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Jahresbericht 2018


XENIA in neuem Kleid und in neuen Sprachen In diesem Jahr wird XENIA 35-jährig. Wir haben das Jubiläum zum Anlass genommen, den Auftritt von XENIA zu überarbeiten. Den ersten optischen Eindruck davon erhaltet ihr mit dem vorliegenden Jahresbericht 2018. Aber nicht nur optisch hat XENIA ein neuer Auftritt: Die Visiten­ karten mit dem Beratungsangebot wurden in zusätzliche Sprachen übersetzt und auch der Webauftritt zeigt sich neu in vierzehn Sprachen – schauen Sie rein: www.xeniabern.ch

Inhaltsverzeichnis 03 Editorial 04 «Im Moment räumen wir den Keller auf» – Gespräch mit Mutter und Tochter, die beide in der Sexarbeit tätig sind 09 Die Finanzen der Fachstelle und des Vereins 10 Spendenverdankung 12 Personal 14 17 18 20

Die Fachstelle Jahresrückblick der Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit: Erneut grosse Nachfrage Beratungen – deutliche Zunahme von Kurzberatungen Gesundheitsförderungs- und HIV-/STI-Präventions­angebot – Hohe Mobilität der Sexarbeiter*innen als neue Herausforderung

Der Verein 22 Bericht aus dem Vorstand – XENIA plant die nächsten Jahre

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Lieber Leser*innen Das Milieu und auch die Sexarbeiter*innen haben die Eigenschaft, sich immer wieder den gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. Das bedeutet, dass auch XENIA diese Eigenschaft kultivieren muss, um den Kontakt zum Milieu und den Sexarbeiter*innen zu behalten. Gleichzeitig wollen wir Kontinuität und Zuverlässigkeit sicherstellen, um eine solide Basis anbieten zu können, um Kontakte zu knüpfen und bei Bedarf professionell beraten zu können. XENIA hat die vergangenen 35 Jahre stets zielorientiert aber auch sehr agil gearbeitet. 2018 hat XENIA einen Strategieplanungsprozess gestartet: Vorstand und Mitarbeiterinnen haben sich intensiv mit der Frage auseinander­ gesetzt, ob und inwiefern die Angebote der Fachstelle angepasst oder erweitert werden müssen und ob es allenfalls auch Bereiche gibt, auf die verzichtet werden kann. Schon seit langem in der Schweiz und als Sexarbeiterin tätig ist «Laura». Die Fachstelle lernte sie und ihre Tochter «Katy» vor mehreren Jahren bei der aufsuchenden Arbeit kennen. Sie arbeiten zusammen in einem Studio. Der freie Journalist Timo Kollbrunner führte mit ihnen für unseren Jahresbericht ein Gespräch über ihre Arbeit, ihre Familie und das alltägliche Versteckspiel. Im laufenden Jahr sind Sie herzlich eingeladen mit uns unser 35-jähriges Jubiläum zu feiern: «Traumgirl» – eine Neuauflage und ein Gegenstück zu Daniel Hellmanns Solo-Performance «Traumboy» über männliche Prostitution – wird im Rahmen des Jubiläums vom Verein XENIA im Schlachthaus­ theater Bern gezeigt. Zusammen mit XENIA kann sich das Publikum vom 19. – 23. November 2019 mit Sexarbeit und Zuschreibungen aufgrund von Gender, Stigma, Fiktion und Realität auseinandersetzen. Zusammen mit einzelnen Kirchgemeinden wird XENIA im Jubiläumsjahr auch Anlässe rund um den «internationalen Hurentag» organisieren, der seinen Ursprung in einer Kirchenbesetzung in Lyon an einem 2. Juni in den 70er Jahren hat. Wir freuen uns über bekannte und neue Gesichter an einem oder mehreren dieser Anlässe! Wir möchten an dieser Stelle ganz herzlich für Ihre Treue und Unterstützung danken! Viel Lesevergnügen wünscht Eva Hauser Präsidentin Verein Xenia Fachstelle Sexarbeit

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or mehreren Jahren lernte XENIA «Laura» und «Katy»1 bei der aufsuchenden Arbeit kennen. Beide nehmen regelmässig das Beratungsangebot von XENIA in Anspruch. Laura, um Unterstützung bei finanziellen und gesundheitlichen Fragestellungen zu erhalten. Zu Beginn der Beratungen steckte Laura aufgrund ihrer hohen Verschuldung den Kopf in den Sand: Sie öffnete die Post nicht mehr aus Angst vor weiteren Rechnungen. Durch die Beratungen von XENIA ist es Laura gelungen, eine Neuverschuldung zu verhindern. Sie öffnet ihre Post auch wieder und meldet sich bei XENIA, um einen Termin abzumachen, wenn sie einen Brief bekommt, den sie nicht versteht. Katy hatte zu Beginn der Beratungen bei XENIA Fragen zu ihrer Scheidung, zu Möglichkeiten Deutsch zu lernen, brauchte Unterstützung, um alle Dokumente für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zusammenzustellen. Katy lernte bei XENIA eine einfache Buchhaltung zu führen und hat deutliche Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht, so dass sie nun einen Berufswechsel ins Auge fasst. Katy und ihre Mutter Laura arbeiten im selben Salon. XENIA hat Katy und Laura nie zusammen beraten, da sie trotz der Zusammenarbeit im Salon das Recht auf persönliche Beratung ohne Anwesenheit von Familienangehörigen haben sollen. Bei der aufsuchenden Arbeit hat XENIA die beiden dann wieder zusammen getroffen und beide haben manchmal Anekdoten erzählt, welche die andere betrafen. So entstand auch die Idee, die beiden zu einem gemeinsamen Gespräch über ihre Arbeit einzuladen. Wie ist es, mit der eigenen Mutter beziehungsweise der eigenen Tochter zu arbeiten? Macht es einen Unterschied, dass sie beide Sexarbeiter*innen sind? Und was ist stinknormaler Familienalltag? Lest dazu den Artikel von Timo Kollbrunner auf den folgenden Seiten. 1. Fiktive Namen

