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Zur zeit zu zürich Magazin für Zürich 1/2009 www.zettzett.ch CHF 8.–


Inhalt 06 Omas Nippes werden entstaubt Zu einer Ausstellung im Museum Bellerive. 08 Zwischen Z체rich und Baden ist eine Stadt entstanden von Helene Arnet 16 Die Party ist vorbei von Mikl처s Gimes 24 Kino: Ein Tag am Meer 32 Krise beim Tagesanzeiger von Alex H채mmerli 46 Schummelk채se von Angela Barandun

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Editorial Zürich bietet weltweit die beste Lebensqualität. Das behaupten nicht die Zürcher selbst - das geht aus einer Studie von Mercer hervor, des grössten Consultingunternehmens der Welt, das jedes Jahr Ranglisten erstellt. Seit mehreren Jahren steht Zürich hier auf Platz eins. Was Zürich so lebens- und erlebenswert macht, sind das grosse Freizeitangebot und die privilegierte Lage am herrlichen Zürichsee, eingebettet in grüne Hügel. Es sind die ausgedehnten Fussgängerzonen und Grünflächen, die Strassencafes, die Altstadtgassen, die vielen jungen Designerläden, die Boutiquen der grossen Modelabels. Dank der hippen Club- und Loungeszene in den neuen Stadtvierteln sowie der jährlichen Streetparade gilt Zürich für viele als Europas Partystadt schlechthin. Der 1. Mai – der Tag der Arbeit – ist in Zürich die grösste Mai-Demonstration in der Schweiz. Zehntausende nehmen jeweils am Fest und am Umzug teil. Seit die Gastwirtschaftsgesetze Ende der 1990er-Jahre gelockert wurden, ist eine junge, stetig wechselnde Gastroszene mit Restaurants, Bars und Clubs entstanden. Ob das in Zukunft auch so bleiben wird, und was sich vielleicht schon zu ändern beginnt, damit beschäftigen wir uns in diesem Heft. In der Vergangenheit wurde Zürich vor allem der Politik der umliegenden Länder wegen häufig zur Wahlheimat grosser Persönlichkeiten. Thomas Mann wohnte hier (bzw. im nahen Kilchberg), Bertolt Brecht und Richard Wagner, James Joyce, C.G. Jung, Georg Büchner sowie Wiadimir lljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin. Zürichs Liste von weltbekannten, brillanten Köpfen Schweizer Provenienz ist ebenfalls beeindruckend. Dazu gehören z.B. Gottfried Keller und Max Frisch oder die konstruktiven Künstler Max Bill und Richard Paul Lohse. Auch heute leben in und um Zürich viele Künstler, Showgrössen und sonstige VIPS, die man eher in Paris oder New York erwarten würde, so die Rocklegende Tina Turner und der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava. Heute machen viele internationale Fachkräfte in Schweizer Unternehmen Zürichs Bevölkerung zu einer polyglotten Gesellschaft. Fast jeder vierte Einwohner stammt heute aus dem Ausland. Brasilianische Bars, englische Clubs und japanische Spitzenrestaurants sind deshalb selbstverständlich. Zürichs Einwohnerzahl wächst und das hat Folgen. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. Wie die Stadt versucht, das Problem zu lösen, zeigen wir an aktuellen Beispielen.

Ihr Georg Hübele

impressum Lenisi et lam aut la adionulla faccum zzrit dolutpatum volesto do corem il elit, sustion sequat lan ute doluptat, quam iurerilla alisi exer iuscillam dolobore magnis at dolesting et, corperat, suscill uptatie dolenit augiam zzril dolorero eugue dolenim quat volore diatum elit, volenim ing exeriure dolorem vendip enibh eugue feu facinci llaorting esecte dip eu feugiat. Hent iureet autatum ea con hendiat utat. Putat, quat. Dui tat. An hendreet utem in hent et laore conse ea auguer autate te doluptatem.


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Die Party ist vorbei Zürich gilt als eine der liberalsten Städte der Welt. Wie lange noch?

Am 3. April 2005, Sonntagmorgen um halb neun,

des öffentlichen Lebens. Eine Band spielte, es wurde

stürmten Polizisten einen Lagerschuppen an der

getrunken und gekifft. Niemand dachte sich etwas

Zürcher Geroldstrasse. Der Polizei angehängt hatte

dabei. So lief das damals in Zürich, kein Wunder, war

sich ein Team von TeleZüri. Die unangemeldeten Be-

die Schliessung des SpiderGalaxy für viele eine erste

sucher trafen auf etwa hundert Nachtschwärmer, die

Irritation.

vor sich hin tanzten oder an der Bar herumstanden. Drogen aller Art wurden sichergestellt. Der Club wurde

Seither reisst die Serie der Razzien nicht mehr ab.

geschlossen. Die Razzia galt dem SpiderGalaxy, dem

Es ist, als ob die Zürcher Regierung plötzlich Angst

Club, wo die Party nie aufhörte. Es soll Leute gegeben

gekriegt hat vor dem eigenen Mut zur Toleranz. Jetzt

haben, die ihr Wochenende im Spider durchfeierten

ist wieder Kontrolle angesagt. Erste Opfer der neuen

und erst am Montag wieder ans Licht taumelten. Ich

Gangart waren das Q, die Dachkantine, die Longstreet

mochte den Club. Er war nicht elitär. Seine Besucher

Bar. Razzien gab es auch im Mai dieses Jahres in den

wollten einfach in Ruhe gelassen werden. Es war ein

Clubs Zukunft und Hive, die beide eher zur alterna-

nächtliches Gemisch von thailändischen Transvesti-

tiven Szene gehören. An beiden Orten wurden mi-

ten, einsam tanzenden Schönheiten, versponnenen

nimale Drogenmengen beschlagnahmt, vor ein paar

Akademikern, verlorenen Grossstadtfiguren.

Jahren noch wären solche Aktionen selbst von Polizisten belächelt worden.

