschülern beginnen. Wer ab ­August ein Gastkind aufnehmen möchte, kann sich unter gastfamilien@yfu.de oder 040 227002-0 melden.

Rita Barth bei der Arbeit

Braucht YFU mehr ehrenamtliche Betreuer? Wir können immer noch mehr ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer brauchen. Auch wenn viele Betreuer über Jahre aktiv sind, gibt es natürlich Fluktuation, zum Beispiel wenn die jüngeren für eine Zeit ins Ausland gehen oder ältere vielleicht die Pflege ihrer Eltern übernehmen. Außerdem gibt es eine Art von „weißen Flecken“, also Gegenden ohne Betreuer. Besonders in den ländlichen Gebieten ist es manchmal sehr schwierig, Betreuer zu finden. Wer kann mitmachen? Und wie wird man als Betreuerin oder Betreuer geschult? Mitmachen können alle, die Interesse haben, junge Menschen durch ihr Jahr zu begleiten und ihnen bei Problemen zur Seite zu stehen. Es gibt überregionale und regionale Workshops , die Einsteiger auf jeden Fall besuchen sollten. Bei den Workshops werden die Grundkenntnisse der Gesprächsführung vermittelt und geübt, und man kann noch weiteres „Handwerkszeug“ für die Betreuung erlernen. Kontakt: barth@yfu.de, Telefon: 040 227002-88.


Ein Jahr im ausland

• Neues aus dem Entsendeprogramm • Es klingt nach ferner Zukunft, doch das Austauschjahr 2014/15 ist bereits in konkreter Planung: Ende April wird das Austauschprogramm neu ausgeschrieben und YFU beginnt, Bewerbungen anzunehmen. Schon vor den Sommerferien finden dann die ersten Auswahlgespräche statt und die ersten Plätze können vergeben werden. Als neues YFU-Zielland wird Paraguay angeboten.

Auch die späten Bewerber für das Austauschjahr 2013/14 haben nun alle an einem Auswahlgespräch teilgenommen. Alle Teilnehmer fahren vor dem Start ins Ausland zu ihrer einwöchigen Vorbereitungstagung. Diese Tagungen finden im Frühjahr unter der Leitung von ehrenamtlichen Teams statt. Neben länderspezifischen Inhalten geht es vor allem um das Leben in einer anderen Kultur. YFU hatte

sich schon letztes Jahr gefreut, dass besonders viele Jugendliche ein Gastland in Europa, Asien, Afrika oder Lateinamerika gewählt hatten. Für 2013/14 zeichnet sich ab, dass diese erfreuliche Entwicklung sich fortsetzt. Gleichzeitig bricht für die Jugendlichen, die aktuell im Ausland sind, der letzte Teil ihres Austauschjahres an. YFU wünscht ihnen für diese Zeit alles Gute!

Mit persönlichen Erfahrungen begeistern Ehrenamtliche informieren über Schüleraustausch YFU ist eine der größten und erfahrensten Schüleraustausch­ organisationen in Deutschland. Aber wie erfahren die Programmteilnehmer von YFU? Und wie können sie sich persönlich ein Bild vom Verein und den Austauschprogrammen machen? Ein wichtiges Mittel, um YFU in der öffentlichen Wahrnehmung zu etablieren, ist die Teilnahme an Bildungsmessen zum Thema Schüleraustausch. 2013 nimmt der Verein deutschlandweit an rund 40 dieser Veranstaltungen teil: Auf den sogenannten Jugendbildungs- und Schüleraustauschmessen präsentieren sich

