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Ausgabe 08, 07/13 AT: 3,80 €

Das österreichische Kunst-, Kultur- und Kreativmagazin

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Ausgabe 08, 07/13 AT: 3,80 €

Das österreichische Kunst-, Kultur- und Kreativmagazin

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Ausgabe 08, 07/13 AT: 3,80 €

Das österreichische Kunst-, Kultur- und Kreativmagazin

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Editorial

X-Rockz-Magazin web: www.x-rockz-magazin.com e-mail: redaktion@x-rockz-magazin.com fax: +43(0)316 8363 12 mobil: +43(0)650 215 0975 Herausgeber/Initiator: Günther Golob Sitz/Abonnenten-Verwaltung: Moserhofgasse 54 Top 53, 8010 Graz/Styria/Austria/Europe Chefredaktion: Günther Golob Redaktion & Koordination: Günther Golob, Cornelia Schwingenschlögl, Ursula Raberger Art Direction, Layout/Gestaltung, Covergestaltung: Petra Höfler Cornelia Schwingenschlögl Fotografen: aepg/Flickr, Alexandra Carastoian, Rudi Federer, Filmstills-Domenigg/Epofilm, FunnyBiz/Flickr, Olivia Fürnschuß, Nick Harris, Simone Jahrmann, Martina Kettner, Irita Kirschbluma/Flickr, Birgit Kniebeiß, Matthias Klang/Flickr, MTG312, Henrik C. Niemann, Lea Leitner, Hannes Loske, Christopher Mavric, Chris Plach, Sascha Pseiner, David Ruehm/Thimfilm, Anita Raidl, Daniel Rizik-Baer, Cornelia Schwingenschlögl, Sneakertalk.yuku.com, Tali Tormoche, James Vaughan/Flickr, Eva Vujic, Hartwig Walcher Autoren: Gunter Dorner, Günther Golob, Jenny Jameson, Eva Maria Hofmann, Martina Kettner, Birgit Kniebeiß, Lea Leitner, Denise Matuschka, Mag. Irmgard Neumann, Sascha Pseiner, Ursula Raberger, Anita Raidl, Stefan Rothbart, Christoph Schattleitner/FH Joanneum, Wolfgang Schatz, Cornelia Schwingenschlögl, Tali Tormoche, MMag. Chia-Tyan Yang Lektorat: Mag. Silvia Münzer Verlag: Günther Golob – Buch-, Kunst- & Musikalienverlag Moserhofgasse 54 Top 53, 8010 Graz/Styria/Austria/Europe Country of Distribution: Austria (AUT) – ISSN: 2224-4999 Vertrieb: Valora Service Austria GmbH St. Leonharder Straße 10 5081 Anif/Salzburg Anzeigenleitung: Günther Golob Mobil: +43 650 215 0975 E-Mail: sales@x-rockz-magazin.com

Liebe Freunde, geschätzte Kollegen, werte Leser, Sommer, Sonne, Urlaub, Open Airs, Festivals, Grillpartys, mit viel nackter Haut bedeckte Wiesen, ein erfrischender Pool und dazu gute Musik und Schirmchendrinks sind wieder angesagt. Für die einen der perfekte, heiße Sommer-Mix, für die anderen sind Temperaturen über 30 Grad der blanke Wahnsinn. Ich bevorzuge eine Harley, Sonne, ein wenig Knete und das Gefühl frei zu sein. Auf jeden Fall wünsche ich Euch den wohlverdienten und perfekten Sommer bzw. Urlaub, den Ihr Euch vorstellt.

Foto: Anna M. Fiala

IMPRESSUM/INFO

Ihr haltet gerade unsere achte Ausgabe in der Hand, die dank meines Teams wieder alles Bisherige toppt. Wenn Ihr ein wenig weiterblättert, werdet Ihr feststellen, dass unsere Wissens-Ecke für Euch umfangreich ausgebaut wurde. Neue interessante Kolumnen und neue Wissensserien wie Die Entstehung der Schrift oder Die Darstellung der Körpers in verschiedenen Epochen der Kunst haben ihren Weg ins X-Rockz-Magazin gefunden. Unser besonderes Highlight in den nächsten Wochen wird unsere X-Rockz-App sein, die gerade von der Firma Bytepoets eigens für Euch und mit sehr vielen Features entwickelt wird. Wir werden Euch darüber auf unserer Webseite www.x-rockz-magazin.com und natürlich auf der X-Rockz-Facebookseite auf dem Laufenden halten! Der zweite grandiose Teil von Cuntra la Kunsthure (wie in der siebten Ausgabe ausführlich beschrieben) wurde in das Diversity-Magazin Zeitung umgetauft – Ihr findet es in der Heftmitte! Interessant, aufschlussreich, mit dem Thema Multikulti im Fokus. Gratulation dem Team rund um Tatjana Petrovic und Lilli Schuch. Da ich die volle Verantwortung für das X-Rockz-Magazin trage, möchte ich an dieser Stelle erneut deutlich machen, dass Inhalt und Darstellung der Zeitung, völlig unabhängig und eigenständig vom X-Rockz-Magazin zu sehen sind. Weitere Infos findet Ihr links im Impressum. Nun wünsche ich Euch viel Spaß mit der neuen achten Ausgabe des X-RockzMagazins! Wir haben uns wieder mächtig ins Zeug gelegt, um Euch zu informieren, zu unterhalten und zu inspirieren. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer und hoffe, wir sehen uns bis zur Herbst-Ausgabe online!

Das Leben ist ein Theater und die Welt ist ein Zirkus!

X-Rockz-Magazin – verantwortlich für Bild und Text: Günther Golob Diversity-Magazin „ZEITUNG“ (Beilage Seite 29-44) – verantwortlich für Bild und *Text: Tatjana Petrovic Mobil: +43 660 1656212 www.cuntra.at, www.kunsthure.at

Günther Golob

X-Rockz-Magazin behält sich sämtliche Rechte, Satz- und Druckfehler vor. Aus Gründen der Satzschönheit und Lesbarkeit verzichten wir auf explizites Gendern. Alle unsere Artikel sind an offene, interessierte Menschen gerichtet, und zwar unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder ihrer Lieblingsspeise.

http://www.x-rockz-magazin.com, http://www.facebook.com/XRockZMagazin, http://twitter.com/XRockzMagazin, redaktion@x-rockz-magazin.com

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Inhal

29-40 „Zeitung“ – das Magazin im Magazin

08

Juristisch, Wissen & Wissen-Shorts Mag. Irmgard Neumann

Veranstaltungsrecht kompakt

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Music X-Days Konzerte

Kapfenberg, eine Hochburg der österreichischen Musikszene

10

Drehbuchakademie München - Steiermark

Was haben Graz und München gemeinsam

10

Kino und Realismus

Ist das noch realistisch?

11

Warum uns die Deutschen beneiden?

In Sachen Film ist das momentan so

11

Die Kunst der Werbung

Werbung als Erlebnis

12

Wie finanziert sich Hollywood?

Die Tricks der Filmgiganten

12

Krimi – ein todsicheres Genre

„Egal worüber Sie schreiben, aber schreiben Sie einen Krimi!“

13

Was ist das Bokeh?

Das Spiel mit ästhetischen Unschärfebereichen

13

Einführung SLR

Schnauze voll von der Programmautomatik?

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Kommunikation in 160 Zeichen

SMS feiert Geburtstag

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Die Darstellung des Körpers

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in verschiedenen Epochen der Kunst


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62

64

Die Geburtsstunde der Kreativität Was Freestyle-Rappen mit unserem Gehirn anstellt

Die Entstehung der Schrift / Teil 1 Am Anfang war das Bild

Fotografie – Das „Nasse-Kollodium-Verfahren“ Eine wahrlich schwere Zeit für Fotografen

46

Bühne & Film Stefan Rothbart

Geht nicht, gibt’s nicht! Ein Autodidakt auf Überholkurs

54

TLVFest

44

Flower-Power aus Brasilien in Graz

48

Hartwig Walcher

Aus dem Leben gerufen

51

Dr. Christian Stuhl

Circle Creek

26

Band Graz Austropop made in Steiamoak

Kolumne 19 Herr Tali sucht das Glück

Kein Plan, kein Problem

50

Wolfgang Schatz

Die Schlaue Sau

51

On the Road auf der neuen Street Bob von Harley Davidson

Fotografie 42 Sascha Pseiner

Das Licht und die Dunkelheit – die Kunst der Lichtmalerei

Literatur 52 Australia off the beaten track

Musik 16 Birgit Denk

18

24

Cartoon

Nicht umsonst gelebt – das letzte Dradiwaberl-Konzert

Facettenreicher Film in Israel

Kunst & Design Cacau Cassel

Stefan Weber

30-Jahre-Jubiläum

20

Eine Situationsanalyse der österreichischen Musikszene

Passengers

Ein Reisebericht von „Down Under“

Fun/Info 66 X-Wort-Rätsel & Rebus

Empfehlung von Gunter Dorner

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volkshausfest 2013 kommunistisches Pressefest des Grazer Stadtblattes der KPÖ Graz Kinderprogramm, Diskussionsforen, Infostände, Tombola

Von 15 uhr bis ca 3.00 uhr früh sorgen Bands verschiedener Genres für eine dichte Klangwolke rund um das Volkshaus: Nachmittag:

Charlie und die Kaischlabuam Ricardo Ritalini - Boxty am abend:

Erwin R. & die Bagage hella Comet The Gitarren der Liebe

sa. 7. sept. 2013 • Volkshaus Graz, Lagergasse 98a

volks fest 2013

haus

Bei jedem Wetter (saal). Eintritt frei.


Recht

Mag. Irmgard Neumann R e c h t s a n w ä lt i n M ag . Irm g a r d N e u m a n n i s t a u f W e r b e u n d W e t t b e w e r b s r e c h t, V e r a n s ta lt u n g s r e c h t, Ur h e b e r - , M e d i e n - u n d I n t e r n e t r e c h t s p e z i a l i s i e rt. Während ihrer Studienzeit hat sie mehrere Jahre Berufserfahrung in Marketing-, Marktforschungs- und Eventagenturen, wie auch beim Steirischen Presseclub, gesammelt und zahlreiche Marketing- und PR-Ausbildungen absolviert. Ihre Spezialisierung auf Rechtsgebiete dieser Branchen ermöglicht nun die umfassende und praxisorientierte Vertretung von Werbern, Veranstaltern, Medien, Verlegern, Musikern und sonstigen Kreativen.

t h c e r s g n u t l Veransta

kompakt

Foto von Hannes Loske

Welche Vorschriften sind zu beachten? An wen kann ich mich wenden? (Veranstaltungsrecht) Jeder Veranstalter hat die im „Bundesland der Veranstaltung“ spezifischen landesrechtlichen Vorschriften zu beachten (insbesondere Veranstaltungs- und Jugendschutzgesetze). Ob eine Veranstaltung melde-, anzeige- oder bewilligungspflichtig ist, hängt stark von der Art der Veranstaltung ab. Bereits bei der Vorbereitung eines Events empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Gemeindeamt, um sich über die gemeindespezifischen Voraussetzungen zu informieren. Einige Behörden (z.B. BürgerInnen-Service unter www.graz.at) bieten online Musterformulare zur Eventanmeldung.

Wie alt müssen Gäste sein? (Jugendschutzgesetz) Vor dem Event sollte auch ein Blick ins jeweilige Jugendschutzgesetz des Bundeslandes geworfen werden, da Verstöße gegen diese Bestimmungen – vor allem hinsichtlich der Altersgrenzen bei den Ausgehzeiten und beim Ausschank von Alkohol – besonders streng geahndet werden.

ACHTUNG: Alle Angaben erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr; diesen kommt kein Anspruch auf Vollständigkeit zu; eine Haftung der Autorin oder der Herausgeber ist ausgeschlossen.

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Welche Musik darf ich spielen? (Urheberrecht ) Der Urheber von Musik, Filmen, Fotos, etc. hat das Recht, die öffentliche Vorführung seiner Werke zu erlauben oder zu verbieten. Die Verletzung von Urheberrechten ist gerichtlich strafbar. Das Verwertungsrecht überträgt der Urheber meist einer Verwertungsgesellschaft (AKM und austro mechana), die Aufführungsbewilligungen gegen Entgelt an Einzelveranstalter erteilt. Ein Veranstalter hat die notwendigen Werknutzungsbewilligungen im Vorhinein bei der AKM einzuholen. Nur Veranstaltungen, die rein privaten Charakter haben (mit einer beschränkten Zahl von Gästen, die untereinander und zum Gastgeber in persönlicher Beziehung stehen), gelten als „nicht öffentlich“ im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. „Freie Werknutzungen“ bestehen u.a. für Aufführungen, die keinerlei Erwerbszweck dienen und für die kein Eintritt oder sonstiges Entgelt zu entrichten ist, aber auch für Aufführungen reiner Hobbymusiker oder Wohltätigkeitsveranstaltungen. Die Nutzungsentgelte können auf der Homepage www.akm.at selbst berechnet werden; da die AKM keine Behörde ist, besteht Verhandlungsspielraum!

Braucht mein Verein eine Gewerbeberechtigung? (Gewerbeordnung) Ein Verein unterliegt nur dann nicht den Bestimmungen der Gewerbeordnung, wenn keine Ertragsabsicht besteht und aus der Tätigkeit seiner Mitglieder kein wie immer gearteter wirtschaftlicher Vorteil entsteht. Für Vereine, die häufig Veranstaltungen durchführen, empfiehlt sich die vorherige Abklärung mit der Gewerbebehörde.

Wer haftet, wenn etwas passiert? (Versicherungsrecht) Je nach Höhe der Prämie können Versicherungen gegen Einnahmenausfälle, Regen, Beschädigungen der Anlage, Verletzungen von Gästen oder Diebstahl abgeschlossen werden. Eine Haftpflichtversicherung sollte Forderungen wegen fahrlässiger Beschädigungen aller Art abdecken.

Welche Abgaben sind zu leisten? (Steuerrecht ) In steuerlicher Hinsicht sind vor allem Werbeabgaben (für die Ankündigung der Veranstaltung) und die Lustbarkeitsabgabe zu beachten. Bei letzterer richtet sich die „Kartenabgabe“ nach der Anzahl der verkauften Eintrittskarten und die „Pauschalabgabe“ (wenn keine Eintrittskarten ausgegeben werden) nach der Größe der Veranstaltungsräume und der Personenanzahl.

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Wer darf bei der Veranstaltung arbeiten? (Arbeitsrecht) Sollten Personen bei der Veranstaltung beschäftigt werden, ist auch deren ordnungsgemäße Anmeldung bei der GKK zu beachten. Auch die Bestimmungen des Ausländerbeschäftigungsgesetzes können im Einzelfall relevant sein und bei Nichtbeachtung hohe Strafen auslösen.

Mag. Irmgard Neumann Lippitsch.Neumann Rechtsanwälte GmbH Wastiangasse 7, 8010 Graz T +43 316 82 74 32 0 F +43 316 82 74 32 34 recht@anwaeltin-graz.at www.anwaeltin-graz.at

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WissenShorts

Music X-days Konzerte Shortfact von Stefan Rothbart

Wer würde schon auf den Gedanken kommen, dass sich ausgerechnet im steirischen Kapfenberg eine Hochburg der österreichischen Musikszene befindet? Doch die Stadt hat nicht nur die größte Musikschule der Steiermark, sondern exportiert schon seit Jahren hochkarätige Musiker quasi in alle Welt. Mit den Music X-days soll ein Teil dieses kreativen Potenzials wieder zurückfließen, so zumindest der Gedanke hinter der neunteiligen Konzertreihe, die von den Organisatoren Thomas und Werner Radzik heuer das erste Mal durchgeführt wurde. Die Palette reicht von Jazz und Pop bis Salsa und Klassik und bietet den ausgezeichneten Musikern der Region eine Plattform. Gute Konzerte gibt’s also nicht nur in Wien und Graz, sondern auch die Provinz hat einiges zu bieten!

Drehbuchakademie München-Steiermark Shortfact von Stefan Rothbart, Foto von Christopher Mavric

Was haben Graz und München gemeinsam? Richtig, eine gemeinsame Drehbuchwerkstatt. Nachdem die Murmetropole jahrelang ihre cineastischen Kreativ­ köpfe exportiert hat, versucht nun der Regisseur und Drehbuch­ autor Markus Mörth, der in München Film studiert hat, das Potenzial für die Steiermark zu halten. In Zusammenarbeit mit der Drehbuchwerkstatt München und gefördert von der Cine Art des Landes Steiermark, werden heuer erstmals drei Kandidaten ausgewählt und zusammen mit Produzenten und Autoren Geschichten für die Steiermark bis zur Kurbelreife entwickelt. Erste Ansätze einer steirischen Filmausbildung. Wir sagen: gut so, weiter so!

www.musicxdays.at

Kino und Realismus

Ist das noch realistisch? Das denkt man sich bei einem Kinobesuch in letzter Zeit wohl öfter.

Betrachtung von Stefan Rothbart, Fotos von James Vaughan/flickr und sneakertalk.yuku.com Tatsächlich erleben wir derzeit einen Trend hin zu einer immer unrealistischeren Filmsprache, eine deutliche Abkehr von der ursprünglichen Prämisse des Kinofilms. Seit der Erfindung der bewegten Bilder waren Generationen von Filmemachern bestrebt, ihre Streifen möglichst realistisch aussehen zu lassen. Anfangs musste das neue Medium noch stark mit dem Theater konkurrieren und eine Möglichkeit, sich davon zu unterscheiden, war der Realis­mus. Auf der Bühne konnte man die echte Welt nicht darstellen, aber im Film schon. Seither hat sich die Technik dahin ent­wickelt, die Dinge möglichst noch realistischer zeigen zu können. Zuerst waren es nur die Farben. Man wollte die Welt so bunt zeigen können, wie sie wirklich ist. Es folgten immer echter aussehende Filmsets, realis­ tische Action und sogar realistisches Blut. Alles sollte möglichst

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echt wirken. Über schlechte 3-D-Animationen hat man sich in den 90ern noch amüsiert, doch inzwi­schen hat die moderne digitale Filmtechnik die Realität eingeholt. Heute ist es den Filmemachern möglich, alles zu realisieren und jegliche Fantasiewelt entstehen zu lassen. Spätestens seit James Camerons Avatar gibt es keine Grenzen mehr. Die Realität ist für das Kino uninteressant geworden. Die neue Herausforderung für die Filmemacher besteht darin, das Unwirkliche zu zeigen. Dahin­gehend verändert sich momentan die komplette Machart der Filme. Rasend schneller Schnitt, völlig übertriebene Stunts und Actionsequenzen, verwinkelte Kameraeinstellungen, Lense-Flairs und oftmals nicht mal mehr echte Schauspieler. Längst überlegt Hollywood, selbst alte Filmlegenden wie John Wayne mittels 3-D-Technik wieder lebendig zu machen. Alles ist möglich in der cineastischen Welt von Heute.


Warum uns die Deutschen beneiden? Artikel von Stefan Rothbart, Fotos von David Ruehm/Thimfilm und Filmstills-Domenigg/Epofilm

Es kommt wohl nicht oft vor, dass unsere nördlichen Nachbarn mit einem gewissen Neid auf uns blicken. Zumindest in Sachen Film ist dies momentan so. Obwohl die deutsche Filmwirtschaft jährlich ein Vielfaches an Umsatz einspielt und die staatliche Filmförderung jährlich fast 50 Millionen Euro beträgt – hinzu kommen noch mal ca. 150 Millionen Euro von regionalen Förderstellen – steckt der deutsche Film seit einigen Jahren in einer echten Krise. Nicht finanziell, aber kreativ. In Österreich hingegen kann man von solchen Summen im wahrsten Sinne des Wortes nur träumen. Dennoch war der heimi­ sche Film in den letzten Jahren eine fixe Größe der internationalen Filmszene und praktisch immer bei jedem bedeutenden Filmfestival vertreten. Zwar handelt es sich hierbei immer um die üblichen Verdächtigen, sprich Haneke und Co, während der Großteil der heimischen Filmemacher eher ein beschauliches Dasein fristet. In Deutschland gibt es aber nicht einmal einen nennenswerten Regisseur, der in

letzter Zeit von sich Reden gemacht hätte. In letzter Zeit hat sich daher bei den nördlichen Kollegen die Ansicht durchgesetzt, dass es den Filmemachern in Österreich anscheinend besser geht, wie selbst das Branchenportal crew-united.de neulich berichtete. Doch beneidenswert ist die Filmszene in Österreich bei weitem nicht, wie ein nüchterner Blick in die Förderzahlen verrät. Hierzulande wurden vom Staat im Durchschnitt seit 1981 jährlich ca. 7,5 Millionen für Filmförderung bereitgestellt, was durch die regionalen Förderstellen mit 16 Millionen ergänzt wird. Ein eher bescheidener Anteil. Selbst wesentlich kleinere Länder wie Luxem­ burg oder die Niederlande geben wesentlich mehr für den Film aus. Unter den westlichen Euroländern ist Österreich in Punkto Filmförderung sogar Schlusslicht. Eine Tatsache, um die man uns wirklich nicht beneiden muss.

Die Kunst der Werbung Werbebotschaft von Stefan Rothbart, Fotos von FunnyBiz/Flickr und Matthias Klang/Flickr

Wer kennt das nicht: Das Fußballspiel geht in die Pause, der Werbeblock setzt ein und wir stehen erstmal gemütlich auf um uns ein Bier zu holen. So sieht heutzutage die Realität aus. Werbung wird ignoriert. Der Werbeblock vor den abendlichen Hauptnachrichten gehört zu den teuersten Sendezeiten überhaupt, doch erst wenn die Sendung beginnt, ist auch der Zuseher aufmerksam dabei, die Werbung davor überspringen die meisten. Früher war das anders. In den 60er und 70er Jahren war Fernseh­ werbung etwas Neues. Gebannt blieb man vor der Flimmerkiste sitzen, wenn die neuesten Autofabrikate oder die Wunder der Waschmittelindustrie vorgeführt wurden. Werbung war einmal auf­regend, heute ist sie eher lästig und wird möglichst ausgeblendet. Im Fernsehen wird in der Werbepause umgeschaltet und in der Zeitung die Inserate überblättert. Die Werbeindustrie hat es immer schwerer, ihre Zielgruppen zu erreichen. Eine Tatsache, die nun auch immer mehr Firmen bewusst wird. Um die Aufmerksamkeit der Kunden wieder zurückzugewinnen, setzen daher viele Agenturen auf neue künstlerische Konzepte.

Es geht nicht mehr darum, die Vorzüge eines Produktes zu preisen, sondern über die Werbung eine Geschichte zu erzählen und den Zuseher oder Betrachter emotional zu berühren. Daher setzt die Branche verstärkt auf den Einsatz von Künstlern aus allen Sparten. Während die einen noch berühmte Schauspieler verpflichten, um für Kaffee zu werben, inszenieren die anderen schon einen Fallschirmsprung aus der Stratosphäre. In letzterem Fall wird Werbung zu einem Event, dem man sich als Zuseher gar nicht mehr entziehen kann bzw. will. Im Gegenteil: Diese Werbung muss man gesehen haben. Glaubt man den Werbestrategen, so sieht so die Zukunft des Marketings aus. Es geht nicht mehr um das Produkt, es geht um das Erschaffen eines emotionalen Erlebnisses in Verbindung mit dem Produkt.

