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Zur zeit zu zürich Magazin für Zürich 1/2009 www.zettzett.ch CHF 8.–


Inhalt 06 Omas Nippes werden entstaubt Zu einer Ausstellung im Museum Bellerive. 08 Zwischen Z체rich und Baden ist eine Stadt entstanden von Helene Arnet 16 Die Party ist vorbei von Mikl처s Gimes 24 Kino: Ein Tag am Meer 32 Krise beim Tagesanzeiger von Alex H채mmerli 46 Schummelk채se von Angela Barandun

08 06 16

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Editorial Zürich bietet weltweit die beste Lebensqualität. Das behaupten nicht die Zürcher selbst - das geht aus einer Studie von Mercer hervor, des grössten Consultingunternehmens der Welt, das jedes Jahr Ranglisten erstellt. Seit mehreren Jahren steht Zürich hier auf Platz eins. Was Zürich so lebens- und erlebenswert macht, sind das grosse Freizeitangebot und die privilegierte Lage am herrlichen Zürichsee, eingebettet in grüne Hügel. Es sind die ausgedehnten Fussgängerzonen und Grünflächen, die Strassencafes, die Altstadtgassen, die vielen jungen Designerläden, die Boutiquen der grossen Modelabels. Dank der hippen Club- und Loungeszene in den neuen Stadtvierteln sowie der jährlichen Streetparade gilt Zürich für viele als Europas Partystadt schlechthin. Der 1. Mai – der Tag der Arbeit – ist in Zürich die grösste Mai-Demonstration in der Schweiz. Zehntausende nehmen jeweils am Fest und am Umzug teil. Seit die Gastwirtschaftsgesetze Ende der 1990er-Jahre gelockert wurden, ist eine junge, stetig wechselnde Gastroszene mit Restaurants, Bars und Clubs entstanden. Ob das in Zukunft auch so bleiben wird, und was sich vielleicht schon zu ändern beginnt, damit beschäftigen wir uns in diesem Heft. In der Vergangenheit wurde Zürich vor allem der Politik der umliegenden Länder wegen häufig zur Wahlheimat grosser Persönlichkeiten. Thomas Mann wohnte hier (bzw. im nahen Kilchberg), Bertolt Brecht und Richard Wagner, James Joyce, C.G. Jung, Georg Büchner sowie Wiadimir lljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin. Zürichs Liste von weltbekannten, brillanten Köpfen Schweizer Provenienz ist ebenfalls beeindruckend. Dazu gehören z.B. Gottfried Keller und Max Frisch oder die konstruktiven Künstler Max Bill und Richard Paul Lohse. Auch heute leben in und um Zürich viele Künstler, Showgrössen und sonstige VIPS, die man eher in Paris oder New York erwarten würde, so die Rocklegende Tina Turner und der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava. Heute machen viele internationale Fachkräfte in Schweizer Unternehmen Zürichs Bevölkerung zu einer polyglotten Gesellschaft. Fast jeder vierte Einwohner stammt heute aus dem Ausland. Brasilianische Bars, englische Clubs und japanische Spitzenrestaurants sind deshalb selbstverständlich. Zürichs Einwohnerzahl wächst und das hat Folgen. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. Wie die Stadt versucht, das Problem zu lösen, zeigen wir an aktuellen Beispielen.

Ihr Georg Hübele

impressum Lenisi et lam aut la adionulla faccum zzrit dolutpatum volesto do corem il elit, sustion sequat lan ute doluptat, quam iurerilla alisi exer iuscillam dolobore magnis at dolesting et, corperat, suscill uptatie dolenit augiam zzril dolorero eugue dolenim quat volore diatum elit, volenim ing exeriure dolorem vendip enibh eugue feu facinci llaorting esecte dip eu feugiat. Hent iureet autatum ea con hendiat utat. Putat, quat. Dui tat. An hendreet utem in hent et laore conse ea auguer autate te doluptatem.


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Zur Zeit 1/2009

Zürich gilt als eine der liberalsten Städte der Welt. Wie lange noch?

Am 3. April 2005, Sonntagmorgen um halb neun,

des öffentlichen Lebens. Eine Band spielte, es wurde

stürmten Polizisten einen Lagerschuppen an der

getrunken und gekifft. Niemand dachte sich etwas

Zürcher Geroldstrasse. Der Polizei angehängt hatte

dabei. So lief das damals in Zürich, kein Wunder, war

sich ein Team von TeleZüri. Die unangemeldeten Be-

die Schliessung des SpiderGalaxy für viele eine erste

sucher trafen auf etwa hundert Nachtschwärmer, die

Irritation.

vor sich hin tanzten oder an der Bar herumstanden. Drogen aller Art wurden sichergestellt. Der Club wurde

Seither reisst die Serie der Razzien nicht mehr ab.

geschlossen. Die Razzia galt dem SpiderGalaxy, dem

Es ist, als ob die Zürcher Regierung plötzlich Angst

Club, wo die Party nie aufhörte. Es soll Leute gegeben

gekriegt hat vor dem eigenen Mut zur Toleranz. Jetzt

haben, die ihr Wochenende im Spider durchfeierten

ist wieder Kontrolle angesagt. Erste Opfer der neuen

und erst am Montag wieder ans Licht taumelten. Ich

Gangart waren das Q, die Dachkantine, die Longstreet

mochte den Club. Er war nicht elitär. Seine Besucher

Bar. Razzien gab es auch im Mai dieses Jahres in den

wollten einfach in Ruhe gelassen werden. Es war ein

Clubs Zukunft und Hive, die beide eher zur alterna-

nächtliches Gemisch von thailändischen Transvesti-

tiven Szene gehören. An beiden Orten wurden mi-

ten, einsam tanzenden Schönheiten, versponnenen

nimale Drogenmengen beschlagnahmt, vor ein paar

Akademikern, verlorenen Grossstadtfiguren.

