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TRANSFORMATION OSDORFER BORNS Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung einer Hamburger Großwohnsiedlung

Erschienen im Rahmen des Urban Design Projektes 2 Mai 2012, Hamburg Autoren Emiliya Popova Juan Camilo Maya Urban Design Projekt 2 Prof. Bernd Kniess SS 2010 - WS 2011/2012 Hafen City Universität


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Inhaltsverzeichnis Projektaufbau ________________________________ 04-05 Kapitel I _________________________________________ 07-17

Interesse und Themenfindung Dialog Wahl des Untersuchungsortes Kapitel I _________________________________________ 19-31

Theoretisch-historischer Hintergrund Die Gartenstadt Die Funktionelle Stadt Die gegliederte und aufgelockerte Stadt Urbanität durch Dichte Urbanität durch Dichte im Kontext vorhergegangenen Theorien Großwohnsiedlungen in Hamburg Kapitel III ________________________________________ 33-55

Osdorfer Born - der Untersuchungsort Erste Impressionen Blick auf das Gebiet Lage und Planungsgeschichte Umgebung Verkehrsanbindung Bebauung und Wohnungsbau Sozial- und Versorgungsinfrastruktur Erschließungs- und Freiflächen Bewohner Treffpunkte Potenziale sichtbar machen


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Kapitel IV ________________________________________ 57-67

Zukunft Wandel der Arbeitswelt Demografischer Wandel Klimawandel Zukunftstendenzen Hamburg 2030 - best case scenario Hamburg 2030 - worst case scenario Zukunftsfähigkeit Osdorfer Borns Kapitel V ________________________________________ 69-87

Projekt - Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung von Osdorfer Born Urbane Landwirtschaft Food Station Vielfältige Strasse Share-Station Wohnerweiterung Dachgarten

Ausblick ______________________________________ 89-91 Quellen ______________________________________ 92-93


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Projektaufbau

?

Inwieweit lässt sich Osdorfer Born unter Einbezug der Potenziale vor Ort neu denken und weiterentwickeln, um den Stadtteil auf soziale und wirtschaftliche Ebene zu stärken?

theoretischhistorischer Hintergrund

Betrachtung auf drei Ebenen

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Interesse u. Themenfindung

Untersuchungsort: Osdorfer Born

Praktiken

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Zukunftstendenzen Hamburgs

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Inwieweit sind diese Maßnahmen univesell auf andere Großwohnsiedlungen übertragbar?

Projekt Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung des Osdorfer Borns


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Unser Interesse bei diesem Projekt liegt bei den Großwohnsiedlungen, die als eine weltweit verbreitete Wohntypologie an der städtischen Peripherie oft mit vielen negativen ImageKonnotationen bezüglich Armut, Kriminalität und Vandalismus verbunden sind. Aus diesem Grund wollen wir uns mit der Thematik tiefergehend auseinandersetzen, um zu erkennen, welche die verborgenen Transformationspotenziale dieser städtebaulichen Struktur sind, um daraus neue Konzepte für die nachhaltige Zukunft dieser Siedlungen zu entwickeln.

60er und 70er Jahren geführt haben, wieder aufrufen. Durch eine adäquate Betrachtung der Zukunftstendenzen für die Stadt des 21. Jhd., vor allem in Bezug auf Hamburg, werden diese Potenziale und Prinzipien neu gedacht und der Zukunft entsprechend in architektonische und soziale Handlungsmaßnahmen weiterentwickelt. Dabei haben wir uns die folgenden zwei Fragen gestellt:

Um unserem Interesse nachzugehen, haben wir uns auf eine konkrete Großwohnsiedlung in Hamburg fokussiert und als Untersuchungsgebiet die Großwohnsiedlung Osdorfer Born gewählt, die in der westlichen Peripherie der Stadt liegt. Am Beispiel von Osdorfer Born entwickeln wir einen Maßnahmenkatalog zu Weiterentwicklung der Großwohnsiedlung. Mit diesem Katalog wollen wir sowohl die Potenziale und Möglichkeitsräume vor Ort sichtbar machen, als auch die städtebaulichen Prinzipien, die überhaupt zur Realisierung und Errichtung der Großwohnsiedlung in den

Inwieweit sind diese Maßnahmen universell auf andere Großwohnsiedlungen im transnationalen Kontext übertragbar?

wobei wir unsere internationalen Hintergrundkenntnisse einbezogen haben.

Inwieweit lässt sich Osdorfer Born unter Einbezug der Potenziale vor Ort neu denken und weiterentwickeln, um den Stadtteil auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene zu stärken?

In Bezug auf die zweite Frage muss an dieser Stelle deutlich gemacht werden, dass der Maßnahmenkatalog ausschließlich auf der konzeptionellen Ebene entwickelt wird, um die Übertragbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen auf andere transnationalen Beispiele gewährleisten zu können. Unser Ziel war Osdorfer Born aus einer neuen Perspektive zu betrachten, die sich aus der Komplexität von Geschichte, Gegenwart und Zukunft zusammensetzt


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Kapitel I

Interesse und Themenfindung Dialog Wahl des Untersuchungsortes

S. 08-15 S. 16-17


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Dialog Wollen wir zusammen arbeiten?

Heh, mit unseren unterschiedlichen Hintergründen wird uns das nicht leicht fallen.

Ja, das Jahresthema…. Du hast schon mitbekommen, wie viele unterschiedliche Fälle und urbane Situationen wir untersucht haben. Ich muss zugeben, dass ich mich in dieser Thematik nicht so leicht beschränken kann. Für die Begriffe “Geplant” und “Ungeplant” gibt es keine klare Definition. Sie können eher durch ihre Erscheinungen indentifiziert und erklärt werden. Wenn man auf der Suche nach dem Ungeplanten ist, muss man einige wichtige Aspekte der lokalen Situation berücksichtigen, um feststellen zu können, was geplant und was nicht geplant ist. Das sind z. B. die Gesetzgebung und die Planungsregeln einerseits, die wirtschaftliche und politische Situation im Rückblick der historischen Ereignissen andererseits. Drittens sind es die Menschen, die den Raum mit ihren Hintergrundgeschichten beleben. Aber auch die sichtbaren und unsichtbaren Indikatoren für Funktionen und Nutzungen im öffentlichen Raum verweisen auf das Ungeplante. Das Jahresthema hat mich auf all diese Aspekte noch aufmerksamer als früher gemacht, mir aber noch immer keinen Anstoß zu einer spezifischen Problematik gegeben.


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Warum nicht? Dann sollten wir uns aber auch auf ein gemeinsames Thema einigen….

Wir können es aber mal versuchen. Vor allem bin ich an eurem Jahresthema vom Wintersemester “Geplant-Ungeplant” sehr interessiert. Damit würde ich gern anfangen.

Wie du gesagt hast: man könnte diese Phänomene aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Für mich ist es hier in Deutschland, wo angeblich alles geplant ist, nicht einfach, das Ungeplante aufzuspüren, insbesondere wenn ich es mit meinem Heimatland vergleiche. Hier ergibt sich das Ungeplante mehr aus der Umnutzung geplanter Strukturen, die ihre Anfangsfunktion nicht mehr erfüllen können oder die keine richtige Antwort auf die zeitgenössischen Bedürfnisse anbieten. An diesem Punkt beginnen die Nutzer ihre Umgebung auf eigene Initiative zu transformieren. Man kann das zum Beispiel an den Großwohnsiedlungen sehen. Sie wurden in sehr unterschiedlichen Ländern ab den 50er Jahren relativ ähnlich gebaut und jetzt kann man ihre Transformationen entsprechend den lokalen Umständen sehen. Die Architekten der Moderne hätten Albträume bekommen, wenn sie das gesehen hätten.


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Ach, die Großwohnsiedlung! Es gibt kaum ein anderes Thema, das in Ländern wie Bulgarien so wichtig für die Zukunft ist. In Sofia z.B. wohnt über ein Drittel der Stadtbevölkerung in Plattenbau-Wohnungen. Das ist einfach die Standard-Wohnung... Du hast Recht. Diese riesigen Wohnsiedlungen, die seit den 60er Jahren so vielen Menschen weltweit eine Unterkunft geboten haben, gibt es echt überall. In Europa wurden sie sowohl in Ost- als auch in Westeuropa gebaut, überwiegend aber im Osten. In den beiden Großregionen gibt es heute dringende Probleme, für die bald Lösungen gefunden werden müssen. Gibt es dort auch so viele Großwohnsiedlungen und was ist an denen so besonders?


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In Kolumbien wurden mehrere Großwohnsiedlungen in den 50er und 60er Jahren gebaut, die ebenfalls nach den Prinzipien der Klassischen Modernen Architektur errichtet wurden. Sie sollten das wachsende Bedürfnis an sozialen Wohnungen lösen, haben aber nicht die unteren sozialen Schichten der Gesellschaft erreicht. Jahre später, in den 80ern, war ein großer Teil Bogotás in einer Typologie gewachsen, die immer noch an die Charta von Athen erinnerte: Gruppierungen von zehnstöckigen Gebäuden, umgeben von freien grünen Flächen, die durch eine Umzäunung von der Straße (und der Stadt) getrennt waren. Die kleinen Läden und komerziellen Nutzungen wurden infolge dessen von der Straße in Shoppingcenter verbannt. Die Straße hat also kein Leben mehr und wird nur als Transit Raum benutzt.


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Ja, die Probleme sind immer regionalspezifisch. Die Probleme, die man in Kolumbien oder Bulgarien hat, hat man hier nicht in dieser Art und Weise und andersrum geht´s natürlich auch genau so. Wo in Sofia über ein Drittel der Bevölkerung in Großwohnsiedlungen wohnt und aus allen möglichen sozialen Schichten der Gesellschaft kommt, wird es hier in Deutschland irgendwie als negativ angesehen, wenn man aus so einem Stadtteil kommt. Diese Siedlungen liegen alle am Stadtrand und man gebraucht Ewigkeiten um dorthin zu kommen. Dafür sehen sie aber ordentlich aus, besonders die Außenräume sehen gepflegt aus, es gibt eine klare Trennung zwischen dem öffentlichen und privaten Raum. Das war früher in Bulgarien genauso, aber nach der Bodenreform konnte man jede Freifläche in diesen Komplexen neu bebauen und auf einmal ist alles so chaotisch geworden, dass sich keiner mehr für die zugehörigen Außenräume interessiert hat, am wenigsten die Stadt. Auch die schlechte Bauqualität ist ein großes Thema in den bulgarischen Großwohnsiedlungen. In Deutschland sind die Sanierungsarbeiten der Wohnungsbaugenossenschaften im Fortschritt und die Bauqualität vieler Plattenund Montagenbauten wird stetig erhöht. In Bulgarien dagegen gibt es keine Wohnungsgenossenschaften, sondern nur Eigentumswohnungen. Aus diesem Grund können gemeinsame Entscheidung in einem Wohnhaus kaum getroffen werden. Jeder Bewohner sucht eigene Lösungen für seine Wohnungsprobleme. Wenn ich es mir nur überlege, was für eine Herausforderung der bulgarische Winter für die Wärmebedingungen in den Platten ist… es ist echt schlimm. So ein Kälteproblem habt ihr in Südamerika eher nicht, oder? Was sind denn die Hauptprobleme, die dir sofort einfallen?


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Nein unter Kälte-Perioden leiden wir dort zum Glück nicht. Ich glaube, das größte Problem, das diese Typologie legitimiert, ist die Sicherheit. Die Bewohner dieser Wohnkomplexe fühlen sich sicherer, weil sie durch ein Gitter von der restlichen Umgebung abgeschirmt sind. Die Straße ist wiederum vernachlässigt, da sich keiner um diesen Raum kümmert. Das führt zu einem Gefühl der Unsicherheit. Ich frage mich, was passieren würde, wenn man im kolumbianischen Fall die Gitter wegnehmen würde oder im Allgemeinen, wenn man die Regeln, mit denen diese Komplexe verwaltet werden, flexibilisiert und mehr Raum für eigene Initiativen der Bewohner lässt.


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Diesen Raum für eigene Initiativen gibt es in der bulgarischen Plattenbausiedlungen schon seit 20 Jahren. Oft werden die Kellerräume oder die Erdgeschosswohnungen in Wirtschaftsräume umwandelt: kleine Läden, Werkstätten oder Büros. Manchmal werden sogar die mittleren Stockwerke als Büro- oder Praxisflächen genutzt. Die Veränderung der wirtschaftlichen Situation und vor allem die Versuche des Staats in den letzten Jahren solche Initiativen besser zu regeln, führen oft dazu, dass Existenzgründungen nicht mehr möglich sind und viele dieser Räume bleiben heute schon ungenutzt.

........................... [Pause] ............................

Es ist echt unglaublich, dass die Wohnform der Großwohnsiedlungen solche große Auswirkungen in so vielen Ländern auf der Welt hat. Ich denke mir, es macht schon Sinn, wenn wir uns die Großwohnsiedlungen in Hamburg genauer anschauen und versuchen, uns intensiver mit einer von denen zu beschäftigen. Mit dem Bedürfnis für mehr Wohnraum in Hamburg kann man sicherlich etwas Gutes aus den Großwohnsiedlungen machen, oder?


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Ja, wenn wir die Strukturen der Hamburger Großwohnsiedlungen und die Vielfältigkeit ihrer Bewohner mit ihren Bedürfnissen besser kennen lernen, können wir diese mit einigen Ideen und Erfahrungen aus unseren Heimatländern verbinden. Vielleicht werden wir dann eine Art von hybriden Wohnquartieren schaffen.