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WissenShorts

Wie finanziert sich

Hollywood? Artikel von Stefan Rothbart, Foto von aepg/Flickr

Berichte von den gigantischen Geldsummen, die inzwischen in so manchen Hollywood-Streifen fließen, lösen unter Europas Filmemachern nur mehr Neid und oft auch Unverständnis aus. Spätestens seit Avatar von James Cameron, der offiziell fast eine Milliarde Dollar gekostet haben soll, fragt man sich, woher die Studios eigentlich so viel Geld haben? Dieser Frage ist der bekannte Aufdeckungsjournalist Edward Jay Epstein in seinem neuen Buch The Hollywood Economist nachgegangen. Darin deckt er nicht nur auf, wofür in Hollywood Geld ausgegeben wird, sondern auch, woher dieses stammt. Über­ raschenderweise führt die Spur dabei nach Europa. Um ihre Blockbuster finanziert zu bekommen, greifen die großen Film­studios immer öfters auf zahlreiche Finanztricks zurück, z.B. Filmförderung aus Deutschland. Um diese zu bekommen, verkauft ein Studio die Rechte an einem Filmstoff an eine deutsche Filmproduk-

tion und least diese anschließend zurück. Zusätzlich wird jedoch über die deutsche Co-Produktion Filmförderung kassiert. Ähnliches wird mit der „Film-Tax“ in England angestellt. Dort wird die Steuer abgeschrieben und das Studio kauft die Filmrechte zum Netto-Kaufpreis wieder zurück. Prompt hat man ein paar Millionen eingespart. Epstein deckt in seinem Buch ein gigantisches Netzwerk aus Finanzkonstrukten auf, nach welchem Hollywood heutzutage arbei­ tet. Zusätzlich kommen noch Einnahmen aus Produkt-Placement und Sponsoring, sodass ein Film, der offiziell ein Budget von 100 Millionen Euro hat, dem Studio in Wirklichkeit nur 20 Millionen gekostet hat. Der Rest wurde finanztechnisch erwirtschaftet, wie man in der Branche zu sagen pflegt.

Krimi –

ein todsicheres Genre Artikel von Stefan Rothbart, Foto von James Vaughan/Flickr

„Egal worüber Sie schreiben, aber schreiben Sie einen Krimi!” Diesen Satz hat sich wohl schon jeder Schriftsteller und Drehbuchautor im deutschsprachigen Raum anhören müssen. Das Krimi-Genre gilt hierzulande als das beliebteste Publikums­ genre, ob im Fernsehen oder in der Literatur. Jeder Fernsehsender hat zumindest ein eigenes Krimiformat und ohne Ausnahme jeder Buchverlag seinen Kriminalroman im Programm. Der Krimi ist das wirtschaftliche Zugpferd im deutsprachigen Raum. Fragt man seinen Buchhändler, was er am meisten verkauft, wird er antworten: „Krimis“. Und ein kurzer Blick in das Fernsehprogramm genügt, um zu wissen, dass auch dort ein Genre ganz klar dominiert. Tatsächlich ist es für junge Drehbuchautoren oder Schriftsteller ratsam, den Einstieg mit einem Krimi zu versuchen. Die Wahrscheinlichkeit, seine Geschichte zu verkaufen, ist um ein Vielfaches höher als bei jedem anderen Stoffgebiet.

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Was ist das Bokeh? Shortfact von Martina Kettner, Foto von Nick Harris

„Ein Objektiv mit ausgezeichnetem Bokeh“, ist von Fotografen oft zu hören oder in der Beschreibung eines Objektivs zu lesen. Der geheimnisvolle Ausdruck stellt Anfänger meist vor ein Rätsel und wird von Fotografen oft heiß diskutiert. Abgeleitet wurde der Begriff vom japanischen „boke“, was so viel wie „zerstreut/verwirrt“ bedeutet. Das Bokeh bezeichnet ästhetische Unschärfebereiche innerhalb einer fotografischen Aufnahme. Als Gestaltungselement kann das Bokeh dazu verwendet werden, den Blick auf die wesentlichen Aspekte eines Motivs zu lenken und Unwesentliches in Unschärfe verschwinden zu lassen. Die Schärfedifferenz verhilft der Aufnahme außerdem zu räumlicher Tiefe. Alle Punkte, die im Motiv außerhalb der Schärfeebene liegen, werden im Bild nicht als Punkte, sondern als kleine Scheiben, sogenannte Zerstreuungskreise, abgebildet. Für das Bokeh sind die Blendenform und die optische Korrektur eines Objektivs verantwortlich. Kreisrunde Blendenöffnungen zaubern runde Zerstreuungskreise, formen die Blendenlamellen eine eckige Öffnung, werden auch die Zerstreuungskreise eckig.

Einführung SLR Info und Fotos von Sascha Pseiner

Schnauze voll von der Programmautomatik deiner Kamera? Dann trau dich mal, manuell zu fotografieren! Mit der Blende (mechanische Einrichtung im Objektiv) steuerst du einfach gesagt die Menge an Licht, die auf deinen Sensor/Film kommt. Das heißt, je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht fällt auf den Sensor/Film und desto geringer ist die Schärfentiefe, also der Bereich, wo das Bild scharf ist. Dadurch lässt sich auch die Belichtungszeit verkürzen. Mit einer großen Blendenzahl fällt nur noch wenig Licht auf den Sensor/Film, was auch bedeutet, dass sich die Belichtungszeit verlängert. Aber dadurch ist die Schärfentiefe größer. Achtung! Eine zu kleine Blende erzeugt auch wieder eine Unschärfe (Beugungsunschärfe), da das Licht es einfach nicht mehr schafft, gebündelt auf der Sensor-/Film-Ebene anzukommen. Mit der Belichtungszeit regelst du die Dauer an Licht, welches auf den Sensor/Film fällt. Das heißt auch, du kannst damit steuern, ob eine Bewegung eingefroren ist oder ob sie unscharf ist (Bewegungs­ unschärfe). Eine Faustregel ohne Bildstabilisator ist die längste Belichtungszeit „Freihand“ 1/60s (bei 50mm), es besteht die Gefahr der Verwacklung, ab diesem Zeitpunkt ist ein Stativ eine große Hilfe. Je länger die Brennweite, desto kürzer wird die „Freihandgrenze“. Mit einem Bildstabilisator lässt sich, je nach Qualität des Objektivs, die Belichtungszeit ca. um ein Vierfaches verlängern. Diese Verlängerung wird vor allem in der Low Light Photography sehr interessant, wenn es gewünscht ist, ohne Blitz bzw. Stativ zu arbeiten. Eine größere Blende ist hier auch von Vorteil, da dadurch auch die Belichtungszeit verkürzt wird. Also man sieht schon,

Welche Form die Blende bewirkt, lässt sich gut testen, indem man Lichter fotografiert. Rundes Bokeh wird von vielen Fotografen gegen­über den manchmal unruhig wirkenden eckigen Kreisen bevorzugt. Ein schönes Bokeh zeichnet sich durch weiche, fließende Übergänge der Unschärfe aus, Linien erscheinen nicht doppelt. Objektive mit großer Anfangslichtstärke (1.4f oder 1.8f) eignen sich sehr gut für Aufnahmen mit selektiver Schärfe. Je offener die Blende (niedrige Blendenzahl), desto kleiner wird der Schärfebereich. Im Gegensatz zu Parametern, die für Blende oder Brennweite verwendet werden, lässt sich das Bokeh nicht so einfach in Zahlen fassen und ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Nicht zuletzt scheiden sich deshalb oft die Geister, wenn es um das Bokeh eines Objektivs geht. In japanischen Tests wird dem Bokeh eines Objektivs allerdings genauso viel Bedeutung wie beispielsweise der Schärfe beigemessen.

Eigentlich ist es einfach, wenn ein paar Basics geklärt sind. • Blende (f) • Belichtungszeit (t) • ISO (Lichtempfindlichkeit Sensor/Film)

f2,8

inwiefern die Blende die Belichtungs­ zeit beeinflusst. Man kann natürlich die Be­ lichtungszeit mit einem höheren ISO-Wert verkürzen, was aber auch zu einem, oft als störend empfundenen, Bild­ rauschen führen kann. Nun sind wir auch schon beim ISO-Wert angekommen. Damit erhöht bzw. mindert man die Lichtempfindlichkeit des Sensors/Films. Nebenbei kann man mit dem ISO-Wert auch noch den Kontrast beeinflussen. Je niedriger der ISO-Wert, desto höher der Kontrast. Welche Nachteile gibt es bei hoher ISO, also ab 1600+? Ein ziemlich derbes Rauschen ist garantiert, welches nur in genauer Nachbearbeitung effektiv entfernt wird. Ich persönlich finde, dass gerade ein Rauschen in der Portrait­fotografie sehr schön wirken kann, aber das ist Geschmacksache. In der analogen Fotografie gibt es das Korn, welches bei niedriger ISO sehr fein und bei hoher ISO sehr grob ist. Das variierte je nach Hersteller und Entwicklungsmethode, doch dafür reicht hier der Platz nicht – mehr dazu im analogen Teil der Technik der Fotografie.

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WissenShorts

Kommunikation in 160 Zeichen Artikel von Christoph Schattleitner/FH Joanneum, Foto von Irita Kirsbluma/Flickr

Die SMS ist – abgesehen vom Telefonieren – die beliebteste Funktion am Handy. Vor Kurzem feierte das Short Message Service seinen 20. Geburtstag. Zeit für einen wissenswerten Rück- und Ausblick eines Dienstes, der unser Kommunikationsverhalten beeinflusst hat. Chronik Am 3. Dezember 1992 schickte Ingenieur Neil Papworth die erste SMS von einem PC an ein Mobiltelefon. Inhalt der Nachricht? – “Merry Christmas“. Ab 1994 war es möglich, SMS zwischen zwei Mobiltelefonen zu versenden. Mit dem Siegeszug der Handys Ende der 90er stieg auch die Anzahl der versandten SMS und der Service wurde kostenpflichtig. Im Jahr 2002 ist der Begriff “simsen” schon so weit verbreitet, dass dieser in den Duden aufgenommen wird.

Zuwächse In den ersten Jahren hat sich die Nutzung der SMS explosionsartig entwickelt. Auch heute werden noch Zuwächse verzeichnet: Im Jahr 2010 wurden – laut Forum Mobilkommunikation – in Österreich 6,4 Milliarden versendet, 2011 waren es 7,3 Milliarden. Das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent. Besonders viele SMS werden zu Silvester versandt. Zum Jahreswechsel versenden die 8,4 Millionen Österreich stolze 66 Millionen SMS.

Preissturz Der Anstieg der Nutzungszahlen könnte auch mit dem Fallen der Preise zu tun haben. Allein in den letzten fünf Jahren sind die Prei­se für Telefonieren, SMS und Datendienste um rund 60 Prozent gefallen. Österreich ist damit Spitzenreiter in der EU. Aber auch in anderen Ländern zeigt die Preisspirale nach unten. Trotz sinkender Preise ist die SMS die „Cashcow“ der Mobilfunkanbieter.

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25 Prozent der Gewinne entstehen in der USA-Mobilfunkbranche durch das Short Message Service. Diese Geldkuh droht ihnen nun abhanden zu kommen, da die Konkurrenz, das sogenannten „Instant Messaging“, wächst.

Zukunftsmodell Instant Messaging? Instant Messaging ist mit den Smartphones möglich geworden. Die 160-Zeichen-Grenze braucht man nicht mehr, da nicht mehr die Anzahl der SMS verrechnet wird, sondern das genutzte Datenvolumen. Instant-Messaging Anbieter wie WhatsApp oder der MessageDienst von Facebook bedrohen damit zunehmend die SMS und in weiterer Folge die Mobilfunker. Ein gänzlicher Untergang der SMS scheint aber für die nahe Zukunft ausgeschlossen. Vor allem in ärmeren Ländern, in denen Smartphones noch nicht verbreitet sind, ist die SMS ohne Konkurrenz.

Beeinflussung des Kommunikationsverhaltens Während die Zukunft der SMS ungewiss ist, lässt sich rückblickend eine wesentliche Beeinflussung des Short Message Services auf unser Kommunikationsverhalten feststellen. Zwischenmenschliche Zuneigung wird seit Einführung der SMS gerne auf „ILD“ („Ich liebe dich“) oder „HDL“ („Hab dich lieb“) verkürzt. Neben dem Netzjargon, der vor allem aus Abkürzungen besteht, gibt es bei österreichischen Jugendlichen eine zusätzliche Spracheigenheit: Jeder dritte Jugendliche verfasst seine SMS im Dialekt.

Quellen: http://schattleitner.wordpress.com/2012/12/04/happy-birthday-liebe-sms/, http://futurezone.at/digitallife/15550-whatsapp-und-co-ueberholen-sms.ph, http://futurezone.at/digitallife/4142-sms-der-anfang-vom-ende-einer-aera.php, http://wirtschaftsblatt.at/home/life/techzone/1319514/20-Jahre-SMS_Kommunikation-in-160-Zeichen, http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/716498/Telekoms-die-grossen-Verlierer?from=suche.intern.portal


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Musik

„Wenn du nicht in die vorgegebene Schublade passt, wirst du augenblicklich abserviert.“ E i n e S i t uat i o n s a n a ly s e d e r ö s t e rr e i c h i s c h e n M u s i k s z e n e . Austropop war lange out. Die goldenen Zeiten eines Wolfgang Ambros und Georg Danzers sind lange vorbei. Eine Musikerin lässt sich aber davon wenig beeindrucken und feiert das Mundart-Genre mit Inbrunst. Birgit Denk zählt in Österreich inzwischen längst zu einer Institution in Sachen Mundartpop. Wohl kaum eine andere heimische Künstlerin steht so sehr für die Wiederbelebung dieser Musikrichtung wie die gebürtige Hainburgerin. 2010 feierten die Sängerin und ihre Band DENK mit einer ausgedehnten und höchst erfolg­ reichen Tour durch den deutschen Sprachraum ihr zehnjähriges Bestehen. Mit Tua weida gab es zudem auch ein weiteres Album, das einmal mehr von den Kritikern des Landes mit viel Lob bedacht worden ist. 2012 hauchte die Band alten österreichischen Kabarett­ liedern aus den 50er Jahren neues Leben ein und mischte unter dem Projektnamen Birgit Denk & Die Novaks die Wiener Musikszene auf. Denk moderiert außerdem wöchentlich die Sendung Was gibt es Neues? auf Radio Orange 94.0 (immer donnerstags von 14:00-15:00 Uhr), in der sie musikalische Neuerscheinungen vorstellt. Mit X-Rockz sprach die Sängerin über ihre Karriere, Projekte und die schwierige Situation der österreichischen Musikszene.

Interview von Ursula Raberger und Johann Holzleitner, Fotos von Erwin Schuh, Miggl

Schon als Kleinkind habe ich mit der Familie musiziert, gesungen und außerdem ab meinem 4. Lebensjahr die Musikschule besucht. Mit 17 musste ich meinem damaligen Gitarrenlehrer Roland Neuwirth versprechen, dass ich weiterhin Musik mache. Daraufhin hab ich im Bazar eine Annonce geschaltet: „Musikerin sucht Kommerzband“. Gemeldet hat sich schließlich eine Indieband und wir haben im Stil von Skunk Anansie die Band Hertz gegründet. Im Laufe der Jahre sind auch meine jetzigen Bandkollegen Alex Horstman und Thomas Tinhof bei Hertz eingestiegen. Nach einigen Streitigkeiten mit den anderen Bandkollegen haben wir uns schließlich aufgelöst und DENK wurde gegründet. Wo müssen sich junge Musiker hinwenden, wenn sie vom muffigen Probenkeller auf die große Bühnen wollen?

Momentan ist es für talentierte junge Musiker das Beste ins Ausland zu gehen. Budapest, Berlin, Madrid, Rom, … ganz egal wohin. Fragt nach Open Stages und spielt einfach drauf los. Ganz wichtig ist es heutzutage, international zu networken und sich zu verknüpfen. Du bist ja doch jetzt schon über 10 Jahre mit deiner Band DENK unterwegs und spielst in ausverkauften Häusern, trittst sogar im ORF auf. Es dürfte ja kein Problem sein, in den österreichischen Radios Airplay zu bekommen …

Wie hat dein Start in der österreichischen Musikszene ausgesehen?

Einstieg im eigentlichen Sinne gab es bei mir nicht. Musik war von frühester Jugend an ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. 16

Das Problem ist einfach, dass unsere Generation nicht mehr bei dem Boom, den österreichische Musik noch in den 80er-Jahren auslöste, mitwirken konnte. Wir haben die Erfahrung gemacht,

http://www.bdenk.at/


dass wir damals auf ein auslaufendes Modell gesetzt wurden. Dieses Problem haben aber nicht nur wir, sondern auch viele andere österreichische Musikerinnen und Musiker. Wiener Dialekt ist die Sprache der Musik, der du dich verschrieben hast und stehst damit in einer Tradition von Cissy Kraner, Marianne Mendt, Kurti Ostbahn und Hansi Lang. Musi­ker also, die sich in den 70er-Jahren und früher etabliert haben, in einer Zeit, in der Dialekt­musik massentauglich war. Was hat sich hier konkret geändert?

Vieles! Musik aus Österreich ist im Moment ein Nischenprodukt und Dialekt gilt allgemein als uncool. Es ist schwieriger geworden Livekonzerte aufzustellen, im Radio gespielt zu werden und im Internet seinen Platz zu finden. Im letzten Jahr hast du mit deiner Band ein neues Musikprogramm in Angriff genommen. Warum kam es zur Erweiterung von DENK zu den Novaks?

Die Idee zu dem neuen Programm wurde 2011 geboren. Preiser Records und das Casino Baumgarten haben Künstler für eine Jubiläums-CD gesucht, die alte Nummern von österreichischen Sängerinnen und Sängern neu interpretieren. Wir wurden angesprochen, haben gleich begeistert mitgemacht und den Song Aber der Novak lässt mich nicht verkommen von Cissy Kraner für dieses Album aufgenommen. Danach waren wir so begeistert von den alten Preiser-Nummern, dass wir beschlossen haben, auch mehr daraus zu machen und ein eigenes Programm zusammen zu stellen. Mein Bandkollege Ludwig Ebner hat daraufhin die Lieder von Hermann Leopoldi, Topsi Küpers, Helmut Qualtinger, Louise Martini und Co neu arrangiert und wir haben unsere Band durch eine Geigerin und eine Bratschistin erweitert.

dass sie anonym bleiben. Ich habe noch nie gehört, dass ein CD-Projekt auf eine solche Art und Weise zustande gekommen ist und Menschen aus einem persönlichen Engagement heraus Musik fördern. Darauf bin ich natürlich besonders stolz. In Deutschland gibt’s den Echo, in Österreich den Musikpreis Amadeus. Wie wichtig ist so ein Award für einen österreichischen Musiker?

Der Amadeus ist ja die einzige Auszeichnung, die man in Österreich als Musikschaffender erreichen kann. Insofern ist es für einen Künstler natürlich sehr wichtig einen zu gewinnen bzw. nominiert zu werden. Man bekommt dadurch die Chance, sich „ins Spiel“ zu bringen. Auch für das Konzert-Booking ist der Amadeus essentiell. Für Veranstalter ist es heute wichtiger, einen Amadeus-Gewinner bzw. -Nominee anzupreisen, als eine Band, die beispielsweise das Metropol in Wien schon mehrmals gefüllt hat. Außerdem bietet die Amadeus-Verleihung eine gute Plattform zum Netzwerken und mit Kolleginnen und Kollegen aus der Musikbranche in Kontakt zu bleiben. DENK war schon zweimal nominiert für den Preis, bekommen haben wir ihn allerdings noch nie.

Die Novak-CD hätte ja aus finanziellen Gründen gar nicht entstehen können, trotzdem gibt es sie. Wie kam es dazu?

In Deutschland werden jährlich mehrere junge Bands zu Stars gemacht; in Österreich sieht es diesbezüglich düster aus. Seit Christina Stürmer tut sich nicht mehr viel. Und sie ist ja auch das Produkt einer Castingshow. Woran liegt das?

Als wir bemerkten, dass dieses neue Programm auf fruchtbaren Boden gefallen war und sowohl bei Publikum als auch bei der Presse gut ankommt, wollten wir natürlich eine CD aufnehmen. Ich habe daraufhin ein Konzept geschrieben und einige Firmen um ein Sponsoring gebeten. Leider kam von allen umgehend eine Absage. Im Endeffekt hat uns ein Ehepaar den Betrag privat zur Verfügung gestellt. Die einzige Auflage, die sie an uns gestellt haben, ist,

Meiner Meinung nach liegt es in erster Linie daran, dass du heute perfekt funktionieren musst, wenn du auf Ö3, FM4 und Co gespielt werden möchtest. Junge Künstlerinnen und Künstler bekommen heute nicht mehr die Gelegenheit zu experimentieren. Wenn du nicht in die vorgegebene Schublade passt, wirst du augenblicklich abserviert. Ich vergleiche die österreichische Musikförderung immer gerne mit einem Garten, den man zehn

Jahre zuwuchern ließ und sich heute wundert, dass keine Erdbeeren und Zierrosen darin wachsen. Das ist ein Problem, das sich so schnell nicht lösen lässt. Veranstalter buchen nur Musiker, die ihnen volle Hallen bescheren, die Menschen wollen nur mehr das hören, was ihnen das Fernsehen vor­gibt. Durch diesen Teufelskreis fehlt es heute auch stark am Selbstbewusstsein der Musiker. Es wäre auch wichtig, endlich von diesem Prinzip „Mach’ du Musik - aber ich zahl’ nichts dafür“ wegzukommen. Du hast ja wöchentlich deine eigene Radiosendung, in der du junge Bands und ihre Musik vorstellst. Welche Erfahrungen machen diese auf dem Weg zum Plattenvertrag?

