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XENIA Fachstelle Sexarbeit

Jahresbericht 2015


Inhaltsverzeichnis 03 04 07 08 09

Editorial Thema: Das Cabaret im Cabaret Die Finanzen der Fachstelle und des Vereins Spendenverdankung Vorstand und Personal

Die Fachstelle 10 Schwerpunkte im vergangenen Jahr 13 Öffentlichkeitsarbeit 14 Statistische Angaben zu den Beratungen 17 Statistische Angaben zum Gesundheitsförderungs und Aidspräventionsangebot 18 Abschied und Neustart 20 21

Der Verein Neue Vereinspräsidentin Eva Hauser Statutenänderung und Leitbild

Liebe Leserin, lieber Leser Der diesjährige Jahresbericht beginnt mit einem grossen Dankeschön an die abtretende Präsidentin Claudia Allemann, die sich nach unermüdlichem und intensivem Einsatz neuen Aufgaben widmet. Wir sagen Merci viel Mal für all die kleinen und grossen Erfolge, die der Vorstand und die Fachstelle durch ihre Arbeit feiern durften und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute. Kurz vor Jahresende konnten wir dank der Arbeit von Claudia Allemann, den Frauen der Fachstelle Sexarbeit XENIA, sowie den Vorstandsfrauen einen lange angestrebten Erfolg verzeichnen: Der Kanton sprach der Fachstelle ab 2016 40 Stellen­prozente mehr für die Leitungsaufgaben zu. Wir freuen uns darüber, dass die wertvolle Arbeit unserer Leiterin Christa Ammann nun vom Kanton honoriert wird. Der Verein wird aber weiterhin 45 zusätzliche Stellenprozente aus dem eigenen Vermögen finanzieren, um der Verantwortung als Fachstelle für Sexarbeitende des gesamten Kantons Bern gerecht zu werden. Denn seit 2010 fungiert XENIA nicht mehr als städtische Fachstelle, sondern hat den Auftrag, Sexarbeitende im ganzen Kanton zu erreichen. Dies bedeutet mehr Beratungsaufwand und bedarf deshalb ganz klar einer höheren Zahl an Stellenprozenten. Zusätzlich zu den Subventionen des Kantons Bern sind wir aber auf Ihre Hilfe als Spenderin oder Spender angewiesen – noch immer sind die finanziellen Mittel im Verhältnis zu den Bedürfnissen knapp bemessen. Seit 2015 steht neu auch den Männern eine passive Vereinsmitgliedschaft offen und wir erhoffen uns nach eher zögerlichen Rückmeldungen der Männer im 2015 im nächsten Jahr sichtbare Auswirkungen in der Vereinskasse. Allen bisherigen Gönnerinnen und Gönnern danken wir von ganzem Herzen für die Unterstützung, die für uns elementar ist.

« Unser Ziel ist, die Menschen­rechte von Menschen, die in der Prostitution tätig sind, zu schützen und zu gewährleisten. » Stella Jegher, Mitglied der Geschäftsleitung von Amnesty International Schweiz, SRF Rendez-Vous 12.8.2015

Nach dem Jubiläumsjahr 2014 verlief das letzte Jahr für den Vorstand ruhiger. Er konnte sich voll und ganz auf die strategischen Aufgaben konzentrieren. Auch für die neue Stellenleiterin Christa Ammann wurde es Ende Jahr etwas weniger hektisch, ist sie nun vollständig in ihrer neuen Aufgabe als Stellenleiterin angekommen. Den Beraterinnen, den Mediatorinnen und der Stellenleiterin sprechen wir grossen Dank aus. Ihr alltäglicher Einsatz, Durchhaltewille und ihre Professionalität sind keine Selbstverständlichkeit! Als frischgebackene Vereinspräsidentin ist es wunderbar, auf ein Team voller motivierter Frauen zu treffen. Nun freuen wir uns auf das nächste Jahr und sind gespannt auf die Aufgaben, die uns erwarten und auf die Menschen, die uns begegnen. Es wäre schön, wenn auch Sie unser nächstes XENIA-Jahr mitverfolgen. Derweil wünschen wir Ihnen viel Lesevergnügen mit dem neuen Jahresbericht. Eva Hauser Präsidentin Verein Xenia Fachstelle Sexarbeit

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Das Cabaret im Cabaret

(BFM), heute Staatssekretariat für Migration (SEM), ein. Die Anstösse in der Steuerungsgruppe fanden jedoch kein oder zu wenig Gehör.

Der Bundesrat hat entschieden, das Cabaret-Tänzerinnen-Statut per Ende 2015 aufzuheben. Er stützt seinen Entscheid auf den Bericht der Expertengruppe, welche durch das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) eingesetzt worden ist. Es ist paradox, aber das Hauptargument für die Abschaffung des Statuts, nämlich der fehlende Schutz der Tänzerinnen, ist das gleiche wie 1983, als man beschloss, aus fehlendem Schutz den Muster­ arbeitsvertrag für Tänzerinnen einzu­führen. Denn schon damals bemängelten NGOs die fehlenden Schutzmassnahmen für Tänzerinnen. Das Cabaret-Tänzerinnen-Statut für Personen aus Drittstaaten existiert seit mehr als 40 Jahren. Im Jahre 1983 erarbeitete die ASCO (Verband Schweizerischer Konzert­lokale, Cabarets, Dancings und Diskotheken) auf Druck des Bundesamtes für Wirtschaft und Arbeit einen Musterarbeitsvertrag. Darin enthalten waren ein Minimalnettolohn, die Anzahl Arbeitstage oder die Anzahl Darbietungen etc. Der Musterarbeitsvertrag wurde 1996 unter massgebender Beteiligung des Frauen­informationszentrums (FIZ) revidiert. Einige Verbesserungen wurden vorgenommen, z.B. wurde die dreitägige Probezeit abgeschafft, damit Tänzerinnen nicht einfach entlassen werden konnten, wenn sie dem Cabaret nicht mehr genehm waren.