Jahren noch wären solche Aktionen selbst von Polizisten belächelt worden.

Im Rückblick scheint mir, sei damals eine Epoche zu Ende gegangen. Dass die Polizei ein Lokal schliesst,

Dazu kam im Frühling die Diskussion um die Dar-

weil Drogen im Spiel sind, erinnerte an die vernagel-

krooms. 2006 war der Darkroom der Magnus Bar

te Nulltoleranz der Sechzigerjahre. «Es gibt keine

geschlossen worden, später wurde die Wildsaubar

rechtsfreien Räume», lautete damals die Doktrin in

im Niederdorf gebüsst, weil sie gegen die guten Sit-

einer vom Geiste Zwinglis regierten Stadt. «Die Jun-

ten verstiess. Die Schwulenbar war bekannt dafür,

gen sollen nicht meinen, sie könnten machen, was

«dass hinter der Theke ziemlich hemmungslos ge-

sie wollen», war so ein Satz, den man häufig hör-

vögelt wurde», sagt ein Besucher. Aber Darkrooms,

te. Doch die Zeiten haben sich geändert. Eine Reihe

wo Homosexuelle in der Dunkelheit anonymen Sex

von Jugendbewegungen und die Raver haben Spuren

haben, gibt es in Zürich seit zwanzig Jahren. Das hat

hinterlassen.

noch niemanden gestört. Damit aber nicht genug. Nach einer Razzia wurde der bei Schwulen beliebte

Zürich entwickelte sich in den Neunzigerjahren zu

Club Labitzke vorübergehend geschlossen. Gleich

einer Stadt, wo gefeiert wird, und die Polizei wegen

dichtgemacht wurde das Labyrinth, eine Gay-Disco,

eines Joints oder paar Ecstasypillen kein Aufhebens

nachdem der Besitzer beim Abpacken von Drogen

macht. Ich erinnere mich an ein Fest der «Weltwo-

erwischt worden war. Innerhalb eines Jahres hat Zü-

che» um 1995 herum, in einem sehr angesagten Zür-

rich es geschafft, die Schwulenszene in die Defensi-

cher Lokal. Unter den Gästen waren einige Figuren

ve zu drängen.

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Zur Zeit 1/2009

EsE sssswww C llululububb edtdd cochchhcoh teetethed CCC eedenennelndnC tth m .w.be.a.ilEn.ruEeE m m . waääaEaraar ooocco eb i nw m luelnu brC hcten dC cchhhhm nenCC hm a r inn äcnn ohctoehctdeede lubu. bE.bs.EwEsasw mm htcrchrhst r hIcoh IIIcIIcIhIcchIccm li- tl-i-

Ende Mai organisierte die SP der Stadt Zürich eine Diskussion mit Polizeichefin Maurer im Volkshaus. Die Schliessung der Darkrooms und der Schwulenclubs hatte politisch Staub aufgewirbelt. Es sassen vor allem Homosexuelle im Publikum. Maurer versuchte der Homo-Szene klar zu machen, dass sie zu einer Lösung Hand biete, die beide Seiten berücksichtige, die Schwulen und das Gesetz. Maurer machte auf Ich-habe-kein-Problem-mit-Schwulen-aber. Ihre Zuhörer stigmatisierten sich als Opfer. Am Ende gab es keine Einigung. «Sie ist nicht gut angekommen», erzählt Sigi Gübeli, die einen Schwulenclub in der Altstadt betreibt. Maurer sagte am Schluss der Veran-

wurde beschlagnahmt. Ein paar Restaurants wurden

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Film des italienischen Meisterregisseurs Pasolini

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Zürcher Polizei diesen Frühling Stadtgespräch. Ein

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Nicht nur in der linksalternativen Szene wurde die

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Polizisten überall

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gewohnt, dass man mir nicht zuhört.»

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staltung, sie fühle sich unwohl. Und: «Ich bin es nicht

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Zur Zeit 1/2009

Der aus der Alternativkultur stammende Bar- und

auf die Strasse gestellt hatten. Kürzlich seien zwei

Clubunternehmer Eric Blass machte ebenfalls nega-

junge Leute vor seinem Club verzeigt worden, weil

tive Erfahrungen mit der bürokratischen Sturheit der

sie einen Joint rauchten, erzählt Nicola Schneider, der

Polizeichefin. In einem Leserbrief an die NZZ schrieb

Mitinhaber des Hive. Die Polizisten hätten die beiden

er, man könne von ihm aus alles wählen, nur nicht

vom Streifenwagen aus erspäht. Er habe sich einmi-

die SP.

