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XENIA Fachstelle Sexarbeit

« Ich fühle mich frei, das ist schön. »

Jahresbericht 2017


« Ich weiss nicht, von wo ich Geld bekomme. Das mit AHV und Ergänzungsleistungen verstehe ich nicht, ausser, dass alle alten Leute Pension von der Schweiz bekommen. »

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Inhaltsverzeichnis 04 06

Editorial Thema: Älter werden in der Sexarbeit

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Die Finanzen der Fachstelle und des Vereins Spendenverdankung Vorstand und Personal

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Jahresrückblick der Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit: Erneut grosse Nachfrage Statistische Angaben zu den Beratungen: Deutlich weniger von Sexarbeiter*innen aus Drittstaaten Gesundheitsförderungs- und Aidspräventionsangebot: Schwerpunkt Schwangerschaftsverhütung

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Bericht aus dem Vorstand: Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Dokumente Unsere neue Vorstandsfrau Meret Schindler stellt sich vor

« Ich konnte nicht mehr arbeiten, ich war zu alt. Dann habe ich die Kündigung vom Salon erhalten. »

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Liebe Leser*innen Die Mitarbeiterinnen von XENIA, der Fachstelle für Sexarbeit, setzen sich seit 34 Jahren für die Rechte von Sexarbeiter*innen ein und unterstützen dort, wo Hilfe gewünscht wird. Einige Sexarbeiter*innen kennt XENIA nun schon seit zwanzig Jahren. Mit zunehmendem Alter findet in den Beratungen oft eine intensive Auseinandersetzung rund um die Pensionierung statt. Unser Leitartikel auf Seite 6 bietet Ihnen einen kurzen Einblick in die Problematik des Älterwerdens im Sexgewerbe. Besondere Erwähnung findet in diesem Jahresbericht auch ein neues Projekt der Fachstelle, das wir dank dem finanziellen Zustupf von Stiftungen und dem Bundesamt für Polizei fedpol aufgleisen konnten: Ab Frühling 2018 bietet XENIA in Zusammenarbeit mit Fachpersonen WenDo- und Deutschkurse für Sexarbeiter*innen an. Ziel der Kurse ist es, Hemmschwellen abzubauen, das Verhalten in Bedrohungssituationen einzuüben und mit besseren Sprachkenntnissen und dem Wissen über Selbstverteidigung selbstbewusster auftreten und kommunizieren zu können. Dazu mehr im Kapitel «Jahresrückblick der Fachstelle». Das grösste Vorhaben des Vorstands im Jahr 2017 war die Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Grundlagendokumente des Vereins XENIA. Bis Ende Jahr konnte ein umfassendes Personalreglement genehmigt werden. Es regelt die allgemeinen Anstellungsbedingungen zwischen dem Verein XENIA und den beim Verein angestellten Arbeitnehmenden transparent und einheitlich. Lesen Sie den Bericht des Vereins auf Seite 25. Selbstverständlich geht es in diesem Jahresbericht auch um die Erfolgsrechnung: Alle wichtigen Zahlen sind für Sie auf Seite 13 zusammengefasst. Wir sind froh, dass wir nicht von den kantonalen Sparmassnahmen betroffen waren, gleichzeitig möchten wir es aber nicht unterlassen zu erwähnen, dass die dringend benötigten Gelder für eine Stellenaufstockung bei XENIA nicht finanziert werden. So werden diese auch im 2018 aus dem Vereinsvermögen bezahlt, was dank dem positiven Jahresabschluss durch die Spendeneinnahmen machbar ist. So werden diese auch im 2018 weiter aus dem Vereinsvermögen bezahlt. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei all unseren Unterstützer*innen. Ohne Sie könnte XENIA die so dringend nötige Arbeit nicht bewältigen. Vielen herzlichen Dank, dass Sie weiter dabeibleiben, danke für Ihre Treue. Und nun schauen wir mit viel Elan und Energie in die Zukunft und freuen uns auf die neuen Herausforderungen und auf das Ernten der Früchte des letzten Jahres. Eva Hauser Präsidentin Verein XENIA Fachstelle Sexarbeit

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XENIA-Apéro vom 21. Juni 2017