XENIA bei den Cabaret-Tänzerinnen

XENIA besuchte schon damals die Tänzerinnen an ihrem Arbeitsplatz und auch in ihren Privatwohnungen, um sie, nebst der Gesundheitsförderung und der Aidsprävention, über ihre Rechte und Pflichten zu informieren. XENIA hatte aber nicht zu jedem Cabaret Zugang, denn bei einigen Nachtclubbetreibern war die Visite nicht beliebt. Trotzdem konnten viele Tänzerinnen erreicht werden: Durch die regelmässigen Kontakte fassten die Frauen Vertrauen zu XENIA und erzählten den Beraterinnen von den Missständen in den Cabarets. Es ging oft um falsche oder keine Lohnauszahlungen, Geldstrafen bei Verspätung, überhöhte Mietzinse für die Zimmer etc. Wann immer eine Tänzerin den Mut hatte, beim Arbeitsgericht Klage einzureichen, unterstützte XENIA sie bei den administrativen Arbeiten und begleiteten sie zum Arbeitsgericht, was für die Beratungsstelle sehr viel Aufwand bedeutete und immer noch bedeutet.

Die Arbeitsgruppe Tänzerinnen setzt sich für besseren Schutz ein

Da diese Probleme nicht nur für den Standort Bern spezifisch waren, entschlossen sich ein paar Mitglieder von ProKoRe1, eine nationale Arbeitsgruppe (AG) Tänzerinnen zu bilden, um Verbesserungs- und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Eine XENIA-Beraterin arbeitete während über 10 Jahren in der AG mit, eine Vertreterin der AG brachte die Anliegen und Inputs der Arbeitsgruppe 1. Schweizerisches Netzwerk von Orga­ni­sa­in der Steuerungsgruppe beim Bundesamt für Migration

tionen, Projekten und Einzelpersonen, welche die Interessen der Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter vertreten

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Die AG Tänzerinnen entschloss sich im Jahr 2004 die Missstände mittels einer Presse­­konferenz in Zürich öffentlich zu machen. Anhand von Beispielen mit anonymisierten Belegen und Unterlagen wurde aufgezeigt, wie die Tänzerinnen ausgebeutet werden. Die Behörden wurden aufgefordert, die Betriebe besser zu kontrollieren und die Rechte der Tänzerinnen zu fördern und zu schützen. Die Presse­konferenz stiess auf ein grosses Medienecho. Der damalige Regierungsstatthalter von Bern wurde durch die Medienartikel wachgerüttelt und kontaktierte XENIA. Dank seiner Intervention wurden die Betreiber fortan angehalten, den Mitarbeiterinnen von XENIA Zutritt zu ihren Cabarets zu gewähren. Wer den Zutritt verhinderte, musste mit einer Schliessung des Betriebes rechnen. Für XENIA begann damit eine neue Arbeitsweise: Man musste mit den Betreibern in Kontakt treten, ihnen die Arbeit der Fachstelle vorstellen, Vertrauen herstellen und auch ihre Sorgen ernst nehmen. Ohne «Feindbildhaltung» (alle Betreiber sind Ausbeuter) war es XENIA möglich, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Die Mitarbeiterinnen hatten zu jedem Betrieb Zugang, waren aber auch bereit, das Cabaret zu verlassen, wenn alle Tänzerinnen besetzt waren. XENIA machte stets deutlich, dass zwar eine gute Beziehung zu den Betreibern gepflegt wird, jedoch weiterhin jede Tänzerin unterstützt wird, sollte sie nicht zu ihren Rechten kommen. Durch das gegenseitige Vertrauen konnten viele Arbeitsvertragsverletzungen im Gespräch mit dem Betreiber, also aussergerichtlich, gelöst werden. Die Steuerungsgruppe beim Staatssekretariat für Migration tagte weiter, jedoch ohne den Schutz der Tänzerinnen merkbar zu verbessern. ProKoRe beantragte mehr Beteiligungsmöglichkeiten im Gremium, diese wurden jedoch nicht gewährt. Von 2005 bis zur Auflösung der Steuerungsgruppe 2010 arbeitete also nur eine XENIA-Mitarbeiterin als Delegierte von ProKoRe in der Steuerungsgruppe mit.