Im Rückblick scheint mir, sei damals eine Epoche zu Ende gegangen. Dass die Polizei ein Lokal schliesst,

Dazu kam im Frühling die Diskussion um die Dar-

weil Drogen im Spiel sind, erinnerte an die vernagel-

krooms. 2006 war der Darkroom der Magnus Bar

te Nulltoleranz der Sechzigerjahre. «Es gibt keine

geschlossen worden, später wurde die Wildsaubar

rechtsfreien Räume», lautete damals die Doktrin in

im Niederdorf gebüsst, weil sie gegen die guten Sit-

einer vom Geiste Zwinglis regierten Stadt. «Die Jun-

ten verstiess. Die Schwulenbar war bekannt dafür,

gen sollen nicht meinen, sie könnten machen, was

«dass hinter der Theke ziemlich hemmungslos ge-

sie wollen», war so ein Satz, den man häufig hör-

vögelt wurde», sagt ein Besucher. Aber Darkrooms,

te. Doch die Zeiten haben sich geändert. Eine Reihe

wo Homosexuelle in der Dunkelheit anonymen Sex

von Jugendbewegungen und die Raver haben Spuren

haben, gibt es in Zürich seit zwanzig Jahren. Das hat

hinterlassen.

noch niemanden gestört. Damit aber nicht genug. Nach einer Razzia wurde der bei Schwulen beliebte

Zürich entwickelte sich in den Neunzigerjahren zu

Club Labitzke vorübergehend geschlossen. Gleich

einer Stadt, wo gefeiert wird, und die Polizei wegen

dichtgemacht wurde das Labyrinth, eine Gay-Disco,

eines Joints oder paar Ecstasypillen kein Aufhebens

nachdem der Besitzer beim Abpacken von Drogen

macht. Ich erinnere mich an ein Fest der «Weltwo-

erwischt worden war. Innerhalb eines Jahres hat Zü-

che» um 1995 herum, in einem sehr angesagten Zür-

rich es geschafft, die Schwulenszene in die Defensi-

cher Lokal. Unter den Gästen waren einige Figuren

ve zu drängen.

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Ende Mai organisierte die SP der Stadt Zürich eine Diskussion mit Polizeichefin Maurer im Volkshaus. Die Schliessung der Darkrooms und der Schwulenclubs hatte politisch Staub aufgewirbelt. Es sassen vor allem Homosexuelle im Publikum. Maurer versuchte der Homo-Szene klar zu machen, dass sie zu einer Lösung Hand biete, die beide Seiten berücksichtige, die Schwulen und das Gesetz. Maurer machte auf Ich-habe-kein-Problem-mit-Schwulen-aber. Ihre Zuhörer stigmatisierten sich als Opfer. Am Ende gab es keine Einigung. «Sie ist nicht gut angekommen», erzählt Sigi Gübeli, die einen Schwulenclub in der Altstadt betreibt. Maurer sagte am Schluss der Veranstaltung, sie fühle sich unwohl. Und: «Ich bin es nicht gewohnt, dass man mir nicht zuhört.»

Polizisten überall Nicht nur in der linksalternativen Szene wurde die Zürcher Polizei diesen Frühling Stadtgespräch. Ein Film des italienischen Meisterregisseurs Pasolini 10

wurde beschlagnahmt. Ein paar Restaurants wurden


behelligt, weil sie statt Gartenstühle ein paar Sofas

Der aus der Alternativkultur stammende Bar- und

auf die Strasse gestellt hatten. Kürzlich seien zwei

Clubunternehmer Eric Blass machte ebenfalls nega-

junge Leute vor seinem Club verzeigt worden, weil

tive Erfahrungen mit der bürokratischen Sturheit der

sie einen Joint rauchten, erzählt Nicola Schneider, der

Polizeichefin. In einem Leserbrief an die NZZ schrieb

Mitinhaber des Hive. Die Polizisten hätten die beiden

er, man könne von ihm aus alles wählen, nur nicht

vom Streifenwagen aus erspäht. Er habe sich einmi-

die SP.

schen wollen, sei aber weggeschickt worden. Natürlich, man kann über solch kleine Geschichten Rund ums Seebecken patrouilliert die Zürcher Poli-

lachen, lauter Luxusprobleme. Doch diese Vorfälle

zei fast so häufig wie die irakische in Bagdads grüner

zeigen exemplarisch auf, wie die Stadt Zürich ge-

Zone. In Dreiertrupps spazieren Polizisten breitbeinig

genwärtig tickt. Es geht um mehr als um Darkrooms,

und mit kugelsicherer Weste über die Badewiesen,

Drogen und Sofagrössen. An den grösseren und klei-

durchwühlen mit latexbehandschuhten Finger Hand-

neren Konflikten zeigt sich der Gegensatz zwischen

taschen, lassen junge Leute, die nicht aussehen, als

der sozialdemokratischen Sehnsucht nach Gemein-

wären sie Studenten eines Innerschweizer Pries-

sinn, die sich in Kontrolleifer ausdrückt, und der

terseminars, ihre Hosentaschen leeren, umzingeln

freiheitlich- individualistischen Lebenshaltung einer

ältere Damen, die ihre hundertjährigen Dackel nicht

neuen Generation. Es geht am Ende auch um mehr

an der Leine haben, stoppen Velofahrer, die sich im

als um die Sturheit von Frau Maurer. Steuert Zürich

Schritttempo durch die Menge bewegen.

nach den langen Partyjahren einem neuen Zwinglianismus entgegen? Selbst bürgerlich denkende Men-

Auch der Komiker Viktor Giacobbo hat letztes Jahr

schen fragen sich inzwischen, was in Zürich los ist.

Erfahrungen mit Esther Maurers Truppe gemacht. Als er mit dem Circus Knie in Zürich gastierte, wären

Dabei steht einiges auf dem Spiel. In Sachen Mu-

sie nach dem Erfolg gern ein paar Tage länger geblie-

sikclubs kann Zürich mit der europäischen Spitze

ben. Doch Esther Maurer habe abgelehnt. «Die Wiese

mithalten. Die Street Parade ist eine touristische

wäre frei gewesen», sagte Giacobbo. «Nach uns war

Trumpfkarte. Und der Verkehrsverein verkauft Zü-

niemand gebucht. Die Stadt hätte Miete kassiert, das

rich noch so gerne als Homo-Stadt. Aber vielleicht

heisst zehn Prozent der Billetteinnahmen. Ich glau-

ist alles Bluff, und es gibt zwei Zürich. Ein liberales,

be, so etwas nennt man eine Win-win-Situation.»

tolerantes, weltoffenes Zürich, das sich bezüglich

Aber Maurer habe sich auf eine Verordnung berufen,

dieser Werte problemlos mit Städten wie London,

dass niemand länger als einen Monat die Sechseläu-

New York oder Berlin messen kann, und eines, das

tenwiese benutzen dürfe. Die Bewilligung für eine

sich sehnt nach der kontrollierten Langeweile einer

zusätzliche Vorstellung am heiligen Pfingstsonntag

früheren Zeitrechnung.

habe der Zirkus dann übrigens von Regierungsrätin Rita Furrer erhalten, kantonale Volkswirtschaftsdi-

Doch die Geschichte ist eine andere. Denn dass es

rektion, erzählt Giacobbo. «Manchmal sind die Bür-

Konflikte gibt, überrascht nicht. In einer noch unver-

gerlichen unkomplizierter.»