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Älter werden in der Sexarbeit Der Übergang vom Leben und Arbeiten im Sexgewerbe hin zur Pensionierung, zum Altwerden, ist eine grosse Herausforderung. Vor allem für Sexarbeiter*innen mit Migrationshintergrund und wenigen Kontakten ausserhalb des Gewerbes. XENIA hat sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und eruiert, welche Herausforderungen die Sexarbeiter*innen zu bewältigen haben und wie sie darauf reagieren können. Nicht, dass bisher keine Sexarbeiter*in ins Pensionsalter gekommen wäre. Aktuell berät XENIA aber eine grössere Gruppe von Sexarbeiter*innen, die irgendwo zwischen 55 und 70 Jahre alt sind. Dadurch werden Parallelen deutlich sichtbarer und die Fragen stellen sich nicht nur an einzelnen Biographien. Alle Frischpensionierten müssen sich überlegen, wie sie ihr soziales Umfeld gestalten sollen, das während Jahren von der Erwerbsarbeit dominiert und definiert worden ist. Auch Sexarbeiter*innen suchen darauf eine Antwort. Sie sehen sich aber mit einer zusätzlichen Hürde konfrontiert, den fehlenden sozialen Kontakten. Die Fachstelle für Sexarbeit hat beobachtet, dass Sexarbeiter*innen, die nicht in der Schweiz geboren sind, während ihrer Arbeit kaum Kontakte zu Personen ausserhalb des Sexgewerbes haben. XENIA vermutet, dass dies neben sprachlichen Hindernissen auch mit der Stigmatisierung des Berufs zu tun hat: Was erzählt eine Sexarbeiterin, wenn sie gefragt, wird was sie arbeitet? Wie ist die Reaktion des Gegenübers? Wird das Gegenüber die Wahrheit weitererzählen, eventuell sogar die Familie im Herkunftsland informieren, die vielleicht nichts von der Erwerbsarbeit im Sexgewerbe weiss? Aus Angst vor Diskriminierung oder Ächtung gehen die Sexarbeiter*innen sozialen Kontakten ausserhalb des Milieus aus dem Weg. Damit fehlt ihnen im Pensionsalter ein persönliches Netzwerk. Dies isoliert Sexarbeiter*innen im Alter, macht sie einsam. In Mexiko Stadt gibt es seit 2006 ein Altersheim für Sexarbeiter*innen, wahrscheinlich weltweit das einzige. Das Casa Xochiquetzal bietet Sexarbeiter*innen über fünfzig, welche keine Unterstützung von ihren Familien erhalten, ein Dach über dem Kopf und eine soziale Einbettung 1. Da die 1. Sexarbeiter*innen schon einiges vor dem Pensionsalter http://www.weltseher.de/ Mühe haben, genügend Einkommen mit erotischen Dienstruhesitz-fuerleistungen zu erzielen, steht das Haus bereits Frauen ab 50 verwelkte-blumen/ offen. Das gesetzliche Rentenalter liegt in Mexiko bei 65 Jahren, wobei die meisten Menschen darüber hinaus arbeiten, 2. um finanziell durchzukommen 2. ttps://www.nzz.ch/ franzosen_haben _den_laengsten _lebensabend-1.5072829

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Könnte dieses Angebot gegebenenfalls auch für die Schweiz eine Lösung sein um Altersarmut und Einsamkeit zu verhindern? Oder genügt die vorhandene soziale Absicherung mit AHV, Sozialversicherungen, vorab allenfalls Sozialhilfe und einer Beratungsstelle wie XENIA? XENIA vermutet, dass das Risiko der Sexarbeiter*innen für Altersarmut höher ist als für andere erwerbstätige Frauen: Neben möglichen Lücken bei den AHV-Beitragszahlungen aus früheren Jahren kommt hinzu, dass es ab einem gewissen Alter schwieriger ist, genügend Kunden zu haben, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Oft gibt es noch einzelne Stammkunden aber kaum noch Laufkundschaft. Da Sexarbeiter*innen selbständig erwerbend sind, haben sie bei ausbleibender Kundschaft keinen Verdienst. Und neben den finanziellen Schwierigkeiten bleiben eben wie erwähnt die Einsamkeit, die fehlende Einbettung in ein persönliches soziales Gefüge.

Alle Fotografi en von Seite 7 – 11 stammen aus einem Privatarchiv. Aufgenommen zwischen 1977 und 1987.

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Es ist alarmierend - diejenigen Sexarbeiter*innen, welche XENIA in den letzten Jahren in der Beratung hatte, mussten in der Regel den Salon, in welchem sie teilweise dreissig Jahre gelebt und gearbeitet hatten, noch vor dem ordentlichen Pensionsalter verlassen. Sie hatten zuwenig Einkommen und konnten sich deshalb die hohe Miete für den Salon nicht mehr leisten. Sind die Sexarbeiter*innen alleine für ihren Lebensunterhalt zuständig, sind sie in der Regel vor dem ordentlichen Pensionsalter auf Unterstützung angewiesen. Wenn sie Sozialhilfe beziehen, wird vom Sozialdienst die Frühpensionierung eingeleitet. Dies ist das übliche Vorgehen bei Personen, bei denen nicht mehr davon ausgegangen wird, dass sie noch eine Erwerbsarbeit finden. Die Frühpensionierung führt dazu, dass die Sexarbeiter*innen 3. Personen aus Drittstaaten, tiefere AHV-Beiträge erhalten. Dies wiederum erschwert welche über kein Sozial- eine Rückkehr ins Heimatland, weil dann die AHV-Rückversicherungsabkommen mit vergütungsbeiträge 3 oder die Rente ohne zusätzliche der Schweiz verfügen, Ergänzungsleistungen 4 allenfalls nicht mehr reichen, um können sich unter bestimmten damit den Lebensunterhalt für weitere zwanzig Jahre zu Voraussetzungen die bestreiten. Klar ist – viele Sexarbeiter*innen durchleben unverzinsten AHV-Beiträge im Alter einen Kreislauf der finanziellen und sozialen Not. rückvergüten lassen. Da die Entstigmatisierung der Sexarbeiter*innen nicht in greifbarer Nähe ist, könnte ein spezifisches Altersheim 4. Personen mit Schweizerpass für Sexarbeiter*innen, wie es in Mexiko existiert, eine oder EU/EFTA Bürger*innen, Lösung sein. Damit die Sexarbeiter*innen würdevoll, sicher sowie Personen aus Ländern mit und ohne Ächtung altern können. einem Sozialversicherungsabkommen mit der Schweiz, können ihre AHV-Rente auch ausserhalb der Schweiz beziehen. Der Anspruch auf Hilflosenentschädigung oder Ergänzungsleistungen gilt jedoch nur für Personen, welche in der Schweiz wohnhaft sind.