Eine unheilige Allianz mit grosser Wirkung

2006 erschien die Studie «Arbeits- und Lebensbedingungen von CabaretTänzerinnen in der Schweiz» 2, bei welcher eine XENIA-Beraterin Mitautorin war. Im gleichen Jahr entschied Herr Regierungsrat Hansjürg Käser im Kanton Bern das Tänzer­innen-Statut per Januar 2007 abzuschaffen. XENIA sprach sich, trotz den Missständen, immer für das Statut aus, denn ein 2. Dahinden Janine und Stants Fabienne, 2006, Neuenburg, legaler Aufenthalt sowie ein Arbeitsvertrag galten immer als SWISS FORUM FOR MIGRATION grösster Schutz für die Tänzerinnen. Um diesen Entscheid des AND POPULATION STUDIES Regierungsrates zu kippen, entschied sich XENIA eine «unheilige» Allianz mit der ASCO und dem Schweizerischer Verband der Künstler- und Event­agenturen (ISI) einzugehen. Zusammen mit diesen Bündnispartnern organi­ sierte XENIA im Oktober 2006 eine Medienkonferenz in Bern. Die wichtigsten Statements waren:

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→ → → → → →

Beibehaltung des Tänzerinnen-Status Vermehrte proaktive Kontrollen in den Betrieben Möglichkeit eines Branchenwechsels für Tänzerinnen Miteinbezug der Beteiligten bei solchen Entscheiden Transparentere Informationspolitik durch die Behörden Keine politisch gewollte Illegalität der Tänzerinnen, welche Gefahr läuft, den Menschenhandel zu fördern

Die Medienkonferenz und die Überzeugungsarbeit bei Grossrätinnen zeigten Erfolg – das Tänzerinnen-Statut im Kanton Bern wurde beibehalten.

Die Finanzen der Fachstelle und des Vereins Jahresrechnung 2015 in CHF Bilanz Aktiven

31.12.2015

31.12.2014

Flüssige Mittel

143'461.04

122'537.28

Forderungen und Rechnungsabgrenzung

17'000.95

7'870.20

Einrichtungen

10'401.00 13'901.00

Total

Vom Bundesrat eingesetzte Expertengruppe

Bilanz Passiven Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzung

Im Juni und November 2012 führte der Bundesrat das Vernehmlassungs­ verfahren zur Abschaffung des Cabaret-Tänzerinnen-Statuts durch. Die zahlreich eingereichten Stellungnahmen zeigten Handlungsbedarf im gesamten Erotikbereich auf. Deshalb setzte das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) als ersten Schritt eine Expertengruppe mit dem Auftrag ein, Schutzmassnahmen für im Erotik­bereich tätige Frauen zu erarbeiten und einen Bericht zuhanden des Bundesrates zu erstellen. Von September 2013 bis Februar 2014 erarbeitete die Expertengruppe Vorschläge für verschiedene Massnahmen. In der Expertengruppe war auch eine Mitarbeiterin von XENIA als Delegierte von ProKoRe vertreten. Die Sitzungen, Vor- und Nachbereitungen, sowie die Absprachen mit der AG Recht und Politik von ProKoRe waren für eine kleine Organisation wie XENIA extrem zeitaufwändig und fast nicht leistbar. Das Thema Tänzerinnen hatte in der Expertengruppe keinen grossen Stellenwert. Die Mehrheit der Mitglieder lehnte die Beibehaltung des Cabaret-TänzerinnenStatuts ab, obwohl die Beratungs- bzw. Basisfrauen vor diesem Schritt warnten. Denn die Erfahrung der Beratungsstelle zeigte, dass der legale Status eine grosse Schutzwirkung hat, dank dem sich die Tänzerinnen gegen Vertragsbrüche wie fehlende Lohnzahlungen vor Gericht wehren konnten. Die Beratungsfrauen forderten in der Expertengruppe u.a.: → Generelle rechtliche Besserstellung der Tänzerinnen → Vom Arbeitgeber unabhängige Aufenthaltsbewilligung → Möglichkeit eines Berufswechsels → Konsequentere Kontrollen durch die Behörden → Konsequente Sanktionen gegen Betreiber und Agenturen bei Verstössen

Nothilfefonds Kapital Jahresergebnis Total Erfolgsrechnung Subvention Kanton Bern

6

144'308.48

31.12.2015

31.12.2014

19'087.15

18'296.39

8'047.35 1'934.20

Projekt Nr. One

0.00

10'107.65

119'270.24

88'226.41

24'458.25 25'743.83 170'862.99

144'308.48

01. – 12.2015

Budget 2015

01. – 12.2014

358'752.00

358'753.00

345'300.00

Spenden

21'478.70 10'000.00 59'748.10

Mitgliederfonds AHS

15'000.00

Mitgliederbeiträge

0.00

3'240.00 2'400.00 3'071.80

Vermietungen

3'175.00 3'000.00 4'325.00

Übrige Erträge

1'790.00

Personalaufwand Miete Unterhalt, Reparaturen, Ersatz Sachversicherungen Elektrizität Verwaltung und Informatik PR

-14'203.10

-15'000.00

-1'442.05

-2'200.00

Ausserordentliches Jahresergebnis

3'386.80 -15'254.30 1'809.56

-509.10 -506.20 -519.55 -1'672.25 -1'200.00 -1'891.85 -25'851.55

-25'480.00

-27'108.00

-4'742.80

-3'000.00

-5'931.80

0.00

0.00

-25'226.90

-38.70

0.00

2.00

Übriger Aufwand Finanzerfolg

600.00

-327'723.70 -357'302.60 -307'894.00

Jubiläum Verein / Fundraising

Abschreibungen

Der Bundesrat hat anhand des Mehrheitsentscheides der Expertengruppe entschieden, das Tänzerinnen-Statut für Frauen aus Drittstaaten per Ende 2015 abzuschaffen. So werden in Zukunft vermutlich vorwiegend Frauen aus Europa in den Cabarets arbeiten. Es stellt sich die Frage, welchen Schutz den Tänzerinnen aus EU-Staaten gewährt wird, wenn Tänzerinnen aus Drittstaaten, gemäss Expertenbericht und Bundesrat, nicht geschützt werden konnten?