schen wollen, sei aber weggeschickt worden. Natürlich, man kann über solch kleine Geschichten Rund ums Seebecken patrouilliert die Zürcher Poli-

lachen, lauter Luxusprobleme. Doch diese Vorfälle

zei fast so häufig wie die irakische in Bagdads grüner

zeigen exemplarisch auf, wie die Stadt Zürich ge-

Zone. In Dreiertrupps spazieren Polizisten breitbeinig

genwärtig tickt. Es geht um mehr als um Darkrooms,

und mit kugelsicherer Weste über die Badewiesen,

Drogen und Sofagrössen. An den grösseren und klei-

durchwühlen mit latexbehandschuhten Finger Hand-

neren Konflikten zeigt sich der Gegensatz zwischen

taschen, lassen junge Leute, die nicht aussehen, als

der sozialdemokratischen Sehnsucht nach Gemein-

wären sie Studenten eines Innerschweizer Pries-

sinn, die sich in Kontrolleifer ausdrückt, und der

terseminars, ihre Hosentaschen leeren, umzingeln

freiheitlich- individualistischen Lebenshaltung einer

ältere Damen, die ihre hundertjährigen Dackel nicht

neuen Generation. Es geht am Ende auch um mehr

an der Leine haben, stoppen Velofahrer, die sich im

als um die Sturheit von Frau Maurer. Steuert Zürich

Schritttempo durch die Menge bewegen.

nach den langen Partyjahren einem neuen Zwinglianismus entgegen? Selbst bürgerlich denkende Men-

Auch der Komiker Viktor Giacobbo hat letztes Jahr

schen fragen sich inzwischen, was in Zürich los ist.

Erfahrungen mit Esther Maurers Truppe gemacht. Als er mit dem Circus Knie in Zürich gastierte, wären

Dabei steht einiges auf dem Spiel. In Sachen Mu-

sie nach dem Erfolg gern ein paar Tage länger geblie-

sikclubs kann Zürich mit der europäischen Spitze

ben. Doch Esther Maurer habe abgelehnt. «Die Wiese

mithalten. Die Street Parade ist eine touristische

wäre frei gewesen», sagte Giacobbo. «Nach uns war

Trumpfkarte. Und der Verkehrsverein verkauft Zü-

niemand gebucht. Die Stadt hätte Miete kassiert, das

rich noch so gerne als Homo-Stadt. Aber vielleicht

heisst zehn Prozent der Billetteinnahmen. Ich glau-

ist alles Bluff, und es gibt zwei Zürich. Ein liberales,

be, so etwas nennt man eine Win-win-Situation.»

tolerantes, weltoffenes Zürich, das sich bezüglich

Aber Maurer habe sich auf eine Verordnung berufen,

dieser Werte problemlos mit Städten wie London,

dass niemand länger als einen Monat die Sechseläu-

New York oder Berlin messen kann, und eines, das

tenwiese benutzen dürfe. Die Bewilligung für eine

sich sehnt nach der kontrollierten Langeweile einer

zusätzliche Vorstellung am heiligen Pfingstsonntag

früheren Zeitrechnung.

n.

habe der Zirkus dann übrigens von Regierungsrätin

se

Rita Furrer erhalten, kantonale Volkswirtschaftsdi-

Doch die Geschichte ist eine andere. Denn dass es

rektion, erzählt Giacobbo. «Manchmal sind die Bür-

Konflikte gibt, überrascht nicht. In einer noch unver-

gerlichen unkomplizierter.»

öffentlichten Studie hat das Polizeidepartement seit

E

So s ge nd u ht u en og Dr mm , s e h r als om u m Da rk ro

en g

als

behelligt, weil sie statt Gartenstühle ein paar Sofas

fa-

2003 einen steilen Anstieg der Vergehen in ZürichWest festgestellt. Die makellose und gehegte Form von Urbanität, die sich in Zürich lange Zeit ausgebreitet hat, stösst offenbar am Wochenende an ihre Grenze, die internationale Hipness der Stadt hat ih-

rö s s

ren Preis, wenn die Jugend aus dem ganzen S-Bahn-

eren

u m Da r -

Bereich anrückt. Drogen und Sex gehören zum Ge-

und

schäft der modernen Stadt. Sex and Drugs and Rock

klein

eren K onflik

‘n’ Roll ist die urbane Mehrwertmaschine geworden.

t e n ze i

Doch wie soll sich der Staat im neuen Markt verhal-

gt sich

d e r Ge g e n

ten? Zuschauen? Eingreifen? Man kann das Clubleben nicht regeln und organisieren wie einen Triathlon satz zw ischen der sozialde-

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Zur Zeit 1/2009

oder die Street Parade. Es ist ein Problem, das jede aufstrebende Stadt früher oder später mal hat. Dann muss sie sich entscheiden: Will man eine fein aufgeräumte, aber langweilige Edelboutique sein, oder doch lieber ein lebendiger Organismus?