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«Im Moment räumen wir den Keller auf» Laura wäre gerne Lehrerin geworden – doch das Leben wollte es anders. Vor zehn Jahren begann sie in einer Stadt im Kanton Bern in einem Bordell zu arbeiten. Monat für Monat schickte sie Geld in ihre Heimat, um ihrer Tochter Katy einen weniger beschwerlichen Lebensweg zu ermöglichen. Heute arbeitet die Tochter im gleichen Studio wie die Mutter. Ein Gespräch über enttäuschte und lebendige Hoffnungen, über ständige Versteckspiele, mühsame Kunden und den Alltag einer Familie in der Fremde. Von Timo Kollbrunner

«Katy» sagt die Tochter, solle man sie hier nennen. «Laura» wünscht sich die Mutter als Name. Katy ist etwas über dreissig Jahre alt, Laura Mitte fünfzig, schätzen würde man sie beide deutlich jünger. Katy beschränkt ihre Antworten in den ersten Minuten grösstenteils auf «Ja» und «Nein», Laura dagegen hat offensichtlich Lust, zu erzählen. Sie spricht laut und schnell und im Verlaufe des Gesprächs immer ausschweifender, so dass ihre Tochter, die sich selbst mit der Zeit sichtlich wohler fühlt, ihrer Mutter gegen das Ende hin das eine oder andere Mal ins Wort fallen wird. «Mami, rede nicht so viel», wird sie sagen, «Mami, antworte auf die Frage, wir haben nicht ewig Zeit». Gut 25 Jahre ist es her, dass Laura zum ersten Mal in die Schweiz kam. In ihrem Heimatland in der Karibik hatte sie einen Schweizer kennen gelernt, hatte ihn geheiratet und war mit ihm hierhin gezogen. Mit ihrem zweiten Mann bekam sie einige Jahre später einen Sohn, ein paar Jahre nach der Geburt starb dieser Mann. Laura war auf sich alleine gestellt, sie servierte, putzte oder nähte, schickte jeden Monat Geld in die Heimat, «300, 400, 500 Franken», sagt sie. Sie lebte mal hier und mal dort, mal hatte sie einen Job und mal keinen, zeitweise reichte das Geld gerade so, an anderen Tagen wusste sie nicht, wie sie die Miete bezahlen sollte. An einem dieser Tage, vor zehn Jahren etwa, ging sie zum ersten Mal mit einer Freundin mit. «Sie hatte mir gesagt, dass es kein einfacher Job ist», erzählt sie. «Dass es Momente gibt, in denen es einem nicht gut geht, und andere, in denen es besser geht. Zuerst wollte ich nicht. Aber irgendwann ging ich mit. Die ersten paar Mal sah ich einfach nur zu. Dann stürzte ich mich hinein.»

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«Dann machst du einfach» Zwei Jahre lang arbeitete Laura daraufhin den Tag hindurch in einem Coiffeur­salon und in der Nacht im Studio, morgens ging sie aus dem Haus, in der Nacht um eins war sie zurück, eine Kollegin schaute für etwas Taschengeld abends zum Sohn. Danach gefragt, wie diese Zeit gewesen sei, sagt sie: «Was soll ich sagen? Wenn du für eine Familie sorgen musst, überlegst du dir manchmal nicht mehr so viel, sondern machst einfach. Es war ein einziger Stress, von hier nach dort rennen und von dort nach hier. Und doch hat es nie wirklich gereicht. 1'300 Franken für die Miete, dann die Tagesschule und das Essen für den Kleinen, und du musst ja auch noch leben, Geld in die Heimat schicken. Es ist hart, es ist wirklich hart.» Während sich ihre Mutter in der Schweiz abstrampelte, wohnte Katy bei einem Familienmitglied in der karibischen Heimat. Laura, die selbst gerne Lehrerin geworden wäre, hoffte, dass ihre Tochter die Uni besuchen würde. «Ich wünschte mir, dass sie Ärztin werden würde.» Doch Katy wurde nicht Ärztin. Sie lernte - wie einige Jahre zuvor ihre Mutter - einen Mann kennen, der in der Schweiz lebte. Sie heiratete und zog mit ihm in die Schweiz. Es ging nicht lange gut. «Ich fand bald heraus, dass er trank, Drogen nahm, klaute», sagt Katy. «Es war ein einziges Drama. Ich habe es versucht und wieder versucht, aber es war ausweglos.» Katy liess sich scheiden und zog zu ihrer Mutter und ihrem Halbbruder, in eine fremden Stadt mit einer komplizierten Sprache. Sie belegte Deutschkurse und liess es dann wieder sein, wusste nicht, wie sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen sollte. Dann freundete sie sich mit einer Landsfrau an, die in der Sexarbeit tätig war. «Ich dachte mir, ok, ich schaue mir das an. Und dann haben wir begonnen, zusammen zu arbeiten. In den ersten Monaten habe ich es nur gemeinsam mit ihr gemacht. Mit Männern, die zwei Frauen wollten. Dann ging sie nach Spanien, und ich war allein.» Katy machte alleine weiter.