Radio Orange ist ja ein freier Radiosender und ganz nach diesem Prinzip können sich junge Bands und Musiker hier selbst zu meiner Sendung einladen und die Chance nutzen, eine Stunde über ihre Musik zu plaudern. Ich persönlich finde es toll, neue junge Bands kennen zu lernen und zu sehen, was die nächste Generation so macht. Oft habe ich testosteronschwangere 17-Jährige bei mir im Studio stehen, die davon überzeugt sind, demnächst Welt­ karriere zu machen. Diesen Optimismus finde ich extrem wichtig und schön. Außerdem versuche ich auch, soweit es mir möglich ist, gute neue Bands zu unterstützen. Nach allem was wir bisher gehört haben, interessiert uns natürlich jetzt brennend, wie es mit DENK bzw. den Novaks weiter geht? Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Wir sind gerade dabei, neue DENK-Lieder für eine CD zu schreiben. 2012 haben wir fast ausschließlich nur unser Novak-Programm gespielt – in diesem Jahr wird’s wieder ausgewogener und wir werden unseren Fans wieder beides bieten. Danke für das Gespräch! (Das Interview wurde ausschließlich im Wiener und Oberösterreichischen Dialekt geführt)

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Musik

Passengers Empfehlung von Gunter Dorner, Leiter Musikredaktion Steiermark und Kärnten

Nach einem langen Weg sind die Passengers dort angekommen, wo Musik direkt aus dem Herzen ins Herz trifft. Ein Weg voller Erinnerungen, Inspirationen und Emotionen. Eine Musik voller Kraft, Leidenschaft und Diversität. Eine Band voller Energie, Tatendrang und Liebe zur Musik. Die jungen Musiker aus dem Raum Hartberg-Fürstenfeld vereinen melancholische und euphorische Rockklänge mit spannenden Geschichten und Erfahrungen ihrer eigenen Erlebnisse. Eine ausgewogene Mischung aus Rock und Pop gepaart mit deutschen Texten und einer energiegeladenen Liveperformance. Ausgehend von der Idee, Musik als Ventil für alltägliche Problemsituationen zu verwenden, wurde das Projekt Passengers

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2011 gegründet. Anfangs wurde das Songwriting und Arrangement auf Unplugged Venues ausgearbeitet. Nach einigen Auftritten wuchs der Wunsch, die schon geschriebenen Songs neu zu arrangieren und eine Rockformation zu gründen. Nach einigen Monaten inten­siven Probens und diversen Auftritten wurde im März 2013 die erste fünf Track EP im Stress Studio in Graz mit Produzent Zwanzga Tom produziert. Fünf Songs voller Energie, Emotion und Leidenschaft waren das Ergebnis. Die Veröffentlichung der EP wird voraussichtlich im August 2013 im Eigenvertrieb erscheinen. Für Fans von Rock/Pop gepaart mit deutschen Texten ein MustHave für 2013.


Literatur

Kein Plan, kein Problem. Wie das Leben so spielt. Eigentlich hatte ich die Rohfassung dieser Kolumne schon fertig – handschriftlich in meinem Notizbuch – als folgendes Posting via Facebook ins Haus flatterte, kurz bevor ich beginnen wollte, sie abzutippen: „Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch.“ Darüber galt es kurz nachzudenken, um kurzentschlossen zu wi­ dersprechen: „Manchmal funktionieren die Dinge aber ganz gut – du erreichst ein Ziel durch Vertrauen und die richtigen Entscheidungen, weil du immer eine Wahl hast, aber nicht immer einen Plan – vor allem ich.“ Ich schloss mit einem anderen Zitat: „Die Planer planen und das Schicksal lacht sie aus.“ Weltklasse-Antwort und cooles Zitat fand ich, bescheiden wie ich bin, und entschied: Auch diese Episode aus meinem Leben muss in die Kolumne. Und so reih­ten sich der französische Abenteurer und Autor Antoine de Saint-Exupéry mit dem ersten Zitat und der Islamverkünder und Prophet Mohammad (s.a.s.)* an den Beginn und verdrängten folgenden Einstieg in das Thema „Ziele und Wege“: Am 1. Juni schrieb die österreichische Schriftstellerin Julya Rabinowich in ihrer Kolumne Geschüttelt, nicht gerührt in der Tageszeitung Der Standard: „Fragen Sie sich niemals, was Sie eigentlich ersehnen. Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Was für die Erleuchtung reicht, sollte auch für Ihre Ansprüche reichen.“ Hm. Weg? Ziel? Erleuchtung? Ich las in diesem Moment gar nicht weiter – erst später, es ging irgendwie ums Liebesleben – sondern überlegte, ob ich das denn so unterschreiben würde: Dass erstens der Weg das Ziel sei,

zweitens so eine Einstellung zur Erleuchtung führte, und drittens ich in jungen Jahren ein Gedicht mit dem Titel Der Weg und das Ziel geschrieben habe. Ich fand es auch wieder; unter all den Notizbüchern und Zetteln, die ich, seit ich schreiben kann, vollgeschrieben hatte und, seit ich denken kann, horte, um sie, einem großen Künstler gleich, erst nach meinem Tod finden zu lassen. Ich hab da auch schon einen Plan, doch das ist eine andere Geschichte. Das Gedicht war wie immer von mir signiert, mit dem 11. Februar 2000 datiert und überraschte mich mit der ersten Zeile, in welcher stand: „Nicht der Weg ist das Ziel.“ Da ich heute weiß, dass das nicht stimmt, wird klar, dass ich vor 13 Jahren von dieser Erkenntnis so weit entfernt war wie Ha Zeh Strache von der Konvertierung zum Islam. Ich las also das ganze Gedicht und langsam dämmerte mir, was ich damals gedacht und gemeint hatte. Damals allerdings verstand ich freilich nichts von universellen Zusammenhängen, von der Kraft der Gegenwart (Eckhart Tolle) und dem Zauber des Moments, dem „Blink“ (Malcolm Gladwell) oder der Notwendigkeit, im Hier und Jetzt Entscheidungen zu treffen, um erfolg­reich zu sein (Manfred Winterheller). Ich hatte damals noch keinen einzigen Coelho gelesen und sah weder Wege noch Ziele. Vielen Menschen, vielleicht auch manchen von Ihnen, geschätzte Leser, geht es heute ähnlich wie mir damals – was sehr schade ist. Aber es gibt Hoffnung. Denn heute unterschreibe ich „Der Weg ist das Ziel“ ohne mit der Wimper zu zucken und aus vollster Überzeugung. Ich ließe es mir gar auf den Rücken tätowieren und liefe nur mehr mit nacktem Oberkörper durch die Welt, wenn ich damit einen Beitrag leisten könnte, die Menschheit zu retten. Und so muss ich den jungen Tali in Schutz nehmen; denn selbst heute, als allgemein anerkannt ist, dass der Weg das Ziel sei, heißt es faktisch überall und andauernd, man brauche Ziele. Was der Philosophie widerspricht, es sei die Reise, das Leben selbst, auf das es ankomme und nicht das Ziel. Doch diese Philosophie macht glücklich, denn „es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist gestern, der andere ist morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zu leben ist.“ Und so endet die Kolumne auch wie sie begonnen hat mit einem Zitat. Gesagt hat das der Dalai Lama. Friede sei mit euch. *sallallahu alleihi wa sallam (Anm.: schreibt man immer bei Erwähnung des Propheten)


Musik

Nicht umsonst gelebt Bericht von Cornelia Schwingenschlögl, Fotos von Cornelia Schwingenschlögl und Eva Vujic

Da s l e t z t e Dr a h d i wa b e r l - Ko n z e rt – d i e s m a l i s t e s w i r k l i c h s ow e i t. N ac h v i e r z i g J a h r e n m u s i k a l i s c h e m A k t i o n i s m u s l e g t S t e fa n W e b e r s e i n e n „ S u p e r s h e r i f f - S t e r n “ e n d g ü lt i g a b . Unbedingt wollte er kein Interview geben, ist eh stressig genug heute, vor dem tatsächlich letzten Drahdiwaberl-Konzert. Glücklicherweise sitze ich dann doch mit ihm zusammen – mit Stefan Weber höchstpersönlich. Erst einmal wird angestoßen, dann sagt er: „Dieser Schmäh rennt seit 20 Jahren, jetzt wird’s fad, weil das glaubt eh keiner mehr. Nein, ich muss ehrlich gestehen, es ist das Alter.“ Er ist jetzt 66 und die Unfallgefahr, die mittlerweile nicht nur seine legendären Auftritte, sondern zunehmend auch der Alltag mit sich bringen, steigt. Es ist Zeit für den Abschied von der Bühne.

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Sein aktuelles Team, zu dem auch seine Tochter Monika gehört, ist im Schnitt dreißig Jahre jünger als er. Spaß hätte er zwar noch immer dran, aber nicht mehr so sehr wie früher: „Die Interessen verlagern sich schon ein bisschen.“ Natürlich wird es ihm hie und da fehlen, auf der Bühne zu stehen. Ein Show-Mensch ist er ja immer


gewesen: „Ich hab ja als Säugling angefangen, Shows zu machen.“ Naja, das ist vielleicht übertrieben, aber schon im Kinder­ garten hat er immer die Haupt­rolle gespielt. Der heutige Auftritt findet auch als Auftakt zur Ver­ nissage Blutrausch statt: „Ich hab nie eine Ausstellung gemacht, wo nur einer oder zwei Reden schwingen und dann gehen die Leute rum, essen ein paar Soletti

und trinken ein paar Achterl.“ Immer hat er dem interessierten Publikum eine ZusatzAction geboten, ein Kabarett oder Ähnliches. Die aktuelle Ausstellung ist seine bisher größte: „Es war ja höchste Zeit, dass s’ mi’ mal entdecken, ich bin ja bis jetzt nicht richtig gewürdigt worden.“ Doch nun endlich hat er’s ins Wien Museum am Karlsplatz geschafft. Das gab ihm auch die Gelegenheit, einmal mit dem Museums­ direktor Wolfgang Kos zu diskutieren, den er bis dato kaum gekannt hatte. Ihn kennt man auch durch die le­gendäre Ö3-Radiosendung Die Musicbox, die er zusammen mit André Heller, Michael Schrott und Alfred Treiber ab 1968 aufgebaut hatte. „Die haben Drahdiwaberl aber eher verrissen.“ Generell hatte die Band nur wenige Medien musikalisch auf ihrer Seite, schon aufgrund ihres rockigen Sounds. Viele Kritiker waren eher reserviert. „Im Falter haben s’ wenigstens geschrieben: ‚Die Drahdiwaberl sind

vielleicht etwas altmodisch, aber sie waren zumindest lustig.’“ Auch beim Kurier gab und gibt es eine Fürsprecherin, die Kolumnistin Magdalena Rauscher: „Die hat zum Beispiel einen unheimlich lieben Artikel zu meinem 60er geschrieben.“ Wenn er so etwas liest, möchte er nicht aufhören. Die Drahdiwaberl-Texte wurden meist von ihm verfasst: „Das ist schon oft viel mit Sex. Das schockiert nach wie vor, das ist irre.“ Jetzt ist seine Autobiografie in Arbeit: „Die wird lustig, sicher lustiger als der Ambros.“ Das reizt ihn im Moment mehr, es ist auch sicherer als Live-Auftritte: „Do muaß i net von der Bühne fliag’n oder so.“ Als Musiker sieht er sich selbst eigentlich überhaupt nicht, hat er noch nie. Wie es kommt, dass dann ausgerechnet er eine Band mit so großem Namen hat? „Schon als Kind wollte ich nicht umsonst gelebt

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„Man kann ohne einen einzigen Tropfen Blut schockieren.“ haben. Ich wollte berühmt werden.“ Also hat er sich „einig’haut“, alles Mögliche gemacht und Erfahrungen gesammelt. Dabei ist er draufgekommen, dass man nur dann eine Chance hat, wenn man über­rascht und Unerwartetes liefert. Sein Talent, die dafür richtigen Leute kennenzulernen, kam ihm bei der Umsetzung seines Plans zugute. „Natürlich muss man sich schon was trauen, die Anlage dazu haben.“ Seiner Mei­ nung nach sind die Österreicher überhaupt die besten Schockierer, sogar besser als die Engländer. Drahdiwaberl selbst liefert dafür den überzeugendsten Beweis. Wobei die Band es nie nötig hatte, Fäkalien zu verwenden oder ernsthaft Grauslichkeiten zu veranstalten: „Man kann ohne einen einzigen Tropfen Blut schockieren.“ Lustig soll es sein. Das Wichtigste für Stefan war immer, eine gute Show zu liefern. Ein bisschen Unruhe entsteht im Hinter­ grund, Stefan, aufgeregt: „Müssen wir gehen oder was?“ Nein, nein, 20 Minuten haben wir noch Zeit. Weiterer Besuch ist in der Wohnung eingetroffen und wird

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mit den Worten begrüßt: „Ja hallo, du störst uns sowieso, wir führen da wichtige Gespräche.“ Die Ausstellung Blutrausch sollte übrigens drei neue Werke beinhalten. Stefan hat es aber zeitlich nicht geschafft, sie fertigzu­ stellen – einfach zu beschäftigt. Nicht einmal Zeit für seine Hobbys ist geblieben: „Ich bin ja ein Kino-Freak und wenn ich früher nicht drei Mal pro Woche ins Kino gekommen bin, ist es mir nicht gut gegangen. Und jetzt war ich schon drei oder vier Wochen nicht.“ Zuletzt hat er Die Jagd von Thomas Vinterberg gesehen, den er sehr erschütternd fand: „Da war ich fertig!“ und davor hat er drei Mal hintereinander Django geschaut. Für ihn etwas ganz Besonderes. In einem „Westler“ hätte der alteingesessene Cowboy- und Westernfan schon immer gern mal mitmachen wollen. Einmal besaß er sogar einen echten Stetson, der ihm aber leider gestohlen wurde. Zwischendurch flackert wieder die Auf­ regung wegen des Auftritts auf. Zu spät

kommen will er auf keinen Fall. Aber seine Tochter Monika und das restliche Team haben alles bereits organisiert, telefonisch abgeklärt und fest im Griff. Also bleibt noch ein bisschen Zeit zum Quatschen, unter anderem über das X-Rockz-Magazin und Graz. „Graz ist, glaub ich, die einzige Stadt in Österreich, wo ich – außer in Wien – auch leben könnte“, sagt Stefan. Einige nette Leute hat er dort kennengelernt und es gibt dort sehr viele Bands. „Wenn ich an den Beiseln am Kaiser-Josef-Platz vorbeigeh’, gibt’s immer gleich ein Gejohle … da weiß ich schon vorher, das wird immer ein Absturz.“ Auch der Dokumentar-, Kon­ zert- und Spielfilm Weltrevolution, der von Drahdiwaberl handelt, feierte in Graz fulminante Erfolge. Stefans Tatendrang wird nur durch eins eingeschränkt: Seine Parkinson-Erkrankung, die sich vor vier Jahren innerhalb weniger Monate merkbar verschlimmert hat. „Das ist eine Scheiß-Krankheit, aber es gibt Ärgeres“, meint er dazu, „Krebs möchte ich nicht haben. Parkinson tut nicht weh und


verkürzt das Leben nicht.“ Was ihm leid tut, ist, dass er deswegen nicht mehr zeichnen kann. Schriften muss er nun am Computer machen, anstatt sie freihand zu entwerfen. Zurück zum Konzert: Für den heutigen Auftritt ist nichts allzu Wildes geplant, eher „ein nostalgischer Abend“, wie Stefan es ausdrückt. Da fällt ihm wieder ein: „Müssen wir nicht schon fahren? Wie spät ist es denn?“ Die „Zeit-Nervosität“ hat er nie ganz ablegen können. Egal, ob es um einen Gig oder einen Kinobesuch ging – immer hatte er Angst, zu spät zu kommen. Das hat er in abgeschwächter Form von seinem Vater geerbt, der immer „wenn er wo hin hat müssen, drei Stunden vorher dort gewesen ist“. Auch bei den Proben mit seiner im Moment aus „dreißig Wahnsinnigen“ bestehenden Band ist er immer überpünktlich. Rund um Drahdiwaberl gibt es auch einen großen Pool an Leuten, die nicht fix dabei sind, die aber immer wieder mitmachen oder geistigen Beitrag leisten. Jetzt wird es aber wirklich Zeit zum Auf-

brechen. Schnell wird noch überprüft, ob alles Wichtige eingepackt ist, zum Beispiel ein riesiger Umschnall-Gummi-Dildo, der um ein Haar zurückgeblieben wäre („Vergessz ma den Beidl net, den kann sicher wer brauchen!“). Dann geht’s per Taxi samt Tequila aus dem Flachmann und Falco aus dem Radio ab zum Ort des Geschehens. Es hat sich schon eine Fan-Meute angesammelt, die zur Begrüßung lauthals „Stefan! Stefan!“ skandiert. Im Backstage-Bereich herrscht reges Treiben. Monika Weber verteilt Gurken an „Kieberer“. Ein Mann mit Gummimaske trockenvögelt probeweise eine Mönchin in enger brauner Kutte. Hektisch wird nach einem Leatherman gesucht. Es ist ein ständiges Begrüßen, Besprechen, Aus-, Umziehen und Hantieren mit abstrusen und noch abstruseren Requisiten im Gange. Doch schließlich sind alle fertig ausgestattet und bereit. Vor der Open-Air-Bühne am Karlsplatz/ Resselpark hat sich trotz unangenehmster Wetterbedingungen eine beachtliche Zuschauermenge zusammengerottet. Dann legt Drahdiwaberl los. Zum Abschied

gibt’s den Stechschrittmambo, Lonely, Bück dich und viele weitere, wohlbekannte Stücke. Ununterbrochen geht es auf jedem Qua­ dratzentimeter der Bühne so richtig ab. Jeder einzelne Mitwirkende ist jede Sekunde lang Darsteller und gibt alles. Wie immer geht die Tatsache, was für originelle, hochwertige Musik einem da eigentlich geboten wird, hinter dem grellen Schauspiel fast unter. Und mittendrin Stefan Weber, flankiert von zwei „Muskelmännern“, die ihn stützen, in seinem Element. Als das Konzert zu Ende geht, sind die ersten vier Publikumsreihen von oben bis unten eingesaut, ganz wie es sich gehört. Die Menge zerstreut sich. Ein großer Teil strömt in Richtung Blutrausch-Vernissage, ein Teil bleibt noch, um sich an einem der Standeln mit Bier zu stärken, einige fliehen wohl vor dem kalt-nassen Abend direkt nachhause. Ein bisschen traurig ist es schon, dass man den „Supersheriff“ zum (jetzt wirklich!) letzten Mal live on stage gesehen hat … aber schön ist es auch, dass man dabei ge­ wesen ist. Im Herzen zurück bleibt ja für immer ein kleines Stück Werwolfromantik.

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Szene

30 Years of

Circle Creek

Circle Creek? Da klingelt doch was… Richtig! Pünktlich zu ihrem 30-jährigen Bandjubiläum geben die Jungs, wie es sich für echte Stoner-Rocker gehört, nochmal Vollgas und haben viel Neues im Gepäck. Und wem bis jetzt noch immer kein „Hell yeah!“ durch den Kopf geschossen ist, dem sei ein bisschen auf die Sprünge geholfen. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis die Band da angekommen ist, wo sie jetzt ist, und vor allem: WER sie jetzt ist. Vier Jungs, deren Herz so voller Rock ´n Roll ist, dass abgesehen von Blut nur noch Whiskey und pure Energie in ihren Adern fließen können. Immerhin werden die Gitarren seit 1983 gebrettert, dem Jahr, in dem die (damals noch) Hardrock-Band Circle Creek von den ZirkelbachTwins Didier und Chris mit zarten 15 Lenzen gegründet wurde. Mit ihrem damaligen Schlagzeuger Peter Domeinko schafften sie nach nur vier Monaten Bestehen den Einzug in den Neue Zeit Bandwettbewerb, der übrigens von niemand Geringerem als Vojo Radkovic organisiert wurde, und konnten als Publikumssieger den Hauptpreis abstauben, der fundamental war für das Jubiläum, das heuer gefeiert werden kann: Circle Creek durften als Supportact von Status Quo ihr Talent unter Beweis stellen. „Trotz jeder nur vorstellbaren Nervosität“, wie Didier sich mit einem Lächeln erinnert, „wurden wir von 3000 Leuten gefeiert, als wären wir Superstars. Ab diesem Moment haben wir Lunte gerochen“. Doch bekanntlich kommt Hochmut vor dem Fall und so passierte es auch, dass der darauffolgende Gig – ebenfalls ein Bandwettbewerb – im Orpheum nicht so wirklich begeisterte. Die eineiigen Zwillinge erzählen mit bewundernswerter Selbstironie von ihren Glamrock-Kostümen und dass „wirklich alles schiefging, was nur schiefgehen konnte“. Nichtsdestotrotz schafften sie es in den darauffolgenden Jahren als Vorband den Fans von Größen wie Uriah Heep, Judas Priest oder den Toy Dolls ordentlich die Hölle heiß zu machen. Amüsante Geschichte am Rande: „Der Gitarrist von Uriah Heep, Mick Box, hat mich bei unserem gemeinsamen Konzert auf den Kasematten im Laufe des Abends mal auf die Seite genommen und gefragt, warum ich mich denn alle paar Minuten umziehe“, so Didier, „Dass es zwei von uns gibt, hat er wohl nicht ganz begriffen“. Aber auch das sind die beiden mittlerweile gewohnt. Didier und Chris zu verwechseln ist keine Kunst, denn abgesehen davon, dass die beiden rein optisch die leibhaftigen Söhne des Herrn Lemmy Kilmister sein könnten, ist es die Liebe zum Rock ´n Roll und das in die Wiege gelegte Talent, diesen auch auszuleben wie er im Buche steht, das die beiden zu einer geballten Einheit verschmelzen ließ. Schon im Frischlingsalter kamen die Jungs den hämmernden Gitarren und zum Headbangen verleitenden Rhythmen nicht aus, dröhnte aus dem Hause Zirkelbach in den 70ern doch stets

www.circlecreek.com, www.facebook.com/CircleCreekBand

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Booking Austria: didiz@me.com, Booking Germany: booking@fomjam-music.com

AC/DC und Kiss. Nur wenn man ohnehin von Kindesalter an ständig berieselt wird, was ist der Auslöser, selbst zur 6-Saiter zu greifen? „Wir haben als Teenager ständig an der Gitarre unseres Stiefvaters in spe, Gert Steinbäcker von STS, herumgeklimpert und wollten sie irgendwann tatsächlich beherrschen“. Gesagt, geklampft und so wurde im Jahre 1981 mit dem Gitarrenunterricht von Schiffkowitz – übrigens der Songschreiber von Fürstenfeld – der Grundstein für das künftige Rockstar-Dasein gelegt. Und dieses Dasein kann sich heute wirklich hören lassen. Der Bandmitgliederwechsel liest sich zwar wie das Programm eines einwöchigen Musikfestivals, aber wie Circle Creek selbst und auch wir mittlerweile wissen, ist das mehr als gut so. Aber nicht nur mit der Besetzung wurde herumpro­biert, auch die musikalische Versuchspalette reichte von Hardrock bis Crossover über Samples und sogar zu Techno/Drum & Bass und doch wollte sich der schöpferische Seelenfrieden einfach nicht einstellen. Trotz allem kommt es anders und zweitens als man denkt. Anlässlich ihres Vierteljahrhunderts luden die Jungs zur 25-JahreCircle-Creek-Party in den Dom im Berg und staunten nicht schlecht, als 600 zahlende Gäste die Burschen feierten, als gäb´s kein Morgen. „Das war der Moment, wo wieder Energie sprudelte, uns inspirierte, nun endlich richtig was weiterzubringen. Wenn ma was machen, mach ma´s ordentlich“, strahlen die Brüder. Nach diversen gegebenen Konzerten, unter anderem am Donauinselfest auf der FM4-Bühne, vielen experimentierfreudigen Stunden im Proberaum und natürlich unzähligen Clubgigs entwickelte sich im Laufe der Zeit dann das Dreamteam, das es heute ist. Waren sie doch jahrelang von diversen Sängern unterstützt worden, so brauchten sie gerade diese Testphase, um zu erkennen, wie es denn am besten funktioniert: Chris an den Vocals und an der Lead­gitarre, Didier ebenfalls an den Vocals und an der Rhythmusgitarre, Huawa am Bass und Bernhard Wolf an den Drums. Das Beste, was Circle Creek passieren konnte. Seit 2011 nun prescht das Quartett munter nach vorne und bedient vor allem Österreich mit seinen robusten Riffs, den rauen Gesängen, die jeden Kettenraucher vor Neid erblassen lassen und der unglaublichen Energie, die in jedem einzelnen Akkord das Rockerherz begeistert und das Haupt automatisch aufund abschleudern lässt. Ja, sie sind reifer geworden und haben ihren Stil gefunden. Mit ihrer im Jahr 2012 zweiten veröffent­ lichten CD Anger (Label Finest Noise) serviert uns Circle Creek Stoner-Rock vom Feinsten, der uns bereits beim kurzen Reinhören sofort Lust auf Bier und Whiskey verspüren und Schießpulver auf den Zungen schmecken lässt. Schenkt man diesem Album die


