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Cottbuser Narren tanzen und schunkeln in fünfte Jahreszeit Auf menschliche Schwäche statt auf Widerstand trafen die Cottbuser Narren am Samstag. Statt das Rathaus gegen den obligatorischen Sturm der Jecken am 11.11. zu verteidigen, mussten die vom Wahlkampf ermatteten Holger Kelch und Frank Szymanski auf Tragen herausgebracht werden. Doch mit Vitamin- und Viagraspritzen brachte sie das Notärzteteam um Dr. Bescheuert rasch wieder auf die Beine.

Mit seinem Straßenkreuzer entführte das Männerballett die Gäste in die 50erJahre.Immer ein Hingucker: Die Funkengarde des ICC machte Appetit auf ihr diesjähriges Programm. Mehr als 500 Karnevalisten und Zuschauer feierten am Cottbuser Neumarkt den Beginn der fünften Jahreszeit. Foto: Ronald UferFoto: Michael Helbig Auf eine harte Belagerung des Rathauses hatten sich Garden, Elferräte und Karnevalspräsidenten eingestellt. Verstärkung vom russischen Staatsballett geholt, die berüchtigte Konfettikanone geladen und Notärzte für die Verletzten mitgebracht. Doch dann kam alles anders. Statt des gefürchteten Knalls gab die Artillerie nur ein müdes Zischen von sich, der amtierende und der designierte Oberbürgermeister waren so matt, dass sie ohne Kampfeinwirkung auf Tragen aus dem Rathaus befördert werden mussten. Und in der allgemeinen Hektik hatte niemand die Rathausschlüssel mitgebracht. Frau Doktor Bescheuert konnte in Ruhe den Stadtoberhäuptern Spritzen verpassen, bis für beide je ein Schlüssel zur Übergabe herangeholt worden war. Auf die Übernahme der Stadtkasse hatte die Interessengemeinschaft Cottbuser Carneval (ICC) sicherheitshalber verzichtet. Doch damit die in den Urlaub geschickten Stadtoberhäupter eine Beschäftigung haben, erhielt jedes eine leere Schatztruhe. Bis zum 17. Februar sollen beide sammeln gehen und volle Behältnisse abliefern. Das Geld kommt drei ausgelosten Vereinen, Schulen oder gemeinnützigen Einrichtungen zugute. Die Garden aller Cottbuser Vereine zeigten, beflügelt vom russischen Ballett, ihre Tänze. Es wurde geschunkelt, gesungen und einige kleine Sektflaschen geleert. Die Artillerie brachte zu Ehren des Stadtprinzenpaares Mareike I. und Matthias I. doch noch mehrere Konfettisalute zustande und mit «Cottbus Helau, Heijo und Schnippschnapp – Schlips ab» wurde gemeinsam karnevalistischer Frohsinn als Einstimmung auf die fünfte Jahreszeit verbreitet. Viele Cottbuser Vereine starteten am Abend dann mit eigenen Veranstaltungen in die Session 2006/07. Die ICC hatte sich mit ihrem Programm «Vom Kreml bis zum Weißen Haus, heute lassen wir die Narren raus» in der Stadthalle eingemietet. Als die Show losging, mussten viele Mitglieder erst einmal durchatmen. «Wir hatten nach der Cinderella-Aufführung am Nachmittag 90 Minuten Zeit zum Umbau. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben es geschafft», meinte ICC-Präsident Günther Hiebel stolz. Der von Sabine und Charlie moderierten Veranstaltung merkte man die kurze Vorbereitungszeit nicht an. Auf der Bühne thronte das Prinzenpaar flankiert von seiner kostümierten Garde unter einem riesigen Bühnenbild. Lange rot-weiße Luftballongirlanden baumelten von der Decke. Gewohnt gekonnt tanzte das ICC-Ballett vom klassischen Schwanensee nach Art der RathaussturmVerbündeten vom russischen Staatsballett bis zu Showeinlagen. Das Männerballett brillierte mit den etwas in die Jahre gekommenen schönsten Frauen der Welt und Rock'n Roll-Nummern in Stil der 50er-Jahre. Auch der Nachwuchs wirbelte schwungvoll und fröhlich durch den Saal, die Besucher zum Tanzen animierend. Die Moderatoren nahmen die halbe Welt, das ganze Rathaus und sich selbst gehörig auf die Schippe. Die Stimmung war gut, doch hatten sich weniger Karnevalsfreunde als erwartet eingefunden. von Ronald Ufer

13.11.2006


Cottbuser Narren tanzen und schunkeln in fünfte Jahreszeit  

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