«Ich habe mich halt geschämt» Eine Zeit lang gelang es Katy, vor ihrer Mutter zu verbergen, dass sie nun Berufskolleginnen waren. Doch lange funktionierte das nicht. Zu lange blieb sie von zu Hause weg. Irgendwann rückt sie raus mit der Sprache. «Schwierig» sei dieser Moment gewesen, sagt Katy. «Ich habe mich halt geschämt. Und traurig war ich.» Und wie war es für die Mutter? Zum ersten Mal während dieses Gesprächs scheint Laura mit den Worten zu ringen, beginnt einen Satz, bricht ihn ab, sagt dann: «Sehr hart. Ich wollte doch, dass sie studiert. Und dann trifft sie diese Freundin und paff, ist es passiert. Ich wollte auf keinen Fall, dass sie 6


das auch macht. Dass sie durchmacht, was ich durchgemacht habe, verstehst du? Aber was willst du tun? Nichts kannst du tun. Sie ist erwachsen, sie kann machen, was sie will.»

«So läuft das» Seit einiger Zeit arbeiten Mutter und Tochter im selben Studio; manchmal gleichzeitig, aber nie gemeinsam. Katy ist von Montag bis Samstag praktisch durchgehend dort, Laura zu gewissen Zeiten. Das Schwierigste am Job sei, sagt Katy, dass sie damit nicht mehr verdienen könne. 4'000 Franken seien es in einem guten Monat, weniger als 2'000 in einem schlechten. In ihrem Fall sei es deutlich weniger, sagt die Mutter. «Es kommt vor, dass du ein, zwei Tage keinen Kunden hast. Dann sitzt du dort und schaust die Strasse an, aber die Studiomiete bezahlen musst du trotzdem. Aber das grösste Problem ist, dass die Preise im Keller sind.» Und natürlich gebe es auch immer wieder unangenehme Situationen in diesem Job, sagen beide. «Mühsam ist, wenn einer betrunken ist oder voll auf Koks. Oder die, die nicht gehen wollen. Wenn einer nur eine halbe Stunde bezahlt, aber länger braucht. Wenn er mir dann aggressiv kommt, dann viel Glück, den werfe ich raus, aber richtig.» Sie bevorzuge ältere Kunden. «Sie machen dich nicht kaputt, sondern möchten dich berühren, gestreichelt werden. Und sie bezahlen besser.» Ihre Mutter sagt, sie habe «schon fast alles erlebt». Etwa das: «Einer weigerte sich mal, zu gehen, als seine Zeit um war. Ich sagte ‹fertig›, er sagte ‹nein›, ich sagte ‹geh›, er sagte ‹nein›, hin und her. Am Schluss warf ich ihm all seine Kleider aus dem Fenster. Aus dem dritten Stock, mitten in der Stadt. Die musste er dann nackt zusammensuchen gehen. So läuft das.»

«Ein wunderbarer Tag» Es gebe aber auch Arbeitstage, nach denen sie ganz zufrieden nach Hause gehe, sagt Katy. Wenn sie etwa einen Kunden gehabt habe, der nicht mit ihr habe schlafen wollen, «der einfach nur kam um zu reden, einen Joint zu rauchen vielleicht, aber schön bezahlte. Das ist ein guter Tag. Ein wunderbarer Tag.» Und gibt es auch Momente bei der Arbeit, in denen sie selbst den Sex geniessen? «Das weniger», sagt Laura, «aber wenn du jemandem etwa eine schöne Massage gibst, und er Freude hat und gut bezahlt, bist du auch zufrieden.» Wenn der Kunde ein anziehender Mann sei, sagt die Tochter, «dann kann es schon sein, dass sich das Gefühl ändert, nach ein paar Minuten. Das kommt vor, klar, wir sind ja auch Menschen. Aber es ist selten. Es ist schon in erster Linie einfach ein Job. Du willst ihn gut machen, 7


damit die Männer wiederkommen. Aber an manchen Tagen fühlst du dich niedergeschlagen, hast negative Gedanken, und dann ist es schwierig.»

Das tägliche Versteckspiel Was die beide neben ihrer Arbeit teilen, ist das Schweigen über ihre Arbeit. Im Heimatland weiss niemand davon. Und auch hier in der Schweiz ist das Versteckspiel Alltag. Es hört nicht einmal hinter der eigenen Haustüre auf. Katys Halbbruder weiss nicht, womit sie ihr Geld verdienen. «Er hat vielleicht einen Verdacht» sagt Laura, «aber er hat mich nie darauf angesprochen.» «Also von mir weiss er es sicher nicht», sagt Katy, die ihrem Halbbruder erzählt, sie arbeite in einer anderen Stadt und sei deshalb so selten zu Hause. Man stellt sich das als einen Riesenstress vor, dieses Geheimnis sogar zu Hause stets wahren zu müssen. Was, wenn im falschen Moment ein Kunde anruft? «Wir haben zwei Handys, eines für die Arbeit, eines privat. Zuhause ist das Arbeitstelefon ausgeschaltet. Immer», sagt Katy. «Und er hat ja auch seine Geheimnisse, weisst du», sagt Laura. «Ich bin mir zum Beispiel sicher, dass er seit einiger Zeit eine Freundin hat. Aber er sagt es mir nicht.»