170'862.99

-211.40 -200.00 -296.01 -3'500.00 -8'340.00 -4'600.00 917.20

0.00 442.10

24'458.25 -37'875.80 25'743.83

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Herzlichen Dank!

Vorstand und Personal

Merci allen Spenderinnen und Spendern sowie Gönnerinnen und Gönnern. Vorstand

Es spendeten über 100 Schweizer Franken:

Eugster-Geissmann E. & R., Bern Meyer J., Thun E.W.A-Coaching, Alchenflüh König A., Gümligen Stucki Junker F., Bern Bühler M. & J., Oberkirch Aids Hilfe Bern Gilardi M., Bolligen Berger S., Bern Walker S., Muri Bieri E., Bern Bittel S. & K., Raron Ammann P., Bern Verein WEN – DO, Selbstverteidigung für Frauen, Bern Abt A., Konolfingen Dr. med. D. Durrer - Bosshard, Bern Nietlispach J., Luzern Einwohnergemeinde Nidau Kirchgemeinde Kehrsatz Kirchgemeinde Jegenstorf Kirchgemeinde Burgdorf Kirchgemeinde Münsingen Kirchgemeinde Münchenbuchsee – Moosseedorf, Münchenbuchsee Petruskirchgemeinde Bern Kirchgemeinde Kirchlindach Kirchgemeinde Ostermundigen Evangelisch Reformierte Gesamtkirchgemeinde Thun Kirchgemeinde Wohlen Kirchgemeinde Köniz Kirchgemeinde Hilterfingen Kirchgemeinde Vechigen Kirchgemeinde Muri-Gümligen Kirchgemeinde Bümpliz

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Claudia Allemann, Präsidentin (bis Oktober 2015) Eva Hauser, Präsidentin (seit Oktober 2015) Margreth Schär (Politische Arbeit Kanton), Vizepräsidentin Corinne Seebeck (Aktuarin) Maria Schultheiss (Recht) Miriam Schwarz (Vorstandsfrau) Myriam Stucki (Öffentlichkeitsarbeit)

Mitarbeiterinnen der Fachstelle

Christa Ammann (Stellenleiterin) Martha Wigger Jacqueline Suter Radka Pfund Sujaree Junbua Flück Mediatorinnen des Gesundheitsförderungs und Aidspräventionsangebotes Elcidia Bollinger-Barbosa (bis Ende Februar 2015) Mathilde Bürgin-Ndo (seit Oktober 2015) Patricia Carmona-Astete (ab Februar 2015) Tatjana Kunz Bernadette Oswald (bis Ende Oktober 2015) Olga Vasiliuc Raumpflegerin Tukkata Srisomchai

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Einerseits werden weiterhin alle Kleinsalons (mehr als eine Sexarbeitende) ins Visier genommen und nicht wie vorgesehen die Erstvermietenden. Durch das PGG werden in Kleinbetrieben künstliche Hierarchien hergestellt, während dem die Erstvermietenden weiterhin kaum in die Verantwortung genommen werden. Aus Sicht von XENIA müssten entsprechende Änderungen vorgenommen werden. Durch die Bewilligungspflicht für Kleinsalons ziehen sich Sexarbeitende in Privatwohnungen zurück. Sie wollen oder können aufgrund der hohen administra­ tiven Hürden die Verantwortung für einen Betrieb nicht übernehmen und wollen sich nicht in einer künstlichen Hierarchie einreihen. Wer alleine in einer Privatwohnung arbeitet, braucht keine Betriebsbewilligung. Die Verlagerung in Privatwohnungen bewirkt das Gegenteil eines besseren Schutzes für Sexarbeitende: Alleine und in der Anonymität zu arbeiten sind hohe Risikofaktoren. Zudem führt die Verlagerung in Privatwohnungen dazu, dass die Sexarbeitenden für Mitarbeiterinnen von XENIA schwieriger erreichbar sind.

Fachstelle

XENIA sind Fälle bekannt, wo Betreibende während zwei Jahren intensiv nach neuen Räumlichkeiten gesucht haben und trotz zahlreichen Bewerbungen und Unterstützung von Stellen, die auf die Vermittlung zwischen Suchenden und Anbietenden von Gewerbeflächen spezialisiert sind, keine neue Räumlichkeiten gefunden haben. Wegen dem Verlust der Arbeitsplätze durch eben erwähnte Gründe ziehen sich noch mehr Sexarbeitende in Privatwohnungen zurück und die Vermietenden haben einen weiteren Grund, die Mieten zu erhöhen, da die Nachfrage nach Arbeitsorten hoch ist.