Clubstadt Zürich Clubtour an einem Samstag im Juni. Es ist ein nächtlicher Ausflug durch sämtliche Gesellschaftsschichten und Lebensstile. Von der aufgekratzten Champagnerstimmung im Fünfsternhotel Baur au Lac bis nach Zürich-West, zur Apotheose des Partylebens auf dem Maag Areal. Hier veranstaltet der nomadisierende Partyorganisator Cityfox seinen monatlichen Anlass. Cityfox gilt als heiss. Eine Fabrikhalle, ein paar DJs, mehr nicht. Keine Aufgeilerei auf der Bühne, nur gute Musik. Tausend Menschen in Trance: Woher kommen sie? Aus den Vorstädten vermutlich und aus dem namenlosen Mittelland. Wenn ich längst zu Hause bin, werden sie über das Fabrikgelände torkeln, während in der Halle nebenan die Gläubigen einer Freikirche bereits Jesus feiern. Übers Wochenende ist die Stadt wie verwandelt. An der Bahnhofstrasse vor dem Saint Germain stehen die Teenager von der Goldküste und warten auf Justin Timberlake, der nach seinem Konzert hier auftauchen soll. Im Kaufleuten sind die schönen Mädchen und die scharfen Typen der zweiten Generation auf Brautschau. Das ist Integration! Ihre Eltern kamen aus dem Balkan, aus Spanien und Italien. Der Saal wogt auf und ab, auf der Bühne wird animiert. Im Club namens Zukunft drüben im Kreis 4 sind die Leute älter und geben sich locker. Im Indochine wird auf verruchte Kolonialromantik gemacht. Im Keller hat es eine VIPLounge, es wird geküsst und gefummelt. Plötzlich ruft der DJ: «Timbaland is in the house», und alle stürzen sich auf die Tanzfläche. Im Hive an der Geroldstrasse wird einfach getanzt, und spätestens jetzt, morgens um fünf, wird einem bewusst, dass der Rhythmus die ganze Stadt erfasst hat. 50 000 junge Menschen kommen jeden Samstag nach Zürich-West. «Zürich ist die geilste Stadt auf dem Planeten», sagt Dragan Vojnovic, Mitinhaber des Bling, eines neu eröffneten Clubs im Kreis 4, und Betreiber der Bar im Flussbad Oberer Letten. «Die Menschen stehen unter Druck. Sie verdienen zwar viel Geld, aber sie müssen 12

etwas leisten dafür. Im Ausgang geben sie das Geld

bve r K od k a erh i n e r h af t e n P l e is . A b e r leic h t v er n d alnue e rh lc h e Pr e tP s o ic h d a u e rh a r e i s .A b e v e r h in d e e n P lat z i n k a i n w e r d e i s t d i e p r a s ee lun lsc h aih f t lle in f a c k tn g e n e is t n u r , ic h t s o l ha f t e n P l d e nlg u n m lt u n e i n w e c h e s is t d i e lentvlE.eF D i e F r a vw e rh i n d e il l . D i rh i n d e r r a g e i s t iw st d i e p r e l c huienn P H a l t g e K o k a w rP a t i o n , d i e n f a c h k o n lica t z i n d n h t s o e F r a g e i s a t i s c h H ic nh w e r d e re af t e n P h n i c h t F r a g e i twf tliee s c h e Ha r d e n un e n P l a tz ildccihh t v erh w e e n P n , e e ine eu si c h n i ch r, u m w el c ,n dcPre ie eiss i n e n ni h t o l ei c . A b e a ften P l a t z e rn. En s i s t d d e n u m a l a f t h a b e n w lt u ng e i n e r G s l a s s e s i c h w l cheln P r e i s fdtee a t z i n ioennpsP rua g m a t i s mier t , d

A t r r e e h n t t o s e a a aus. Sie toben sich aus.» «Die Leute gwollen die Sau r wollen saurauslassen», sagt Michi Vollenweider. «Sie r fen, sie wollen Drogen, da kannst du a nichts machen. m Das ist Zürich.» . i h e Ein Netz von coolen Lokalen überzieht t die Stadt. i Clubs, Bars, Restaurants, eine neuesUnternehmerschicht hat sich längst etabliert. Mit e wem man auch immer redet, vom Baur au Lac bis ZürichWest, wird e i Menschen in einem bestätigt, dass es immer mehr h um sich in dieser Stadt hat, die genug Geld haben, i m ihrer kurz bemessenen Freizeit hochprozentig zu a e amüsieren. Gut vierzig Clubs gibt esi in Zürich. Diese Konzentration auf engstem Raum iist europäische a Spitze. a o o Comeback des Alkohols s n eins», sagt «Zürich war bis vor Kurzem die Nummer n Johann Sollberger, der den Lotus Club in einem ehee maligen Pneulager in Zürich-West betreibt. «Ich war h d an vielen Orten, aber diese Offenheit, diese Liberar h lität, das habe ich nirgends angetroffen. a Zürich war a ein Magnet, die Leute kamen von überallher.» Und a der liberale Umgang mit Drogen trug tdazu bei. Bis zu h zum Clubeinem bestimmten Mass gehören Drogen t leben. Wer glaubt, es ginge ohne, ist rrnaiv. , e a in die Kinder«Kein Club ist harmlos. Ausser du gehst a disco», sagt Yves Spink, Mitbesitzer d der Longstreet l Bar. Droge Nummer eins zurzeit sei Alkohol, sagt e u Respekt eri Alex Bücheli. Er hat sich in der Partywelt i a als Streetworben, weil er im Rahmen seiner Arbeit b e worker die Clubgänger über Drogenrisiken aufklärt s o auf seine und mit seinem mobilen Labor den Stoff e t Zusammensetzung testet. Die analysierten Pila