«Es ist ein anderes Leben» Ihr Familienmitglied oder die Verwandtschaft einzuweihen, können sich die beiden nicht vorstellen. Vielmehr wünschen sie sich, dass sich die Geheimniskrämerei irgendwann dadurch erübrigt, dass sie den Job nicht mehr machen. Sie gebe sich noch «maximal zwei Jahre», sagt die Mutter, dann wolle sie zurück in die Heimat. «Hier gibst du ja eh alles gleich wieder ab was du verdienst. Und kalt, so verdammt kalt ist es, mein Gott. Und all diese Regeln! Du darfst nicht zur falschen Zeit duschen, Radio hören. Wir haben eine andere Mentalität. Ich will nach Hause.» Und auch die Tochter möchte ihrem Leben eine neue Wende geben. Sie versucht derzeit, eine andere Verdienstmöglichkeit zu finden, am liebsten in einem Coiffeursalon, «das hätte ich immer gerne gemacht». Sollte das nicht klappen, sagt sie, gehe sie halt dann wieder ins Studio. «Aber das wäre eine Enttäuschung.» Seit drei Wochen ist Katy nun schon nicht mehr arbeiten gegangen. Schöne Wochen seien das gewesen, sagt Laura. Seit ihre Tochter viel häufiger zu Hause sei, habe auch sie viel weniger Kunden empfangen. «Ich wollte mit ihr sein. Es ist ein anderes Leben, wenn du mal ein paar Tage nicht dorthin musst, diesen Stress nicht hast. Dann hast du plötzlich Zeit für ganz normale Dinge. Im Moment räumen wir den Keller auf.» 8


Die Finanzen der Fachstelle und des Vereins Bilanz Aktiven Flüssige Mittel Forderungen und Rechnungsabgrenzung Einrichtungen Total

31.12.2018 31.12.2017 198'040.17 176'540.84 13'150.80 13'520.60 17'600.00 22'700.00 228'790.97 212'761.44

Bilanz Passiven 31.12.2018 31.12.2017 Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzung 26'571.20 21'923.40 Nothilfefonds 4'968.65 7'099.55 Reserve aus Überdeckung 1.00 1.00 Kapital 183'737.49 156'561.69 Jahresergebnis 13'512.63 27'175.80 Total 228'790.97 212'761.44 Erfolgsrechnung 01. – 12.2018 Budget 2018 01. – 12.2017 Subvention Kanton Bern 405'000.00 405'000.00 401'930.00 Spenden 21'709.20 15'000.00 20'343.75 Mitgliederfonds AHS 16'000.00 13'000.00 16'000.00 Beiträge Stiftungen Projekt Deutschkurs und WenDo 23'349.00 20'000.00 16'000.00 Mitgliederbeiträge 2'540.00 3'000.00 2'100.00 Vermietungen 4'984.00 5'000.00 5'106.00 Übrige Erträge 625.00 600.00 1'790.00 Personalaufwand -384'382.80 -401'185.00 -377'793.60 Davon Personalaufwand Deutschkurs- und WenDo -8'078.50 -13'000.00 Miete -13'506.70 -15'000.00 -13'483.15 Unterhalt, Reparaturen, Ersatz -1'149.00 -2'200.00 -1'146.80 Sachversicherungen -552.10 -527.70 -528.95 Elektrizität -1'580.45 -2'000.00 -1'257.65 Verwaltung und Informatik -28'476.45 -31'900.00 -28'112.75 PR -7'530.40 -4'000.00 -3'163.00 Übriger Aufwand -2'103.90 Finanzaufwand -327.17 -300.00 -268.95 Abschreibungen -7'812.15 -6'600.00 -8'236.80 Ausserordentliches 54.05 0.00 1.60 Deutschkurs und WenDo / Projektaufwand -15'431.40 -27'000.00 Jahresergebnis 13'512.63 -29'112.70 27'175.80

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Spender*innen, Gönner*innen und Unterstützer*innen 2018 Auch in diesem Jahr haben uns Privatpersonen, Organisationen und Institutionen mit finanziellen Beiträgen oder Sachleistungen unterstützt. So wurde beispielsweise ein grosser Teil der Übersetzungen für die Homepage in ehren­ amtlicher Arbeit oder für einen symbolischen Preis gemacht. Die Beiträge werden für den Nothilfefonds, temporäre Stellenaufstockungen oder Projekte, die direkt den Sexarbeiter*innen zu Gute kommen, verwendet. Ein herzlicher Dank allen Spender*innen, Gönner*innen und Unterstützer*innen! Beiträge ab CHF 100 Abt Anneros Ammann Peter Durrer-Bosshard Dominik Schmalz Marco Leuenberger Heinz König Adrian Buhler-Vonesch Monika Glutz von Blotzheim Barbara Blarer Thomas Matter Joy Olibet Edith Ritschard Barbara Scheidegger Michèlle Zeyno Altindal Rasheed Lina Bachmann Judith Schlüter Werner Einwohnergemeinde Lyssach Kirchgemeinde Kehrsatz Kirchgemeinde Jegenstorf-Urtenen Reformierter Fürsorgefonds, Kerzers Kirchgemeinde Muri-Gümligen 10


Kirchgemeinde Hilterfingen Kirchgemeinde Bümpliz Kirchgemeinde Vechigen AKuT Thun Restaurant Mühlistübli Kirchgemeinde Köniz Kirchgemeinde Petrus, Bern Kirchgemeinde Kirchberg Kirchgemeinde Münchenbuchsee Kirchgemeinde Münsingen Kirchgemeinde Wohlen Kirchgemeinde Thun Kirchgemeinde Kirchlindach Kirchgemeinde Ostermundigen Sozialkommission der Stadt Nidau Kirchgemeinde Burgdorf Sisters of Comedy, Bern Herzlichen Dank der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, welche XENIA über einen Leistungsvertrag subventioniert sowie der Aidshilfe Schweiz, welche XENIA mit einem jährlichen Unterstützungsbeitrag für die Präventionsarbeit unterstützt. Ein besonderer Dank geht auch an das Bundesamt für Polizei fedpol, die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn, die Stiftung Gertrud Kunz, die KLT-Stiftung, die Bürgi-Willert-Stiftung, die Burgergemeinde Bern sowie an den Anna-Louise-Grütter-Fonds, welche es uns ermöglichten, im Jahr 2018 das Projekt «Deutschkurse und WenDo-Kurse für Sexarbeiter*innen» zu realisieren. 11