Schwerpunkte im vergangenen Jahr Das Gesetz über das Prostitutionsgewerbe Das PGG (Gesetz über das Prostitutionsgewerbe) ist nun seit mehr als zwei Jahren in Kraft. XENIA ist in die Kommission für das Prostitutionsgewerbegesetz (KOPG) berufen worden. Sie wurde vom Regierungsrat eingesetzt, um die Auswirkungen des Gesetzes auf die Realität zu beobachten. Die Gründung dieser Kommission erachten wir auch noch nach zwei Jahren als positiv. Die KOPG muss jährlich einen Bericht zuhanden des Regierungsrates verfassen und XENIA hat darin festgehalten, dass klar negative Auswirkungen des Gesetzes auf die Lebensund Arbeitsbedingungen der Sexarbeitenden feststellbar sind:

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XENIA ist auch nach zwei Jahren noch immer nicht klar, welche Schutz­ funktion die Registerblätter, die in den Salons geführt werden müssen, für die Sexarbeitenden darstellen. Die Registerblätter sind für die Datensammlung und die Kontrolle praktisch - aber nicht notwendig. Denn die Polizei kann bei einer Kontrolle auch direkt die Ausweispapiere der Sexarbeitenden überprüfen und braucht keine Zusammenstellung der Kopien von diesen. Diese indirekte Registrierung gibt den Etablissement-Betreibenden zudem das Recht, jederzeit einen Salon und sämtliche Räume zu betreten unter dem Vorwand, die Registerblätter und die anwesenden Sexarbeitenden kontrollieren zu müssen. Die Möglichkeit für Betreiberinnen und Betreiber jederzeit in alle Räume gehen zu können, verletzt zudem die Privat­sphäre derjenigen Sexarbeitenden, die nicht nur im Salon arbeiten sondern auch wohnen. Hingegen begrüsst XENIA, dass von der KOPG weiterhin die Absicht kommuniziert wird, dass die Auswirkungen und die Erreichung der Zielsetzungen des PGG von einer unabhängigen Stelle evaluiert werden soll.

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Fachstelle

In gewissen Regionen schliessen seit der Einführung des PGG kleine Salons. Dies einerseits, weil die Vermietenden nicht offiziell mit dem Sexgewerbe in Verbindung gebracht werden wollen, andererseits, weil einige Sexarbeitende nicht die Verant­ wortung für einen ganzen Salon übernehmen wollen oder können. Zudem sind gewisse Salons nicht zonenkonform und werden mittelfristig schliessen. Neue, geeignete Gewerbe­flächen zu finden ist schwierig bis unmöglich, insbesondere an zentralen Orten.


Bericht des Bundesrates über Prostitution und Menschenhandel

Im Sommer hat der Bundesrat als Antwort auf vier Vorstösse auf nationaler Ebene einen Bericht über Prostitution und Menschenhandel veröffentlicht. Darin hält er fest, dass er auf ein Prostitutionsverbot verzichten will. XENIA begrüsst diese Grundausrichtung. Weiter ist dem Bericht zu entnehmen, dass durch eine Reduktion von Arbeitsplätzen, also Angeboten, der Schutz der Sexarbeitenden gestärkt werden soll. Diese Reduktion als Schutzmassnahme zu bezeichnen ist befremdlich, führt ein Mangel an Arbeitsplätzen doch zu Mieterhöhungen bis hin zu Wucher oder zu einem Rückzug der Sexarbeitenden an unbekannte Orte. Die Folge davon ist eine weitere Prekarisierung der Sexarbeit.

Die Medienanfragen drehten sich vergangenes Jahr hauptsächlich um drei Themen: Die Abschaffung des Cabaret-Statuts, den Bericht des Bundesrates «Prosti­tution und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung» sowie um die Auswirkungen des Prostitutionsgewerbegesetzes auf die Lebens- und Arbeits­ bedingungen der Sexarbeitenden. XENIA wurde zudem von diversen Organisationen und Fachgremien angefragt, um die Arbeit der Fachstelle vorzustellen. Die Arbeit im Berner Jura wurde 2015 intensiviert, so dass sich XENIA vermehrt bei jurassischen Plattformen präsentierte und so aktiv Vernetzungsarbeit machen konnte. Wie jedes Jahr stellten zahlreiche Studierende und Lernende Fragen zum Thema Sexarbeit. XENIA nahm ausserdem als Expertin an einem Blockseminar der Universität Bern zum Thema Sexarbeit teil. Gute und fachlich fundierte Auskunft zu geben ist zeitintensiv und so musste XENIA die Anfragen priorisieren und einige davon ablehnen. Wo es möglich war, wurde auf andere Fachstellen verwiesen oder auf vorhandene Literatur aufmerksam gemacht.

Vernetzungsapéro von XENIA

Damit XENIA die Sexarbeitenden bei ihren Frage- und Problemstellungen fachlich gut, niederschwellig und unkompliziert unterstützen oder weitervermitteln kann, ist XENIA auf ein breites Netzwerk von Fachpersonen, Vereinsmitgliedern, Bekannten, Freundinnen und Freunde angewiesen. Am 16. Juni fand deshalb das zweijährliche XENIA-Vernetzungsapéro statt. Nachdem die Mitarbeiterinnen und Helfenden tagsüber noch befürchten mussten, dass es das erste Mal seit der Durchführung des Apéros regnen könnte, liess sich die Sonne doch noch blicken und man tauschte sich auf dem Läuferplatz aus. Neue Kontakte wurden geknüpft, alte gepflegt, ehemalige neu aufgefrischt. Das Buffettangebot von Yvonne Ott und ihrem Team war eine Gaumenfreude. Ein besonderer Dank gilt Ottilia Hänni, die auch in diesem Jahr um SponsorInnen für das Apéro gesucht hat. Selbstverständlich danken wir hiermit auch den einzelnen Geldgebern.