Ein tolles Messeteam: Jule und Helge auf der Jugendbildungsmesse in Hannover

verschiedenste Anbieter, die neben kurzen und langfristigen Schüleraustauschprogrammen beispielsweise auch Au-PairAufenthalte und Freiwilligendienste anbieten. YFU hingegen ist weiterhin Spezialist für einjährige Schulbesuche im Ausland mit Gastfamilienaufenthalt. Besondere Glaubwürdigkeit hat der Auftritt von YFU, weil auf den Messen in der Regel Ehrenamtliche von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Bei den meisten handelt es sich um ehemalige Programmteilnehmer, die selbst ein Jahr mit YFU

im Ausland verbracht haben oder die ihr Kind YFU anvertraut hatten. Im Idealfall betreuen ältere und jüngere YFUler den Messestand gemeinsam: Zusammen verfügen sie über einen wertvollen Erfahrungsschatz. Ein gelungenes Messe-Team gaben kürzlich Jule Neubauer (17) und Helge Herlemann (39) auf der Jugendbildungsmesse in Hannover ab: „Die Zusammensetzung unseres Standteams war sehr gut. Jule ist erst vor Kurzem aus ihrem Austauschjahr in den USA zurückgekehrt. Ihre Stärke lag demnach in der Ansprache von Jugendlichen, denen sie begeistert von ihren Erfahrungen erzählte. Mein Austauschjahr liegt hingegen schon länger zurück. Ich widmete mich also eher den Fragen der Eltern und konnte dabei insbesondere auf elterliche Sorgen während des Austauschjahres ihrer Kinder eingehen und auch dafür werben, selbst Gastfamilie zu werden“, so Helge Herlemann nach seinem Messeeinsatz, der ihm großen Spaß machte. Wer sich vorstellen kann, YFU bei zukünftigen Messen zu vertreten, kann sich gern bei Maren Opitz in der Geschäftsstelle melden: E-Mail: opitz@yfu.de oder Telefon: 040 227002-67.

Gute Wahl Kristina Kleemann koordiniert in der YFU-Geschäftsstelle die Auswahlgespräche der Jugendlichen, die sich um einen Platz im Austauschprogramm bewerben. „Ich möchte mich bei den zahlreichen Ehrenamtlichen bedanken, die sich seit dem letzten Sommer als Komiteemitglied bei Auswahlgesprächen für den Jahrgang 2013/14 engagiert haben!“ Wer ab Juni Lust hat, bei der Auswahl des Jahrgangs 2014/15 mitzuwirken, kann sich bei ihr melden: E-Mail: kleemann@yfu.de, Telefon: 040 227002-50.

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Alumni Gründungstreffen im Januar

Ein Netzwerk mit viel Expertise Gründungstreffen des YFU-Juristen-Netzwerks YFU lebt vom Engagement seiner ehemaligen Programmteilnehmer. Für viele Alumni, deren Austauschjahr schon länger her ist, ist es durch berufliche oder private Verpflichtungen schwierig, ehrenamtliches Engagement in den Alltag zu integrieren. Wer über fachliche Expertise verfügt, kann diese aber auch punktuell für YFU einsetzen. Ein Beispiel hierfür ist das YFU-JuristenNetzwerk, das sich Anfang des Jahres gegründet hat. Moderiert von Stefan Klein, der YFU seit über zwölf Jahren auf ehrenamtlicher Basis zu juristischen Themen berät, fand sich eine Gruppe von sechs Rechtswissenschaftlern zusammen. Sie erörterten, in welchen Rechtsgebieten sie die Vereinsarbeit unterstützen und wie die Aufgaben des Netzwerks aussehen könnten. Auch die Frage nach der Vereinbarkeit mit beruflichen Verpflichtungen diskutierten die Teilnehmer. Eine wichtige Frage, die das Netzwerk noch klären wird, ist die nach der rechtlichen Absicherung bei einer kostenlosen juristischen Beratung – greift zum Beispiel die eigene Berufshaftpflicht? Die Mitglieder der Gruppe können auch persönlich von der Vernetzung und dem Austausch unter Kollegen profitieren. Sie finden Ansprechpartner bei Fragen zu fremden Fachgebieten, erhalten Unterstützung beim Berufseinstieg oder bei der Mandanten-, Referendar- oder Praktikantenvermittlung.