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Wahl des Untersuchungsortes

M端mmelmannsberg Mai 2010

Kirchdorf S端d Mai 2010

Osdorfer Born Mai 2010


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Die Großwohnsiedlungen sind ein weltbekanntes Phänomen der Industrialisierung. Ihre Entstehung und Entwicklung sind von dem sozio-ökonomischen und politischen System in den verschiedenen Ländern stark abhängig. Der Entstehungsgrund ist im Prinzip überall der gleiche - die Wohnungsnot und der Bedarf an schnell errichtbaren modernen Wohnungen, die für die Zuwanderung vom Land in die Stadt eine innovative Lösung bieten sollten. Dieses städtebauliches Phänomen der 1960er Jahren wurde in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten aufgrund von sozialen und technischen Problemen schwer kritisiert. Von Land zu Land sind die Probleme unterschiedlicher Art. In den Ost-europäischen Ländern gibt es aufgrund des privaten Eigentums viele technische und organisatorische Probleme, die soziale Mischung in den Großwohnsiedlungen ist allerdings sehr facettenreich. In Lateinamerika ist die Sicherheit der Bewohner jedoch das größte Problem. In Frankreich beispielweise gelten diese Großwohnsiedlungen als Ghettos mit einer hohen Kriminalitätsrate und Arbeitslosigkeit. Die Behörden sind der Überzeugung diese Siedlungen seien abriss-

würdig. In Deutschland gibt es große Unterschiede zwischen den Großwohnsiedlungen im Osten und im Westen - die ersten weisen einen hohen Anteil an Leerstand wegen Bevölkerungsabwanderung auf und entsprechen nicht den heutigen Wohnbedürfnissen. In diesem Fall ist der Abriss die häufigste Lösung. Die zweiten leiden oft unter einem negativen Image, da sie oft mit Kriminalität und sozialen Problemen verbunden werden. Anders als in Frankreich steht aber der komplette Abriss in den westdeutschen Städten nicht zur Debatte, es werden jedoch über Stadtentwicklungsprogramme neue Lösungen eruiert. Ganz anders ist jedoch der Blickwinkel in Ländern mit zunehmender Bevölkerung wie z.B. Istanbul in der Türkei oder Shenghei in China, in denen Großwohnsiedlungen stets zur schnellen Verfügbarkeit von Wohnraum gebaut werden. Mit der Erkenntnis unterschiedlicher Facetten der Großwohnsiedlungen weltweit, haben wir uns entschieden unsere Arbeit auf die konkrete Situation in Hamburg zu konzentrieren und zu versuchen lokalspezifischen Zukunftsmaßnahmen zu entwickeln, die auch auf andere

ähnliche internationale Beispiele übertragbar sind. Erste Eindrücke konnten wir uns in den 1960er entstandenen Großwohnsiedlungen in Hamburg - Mümmelmannsberg, Kirchdorf Süd und Osdorfer Born, verschaffen. Bei der Beobachtung waren verschiedene Aspekte von Bedeutung wie Gebäudetypologien, öffentlicher und privater Außenraumraum, Aneignungselemente im Außenraum und im Wohnbe-reich, Interaktion im öffentlichen Raum. Nach einer ersten Recherche über die drei ausgewählten Beispiele haben wir festgestellt, dass die Großwohnsiedlung Osdorfer Born am schlechtesten mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen ist. Mit seiner eigenartigen Hochhausarchitektur und verwinkelten städtebaulichen Struktur hat die Großwohnsiedlung unser Interesse angezogen und wir haben uns entschieden das Projekt anhand des Beispiels dieser Großwohnsiedlung zu entwickeln.


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Die Gartenstadt Die Funktionelle Stadt Die gegliedertre und aufgelockerte Stadt Urbanit채t durch Dichte Urbanit채t durch Dichte im Kontext vorhergegangenen Theorien

S. 20-21 S. 22-23 S. 24-25 S. 26-27 S. 28-29


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Kapitel II

Theoretischhistorischer Hintergrund


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Die Gartenstadt

Howards, a. a. O., S.18

„The land around Garden City is, fortunately, not in the hands of private individuals: it is in the hands of the people: and is to be administered, not in the supposed interests of the few, but in the real interests of the whole community [...] the people of Garden City will not for a moment permit the beauty of their city to be destroyed by the process of growth”

Howards, a. a. O., S.128

Weltweit sind viele Einfamilienhaussiedlungen in peripheren Gebieten der Städte unter dem Motto „Gartenstädte“ gebaut worden. Das Konzept der Gartenstadt beschränkt sich allerdings nur auf die städtebaulichen Aspekte der Wohngebiete. Damit wird das Modell als Synonym für Entdichtung und Zersiedlung gesehen. Die Visionen von Howard sind utopisch geblieben. Manche davon sind im Zuge der heutigen Diskussion über Nachhaltigkeit wieder aktuell wie z. B. die Ideen zur Siedlungsautarkie oder zur Kommunalisierung des Bodens.

1970

„Town and country must be married, and out of this joyous union will spring a new hope, a new life, a new civilization”

Das Gartenstadtmodell hatte einen wesentliche Einfluss auf die Entwicklung der Städte und ihre Planung. Die Organisation der Stadt in funktionelle Gebiete war 30 Jahre später die Grundlage des Modells der „funktionellen Stadt“ von Le Corbusier.

1960

Howards, a. a. O., S.112

Die Wohngebiete sind durch grüne Ringe von den anderen Funktionen getrennt. Die Industrie liegt im äußersten Ring. Dort sollen die auf dem umliegende Land angebauten Agrarprodukte und Rohstoffe bearbeitet werden, gelagert und schließlich in die Innenstadt geliefert werden. So wie die Anordnung der Funktionen waren auch die Anzahl der Häuser und die Maße der Grundstücke von Anfang an vorgegeben. Aus diesem Konzept ergibt sich ein niedriges, verdichtetes urbanes Gefüge, das einen deutlichen Kontrast zu den Verhältnissen der realen Stadt darstellt.

1950

1940

1910

1900

Wenngleich die Gartenstädte bessere Wohnbedingungen für die Arbeiterklasse anbieten und auf diesem Weg die damals zunehmenden Sozialkonflikte auflösen sollten, entwickelte Howard ein Utopisches soziales Programm, das wesentliche Aspekte der Sozialstruktur in Frage stellte. Seine Vorschläge umfassten ein breites Spektrum von Themen, von den kommunalen Bauernhöfen, Gärten und Küchen bis zur Regierungsart, oder der Entwicklung effizienter Verkehrsmitteln und Energiequellen. Die Funktionen der Stadt sind voneinander getrennt und in konzentrischen Ringen angeordnet. Der innerste Ring ist ein 2 ha großer, von öffentlichen Gebäuden umgebener Garten. Diese

„My proposal is that there should be an earnest attempt made to organise a migratory movement of population from our overcrowded centres to sparsely-settled rural districts”

1930

Die neuen Städte sollen eine maximale Fläche von 405 ha und eine maximale Bewohnerzahl von 32 000 EW haben, welche nicht überschritten werden darf, damit die Qualitäten des komunitären Lebens nicht gefährdet werden. Falls die Grenze überschritten werden sollte, muss eine neue Stadt gegründet werden. Daraus ergibt sich eine polizentrische Struktur von kleinen Städten, deren Grenzen deutlich durch einen grünen Gürtel definiert sind. Die grünen Gürtel sollen die Selbstversorgung der Siedlung mit Lebensmitteln gewährleisten.

„There are in reality not only, as is so constantIy assumed, two alternatives -town life and country life- but a third alterntive, in which all the advantages of the most energetic and active town life, with all the beauty and delight of the country, may be secured inperfect combination; and the certainty of being able to live this life will be the magnet which will produce the effect for which we are all striving the spontaneous movement of the people from our crowded cities to the bosom of our kindly mother earth” Howards, Garden Cities of Tomorrow, S.15

1920

Das Gartenstadt-Modell entstand in England als Reaktion auf die schlechten Hygienische- und Wohnverhältnisse der industriellen Städte am Ende des XIX Jahrhunderts. Ebenezer Howard stellte die Hauptprinzipien dieses Modells in seinem Buch „Garden Cities of Tomorrow” dar, in welchem er für eine Vermählung der besten Merkmale von Stadt und Land plädierte.


Garden City - The social city

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]

Central City 58.000 Hab

Land Bahn

]

Satellite City

32.000 Einwohner

Garten (2 Ha)

Garden City - Bezirk und Zentrum

]

Öffentliche Einrichtungen Central Park Shops (Crystal Palace)

] ]

Häuser und Gärten Grüne Ring - Schule - Kirche Häuser und Gärten

] Industrie, Markt, Werkstatt Landwirtschaft

Garden City Letchwork - England

Fläche für Industrie / Landwirtschaft Spielfläche im Innenhof Cul de Sac

Reihenhaüser mit Privatgarten

2060

2050

2040

2030

2020

2010

2000

1990

1980

Town planning in practice: An introduction to the art of designing cities. s. 348


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Die Funktionelle Stadt Le Corbusier ,The City of To-morrow and Its Planning S.164

„The more dense the population of a city is the less are the distance that have to be covered. The moral, therefore, is that we must increase the density of the centres of our cities, where business affairs are carried on” Le Corbusier, a. a. O., S.166 „The city‘s residential quarters must no longer be built along „corridor-streets,“ full of noise and dust and deprived of light. It is a simple matter to build urban dewellings away from the streets, without small internal courtyards and with the windows looking on to large parks”

Le Corbusier, a. a. O., S.167

„We must increase the open spaces and diminish the distance to be covered. Therefore the centre of the city must be constrcted vertically” a. a. O., S.167 „Population: (a) Citizens of the city: those who work and live in ti. (b) Suburban dwellers are those who do not come in the city: they live in garden cities. (c) the mixed sort are those who work in the business parts of the city but bring up their families in garden cities”

Le Corbusier, a. a. O., S.166

„In the country the eight-hour day, with its corollary of eight hours of recreation and eight hours of sleep, is gradually causing the agricultural labourer to disappear; but this new type of housing scheme turns the inhabitant of the graden city into agricultural labourer and he becomes a producer ”

Le Corbusier, a. a. O., S.206

geführt werden könnten, da all die Wolkenkrätzer auf „Pilotis“ (Stützen) gebaut werden sollten. Die menschlichen und die Verkehrsströme sollten in der geometrischen Mitte des Stadtzentrums, auf einem großen zentralen Platz zusammenlaufen. Dieser Platz bietet exklusive Ebenen für die verschiedenen Verkehrsmitteln: „Lufttaxis“ (kleine Flugzeuge) sollten auf dem Dach landen, in den Untergeschossen war eine Vorortbahn geplant., welche die City mit den Gartenstädten verbinden sollte, und die schnelle Fernbahn. Die Wohnviertel für die Städter waren entweder in geschlossenen Wohnblocks (mit Randbebauung), oder in offenen, zahnschnittförmigen Siedlungen geplant. Bei den Wohnblöcken handelt es sich nicht um Wohnungen, sondern um übereinander geschlichtete Häuser, jedes mit eigenem Garten ausgestattet. Die einzelnen Häuser sollten in 5-6 Doppelgeschossen untergebracht werden. Auf dem Dach wurden mehrere gemeinsame Nutzungen vorgesehen. Die Halb- und Vorstädter sollten in den Gartenstädten wohnen, die sich außerhalb des Stadtzentrums und des Grüngürtels befinden. Jeder Wohneinheit gehörten ca. 150 m2 landwirtschaftliche Fläche und genau so viel Sportfläche an. Die Erträge der landwirtschaftlichen Flächen sollten die Eigenversorgung der Bewohner sichern.

„The skyscrapers must be build in the centre and not on the periphery”

Le Corbusier, a. a. O., S.165

„The whole city is a park”

1970

1960

1950

Le Corbusier, a. a. O., S.177

1940

1930

1910

1900

Le Corbusier griff die von Howard vorgeschlagene Trennnung der Funktionen auf und machte diese zum Hauptmerkmal seiner Theorie hervor. Wie die Funktionen, wurden die Einwohner in verschiedene Kategorien klassifiziert – Städter, Vorstädter, Halbstädter. Diese Einteilung der Bevölkerung diente als Grundlage für die Teilung des Stadtgebietes in die Bereiche: Stadtgebiet, Industrieviertel und Gartenstädte. Die freien Flächenbereiche zwischen dem Stadtgebiet und dem Industrieviertel wurden „Unfreie Zonen“ genannt, welche für die nötige Hygiene und frische Luft im Stadtgebiet sorgen und der Stadt als Ausdehnungsfläche dienen sollten. Das Zentrum ist nur Geschäftsbezirk. Da wurden 24 Wolkenkrätzer mit jeweils 60 Geschossen vorgesehen. Zwischen den einzelnen Gebäuden sollten große Parks angelegt werden, die frei unter den Gebäuden fort-

„My object was [....] by constructing a theoretically water-tight formula to arrive at the fundament principles of modern town planning”

1920

Le Corbusier versucht durch sein Konzept der modernen Stadt allgemeingültige städtebauliche Prinzipien vorzulegen, die die Probleme der Stadt der Vergangenheit lösen werden. Die Ville Contemporaine entsteht, wie zuvor das GartenstadtModell, als Kritik auf die Überfüllung der historische Stadt. Anders als Howard, der für einen Rückzug in der Natur, durch kleine niedrige verdichtete Städte plädiert, setzte sich Le corbusier für eine verdichtete Stadt für drei MIlionen Einwohner ein, die aber nicht auf eine großzügige Freifläche verzichtet. Dieser scheinbare Wiederspruch zwischen Dichte und Freifläche wird durch die Industrialisierung, Motorisierung und Maßenproduktion gelöst, dadurch dass eine vertikale Bebauung und schnellere Verkehrsmitteln vorgesehen werden.


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Plan von “Ville Contemporaine”

Wohnen

Parkfläche?

Stadtgebiet

Geschäftsbezirk, 24 Wolkenkrätzer - je 60 Geschosse

Vogelperspektive

geschlossene Wohnblöcke

Versorgungs- u. Freiland, Industrie Stadterweiterungspotenzial

Verkehrsanbindung

Zentralplatz

2060

2050

2040

2030

2020

2010

2000

Parkfläche im Geschäftszentrum

1990

1980

Perspektive - Geschäftszentrum

offene zahnschnittförmige Wohnblöcke


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Die gegliederte und aufgelockerte Stadt

„Die Nachbarschaften (wie die ihnen entsprechenden Kleinstädte) bieten alle Voraussetzungen für Gesundheit, Wirtschaftlichkeit, gute Gestaltung und reibungslosen, auf ein Mindestmaß gebrachten Verkehr.”

Göderitz, a. a. O., S.90

„Obwohl die Stadtzellen ein bestimmtes Eigenleben haben sollen, darf der besondere Charakter und der Gesamtorganismus der großen Stadt nicht aufgehoben werden: Gliederung in Einheiten ist nicht zu verwechseln mit Zerlegung in einzelne Kleinstädte.”

Göderitz, a. a. O., S.90

1940

1930

gelockerten Stadt vor, dass alle täglichen Aktivitäten (darunter auch den Arbeitsplatz) innerhalb der Zelle zu Fuß erreicht werden können. Die Zelle selbst ist an eine bis zwei Hauptverkehrsstrassen angeschloßen, damit die Verbindung mit den restlichen städtischen Bereichen ermöglicht wird. In der Gesa-

1970

Göderitz, Rainer, Hoffmann, Die gegliederte und aufgelockerte Stadt, S.91

1960

mtplanung ist das Prinzip der klaren Zuordnung von privaten und öffentlichen Räumen deutlich abzuleiten. Die auflockerte Bebauung durch Einfamilienhäuser und niedrigverdichtete Zeilenbebauung ist das andere Merkmal des städtebaulichen Leitbildes. Die Studie von Göderitz, Rainer und Hoffmann beweist, dass eine hohe Verdichtung der Bebauung spätestens ab fünf Stockwerke keine wesentlichen Flächeneinsparungen in der überbauten Fläche mehr erzielen würde. Pro Wohnung sind 4 Einwohner vorgesehen, dass eine durchnschnittliche Bevölkerungsdichte von 200E/ha ergibt. In der Praxis konnte dieses städtebauliches Leitbild weder die Versorgung für die täglichen Aktivitäten noch die Erreichbarkeit zu Fuß aufweisen. Das veränderte Konsumentenverhalten und die Massenmotorisierung durch das eigene Auto haben dazu geführt, dass die Stadtteile monofunktionelle Wohngebiete geworden sind, die nur Anmynität und Monotonie anzubieten hatten. Die strenge hierarchische Struktur hat vom Anfang an, die Funktionstrennung in diesen Stadtteilen vorausgesetzt.

1950

„Hinzu kommt der Grundsatz, bei der Gliederung weitgehend die natürliche Gegebenheiten als Gestaltungselement zu benutzen. Zusammen mit den der Bebauung gleichwertigen Nutzgärten und sonstigen Grünflächen ergibt dies eine in sich geschlossene, klar begrenzte „Stadtlandschaft“ eine Stadtform, die offenbar der Lebensauffassung unserer Zeit mehr gemäß ist als die aus dem Geiste anderer Epochen gebildete.”