er

hdenn li n aa h iD c r ti n d i.dn e m t italnsl in n ln .m b t,

kur, um wel c n h afm t eant i sPcla tez H inal t u g adg h sblaesrseKsoic i ceh t es ifsta .A klh a nD w rd h ab e n w i . i e F r a teirn on., Edie e i n e n d a u e rh sie isrtt ,ddia esplr asgsmea k snum cron e Pr e i s . A bfe r Ko G e s e l l s c h a t b n g e n e r G e n e r a o ci twsoerldee nhutnvm erahl ieni e n w i l l . i e F ae gne n e r a t i o n , d i e e i n okl eicnihcahwft vrhedarebhneinnudnw ern hk eonHsaulm tuie nrt g ,ed h len sind illegal, aber die Polizei lässt ihn gewähren. ilal .ltD ieg Fr aer geG ise u n e i n Bücheli ist die lebendige Verkörperung des Widerl ei nfach konsumier e Gese l schaf t haben spruchs der Partystadt Zürich: Er isthvomn Sozialded eren EPsriesits.A dieeprr w e l ch partement bezahlt, steht gleichzeitigg auf der Seite eVertreter in e n uenureGheanfatelerenaitnPifloaatncz,hidn der Partygänger, ist aber auch ein bisschen n d m e t, a sselasse sifct hha n der Staatsmacht. r e l lsc h a i hi cnichsto sloeilecihcthtvevrhe s haf t haben w il l . D i Wie erklärt er sich das Comeback deseAlkohols? «Die s e l l s acfht hsoableeni cwhit s i c h i Leute fühlen sich sicherer», sagt Bücheli, «und es d er G s eal scehsaifcthhanbi r ter,keinen d l gibt keine Repression.» Dennoch sieht Zuaf t en l aonnsnuin deiaerurG i nfderaPolizei k t sammenhang mit der härteren Gangart n , di e nw r n u nmeala gegen Pillen und Kokain. Der Konsum iillegaler un gDrogen i r G l chri nperP setm ins.auA b in der Bevölkerung sei seiner Meinungenach t dkonstant. t sceuhrm r Was sich verändert habe, seien die Substanzen und ht v h ie derni.l lE si af t h b . D sse i cl n ht seor ten m h ko

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ain w e r d e nu n m a l e in f a cb h k e rn . E s i s t di e p r a g m at i s c h e la t z i n d e r G e s e l l s c ha f t h a e K o k a in w erde n u n m a l e i n er h i n d e rn . E s i s t d i e p r a g m a haheefratiesfKvnt.eA n P l a t z in d e r G eie se e l ls c b e r K o k a i n w e r d nu n e r h i n d er n . E s i s t d p r a P l a t z i n d e r G e s e l l sc h a o k i n w e r d e n u nab m al e ilnH f e r n . E s i s t d i p r a g m t i s c h e n d e r G e s e l l s c h a f t h a en w i l . da e n u n m a l e in f a c h k o n s u m i e r t g m a t i s c h e H a l t u n g e i n er G e n e r h a b e n w i l l . D i e F r a g e i s t n u r , u m ke o n s u m i e r tn, ndP,a sile a s sAienbes i c h n icr h t s r G e n e r a t io d e n d a u e ha f , u m w e l c h e re i s . e r K o k a i n l e i c h t v e r h i nd e r n . E s i s t d i e p r a g m l at z i n d e r s e c h a f t a b e n w i l l . D ih m a lPpre f a c e r t , d l a s s e s c h n i c naeee r G e n i n e n h a f t e n P l a t z e i s . e r d e a l i n f a c h r a g g e i n e e r at i o n , d i g e i s t P r e i s o k a i n w e r d r n . E h e H i n e r G e n e F r a g k a i n w e r d rP n . E s e n e r a t i o s t n u r , e n u n m r a g m , fd en inke d am u r e i s . m i n a c o n s u e i n e r a u r h a f t e P l a t z i n w e r d e m e r t , d a s l a s se s i e e i n e G e s e l l s c h a f t h a n s u m i e i c h t v e r h i n d e r d e r G e s F r a g e i s t n u r , u m l i c h t v ie r a g m a t i s c h e H a l t u s t n u , um b e r K o k a i n w r d e n H a l t u n e i n i e e i n elnas d a u e r h a f t e e n n l e in t , d a s s e s i c h n i h P z e r G b e n w i l l . D i e F r g e sslottln e vm enre hwr G ne .nrEP d i e p r aiK gm a tia in su ch in u u i s . A b e r o k a w a u e i a o n , d i e e n e n d e m l e i n f a c k o n m i e r t , d a s l a s s e s i c i n G e s e l l s c h a f t h a e n w i l l . D i e F r a gh h i n r n . E s i s t d i e p a t i s c h e H a l t u n P r e i s b e r K o k a i n w n u n m a l e i n c n d e r h a f t e n P l a t z e r G e se l l s c h a t he t s o i c h t v e r h i n d e r n s i s t d i e p r a g m a c h e r e i s . A b e r K o k a i n w e r d e n u n m a l P l a t z i n dm eire G eiansg efm l l s c hso ac f t h cddierhna ikmanieonfsatnwdetesielnuselrcm . E s s t d p r a t i h e e rsnh d e n u n a l e a c h k n s c h a f t h a b e n w i l l . D i e F e H a l t u n g e i n e r G e nrehi s t i e r t , d a s l a s s e s i c h t w i r a ge i s t n u r , u m w e l c h e n P G nh , d i e e i n e n d a u e r h a f t e n P l a t z n t v e r h i n d e r n . E s i s t d i e p r e n u n m a l eiiFn fa aec h ndngssaGdc ianocoifbhkntwneatenh,irsnadowdG bw n w i l l . D i e r g e e n e r a t i o n , d e l i c h t v e r h i n d e e r d e n u n m a l i l l . D i e F r a g e i e e i n e n d a u e s e r n . E s s t d i e p r h k o n s u m i e r t , d hee n P r e s . A b eeerlicnG e s e l l s c h a f t r Generat i l l si h koG onne suiem e r a t i , d ew A b e r K o k a i n m lte unn nuart,iuscmhewH el cah