Vorstand und Personal Vorstand Eva Hauser, Präsidentin Miriam Schwarz, Vizepräsidentin Corinne Seebeck-Scheidegger (bis 31.5.2018), Aktuariat Maria Schultheiss, Recht Meret Schindler, Politische Arbeit Kanton Myriam Stucki, Öffentlichkeitsarbeit Stellenleiterin Christa Ammann Beraterinnen der Fachstelle Martha Wigger Jacqueline Suter Radka Pfund (bis 28.2.2018) Fiona Fankhauser (seit 1.4.2018) Sujaree Junbua Flück Mediatorinnen des Gesundheitsförderungs und Aidspräventionsangebotes Mathilde Bürgin-Ndo Paulina Estremadoyro Tatjana Kunz Olga Vasiliuc Raumpflegerin Tukkata Srisomchai

Impressum Jahresbericht Redaktion: Fachstelle und Verein Illustrationen: Serafine Frey Gestaltung: Andrea Stebler Druck: Vögeli AG

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Abschied von Radka Pfund – Willkommen Fiona Fankhauser Radka Pfund hat sich entschieden zu neuen Ufern aufzubrechen und ihre Arbeit als Beraterin bei XENIA nach zehn Jahren zu beenden. Wir bedanken uns herzlich für ihre jahrelange Arbeit und ihr Engagement als Beraterin für Sexarbeiter*innen und Cabaret-Tänzerinnen. Radka Pfund konnte durch ihre offene und humorvolle Art leicht Kontakt mit neuen Menschen knüpfen und hat sich in den letzten Jahren in den Beratungen schwerpunktmässig um Sozialversicherungsfragen, insbesondere die AHV gekümmert. Viele Tänzerinnen wurden von ihr bei der Rückforderung ihrer AHV unterstützt, als sie die Schweiz nach der Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts definitiv verlassen mussten. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und freuen uns, wenn sich unsere Lebenswege wieder kreuzen sollten! Seit dem 1. April 2018 ist neu Fiona Fankhauser im Beratungsteam. Sie ist Sozialarbeiterin, spielt in ihrer Freizeit Theater und spricht Deutsch, Rumänisch, Französisch und Englisch und wird sich in naher Zukunft mit dem Thema der online-Beratung auseinandersetzen. Da relativ viele Frauen aus Rumänien im Kanton Bern arbeiten, ist es für uns und die Sexarbeiter*innen eine Bereicherung, dass wir neu auch Beratungen in dieser Sprache anbieten können. Herzlich Willkommen im Team XENIA!

Verdankung Corinne Seebeck Im Sommer 2018 ist Corinne Seebeck nach acht Jahren grossen Engagements aus dem Vorstand von XENIA zurückgetreten. Sie war für die Mitglieder­ verwaltung und finanziellen Angelegenheiten des Vereins verantwortlich. Wir wissen, dass sie XENIA schweren Herzens verlassen hat und danken ihr ganz herzlich für ihre jahrelange Arbeit! Du wirst uns fehlen liebe Corinne und wir hoffen, dich auch weiterhin am XENIA-Weihnachtsessen anzutreffen!

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Jahresrückblick der Fachstelle Deutschkurs und WenDo für Sexarbeiter*innen XENIA bot im vergangenen Jahr an je drei verschiedenen Orten im Kanton Bern WenDo- und Deutschkurse an.

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Durch die Selbstverteidigungskurse konnten die Frauen praktische Selbstverteidigungstechniken lernen und Selbstvertrauen gewinnen. Gleichzeitig war der Kurs aber auch ein Ort, um über erlebte Gewalt zu sprechen, sich auszutauschen, einander zu stützen und die Erlebnisse aktiv zu teilen. XENIA hat für 2019 bereits einen weiteren Wen-Do-Kurs geplant, der durch den Projektfonds finanziert werden kann. Die Durchführung der Deutschkurse war eine grössere Herausforderung. Geplant waren drei Kurse aus je 20 Einheiten mit einem Teil Deutschkurs und einem Teil Informationsvermittlung. Die Kurse wurden in drei Etablissements in verschiedenen Regionen des Kantons durchgeführt. Die Kursteilnehmer*innen konnten vom Angebot stark profitieren und sich Sprachkompetenz und sprachliches wie fachliches Wissen zu verschiedensten arbeitsrelevanten Themen (Rechtliches, Gesundheitsthemen, Familie, Finanzielles, für sie wichtige Stellen) aneignen. Insgesamt war jedoch die Nach­frage zu klein, so dass es sich nicht lohnt, in naher Zukunft weitere Sprachkurse anzubieten. Informationsblöcke zu verschiedenen Themen werden wir aber auch in Zukunft bei uns auf der Fachstelle anbieten.

Kommission Prostitutionsgewerbegesetz (KOPG): Das Gesetz soll 2020 evaluiert werden In diesem Jahr haben zwei ordentliche KOPG-Sitzungen und eine Sitzung in einer Unterarbeitsgruppe zur Umsetzung der Änderung der Prostitutions­ gewerbeverordnung stattgefunden. Die Prostitutionsgewerbeverordnung sieht neu vor, dass in sämtlichen Betrieben Informationsmaterial zur Verhütung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zugänglich sein muss. Zusätzlich müssen die Bewilligungsinhaber*innen Kondome und Gleitgel umsonst zur Verfügung stellen. In der Unterarbeitsgruppe der KOPG wurde diskutiert und festgelegt, welche Materialien und Informationen am geeignetsten sind. 14


Ebenfalls wurde festgehalten, dass sich das Informationsmaterial an Freier und Sexarbeiter*innen richten muss. In den ordentlichen Sitzungen wurde unter anderem der jährliche Bericht zuhanden des Regierungsrates erstellt. Die KOPG hat im Bericht beantragt, dass das Gesetz von einer unabhängigen Stelle evaluiert wird. Dieser Antrag wurde vom Regierungsrat gutgeheissen. XENIA hat seit der Einführung des Gesetzes dafür plädiert, dass es eine unabhängige Evaluation des Gesetzes braucht, um zu überprüfen, inwiefern es den Zweck erfüllt und ob es allenfalls auch unerwünschte Wirkungen hat. Deshalb begrüsst XENIA, dass die Evaluation 2020 stattfinden wird.