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Zusätzliche Herausforderungen als Pensionierte Je nach Herkunft der Sexarbeiter*innen verfügen sie nur über wenig Sprachkenntnisse, können teilweise nicht (Deutsch) lesen und kennen das schweizerische System von AHV und Ergänzungsleistungen (EL) nicht. Ihre eigenen Eltern leben nicht in der Schweiz, so dass die Sexarbeiter*innen die Aspekte und Veränderungen, welche der Alterungsprozess mit sich bringt, auch nicht aus dem familiären Kontext kennen. Das bedeutet, dass es auch in Bezug auf die Alltagsgestaltung und Alltagsbewältigung Fragestellungen gibt, welche die Beraterinnen mit den Sexarbeiter*innen thematisieren. Beispiel Bankkonto: Da im Milieu das meiste mit Bargeld geregelt wird, ist es für einige Sexarbeiter*innen auf die Pensionierung hin das erste Mal, dass sie ein Bankkonto eröffnen müssen und so plötzlich Geld besitzen, das nicht physisch fassbar ist. Einige bekunden Mühe damit oder glauben nicht, dass das Geld tatsächlich für sie zur Verfügung steht und holen es dann gleich nach der Überweisung der Rente ab. Da dies teilweise zu Konflikten bei der Bezahlung von Daueraufträgen für Miete und Krankenkasse führt, richten die Beraterinnen mit einigen Sexarbeiter*innen zwei Konten ein: eines zur Begleichung der Fixkosten und eines mit dem Geld, über welches sie frei verfügen können. Die Beraterinnen thematisieren mit den Sexarbeiter*innen auch, wie sie sich gegenseitig unterstützen können. Dies ist zeitintensiv, geht es teilweise auch darum, das vorher über Jahre bestehende Konkurrenzverhältnis abzubauen sowie generell ein Verständnis und Wissen über den Alterungsprozess zu vermitteln. So muss beispielsweise erklärt werden, dass Vergesslichkeit im Alter nicht zwangsläufig mit Lügen oder böser Absicht gleichgestellt werden sollte, sondern ein Krankheit ist, die im Alter sehr oft auftritt. Sexarbeiter*innen, welche in ihrer Biografie traumatische Erlebnisse hatten und diese nie aufarbeiten konnten, sind zum Zeitpunkt der Pensionierung zusätzlich verletzlich: Das gewohnte Umfeld, in welchem sie sich über Jahre bewegt haben und in welchem sie ihre (Über-)Lebensstrategien entwickelt haben, verschwindet mit dem Umzug und mit dem Wegfall der Erwerbsarbeit und den damit verbundenen alltäglich wiederkehrenden Alltagsritualen, welche Stabilität vermitteln können. Hier gilt es zusammen mit den Klient*innen neue Alltagsstrategien aufzubauen, welche ihnen das Funktionieren im Alltag ermöglichen. Die Begleitung und Beratung von Sexarbeiter*innen im Alter ist für die Beraterinnen von XENIA eine Herausforderung und in vielen Bereichen Neuland. Mit den Erfahrungen der letzten Jahre sowie durch den Austausch mit spezialisierten Fachpersonen und einer noch älteren Generation Sexarbeiter*innen konnte ein grosser Wissensfundus zusammengetragen werden. XENIA wird die Entwicklungen und die Problematik in den nächsten paar Jahren genau beobachten, analysieren und Lösungen suchen.

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« Ich weiss nicht, was ich für Wünsche habe. Ich möchte nach Thailand in die Ferien. »

Ich vergesse viel und verstehe nicht alles. Das ist schwierig.

« Mit der AHV habe ich keine Probleme mehr wegen dem Geld. »

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Die Finanzen der Fachstelle und des Vereins Jahresrechnung 2017 in CHF Bilanz Aktiven

31.12.2017

31.12.2016

Flüssige Mittel

176540.84

154'534.79

Forderungen und Rechnungsabgrenzung

13'520.60

12'553.55

Einrichtungen

22'700.00

8'300.00

Total

212'761.44

175'388.34

31.12.2017

31.12.2016

21'923.40

12'720.75

7'099.55

6'105.90

Bilanz Passiven Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzung Nothilfefonds Reserve aus Überdeckung