Alle Juristen mit 1. Staatsexamen, die ihre Fachkompetenz einbringen möchten, sind herzlich willkommen, sich dem Netzwerk anzuschließen. Das nächste Treffen wird Anfang 2014 stattfinden. Bis dahin können Informationen über einen E-MailVerteiler ausgetauscht werden. Stefan Klein, der die Koordination übernimmt, freut sich über ein großes Interesse am Netzwerk: „Ich werde für bestimmte Rechtsfragen gezielt Mitglieder des Netzwerks anfragen, die aufgrund ihrer Erfahrung und Kenntnisse für das spezifische Thema geeignet erscheinen. Wichtig ist uns Teilnehmern, dass das Netzwerk nicht für sachfremde Themen genutzt wird. Es ist ausschließlich ein Forum für juristische Fragen, Diskussionen und Kontakte.“ Kontakt zum Netzwerk vermittelt Simone Stepp in der Geschäftsstelle. Auch Anfragen von jüngeren Juristen in der Ausbildung zu Praktikumsmöglichkeiten oder Referendarstellen leitet sie an das Netzwerk weiter. Kontakt: E-Mail: stepp@yfu.de oder Telefon: 040 227002-49.

Zweites Gremien-Alumni-Treffen Spannende Diskussionen und gute Stimmung Beim diesjährigen Gremien-Alumni-Treffen am 26. Januar herrschte eine herzliche Stimmung. Über 40 ehemalige Mitglieder der YFU-Gremien trafen sich in Hamburg mit den Mitgliedern des YFU-Vorstands, weiteren Amtsträgern und Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Sie tauschten sich untereinander aus und informierten sich über die aktuellen Entwicklungen im YFU-Netzwerk. Interessiert verfolgten die Zuhörer die Präsentation über die nationalen und internationalen Entwicklungen bei YFU, über neue Programmformate und Kooperationen sowie über die aktuellen Herausforderungen im internationalen Schüleraustausch. Angeregt diskutiert wurde im Anschluss in einem Workshop über die Weiterentwicklung der Inhalte und Ziele der Vereinsarbeit bei YFU. Simone Stepp, die Alumni-Koordinatorin von YFU, bedankt sich sehr herzlich im Namen des Vereins für das rege Interesse, die Angebote und Vorschläge von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich – weiterhin oder erneut – in die Vereinsarbeit einbringen möchten. Das zweite Gremien-Alumni-Treffen endete nach einem gemeinsamen Abendessen in bester Stimmung. „Wir freuen uns sehr über das anhaltende Interesse und die dauerhafte und intensive Bindung vieler ehemaliger Amtsträger an den Verein“, so Simone Stepp.

10 YFU magazin - Frühjahr 2013

Ehemalige Gremienmitglieder in der YFU-Geschäftsstelle


Jahre später ... … erinnert sich der Fotograf Michael ­Poliza an das texanische Hinterland und die USA der 1970er Jahre, seinen Kulturschock und viele spannende Erfahrungen. Michael Poliza, der früher Schauspieler und IT-Unternehmer war, ist heute ein bekannter Fotograf und Reiseunternehmer. 1975 verbrachte er ein Austauschjahr mit YFU in den USA. Nach einem unvergesslichen Flug mit einer klapprigen Boeing 707 kam er in Grand Prairie an, einer Kleinstadt in Texas. Er war der erste Austauschschüler an der örtlichen Highschool und hatte das Gefühl, eine Kuriosität zu sein, der „strange guy from overseas“. Michael Poliza erinnert sich an seinen Kulturschock: Er war aus seiner liberalen niedersächsischen Heimatstadt viel Freizügigkeit gewohnt. In Texas war der Umgang mit jungen Menschen dagegen sehr konservativ und streng. Auch die amerikanische Höflichkeit richtig zu interpretieren, habe er erst lernen müssen, so Poliza. „So wonderful to meet you, you must definitely come by und visit us“, bedeutete nicht unbedingt, dass man sich über einen Besuch wirklich freuen würde! Trotzdem empfand er seinen Start ins Austauschjahr als spannend, so vieles war ungewohnt und unerwartet. Seine jungen Gasteltern trennten sich kurze Zeit nach seiner Ankunft. Er zog zunächst zu einer YFU-Mitarbeiterin nach Dallas und wechselte später zu einer Gastfamilie nach Tulsa in Oklahoma. Michael Poliza erinnert sich, wie wenig Nachrichten aus Deutschland er damals in den USA mitbekam. Seine Eltern schickten ihm Zeitschriftenpakete und er kaufte sich für viel Geld einen Kurzwellenempfänger: Die „Deutsche Welle“ war die einzige Gelegenheit, um etwas aus der Heimat zu erfahren. Heutzutage, ahnt Michael Poliza, hat man durch das Internet wahrscheinlich nicht so ein großes „Weitweg-Gefühl“ wie damals. Einen weiteren Unterschied zwischen einem Austauschjahr in den USA damals und heute macht er in der Sichtweise der Amerikaner auf Deutschland aus. 1975/76 war das Deutschlandbild stärker geprägt von Erinnerungen an den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg. Man hatte als junger Deutscher die Vergangenheit noch spürbarer im Nacken und wurde stärker damit konfrontiert als heute. Den Rat, am YFU-Austauschprogramm teilzunehmen, hatte er von seinem Englischlehrer bekommen; bis dahin war er ein mittelmäßiger Schüler und hatte eine 5 in Englisch. An der 1