Öffentlichkeitsarbeit Studierende, Lernende: 15 Behörden, NGO's: 22 Medien: 23 PolitikerInnen: 5 Referate, Podien: 9 Privatpersonen: 3 Absagen: 39

« Sexarbeitende und Freier haben beide ein Interesse daran, dass es rund um das Etablissement ruhig und diskret bleibt.» Christa Ammann, BZ vom 23.09.2015

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Fachstelle

Fachstelle

Da die Fachstellen in die Erstellung des Berichtes nur mangelhaft einbezogen wurden, nahm XENIA zusammen mit der FIZ als Vertreterinnen von ProKoRe an einem Hearing in der Rechtskommission des Nationalrates teil. Ziel war eine praxis- und realitätsnahe Bewertung der vom Bundesrat aufgeführten aber nicht qualifizierten Massnahmen vorzunehmen und die Nationalrätinnen und -räte so für mögliche Auswirkungen von einzelnen Massnahmen zu sensibilisieren.

Öffentlichkeitsarbeit


Anzahl Klinentinnen mit Falleröffnung

Statistische Angaben zu den Beratungen

Anzahl Klinentinnen ohne Falleröffnung

Verwaltungsregionen 2015

800

In den Zahlen zur Arbeit der Fachstelle im Jahr 2015 zeigt sich, dass die zusätz­lichen Stellenprozente der Fachstelle ihre Wirkung entfalteten: Es fanden deutlich mehr Kontakte zu Sexarbeitenden statt als noch in den beiden Jahren zuvor und die Beraterinnen konnten ihre Arbeit vermehrt auch im Berner Jura machen. Die Anzahl direkter Kontakte ist im Vergleich zu anderen Regionen hier aber noch klein, da hauptsächlich Aufbauarbeit geleistet wurde. Im Jahr 2015 betrafen die meisten Anfragen, Probleme und Anliegen der Sexarbeiterinnen die Themenfelder Arbeit, Finanzen, Gesundheit und Recht. Die Themen Wohnen und Polizei waren im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig.

600

400

Anzahl Kontakte mit Falleröffnung Anzahl Kontakte ohne Falleröffnung 200 Anzahl Sexarbeitende

2014

123

121

29

29

Verwaltungsregionen 2015 2014

Anzahl Sexarbeitende

2015

2014

Sexarbeitende o. F. e.

1478

1120

Verwaltungsregionen

2015 2014

Bern-Mittelland

85 88 Bern-Mittelland

866 623

Oberland

11 14 Oberland

187 240

Emmental-Oberaargau 4 3 Emmental-Oberaargau Seeland Berner-Jura

23 20 Seeland 0 0 Berner-Jura

Anzahl Bern-Mittelland Sexarbeitende

Oberland

EmmentalOberaargau

Seeland

Berner-Jura

über 40

unbekannt

73 39 323 209

Alter 2015

29 9

Alter

Alter

bis 20

0

0

bis 20

14

1

20  – 29

12

20

20  – 29

386

324

30  – 39

40

36

30  – 39

526

281

über 40

61

55

über 40

218

221

unbekannt

10 10 unbekannt

334 293

Nationalität Nationalität CH CH/Osteuropa

20

20

CH

1 2 CH/Osteuropa

CH/Afrika

5 5 CH/Afrika

CH/Asien

19 20 CH/Asien

CH/Südamerika CH/EU

6 4 CH/Südamerika 0

0

Ausländerin EU

37

33

CH/EU

Ausländerin*

35 37 Ausländerin*

Ausländerin EU

105

74

3 13 28 29 75 57 42 49 5

9

744

565

476 324 Anzahl Sexarbeitende

* Sexarbeitende mit einem ausländischen Pass, ohne EU-BürgerInnen

14

bis 20

20 – 29

30 – 39

15

Fachstelle

Fachstelle

Sexarbeitende m. F. e. davon neue

2015


Statistische Angaben zum Gesundheitsförderungs- und Aidspräventionsangebot 2015

Nationalität 2015

Ziel dieses Angebotes ist es, die Sexarbeitenden über HIV/Aids, sexuell übertragbare Krankheiten, VCT (Voluntary counselling and testing), Gesundheitsrisiken und Schwangerschaftsverhütung, rudimentär aber auch zu rechtlichen Themen zu informieren. Durch die aufsuchende Arbeit der Mediatorinnen kann XENIA niederschwellig, rasch und unkompliziert die Präventionsbotschaften und nötigen Informationen vermitteln. Durch regelmässige Besuche an den Arbeitsorten der Sexarbeitenden schafft XENIA eine Vertrauensbasis für eine erfolgreiche und nachhaltige Präventionsarbeit. Im vergangenen Jahr erreichten die Mediatorinnen 2'932 Personen aus unterschiedlichen Ländern und an verschiedenen Arbeitsorten.