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Zur Zeit 1/2009

die Clubkultur. «Es wird in den Clubs kaum noch ge-

Noch herrschen zum Glück keine englischen Zustän-

dealt.» Umso absurder erscheint ihm die Diskussion

de in Zürich, auch wenn die Geschichte der Zürcher

über die Probleme des Nachtlebens. Die Gesellschaft

Clubkultur durchaus englisch inspiriert ist. Die ers-

werde vielleicht allgemein konservativer. Begründen

ten Clubs eröffnete der Zürcher Linksaktivist Koni

kann er das nicht, das sei so ein «diffuses Gefühl»,

Frey, die Kanzleiturnhalle und das UG, das später

sagt er, und schaut durch seine dicke Brille. Was er

auf Hive umgetauft wurde. 1992 stieg der ehema-

nicht ganz begreife, sei das Vorgehen gegen Kiffer.

lige Boutiquenbesitzer und Gastronom Fredi Müller

«Ich sage nicht, Cannabis ist unbedenklich, aber Kiffer

mit dem Kaufleuten ins Geschäft ein. Gleichzeitig

sind selten an Gewalttaten beteiligt. Darum ist wäh-

blühten unzählige illegale Bars und Partys, die von

rend der Fussball-EM in Portugal Cannabis für einige

der Polizei meist in Ruhe gelassen wurden, solange

Wochen sozusagen legalisiert worden», sagt er.

keine Reklamationen wegen Lärms eingingen.

«Der Stoff wirkt dämpfend.» Alkohol habe ein grös-

Mit dem neuen Gastgewerbegesetz wechselten die

seres Aggressionspotenzial, besonders in der Kom-

Könige der illegalen Partys ins legale Clubgeschäft.

bination mit Kokain. In Manchester etwa würden am

«Seit der Liberalisierung des Wirtschaftsgesetzes

Samstagabend sogar die Warteschlangen der Taxis

haben wir einen Schritt zurück gemacht», sagt

von Polizisten bewacht, damit es nicht zu Schläge-

überraschend Yves Spink von der Longstreet Bar.

reien kommt, weil die Leute so betrunken seien. «Es Au

gibt dort extrem viele Kontrollen, aber die Menschen passen sich an.» Was dort laufe, könne ein mögliches

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Zukunftsszenario für Zürich sein, sagt er.


Zur Zeit 1/2009

Begründen mag er das nicht. «Es ist so ein Gefühl,

Er fragt sich, wann der Moment kommt, da es die Leu-

ich kann es nicht genau in Worte fassen.» Das ist

te nicht mehr lustig finden, ihre Taschen zu kehren.

zwar ein mutiger Gedanke, aber trotzdem nicht viel

«Ich weiss nicht, wie lange ich mir das antun will»,

mehr als die typische Sehnsucht von beinahe im Es-

sagt er. Ein paar Tausend Nächte stecken in seinen

tablishment Angekommenen nach den rebellischen

Knochen. Jetzt will er nicht mehr unbedingt an der

Gründerjahren. Schliesslich war für Zürich das Ende

Front sein. «Ich suche mir einen jungen Geschäfts-

der Planwirtschaft im Gastgewerbe eine unerhörte

führer und mache Ferien.» Das hat Spink schon ein

Befreiung. Seit 1997 ist die Zahl der Gaststätten

paar Mal gesagt, das Kokettieren mit dem Ausstieg

von 900 auf 2000 angestiegen; 600 Betriebe sind

gehört zum Image.

auch in der Nacht geöffnet, früher waren es 40. Tatsächlich hat die Stadt Zürich einem wie ihm und

Gratiswerbung für die Stadt

vielen anderen Clubbetreibern sicherlich mehr zu

Die Dynamik hält weiter an. Jeden Tag geht eine neue

verdanken als den lustigen Kühen und Bären der

Bar auf, eine Lounge, ein Club, ein trendiges Restau-

Marketingorganisation Zürich Tourismus. Spink &

rant. Die jungen Unternehmer stossen ins traditio-

Co. haben die Stadt auf den dichten Flugplan der

nelle Rotlichtviertel um die Langstrasse vor, und am

Global Class gesetzt. Natürlich geht es in erster Li-

See werden veraltete Discos zu Clubs umfunktioniert.

nie um Geldverdienen, das mindert ihre Verdienste

Nicht alle Pioniere bleiben allerdings dabei. Thomas

aber keineswegs. «Wir werden mit Clubs und Bars

Gilgen von der legendären Dachkantine ist aus dem

nicht die Welt revolutionieren», sagt Yves Spink,

Clubgeschäft ausgestiegen. Er hat seinen Laden ge-

«wir wollen auch nicht sämtliche Drogen liberali-

schlossen und will ein Internetradio aufbauen. Für

sieren.» Aber Kokain werde nun mal einfach konsu-

Gilgen hat die Clubbewegung ihren Höhepunkt über-

miert, das lasse sich nicht so leicht verhindern. Es

schritten. Kreative Leute wanderten nach Berlin ab,

ist die pragmatische Haltung einer Generation, die

sagt er, wo das Leben billiger sei. Yves Spink führt

einen dauerhaften Platz in der Gesellschaft haben

zwei Bars und studiert an neuen Projekten herum.

will. Die Frage ist nur, um welchen Preis.