1920

1910

1900

Die Merkmale der gegliederten und aufgelockerten Stadt wurden in der 1957 veröffentlichten Studie von Göderitz, Rainer und Hoffmann zusammengefasst. Dieses städtebaulichenLeitbild sah die Verbindung von Baustrukturen mit der Natur vor. Die Struktur der Stadt ist streng in hierarchisch gestuften Teilen organisiert (siehe Grafik oben, S.25). Der kleinste Teil ist der Wohnbereich, der für 1000 Einwohner geplant ist. Drei bis vier Wohnbereiche bilden zusammen eine Nachbarschaft von 3 bis 4000 Einwohnern. Aus mindestens vier Nachbarschaften besteht die nächste Stufe - die Stadtzelle (16 000 Einwohner), die die Grundlage für den Stadtbezirk (48 000 Einwohner) ist. Ein Stadtteil mit 120 000 Einwohnern entsteht dann aus etwa drei Stadtbezirken. Die kleinste selbstfunktionierende Einheit in dieser hierarchische Struktur ist die Stadtzelle, die aus strukturierten Wohn- und Nutzungsbereichen besteht und mit einem zugeordneten Zentrum für den täglichen Bedarf ausgestattet ist. Im Gegenteil zu Corbusiers Stadtkonzept (siehe “Die Funktionelle Stadt”) sieht die Planung der gegliederten und auf-


Stadtbezirk = 3-4 Stadtzellen

25

Stadtzelle - 4 Nachbarschaften ca. 16 000 EW

Nachbarschaft (30ha) 4000-6000 EW

]]

Zentrum der Stadtzelle Sport- und Erholungsfläche Industrie und Gewerbe

]

Nachbarschaftsschwerpunkt

]

Nachbarschaft-Wohnbereich

Wald Kleingarten Eisenbahnfläche

Wohnbandbreite 100 m 200 EW 50 Whg od. Einfamilienhaus

2060

2050

2040

2030

2020

2010

2000

Wasser Industrie Freiflächen u. öffentliche Gebäude Wohnen

1990

1980

Flächenbedarf bei unterschiedlicher Bebauungsart

Stadtzelle = 4 Nachbarschaften

Hauptverkehrsstraße


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Urbanität durch Dichte

1940

Arch Plus, a. a. O., S.19

1930

1970

„Die in diesen Siedlungen so häufig anzutreffende Auftürmung gewaltiger Baumassen, der völlige Verlust von Maßstäblichkeit, die strikte Funktionstrennung und die so schwer nachzubessernde kalte Monotonie und Sterilität des Wohnumfeldes konfrontieren den Betrachter sehr spürbar mit einem auf Technik gegründeten Fortschrittsoptimismus, einem Planungsglauben und einer Ideologie der Machbarkeit, die später kaum mehr nachvollziehbar waren”

1960

„Es wurde kein „Raum“ gelassen, aus dem sich andersartige Wohnwünsche und Wohnformen erst entwickeln und produktive Tätigkeitenfelder aufbauen könnten“ Arch Plus, Ausgabe 203, S.19

eines Großteils der Bewohner nicht entsprechen. Die jenigen von ihnen, die besser verdient haben, sind bald ausgezogen und im Stadtteil sind nur diese geblieben, die sich eine bessere Wohnambiente nicht leisten konnten. Durch den Auszug von den stärkeren Bevölkerungsruppen konnte die Abwärtsspirale nicht mehr gebremst werden und viele der Großwohnsiedlungen haben sich zu “sozialen Brennpunkten” entwickelt. Zu der Vertiefung des Problems hat noch die schlechte Wohnungspolitik beigetragen, nach welcher die meisten Wohnungen an Haushalte mit niedrigen Einkommen und Sozialstatus zugewiesen wurden. Langsam wurde die Wohandresse hier als schlecht bezeichnet. Dazu haben noch das wachsendes Desinteresse bei allen Beteiligten, Vandalismus, Jugendkriminalität, Desinvestition von seiten der Wohnungsbaugesell-schaften beigetragen. Aus dem heutigen Sichtpunkt sind viele der Probleme immer noch da. Landgsam wächst aber auch das Verstädnis, dass diese Wohnsiedlungen baulich und sozial transformierbar sind.

1950

„Die fehlende Flexibilität dieser ganz auf die Kleinfamilie zugeschnittenen Wohnungen, die anderen Wohn- und Lebensformen kaum einen Spielraum lißen, kam erst später in die Kritik” Arch Plus, a. a. O., S.23

1920

1910

1900

Die Stadtentwicklung der 60er Jahre war durch den Neubau von Großwohnsiedlungen geprägt, die unter dem Leitbild “Urbanität durch Dichte” gebaut wurden. Mit diesem Leitbild sollten unter anderem auch die Probleme der “gegliederten und aufgelockerten Stadt” gelöst werden. Die Wohnsiedlungen, die in den 50er Jahre in der Stadtperipherie entstanden sind haben sich in den 60er Jahre als monotone Schlaforte erwiesen. Um das urbane Leben in der Peripherie zurückzugewinnen, musste die Wohndichte steigen. Dies sollte durch die Errichtung großförmiger Wohnstrukturen, die auch Vorzüge im Hinblick auf den Flächenverbrauch haben, erreicht werden. In der Umsetzung aber blieben die verdichtete Bauformen monofunktional genutzt, nur zum Wohnen. Mischnutzung konnte nicht entstehen, da viele der Bewohner ihre Arbeit, außerhalb des Stadtteils hatten. Die Planungen haben oft keine Arbeitsplätze im Stadtteil vorgesehen, auch die Anbindung an den ÖPNV, Versorgungsund Freizeiteinrichtung wurde nie realisiert. So konnten die Großwohnsiedlungen den Bedürfnissen


2060

2050

2040

2030

2020

2010

2000

1990

1980

Großwohnsiedlung Steilshoop, Hamburg - Bauzeit: 1969-1975

“Les unités d´habitat” nach der Städtebaukommission in Genf, 1966

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Bezirk (bis 40 000 EW) Quartier (15-25 000 EW)

Nachbarschaft (4000-6000 EW)

Wohnkomplex (1000-2000 EW)

Fläche 120 ha

Einwohner ca. 15 000

Wohnungen 6400


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Urbanität durch Dichte

Im Kontext vorhergegangenen Theorien

ichte, . Bebauungsd u r e n h dow ige Ein Niedr ofunk M on

Städtebauliches Leitbild

Gartenstadt • polizentrische Struktur • Vereinung von Stadt und Landschaft • Funktionstrennung • niedrige Einwohnerdichte • niedrige Bebauungsdichte - Ein- familienhäuser mit Privatgärten • Verkehrsanbindung durch die Eisenbahn • sozialpolitisches Organisationsmodell • großzügige Freiflächen • Selbstversorgung durch Landwirtschaft

t tionali

Funktionelle Stadt • zentralisierstes Rastersystem • kompaktes Kern, aber großzügige Freiflächen in der Peripherie • Funktionstrennung • hohe Bevölkerungsdichte - Stadt für 3 Mio. Einwohner • hohe vertikale Bebauungsdichte im Geschäftszentrum • niedrige Bebauungsdichte in der Wohnperipherie • autogerechte Stadt, Eisenbahnanschluß • Klassifizierung der Gesellschaft • genügend Freiflächen: Parks, Privat- und Gemeinschaftsgärten • Selbstversorgung durch Landwirtschaft

Weiterentwicklung

hohe


29

großer Flächenbedarf, Monofunkti

onalität, f ehlend e Urb anität n d i e e r t S h t c i a d d s t p g e n r u i u p a h b e ri e rige Be tät, nied

M

Kritik

e Einwohner- und Bebauungsdichte, fehlende Ur lität, niedrig banität a n o i t k n onofu

Die aufgelockerte und gegliederte Stadt • hierarschische Struktur • selbstfunktionierende Stadtzellen • Verbindung von Baustrukturen und Land • Funtkionstrenunnung • mittlere Einwohner- und Bebauungs- dichte • kurze Fußwege für den täglichen Bedarf • Eisenbahnanschluß u. Autogerechtigkeit für größere Enfernungen • Anonymität • Freiflächen und Privatgärten

Selbs t

funkti onieren des Quarti er,

Urbanität durch Dichte • großförmige Wohnstrukturen • peripherstädtische Lage am Stadtrand • Erhaltung und Wiederherstellung der Urbanität durch Verdichtung • Funktionsmischung • hohe Einwohner- und Bebauungs- dichte • Vielfalt an Wohnformen • Soziale Mischung • Selbstversorgung durch Freizeit- und Versorgungseinrichtungen • Genügend Freiflächen ohne Privat- gärten

hen Eisenbahnanschluß, Freifläc

n äche l f i e r en d F e verti , genüg ß kale Beba u l h c s n a uungsdichte, Eisenbahn

en fläch i e r F e oßzügig Eisenbahnanschluß, gr

Checkliste

umgesetzt

 nicht umgesetzt

Urbanität durch Dichte - Praxis • Wohngebirge mit Großformen • peripherstädtische Lage • Monofunktionalität - nur Wohnen • hohe Einwohner- und Bebauungsdichte

• unflexible Wohnforme • Entmischung der Bevölkerung • keine direkte Selbstversorgung • erhöhter Pendelnverkehr (Auto, ÖPNV)

genügend Freiflächen mit später • angelegten Privatgärten


30

Großwohnsiedlungen in Hamburg

Steilshoop

Osdorfer Born

Mümmelmannsberg

Kirchdorf Süd Neuwiedenthal

Großwohnsiedlungen von 1956-1966, GFZ: 0,5-1,0 >> Leitbild: Verdichtung der “gegliederten aufgelockerten Stadt” Großwohnsiedlungen von 1966-1977, GFZ: 1,0 >> Leitbild: Urbanität durch Dichte


31

Im Prinzip gibt es keine klare Definition des Begriffes Großwohnsiedlung in Deutschland. Die wichtigsten Aspekte, die eine Großwohnsiedlung charakterisieren, sind ihre einheitliche Planung, Homogenität und funktionale Eigenständigkeit. Sie besteht überwiegend aus Mietwohnung- und Geschosswohnungsbau und aus den geplanten Infrastruktureinrichtungen (Schubert, 1997). In den 80ern hat das deutsche Bundesbauministerium den Richtwert für eine Großwohnsiedlung von 1000 Wohneinheiten gesetzt. Die Großwohnsiedlungen lassen sich immer eindeutig gegenüber der Umgebung abgrenzen und haben in den meisten Fällen eine randstädtische Lage. Die Mehrheit der Großwohnsiedlungen, auch in Hamburg, sind in der Nachkriegszeit entstanden. Sie sollten eine schnelle Lösung für die Wohnungsnot und die wachsende Zuwanderung in den Städten sein. In Hamburg haben die großen Wohnungsbauunternehmen die Planung und den Bau dieser Siedlungen aus „einem Guss“ übernommen. Nach den Kriterien des Leitbildes „Urbanität durch Dichte“ entstanden in Hamburg in den 60er und 70er Jahre neue Gebäudetypen mit „gegliederten Wohngebirgen“ und „gestaffelten Hochhauswohnbändern“ mit bis zu 20 Geschossen. Dadurch wurde eine Geschossflächenzahl von 1,0 und höher ermöglicht. Alle Lebensbereiche in den neuen Siedlungen waren „verplant“ oder schon normiert und es wurden keine Nischen für selbstbestimmtes Leben vorgesehen. Dies hat auch in den Hamburger Großwohnsiedlungen zu einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung und zur Verschlechterung des Images zu „sozialen Brennpunkten“ geführt.

Bei der Diskussion in Hamburg um den Sozialwohnungsbestand und Großwohnsiedlungen reduziert sich das Blickfeld in der Regel auf „wenige“ prominente Siedlungen wie Steilshoop, Osdorfer Born und Mümmelmannsberg (Schubert, 1997). Sie sind aber nur ein Teil aller Großwohnsiedlungen, die in Hamburg gebaut wurden (Siehe Karte, S.30). Ende der 90er Jahre betrug in Hamburg der Anteil der Wohneinheiten in Großwohnsiedlungen am Gesamtwohnungsbestand mit ca. 104 000 Wohneinheiten ca. 13% (Schubert, 1997). Da die Anzahl des Gesamtwohnungsbestands in Hamburg in den letzten 20 Jahre gestiegen ist, und dadurch dass die Bauphase der unter dem Leitbild „Urbanität durch Dichte“ gebauten Großwohnsiedlungen längst abgeschlossen ist und keine davon inzwischen abgerissen wurden, lässt es sich schlussfolgern, dass der damalige Anteil von 13 % zum heutigen Zeitpunkt gesunken ist. Trotzdem aber bleiben die Großwohnsiedlungen ein bedeutendes und wesentliches Merkmal der städtebaulichen Entwicklungsgeschichte der Stadt. In der Wohnungsnotdiskussion, die derzeit in Hamburg ein besonders akutes Thema ist, könnte und müsste ihr vergessenes Potenzial als lebendige Wohnorte wieder aufgerufen werden. In Hinsicht darauf, dass Hamburg in der Zukunft weiterwachsen wird und dass mehr Wohnungen gebraucht werden, sollte man sich die Frage stellen, inwiefern die in der Peripherie der Stadt gelegene Wohnstrukturen der Großsiedlungen neu gedacht werden können, um aus ihnen wieder einen beliebigen Stadtwohnraum zu schaffen. Dies würde das Interesse

an diese Stadtteilen erhöhen und dadurch kann auch der Druck auf Wohnungsneubau auf zentral gelegenen Leerflächen oder im städtischen Umland verringt werden. Diese Arbeit fokussiert sich auf ein konkretes Beispiel der „Urbanität durch Dichte“, das im Hamburger Westen liegt - die Großwohnsiedlung von Osdorfer Born (siehe Karte, S.30). In den folgenden Kapiteln wird darauf eingegangen, welche die Transformationspotenziale dieser Siedlung sind und wie sie genutzt und weiterentwickelt werden können, damit sie den Herausforderungen der Zukunft entsprechen können.


32


33

Kapitel III

Osdorfer Born Erste Impressionen Blick auf das Gebiet Lage und Planungsgeschichte Umgebung Verkehrsanbindung Bebauung und Wohnungsbau Sozial- und Versorgungsinfrastruktur ErschlieĂ&#x;ungs- und Freiflächen Bewohner Treffpunkte Potenziale sichtbar machen

S. 34-35 S. 36-37 S. 38-39 S. 40-41 S. 42-43 S. 44-45 S. 46-47 S. 48-49 S. 50-51 S. 52-53 S. 54-55


1970

1960

1950

1940

1930

1920

1910

1900

34

Erste Impressionen


2060

2050

2040

2030

2020

2010

2000

1990

1980

35


36

Blick auf das Gebiet


37


38

Lage und Planungsgeschichte

Flughafen Osdorfer Born 10 k

m

5 km

Harburg


39

Die Großwohnsiedlung liegt im West Hamburgs, direkt an der Stadtgrenze zum Umland. Die Entfernung beträgt sowohl zur Innenstadt und zur Alster 10 km, als auch zum Flughafen oder Harburg (siehe Karte, S. 38). Osdorfer Born befindet sich in den Stadtteilen Osdorf und Lurup, die zum Bezirk Altona gehören. Osdorfer Born wurde nach dem nahe gelegenen See - Großer Born, heute Helmuth-SchackSee - genannt, der immer noch den Bewohnern als Badesee dient. Die Siedlung entsteht Anfang der 60er Jahre auf Flächen, die ehemals als landwirtschaftlich genutzt wurden. Im Aufbauplan von 1960 wurden sie teilweise als Grünfläche und teilweise als Untersuchungsgebiet für eine mögliche Bebauung gekennzeichnet. Im Jahr1962 erwirbt das Wohnungsunternehmen “Neue Heimat” Grund und Boden und beauftragt bald ein städtebauliches Gutachten für insgesamt 51 ha Bauland. Das Planungsteam der “Neuen Heimat” zusammen mit zwei anderen Architektenteams legt das erste Konzept vor, das anschließend von der Jury zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen wird.