Besteuerung an der Quelle

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Die Besteuerung an der Quelle war auch bereits im letztjährigen Jahresbericht ein Thema: XENIA setzt sich dafür ein, dass das Sexgewerbe auch in Sachen Steuern gleich behandelt wird wie andere Gewerbe. Das bedeutet, dass auch im Sexgewerbe die tatsächlichen Arbeitsbedingungen beurteilt werden sollen, um zu entscheiden, wie eine Person besteuert wird: Wer trägt das unternehmerische Risiko? Wer bestimmt über Arbeitszeiten, wer über Preise? Wer macht die Werbung? Mit der neuen Praxis der kantonalen Steuerverwaltung wird die Einzelbeurteilung jedes Betriebes aufgrund der tatsächlichen Arbeitsbedingungen für das Sexgewerbe abgeschafft – eine neue Sonderregel nur für diese Branche. Da die Steuerverwaltung 2018 in die praktische Umsetzung ging und nun angefangen hat, die Quellensteuer bei Etablissements mit Betriebsbewilligung einzufordern, hat XENIA Betreiber*innen aus dem Kanton Bern im letzten Jahr zweimal zu einem Treffen eingeladen, um sie über ihre rechtlichen Möglichkeiten und ihre Pflichten zu informieren. Der Austausch wurde von allen Seiten geschätzt. Der Austausch hat bestätigt, wie unterschiedlich die Betriebe organisiert sind: Es gibt solche, in denen von einem unselbständigen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden kann und somit die Besteuerung an der Quelle richtig ist. Und es gibt andere Betriebe, in denen von einem selbständigen Arbeitsverhältnis ausgegangen werden muss und somit die Besteuerung an der Quelle falsch ist. Es kann nicht sein, dass die Anzahl vermieteter Zimmer darüber entscheiden soll, ob jemand an der Quelle besteuert wird oder nicht  1. Bei einem Gemeinschaftsbüro oder einer Gemeinschaftspraxis ist 1. Wer im Kanton Bern mehr als ein es ja auch nicht so, dass der*die Vermieter*in für Zimmer zum Zweck der Prostitution zur die Steuern der Mieter*innen verantwortlich ist. Verfügung stellt, braucht eine Betriebs-

bewilligung nach PGG und ist deshalb gemäss Steuerver­waltung Arbeitgeber*in.

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Zudem wird, wo Belege fehlen, von einem fiktiven Betrag zur Berechnung der Steuern ausgegangen: Verlangt wird ein nicht auf der Realität des Milieus entsprechenden Annahmen berechneter Fixbetrag von CHF 25 pro Kalendertag, wenn die eindeutigen Belege für ein tieferes oder höheres Einkommen fehlen. Die Realität im Milieu ist, dass die Kunden in der Regel keine Quittungen unterzeichnen.

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Am stärksten von dieser Änderung betroffen werden all jene Sexarbeiter*innen sein, welche ihren Lebensmittelpunkt nicht in der Schweiz haben oder die in Betrieben arbeiten, welche die notwendigen Steuerbelege nicht ausstellen: Die Möglichkeit zuviel bezahlte Steuern durch eine nachträgliche ordentliche Verfügung zurückzufordern ist für sie zu hochschwellig. Davon profitiert der Kanton Bern auf Kosten der Sexarbeiter*innen. Damit sich etwas ändert, muss jedoch der rechtliche Weg eingeschlagen werden, welcher nur den Direkt­betroffenen, also Betreiber*innen und Sexarbeiter*innen, offen liegt.

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Öffentlichkeitsarbeit – deutliche zunahme von medienanfragen Im Sommer 2018 hat XENIA zusammen mit weiteren Beratungsstellen für Sexarbeiter*innen und diversen Frauenrechtsorganisationen den Appell «Sexarbeit ist Arbeit» (www.sexarbeit-ist-arbeit.ch) lanciert. Begleitet wurde der Appell von zahlreichen Medienartikeln zum Thema Sexarbeit im Allgemeinen und von verschiedenen Porträts von Sexarbeiter*innen in diversen Medien. Im Zusammenhang mit der Kampagne hat XENIA auch an einem Podium im «Kosmos» in Zürich teilgenommen, wo Fachpersonen darüber diskutiert haben, weshalb es wichtig ist, dass Sexarbeit entstigmatisiert und dahin gearbeitet wird, dass Sexarbeiter*innen den gleichen Zugang zu ihren Rechten haben wie andere erwerbstätige Personen. Ebenfalls haben im Rahmen der Kampagne verschiedene Gespräche mit Politiker*innen aus allen Parteien stattgefunden.