öffentlichten Studie hat das Polizeidepartement seit 2003 einen steilen Anstieg der Vergehen in ZürichWest festgestellt. Die makellose und gehegte Form von Urbanität, die sich in Zürich lange Zeit ausgebreitet hat, stösst offenbar am Wochenende an ihre Grenze, die internationale Hipness der Stadt hat ihren Preis, wenn die Jugend aus dem ganzen S-BahnBereich anrückt. Drogen und Sex gehören zum Geschäft der modernen Stadt. Sex and Drugs and Rock ‘n’ Roll ist die urbane Mehrwertmaschine geworden. Doch wie soll sich der Staat im neuen Markt verhalten? Zuschauen? Eingreifen? Man kann das Clubleben nicht regeln und organisieren wie einen Triathlon

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oder die Street Parade. Es ist ein Problem, das jede

aus. Sie toben sich aus.» «Die Leute wollen die Sau

aufstrebende Stadt früher oder später mal hat. Dann

rauslassen», sagt Michi Vollenweider. «Sie wollen sau-

muss sie sich entscheiden: Will man eine fein auf-

fen, sie wollen Drogen, da kannst du nichts machen.

geräumte, aber langweilige Edelboutique sein, oder

Das ist Zürich.»

doch lieber ein lebendiger Organismus? Ein Netz von coolen Lokalen überzieht die Stadt.

Clubstadt Zürich

Clubs, Bars, Restaurants, eine neue Unternehmer-

Clubtour an einem Samstag im Juni. Es ist ein nächtli-

schicht hat sich längst etabliert. Mit wem man auch

cher Ausflug durch sämtliche Gesellschaftsschichten

immer redet, vom Baur au Lac bis ZürichWest, wird

und Lebensstile. Von der aufgekratzten Champag-

einem bestätigt, dass es immer mehr Menschen in

nerstimmung im Fünfsternhotel Baur au Lac bis nach

dieser Stadt hat, die genug Geld haben, um sich in

Zürich-West, zur Apotheose des Partylebens auf dem

ihrer kurz bemessenen Freizeit hochprozentig zu

Maag Areal. Hier veranstaltet der nomadisierende

amüsieren. Gut vierzig Clubs gibt es in Zürich. Die-

Partyorganisator Cityfox seinen monatlichen Anlass.

se Konzentration auf engstem Raum ist europäische

Cityfox gilt als heiss. Eine Fabrikhalle, ein paar DJs,

Spitze.

mehr nicht. Keine Aufgeilerei auf der Bühne, nur gute Musik. Tausend Menschen in Trance: Woher kommen

Comeback des Alkohols

sie? Aus den Vorstädten vermutlich und aus dem na-

«Zürich war bis vor Kurzem die Nummer eins», sagt

menlosen Mittelland. Wenn ich längst zu Hause bin,

Johann Sollberger, der den Lotus Club in einem ehe-

werden sie über das Fabrikgelände torkeln, während

maligen Pneulager in Zürich-West betreibt. «Ich war

in der Halle nebenan die Gläubigen einer Freikirche

an vielen Orten, aber diese Offenheit, diese Libera-

bereits Jesus feiern.

lität, das habe ich nirgends angetroffen. Zürich war ein Magnet, die Leute kamen von überallher.» Und

Übers Wochenende ist die Stadt wie verwandelt. An

der liberale Umgang mit Drogen trug dazu bei. Bis zu

der Bahnhofstrasse vor dem Saint Germain stehen

einem bestimmten Mass gehören Drogen zum Club-

die Teenager von der Goldküste und warten auf Jus-

leben. Wer glaubt, es ginge ohne, ist naiv.

tin Timberlake, der nach seinem Konzert hier auftauchen soll. Im Kaufleuten sind die schönen Mädchen

«Kein Club ist harmlos. Ausser du gehst in die Kinder-

und die scharfen Typen der zweiten Generation auf

disco», sagt Yves Spink, Mitbesitzer der Longstreet

Brautschau. Das ist Integration! Ihre Eltern kamen

Bar. Droge Nummer eins zurzeit sei Alkohol, sagt

aus dem Balkan, aus Spanien und Italien. Der Saal

Alex Bücheli. Er hat sich in der Partywelt Respekt er-

wogt auf und ab, auf der Bühne wird animiert. Im Club

worben, weil er im Rahmen seiner Arbeit als Street-

namens Zukunft drüben im Kreis 4 sind die Leute älter

worker die Clubgänger über Drogenrisiken aufklärt

und geben sich locker. Im Indochine wird auf verruchte

und mit seinem mobilen Labor den Stoff auf seine

Kolonialromantik gemacht. Im Keller hat es eine VIP-

Zusammensetzung testet. Die analysierten Pil-

Lounge, es wird geküsst und gefummelt. Plötzlich ruft

len sind illegal, aber die Polizei lässt ihn gewähren.

der DJ: «Timbaland is in the house», und alle stürzen

Bücheli ist die lebendige Verkörperung des Wider-

sich auf die Tanzfläche. Im Hive an der Geroldstrasse

spruchs der Partystadt Zürich: Er ist vom Sozialde-

wird einfach getanzt, und spätestens jetzt, morgens

partement bezahlt, steht gleichzeitig auf der Seite

um fünf, wird einem bewusst, dass der Rhythmus

der Partygänger, ist aber auch ein bisschen Vertreter

die ganze Stadt erfasst hat. 50 000 junge Menschen

der Staatsmacht.

kommen jeden Samstag nach Zürich-West. Wie erklärt er sich das Comeback des Alkohols? «Die

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«Zürich ist die geilste Stadt auf dem Planeten», sagt