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großen amerikanischen Highschool wurden seine Schulnoten viel besser. Er gehörte der National Honor Society an, einer Vereinigung, die ­herausragende Schüler fördert. Er machte den Senior Year Abschluss, den er sich später als deutsche Hochschulreife anerkennen ließ. Bereits kurz nach 3 dem Ende seines Austauschjahres brach Michael Poliza wieder in die USA auf, um „Computer Science“ zu studieren. Er setzte sein Studium in Deutschland fort, brach es aber bald ab, um ein IT-Unternehmen zu gründen, welches schnell wuchs und sehr erfolgreich war. Mit 26 Jahren verkaufte er alles und fing noch einmal neu an. Bekannt geworden ist Michael Poliza auch durch sein Projekt „Starship Millenium Voyage“. Im Rahmen dieser Reise fuhr er zum Jahrtausendwechsel mit einem Schiff um die Welt, um den Zustand der noch unberührten Orte der Erde zu dokumentieren. Nach der Reise entdeckte er in Südafrika schließlich seine Leidenschaft für die Fotografie, aus der sich Jahre später seine heutigen Reiseunternehmungen ergaben. Rückblickend betrachtet Michael Poliza sein Austauschjahr als keine einfache Zeit und möchte trotzdem jedem dazu raten: „Es war nicht die leichteste Phase in meinem Leben, aber es war trotz vieler Schwierigkeiten eine sehr wertvolle Erfahrung. Sie hat mir die Augen geöffnet für andere Kulturen und Denkweisen und hat mir neue Impulse gegeben. Ich bin intensiv mit einer anderen Gesellschaft in Kontakt gekommen und habe nicht zuletzt sehr gut Englisch gelernt!“

1: Michael Poliza in seinem Austauschjahr 2 und 3: Heute ist Poliza als Fotograf in der ganzen Welt unterwegs

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kOOPERATIONEN

Kaan aus Istanbul (M.) mit seiner Münchener Gastfamilie. Gastbruder Önder (r.) wird er wohl bald schon ­wiedersehen: Das Schuljahr 2013/14 verbringt Önder mit einem Mercator-Stipendium in der Türkei, dem Heimatland seiner Eltern.

„Merhaba Deutschland – Hallo Türkiye“ 35 junge Türken für zwei Wochen in Süddeutschland Das erfolgreiche Kurzprogramm von YFU, dem Goethe-Institut und der Stiftung Mercator geht 2013 in die dritte Runde. „Für mich war es ein besonderer Moment, als sich die Münchener Gastfamilien von ihren türkischen Gastkindern verabschiedet haben: Viele hatten Tränen in den Augen, sie haben sich umarmt und versprochen, sich wieder zu treffen“, berichtet Ayşen Atlar. Die 19-Jährige ist selbst Austauschschülerin in Deutschland gewesen und engagiert sich seitdem ehrenamtlich für YFU Türkei. Ende Januar begleitete sie eine Gruppe von 35 türkischen Jugendlichen nach Deutschland. Als Teilnehmer des Kurzaustauschprogramms „Merhaba Deutschland – Hallo Türkiye“ verbrachten die 14- bis 16-Jährigen zwei Wochen in deutschen Gastfamilien, besuchten eine Schule vor Ort und sammelten intensive Eindrücke von der deutschen Kultur. Die persönlichen Erfahrungen in Deutschland waren für die Programmteilnehmer auch deswegen etwas Besonderes, weil