Herkunft

Anzahl Sexarbeitende

CH

CH/Afrika CH/Südamerika AusländerIn EU CH/Osteuropa CH/Asien CH/EU AusländerIn *

Bern- Oberland Emmental-

Seeland

Berner-

Total

Mittelland Oberaargau Jura

Osteuropa

250 70 6 61 2 389

Afrika

388 139 134 661

Asien

61 63

3 58 185

Latein Amerika 189 166 5 41 6 407 Brasilien

* Sexarbeitende mit einem ausländischen Pass, ohne EU-BürgerInnen

EU Schweiz

29 23 13 65 400 445 21 296

7 1169

4 26 6 1 37

Andere 18 1 19 Total

1'321 950

35

610

16 2'932

Arbeitsort Strassenstrich 85 85

« Unsere Arbeit besteht auch aus sehr viel Waschen.» Mia, WOZ, 8.1.2015

Salon

617 624

Night-Club

392 198

5 112 11 718

Bar-Sauna-Club 292 38

5 146 481

Privat

25 335

5 1606

15 3 17 35

Weitere Orte 5 2 7 Total

1'321 950

35

610

16 2'932

Materialabgabe * 13 16 20 49 1. Kontakt / Neu 716 520

32 371

16 1655

* Anzahl Sexarbeitende, mit denen kein Gespräch stattgefunden hat, die aber Informationsmaterial zu Gesund­heits­förderung und Aidsprävention erhalten haben.

16

17

Fachstelle

Fachstelle


Abschied und Neustart

Engagieren Sie sich für einen guten Zweck

Elcidia Bollinger–Barbosa (seit 2002) und Bernadette Oswald (seit 1999), welche als Mediatorinnen des Gesundheits- und Aidspräventionsangebotes bei XENIA gearbeitet hatten, verliessen uns im Februar 2015 bzw. Oktober 2015. Frau Bollinger-Barbosa auf eigenen Wunsch und Frau Oswald wurde pensioniert.

Fachstelle

Beide Frauen haben mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem grossen Fachwissen das Gesundheits- und Aidspräventionsangebot von XENIA mitgestaltet und gestärkt. Beiden wünschen wir viel Glück für die weitere Zukunft. Mit Patricia Carmona-Astete (seit Februar 2015) und Mathilde Bürgin-Ndo (seit Oktober 2015) hat XENIA zwei qualifizierte und motivierte Mediatorinnen gefunden. Sie sind je zu 20 Stellenprozenten im Kanton Bern unterwegs. Die Stellenwechsel und die damit verbundene Einführungsarbeit sowie die Schliessung von einzelnen Cabarets zeigen sich auch in der Statistik des Gesundheitsangebotes: Insgesamt hatten die Mediatorinnen weniger Kontakte zu Sexarbeitenden und Tänzerinnen als im Vorjahr.

«Entkriminalisierung heisst in erster Linie, dass einvernehm­­liche sexuelle Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen nicht per Strafgesetz geregelt werden sollen.» Stella Jegher, Mitglied der Geschäftsleitung von Amnesty International Schweiz, SRF Rendez-Vous 12.8.2015

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Für nur 50 Franken im Jahr treten Sie als weibliche und neu auch als männliche Privatperson dem Verein XENIA bei. Selbstverständlich freuen wir uns über Gönnerbeiträge. Bestimmen Sie Ihre Spendensumme selbst. Für jeden Betrag bedanken wir uns herzlich. PC 30-37914-2.

Anmeldung als Vereinsmitglied

Privatperson

Juristische Person

Institution Name / Vorname Adresse PLZ / Ort Talon ausschneiden und senden an XENIA, Langmauerweg 1, 3011 Bern. Sie können sich auch via Mail anmelden: info@xeniabern.ch. Besten Dank!

19


Statutenänderung und Leitbild

Überarbeitung der Statuten und neues Leitbild für XENIA

Eine neue Präsidentin: Eva Hauser Im Oktober 2015 trat ich das Präsidium des Vereins XENIA als Nachfolgerin von Claudia Allemann an. Die erste Zeit in meiner neuen Funktion war geprägt von Zuhören, Lernen und Staunen darüber, was die Mitarbeitenden der Fachstelle und des Vorstands leisten. Als junge Frau und Soziologin ist es mir ein Anliegen, dass Frauen selbst über ihr Leben bestimmen können. Dazu gehört auch das eigenständige Abwägen von Vor- und Nachteilen einer beruflichen Tätigkeit. Klar – das Thema Sexarbeit ist vielschichtig. Das wird einem noch bewusster, wenn man einen direkten Einblick in die alltägliche Arbeit der Fachstelle XENIA wirft. Ich bewundere die Arbeit des Teams von XENIA, wie sie Probleme angehen, in sensibler, effizienter und profes­ sioneller Art. Es ist mir ein grosses Anliegen, mich zusammen mit XENIA für die Akzeptanz von Sexarbeitenden und den Schutz ihrer Rechte einzusetzen. Ich tue das mit einem Vorstand, der jahrelange Erfahrung mitbringt, sich seiner Verantwortung bewusst ist und mit dem man immer wieder auch herzhaft lachen kann. Ich freue mich darauf, meinen Teil zum Gelingen von XENIA beizutragen! Eva Hauser Präsidentin Verein XENIA Fachstelle Sexarbeit

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Leitbild

Verein

Verein

Im Jahr 2015 wurden die Vereinsstatuten von der Stellenleiterin, den Berater­ innen und dem Vorstand gemeinsam überarbeitet. Die Mitgliederversammlung des Vereins XENIA im Mai 2015 nahm die vorgeschlagenen Statutenänderungen einstimmig an. Die neuen Statuten finden Sie auf unserer Website www.xeniabern.ch. Während der Retraite der Fachstelle im Herbst erarbeitete XENIA auf der Basis der Statuten und geleisteter Vorarbeit von Christa Ammann, Jacqueline Suter und Martha Wigger ein gemeinsames Leitbild. Es wurde vom Vorstand im November fertiggestellt und verabschiedet. Es freut uns, dass wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, das Ergebnis von diesem Arbeitsprozess vorlegen können.