Die Planung wurde unter dem Leitbild “Urbanität durch Dichte” geleitet. Ein “urbanes Gerüst”, das sich aus den Elementen Verdichtungszone, anschließende Wohnbebauung, Verkehrs- und Grünplanung zusammensetzt, soll die städtebauliche Struktur der Siedlung bestimmen. Als Planungsvoraussetzungen werden drei Bedingungen festgelegt: - Erstellung des Mittelhochbaus in Montagenbauweise - Max. 40 % Anteil der Wohnungen als Hochhäusern - 15 % der Gesamtgeschossflächen als Eigenheimen Der Bebauungsplan wurde erst im September 1966 festgelegt, weil einerseits das Konzept überbearbeitet werden und andererseits zuerst die Zubringerstraßen ausgebaut werden mussten. Die Veränderungen im Konzept betreffen im Wesentlichen die Haupterschließungsachse, die danach entsprechend stärker mittig angeordnet wurde. Damit konnten die erste Bauphase 1967 anfangen und dauerte bis 1972. Ende 80er wurde die zweite Neubau-Phase abgeschlossen. Der Wohnungsbau wurde fast ausschließlich öffentlich mit den damit verbundenen Bindungen

und Belegrechten gefördert. Heute, nach 30 Jahren, beginnen in einigen Teilen des Quartiers die Belegungsbindungen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus auszulaufen (QUEK, 2004).


40

Umgebung

Legende: Landwirtschaft Einfamilienhaus

Gewerbe

Milit채rschule

Sub-Einkaufszentrum

Mehrfamilienhaus

Forschungszentrum


41

Die Grenzlage der Großwohnsiedlung in der westlichen Peripherie Hamburgs bedingt den direkten Zugang zum unbebauten Umland. Zwischen der Siedlung und der Stadtgrenze liegt der Restbestand der landwirtschaftlich geprägten Geestlandschaft von Osdorf - die Osdorfer Feldmark. Im Osten und Südosten grenzt die Siedlung an ein umfangreiches Einfamilienhausgebiet an und hebt sich dadurch deutlich von der niedrigen Restbebauung hervor. Im Süden befindet sich das “Brandstücken”-Gewerbegebiet, das mit seinen rund 60 kleinund mittelständischen Betrieben dem Osdorfer Born direkt zugeordnet ist. Daneben liegt das Sondergebiet der Bundeswehrfahrschule (Militärschule). Im äußeren Umkreis ist die Großwohnsiedlung von niedrigen und halbhohen Mehrfamilienhäusern umgeben. Die weiteren Gewerbegebieten und großflächigen Einzelhandelsangebote liegen mit Abstand von zwei bis drei Kilometer von der Großwohnsiedlung entfernt. Weiter im Südosten befindet sich das weltweit führende Forschungszentrum für Teilchenbeschleunigung DESY, das verkehrsinfrastrukturell mit Osdorfer Born durch die Buslinie 3 direkt verbunden ist.

Osdorfer Feldmark Die Fläche diente in der Vergangenheit ausschließlich der Agrarnutzung. Sie ist von Süden nach Norden von einem kleinen Fluss durchquert. Das Landschaftsbild wird von Knicks und Gehölzreihen eingefassten Wiesen und Weiden geprägt. Die Hauptnutzung der Landschaft ist heutzutage der Pferdehaltung zugeschrieben. Im Südosten werden Erdbeerfelder bewirtschaftet, außerdem befindet sich dort eine Baumschule, die noch im Jahr 1878 gegründet wurde und seitdem in vierter Generation Familienbesitz ist. Im Februar 2011 hat die Hadelskammer Hamburg ihren Vorschlag für die Entwicklung der

Osdorfer Feldmatk im Rahmen der Studie “Hamburg 2030” im “Gewerbeflächenentwicklungsplan” präsentiert. Auf dem Gebiet der Osdorfer Feldmark sollte eine neue Gewerbefläche entstehen. Dieser Vorschlag löste einen Strum der Entrüstung unter Politikern, Umweltschützern und Bewohnern aus, insbesobdere aus dem Bezirk Altona. Bereits im Mai hatte die Bezirksversammlung Altona in einer Sitzung beschlossen, die Osdorfer Feldmark unter Schutz zu stellen. Das Gebiet sollte als weitgehend unbebauter, landwirtschaftlich geprägter Landschaftsraum erhalten werden und der Naherholung dienen.

Blick von der Osdorfer Feldmark auf Osdorfer Born


Ottensen & Altona Altstadt

42

Verkehrsanbindung 0

1 km

2 km

Osdorfer Born

3 km

15 min BUS

6,7

+

18 min

S

km

4,7 km

Bf Altona

Hbf

U Niendorf Nord

S Elbgaustr. Schenefelder Platz

Osdorfer Born

Osdorfer Born

S Holstenstr.

S Bahrenfeld S Klein Flottbek

S Bf Altona Hauptbahnhof

F채hre Elbe

Ottensen & Altona Altstadt

0

1 km

2 km

3 km

Innenstadt


43

Osdorfer Born wurde nie durch einen Anschluss an den Schienenverkehr mit den umliegenden Hamburger Stadtteilen verbunden. In den Planungen war zwar vorerst eine Schienenverbindung vorgesehen, deren Umsetzung aber nie stattfand. Stattdessen wird die Großwohnsiedlung von drei Buslinien angefahren, die die Bewohner zu den nächstgelegenen S-Bahn Stationen: Klein Flottbek und Elbgausstraße transportieren aber auch zu den entfernter gelegenen Stationen Bahrenfeld, Altona und Holstenstraße. Die Fahrzeit zu dem nächstgelegennen wichtigen Stadtkern Altona

beträgt eine halbe Stunde und die zur Innenstadt zwischen 35 und 40 Minuten. Obwohl die Busse in regelmäßigen Abständen fahren, hat der große Bedarf an Transport zu den umliegenden Stadtteilen zur Folge, dass die Busse häufig überfüllt sind. Dieser Umstand in Zusammenhang mit der Planungsgeschichte, bzw. der Umsetzungsgeschichte der Großwohnsiedlung als autogerechte Stadt, bedingen immer noch eine erhöhte PKWAbhängigkeit des Gebietes.

Osdorfer Born - Hauptbahnhof BUS

+

BUS

+

S S

= 25 min + 9 min = 15 min + 18 min

Osdorfer Born - Bahnhof Altona BUS BUS

Osdorfer Born

Ottensen & Altona Altstadt

= +

30 min

S

= 16 min + 11 min

Innenstadt


44

Bebauung und Wohnungsbau 69

6W oh

ne

inh

eit

en

=

14

%

alle

rG

50

GFZ: 0,9 Geschosswohnungen: 5100

0m

esc

ho

ssw o im hnun Sta ge dtt n eil

Bornheide 80/82

Immenbusch

Achtern Born


45

Mit der Konzeptidee “weg von der Zeile” sollte im Osdorfer Born eine besondere Bebauungsstruktur geschaffen werden, die aus nicht gradlinig angelegten Wohnbändern besteht. Die städtebauliche Dominante in dieser Struktur stellen die sechs bis 21 Stockwerke hohen Gebäude entlang der nordsüdlich verlaufenden Haupterschließungsstraße Bornheide dar. Besonders auffällig sind die terrassenförmig abgestuften Hochhäuser im Immenbusch und Achtern Born. Aber am stärksten wahrnehmbar, ist das Hochhaus Bornheide 80/82, das sich im nordöstlichen Teil der Siedlung von niedriger Bebauung umgeben befindet. Die restliche Bebauung im Osdorfer Born besteht aus drei- bis vier-geschossige Zeilen, die weder eine klare Blockstruktur noch eine typische Zeilenbebauungsstruktur aus

den 1950er und 1960er Jahren haben. Die Hälfte aller Wohnungen befindet sich in eben diesen niedrig gebauten Zeilen. Im ganzen Stadtteil gibt es insgesamt etwa 5100 Geschosswohnungen. Zwanzig Prozent davon sind in Gebäuden mit sechs bis neun Geschossen errichtet, die restlichen dreissig Prozent befinden sich in 10- bis 21-geschossigen Hochhäusern. Das Besondere der Wohnungen von Osdorfer Born ist ihr Größe. Ende der 80er Jahre besaß der Stadtteil mehr große Wohnungen als jede andere Großsiedlung in Hamburg aus dieser Zeit. Die SAGA, die den größten Anteil (53 % am Gesamtbestand) von Wohnungen im Projektgebiet errichtet hat, hatte Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre die Hälfte aller ihrer Wohnungen als Dreizimmer-

wohnungen mit durchschnittlich 73 qm Wohnfläche erbaut. Mit dem Neubau Ende der 1980er Jahre hat sich dieser Anteil verändert, indem er zugunsten kleinerer und größerer Wohnungen gesunken ist. Grund dafür war die veränderte Struktur der Haushaltstypologien durch mehr ausländische Familien und Singlehaushalte (siehe Grafik unten, S. 45).

Wohnungsgrößen im Wohnungsbestand der SAGA, nach Bauabschnitten, Quelle: SAGA 60er/70er Jahre 9 % 1Z 36 qm 22 %

2Z

58 qm

80er Jahre 90 qm

20 %

4Z

30 %

1Z 2Z

31 %

73 qm

50 %

10 %

Z = Wohnungszimmer

93 qm

22 %

4Z

56 qm 75 qm

3Z

3Z

46 qm

110 qm

6%

>4Z


46

Sozial- und Versorgungsinfrastruktur DRK Förderschule

Seniorenzentrum

Sprachheilschule

Kita Soziale Wohnunterkunft Bezirkssporthalle

Jugendhilfe

Kita

Gesamtschule SV Lurup

Spielplatzhaus

SV OB Haupt- und Realschule

Bürgerhaus Bornheide

Elternschule

Stadtteilbüro

KL!CK Kindermuseum

Altentagesstätte

Bücherhalle

Kita

Kita

Jugendgerichtshilfe

SAGA

Grundschule

Legende: Wohnen Gemeindebedarf Handeln u. Dienstleistungen Gewerbe


47

Wie in den meisten Großwohnsiedlungen wurde für die Nahversorgung im Osdorfer Born eine zentral angelegte Struktur geplant, in der die Stadtmitte als Hauptanziehungspunkt für die Bewohner fungieren sollte. Das Nahversorgungszentrum Born Center bietet nicht nur Einkaufsmöglichkeiten sondern auch Dienstleistungsgewerbe sowie öffentliche und soziale Einrichtungen an. Bisher diente das Zentrum eher primär der Deckung der Bedürfnisse von direkten Bewohnern. Mit der Neueröffnung des REWESupermarkts im Jahr 2011 hat sich der Einzugsgbereich des Zentrums jedoch bis zu den umgebenden nahegelegenen Wohngebieten ausgedehnt. Im südlichen Teil von Osdorfer Born befindet sich ein zweiter wesentlich kleinerer Einkaufsund Versorgungsbereich, der sich auf beiden Seiten der

Hauptstraße Bornheide erstreckt. Entlang der nördlichen Straßenseite befindet sich eine Ladenzeile mit verschiedenen Lebensmittel- und Geschäftsläden, die überwiegend zur Abdeckung des täglichen Bedarfs bestimmt sind, während sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ergänzende Einzehandels- und Dienstleistungsangebote wie Penny oderBaumarkt befinden. Den nicht täglichen Bedarf decken die Subzentren - das ElbeEinkaufszentrum und das Zentrum am Eckhoffplatz ab. Beide Subzentren sind jeweils in einer Fahrzeit von 15 Minuten mit dem Bus erreichbar. Die Gemeindebedarfseinrichtungen wie Kindertagestätten und Schulen sind über die ganze Großwohnsiedlung verteilt. Es gibt Angebote sowohl für Kinder und Jugendlichen als auch für Senioren. Im Osdor-

fer Born befindet sich auch das KL!CKKindermuseum, das an Wochentagen regelmäßig von Kindergarten- und Schulgruppen besucht wird. Das Angebot ergänzen noch die Kirche, die öffentliche Bücherhalle, die Elternschule Osdorf und das DRKZentrum an der Bornheide. Die soziale Infrastruktur im Stadtteil wird mit der Planung bzw. Umsetzung eines neuen Bürgerhauses (siehe Bild, unten rechts, S.47) erweitert. Mit 6400 Quadratmeter soll das Projekt das größte Bürgerhaus Hamburgs werden (Hamburger Abendblatt, 30.01.2012). Engagierte Bewohner hatten seit Jahren für eine Alternative zu dem einzigen Anziehungspunkt innerhalb des Stadtteils - dem Einkaufzentrum gekämpft.Zentral war in ihrer Argumentation der Bedarf an einem Treffpunkt, der mehr als Konsum ermöglichen sollte.


48

Erschließungs- und Freiflächen Das Wesentliche bei der Erschließungsstruktur von Os-dorfer Born ist die Trennung der Bewegungsströme. Der Fuß- und Fahrradverkehr sind durch ein eigenes separates Wegesystem weitgehend vom Fahrverkehr getrennt. Die Erschließung für den motorisierten Verkehr ist auch in einem klar untergeordnetesnSystem angelegt. “Rückgrad” dieses Systems ist die Hauptwohnsammelstraße Bornheide, durch die die gesamte Gebietserschließung erfolgt. Sie hat eine vierspurige Fahrbahnbreite. Nur zwei der vier Spuren sind für den Durchgangsverkehr vorgesehen, die voneinander durch einen grünen Mittelstreifen getrennt sind. Die anderen zwei Spuren sind für den Ruheverkehr und als Grünabstand geplant. Die inneren Wohnbereichen der Großwohnsiedlung sind über Tempo-30-Sammelstraßen erschlossen, von denen auch kleineren Stichstrassen abzweigen. Auf der Erschließungsseite der Wohngebäude befinden sich die Stellplätze. Ein großer Teil davon ist in zweigeschossigen Parkpaletten (siehe Bild rechts, S. 48) untergebracht, der Rest sind offene Parkflächen.