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sie in ihrer Heimat bereits Deutsch lernen: Alle Jungen und Mädchen besuchen in der Türkei Schulen des PASCH-Netzwerks. Diese Schulen werden vom Goethe-Institut Ankara betreut und messen dem Deutschunterricht eine besondere Bedeutung bei. 27 der Teilnehmer gaben nach Ende des Programms an, dass sie sich einen längeren Auslandsaufenthalt in der Zukunft sehr gut vorstellen können. Zur positiven Bewertung des Programms trugen auch die gelungenen Vor- und Nachbereitungsseminare bei, an denen unter anderen Ayşen Atlar und Stefan Griessmann (37) mitwirkten. Als YFU-Alumni gaben sie ihre eigenen Austauscherfahrungen an die Gruppe weiter und legten damit die Grundlage für einen gelungenen Deutschlandaufenthalt. Auch für die Seminarleiter war das eine bereichernde Erfahrung, so Stefan Griessmann: „Die Schüler waren super. Es war eine echt positive Erfahrung und ich habe neue Seiten der Türkei kennen gelernt.“


Alumna der YFU-Stiftung in New York Ehemalige Stipendiatin begeistert Gäste der Spendengala Tabea Jobe ist eine von vielen Stipendiaten, die mit Hilfe der YFU-Stiftung im Programmjahr 2010/11 ein Austauschjahr in den USA verbrachten. Für die Fundraising-Gala der AtlantikBrücke e.V. im Dezember 2012 wurde die 18-jährige Schülerin eingeladen, den Gästen von ihren Erfahrungen im Austausch zu erzählen. Dabei bekam sie auch die Gelegenheit, sich persönlich bei Dr. Beate Lindemann, Dr. h.c. Walther Leisler Kiep und den zahlreichen anwesenden Förderern für die Unterstützung der YFU-Stiftung zu bedanken. Tabea veranschaulichte in ihrer Rede anhand von Erlebnissen aus ihrem Austauschjahr, wie wichtig der internationale Austausch für die interkulturelle Verständigung ist. Sie erzählte von Situationen, in denen kulturelle Stereotype deutlich wurden, aber auch, wie sie überwunden und erklärt werden konnten. „Mein Gastbruder teilte mir ein paar Tage nach meiner Ankunft mit, dass er total überrascht war, dass ich kein Dirndl trage. Und überall, wo ich auftauchte, machten mir die Gastgeber Sauerkraut und Kartoffelsalat zum Essen. Ich habe in meinen 17 Jahren in Deutschland noch nie so viel Sauerkraut gegessen, wie in diesem Jahr in den USA!“ Ein anderes Vorurteil, mit dem sie konfrontiert wurde, war das des pünktlichen und gut organisierten Deutschen. „Aber ich war der lebende Beweis, dass diese Stereotype nicht stimmen. Man sah mich jeden Morgen gehetzt zum Bus laufen oder verwirrt durch die Schule irren. Als meine Nachbarn anfingen, mich morgens mit ‚Go, Tabea!‘ anzuspornen, wusste ich, dass ich nicht mehr nur das deutsche Mädchen war, eine Projektionsfläche für ihre Vorstellungen, sondern dass mich die Menschen als individuelle Person sahen.“ Der Austausch in die USA ermöglichte Tabea, eine neue Perspektive einzunehmen und dadurch viele neue Erfahrungen