1.00

Kapital

156'561.69

Jahresergebnis Total Erfolgsrechnung

143'728.49

27'175.80

12'833.20

212'761.44

175'388.34

01. – 12.2017

Budget 2017

01. – 12.2016

401'930.00

401'930.00

398'740.00

Spenden

20'343.75

10'000.00

18'218.90

Mitgliederfonds AHS

16'000.00

10'000.00

16'000.00

Subvention Kanton Bern

Beiträge Stiftungen Projekt 16'000.00

0.00

Mitgliederbeiträge

Deutschkurs und Wen-Do

2'100.00

3'000.00

2'640.00

Vermietungen

5'106.00

3'000.00

5'717.50

Übrige Erträge

1'790.00

600.00

890.00

-377'793.60

-378‘508.64

-375'082.35

-13'483.15

-15'000.00

-12'803.00

-1'146.80

-2'200.00

-1'094.05

-528.95

-527.70

-523.15

-1'257.65

-2'000.00

-1'507.05

Personalaufwand Miete Unterhalt, Reparaturen, Ersatz Sachversicherungen Elektrizität Verwaltung und Informatik

-28'112.75

-32'100.00

-28'061.15

PR

-3'163.00

-4'500.00

-2'981.20

Übriger Aufwand

-2'103.90 -268.95

-200.00

-443.90

-8'236.80

-8'260.00

-8'293.05

1.60

0.00

1'415.70

27'175.80

-14'766.34

12'833.20

Finanzerfolg Abschreibungen Ausserordentliches Jahresergebnis

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0.00


Spender*innen, Gönner*innen und Unterstützer*innen 2017 Auch in diesem Jahr haben uns Privatpersonen, Organisationen und Institutionen mit finanziellen Beiträgen oder Sachleistungen unterstützt. Die Beiträge werden für den Nothilfefonds, temporäre Stellenaufstockungen oder Projekte, die direkt den Sexarbeiter*innen zugute kommen, verwendet. Das XENIAVernetzungsapéro, das alle zwei Jahre stattfindet, wird durch zweckgebundene Spenden finanziert. XENIA dankt an dieser Stelle ganz besonders den langjährigen und engagierten Unterstützer*innen, welche uns ehrenamtlich und unkompliziert mit Wissen helfen und auch mal mit anpacken. Ein herzlicher Dank allen Spender*innen, Gönner*innen, Unterstützer*innen und Freiwilligen!

Beiträge über CHF 100 Abt Anneros, Biel Ammann Peter, Bern Bärtschi Jürg, Aarwangen Blarer Thomas, Wabern Durrer-Bosshard Dominik, Bern Esseiva Claudine, Bern Hahnloser Bettina, Bern Hänni Ottilia, Bern Heberlein Katja, Grafenried Heiz Therese, Thun Keller Regula, Bern König Adrian, Gümligen Lüscher Jeanne, Zweisimmen Messerli Maya, Bern Mühlemann-Aellen Hans-R. und Liselotte, Kehrsatz Nietlispach Jürg, Luzern Ritschard Barbara, Bern Scheidegger Michèle, Bern Schnyder Franziska, Bern Schlueter Beul Werner, Bern Stucki-Junker Franziska und Stefan, Bern Thomet Franziska, Bern

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« Ich weiss nicht, wie ich selber Rechnungen bezahlen kann. Ich bin froh um die Hilfe von XENIA, sie helfen mir. »

Aids-Hilfe Schweiz Gesamtkirchgemeinde Bern Kirchgemeinde Burgdorf Kirchgemeinde Hilterfingen Kirchgemeinde Jegenstorf Kirchgemeinde Kehrsatz Reformierter Fürsorgefonds, Kerzers Kirchgemeinde Kirchberg Kirchgemeinde Kirchlindach Kirchgemeinde Köniz Kirchgemeinde Münchenbuchsee Kirchgemeinde Münsingen Kirchgemeinde Muri Kirchgemeinde Ostermundigen Kirchgemeinde Petrus, Bern Kirchgemeinde Thun Kirchgemeinde Vechigen Kirchgemeinde Wohlen Metron AG, Bern Sozialkommission Stadt Nidau Herzlichen Dank der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, welche XENIA subventioniert.

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Vorstand und Personal Vorstand Eva Hauser, Präsidentin Miriam Schwarz, Vizepräsidentin Corinne Seebeck-Scheidegger, Aktuariat Maria Schultheiss, Recht Meret Schindler, Politische Arbeit Kanton Myriam Stucki, Öffentlichkeitsarbeit

« Mir ist langweilig. Dann gehe ich spazieren. » Stellenleiterin Christa Ammann Beraterinnen der Fachstelle Martha Wigger Jacqueline Suter Radka Pfund Sujaree Junbua Flück Mediatorinnen des Gesundheitsförderungsund Aidspräventionsangebotes Mathilde Bürgin-Ndo Paulina Estremadoyro Tatjana Kunz Olga Vasiliuc Raumpflegerin Tukkata Srisomchai Impressum Jahresbericht Redaktion: Fachstelle und Verein Sexarbeit XENIA Illustrationen: Serafine Frey Gestaltung: Andrea Stebler Druck: Basisdruck Bern

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Jahresrückblick der Fachstelle Deutsch- und Wen-Do-Kurs für Sexarbeiter*innen – Projekteingabe bewilligt