Legende: Hauptverkehrstrasse Legende: Sammelstrasse Hauptverkehrstrasse Anliegerstrasse Sammelstrasse Fußund Radwege Parkplatz Anliegerstrasse Fuß- und Radwege Parkplatz


49

Legende: Legende: öffentlich öffentlich halböffentlich halböffentlich privatprivat

Innerhalb und am Rande von Osdorfer Born gibt es einen für eine Großwohnsiedlung vergleichsweise hohen Anteil an privaten und öffentlichen Freiflächen. Zu den öffentlichen gehören Spielflächen, grüne Wiesen, Grünräume mit hochwüchsigen Bäumen und Sträuchen, sowie großzügige Wege. Die privaten Flächen bestehen aus privat angelegten Beet- und Gartenanlagen bzw. Mietgärten an Wohngebäuden (siehe Bilder, S. 49). Es gibt auch halböffentliche Gemeinschaftsanlagen, die direkt an die Wohngebäuden oder deren Kleingärten angrenzen. Privatgrünflächen gibt es in Osdorfer Born erst seit Anfang der 80er Jahre, als die SAGA den Bewohnern ca. 1,2 ha Abstandsgrün für die Bildung von Mietgärten freigegeben hat. Aufgrund der peripherien Lage der Großwohniedlung und ihrer Angrenzung an umfangreiche Grünzonen für Freizeitaktivitäten wie der Borner Park wurde im Wohngebiet selbst kein großer Park errichtet.


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Bewohner

Fotoausstellung: “Leben im Born - 18 Lieblingsorte in Wohnungen im Osdorfer Born”, festgehalten von Sven Schwalm, betreut und gestaltet von Gerrit Peters. Im Auftrage der Wohnungsunternehmen in Osdorf, interkulturelles Festival “Gemeinsam leben im O.B.” Sept. 2006


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“Das Problempotenzial des Projektgebietes Osdorfer Born könnte also so umrissen werden: Konzentration von Sozialhilfebezug und Arbeitslosigkeit, Anzeichen von Armut; hoher Kinderreichtum in Verbindung mit vielen alleinerziehenden (tendenziell ärmeren) Eltern, v.a. Frauen; überdurchschnittlich viele Menschen ohne deutschen Pass bzw. mit Migrationshintergrund, wobei auffällig wenig Kleinkinder und Alte darunter sind. Und: positive wirtschaftliche Trends, die in der räumlichen Umgebung zu beobachten sind, schlagen auf den Born kaum durch.” QUEK, 2004

Die Bevölkerungszahl von Osdorfer Born beträgt 12 875 Einwohner (Stand 31.12. 2004). Nach der Fertigstellung aller Wohnungen Anfang der 1970er Jahre wohnten hier ca. 15 000 Menschen. Schon im nächsten Jahrzehnt ist die Bevölkerungszahl stark auf 12 600 Einwohner gesunken. Seit den 1980er Jahren bis heute hat sich die Zahl auf etwa 12 000 Einwohner eingependelt. Die Bevölkerungsstruktur charakterisiert sich durch einen sehr hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen (bis 20 Jahren) die ein Viertel der Gesamtbevölkerung im Stadtteil bilden. Im Jahr 2004 liegt dieser Anteil mit 25,3% weit über dem Hamburger Durchschnitt von 17,8 %. Dafür ist aber die Gruppe der zwischen 20- und 40-Jährigen stark unterrepräsentiert im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt Hamburgs (siehe Grafik oben, S. 51) Trotz der positiven Alterungsstruktur ist in Osdorfer Born ein allgemeiner “Überalterungstrend” festzustellen. Die zweite auffällige Charakteristika an der Bevölkerungszusammensetzung im Osdorfer

Born ist der Anteil der Ausländer. Fast ein Fünftel der Gesamtbevölkerung sind Ausländer, für Hamburg liegt diese Zahl bei ca 15%. Die meisten Ausländer in der Großwohnsiedlung sind in der Altersgruppen zwischen 20 und 40 Jahren (siehe Grafik, mitte, S. 51). Zusammen mit der Tatsache, dass genau diese Altersgruppe unterpräsentiert ist, könnte dies als eine leichte Abwanderungstendenz unter den jungen Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit interprätiert werden. Die Sozialstruktur der Bevölkerung weist negative Tendenzen auf und bezeichnet Osdorfer Born als einen sichtbar sozial benachteiligten Stadtteil. Die Bewohner sind ärmer als der Hamburger Durchschnitt und stärker von Arbeitslosigkeit (siehe Grafik, unten, S. 51) und Sozialhilfebezug betroffen. Arbeitslosigkeit betrifft nicht nur Eltern kindreicher Familien und alleinerziehnden Frauen, so-ndern auch viele Bewohner aus der Altersgruppe zwischen 25 und 54 Jahren. Dies bedeutet ein großes soziales Problempotential für den gesamten Stadtteil.

Anteil der Altersgruppen an der Bevölkerung im Osdorfer Born u. in Hamburg 2004

Quelle: Statistikamt Nord, 2004 (QUEK 04)

Ausländeranteil nach den Altersgruppen Ausländeranteil im Osdorfer Born u. in Hamburg 2004 35

%

Osdorfer Born

30

Hamburg

25

20

15

10

5

0

0 - 6 J.

6 - 10 J. 10 - 15 J. 15 - 20 J. 20 - 30 J. 30 - 40 J. 40 - 50 J. 50 - 65 J. 65 - 80 J. über 80 J.

Quelle: Statistikamt Nord, 2004 (QUEK 04)

Anteil der Arbeitslosen (15 bis 64 J.) im Osdorfer Born u. in Hamburg 2004

Quelle: Statistikamt Nord, 2004 (QUEK 04)


52

Treffpunkte

Im Stadtteil gibt es unterschiedliche öffentliche Treff- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Manche Orte sind der Aufenthaltsfunktion zugewiesen, manche haben sich die Bewohner selber ausgesucht. Durch die mehreren Beobachtungen vor Ort konnten viele von den Treffpunkten identifiziert werden. Es wurde beobachtet, wer sich dort mit wem, wie und warum aufhält. Je nachdem, von wievielen Menschen die Orte benutzt werden, sind sie mit dem entsprechenden Intensitätspunkt markiert:

viele Menschen

relativ viele

weniger

Es fällt auf, dass es im öffentlichen Raum eine starke Trennung zwichen den Aufenthaltsorten von Frauen und Männern gibt.


53

Der grosse Spielplatz an der Bornstrasse ist ein beliebter Aufenthaltsort für Kinder und deren Eltern, besonders für die Mütter.

Sitzgelegenheiten mit Tischen gibt es im Stadtteil nicht so oft. Sie werden vorwiegend von Männern zum Spielen benutzt.

Auf der anderen Straßenseite des Born Centers gibt es zwei aufgestellte Bänke. Sie werden oft als Sitzmöglichkeiten benutzt. Besonders am Wochenende werden sie zum Treffpunkt vieler Bewohner.Grund dafür ist ihre für den Stadtteil zentrale Lage. Die Gruppe auf dem Bild hat Musik mitgebracht, die in einem Umkreis von 15 Metern gut zu hören war. Dadurch ist eine stimmungsvolle Atmosphäre entstanden. Alkohol wurde auch konsumiert. Der gleiche Aufenthaltsort unter der Woche. Männergruppen sind überrepräsentiert an diesem Ort.

Die wenigen Cafés im Born Center bieten einen Innentreffraum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Die Jugendlichen und die jungen Erwachsenen sind hier nicht oft zu sehen.

Der Außenraum des Born Centers bietet sowohl kommerzielle, als auch öffentliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Es gibt gemischte Bescuher.

Rund um die Statue hinter Bornheide 79 befindet sich ein der Trefforte Jugendicher aus dem Stadtteil. Auffällig ist die ausschließlich männliche Präsenz. Die direkte Außenumgebung der Wohnhochhäuser ist im Sommer der Aufenthaltsort und Treffpunkt vieler Frauen und Müttern. Sie dient auch als freier Spielraum für die Kinder.


54

Potenziale sichtbar machen • Die randstädtische Lage des Osdorfer Borns und die unzureichende Verbindung zur Innenstadt stellen für die Anwohner einen Mangel dar. Jedoch bietet die Lage des Stadtteils einen direkten Zugang zur umliegenden Natur, die hauptsächlich der landwirtschaftlichen Nutzung gewidmet ist. Der Widerstand der Altonaer Bürger gegen Bestrebungen der Handelskammer, die landwirtschaftliche Nutzung der Osdorfer Feldmark zu Gewerbenutzung zu transformieren (siehe Kapitel III, S.40-41), zeigt das Bevölkerungsinteresse an landwirtschaftlichen Räumen in Stadtnähe auf. Neue Konzepte können gedacht werden um Stadt und Landwirtschaft zu vereinen und Selbstversorgung des Stadtteils zu gewährleisten. • Die schlechte Anbindung an die Innenstadt (siehe Kapitel III, S.42-43) kann durch eine (Neu)Orientierung zur direkten, gut angeschlossenen Umgebung bewältigt werden. Dies könnte z.B. durch ein gesteigertes Angebot auf ökonomischer und kultureller Ebene im Osdorfer Born geschafft werden wodurch die Großwohnsiedlung zur neuen Stadtmitte für Osdorf und Lurup werden würde. • In der Großwohnsiedlung ist ein Mangel an kulturelle Angebote festzustellen (siehe Kapitel III, S. 46-47). Die vorstehende Errichtung des neuen Bürgerhauses (bisher das größte in Hamburg) spiegelt einerseits das Interesse der Stadt Hamburg am Osdorfor Born wider und ist andererseits ein Beleg für den Bedarf der Bewohner an einer Vermehrung der Kultur- und Freizeitangebote. • Osdorfer Born war zu seiner Entstehungszeit wegen seiner durchschnittlich sehr großzügig geschnittenen Wohnungen (siehe Kapitel III, S. 44-45) sehr begehrt. Mit der Image-Verschlechterung (siehe Kapitel II, S. 30-31) wurde die Großwohnsiedlung mit einem starken Bevölkerungsrückgang konfrontiert. Heute ist Hamburg eine wachsende Stadt, die in der Zukunft weiterwachsen wird (siehe Kapitel IV, S.59), der städtische Wohnungsbestand erweist sich aber als unzureichend für die neuen Zuziehenden und Großwohnsiedlungen wie Osdorfer Born werden als Wohnort nicht bevorzugt. Um die Wohnungen in Osdorfer Born für poteziellen Zuzihenden attraktiv zu gestalten, müssten Grundrisse transformiert werden und an die Bedürfnisse angepasst werden. • Die räumliche Nähe der Großwohnsiedlung zu dem Forschungsinstitut DESY (siehe Kapitel III, S. 40-41) kann im Zusammenhang mit der Wohnungsnot in Hamburg als Potenzial für Zuzüge von internationalen Forschern und deren Familien nach Osdorfer Born gesehen werden. Dies würde zu einer besseren sozialen und kulturellen Mischung führen. • Die Haupterschließungstraße Bornheide dient derzeit nur dem motorisierten Verkehr (siehe Kapitel III, S.48). Es fehlen Attraktivitäten, die die öffentliche Nutzung des Straßenraums von Bewohnern fordern werden. Dennoch kann die Zentralität der Straße in der städtebaulichen Struktur als Potenzial gesehen werden. Die breiten Abstandsräume zwischen dem Gehesteig und den Wohngebäuden können durch die Errichtung neuer Werkstätte, Ateliers und Geschäftsräume neuer Nutzungen gewidmet werden.


55

• Die zahlreichen und großflächigen Parkplätze bzw. zweistockigen Parkhäuser (siehe Kapitel III, S.48) stehen tagsüber meistens leer. Ihre Flächen können effizienter von den Bewohnern benutzt werden, indem auf ihnen neue Attraktionen oder Möglichkeitsräume errichtet werden, die die Potenziale des Raumes entfalten würden. • Eine wichtige Qualität des Osdorfer Borns ist die Verfügbarkeit von umfangreichen Freiflächen im Stadtteil. Der Anspruch an mehr Privatgärten in den 80er Jahren und die intensive Nutzung der Gemeinschaftsgärten heutzutage (siehe Kapitel III, S.49) weisen das Bedürfnis der Bewohner an privat angelegten Freiflächen auf. Der Zugang zu den Privatgärten ist aber nur von den Erdgeschosswohnungen möglich, d.h. nicht alle Bewohner können einen eigenen Garten haben. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert weitere Räume als passend zu privatem und gemeinschaftlichem Gärtnern zu erkennen und weiterzuentwickeln. • Die negativen sozialdemografischen Tendenzen (siehe Kapitel III, S. 50-51) können u.a. durch einen generationsübergreifenden Bildungszugang und neue Realisierungsmöglichkeiten, die in den oben genannten neuen Möglichkeitsräumen entstehen können, gebremst werden. Damit kann einen neuen Weg für Osdorfer Born eingeschlagen werden.


1970

1960

1950

1940

1930

1920

1910

1900

56


57

Kapitel IV

Zukunft

2060

2050

2040

S. 58 S. 59 S. 60 S. 61 S. 62-63 S. 64-65 S. 66-67

2030

2020

2010

2000

1990

1980

Wandel der Arbeitswelt Demographischer Wandel Klimawandel Zukunftstendenzen Hamburg 2030 - best case scenario Hamburg 2030 - worst case scenario Zukunftsf채higkeit Osdorfer Borns


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Wandel der Arbeitswelt Der Begriff „Wandel der Arbeit“ bezeichnet im Allgemeinen den Übergang von der industrie- zur dienstleistungsund wissensbasierten Ökonomie. Die Zeit der traditionellen Industriesysteme, die auf Massenproduktion und den großmaßstäblichen Raumstrukturen der Fabriken und Großraumbüros und den Normalarbeitsverhältnissen (feste Arbeitszeiten und sozialrechtliche Absicherung) orientiert wurden, ist langsam vorbei. Heute steht das menschliche Potenzial mit seiner Kreativität, intellektuellen Kapazität und sozialen Interaktionsfähigkeit vielmehr im Vordergrund. Diese Arbeitsumstrukturierung, die in der Veränderung der Unternehmensstrukturen, der Arbeitsorganisation und des Verhältnisses von Arbeitsund Lebenswelt besteht, ist noch am Anfang und kann nicht als abgeschlossenes Phänomen bezeichnet werden. Das bis jetzt „gut funktionierende sozioökonomische Entwicklungsmodell“ in den westeuropäischen Ländern löst sich unter den Bedingungen vom globalen Wettbewerb und gesellschaftlichen Strukturwandel zunehmend ab und es ist nicht klar wie das neue Ersatzmodell aussehen soll, damit es auch Erfolg für die Zukunft der Gesellschaft versprechen kann. Der Wandel in der Arbeitswelt ist ambivalent. Einerseits richtet sich die Ökonomie auf eine neue Produktionsweise aus, die auf flexibleren, kleinteiligen, netzwerkartigen und dezentralisierten Unternehmensstrukturen und Selbstorganisationsmuster basieren. Andererseits begünstigt diese Umstrukturierung die Entwicklung der ungeregelten Beschäftigungsverhältnisse und die damit verbundene Zunahme prekärer Beschäftigung (Läpple 2006, S.25). Im Prozess der Unternehmensanpassung an die sich veränderte wirtschaftliche Situation

muss ein Weg gefunden werden, um die nicht mehr geltenden Normalarbeitszeiten und Normalarbeitsverhältnisse neu zu organisieren und so den unterschiedlichen neuen Arbeitsund Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, Telearbeit oder befristete Vertragsarbeit, eine bessere Verflechtung mit dem Lebensstil und der Lebensweise anzubieten. Die Entgrenzung von Arbeitsund Lebenswelt (Läpple 2006, S.27) ist die Folge, die die wesentliche Auswirkung auf die städtische raum-zeitliche Organisation hat. Arbeit und Wohnen rücken immer näher zusammen, was zu ihrer räumlichen Einheit führt. Bei dem traditionellen Modell der industriellen und teilweise der postindustriellen Gesellschaft wurde das Leben durch die normierten Arbeitszeiten in verschiedene Zeitphasen aufgeteilt: Arbeiten, Wohnen und Freizeit korrenspondieren mit der Aufteilung in verschiedene Raumkategorien Arbeitsraum, Wohnraum, Raum für Erholung und Freizeit (Schader Stiftung, 2004). Die heutige Situation verlangt jedoch neue Raumstrukturen des Arbeitens und Wohnens, die der Verflechtung vom beruflichen, sozialen und persönlichen Leben adäquater entsprechen. Die Pluralisierung der Arbeitsformen bedingt einen Bedarf an vielfältigem und flexiblem Raum für Selbstverwirklichung durch die Arbeit, das Privatleben und die Freizeitaktivitäten. Die Pluralisierung der Arbeit weist neben ihrer positiven Auswirkung in wechslungsreiche Arbeitsformen noch eine verborgene negative Tendenz auf, die das soziale Gleichgewicht in den Städten gefährdet. Die verschiedenen Arbeitsformen be-

dingen gleichzeitig Ungleichheiten in den Einkommens-, Vermögens- und Erwerbstrukturen der Bevölkerung, die ihrerseits zu Veränderungen in der räumlichen Verteilung der Bevölkerung in der Stadt führen. Es entstehen räumliche Ausgrenzungen besonders für diejenigen Mitglieder der Gesellschaft, die es nicht schaffen, sich an die neuen Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen. Die typischen Arbeiterstadtquartiere und die Stadtteilen mit einem großen Anteil von sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten sind die Stadträume, die besonders vom Strukturwandel der ökonomischen Basis der Städte betroffen sind.