Leute fühlen sich sicherer», sagt Bücheli, «und es

Dragan Vojnovic, Mitinhaber des Bling, eines neu er-

gibt keine Repression.» Dennoch sieht er keinen Zu-

öffneten Clubs im Kreis 4, und Betreiber der Bar im

sammenhang mit der härteren Gangart der Polizei

Flussbad Oberer Letten. «Die Menschen stehen unter

gegen Pillen und Kokain. Der Konsum illegaler Drogen

Druck. Sie verdienen zwar viel Geld, aber sie müssen

in der Bevölkerung sei seiner Meinung nach konstant.

etwas leisten dafür. Im Ausgang geben sie das Geld

Was sich verändert habe, seien die Substanzen und


ain w e r d e nu n m a l e in f a c e rn . E s i s t di e p r a g m at i s c h P la t z i n d e r G e s e l l s c ha f t h a e r K o k a in w erde n u n m a l v er h i n d e rn . E s i s t d i e p r a g m e rh a f t e n P l a t z in d e r G e s e l l Pr e i s . A b e r K o k a i n w e r d e n eA ic h t v e r h i n d er n . E s i s t d i e p rh a f e n P l a t z i n d e r G e s e l l sc b errn K o k i n w e r d e n u nab m al e n d e . E s i s t d i p r a g m t i s c h t z i n d e r G e s e l l s c h a f t h a en w wheecaeihpfnrtrdakeehgroam nnbu n m a l e in f a c h k o n s u m a t i s c h e H a l t u n g e i n er G e e n w i l l . D i e F r a g e i s t n u r , u s u m i e r t , d a s l a s s e s i c h n i c h t G e n e r a t io n , d i e e i n e n d a u e r h u r , u m w e l c h e n P re i s . A b e r K o k a i s o l e i c h t v e r h i n d e r n . E s i s t d i e p r a g P l at z i n d er G esseml el siiecnrh a f t halrb e n wn i l l . nhe m a l e f a c t , d a s s e s c h i n e r G e n e e n d h a f t e P e P r e i s . A w e r d e n m a l i n f a d i e p r a g m n g e i n e n e r at i o n , F r a g e i s t P r e i s . o k a i n w e n d e r n . E h e H i n e r G e D i F r a g P k a i n w e d e r n . E s e n e r a t e i s t n u r , e d e n u n pw rie a g m e in , fd i echein e eennd P r e i s . m a k o n g i n e r a u e r h a f t e n P l a e r d e u m i e r t , d a s l a s s e e i n e n d G e s e l l s c h a f t ke o n s u m i ee t F l eria c h t v e r h i n d n d e r G e s D g e i s t n u r , s o l i c h t v e ie prra g m a t i s c h e H a i s t n u r , um b e K o k a i n w r d e H a l t u n e i n e d i e e i n e n d a u e r h a f d e n utn m l e in f rb t , d a s l a s s e s i c h n P l a z i n e r G h a f t a e n w i l l . D i e F cnHa h t sslottln e tuvm e r h . E s eitsd i e p r a g m a tia in su g e i u w e l e n P . A b e r K o k a u e i n e r G n e r a t o n , d i e e i n e n d un m l e i n f a c hsckhoanf tsuhm i e r t , d a s l a s s e s tz i n r G e s e l l a b e n w i l l . D i e F r v erh i n d.Aeb r n . E s i s t d i e p m a t i s c h e H a l t n P r e i s e r K o k a i n w e n u n m a l e i n ine n d a u e r h a f t e n P l a t z i d e r G e se l l s c h ch t s o le i c h t v e r h i n d e r n .i nE s i s t d i e p r a g w el c h e n P r e i s . A b e r K o k a w e r d e n u n m e n d aK f tw e n P l a t z i n dm eire G eiansg efm l l s c hso ac f t l ei c h t uveerrahhia i n d e r n . E s s t d p r a t i h A b e r n e r d e n u n a l e a c h k n a t z i n G e s e l l s c h a f t h a b e n w i l l . D i e F sh t d gkmoa t iusiscm h e H a l t u ngl aw esis n e rh G e m a l e ii n s i e r t , d a s e s i c h n nce w i l F r a ge t n u r , u m e l c e n P r G i o n , d i e e i n e n d a u e r h a f t e n P n i ic h t v e r h i n d e r n . E s i s t d i e ra e i s . a i n w d e n u n m a l e i n f a cgi ih,deetndrnisaGdcs hieaaocifbhknteatenhirsnaowG bw n w i l l . D i e F r a e n e r a t i o n , d i e e l i c h t v e r h i n d e e r d e n u n m a l i l l . D i e F r a g e anl tcuhngs tdi oen , d i e e i n e n d a u e nho.en E s s t d i e p r e cehlrck s u m i e r t , d w n P r e s . A b d Gee elelsncehraatfito h ae geerin r sG

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tl v e rnuh i n e e i n f a c h n t n r , m dseae atlP i a s i s l e i n i e nialn esle.durlD G e a s s h t ra,s u e n t i D e i n e n s s i c h n i c w i i F r a g e i g m a t i s h e H a l K o k i n w r d e n ie e i n e n d a u e r h oentrw s u els i e r t , d a s l l s c h a f t e i c h t v e r m . D i F r a g n eFe.rr tsE s t d i e a lt lt n u u m i s . A i s d i e p h e e i s t n u r l c h P r deD e r . E s i s t m i s c F r a ge i w e i c t v e r h i n i s e a f t h ab e n w r i s e s c h n i c h e r h d la d e r h o n s m i c n i n n d a u e i n d e u n m n e ire n n e n i . K n ah s a l e l c e r i s t a i l l . s l i c h i er Plnatz

in uAber n rum G e che H w n. Es ben w asse s haften

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die Clubkultur. «Es wird in den Clubs kaum noch ge-

Noch herrschen zum Glück keine englischen Zustän-

dealt.» Umso absurder erscheint ihm die Diskussion

de in Zürich, auch wenn die Geschichte der Zürcher

über die Probleme des Nachtlebens. Die Gesellschaft

Clubkultur durchaus englisch inspiriert ist. Die ers-

werde vielleicht allgemein konservativer. Begründen

ten Clubs eröffnete der Zürcher Linksaktivist Koni

kann er das nicht, das sei so ein «diffuses Gefühl»,

Frey, die Kanzleiturnhalle und das UG, das später

sagt er, und schaut durch seine dicke Brille. Was er

auf Hive umgetauft wurde. 1992 stieg der ehema-

nicht ganz begreife, sei das Vorgehen gegen Kiffer.

lige Boutiquenbesitzer und Gastronom Fredi Müller

«Ich sage nicht, Cannabis ist unbedenklich, aber Kiffer

mit dem Kaufleuten ins Geschäft ein. Gleichzeitig

sind selten an Gewalttaten beteiligt. Darum ist wäh-

blühten unzählige illegale Bars und Partys, die von

rend der Fussball-EM in Portugal Cannabis für einige

der Polizei meist in Ruhe gelassen wurden, solange

Wochen sozusagen legalisiert worden», sagt er. «Der

keine Reklamationen wegen Lärms eingingen.