Besteuerung an der Quelle In diesem Jahr hat die Steuerverwaltung des Kantons Bern mit der flächendeckenden Umsetzung des «Merkblatts Q11» begonnen. Es sollen sämtliche Sexarbeiter*innen im Kanton Bern, welche nicht über einen Schweizer Pass oder eine Niederlassungsbewilligung verfügen und die in einem Etablissement mit Betriebsbewilligung nach Prostitutionsgewerbegesetz arbeiten, ungeachtet von ihren tatsächlichen Arbeitsbedingungen an der Quelle besteuert werden. XENIA kritisiert dieses Vorgehen auf Schärfste, denn dies ist eine Ungleichbehandlung eines einzelnen Gewerbes und steht der gängigen Praxis der Einzelfallbeurteilung diametral entgegen. Die Steuerverwaltung hat im November 2017 Betreiber*innen von Etablissements darüber informiert, dass sie rückwirkend auf den ersten Januar 2017 quellensteuerpflichtig sein sollen. Vorgeschlagen wird für sämtliche Personen, wo der Umsatz nicht eindeutig ermittelt werden kann, eine Steuerpauschale von 25 Franken pro Kalendertag. Dies sei 'so üblich', ein Tagesumsatz von 250 Franken wird ohne vorhandene Datengrundlage angenommen. In der Praxis sind die Einkommen der Sexarbeiter*innen aber sehr unterschiedlich. Es gibt Sexarbeiter*innen, welche hohe Einkommen erzielen, aber auch solche, welche sich verschulden, weil das Geschäft nicht gut läuft. Auch gibt es starke Schwankungen zwischen einzelnen Tagen. Konkret heisst der Vorschlag der Tagespauschale, dass Sexarbeiter*innen auch an Tagen,

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Fachstelle

An der ersten Retraite im Jahr hat sich das Beraterinnenteam mit der Frage auseinandergesetzt, welche Projekte für Sexarbeiter*innen sinnvoll und wichtig sein könnten. Das Team einigte sich auf die Idee, in drei verschiedenen Regionen des Kantons Deutsch- und Wen-Do-Kurse für Sexarbeiter*innen anzubieten. Die Deutschkurse sollen sich insbesondere auf berufsrelevante Sprachkenntnisse fokussieren und so die Sexarbeiter*innen in ihrer professionellen Rolle stärken. Damit können sie gegenüber Kunden verhandlungssicher auftreten. Wen-Do wiederum ist eine körperliche und verbale Selbstverteidigung, welche speziell von Frauen für Frauen entwickelt wurde. Die Kurse werden durch eine professionelle Wen-Do-Lehrerin an den Arbeitsorten der Sexarbeiter*innen angeboten. Das Projekt konnte dank Beiträgen von Stiftungen und dem Bundesamt für Polizei fedpol gesichert werden. Wir freuen uns, im 2018 mit den Kursen starten zu können.


an denen sie keine Kundschaft haben, neben den Fixkosten 25 Franken an Steuern an die Betreiber*innen abgeben müssen. Das kann für sie am Ende eines Tages ohne Kundschaft insgesamt ein Minus von 200 Franken und mehr bedeuten und verschlechtert so ihre Lebens- und Arbeitssituation nochmals deutlich. XENIA kritisiert dieses Vorgehen und fordert die Gleichbehandlung mit anderen Gewerben. XENIA ist der Meinung, dass es Klarheit bezüglich der Rechtssprechung in diesem Bereich braucht und wird Sexarbeiter*innen und Betreiber*innen, welche sich dafür einsetzen, nach Möglichkeiten unterstützen.

Fachstelle

Neue Klientinnensoftware Um die Dokumentation der erbrachten Leistungen gegenüber Kanton, Spender*innen, Vereinsmitgliedern und weiteren Anspruchsgruppen zu professionalisieren wurde eine neue Software installiert. Die Umstellung hat zu Beginn einen Mehraufwand bei der Erfassung verursacht, bis Ende Jahr ist die Nutzung der Software jedoch alltäglich geworden. Vernetzungsapéro Am 21. Juni, dem längsten und wohl sonnigsten Tag im Jahr, traf man sich am XENIA-Vernetzungsapéro. Wieder fand ein reger, interessanter und entspannter Austausch zwischen XENIA und den involvierten Fachpersonen, Sexarbeiter*innen und Unterstützer*innen des Vereins statt. Herzlichen Dank den Sponsor*innen, die uns diesen Anlass ermöglichen und auch Ottilia Hänni, welche uns jedes Jahr bei der Suche der Sponsor*innen ehrenamtlich unterstützt. 20-jähriges Jubiläum von Jacqueline Suter Jacqueline hat 2017 ihr 20-jähriges Jubiläum als Mitarbeiterin von XENIA gefeiert. Wir danken Jacqueline für ihren unermüdlichen Einsatz als Beraterin für die Sexarbeiter*innen und als Angebotsleiterin des Gesundheits- und HIV-/ STI-Präventionsangebotes von XENIA.