Unser Tätigkeitsbereich und unsere Ziele Wir beraten Sexarbeitende im Kanton Bern und stellen unser Fachwissen Etablissement-Betreibenden, Behörden, Medien, PolitikerInnen und anderen Interessierten zur Verfügung.

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Wir setzen uns für folgende Ziele ein: die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeitenden; die Förderung des Selbstbewusstseins der Sexarbeitenden; die Förderung der Gesundheit zur Stärkung des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens der Sexarbeitenden; die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Sexarbeit; die Vernetzung und Zusammenarbeit mit Organisationen mit gleichen und ähnlichen Zielsetzungen im In- und Ausland;

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Unsere Grundhaltung und unsere Werte Sexarbeit ist eine berufliche Tätigkeit und verdient als solche Anerkennung. Sexarbeitende verdienen Respekt, Anerkennung und die Achtung ihrer Würde unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts, ihrem sozialen Status, ihrer Lebensform und ihrer Religionszugehörigkeit. Gewalt gegen Sexarbeitende soll gesellschaftlich genauso verurteilt werden wie Gewalt gegen andere Menschen. Dazu gehört, dass Sexarbeitende dieselben Rechte haben und mit der gleichen Sensibilität vorgegangen wird, wie bei Gewaltdelikten gegenüber Nicht-Sexarbeitenden auch.

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Sexarbeit und Menschenhandel sind klar voneinander zu unterscheiden. Sexarbeit ist eine berufliche Tätigkeit, Menschenhandel ein Verbrechen. Die Verknüpfung der beiden Themen in der öffentlichen Debatte ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Unser Angebot

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Individuelle Beratung und Begleitung Wir bieten Sexarbeitenden individuelle Beratung und Begleitung an. Wir beraten Sexarbeitende auf ihren Wunsch zum Thema Berufswechsel. Wir beraten Behörden und Betreibende von Etablissements.

Aufsuchende Arbeit Wir treten durch die aufsuchende Sozialarbeit mit den Sexarbeitenden in Kontakt, um ihre Arbeitssituation kennenzulernen, eine Vertrauensbasis zu schaffen und das Angebot der Fachstelle bekannt zu machen sowie um die Sexarbeitenden über ihre Rechte und Pflichten zu informieren.

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Wir unterstehen der beruflichen Schweigepflicht und beraten auf Wunsch auch anonym. Wir arbeiten national und international vernetzt mit nicht-staatlichen, staatlichen Organisationen und Stellen zusammen. Wir sind Mitglied von PROKORE, dem schweizweiten Netzwerk zur Verteidigung der Rechte von Personen, die in Berufen des Sexgewerbes arbeiten und sind Aktivmitglied der Aids-Hilfe Schweiz. Wir sind eine Non-Profit-Organisation.

Unsere Finanzierung

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Unsere Finanzierung (Fachstelle und Gesundheitsangebot APiS) basiert überwiegend auf einem Leistungsvertrag mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern. Um Projekte zu finanzieren, sind wir zusätzlich auf Spenden, Mitglieder- und GönnerInnenbeiträge angewiesen.

Gesundheitsangebot → Wir leisten durch aufsuchende Arbeit niederschwellige Präventionsarbeit, indem wir über Massnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit insgesamt und insbesondere der sexuellen Gesundheit informieren. → Wir geben Präventions- und Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen ab → → → →

Öffentlichkeitsarbeit und politische Arbeit Wir sind eine Fachstelle für Sexarbeit und bringen unser Fachwissen auf lokaler, kantonaler, nationaler und internationaler Ebene ein. Wir engagieren uns in kantonalen und nationalen Arbeitsgruppen und leisten politische Arbeit. Wir betreiben Öffentlichkeitsarbeit und erteilen Auskunft an Medien und Interessierte. Wir erarbeiten Handlungsvorschläge und Grundlagen zuhanden von Behörden, Politik und der Öffentlichkeit und stellen unser Fachwissen sowie unsere Erfahrungen zum Thema Sexarbeit zur Verfügung.

Verein

Verein

« Es braucht nicht noch mehr repressive Massnahmen, sondern eine Stärkung der Selbstbestimmung und Rechte der Sexarbeitenden.» Aus der Stellungnahme von ProKoRe zum Bericht des Bundesrates, 21.10.2015

Projektarbeit → Wir initiieren bedarfsgerechte Projekte, welche sich an unseren Zielsetzungen orientieren.

Unsere Arbeitsweise

Impressum Redaktion: Fachstelle und Verein Sexarbeit XENIA Gestaltung: Andrea Stebler Druck: Basisdruck Bern

→ Wir arbeiten parteilich und orientieren uns an Methoden des Empowerments und der partizipativen Beratung.

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www.xeniabern.ch

Profile for XENIA, Fachstelle Sexarbeit, Bern

Jahresbericht 2015  

Jahresbericht 2015  

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