Stoff wirkt dämpfend.» Alkohol habe ein grösseres Aggressionspotenzial, besonders in der Kombination

Mit dem neuen Gastgewerbegesetz wechselten die

mit Kokain. In Manchester etwa würden am Sams-

Könige der illegalen Partys ins legale Clubgeschäft.

tagabend sogar die Warteschlangen der Taxis von

«Seit der Liberalisierung des Wirtschaftsgesetzes

Polizisten bewacht, damit es nicht zu Schlägereien

haben wir einen Schritt zurück gemacht», sagt

kommt, weil die Leute so betrunken seien. «Es gibt

überraschend Yves Spink von der Longstreet Bar.

dort extrem viele Kontrollen, aber die Menschen pas-

Begründen mag er das nicht. «Es ist so ein Gefühl,

sen sich an.» Was dort laufe, könne ein mögliches Zu-

ich kann es nicht genau in Worte fassen.»

kunftsszenario für Zürich sein, sagt er. Das ist zwar ein mutiger Gedanke, aber trotzdem nicht viel mehr als die typische Sehnsucht von beinahe im Establishment Angekommenen nach den rebellischen Gründerjahren. Schliesslich war für Zürich das Ende der Planwirtschaft im Gastgewerbe eine unerhörte Befreiung. Seit 1997 ist die Zahl der Gaststätten von 900 auf 2000 angestiegen; 600 Betriebe sind auch in der Nacht geöffnet, früher waren es 40.

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Gratiswerbung für die Stadt

Tatsächlich hat die Stadt Zürich einem wie ihm und

Die Dynamik hält weiter an. Jeden Tag geht eine neue

vielen anderen Clubbetreibern sicherlich mehr zu

Bar auf, eine Lounge, ein Club, ein trendiges Restau-

verdanken als den lustigen Kühen und Bären der

rant. Die jungen Unternehmer stossen ins traditio-

Marketingorganisation Zürich Tourismus. Spink &

nelle Rotlichtviertel um die Langstrasse vor, und am

Co. haben die Stadt auf den dichten Flugplan der

See werden veraltete Discos zu Clubs umfunktioniert.

Global Class gesetzt. Natürlich geht es in erster Li-

Nicht alle Pioniere bleiben allerdings dabei. Thomas

nie um Geldverdienen, das mindert ihre Verdienste

Gilgen von der legendären Dachkantine ist aus dem

aber keineswegs. «Wir werden mit Clubs und Bars

Clubgeschäft ausgestiegen. Er hat seinen Laden ge-

nicht die Welt revolutionieren», sagt Yves Spink,

schlossen und will ein Internetradio aufbauen. Für

«wir wollen auch nicht sämtliche Drogen liberali-

Gilgen hat die Clubbewegung ihren Höhepunkt über-

sieren.» Aber Kokain werde nun mal einfach konsu-

schritten. Kreative Leute wanderten nach Berlin ab,

miert, das lasse sich nicht so leicht verhindern. Es

sagt er, wo das Leben billiger sei. Yves Spink führt

ist die pragmatische Haltung einer Generation, die

zwei Bars und studiert an neuen Projekten herum.

einen dauerhaften Platz in der Gesellschaft haben

Er ist eben von den Malediven zurückgekehrt. Braun

will. Die Frage ist nur, um welchen Preis.

gebrannt und in Shorts. «Ja, das Klima ist repressiver geworden», sagt er. Die letzte Razzia hat seine Bar

Um den Regeln der Gesellschaft zu entsprechen, ha-

erlebt, während er im Indischen Ozean surfte.

ben die Clubunternehmer schon einiges unternommen. Es gibt Clubs, die lassen keine Betrunkenen

Er fragt sich, wann der Moment kommt, da es die Leu-

herein oder Leute, die schwer auf Drogen sind. Die

te nicht mehr lustig finden, ihre Taschen zu kehren.

Politik der Clubbetreiber ist: keine Dealer im Club,

«Ich weiss nicht, wie lange ich mir das antun will»,

kein offener Drogenkonsum. Wer erwischt wird,

sagt er. Ein paar Tausend Nächte stecken in seinen

muss mit einer Verwarnung rechnen oder mit einem

Knochen. Jetzt will er nicht mehr unbedingt an der

Hausverbot. Dealer werden verjagt oder der Polizei

Front sein. «Ich suche mir einen jungen Geschäfts-

ausgeliefert. Die Clubbetreiber investieren in Lärm-

führer und mache Ferien.» Das hat Spink schon ein

schutz, in Lüftungen, in Rausschmeisser. Aber ihr

paar Mal gesagt, das Kokettieren mit dem Ausstieg

grösstes Kapital ist ihre Glaubwürdigkeit, die sie in

gehört zum Image.

der Szene erworben haben. Ihre Coolness. Die Stadt, die sich gern mit ihrem Partyimage brüstet, hat keine Ahnung, was es bedeutet, einen Club zu betreiben. Im Konflikt zwischen Clubs und Polizei geht es im Grunde auch um das Verhältnis zwischen Privatwirtschaft und dem Staat. Es geht um die Frage der Autonomie. Wie viel Freiheit der Staat den Clubs zu gewähren bereit ist, wie viel Vertrauen er hat.