Er ist eben von den Malediven zurückgekehrt. Braun gebrannt und in Shorts. «Ja, das Klima ist repressiver

Um den Regeln der Gesellschaft zu entsprechen, ha-

geworden», sagt er. Die letzte Razzia hat seine Bar

ben die Clubunternehmer schon einiges unternom-

erlebt, während er im Indischen Ozean surfte.

men. Es gibt Clubs, die lassen keine Betrunkenen herein oder Leute, die schwer auf Drogen sind. Die

wirtschaft und dem Staat. Es geht um die Frage der

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16


Zur Zeit 1/2009

Wie es funktioniert, hat Fredi Müller vorgemacht. Er

waren. Man ging um acht Uhr in den Ausgang, um

setzt mit dem Kaufleuten 25 Millionen um, und er

halb drei war man zu Hause. Heute gehen die Jun-

war eine Generation früher da. Im Kaufleuten gibt

gen um Mitternacht und kommen in den späteren

es keine Razzien. Hier wurde offenbar die Formel

Morgenstunden wieder. Das ist der Unterschied.»

gefunden, wie man als Club in dieser Stadt über die

Hochstrasser ist klein, hat wasserblaue Augen, weis-

Runde kommt, aber selbst diese Sicherheit muss

sblonde Haare und eine Goldkette auf der braunen

immer wieder erkämpft werden. In einem Interview

Haut. Eigentlich sieht er selbst wie ein Clubbetreiber

hat Fredi Müller vor Jahren gestanden, dass er sich

aus – vor dreissig Jahren. Aber er ist Polizist. «Als ich

ab und zu die Nase pudert. Damals war er ein Rebell,

anfing, waren Drogen in den Gastgewerbebetrieben

und er steht dazu. «Es geht um Druck und Gegen-

kein Problem. Wer Drogen nahm, das waren dubiose

druck», sagt er am Telefon. Im Hintergrund hört man

Typen und gehörte zu den Randständigen.

helle Kinderstimmen und das Rauschen des Meeres. Heute findet man Drogen in allen Milieus, unter den «Es gibt Kräfte, die der Partywelt gegenüber nicht

Bankern, überall. Drogen sind heute so normal wie Al-

unbedingt positiv eingestellt sind», sagt er. «Sie mö-

kohol, nur verboten.» Es gälte aber nach wie vor das

gen ihre guten Gründe haben, den Lärm, den Abfall.

Opportunitätsprinzip, sagt er. «Wenn wir einen Kiffer

Ich will nichts Schlechtes über Zürich sagen. Diese

in einer Ecke entdecken, rennen wir in der Regel nicht

Stadt ist wunderbar. Aber sie hat eine Krämerseele.

gleich hin.» über Drogenlegalisierung mag er nicht

Am Ende geht es ums Geld.»

gross nachdenken. «Ich bin bei der Polizei», sagt er und lächelt. «Ich muss die Gesetze befolgen.»

Ordnung und gute Sitten Oberleutnant Hochstrasser, Jahrgang 1951, kam vor

Das sagt auch seine Vorgesetzte, Polizeipräsiden-

32 Jahren aus dem Aargau in die Stadt und landete

tin Esther Maurer. Unter Sozialdemokraten gilt Es-

irgendwann bei der Wirtschaftspolizei, Abteilung Ge-

ther Maurer als liberal. Liberaler als Stadtrat Bobby

werbedelikte. Er kennt sich aus. Er habe früher gern

Neukomm, ihr Vorgänger bei der Polizei, der 1990 die

gezockt, da sei viel betrogen worden. Heute ist Peter

Street Parade verbieten wollte und von aufgeklärten

Hochstrasser Chef seiner Abteilung. Der Mann, der

Parteifreunden umgestimmt werden musste, dar-

die Einhaltung der Gastgewerbegesetze überwacht.

unter Esther Maurer. Sie war auch für eine Freigabe

Er schickt Detektive in die Clubs, die ihm dann mel-

des Drogenkonsums eingetreten. «Ich gehe davon

den, ob es eine Razzia braucht. Er war es, der den

aus, dass kein Drogenkonsum harmlos ist», sagt sie.

Antrag stellte, die Darkrooms zu schliessen. «Ich

«Aber ich bin für Straffreiheit. Auch bei jemandem,

bin kein Moralapostel», sagt er. «Aber ein Wirt ver-

der schwere Drogen nimmt. Für mich stellt sich nicht

pflichtet sich, in seinem Lokal für die Einhaltung der

die Frage, ob sich jemand, der Drogen nimmt, schul-

Ordnung und der guten Sitten zu sorgen. So steht

dig macht. Im Vordergrund steht, dass allenfalls eine

es im Gesetz. Wenn kreuz und quer gebumst wird,

Sucht im Spiel sein könnte. Aber Medikamente oder

dann stimmt es einfach nicht mehr.» Man habe ihm

Alkohol könnten genauso zur Sucht führen.»

die Darkrooms in den meisten Fällen als Chilloutecken verkauft und bewilligen lassen. «Nur, in Hete-

Die ewige Lehrerin

rolokalen kommt es niemandem in den Sinn, seine

Trotzdem muss sie den Gesetzen Nachachtung

sexuellen Triebe auszuleben. Wenn wir das zulassen

verschaffen, kleine Kiffer notfalls von Polizisten

würden, hätten wir mit den Striplokalen 38 neue Bor-

verfolgen lassen. «Das ist überhaupt kein Wider-

delle in der Stadt Zürich.»

spruch», sagt Esther Maurer, und ihre graugrünen Augen blitzen. «Als Politikerin habe ich das Recht,

Mit den Schwulenclubs werde man eine Lösung fin-

mich dafür einzusetzen, dass die Gesetze an die Ak-

den, sagt Hochstrasser. Die Darkrooms erhielten ei-

tualität dieser Gesellschaft angepasst werden, und

nen separaten Eingang, dann gälten sie nicht mehr

als Polizeivorsteherin muss ich den Gesetzen Nach-

als Gastrozone und fielen nicht unter das Gesetz.

achtung verschaffen, die gelten. Ich bin für beides

Und was hat sich verändert in all den Jahren? «Da-

gewählt worden.» Maurer war Französischlehrerin,

mals hatten wir vierzig Lokale, die bis zwei Uhr offen

bevor sie 1998 in die Stadtregierung gewählt wurde.