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angebrachte Aufmerksamkeit, so wird jedoch schnell klar, dass es hier um weit­ aus mehr geht als darüber zu sinnieren, wie man sich erfolgreich betrinkt und möglichst rüpelhaft benimmt, wie es Desert-/Stoner-Rock auf den ersten Ton vermuten lässt. Hier wird einem Sozialkritik so gepflegt ins Gesicht gedonnert, dass man überhaupt nicht mehr widersprechen kann. Authentizität wird hier übergroß geschrieben: „Wir sind geradlinige Typen, die einen Dreck drauf geben, was andere von uns denken. Wenn wir eine Meinung haben, dann stehen wir dazu, wir machen alles aus Überzeugung. Warum leise sein? Das ändert gar nichts. Chris und ich sind wie Hunde, da bellen die kleinsten auch am lautesten“, schmunzelt Didier, der sich mit seinem Bruder nicht gerade zu den Riesen zählen kann. Kann man gar nicht glauben, wenn man sich die Lead-Single Anger reinbrettert. Der Song fühlt sich wie ein Fallschirmsprung an, die anfänglichen 4:50 Minuten sind vergleichbar mit dem Flug in die luftigen Höhen, dem damit verbundenen Spannungsaufbau und dem Wissen darüber, dass gleich etwas richtig Abgefahrenes passieren wird – mit dem Ausgang, dass man voller Adrenalin mit beiden Füßen auf dem Boden landet. Die saftigen Gitarrenklänge und die rauchige, wohltuende Stimme gehen sofort in die Lauscher, um sich dort mitten im Hirn niederzulassen und nicht mehr so schnell zu verschwinden. Doch Anger ist nicht umsonst der Titel dieses Liedes und so wuchtet Chris, der übrigens auch den Großteil der Songs schreibt, einem am Schluss nochmal richtig seine Wut über Intoleranz in die Fassade und betont mit ordentlichem Druck, dass man sein Ding durchziehen und verdammt nochmal erwachsen werden soll. Ein Thema, das sich durch das ganze rund 50-minütige Prachtstück zieht. Apropos Prachtstück: Das Video zu Anger liefert einen ganz guten Eindruck über die vier Charaktere und wurde 2012 sogar für den Rockin‘ Movies Award nominiert. Alles in allem ist aber auch die Arbeit von Huawa und Bernhard keineswegs zu verachten. Huawa beherrscht sein Instrument wie ein Biker sein Zweirad. Raffinierte Slap- & Funk-Licks lassen nur ansatzweise das vielschichte Können des versierten Bassisten erahnen. Die hörbare melodiöse Harmonie der Band untereinander ist noch durch das Schlagzeug abgerundet, das von Bernhard richtig fachmännisch niedergeprügelt wird, der seine Begabung noch bei drei anderen Bands unter Beweis stellt. Wer jetzt neugierig geworden ist, dem sei versprochen, dass er erstens nicht ent­ täuscht sein wird und zweitens noch Einiges hat, auf das er sich freuen kann. Denn Circle Creek wird noch heuer ein neues Album hervorzaubern, dessen Release in Graz gefeiert werden wird (siehe Shortcuts). Unterstützt werden die Vier von ihrer Promofirma Finest Noise in Bonn, mit denen sie seit 2012 zusammenarbeiten und ihnen zum Beispiel Airplay auf sage und schreibe 40 Radiostationen zu verdanken haben. X-Rockz durfte bereits exklusiv in die neuen Aufnahmen hineinschnuppern und kann euch versprechen, dass ihr nicht unterfordert werdet, die Lead-Single wird sich Creatures Of The Night betiteln und euch ordentlich den Hintern versohlen. Hell yeah! Geplante Konzerttermine: 28. Jul. 23. Aug. 25. Okt. 31. Okt.

Parkhouse Graz mit Facelift – Ersatz 29. oder 30. Juli Rostfest in Eisenerz 30 Jahre Circle Creek mit CD-Release in der Helmut-List-Halle Graz 2013 Rock on Halloween in Niklasdorf

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Musik

Austropop made in Steiamoak Bericht von Jenny Jameson, Fotos von Band Graz

Die sechs sympathischen Burschen von der Band Graz zeigen, dass es mit Fendrich, Ambros und Co. noch längst nicht getan ist und zaubern mit ihrer Musik echtes Buschenschank- und Heimatfeeling in unsere Herzen. Inspiriert von STS bis hin zu den Rolling Stones spiegelt sich diese Vorliebenvielfalt in den Melodien wider – Pop, Schlager und sogar zünftiger Rock’n’Roll mit einer ordentlichen Portion österreichi­ scher Mentalität füttern die Ohrwascheln. Auch wenn Titel wie Huat drauf oder Red’s in a Sackl zunächst einmal ein Schmunzeln verursachen, so sind die Songs bei genauerem Hinhören doch recht tiefgründig. „Unsere Musik regt Zuhören und Nachdenken an“, so der Sänger und Gitarrist Benji Hassler, „die Texte sind aus dem Leben gegriffen. Jeder kann sich auf seine Art und Weise mit ihnen identifizieren“. Bei so viel Natürlichkeit kann’s da schon passieren, dass den beiden Songschreibern Benji und Jürgen Katzbeck, der übrigens ebenfalls singt und zusätzlich noch mit Saxophonund Didgeridoo-Können aufwarten kann, die Texte ganz spontan und bei alltäglichen Tätigkeiten in den Kopf schießen. „Das Lied Gspritzt auf a Hoibe hab ich geschrieben, während ich mein Baby gefüttert habe“, grinst Benji. Mit derartigem Talent kommt da im Laufe der Jahre schon einiges an Material zusammen.

10 Jahre ist es nun her, dass die Sandkastenfreunde Benji und Jürgen zusammen mit Gernot Pachernigg beschlossen, dass gute österreichische Musik nicht aussterben darf. Und so nahmen sie die Dinge selbst in die Hand und griffen zu Mikro und Gitarre – die Band GRAZ war geboren. Gernot verließ die Band 2006. Mittler­ weile werden Benji und Jürgen seit über fünf Jahren von Dr. Bernd am Bass, John King am Schlagzeug und Herrn Helmut an den Keyboards, der Hammond-Orgel und am Akkordeon unterstützt und holten sich erst kürzlich mit Mario Zelenka einen wahrlichen Gitarren-Kapazunder ins Band-Boot. Ihr aktuelles Album Danke Gut! (produziert von Walter Wessely) ist bereits die dritte CD der fröhlichen Steirer. Die Singles Bleib bis zum Frühstück, Herzklopfen und Ohne mi werden regelmäßig auf diversen ORF-Radiosendern gespielt. Der Erfolg kann sich auch an ihren Auftritten sehen lassen, die – um die Band zu zitieren – „eher einem Livekabarett gleichen als einem durchgeplanten Konzert“. Hier gibt es kein Programm, keine fixe Reihenfolge oder gar eine

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http://www.band-graz.com


Generalprobe, „wir jammen eigentlich mehr“ – eine weitere Bestätigung für die charmante Authentizität der Band GRAZ. Neben unzähligen Gigs in und vor Buschenschanken, in urigen Lokalen und bei diver­ sen Festen können die Jungs auch Auftritte unter anderem beim Donauinselfest, im Orpheum Graz, bei Band für Steiermark und sogar beim Rock am Meer in Kroatien vorweisen. „Wir spielen auch auf Hochzeiten,

aber nur, wenn sie schräg und abgedreht genug sind“ – eine Aussage der Sechs, die noch zusätzlich unterstreicht, dass die „Pop-Poeten“ nicht in die MusikantenstadlSchiene eingereiht werden können. Eines gibt uns die Band noch mit auf den Weg: „Gebt’s nie auf und tut’s immer das, was euch Spaß macht. Bleibt’s euch treu!“ Wer nun neugierig geworden ist, hat heuer noch genug Möglichkeiten, die Band GRAZ

live zu erleben: Am 24. August spielen sie beispielsweise beim Taggerhof Open Air, das sie selbst veranstalten und das alle Jahre wieder ein großes Highlight ist. Weitere Konzerttermine sowie den BandGRAZ-Shop findet ihr natürlich auf ihrer Homepage www.band-graz.com und Aktuelles sowie Fotos ebenso auf ihrer Facebookseite.

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ALONA BAKIROVA

DIE WANDERJACKE Hilft eine Wanderjacke bei der Integration? Weshalb ist Deutsch sprechen nicht gleich Deutsch sprechen? Oder braucht die Migrantin einen schwarzen, sexy Lederrock? ind wir in einem anderen Land Fremde, weil wir im eigenen Land fremd sind? Und schaffen wir unsere Fremdheit selbst oder andere? Es bereitet mir jetzt wenig Vergnügen, davon zu berichten, wie fremd ich in „meinem“ Land bin, sondern mehr, wie ich meine Fremdheit im Ausland entdeckt habe – und wie man schon ahnt – mit Hilfe der Anderen. Die Leute sind in diesem Fall sehr hilfsbereit. Wenn du schon fünf Jahre im Ausland lebst, machen sie sich weiter Sorgen und kümmern sich um dein Heimweh. Meine Heimat ist Russland, ach, so sagen sie, da ist es ja furchtbar kalt. Das ist wohl ein guter Migrationsgrund. Jawohl. Aber Migration bedeutet nicht überall dasselbe: In Deutschland und Österreich bin ich die gleiche Migrantin, aber mit unterschiedlichem Grad der Fremdheit. Und es geht gar nicht um die Sprache, nein. Man kann Hochdeutsch lernen und beherrschen, sogar die Aussprache, und in Deutschland merkt dein Anderssein niemand, in Österreich schon. Diese Tatsache entspannt mich. Ich bin in Österreich a priori fremd und das befreit mich. Ich habe nicht damit zu kämpfen, so zu sein, wie ich bin. Punkt. In Deutschland schon.

JUGO-HAUT ch selbst hatte nie mit Fremdenhass zu kämpfen. Mein Name ist urdeutsch, ich spreche fließend und akzentfrei Steirisch, habe zuerst die Schule, dann eine Lehre abgeschlossen und später oft die Arbeit gewechselt. Ich war nie arbeitslos, habe immer problemlos etwas Neues gefunden, für das ich mich begeistern konnte. Ich bin Österreicher – zur Hälfte. Meine andere Hälfte ist nichts, Leere. Mein Vater ist als Gastarbeiter von Jugoslawien nach Österreich gekommen. Dort hat er meine Mutter kennengelernt. Sie haben sich verliebt, sind zusammengezogen, haben geheiratet und ich wurde geboren. Er hat nie gelernt, richtig Deutsch zu sprechen und war sehr oft arbeitslos. Wenn er Arbeit hatte, dann als Kellner oder Hilfsarbeiter. Er war cholerisch, hatte ein Alkoholproblem und verlor alles Geld an Spielautomaten.

Es ist sehr wichtig, sich zu assimilieren – nicht für mich – für andere. Für meine Umgebung in Deutschland (ich erwähne absichtlich nicht die Stadt) war bedeutend, dass ich mir eine Wanderjacke besorge, man wollte mich gutherzig integrieren. Es war nicht nur die Sorge um meine Gesundheit, sondern um mein Aussehen. Du siehst sehr sexy aus, hab ich gehört, als ich mich in meiner neuen qualitativen Wanderjacke der Gruppe näherte, die mich zu einem Berg brachte. Auf dem erlitt ich nach zwei Stunden fast einen Nervenzusammenbruch. Und rauchte eine Zigarette. Ihr in Russland seid wirklich unverantwortlich, was die Gesundheit angeht, hab ich gehört. Die Wanderjacke war noch nicht genug für die Integration. „Man kann sofort sehen, dass du eine Russin bist“, hat mir eine lokale Künstlerin auf einer Vernissage gesagt. „Du siehst so feminin und provokativ aus, so sind alle, die aus Russland kommen“, haben ihre grellroten Lippen selbstsicher artikuliert. Bei ihrem Monolog sah ich ihren kurzen, schwarzen Lederrock, aber meine russische Seele in einem französischen Kleid aus den Sechzigerjahren schwieg.

PHILIPP STROHMEIER Er war genau dieser Jugo, den man nicht in Österreich haben wollte, und ist es auch immer geblieben. Und doch hat das, was bei uns Integration genannt wird, funktioniert. Aus Scham, es selbst nicht geschafft zu haben, und Angst, meinen Brüdern und mir könnte es ähnlich ergehen wie ihm, hat er uns nicht sein lassen, wer wir sind. Ich spreche kein Wort Kroatisch, ich weiß nicht, ob ich Kroate oder Slowene bin, weil das Land noch Jugoslawien hieß, als ich es zum letzten Mal besucht habe, und meine Onkel und Tanten, an die ich mich nicht erinnern kann, auf beiden Seiten leben. Ich kenne nicht einmal den Namen des Geburtsortes meines Vaters. Alles, was ich von ihm habe, ist die Haut, die im Sommer schneller dunkel wird und keinen Sonnenbrand bekommt.


DIETER REICHER

MIR SAN MIR Ein auffälliges Paradoxon der modernen Welt: Je schneller sich die Globalisierung beschleunigt, desto wichtiger wird die Suche nach der eigenen Identität. Der Weg für Vorurteile, Stereotype und Diskriminierung ist damit gebahnt. er Begriff der Identität, bezogen auf Menschen, bedeutet nichts anderes als spezifische Eigenschaften von Personen oder Gruppen, die diese von anderen Personen oder Gruppen hervorheben und abgrenzen. Es ist kaum verwunderlich, dass der Begriff der Identität in diesem Sinn erst seit relativ kurzer Zeit gebräuchlich ist. In vormodernen Zeiten hätte nämlich sein Gebrauch kaum Sinn gehabt. Damals war weder die Bemühung weit verbreitet, sich von seiner unmittelbaren Bezugsgruppe zu lösen, noch dass in einem weiteren Schritt diese eigene Bezugsgruppe wiederum von anderen vergleichbaren Gruppen deutlich getrennt werden sollte. Die meisten Menschen verbrachten ihr gesamtes Leben in einer engen und für sie sehr vertrauten Umgebung. Nur selten hatte man mit Fremden Kontakt.

ropa mehrere bedeutende Einwanderungswellen. Dabei erzeugt die andauernde Aktivierung ethnischer Zusammengehörigkeitsgefühle und kulturell begründeter Abgrenzung eine Reihe von schwerwiegenden sozialen Problemen. Hier tritt ein auffälliges Paradox der modernen Welt zutage: Je schneller sich die Globalisierung beschleunigt, desto wichtiger wird die Suche nach der eigenen Identität und damit die Schaffung neuer Wir-Gruppen.

NATIO: GEBURT, HERKUNFT, VOLK Erst durch die Industrialisierung und die Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt bekam die Suche nach den persönlichen Eigenheiten und den geglaubten Besonderheiten der Gruppen, denen man sich nun verbunden fühlte, einen starken Impuls. Die Menschen sahen sich das erste Mal aus den gewohnten Umgebungen und Traditionen herausgeworfen und mussten darangehen, ein neues gemeinschaftliches Leben aufzubauen. Nicht zufällig entstanden in den Industriestädten des 19. Jahrhunderts die wichtigsten Formen von modernen Großgemeinschaften, die sich seitdem rasend schnell über den gesamten Globus verbreiteten: ethnische Gruppen und Nationen. Die Dekolonialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Ausland seit den 1960er-Jahren, die Folgen des Zusammenbruchs der sowjetischen Herrschaft und schließlich das enorme Gefälle zwischen reichen und armen Ländern auf der Welt – schufen in Eu-

Dr. Dieter REICHER studierte Soziolo-

gie, Volkswirtschaftslehre und Geschichte in Graz und Edinburgh. Danach war er als As-

sistent für Soziologie in Graz und Wien sowie als Junior-Austauschprofessor am New Yorker New City College tätig. Seit 2008 ist er Assistenzprofessor am Institut für Soziologie in Graz.


ISABELLA TÖSCH

BLICK DES HYBRIDEN Die Konzepte um Kultur und Identität im alltagsweltlichen Kontext werden zunehmend komplexer. Es kommt zu transkulturellen Vermischungsprozessen. Im Alltag wird ethnische Differenz mit einigen Handlungspraktiken laufend konstruiert und reproduziert. Hier nur drei Beobachtungsformen. WIR UND DIE ANDEREN

MOLTO IGNORANZIA

n der Betrachtungsweise des „homogenisierenden Blickes“ wird die Gesellschaft in homogene Gruppen – österreichstämmige Bevölkerung und nicht österreichstämmige Bevölkerung – geteilt. Die nicht österreichstämmige Bevölkerung wird weiter in Ethnien gegliedert. Unter Ethnie ist eine Gruppe zu verstehen, die den Glauben an gemeinsame Herkunft, Kultur, Geschichte, Erfahrungen und Identität teilt. Sie weist Legitimierungs-, Mobilisierungs- und Solidarisierungspotential auf. Diese Merkmale führen zur Vorstellung einer großen Familie, dadurch wird Homogenität und Natürlichkeit suggeriert. Gesamtgesellschaftlich gesehen ist dies problematisch, weil die Vorstellung einer homogenen Kultur beispielsweise Nährboden für Fremdenhass ist und sie eine schlechte Orientierungs- und Handlungshilfe für ein Leben in der dynamischen und sich globalisierenden Welt abgibt. Vereinfacht ausgedrückt schafft ein homogenisierender Blick eine Einteilung der Bevölkerung in „Wir“ und „die Anderen“.

Eine weitere Beobachtungsstrategie ist der unsichtbar machende Blick. Im Unterschied zur ersten Betrachtungsweise werden hier kulturelle und ethnische Differenzen nicht mehr betont, sondern ignoriert. Dies ist insofern problematisch, weil dadurch „die geschichtlich produzierten Diskriminierungen und Stigmatisierungen nicht aufgebrochen, sondern eher stabilisiert“ werden. Das Schweigen von/über Minderheiten, Andersartige, Fremde führt bestimmt nicht dazu, dass soziale Probleme gelöst werden, sie werden verdrängt und Vielfalt wird unsichtbar. Ist dieses Schweigen/Verdrängen eine Strategie der Hilflosigkeit – ein Ergebnis der jüngeren europäischen Geschichte?

Quelle: Elka TSCHERNOKOSHEWA: Fremde Frauen mit und ohne Tracht: Beobachtung von Differenz und Hybridität. In: Sabine HESS und Ramona LENZ (Hrsg.): Geschlecht und Globalisierung. Ulrike Helmer Verlag, 2001

MIXTUR GEGEN FREMDENHASS Vielversprechender ist die letzte Art der Beobachtung, der Blick des Hybriden, gekennzeichnet von Unterschieden, Überkreuzungen und Vermischungen. Kultur und Identität werden nicht als homogen angesehen, sondern als sich laufend verändernde Konstruktionen. Diese Beobachtungsperspektive ermöglicht, dass Differenzen gesehen, erforscht, ernst genommen und durchschritten werden. Soziale Ungleichheiten und Probleme können somit erkannt werden. Das Leben findet in einer komplexen Gesellschaft statt, die von Heterogenität und Vielfalt geprägt ist. Verschiedene Kulturen, Identitäten (klassische soziale Identitäten wie Nation, Klasse und Geschlecht werden brüchig), Lebensentwürfe verändern unseren alltagsweltlichen Kontext. Eine Ausdehnung des persönlichen Blickwinkels, Respekt vor Andersartigkeit und Bejahung von Vielfalt sind erste Schritte um sozialen Problemen vorzubeugen und entgegenzuwirken.


Ich bin Russe aus Lettland. Ich schäme mich nur für mein Land! In Riga, in meiner Geburtstadt, marschieren Neonazis! Europa ist mein Zuhause und hier habe ich einen guten Platz erwischt. Ich esse in Österreich viel mehr als in Lettland. Dort gibt’s meistens nur Erbsen. Anton Bobrov (Антон Бобров), 19 Jahre, Russe

Meine Mutter trägt ein Kopftuch. Für mich kein Problem. Für andere schon! Im Auto, wenn es rot ist, sehen manche tatsächlich rot: Sie schauen sehr auffällig in unsere Richtung. Diese Blicke sind sehr unangenehm. Aber was soll’s! Solche Leute gibt’s überall. Meine Leute in der Schule und bei den Giants sind schwer in Ordnung.

Ich fühle mich nicht als Ausländer, aber auch nicht als Österreicher, obwohl ich offiziell einer bin. Ich bin einfach ich. Fabian Namwar. Es gibt schon Vollidioten, die mich wegen meines Nachnamens ärgern. Vollkoffer! Fabian Namwar, 18 Jahre, Iraner/Österreicher

Aly Ahmed (‫) ﻱﻝﻉ ﻥﻡﻱﺃ ﻱﻝﻉ‬, 17 Jahre, Ägypter

Ich bin es gewöhnt, mit vielen Nationen zu leben. Für mich ist es einfach deppert, wenn eine Gruppe auf die andere losgeht. Egal welche. Aly ist für mich nicht ein Ägypter, sondern Aly ist Aly. Edwin Lang, 17 Jahre, Österreicher

Lukas Schuch ist ein Kroate, obwohl er eigentlich ein Österreicher ist. Die Mama kommt aus Kroatien, der Papa ist Grazer, aber Lukas’ Herz schlägt kroatisch. Besonders im Fußball. Momentan ist Mario Mandžukić sein Hero. Warum Lukas Kroatien so sehr liebt? Der Grund dafür ist ziemlich simpel: Jeden Sommer verbringt er zwei Monate in Kroatien am Meer. Die Sprache und Mentalität der Kroaten gefällt ihm auch sehr, aber er weiß, wer er ist, und sagt entspannt: „Ich bin ein Österreicher und dazu noch halb-halb, wie Fabian und Silvio. Aber ich liebe Kroatien wie Aly sein Ägypten. Oder Anton sein Russland. Oder mein Papa den Hochschwab.“

Der Vater von Silvio dell’ Acqua kommt aus Mailand, die Mama ist Österreicherin. Silvio ist in Österreich Italiener, in Italien Österreicher. Graz ist seine Heimat, aber in Italien ist es immer lustiger und er würde gerne eine Zeit lang in Italien leben. Politik interessiert ihn nicht. Mehr steht er aufs Chillen und darauf, klassischen Rock zu hören. Träume von einem Leben in Amerika hat er nicht. Sein Traum ist Italien. Und basta.