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1: Dr. Beate ­Lindemann und Dr. h.c. Walther Leisler Kiep mit Tabea und einer US-amerikanischen Stipendiatin 2: Tabea bei ihrer Rede

zu machen. „Ich will mich bei allen bedanken, dass Sie jungen Menschen die Chance geben, über die Stereotype, Vorurteile und Schwierigkeiten hinwegzufliegen und zu lernen und zu erfahren, was interkulturelle Verständigung ist. Ich bin mir sicher, dass Austausch unsere Welt schrittweise zusammenbringt.“

Wir danken Ihnen für Ihre Spende!


freunde und förder

Christiane Wöhler mit ihrem Gastsohn Ren

Engagiert auf allen Ebenen Christiane Wöhler über ihre Mitarbeit bei YFU „Ehrenamtliche Mitarbeit bei YFU ist für mich ein Dienst für die gute Sache, von dem ich auch selbst immer wieder profitiere“, sagt YFU-Alumna Christiane Wöhler. Das Engagement macht ihr Spaß und sie lernt dabei immer wieder nette und außergewöhnliche Menschen kennen. Eine Bereicherung auf ganzer Linie! 1973 ging Christiane Wöhler als Austauschschülerin in die USA. Das Jahr war für sie eine prägende und herausragende Erfahrung, auch wegen der guten ehrenamtlichen Betreuung vor Ort. Das motivierte sie vor mehr als zehn Jahren dazu, sich selbst als Betreuerin zu engagieren, um Austauschschülern eine ebenso gute Erfahrung zu ermöglichen. Auf die Frage, warum sie gerade der Betreuung so lange treu geblieben ist, antwortet sie: „Mir haben auch andere Aufgaben Spaß gemacht, jede ist eine neue Herausforderung. Aber gerade bei der Betreuung von Austauschschülern und Gastfamilien merke ich, dass ich meine Erfahrungen im Umgang mit Menschen auch im Alltag anwenden kann und dadurch natürlich noch mehr lerne.“ Bedingt durch einige Umzüge hat Christiane Wöhler schon in verschiedenen YFU-Landesgruppen ehrenamtlich mitgearbeitet – langweilig wurde es ihr nie. Sie stellt fest, dass ihr das YFU-Netzwerk nach jedem Ortswechsel half, sich in die neue Umgebung einzuleben. „Über den Verein habe ich schnell neue

„In meinen Augen sollte ehrenamtliche ­Mitarbeit kein Opfer sein, sondern ein Geben und Nehmen. So kann man sich für viele Jahre ­engagieren und seinen Einsatz für andere auch als Bereicherung für sich selbst erleben.“

Kontakte gefunden. Statt bei ‚A‘ oder ‚B‘ anzufangen, konnte ich bei ‚M‘ oder ‚L‘ starten. Das war wunderbar.“ Durch ihre langjährige Erfahrung bei YFU weiß Christiane Wöhler, dass die Qualität der ehrenamtlichen Arbeit besonders wichtig ist. Deshalb unterstützt sie den Verein auch finanziell. „Ich finde, dass wir bereits sehr gute Arbeit leisten. Ich spende für YFU, damit noch mehr Schulungsangebote finanziert werden können: So können gut ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiter unsere Austauschschüler und Gastfamilien bestmöglich auf ihre Erfahrung vorbereiten, sie beraten und betreuen.“

Neben dem ehrenamtlichen Engagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten, YFU zu unterstützen. Egal ob Vermittlung von Kontakten, kostenlose Werbeflächen oder eine Geldspende: Jede Hilfe ist willkommen!

Empfänger: YFU Deutschland Oberaltenallee 6 22081 Hamburg

Deutsches YFU Komitee e.V.

09 08 03 02 01 (BLZ 200 800 00)

09 08 03 02 01

Spende Max Mustermann, Musterstadt

Commerzbank Hamburg

Spende Fonds für Vielfalt 0000000000000 Mustermann, Musterstadt

Bei Beträgen bis EUR 200,00 erkennen die Finanzämter den Zahlungsbeleg als Spendenquittung an. Das Deutsche Youth For Understanding Komitee ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg. Wir sind wegen Förderung der Völkerverständigung durch Bescheinigung des Finanzamtes Hamburg-Nord, StNr. 17/411/01218, vom 19.04.2011 als steuerbegünstigten gemeinnützigen Zwecken im Sinne §§ 51 ff. AO dienend anerkannt.