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XENIA war im August und November auch beim «Menschenhandelsbus» in Thun und Bern präsent, welcher von der internationalen Organisation für Migration (IOM) lanciert worden ist und schweizweit in verschiedenen Städten Informationsarbeit zum Thema Menschenhandel bietet. Die Sensibilisierung für Menschenhandel bei gleichzeitiger Information, weshalb Sexarbeit und Menschenhandel nicht vermischt werden dürfen, ist für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Sexarbeiter*innen und zur Bekämpfung von Menschen­handel zentral. Neben diesen ausserordentlichen Kampagnen haben die Mitarbeiterinnen von XENIA erneut zahlreiche themenbezogene Arbeiten von Student*innen und Schüler*innen mit ihrem Fachwissen unterstützt und Workshops zum Thema Sexarbeit angeboten. Die Stellenleiterin hat zudem drei Lehrveranstaltungen zum Thema Sexarbeit durchgeführt: zwei Lehrveranstaltungen für angehende Sozialarbeiter*innen an der Berner Fachhochschule bfh und ein Seminar am interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung IZFG.

Kategorie 2018 2017 Medien 27 11 Student*innen 19 18 Politiker*innen 7 7 NGO/Behörden 7 7 Podien/Referate/MK 9 6 Privatpersonen 3 1 Absagen 39 30

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Beratungen – deutliche zunahme von kurzberatungen

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Die Anzahl der Klient*innen, welche mehr als 30 Minuten Beratung in Anspruch genommen haben, ist im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Gleichzeitig konnten die Beraterinnen viel mehr Klient*innen als im Vorjahr erreichen, welche nur eine Kurzberatung in Anspruch genommen haben. Die Zunahme entspricht fast 50%. Was sich in den letzten Jahren zunehmend verändert hat, ist der Ort, wo die Beratungen stattfinden: Immer weniger Sexarbeiter*innen kommen für die Beratungen auf die Fachstelle. Zugenommen haben die Beratungen bei der aufsuchenden Arbeit und die Beratungen per Mail. Die Beraterinnen machen aufgrund dieser Veränderung öfters längere individuelle Beratungen bei der aufsuchenden Arbeit, weiterhin werden bei der aufsuchenden Arbeit aber auch Informationen an mehrere Sexarbeiter*innen gleichzeitig vermittelt. Die Veränderung der Anzahl Kontakte und der Orte, wo die Sexarbeiter*innen beraten werden, ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, welche aber praktisch alle auf einem Grundphänomen basieren: die erhöhte Mobilität der Sexarbeiter*innen. Die meisten Personen aus dem europäischen Raum arbeiten im Meldeverfahren in der Schweiz. Diese Bewilligung ermöglicht ihnen, während maximal neunzig Tagen im Jahr in der Schweiz zu arbeiten. Die neunzig Tage können sie frei über das Jahr einteilen. Die Sexarbeiter*innen haben damit ihren Lebensmittelpunkt nicht mehr in der Schweiz und kommen oft nur für wenige Tage bis Wochen am Stück in die Schweiz. Bei den Beratungen mit Falleröffnung sind wie im Vorjahr die Themen Finanzen, Arbeit und Wohnen die häufigsten Beratungsthemen geblieben. Bei den Beratungen ohne Falleröffnung haben Kurzberatungen zu finanziellen Fragen deutlich zugenommen, während die anderen häufigsten Beratungsthemen wie Arbeit, sexuelle Gesundheit, Recht und HIV/STI im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben sind.

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Anzahl Kontakte mit Falleröffnung Anzahl Kontakte ohne Falleröffnung Anzahl Sexarbeiter*innen 2018 2017 Anzahl Sexarbeiter*innen 2018 Sexarbeiter*innen 160 159 Sexarbeiter*innen 1956 davon neue 79 74

2017 1330

Verwaltungsregionen 2018 2017 Verwaltungsregionen 2018 2017 Bern-Mittelland 108 112 Bern-Mittelland 898 662 Oberland 25 23 Oberland 316 261 Emmental-Oberaargau 4 6 Emmental-Oberaargau 259 134 Seeland 22 17 Seeland 468 249 Berner-Jura 1 1 Berner-Jura 15 24 2018 2017 2 0 15 22 35 38 34 39 29 24 45 36

Alter bis 20 20  – 29 30  – 39 über 40 unbekannt 50 +

2018 2017 29 22 647 415 521 352 350 143 295 310 114 88

Nationalität 2018 2017 Nationalität 2018 2017 CH 24 19 CH 109 84 CH/Osteuropa 1 1 CH/Osteuropa 30 6 CH/Afrika 3 5 CH/Afrika 27 11 CH/Asien 21 15 CH/Asien 58 47 CH/Südamerika 1 2 CH/Südamerika 24 20 CH/EU 7 9 CH/EU 18 31 EU 65 61 EU 1240 841 1 Drittstaaten 1 38 47 Drittstaaten  450 290

1. Sexarbeiter*innen mit einem ausländischen Pass, ohne EU-Bürger*innen

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Alter bis 20 20  – 29 30  – 39 über 40 unbekannt 50 +