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Demographischer Wandel Wandel

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Ehepaare mit Ehepaare Ehepaaremit ohneEhepaare EinpersonenEinpersonen- EinpersonenAlleinerzieohne EinpersonenKindern Kindern haushalte haushalte von haushalte hende Kindern Kindern von haushalte von von Frauen Männern Frauen Männern

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Haushalte Familienmit mit Familien Sonstige Nichteheliche Nichteheliche Alleinerzie-mit Haushalte mit Sonstige 3 hende und mehr 3 und nicht mehr Haushalte Lebensgemeinmehr nicht mehrohne Haushalte ohne LebensgemeinGenerationen Generationen ledigen KindernledigenKinder schaften Kindern Kinder ohne schaften ohne Kinder Kinder

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Quelle: Statisches Bundesamt, Mikrozensus zit. nach Engstler/Menning 2003: 34 2003: 34 Quelle: Statisches Bundesamt, Mikrozensus zit. nach Engstler/Menning

Quelle: Statisches Bundesamt, Mikrozensus zit. nach Engstler/Menning 2003: 34

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Haushaltstypen Deutschland 2000 (38,1 Haushaltstypen Deutschland 2000 Mio. (38,1Haushalte) Mio. Haushalte) %

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Ehepaare ohne EinpersonenKindern haushalte von Frauen

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* Die Bevölkerungsprognose für Hamburg geht aus, dass im Zeitraum 2004-2020 die geht Ge*davon Die Bevölkerungsprognose für Hamburg samtbevölkerung um ca. 76 000 von davon aus, dass imHamburgs Zeitraum 2004-2020 die Ge1,74 Mio. auf 1,81Hamburgs Mio. Einwohner (Hamsamtbevölkerung um ca.steigt. 76 000 von burg Mio. – Räumliches Leitbild, Entwurf,steigt. 2007)(Ham1,74 auf 1,81 Mio. Einwohner Die Bevölkerung lag am 2007) 31.12.2009 burg – RäumlichesHamburgs Leitbild, Entwurf, bei 1Bevölkerung 774 224 (Statistikamt Die HamburgsNord) lag am 31.12.2009 bei 1 774 224 (Statistikamt Nord) ** Hamburg liegt damit 2005 weit über dem Bundesdurchschnitt von 19%. Der Anteil derdem Be** Hamburg liegt damit 2005 weit über völkerungsgruppe unter 18 Jahren liegt inder HamBundesdurchschnitt von 19%. Der Anteil Beburg bei 46 %. (Hamburg Räumliches völkerungsgruppe unter 18 –Jahren liegt inLeitbild, Hamburg bei2007) 46 %. (Hamburg – Räumliches Leitbild, Entwurf,

Ehepaare mit Kindern

Haushaltstypen früheres Bundesgebiet 1972 (23 Mio. Haushaltstypen früheres Bundesgebiet 1972 (23Haushalte) Mio. Haushalte)

entieren kann, sodass sie Verantwordas Quartier und füreinander: die tung Quartier Altenfürfürdasdie Jungen,und diefüreinander: Jungen für die Alten Jungen, die für Jungen Alten, für die die Einheimischen die für die Alten,die dieZuwanderer Einheimischen für Zuwanderer, für die die Zuwanderer,diedieNachbarn Zuwanderer für Einheimischen, für die die Einheimischen, Nachbarn für Nachbarn nebenan die tragen. die Nachbarn nebenan tragen. Das Quartier als Ort des gemeinsaDas alsder OrtMittelpunkt des gemeinsamen Quartier Lebens ist der men Lebens ist der Mittelpunkt Die der zukünftigen Stadtentwicklung. zukünftigen Stadtentwicklung. Die soziale Bindung an die Nachbarschaft soziale an die Nachbarschaft und dieBindung Eigeninitiative und Engageund undunterstütEngagementdie derEigeninitiative Bevölkerung zu ment der Bevölkerung zu unterstützen sind wichtige Voraussetzungen, zen sindQuartiere wichtige als Voraussetzungen, um die lebendige und um die Quartiere beliebte Wohnortealsin lebendige der Zeit und des beliebte WohnorteWandels in der zu Zeiterhaldes Demographischen Demographischen Wandels zu erhalten. ten.

§

Einerseits wechselt sich die Bevölkehin zur rungsdynamik vom vomWachstum Wachstum hin Abnahme und andererseits verändert zur Abnahme und andererseits versich die innere Zusammensetzung der ändert sich die innere ZusammenBevölkerung nach dem Alter, setzung der Bevölkerung nach nach dem der Herkunft undHerkunft nach derund Artnach des Alter, nach der Zusammenlebens in privaten Hausder Art des Zusammenlebens in halten (Bundesamt Bauwesen und privaten Haushaltenfür(Bundesamt für Raumordnung, Die AlterungsBauwesen und 2009). Raumordnung, 2009). und Alterungsdie HeterogenisierungstendenDie und die Heterogezen bringen auch Veränderungen der nisierungstendenzen bringen auch Sozial- und Familienstrukturen Veränderungen der Sozial- und mit Fasich. Waren in den 1970er Jahren milienstrukturen mit sich. Waren in die Ehepaare mit Kindern die größden 1970er Jahren die Ehepaare mit te Haushaltstypgruppe (1972: 39%), Kindern die größte Haushaltstypgrupso (1972: ist 30 Jahre ebenso pe 39%), später so ist 30 Jahre groß späwie ebenso die Gruppe der die Ehepaare ter groß wie Gruppeohne der Kinder (s. Abb Das klassische FaEhepaare ohneN). Kinder (siehe Grafik milienmodell der klassische Nachkriegszeit ist unten, S.59). Das Familien-

modell der Nachkriegszeit schon schon längst nicht mehr dasistLeitbild längst nicht mehr das Gesellschaft. Leitbild der der westeuropäischen westeuropäischen Gesellschaft. Die Die Zahl der Einpersonenhaushalte Zahl und der Einpersonenhaushalte Alleinerziehenden ist und geder Alleinerziehenden ist gestiegen. stiegen. Die Patchwork-Familie, die Die Patchwork-Familie, die (inter) (inter)national mobilen Arbeitnehnational mer oder mobilen HaushalteArbeitnehmer mit Transferoder Haushalte mit Transferleisleistungen, die Mehrgenerationentungen, die Mehrgenerationenlebensgemeinschaften sind neue lebensgemeinschaften sind neue Haushaltstypen, die neue vielfältige Haushaltstypen, neue vielfältige Wohnbedürfnissediehaben und die Wohnbedürfnisse und die von den Qualitätenhaben des städtischen von denviel Qualitäten des städtischen Lebens mehr abhängig sind. Lebens viel mehr abhängig sind. Die Herausforderungen des DeDie Herausforderungen Demographischen Wandels des für eine mographischen Wandels für eine wachsende Stadt wie Hamburg* wachsende Hamburg* bestehen vorStadt Allemwie in das miteinbestehen vor Es Allem das Einpermiteiander Leben. gibt in mehr nander Leben. Esmehr gibt Alleinerziemehr Einsonenhaushalte, personenhaushalte, Alleinerhende brauchen mehr Unterstützung ziehende brauchen Unterstützung beim Kindergroßziehen, die alleinbeim Kindergroßziehen, stehenden älteren Leute die sindalleinnicht stehenden älteren sind sozianicht mehr so mobil undLeute brauchen mehr mobil und brauchen soziale undso medizinische Betreuung. Fast le medizinische Betreuung. Fast einund Viertel der Hamburger Bevölkeein der Hamburger BevölrungViertel sind Menschen mit Migrationskerung sind Menschen hintergrund**. Es bestehtmit dieMigraFrage, tionshintergrund**. Es besteht die wie man die Leute neu orientieren Frage, wie man Leute neu orikann, sodass sie die Verantwortung für

aushaltstypen Deutschland 2000 (38,1 Mio. Haushalte)

Der Demographische Wandel ist ein gesamteuropäisches Phänomen, das strukturellen Veränderungen in die strukturellen der Gesellschaft bezeichnet. Die Bevölkerungszahl sinkt, die Menschen werden älter und die Gesellschaft heterogener. Diese Veränderungen beeinflussen enorm das miteinander Leben und die Auswirkungen sind in allen Lebensbereichen zu spüren.


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Klimawandel Der Begriff Klimawandel bezeichnet die Veränderung des Klimas, die sich in einen Temperatureinstieg weltweit, extreme Temperaturschwankungen und große Dürren, stärkere und häufigere Stürme sowie – daraus resultierend – ein steigender Meeresspiegel, abschmelzende Gletscher und Polkappen aufzeigt. All diese sind Umweltprobleme mit denen man in der Zukunft umzugehen lernen muss. Klimaveränderungen gab es immer wieder in der Erdeentwicklung, aber man geht heute davon aus, dass ein Großteil der globalen Erderwärmung und besonders die Geschwindigkeit mit der sie passiert auf den Menschen zurückzuführen ist, da er für den Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich gemacht wird. Rund 80 Prozent der Treibhausgase, 75 Prozent der weltweit verbrauchten Energie und 60 Prozent des Wasserverbrauchs entfallen auf Städte (Siemens, 2011). Nach dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen besitzen Städte die Schlüsselfunktion im Transformationsund Anpassungsprozess Klimawandel. Schon heute lebt ein Großteil der Weltbevölkerung in Städten, deren Expansion neue langlebige Infrastrukturen schafft, welche die Energienachfrage über lange Zeiträume beeinflussen werden. Die Klimasituation in Europa ist allerdings wegen des Demographischen Wandels mit keinen Bevölkerungszuströmen, als in anderen Orten der Welt, konfrontiert. Wichtige Herausforderungen für die europäische Stadt auf dem Weg zur Klimaverträglichkeit sind der Umbau bestehender Stadtstrukturen und die Transformation der Lebenseinstellungen der Gesellschaft. Die Stadt kann nicht grenzenlos wachsen, ständig Ressourcen aufsaugen und selbst schädliche Emissionen

in Luft, Wasser und Erde entlassen. Für die nachhaltige Zukunftsentwicklung der Stadt werden neue Leitbilder gebraucht. Nach Wolfgang Tiefensee wird 40 % der Energie in Deutschland in Gebäuden verbraucht und 30 % im Verkehrsbereich, also wenn die Gebäude energieeffizienter werden und die Stadtquartiere möglichst kompakt sind, dann werden wir die CO2-Emissionen erheblich reduzieren (Borries, 2008, S.89). Dazu gehören noch andere Handlungsansätze wie die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs in der Innenstadt und in den Stadtteilzentren, die Erhaltung und Schaffung von Freiräumen und die dezentrale Energieversorgung. Monofunktionale städtische Gebiete sollen mit Mischnutzungen nachverdichtet und regionale Wirtschaftskreisläufe gefördert werden. Die Umsetzung dieser Leitbilder, oder sogar nur eines davon benötigt viel Zeit und Geduld, muss entschlossen angegangen werden und muss die Einbeziehung der Bewohner in den

Planungsprozess vorsehen. Einerseits müssen die Städte zukunftsfähig für den Klimawandel werden, auf der anderen Seite müssen wir uns auf die absehbaren Folgen des Klimawandels einstellen.

CO2

E

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Zukunftstendenzen Wandel Arbeitswelt • Transformation des ökonomischen Basis der Städte • Pluralisierung der Arbeit → soziale Ungleichheiten → räumliche Verteilung der Bevölkerung und Ausgrenzung sozial benachteiligter Bevölkerungsschichten • Verflechtung von beruflichem, sozialem und persönlichem Leben

Demografie • Alterung und Heterogenisierung der Gesellschaft • Bildung neuer Haushaltstypen • miteinander Leben

Klima • Städte als die größten Verursacher und Antreiber der globalen Erwärmung • häufiger aufkommende Naturkatastrophen und abrupte Temperaturwechsel

→ neue Raumstrukturen des Arbeitens, Wohnens und der Freizeit, die Kombinierung der Funktionen ermöglichen

→ kurze Wege zwischen Arbeiten, Wohnen, Freizeit → gemischte Nutzung der Quartiere → mehr Möglichkeitsräume für Selbstverwirklichung durch Bildung und Qualifizierung → Wertstellung auf mehr lokale Produktion

→ neue individuelle und gesellschaftlich variierende Wohnbedürfnisse: - Wohnen im Alter, - Leben und Arbeiten mit Kind - gemischte Wohngemeinschaften u.a. → flexiblere Grundrisse

→ die Nachbarschaft als Ort des gemeinsamen Lebens; → kinder- und familienfreundliche Umgebung; → kurze Wege und Gewährleistung vielfältiger Mobilitätsformen → Treffpunkte innen und außen

→ energieeffiziente Architektur → Dach- und Fassadenbegrünung zur Verringerung der stadtklimatischen Defizite

→ energieeffizienter Verkehr und Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs von dem Stadteilzentrum → Nachverdichtung durch Mischnutzung und kurze Wege → Erhaltung und Schaffung von Freiräumen → Bepflanzung und Beschattung von Verkehrsflächen und Grundstücken

→ →kleinteilige, dezentrale und netzwerkartige Unternehmensstrukturen → keine strenge Funktionstrennung der Stadtgebiete → Bedeutungsgewinn der Stadtteilzentren → Forderung der stadtregionale Produktionskreisläufe

→ neuer Gesellschaftsver-

trag

→ Gewährleistung vielfältiger altersgerechten Mobilitätsformen im städtischen Großraum → neue Bildungsformen und mehr Bildungsmöglichkeiten → kompakte Siedlungsund Bebauungsstruktur durch Nachverdichtung und neue Verkehrskonzepte → Energieeffizienz im Verkehrsystem → Erhaltung und Schaffung von Freiräumen → Förderung lokaler Wirtschaftskreisläufe und lokaler Produktion


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Die Wasserstofftankstellen sind überall in der Stadt zu finden, die Wasserstoffbusse sind Standard für den ÖPNV.