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st sen o ,hdäuurfci gh wwüi ehldi em i riat kl a i sc hxebei n Bnadgsdca dushtgen r üner Zon e . aInndD es en te h a h F in ge r H rdP r iseisctherim sem i nhr ari tst,t ei m h rpeoHdu orscehntdaisec hMee nnle erbew en, eugmen. z inRguen l nd ä i e S c g e grFüinnegr eZr on ea.nIdntaDscr e ieenr,t rl u pspesn sjpuanzi erLeenuP o,liz i st e n b rt eai tubsesi en H h a s g e t e d ie n i c h ebne,wuem zni n.R ge l nd äl tesr eSeDeabm e n ,end ipeaitrho re hl luier n dt edie r tj ähr irgch eneD aPck g e u n um e c k u i Z ü r o z i s t e n b r e i t be i ni g u n d m i t k u g e l s i c h e r e r W e s t e ü b e r d i e B dit ej änh irci ghet nauDsse he nl ,nai cl shtwaänr ednesr i e Sitnud ehnatbe enne, in eospIpnenneV r seclh er a c k e L e e s t t deiset eZüürb ecrhdeirePBoal idzeewi ifeasset ns,odhuär ucfhi gw üwhi el edni emiirtakl aitsecxb h eehi nanB eeernrW rl socf h w ei z,edr i ePrsiiecsht ei rmseS mc ihna rtst,eim h rpeoHdousr cehn tda abdeti eenn,i rsaetkionipsespcheInenne V e a h r e r r i t iannB a ghduht adsen grFün egreZr oHne .nd I nt aDscr e ieenr t, rluaspspesnsjpuan n m i t l a t e x b e h d s c in a h st ,t ei hmrpeoHdousrecnta sicehM e nele er en ,wuem zni n.R geulnndäul tm erseSDeaem ecnk, edni ep h d n ge b e g e b e eLneP oli, zi ste ni cbhrtea i tubsesienhi g u, nd m iätr e knug e l srt e ceihreeerntDr, uam lp aspe ssn, enspdj az ui enigier e u te di e n e n a l s w s i e hrr eouhi ul lni ede r di tj äehZ r iügrecnh D aP ckoe lzneiicfhatstansode rL u m s S e e b e c k e n p at r t e r l i häu u n, da m iw t käruegnelssi chSet ur de er nW e steei nüebserI ndni e B ahdwe ewiizeesren ,r ideusr snaeicg hken l s ie t en e r s c P el znei ci hftasatn sdoehräLue ignewiheadbieen,i rsatkoi p pheeni V eBl oafgah rdesr ,gdr iüens eer BPaoli f i s c n d a e d e w i e s e n , d u r c h w ü hl en m i t l a t e x b e h a n d s c h u h t e n F i n g secl ofa hw heri zeer ,r dPirei essitcehr siemmS i na rrs, it h rmepH odu serncthadsc heMnele er ebne,wuem c h i tt e o i e nge g B a gda d s g r ü n e r Z o ne . I n D r e i e r t r u p p s s p a z i e r e n P o l i z i s t e n sc huhten F i n ger H andtaschen, l assen j un g e L eut e, di e n i ch

le erbeenw,eugm z.in geldnuälter eee Dbaemc e n ,n dpi eati h ruei hl liuer ndt edr ti ej äZ h rüirgc Mnen en ge e n R un m s S k e r o Peo, ldi zi ei snt ei cnhbt r aeuitss beeinig uanlds m i tr eknusgi e l sSitch eer netreW e si nt e üIbnenre u t he n , w ä e u d n e e s uinl l d errttjdäiher Z i güernchDear ck ell i zne i ci hf tasatnsd ehr äLuef ii ne hi eabe n,irsa t okp pcehne V i e P o o g w d i e i s etruedr eW eesnt eeiünbeer d ineerBa dhewweii e serenP, rdi eusrtcehrw üm h ilnenarm i ti hlraet eHxbo S n t s I n sc z s e s , eiign ew ha bde n,i rsat koisc ppehe nV elBoaf a hdraedr ,sdi eüsniecrh Zi m Se. chIrni t D tte mi eprot r ie i e i n g g r o n r e ühm l einn amr si t, lihr ateexb eohsaenndt asschu hte neF i nn,ge rmHzin angdetl a säch en eisccthhewri se H c h e n l e r e u n lt e r m S c h r i t ttem p o d u r c h d i e M e n g e b ew e g e n . R u nd u m eri nZgone . IanndDtas r eie ret rnu, pl p s sepnaz in ergeenLPeoulit ez,i d stie enn b re i tabuesi sne nenrF e r H ch a s s j u i c h t meg z ienng.eln ält uem r esDSa m eec n, kdeine p i harter ohuuin d ert j äh rZi güern D gneePnbo,eluw R und e e b llie rt di e c h i zt ies,tden bnir ei t beaius nig u n d, m ist w ku geenl ssie ich er e rdW etsetne eüi bn e L e u i e c ht se h e n a l ä r S t u e n i e ni hpr eathr ouunidl leier tr jtädi hreigZen D acrkP elon i cehi tf aast n dser Läu eifni eg hwab en ke ü r che l iz o h i e d i t ku g e l s i c h e r e r W e s te über d i e B a d e w i e s e n , du r c h w ü h alnisch w ät raenn dsieer SLteuidne enhteanbeein es Ipnpneenr sVch we i zherrerPr ie stseircshem n , s to e l of a , d i e ole iB z ei f awsit essoenh,äduufirgc w ieühdli eeni rm aki ti slcah exibeh n Baangddsacdhsugr üene a de h w t e h t ne n ne r s ch w e i z e r P r ie s t e r s em i n a r s , i h r e H os e n t a s c h e n l e ppen Vel ofianhB r earg, dd ai ed ssi cghr üinmerScZhorni tet.t eI m po di u rtch di es M e rak i sche n Dr e e r r upp s p nmi mni tars, l at ei hxrbeeH h aonse d snch uschht een F ie nrgeen, rH and tasech en , el a ssD t a n l e u m z i ng ln ä l t r e ch im S cZhorni tet.tIenmp o di eurch dpi se sp M eanzg erebew egl iezni .sRt eunn db r ssch gr ü n e r D r e rt ru p i e n Po hhte nl F i nr g e r, u Hm anzdt a scl nh en ,ela ssDeanmen junge Leeiuhtree, d i en ntdu asu c en e e e n i n ge ält r e , d i hu rcupp h disesMe ni egre b ePwe gzen .Run dr eui tm s Se ebuencdk emni pt at r i ertr p a z en oli i st en b b ei ni g k u ndta secl h eänl,t elar seseDnam j un g,edLi eeui there , dih u enndi c ht ahr usi sgeehneD n ,aacls zi ng n e n e rt jä kc bew e g e n . R u n d u m s Se eb e c k e n pa t r ou i l l i ert d i e Z ü r ren Pol i zi st en b r ei t b ei ni g un d mi t k ugel si cherer We