EIN GROSSER KROATE

BELLISSIMO


und ständig lacht. Sanctus ist unglaublich gut drauf: Er ist Vizestaatsmeister im Boxen, Kategorie 63 bis 66 kg. Die Muckis sind schon wichtig. Früher war Sanctus mollig und wurde gemobbt. Nie hat ihn jemand wegen seiner Hautfarbe angegriffen, nur wegen seiner Figur. Die älteren Menschen schauen ihn schon oft komisch an. Aber man gewöhnt sich an diskriminierende Blicke. Es ist in Graz alles besser als in Ruanda: vor allem die medizinische Vorsorge. Sein Onkel ist vor ein paar Monaten in Ruanda an Aids gestorben. In Österreich wäre er noch am Leben. Ein Problem für ihn ist, dass die Österreicher oft so verklemmt sind. Gerne würde er eine weiße Frau heiraten, nicht weil sie schöner sind, sondern weil sie ruhiger sind. „Mit Afrikanerinnen hat man nur Probleme. Sie sind zu temperamentvoll.“ Er weiß, wovon er redet. Sanctus lebt gemeinsam mit der Mama,drei Schwestern und einem Bruder, ohne Vater. Noch eines möchte Sanctus so gerne: Klavier spielen. Seit dem Film „Ziemlich beste Freunde“ hat er sich in den Pianisten und Komponisten Ludovico Einaudi verliebt und will selber Musik machen. Für die Politik bleibt nicht viel Zeit. Wozu auch?

Ich bin ein Serbe, aber ein normaler Serbe. Nicht einer von diesen stolzen Idioten. Meine besten Freunde hier sind ein Türke und ein Kroate. In Belgrad sind zwar die Mädchen viel hübscher, aber das ist eigentlich alles. Mich nerven diese Themen. Marko Stavrić, 18 Jahre, Serbe

KEIN WORT FARSI Fabian Namwars Mama ist Österreicherin, der Papa Iraner. Fabian war noch nie im Iran, spricht nicht Farsi und hat keine Kontakte mit der Familie im Iran. Nur mit dem Iraner Opa in Graz. Es hat sich nur so ergeben, dass er mehr Ausländer als Freunde hat. Das ist eher ein Zufall. Kein Zufall soll Fabians Zukunft sein: Zeichnen. Schon jetzt ist klar: Die FH Joanneum wartet auf ihn. Design oder Grafik.

sterreicher. In In Italien bin ich ein Ö Italiener. Politik Österreich bin ich ein herlich ist es ist nicht mein Ding. Sic die Küche ist in Italien lustiger und ine Heimat. besser, aber Graz ist me È chiaro! re, Silvio dell’ Acqua, 18 Jah Italiener/Österreicher

Hej, mich haben sie in der Schule nicht wegen meiner dunklen Haut gemobbt, sondern weil ich fett war. In Österreich geht’s mir super. Vor Kurzem ist mein Onkel in Ruanda an Aids gestorben. Es gibt keine Medizin dort. Ich bleibe hier, heirate aber eine Weiße, weil Afrikanerinnen so anstrengend sind. Sanctus Munyaneza, 17 Jahre, Ruanda

Ich bin ganz halb-halb. Im Fußball halte ich immer für Kroatien. Was Staat und Politik betrifft, bin ich für Österreich. Kroatien hat keine gute Politik. So wie Italien. Was die Mentalität betrifft, bin ich wieder für die Kroaten. Sie sind lustiger, Österreicher haben meistens schlechte Laune. Lukas Schuch, 16 Jahre, Kroate/Österreicher


LILLI SCHUCH

ACHT MAL VOLL RESPEKT Die Formel ist lang: acht Teenager und vierunddreißig Sprachen, sieben Religionen und genauso viele Kulturen. Fast alle in einer Klasse, 7c des BRG Kirchengasse. Niemand von ihnen hat ein Problem mit dieser langen Formel. Nur mit Chemie, Mathematik oder Darstellender Geometrie. ÄGYPTEN UND AMERICAN FOOTBALL ly Ahmed (‫ )ﻱﻝﻉ ﻥﻡﻱﺃ ﻱﻝﻉ‬hat ägyptische Wurzeln. In Ägypten hat er aber nie gelebt, sondern in Albanien und Deutschland. Mit neun Jahren ist er nach Österreich gekommen und hat gleich die 3. Volksschulklasse besucht. Aly ist einer der besten Schüler in der Klasse. Seine Stärke: Englisch. Aus diesem Grund möchte er gerne später in England oder den USA studieren. „Ich bin ein Ägypter und möchte nicht meine Identität verlieren. Wir sprechen Arabisch zu Hause, essen arabische Speisen und pflegen unsere Kultur. Ich gehe nie fort, trinke keinen Alkohol. Ich versuche mich sehr zu integrieren, aber es darf nicht über meinen kulturellen und religiösen Rahmen gehen. Ich liebe Ägypten über alles auf der Welt und das ist auch meine Heimat. Österreich ist meine zweite Heimat. Ich will mich hier mit gutem Beispiel präsentieren und möchte ein Vorbild sein für viele andere Muslime.“ Die große Liebe Alys ist nicht nur Ägypten, sondern auch American Football. Die Klassenkameraden kommen oft und sitzen im Publikum. Einige nicht nur wegen Aly, sondern auch wegen der Cheerleader. Wie Anton.

KEINEN FISCH, BITTE! Anton Bobrov ist der Älteste in der Runde. Er ist schon neunzehn und arbeitet jeden Samstag zehn Stunden beim Spar. Erst mit sechzehn ist er nach Graz gekommen und hat gleich die 5. Klasse besucht. Es war sehr schwierig, weil er vorher in Lettland nur zwei Jahre Deutsch gelernt hat. Heute ist Deutsch noch immer sein „Problemfach“. Es geht ihm in Österreich nicht gut, sondern blendend. Nicht nur wegen der österreichischen Küche. Vielmehr ist der Hass auf die Russen in Lettland ein Grund. Hier hat er noch nie etwas Nationalistisches erlebt. Bis jetzt hat ihn hier niemand als Russen angegriffen, obwohl Anton ein stolzer Russe ist und oft betont, dass Putin groß und stark ist. Natürlich könnte Putin besser sein. Keine Frage. Aber bei den Slawen ist immer alles kompliziert. Trotzdem fehlt ihm ab und zu die russische Mentalität sehr. War-

um hat er Sehnsucht nach Russland? „Dort ist alles viel einfacher und lustiger. Die Österreicher sind kompliziert, oft ein wenig fad und viele sind richtig faul. Soziale Schmarotzer gibt’s hier viele.“ Anton will Ölplattformenbau studieren und am Meer sein. Fisch isst er keinen.

B I T T E G OA S C H E E N Edwin Lang haben wir als Repräsentanten der Republik Österreich gesehen, bis seine Mutter ein paar Tage vor dem Interview gesagt hat, dass er eigentlich kein „richtiger“ Österreicher ist. Was ist dann richtig?, fragten gleich Aly und Anton. Ein richtiger Österreicher ist auch oft ein „Mischmasch“. Wie Edwins Großeltern väterlicherseits, die aus Ostdeutschland – also der ehemaligen DDR – kommen. Die Mama ist eine durch und durch echte Steirerin, die mit „Bittegoascheen!“ antwortet, wenn man sich bei ihr für etwas bedankt. Ob er sich vorstellen kann, eine Afrikanerin zu heiraten? Warum nicht, was für eine Frage, bittegoascheen!

EIN GANZ NORMALER SERBE Marko Stavrić wurde in Belgrad geboren. Mit sechs Jahren ist er nach Österreich gekommen, weil sein Vater eine Stelle an der serbischen Botschaft in Graz bekommen hat. Die Mama hat auch sofort Arbeit gefunden. Sie unterrichtet heute an der Technischen Universität. Sicherlich ist Serbien sein Zuhause und seine Heimat. Er liebt die serbische Sprache und die Mädchen sind in Serbien viel fescher als hier. Das alles ist aber kein Grund, dass er sich hier nicht wohl fühlt. Er will hierbleiben und hier leben: in Graz oder Wien.

AFRICAN GROOVE Sanctus Munyaneza ist definitiv der Lustigste in der Runde. Die ganze Sonne geht auf, wenn er spricht

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cher in die Hand drücken. Britney Spears’ „I´m not a girl, not yet a woman“ dröhnt aus den Boxen. Wie treffend! Sollte aber doch der vermeintliche Traumprinz auf seinem Wodkaboot eintreffen, so überschlagen sich die Versuche der Mädchen fast, seine Aufmerksamkeit „subtil“ auf sich zu lenken. Das Erfolgsgeheimnis des geheimnisvollen Fremden mit dem arroganten Blick und einem unsichtbaren Schild, auf dem „Achtung, Arschloch!“ steht, zieht immer noch. So sehr sich die Mädchen um Emanzipation und Gleichberechtigung bemühen – mal ehrlich, welche Frau will schon einen weichlichen und weinerlichen Mann? Na also.

HÖHEPUNKTE DES ABENDS: MAMMA MIA UND GABALIER! So ist es auch wenig verwunderlich, dass man bereits kurz nach Mitternacht auf die ersten Alk-Leichen stößt, zusammengerollt auf dem Boden der Toilette, angekotzt von oben bis unten, nach der Mutter weinend. Party hard. Währenddessen erreicht die Feier ihren Höhepunkt, die Kids feiern ausgelassen zu Kronehit-Musik; die Playlist hat sich seit fünf Jahren nicht großartig verändert, die einzigen Neuzugänge lassen sich an einer Hand abzählen. Am ausgelassensten ist die Stimmung, wenn der DJ einschlägige Volkslieder von Andreas Gabalier auflegt. Ab diesem Moment ist die Masse kaum zu bremsen und grölt mit beeindruckender Textsicherheit, die man den meisten gar nicht zugetraut hätte, die Lieder, die dem „Musikantenstadl“ mehr als würdig wären. Da funkeln die Augen und die Brust droht vor lauter Steirerstolz fast zu bersten. Das Gefühl des Zusammenhalts wird deutlich spürbar. We are from Austria.

30 EURO FÜR 12 STUNDEN Um zwei Uhr morgens ist die Partystimmung deutlich am Abflauen. Nur die wirklich Hartgesottenen oder Betrunkenen bleiben länger, für das Personal heißt das Zeit totschlagen. Der Tellerwäscher, Vater von fünf Kindern, mit geringen Deutschkenntnissen, ist auch noch immer dabei. Sein Lohn: 30 Euro für 12 Stunden. Es kann durchaus vorkommen, dass seit drei Stunden keine Bestellung mehr angenommen wurde und das Lokal bereits bis auf zwei betrunkene Statisten leer ist, der Chef sich aber vehement weigert zu schließen, immer in der Hoffnung, dass doch noch der erhoffte Reisebus voll trinkfreudiger Russen eintrudelt. Aber das sind doch auch wieder Ausländer, oder? „ Ja, aber die tun nix.“

NACHT ALLER NÄCHTE Selten wird einem ein so erschreckend klarer Blick in die Psyche des Menschen offenbart wie an einem solchen Abend. Und diese Abende wiederholen sich, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Um ihrer Sucht nach Genuss, Aufmerksamkeit und kurzen Abenteuern zu frönen, lassen sich Menschen unter dem Vorwand, dass ihnen die Nacht aller Nächte geboten werde, blindlings abzocken, was aber im Endeffekt nur eine traurige Wahrheit unserer Generation verdeutlicht: Menschen gehen einem Job, einer Aufgabe nach, die sie nicht glücklich macht, um sich Sachen zu kaufen, die sie nicht brauchen, damit sie Leute beeindrucken können, die sie nicht ausstehen können. Aber was weiß ich schon, ich bin ja nur die Kellnerin.


LOLITA DE LA LUNA

APPY HOUR

Obwohl er selber aus den Emiraten kommt, gebrochenes Deutsch spricht und es als Araber in Österreich nicht leicht hatte, sind die Neger und Tschuschen in seinem Lokal als Gäste nicht willkommen. Als Tellerwäscher aber schon. inundzwanzig Uhr, die Pforten der nächtlichen Unterhaltungsmeile nahe der Universität öffnen sich. Für durchschnittlich vier Euro und eine strenge Kontrolle des Alters (oder des Aussehens?) wird einem der Eintritt in die „beste Party-Location in Graz“ gewehrt. Wenn man aber eine dunklere Hautfarbe oder einen südländischen Touch hat, bleibt man vor dem geschlossenen Lokaltor, obwohl der Besitzer selber aus den Emiraten kommt und sehr gebrochen Deutsch spricht. Täglich instruiert er seinen Türsteher: „Keine Neger und Tschuschen, die machen nur Ärger.“ Sonst hatte der Lokalbesitzer als Araber in Österreich kein leichtes Leben, erzählt er voller Selbstmitleid. Wegen seines Aussehens und wegen Nix-Deutsch-Könnens wurde er oft diskriminiert. Oh, sweet irony.

NIPPEN & TIPPEN Mehr als nur billig gestaltete Plakate sind lieblos mit Tixo an die Wand geklebt und ein abgestandener Geruch vermischt sich mit Febreze von Zielpunkt. Selbst das gedämpfte Licht und die ständig flackernde Discobeleuchtung täuschen nicht über den miserablen Zustand des Lokals hinweg. Nach und nach treffen die ersten Gäste ein, meistens in kleinen Grüppchen. Immer desselben Geschlechts. Eine Gruppe von Mädchen trippelt unsicher auf den viel zu hohen Schuhen die Treppen hinunter und lässt sich erleichtert auf die Plastikcouch fallen. Sofort werden die Oberteile zurechtgezupft und Haare glatt gestrichen. Wie auf einen geheimen Befehl hin werden die Mobiltelefone gezückt und emsig bearbeitet. Minuten können vergehen, in denen kein einziges Wort gewechselt wird, weil

jeder damit beschäftigt ist, seinem voyeuristischen Trieb zu frönen, der sich dank Social Media immer und überall ausleben lässt. Um auch ja alle „Friends“ wissen zu lassen, was man gerade für einen geilen Abend hat, wird das kollektive Getippse für ein Gruppenfoto unterbrochen. Nach ausführlicher Inspektion der Getränkekarte entscheidet sich die Gruppe einstimmig für das billigste und süßeste Getränk: Apfelspritzer.

SÄUFERHYMNE & TIER IM MANNE Um die Gäste noch lockerer, fröhlicher und unglaublich mutiger zu machen, empfiehlt das Haus ein selbstgemachtes Zaubergetränk. Brunftartig wird die Säuferhymne lauthals herausgeschrien (zam zam zaaam ist nur eine der vielen kreativen Versionen!), Gläser klirren, Flaschen leeren sich, der Abend ist dabei, ein Erfolg zu werden. Die Wirkung des Zaubertrankes lässt auch nicht lange auf sich warten, bald ist das erste Bürschchen betrunken genug, um einen etwas unbeholfenen Balzversuch zu starten. Die Damen machen es den Herren nicht leicht: Mit einem Hauch von nichts schwingen sie aufreizend ihre Hüften zu lyrischen Texten à la „Shake that ass“ oder „I can make your peach feel peachy, babe“. Titten, die aus dem BH überquellen, sind dabei ein Muss. Wenn man aber diesen Mädchen zuschaut, wie sie verunsichert an ihrem Drink nuckeln, die Kleider kurz, das Gesicht bis auf den letzten Zentimeter mit Make-up zugespachtelt, immer auf der Suche nach dem Richtigen, auch wenn er es nur für eine Nacht ist, möchte man ihnen am liebsten eine Jacke und Abschminktü-

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IMPRESSUM: Das Diversity-Magazin „ZEITUNG“ erscheint als Beilage im Magazin XRockz. Herausgeberin: Tatjana Petrovic, „Cuntra la Kunsthure“, Jakoministraße 8, 8010 Graz Chefredakteurin: Mag.a Lilli Schuch Redaktion: Dr.in Alona Bakirova, Elise-Marlene Hörtnagl, Isabella Tösch, lolita de la luna, Philipp Strohmeier Grafische Gestaltung & Illustrationen: Mag. Jörg Vogeltanz Fotos: Ulrike Rauch (Cover), Verena Lepuschitz Alle Angaben ohne Gewähr.


Foto von Michael Saechang

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Fotografie

Der Regen hat wieder begonnen und tropft auf mein Handy-Display. Ich versuche erneut, Sascha anzurufen, doch er scheint keinen Empfang zu haben. In der Dunkelheit scheinen sich alle möglichen Schatten von der riesigen Lagerhalle und dem verlassenen Hof rundherum abzuzeichnen. Sascha Pseiner ist Fotograf und hatte mich eingeladen, ihm bei einem seiner Fotoshoots zuzusehen. Dafür hatte er sich eine leer stehende Lagerhalle als Location ausgesucht, um die Kamera vor dem Regen zu schützen. Ich nehme meinen Mut zusammen und gehe mit Herzklopfen um die Halle herum – dann sehe ich eine große Einfahrt, an deren Ende eine Frau im weißen Kleid und mit langen, schwarzen Haaren reglos dasteht. Ich spürte Erleichterung. Hier war ich richtig! Ich kannte Alex, das Model, bereits von früheren Ablichtungen. Und kurz darauf war auch Sascha zu sehen – in Form eines schwarzen Schattens mit einem hellen Licht auf der Stirn. Und erst jetzt begann ich zu verstehen, wie die Technik der Lichtmalerei funktionierte.

Das Licht

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Die Halle sah von innen noch gruseliger aus als von außen. Das Shooting war bereits in vollem Gange. Alte Möbel und riesige, verdorrte Tannen lagen herum, auf dem Boden verteilte sich Regenwasser und ein unangenehmer Geruch stieg einem in die Nase. Aus dem Laptop klang Apocalyptica und während Alex reglos vor der Kamera stand, bewegte sich Sascha mit verschiedenen Lichtern um sie herum, als würde er sie verzaubern. Tatsächlich ist jede dieser Bewegungen akribisch genau geplant, denn damit kreiert Sascha langsam seine Lichtfiguren. Saschas Arbeitszeiten sind grundsätzlich nachts, denn nur in der Dunkelheit entstehen seine Bilder. Sascha produziert sogenannte Lichtmalereien: Im Grunde genommen ist dazu die Belichtungsdauer für eine sehr lange Zeit geöffnet. Dadurch verschwimmen bewegte Figuren, Lichter und alles, was die Linse einfängt. Das kann dann schon mal über 10 Minuten dauern – Saschas Rekordzeit war sogar über eine Stunde. Und es sind die simpelsten Mittel, mit denen Sascha die großartigsten Bilder entstehen lässt. Zu seinem Repertoire gehören verschiedene Arten von Taschenlampen, kleine Feuerwerke und Neonlichter – durch die Dunkelheit kann er damit die unterschiedlichsten Figuren und Effekte erzielen. 42

Neben seinen Endmotiven ist auch sein Werdegang beachtlich: Mit der Fotografie begonnen hat Sascha vor etwa vier Jahren – damals hörte er zum ersten Mal von light graffiti und startete schon die ersten Gehversuche mit einer simplen Digicam. Drei Monate später besorgte er sich eine analoge Spiegelreflexkamera – eine digitale besitzt er erst seit einem halben Jahr. Seit seinem Beginn als Fotograf entwickelte sich Sascha mit rasantem Tempo: Erst begann er nur damit, die Kamera zu bewegen, dann machte er die Lichter mobil und entwickelte daraus schließlich eine Light-Art-


Für Sascha Pseiner gehören Taschenlampen und Knicklichter zum Beruf – sie sind essentielle Bestandteile seiner Fotokunst. Was es damit auf sich hat, hat er uns gezeigt. Kamera: Was begeistert dich: Inspiration: Bevor ich sterbe, will ich…: Lieblingsmotive:

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Canon 5D, Objektiv 17-40mm EFL 1-4, wobei die meisten Aufnahmen im Bereich von 17-28mm entstehen. Licht!, mein Sohn (der ist auch der Grund, warum ich gern in der Nacht arbeite) Science-Fiction (wie Star Trek), Strommasten erleuchten, spontan bleiben lernen Leerstehende Räumlichkeiten, haben eigene Sprache

Sydney People at Confest Festival

die Dunkelheit

Performance. Von 2011 bis 2012 besuchte Sascha die Fotoakademie, an der er viel über Fototechnik lernte und in zahlreiche Bereiche der Fotografie reinschnuppern konnte – doch am Ende des Lehrganges wandte er sich wieder der Lichtmalerei zu. Zusätz­ lich eignete er sich theoretisches Grundwissen an – besonders fasziniert ihn das Buch Faszination Lichtmalerei von Jan Leonardo Wöllert und Jörg Miedza. Laut Sascha heben sich die beiden von der normalen Lichtmalerei ab, indem sie jeden Aspekt der Lichtmalerei einbeziehen. Als er anfangs noch alleine für seine Aufnahmen unterwegs war und die Locations oft verlassene Hallen oder Wälder waren, musste er oft genug seinen Mut zusammennehmen – doch die Mühe machte sich bereits bezahlt. Seit Anfang des Jahres gewann Sascha gleich auf zwei Fotowettbewerben den ersten Preis. Er nimmt auch regelmäßig an Fotoausstellungen Teil, wie zuletzt heuer mit Angelika Reicher in der Rathausgalerie, wobei sein Bild mit dem Titel lightgames#IV das meiste Feedback bekam. Mittlerweile kollaboriert er für die meisten Light Painting Fotografien mit Markus Hartinger. Gemeinsam starteten sie das Projekt Photonendesign, auf der unter anderem fantastische Kreationen, wie das Ufo vor dem Kesselfall zu sehen sein werden (siehe Foto). Wie sieht nun ein normaler Arbeitsablauf für Sascha aus? Sobald er eine geeignete Location für seine Fotografien findet, kundschaftet er sie erst einmal im Tageslicht aus und überlegt sich, wo er überall die Kamera platzieren könnte, und mögliche Motive. Darüber-

Bericht von Lea Leitner, Fotos von Sascha Pseiner

hinaus prüft er die Sicherheit des Ortes, um mögliche Unfälle zu vermeiden. Dann schießt er erste Probefotos, fertigt Skizzen an und plant sein Fotoshooting bis ins Detail. Sascha braucht die volle Kontrolle über die Lichtverhältnisse – er muss jede Lichtquelle lenken, um seine Fotomotive optimal abzulichten, was sich als besonders schwierig erweisen kann, wenn natürliche Elemente wie der Mond oder Nebel ins Spiel kommen. Da kann es schon mal vorkommen, dass er nicht vor Sonnenaufgang nach Hause kommt. Doch mittlerweile ist Sascha so routiniert, dass er selbst durchaus zufrieden mit seinen Ergebnissen ist. Und so intensiv und experimentell wie die letzten Jahre waren, geht es für ihn auch in Zu­ kunft weiter. Sascha hat vor, weitere Ausstellungen zu machen und mit Markus an weiteren Projekten zu arbeiten. Er möchte auch zunehmend analog mit Mittelformat fotografieren und seine Bilder selbst entwickeln. Aufträge nimmt er nicht mehr an, da seine eigenen Projekte genug Zeit in Anspruch nehmen. Dadurch, dass Light Art Photography noch recht unentdeckt in Graz ist, hofft Sascha, diese kommerziell nutzen zu können. Er plant auch, gemeinsam mit Markus Fotoworkshops zu leiten, in denen bisher wohlbehütete Geheimnisse darüber gelüftet werden. Sascha teilt sein Wissen gerne, denn er weiß, dass in Workshops immer wieder neue Ideen entstehen, und dass dadurch viel mehr zurückkommt, als das, was man an technischem Wissen preisgibt. Wer sich bereits jetzt informieren möchte, kann Sascha auf Facebook kontaktieren, unter: https://www.facebook.com/nichtspunktaus?fref=ts.