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Öffentlichkeitsarbeit: Erneut grosse Nachfrage 2017 wurde erneut viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet. In den Medien war unter anderem die vom Regierungsrat im Rahmen des Entlastungspakets geplante Änderung des Prostitutionsgewerbegesetzes ein wichtiges Thema: Die Bewilligungspflicht hätte gestrichen werden sollen. XENIA hätte diese Streichung begrüsst, da die Bewilligungspflicht bisher nicht zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Sexarbeiter*innen geführt hat. Die Änderung wurde jedoch vom Grossen Rat im Rahmen der Budgetdebatte abgelehnt. Es bleibt also alles wie bisher. Workshops, Vorträge und Facharbeiten

Fachstelle

XENIA hat auf Nachfrage sechs Workshops und Vorträge gehalten und zahlreiche Student*innen und Schüler*innen in ihren Arbeiten über Sexarbeit begleitet. Sehr erfreut ist XENIA darüber, dass das Thema Sexarbeit auch an den Fachhochschulen für Soziale Arbeit in die Bachelorausbildung aufgenommen wird. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema erscheint uns hier besonders wichtig – Fachwissen vermindert das Risiko, dass Professionelle im Kontakt mit Sexarbeiter*innen aufgrund von Vorurteilen Entscheidungen fällen oder Beratungen durchführen, welche für die Betroffenen weitreichende Konsequenzen haben können. Die Stellenleiterin von XENIA hat 2017 sowohl an der Berner Fachhochschule für Soziale Arbeit als auch an der Hochschule für Soziale Arbeit in Siders vier respektive acht Lektionen zum Thema unterrichtet. Meeting mit einer Delegation aus Osteuropa

Im November war eine Delegation von Nichtregierungsorganisationen und Behörden aus Moldawien, der Ukraine und Bulgarien zu Besuch in Bern. Die Delegation wurde auch von XENIA willkommen geheissen. Der Austausch mit den Fachpersonen aus den osteuropäischen Ländern war sehr interessant. Die Delegation wusste zu schätzen, dass die russischsprechende Mitarbeiterin von XENIA auch anwesend war, so dass ein direkter AusÖffentlichkeitsarbeit tausch möglich war. Klar wurde, wie unterschiedlich die Student*innen und Lernende: 18 Realitäten in den verschiedenen Ländern sind. Erstaunt waren einzelne Delegationsteilnehmer*innen darüber, Medien: 11 Politiker*innen: 7 dass Sexarbeit in der Schweiz ein legales Gewerbe ist. NGOs/Behörden: 7 Podien/Referate/MK: 6 Privatpersonen: 1 Absagen: 30

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Statistische Angaben zu den Beratungen: Deutlich weniger Sexarbeiter*innen aus Drittstaaten

Fachstelle

Die diesjährige Statistik weist eine Zunahme der Falleröffnungen auf, weil neu bereits Beratungen ab 30 Minuten in diese Rubrik fallen. Bis letztes Jahr konnten nur Beratungen ab drei Stunden zu einer Falleröffnung führen. Die Änderung der Kennzahl ist auf ein Pilotprojekt der Gesundheits- und Fürsorgedirektion zurückzuführen. Man wollte zwischen unterschiedlichen Institutionen einheitliche Kennzahlen einführen betreffend kurzen und langen Beratungen. Das Projekt wurde nun zwar vorerst auf Eis gelegt, die Erfassung bei XENIA jedoch ist nun entsprechend angepasst und wird auch im kommenden Jahr so weitergeführt. Die Anzahl Klient*innen ohne Falleröffnung ist zurückgegangen, weil wegen dem früheren Zeitpunkt der Falleröffnung im Vergleich zum Vorjahr Mehrfachnennungen entfallen. Ein weiterer Grund waren mehrere zeitintensive Fälle: Drei Klient*innen haben aufgrund der Komplexität ihrer Problemstellungen überdurchschnittlich viel Zeit in Anspruch genommen. Der Aufwand hat sich jedoch gelohnt, sind all diese Klient*innen nun in besseren und stabileren Verhältnissen. Klar ersichtlich ist die kontinuierliche Abnahme von Personen aus Drittstaaten. Die Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts und die stark eingeschränkte Möglichkeit, dass Personen aus Drittstaaten legal in der Schweiz arbeiten können, haben vermutlich im Zusammenspiel mit den vielen Kontrollen durch die Polizei zu einem Rückgang und einer Verdrängung geführt. Eine deutliche Zunahme stellen wir bei Sexarbeiter*innen fest, welche zwischen 18- und 20-jährig sind. Obwohl weniger Kontakte stattfanden (1280 gegenüber 1506 im Vorjahr), hat sich die Anzahl Sexarbeiter*innen in dieser Altersgruppe verdoppelt. Ob die Verschiebung der Anzahl Sexarbeiter*innen pro Altersgruppe hin zu einer Verjüngung stabil bleiben wird oder ob es sich um eine Ausnahme handelt, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen. Im Jahr 2017 betrafen die meisten Anfragen auf der Beratung die Bereiche Finanzen, Arbeit und Gesundheit (Aids, Geschlechtskrankheiten), Recht, Familie und Wohnen.