j unegne, Ld e u ti e , d iheunni d ch t tjäh auss egheenn,Daal sckwä rn en si eaStud Dndam i e hre e r r i e l i c h t nei dfea um s S e e b eck e n p a t r o ui lli e r t di e Z ü r ch e r Po l i z nte, bre ii tebneii cnhi g uunsdseh m ien t k, u gelwsäi ch erseireWest e ütben er ediines eB d t a a ls r e n S tuden hu n d eorut jä h rei rgt edni eDZack elhn i cPhot lai zneder L eso i nehhab bien eiichgkr e e n p a t r i l l i ü rc e r i fast äu fs u n d m i t k u g e ls i c h e r er W e s t e ü b e r di e B a d ewi e a uj säs er h eenn, aDl sac wkäerlenni cshi et S t uddeernLt eeni ne ei nes Ien nners c ucht n d e r t h i g a n h ab , stop pm ati rt okuui ge lli e rit cdhieerer Z üW r cehsetrePo lei z edi i feaBstasdoew häi es uf iegn,widur e dc dse l s ü b r h eenn, al sacwkäerlen ni scihet S tnu d e n te ni n eienheasbIenn, nestop rsc hpwei ze r hr i g D a d e r L e e n V e iul g l ieelrsti ch di e ZerüW rc h er Po l iezreidif as t asdoehwäiuefsi e gnw, ideurdch i ew i ra k e r e ste ü b e B ü h n, a l sD w äkreelnnsi ich eS taunde n t en ei nes Ibnene rsstcohppe w einzer Pof ri ge n a c t d e r L e i n e h a n, Vel r cehsete r Püobl ei zr edi i feaB stasdoew hä usfen i g ,wdi uercdihw e iühl raken is eaellsrsti cwdhäi eere rZ enrüsW i e ie Sat u ddeenrt e nei eniene s In n,ers cohw ei zVeer lPorif aehs D a c k e l n i c h t n L h a b e n st ppen dci heeZr eürr cWheesrt e Po lbi ezred i ifeasBt aso hwäu fsi g w ideudi ehw i rüahkil en schm e i ü de i e e n, rc wä weVi eze Prhirer est, edirseem kelr enincshite aSnt uddeer nLteeinn eeihnaebseInn, nse t orpsc phen l orfa 16


Wie es funktioniert, hat Fredi Müller vorgemacht. Er

waren. Man ging um acht Uhr in den Ausgang, um

setzt mit dem Kaufleuten 25 Millionen um, und er

halb drei war man zu Hause. Heute gehen die Jun-

war eine Generation früher da. Im Kaufleuten gibt

gen um Mitternacht und kommen in den späteren

es keine Razzien. Hier wurde offenbar die Formel

Morgenstunden wieder. Das ist der Unterschied.»

gefunden, wie man als Club in dieser Stadt über die

Hochstrasser ist klein, hat wasserblaue Augen, weis-

Runde kommt, aber selbst diese Sicherheit muss

sblonde Haare und eine Goldkette auf der braunen

immer wieder erkämpft werden. In einem Interview

Haut. Eigentlich sieht er selbst wie ein Clubbetreiber

hat Fredi Müller vor Jahren gestanden, dass er sich

aus – vor dreissig Jahren. Aber er ist Polizist. «Als ich

ab und zu die Nase pudert. Damals war er ein Rebell,

anfing, waren Drogen in den Gastgewerbebetrieben

und er steht dazu. «Es geht um Druck und Gegen-

kein Problem. Wer Drogen nahm, das waren dubiose

druck», sagt er am Telefon. Im Hintergrund hört man

Typen und gehörte zu den Randständigen.

helle Kinderstimmen und das Rauschen des Meeres. Heute findet man Drogen in allen Milieus, unter den «Es gibt Kräfte, die der Partywelt gegenüber nicht

Bankern, überall. Drogen sind heute so normal wie Al-

unbedingt positiv eingestellt sind», sagt er. «Sie mö-

kohol, nur verboten.» Es gälte aber nach wie vor das

gen ihre guten Gründe haben, den Lärm, den Abfall.

Opportunitätsprinzip, sagt er. «Wenn wir einen Kiffer

Ich will nichts Schlechtes über Zürich sagen. Diese

in einer Ecke entdecken, rennen wir in der Regel nicht

Stadt ist wunderbar. Aber sie hat eine Krämerseele.

gleich hin.» über Drogenlegalisierung mag er nicht

Am Ende geht es ums Geld.»

gross nachdenken. «Ich bin bei der Polizei», sagt er und lächelt. «Ich muss die Gesetze befolgen.»

Ordnung und gute Sitten Oberleutnant Hochstrasser, Jahrgang 1951, kam vor

Das sagt auch seine Vorgesetzte, Polizeipräsiden-

32 Jahren aus dem Aargau in die Stadt und landete

tin Esther Maurer. Unter Sozialdemokraten gilt Es-

irgendwann bei der Wirtschaftspolizei, Abteilung Ge-

ther Maurer als liberal. Liberaler als Stadtrat Bobby

werbedelikte. Er kennt sich aus. Er habe früher gern

Neukomm, ihr Vorgänger bei der Polizei, der 1990 die

gezockt, da sei viel betrogen worden. Heute ist Peter

Street Parade verbieten wollte und von aufgeklärten

Hochstrasser Chef seiner Abteilung. Der Mann, der

Parteifreunden umgestimmt werden musste, dar-

die Einhaltung der Gastgewerbegesetze überwacht.

unter Esther Maurer. Sie war auch für eine Freigabe

Er schickt Detektive in die Clubs, die ihm dann mel-

des Drogenkonsums eingetreten. «Ich gehe davon

den, ob es eine Razzia braucht. Er war es, der den

aus, dass kein Drogenkonsum harmlos ist», sagt sie.