Design

Flower-Power à la

Cacau Cassel Reportage von Anita Raidl, Fotos von Anita Raidl und Rudi Federer

Mit ihrem Label „Tropicália Couture“ setzt die brasilianische Künstlerin Cacau Cassel nun auch in Graz modische Akzente. Ihre floralen Motive und verspielten Designs erinnern an die „Tropicália“Bewegung in Brasilien und stimmen glücklich. Garantiert! Cacau Cassel legt einen zarten Ledergürtel mit aufgenähter, selbst gehäkelter Blume in eine Folie und verschließt sie mit einem bunt gemusterten Karton, der die Aufschrift Tropicália Couture trägt. Hier, beim internationalen Mode- und Designfestival assembly in Graz macht sie mit den geblümten, gestreiften, in jedem Fall farben­ frohen Kleidungs- und Schmuckstücken ihres Ein-FrauUnter­nehmens Tropicália Couture von sich reden. Cassel selbst ist groß, schlank und anmutig, ganz so, wie man sich eine Modedesignerin vorstellt. Immer wieder halten Besucher/ innen an, um mit der hübschen Brasilianerin zu plaudern und das eine oder andere Kleid zu bewundern. Indes befürchtet Cassel, dass die Menschen hierzulande noch nicht bereit sind für ihren Stil. „Ich verwende zu viele Farben, zu viele Muster“, erklärt sie. Dabei sind ihre Stücke trotz der Buntheit keinesfalls schreiend, sind fein gearbeitet und zeichnen sich durch feminine Schnitte aus. Sind noch dazu erschwinglich und immer exklusiv. „Jedes Modell gibt

es nur einmal und nur in einer Größe“, bestätigt Cassel, die auf Wunsch Länge und Weite in ihrem Atelier anpasst. Derzeit liegt die Werkstätte in ihrem Haus, das sie zusammen mit ihrem Mann und zwei Kindern bewohnt. Bald aber möchte Cassel eine Galerie für bildende Kunst, Design, Mode und mehr mit brasilianischem Touch eröffnen und damit ein Stück Heimat nach Graz holen. An Brasilien denkt die 1981 geborene Cassel, die mit richtigem Namen Claudia de Oliveira Cassel heißt, immer wieder. „Mir fehlen meine Freunde, Familie, die Samba-Runden und die Musik“. Aber zurück nach Brasilien? „Das kann ich mir nicht vorstellen, ich mag die Luft, das Leben, ich fühle mich wohl hier“, so Cassel. Nach Graz übersiedelte die Modekünstlerin, die schon seit 2002 eine romantische Beziehung zu einem Grazer pflegt, erst im Jahr 2010. „Ich bin sehr eigenständig. Ich wollte mein Leben auf die Reihe bringen, wollte studieren“, begründet sie die jahrelange Liebe auf Distanz und fügt hinzu: „Damit eine Beziehung für mich funktio­nieren

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www.facebook.com/tropicalia.couture.9


kann, muss auch ich was dazu beitragen können.“ Und das kann sie heute mit gleich zwei Ausbildungen. Cassel studierte Mode und Journalismus in Brasilien und war auch in beiden Metiers tätig. „Arbeiten möchte ich aber nur noch als Modedesig­nerin, das ist meines“, sagt Cassel, die bereits als Kind Kleidung für ihre Barbie-Puppen nähte. In ihrem Heimatort Campo Grande ist sie eine bekannte Modedesignerin. Eine Zeit lang brachte sie Jugendlichen aus schwie­ rigen Verhältnissen bei, was mit Zwirn und Faden alles möglich ist und baute nebenbei ihr eigenes Atelier auf. Sie erinnert sich an eine in Campo Grande legendäre Modenschau, die sie gemeinsam mit Produzentin Angela Finger auf einem Schrottplatz ausrichtete. „Ich benutzte organische Stoffe für meine Modelle. Das besondere Ambiente soll­ te das Bewusstsein für Müll schärfen, denn bei uns gibt es keine Mülltrennung.“ Mit derselben Kollek­ tion veranstaltete Cassel 2009 ihre erste Modenschau in Graz.

„Es war ein Erfolg, ich habe vieles verkauft“, sagt sie. „Danach hatte ich das Gefühl, hier herziehen und arbeiten zu können.“ Cassel wagte einen Neubeginn und setzt heute mit Tropicália Couture brasilianische Akzente in Graz. Tropicália Couture – der Labelname hat es in sich, denn Tropicália Couture ist eine Hommage an die „Tropicália“-Bewegung, die in den 1960er Jahren als Reaktion auf den Militärputsch in Brasilien und die damit einhergehende repressive Politik entstanden ist. „Initiiert wurde die Bewegung von vier Künstlern“, berichtet die Designerin. „Sie wollten mit ihrer Kunst Liebe und Frieden stiften, ihre Kleidung hatte viele Farben und viele Muster“. Cassel führt die Bewegung mit ihrer Mode fort. „Farbige Stoffe mit Blumen, Früchten und Pflanzen verweisen auf die brasiliani­ sche Flower-Power“, erklärt Cassel, die mit ihrer Mode Freiheit ausdrücken und den Moment leben will. „Farben und Muster

Danke an Carine Carvalho Barbosa fürs Dolmetschen.

sorgen für gute Stimmung“, so die Modeschöpferin. Eine weitere Inspirationsquelle ist die brasilianische Musik. „Brasiliani­ sche Lieder erzählen viele Geschichten. Ich mache Mode mit Musik“, gibt sie schmunzelnd preis. Auch internationale Labels wie Dolce & Gabbana inspirieren sie. Cassel: „Jeder Designer hat eine eigene Sprache“. So wie sie. Neben der Vorliebe für gemusterte Stoffe, die sie eigens aus Brasilien importiert, favorisiert sie länger geschnittene Röcke und Kleider. Wo Cassels Pracht­ exemplare, Overalls, Röcke, Kleider, kurze wie lange, Ohrringe, Ketten, Armbänder, Taschen und mehr zu haben sind? Bei ihr im Atelier, beim Latin Jam im iKU Graz und bei Modefestivals wie assembly. assembly ist nun vorüber und Cassel um einige schöne Teile leichter. „Ein paar Damen wollen gleich zu mir ins Atelier kommen“, zeigt sich die Künstlerin zufrieden. Wen wundert’s? Daumen hoch für Flower-Power à la Cacau Cassel!

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Bühne & Film

Geht nicht gibt’s nicht! Ein Autodidakt auf Überholkurs Bericht: Lea Leitner, Fotos: Chris Plach

A u to r u n d F i l m e m ac h e r S t e fa n Rot h b a rt f ü h rt u n s i n s e i n e W e lt d e r F i l m e u n d L i t e r at u r u n d z e i g t, da s s m a n a l l e s s c h a f f t – e g a l , w i e u to p i s c h e s a m A n fa n g s c h e i n e n m ag . Man muss nicht lange seinen Erzählungen zuhören, damit einem die Kinnlade runterfällt: Mit seinen jungen 26 Jahren hat der Grazer Stefan Rothbart schon ein beachtliches Resümee an eigens initi­ ierten Projekten vorzuweisen. Er ist hauptsächlich im Literatur- und Filmbereich daheim und begann damit schon im Jugendalter. Stefans Interesse am Film wurde geweckt, als er noch die HTL besuchte: Als ersten Schritt las er sich mit hilfreicher Fachliteratur ein, dann mit 17 nahm er am Filmworkshop der Sommerakademie Graz teil. Dabei hat er Blut geleckt. Neben vielen lehr­ reichen Erfahrungen lernte Stefan Gleichgesinnte kennen, mit denen er gemeinsam die Plattform Dropout Films Graz gründete und erste eigene Filmprojekte auf die Beine stellte – mit nur wenig oder keinem Budget. Die Filme wurden mit einfachen Mitteln produziert, doch das Lernausmaß dabei war gewaltig, und bereits sein zweiter, von ihm produzierter Kurzfilm Das Leben ist ein Traum schaffte es ins UCI-Kino. Neben weiteren kleinen Projekten begann Stefan in dieser Zeit auch, sein erstes Buch Zur Hölle mit der Welt zu schreiben, eine satirische Abhandlung von politischen und gesellschaftlichen Themen. Damals war er gerade 18 Jahre alt und ist durch den 46

11. September und George Bush politisiert worden. In dem Buch vermittelt er seine Gedanken zu vielen aktuellen Themen, denn es war auch eine Zeit, in der er vieles hinterfragte. Sein zweites Buch Die kleine Satire des Lebens, das er 2009 veröffentlichte, ist ein interessanter Anreger dazu, zu reflektieren, wie man eigentlich sein Leben führt. 2008 beschloss Stefan, seinen ersten Langspielfilm zu drehen: Bell Canto, eine Verfilmung des bereits existierenden, gleichnamigen Buches. 2010 fand der Film den Weg in die Kinos UCI und Rechbauer, wo er jeweils 2 Wochen auf den Programmen stand. Seit 2011 ist Bell Canto auch als DVD erhältlich. Sowohl seine Bücher als auch Filme waren für Stefan primär Projekte, durch die er Erfahrungen sammeln und ausprobieren wollte, in welche Richtung er gehen wollte. „Ich glaube, als Künstler geht es sowieso um die Erfahrung und darum, dass du Dinge machst, egal ob es ein Erfolg wird“, kommentiert er. Der Erfolg ist für Stefan die Erfahrung selbst, denn sie bringt einem Künstler in seinem Schaffen irrsinnig viel. An diesem Motto hielt er fest: Wenn er etwas machen wollte, hat er es einfach gemacht, ungeachtet dessen, ob er es konnte oder nicht. Im Fall von Bell Canto wollte er bewusst den gesamten Prozess, einen Kinofilm zu produzieren, durchgehen, „weil das sind so Erfahrungen, die kannst du nicht wirklich auf einer Filmschule lernen, sondern die musst du sowieso mal machen“. Mittlerweile fällt es ihm um einiges leichter, Projekte zu realisieren. Stefan spricht an, was vermutlich viele Künstler beschäftigt: die Angst davor, bei einem Projekt zu versagen. „Du kannst als Künstler nix falsch machen. Kunst ist immer ein Abriss des Moments, deiner momentanen Persönlichkeit.“ Allgemein wird gesagt, dass man als Autor nur über das schreiben kann, was man selbst erfahren hat. Dem stimmt Stefan zum Teil zu, denn in der Kunst geht es immer um Echtheit, und „echt ist das, was du im


Moment produzieren kannst“. Stefan selbst hat es immer Spaß gemacht, Dinge machen zu können, wenn er es wollte. Was andere dazu sagen, besonders wenn das Gegenargumente waren, ignoriert er – schließlich kann man nur wissen, ob ein Projekt Erfolg hat, wenn man es versucht. 2011 rief er mit Kollegen redscriptfilms ins Leben, ein Independent-Label, unter dem er Spielfilme, Dokus, commercial arts und vieles mehr produziert. Der Grazer Schlossberg Nach der Veröffentlichung von Bell Canto konzentrierte Stefan sich wieder auf die Schriftstellerei. Das ging Hand in Hand mit seinem kürzlich erwachten Interesse an Geschichte, denn besonders die Schlossbergbelagerung faszinierte ihn. Ihm kam der Gedanke, dass es eigentlich nie einen Roman darüber gab, obwohl die Geschichte ideal dafür wäre. Also begann er, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – er entschloss sich, einen historischen Roman zu schreiben. 2010 begannen die Recherchen, etwa ein Jahr später ging es ans Schreiben, und 2012 war 1809 – die letzte Festung fertiggestellt: Ein 900-seitiger historischer Roman über die Belagerung der Stadt Graz im Jahre 1809 durch die Franzosen. Im Mittelpunkt stehen Major Hackher und seine Recken, die den Schlossberg einen Monat lang verteidigten, aber auch Geschichten aus der Bevölkerung werden aufgegriffen und das Leben unter einer Besatzungsmacht wird thematisiert. Stefan ist für den Schloßbergroman gerade in Verhandlung mit verschiedenen Verlagen – ihm ist es wichtig, dass es ein steirischer Verlag wird, passend zum Buch. Seine Verlagssuche brachte ihm mehr, als er erwartet hatte: Zur gleichen Zeit suchte Pichler Verlag selbst nach einem Schreiber, der ein Sachbuch über den Grazer Schlossberg zusammenstellen würde. Sie erinnerten sich, dass Stefan einen Romanvorschlag über den Schlossberg geschrieben hatte und wandten sich kurzerhand an ihn. Diesmal war das Buch in einem halben Jahr geschrieben, inklusive Recherchen. Dabei war ihm vor allem wichtig, nicht nur über trockene Fakten zu schreiben, sondern vor allem interessante Geschichten herauszugreifen. Das Buch ist nun bei Moser erhältlich; eine zweite Auflage wurde bereits bestellt. Momentan arbeitet Stefan am Drehbuch zu Suller und einem Roadmovie, genannt Griechenland ist überall. Ersteres ist ebenfalls eine semi-historische Geschichte aus der Napoleonischen Zeit und handelt von einem Kriegsheimkehrer, der in sein steirisches Heimatdorf zurückkehrt und eine veränderte Welt vorfindet. Obwohl er eigentlich nur sein altes Leben weiterführen möchte, muss Suller sich gegen korrupte Adlige, Großbauer und Grundherren durchsetzen. Mit dem Drehbuch möchte Stefan zeigen, dass auch Österreich seine Rebellen hatte, die für Gerechtigkeit kämpften. Weitere Projekte sind darüber hinaus schon in Planung: Zum einen wird Stefan ein Buch über die unglaubliche letzte Reise der S.M.S. Kaiserin Elisabeth schreiben – ein k.u.k.-Kriegsschiff, welches zu Beginn des 1. Weltkriegs ausgerechnet in China gegen Japaner und Engländer kämpft und deren Besatzung eine wahre Odyssee durchmachen musste, sowie einen Dokumentarfilm über junge Filmemacher im deutschsprachigen Raum, insbesondere in Österreich. Daneben schweben noch Dutzende weitere Ideen und Konzepte in Stefans Hinterkopf, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden. Jedenfalls dürfen wir schon gespannt sein, was uns in den nächsten Jahren noch alles erwartet – es wird auf jeden Fall Großes sein. 47


Kunst

Aus dem

Leben

gegriffen

support the family

Von Denise Matuschka

„Klassische Inspirationsquellen“ gibt es für Hartwig Walcher nicht. Er greift auf Erlebtes und Erfahrenes zurück und verleiht so seinen Kunstwerken eine ganz besondere Note. Die große Leidenschaft zum Beruf zu machen – ein Traum, den sich der gebürtige Kärntner Hartwig Walcher schon längst erfüllt hat. Spätestens dann, wenn der Kunstpädagoge oder der „Künstler, der unterrichtet“, wie er sich selbst gerne bezeichnet, anfängt, mit Begeisterung über seine Arbeit zu sprechen, wird klar, dass es sich für ihn dabei nicht lediglich um Gelderwerb handelt. Aus unterschiedlichen Materialien Kunstwerke zu schaffen, alten Gegenständen neue Formen zu geben und zwischendurch das ein oder andere Bild zu malen, war für Walcher bereits lange vor seinem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien Bestandteil seines Alltags gewesen; schließlich hatte er seine erste Holzskulptur im Alter von 17 Jahren gefertigt. Einen richtigen Titel trägt das Erstlingswerk zwar nicht, einzuordnen ist es aber in die Kategorie „Mutter-Kind-Beziehung“. Während seines Studiums unternahm Walcher Reisen nach Westafrika und in den Sudan, um über Hautmodifikationen und Skarifikationen seine Diplomarbeit zu verfassen. Seine Eindrücke und Erkenntnisse, die er auf seinen Reisen gewonnen hatte, spiegeln sich zu einem großen Teil in seinen Kunstwerken wider. Rise of a trolley

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In seinem ersten großen Projekt mit dem Namen Dismorphophobie, setzte sich Walcher mit den Schönheitsidealen der westlichen Gesellschaft auseinander: Fitting Noses oder Tits on running meter lassen die Möglichkeit, Körperteile einfach „auszutauschen“ oder zu erneuern, erstmals völlig absurd erscheinen. Latex war hier das bevorzugte, vorherrschende Material. Relatives ist jenes Projekt, das der Dismorphophobie folgte. Der erste in Walchers Katalog abgebildete Zyklus Rise of a trolley stiftet zunächst Verwirrung und lässt vermutlich keine Assoziationen mit dem Begriff Relatives zu. Rise of a trolley – zu deutsch „Tierhaut auf Elementen von Einkaufswagen“ – handelt von der Evolutionsgeschichte eines Einkaufswagens. Damit hatte Walcher eine Form der ironischen Aufarbeitung der Konsumgesellschaft angestrebt.


Fitting Noses

Tits on running meter

Hartwig Walcher, geb. 1967 in Bad Bleiberg Auswahl an Ausstellungen

mother

Um dem Titel tatsächlich gerecht zu werden, sind auch Familienangehörige Bestandteil der Relatives-Serie. Aus Kupfer, Aluminium und Stahlblech fertigte Walcher Brüder und Schwestern sowie Vater und Mutter. Seit 2003 ist Walcher bereits stolzer Besitzer eines Ateliers im 3. Bezirk in Wien, das zurzeit eher als Werkstätte denn als Schauraum dient, und unterrichtet an einem Gymnasium. Den Job als

2000: 2006: 2007: 2011:

„Coming out“ Künstlerhaus Klagenfurt „Barriere II“ WUK, Wien „Hypermorphophilie“ Heiligenkreuzerhof, Wien „One before Messe+“, Wien

Lehrer bezeichnet Walcher als Herzensangelegenheit, der ihm gleichzeitig die Möglichkeit gibt, sich als Kunstschaffender freier zu bewegen. Aufträge nimmt er nur an, wenn er mit den Vorstellungen seines Gegenübers konform geht und ihm ein gewisser kreativer Spielraum gewährt wird. Bei Ausstellungen geht es ihm nicht um potenzielle Verkaufschancen, sondern lediglich darum, wie die Rahmenbedingungen sind und welche Künstlerinnen und Künstler noch ausgestellt werden.

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Literatur

Die Schlaue Sau Philosophische Betrachtung von Wolfgang Schatz, Foto von Olivia Fürnschuß

„Die Gescheiten leben von den Blöden und die Blöden von der Arbeit“, ist sicher schon jedem mal in die Gehörgänge gebrettert und so blöd ist der Spruch wieder nicht. Wenn man in unsere moralische Landschaft blickt, wo am Horizont die allwissend geizgeile Willhaben-Müllhalde den Blick versperrt, muss man es nur abändern in: Die Reichen leben von den Armen und die Armen von der Arbeit. Der Mensch war Jäger und Sammler, man lebte von der Hand in den Mund. Das war bevor er sich niederließ (die Scholle zu bearbeiten), um Vorräte anzulegen und sesshaft zu werden. Und damit fing die Scheiße an. Daraus wurde: Durch Vermehrung – und den Überschuss gewinnbringend investieren – das Erworbene zu sichern. Kann zwar nicht funktionieren weil, paradox, aber zugegebenerweise habe ich schon blödere Sachen gemacht – jedoch auch wieder aufgehört damit, da kann man keinem einen Strick draus drehen. Grundsätzlich gilt aber immer – nur Keith Richards und Franz Klammer dürfen alles machen, das haben sie sich verdient. Aus dem Paradox, Bewahren durch Verändern, entstehen dann seltsame Gebilde wie Geldwirtschaft, die einem gesam­ ten Planeten eine Gehirnwäsche verpassen: Geld ist gleich Reichtum. Aha. Man schafft einen Reichtum, der sich beliebig vermehren lässt, ohne dass er dabei an physi­ sche Grenzen stößt. Es muss sich ja immer nur vermehren lassen und was mit Knete

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erworben werden kann, hat einen Wert. Funktioniert eh irgendwie, wenn auch den Lenkern die dazu notwendige Kompetenz nur schwer bis gar nicht abzukaufen ist. Pläne schmieden sie alle, solche und solche. So auch das gemeine Fußvolk, spezielle Spezies: „Die Schlaue Sau“. Es erfordert einiges an Fähigkeiten, sich in die richtige Position zu manövrieren, um sich am Reich­tum zu laben, wiewohl nur eine Sau es auf Kosten anderer tut. Solch morali­ sche Verwerflichkeit kann nur adäquat bestraft werden, wenn man „Die Schlaue Sau“ z.B. in Klagenfurt nackt an den Lindwurm bindet, einer der Geschädigten ergreift einen nassen Fetzen und zieht ihn der „Schlauen Sau“ kräftig über den Arsch. Etwa wie eine g’sunde Watschn. Dies alles vor mich hin sinnend saß ich im Zug, malte mir aus, wohin das noch führen wird, da schnappte ich folgendes Gespräch auf: A: „Da Feichter is’ pleite.“ B: „Jo, da Feichter is’ trocken.“


On the Road mit der Street Bob (FXDB) vom legendären Unternehmen Harley Davidson! Ein Ausritt von Günther Golob

Harley Davidson wurde 1903 in Milwaukee, Wisconsin/USA von William S. „Bill“ Harley und Arthur Davidson gegründet. Auch nach 110 Jahren ist die Marke der Inbegriff für Spaß, Freiheit und für viele der Traum auf zwei Rädern! Bei Sommersonne und 34°C mit 1585 Kubikzentimetern unterm Hintern unterwegs – da wird der Weg zum Ziel! Wobei der Sound der neuen Street Bob BJ. 2013 mittlerweile den gesetzlichen Richt­ linien angepasst wurde – für meinen Geschmack also fast ein bisschen zu brav. Nichtsdestotrotz Musik in den Ohren und mit unverkennbarem Harley-Charakter! Dieses Modell ist nicht nur zum Cruisen auf langen Landstraßen designed. Die fast 90 PS mit 6-Gang-Getriebe fahren sich auch auf Stadt- und Bergstraßen angenehm. Die Gänge fallen so elegant und gutgelaunt in die Schaltgasse, als wären sie auf den Weg in den Süden. Und mit dem großzügigen 18-Liter-Tank darf man auch schon mal gerne die Landkarte aus den Augen verlieren und sich am späten Nachmittag irgendwo auf einem Strand im Süden wiederf­inden.

Meeresluft und Harley, eine geniale sinnliche Kombination. Das einzige, was auf dem regulären Einsitzer fehlt, ist standardmäßiger Platz für eine hübsche Sozia. Also, wer nun Lust verspürt, sich bei diesem sommerlichen Wetter mal eine Harley zu checken, sollte nicht lange zögern! Die wirklich nette Crew von Clocktower in der Kärtnerstraße in Graz berät euch ausführlich und kompetent. Und nicht vergessen: Auch bei über 30°C und wolkenlos blauem Himmel immer sicher­ heitshalber eine Regenhaut mitnehmen! Mir bleibt nur noch zu sagen: Eine Harley ist eben eine Harley – ein Motorrad mit Charakter, das man mit nichts anderem vergleichen kann. Ich freue mich schon sehr darauf, euch bald von einem weiteren Modell berichten zu können.