Der damals erste innerstädtische IKEA ist längst nicht nur ein Geschäftsraum sondern bietet als Kooperationsprojekt Werkstätte und Arbeitsräume für junge Designer an. Ein innovatives Projekt, das nach Hamburg auch in anderen Städten angewandt wurde.

Neue Mitte Altona ist ein der Lieblingsparks und -treffpunkte der Altonaer Bürger. Er wurde 2020 fertiggestellt.

Die Straßebahn wurde trotz erster Abllehnung in 2016 fertiggestellt.

Die Wohnungsbauoffensive hat 70 000 Neubauwohnungen geschaffen.

Lokale Gemüse- und Obstproduktion wird durch die Stadt gefördert.

Die “IBA Weltquartier”- Umbaumaßnahmen sind als Standardmaßnahmen für Sanierungen und Erweiterungen von Wohnungen in Zeilenbebauungen geworden.

Gemeinschaftsgärten in der Stadt sind überall zu sehen.

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Hamburg 2030 - best case scenario


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Die Wasserflächen sind immer noch einer der beliebsten öffentlichen Räume.

Die Seilbahn zwischen den Landungsbrücken und Wilhelmsburg bleibt auch nach der Internationalen Gartenschau 2013 bestehen.

Wohnen im Wasser ist auch seit der IBA 2013 Standardwohnungsbauinitiative.

Schwimmen im Hafen ist an bestimmten Orten möglich.

Die Elbphilaharmonie ist seit 2015 fertiggebaut.

Elektromobilität ist in allen Formen verbreitet.

Der Containerhafen ist immer noch einer der modernsten Häfen der Welt.

Der Hafen ist seit 2016 für neue Stadtentwicklungsmaßnahmen geöffnet- experimentelle Wohnarchitektur im Hafengebiet ist das neue Hamburg Merkmal.

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Der Hafen ist immer noch wichtiger Bestandteil der Stadtsilhouette, hat aber wirtschaftlich an Bedeutung verloren.

Die Wasserfahrzeuge sind Pflicht für jeden Haushalt geworden, um in Notsituationen schnell reagieren zu können.

Der 8m-Deichschutz hat sich als ungenügend für die immer häufigeren heftigen Niederschläge ergeben und die Stadt wird oft überflutet.

Die Zahl der Obdachlosen hat sich verdreifacht.

Demonstrationen wegen Armut und hoher Arbeitslosigkeit finden regelmäßig in vielen Stadtteilen statt.

Die Wohnungsnot hat viele Menschen ohne einer Basis-Unterkunft gelassen.

Die von der Stadt geförderten Wohnungen werden aus finanziellen Gründen nicht mehr saniert und renoviert.

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Großformen ähnlich dem städtebaulichen Leitbild “Urbanität durch Dichte” wurden weitergebaut und haben sich als luxuriöse Etagenwohnungen neu etabliert.

Die Polarisierung der Gesellschaft hat einen Höhepunkt erreicht, indem die Machtverhältnisse zugunsten der privilligierten Reichen stehen.

Die soziale Schere geht stärker auseinander. Luxuriöse Villas beherbergen die sich aus dem Rest der Welt heraushaltenden Reichen.

Die Kreuzfahrtschiffe, die so wichtig für die Wirtschaft sind, kommen immer seltner nach Hamburg wegen der häufigen Überflutungen und halten dann nur im Herzen des reichen Hafen City.

Die Elbphilaharmonie ist immer noch nicht fertig, da der Bau sich noch mehr verteuert hat und die Finanzmittel umgeleitet werden mussten.

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Zukunftsfähigkeit Osdorfer Borns • vertikale und horizontale Ausweitung des Wohnraums - mehr privater Möglichkeitsraum

• neue Raumstrukturen, die zusätzlichen Raum zum Arbeiten, Freizeit und Austausch der Bewohner und deren Netzwerke anbieten – Möglichkeitsräume, Produktionsräume, Treffpunkte

• Dezentralisie Steigerung der Wohnbreichen durch Dichte a Kultur“

• Nachverdichtung in den nicht genutzten Freiflächen durch Mischnutzung - kurze Wege zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeit

• bei einem best-case-Scenario wird der Osdorfer Born ein lebendiger, beliebter und aktiver Stadtteil Hamburgs, der der Nachhaltigkeitstendenze entspricht und wegen seiner Wohn-, Arbeits- und Freizeitanreize als Anzugspunkt für die umgebende Stadtgebiete funktioniert.


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erung der Siedlungsmitte und r Funktionsdichte in den reinen n der Siedlung – „Urbanität an Erlebnissen, Traditionen und

• Dach und Fassadenbegrünung zur Verringerung der stadtklimatischen Defizite

• mehr Flächen für eigene lokale Energiegewinnung aus regenerativen Energiequellen

• intensivere und produktivere Nutzung der Freiflächen

• bei einem worst-case-Scenario bleibt der Osdorfer Born einer der schwächsten und sozial benachteiligsten Stadtteilen Hamburgs, der die Flüchtlingen aus der überfluteten Gebieten aufnimmt. Dadurch entstehen in der Siedlung Wohnungsnot und noch prekärere Wohnbedingungen.


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Kapitel V

Projekt Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung des Osdorfer Borns Maßstabsebene der Transformation Urbane Landwirtschaft Food Station Vielfältige Straße Share-Station Wohnerweiterung Dachgarten

S. 71 S. 72-73 S. 74-77 S. 78-79 S. 80-83 S. 84-85 S. 86-87

“Ideen werden erprobt, indem jemand seine Ideen gegen die Gegenwart stellt.” Bernd Beggemann, Zukunftscamp “Nexthamburg” 06.02.2012


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Maßstabsebene der Transformation

Urbane Landwirtschaft Food Station Vielfältige Straße Share-Station Wohnerweiterung Dachgarten


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Urbane Landwirtschaft


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Die Urbane Landwirtschaft ist kein neues Phänomen. Es lässt sich unter verschiedenen Formen in vielen Städten der entwickelten Ländern, vor allem in Europa und in den USA, beobachten. Ob über Gemeinschaftsgärten, interkulturelle Gärten, City Farms, Nachbarschaftsgärten, Kinderbauerhöfe oder Urban Gardening gesprochen wird, immer ist dabei der allgemeine Begriff “Urbane Landwirtschaft”. Bedeutung Das Gärtnern hat viele positive Auswirkungen sowohl auf den Menschen als auch auf die Gemeinschaft und sogar den ganzen Stadtteil. Es bietet städtische Naturerfahrung, Raum für Selbstverwirklichung, Begegnungsraum und Gemeinschaftstreff für die Community. Durch das gemeinsame Gärtnern profitiert der ganze Stadtteil, vom zivilgesellschaftlichen Engagament der Bewohner. Dadurch wird die Lebensqualität aller erhöht. Oft erhalten auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen die Chance, sich mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten in das Stadtteilsleben einzubringen. Die Urbane Landwirtschaft ist von einer hohen ökologischen und sozialen Bedeutung für

unsere Städte. Durch Handlungsansätze in diesem Bereich kann ein wichtiger Beitrag gegen den Klimawandel, den Wandel der Arbeitswelt und die demografischen Veränderungen geleistet werden. Voraussetzungen vor Ort Osdorfer Born verfügt über viel Freiflächen zwischen den Bebauungsstrukturen. Kleine Teile davon wurden von den Bewohnern noch in den 80er Jahren für Privat- und Gemeinschaftsgärten umgenutzt - ein Hinweis darauf, dass die Gartnernkultur vor Ort schonvorhanden ist. Die Lage, direkt an fruchtbares Agrarland wie die Osdorfer Feldmark ist die größte Voraussetzung Urbane Landwirtschaft in Osdorfer Born durch neue Konzepte umzudenken und vor Ort im größeren Maßstab anzuwenden. Konzeptvorschlag Damit mehreren Leuten den Zugang zu einem neuen Beschäftigung- und Selbstverwirklichungsraum ermöglicht wird, kann und muss ein neues Konzept für die Parzellierung und Nutzung des landwirtschaftlichen Landes entwickelt werden. Die Landwirtschaft in der Stadt kann und soll auch als Erlebnis betrchtet werden. Sowohl die

Borner als auch alle anderen Hamburger werden ihre Spaziergänge durch die landwirtschaftlichen Felder machen können. Damit wird die Naturerfahrung mit dem Produktionserfahrung kombiniert und ein Verständnis und Zugehörigkeitsgefühl zum Stadtteilleben in den Bewohner provoziert und stimuliert. Die Urbane Landwirtschaft in Osdorfer Born wird nicht nur als Feldarbeit in der Osdorfer Feldmark stattfinden, sondern auch als Gartenarbeit in den schon bestehenden Privat- und Gemeinschaftsgärten und auch in den neu errichteten Gewächshäusern, die mitten drin im Wohnviertel angelegt sind. Diese Gewächshäuser sollten auch als Weiter verarbeitungsstationen für die Ernte dienen, eine neue Art Food Stations.


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Food Station Die Ernte wird von der Osdorfer Feldmark gesammelt und zu speziellen Weiterbearbeitungsstationen geliefert. Solche Bearbeitungsstationen befinden sich in Form von Gewächshäusern sowohl an der Grenze zwischen Agrarland und dem Stadtteil, als auch in den Wohnbereichen. Hier wird die Ernte aus dem Agrarland und den Privat- und

Gemeinschaftsgärten zuerst gesammelt. Als nächster Schritt wird sie nach einer ersten Überprüfung, entweder direkt auf dem lokalen Markt angeboten, oder wird zunächst gelagert und in sekundäre Lebensmittel verarbeitet, um neue lokale Produkte auf den Markt anzubieten. Dieses Konzept würde den arbeitslosen und benachteiligten Bewohnern, eine neue Beschäf-

Food Station: Zusammenkommen von Ernte, Produktion Weiterbearbeitung

Food Station

tigungs-, Einkommen- und Versorgungsquelle ermöglichen. Der Arbeitsprozess wird in der ersten Phase von erfahrenen Bauernhofbetreiber geleitet und betreut, um den interessierten Bewohnern die notwendigen Betriebskenntnisse zu vermitteln und gleichzeitig deren eigene Kenntnisse und Erfahrungen in den Betrieb einfliessen zu lassen. Wichtig ist, dass die Ernte und


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die weiterverarbeitete Lebensmittel zuerst f체r die Versorgung des Gemeindebedarfs und des eigenen Markts verwendet werden und erst danach auf den M채rkten der umliegenden Stadtteile angeboten werden. Somit wird die Selbstversorgung von Osdorfer Born gew채hrleistet.

Produktionsorte und -wege Food Station

Ernte

gemeintsch. Produktionsund Bearbeitungsstation

Produkte privat od. gemeinschaftl. Garten

Food Station

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Gemeindebedarf Food Station

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Vielf채ltige Strasse


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Die Bornheide sollte nicht nur dem Verkehr und der Erschliessung gewidmet dienen (siehe ….). Ihre Rolle als lebendiger Strassenraum könnte auch durch neue Raumkonzepte verstärkt werden. Diese Konzepte sollen eine neue Sicht auf die Abstandsflächen zwischen der Straße und den Gebäuden ermöglichen, indem sie als Verdichtungsraum für gewerbliche Nutzung geöffnet werden. Mit der Errichtung neuer kleinteili-

gen Wirtschaftsräume entlang der Straße, wie z. B. kleine Ladengeschäfte für Einzelhadeln und Gewerbe, wird sowohl die Bebaungsdichte, als auch die Nutzungsvielfalt im Straßenraum erhöht. Solche Räume sind für die Bewohner wichtig, weil sie auch Möglichkeitsräume für ihre wirtschaftliche Aktivitäten darstellen. Die ausschlaggebende Rolle bei der Aktivierung dieser Räume spielen Regeln, die für die

lokalspezifische Bedingungen in Osdorfer Born noch entwickelt werden müssen, um wirtschaftliche Initiativen und Existenzgründung im Stadtteil überhaupt zu ermöglichen. Durch spezielle Bildungsprogramme von Organisationen wie „Unternehmen ohne Grenzen e.V.“ könnte z. B. das im Osdorfer


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Share-Station Ob es um eine “Share-Station”, einen Austauschraum, eine offene Werkstatt, eine Selbsthilfe-Werkstatt oder eine ToolLibrary geht, dahinter steckt immer das gleiche Prinzip der Selbsthilfe, des informellen Fachwissens-, Erfahrungs- und Kenntnisaustausches, welche man benötigt, um selber Dinge zu machen. Viele Menschen reparieren ihre Fahrräder, Möbel oder Technik selber, sie nähen, stricken, bauen oder entwerfen Dinge für den

alltäglichen Bedarf, oder auch um etwas Geld extra schwarz zu verdienen. Viele Menschen würden sich gerne mit etwas beschäftigen, aber wissen selbst nicht genau womit, oder aber sie trauen sich nicht, weil sie denken, sie hätten das benötigte Wissen und handwerkliche Begabung nicht. In diesem Fall benötigt man nicht nur eine Werkstatt zum Produzieren, sondern auch einen Raum, wo auch Beratung und Informatiosaustausch stattfinden

“Share-Station”

können. Die Idee der “ShareStation” beinhaltet das allgemeine Verständnis, dass jeder Mensch etwas zum austauschen hat. Ob der Austausch durch einen Gegenstand, den man nicht mehr braucht, oder Fähigkeiten und Fachkenntnisse, über die man verfügt, stattfindet, ist es unwichtig. Wichtig ist, dass die Bewohner wissen, dass bei ihnen in der Nähe so einen Raum gibt, wo sie hingehen und sich auf die eine oder andere Art einbringen können, indem sie selber etwas


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machen oder sich einfach über Möglichkeiten unterhalten. Natürlich kann man nicht erwarten, dass so ein Modell reibungslos funktionieren wird, nur weil es sozial und nachhaltig ist. Um dieses Experiment mit möglichst wenig Aufwand überhaupt vorantreiben zu können, sollten die ersten “Share-Stations” mit einfacher ContainerArchitektur geplant werden. Sie sollten auf den vorhandenen offenen Parkplätzen aufgestellt werden, um einerseits ihre Rolle als “Share-Station” erfüllen zu können und andererseits die Bewohner auf den Parkplatz als Möglichkeitsraum aufmerksam zu machen. Eine Station sollte

aber auch in das neue Bürgerhaus kommen. Wenn die Stationen sich mit der Zeit etablieren würden, kann darüber nachgedacht werden, ob sie weiter ausgebaut und fest an einem Ort angebunden werden müssen. In der Zwischenzeit werden sich die Bewohner schon orientiert haben, in welchem Bereich ihre Fähigkeiten, Interesse und Schwerpunkte liegen und würden sich idealerweise eine eigene Werkstatt oder Selbstverwirklichungsraum wünschen. Für diesen Fall besteht die Möglichkeit, in einem späteren Zeitpunkt, Erweiterungsraum im Erdgeschoss der Wohnhäuser zur Verfügung zu

stellen - eine Art Hauswerkstatt oder -büro. Diese Aktion wird die Wirtschaftspotenziale im Stadtteil, in einer Zeit der gesellschaftlichen Herausforderungen und Veränderungen der Arbeitswelt, fördern und den SelbsthilfeImpuls der Bewohner aktivieren Somit kann Osdorfer Born eine Modell-Großwohnsiedlung für nachhaltige Ökonomie werden.