17


Zur Zeit 1/2009

Es heisst, sie habe von allen Schülern, die zu spät

Und was kommt jetzt?

kamen, Strafaufgaben verlangt. «Die Polizei darf

Letzten Sonntag setzte ich mich morgens um halb

nicht wegschauen», sagt sie jetzt. «Ich kann es nur

neun ins Auto. Die Kirchenglocken lärmten. Ich fuhr

wiederholen: Es gibt keine Dienstanweisung bei der

zum Lotus Club, wo die letzten Partyvögel den Club

Polizei, die besagt, dass ein Verstoss gegen das Be-

verliessen. Ein paar Schwule mit nacktem Oberkör-

täubungsmittelgesetz nicht mehr rapportiert wird.

per waren am Aufräumen. Der Club war in Rot und

Das wäre polizeiliche Willkür, und ich möchte nicht

Schwarz gehalten. Johann Sollberger zeigte mir den

in einer Stadt leben, in der die Polizei die Gesetze

Darkroom, der mit einem Gitter verschlossen war.

selber definiert.»

Die Wirtschaftspolizei sei dagewesen und habe ihm erklärt, dass er eine neue Decke und eine Wand ein-

Es stimme übrigens nicht, sagt Maurer, dass in Zü-

ziehen müsse, um den Darkroom vom Club abzutren-

rich eine Trendumkehr stattfinde. Aber man habe

nen. «Aber dann geht der Charme verloren», sagte

vor etwa drei Jahren die Situation um die Clubs als

Sollberger, «und die Leute, die in den Darkroom ge-

neuen Schwerpunkt bestimmt. Dann breitet sie Pa-

hen, werden noch mehr ausgeschlossen.»

pier auf ihrem Schreibtisch aus. Lauter Grafiken. Er spricht mit französischem Akzent, vor sieben JahEs geht um Lärmzunahme, Verkehr und Gewalt im

ren kam er nach der Matur nach Zürich. Inzwischen

Kreis 5. Alle Kurven schiessen nach oben. So sei man

hätten die Leute langsam genug von den Razzien,

auch auf die Darkrooms gestossen. Was sie von de-

sagte er. E s k ä m e n a u c h i m m e r we ni ge r, un d sie g i n g e n fr ü he r n a c h H a us e . O d er a n d e n S e e o der

nen halte, mag sie nicht sagen. Lieber macht sie ein Wortspiel. Sagt man «schwule Praktiken» oder «schwule Praxen?», fragt sie ihren Mediensprecher. Er weiss es auch nicht. «Ich weiss, dass Sie gerne eine negative Beurteilung über Schwule in Darkrooms von mir hören würden», sagt sie im zweiten Anlauf. «Aber ich urteile nicht über Menschen.»

i n d e n W a l d , u m il l e g a

l e A f t e r h o ur p a r t y s z u fe ie r n .

er Kr is e wa r, ha t man uns « A ls d ie W i r t s c h a f t i n d

die Be willi gun ge n na chg esc h m i s s e n , w i r h a b e n j a auch br a v S t e u e r n b e z a h l t . J e t z t g e h t e s d e r W i r t -

s c h a f t z u g u t. J et z t m a ch e n s ie d i e S t a d t s a u b e r.» Man kann jetzt versuchen, sie auf die heikle Gratwanderung anzusprechen, die Zürich wagen muss, auf den schwierigen Gang zwischen der Attraktivi-

«Es ist Zeit für einen Generationenwechsel», hatte Y ve s Sp in k v o n d er L on gs tr ee t B a r n o c h l ei c h t

tät als Stadt und der Kleinlichkeit von Gesetzen, die selbst in ihren Augen veraltet sind. Man kann Esther

re s i g ni e r t g e s a g t . « I c h w ar te d ar au f, da ss junge

Maurer erklären, wie sehr das Clubleben die Stadt verändert hat. Es hat keinen Zweck. «Und jetzt wollen Sie, dass ich dieselbe Gratwanderung mache? Ich bin Polizeivorsteherin und nicht Clubbetreiberin. Ich mache mir nicht die Illusion einer drogenfreien Gesellschaft. Das war nie meine Zielsetzung, weil ich grundsätzlich nicht zu Naivität neige. Aber es ist im Interesse aller, die in einen Club gehen, dass der Drogenkonsum in einem Rahmen gehalten wird, dass man ihn nicht wahrnimmt.» Im übrigen arbeite sie an einem Konzept, wie die Nachtstadt Zürich aussehen soll. Dass Zürich in der internationalen Szene «A-Klasse» sei, wisse sie. Und der Stadtrat habe sich dafür ausgesprochen, Zürich weiterhin als Nachtstadt zu positionieren. Dann 18

steht sie auf und streckt mir die Hand entgegen.

Le ute ihr e ei gen e K ultu r e t a b l i e r e n . » W a s d a s

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weiss es

nicht, würd

e es aber gern e w i s s e n . D a n n k ö n n t e i c h e i n e M e n g e G e l d verdienen.»



sodelig