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Anzahl Kontakte mit Falleröffnung Anzahl Sexarbeitende

Anzahl Kontakte ohne Falleröffnung 2016

159

129

74

47

2017

2016

112

93

Bern-Mittelland

23

15

Oberland

261

274

6

2

Emmental-Oberaargau

134

140

17

19

Seeland

249

299

1

0

24

29

Alter

2017

2016

Alter

2017

2016

bis 20

0

0

bis 20

22

10

20 – 29

22

14

20 – 29

415

439

30 – 39

38

48

30 – 39

352

439

über 40

39

59

über 40

143

267

unbekannt

24

8

unbekannt

310

351

50 +

36

davon neue Verwaltungsregionen Bern-Mittelland Oberland Emmental-Oberaargau Seeland Berner-Jura

Nationalität

Anzahl Sexarbeitende

2017

2016

Sexarbeitende o. F. e.

1330

1506

Verwaltungsregionen

2017

2016

662

764

Berner-Jura

50 +

2017

2016

19

17

CH/Osteuropa

1

3

CH/Osteuropa

CH/Afrika

5

7

CH/Afrika

CH/Asien

15

17

2

2

CH

CH/Südamerika CH/EU

Nationalität CH

88 2017

2016

84

103

6

5

11

48

CH/Asien

47

58

CH/Südamerika

20

29

9

0

31

3

Ausländerin EU

61

32

Ausländerin EU

CH/EU

841

834

Ausländerin*

47

51

Ausländerin*

290

426

* Sexarbeiter*innen mit einem ausländischen Pass, ohne EU-BürgerInnen

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Fachstelle

2017

Sexarbeitende m. F. e.


Gesundheitsförderungsund Aidspräventionsangebot – Schwerpunkt Verhütung Paulina, Tatjana, Olga und Mathilde arbeiten als Mediatorinnen im Gesundheits- und Aidspräventionsangebot bei XENIA. Ziel dieses Angebotes ist es, die Sexarbeiter*innen über HIV/Aids, sexuell übertragbare Krankheiten, VCT (Voluntary Counselling and Testing), Gesundheitsrisiken und Schwangerschaftsverhütung aber auch über rechtlichen Themen zu informieren. Im vergangenen Jahr erreichten die Mediatorinnen durch ihre regelmässigen Besuche 3030 Personen aus unterschiedlichen Ländern und an verschiedenen Arbeitsorten.

Fachstelle

Welche Verhütungsmethode ist für mich die richtige? Die Beraterinnen von XENIA haben festgestellt, dass je nach Alter und Herkunft der Wissens- und Informationsstand zum Thema Schwangerschaftsverhütung sehr unterschiedlich ist. Um Wissens- und Informationslücken gezielt schliessen zu können, wurde für 2017 das Schwerpunktthema «Schwangerschaftsverhütung» definiert. Um das eigene Wissen wieder aufzufrischen und über neuere Entwicklungen Bescheid zu wissen, besuchten die Mediatorinnen bei der Familienplanungsstelle des Inselspitals eine Weiterbildung. Zusätzlich wurde eine Dokumentationsmappe zum Thema zusammengestellt. Neben dem Themenschwerpunkt stand selbstverständlich die Aufklärung vor sexuellen Krankheiten im Vordergrund – die Sexarbeiter*innen müssen zwingend wissen, dass immer noch nur Kondome sie vor Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.

« Ich bin immer alleine. »

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Herkunft

Bern-

Oberland

Mittelland Osteuropa Afrika Asien

Emmental-

Seeland

Oberaargau

Berner-

Total

Jura

12

26

0

10

0

48

339

102

1

294

0

736

87

36

2

49

0

174

LateinAmerika

167

165

11

136

0

479

EU / EFTA

125

453

514

71

408

9

Schweiz

16

52

6

51

0

13

Andere

3

4

0

6

0

19

1'077

899

91

954

9

3'030

Total Arbeitsort Salon

3

58

0

3

0

64

746

612

27

527

0

1'912

Nachtclub

116

72

0

97

0

285

Bar-Sauna-Club

123

132

64

263

9

591

Privat

30

17

0

39

0

86

Weitere Orte

59

8

0

25

0

92

1'077

899

91

954

9

3'030

Materialabgabe *

0

0

0

0

1. Kontakt / Neu

557

493

62

584

Total

Fachstelle

Strassenstrich

0 9

1'705

* Anzahl Sexarbeitende, mit denen kein Gespräch stattgefunden hat, die aber Informationsmaterial zu Gesundheitsförderung und Aidsprävention erhalten haben.

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Engagieren Sie sich für einen guten Zweck Für nur 50 Franken im Jahr treten Sie als Privatperson dem Verein XENIA bei. Selbstverständlich freuen wir uns über Gönnerbeiträge. Bestimmen Sie Ihre Spendensumme selbst. Für jeden Betrag bedanken wir uns herzlich. PC 30-37914-2.

Anmeldung als Vereinsmitglied Privatperson Juristische Person Institution Name / Vorname Adresse PLZ / Ort Talon ausschneiden und senden an XENIA, Langmauerweg 1, 3011 Bern. Sie können sich auch via Mail anmelden: info@xeniabern.ch. Besten Dank!