Antrag stellte, die Darkrooms zu schliessen. «Ich

«Aber ich bin für Straffreiheit. Auch bei jemandem,

bin kein Moralapostel», sagt er. «Aber ein Wirt ver-

der schwere Drogen nimmt. Für mich stellt sich nicht

pflichtet sich, in seinem Lokal für die Einhaltung der

die Frage, ob sich jemand, der Drogen nimmt, schul-

Ordnung und der guten Sitten zu sorgen. So steht

dig macht. Im Vordergrund steht, dass allenfalls eine

es im Gesetz. Wenn kreuz und quer gebumst wird,

Sucht im Spiel sein könnte. Aber Medikamente oder

dann stimmt es einfach nicht mehr.» Man habe ihm

Alkohol könnten genauso zur Sucht führen.»

die Darkrooms in den meisten Fällen als Chilloutecken verkauft und bewilligen lassen. «Nur, in Hete-

Die ewige Lehrerin

rolokalen kommt es niemandem in den Sinn, seine

Trotzdem muss sie den Gesetzen Nachachtung

sexuellen Triebe auszuleben. Wenn wir das zulassen

verschaffen, kleine Kiffer notfalls von Polizisten

würden, hätten wir mit den Striplokalen 38 neue Bor-

verfolgen lassen. «Das ist überhaupt kein Wider-

delle in der Stadt Zürich.»

spruch», sagt Esther Maurer, und ihre graugrünen Augen blitzen. «Als Politikerin habe ich das Recht,

Mit den Schwulenclubs werde man eine Lösung fin-

mich dafür einzusetzen, dass die Gesetze an die Ak-

den, sagt Hochstrasser. Die Darkrooms erhielten ei-

tualität dieser Gesellschaft angepasst werden, und

nen separaten Eingang, dann gälten sie nicht mehr

als Polizeivorsteherin muss ich den Gesetzen Nach-

als Gastrozone und fielen nicht unter das Gesetz.

achtung verschaffen, die gelten. Ich bin für beides

Und was hat sich verändert in all den Jahren? «Da-

gewählt worden.» Maurer war Französischlehrerin,

mals hatten wir vierzig Lokale, die bis zwei Uhr offen

bevor sie 1998 in die Stadtregierung gewählt wurde.

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Es heisst, sie habe von allen Schülern, die zu spät

Und was kommt jetzt?

kamen, Strafaufgaben verlangt. «Die Polizei darf

Letzten Sonntag setzte ich mich morgens um halb

nicht wegschauen», sagt sie jetzt. «Ich kann es nur

neun ins Auto. Die Kirchenglocken lärmten. Ich fuhr

wiederholen: Es gibt keine Dienstanweisung bei der

zum Lotus Club, wo die letzten Partyvögel den Club

Polizei, die besagt, dass ein Verstoss gegen das Be-

verliessen. Ein paar Schwule mit nacktem Oberkör-

täubungsmittelgesetz nicht mehr rapportiert wird.

per waren am Aufräumen. Der Club war in Rot und

Das wäre polizeiliche Willkür, und ich möchte nicht

Schwarz gehalten. Johann Sollberger zeigte mir den

in einer Stadt leben, in der die Polizei die Gesetze

Darkroom, der mit einem Gitter verschlossen war.

selber definiert.»

Die Wirtschaftspolizei sei dagewesen und habe ihm erklärt, dass er eine neue Decke und eine Wand ein-

Es stimme übrigens nicht, sagt Maurer, dass in Zü-

ziehen müsse, um den Darkroom vom Club abzutren-

rich eine Trendumkehr stattfinde. Aber man habe

nen. «Aber dann geht der Charme verloren», sagte

vor etwa drei Jahren die Situation um die Clubs als

Sollberger, «und die Leute, die in den Darkroom ge-

neuen Schwerpunkt bestimmt. Dann breitet sie Pa-

hen, werden noch mehr ausgeschlossen.»

pier auf ihrem Schreibtisch aus. Lauter Grafiken. Er spricht mit französischem Akzent, vor sieben JahEs geht um Lärmzunahme, Verkehr und Gewalt im

ren kam er nach der Matur nach Zürich. Inzwischen

Kreis 5. Alle Kurven schiessen nach oben. So sei man

hätten die Leute langsam genug von den Razzien,

auch auf die Darkrooms gestossen. Was sie von de-

sagte er. E s k ä m e n a u c h i m m e r we ni ge r, un d sie g i n g e n fr ü he r n a c h H a us e . O d er a n d e n S e e o der i n d e n W a l d , u m il l e g a ie l e A f t e r h o ur p a r t y s z u fe r n .

nen halte, mag sie nicht sagen. Lieber macht sie ein Wortspiel. Sagt man «schwule Praktiken» oder «schwule Praxen?», fragt sie ihren Mediensprecher. Er weiss es auch nicht. «Ich weiss, dass Sie gerne eine negative Beurteilung über Schwule in Darkrooms von mir hören würden», sagt sie im zweiten Anlauf. «Aber ich urteile nicht über Menschen.»

er Kr is e wa r, ha t man uns « A ls d ie W i r t s c h a f t i n d

die Be willi gun ge n na chg esc h m i s s e n , w i r h a b e n j a auch br a v S t e u e r n b e z a h l t . J e t z t g e h t e s d e r W i r t -

s c h a f t z u g u t. J et z t m a ch e n s ie d i e S t a d t s a u b e r.» Man kann jetzt versuchen, sie auf die heikle Gratwanderung anzusprechen, die Zürich wagen muss, auf den schwierigen Gang zwischen der Attraktivi-

«Es ist Zeit für einen Generationenwechsel», hatte Y ve s Sp in k v o n d er L on gs tr ee t B a r n o c h l ei c h t

tät als Stadt und der Kleinlichkeit von Gesetzen, die selbst in ihren Augen veraltet sind. Man kann Esther

re s i g ni e r t g e s a g t . « I c h w ar te d ar au f, da ss junge

Maurer erklären, wie sehr das Clubleben die Stadt verändert hat. Es hat keinen Zweck. «Und jetzt wollen Sie, dass ich dieselbe Gratwanderung mache? Ich bin Polizeivorsteherin und nicht Clubbetreiberin. Ich mache mir nicht die Illusion einer drogenfreien Gesellschaft. Das war nie meine Zielsetzung, weil ich grundsätzlich nicht zu Naivität neige. Aber es ist im Interesse aller, die in einen Club gehen, dass der Drogenkonsum in einem Rahmen gehalten wird, dass man ihn nicht wahrnimmt.» Im übrigen arbeite sie an einem Konzept, wie die Nachtstadt Zürich aussehen soll. Dass Zürich in der internationalen Szene «A-Klasse» sei, wisse sie. Und der Stadtrat habe sich dafür ausgesprochen, Zürich weiterhin als Nachtstadt zu positionieren. Dann 18

steht sie auf und streckt mir die Hand entgegen.

Le ute ihr e ei gen e K ultu r e t a b l i e r e n . » W a s d a s

se in k ö n n t e ? « I c h

weiss es

nicht, würd

e es aber gern e w i s s e n . D a n n k ö n n t e i c h e i n e M e n g e G e l d verdienen.»


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