Dr. Kristian Stuhl malt die Welt (aus dem aktuellen Bildband „Das Klo spült alles fort“) http://kriskind.info/ 51


Literatur

Australia

off the Beaten Track Report and Photographs by Lea Leitner

X - Ro c k z j o u r n a l i s t L e a w e n t ‘ d ow n u n d e r ’ f o r f i v e w e e k s to f i n d t h e a dv e n t u r e a n d to l e a r n a b i t m o r e a b o u t t h e c o u n t ry o n t h e ot h e r s i d e o f t h e wo r l d Sydney

Until a year ago I never imagined that I’d travel to Australia one day – of all places! I hardly knew anything about the country, save the disturbingly high number of deadly animals. Then one of my best friends, who had moved to Sydney, invited me to visit him. His offer, combined with a post-graduate urge to flee the country for a couple of weeks, encouraged me to book a ticket. Five weeks down under – I was expecting a monstrous spider to show up beneath my pillow every other night. How wrong I was …

My first impression upon arriving in Sydney was that it was a pretty modern business city with ‘normal’ people living, working and growing old there – no tanned surfer dudes anywhere. The city centre nevertheless is full of life. Huge skyscrapers reach up from behind older, well preserved buildings, an architecture which has developed in over 200 years and reaches back to the Georgian era. Business people in suits and blazers hurry from appointment to appointment or have lunch at one of the countless snack bars. Sydney does not appear particularly touristy. The main attraction is naturally the Opera House. But when you get there, take the ferry from the harbor next to the Opera House, to Manley Beach. It’s one of the most beautiful spots around Sydney, with its beach walk and shops. Further places to see are Darling Harbour and the Seafood Market, but it’s even a great experience to just walk through the streets, get lost in the huge networks of the shopping arcades (especially Victoria Shopping Centre) and enjoy the flair of Sydney.

Traveling in Australia I hadn’t really arrived in Sydney when I already went on my first trip: Ironically, my friend, who had promised to pick me up, forgot that I was arriving that day and hence stood me up. Having no contact details apart from Facebook, I got back to plan B: An outback tour guide called Antoine had contacted me online before I left Austria. He told me that he did outback tours to the Blue Mountains near Sydney, with only the fuel costs to share. He had also told me to write him in case of any problems – so that’s what I did and after a few words I found myself on the train to an arranged meeting point. Together with two German girls – two of the millions of German backpackers, who frequently travel the continent and also work on farms – and a guy from Dubai we headed for my first trip down under. And even though exhaustion from the flight

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Confest Market


was beginning to take its toll, I saw the most beautiful spots and most breathtaking views, which no guided tours would lead you to. We camped out with a bonfire beneath wallabies and the starry sky. Antoine offers his services as tour guide privately and for free – simply because the beauty he sees on his tours is so much more enjoyable for him, when he can share it with other people. This first experience already shows that best way to plan your travels within Australia is to not make any plans at all. Of course you may prepare your own itinerary, book tours, flights, buses, trains, whatever makes you feel happy and organized – but if you want to travel Ozzy style, meet interesting people and go off the beaten track, forget about any schedule and get out your backpack. People are really easy going and friendly, if you stay open minded and spontaneous, you will be surprised at how many awesome people you meet and what amazing things might happen to you – just as they did to me. The best way to start your travels in Australia is to choose a destination and then to go on gumtree.com and look for rideshares, to see if people with a car, who have the same way, have some spare seats to offer, with fuel costs being shared. It’s pretty common and safe in Australia. This is where I found a ride to Melbourne, together with two German girls, with whom I ended up taking a room together. Another good possibility to meet locals and to find free accommodation is to go on couchsurfing.org, to look for people who are willing to offer you their couches. I didn’t do it in Melbourne, though I was in contact with a host – he actually proved to be a great help at a later point of my journey. Most people who travel both to Sydney and Melbourne commonly show a strong preference: Either they prefer Sydney to Melbourne or vice versa. I liked both: While I could vividly see myself living and working in Sydney, I was also fascinated by Melbourne’s colorful city life, its numberless vintage stores, artsy coffee shops and architecture and the many musicians and artists.

Confest I first heard about Confest on my rideshare to Melbourne through one of my German co-travelers. Confest is a hippie festival in the outback of New South Wales. We decided joining it, bought a tunacan style tent for 20 dollars and, as no public transport would go

Sydney People at Confest Festival there, found two rideshares: I went with Mark Davis, the couchsurfing host I was with. Mark turned out to provide free food for the volunteers at the festival and therefore also only paid for a volunteers’ ticket. And because I came with him, it was technically easier to register me as volunteer too – I didn’t complain. The place was indeed remote: There was no electricity and no phone signal. The only real way to communicate on the festival was a notice board at the info tent (I, too, found a rideshare back to Sydney by putting up a note there). Also in the info tent is a timetable, where everyone can sign up and hold workshops, such as yoga, tantra or laughing workshops. On the market place you get amazing food and people join into activities like the call and response choir or jumping into a mud hole. The only rule which everyone follows is to keep the partly sacred place clean and to respect each other – this harmonic atmosphere is also, what makes Confest so charming. People share their things with each other, hang out together, and celebrate in peace.

Conclusive Australia is definitely different – even the birds sound different! The Australian Dollar fittingly looks like psychedelic currency or hippie money, as each note is in a different color of a rainbow. Moreover, the notes are tear proof and waterproof – it’s plastic money which, if you set it on fire, doesn’t burn, but melts. Of that money you will also need plenty in Australia. The country is one of the most expensive places in the world. It is also self-sufficient in terms of fruit and vegetables; Australians have different clothing stores and a continent-wide radio station called Triple J, which features excellent music by artists only from Australia. And as for the spiders? Saw three in the bushes at the sidewalk, one in the park, and none in any house! I have by far not seen everything of Australia and I’m certainly not done with it yet. The goal is to return for Confest 2014 – and to continue the X-Rockz Australia special with new stories. Usefull links: Couchsurfing Angebote: www.couchsurfing.org Rideshares: www.gumtree.com; Confest: http://www.dte.org.au/

Blue Mountains


Bühne & Film

TLVFest:

facettenreicher Film in Israel Bericht von Ursula Raberger, Fotos von Alexandra Carastoian

Tel Aviv: Sommer, Sonne, Strand und Meer. Die Stadt hat aber auch einiges mehr zu bieten. Das X-Rockz-Magazin war für euch exklusiv beim TLVFest – dem LGBT-Filmfestival in Israel und ist zehn Tage lang in eine Welt voller kreativer und ambitionierter Filme eingetaucht.

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http://www.tlvfest.com/en/, Fotogalerie auf https://www.facebook.com/AlexandraCarastoianPhotography


Wer sich einige Tage in Tel Aviv aufhält, der wird von der Energie dieser Stadt er­ griffen, lebt mit ihr und lässt sich treiben. Der Rhythmus der Metropole nimmt einen gefangen und lässt einen so schnell auch nicht mehr los. Es verwundert wenig, dass genau hier das internationale LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender)-Filmfestival TLVFest stattfindet – und zwar in einem der berühm­ testen Kinos der Stadt, der Cinematheque. Dass die diesjährige Ausgabe über die Bühne gehen konnte, ist nicht selbstverständlich. Nach herben Budgetkürzungen stand das TLVFest vor dem finanziellen Aus. Für viele unverständlich, fördert doch dieses Event die queere Filmkunst – national und international – wie kein anderes im Nahen Osten. Eine Protestwelle sorgte allerdings für die Fortsetzung einer 7-jährigen Erfolgsgeschichte. „Die Entscheidungsträger haben beschlossen, uns zuzuhören. Wir sind nun auf der sicheren Seite,“ so Yair Hochner, der Festivaldirektor. Doch nicht nur politische Entscheidungen beeinflussten bisher den Kampf um den Fortbestand des Festivals. Auch sehen sich die Festivalproduzentin Chen Arieli und Yair Hochner einem anderen Pro­ blem gegenübergestellt: Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich für ein LGBTkonnotiertes Event sehr schwierig. Viele Firmen fürchten mit der Unterstützung dieses Festivals den Boykott religiöser Gruppen. Vor diesem Hintergrund fand vom 8. bis 17. Juni die achte Ausgabe des TLVFests statt.

Underground meets Mainstream Das TLVFest ist nicht zufällig in der Woche angesiedelt, in der Israel seine LGBT-Community mit der Pride-Week und der großen Pride Parade feiert. In den letzten Jahren zieht dieses bunte Treiben zehntausende Touristen nach Tel Aviv, um das ganz besondere Flair der Mittelmeermetropole zu feiern. „Hier fühle ich mich frei. Ich kann mit meinem Freund Hand in Hand über den Rothschild Boulevard spazieren und keinen Menschen interessiert es,“ begründet der Italiener Fabio seine jährliche Teilnahme an der Pride Parade. Das internationale Publikum findet sich auch in den Kino­sälen des queeren Filmfestivals wieder. Auch dieses Jahr war das Filmprogramm mit 80 Langfilmen und 120 Kurz­filmen sehr umfangreich. Was das TLVFest nicht nur im Nahen Osten zu einer Ausnahmeerscheinung macht, ist nicht alleine die Tatsache, dass es das einzige Festival ist, das sich ausschließlich dem

queeren Film verschrieben hat. Wahren Film­ enthusiasten zaubert das Programm ein Lächeln aufs Gesicht, wird hier doch der perfekte Bogen zwischen MainstreamProduktionen und teils trashigen LowBudget-Filmen gespannt. Besonderes Augenmerk wurde auch heuer auf den israelisch-queeren Film gelegt, der – mit Ausnahme von einigen Großproduktionen – außerhalb des Landes kaum Gehör findet – und das zu Unrecht. In mehreren Kurzfilmprogrammen wurden die Themen Homosexualität und Religion, das erste Gefühl von Verliebtheit, aber auch ComingOut gezeigt – oftmals mit einer großen Prise Humor. Ohne Probleme bestehen Offstream-Filme neben hoch-budgetierten, teuer produzierten Filmen. Einen Spagat,

an einem schwulen Jungen durch einen Schulkameraden aufrollt. Der Frage nach Motiv und Schuld und den Umständen wird unaufgeregt und objektiv nachgegangen. Die Tiefe der Interviews und die ruhigen Bilder zeichnen ein Bild eines teils nicht funktionierenden Rechtssystems und einer tief in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelten Homophobie. Marta Cunninghams Drama gewann beim TLVFest ver­ dient den Award für die beste internationale Dokumentation. Ein unerwartetes Porträt eines Teil der israelischen LGBT-Community bot die 40-minütige Doku Grace über die gleichnamige lesbische Filipina, die sich nach Scheidung als Alleinerzieherin von drei Kindern mit einem Beautysalon am Tel Aviver Busbahnhof selbständig machte – auch um ihre Sexualität frei leben zu können. Die erträumte Rückkehr auf die Philippinen ist stetes Thema, aber auch Graces Ängste, wenn sich ihre große Liebe während eines Aufenthalts in der alten Heimat nicht mehr meldet. Michal Aharonsons genauer Blick auf eine Nische der queeren israelischen Community wurde mit dem Preis für den besten israelischen Kurzfilm prämiert.

Kampf ums Budget

den nicht jedes Festival so gut ausübt wie das TLVFest. Eine Neuheit gab es diesen Juni auch: Zum ersten Mal fand die TLVFest International Conference for LGBT Cinema statt. Wenn man sich schon immer gefragt hat, wie man einen Sissy-Movie ohne Budget macht, wurde einem ebenso geholfen wie jenen, die etwas über den rumänischen LGBT-Aktivismus erfahren wollten. Aber auch die Zukunft des queeren israelischen Kinos wurde mit einem hochkarätigen Panel aus israelischen Filmemachern diskutiert.

And the winner is... In einer glamourösen „Closing Ceremony“ wurden am Ende des Festivals die besten Produktionen gekürt und auch die Gewinner der Pitchings (Präsentation einer Film­ idee vor einem Expertenpublikum) bekannt gegeben. Zwei Produktionen stachen hier besonders hervor. Valentine Road, eine „feature-lenght documentary“, die den Mord

Yair Hochner bot im Rahmen des 10tägigen Festivals nicht nur ein rei­ ches Filmprogramm, sondern auch die Möglich­keit, mit einer Vielzahl der Regisseure zu interagieren. „Er könnte auch einfach nur die Filme nach Tel Aviv holen, die Regisseure zu Hause lassen und sich ein schönes Gehalt ausbezahlen,“ sagt Izik, Yair Hochners Ehemann. Letzterer arbeitet für das Filmfestival unentgeltlich. Bei einer bescheidenen Förderung der Stadt Tel Aviv von 50.000 Schekel verwundert dies wenig. Im Vergleich erhält das Kin­ der-Filmfestival der Stadt 250.000 Schekel Budget bei einem Programm von 20 Filmen, was einem Vier­tel dessen entspricht, was Yair Hochner und sein Team auf die Beine stellen. „Ich hoffe, die Gemeinde ent­ scheidet eines Tages, dass wir ein echtes Festival sind und unterstützt uns wie andere auch, ohne uns zu diskriminieren,“ so Yair Hochner frustriert. Das TLVFest verzeichnete heuer einen Zuschauerrekord von 10.000 Besuchern. Bleibt zu hoffen, dass der Kampf um Budget und Sponsoren nächstes Jahr leichter wird. Denn auf dieses Festival zu verzichten, würde einen herben Rückschlag für queeres Filmschaffen in Israel und der gesamten Region bedeuten. 55


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Der Körper des Menschen: Teil 1: Von den ersten Auseinandersetzungen Bericht: Miriam Frühstück

Was ist der Mensch? Das ist die Frage auf die – seit es den Menschen gibt – nach Antwort gesucht wird. Auf dieser Suche werden unterschiedlichste Konzepte, Theorien und Diskurse produziert, wobei nicht nur der Geist bzw. die Seele im Fokus steht, sondern auch der Körper, welcher das grundsätzliche Funktionieren des Menschen und eine wirkliche, erfahrbare Existenz auf und mit der Welt gewährleistet. Seine Beziehung zu Geist bzw. Seele. Körpergeschichte, Körperkult, Körpersymbolik, Soziologie des Körpers usw. sind Resultate der lebendigen und immerwährenden Auseinandersetzung mit dem Körper, dem Leib, der Körperlichkeit des Menschen. Dabei begegnet man der Beschäftigung mit dem Sichtbaren des Menschen schon im Alltag.

Tattoos und Co. – Körperkult mit langer Tradition Durch die Salonfähigkeit von Körperschmuck und -bemalung, angefangen bei den harmlosen Ohrringen bis hin zum Ganzkörpertattoo, kam auch das öffentliche Interesse am Ursprung dieses Körperkultes. Die Verzierung des Körpers – oftmals mit rituellen sowie auch religiöser Praxis und Bedeutung verbunden – hat sich häufig parallel in unterschiedlichen Kulturkreisen entwickelt. So hat sich dieser Kult schon vor über 7.000 Jahren nicht nur in Lateinamerika entwickelt, wo in Chile mumifizierte Tote von einem Ritual der Hautbemalung erzählen, sondern auch an der Gletschermumie Ötzi aus der Jungsteinzeit finden sich bis zu 47 Tattoos, die aufgrund der Form – Punkte, Striche und geometrische Zeichen – und der Platzierung entlang wichtiger Akupunkturpunkte vermutlich therapeutischen Charakter besessen haben. Demnach waren Tattoos nicht nur Verzierung des Körpers, sondern sollten auch Wirkung haben. Sie wurden zur Therapie gegen Beschwerden wie Rheuma und Kopfschmerzen, aber auch als Schutz für äußere Einflüsse und zur Sicherung der Fruchtbarkeit eingesetzt. Zudem

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sollten Tätowierungen seelischen Schmerz durch den körperlichen verdrängen, wie in Indien oder auch am Körper die Geschichte des Trägers und dessen Familie erzählen, wie es in Afrika aber auch heute noch in der kriminellen Szene der Fall ist. Das Tattoo hat sich aus der traditionellen Körperbemalung, die es schon seit der Höhlenmalerei gegeben hat entwickelt und hat sich über ihren religiösen und rituellen Charakter hinaus zu einem Ausdruck von Individualität aber auch der Zusammengehörigkeit entwickelt. Über die Seefahrt im 17. Jahrhundert fand die dauerhafte Körperbemalung in Europa unter seinem Namen, dessen Ursprung im polynesischen „tatau“ (kunstgerecht) liegt, durch Captain Cook Verbreitung. Auch das Piercing stammt im Ursprung von den rituellen und spirituellen Praktiken der Urvölker Amerikas, Afrikas und Asiens ab. Das Durchstechen und im Weiteren das Dehnen verschiedenster Körperteile gilt nicht nur wie bei den Mursi in Äthiopien als Schönheitsideal, sondern auch als Reinigung, Schutz vor Krankheiten und Abwehr des Bösen. Doch die Auseinandersetzung mit dem Körper und seine Beziehung zur Welt drückt sich nicht nur durch den Körperkult, der bis heute vorfindbar ist, in einer praktischen Form aus, sondern auch in theoretischer in der antiken und christlichen Körperauffassung und -verständnis, sowie der Körpersymbolik, die sich vor allem in der christlichen Tradition entwickelt hat.

Antike und christliche Körperauffassung Die um 700 v.Chr. entstandenen homerischen Epen geben einen Blick auf das Menschenbild der archaischen Zeit frei, der von einem Leib ausgeht, welcher keine geschlossene Einheit bildet, sondern die Summe von Gliedern und Organen ist. Körperlichkeit bestimmt sich durch das sichtbare Äußere (eídos, phyé), der Statur (démas) und der Hülle (chrós). Geistige und und leibliche Regungen entstammen dem Sitz der Vernunft, also der Brustgegend oder im Zwerchfell (phrénes). Weder für Körper noch für Seele gibt es einen einheitlichen Begriff wodurch sie voneinander nicht eindeutig unterschieden sind. Das Seelisch-Geistige besitzt neben thymós – Lebenskraft und Gefühlszentrum – auch psyché (Hauch/ Atem) als Lebensprinzip und nóos als Vorstellungskraft und Verstand. Dadurch existiert keine geschlossenes geistiges Zentrum wodurch der Mensch im Handeln bis zu einem gewissen Grade von Schicksal bzw. von den Göttern abhängig sei. Trotz dem Fehlen einer Summe von Körper und Seele und dem Bestehen des Leibes als uneinheitlicher Organismus, stellt der Körper ein Ganzes dar. In der frühgriechischen Philosophie erhält die Seele eine vom organischen Körper unterschiedene Qualität. Somit wird dem Menschen ein vernunftmäßiges Denken zugeschrieben und der Verstand hat Anteil am Logos als Weltgesetz, wodurch der Mensch Erkenntnis erlangen kann. Die Vorstellung vom Leib entwickelt sich parallel dazu in verschiedene Richtungen. Durch die Vier-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Luft, Erde) – vor allem durch Empedokles vertreten – erweitert sich die Vorstellung


Antiker Sarkophag, München, Stiftung Archäologie Foto: Vinzenz Brinkmann

vom Leib als Gliederkonzept, da Leib und Kosmos gleiche Grundkomponenten besitzen und somit Fleisch eine Mischung der vier Elemente darstellt. Einzelnen Gliedern werden Elemente und somit Eigenschaften zugeschrieben. Die Störung des Gleichgewichts der Elemente ruft Krankheiten hervor. Die Atomisten stellen den Körper aus unzerlegbaren Teilen dar und Demokrit sieht den Menschen selbst als Mikrokosmos. Dadurch wird dem Mythos, dass Prometheus den Menschen aus Lehm formte und Athena ihm Leben einhauchte naturgesetzliche Erklärungsmodelle gegenübergestellt. In diesen Modellen ist die Seele jedoch auch der Sterblichkeit ausgesetzt. Diese Reduktion des Körpers und der Seele auf Atome ist mit Platon überwunden, da er die Seele für unsterblich hält. Körperliche Gebrechen und Deformationen wurden in der Antike oft als unglücksbringend stigmatisiert und ausgegrenzt, dienten aber auch der Unterhaltung und Belustigung. Dem Gegenüber wurden je­ doch Gebrechen und Deformationen auch auf göttliche Wesen und Mischwesen übertragen: Satyrn, Kentauren, Kyklopen etc und blinden Dichtern und Sehern wurden besondere Begabung nachgesagt. In der Antike war Behinderung nicht klar definiert, weshalb diese sowohl in besonderen Fällen gewinnbringend als auch nachteilig sein konnte. Grundsätzlich war aber körperliche Beeinträchtigung nur im Falle von Kriegsinvaliden und Kriegswaisen mit Anerkennung verbunden. Auch im Christentum gab es unterschiedliche Betrachtungsweisen des Körperlichen, die sich sowohl aus der jüdischen als auch aus der griechisch-orthodoxen Tradition heraus formulierten. Ausgangspunkte sind

die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott und die Geschlechtlichkeit von Mann und Frau. Gott hat den Menschen aus der Erde (adamah) geschaffen, wodurch der Mensch wesenhaft an die Materie gebunden ist. Die Seele sichert die personale Existenz in Form von Lebenskraft (nepesh – ähnlich der Psyché) im Herzen und Atem/Geist (ruach) im Kopf. Bei Clemens von Ale­ xandria ist der Körper gottgewollter Bestandteil des Menschen, so wie die Geschlechtlichkeit zur Erzeugung der Kinder. Erst nach der Auferstehung sei durch die Leiblosigkeit die Geschlechtlichkeit aufgehoben. Beim Kirchenvater Origines findet sich die Idee des beseelten Körpers: die präexistente Seele ist Ebenbild Gottes und aufgrund des Sündenfalls vorübergehend an den Körper – als Tempel Gottes – gebunden.

Schon im frühen Christentum wurden Züchtigung des Körpers und Askese durch den Apostel Paulus propagiert. Durch die Lehre von Menschwerdung sowie der Herabkunft im jungfräulichen Körper, der leidende Körper welcher mit Jesus zum Leitsymbol wird und die Auferstehung von Leib und Seele ist der Körper zentrales Element der Heilsgeschichte. Sowohl in der antiken als auch in der christlichen Tradition ist Körper nicht nur Ort, sondern Werkzeug des Menschen, dass durch körperliche Ertüchtigung – Arbeit und Leibeserziehung – sowie Züchtigung – Askese und Dietätik – rein gehalten werden soll und auch heute noch in glei­ cher oder modulierter Form – Fitness, Diät, Enthaltsamkeit, Arbeit – weiterhin praktiziert wird.