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Bericht aus dem Vorstand – Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Dokumente Das grösste Vorhaben des Vorstands im Jahr 2017 war – neben der Unterstützung der Stellenleitung bei der Eingabe der Projekte Deutschkurs und WenDo – die Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Grundlagendokumente des Vereins XENIA.

Seit der Gründung der Fachstelle ist viel passiert: Der Verein XENIA ist seit 2010 nicht mehr nur für die Sexarbeiter*innen der Stadt Bern, sondern für jene des gesamten Kantons Bern zuständig. Die Fachstelle wuchs von anfangs zwei auf heute insgesamt neun Arbeitnehmerinnen: vier Mitarbeiterinnen im Beratungsangebot, vier Mitarbeiterinnen im Gesundheitsförderungsangebot und die Stellenleiterin. In den vergangenen 20 Jahren sind die Arbeitsverträge der Arbeitnehmerinnen zwar verschiedentlich rechtlich überarbeitet und angepasst worden. Trotzdem waren einige das Arbeitsverhältnis betreffende Punkte veraltet oder nicht systematisch verschriftlicht. Der Vorstand hat sich deshalb vorgenommen, die arbeitsrechtlichen Grundlagendokumente einer grundsätzlichen Prüfung zu unterziehen. Das Vorhaben begann mit umfangreichen Abklärungen: Der Vorstand hat Vorstandsbeschlüsse der vergangenen Jahre betreffend Spesen, Pausenzeiten usw. zusammengetragen, den rechtlichen Handlungsrahmen abgeklärt und sein Selbstverständnis als Arbeitgeber diskutiert. Die Stellenleiterin legte dem Vorstand dar, welche Themen und Bedürfnisse nach ihrer Erfahrung aus dem Alltag der Fachstelle einheitlich verschriftlicht werden müssen. In zwei Feedbackrunden wurden Rückmeldungen der Mitarbeiterinnen entgegengenommen und verarbeitet. Schliesslich konnte der Vorstand ein umfassendes Personalreglement genehmigen, welches die allgemeinen Anstellungsbedingungen zwischen dem Verein XENIA und den beim Verein angestellten Arbeitnehmenden transparent und einheitlich regelt. Daneben wurden die spezifischen Modalitäten zu den Arbeitszeiten und den Spesen in zwei separaten Reglementen festgehalten.

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Verein

Der Vorstand beschäftigt sich nämlich nicht nur mit der strategischen Ausrichtung und der Weiterentwicklung des Vereins, sondern ist auch Arbeitgeber der Mitarbeiterinnen der Fachstelle Sexarbeit und des Gesundheitsförderungsangebots. Dieser Verantwortung und Herausforderung waren sich schon die Vorstandsfrauen, welche zu den Anfängen der Fachstelle im Amt waren, bewusst. Im Jahresbericht von 1988 schreiben sie dazu: «Für die Vereinsfrauen bedeutete der Start der langersehnten Beratungsstelle, dass wir uns in der neuen Rolle als Arbeitgeberinnen zurecht finden mussten: Kompetenzen klären, Unterstützungsund Kontrollfunktionen übernehmen.»


Bei diesen Arbeiten hat uns Fürsprecher Gerhard Hauser ganz massgeblich unterstützt. Er hat die Entwürfe des Vorstands mit seiner langjährigen arbeitsrechtlichen Expertise geprüft und uns beraten, wie der Verein seine Arbeitgeberfunktion kooperativ, fair und sozial wahrnehmen kann. Wir danken ihm und seinem Team ganz herzlich für diese riesige Hilfe. Die Einführung dieser neuen arbeitsrechtlichen Dokumente, die auch gewisse inhaltliche Änderungen der Arbeitsbedingungen beinhalten, bedeutete eine Änderung der Arbeitsverträge zwischen dem Verein XENIA und seinen Arbeitnehmerinnen. Der Verein freut sich sehr, dass alle Arbeitsverhältnisse unter den neuen Arbeitsbedingungen nahtlos weitergeführt werden konnten.

Verein

Unsere neue Vorstandsfrau Meret Schindler stellt sich vor Ich bin seit 2014 Grossrätin und in der Sicherheitskommission. Seit 2017 bin ich ebenfalls Ersatzmitglied der Gesundheits- und Sozialkommission des Grossen Rates. Es ist mir ein Anliegen, dass Frauen überall zu ihren Rechten kommen und da deckt XENIA einen Bereich ab, der in der Öffentlichkeit gerne vergessen geht. Es geht nicht darum Frauen zu kriminalisieren oder als störend im Quartier wahrzunehmen, sondern zu schauen, wo Arbeitsbedingungen herrschen, die angemessen sind und dort, wo es nicht klappt, Verbesserungsvorschläge zu bieten.

« Es kommt nicht mehr jeden Tag ein Chef und verlangt Geld. Das ist schön. »

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« Ich schaue jeden Tag thailändische DVD und höre alte Musik von Thailand. Besuch habe ich nie. »

« Alles ist gut in meiner neuen Wohnung. Ich kann sehr gut schlafen. »

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XENIA Fachstelle Sexarbeit

Profile for XENIA, Fachstelle Sexarbeit, Bern

Jahresbericht 2017  

Jahresbericht 2017  

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