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Gesundheitsförderungsund HIV-/STI-Präventions­ angebot – hohe mobilität der sexarbeiter*innen als neue Herausforderung Über das Gesundheitsförderungs- und Aidspräventionsangebot bietet XENIA niederschwellig und unkompliziert in verschiedenen Sprachen Informationen über HIV/Aids und sexuell übertragbare Krankheiten (STIs), über weiterführende Angebote freiwilliger Beratung und Testung (Voluntary Counselling and Testing (VCT)) sowie Verhütung und Gesundheitsrisiken an. Ziel des Angebots ist es, die Gesundheitssituation und das Schutzverhalten der Sexarbeiter*innen zu verbessern. Auch rudimentäre Informationen zu rechtlichen Fragen, zum schweizerischen Krankenversicherungs- und Gesundheitssystem sind Bestandteil des Angebotes. Um dies zu ermöglichen, besuchen vier Mediatorinnen die Sexarbeiter*innen an ihren jeweiligen Arbeitsorten. Auch die Arbeit der Mediatorinnen hat sich in den letzten Jahren durch die höhere Mobilität der Sexarbeiter*innen verändert. Die Mediatorinnen machen ausschliesslich aufsuchende Arbeit und sind häufig der erste Kontakt, den die Sexarbeiter*innen zu XENIA haben. Es ist schwieriger geworden, in so kurzer Zeit ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Oft sind die Sexarbeiter*innen den Mediatorinnen gegenüber zuerst misstrauisch, eine Türe wird nur einen Spalt breit geöffnet. Die anspruchsvolle Aufgabe der Mediatorinnen besteht darin, bereits in diesem kleinen Moment Informationen zu vermitteln. Umso schöner ist es, wenn es gelingt, das Eis zu brechen und festgestellt werden kann, dass die Sexarbeiter*innen die Informationen, welche sie von XENIA erhalten haben, schätzen und für sich nützen können. Aufgrund der hohen Mobilität sind Sexarbeiter*innen mehr denn je auf die Informationen und die Abgabe von Präventionsmaterialien vor Ort angewiesen.

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Die Arbeit der Mediatorinnen ist durch diese Veränderungen im Einzelkontakt zeitintensiver geworden, was sich auch in den Zahlen zeigt: Die Mediatorinnen hatten im Vergleich zum Vorjahr ca. 150 Kontakte weniger. Ein weiterer Grund für den Rückgang ist, dass mehrere Salons über längere Zeit leer standen.

Arbeitsort Strassenstrich 0 82 0 0 0 82 Salon 800 539 0 424 0 1'763 Nachtclub 98 117 0 148 0 363 Bar-Sauna-Club 118 159 9 207 0 493 Privat 24 15 36 43 0 118 Weitere Orte 14 7 4 31 0 56 Total 1'054 919 49 853 0 2'875 1. Kontakt / Neu

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503

25

21

512

0 1'655

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Herkunft Bern- Oberland Emmental- Seeland Berner- Total Mittelland Oberaargau Jura Osteuropa 5 22 0 9 0 36 Afrika 256 155 0 251 0 662 Asien 73 33 0 43 0 149 LateinAmerika 197 159 9 131 0 496 EU / EFTA 501 492 36 394 0 1'423 Schweiz 20 58 4 25 0 107 Andere 2 0 0 0 0 2 Total 1'054 919 49 853 0 2'875


Bericht aus dem Vorstand – XENIA plant die nächsten Jahre

verein

Schon früh im Jahr galt es für den Vorstand von XENIA, über die Bücher zu gehen. Dank grosser Vorarbeit der Stellenleitung konnte im Vorstand über die Stärken und Schwächen, Risiken und Chancen von XENIA diskutiert werden. Resultat war eine ehrliche Auslegeordnung, die im September dazu diente, die strategischen Schritte für die nächsten Jahre zu planen. Am Strategietag im September wurde konzentriert und zügig gearbeitet. Nun sind die grösseren Projekte und Veränderungen von XENIA für die nächsten fünf Jahre geplant und wir freuen uns darauf, die nächsten XENIA-Jahre in Angriff zu nehmen. Doch XENIA-Vorstandsarbeit bedeutet nicht nur rauchende Köpfe und lange Sitzungen. Im März kam es zu einen Treffen der besonderen Art im XENIAHäuschen: Ein gemeinsamer WenDo-Kurs stand an. Die Vorstandsfrauen wurden gemeinsam mit dem Team darin geschult, sich selbst zu verteidigen. Bewegungsabläufe wurden trainiert, Partnerinnenübungen gemacht und manch eine war überrascht über die Kräfte, die in ihr schlummern. Der WenDo-Kurs war fürs Team gleichzeitig die Vorbereitung für die später im Jahr stattfindenden WenDo-Kurse für die Sexarbeiter*innen. Kraftvolle Frauen waren auch Thema des Teamtags im August. Das XENIATeam besuchte zusammen mit den Vorstandsfrauen die Gosteli-Stiftung und liess sich durch die Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung führen. Bevor das Jahr mit einem wunderschönen Weihnachtsessen für Sex­ arbeiter*innen, Vereinsmitglieder, das Team und den Vorstand zu Ende ging, stand noch die Leistungsvertragsverhandlungen mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern an: Wir freuen uns, dass XENIA auch im neuen Jahr dieselbe finanzielle Unterstützung vom Kanton erhält wie im Vorjahr. Nun starten wir mit dem 35-jährigen Jubiläum von XENIA ins Jahr 2019. Es erwarten uns im November spannende Theatertage, an denen wir hoffentlich viele neue und alte Gesichter antreffen dürfen!

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Engagieren Sie sich für einen guten Zweck Wollen Sie Mitglied von einem Verein werden, der sich seit 35 Jahren für die Rechte der Sexarbeiter*innen einsetzt und sich in den Beratungen und durch Öffentlichkeitsarbeit für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Sexarbeiter*innen im Kanton Bern stark macht? Für nur CHF 50 im Jahr treten Sie als Person und für CHF 100 als juristische Person dem Verein XENIA bei. Selbstverständlich freuen wir uns auch über Gönnerbeiträge und Spenden! Für jeden Betrag bedanken wir uns herzlich. PC 30-37914-2.

Anmeldung als Vereinsmitglied Privatperson Juristische Person Institution Name / Vorname Adresse PLZ / Ort

Talon ausschneiden und senden an XENIA, Langmauerweg 1, 3011 Bern. Sie können sich auch via Mail anmelden: info@xeniabern.ch. Besten Dank! 23


www.xeniabern.ch www.facebook.com/xeniabern

Profile for XENIA, Fachstelle Sexarbeit, Bern

Jahresbericht 2018  

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