200 800 00


Nachrichten Vielen Dank an alle Spender! Im November 2012 rief YFU zu Spenden für den Eric Simon Scholarship Fund auf. Treue YFU-Spender und auch viele neue Unterstützer haben dazu beigetragen, dass eine Gesamtsumme von rund 34.000 € gesammelt werden konnte. Dieser bemerkenswerte Betrag ermöglicht es YFU, in den kommenden zwei Programmjahren Stipendien an lateinamerikanische Schüler zu vergeben. Dank des gefüllten Spendenfonds können die YFU-Organisationen in Lateinamerika die Förderstipendien nun aktiv bei ihrer Ausschreibung kommunizieren. So ist gewährleistet, dass sich auch Teilnehmer für das Austauschprogramm nach Deutschland bewerben, deren Familien nur über geringe Mittel verfügen. Die Bildungserfahrung eines Austauschjahres mit YFU kann auf diesem Wege geeigneten und aufgeschlossenen Jugendlichen mit finanziellem Förderbedarf ermöglicht werden. Herzlichen Dank an alle Spender!

Philipp Bruchmann mit drei Eric Simon-Stipendiaten

YFU-Neujahrsempfang 2013 „Ich freue mich, Sie alle bei YFU willkommen zu heißen. Gemeinsam mit Ihnen wollen uns auch 2013 unseren Aufgaben in der interkulturellen Bildungsarbeit widmen“, begrüßte YFUGeschäftsführer Knut Möller die Gäste des diesjährigen Neujahrsempfangs. Rund 60 Freunde und Förderer waren der Einladung gefolgt. Zunächst berichtete YFU-Alumna und Rechtsanwältin Verena Grentzenberg über das Thema „Datenschutz bei YFU“ – ein Bereich, in dem sie sich im Rahmen eines Pro Bono-Mandats ihrer Kanzlei Bird&Bird seit Jahren engagiert. In dem anschließenden Podiumsgespräch, moderiert vom YFU-Vorsitzenden Marcus von Garßen, diskutierten Anne Duncker (Stiftung Mercator), Stefan Reischl (Goethe Institut Ankara), Fabio Zanolli (ehemaliger Austauschschüler Türkei) und Andre Haberzeth (YFU) über die Entwicklung neuer Austauschpartnerschaften am Beispiel der Türkei. Dabei wurde deutlich, wie gewinnbringend die Zusammenarbeit von mehreren starken Akteuren ist, die ihre Expertise, ihr Netzwerk und ihre Unterstützung einbringen. Zum Abschluss des offiziellen Programms gab Marcus von Garßen einen Ausblick auf das Jahr 2013. Anschließend unterhielten die Gäste sich angeregt weiter und genossen das entspannte Beisammensein.

Philipp Bruchmann fördert Lateinamerika-Austausch „Manuel, ein Junge aus Buenos Aires, war der Grund für mein frühes Interesse an Südamerika. In der 3. Klasse kam er nach Deutschland, wir wurden Freunde und er verleitete mich dazu, neben deutschen auch ganz emsig alle argentinischen Fussballbilder zu sammeln. Seine Familie war lebensfroh und Spanisch klang einfach toll. Als ich Jahre später von der Möglichkeit erfuhr, ein Jahr im Ausland zu verbringen, war die Sache für mich klar: Mit YFU auf nach Südamerika! Das Jahr in Uruguary 1993/94 war eine tolle Erfahrung, die mich in vielerlei Hinsicht prägte und mir zahlreiche Möglichkeiten eröffnete. Während meines Austausches lernte ich Dr. Eric Simon kennen, der sich selbst im hohen Alter noch voller Überzeugung für die Idee und die Prinzipien von YFU einsetzte. Aus