“Share-Station”

Was its eine Shared Station? Das Austausch-System als Generator sozialer und wirtschaftlicher Kooperation.

“Share-Station”Förderung eigener Kreativität und Fähigkeiten. Wissensaustausch

“Share-Station”

Dienstleistugsaustausch

“Share-Station”

“Share-Station”

“Share-Station”

“Share-Station”

“Share-Station” “Share-Station”

Was its eine Shared Station? Das Austausch-System als Generator sozialer und wirtschaftlicher Kooperation. Förderung eigener Kreativität und Fähigkeiten.


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Wohnerweiterung south facade basic structure - metal scaffold possibility for interior & exterior space extension

+

basic modul more interior space better insulation more light question of personal choice

+ +

N

new balconies more exterior space question of personal choice

und small shops & commercial spaces

plattform terrace for free time & walking

parking for 200 cars


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Bei der Diskussion über mehr Möglichkeitsraum besonders für Bewohner in sozial benachteiligten Stadtteilen muss die Rolle der Erweiterung des eigenen privaten Wohnraums für das Selbstbewusstsein nicht vergessen werden. Die modulartige Architektur und Montagenbauoder Plattenbaukonstruktion der Wohnhäuser in den Großwohnsiedlungen lassen sich durch Veränderungsmaßnahmen neu modellieren. Eine solche Universalmaßnahme, die sich auch auf anderen Beispielen übertragen lässt, ist die Ausstattung des Gebäudes von Außen mit einer ganzkörperlichen Gerüstkonstruktion, in der Raumerweiterungsmodule

hineingefügt werden können. Diese vorgefertigte verglaste Module bieten eine Raumerweiterung von 1 bis 3 qm an, je nach den Gerüstsmaßen. Der Raum könnte als Wohnraum oder als Wintergarten benutzt werden. Das Glas lässt mehr Licht durch und öffnet den Blick von zu Hause über das gesamte Wohnviertel. Die Parasitkonstruktion und die Module werden nach den modernsten energietechnischen Voraussetzungen gebaut werden, um die Energieeffizienz der Gebäude in der Zeit des Klimawandels gewährleisten zu können. Die Module sollten als keine Pflichtumbaumaßnahme verstanden werden, sondern viel

mehr als Option. Jede Haushalt kann sich entscheiden, ob sie die Raumerweiterungen braucht und will. Durch die Selbstbestimmung steigen die Verantwortung und das Engagament für den eigenen Wohnraum.


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Dachgarten


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Ein weiterer Raum in Osdorfer Born, dessen Potenzial noch überhaupt nicht entwickelt ist, ist der Flachdachraum der Wohnhäuser. Eine der zukunftsorientierte Maßnahmen um den Herausforderungen des Klimawandels zu entsprechen ist die Dach- und Fassadenbegrünung, die für die Verringerung der stadtklimatischen Defizite sorgt. Die Dachbegrünung im Osdorfer Born kann mit dem Konzept der Urbanen Landwirtschaft kombiniert werden, indem auf

den Dächern der Wohnhäuser kleine private oder gemeinschaftliche Gärten eingerichtet werden. Zugang zu Privatgärten haben bis jetzt ausschließlich die Erdgeschossbewohner, d. h. ein großer Bewohneranteil kann keinen Kleingarten in dierekter Wohnungsnähe haben. Die Dachgärten bieten eine Lösung dieses Problems. Auf dem Dach können zusätzlich Gemeinschaftsräume errichtet werden, die neue Treffpunkte im

Stadtteil einführen. Die Bewohner eines Wohnhauses könnten in diesen Räumen kleine Feste, Themenabende oder Sitzungen organisieren, die sowohl für die ganze Nachbarschaft, als auch für familiäre Veranstaltungen gedacht sein können.


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Ausblick


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Übertragung des Maßnahmenkatalogs FRAMEWORK + Xn

shading / cover metal structure

solar energy

philosophy • accept reality with its diversity and strong presence of individuality • use the situation conditions as a starting point and project’s basis • understand the local context and be FLEXIBLE • use people’s creativity as inspiration and give them new inspirations in return

analyse

safety railings

common space

flower & vegetable beds

• existing situation - individuality diversity & variety All dwellings are private ownership and for that reason the residents can design their property according to their own needs and financial situation. Balconies are usually used for storage space, laundry and aerial dishes but rarely as an outdoor living room.

ground floor

private use

space exte

ways

private gar

sun terrace

creativity & imagination

roof

The monotony of the module structure was broken at some places and new forms and design decisions have appeared to satisfy needs and entrepreneur nature of the residents. These new accents in the facade indicate the creative potential of residents when it comes to the design of their own living environment.

public and

offices & at cafes shops

• general qualities & potentials of space The module structure of the prefabricated residential buildings offers quite a lot of possibilities for rearrangement and play with the single modules and their position in the overall composition. The single residential houses are usually situated at a great distance from one another so that there is enough light in every apartment and a free view to the surroundings. These two basic qualities of the original planning concept of the prefabricated complexes are still preserved in the present situation and could offer new horizons for future development.

modularity - allows modification through fractions and multiplications - flexible system, open for different variations

open space - common space for all residents - free space that allows various uses: - outdoor and sports activities - communal and neighbourhood meetings - relaxation - children play - gardening and others

south facade

roof and ground floor - allow easy structural modifications - have space extension potential - can be open either for private or for community and public uses

basic structure - metal scaffold possibility for interior & exterior space extension

explanation Monotony and bad construction quality of the prefabricated panel complexes in Sofia are not the only PROBLEMS in these residential quarters, there are a lot of social, institutional and economic problems that need to be solved out in order to create an overall sustainable living environment. Architecture and urban design are two of the mediums to change the physical environment in order to stimulate people to care more about their living situation and surrounding. However, if there is not an adequate reaction on institutional, legislative and financial level, all the efforts that have been done on the technical and conceptual level would be at the end in vain. Moreover the time of the top-down planning where only the officials and appointed experts have the word to decide how an area is going to look like is pretty much over, especially when it comes to such a private and informal function like the HABITATION one. Every individual needs his/her own private space where he or she could feel free to arrange it according to the own needs and wishes. The more individuals feel engaged in the design and arrangement of their own living environment the more attached they feel to it.

+ surrounding area

That is why this project proposal does not search for an application of a best practice solution from Western Europe that would suggest a “nicely looking cover” solution for the renovation of the prefabricated residential houses in Sofia. This project is about NEEDs and POSSIBILITIEs! It offers freedom of choice according to individual needs and financial situation. It tries to attract the attention to all these forgotten common spaces that could be used as possibility spaces for contact and social activities, where people could exchange ideas between each other and can learn again how to live together in a community!

new balconies more exterior space question of personal choice

sports playground small shops & commercial spaces

small shops & commercial spaces

+ +

N

The Sofia prefabricated residential buildings are a very good example of how many different appearances SPACE ACQUISITION can have - different materials for insulation, window frames, balconies, glazing, etc. A look on the colourful facade is enough to realize that there is a great social mix living in these residential complexes. The lack of a good institutional frame in the last 20 years has been one of the reasons for this great palette of façade module’s variations that is to be seen on almost every “panel” house today. Having no support by the state, people had no other choice but to find THEMSELVES a way to cope with the bad physical quality of their dwellings. The resulting patchwork on the facades may surely not offer the utmost degree of energy efficiency for the dwellings but it for sure has managed to become the “SYMBOL” and the “trade mark” of the prefabricated socialist residential houses in the South Eastern European countries. When looking for solutions for the urban environment the local context is one of the most important aspects to be taken into account.

basic modul more interior better insulat more light question of p

plattform terrace for free time & walking

in detail_analysis in detail_analysis

Space can be transformed and adapted in many different ways. If there is a widely open and constant discussion about the way these transformations and adaptations are going to take place, there is to be expected a better acceptance among the affected people and engaged actors. This project wants to give a starting point for one of these discussions!

underground parking for 200 cars


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Der Maßnahmenkatalog wurde ausschließlich auf der konzeptionellen Ebene entwickelt, damit er später auf andere transnationale Beispiele wieder angewendet werden kann. Die unterschiedlichen Maßnahmen lassen sich sowohl als Paket als auch einzeln in verschiedene Kontexte übertragen. Sie geben der Weiterentwicklung von Großwohnsiedlungen weltweit eine Richtung, ohne feste Lösungen anzubieten und vorzuschreiben. Da die Maßnahmen aus den lokalspezifischen Bedingungen einer deutschen Großwohnsiedlung in Hamburg abgeleitet wurden, können Abweichungen von den Grundkonzepten in anderen Situationen erwartet werden.

es

ension

rdening

e

d commercial uses

teliers

r space tion

personal choice

3166494-218

So konnte z. B. einenTeil von dem Maßnahmenkatalog Osdorfer Borns noch im Sommer 2011 auf einer anderen Großwohnsiedlung im internationalen Kontext angewendet und dadurch getestet werden (siehe Darstellung links, S. 90-91). Die Transformationsaufgabe begrenzte sich auf ein Wohnhochhaus aus einer Großwohnsiedlung in Sofia, Bulgarien. Dadurch konnten nur kleinmaßstäbliche Maßnahmen aus dem Katalog getestet werden. Durch die Ausarbeitung

des Sofioter Beispiels wurden neue wichtige Erkenntnisse für den weiteren Ausbau des Katalogs von Osdorfer Born gewonnen wie z.B. die Bedeutung der selbst bestimmten und selbst gebauten Fassadenelemente für die Identifizierung der Anwohner mit dem eigenen Wohnraum. Der Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung Osdorfer Borns ist nicht komplett abgeschlossen. Er kann mit neuen Vorschlägen ergänzt werden und die schon festgelegten Maßnahmen können tiefergehend weiterentwickelt werden.


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Quellen: LITERATUR Borries v., F.; Böttger, M.; Heilmeyer, F.: Bessere Zukunft? Auf der Suche nach den Räumen von Morgen, Merve Verlag Berlin, 2008 Druot, F.; Lacaton, A.; Vassal, J.P.: Plus. Les grands ensembles de logements. Territoire déxception, Barcelona 2007 Fürst, F. ; Himmelbach, U.; Potz, P: Leitbilder der räumlichen Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert – Wege zur Nachhaltigkeit? Teilbericht des von der Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekts „Vergleich räumlicher Stadtstrukturen auf Sozial- und Umweltverträglichkeit“ Dortmund, Januar 1999, Institut für Berichte aus dem Institut für Raumplanung 41 Göderitz, J.; Rainer, R.; Hoffmann, H.: Die gegliederte und aufgelockerte Stadt, Verlag Ernst Wasmuth, Tübingen 1957 Archiv für Städtebau und Landesplanung, Hrsg. Prof. Dr.-Ing. E. h. Johannes Göderitz Harms, H.; Schubert, D.: Großsiedlungen in Hamburg - Übersicht, Bestandaufnahme, Probleme, Arbeitsbereich Städtebau / Objektbezogene Stadtplanung im Forschungsschwerpunkt 6 Stadterneuerung und Werterhaltung, Technische Universität Hamburg-Harburg, Januar 1988, 2. Auflage Howard, Ebenzer. Garden Cities of Tomorrow. Kessinger Publishing 2008 (1902) Läpple, D., Städtische Arbeitswelten im Umbruch – zwischen Wissensökonomie und Bildungsarmut, 2006 In: Das neue Gesicht der Stadt. Strategien für die urbane Zukunft im 21. Jahrhundert, Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 2006 Le Corbusier, The City of To-morrow and Its Planning, Dover Publications, 1987 (1929) Schubert, D., Leitbilder oder Leidbilder? Sozialer Wohnungsbau und Großwohnsiedlungen in Hamburg. In: Wohnen in der Stadt - Wohnen in Hamburg. Leitbild-Stand-Tendenzen. Hrsg. von Volker Roscher und Petra Stamm im Auftrag des Bundes Deutscher Architekten BDA der Hansestadt Hamburg e.V., Hamburg: Dölling und Galitz, 1997 Schubert, D., Hamburger Wohnquartiere. Ein Stadtführer durch 65 Siedlungen, Dietrich Reimer Verlag Berlin, 2005 Vieth, H.: Klimawandel. Mal anders. Was tun?, Vieth Verlag, Hamburg, 2007


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DOKUMENTE Fortschreibung Quartiersentwicklungskonzept Osdorfer Born 2005, CONVENT Planung und Beratung GmbH Auftraggeber: Freie und Hansestadt Hamburg vertreten durch das Bezirksamt Altona – Stadtteilkoordination – und die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt – Amt für Wohnen, Stadterneuerung und Bodenordnung Hamburg – Räumliches Leitbild, Entwurf, 2007 Hrsg. von Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Februar 2007 „LEBEN IM BORN - 18 Lieblingsorte in Wohnungen im Osdorfer Born“ - festgehalten von Sven Schwalm, betreut und gestaltet von Gerrit Peters. Im Auftrage der Wohnungsunternehmen in Osdorfer im Rahmen des interkulturellen Festivals „Gemeinsam leben im Osdorfer Born“, vom 19.-23. September 2006 WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2011): Welt im Wandel.Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation. Ein Beitrag zur Rio+20-Konferenz 2012. WBGU, Berlin 2011 ARTIKEL Planung und Realität. Strategien im Umgang mit den Großsiedlungen. ARCH +, Zeitschrift für Architektur und Städtebau, Ausgabe 203, Berlin, Juni 2011 Information zur Öffentlichen Plandiskussion Bebauungsplan Entwurf „Osdorf 47 / Iserbrook 25 / Lurup 64“ - Erhaltung der Osdorfer Feldmark, Bezirksamt Altona, August 2011 Osdorf erhält Hamburgs größtes Bürgerhaus, Hamburger Abendblatt, Autor: Hanna-Lotte Mikuteit, 30.01.2012

INTERNET http://www.anstiftung-ertomis.de/opencms/opencms/urbane_landw/index.html, Zugriff: November 2011 - März 2012 http://www.anstiftung-ertomis.de/opencms/opencms/offene_werkstaetten/index.html, Zugriff: November 2011 - März 2012

http://www.machmaplazda.com/siedlungen.htm, Zugriff: Juni 2010 - September 2011 http://www.gartendeck.de/, Zugriff: Januar - April 2012 http://www.ryerson.ca/carrotcity/, aufgerufen September - April 2011 Siemens, Nachhaltige Stadtentwicklung http://www.siemens.de/nachhaltige-stadtentwicklung/nachhaltige-stadtentwicklung.html, Zugriff: Mai - September 2011 Schader Stiftung, 2001-2011 http://www.schader-stuftung.de/wohn-wandel/358.php, aufgerufen Mai-September 2011

TRANSFORMATIONOSDORFER BORNS  

Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung einer Hamburger Großwohnsiedlung

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