Ötzi, Foto:Südtiroler Archäologiemuseum/EURAC/Samadelli/Staschitz

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Die Geburtsstunde der

Kreativität Bericht von Eva Maria Hofmann, Fotos von MTG312, Henrik C. Niemann und Daniel Rizik-Baer

o d e r : Wa s Fr e e s t y l e - R a p p e n

m i t u n s e r e m G e h i r n a n s t e l lt Dumpfe Rhythmen, auf Knopfdruck geforderte Kreativität und eine riesige Auswahl an verwendbaren Wörtern: willkommen beim Freestyle-Rappen. Jener Kunst, die durch ihr Tempo schon fast an eine Sportart erinnert. Welche Leistung dem Gehirn während einer solchen Performance tatsächlich abverlangt wird, dem gingen US-Forscher nun auf den Grund. Als sich die Wissenschaftler des National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) dieser Frage annahmen, stand bereits eine Sache fest. Ein kreativer Prozess besteht immer aus zwei Phasen: Er beginnt mit dem improvisatorischen Teil, in welchem neues Material erfunden wird und endet mit jener Phase, in der das Hervorgebrachte noch einmal fokussiert beurteilt wird. Die neuralen Vorgänge, die der improvisatorischen Phase zu Grunde liegen, galten jedoch lange Zeit als unerforscht. Bis Ende vergangenen Jahres das Forscherteam rund um Siyuan Liu die zündende Idee hatte. Wenn es gelingen würde, einen Freestyle-Rapper

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während des Ausführens seiner Kunst unter einem Magnetreso­ nanz­tomografen (MRT) zu untersuchen – ja, dann wäre es möglich, dem geheimnisvolle Ursprung der Kreativität auf die Schliche zu kommen. Gesagt, getan. Zwölf professionelle Freestyle-Rap-Künstler, alle­ samt mit mehr als fünf Jahren Rap-Erfahrung, wurden rekrutiert. In einem MRT-Gerät liegend, rappten die Künstler zu einer Sequenz von acht Takten, 85 Schläge pro Minute. Im ersten Durchgang wurde der Text frei zum Beat passend improvisiert. Im zweiten Teil der Untersuchung gaben die Rapper ein bereits vertrautes Stück


zum Besten. Im Anschluss wurden die MRTAufzeichnungen der beiden Untersuchungen gegenübergestellt. Und das Ergebnis war verblüffend. Bei der Darbietung der improvisierten Texte zeigte ein Teil des Gehirns – innerhalb des präfrontalen Cortex – unterschiedliche Aktivitätsmuster auf. Wie ist das möglich? Durch seine Verbindung mit dem limbi­ schen System wird dem präfrontalen Cortex die Verantwortung für die Kontrolle über das angeborene Verhalten zugeschrieben. Hier wird an Problemlösungsstrategien getüftelt, an Argumentationen gefeilt. Wie die Ergebnisse der MRT-Untersuchung zeigten, steigt beim freien Improvisieren von Texten die Gehirnaktivität innerhalb des medialen präfrontalen Cortex deutlich an, während sie im dorsolateralen präfrontalen Cortex anfangs sinkt. Beide genannten Regionen haben ihren Sitz an der Vorderseite des Gehirns, direkt hinter der Stirn. Wobei der dorsolaterale präfrontale Cortex weiter außen, also näher an der Hirnrinde lokalisiert ist. Er verleiht uns Menschen Fähigkeiten wie die Sinneswahr­ nehmung oder die Einschätzung von Geschehnissen und ermöglicht uns außerdem selbstbestim­m­

tes Handeln. Im Gegensatz dazu liegen die Aufgaben des medialen präfrontalen Cortex in der Beschaffung und Verarbeitung neuer Informationen, der Lösung von kognitiven Aufgaben und der Bildung unseres persönlichen Selbstbildes. Parallel zum Aktivitätsanstieg im medialen präfrontalen Cortex konnte bei der MRT-Untersuchung eine erhöhte Aktivität im motorischen- und Sprachzentrum beobachtet werden. Ein Ergebnis, das eigentlich nicht weiter überrascht, bedenkt man die schnelle Ent­ scheidung der Künstler für neue Wörter und die Bildung innovativer, sich reimen­ der Phrasen während des Freestyle-Rappens. All das verlangt den Rappern vollen Muskel­ einsatz ab. Einerseits vom Gehirn selbst, um neue Sätze zu bilden. Andererseits von Zunge und Kiefer, um die gefundenen Wörter zu artikulieren. Ebenso angeregt wird eine mandelförmige Region im Zentrum unseres Gehirns, namens Amygdala. Eigentlich ist sie die Hauptverantwortliche bei der Entstehung der menschlichen Angst - aber im Falle des Freestyle-Rappens lässt sie sich aus einem anderen Grund vom präfrontalen Cortex zur erhöhten Aktivität verleiten. Als Ausdruck erhöhter emotionaler Erregung, die der Künstler während seiner Performance

Quelle: „Neural Correlates of Lyrical Improvisation: An fMRI Study of Freestyle Rap“ von Siyuan Liu et al., erschienen am 15. November 2012, Nature.

empfindet. Erst gegen Ende der acht ge­ rappten Takte beginnt endlich auch der dorsolaterale präfrontale Cortex in Stimmung zu geraten. Seine verspätete Aktivierung ist notwendig, da am Ende des Raps noch einmal volle Konzentration und Aufmerksamkeit vom Künstler gefordert ist. Durch die Erkenntnis der unterschiedlichen Aktivierungsmuster innerhalb des Gehirns, gelang es Siyuan Lui und seinem Team mit dieser Studie erstmals zu demonstrieren, dass improvisierte Lyrik – egal ob Freestyle-Rappen oder Poetry-Slam – Verschaltungen in unserem Gehirn verändern, die diese Kunstformen überhaupt erst ermöglichen. Denn durch das Umgehen von im dorsolateralen präfrontalen Cortex liegenden Kontrollsystemen erleben die Künstler ihre spontanen Entscheidungen für die passenden Worte, aber auch die Darbietung ihrer Performance so, als ob sie außerhalb des eigenen Bewusstseins erfolgen würden. Der Künstler kommt in einen Zustand des „Flows“ und seinem Gehirn gelingt es, neue, unvorhersehbare Assoziationen zu erstellen. Mit anderen Worten: In diesem Moment wird schöpferische Kreativität geboren. Egal, ob beim Freestyle-Rappen oder einer anderen Form der Kunst. 59


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Foto von Phil Hawksworth/Flickr

Kultur ist 端berall.

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Die Entstehung der Schrift | Teil 1

Am Anfang war das Bild Wie das Gemalte zur Schrift wurde Serie von MMag. Chia-Tyan Yang

Sie ist DAS Kulturphänomen, das von unseren Vorfahren entwickelt und von uns perfektioniert wurde. Sie regelt unser zwischenmenschliches Zusammenleben und dient zeitlich oder räumlich versetzter Kommu­ nikation. Die Schrift wurde erfunden, um gelesen zu werden. Und wir „lesen“ tatsächlich mehr und öfter als wir glauben. Stellen wir uns folgendes Morgenritual vor (sämtliche in den runden Klammern stehende Be­griffe sind im Zusammenhang mit der Kulturtechnik Schrift zu betrachten): Wir wachen auf, schauen auf die Uhr (Ziffer als Begriffszeichen) am Handy, gleichzeitig blinkt ein Briefchen-Symbol (Piktogramm) unermüdlich, das eine nichtgelesene SMS signalisiert. Im Halbschlaf lesen wir die SMS (Informationsaufnahme und -verarbeitung), tippen schnell mit oder ohne Hilfe eines eingebauten Wörterbuchs eine Antwort (sprachliches und soziales Handeln), klicken auf das Pfeil-Symbol (Anwendung eines Begriffszeichens), das den Befehl „Senden“ darstellen soll (Kommunikationsbedürfnis). Wir stehen auf, holen die Zeitung und die Post herein, gehen in die Küche, schauen auf die verschiedenen Knöpfe mit niedlichen grafischen Symbolen (Auswahlmöglichkeiten für eine konkrete Entscheidung), die auf der Vorderwand der Kaffeemaschine angebracht sind, und drücken zielstrebig den Knopf mit dem Bild einer kleinen Kaffeetasse (Überlebensstrategie!). Während die Küche langsam nach Kaffee duftet, überfliegen wir die Schlagzeilen (Informationsbeschaffung). Jetzt machen wir uns an die Post – es handelt sich hierbei um eine Rechnung – und stellen fest, dass neben dem harmlosen Rechnungsbetrag nicht €, sondern £ steht (Erkennen eines Währungszeichens/Logogramms und

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Auslösen negativer Gefühlszustände). In diesem Moment blinken verschiedene Bildsymbole auf dem Handybildschirm (Ordnungs-, Orientierungs- und Archivierungsbedürfnis). Das alltägliche Abenteuer kann beginnen und die Schrift ist unsere engste Gefährtin. Über Jahrmillionen entwickelte der Mensch sprachliches Ausdrucks- und Kommunikationsvermögen, dabei wurden Erinnerungen und Wissen zunächst mündlich weitergegeben. Die Lebensumstände des Menschen erhielten jedoch immer komplexere Rahmen, folglich reichte die mündliche Überlieferung nicht mehr, um z.B. Besitztümer, Vereinbarungen und Machtverhältnisse zu be- und kennzeichnen. Der Mensch begann, Gegenstände und abstrakte Begriffe zu kritzeln und zu malen, so entstanden Bilder bzw. grafische Symbole, die fortlaufend modifiziert, stilisiert und von der Gemeinschaft verstanden und akzeptiert werden mussten. Die Anfänge findet man in den eiszeitlichen Höhlenmalereien. Obwohl es sich hierbei nicht um grafische Systeme oder Schriftzeichen handelte, waren es die ersten konkreten Versuche des Menschen, die Wirklichkeit darzustellen, aufzuzeichnen und zu verändern.


MMag. Chia-Tyan Yang ist Musikerin, Bloggerin und Spricht mehrere Sprachen. Sie wird uns noch öfter in die Welt der Schrift entführen.

Mit den sogenannten Piktogrammen kam der Mensch der eigent­ lichen Schrift um einiges näher. Die Piktogramme sind natura­ listische oder stilisierte Bilder, die Gegenstände und Bedeutungen darstellen und Bestandteile einer Piktografie (lat. pictus „gemalt“, griech. gráphein „schreiben“, also „Bilderschrift“) bilden. Piktogramme können grundsätzlich weder gelesen noch gesprochen werden. Beim Wiedererkennen („Lesen“) eines Piktogramms werden die Bedeutungen, die gedanklichen Inhalte oder Gegenstände, die mit ihm assoziiert sind, für den Leser aktualisiert. Verschiedene Piktografien haben sich vielenorts in der Schriftgeschichte entwickelt (Sumer, Ägypten, China, Industal, Kreta, Zypern, Mittelamerika) und waren unter anderem Vorläufer für die Hieroglyphen Ägyptens, die sumerische Keilschrift und die chinesischen Schriftzeichen. Mit Höhlenmalereien und Piktogrammen wurde das Fundament der Schrift gelegt, die sich in der Menschengeschichte teilweise zu ehrfurchterregenden Labyrinthsystemen entwickelt hat. Die Schrift ist also im engeren Sinne eine Form des graphischen Ausdrucks von Sprache. Allerdings ist die Schrift nicht einfach ein neutraler Spiegel für gesprochene Sprache. Als visuelles Medium entwickelt die Schrift eine Eigendynamik: Sie ändert etwa unsere Auffassung der Sprache, indem sie Strukturen visualisiert, die unhörbar sind – man kann z.B. Interpunktionszeichen wie die Klammern oder den Gedankenstrich (übrigens ein schöner Name) nicht hören.

Die Verschriftung einer Sprache schafft neue Handlungsmög­ lichkeiten auf sprach­licher und künstlerischer Ebene (vom Wörterbuch bis hin zur Poesie). Zu guter Letzt nimmt sie Einfluss auf unsere kognitiven Fähigkeiten wie Erinnerung, Aufmerksamkeit, Lernen, Planen und Kreativität etc. Unsere heutigen Schriftsysteme sind systematisch und hoch komplex aufgebaut. Bis auf wenige Ausnahmen wie Chinesisch besitzen die meisten Schriftsysteme keine Piktogramme mehr: Das lateini­sche Alphabet ist phonetisch und nicht piktografisch. Das heißt, jedem Buchstaben wird ein Laut zugeordnet und er besitzt keine grafische Information (mehr). Dafür wurden in den letzten 40 Jahren gerade in mehreren „piktogrammfreien“ Sprachen eine Vielzahl von piktografischen Zeicheninventaren entwickelt. Im Vergleich zu schriftlichen Texten können Piktogramme zwar nicht „gelesen“, jedoch in jeder Sprache verstanden werden (im Verkehrswesen, in Sportstätten, im Gesundheitswesen). Die Piktogramme sind gerade im Zeit­ alter der Globalisierung und Internationalisierung von großer Bedeutung, um Informationen sprachunabhängig oder möglichst schnell zu vermitteln oder vor Gefahren zu warnen. Also wenn ein Grafikdesigner am Computer ein Icon in hoher Auflösung entwickelt, beschwört er im Grunde genommen unsere Vorfahren in den eiskalten Höhlen herauf.

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Das „Nasse Kollodiumverfahren“ Eine wahrlich schwere Zeit für Fotografen Zeitreise von Birgit Kniebeiß

Die Ausrüstung eines Wanderfotografen war mindestens 50 Kilogramm schwer und im Regelfall wog sie weit über 100. Verreist wurde nicht nur mit Kamera und Stativ, auch die gesamte Dunkelkammer musste man in Form eines Zelts oder Pferdewagens immer mit sich führen.

1852

Kriegserklärung des Osmanischen Reiches an Russland – Beginn des Krimkrieges (bis 1856).

Dresden, Köln und München überschreiten die 100.000-Einwohner-Grenze und werden damit zur Großstadt.

1855

Trotz dieser doch etwas umständlichen Prozedur hielt sich das Verfahren bis ungefähr 1880 – also ganze 30 Jahre hatte es die Vorherrschaft am Markt. Die Vorteile lagen zum einen darin, dass das Trägermaterial Glas einen glatten Untergrund hat und nicht die störende Faserstruktur des Papiers aufwies. Mit der Idee, Glas als Trägermaterial zu verwenden, experimentierten schon einige andere vor ihm, allerdings erfolglos. Um die Silbersalze auf der Glasplatte anzuhaften, probierte man die verschiedensten Substanzen aus – unter anderem startete man auch Versuche mit klebrigem Schleim, der von Schnecken abgesondert wird. Zum anderen liegt die Lichtempfindlichkeit des Verfahrens um den Faktor 100 höher als jene der Daguerreotypie.

1853

Frederick Scott Archer veröffentlicht eine Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens.

Kalifornien wird 31. Bundesstaat der USA.

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Bei Außenaufnahmen musste als erstes die mobile Dunkelkammer aufgebaut, dann darin die Glasplatten mit dem lichtempfindlichen Kollodium vorbereitet werden und diese wurden dann unverzüglich belichtet und danach gleich wieder in die Dunkelkammer gebracht, um sie zu entwickeln.

Jean Bernard Léon Foucault beweist im Pariser Panthéon mit Hilfe eines Pendels, welches an einem 67 Meter langen, herabhängenden Seil hing, die Erdrotation.

1850

1851

Entwickelt vom britischen Bildhauer Frederick Scott Archer, der 1851 eine Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens veröffentlichte. Kollodium ist eine farblose, zähflüssige Lösung aus Nitrozellulose in Alkohol und Äther. Es trocknet schnell und bildet dann eine feste, wasserdichte Haut. In der Medizin findet es Verwendung als Verschlussmittel für kleinere Wunden. Frederick Scott Archer, der sich mit der Fotografie beschäftigte, um Vorlagen für seine Skulpturen zu fertigen, setzte dem Kollodium noch Jodkalium zu und überzog mit dieser Flüssigkeit eine Glasplatte, die er in Silbernitratlösung tauchte. Die Silber-Ionen und die Jod-Ionen verbinden sich zu lichtempfindlichem Jodsilber. Nun konnte die Platte in eine Kamera eingelegt und belichtet werden. Mann musste mit der Platte arbeiten, solange sie noch nass war, denn wenn sie trocknete, wurde sie unempfindlich gegen den Entwickler und das Fixierbad. Der Fotograf war somit an seine Dunkelkammer gebunden. Bei Aufnahmen im Freien reisten Fotografen nicht gerade mit leichtem Gebäck, zur Standardausrüstung zählten nicht nur die voluminöse Kamera, sondern auch Glasplatten, Plattenhalter, Pinsel, Küvette, Gläser, Trichter,

Filterpapier, Kollodium, Silbernitratlösung, Pyrogallusentwickler, Fixierer und eine tragbare oder fahrbare Dunkelkammer. Das Ganze wog im Minimum 50 Kilogramm, es wurde berichtet, dass die fotografische Ausrüstung der Mont-Blanc-Expedition im Jahre 1860 gar 250 Kilogramm wog.

1854

Fast zeitgleich mit der Aufgabe von Talbots Patent erscheint ein neues photografisches Verfahren auf der Bildfläche, welches innerhalb der nächsten Jahre die Daguerreotypie und die Kalotypie vollständig verdrängte, die Rede ist vom „Nasse Kollodiumverfahren“.

In London wird die Tageszeitung „The Daily” Telegraph gegründet.

Der französische Erfinder Charles Bourseul beschreibt in der Zeitschrift „L’illustration“ das Telefon. Er wird jedoch nicht ernst genommen und verfolgt seine Idee nicht weiter, noch im selben Jahr erfindet der Italiener Antonio Santi Giuseppe Meucci das Telefon.


Anonym. Die Solarkamera „Jupiter“ auf dem Dach des Ateliers „Van Stavoren“ in Nashville, Tennessee.

Wie die Daguerreotypie ist die Kollodiumplatte ein Unikat. Um sie zu vervielfältigen, wurden von Kollodiumaufnahmen Kontaktkopien hergestellt. Man legte die Kolodiumplatte (das Negativ) auf ein lichtempfindliches Papier und belichtete es an der Sonne. Nachdem das Papier entwickelt wurde, hatte man das Positiv der gemachten Aufnahme. Das beliebteste Kopierpapier war Albuminpapier, welches 1850 erfunden und bis 1900 stark verwendet wurde. Dieses Papier wird mit Hilfe von Eiweiß beschichtet und dann in der Dunkelkammer lichtempfindlich gemacht. Derartiges Papier hatte eine so hohe Nachfrage, dass es in den Fabriken, wo es hergestellt wurde, Mädchen gab, die den ganzen Tag nichts anderes taten, als Eier aufzuschlagen und das Eigelb vom Eiweiß zu trennen. Die größte Fabrik in Dresden verbrauchte zu Spitzenzeiten 60.000 Eier am Tag. Man konnte mit diesem Papier schon zwischen matt und glänzend wählen. Wird das Albuminpapier nach der Entwicklung no-

chmals mit Eiweiß überzogen, entstehen Bilder von hohem Glanz, macht man dasselbe mit Stärke, entstehen stumpfe Bilder. Da das Albuminpapier feinste Details abbildet, wird es in der künstlerischen Fotografie noch heute verwendet. Da die meisten Fotografien zu dieser Zeit Kontaktkopien waren, waren die Positive immer gleich groß wie die Negative. Selten, aber doch wurden auch Vergrößerungen von Portraits hergestellt – zu diesem Zweck erfand man Tageslichtvergrößerungsapparate, auch Solarkameras genannt, welche wie ein trichterförmiger Holzkasten aussahen und kolossale Ausmaße annahmen. Diese Solarkameras nutzten die Sonne als Lichtquelle, deshalb waren sie meist auf dem Dach des Ateliers aufgestellt. Sie waren beweglich gebaut, weil man sie immer nach der Sonne drehen musste, da die Belichtung eines Fotos meist einige Stunden bis zu einigen Tagen dauerte. Die Funktionsweise dieser Kameras ist mit

einem Diaprojektor zu vergleichen. Am schmalen Ende, welches der Sonne zugewandt ist, fällt das Licht durch eine Linse auf das Negativ und am breiten, hinteren Ende der Solarkamera fällt das vergrößerte Bild auf das lichtempfindliche Papier. Schon damals konnte man lebensgroße Abzüge von Aufnahmen herstellen, bekannt sind uns Formatgrößen von 180x300cm. Die Qualität dieser Aufnahmen ließ allerdings stark zu wünschen übrig, sie waren so detailarm und diffus, dass eine starke Retusche vonnöten war. Der Fotograf Aurelius Root schrieb 1864: „Seit der Einführung der Solarkameras haben lebensgroße und andere vergrößerte Photographien allgemein Aufmerksamkeit erregt. Aus den dem Verfahren innewohnenden, wie auch aus äußeren Ursachen bedürfen diese Bilder mehr als alle anderen Photografien der Nachhilfe durch die Hand des Künstlers“.

Erste geglückte Verlegung eines Unterseekabels Europa–USA.

Charles Darwin veröffentlicht The Origin of Species, die grundlegende Arbeit im Bereich seiner Evolutionstheorie.

1860

Der Dritte Pariser Frieden wird unterzeichnet, der Krimkrieg ist damit beendet.

1859

Der Franzose Édouard-Léon Scott de Martinville konstruiert das erste bekannte Gerät zur Aufzeichnung von Tönen und nennt es Phonautograph.

1858

1856

1857

Elisha Graves Otis stellt in einem Kaufhausgebäude mit der Anschrift „488, Broadway“ in New York City den weltweit ersten Personenaufzug fertig.

Der belgische Erfinder Étienne Lenoir führt am 23. Januar in Paris vor etwa 20 Personen den im Vorjahr von ihm erfundenen ersten brauchbaren Gasmotor vor. 65


X-Wort-Rätsel Senkrecht:

2. Diesen Garten besangen auch schon Iron Butterfly. 3. Mittelalterliche, sportliche Blechdose. 4. Manche Geschichten haben einen langen, aber die meisten Männer versuchen, ihn im Zaum zu halten. 5. Es ist ein Kinderspiel, nach einer Diät wieder zuzunehmen. 6. Plastiken der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle. 7. Bei dieser Stadt wird man hungrig. 8. Fiktives Unter­seeboot. 10. Englisch f. voraus. 11. Wenn man dieses einsilbige Wort nach einem Satz anhängt, heißt es soviel wie „nicht wahr“? 12. Hat ihren Sitz in Brüssel. 14. Kalte Schle­ ckerei an warmen Sommertagen. 18. Altägyptischer Pharao. 25. Einheit für die Stoffmenge. 28. Ein elektrisch geladenes Atom oder Molekül. 29. Kf. f. Eichordnung. 30. KFZ-Kennzeichen von Holland. 31. Ein Glas in einem Zug leeren. 32. Kölschrockband 1976 gegründet. 33. Kf. f. United States. 35. Wenn ein Spanier sein Mädchen bittet, seine Frau zu werden, hofft er, das zu hören.

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von Birgit Kniebeiß

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Waagrecht:

1. Dadadada dadada dadadada da da da da da. 9. Die männlichste Vorsilbe. 13. Kf. f. Europameisterschaft. 15. Den Weltraum durchdringendes, feines Medium, durch welches man sprichwörtlich Nachrichten schickt. 16. österreichische Zwischenmahlzeit. 17. Wenn sie schon brennt, ist es zu spät, sie zu riechen. 19. Das wohl bekannteste Programm des Users Alan. 20. Was war vor der Henne da? 21. Ausruf, der häufig bei Stierkämpfen zu hören ist. 22. Magermodels tragen eine Size … 23. Noch kürzer als eine Millisekunde (Kf.). 24. Tonsilbe, nicht zu verwechseln mit einem Wochentag. 26. 1st 2nd 3 … 27. Kf. f. Plural. 34. Ein Kletterer versteht darunter etwas ganz anderes als ein Drückeberger. 36. Beispiele für die Mischung aus einem Gas und einer fein verteilten Flüssigkeit oder einem fein verteilten Feststoff sind Dampf, Rauch und Nebel. 37. Ausstattungen, die über das in einer Gesellschaft als notwendig oder sinnvoll erachtete Maß hinausgehen. 38. Die am längsten laufende US-Zeichentrickserie mit mehr als 530 Episoden.

Rebus

von Birgit Kniebeiß

Der gesuchte Begriff bezeichnet einen bestimmten Musiker.

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