Dankbarkeit über meine eigene Austauscherfahrung entschloss ich mich später, YFU in Form von Spenden für den Eric Simon Scholarship Fund zu unterstützen. Vor einigen Jahren hatte ich dann auch die Gelegenheit, die lateinamerikanischen Stipendiaten zum Ende Ihres Austausches bei einem Kongress in Berlin kennen zu lernen. Die Begeisterung über ihr Jahr in Deutschland stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Alle waren zum ersten Mal so lange von zu Hause weg, hatten sich auf neue Situationen eingelassen, unterschiedlichste Herausforderungen gemeistert und waren daran gewachsen. Da, wo interkulturelle Verständigung persönlich wird, macht mir Unterstützung besonders Spaß. “  Phillip Bruchmann

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YFU PSF 762167 22069 Hamburg Postvertriebstück, DPAG, Entgeld bezahlt

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Mehr kulturelle Vielfalt bei YFU Stipendien für Jugendliche mit Migrationshintergrund

Unterstützer gesucht! Spenden Sie für den Fonds für Vielfalt

Vor vier Jahren bekam Bahar aus Offenbach die Chance, mit einem Stipendium aus dem Fonds für Vielfalt für ein Jahr nach Brasilien zu gehen. Rückblickend bezeichnet sie dieses Jahr als das größte Abenteuer ihres Lebens. Eine fremde Kultur kennen zu lernen, ist eine Bereicherung für das gesamte Leben, die weit über das Austauschjahr hinausreicht, sagt sie. Dank des Austausches hat Bahar heute ein besseres Verständnis von Interkulturalität. „Es fällt mir heute leichter, mich in andere Menschen hineinzuversetzen, deren Verhaltensweisen nachzuvollziehen und zu akzeptieren. Ich bin in zwei Kulturen aufgewachsen, und früher fiel es mir schwer, viele Dinge anzunehmen, so wie sie sind. Dass ich das jetzt kann, ist ein großer Gewinn.“ Bahar berichtet, dass ihr Selbstbewusstsein im Ausland gewachsen ist und wie sehr sich ihre Persönlichkeit entwickelt hat: „Ich habe gelernt, dass es nicht wichtig ist, wo man geboren oder aufgewachsen ist. Was zählt ist, dass man sich zu Hause fühlt, unabhängig davon, wo man sich befindet. Brasilien ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich habe eine zweite Familie und viele neue Freunde gefunden.“

Bahars Erfahrungen zeigen, wie gewinnbringend ein Austauschjahr gerade für junge Menschen mit einem Migrationshintergrund ist. Leider sind Jugendliche, die wie sie mit mehreren Kulturen aufgewachsen sind, bei YFU noch immer deutlich unterrepräsentiert. Im Jahr 2008 gründete YFU den Fonds für Vielfalt. Der Fonds trägt durch Stipendienmittel zu Chancengleichheit bei. Um auch in diesem Jahr Stipendien aus dem Fonds für Vielfalt vergeben zu können, benötigen wir aktuell wieder die Unterstützung unserer Freunde und Förderer.

Helfen Sie uns, den Fonds zu füllen 250 Euro decken die Kosten für ein mehrtägiges Vorbereitungsseminar, um den Einstieg im Gastland gut vorzubereiten. 50 Euro ermöglichen einem Austauschschüler das Taschengeld für einen Monat. So kann er sich Ausgaben für öffent­ liche Verkehrsmittel oder einen Schulausflug leisten. 2.500 Euro finanzieren ein durchschnittliches ­Teilstipendium. Die individuelle Stipendienhöhe wird nach dem konkreten Bedarf festgelegt.

Bahar mit ihren brasilianischen Mitschülern

SPENDENKONTO Empfänger Deutsches YFU Komitee e.V. Kontonummer 09 08 03 02 01 BLZ 200 800 00 (Commerzbank Hamburg) BIC/SWIFT DRES DE FF 200 IBAN DE 67 2008 0000 0908 0302 01 Gläubiger-ID DE60ZZZ00000049911 Referenz Fonds für Vielfalt

den www.yfu.de/spen


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